Nr. 154 Erstes Blatt. 152. Jahrgang Freitag 4. Juli ITOS Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Keffischen Landwirt die Siebener Zamllien- blötter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Ver* lag bu, Brü h l'sche- Univers. Buch-u.Stei. I^uckerfstPletjch Erben) ikeöafiiL. Expedition um Druckerei: Schul st ratze 7. filbreffe für Depeschen: Anzeiger Gtetzeu. s^rnsprrchanschluß Nr. 51. GietzenerAnzeiger " General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eietzen Bezugspreis: monatlich 75Pf., viertes jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- il Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Aik. 2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12 Pf* auswärts 20 Pfg. Verantwortlich: für den polit. u. allgem. Teil: P. Witt ko- für „Stadt und Land^ und „Gerichtssaal*: Eurt Plato; für den Anzeigenteil: Hans Beck. KeKanntmachung, Betr.: Amtstage in Hungen. Die unterzeichnete Behörde wird Donnerstag den 10. Juli d. I. von vormittags 9 1/i Uhr ab tm Rathause zu Hungen einen Amtstag abhalten nnd wird den Kreiseingesesienen aus den Amtsgerichtsbezirken Hungen, Lich und Nidda anheimgestellt, etwaige Anliegen in diesem Termin vorzubringen. Gießen, den 3. Juli 1902. .Großherzogliches Kreisamt Gießen- v- Bechtold. Gießen, 3. Juli 1902. Betr.: Wie oben. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien der in den Amtsgerichtsbezirken Hungen, Lich und Nidda gelegenen Gemeinden des Kreises Gießen. Vorstehende Bekanntmachnng wollen Sie in Zwischenräumen von 8 Tagen zweimal in Ihren Gemeinden auf ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntnis bringen lassen. Gießen, den 3. Juli 1902. Betr.: Ausführung des Körgesetzes; hier: Feststellung des Bestandes an zuchtfähigen weiblichen Tieren. Das Grsßheyogliche Kreisamt Gießen au die Großh. Bürgermeistereien des Kreises. Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 8. März l. I. (Kreisblatt Nr. 31) noch nicht entsprochen haben, werden an deren Erledigung erinnert. v- Bechtold. Bekanntmachung. Betr.: Die Ausführung des Schaumweinsteuergesetzes vom 9. Mai 1902; insbesondere die Erhebung der Schaumwein-Nachsteuer. Wir bringen den § 3 de ^^>astvov^hx^„^ des § 31 des Schaumweinsteuergesetzes vom 1902 vom Bundesrat erlassenen Schaumwein-Nachste^>Ordnung zur öffentlichen Kenntnis und bemerken hierbei,\ "e.ß als Hebestellen im Sinne der Nachsteuer-Ordnung die Großh. Hauptsteuerämter, Salzsteuerämter, Steuerämter und Ortseinnehmereien anzusehen sind, und daß die Erhebung der Nachsteuer nach den Hebebezirken der einzelnen Stellen erfolgt. Gießen, den 3. Juli 1902. Großherzogliches Kreisamt Gießen- v. Bechtold. § 3. Wer am 1. Juli 1902 im freien Verkehr befindlichen Schaumwein iiu Besitz oder Gewahrsam hat, hat ihn spätestens am 3. Juli 1902 bei der Hebestelle seines Bezirks schriftlich unter Angabe der Art und Menge und des Aufbewahrungsraumes anzumelden. Schaumwein, der sich am 1. Juli 1902 unterwegs befindet, ist vom Empfänger anzumelden, sobald er in dessen Besitz gelangt ist. Anzumelden ist auch der am 1. Juli 1902 bei Wirten, Händlern und den im § 2 Abs. 2 bezeichneten Vereinigungen vorhandene Bestand an ausländischem verzollten Schaumweine. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich: 1. für Schaumwein, der nach § 1 Absatz 2 unter b von der Nachsteuer befreit bleibt; 2. für Schaumwein, der im Lagerbuch' einer Schaumweinfabrik (§ 22 der Ausführungsbestimmungen) nachzuweisen ist. Zur Nachsteueranmeldung sind Vordrucke nach Muster"a zu benutzen, welche von der Hebestelle unentgeltlich geliefert werden. Die Hebestelle hat die ihr übergebenen Anmeldungen sogleich in das nach Muster b zu führende Schaumwein- Nachsteuer-Anmeldungsbuch einzutragen und unverzüglich den mit der Nachsteuer-Revision beauftragten Beamten zuzustellen. Gießen, den 1. Juli 1902. Betr-: Landwirtschaftliche Bodenbenutzung. Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises. Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 7. Mai 1902 (Kreisblatt Nr. 52) noch nicht entsprochen haben, werden an deren Erledigung erinnert. v- Bechtold. KeKanntmachung. Betr.: Die Ausführung der Verordnung, das Gewerbe der Gesindevermieter und Stellenoerinittler betr. vom 5. Februar 1901. Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß die von den hiesigen Vermielfrauen beanspruchte Gebühr beträgt 1. für Vermittlung eines Dienstboten an eine Herrschaft in Gießen .......... Mk. 5.—, 2. für Vermittlung eines Dienstboten an eine Herrschaft nach auswärts ........ Mk. 7,—, (Frau Heßler Mk. 5.—) wovon der Dienstbote jeweils Nkk. 2.— zu entrichten hat. Gießen, 2. Juli 1902. Gvoßherzvgliches Polizeiamt Gießen. Hechler. Bekanntmachung. Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß unsere Diensträume von heute ab sich im alten Sparkaffegebäude (Gartenstraße Nr. 11) befinden. Gießen, den 4. Juli 1902. Großh. Steuerkommiffariat. Dr. Metzler. Komische Tagesschau. Mr. Morgan als Gast des Kaisers. Man schreibt uns aus Berlin, 3. Juli: Zur kaiserlichen Frühstückstafel an Bord der „Hohen- zollern" war heute auch der berühmte „Trustkönig" Mr*. Tierpont Morgan geladen. Die Nachricht kommt einigermaßen überraschend, da bisher von einer Beteiligung Mr. Morgans an den Kieler Regatten nichts verlautet hatte. Nicht überraschen kann jedoch, daß der Kaiser die erste Gelegenheit benutzte, diesen Organisator riesenhafter geschäftlicher und industrieller Unternehmungen, der ja jetzt auch zur deutsch-atlantischen Schiffahrt in engen Beziehungen steht, persönlich kennen zu lernen. Kaiser Wilhelm, selbst ein Träger kraftvoller Initiative, liebt es, mit hervorragenden und energischen Persönlichkeiten Zwiesprache zu pflegen. So empfing er s. Zt. auch den „Napoleon Südafrikas", Cecil Rhodes, dem Mr. Morgan ja in mancher Hinsicht ähnelt. Wäre die Gewißheit nicht schon durch den Trustvertrag der beiden deutschen Großrhedereien mit Mr. Morgan gegeben, so könnte man aus dem Empfange des Letzteren durch Kaiser Wilhelm entnehmen: daß die Befürchtung, dem nationalen Charakter der deutschen Handelsflotte drohe von amerikanischer Seite Gefahr, unbegründet ist. __ Graf Vallestrem und die Polen. Aus dem Wahlkreise des Reichstagspräsidenten wird uns geschrieben: Das „Hauptquartier der polnischen Bewegung, als welches die in Posen erscheinenden polnischen Blätter zu betrachten sind, hat verfügt, daß Graf Ballestrem bei den nächsten Reichstagswablen um ein anderes Mandat als dasjenige der Wähler des Kreises Ovpeln 4 sich bewerben soll. Die Oberschlesier polnischer Zunge würden ihrem bisherigen Vertreter die Stimme nicht mehr geben. Und warum? Weil Graf Ballestrem, der Zentrumsmann, das staats- und reichsseindliche Treiben der polnischen Demagogen gelegentlich scharf verurteilt und dadurch „eine beklagenswerte Nichtachtung der Wünsche des polnischen Volkes" bekundet hat. Die „Patentpolen" in Posen irren sich, wenn sie glauben, den Grafen Ballerstem auf diese Weise ins Bockshorn jagen zu können. Er nimmt von dem gegen ihn gerichteten Preßfeldzug mit gewohntem philosophischem Gleichmut Notiz, denkt aber selbstverständlich nicht entfernt daran, sich, vom polnischen „Hauptquartier" Vorschriften machen zu lassen. Es kann vielmehr als feststehend gelten, daß Gras Ballestrem bei den Neuwahlen sich wieder um sein bisheriges Mandat bewerben wird. Einen Mißerfolg hat er lanm zu befürchten, denn die oberschlesischen Polen haben sich der großpolnischen Sache noch keineswegs mit Haut und Haaren verschrieben, am wenigsten die im Wahlkreise des Grafen Ballestrem. Die „Großspurigkeit" der polnischen Presse ist also in Thatsachen nicht begründet. Die sympathische Persönlichkeit des Grafen Ballestrem, sein ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl und sein reger Wohlthätigkeitssinn haben ihm das Vertrauen und die Zuneigung eines großen Teils auch der polnischen Bevölkerung seines Wahlkreises erworben. Das wird durch die Neuwahl zum Reichstag bestätigt werden. Zur Lage der Seeschiffahrt. Die Hamburg-Amerim-Linie har dieser Tage 300 Heizer, Trimmer und Matrosen entlassen. Die Entlassung ist darauf zurückzuführen, daß mehrere Seedampfer der genannten Rhederei aus der Fahrt gezogen werden sollen. Hieraus allgemein auf eine Verschlechterung der Lage der Ozeanrhederei zu schließen, wäre wohl nicht zutreffend. Es handelt sich offenbar um eine vorübergehende Erscheinung, wie sie in jedem Jahre mit nicht durchweg, d. h. auf allen Linien, befriedigendem Geschäftsgang beobachtet werden kann. Daß speziell die hier in Frage stehende Hamburger Großrhederei nicht pessimistisch in die Zukunft blickt, läßt sich ermessen an ihren auf die Einrichtung neuer Schifsslinien abzielenden Bestrebungen. So verlautete jüngst wieder von dem Projekt einer Dampfer- verbindung zwischen Newyork und Südbrasilien (Rio Grande). Wenn es bisher noch nicht realisiert worden ist, mag dies der seit geraumer Zeit stockenden wirtschaftlichen Entwickelung in Brasilien zuzuschreiben sein. Die letzthin aus den deutschen Siedelungen Südbrasiliens ein- gegangenen Meldungen aber lauten bereits hoffnungsvoller und berechtigen zu der Erwartung, daß die geplante Schiffsverbindung bald in Wirksamkeit treten kann. Gesetzentwurf über kaufmännische Schiedsgerichte. Nach einem Berliner Abendblatt wird der Gesetzentwurf über Einrichtung von kausmännis chen SchiedZ - gerichten voraussichtlich im nächsten Winter an den Bundesrat und Reichstag gelangen. Es ist zu wünschen, daß diese Hoffnung sich erfüllt. Aba. 23 aff er mann (nl.) kann das Verdienst in Anspruch nehmen, auf diesem Gebiet die Gesetzgebung mobil gemacht zu haben. Gegen die Vermehrung von Sondergerichten hat man zwar Bedenken erhoben, und im allgemeinen wird hier die Bedürfnisfrage sehr sorgfältig zu prüfen sein, aber die Entscheidung von Streitigkeiten aus dem kaufmännischen Anstellungsverhältnis geht einen so gewaltigen Kreis von Interessenten an, die prompte Rechtsprechung wie die sachverständige Beurteilung des einzelnen Falles kommen so sehr in Betracht, daß die Neueinrichtung geradezu als eine Abstellung lang empfundener Unzuträglichkeit empfunden werden wird. Die ordentlichen Gerichte sind mit bürgerlichen Streitigkeiten überhäuft; Wochen, ja Monate liegen zwischen den Terminen. Mancher Angestellte ist durch dies notgedrungene Warten auf die Entscheidung einer Klage in Bedrängnis gekommen. Süddeutsche Offiziere im Kolouialdieust. Es wurde einmal int Reichstage, irren wir nicht, seitens des Abg. B e ck h - Koburg (freif. Vp.) Klage geführt, daß bei Besetzung der Offiziersstellen bei den Schutztruppen vorzugsweise preußische Offiziere berücksichtigt würden. Der parlamentarische Kritiker hatte im besonderen Käme run im Auge. Der Vertreter der Regierung bestritch daß ein differenzielles Verfahren bei der Auswahl der Offiziere für den Kotonialdienst obwalte, und das wird wohl zutreffen. Thatsächlich aber liest man im Verhältnis selten daß Offiziere von süddeutschen Truppenteilen herangezogen werden. Es bleibt der Schluß, daß die Meldungen süddeutscher Offiziere zum Kolonialdienst minder zahlreich erfolgen, als die preußischer Offiziere. Seit längerer Zeit wird erst jetzt wieder die Berufung eines süddeutschen Offiziers, des bayerischen Oberleutnants Kuhn, in den Kolonialdienst bekannt. Oberleutnant Kuhn tritt in die Verwaltung Deutsch-Südwestafrikas ein, und zwar alZ Distriktschef. Seine Gattin begleitet ihn auf den vewnb- wortungsvollen Posten im dunklen Erdteill Die Zolltariskommisfion nahm unverändert die Positionen 504, 505 und 506, wasserdichte Gewebe, ausgenommen Kautschuk und Guttapercha, 507 Schmirgeltuch, Bimst ein tuch usw., 508, 509 und 510, Fußbodenbelag und Tapeten aus Linoleum und ähnlichen Stoffen an. Die Kommission fetzte in Position 511, Watte zu Seilzwecken, den Zoll für Aufmachungen von ein Kilo und darunter auf 24 Mk. statt 30 Mk. der Vorlage herab,' und nahm unverändert den zweiten Teil der Position 511 sowie 512 (andere Watte) an. Zwischen der Beratung der Positionen 510 und 511 schob sich eine lange erregte Geschäftsordnungsdebatte ein. Bauderi (Soz.) bemerkt, oie Mehrheit wolle die erste Lesung durchpeitschen und die Minderheit strangulieren durch Schlußanträge. Der Vorsitzende Rettich bittet, derartige Ausdrücke zu unterlassen. Hahn und Paasche sagten, die Mehrheit höre die Sozialdemokraten mit wahrer Engelsgeduld an. Geyer (Soz.) wirst der Mehrheit Winkelzüge vor. Rettich rügt diesen Ausdruck. Reißhaus (Soz.) sagt, die Kommission dürfe nicht die Diäten einstecken, und sie während der Feriem verzehren. Rettich rügt diese Bemerkung als unzulässig. Arendt sagt, die Sozialisten suchten die Mehrheit zu terrorisieren. Rettich betont, die Zeit dränge, der Tarif müsse bis zum 14. Oktober erledigt sein. Die Kommission nahm ferner unverändert die Position 513, Filze aus Rindvieh- und anderen groben Tierhaaren an, und setzte in Pos. 514, Wollfilze usw., den einheitlichen Zollsatz, von LOO Mk. unter Streichung des höheren Zolls für Klavierfilze ein. Sie nahm schließlich unverändert die Positionen 515 und 516, Pferdehaare und Waaren daraus, nebst den sricher zurückgestellten Positionen 413 und 471, Kroll- Haare und Krollhaarersatzstoffe, an. Im Laufe der Debatte bemängelt Molkenbuhr die bestehenden Desinfektions- vorschristen für Pferdehaare gegen Milzbrand als ungenügend . Graf Pofadowsky erklärt, das Reichsgesundheits- amt beschäftigt sich fortgesetzt mit dem Studium dieses' schwierigen Frage und der Aufsuchung noch besserer Des-> infektionsmittel. Die Kommission begann den Abschnitt 5H, Kleider, Putzwaren usw. Weiterberatung morgen. Deutsches Wich. Berlin, 3. Juli. Aus Kiel wird gemeldet: Der Kaiser begab sich nach 4i/3 Uhr nachmittags an Bord des österreichischen Kreuzers „Szigetvar", welcher die Großadmiralsflagge hißte. Kurz nach 5 Uhr fuhr der Kaiser mit oem Verkehrs'boot „Hulda" nach der Hachtklubbrücke, um der heutigen Preisverteilung der bisher ausgesegelten Regatten beizuwohnen. — Weiterhin wird aus Kiel gemeldet: Der Kaiser empfing an Bord der „Hohenzollern" den Kronprinzen von Sachsen, welcher die Notifikation der Thronbesteigung des Königs Georg überreichte. 23ei dem darauf folgenden Gala diner trank der Kaiser auf das Wohl des Königs Georg und seines Hauses, indem er zunächst mit Worten wärmster Dankbarkeit des verewigten Königs gedachte. Derselbe habe seinerzeit Kaiser Friedrich und ihm selbst versprochen, ihm stets ein väterlicher Freund und Berater zu sein und habe das Gelöbnis in jeder Lebenslage, auch in den kleinsten Dingen, bis an fein Lebensende treu gehalten. Der Kaiser bewahre ihm stets herzliche ehrerbietige Dankbarkeit. Auch der jetzt regierende ifönig, der gleich dem verewigten Bruder Gelegenheit hatte, an dem Aufbau des Deuffchen Reiches mitzuwirken, habe in dem Notifikationsschreiben in so herzlicher Weise den Willen kundgegeben, die altbewährten Traditionen zu ihm, seinem Hanse und Reiche aufrecht zu erhalten, daß er mit vollem en, denen dann Leute folgen werden, deren — Nach der neuesten Statistik sind in den Konzen Der Leipziger Bankprozetz. wickelt. schaut . . . des genommen. Im allgemeinen wird die Heuernte etwas geringer ausfallen als im vorigen Jahr. Die bisherige Witterung hinderte das Wachstum der Sommerfrucht. Die Winterfrucht, Roggen und Weizen, hat sich sehr gut ent» folgendes amtliche Bulletin über das Befinden König Eduards ausgegeben: Der König hat gut geschlchen. Kerner- lei Zwischenfall hat die fortschreitende Besserung seines Zustandes gestört. . — Wie dem „Lokal-Anz." telegraphrert werd, rst nach den fortgesetzt im ganzen günstig lautenden Bulletins bereits kaum noch von einer Krankheit, sondern nur von der Rekonvaleszenz des Königs die Rede. Der Patrent soll allerdings stark abgemagert fern, aber bereits wieder etwas größere Mengen fester Nahrung zu srch st Don der Universität. Geh.-Rat Professor Dr. O n ck e n hat infolge schwerer Erkrankung seine Vorlesungen für dieses Semester eingestellt. Wie wir hören, ist er von einem Schlaganfall betroffen worden. ** Prinz Joachim und Prinzessin Vrktorra! Luise von Preußen passierten heute morgen, von Schloß Hausbaden bei Badenweiler kommend, mit dem wegen Unterschlagungen verhaftet worden. Tie Passiva belaufen sich auf eine halbe Million Mark, denen nur 50 000 Mark Aktiva gegen überstehen. Aus Stadt und Kand. Gießen, 4. Juli 1902. nehmen können. . . In einem Schreiben, das Lord Roberts tn ferner Eigenschaft als Generalissimus der britischen Landmacht an den Herzog von Connaught aus Anlaß der letzten Kolonialparade heißt es, daß der König^in K^ken- Vermischtes. • Im Zentrumswalde des Sauerlandes tobt der Sturm gegen den Abgeordneten Fusangel. Dabei fand kürzlich das „Mescheder Kreisblatt« ein eigenartiges Mittel der Polemik, indem es folgendes Extrablatt herausgab: Erfolge der neunjährigen parlamentarischen Thätigkeit des Reichstagsabgeordneten Hrn. Johannes Fusangel. 0 + 0 = 0. ** In unseren gestrigen Festbericht über die Jrn^ matrikularion des 1000. Studenten hat sich in die Rede des Stadtv. Schmoll ein Druckfehler eingefchlichen. Es muß heißen: „Stenn wie von solchem Höhpunkt aus man da die Lande weithin über« flfertrotten tn die Zukunft blicken könne. Die Umstände hätten und die Reservisten, denen dann Leute folgm w^den, deren eS gefügt, daß die Hollge Begegnung auf den Gewässern Dienstzeit ab gelaufen rst, und dre rn bte Reserve nntreten ber Sieler Föhrde angesichts bet Schiffe bet beutschen Ma- können. Die rnbrschen Truppen sollen erst rm Herbst rine stattfände. Er freue sich, daß bet Kronprinz bie Stel- heimbefördert werden. hing a la suite der Marine und Infanterie angenommen — Nach der neuesten ^atrstrk smd rn den Konjen und damit ein neues Band zwischen dem Hause Wettin trationslagern 20047 Buren gestorben, t^runt^ und der deutschen Flotte geknüpft habe. In seiner Er- 15 208 Kinder unter 12 Zähren. ^re hochste von w. -------- , widerung dankte der Kronprinz für den gnädigen Em- Todesfällen (2561 Kinder und 514 Erwachsene) fte aus Frühschnellzuge 7 Uhr 20 Minuten den hresigen Dahuh^ vfDmund für die ihm durch die a la Suit^Stellung er- den Oktober 1901. . . , . .. md dadurch die gut Sache «k'ä ftüBK •!’,»« » ».«3«.«. tm> und Polizeibehörden über das Auftreten übertrvg- wegen des Vorfalles in Serret geforderte Absetzung^ des ^tigung des Artikels über das am 29. Ium stattgefundene barer ^Krankheiten, 3. dem Antrag Bayerns wegen Einfüh- dortigen Musseratis, unsbbl^^^ 9 'Fußballwettspiel ist zu bemerken, daß der veremigten runa des Gvmnasialreifezeuanisses als Vorbedingung des rischen Wappens unb der Fahne nicht bewilligt. ~ rär?tli^n Studiums 4 zu dem Entwurf einer - Amtliche türkische Krei e versichern, der Sultan äeüuna inr 2?efä m p f u n a be r"t. habe ben französischen Botschafter Constans der heute dlnwersun^zur B^ekamp^ Gesetzes in lltlaub abrerst, ersucht von Rvuvier best^e Bedingungen bett Einrichtung von Sondergerichten zur Ent- für bte Unifizrerung ber t u r k i, ch e n S t «t s scheidung von Streitigkeiten aus kaufmännischen An- schuld zu erlangen, und bestätigen, datz Rothschild bif ftellungsverhältnissen (kaufmännische Schieds-Ge- llnifi^ierung durchführe. /th1ir,rt \ t oan bUe^ gS,3^L o^r inzessin von ch Sw^d^artemen!Erzeugst % die unsvagli^e 5eU1C na*,ttta9 ÜUf k-ZeZ toi,™*"Ä' enÄ NM! "anreutfi, 3. Juli. Nach ben bis jetzt von den sie mitteUte sie betrachte seine Behauptungen als ver- ausschlaggebenden Orten des Wahlbezirkes eingegangenen > nünftig und gerecht fertigt. Resultaten haben bei der heutigen Reichstagsersatz-' Wahl erhalten: Hügel (Sozch 4802, Hagen (nL) 3420, Feustel (Bauernbündl.) 1663, Günth er (freis.) 1166 Stimmen. Es ist eine Stichwahl zwischen Hügel und fenbuna des Sekretärs Wuthe unmöglich zustimmen könne, immer eine oder mehrere Danren vorfmden,,erkennbar an Er habe der Bank gegenüber nichts zu verheimlichen unL einer Brosche, woraus die Worte: „Bescherming van jonge würde die Mitglieder des Aufsichtsrats der sSanl gern meisjes" stehen. Die Brosche wird an emem hellblauen emvfanaen um ihnen Einsicht in die Bücher zu geben, Bande getragen. Diese Damen, denen die jungen Mädchen aber einen kontrollierenden Beamten könne er nicht auf- ^hig ihr Vertrauen schenken können, sind gerne bereit, jede nehmen. Von der Entsendung emes Beamten wurde daiM gewünschte Auskunft kostenlos zu erteilen und auf solche Abitaud genommen. Fortsetzung morgen vormittag 9 ühr. Weise jedes Mädchen in die Lage zu versetzen, ruhig und sicher in Amsterdam verkehren zu können. Sie verteilen il a. auch Karten mit der Adresse des „Tehuis Koningin Milhelmina", bes „Drouwen Logement Tehuis" usw. * Der Inhaber einer Banksirma verhaftet. Wie wir gestern bereits telegraphisch meldeten, ist L.U. Von der Universität. Der ordentl. Profeffor ^er Inhaber der Tübinger Banksirma Wilhelm Brüuning Strafrechts an der hiesigeii Universität Dr. Ernst Beling - - -----— m-'nihe Berechnung bürste mcht nur austzhl.eßüch fnrHerrn durch die Vertagung der Krönungs-dewrlrchkerten nrcht kommission vom 23. Oktober 1900 wurde der Be- Fusangel frimmen; es giebt noch viele Abgeordnete, deren allzusehr enttäuscht (?) gewesen ist. . schluß gefaßt, daß zur Vermeidung einer großen Schädigung Leistung = 0 ist. — Bezüglich der Krankhert des Königs fuhrt ^ie Verbmdung mit der Trebergesellschaft mcht * Am sterd am , 2. Juli. Um der Ver führ un g von „Lancet" aus: Es war notwendig, dre rn dre Wunde ^chen werden dürfe, und die Gewährung werterer jungen Mädchen, die eine Stelle suchen, vorzubeugen, ieingeführten Röhren zu entfernen, da sre der Konrg ü erfolgen könne, wofür weitere Sicherhetten herber- und zu verhüten, daß diesekben in schlechte Hande ge- nicht mehr ertragen konnte. An Stelle derselben kommen ^bren wären. Die Bank stylte darauf die Forderung, raten, trifft man aus den Bahnhöfen größerer Städte des jetzt Gazepftopfen zur Anwendung. Dre Wunde perlt - ' /. - f Aufrechterhaltung der Kredtte einen Vertrauens- Auslandes bei Ankunst der Züge Damen an, dre den jungen in zufriedenstellender Weise. Des Ausfluß wrro v' Kassel zur Prüftng der Mcher enffenden dürfe. Mädchen mit Rat und That beiftehen. Solche Stations- geringer und ist völlig geruchlos. Der 5tönrg lerdet wem- Angeklagten aussagen, ist damals die Höhe bctil arbeit ist nunmehr, wie die „D. Wochen-Ztg." mitterlt, ger unb obwohl die Verbände noch nowendrgerwerse ^anx nicht ziffernmäßig festgestellt auch in Amsterdam eingesührt. Fortan. werden Frauen schmerzvoll sind, erträgt der Könrg alle Vorgänge mrt » » Schmidt schrieb darauf an Exner, daß er der Ab- ^d Mädchen auf dem Zentralbahnhof in Amsterdam äußerstem Mut. Die Temperatur ist seit dem 26. Juml u — •• - — •* ?«««• > --- -•— -—*«•«-« a« normal. Der König ist ein außerordentlich guter Patient, unb sehr liebenswürdig gegen die Aerzte Alle diese Umstände hält ,Lancet" für ein gutes Anzeichen zur baldigen Wiederherstellung des Königs. — Nach einer Mitteilung des Kriegsministeriums zollen -mm der englischen Armee in Südafrika, die ausschließlich der Lofitltruppen 202 M0 Mann unter Waffen Sihtt einige 70000 Mann heimbefördert werden, ohne die Rückkehr bet regulären Regimenter erfolgen kann. Tie Neuseeländer, die Kanadier und die Australier besinden sich bereits auf dem Heimtoege, die Sichasrikaner smo entlassen worden, und 39 Transporffchifse, welche ungefähr 40Ö00 Mann und 3000 Pferde aufnehmen formen ftnd worden während 2500 \^wan wöchentlich au[ , ^a^gie?-Dampser' befördert werden sollen. Zunächst fom- Men än die Reihe die Avlortteers, die ALiltz, W Ieowmrtz 9CI • UeVer einen Eiseub ahn zusammen stoß foird uns aus Graudenz berichtet: Der „Gesellige" meldet aus Eydtkuhnen: Der um 41/2 Uhr nachmittags fällige gestrige Schnellzug aus Petersburg traf mit mehr als elfstündiger Verspätung, also erst heute früh, hier ein. Der Grund dieser Verspätung ist ein großes Eisenbahn-Unglück. Der Schnellzug stieß bei Gatschina , nut (einem Vergnügungszuge zusammen. Der Lokomotivführer, -ein Heizer und mehrere Personen sind tot, über 60 Passagiere schwer verletzt. w t ♦ Ern schweres Br and un gluck wird aus Mairien bad gemeldet: Gestern früh brannte das Rudolfs- Heim nieder. Zwei Personen kamen in den Flammen um. Ein junges Mädchen sprang aus dem zweiten Stockwerk herab, und wurde lebensgefährlich verletzt. *'Der gefährliche Limburger. Die Amerikaner .find nun einmal ganz andere Leute wie wir. Wer daran 'noch gezweifelt haben sollte, wird einen schlagenden Beweis in der Thatsache finden, daß die Amerikaner nicht gern Käse essen, oder sich doch aus diesem Erzeugnis, das bei uns Vollsnahrungsmittel ist, nicht so viel machen, daß die Frage: Essen Sie gern Käse? wie bei uns zu einem wesentlichen Bestandteil der gesellschafllichen Unterhaltung werden könnte. Im besonderen aber hat der Käse den Zorn .eines amerikanischen Arztes und Gesundheitsbeamten, Dr. Men, auf sich geladen, der in einem Aufsatz des „Medical Record" gegen die Speise zu Felde zieht, die er mit dem -Namen „the Limburger" belegt. Er versichert, daß diese Msesorte voll von Bakterien und anderen Keimen ist und daher als unbedingt gesundheitsschädlich betrachtet werden muß. Er hat in dem Bereich seiner Machtvollkommenheit sogar eine Verordnung erlassen, daß jeder Verfertiger oder VerLiuser von Limburger Käse gesetzlich verfolgt werden würde. Nun ist ja dieser Käse schon seit langem von solchen Leuten als gefährlich erkannt worden, die einen schwachen Mägen und ein empfindliches Geruchsorgan besitzen. Man kann aber nicht gerade sagen, daß diese Leute in Deutschf- land häufig seien. Im Gegenteil erfreut sich gerade diese Käsesorte bei uns einer ausgesprochenen Beliebtheit. Zuzugestehen ist, daß der reise Limburger Käse sich in einem Zustand der Fäulnis befindet und nicht so ungefährlich ist wie frischer Mse. Ebenso zweifellos aber ist es auch daß Dr. Men die aus seinem Genuß erwachsenden Gefahren (wesentlich übertrieben hat, denn es sind eben nicht alle Bakterien oder sonstigen Mikroben gefährlich. Univerfttüts-Uachrichten. Berit«, 2. Juli. Die Regierung hat den Professor der Na- (tionalofonomie an der Berliner Universität, Dr. Ernst v. Halle zu einer auf mehrere Monate berechneten Informations- Meife nach Posen entsandt. Die Reise steht in engem Zusammenhang mit den Maßnahmen der Regierung zur Förderung des Deutschtums in denO st marken. Professor D. Halle ist mit eingehenden Specialstudien über das wirtschaftliche und geistige Leben in der Provinz Posen betraut, als deren Ergebnis neue Anregungen für Förderung der deutschen Arbeit und des deutschen Gemeinlebens im Osten sowie für die zweckmäßige IVerwendung des neuen Ansiedelungssonds erwartet werden. Kunst und Wissenschaft. — Stadttheater in Gießen. Dienstag den 8. und Mittwoch iben 9. Juli wird das Emser Kurtheater-Ensemble in den beiden 'Operetten „Die Puppe" Ed. Audran und „Die Landstreicher von Zieher wieder in unserem Stadttheater gastiren. — Der Theateroerein hat mit der Tirectton des Emser Kurtheaters für die weiteren Gastspiele em Familien-Abonnement von 6 Bons Loge 15 Mk., 6 Bons Sperrsitz 12 Mk., 6 Bons 1. Parquet 9 Mk., 'in beliebiger Anzahl au jeder Gastvorstellung zu verwenden, vereinbart. — Zur „Puppe^ werden sämtliche Dekorationen vom !Emser Kurtheater mitgebracht. Posen, 2. Juli. Auf dem 5. Samaritertag unter dem Vorsitz des Oberstabsarztes Dumps-Leipzig fand heute die Begrüßung seitens der Vertreter der Behörden, des Kultusministeriums, bes Oberpräsidenten, des Oberbürgermeisters Witting und des Aerztevereins statt. Unter stürmischem Beifall sprach zunächst Prozessor v. Bergmann-Berlin über die Bedeutung des Aerzte- Üandes sirr das Rettungswesen, dann sprachen die Professoren «Mayer über die Rettungswachen in den Städten und Jmimer- Zehlerrdorf über die Organisation der weiblichen Krankenpflege. Es wurden Begrüßungsdepeschen abgesandt an Den Kaiser und die Kaiserin, die Ehrenpräsidenten des Bundes. Gerichtssaat. -k- Mainz, 3 Juli. Wegen Nötigung hatte sich ein früher Hehr begüterter hiesiger, jetzt in Darmstadt wohnender Weinhändler Itn der letzten Sitzung der Strafkammer des Mainzer Landgerichts izu verantworten. Der Angeschuldigte, der hier zwei wertvolle 'Häuser besessen hatte, kam in finanziellen Rückgang und wurden ichm seine Anwesen zwangsweise veräußert, und zwar zu einem iverhälttlismäßig sehr geringen Preise. Baron Hamel, der früher [mit seiner Frau in dem Hause des Weüihändlers verkehrt hat und eine Schuldforderung hatte, soll die Ursache des Zwangsverfahrens gewesen jein, die sich nicht nur auf die Immobilien, sondern auf das gesamte Weinlager des Weinhändlers erstreckte. Der Angeklagte schrieb an den Brrider des inzwischen verstorbenen Barons Haniel, er werde sich mit Veröffentlichung des ganzen Herganges i-unD seines durch seinen Bruder verschuldeten Unglücks an den Kaiser urrd den Prinzregent do« Bayern wenden, wenn ihm nicht ■jein Geld wieder zurückgegeben würde, da er um fein ganzes Vermögen in der Höhe von 350 000 Mk. gebracht worden sei. In der (Thal hat sich auch der Angeklagte an den Kaiser und an den 'Prinzregent von Bayern gewendet, weil er durch zwei neugeschaffene «Adelige, die über mehrere hundert Mlllwnen verfugten, wegen £5 000 Mk. um Hab und Gut gebracht worden sei. Das Gericht «sprach den Angeklagten frei, da ihm das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit seiner Handlungsweise gefehlt habe. ko. Darmstadt, 3. Jilli. Arn 28. Ium v. Js. fand an der „Gehspitze" ein Duell zwischen Rittmeister a. D. von Simon aus Eharlottenburg und dem Hauptmann v. Maien, den Ersterer für den Urheber seines ehelichen Unglücks hielt, statt. Die „Gehspitze" liegt bei Sprendlingen auf hessischem Gebiet. Die hiesige Strafkammer verurteilte jetzt den Rittmeister 0. otmon zu vier, seinen Schwager Kaufmann Kürchner aus Berlin wegen Kartelltragens zu 3 Atonalen Festungshaft. _ Frankfurt a. M., 3. Juli. (Lberkriegsgericht des 18 Armeekorps.) Daniel Jansen aus München-Gladbach fühlt sich nur aus der Landstraße oder hinter schwedischen Gardineu wohl. Am 12 Oktober 1899 vertauschte er die Gc,angenen-„Klust" mit des Königs Rock. Aber es war nichts mit dem Kerl. Er kollidierte mit sämtlichen Paragraphen des Mllitärstrasgejetzbuches. Kaum aus dem Loch raus, flog er schon wieder hinein. Verschiedene Male hatte er im Kölner Festungsgesängnis zu brummen, wo man ihn wegen seines üblen Einflusses aus die übrigen Haftlmge ein Zimmer allein anwies. Auch bei der Arbeiter-Abteilung in Mamz ist er ein gern gejehener Gast. Anfangs d. I. kam er wieder dorthin, um mehr oder weniger treu . seine Zeit zu dienen. Am 4. Mai erhielt er einen Strafrapport, weil seine L>ttesel nicht ordentlich gefettet waren. Zugleich wurde ihm die Erlaubnis entzogen, Psingsten seine Braut empfangen zu dürfen, die ihm bereits zugesagt war. Daß man es ihm verwehrte, an Psingsten, dem lieblichen Feste, mit Herzliebchen sein unter dem Rebendach zu sitzen, brachte den alten Landstreicher aus Rand und Band. „Schujte, Lumpen, Halunken" und alles was Gott verboten hat, schimpfte er iau|" der Stube den Abteilmigsvorstaud Hauptmann Göbel und dem Sergeanten Becker, der die Stiefelgeschichte gemeldet hatte. „Einer davon muß dran glauben, einem stech' ich das Messer in den Ranzen" sagte grimmig der Seladon und Arbeitssoldat 2. Klaffe. Dann pielte er den „wilden Manu." Er kroch unter den Betten herum, chlug seinen Eßnapf kaput und zertrümmerte 4 Fensterscheiben durch ein Bombardement mit Bierflaschen. Hierauf forderte der Wüterich seine Kameraden auf, zerbrechliche Sachen, die ihr Eigentum seien, aus den Spinden zu nehmen, denn gleich werde er die Spinde umstürzen. Da nahmen ihn diese fest, er wurde ins Arrest- Hans gebracht, mußte dort geknebelt werden und wurde dann zur Beobachtung seines Geisteszustandes ins Lazareth gebracht. Die Beobachtung fiel zu seinen Ungunsten aus, er wurde für geistig gesund erklärt, zumal er seine Kameraden aufgefordert hatte, zu agen, er sei verrückt, er wolle entweder ins Narrenhaus oder ins Zuchthaus, während diese ihn alle für vernünftig erklären. Das Kriegsgericht des Gouvernements Mainz hat den verliebten Ge- ängnisbruber wegen Achtungsverletzung, begangen durch Bedrohung in einheitlichem Zusammentreffen mit Beleidigung und Be- chädigung von Dienstgegenständen zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt. Jansen will heute dem Oberkriegsgericht weismachen, er wisse von der ganzen Geschichte nichts mehr. Seine Berufung wird jedoch verworfen. 10. Frantfurt a. M., 3. Juli. Well seine Verhaftung wegen unsittlichen Verkehrs mit schulpflichtigen Kindern beoorstcmd, erhängte sich hier der 65jährige Gärtner Ludwig Funk. Ein Sohn des alten Wüstlings, gegen den derselbe Verdacht besteht, wurde bereits in Haft genommen. fo Frankfurt, a. M., 3. Juli. Am 7. Februar d. I. wurde der Direktor der Teig warenfabrik Gebrüder Morr in Gonsenheim bei Homburg v. d. H., Ludwig Morr, wegen fahrlässiger Nahrungsmtttelfälschung von der hiesigen Strafkammer zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt. Das Reichsgericht hob das Urteil wegen eines Formfehlers auf und verwies die Sache zur nochmaligen Verhandlung vor die hiesige Strafkammer zurück. Das Urteil war dasselbe wie in der ersten Verhandlung. Die Thatsache läßt sich nicht aus der Welt schaffen, daß ca. 600—700 Kisten Alaccaroni, die stark mit Würmern durchsetzt waren, zuPanirmehl verarbeitet worden sind. Wohl ordnete Morr, den man von dem Vorhandensein der Würmer in Kenntnis setzte, an, daß die Macca- ront durchgesiebt werden sollte, kümmerte sich aber weiter nicht darum, ob seine Anordnung auch richtig ausgesührt wurde. Leipzig, 3. Juli. Tas Reichsgericht hob auf die Revision beider Angeklagten das Urteit des Landgerichts Köln vom 25. Januar auf, wodurch Dr. med. Schulze und der Chefredakteur der „Kölnischen Zeitung" Posse wegen Beleidigung der Kölner Ge- fängnisoerwaltung zu Geldstrafen verurteilt waren und verwies die Sache an das Landgericht Bonn zurück. — Das Reichsgericht verwarf die Revision des 13jährigen Schulknaben Hermann Salomon, der am 18. April vom Landgericht Hamburg wegen Ermordung eines dreijährigen Knaben zu acht Jahren Gefängnis verurteilt war. Beuthen, 3. Juli. Nach zwölsstündiger Verhandlung verur- teille die hiesige Strafkammer die Redakteurin Fr. Dr. Easpari- Golde und den Verleger Morawski von der früher in Berlin herausgegebenen polnischen „Gazetta Robotnicza" wegen Aufreizung zu Geivaltthätigkeiten durch Verbreitung ausländischer polnischer Broschüren zu z w e i I a h r e n bezw. zu einemJahreGe- s ä n g n i s. Arbeiterbewegung. Berlin, 3. Juli. Der Ausstand der Bauarbeiter hat keine Ausdehnung erlangt und verläuft ruhig. Die Maurer und Zimmerer haben es abgelehnt, sich mit den Ausständigen solidarisch zu erklären und die Arbeit niederzulegen. Dadurch sind viele Arbeiter veranlaßt worden, die Strbeit wieder auszunehmen. Rom, 3. Juli. Tie Arbeiter der italienischen Stearm-Fabrik A.-G. in Rivarolo bei Genua forderten unter Androhung des Streikes eine solch hohe Lohnerhöhung, daß die Direktion beschloß, sofort den Betrieb e i n z u st e l l e n und sömtllchen 300 Angestellten zu kündigen. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. — Frankfurter Börse. Die erhöhte Kauflust, die gestern bereits zum Durchbruch kam, übertrug sich auch auf die heutige Börse, so daß wir heute von einer entschieden festen Tendenz sprechen können. In den politischen und wirtschafttichen Verhältnissen hat sich in den letzten Tagen nichts zugetragen, was eine veränderte Auffassung der Spekulation in Bezug der Rentabilitätsverhältmsse von Banken- und Jndiistriewerten veranlassen könnte. Die günstig lautenden Berichte aus Schlesien, anderseits, daß in Amerika andauernd starke Nachfrage für Eisen aus Deutschland sich geltend macht. Bankaktien durchweg höher, besonders Deutsche Bank und Dresdner Bank. Eiseniverte durchweg ca. 1—2 Prozent höher. 3* ,proz. und 4proz. Deutsche und Ocsterreichifche höher und begehrt. Von Ausländern bestand viel Interesse für Serben, Portugiesen, Chinesen und Spanier. Eisenbahiipapiere etwas fester. Wie wir vernehmen, soll in den nächsten Tagen der Antrag auf Zulassung von 20 Millionen 4proz. Obligationen der Deutsch- Atlantischen Telegraphengesellschaft in Köln gestellt werden, deren Ausgabe in der Generalversammlung vom 30. Juni beschlossen wurde. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. 6. Sonntag nach Trinitatis, den 6. Juli. G o t t e s d i e n st. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr:. Pfarrer Schlosser. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Matthäus« gemeinbe. Vormittags 91/, Uhr: Pfarrer Dr. Grein. Vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst. Pfarrer Dr. Grein. Vormittags 11 Uhr: Im Konsirmandensaale, Kirchstraße 9, Kinderkirche für die Kinder der Markusgemeinde. Psarrassistent Vogt. Abends 8 Uhr Vereinigung der konfirmierten mäm,licheii Jugend der Matchäusgemeinde im Konfirmandensaal, Kirchstraße 9. Ju der Johanueskirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirinierten aus der Johannesgemeinde. Vormittags 9'/r Uhr: Pfarrassistent Vogt. Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Lukasgememde. Pfarrer Euler. Katholische Gemeinde. Samstag den 5. Juli. , Nachmittags um 5 Uhr uiid abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beicht. Sonntag den 6. Juli. 7. Sonntag nach Pfingsten. Vormittags von 6'/, Uhr an: Gelegenhell zur hell. Beicht. „ um 7 Uhr: Die erste heil. Meße, vor und in derselben Austeilung der heil. Kommunion. _ 8 Uhr: Die zweite heil. Meffe. „ „ 9*/2 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 21/, Uhr: Andacht. Gottesdienst in der Synagoge, Südanlage. Israelitische Religionsgemeinde. Samstag, den 5. Juli 1902. Vorabend: 7^ Uhr. Morgens: 8^° Uhr. Predigt. Nachmittags: 4 Uhr. Sabathausgang: 9*° Uhr. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Darmstadt, 4. Juli. (Zweite Kamm er.) Die Regierungsvorlage betreffend die Bahnen Bin°^ gen-Büdesheim, Hetzbach-Beerfelden wird angenommen, ebenso die Regierun gsfordernn g von 289000 M k. zum Bau eines neuen Museums^ Der Antrag Schönberger und Gen. betr. die Nebew- bahn Neichelheim-Fürth wird der Regierung bestes empfohlen. Es folgt dann eine längere Debatte über den Gesetzentwurf betr. dieanMa!ul-und Klauen- euche erkrankten und gefallenen Tiere. Die Debatte dauert bei Schluß des Blattes noch fort. Berlin, 4. Juli. Der Kaiser stellte den in Kiel weilenden Kronprinzen von Sachsen a la suite der Marine- Infanterie. Berlin, 4. Juli. Nach einer Meldung aus Rom dementiert die offizielle „Agencia Stefani" die aus Deutschland gekommene Nachricht von der Verlängerung der Handelsverträge Lis Ende 1904. Berlin, 4. Juli. Für die Tage des Kais erbesuches in Posen haben nun auch diejenigen polnischen Notabeln, die in provinzialen oder communalen Vertretungen eine Stellung einnehmen und deshalb zu den offiziellen Prunk- b an fetten herangezogen werden sollten, beschlossen, die ihnen zugedachte Einladung abzulehnen. Darunter sollen sich nicht nur Mitglieder des Provinziallandtages, des Provinzialausschusses und der Bezirksausschüsse befinden, sondern auch Männer, die in persönlicher Beziehung zum Hofe stehen. Barmen, 3. Juli. In dem Stadüell Barmen- Rittershausen explodierte heute vormittag ein Theerkessel. Drei Personen wurden getötet, zwei schwer verletzt. Bremen, 4. Juli. Der Senat bestätigte die Wahl des Pastors Weingart in B0rgfeld. London, 4. Juli. Aus Peking wird gemeldet, daß in 9 von den 18 chinesischen Provinzen Revolutionen aus- gebrochen seien. London, 4. Juli. Die Blätter kommentieren lebhaft die Grenz-Abänderung, welche zwischen der portugiesischen und holländischen Regierung betreffend Timar verernbart worden ist. London, 4. Juli. Das „British Medical Journal" bestätigt die Darstellung des Lancet, daß infolge des tiefen Eingriffes bei der Operation in die Wunde zwei Kanülen gelegt werden mußten, welche am 29. Juni wieder entfernt wurden, da der König sie nicht Wetter ertragen konnte. (Bergl. Ausland. D. Red.) — Wie die „Exchange Telegraphen- Kvmpany" erfährt, wttd König Eduard jetzt täglich auf ein anderes Lager gehoben und darf in kurzen Zwischenräumen etwas lesen. f London, 4. Juli. Ein Telegramm der „Daily Mall aus Singapore berichtet, daß eine Expedition von 10 000 englischen und eingeborenen Truppen in der Nähe des Flusses Battang Lopar auf Neu-Guinea völlig vernichtet ist, wohin sie entsandt worden war, um einen Eingeborenen- Stamm zu züchtigen, weil derselbe Europäer ermordet hatte und Piratereien trieb. Die Nachricht besagt weller, daß drei Viertel des Bestandes der Kolonne an Cholera gestorben sind. Täglich waren bis 500 Todesfälle zu verzeichnen. Der Fluß ist mll Leichen bedeckt. London, 4. Juli. Der österreichische Botschafter überreichte dem Prinzen von Wales das Großkreuz zum Stephans- orden. Wie aus allernächster Umgebung des Königs gemeldet wttd, besteht derselbe darauf, daß die Krönung im September stattfindet. London, 4. Juli. Aus Kapstadt wttd gemeldet: 34 000 Personen haben eine Petition unterzeichnet, welche die Abschaffung der Verfassung verlangt. Brüssel, 4. Juli. Wie gerüchtweise verlautet, wird der König von Italien im August Ostende besuchen und dott mit dem König Leopold eine Zusammenkunft haben. Paris, 3. Juli. Die vom Untersuchungsrichter in der Humbert-Angelegenheit angeordnete Haussuchung in der Druckerei der französischen Staatspapiere ergab, daß die hohen Rententitres, welche Frau Humbert den Opfern ihrer Betrügereien zu zeigen pflegte, gefälscht waren. Sie besaß nur drei Stücke, welche auf ganz geringe Betrage lauteten, die von ihr in Rententitel über 300 000 und 400 000 Frcs. umgewandelt wurden, sodaß es ihr nicht schwer war, große Summen geborgt zu erhalten. Rom, 4. Juli. Der Justizminister hat sämtlichen Polizei-Präfekturen im Lande die Photographien der Familie Humbert zugehen lassen, um deren Verhaftung zu er- leichtern. Man glaubt, daß die Humberts sich in der Nähe von Neapel aufhalten. Sofia, 4. Juli. Infolge des energischen Auftretens des bulgarischen diplomatischen Agenten in Konstantinopel wurde der Polizeichef von Sorres abgesetzt. Athen, 4. Juli. Gestern wurde ein Gendarm und zwei Bauern, die im Ma: in die königliche Villa Dekalia einbrachen, zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Durban, 4. Juli. Die Burew-Geuerale Louis Botha, Dewet und Delarey haben sich aestern auf dem Dampfer „Kanzler" der deutschen Ostafrita-Linie nach Europa ein- geschifft. Das Schiff landet am 4. August in Neapel und' am 9. August in Lissabon. Es fit! noch unbestimmt, ap welchem der beiden Orte die Buren-Generale landen. Telephonischer Kursbericht 3u/o Mexikaner 4% Öesterr. Goldretne 103.20 47.40 29.30 26.40 112.00 43.70 37-<>/o 3 0/0 37»O/o 3% 372% 31/2% 4%7ü Chinesen . „ Electric. Sok ackert . Nordd. Lloyd . . Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staats bahn . Lombarden . . . Gotthardbahn . . . Laurahütte .... Bochum ..... Harpener .... Tendenz: fest 102.00 92.80 102.00 92.25 100.10 99.25 103.00 Reichsanleihe do. Konsols . do. . . Hessen Oberhessen 4°/, Italien. Rente . . , 473% Portugiesen . . . 3°/ Portugiesen. . . . 1% C. Türken . . . Türkenlose..... 4% Grieoh. Monopol.-Anl. 47,% äussere Argsntiner 4* 3% Oesterr. Silberrente 101.75 4% Ungar. Goldrente . . 101.75 . 26.50 . 91.00 . 103.50 . 108.00 . 213.10 . 185.75 . 137.80 . 145.70 . 157.80 . 149.80 . 17.20 . 167.30 . 199.50 . 191.80 . 171J0 Müde und abgerackert Waschfrau, während dre andere nach vollbrachtem Tagewerk noch frisch und munter ist, well sie sich durch den Gebrauch von Gioth's geinablener Kernieise mit Salmiak und Terpentin beim Kochen der Wäsche die UxbeU des Reibens fast aus dein Wege geräumt hat. Ein Versuch ubejy zeugt. Per Packet 15 Psg. Fabrikant: I. Gttth, Hanau a. Ak. 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