Nr. 180 «rscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gtehener Familien» blätter viermal in der Woche beigelegt. Notationsdruck u. Verlag der Brüh l'scheu Untvers.-Buch- u. Steindruckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 5L Erstes Blatt. 153. Jahrgang Montag 4. August 1903 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen jährl. ausschl. Bestellg, Annahme von Anzeigen für bte Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zetlenpreis: lokal 12Ps* auswärts 20 Psg. Verantwortlich: für den polit. u. allgem« keil: P. Wittko: für .Stadt und ßcmtr und „Gerichtssaal": Curt Plato; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Bezugspreis, monatlich 7b Pf., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole. u. " u Zweigstellen monatlich 6b Pf.; durch die Post Mk. 2.—viertel- Aü heutige Wummer umfaßt 8 Seiten. Politische Tagesschau. Vom französischen Kulturkampf. Am Samstag abend fand im Volkshause zu Paris wieder eine grofje klerikale Versammlung statt, die Francois Coppee veranstaltet hatte. Die Polizei hatte Maßregeln getroffen, sodaß es nicht zu Tumulten kommen konnte. Trotzdem hatten sich hinter dem Polizei-Kordon 3 bis 4000 Republikaner und Nationalisten emgefunden, welche die Internationale sangen, und Schrnährufe auf die Klerikalen ausstießen. Nachdem die Polizei zurückgezogen war, begab sich eine große Anzahl Republikaner und Sozialisten vor das Volkshaus, warf die Fen st er ein und riß die Thüren aus den Angeln. Bei dem Handgemenge wurde ein Polizist verwundet. — Ain Sonntag sammelten sich Gruppen von Sozialisten, um an dem Denkmal Etienne Dolet's (eines im 16. Jahrh. als Ketzer verbrannten Buchdruckers. D. Red.) eine Kundgebung zu Gunsten der Anwendung des Gesetzes gegen die Kongregationen zu veranstalten. Die Polizei ließ die Leute, die ein Lied anstimmten, in kleinen Abteilungen von etwa 50 Personen an dem Denkmal vorüberziehen; die Manifestanten brachten Schmährufe auf die Geistlichkeit und Hochrufe auf die Republik aus und legten Blumen an dem Denkmal nieder. Reden wurden nicht gestattet. In einer Schule der Brüder wurden die Fensterscheiben eingeschlagen; die Polizei trieb die Ruhestörer auseinander. Nach der Kundgebung vor dem Denkmal Dolcts erklärte in einer Versammlung der Deputierte Tourgnol, beim Wiederzusammentritt der Deputiertenkammer werde er die Aufhebung aller Kongregationen und Kündigung des Konkordats beantragen. Er hoffe, daß alle republikanischen Deputierten diesem Anträge zustimmen werden. In Firminy (Dep. Loire) trug sich ein Zwischenfall zu. Unmittelbar nachdem ein Polizeikommissar an der Kvngregationsniederlassung die Siegel angelegt hatte, brach der Pfarrer die Siegel ab, indem er erklärte, er sei Eigentümer des Hauses. Sodann schlug eine Frau dem Kommissar ins Gesicht. Der Pfarrer und die Frau wurden verhaftet. Die kongreganistischen Niederlassungen im Vienne (Departement Jsöre) und im ganzen Departement Ain wurden dagegen ohne Zwischenfall geschlossen. In Sully, wo Ordensleute das Eigentum der Marschallin Mac Mahon bewohnen, weigerten sich diese, ihr Domizil zu verlassen. Die Bewohner des Ortes haben sich bewaffnet und erklärt, die Schwestern bis zum letzten Blutstropfen verteidigen zu wollen. Der frühere Präsident Steiju ist mit seiner Familie in Begleitung Fischers und Wessels am Sonntag in Hoek van Holland eingetroffen, und dort im Rainen Krügers von Wolmarans begrüßt worden. Steijn hat alsbald die Reise nach Schev en in gen fortgesetzt, wo er mittags eintraf und am Bahnhofe von zahlreichen Personen begrüßt wurde. Ueber sein Befinden wird telegraphiert: Wessels und Fischer fanden den Präsidenten in seiner Kabine im Bett liegend augenscheinlich krank und elend. Auch trug er eine blaue Brille. Steijn ließ den Vertretern der Presse, die ihn zu intervenieren wünschten, durch Fischer sagen, er sei zu krank, um sie zu sehen, wünsche aber, seiner Dankbarkeit für die ihm an Bord des Earisbroohe Castle erwiesene Freund lichLert Ausdruck zu geben. Die Seereise habe ihm gut gethan. Seine Gattin erklärte ebenfalls, es ginge ihm in jeder Beziehung viel besser, doch könne er noch nicht aufstehen, da er an Armen und Beinen gelähmt sei. Dr. Pouthma, einer der Chefs des holländischen Ambulanzkorps, der Steijn behandelt, erklärte, Steijn leide an Nervenerschöpfung; es sei ein sehr rätselhafter Fall, wie er ihn noch nie gesehen habe. Deutsches Keich. B e r li n, 3. Aug. Man meldet aus Kiel: Der Kaiser und die Kaiserin begaben sich gestern an Bord der „Iduna" nach Hemmelmark, um dort dem Prinzen und der Prinzessin Heinrich einen Besuch abzustatten, und kehrten am abend hierher zurück. Der Kaiser wird sich Montag an Bord der „Hohenzollern" nach Reval begeben. Heute abend treffen Prinz Friedrich Heinrich und Reichskanzler Graf v. Bülow ein. Beide werden den Kaiser nach. Rußland begleiten. — Gestern abend fand in der Unionsbrauerei eine Waldeck-Hundertjahrfeier statt, die etwa 1500 Personen versammelte. Nachdem Rechtsanwalt Sonnenberg die Erschienenen begrüßt hatte, hielt Reichs- und Land- tagsabg. Kopsch die Festrede. — Die nationalen ParteiendesKönigreichs Sachsen beabsichtigen im kommenden Herbst über einen gemeinsamen Zusammenschluß gegen die Sozialdemokratie bei den nächsten Reichstagswahlen zu beraten. Memel, 2. Aug. Anläßlich der 650jährigen Jubelfeierder Stadt Memel fand heute inrFestsaale des Rathauses eine Sitzung statt. Bürgermeister Altenberg hielt die Festrede. Weitere Ansprachen hielten Regierungspräsident v. Waldow und Landeshauptmann von Brandt. Festessen und Konzert beendeten die Feier. Essen (Ruhr), 3. Aug. Anläßlich des Festes der hundertjährigen Vereinigung von Stadt und Stift Essen und Stift Werden mit der Krone Preußens fand heute vor dem Denkmal Kaiser Wilhelms I. in Anwesenheit des Oberpräsidenten Nasse und Exzellenz Krupp, des Generals Frhrn. v. Bissing, der Kreis- und städtischen Behörden unkdi unter Tellnahme zahlreicher Vereine sowie einer großen Menge eine Huldigungsfeier statt. Oberbürgermeister Zweigert hielt eine Ansprache, worauf Freiherr v. Bissing einn Hoch auf den Kaiser ausbrachte. Anschließend an die Huldigungsfeier erfolgte die Grundsteinlegung eines von der Stadt Essen zur Erinnerung an den heutigen Festtag gestifteten Brunnens. Am Nachmittag fand ein Festessen Und am Abend im Stadttheater eine Festvorstellung statt. Karlsruhe, 3. Aug. Zur Wiederbesetzung der durch den Tod Wörrishofers und den Rücktritt von Fräulein v. Richthofen freigewordenen Stellen in der badischen Fabrikinspektion wird gemeldet, daß an die Spitze der Fabrikinspektion und als Assistentin bis jetzt in Baden nicht thätig gewesene, aber hervorragende Kräfte berufen worden seien. Namen werden nicht genannt. München, 2. Aug. Tie Kammer der Reichs- räte beriet heute den Kultusetat und stimmte dabei dem Beschlüsse der Abgeordnetenkammer zu, eine eigene Professur für Homöopathie in Aussicht zu nehmen. Die Beschlußfassung über die Einrichtung einer technischen Hochschule in Nürnberg wurde vertagt, damit auch die hierauf bezüglichen Wünsche der Stadt Würzburg geprüft werden könnten. Die Petition der Stadt Würzburg, die Technische Hochschule nach. Würzburg zu verlegen, wurde der Regierung zur Würdigung überwiesen. Tre von der Kammer der Abgeordneten abgelehnte Forderung von 2000 Mark für den Ankauf antiker Vasen für die Vasensammlung wurde wiederhergestellt, ebenso einstimmig die von der Kammer der Abgeordneten gestrichene Position von 20 000 Mark für Neuerwerbungen für das Nationalmuseum. Bei dem Ab- schnrtt „Akademie der Tonkunst in München" trat Prinz Ludwig Ferdinand aufs Wärmste für die Wiedereinstellung der von der Kammer der Abgeordneten gestrichenen 12 000 Mark ein, worauf die Wiedereinstellung einstimmig erfolgte. Sodann sprach Prinz Ludwig Ferdinand für die Wiederherstellung der von der Abgeordnetenkammer gestrichenen 100 000 Mark zur Erwerbung aus- gezeichneter Kunstwerke für die staatlichen Kunstsammlungen. Der Prinz betonte dabei, daß die Förderung der Kunst ein wesentliches Ruhmesblatt Bayerns sei und daß der Stadt München der Ruhm als Kunstzentrum erhalten bleiben müsse. Frecherr von Cramer-Klett hob hervor, daß die Ablehnung dieses Postens in der Abgeordnetenkammer für Bachern Höch st beschämend sei, und daß der Reichsrat gewissermaßen die Ehrenrettung des Vaterlandes vorzunehmen habe. Ebenso warm traten auch Reichsrat v. Miller und Staatsrat v. Wehner für die Wiederherstellung der Position ein, worauf dieselbe beschlossen wurde. Ausland. London, 3. Aug. Lukas Meyer, der heute abend nach Dresden abreiste, ist vom König eingeladen worden, der Krönung beizuwohnen; er hat geantwortet, er würde der Einladung gern entsprochen haben, müsse sich aber auf ärztlichen Rat nach dem Kontinent begeben, um eine Badekur zu gebrauchen. Co w es, 3. Aug. König Eduard besichtigte gestern nachmittag die vom deutschen Kaiser für die am 6. d. Mts. stallfindenden Pachtrennen gestifteten Preise, insbesondere einen silbernen Becher. Die Preise waren an Bord der königlichen Pacht gebracht worden. König Eduard gab seiner Freude und Bewunderung über die Preise Ausdruck. Paris, 3. Aug. Gestern war hier das Gerücht verbreitet, auf den Präsidenten Loubet sei in Rambouillet ein Schuß abgegeben worden. Dieses Gerücht entbehrt jeder Begründung. Die Meldung ist dahin zu berichtigen, daß lediglich im Walde in Hörweite vom Präsidenten ein Schuß von einem Wilderer auf Wlld abgegeben wurde. SanRemo,3. August. Wie es heißt, lvird der König Eduard im Laufe dieses Monats in Bordighera zum Sommer-Aufenthalt eintreffen. . .. . . -.............■—!-------- ■ ".......' 26. rmttekyeiursches Krersturnfeft. (Originalartikel des „Gieß. Anz.") Worms, 3. Aug. Daß das Fest auch die unbescheidenen Erwartungen wesentlich übertreffen werde, ließ schpn die lokale feier vom 27. Juli ahnen. An jenem Tage besuchten bereits etwa 5000 Personen den Festplatz am Rheine. In der Mitte dieses 61000 Quadratmeter umfassendenTerrains liegt der von Barrieren und Fahnenmasten umsäumte Turnplatz (130 Meter lang, 80 breit). Tort führten vor acht Tagen 500 erwachsene und jugendliche Wormser Turner Stabreigen und -Uebungen vor. Gegenüber vom Eingänge grüßt das vierteilige Riesenzelt für Bier- und Weinausschank. Ein Caf6, Schau- und Schießbuden, Aiusikpavillon, ein Tanzboden, Karoussels rc. rc. sind auf beiden Seiten verteilt und zur Linken erhebt sich die große 3000 Personen fassende Haupthalle. Fahnen und Guirlanoen schmücken den Festplatz und alle Zelte. — Gestern (Samstag, 2. Aug.) nachmittag brachsten die Bahn und die Rheinboote schon hunderte von Gästen, die in Trupps und einzeln durch die unvergleichlich, r-eich geschmückten Straßen zogen. In allen Gasthäusern begann heute fröhliches Treiben, Gesang und Gläserklang. Abends bewegte sich eine Völkerwanderung zum Festplatz. Wohl an 4500 Personen stauten sich in der Haupthalle schon lange vor Beginn des EröffnungK-Kom- merses, und nicht viel weniger als 3000 suchten Unterkunft in den übrigen Zelten. Tann wäre noch die Schar derer zu berechnen, die draußen aus der Rasenfläche beim Scheine der Bogenlampen sich bewegte. Punkt 8 Uhr eröffnete der Festvorsitzende Kathreiner, der schon 1886 an derselben Stelle in gleicher Eigenschaft wirkte, den 4 Stunden dauernden Kommers mit einer Ansprache. Tann begrüßte namens Feuilleton. — Wilhelm Jordan. Angesichts der widersprechenden Meldungen über das Befinden des alten Nibelungen-Dichters wandten wir uns an eine ihm selber sehr nahestehende Seite und echielten heute aus Frankfurt folgende betrübende Nachricht: „Soeben komme ich von Jordon. Die Riesennarur des alten Rhapsoden hat noch einmal den Sieg davongetragen, augenblicklich ist keine Lebensgefahr mehr vorhanden. Aber die Kraft ist gebroche.n, und wenn das Leben noch lange dauert, wird es ein müdes Siechtum sein. Der Geist ist noch ganz klar, nur der Körper versagt. Tie überaus günstigen Berichte' der hiesigen Zeitungen sind übertrieben." Aus Frankfurt a. M. wird uns geschrieben: In der neu eröffneten August-Ausstellung des K u n st - S a l o n s H e r m e s hat der in Frankreich lebende Spanier Louis Jimenez eine Sonder- ausstellung seiner Werke veranstaltet. Mit größeren Kollektionen sind weiter vertreten Hans Thoma und Fritz v. Uhde, während Ludwig v. Hofmann, L. Adam Kunz, O. W. Roederstein, Defregger und F. A. v. Kaulbach neue, soeben fertig gestellte Gemälde sandten. Eine reichhaltige Sammlung ausgewählter Werke von Max Liebermann, Franz Courtens, Walther Firle, Schönleber, And. Achenbach, G. Max, Ed. v. Gebhardt, Ed. Grützner, E. Laermans, Ad. Menzel, Viktor Gilsoul, Paul Mathieu rc. vervollständigt die Ausstellung, die noch einen besonderen Reiz erhält durch zwei aus Privatbesitz stammende große Studienköpfe von Wilh. Leibl. Frankfurter Oper. Man schreibt u ns: Als erste Vorstellung nach den Opernferien ging am gestrigen Sonntag Wagners „Tannhäuser" (mit Ejnar Forchhammer in der Titelpartie) in Scene. An Novitäten hat die Intendanz vorläufig folgende Werke für die kommende Spielzeit in Aussicht genommen: „Samson und Dalila" von E. Saint-SaLns, „Tre Zwillinge" von Karl Weis (Uraufführung), die von Julius Otto Bierbaum und Wilh. Kleefeld herrührende textliche unb musikalische Neubearbeitung von Dvnizettis „Don Pasquale" (Uraufführung), „&uqeit Onegin" von P. Tschaikowsky, „Faust's Verdammnis" von H. Berlioz (in spanischer Bearbeitung), „Le Jongleur de Notre-Dame" von I. Massenet. — An älteren Opern sollen in neuer Jnscenierung und Einstudierung dem Spielplan einoerleibt werden: Wagners „Rienzi", Meyerbeers „Prophet" und „Dinorah", Mozarts „Ton Juan" (in eigener neuer Einrichtung), Glucks „Iphigenie in Aulis", Webers „Euryanthe", Mehuls „Joseph in Aegypten", Verdis „Othello", sowie einige Werke Aubers Auf dem Gebiete der Operette werden Werke von Offenbach (zunächst „Tie Großherzogin von Gerolstein"), Johann Strauß u. A. wieder ausgenommen. Während der gegenwärtigen Fremdensaison sollen, abgesehen von Wagners „Ring des Nibelungen" „Tristan und Isolde", Meistersinger" rc., die interessantesten 9leu- heiten und Neueinstudierungen des vergangenen Spieljahres, wie „Der polnische Jude", „Feuersnot", „Luise", „Hoffmanns Erzählungen" rc. zur Wiederholung gelangen. — Zu den mancherlei Verlusten, die unserer Oper seither beschieden waren, scheint nunmehr auch der Abgang der vorzüglichen Primadonna Pelagie Greeff-Andriessen zu kommen. Man spricht schon seit einiger Zeit davon, daß Frau Greef für die Münchener Hofoper in Aussicht genommen sei, aber bei der großen Beliebtheit, deren die Dame sich hier ersrent, hoffte man, daß uliserer Bühne diese Hauptstütze erhalten würde. Nun berichteten hiesige Blätter, daß Fräulein E t e l k a Nagy aus Vildapest für das Fach der hochdramatischen Sängerin nach Frankfurt engagiert worden ist. Mithin scheint das Scheiden der Frau Greef leider beschlossene Sache zu sein. — Man schreibt aus Darmstadt vom 1. ds»: Eine wertvolle Bereicherung hat die Großb. Gemäldegalerie erfahren durch das Oelgemälde „Stilles Thal" von dem am 4. Juni in München verstorbenen Landschafter Ew.il Lugo. Tas Bild ist ein Geschenk des Malers W. Bader. Berlin, 3. Aug. Zum deutschen Gabelsberger Stenographen tag waren gestern schon über 800 Teilnehmer hier eingetroffen. Gestern abend fand ein Festkommers in der „Philharmonie" statt. Erschienen war u. a. der Dettreter des österreichischen Kultusministeriums, Hofrat Kummer-Wien. Nach einer Ansprache des Präsidenten des Ausschuffes, Dr-. Neub^t, hielt der StenographenBundesvorsitzende Direktor Gaster-Antwerpen die Begrüßungsrede. Heute mittag wurde der Stenographentag feierlich eröffnet. Es erfolgte zunächst die Wahl des neuen Bundesvorstandes, bestehend aus dem bisherigen Vorsitzenden Direktor Gaster-Antwerpen als ersten, k. k. Itevisor im österreichischen Reichsrats-Stenographen- Bureau Weizmann als zweiten und Neupcrt-Berlm als dritten Vorsitzenden. Sodann begrüßte der Vorsitzende die Anwesenden und verlas die an den deutschen Kaiser, den Prinzregenten von Bayern, den König von Sachsen und den Kaiser von Oesterreich abzusendenden Huldigungstelegramme. Hierauf folgten Ansprachen der Vertreter der österreichischen und sächsischen Regierung und des Magistrats von Berlin. Nach dem von dem 1. Vorsitzenden Direktor Gaster erstatteten Thätigkeitsbericht umfaßt der Bund zurzeit 17 200 Vereine mit mehr als 60 000 Mitgliedern. Auf den Feslvortrag des Vorsitzenden über die Ziele und Forderungen der Stenographie folgte die feierliche Uebergabe des 1895 voii Wiener Damen gestifteten Bundesbanners an den Vorstand des Berliner Hauptausschuffes unter Ueberreichung von Fahnenschleifen durch Damen des Zentralvereins zu Wien, des Damenoereins zu Leipzig und des Damenzentralvereins zu Berlin. Nach Verlesung der Glückwunschtelegramme (unter ihnen befand sich ein solches des Staatssekretärs des Reichsschatzamtes Frhrn. v. Thielmann) schloß der Festakt. Roßlau (Anhalt), 3. August. Hoskapellmeister AugustKlug- Hardt ist g e ft o r b e n. Geboren 1847 in Köthen, besuchte Klug- Hardt das Gymnasium in Dessau und trieb später in Dresden musikalische Studien. 1872 wurde er Hofkapellmeister in Neustrelitz und 1882 in Dessau. Klughardt komponierte auch viele Opern und andere Tonschöpfungen, von denen „Jwein", „Gudrun" und die „Hochzeit des Mönchs" genannt feien. Am bekanntesten wurde Klughardt durch seine „Schilflieder". — Der Leipziger Tolstoi-Prozeß wird in der neuesten Nummer der „Christi. Weir" in zwei Aussätzen von juristischer und cheologischer Sette behandelt. Namentlich finden die schweren Bedenken, die der § 166 des Strafgesetzbuches anläßlich dieser Anklage auch in theologischen Kreisen hervorgerufen hat, eine aus. der Stadt and der Ausschüsse Oberbürgermeister £5^1 er die GLste in überaus herzlicher Weise. Sein Gut Heil galt der Turnerschaft und ihrem guten Geiste. Es tritt sodann der Massenchor sämtlicher 14 Wormser Gesangvereine in Stärke von 500 Mann unter Direktion des Lehrers Ludwig auf. Gesungen wurde ^Das deutsche IHet/'. Ter Beifall war unbeschreiblich — Als der Kreisturnwart Schninck die Leitung des Kommerses übernahm, war es schon schwer, die fröhliche Menge zur Ruhe zn bewegen. Die Begeisterung stieg, als 2 Telegramme an den Kaiser und Großherzog verlesen wurden. Als letzter sprach, im Namen der Regierung Kreisamtmann Wolf. Drei schöne Marmor- grnppen: Armin, Jahn und Kaiser Rotbart, gestellt von der Turngemeinde Worms, wurden nun gezeigt. Den poetischen Text trug der Dichter, Prof. Briegleb vor. Noch einmal trat der prächtige Massenchor auf, dann begann mit dem Fahrreigen und Schwertertanz, aufgeführt von der Wormser Durngesellschaft, das turnerische Programm. — Dazwischen wurden allgemeine Lieder gesungen und als gegen 12 Uhr nachts die Wormser Regimentskapelle bo5: letzte Stück spielte, ergoß sich die Menge über den Festplatz, um auch dort und in den Zelten noch ein, zwei Minuten verweilen. — Am Sonntag in aller Frühe begann das Hauptfest. Spielleute und Abteilungen der Wormser Militärkapelle durchzogen die Straßen uno weckten die Schläfer mit Paukenschlag und Trompetenklang. Sofort marschierten die Abteilungen zum Festplatz, wo um halb 8 Uhr morgens das Riegenturnen begann und bis 7 Uhr abends dauerte (abgerechnet die Mittagspause und die Zeit für die gemeinsamen Uebungen). Der Himmel sah wenig vertrauenerweckend aus, und ein kurzer Regenschauer stellte sich ein, aber die Sonne drang schließlich doch durch, und die Uebuugen konnten ohne Unterbrechung weitergeführt werden. Tie lebendigen Scenen aus dem Turnplatz im einzelnen zu schildern, ist nicht möglich Dort turnten Gruppen am Reck, an Ringen, da au Barren und Bock Dazwischen Trupps in Stabübungen begriffen, — Kommandowort, Glocken signale, hier und da bei besonders guten Leistungen das Beifallklatschen der Zuschauer. Obgleich die Eliteturner noch fehlen, — sie treffen erst morgen ein — sah man doch vorzüg- lrche Einzelleistungen. Indessen füllte sich, der Festplatz^ denn seit 8 Uhr morgens wurden auf dem Bahnhof mit Militärmusik fortwährend noch Vereine empfangen. Frankfurt z. B. brachte einen durchgehenden Extrazug für sich Jetzt behauptet man, 500 Vereine und 6300 Turner hier zu beherbergen. Jedenfalls sind alle Herbergen überfüllt und auf dem. Festplatze bewegen sich an 20 000 Personen oder noch mehr. Auch interessierte natürlich der Festzug am meisten. Schon nach 12 Uyr sammelte sich eine unübersehbare Menge Schaulustiger in den Straßen, Abtei- lungen marschierten mit Musik zum Stellplatz. Von dort aus rückte der Zug um 1 Uhr ab. An der Spitze marschierte der stattliche Gau Wiesbaden mit etwa 300 Mann. Ter ganze Zug hatte eine Länge von drei Viertel Marsch stunde. 10 Musikchors, darunter 3 Militärkapellen, begleiteten die Vereine, die turngauweise anrückten. Man zählte 300 verschiedene Namen! Außer den Turnern, die zum Teil den geschulterten Stab trugen, beteiligten sich verschiedene Feuerwehrkorps, Sports- und Berufsvereine. Drei Bachus, Gambrinus, Schützengesellschaft fuhren mit, 20 bis 3V> Trommlerabteilungen sorgten für festlichen Lärm. Gut Hellrufe, Hüte- und Tücherschwenken wohin der Zug kam. SBie vorgeschrieben, traf die Spitze 2 Uhr 10 Vdinuten auf der Festwiese ein. Dort wurden die Fahnen abgestellt, — es waren alte ehrwürdige Stücke dabei! — und dann begannen unmittelbar die Stabübungen, die ohne Vorprobe von 1500 Turnern ausgeführt wurden. — Der Mittelrheinkreis hat wiederum gezeigt, was er gerade auf diesem Gebiete' leistet. Währenddessen spiellen die Germersheimer und Wormser Militärkapelle auf dem Festplaü und in der Halle. In allen Zelten wurde musiziert uno das Jahrmarktstreiben zwischen den Buden lockte immer mehr Menschen herber. Das Wetter blieb schön, und so heiter wie die Sonne war aiKfy ringsum die Stimmung in der . hin- und herwogenden Menge. Als abends die Bogenlampen erstrahlten und das zweite Doppelkonzert begann, drehten sich die Pärchen in fröhlichem Reigen auf dem großen freien Tanzplatz. — Wesentliche Unglücksfälle sind nicht zu melden, die Sanitätswache trat neunmal in Thätig- keit, um Heine Schäden zu heilen. Für die aktiven Teilnehmer an diesem turnerisch anstrengungsreichen Tage erweckte natürlich, die Preisverkündigung lebhafteste Spannung. Die ersten Resultate liegen nun vor: Am Haupttage wurden ausgezeichnet: Preise im 1. Rang (37—45 Punkte). T.-V- Aschaffenburg, T G. Darmstadt, T. V. Kastel, T. V. Alzey, Amöneburg, St. Johann-Saarbrücken, T. V. Coblenz, T G Coblenz, 9Jt. T. V. Saarbrücken, T G. Neukirchen, M. T V. Mainz, T. V. Butzbach, T. G- Frankfurt. (40 P.) T. G. Bornheim, T. V. Heddernheim, T. V. Fechenheim, Kreuznach- Hausen, Schwanheim, M. T. V. Wiesbaden, T V. Wiesbaden, T G. Wiesbaden, T V Biebrich, Eltvllle, Alsheim, T. G. Mainz, Kelkheim, Griesheim, T il F. Kl. Frankfurt, T. G. Oberrad, M. T. V. Oberrad, Schierstein, T V. Offenbach T G Hanau, Höchst, Mülheim, Meder- rad, Offenbach Auringen, Schwanheim, Bürgel, Ober- erlenbach, Neuwied, Hanau, Worms. Preise im 2. Rang (32—36 P.). T- G. Kastel, Mainz, Nierstein, Oppenheim, Kostheim, Lberingelheim, Weisenau, Heiligenwald, T u. F. Kl. Oberstein, T. G. Bischofsheim, Bretzenheim, T. u. F. Kll Coblenz, Mainz, T. V. Worms-Neuhausen, T Kl- St. Johann, T V. Nied, Malstatt, Worms-Pfiffligheim, Hochheim, T. V. (Zöglinge), T. V. Wetzlar, Arheiligen, T. G- Bessungen, T. V. Sachsenhausen, T. G. Sachsenhausen, T V- Erbenheim, Fechenheim, T. G. Bockenheim, M. T- V. Kreuznach, T. G. Griesheim a. M., Kelkheim, T. V- Bockenheim, Rüdesheim, M. T. V. Geisenheim, Dotzheim, T- G. Biebrich, Worms, Hochheim, Eberstadt, M. T. V. Kreuznach, T- V. Bockenheim, T. G. Offenbach Mülheim, Urberach, Ober-Ursel, Rödelheim, Eckenheim, Osthofen. Preise im 3. Rang (27—31 P.). T- G. Worms, T. V. Hillesheim, Bingen, Guntersblum, Dietelsheim, T. G. Gonsenheim, Oberstein, Darmstadt, Ober-Olm, Bornheim, Oberrad. Ausgezeichnete Leistungen: T. G. Hanau (41,499 P.), T. D. Wiesbaden (41,09 P.), T. V. Offenbach (41,325), Aschaffenburg (40,9), T. G. Darmstadt und Born- eim (40,6), Frankfurt a. M. (40,5), Worms T G- (40,381), Offenbach T. G. (40,29), Niederrad (40,13), Fechenheim (40,02). Pro gramm zum 4. und 5. August. 4. Aug.: morgens 6—7 Uhr Weckruf in den Hauptstraßen. Von 7 Uhr ab: Einzelwettturnen, volkstümliche Uebungen. Im Lauf des Tages vier Militärkonzerte. 1—3 Uhr Festbankett, abends Fackelreigen. — 5. August: morgens 9—11 Uhr Wettfahrten, nachmittags Wettringen, Jugendspiele. Im Lauf des Tages zwei Konzerte, abends Brlllantseuerwerk. Aus Stadt und Land. Gießen, 4. August 1902. ** In der heutigen Vormittagsziehung der 5. Hessischen Landeslotterie wurden, wie uns ein eigener Drahtbericht aus Darmstadt meldet, folgende Gewinne gezogen: Die Prämie von 60 000 Mk. siel mit dem zuletzt gezogenen Gewinn von 300 Mk. auf Nr. 5 618 nach Worms. Es fielen ferner ein Hauptgewinn von 40 000 Mk. auf Nr. 29402 (nach Grünberg), ein Hauptgewinn von 10 000 Mk. auf Nr. 20315 (nach Darmstadt) ein Hauptgewinn von 5000 Mk. auf Nr. 44224 (nach Darmstadt), ein Hauptgewinn von 3000 Mk. auf Nr. 20047 (nach Büdingen), 3 Gewinne ü. 2000 Mk. auf Nr. 32465 43908 52319, 4 Gewinne ä. 1000 Mk. auf Nr. 17058 27771 46694 50037, 7 Gewinne ä 400 Mk. auf Nr. 12019 19168 24553 27274 40007 41349 46066, — 10 Gewinne ä. 300 Mk. auf Nr. 1608 44250 5618 66401 19192 21449 22310 23765 28239 42631, — 21 Gewinne ä 250 Mk. auf Nr. 610 1039 1166 3118 6413 10108 10828 12418 14916 19073 20072 22867 25770 35608 37206 37836 41670 41755 42047 45047 ,52856. (Ohne Gewähr.) tf Versetzungen. Gerichtsassessor Philipp Wahl wurde zwecks Verwendung als Amtsanwalt vom 1. August ab nach Worms versetzt. Er hatte bisher den Amtsanwalt Weiß zu Gießen vertreten, welcher jetzt seinen Dienst wieder aufnehmen wird. ** Pers ona lien. Der Großherzog hat dem Pfarrverwalter Jakob Kraus zu Essenheim, Dekanat Mainz, die evangelische Pfarrstelle daselbst übertragen. ** Personalnachrichten. Der Großherzog hat am 30. Juli dem Pfarrverwalter Wilhelm Wolf zu Lehrbach, Dekanat Alsfeld, die evangelische Pfarrstelle daselbst übertragen, (Der Patron Frhr. v. Günderode hat au Präsentation verzichtet.) am 2. August den Oberlehrer an dem Ludwig-Georgs-Gymnasium zu Darmstadt Professor Tr. Wilhelm Kunz wegen geschwächter Gesundheit auf sein Nach suchen unter Anerkennung seiner treuen Dienste in den Ruhestand versetzt und den Oberlehrer am Gymnasium und der Realschule zu Worms Professor Ernst Kleinen zum Oberlehrer zu Darmstadt, ferner den Lehrer an der Realschule und dem Progymnasium zu Bingen Dr. Georg Ne Hb zum Oberlehrer zu Worms mit Wirkung vom 4. August ernannt. In den Ruhestand wurde versetzt am 30. Juli der Gefangenwärter bei dem Hastlokal in Zwingenberg Jakob Spieß auf fein Nachsuchen mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts seines Nachfolgers. Dem Förster Johannes Menges zu Großen-Linden wurde aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. !? Abgefaßter Buchstaben-Marder. In der vergangenen Woche wurden während der Nacht zuerst von der großen Spiegelscheibe des Wiener Cafe „Großherzog" an der Bahnhofstraße eine größere Anzahl goldener Glas- buchstaben äbgelöst und entwendet. In der folgenden Nacht wiederholte sich derselbe Vorgang an den Spiegelscheiben des Wiener Cafes Skalizky. Der Schaden, der den beiden Inhabern der Cafes verursacht wurde, beträgt ca. 50 Mark. Als Th ater wurde ein Student ermittelt, gegen den von den Beteiligten Strafantrag gestellt ist. Der Student will in der Trunkenheit gehandelt haben, gesteht aber zu, mit einem Messer die fest angekitteten Typen von dem Spiegelglas losgelöst zu haben. §DerMennoniten-EidinH essen. Nach einem bis in die Mitte des verflossenen Jahrhunderts zurück- batirenben Gerichtsgeb rauche wirb bekanntlich den Menn»- niten auf Ersuchen an Stelle des durch bie Justizgesetze vorgeschriebenen förmlichen Eides, — sei es als Partei, Zeuge, Sachverständiger aber als Geschworener — eine ihren rel> giösen Vorschriften entsprechende Beteuerungssormel abgenommen. Letztere bestand in Starkenburg und Oberhesseir der Regel nach in der Versicherung: „bei Mannenwahrhell!" Es herrschten nun in unserem Lande Verschiedenheiten bei Entgegennahme und Inhalt solcher Beteuerungen, weshalb von der Großh. Regierung diese Fragen einheitlich für die drei Provinzen in einer kürzlichen Verordnung geregelt! wurden. — Hiernach besteht die eidesstattliche Versicherung eines Mennoniten von jetzt ab in der Beteuerung5 „Ich gelobe unter Handschlag"; während des sprechens dieser Formel soll der Erklärende dem Richter die Hand geben. Mennoniten, welche von dieser Befugnis Gebrauch machen wollen, müssen ihre Zugehörigkell zur mennonlli- schen Religionsgemeinschaft glaubhaft machen, sofern sie dem Beamten, der bie Erklärung entgegenzunehmen hat, nicht bekannt ist. ** In den „Familienblättern" des Gießens Anzeigers beginnen wir heute mit dem Abdruck des Romans Miß Cookfon aus New-Pork von Heinrich Lee. Der bekannte Berliner Schriftsteller, der sich in litterarischen Kreisen sowohl als Autor tüchtiger Romane wie als erfolgreicher Dramatiker einen geachteten Namen gemacht hat, schildert uns in diesem Roman in äußerst packender Form und mit wahrhaft dramatischer' Gewalt bas Liebesleben und den Stolz einer der reichsten amerikanischen Erbinnen, bie flüch- tenb vor ben Anbetern ihres Reichtums, in Deutschlanb endlich einen Mann gefunden zu haben glaubt, der sie ihrer selbst willen zum Weibe begehrt. Aber am Ziele, vermählt, sieht sie sich grausam enttäuscht . . . Mit feinen charakteristischen Strichen hat Lee neben dieser amerikanischen Lady den jungen deutschen Edelmann gezeichnet, der über feine Liebe feinen Ehrgeiz stellt, und so das tragische Geschick des Getrenntseins von seinem Weibe noch am Hochzecksabend heraufbeschwürt. Die zweite Hälfte des Romans widmet Lee dann dem aristotelischen Prinzip der Reinigung der Leidenschaften, sodaß der Leser dieses überaus uitereftanten Romans am Schlüsse in jeder Hinsicht befriedigt fein wird. — Wecker- hin enthalten die Familienblätter einen Aufsatz über Geifer und Geiferausbrüche, einen kleineren Artikel über „leuchtende Lindwürmer" und verschiedene Heinere Notizen. p. Großen-Linbeu, 3. Aug. Die Arbeiten an bet Erweiterung bes Eisenbahneinschnittes derMain-Weser- Bahn zwischen hier und Gießen nehmen trotz mancherlei Hinbernissen einen befriebigenben Fortgang. Bekanntlich war an genannter Stelle schon feit Jahren ber Bahnkörper burch ben immer wieder rutschenden Lett- unb Sandboden bebenklich bebroht unb ganz besonders waren im letzten Winter unb Frühjahr einzelne Stellen sehr in Bewegung. Um ben Boben zu festigen, hatte man schon in früheren Jahren viele Versuche gemacht. So zog man beispielsweise am Bahnkörper her Mauern, wahrend an ben Abhängen Akazien unb andere Sträucher angepflanzt wurden. Aber selbst diese anspruchslosen Sträucher gediehen an den meisten Stellen nicht, unb so schrill bann endlich die Bahnbehörbe bazu, ben Einschnitt zu erweitern. Diese Arbeiten werben von einem Unternehmer aus Mörfelben ausgeführt, bei bem viele Italiener angestellt sind. Die am meisten gefährbete Stelle ist nun fast fertiggestellt. Der Boben hat sich also als außerordentlich widerstandsfähig erwiesen, unb beshalb haben oft Sprengungen mll Dynamll ftattfinben müssen. In Steinfurtth wurde ein Kurgast aus Bad Nau» heim feftgenommen unter dem Verdacht, mittelst Einsteigens einen Diebstahl in der Wohnung des Geflügelhändlers Reitz versucht zu haben. Der Mann stammt aus Leipzig. [:] Grünberg, 3. Aug. Der hiesige Schützenverein hält fein diesjähriges Hauptpreis schießen verbunden mll Konzell am Sonntag den 10. d. M. auf der Neumühle ab. — Der Turnverein veranstaltet am 17. d. M. em Schauturnen, ebenfalls mll Konzell verbunden, wozu ein Teil der Kapelle des Marburger Jägerbataillons hier eintrifft. Darmstadt, 2. Aug. Gestern fand im Großh. Resi- denzschlosie zu Ehren der Offiziere der Feld-Allillelle-Bll- gaden 21 und 25 Hoftafel statt. sd. Darmstadt, 4. Aug. (Eigener Drahtbericht.) Der Chokoladen- und Gewürzfabrikant Stephan Wehner hier, hat sich gestern Nachmittag hier erschossen. Em langwieriges Leiden soll die Ursache zu dem Selbstmorde fein. gezeichnete Begründung. Im Anfchluß hieran sordell der Heraus- aeber der „Christi. Well", Pfarrer Rade, alle Manner von öffentlicher Stellung, die als Glieder der evangelischen Kllche sich durch die heute mögliche Handhabung des § 166 R.-S1.-G.-B. beunruhigt suhlen, auf, zum Zweck der Einleitung einer Aktion gegen «Uesen Paragraphen vom kirchlichen Standpmllte aus sich mit ihm in Beziehung zu setzen. — Au6 Bayreuth liegen zwei Meldungen vor, von denen bie erste allerdings höchst unglaubwürdig scheint. Frau Cosima Wagner soll den Münchenener Intendanten o. P o s s a r t, weil er saft alle in diesem Jahre in Bayreuth mitwirkenden Künstler für die Aufführung des Nibelungenrings 1903 im neuen Münchener Prinzregententheater engagierte, wegen unlauteren Wettbewerbs verklagt haben! — In Anknüpfung an Bestrebungen, die sich bereits im vorigen Jahre gellend machten, ist ferner die Anregung eines „P ars is a Ibu n d es" ergangen, dessen Ziel dahin gehen soll, dem legten Werke Richard Wagners, ,,Parsifal" auch über das Jahr 19013 hinaus, in dem bekanntlich die Wagner- schen Werke aufführungsfrei werden, durch em Ausnahmegesetz die alleinige Aufführung im Bayreuther Festspielhause zu sichern. — Die Wagnerfestspiele am Prinzregenten-Theater in München beginnen, rote wir bereits meldeten, am 9. August mll ber Aufführung von „Die Meistersinger von^Rümberg". Die Besetzung der Hauptpartien ist wie folgt: Haiis Sachs: Fntz Jein hall- Münck)en, Veit Pogner: Victor Klöpfer-München, Sixtus Beckmesser: Joses Geis-Munchen, Walther von Stollnig: Heinrich Knotc-Mün- chen, David: Albert Reiß-Rew-Pork, Eva: Fritzi Schest-London, und Magdalena: Gisela Staudigl-Tresden. Die Oberleitung ber Aufführung liegt in den Händen des Jntendmiten Pros. Ernst von Poffart, und Generalmusikdrrekwr Hermann Zumpe wird dirigieren. Am 11. August findet die erste Wiederholung der Meistertinger stall, die eine vollständige 9i.eubejetzung der Hauptpartien bringen wird. Kammersänger Theodor Rotchmami-Wien wird ben Hans Zachs bringen, iica Slezak-Wien den Walther von Stalmng, Carl Rebe-Berlin den Beckmcher und Frau B^rrha Förüm>LmrLrer-Lllen die Eva. Venedig, 2. Aug. Ein Teil des königlichen Palastes zeigt bedenkliche Risse. Auch die eingezogenen eisernen Träger sind gebrochen. (Ter königl. Palast stößt unmlltelbar an die Trümmer des Glockenturmes an und schien von vornherein ge- ährdct. D. Red. d. Gieß. Anz.) Christiania, 3. Aug. ^Morgenbladel" teilt ein Telegramm Baldwins mit, m dem es beißt, daß sein Versuch, den Nordpol zu erreichen, mißlungen sei. Er siihle sich jedoch von den Schwierigkeiten keineswegs überwunden, und werde nächstes Jahr wieder versuchen, den Nordpol zu erreichen. Baldwin legte drei große Depots an, die der nächsten Expedition großen Vorteil gewähren werden. Tas Fahrwaffer in Franz- Josephsland war im Herbst 1901 durch Packeis vollständig gesperrt, wodinch die Weiterfahrt mit dem Dampser verhindert wurde. Die Expedllion war genötigt, ihren Reservevorrat an Lebensmitteln und Kohlen anzugreisen. Durch die Arbeit im Eise von Januar bis Mat wurden die Schickten taft unbrauchbar, und weil auch der Proviant für die Pferde und Hunde auszugehen drohte, niußte die Expedition umkehren. Baldwin entdeckte Nansens Hütte und machte d,e ersten kinematographischen Ausnahmen von arktischem Leben. „Oeredladet" infolge erreichte Baldwin 81°44'. — In Tromsö verlautet, daß Kapitän Johannsen vom Schiff der Bald- roinWn Nordpolexoedition, Amerika", Seegerichtsverhör verlangte wegen verschiedener Zwischenfälle, die sich an Bord der „Amerika" während der Fahrt ereigneten. Johannsen wurde wahrend der Fahrt deS Kommandos enthoben. — Ueber Juvlstendentfch schrieb nn vorigen Jahre m der „Zukunft" recht hübsch em preußffckier Richter. Ed. Engel geißelte bann m Nr. 30 der „Zukunft" ds. Jahres die entsetzlich mißbräuchliche Anwendung des schauderhaft schwerfälligen „T e r ° selbe, dieselbe, dasselbe" für „er, sie, es", und memte sehr ridnta, jeder geschmackvolle Mensch wende diese häßlichen Wörter nur wr „der >c. nämliche" an. Jetzt schreibt Pros. Ltto Fisck)er zmreffend an öte „Deutsche Jurisienztg.": „Schon feit einiger Zeit empfinde ich es mll Bedauern, daß das nach meiner Auffassung ^.jprachwidrrs gebildete Warr „d i e L b e z ü g l r m bi£ Schriftsprache der Behörden übernommen ist. In einer soeben mir zu» gehenden Reichsgerichts-Entscheidung finde ich aber bie Neubildung eines Wortes, die mir noch weniger sprachgemäß zu seur scheint.' In einem Urteil des Reichsgerichts vom 25. Jnm 1902 heißt es: „Die Revision ist durch diesgerichtliches Ver- säiimnisurteil zurückgewiesen/ Bei dem großen Einfluß, den die Sprache des Reichsgerichts auf die Sprache der übrigen Gerichte und die Juristenwelt überhaupt ausübt, wäre es wohl zu empfehlen, mit der Neubildung solcher Wörter sehr vorsichtig 8U ’ei— Neue KnustMteratnr. Das August-Heft der „Kunst" (München, Bruckmann, Preis vierteljährlich 6 Mark) enthalt: Münchener Kmistansstellungen (Berichte über bie heurigen Lom- mer-Ausstellungen im Glaspalast unb bei ber Sezession, 52 Ab- bilbungen); Berliner Konservative Malerei (ein Aufsatz, anknüpfenb an bie biesiähnge „Große Berliner"); Gras Schack unb Böcklin (interessante Mitteilungen über beren Beziehungen, bie manch falsche Meinungen zerstören werden); Tie Turmer Ausstellung: Die Sektionen Schottland unb England (höchst interessant setzen damll bie Berichte über bie genannte Ausstellung ein, 40 Abbilbungen); Unser monumentales Gesamtempfinben (beachtenswerte Aus- fühnmgen tn Anknüpfung an bas Projekt ber Freilegung der Wiener Karlskirche); Tas Kunstgewerbe auf ber sehr besuchenswerten Karlsruher Jubiläums-Kunflausstellung (mit 17 Abbildungen»; Das deutsche Stäbte-Ausstellungs-Plakal; Otto Eckmawi 7. — Das 11. Heck von „Deutsche Kunst unb Dekoration" (Tarmstabt, A. Koch, Einzelpreis 2.50) fft m erster Linie der Turmer Ausstellung gewidmet, und zwar zunächst der Beteiligung Hollands. Georg Fuchs-Tarmsladt spricht dazu über „Lolland und die große deutsche Kultur". Ferner bringt Felix Eommichau-Tarmslabl „Neues von Professor Max Läuger-Karls- ruhe", m dem wir einen Künstler von feinstem modernen Llunst- geichniack kennen lernen. Illustrativ stehen beide Zeiffchnften, bie Münchener wie bie Tarmstädter, auf ber äußersten Höhe technischen Stbnncns. Mwersttäts-Mchrichtell. )( Gicßcu, 31. Juli. Am 7.—11. August d Js. findet die 12. Allgemeine deutsche christliche Studenten» Vermischtes. ♦ Berlin, 2. Aug. Gestern nachmittag v e r g i f t e t e sich der angebliche Rittergutsbesitzer Bernhard Nergtin mit Cyankali, nachdem kurz vorher der Versuch sich zu erschießen, mißglückt war. Die Ursache des Selbstmordes ist nicht ermittelt. * München, 2. Aug. Man liest in der „Allg. Ztg.": Vor einiger Zeit ging die Nachricht durch die Presse, daß eine hiesige Frauensperson sich erbötig gemach habe, mit einem nur ihr zur Verfügung sichenden Mittel den erkrankten König Eduard von Englaudzuretten; ferner, daß diese auf das hiesige englisch Konsulat berufen worden sei, dort Anweisung erhalten habe, nach London zu reisen — bis schließlich sich die ganze Geschichte als ein auf Reklame abzielendes Manöver entpuppte. Um was es der heilkundigen Dame zu thun war, beweist ein gegenwärtig hier erscheinendes Inserat folgenden Inhalts: „Bin gezwungen, mein durch Londoner Reise so rasch berühmt gewordenes Kräutermethgeschäft ,st!ebenstau" an kapitalkräftige Persönliches sofort zu verkaufen. Hoher Verdienst!" Folgt Unterschrift. * Paris, 2. Aug. Äm 8. d-M. findet die Versteigerung der Schlösser der Familie Humbert statt. Dasjenige von Vives-Taker wird mit 200 000, das von Ordouville mit 100 000 Frs. ausgeboten. — Ein Auto- mo-bilfahrer überfuhr heute auf der Fahrt von HLvre nach'Hersleur eine 73jährige Frau, die sofort tot war. * Paris, 3. Aug. In Dijon ging gestern abend ein furchtbares Gewitter nieder. Es fielen taubeneigroße Hagelschlossen. Dächer wurden abgedeckt und Bäume entwurzelt. Der Bahnverkehr ist teilweise eingestellt. Auch an .anderen Orten sind ebenfalls schwere Gewitter niedergegangen. In Clermont wurde eine Frau durch Blitzschlag g.etötet. In Tülle zündete der Blitz 20 Häuser sind abgebrannt und hundert Personen obdachlos. * Aus den Bergen. Der Assessor Ludwig Maas aus Berlin, der als Kurgast in Zermatt im schweizerischen Kanton Wallis weilt, wird seit mehreren Augen v ermißt. Er unternahm am Montag nachmittag einen kleinen Ausflug nach der Trift oder hohen Alm und ist seitdem verschollen. Es wird daher vermutet, daß ihm ein Unglück zugestoßen ist. Die zur Auftuchung des Verschwundenen ausgesandten Führerkolounen sind resultatlos zurückgekehrt. * Ein polizeilicher Mißgriff ist in Ober- -Schönweide bei Berlin vorgekommen. In dem 19Jahre alten Kellner Richard Gabriel, der seit Monatsfrist als Kellner in Tabberts Waldschlößchen angestellt ist, und in Ober-Schönweide sich ansässig gemacht hatte, glaubte ein Polizeibeamter einen von der Leipziger Staatsanwaltschaft gesuchten Raubmörder nach der Persönllchkeits- beschreibung zu erkennen, die zusammen mit dem Steckbrief auch der Ober-Schöneweider Polrzer zugegangen war. Nach Prüfung des Signalements schritt der Pollzeidiener um Mitternacht im Restaurationsgarten zur Verhaftung des Kellners G., indem er ihm erklärte, er stehe im Verdacht, einen Raubmord und eine schwere Körperverletzung verübt zu haben. Gleichzeitig wurde dem verblüfft drern- schauenden Kellner die bei derartigen Verhaftungen ge- gebräuchliche Handfessel angelegt. Der Vorgang war von den Gästen, die sich zum Aufbruch rüsteten, bemerkt worden und hatte peinliches Aufsehen erregt. Gabriel selbst wurde für die Nacht im Spritzenhau fern ter n r e r t, nachdem er die Frage, ob er sich bereits einmal rn —eipzig aufgehalten, entschieden verneint hatte. Am nächsten Morgen um 8 Uhr wurde er jedoch nach kurzer ^ernehmung aus der Haft entlassen. Der ihn belastende Verdacht schwand nämlich bei einer nochmaligen Vergleichung des Raubmörder-Signalements mit dem Aeußeren des Gabriel. Während der Gesuchte 1,71 Meter groß ist und erneu flotten Schnurrbart trägt, ist G. von kleiner Figur und hat einen sehr schwachen Schnurrbart. M Lindenfels, 2. Ang. Das Fest des hessischen Ganverbandes der Vereine deutscher Studenten zur fteier seines 10jährigen Bestehens nahm am 29. und 30. Juli einen glänzenden Verlauf. Nach einem Be- !grüßungsfrühschoppen zu Bensheim und nach dem Mittagessen erfolgte bei herrlichem Sonnenschein in langer Wagenreihe die Fahrt nach Lindenfels durch das wunderschöne Sast neue Dezimalwaae zu Der- |y kausen. 6 Centner Tragkraft. 03347 Landmauustratze 4. 4678] In meinem erkauften Hause Grüubergerstratze 5 sind Parterre- sowie Beletage, neu her-- gerichtet, 6 Zimmer, Badezimmer und allem Zubehör, per sofort zu vermieten. A. Hofmann, Wetzsteinstr. 40. schöne 5-Zimmer-Wohuuug 'w' mit allem Zubehör per 1. Oktober zu vermieten. 4968] Ludwigstraße 7. Mittlerer Stock mit 5 Zimmern usw. nebst Gartenanteil auf sogl. oder Später z, verm. L. Petri II, Ludwig]tr. 1. Schöne Wohnung. 4969] In memem 9teudau, Land- grasenstr. 6, grenzt an Oslanlage, ist noch der zweite Stock mit Erkerzimmer, alles der Neuzeit entsprechend eingerichtet, sofort zu vermieten. Philipp Kröck. 2-Zimmer-Wohnung mit Küche per 15. August zu vermieten. Rodheimerstraße 36. ttogts im mittl. 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