Nr. 78 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem KeMschen Landwirt die Siegener Kamilieu- blätter viermal m der Woche beigelegt. RotattonSdruck u. Verlag der Brüh l'schen Univers.-Buch- cuSlein- druckerei (Pietsch Erben) Redaknon, Erpedition unb Druckerei: Schulstraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. grfmfprrd)anfchhi6 Nr. 51. Zweites Blatt. 152. Jahrgang Freitag 4. Alpril 1002 Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Bezugspreis: monatlich 7b Ps., viertel* jährlich Pik. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel- jähri. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr, ZeilenpretS: lokal 12 Pf^ auswärts 20 Pfg. Verantwortlich: für den polit. u. allgem. Teil: P. Wtltko; für ,Stabt und Land" und »lSertchtssaal'-.R.Ditt' mann; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Die veuiige Kummer umfaßt 10 Seiten« Gießen, den 3. April 1902. Betr.: Die Vertilgung der Maikäfer. Tas iHrosilierzogliche Kreisamt Gießen au die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises. Indem wir Sie wiederholt auf das nachstehend abgedruckte Reglement vom 11. April 1894 aufmerksam machen, beauftragen wir Sie, im Falle in Ihrer Gemarkung oder einem Teile derselben ein Hauptmaikäferslug dieses Jahr eintritt, sofort die in § 1 des Reglements vorgeschriebenen Anordnungen zu treffen und uns dies alsbald anzuzeigen. Weiter wollen Sie bis zum 1. Juli l. I. berichten, wie hoch sich die für rubr. Betreff verausgabten Kosten belaufen und wie groß ungefähr die Menge der vertilgten Maikäfer ist; letztere Menge ist in Stent anzugeben. v- Bechtold. Polizei Verordnung, betreffend die Vertilgung der Maikäfer. Unter Zustimmung des Kreisausschusses und mit Genehmigung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz vom 6. März zu Nr. 9JL I. 5910 wird in Gemäßheit des Art. 78 des Ges. vom 12. Juni 1874, die innere Verwaltung und die Vertretung der Kreise und Provinzen betr., für den Kreis Gießen verordnet was folgt: § 1. Jeder Besitzer eines Grundstücks ist behalten, innerhalb eines von der Ortspolizeibehörde zu bestimmenden und öffentlich bekannt $u machenden, geeigneten Zeitraums sämtliche auf dem Grundstück befindlichen Bäume und Gebüsche täglich morgens bis spätestens 8 Uhr durchschütteln bezw. durchsuchen und die gesammelten Maitäfer aus geeignete Weise vernichten zu lassen. Von den Waldungen unterliegen dieser Bestimmung nur die mit Laubbolz bestockten Bestandsränder längs der Felder, Wiesen, Kultur stächen, Blößen, Schneisen und Wege. § 2. In jeder Gemeinde bestimmt der Gemeinderat alljährlich eine oder, wenn erforderlich, mehrere Kommissionen von je drei Mitgliedern, welche sicy davon zu überzeugen haben, daß die in § 1 angeordneten Maßregeln befolgt werden. Finden dieselben, daß bei einzelnen Besitzern dies nicht oder nicht in genügender Weise der Fall ist, so kann auf deren Antrag die Ortspolizeibehörde baä Sammeln der Maikäfer auch gegen den Willen der Wer- fstgungsberechtigten auf deren Kosten vornehmen lassen. Bezüglich sämtlicher Waldungen fällt die vorstehende einer Kommission überwiesene Aufgabe der Staatsforst- verwaltung zu. § 3. Zuwiderhandlungen gegen die in § 1 getroffenen Anordnungen werden auf Grund des Art. 78 des Gesetzes vom 12. Juni 1874, die innere Verwaltung rc. betr., mit Geldstrafe bis zu 30 Mk. bestraft. § 4. Vorstehendes Reglement tritt mit dem heutigen Tage in Kraft. Gießen, den 3. April 1902. v. Bechtold. Volithche Tagesschau. Wiederbeginn der Zolltarifberatnng. Unser parlamentarischer Mitarbeiter schrreibt unterm 3. April: Neue Anträge zum Zolltarifentwurf sind bisher nicht eingegangen, obwohl in wenigen Tagen, ant 8. April, die Kommission ihre Arbeiten wieder aufnimmt. Aber es wäre verfehlt, den Schluß zu ziehen, daß endlich die Fraktionert den voms Grafen Posadowsky erteilten Rat beherzigen wollen, das Detail beiseite zu lassen, und den Entwurf nach großen Gesichtspunkten zu beurteilen und dementsprechend durchzuberaten. Wahrscheinlich ist die Ferienmuße von den Kommissionsmitgliedern eifrig genützt worden zum Entwerfen von Verbesserungsvorschlägen. Man weiß, daß sie aussichtslos sind in der Mehrzahl der Fälle, weil eben der Tarifentwurf ein Kompromiß unter den Verbündeten Regierungen darstellt, das mit Mühe erzielt worden ist, und darum keine Abänderung in wesentlichen Punkten verträgt — aber man will den „guten Millen zeigen" gegenüber den Wählern. Auch spielt der Ehrgeiz mit, sich gesetzgeberisch zu bethätigen. Anwesen- beitsgelder soll die Kommission bekommen. Hierüber wird die Regierung, wie die „Nat.-Ztg." erfährt, mit sich reden lassen, „falls die Beratungen über die Bewilligung der Vergütung an die Mitglieder der Zolltarifkommission die Notwendigkeit ergeben." Daß eine dringende Notwendigkeit vorliegt, wird selbstverständlich ziemlich einmütig auf parlamentarischer Seite behauptet werden. Ueber kaum eine andere Frage verständigt sich so leicht die Kommission. Uebereinstimmend aber wird soeben von mehreren Seiten gemeldet, daß die Regierungen nicht gesonnen sind, „bei der Gelegenheit"' gleich „ganze Arbeit" zu machen und dem Reichstag allgemein die Diäten zu bewilligen. Dem Prinzip zuliebe müssen nun Zentrum und Linke gegen die Anwesenheitsgelder für die Zolltarifkommission stimmen. Marten wir ab, ob diese Entsagung geübt, oder ob die Bewilligung von Teil-Diäten als ein „erster Schritt" acceptiert wird. Das deutsche Genossenschaftswesen. Unter den drei großen Genossenschafts-Verbanden hat die erheblichste Zunahme der vom Geh. Regierungsrat Haas in Darmstadt geleitete Allgemeine Verband der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften zu verzeichnen mit 211 Genossenschaften und 24 676 Genossen. ES folgt der Generalverband ländlicher Genossenschaften für Deutschland „Raiffeisen-Neuwied" mit 144 Genossenschaften und 15 880 Genossen. Beim Allgemeinen Verbände der auf Selbsthilfe beruhenden deutschen Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften „Schulze- Delitzsch" beträgt die Zunahme 27 Genossenschaften und 12 863 Genossen. Von den übrigen Verbänden sind namentlich der Verband der ländlichen Genossenschaften der Provinz Westfalen mit einer Zunahme von 19 Genossenschaften und 2842 Genossen, der Revisionsverband des Bundes der Landwirte mit einer Zunahme von 21 Genossenschaften und 2060 Genossen, der Rheinische Genossenschaftsverband Köln mit einer Zunahme von 14 Genossenschaften und 4318 Genossen und der Trierische Revisionsverband mit einer Zunahme von 14 Genossenschaften und 1631 Genossen zu nennen. » Das Borsäureverbot. Tie „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Gegenüber der von uns jüngst gebrachten Mitteilung, daß auch der Neichs- gesundhe itsrat sich für das Borsäureverbot bei gewerbsmäßiger Behandlung ausgesprocyen habe, wird in der „Nationalztg." die Behaitptung aufgestellt, dnß der Erlaß des in Frage stehenden Verbotes dem Reichsgesund- beitsrat niemals zur Begutachtung Vorgelegen habe. Diese Behauptung ist unrichtig. Der Reichsge,undheitsrat, Ausschuß für Ernahrungsjachen, und Unterausschuß für Fleischbeschau hat in seiner Sitzung am 12. Oktober, zu der außer den Mitgliedern der bezeichneten Unterabteilungen noch weitere auf einschlägigem Gebiet besonders erfahrene Angehörige des Reia-Sgejundheitsrates, sowie als Auskunftspersonen Vertreter der Fleischindustrie und Landwirtschaft zugezogen waren, die Angelegenheit eingehend beraten, und mit allen gegen eine Stimme sich für das Borsäureverbot ausgesprochen. Insbesondere haben die sämtlichen ärztlichen Sachverständigen, die an den Beratungen teilnahmen, den Erlaß des Verbotes übereinstimmend befürwortet. Trotz dieser offiziösen Feststellung bedarf die Sache noch der Aufklä-rung, denn — nach der „Nationalztg." — soll sich ein Mitglied des Reichsge,undheitsratS direkt beim Grafen Posadowsky wegen „Uebergehung" des Gesundheitsrats beschwert haben. Hier sind unlösbare Widersprüche. Graf Posadowsky muß doch sein Erstaunen aus- gedrückt haben über diese Beschwerde, wenn sie gegenstandslos war. Wie dem nun sei, die Regierung scheint entschlossen, das Borsäureverbot nicht abzuäudern. Vor den Wahlert. Aus Paris wird uns geschrieben: Der Wahlfeldzug hat kräftig eingesetzt, und am lautesten gebärden sich, wie stets bei solchen Kampagnen, die Nationalisten. Sie sind u. a. bemüht, den französisch-russischen Chinavertrag ihren agitatorischen Zwecken dienstbar zu machen; „Väterchen Zar" kommt dabei nicht eben gut weg. Versichern doch die Wahlredner mit dürren Worten, daß Frankreich in diesem Vertrage die Verpflichtung eingegangen fei, seine Soldaten „für die Mandschurei" sterben zu lassen, während der Zar niemals einen Finger dazu bieten würde, um dem Verbündeten Elsaß-Lo th- ringen wiedergewinnen zu helfen. Dieses Schlagwort, von temperamentvollen RÜmem in Volksversammlungen geschleudert, verfehlt seine momentane Wirkung selten; das Wort Elsaß-Lothringen bahrt sich auch heute noch gleich einem Stachel in das Herz vieler Franzosen. Nachhaltig wirkt freilich solcher Appell an die Volksleidenschaft nicht. Die Wähler erinnern sich denn doch, daß die Politik nicht mit dem Herzen, sondern mit dem Kopse gemacht wird, und daß die Regierung im allgemeinen dies Geschäft zufriedenstellend besorgt hat. „Alles zu seiner Zeit, auch Elsaß-Lothringen!" — mit diesem Gedanken wird mancher „Revanchemann" trotzalledem am Wahltag seine Stimme dem Kandidaten der Republikaner geben. Deutsches Reich. Berlin, 3. April. Der Kaiser hörte heute im Schlosse die Vorträge des Kriegsministers, des Chefs des Generalstabs und des Chefs des Militärkabinetts. Zur gestrigen Frühstückstafel war auch der holländische Minister Dr. Kuyper geladen. — Während des gestrigen Diners beim Staatssekretär Frhrn. v. Richthofen trank der Kaiser dem Gastgeber sowie dem Unterstaatssekretär v. Mühlberg und Herrn von Mendelssohn-Bartholdy zu unb führte eine sehr angeregte Konversation mit den eingeladenen Herren. Der Kaiser nahm auch Gelegenheit, den Neubau der Dienstwohnung des Staatssekretärs in Älugenschein zu nehmen. — Gutem Vernehmen nach ist das Abschiedsgesuch des kommandierenden Generals des 17. Armeekorps von Lentze vom Kaiser nunmehr genehmigt worden. — Der Reichstags abg. Stadtrat Kaufs mann, dessen Wahl zum Berliner Bürgermeister bekanntlich unbestätigt geblieben ist, wurde wegen eines Gemütleidens nach der Maison de santö in Schöneberg gebracht. Der Patient wird in der Heilanstalt streng isoliert gehalten. Kauff- manns Bekannte wußten lange, daß die Geschichte seiner Wahl auf ihn einen tiefen Eindruck gemacht hat.. Auch empfand er als Kränkung, daß nicht ihm, sondern dem Stadtrat Voigt die Wahrnehmung der Geschäfte des Bürgermeisters übertragen wurde. — Der „Nat.-Ztg." zufolge hält die Reaierung den gegenwärtigen Zeitpunkt mit Rücksicht auf die nur noch kurze Tauer der Legislaturperiode nicht für geeignet, eine Entscheidung bezüglich der Gewährung von Diäten an die Mitglieder des Reichstages zu fällen; auch ist sie nach wie vor der Bewilligung allgemeiner Diäten entschieden abgeneigt. Dagegen besteht Grund zu der Annalpne, daß sie, falls die Beratungen über die Bewilligung der Vergüteng an die Mitglieder der Z o l l k o m in i s s i o n die üLotwendig- feit ergeben, über die Bewilligung von Anwesenheitsgeldern mit sich reden lassen würde. — Das Bureau des Reichstags hat die Einladungen zur nächsten, am 8. d. Mts. stattfindenden Sitzung der Zolltarif k o rn rn i s s i o n versendet. — In der letzten Generalversammlung des Bundes b er Arbeitgeberverbände Berlins waren die Delegierten der 17 vertretenen Verbände einmütig der Ansicht, daß weder eine ganze, n o ch ei-ne» teilweise Freigabe des 1. Ai a i von den Mitgliedern $u gestatten sei. Einstimmign wurde beschlossen, daß Arbeiter, welche am 1. Mai ohne stichhaltigen Grund von der Arbeit fern bleiben, zu entlassen sind und in denjenigen Betrieben oder Werkstätten, wo sie bisher gearbeitet hatten, nicht vor dem 5. Mai wieder angenommen werden, dagegen bei anderen Arbeitgebern nicht vor dem 15. Mai Arbeit erhalten dürfen. Jedem Verbände steht es frei, diese Frist zu verlängern. Jeder Verband ist verpflichtet, diesen Beschluß seinen Mitgliedern bekannt zu geben und für strenge Durchführung zu sorgen. — Ueber den Alldeutschen Verband beschwert sich der antisemitische Abg. Liebermann v. Sonnenberg in den „Deutsch-sozialen Biättern". Die Hamburger Ortsgruppe des Alldeutschen Verbandes hatte dem „Hamb. Fremdenbl." geschrieben, daß Abg. Liebermann v. Sonnenberg in der Cha mberlain -Angelegenheit im Reichstage nicht als Vertreter des Alldeutschen Verbandes, sondern als Fraktionsredner der deutsch-sozialen Partei gesprochen habe. Es sei eine Unkenntnis der Verhältnisse, die Alldeutschen mit den Antisemiten zu idenlifizieren. 37 Reichstagsabgeordnete, „den entschiedenen nationalen Parteien angehörend", seien Mitglieder des Alldeutschen Verbandes, der wiederholt erklärt habe, es gehöre nicht zur Aufgabe des Alldeutschen Verbandes, zur Judenfrage Stellung zu nehmen. Demgegenüber erklärt 2lbg. v. Liebermann in den „Deutsch^soz. Bl.", daß ihn die Hamburger Ortsgruppe des Alldeutschen Verbandes selbst aufgefordert habe, für eine energische Zurückweisung der Lhamberlain'fchen Verleumdungen des deutschen Heeres im Reichstage ein zutret en. — Der 7. deutsche Ha ndlungsge Hilfen tag, der am ersten und zweiten Osterfeiertage in Magdeburg tagte, hat bezüglich der kaufmännischen Schiedsgerichte folgende Entschließung angenommen: „Der Handlungsgehilfentag nimmt mit Genugthuung Kenntnis von den vorbereitenden Schritten, die im Bundesrat und Reichstag zur Fertigstellung eines Gesetzentwurfs betreffend kaufmännische Schiedsgerichte unternommen worden sind und spricht die Erwartung aus, daß in dem bevorstehenden Gesetz die einstimmig gefaßten Beschlüsse der früheren Handlungsgehilfentage volle Beachtung finden werden. Der Handlungsgehilfentag erblickt in dem Anrrage Raab und Genossen, wie er dem Reichstage zur Beschlußfassung vorliegt, die glückliche Lösung dieser Frage und richtet daher an die Reichsregierung das Ersuchen, im Sinne der dort niedergelegten Grundsätze, insbesondere den Anschluß an die Gewerbegerichte mit unmittelbarer und geheimer Wahl der Beisitzer zu beschließen und das Alter der Wählbarkeit auf 25, das der Wahlsähigkeit auf 21 Jahre festzusetzen." Elbing, 3. Slpril. (Reichstagsersatzwahl.) Bis 1 Uhr nachts wurden gezählt: für Oldenbur g (kons.) 8031, König (Soz.) 4873, Zag ermann (Zentr.) 2453, Kindler (freif. Volksp.) 1252, Wagner (natL) 396 Stimmen. (Samberg, 3. April. Die Beisetzung Dr. Sie* bers sand heute nachmittag statt. Eine Abordnung der Zentrumspartei überreichte der Witwe eine Beileidsadresse. In der Trauerversammlung bemerkte man den Regierungspräsidenten von Wiesbaden, Dr. Wentzel, Bischof Willi von Limburg, Geistliche, Zentrumsabgeordnete, Vertreter der Konservativen und der Reichspartei, Abordnungen mehrerer katholischer Studentenverbindungen unb zahlreicher Vereine. Nach einem einleitenden Gesänge segnete Bischof Willi die Leiche ein. An Beileidskundgebungen sind im Trauer- Hause noch eingegangen solche vom Staatssekretär v. Tirpitz^ dem Kardinal-Fürstbischof Dr. Kopp-Breslau, Reichstags- Präsidenten Grafen Ballestrem und dem Kardinal Rampollcv im Namen des Papstes. Meißen, 3. April. Der Landeskonferenz der sächsischen Sozialdemokratie wohnte im Auftrage des Ministeriums des Innern ein Geheimrat bei, um sich über die Verhandlungen zu infor-, mieren. Es ist dies das erste Mal, daß in Sachsen ein Vertreter der höchsten Behörde an einer derartigen Konferenz teilnimmt. Ko bürg, 3. April. Die Groß Herzogin Viktoria Melitta kehrt mit ihrem Töchterchen Anfangs' Mai von Nizza hierher zurück und wird bis auf weiteres bei ihrer Mutter, der Herzogin-Witwe Marie, im Palais Edinburg ihren Wohnsitz nehmen. Das von der ausländischen Presse verzeichnete Gerücht von einer bevorstehenden Verlobung ihrer Schwester, der am 20. April 1884 Geborenen Prinzessin Beatrice von Sachsen-Koburg-Gotha, Der jüngsten Tochter des verstorbenen Herzogs Alsred, mit einem russischen Großfürsten wird von in der Regel gut unterrichteten Kreisen nicht für ernst genommen, zumal da geraoe das russische Kirchengesetz die Ehe unter Blutsverwandten streng verbietet. München, 3. April. Das Ergebnis der Konferenzen zwischen dem Staatssekretär Grafen Posadowsky und dem Ministerpräsidenten bezeichnen die „Münch. Neuest. Nachr." als naxh jeder Richtung befrie* öigend, insofern, als eine Nebereinstimmnng in allen wichtigen Fragen unserer Zoll- und Finanzpolitik erzielt wurde. Insbesondere gehöre dahin die Ueberzeugung, daß der in der Zolltarifkommission kundgegebene Standpunkt der Reichsregierung keinesfalls über die Minimalzölle für Getreide, wie sie der Regierungsentwurf vorsehe, hinauszugehen, nach wie vor als unerschütterliche Grundlage der vom Reichskanzler vertretenen Handelsvertragspolitik anzusehen sei, und ferner die Ueberzeugung von der Notwendigkeit einer Reform der Börsengesetzgebung. Bei Besprechung der Finanzlage des Reiches sei der That- sache Rechnung getragen, daß eine Reform auf diesem Gebiete erst dann mit Aussicht auf Erfolg in Angriff genommen werden könne, wann der neue Tarif in endgiltiger Fassung vorliege und seine Wirkung auf die Reichseinnahmen eine zuverlässige Rechnung gestatte. Ausland. Stockholm, 3. April. Der Reichstag erhöhte in gemeinsamer Abstimmung beider Kammern mit 196 gegen 174 Stimmen den Zoll für gefärbtes oder gebleichtes Gewebe aus Leinwand oder Hanf aus 27 Oere sür das Kilogramm. Kopenhagen, 3. April. Ritzaus Bureau meldet: Betreffend das Verhältnis des jetzigen Ministeriums zu dem Kapitän Christinas wird authentischerseits mitgeteilt, daß Ehristmas um eine Audienz beim Minister des Aeußeren, Deuntzer, nachsuchte, dieser ließ jedoch antworten, daß er nichts mit ihm zu sprechen habe, er brauche keinen unberufenen Zwischenmann. Ehristmas wollte nachher einen schriftlichen Bericht einreichen, erhielt jedoch die Antwort, die Regierung wolle keinen solchen entgegennehmen und hätte mit ihm nichts zu thun, da sie in der Angelegenheit (Verkauf der westindischen Inseln. Red.) nur durch den Gesandten verhandelte. London, 3. April. Aus Irland eingetroffene Berichte über die dortige Lage unter der Bevölkerung lauten sehr beunruhigend. Die Gewaltmaßregeln, die gegen die Pächter und ihre Familien seitens der Großgrundbesitzer angewendet werden, sowie die Verhaftung der Mitglieder des irischen Bundes, die öffentliche Versammlungen abhielten, haben die Entrüstung der Bevölkerung auf den Siedepunkt gebracht. Sogar die von der konservativen Presse an Ort und Stelle eingezogenen Erkundigungen stimmen darin überein, daß die Lage der Landbevölkerung .in der That sehr traurig sei. Wenn die Großgrundbesitzer nicht bald Milde walten lassen, dürfte der Auf st and zu befurchten sein. — In der Nacht vor der Krönungs-Feier werden in ganz England 3000 Freudenseuer abgebrannt werden. Brüssel, 3. April. Einer Statistik zufolge bestanden in Belgien am 1. Januar 1902 3000 Klöster mit 40000 Insassen. Das Vermögen dieser Klöster wird auf drei Milliarden Francs veranschlagt. — Gestern verhaftete die Polizei einen Geisteskranken, der in das königliche Palais eindringen wollte, um, wie er angab, den König zu ermorden. Der Kranke wurde in ein Irrenhaus gebracht. — In der gestrigen Sitzung des hiesigen Sozia- listen-Kon gr es s es, in der die Taktik zur Erlangung des allgemeinen Wahlrechts beraten wurde, ist der Beschluß gefaßt worden, bis zum 8. April, dem Tage des Vllederzusammentritts der Kammer, in aller Ruhe abzuwarten; sollte das Verlangen der Sozialisten aber abgelehnt werden, bann solle der allgemeine Aus stand beschlossen werden. Paris, 3. April. Vor seiner Abreise teilte der russische General Puzyrewski den Inhalt eines an ihn gerichteten Schreibens des Generalstabschefs Herfchelmann mit, aus dem hervorgeht, daß Oberst Grimm nach der bei ihm vorgenommenen Haussuchung eine halbstündige Bedenkzeit verlangte, bevor er sich zu einem Geständnis entschlösse. Herfchelmann aber hielt dem Obersten die bei ihm gefundenen Quittungen vor Augen und verlangte ein sofortiges Geständnis. Darauf legte Grimm schriftlich dar, daß die exorbitanten Forderungen feiner Maitresse, der Oberstenwitwe Bergström, ihn zur Verbindung mit Agenten des Auslandes veranlaßten. Grimm gestand, außer anderen minderwertigen Dokumenten die Kopie des für den Zaren bestimmten Jmmediat- berichtes über den gesamten Trupp en st and Warschaus am Jahresschlüsse an das Ausland verkauft zu haben. Puzyrewski begiebt sich nach Warschau, um dort als Zeuge vernommen zu werden. Monte Carlo, 3. April. Bei dem Empfang des Friedenskongresses im Schlosse des Fürsten erkundigte sich dieser u. a. nach dem Stande der Friedensbewegung in Deutschland und gab der Meinung Ausdruck, daß das Verkennen des Wirkens der Friedensfreunde hauptsächlich auf Atavismus beruhe, der durch unausgesetzte Arbeit überwunden werden müsse. „Alle wollen den Frieden, man ist nur über die Mittel zur Erreichung desselben nicht einig." Im Laufe des Abends äußerte der Fürst noch, daß Kaiser Wilhelm durch u n d d u r ch Friedensfreundsei. ZurBaronin von Suttner sagte der Fürst, daß er seit langem Anhänger der Friedenssache sei, aber erst jetzt, nach Vollendung des ozeanographischen Museums, den geeigneten Boden gefunden habe, für die große Idee auch öffentlich zu wirken. Moskau, 3. April. In der letzten Generalversammlung der slavischen Wohlthätigkeitsgesellschaft wurde einstimmig beschlossen, mit Rücksicht auf die Vorgänge in Posen und Westpreußen sämtliche Waren deutscher Herkunft zu boykottieren. __________________________ Vom Burenkrieg. Aus Pretoria liegt heute die Meldung des „Reuter- schen Bureaus" vor, daß es Schalk Burger und den andern Mitgliedern der Transvaalregierung nunmehr gelungen ist, sich mit dem Präsidenten des Oranje-Freistaats Steijn in Verbindung zu setzen. Tas wäre nichts Neues, vielleicht aber soll statt „Verbindung" „Einvernehmen" heißen, und der Telegraph hat die Depesche verstümmelt wiedergegeben. Die Unterredung, die Dr. Leyds mit den Buren- delegierten am 3. d. M. in Brüssel hatte, dauerte bis 6 Uhr abends. Sofort nach derselben reisten die Burendelegierten nach dem Haag ab, von wo sie sich! nach Utrecht zum Präsidenten Krüger begeben werden. Ueber das Ergebnis der Unterhandlungen wird strengstes Stlll- schweigen beobachtet. Tie delegierten erklären, ihre Aus- sagen könnten, falls sie falsch aufgefaßt würden, zu Mißdeutungen Anlaß geben. Aus Amsterdam aber weiß man zu melden, daß die Konferenz in Brüssel einstimmig Der Meinung Ausdruck gab, daß an eine definitive Einstellung der Feindseligkeiten vor der Hand angesichts der fortgesetzten Weigerung Englands, die Unabhängigkeit der Buren zuzugestehen, nicht zu denken sei. Jedenfalls werde die englischerseits geforderte Kapitulation aller Buren vor Eröffnung der Verhandlungen mit Schalk Burger nicht erfolgen, solange nicht England die Basis kund gegeben, auf der die Verhandlungen überhaupt geführt werden sollen. „Morning Leader" veröffentlicht einen ausführlichen Bericht über die Vorgänge bei der Erschießung der Buren gefangenen durch australische Offi- z i e r e. Ter Bericht stützt sich auf Einzelheiten, die von einem Soldaten geliefert seien, der den Vorgängen als Augenzeuge beigewohnt habe. Er beschreibt die Grausamkeit, mit der zwei von diesen Offizieren sich gegenüber den Eingeborenen und ihren eigenen Leuten während ihres Aufenthalts im wilden Buschfeld betrugen, und schließlich, die Gefangennahme von zehn unbewaffneten Buren, die sich nach Pietersburg begaben, um sich zu ergeben. Es habe geheißen, daß Die Buren 20000 Pfund Sterling bei sich gehabt hätten, wodurch wahrscheinlich die H a b g i e r des Leutnants Hancock erregt worden sei. Darauf habe dieser ein Sch ein krieg s- gericht abgehalten und befohlen, die Buren zu erschießen. Eine Schwadron habe sich geweigert, den Befehl zu vollziehen, worauf er Die zehn Buren durch Leute einer andern Schwadron habe erschießen lassen. Später habe Hncock erfahren, daß ein deutscher Missionar um die Sache wußte, sei nach dessen Zelt gegangen, und habe ihn t o t g e s ch o s s e n. Tie Leutnants Hancock und Morant sind später auf kriegsgerichtliches Urteil erschossen worden, während zehn andere Angehörige jenes Truppenteils zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt wurden. Reuter erfährt, daß der Name des von Hancock in Pietersburg erschossenen deutschen Missionars Hesse gewesen sei. Tas ^Kriegsgericht habe aber in diesem Falle gegen den angeschuldigten australischen Offizier auf Freisprechung erkannt, da er sein Alibi nachgewiesen habe. Der zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilte australische Leutnant W i 11 o n kam Dienstag in Portsmouth an Bord des Dampfers „Canada" an. Er war mit einem englischen Offizier zusammen gefesselt, als er an Land kam, und wird in das Zuchthaus von Lewes über- geführt werden._______________ '_________________ Aus Stadl und KänS. Gießen, den 4. April 1902. ? ** Ernennung. Lehramtsaccessist Georg Flach in Butzbach wurde zum Lehramtsassessor ernannt. ** Das Regierungsblatt Nr. 18 enthält Bekanntmachung, die Verlegung der Bergwerksdirektion Grube Ludwigshoffnung von Friedberg nach Bad-Nauheim betreffend. "* Der städtische Grundbesitz, einschließlich desjenigen des Hospitals und des Stadterweiterungsfonds, umfaßt nach dem Verwaltungsbericht der Bürgermeisterei für 1900/01 rund 1265 Hektar Wald, 130 Hektar Feldgelände und 105 Hektar Wiesengelände, zusammen rund 1500 Hektar. Der Wunsch der städtischen Verwaltung, gleich dem Wald auch das Feld- und Wiesengelände zur intensiveren Ueberwachung und Bewirtschaftung einer sachkundigeren Leitung unterstellt zu sehen, gab Veranlassung zu einer Anfrage an das Ministerium der Finanzen, Abteilung für Forst- und Kameralverwaltung, ob dasselbe bereit sei, auch das städtische Feld- und Wiesengelände der Großh. Oberförsterei Gießen gegen entsprechende Vergütung in Verwaltung zu überweisen. Nachdem die genannte Behörde sich hierzu bereit erklärt und die Verwaltungsgebühr auf 1 Mk. für 1 Hektar festgesetzt hatte, trat diese Verwaltung von 1901/02 ab in Wirksamkeit. ** Konzession für Wirtschaften, Ausschank und Kleinhandel mit Branntwein. Der Stadtverordneten-Versammlung sind im Rechnungsjahre 1900/01 53 Gesuche gegen 82 im Vorjahre zur Aeußerung über das Bedürfnis zum Wirtschaftsbetrieb, bezw. Branntweinausschank vorgelegt worden, wovon jedoch 34, im Vorjahre 51, sich nur auf den Uebergang bestehender Wirtschaften in andere Hände bezogen. Die Bedürfnisfrage wurde in 47 Fällen bejaht, in 6 Fällen verneint, gegen 66 und 16 Fälle im Jahre 1899/1900. Desgleichen haben 9 Gesuche Vorgelegen um Erlaubnis zum Kleinhandel mit Branntwein, worunter 4 Uebergänge einer Verkaufsstelle in andere Hände. Die Bedürfnisfrage wurde in 6 Fällen bejaht, in 3 verneint. * * Sicherungsanlagen. Auf den Stationen Großen-Buseck, Grünberg, Zell-Romrod und Renzendorf wird dieser Tage mit dem Bau von Stellwerksanlagen begonnen werden. Ihre Ausführung ist derselben Firma übertragen worden, die die Sicherungsanlagen auf unserem Gießener Bahnhof hergestellt hat. * * Hessischer Landwirtschaftsrat. Dienstag, den 8. April, findet in Darmstadt eine Sitzung des Hessischen Landwirtschaftsrats statt. Aus der Tagesordnung seien folgende Punkte hervorgehoben: Voranschlag des Hessischen Landwirtschaftsrats pro 1903/04; Jnitiativ-An- trag, betr. Errichtung einer Landwirtschafts- kammer; Anfrage des Großh. Ministeriums des Innern, Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe, betr. Anträge des Landwirtschaftsrats wegen Bekämpfung der Rindertuberkulose; Antrag des landw. Provinzialvereins für Ober Hessen, betr. die Tuberkulin- Impfung des Viehstandes der Zuchthöfe; Festsetzung eines einheitlichen Formulars und einheitlicher Grundsätze für die Führung und Drucklegung des Simmenthaler Herdbuchs; Anfrage der Landwirtschaftskammer für die Provinz Brandenburg, betr. Aussetzung eines Preises für Erfindung eines Verfahrens, natürlichen Hönig vom künstlichen auf chemischem Wege zu unterscheiden; Maßregeln zur Vertilgung der Krähen. * * Der Verwalter unseres Volksbades Wiesner verläßt am 1. Mai Gießen, um eine ähnliche Stellung am Volksbad in Oberhausen i. Rhl. anzutreten. Wie wir hören, verbeffert er sich dadurch nicht unwesentlich in seinem Einkommen. * * Patentanmeldung. Nach der von den Patentanwälten Gerson und Sachse in Berlin aufgestellten Patentliste hat die Firma H. Sch affst ädt hier ein Patent erhalten auf eine Regelungsvorrichtung für Kondensationsanlagen. * * Von einem eigenartigen Unfall wurde am Dienstag Mittag der Frankfurt-Berliner Schnellzug betroffen. Der Zug überfuhr im hiesigen Bahnhofe einen großen vierrädrigen Gepäckkarren, welcher auf der schiefen Perronebene ins Rollen gekommen und ins Geleise gelaufen war. Ter Karren ging natürlich in Trümmer. Dabei wurden auch einige der Basaltsteine, mit denen die Geleise jetzt gebettet sind, umhergeschleudert, und eine auf dem Perron stehende Dame wurde davon an's Bein getroffen. Da sie Schadenersatz beanspruchte, forderte man sie auf, sich zur Feststellung des entstandenen Schadens im Stationsgebäude einer Untersuchung zu unterwerfen. Davon wollte sie nichts wissen, sie kehrte vielmehr entrüstet sofort den Rücken und verschwand. Die Verletzung muß also wohl nur leichter Natur gewesen fein. •* Die Bevölkerung im Großherzogtnm Hessen. Nach den Mitteilungen der Zentralstelle für Landesstatistik vom März 1902 betrug im Großherzogtum am 1. Dezember 1900 die Zahl der ortsanwesenden Bevölkerung 1 119 893, darunter 7019 Reichsausläuder. Darmstadt zählte 72 381 Ortsansässige, darunter 1212 Reichsausländer, Offenbach 50 468 (870), Gießen 25 491 (202), Mainz 84 251 (1062), Worms 40 705 (546). Die in der heutigen Nr. der „Frkf. Ztg." enthaltenen Zahlen sind insofern falsch, als die dort für die Ortsansässigen genannten Einwohnerzahlen nicht die gesamte ortsansässige Bevölkerung der Städte, sondern nur die deutschen Staatsangehörigen angeben. ** Von der Hessischen Landeslotterie. Die Spiellustigen unter unseren Lesern machen wir Darauf aufmerksam, daß die Ausspielung der 5. Hessischen Landeslotterie in 1. Klasse am Mittwoch, den 9. d. beginnt. Wer sich überhaupt am Spiel beteiligen will, thut dies am vorteilhaftesten schon zur ersten Klasse, weil bei Kauf von Losen zu späteren Klassen der Lospreis für die abgespielten Klassen mitbezahlt werden muß. -i- R o d h e i m a. Bieber, 2. April. Auf Veranlassung unseres Ortsgeistlichen hat sich hier ein Posaunenchor gebildet, der es sich zur Aufgabe macht, bei kirchlichen Festlichkeiten zur Verschönerung des Gottesdienstes beizutragen. Am ersten und zweiten Ostertage hatten wir Gelegenheit, den Chor zum erstenmale zu hören. Wenn man bedenkt, daß die Mitglieder des Chores sämtlich Laien sind und bisher keine Kenntnis von irgend einem Instrument besaßen, kann man mit ihren Leistungen wohl zufrieden sein. (:) Blasb ach, 3. April. In der Nacht vorn zweiten auf den dritten Oster tag brach in unserem Dorfe auf bis jetzt nicht aufgeklärte Weise Feuer aus, dem zwei Hof^ raiten zum Opfer fielen. Auch die mit dem zweiten Gebäude verbundene Schreinerwerkstätte brannte ab. Leider oll nur einer der schwer betroffenen Bewohner vollständig versichert gewesen sein. a. Waldgirmes, 2. April. Um einen wahren Prachtbau ist unser Dorf verschönert worden. In der Ludwig- straße hat man im vorigen Sommer ein neues Schulhaus gebaut, das in diesen Tagen seiner Vollendung entgegengeht. Da wir bisher drei Schulklassen, aber nur zwei Schulsäle hatten, so waren zwei Lehrer auf einen Saal angewiesen. Diesem Uebelstand ist nunmehr durch den Neubau abgeholfen, der zwei Schulsäle mit Lehrerwohnungen enthält und vom 2. und 3. Lehrer bezogen werden wird. fc. Queckboru, 3. April. Da die Schülerzahl unseres Ortes erheblich zurückgegangen ist, wurde unsere zweiklassige Schule in eine einklassige umgewandelt. Die Schulbehörde ist wohl um so bereitwilliger auf eine Verminderung der Klassen eingegangen, da zurzeit ja überall großer Lehrermangel herrscht. Lehrer Will, der der hiesigen 2. Klasse vorstand, wurde nach Geilshausen versetzt. fc. Rüddingshausen, 3. April. Hier findet am 15. Juni anläßlich des 25jährigen Bestehens des hiesigen Kriegervereins das Bezirkskrigersest des Bezirks Grünberg statt, zu dem alle Vereine des Bezirks erscheinen. i Vom oberen Vogelsberg. Die Preise für Heu und Stroh sind in diesem Jahre sehr in die Höhe gegangen. Stroh zum Füttern wie auch zum Streuen kostet per Zentner 3, Mark, Heu, am Platz abgeholt, 4 Mark. Die Wintersaaten stehen sehr gut. Doch scheint es, als ob der Weizen etwas gelitten «hätte. Bleibt die Witterung aber günstig, so ist Aussicht auf eine gute Ernte vorhanden. 8 Darmstadt, 3. April. Prinz und Prinessin Heinrich von Preußen fuhren vormittags halb 12 Uhr mit Gefolge nach Jugenheim, nahmen dort gemeinsam das Mittagsessen ein und kehrten gegen Abend wieder zurück. Prinz und Prinzessin Friedrich Carl von Hessen trafen 5,23 Uhr hier ein und nahmen dann gemeinsam das Souper im Neuen Palais ein, während Prinz Heinrich, Prinz Friedrich Carl und der Groß Herzog einer Einladung des Offizierkorps des Artillerie-Regimentes Nr. 25 folgten, (dessen Inhaber Prinz Heinrich bekanntlich ist), um an einem in dem Kasino veranstalteten Liebesmahl, zu dem auch die nichtaktiven Offiziere geladen find, teilzunehmen; die Frankfurter Herrschaften kehrten 10,24 Uhr abends wieder zurück. Trotz des ungünstigen Wetters machen der Groß Herzog und seine hohen Gäste öfter Radausflüge in die Nachbarschaft. Darmstadt, 3. April. Ein Grab aus der Bronzezeit ist na/ch der „D. Lit. Ztg." jüngst in Gegend wart des Großherzogs im Kranich st einer Forst geöffnet worden. Von der Bestatteten, einer Frau mittlerer Größe, waren nur Knochenspuren übrig. Ueber der Brust batte die Frau eine Doppelreihe von Zierstücken aus Bronze, sprralähnliche Drahtgebilde getragen, um die Lenden lagen die Besatzteile eines Gürtels und an den Armen und Füßen breite Spiralrollen. i Darmstadt, 3. April. Der Großherzog begab sich heute vormittag zum Besuche des Prinzen Friedrich August von Sachsen nach Wiesbaden und kehrte im Laufe des Nachmittags hierher zurück In seiner Begleitung befand sich Flügeladjutant Major Frhr. v. Röder. Mainz, 3. April. Der Oberbürgermeister machte in der heutigen Stadtoerordnetensitzung die Mitteilung, daß ihm vom hiesigen Gouvernement die Nachricht zugegangen sei, daß die Umwallung von Mainz falle und das Terrain der Stadt zur Verfügung gestellt werde. Das Terrain umfaßt 2 Millionen Quadratmeter. — Die Firma Disch hat ihren Trajektvertrag mit der hessischen Regierung am 1. April gekündigt. — Die hiesige Eisenbahndirektion teilt mit: Nachdem die Sprengung und Aufräumungsarbeiten beeenbet, ist heute Morgen der zweigleisige Betrieb zwischen Bacharach und Obcrwesel wieder aufgenommen. — Polizeirat Dr. Obstfelder in Chemnitz wurde in der heutigen geheimen Sitzung der Stadtverordneten zum Polizeirat von Mainz gewählt; die Anstellung des Gewählten erfolgte aber zunächst nur probeweise ans ein halbes Jahr. . K a st e l, 2. April. Im Frühjahr bereitet es beit Knaben ein besonderes Vergnügen, die Na s en fläche an Dämmen, Rainen :c. in Brand zu stecken. Die Jungen kennen eben die Tragweite ihrer unbesonnenen Handlungsweise Mt Gestern haben zwei Knaben aus Kastel wieder einen Derartige unbesonnenen Streich ausgcführt, der sehr leicht hätte ernste Folgen nach sich ziehen können. Die Bengel steckten eine Grasfläche in der Nähe des Pulvermaga- zins Nr. 16 in Brand, und es war bereits eine Fläche von ca. zwei Hektar abgebrannt, als die Feuerwehrabteilung der Pioniere auf dem Brandplatz erschien und das Feuer ^^Bin gen, 2. April. Dem Vernehmen der „Darmst. Ztg." nach, beabsichtigt Rittergutsbesitzer Carl Puri- celli, eines seiner an der Mainzcrstratze stehenden Häuser, ein schönes großes Haus nebst großem Garten, ru einer Blindenanstalt einzurichten. Vorerst hat er noch ein neben dem seinigen stehendes Haus, das der Stadt gehörte, zum Preise von 35 000 Mark dazu gekauft. LÜorws, 3. April. Eine größere hiesige Firma hat für Steuerhinterziehungen mehr als 100 000 Mark nachzuzahlen. • * Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Bei Dienheim wurde von einem von Mainz kommenden Extrazuge der 18 Jahre alte Küserbursche Jugenheimer tot- gefahren. Er war der Sohn eines Bahnwärters und hat vermutlich auf den Schienen gehend die Behausung seines Vaters aufsuchen wollen. Vermischtes. * Berlin, 4. April. Der Maurer Jankowski stürzte bei der Ausbesserung eines Hauses vom dritten Stockwerk ab und war sofort tot. * Berlin, 3. April. Wie das „Berliner Tageblatt" erfährt, wurde noch ein weiteres Medium unter polizeiliche Beobachtung gestellt. Von einer Verhaftung ist Abstand genommen worden. Es handelt sich um die in spiritistischen Kreisen bekannte Wittwe Petri, deren Spezialität war, ihren Anhängern Rosenkränze, welche die Bekenner der katholischen Religion zu religiöser Uebung gebrauchen, als Apporte darzureichen. Aber auch Grüße im Grabe ruhender Angehöriger übermittelte sie. Frau Petri soll geständig sein und zu ihrer Entschuldigung angeben, daß sie die Dummheit ihrer Kunden im Jnteresie ihrer Kinder ausgebeutet habe. • Berlin, 3. April. Wie dem „Lokalanzeiger" aus Paris telegraphiert wird, fand man in der Wohnung des kürzlich verstorbenen Abbös Dubouche, des Pfarrers von Orgibet, nach Oeffnung eines Holzverschlages auf einem armseligen Lager die seit 15 Jahren v ers ch ollene Th e- rese Dubouche. Aus deren verworrenen Angaben scheint ihervorzugehen, daß sie von Jemandem Geld zu fordern hatte. * Münster, 3. April. In der Nähe der Station «Haltern stießen zwei Güterzüge zusammen. Der Materialschaden an drei Lokomotiven und 10 Wagen ist behütend. Menschen wurden nicht verletzt. • Hamburg, 3. April. Der Reichspostdampfer .Preußen" stieß heute Vormittag auf der Ausfahrt mit dem einkommenden dänischen Dampfer „ DrriEauf der Elbe zusammen. „Orrik" wurde unter Hilfe eines Schleppers in den Jndiahafen eingebracht, wo er am Quai sank. Die Mannschaft ist gerettet. Der Reichspostdampfer ^Preußen" setzte anscheinend unbeschädigt feine Fahrt fort * Riesa, 3. April. Gestern stürzte der 12jährige Schulknabe Jänichen unweit der Elbe in die Jahne. Seine Mutter, welche ihn retten wollte, wurde im Wasser vom Schlage getroffen. Mutter und Sohn ertranken. 'London, 3. April. In dem Kohlenbergwerk zu Dunfermline in Schottland fand eine Explosion statt Vier Arbeiter wurden getötet. * Paris, 3. Aprll. In Nimes wurde bei einem -gestern abgehaltenen Stiergefecht ein Stierkämpfer von dem Thiere erfaßt und getötet. * Paris, 2. April. Der Romanschriftsteller Dubut de Lafore st stürzte sich heute nachmittags aus einem Fenster seiner im vierten Stock telegenen Wohnung in selbstmörderischer Absicht auf die Straße und erlitt tätliche Verletzungen. • Wien, 3. April. Aus Anlaß der Verteilung einer testamentarischen Spende von 5000 Kronen kam es vor dem Leopoldstädter Gemeindehause heute zu einem derartigen An dränge, daß ein Infanterist und mehrere Personen erheblich verletzt wurden. * New-Pork, 3. April. In Atlantic City brach in dem Teile der Stadt, in dem sich die Hotels befinden, Feuer aus. Man wandte sich nach Philadelphia um Hilfe, und es trafen von dort auch drei Spritzen ein. Das Tarlton- Hotel war gegen Mittag bereits völlig zerstört, während sechs andere Hotels noch brannten. Man befürchtete, daß sämtliche Hotels in Flammen aufgehen, zumal starker Wind herrscht. * Mädchenhandel. Die „Nuova Antologia" in Rom -veröffentlicht einen mit Daten belegten Artikel des italienischen Diplomaten Marquis Paolucci über den Handel mit italienischen Mädchen. Paolucci verweist auf die Zustände zu Sandhosen bei Mannheim, wo Hunderte toskanischer Mädchen systematisch an Leib und Seele zu Grunde gerichtet würden. Kunst und Wissenschaft. Am zweiten Osterfeiertag wurde im Frankfurter Opernhause Gustave Charpentiers Musikroman „£uif e" gegeben. Der Beifall des vollen Hauses war besonders vom zweiten Aktschluß an, bei welchem der anwesende Komponist zuerst durch sein Erscheinen dankte, außergewöhnlich stark. Charpentier wurde noch oft gerufen, schließlich im Verein mit dem Dirigenten Tr Rottenbera und dem Regisseur Krähmer, die das Werk wit vielem Fleiß in die Hand genommen haben. Julien und Luise wurden von Herrn Heusel und seiner chm erst kürzlich angetrauten Gattin ehedem Fräulein Schweitzer, recht gut gesungen und gespielt, das Ellernpaar Luises nicht minder tüchtig von Herrn Pröll und Fräulein Fesca. Für die Ausstattung bei der Krönung der Muse des Montmartre war viel geschehen. Prof. W. S ieglin in Berlin hat unweit von Huelva im südlichen Spanien, am Zusammenfluß des Odiel und Rio Tinto, ein Heiligtum der alten Iberer entdeckt, das älteste, von'dem wir bis jetzt Kunde haben. Es war ein Tempel der Göttin der Unterwelt mit zwei der Göttin geweihten Höhlen. Die verlautet, beabsichtigt Professor Sieglüi vor allem die beiden Höhlen, deren Boden mit einer breiten Schicht Schutt bedeckt ist auszugraben. ' -Arbeiterbewegung. Fiume, 3. April. Nachdem heute vormittag die ausständigen Hafenarbeiter der Adria-Gesellschaft Tumulle hervorgerufen hatten, weswegen 76 Ausständige verhaftet und davon 23 in Hast behalten wurden, trat nachmittag plötzlich Umschlag ein, indem die Ausständigen die ihnen gemachten Vorschläge annahmen und die Arbeit ivtcbcr nimm hm en. Krieskasten der Kebaktion. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt. H. C. m Grüningeu. Unsere gestrige Notiz beruht aus einer uns gegebenen irrtümlichen Auskunft. Wie wir heute erfahren, wird lt. Verordnung vom 19. März 1853 zur Vollziehung des Finanzqesetzes vom 29. Dezember 1852 eine Abgabe vom Besitzer von Nachtigallen im Betrag von 5 Gulden erhoben. Diese Abgabe besteht noch heule, und zwar werden für das Stück und Jahr 8.60 Mk. erhoben. Kandel und Uerbehr. Uollrswirtschafl. Madrid, 3. April. Eine halbamtliche Note erklärt, daß der Verwallungsrat der Bank von Spanien den Entwurf des Finanzministers nicht annehme, den die Regierung morgen der Kammer verlegen werde. Neue russische Anleihe und die Börse. Obwohl genauere Ziffern momentan noch nicht bekannt sind, so steht cs doch jetzt schon fest, daß die neue russische Anleihe einen ganz phänomenalen Erfolg gehabt hat, abgesehen von der kolossalen Anzahl der Zeichner und der Höhe der gezeichneten Beträge ist hervorzuheben, daß die Zeichnungen mit Sperrverflichtung einen außergewöhnlich großen Betrag ausmachen, was darauf schließen läßt, baß das Papier in Kapitalistenkreisen, als eine vorteilhafte dauernde Anlage betrachtet wird. — Die Börse verhielt sich jedoch dieser günstigen Nachricht gegenüber ganz kühl; ja die Bankaktien haben den Riesenerfolg mit einer kleinen Baiße begrüßt und sind ein halbes Prozent und ettvas darüber zurückgegangen. SDlan ist eben in den Börsensälen aufs äußerste nerftimmt darüber, daß die Friedenshoffnungen wieder nahezu auf den Nullpunkt gesunken sind. Laut einem Telegramm der „Daily Mail" aus K r o o n st a d t verlangt England immer noch von den Buren bedingungslose lieber gäbe und an eine solche ist, das sieht auch die Börse ein, borläufig gar nicht zu denken. — Die Anleihe, für die, wie wir mitieiltcn, das hiesige Bankhaus Herz Zeichnungen entgegennahm, ist auch hier sehr stark gezeichnet worden. Nach einer letzten Meldung ist bte Anleihe bereits mehr als hundertfach überzeichnet worden, so baß Sperre eintreten mußte. lieber Italiens Finanzlage wirb gemelbet, baß laut vorgelegtem Bubget ber Ueberschuß sich für's erste auf Lire 25 040 406 stellt (6 Millionen mehr als i. 93.) und baß berselbe noch wesentlich größer werben bürste. Laut „Pol. Storr." ist auf einen Ueberschuß von 40 Millionen Lire zu rechnen. Doch sei für bie enbgültige Konsolibierung bes Staatshaushaltes bie Orbnung ber Eisenbahn- frage unbebingt erforberlicb. Es muß entschieden werben, ob bie Eisenbahnen ferner ben Gesellschaften überlassen bleiben ober ob sie in ben Staatsbetrieb genommen werben sollen. Deutsche Rcichsbank. Wir haben geftern bereits mitgeteilt, baß bie Anforderungen an bie Deutsche Reichsbank zum Quartalwechsel erheblich ivaren. Die Anspannung wirb mit auf bie Vorbereitungen für bie russische Anleihe zurückgeführt. Auch sollen größere Gelbbeträge nach England gegangen sein. Eine Besserung ber wirtschaftlichen Lage, bie zu größeren Ansprüchen an bie Bank Anlaß gegeben hätte, läßt sich bisher mcht feststellen. Die Union-EleUrizitätsgesellschaft Berlin teilt in ihrem Jahresberichte mit, baß bie Aussichten für bas laufenbe Jahr als befriebigenbe bezeichnet werben könnnen. Der Reingewinn beträgt runb l1/, Millionen Mark und es gelangen 6 Prozent Divibenbe zur Verteilung. f Bom oberen Vogelsberg, 3. April. Einen überaus hohen Preis haben in biesem Frühjahr in hiesiger Gegenb bie jungen Ferkel. Das Paar, 6—8 Wochen alt, kostet 50—60 Mark, während um biese Zell bas Paar nur 36—40 Mk. kostete. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. In der Stadtkirche. Samstag den 5. April, nachmittags 2 Uhr: Beichte. Pfarrer Dr. Grein. In der Johanneskirche. Samstag ben 5. Aprll, nachmittags 2 Uhr: Beichte. Pfarrer Euler. Sonntag, Quasimodogeuiti, den 6. April. G o t t e s o i e n st. In der Stadtkirche. Vormlltags 91/, Uhr: Pfarrer Dr. Grein. Stonfirmation ber Kinberaus ber Markus- unb Militärgemeinde. Im Anschluß daran Feier des heil. Abendmahls. Abends 6 Uhr: Pfarrassistent Vogt. Die Kinüeckirche der Matthäusgerneinde am Sonntag den 13. Aprll und die Vorbereitung dazu fallen aus. In der Johanneskirche. Vormittags 9'/, Uhr: Pfarrer Euler. Konfirmation der Kinder aus der Lukasgemeinde; im Anschluß daran Feier des hell. Abendmahls. Abends 6 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. An diesem Tage nach allen Gottesdiensten besondere Sammlung für die Armen. Katholische Gemeinde. S amstag ben 5. April. Nachmittags um 5 Uhr unb abenbs um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beicht. Sonntag ben 6. April. Weißer Sonntag. Vormittags von 61/, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht. , um 7 Uhr: Die erste heil. Meße, vor unb in berfeiben Austeilung ber heil. Kommunion. „ „ 8 Uhr: Die zweite heil. Messe. , „ 9'/> Uhr: Hochamt mit Predigt. Erste heiL Kommunion ber Kinber. Nachmittags um 3 Uhr: Anbacht mit Segen. Montag Vormlltags um 8 Uhr; Amt für bie Erstkommunikanten. Gottesdienst in der Synagoge, Südanlage. Israelitische Religionsgemeinde. Samstag, ben 5. April 1902. Vorabend: 644 Uhr. Morgens: 9 Uhr. Nachmittags: 3 Uhr. Sabbathausgang: 760 Uhr. Gottesdienst der israelitischen Keligionsgesellschast. Sabbathfeier am 5. April 1902. Freitag abend 630. Samstag vormittag 880 Predigt. Nachmittag 400. Sabbathausgang 760. Wochengottesdienst: morgens 6" Uhr, abends 6°° Uhr. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Kiel, 4. April. Hier ist ein allgemeiner Streik im Baugewerbe ausgebrochen. 2000 Arbeiter des Boutz and Werks legten die Arbeit nieder, da eine Einigung wegen des Lohnes mit den Innungen nicht erzielt werden konnte. Stuttgart, 4. April. Ter Tages « Schnellzug Berlin-Stuttgart entgleiste gestern infolge des schadhaften Zustandes einer Schwelle beim Passieren der Station Rottershausen. Der Heizer und zwei Passagiere wurden verletzt. Bis morgen Abend muß der Verkehr durch Umsteigen aufrecht erhalten werden. Tübingen, 4. April. Ter Philosoph und Universitätsprofessor Dr. Edmund Pfleiderer, der Bruder des Berliner Theologen, ist gestern hier gestorben. E. Pfleiderer war 1842 in Stetten bei Eannstadt geboren. London, 4. April. »Daily Chroniclc" meldet, Mllner erbat einen Kredit von drei Millionen Pfund, um in Südafrika neue Eisenbahnen zu bauen und die bestehenden Linien zu verbinden und zu erweitern. — „Reuters Bureau" meldet aus Kroonstad vom 2. Aprll, Delarey und Kempf befinden sich bei Steijn. London, 4. April. Aus Brüssel wird berichtet: Tas Ergebnis der Buren-Konferenz gestatte die Mitteilung, daß die Einstellung der Feindseligkeiten noch nicht in Aussicht gestellt werden könne, da die englische Regierung es noch immer ablehne, die Unabhängigkeitsfrage anzuerkennen. Tic Burendellgierten erklärten, die englische Regierung verlange die Uebergabe der Buren noch bevor sie mit Schalk Burger in Unterhandlungen trete. Diesem Verlangen werde jedoch keine Folge gegeben, solange England nicht eine Grundlage ausgestellt haben wird, welche eine Garantie dafür ist, daß die Unterhandlungen Aussicht auf Erfolg haben. Auch über die Frage der Unabhängigkeit herrscht dieselbe Ansicht. Die Buren könnten in dieser Hinsicht von ihren Forderungen nicht abgehen. — Chamberlain ist nach Birmingham abgereist, wo er die nächste Zeit verbleiben wird. —< Ter australische Kabinettschef Banton hat ein Telegramm an Lord Salisbury gesandt, in welchem er erklärt, eS liege nicht der geringste Anlaß vor, gegen die Hinrichtung der beiden australischen Offiziere zu protestieren. Eine solche That werfe die Schande auf das ganze australische ^kontingent zurück, wenn man die That nicht entschiedeir mißblllige. Salisbury drückte Barton den Tank für die von ihm an den Tag gelegte Ansicht aus. Loudon, 4. April. Die Marconi-Wirclees-Tele- graph-Company unterzeichnete einen Kontrakt betr. ben Verkauf ihrer amerikanischen Rechte unb Patente an eine amerikanische Gesellschaft mit einem Kapital von 6 150 000 Dollars. Die kanadische Regierung schloß einen Vertrag ab, worin sie einen Beitrag von 16 000 Pfd. Sterl. für bie Errichtung einer Marconistation an ber kanadischen Küste für Uebermittlung drahtloser Telegramme an England verspricht. Brüssel, 4. April. Beim Eintreffen ber „Daily Mall*- Rachricht aus Pretoria betreffend bie Friebens -Beding- ungen hieß es in hiesigen Burenkreisen, biese Bebingungen seien ber hiesigen Gesandtschaft von ber Burenregierung mit Genehmigung ber englisch en Regierung übermittelt worben unb hüllen bereits ben Gegenstand der vorgestrigen Beratungen geblldet. Aus amtlicher Quelle wird diese Annahme als unzulleffend und die Nachricht ber Daily Mail als englischer Ballon d'essai bezeichnet. Dr. LeybS verschanzt sich noch hinter biplomallscher Reserve. Die Stimmung ber Gesanbtschast ist jedoch zuversichtlicher denn je. Paris, 4. April. Der „Temps" veröffentlicht eine lange Korrespondenz aus Rom, die sich mit der Unterredung zwischen Bülow und Prinetti sowie ihren Folgen beschäftigt. Der angeblich von italienischer Seite stammende Artikel spricht zunächst von der Annäherung, die sich zwischen Italien und Frankreich vollzogen hat und sagt dann, zu der Unterredung in Venedig über, gehend, Bülow habe Prinetti naturgemäß keine festen Vor-, schlüge machen können. Er habe die Erwartung geäußert, daß ber Reichstag die Handelsbeziehungen mit Italien nicht abbrechen werde, worauf Prinetti versichert habe, daß in diesem Falle der Dreibund erneuert werden würde. Man glaubt in Rom, daß in der Unterredung von Prinetti auf die Notwendigkeit hingewiesen wurde, den Dreibund-Vertrag mit Rücksicht auf die Annäherung zwischen Italien und Frankreich um^ugeftalten. Frankreich wünsche nicht den Austritt Italiens aus dem Dreibunde herbeizuführen. Dann könnte aber Italien die gegen Frankreich gerichteten Vertrags-Bestimmungen nicht mehr annehmen. Cettinje, 4. April. In hiesigen Hofkreisen wird versichert, daß der kürzliche Bestich des Landgrafen AlexanderFriedrich vonHessen am hiesigen Hose mit einer neuerlichen Verlobun g im montenegrinischen Fürstenhause zusammenhängt. Peking, 4. April. Reuter-Meldung. Man glaubt, bie Unterzeichnung bes Mandschurei-Vertrages findet statt, sobald man sicher ist, daß die übrigen beteiligten Mächte keine Einwendungen mehr machen. Im Prinzip ist ber Vertrag bereits angenommen. Telephonischer Kursbericht 3Va°/o Reichsanleihe . . 101.80 80/q do. ... 92.35 3*/,% Konsole .... 101.85 3»/0 do.....92.20 3 *,'2% Hessen .... 100.30 396 Hessen .... —.— 4% Oesterr. Goldretne . . 103.10 4'/, 96 Oesterr. Silberrente 101.60 496 Ungar. Goldrente . . 101.20 4o/o Italien. Rente . . . 100.90 41/. 96 Portugiesen . . . 43.90 3°/ Portugiesen. .... 28.50 196 C. Türken .... 27.85 Türkenlose 111.70 4% GrieojL Monopol -Anl. 44.25 41/, 96 äussere Argpntiner —.— 3% Mexikaner .... 26.55 W/o Chinesen .... 90.00 Electric. Sch ackert . . . 111.50 Nordd. Lloyd —.— Kreditaktien , . . . . 218.3'3 Diskonto-Kommandit, . . 194.40 Darmstädter Bank . . . 139.00 Dresdener Bank .... 188.30 Berliner Handelsges. . . 154.00 Oesterr. Staatabahn . • . 144.25 Lombarden .... 17.70 Gotthard bahn 167.50 Laurahütte ..... 201.50 Bochum ...... 197.75 Harpener ..... 167.25 Bekanntmachung. Der Voranschlag ber Gemeinbe Obbornhofen pro 1902/03 liegt vom 8. April ab acht Tage lang zur Einsicht der Jntereffenten auf hiesiger Bürgermeisterei offen. Obbornhofen, den 4. April 1902. Großherzogliche Bürgermeisterei Obbornhofen. Lesch Horn. 2726 Mobiliar- Versteigerung. Dienstag den 8. April, nachmittgs 2 Nhr, werden aus dem Nachlaß des Herrn E. Loos in dessen Hause Sonnenftraße Nr. 30 dahier nachverzeichnete Gegenstände gegen Barzahlung versteigert: Lophas, Kleiderschränke, Kommoden, 1 vollstünd. 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Spanier. . . Türk. Zoll'Obl. do. conv. Lil. B. do. conv. Lit. 0. 101.70 92.45 101.70 92L0 100.30 105.10 100.30 100*25 90.60 100.50 100.— 39.05 44.95 101.- 66.50 103.- 101.50 101 — 44.20 28.45 97.10 85.- 100.50 96.50 100.60 104.30 101.- 66.70 5L— 101.85 92.35 101.80 92.10 105.25 100 30 105.40 100.30 90.25 100.50 100.— 38.60 44 10 100.90 102*90 101.60 82.20 100.60 43.80 28.70 97.20 84.50 100.— 94.- 97.- 104*- 101.— 66.40 52*— 27.80 1 4 3 4 4h 5 4 h 4 5 6 5h 4h 3h 3 5 5 3 3* 3h 4 3h 4 4 3h 3h 3h 4 4 4 4 4 4 4 4 47, 4 37, Türk. Ltt. D. . Ung. Goldrente Ung. ÄnL . . do. SlaatSrentr do. E. B. Gold v. 89 . . . Arg. iun. AnL do. äuß. v. 88 . Aeuß. v. 1897 . Chinesische AnL Chinesen. . . * v. 1898 Egypt. priv. . „ garanL. Mexico v. 99 . do. Ser. I-IV.. do. Süber . . 5tädte-Gdlig. Gießener (alte). do. v. 96 . , Aiainzer. . . do..... Offenbacher. . Wormser . . do..... Frankfurt a. M. Darmstadt . . Mannheimer . Münchener . . Nürnberger. . Pforzheim . . Wiesbaden . . Babenhausen . Liffaboner . . Rom Il-VUI . BuenoS-Alres . Ltanderhrl. Anl. S.-Braunf. . . do..... do. Lich . . Usend.-Bierst. . 26JZÖ 101.15 86.10 98.40 101.55 71.80 66L0 98.40 105.— 89*10 103.— 100.- 100.20 41.10 26.65 98.- 98.— 101,05 85ck)0 98.30 101,60 7L- 65.30 99.10 104.- 89^0 103.— 100.— 100.60 42.60 26.65 97*90 103.50 98.— 47, 4 37» 37, 4 37» 4 4 4 4 3 4 3 3 3 3 3 Eisend.-PrtoriL Deutsche. Homburger. . Pfälzische , . Pfälzische . . Südd. Eisenb. . Braunschweig. LdS.-E.'B.II.E. do. I. E. . . Allg.dtsch.Klcinb. Ausländische. Elisab.-B. strst. Kaschau-Oderbg. v. 91 . . . Lombarden . do..... Oest. StaatSb.. do. I-VIU . do. v. 85 . . do. Erg.-Nctz . Prag-Dux 96 . Raab-Oedenbg. 103*80 94*90 102.50 95.50 60.10 102.— 100.- 89.45 67.30 101.70 92.10 92*10 84.- 103*70 99.30 94.75 102.50 95.- 59.80 102.- s 101.95 91.70 92*— 84.30 3V2 37» 4 4 37r 4 4 37» 4 37» 3V» 37, 4 4 4 41» do. Ser. 28,30, 33 ... . do. Ser. 29 . Ldw. Cred.-Bk. Hambg. Hypdk. Ser. 141—250 do. 46—190 . Meining. Hyp. do. neue. . . do. unk. 1907 . Preuß. Hypbk. . do. 1905 . . Rhein. Hypbk. unk. 1904 . Westdtsch.Boden- credit in Cöln Ung. LdS.-Ctr.. Vioerfe. Buderus . . Eisenb. Rtbk. . Hirzh. u. Lollar Vank-Aktien. Dtsch. Reichsbk. Berliner Hand. Darmstadt. Bk. Deutsche Bk. . Dtsch. Genosfbk. Disct.-Comm. . Dresdner . . Franks. Bank . D.Eff.n.Wcchs.- Bank . . . Pfälzische Bank Schaffhsr. „ Bank für Süddeutschland . Mitteldtsch. Nativnalbk. Oest. Cred.-Akt. Wien. Bankver. 96.16 96.10 96.70 99.95 95.50 100.05 101.50 95.80 93.— 88.70 97.- 95.70 94.50 97*90 98.— 96JC 96.10 96.70 99.80 95.70 100.— 101.50 96.- 88*30 97.— 95.70 94.— 98.10 98.— 98.10 Industrie -Aktien Kleyer Fahrrad Henninger Brauerei . . Farbw. Höchst . Zementfabrik Karlstadt . . Bad. Anil.- u. Sodasabrik . Fabrik GrieSh. Chem. Fabrik Albert. . . Elektr. Boese . „ Kontinent Nürnbg.. w Helios . „ Lahmeycr H Schuckert „ Siemens u. Hals'e Filzfabr. Fulda Löhnberg.Mühle Faber u. Schleicher .... 156.- 143.- 340.— 96.- 382.— 217.- 173.50 107.50 63.70 30.- 113.50 111.— 145.— 102.80 76.- 131.— 164.50 144.— 350.- 95.50 380.— 217.— 170.90 107.— 69.50 31.35 108.50 113.50 145.- 102.80 78.- 130.50 4 4 5 3'r 3 4 Harpener Berg- werk . . . Der. Königs- u. Laura . . . Lifend.-Aktien. Oester. Staatsbahn . . . Oesterr. Südbahn Gotthardtbahn. Jura Simplon Prine Henry . 9lorthern Pae. Transvaal . Lose in Prozenten. Bad. Thlr. 100 Bayer. Thlr. 100 Donau-Regul. . Cöln-Mindener Madrider . . Aleui. Thlr. 100 Oesterr v. 1860 Oldenb.Thlr.100 Raab-Grazer . Türk. Frs. 400 pr. Stück i. Mk. Ansbacher ff. 7 Augsburg, fl. 7. Brichw.Thlr.20 Freiburg. FrS. 10 Mailand. Frs. 10 Meininger fl. 7 Pappcnh. fl. 7 Bcncdigcr L. 30 164.— 199.50 145.— 19.— 1679.5 95.— 145.75 157.20 144.60 139.— J 35.— 154.70 107*90 114.80 64.- 18.— 167.10 2O1L0 144.80 17.60 167.60 97*- 144.40 156.80 147.50 139.20 134*10 153.50 128.50 107.30 111.80 33.60 31*— 29*10 b b 4h 3 5 4 4 Sh 4 3h 3h 103^30 98.20 99.- 98.60 103.40 103.90 104.— 103*30 77*60 101.- 103*30 98.— 99.10 99.- 103*85 103.80 102*80 76*75 101.10 3 4 3 3 4 5 4 4 4 4 5 3 4 37» 37- 4 4 (alte) . . . do. v. 97 . . Rudolf Gold . Jial. gar. E. B. Livorneser . . Sizil. v. 91 . Toöcanier . . Ruff. Südost . do. Südivest Rjasan-Uralsk. Wladikawkas . Anatolier . . Salon.-Mon. . Pfandbriefe. Frankf.Hypotbk. XIV .. . do. xn-xin . do. XV . . Frkft. Hypoth.- Creditverem . do. Ser. 27 79.85 72 90 64*90 66.50 101.80 103.50 99.50 99.90 99.60 101*30 60.- 101.— 97.— 97.- 100.-- 101.— 79.70 72.90 102.— 65L0 66.30 101.80 103.60 99.30 99*40 102.45 60.— 101.— 96.80 96.80 100.— 101.- I 1 153.40 155.80 141.50 214.30 105.40 194.80 137.30 189.- 106.50 118.50 123.30 111.50 110.60 111 — 219.50 118.50 153.70 154.20 139.40 208.60 103.70 194.60 138.80 188.80 106.10 119.20 123.25 110.50 110.70 110.50 219.90 118.20 ■ Maschf. Gritzner Schnellpressen Frankenthal . Schuhfabrik Otto Herz u. Co. . Siemens Glas Rordd. Lloyd . Concordia Bergwerk . . . Dortmund.Union Eschwlr. Berg- werk . . . Donnersmark. Hütte . . . Härder Bergw. Kölner Bergw. Mannst.-Fa^on Nordstern Bergw. Phönix „ Rtebeck Montan Schalter Grub. Bochumer Guß. ©elfen! Bergw. 161.— 128.— 246.— 113.60 261.50 53.50 199.50 189.75 120.25 308.25 155.— 217.— 138.90 204.— 315.— 195.75 164.— 161.50 168.95 128.— 247.50 109.- 262.25 53.10 200.10 190.30 121.— 312.— 148.75 225.- 141.50 199.50 319.- 197.- 163.25 5 3 2‘/2 3 i iiiiM ?t t lag wj Bä -Si Sä>ul Meße «nzcig -tk. fr|6r außer 9 «“ ; iiachte I heute, psangen. Teilnahu Die auch die Besprecht leitenden unzutr bayrisch - in Wach ten Sieg« eineSrh eilltas's'en Minim verbünde besonder! zoffe sü Biehvers bendgen ftimmui Nac Graf Pi tel-St und dei Au- Der toeitestgl troffen, iviesene Beachtu erregt, die feit l Semenid) Frankli Pariser h vier able sichert toi; französisch burger 9it Weniger ü Mnzösisch mit der J den Präsid ifrbuh hierbei po. Finanziers spanischen jüngste ßa; Börse, bit Wunder ne für diese s sich die Ai Ae Madri Mgen s e chrrani) glanzvoll t S*on am scheint als und verlor sich bei n lasten, s Manien Kttj \ ben i ^hunehi ~~ % Sh. 31V» w,i> & S6 jünc dK- SM «Berl 16. Vx Herren । ?“f ®n(i