^Kleist beginnt Tropelia- ja?- । goldenen oW M 289 lokal: * Ä frenib 59. _ serdeva- 1 äcit, ilut Blatt- 1’liKo. t! uneoge. wktz. IRG. mM >s Erinnerung . ni/, Oc- •14* •* unt^>- LS #« -K ifio. Kie heutige Yummer umfaßt 10 Seiten m schreitenden Wertsteigerung des Bodens nicht tzerecht werde, die Gemeinden zwinge, ihre Mehrbedürfnisse durch Steigerung der Einkommensteuer zu decken; er stellte eine Revision der Grundsteuerbestimmcingen in Aussicht. Im weiteren Verlause der Debatte wird eine Anzahl Beschwerden über eine chik an irrende Handhabung der Steuerbeanstandnngen, namentlich von Seiten, des Abg- v. Eynern (nL), vorgebracht. Ter Finanzminister erwidert: Wie berechtigt die Beanstandungen seien, zeige, daß bei der gerichtlichen Nachprüfung über ÖO^o der Beanstandungen als richtig anerkannt seien. K o b u r g, 3. März. Im Landtage ist heute bei der Beratung der neuen Steuervorlagen, betr. Einkommensteuer und Erganzungssteuer, Obstruktion entstanden. Einige Abgeordnete verließen den Saal, und den Regierungsvertretern mangelte es an einem verfassungsmäßigen Ausweg. Der Regent wurde von der Sache telegraphisch verständigt. Leipzig, 3. März. Der Reichsgerichtsrat Neisse ist an Stelle des am 1. Llpril aus dem Dienst scheidenoerrl Tr. v. Bomhard zum Senatypräsidenten ernannt worden. zur Konvention Entscheidung treffen, die an der Konferenz nicht teilgenommen haben. Die Zuckerkonferenz hat am Montag eine kurze Sitzung abgehalteu. Die Unterzeichnung der Konvention soll heute (Dienstag) stattfinden. Die Konvention besteht aus 14 Artikeln, die obigen Angaben sind also unvollständig. Wie der Wiener „Neuen Fr. Presse" aus Brüssel gemeldet wird, ergaben sich in der Konferenz neue Schwierigkeiten, weit die deutschen Delegierten kein Mandat zur Unterzeichnung der Konvention hatten. Die deutschen Delegierten ließen durchblicken, daß sie das Jahr 190 4 als Anfangstermin für die Aufhebung der Zuckervrämien wünschen. England geht die Verpflichtung ein, während der Dauer der Konvention weder durch Prämien, noch durch Zölle seinen Kolonialzucker gegenüber dem festländischen Zucker zu begünstigen. Die Konvention soll vorläufig auf 5 Jahre gelten. Privatnachrichten aus Yokohama zufolge hat Japan den Zoll für miuderpolarisierten Zucker herabgesetzt, um den japanischen Raffinerien den Bezug von Kolonial- rucker zu erleichtern. Die Maßnahme wäre also geeignet, die österreichische und deutsche Zuckerausfuhr zu beeinträchtigen. Oesterreich exportierte im Jahre 1901 19 000 Tons, Hamburg 51 000 Dons nach Japan. — Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht zwei Verordnungen des Reichskanzlers vom 21. Februar betr. die Haussklaverei in Kamerun und Togo. Danach sind in Kamerun Kinder von Hausscklaven und halbfreie Kinder von Halbfreien frei. In Togo sind Kinder von Hausklaven frei. Für beide Schutzgebiete wird Schuldknecht- chaft, Verkauf, Tausch uird sonstige Veräußerung von Haus- klaven verboten. Eine Neubegründung des Sklavereiver- hültnisses durch Selbstkaus und Verkauf seitens der Verwandten oder Schuldner als Strafe findet nicht statt. Zuwiderhandlungen werden mit Geld- oder Freiheitsstrafe bedroht. Die Verordnung tritt sofort in Kraft. — Eine Eingabe an Reichstag, Bundesrat und Reichskanzler hat der Vorstand des Verbandes deutscher Architekten- und Jngeuieurvereine abgesandt. Tie Bitte geht dahin: In gerechter Würdigung der für die Gesamtheit des Reiches mit der Erhaltung vaterländischer Baudenkmäler verbundenen nationalen Interessen möchten in den Reichshaushaltsetat ständige Mittel zur Erhaltung solcher Baudenkmäler, und zwar zunächst des Straßburger Münsters eingestellt werden. Der Münster sei in einem bedrohlichen Zustande, der den Wunsch des Weiterbaues völlig zurücktrcten lasse vor der Sorge um die Erhaltung. — Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht das Verbot der Verbreitung der Krakauer Zeitschrift „Nowa Re- forma" aus die Dauer von zwei Jahren wegen dreimaliger gerichtlicher Verurteilung. — Im preuß. Abgeordnetenhaus erkannte aus eine Bescn-urde der Avgg. Schmitz-Düsseldorf (Ztr.) und Zrhru. v. Zedlrn (srks.) über zu hohe Kolpmunalbesteuerungi der Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben an, daß die unbewegliche Form der Grundsteuer, die der fort Ausland. London, 3. März. Oberhaus. Der Generalpostmeister Marquis Lvndouerry erklärte in der Beantwortung einer Anfrage über die Stellung der Regierung zu der Entwickelung der drahtlosen Telegraphie, daß die Postbehörde die Frage als sehr wichtig ansehe. Diese Telegraphie in Händen von Privatgesellschaften würde recht ernstlich die Versuche der Admiralität stören können, und bis die Bedenken über diesen Punkt nicht gehoben seien, könne die Postbehörde Marconi nicht die Erlaubnis geben, eine Nachrichtenübermittelung über die Gewässer des englischen Gebietes einzurichten. Die Admiralität, die zurzeit umfassende Versuche anstelle, befasse sich jetzt mit der Erwägung der Frage. Paris, 2. März. Infolge der gestrigen Ruhestörungen verhaftete die Pplizei früh den Anarchisten Libertad, der Hauptanstifter der Unruhen. Derselbe wird wegen Aufreizung zum Mord unter Anklage gestellt werden. 19 Personen, die verhaftet sind, werden gleichfalls zur Rechen- schafl gezogen werden. Der Polizeipräfekt wird die Ausweisung derjenigen Ausländer verlangen, die an den Un- ruheu teilgenommen haben. — Minister-Präsident Waldeck-Rousseau übermittelte dem deutschen Botschafter Fürsten Radolin seinen tiefgefühlten Dank für die ihm von dem Kaiser Wilhelm bewiesene herzliche Teilnahme. Tours, 3. März. Bei Eröffnung des sozialistischen Kongresses hat der sozialistische Führer Jaurö in einer längeren Rede den Eintritt Mill er ands in das Ministerium als einen müßigen Versuch bezeichnet, der nicht mehr gemacht werden dürfe. Rom, 3. März. Amtlich wird mitgeteilt, der König habe die Demission des Kabinetts nicht angenommen; es werde sich am 10. März dem Parlament wieder vorstellen. Konstantinopel, 3. März. Tie russische Botschaft erhielt vom Mdiz-Kiosk die Zusicherung, daß Fuad Pascha in Syrien ein Militärkommando erhalten werde. Weiter hat der Sultan der Filiale der Ottoman-Bank in Damaskus tausend Pfund türk, für Fuad Pascha angewiesen. — Dem Verwaltuugsrat der „Dette Pudlique" wurde mitgeteilt, daß der bisherige erste Tragoman der deutschen Botschaft. Tr. Testa am 14. d. M. an Stelle des ausscheidenden Dr. Lindau in den Verwaltungsrat eintritt. VMische Tagesschau. Das Jubiläum des Papstes. Im Laufe des Sonntags liefen, wie aus Rom ge- nreldet wird, im Vatikan unzählige Mückwunschtelegramme ein. Am Dienstagvormittag wurde zur Feier der 25. Wieder- Lehr des Krönungstages des Papstes in der Basilika von St. Peter eine päpstliche Kapelle (feierlicher Gottesdienst in Gegenwart des Papstes) abgehalteu. Ein solcher feierlicher Gottesdienst hat seit 1870 nicht mehr in der Basilika von St. Peter, sondern stets in der Sixtinischen Kapelle statt- Aefunden. Die Basilika war reich geschmückt. Der Feier wohnten etwa 30 Kardinale, eine große Anzahl Gesandten fremder Höfe, das diplomatische Korps und viele Ange- HSrige des römischen hohen Adels bei. Päpstliche Garden eMvieseu militärische Ehren. Um halb 11 Uhr hielt der Papst, 074f der Sedia gestatoria sitzend, umgeben Don seinem Hofstaat und unter Vortritt von Nobelgarden und Schweiz^rgardeu seinen Einzug in die Basilika, und nahm, von dein Anwesenden enthusiastisch begrüßt, auf dem Thron Platz. Hierauf wurde durch den Kardinal Serafino Vannu- telli eine feierliche Messe celebriert. Nach Beendigung der feierlichen Messe stimmte der päpstliche Sängerchor das ,^Dremus pro Pontifice" und das „Te Deum" an, worauf der Papst den Segen erteilte. Uni halb 1 Uhr kehrte der Papst unter abermaligen begeisterten Zurufen von Anwesenden in den Vatikan zurück. In der Hofloge wohnten mehrere fürstliche Personen der Feier bei. Der Papst sah strahlend aus und befand sich offenbar recht Wohl. Morgen (Mittwoch) empfängt der Papst die französischen Pilger, Kardinale und Bischöfe. Die Zuckerkonoeutiou. „Etoile Belge" veröffentlicht den Wortlaut der Zucker- tmioention, die am Montag der Brüsseler Schlußkonferenz vorgelegt wurde und, wie das Blatt meinte wahrscheinlich ohne Abänderung angenommen werden wird. Die Hauptpunkte der Konvention sind folgende: Die vertragschließeu- oen Parteien verpflichten sich nach dem ersten Artikel vom Lage des Inkrafttretens des gegenwärtigen Abkommens, die direktem und inderekteu Prämien abzu- fchasfen, die auf die Produktion oder den Export von werden, und, so lange das Abkommen in Aast blerbt, keine Prämien solcher Art einzuführen.. Konfitüren, Chokolade, Biskuite ko n den fierte. Milch und alle ähnlichen Erzeugnisse' d,e einen namhaften Bestandteil von künstlich ihnen fceiae* Zucker enthalten, werden dem Zucker gleichgestellt und fallen unter diesen Paragraphen Der rwe/te Artttel regelt b.e Entrolle bk SahiLSsa iS Im Artikel 3 verpflichten sich di- ver- tragschließenden Staaten, den Ueberzoll, d. h. den Unter- .Mischen der Steuerbelastung des aiisländischen und chlandi,chen Zuckers aus die Höchstziffer von 6 Fr cs für je 100 Kilogramm raffinierten und ihm gleichzustellenden Zuckers und oi/2 Francs für anderen Zucker zu beschränken. Durch Artikel 4 verpflichten sich die vertragschließenden Teile, die Zuckercinfuhr aus solchen Landern mit einem besonderen Zoll zu belegen, die Fabrikations-- oder Ausfuhrprämien gewähren. Dieser Zoll darf nicht geringer sein als die von dem Urqprungslande des Zuckers gezahlten direkten und indirekten Präniien. Tie Parteien behalten sich die Befugnis vor, die Einfuhr von Prämienzucker zu verbieten. Sie verpflichten sich gegenseitig, zu deni geringsten Zollsatz ihres Einfuhrtarifs Zucker aus den Verr- tragsländecn oder Kolonien, die keine Prämien gewähren zuzulasseu. Rohrzucker und Rübenzucker dürfen nicht mit verschiedenen Zöllen belegt werden Durch Artikel 6 werden Spanien, Italien, Rumänien und Schweden von beii im Artikel 1 enthaltenen Verpflichtungen glich Produktionsprämien ebenso wie von den in Ar- tikel 3 und 4 aufgezählten Verpflichtungen so lange befreit als sie keinen Zucker exportieren. Artikel 7 verfügt die Schaffung einer ständigen ini ern ationalen Auf-- 1 ich t s k o 'M m i s s io u mit dem Sitz in Brüssel. Tic Kom wfMn soll eine Kontra lle ausühen und in streitigen Lallen sowie bezüglich der Frage der Zulassung von Sraaren Von der Reichsbank. Man schreibt uns aus Berlin, 3. März: Als der Reichsbankpräsident Dr. Koch itn letzten Viertel des verflossenen Jahres gelegentlich eines Interviews bemerkte, die durch den wirtschaftlichen Rückschlag hervorgerufene Spannung auf dem deutschen Geld- merkt werde vorübergehender Natur sein, wurde er von einigen Blättern übertriebener Vertrauensseligkeit geziehen. Die Voraussage des Leiters der Reichsbank ist gleichwohl eingetrofsen, das Zentralbankinstitut war bereits kürzlich in der Lage, den Diskont aus- den norcmalen Satz zu ermäßigen. Der allgemeine Geld stand hatte sich mittlerwecke so flüssig gestaltet, daß die Maßregel des ReichsLankdirekto- riums von der Geschäftswelt als selbstverständlich betrachtet wurde. Es bleibt nichtsdestoweniger ein Verdienst Dr. Kochs, daß das Zentralinstitut durch die IMrtschafts- und Finanzkrisis in keiner Weise in Mitleidenschaft gezogen Wurde, vielmehr diese Periode mit ihren gesteigerten Ansprüchen finanzieller Art bisher mühelos überstanden hat. Es scheint das auch von denjenigen Politikerri, die Dr. Koch sonst nicht gerade wohlwollend gegenüberstehen, anerkannt zu werden, da Angriffe aus den ReichAbankpräsidenten und seine Diskontopolitik von dieser Seite in letzter Zeit nicht wehr laut geworden sind. Deutsches Keich. Berlin, 3. März. Ter Kaiser besuchte heute den Reichskanzler und empfing später im Schlosse den Professor P u ch s k i n aus Freiburg i. Br., ben wissenschaftlichen Leiter der Ausgrabungen in Baalbeck. Im Anschluß hieraii hörte der Kaiser £ d e r s o n, welcher den Konvoi der Tonop'schen Abteilung befehligte, ist in Kraaipan mit 9 Offizieren und 245 Mann eingetroffen. Privatnachrichten zufolge trat der Konvoi den Marsch am 25. Februar Morgens früh an und wurde, während es noch danket war, etwa zechl Meilen von Klerksdorp angegriffen. Tie an bei: Spitze der Kolonne befindlichen Geschütze und Pompoms der Infanteristen schlugen den Feind zurück. Nach scharfem Gefecht nahm der Konvoi den Marsch wieder auf, als der Feind erneut zum Angriff bis auf hundert Aards herantam, sodaß es ihm gelang, mehrere Wagen so zu bedrängen, daß die Zugtiere durchgingen. Es gelang jedoch der Infanterie, ben Feind zurüctzutreiben. Tas Gefecht dauerte etwa zwei Stunden. Tann setzte sich der Konvoi langsam wieder in Bewegung, als die Nachhut heftig angegriffen wurde und um Geschütze bat. Im selben Augenblick stieß der Feind mit g r o ß e r K r a f t vor, warf sich z w i s ch e n N a ch - Hut und linke Flarcke bes Ko nvois und verursachte dadurch, daß die M an l t i e r g e s pa n n e nach allen S e i t e n d u r ch g i n g e n und die Infanterie in Verwirrung geriet. Hieraus zog der Feind Vorteile, indem er die z e r r i s s e n e n Abteilungen der Eskorte nieder ritt. Alle Nachrikhten stimmen überein, daß die Engländer sich zwei Stunden laug tapfer schlugen und bic Geschütze und Pompoms den größten Teil ihrer Munition verfeuerten. Zweihundert Manm berittener Truppen kamen aus Klerksdorp heraus, wurden aber durch die große Uebermacht des Feindes in Schach gehalten, dessen Gesamtstärke auf 1200 bis 1700 Mann geschätzt wurde. Tieselben waren aus fast allen Kommandos des westlichen Transvaals .nsammcngezogen. Tie B-nrenführcr Sclarcii, Kemp, Colliers und Lemmer nahmen an dem Gefechte teil. Wie weiter berichtet wird, sei Lemmcr gefallen. Dienstag 4. März 19OS 152. Jahrgang Zweites Blatt Bezugspreis: monatlich75Pf.,vierteljährlich Mk. 2.20; durch Aichale- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePosl Rik.2.— viertel- jährl. anSfchl. Bestellg. 'Mnahme von Anzeigen ir die Tagesnummer .s vormrtlags 10 Uhr. „Zlenpreis: lokal 12Pf^ auswärts 20 Psg. Lerantwortlich: ür den polit. u. allgem. Teil: P. Wittko; für Stadt und Land" und „Gerichtssaal":R.Ditt« mann; für den Anzeigenteil: Hans Beck. GietzenelAnzeig General-Anzeiger "av Amis- und Anzeigeblatt für den Mreis Gießen Nr. 53 «rschetut täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Seffischen Landwirt die (Bietancr ZamUien- blätter orkmal in der Woche beigelegl. Rotattonsdruck u. Der- lag der Brüh l'schen Untvers.-Buch' u. Stein- druckerei lPretjch Erben) fUbafttxm, ErpedMon und Druckerei: Ochulstraße 7. Ldreffe für Depeschen: Aszeiger Gteßeu. Aernsprechanschl'LßNr.51. DaS ist also eine neue recht beträchtliche Schla'ppe der Engländer, von der wir wohl noch mehr, besonders genauere Angaben über die britischen Verluste erfahren werden. <£itt Frauenarzt vor Gericht. Berlin, 3. März. Vor dem La ndgericht I begann heute die Verhandlung gegen den fahrlässiger Kör- ?erverletzung angeklagten Professor der Ghnä- ologie Dührssen, wozu eine aroße Zahl hiesiger und auswärtiger Sachverständiger aelaoen war. Die Anklage findet die fahrlässige Körperverletzung darin, daß Dührssen ohne Not eine Operation vorgenommen habe, in deren Verlauf ein die Patientin schädigender Eingriff nötig geworden sei. Der Gatte erstattete Strafanzeige. Der Gerichtshof sprach Prof. Dührssen frei. Der Staatsanwalt hatte 300 Mark Geldstrafe beantragt. Auf Vernehmung der Sachverständigen wurde verzichtet. Prof. Dührssen ist der Erfinder bezw. Begründer einer besonderen Operationsmethode. Er war zunächst aktiver Militärarzt, dann Assistent bei Geh. Rat Dorn in Königsberg, Assistent an der Charitß und zuletzt Assistent bei Professor Dr. Gusserow. Seit 1892 steht er selbständig einer Prioat- klinik vor, die 20 Betten umfaßt. Er operiert etwa 300 bis 400 Fälle im Jahre. Die Frau Regierungsbausekretär R. litt an Sterilität; sie wurde auf Empfehlung ihres Arztes Dr. Pautz in der Klinik des Prof. Dr. Dührssen aufgenommen. Sie wurde in der Klinik den erforderlichen vorbereitenden Maßnahmen unterworfen, der Assistenzarzt des Angeklagten, Dr. Obuch, nahm die Krankengeschichte auf. Der Angeklagte selbst sprach die Patientin vor der Operation, die nur auf Beseitigung der Sterilität gerichtet war, nicht. Der Angekkagte erklärte hierzu, daß die Patientin spät abends erst in der Klinik auf- genommen worden sei und betont, daß er dieser Patientin eine größere Fürsorge als gewöhnlich habe angedeihen lassen, da ec ihr zu Liebe sogar eine vorgesehene Operation einer Privatpatientin zurückgestellt habe. Die Untersuchung der Frau in der Narkose habe in Gegenwart der Wärter und Wärterinnen, des Assistenten und einiger gerade anwesenden auswärtigen Aerzte stattgefunden. Er habe nicht den geringsten Zweifel darüber gehabt, daß die Patientin damit einverstanden war, daß ihre Sterilität eventl. durch einen operativen Eindruck gehoben werden sollte. Er habe geglaubt, daß trotz des Alters der Frau von 42 Jahren (in Wahrheit hat sich später herausgestellt, daß sie fast 45 Jahre war) die gewünschte Operation nicht aussichtslos war. Ec habe eine Annähung des Uterus für zweckmäßig gehalten und darüber mit den Assistenten gesprochen. Es habe sich bei der Untersuchung gezeigt, daß die Frau schwer unterleibsleidend gewesen und eine Verwachsung des Uterus mit dem Mastdarnr vorlag. Es gebe gewiß manchen Gynäkologen, der bei dem Alter der Patientin und bei den Beschwerden, die sie nach der Krankengeschichte hatte, ohne weiteres zu einer Exstirpation des Uterus geschritten wäre. Er selbst vertrete eine konservative Richtung, habe vorläufig an eine Exstirpation gar nicht gedacht, und sei zu der von ihm beabsichtigten Operation geschritten. Diese wurde durch außergewöhnlich starke Blutungen kompliziert, so daß er acht Näthe anlegen mußte. Die Blutung hörte aber nicht auf. Hätte er die Absicht einer Exstirpation gehabt, so hätte er diese schon in ihrem Stadium vorgenommen. Er sei aber nicht so vorgegangen, sondern habe die konservierende Operation verfolgt und die beiden Schlagadern unterbunden. Bei genauerer Untersuchung habe er eine bedenkliche Geschwulst entdeckt, es ergab sich eine direkte Lebensgefahr für die Patientin und die Notwendigkeit, die Exstirpation rasch vorzunehmen. Die Patientin sei nach 14 Tagen völlig gesund entlassen worden, eine Darmfistel, die sich später bei chr zeigte, habe sie damals nicht gehabt. Nach der Operation sei ihr mitgeteilt worden, daß die Exstirpation stattgefunden habe, und es wurde ihr gesagt, daß sie ihren Mann davon unterrichten solle. Prof. Dührssen habe erwartet, daß der Ehemann darüber mit ihm sprechen würde. Er habe diesen aber nie zu Gesicht brkommen. Als die Frau nach sechs Wochen zur Nachuntersuchung zu ihm gekommen, habe sie sich nicht beklagt, allerdings auch nicht bedankt. Bei poliklinischen Patienten 3. Klasse könne man auf besonderen Dank gewöhnlich nicht rechnen; allerdings sei er im allgemeinen entrüstet darüber gewesen, daß diese Frau, die dem Leben mit knapper Not erhalten worden, so wenig dankbar war. Der Vorsitzende hält dem Angeklagten vor, daß ihm gerade zum Vorwurf gemacht werde, daß er ohne Not die Operation vorgenommen, die eine sehr unangenehme Darmfistel zur Folge gehabt habe, die erst im Juni v. I. geheilt worden sei. Dieser Vorwurf werde ihm vom Medizinalkollegium, bezw. in dem Ober-Gutachten der wissenschaftlichen Deputation, die zum Teil auf anderem Standpunkte stehe, gemacht. Danach werde in der Art und Weise der Operation ein Kunstfehler nicht erblickt, auch werde anerkannt, daß die gänzliche Entfernung des Uterus, nachdem es einmal so weit gekommen war, notwendig gewesen, um die lebensgefährliche Blutung zu stillen. Zum Vorwurfe werde ihm gemacht, daß er diese Operation, die in ihrem Verlauf eine so gefährliche Wendung genommen, vorgenommen hat in einer Zeit, in der sie nicht geboten war und nicht gerechtfertigt gewesen, da die Patientin beschwerdenfrei war und solche Personen häufig beschwerdenfrei bleiben, und weil bei dem Alter der Patientin die Aussicht auf Behebung der Sterilität in minimaler Weise bestand. Der Angeklagte bestreitet dies nach seinen Erfahrungen. Er habe die von ihm beabsichtigte Operation zwar für schwierig, aber nicht für gefährlich gehalten; er habe damals schon in 70 Fällen, die genau so lagen wie bei Frau N., operiert, ohne dabei einen einzigen Todesfall zu haben. Er habe die meisten dieser Fälle kontroliert und Komplikationen nie beobachtet. Dazu kommen Hunderte von Fällen, in denen er die Operation als Nebenoperation gemacht habe. Bei den Resultaten, die er erzielt habe, habe er nicht auf den Gedanken kommen können, daß eine Lebensgefahr bestand oder die Gesundheit derPattentin geschädigt werden könnte. Wenn die Wissenschaftliche Deputation ihm vorwerfe, daß er unter keinen Umständen zur Operation hätte schreiten dürfen, ohne in eigener Person von der Patientin selbst die Krankengeschichte^ entgegenzunehmen, so halte er einen Operateur, der eine große Praxis hat und auf einen bewährten Assistenten vertrauen kann, nicht hierzu absolut verpflichtet, denn unter Umständen würde ihm andernfalls die Spannkraft, die die« Operation erfordere, verloren gehen. Die meisten Operateure lassen die Krankengeschichte von ihren Assistenten aufnehmen. Dem Angeklagten wird weiter zum Vorwurf gemacht, daß er nach erfolgter Untersuchung und vor Beginn der Operation die Frau nicht darüber belehrt und sie nicht noch einmal aus der Narkose habe erwachen lassen, um sie darauf aufmerksam zu machen, welche Gefahren und Komplikationen etwa entstehen könnten. Der Angeklagte kann diese beiden Gutachten des Medizinalkollegiums und der Wissenschaftlichen Deputation nicht als zutreffend erachten, denn er habe die von ihm beabsichtigte Operation nicht für gefährlich und auch nicht für aussichtslos gehalten. Wenn bei einer solchen geringeren Operation plötzlich Lebensgefahr auftrete, halte er sich für berechtigt, weiter zu operieren, selbst auf die Gefahr hin, daß die Patientin später darüber ungehalten sei. Der Angeklagte bekämpft vom wissenschaftlichen Standpunkt aus den Vorwurf, daß er ohne Verständigung mit der Kranken die Operation vorgenommen und die Bildung der Darmfistel durch die Operation verursacht habe. Frau Regierungsbausekretär N. als Zeugin gibt zu, daß sie vorher schon einmal acht Tage in der Klinik des Prof. Dr. Landau gelegen habe und auch bei einem Arzte in Posen in Behandlung gewesen sei; auch gesteht sie zu, ihr Alter auf 42 — anstatt 45 — Jahre angegeben zu haben. „Sie meinte, sie habe sich dem Arzte gegenüber „geniert", außerdem fei der Arzt ja doch keine Behörde". Ihre ganze Absicht sei gewesen, von der Kinderlosigkeit befreit zu werden. Hätte sie gewußt, daß die Operation gar keine „Kleinigkeit" und sogar lebensgefährlich sei, so würde sie sich entschieden nicht zur Operation verstanden haben. Sie halte den Angeklagten nicht für berechtigt, einen so großen operativen Eingriff ohne ihre Genehmigung vorzunehmen und sei sehr erstaunt gewesen, als sie beim Erwachen aus der Narkose erfahren, was mit ihr geschehen sei. Der Ehemann bestätigt, daß er seine Frau lediglich zu dem Zwecke zu Dr. Pautz geschickt habe, um Familie zu bekommen. Als er erfahren, welche Operation jöer Angeklagte an seiner Frau vorgenommen, sei er sehr empört gewesen und habe sowohl den Professor Dr. Dührssen, als auch den Dr. Pautz angezeigt, weil er keinen Arzt für berechtigt halte, ohne sein Wissen und Willen über den Körper seiner Ehefrau in Mr geschehenen Weise zu verfügen. Auch Dr. Pautz habe sein Vertrauen mißbraucht, und er selbst sei „der Lackierte" gewesen. Der Vorsitzende untersagt dem sehr aufgeregten Zeugen derartige Ausdrücke und verweist ihn darauf, daß er hier nicht in einer Bierstube, sondern im Gerichtssaale sitze. Der Zeuge schildert weiter, daß seine Frau seit der Operation fortgesetzt kränkele und mehrfach Aerzte aufsuchen müsse. Er habe sich inzwischen überzeugt, daß die ganze Sache „verpufft" sei, weil es sich nur um eine Patientin dritter Klaffe gehandelt habe. „Hätte er nur einige Hundert Mark zu bezahlen vermocht, dann wäre die Sache ganz anders ausgegangen." Der Vorsitzende untersagt ihm nochmals solche unpassenden und völlig willkürlichen Behauptungen, andernfalls würde er sich selbst der Gefahr einer Anklage aussetzen. Nichtig sei es, wie der Zeuge dem Präsidenten bestätigt, daß er erst 4 Monate nach der Operation die Strafanzeige gemacht habe, nachdem er von dritter Seite über feine Rechte informiert worden sei, und richtig sei es auch, daß er einen Brief an den Angeklagten gerichtet und sich darin seine zivilrechtlichen Ansprüche Vorbehalten habe. Es ist ein seltener Fall, daß ein Arzt in die Lage kommt, sich vor dem Strafrichter wegen „Körperverletzung" zu verantworten, weil er eine nicht ungefährliche Operation ohne zwingende Veranlassung und ohne ausdrückliche Zustimmung an einem Patienten vorgenommen hat. Dieser Prozeß muß daher das größte Interesse der wissenschaftlichen Kreise beanspruchen. Man wird dem Prof. D. Recht geben, wenn er sagte, er halte sich für berechtigt, eine einmal begonnene, wider Erwarten eine gefährliche Wendung nehmende Operation fortzusetzen, auch für den Fall, daß der Patient später darüber ungehalten fei. Mit einer Aufweckung aus der Narkose, um den Patienten, dessen Ueberlegungsfähigkeit durch die Betäubung naturgemäß sehr beeinträchtigt ist, über die entstandene Komplikation zu belehren, möchte unseres Erachtens wohl wenigen Patienten ein Dienst geleistet werden. Der zu Operirende will, einmal zur Operation vorbereitet, in der Regel überhaupt nicht wissen, was mit ihm begonnen wird, weil die Kenntnis seine Angst steigert. Und wie soll sich der Arzt verhalten, verweigert der aus der Narkose Aufgeweckte die Zustimmung zu dem Eingriff, der unter Umständen das Leben retten kann? Vor allem: der Zeitverlust, der durch solches vorheriges Befragen entftebt. Minuten können im Augenblicke der Gefahr eine verhängnisvolle Nolle spielen. Nicht nur berechtigt, sondern geradezu verpflichtet wird der Operateur zum unverzüglichen Handeln sein. Nach einer anderen Richtung aber enthält dieser Prozeß eine Mahnung. Die hoch entwickelte Technik der Chirurgie bringt es mit sich, einerseits, daß in vielen Fällen zu Operationen geschritten wird, wo man früher ohne Eingriff sich behalf, andererseits, daß auf chirurgischem Gebiete fast keine Aufgabe als „unmöglich" betrachtet wird. Die erworbene Geschicklichkeit, das Gelingen gewisser Operationen Dutzende, ja hunderter von Malen, verleitet nur zu leicht dazu, daß der Arzt, speziell der Chirurg, eine von ihm oft vorgenommene Operation als „harmlos" ansieht, die es aber nach der allgemeinen wissenschaftlichen Auffassung nicht ist. In dieser Hinsicht also ist eine kritischere Abwägung seitens des Arztes angezeigt, wenn vor der Vornahme einer Operation deren mögliche Konsequenzen mit dem Patienten ober dessen Angehörigen besprochen werden. Der Arzt muß völlige Klarheit darüber geben, ob die Operation unter Umständen das Leben gefährden kann. Ferner muß er in Betracht ziehen, ob das mögliche Resultat der Operation die etwaige Gefahr aufwiegt. Frau N. erklärt, sie würde sich entschieden nicht zur Operation verstanden haben, wenn sie gewußt hätte, daß diese Operation lebensgefährlich sei. Es mahnt also dieser Fall den Arzt zu besonderer Vorsicht dem Patienten gegenüber, trotz des gewiß durchaus gerechtfertigten Freispruches des Angeklagten. Aus Stadt und Sand. Gießen, 4. März 1902. * Auszeichnung. S. K. H. der Großherzog hat dem Hofrat Ludwig Barnay, dem großen Bühnenkünstler und Begründer des Berliner Theaters, aus Anlaß seines 60. Ge- burtstages die Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse des Ordens Philipps des Großmütigen vergehen. • * Aus dem Budgetbcricht des Finanzausschusses der Zweiten Kammer Es war im vergangenen Jahre der Erwartung Ausdruck gegeben worden, daß die Großh» Regierung in Rücksicht auf die Wichtigkeit des Studiums der Geographie die außerordentliche Professur für Geographie an der Landes Universität in eine ordentliche umwandeln würde. Diese Umwandlung ist in dem neuen Budget nicht vollzogen. Die Regierung hat dies damit begründet, daß sie es aus Sparsamkeitsrücksichten unterlassen habe. Der Finanzausschuß glaubt, wenn er auch für dieses Jahr mit der Ersparung an Mehrausgaben, die durch die Umwandlung eintreten würde, einverstanden sein kann, doch ein Ersuchen an die Regierung vorschlagen zu sollen, dem früher schon geäußerten Wunsche zu entsprechen; er hat deshalb beantragt, daß die Zweite Kammer an die Regierung das Ersuchen richte, im kommenden Hauptvorauschlag die Umwandlung der außerordentlichen Professur für Geographie in eine ordentliche vorzusehen. * * Tagesordnung für die Sitzung der Stadtver^ vrdneten-Versammlung Donnerstag den 6. März 1902. Nachmittags 3x/2 Uhr. 1. Mitteilungen (Ausdehnung des Krankenversichcrungszwangs auf Hausgewerbetreibende und -Lehrlinge). 2. Baugesuch der Firma I. Dern u. Co. für die Frankfurterstraße, hier: Dispens. 3. Gesuch des Gg. Bichler um Erlaubnis zur Erbauung eines Stallgebäudes An der Hardt, hier: Dispens. 4. Baugesuch der Firma Birkenstock u. Schneider für den Brandplatz, hier: DispenS, 5. Dsgl. des Karl Seipel dahier für die Grünbergerstraße, hier: Dispens. 6. Dsgl. des Prof. Dr. Franz v. Wagner für die Moltkestraße, hier: Dispens. 7. den Ausbau der Straße „Wetzlarer Weg", hier: Pflasterung des Uebergangs von der Brücke über die Oberh. Bahn. 8. Errichtung von Aborten und Pissoirs bei dem städt. Schulhaus in der Neustadt. 9. Den Voranschlag der Stadt Gießen, Iper: Anschaffung von Bänken für das Realgymnasium. 10. Die Kokesbrechanlage im städtischen Gaswerk, hier: das durch dieselbe verursachte Geräusch. 11. Verbreiterung der Rodheimer- straße, hier: Vergebung von Arbetten. 12. Vergebung des Straßenunterhaltungsmaterials pro 1902/3. 13. Benutzung städtischen Geländes in der Roonstraße durch W. Rinn, Heuchelheim. 14. Fluchtlinienplan für die Marburgerstraße. 15. Erlaß einer Viehmarktordnung. 16. Den Voranschlag des Gas- und Wasserwerks für 1902/03. 17. Den Voranschlag des Elektrizitätswerks für 1902/03. 18. Den Voranschlag des Gr. Polizeiamts für 1902/03. 19. Die Notstandsarbeiten. 20. Gesuch des W. Lippold um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb im Hause Licherstraße 59. 21. Dsgl. des Fritz Teigler für das Haus An den Bahnhöfen 20. 22. Dsgl. des Joh. Gg. Seipp für das Haus Bahnhofstraße 66. * * Ein Gedenktag. Gestern waren 100 Jahre verflossen, seitdem Dr. Wilhelm Curtman, einer der hervorragendsten Schulmänner Hessens geboren wurde. Curtman hat sein ganzes Leben feinem engeren Vaterlande im Dienste der Schule gewidmet. Er begann seine Thätigkeit auf dem Gebiete des höheren Schulwesens, und setzte diese Jahre lang fort, um zuletzt feine Erfahrungen, fern reiches Wissen und Können in den Dienst der allgemeinen Volksbildung durch die Vollsschule zu stellend Zugleich war er einer der geistvollsten und fruchtbarsten pädagogischen Schriftsteller. Einem längeren Artikel, den H. Schmeel im „D. Tägl. Anz." veröffentlicht, entnehmen wir folgende Einzelheiten. Als Sohn des Rektors der städtischen Schule in Alsfeld am 3. März 1802 geboren, besuchte Wilhelm Curtman das Gymnasium und die Universität zu Gießen, um sich der Theologie zu widmen. 1822 trat er als Hofmeister in die Dienste des Frhrn. v. Leykam in Darmstadt, wurde dann Leiter der vom Grafen Erbach zu Michelstadt gegründeten Privatschule, legte im Jahre 1826 die Gymnasiallehrerprüfung ab und siedelte zugleich nach Gießen als Lehrer am Gymnasium über. Im Jahre 1830 sandte ihn die oberste Schulbehörde als Direktor an die sogenannte Sekundarschule nach Worms mit dem Auftrag, diese Schule in ein modernes Gymnasium umzuwandeln. Curtmans Umsicht und Thatkrast gelang es, in kürzester Frist, die arg in Verfall geratene Schule zu heben. Schon im Jahre 1833 wurde der erfolgreiche Schulorganisator nach Offenbach berufen, um eine Realschule einzurichten und als Leiter der städtischen Volksschulen diese zugleich zeitgemäß umzugestalten. Es begann hier für ihn die arbeitreichste Zeit seines Lebens, doch war ihm auch hier wieder der Erfolg in reichstem Maße beschieden. Als es sich nun Ende der vierziger Jahre darum handelte, für den ersten verdienstvollen Direktor des Fried berg er Lehrerseminars einen Nachfolger zu bestellen, da glaubte die Staatsregierung keinen Würdigeren finden zu können, als Curtman. So verließ er denn im Frühjahr 1841 Offenbach, um in Friedberg von da an bis zu seiner im Jahre 1864 erfolgten Ruhestands- versetzuug seine Kräfte der Lehrerbildung, und damit der Volksschule zu widmen. Seinen Lebensabend verbrachte er in Gießen, wo er am 6. Februar 1871 starb. * * Warnung cor dem Nechtsstudium. Eine Zuschrift an die „Darmst. Ztg." von informierter Seite weist auf den seit Jahren in Hessen bestehenden außerordentlichen Zudrang zum Studium der Rechtswissenschaft als in keinem richtigen Verhältnis zu der Zahl der vorhandenen Stellen stehend hin und schließt mit einer ernstlichen Warnung vor dem Studium der Rechtswissenschaft. Es heißt in dieser offiziösen Auslassung: Der in dem Großherzogtum seit Jahren hervortretende außerordenlliche Andrang zum Studium der Rechtswissenschaft zeigt noch immer keine Abnahme. Auf der Landesuniversit ät betragt die Zahl der Hessen, welche sich diesem Studium zugewendet haben, im Winterhalbjahr 1901/02: 182; rechnet man dazu die zur Zeit auf anderen Universitäten demselben Studium obliegenden Landesangehörigen, so dürfte die Gesamtzahl 200 erreichen, wenn nicht übersteigen. Wie von Alters her, so werden auch in der Folge die meisten jungen Juristen nach Ablegung der vorgeschriebenen Prüfungen eine Anstellung in dem hessischen Justizdienst erstreben, zumal auf Grund der bisherigen Erfahrungen auch für die Zukrnft angenommen werden darf, daß es nur einer beschränkten Zahl gelingen wird, in einem anderen, dem Juristen an sich zugänglichen Berufe ein geeignetes Unterkommen zu finden. Für den Justizdienst kommen aber als Anwärter schon dermalen etwa 103 Gerichtsassessoren in Betracht; ihre Zahl hat danach bereits annähernd die Hälfte der Zahl der überhaupt vorhandenen etatmäßigen Stellen erreicht. Selbst einmal angenommen, es fönnten im Jahre zehn Gericktsaffefforen auf Anstellung rechnen (wa§ indes, enÄs Durchschniltsziffer wohl zu hoch gegriffen ist), so würben immerhin zehn Jahre vergüten, bis, die ]ungften jener Affefforen zur Anstellung gelangen. An Jurrsten, welche jroar bie ftSäSprüfung, aber noch nicht bie Staatsprüfung bestanden Laben (Accessisten), sind zur Zeit 184 vorhanden, Wurden von Wen im Laufe der nächsten ^rei Jahre sich auch nur 150 ber Staatsprüfung nut Erfolg unterziehen, und davon auch nur etwa r.fft sPm Jiistizfache zuwenden, o wurde, wenn wirklich von dm b?rma"n »orpenen G-rich!s°sI°fl°r°n bis zum Eud° jenes qeStrcnimcs infolge von Anstellungen 30 abgehen sollten, bie Ge- Amtzahl ber Gerichtsasiessoren alsdann 173, bie Wartezeü bis mr Anstellung für die jüngsten aber etwa 17 Jahre betragim. Der höchste Bestand an Gerichtsassessoren wäre indessen voraussichtlich auch damit noch nicht erreicht, weil bei der eingangs erwähnten großen Zahl der zur Zeit Rechtswissenschaft Studierenden auch m den weiter folgerLen Jahren der Zugang den Abgang wohl er- Leblick übersteigen wird. Wie hiernach die Anstellung^aussichten, so werden sich auch, nachdem mmmchr die durch die Anlegung des Grundbuchs ueranUten Bedürfnisse einer Aushilfe bei den Amts- aerichten im wesentlichen befriedigt sind, die Aussichten auf staatliche Verwendung für junge Juristen vernmllich von Jahr zu Jahr Ser aXue^unb es kann unter diesen Umständen vor dem Studium der Rechtswissenschaft nur ernstlich gewarnt werden. *• Theatervereiu. In der am Donnerstag den b. d. llic. stattfindenden Vorstellung werden wir Gelegenheit haben, Herrn Adolf Jürgensen aus Kassel als Gast wieder zu be- grüßen. Im letzten Winter spielte dieser treffliche Charakterdarsteller in Björnsons „Fallissement" den Advokaten Verend so ausgezeichnet, daß sofort der Wunsch laut wurde, den Künstler bald wieder zu einem Gastspiel zu gewinnen. Herr Jürgensen wird am Donnerstag in zwei großen Nollen auftreten, als Tartüffe in Moliöres unsterblicher Komödie und als Dorfrichter Adam in Heinrich von Kleists klassischem Lustspiel „Der zerbrochene Krug". ** Jagdverpachtuug. Die Gemeindejagd in Kinzenbach kam gestern zur Neuverpachtung. Zigarrenfabrikant Rinn in Heuchelheim gab das Höchstgebot mit Mk. 300 ab. Der seitherige Pächter, Rentner Kramer aus Dorlar, hatte von einer Wiederoerpachtung abgesehen. -Ist em Schnupfen heilbar? Vor einiger Zeit ging unter ber vorstehenben Spitzmarke eine lllotiz durch die Zeitungen, m der gesagt war, daß der Tag, wo ein sicherwirkendes Schnupfenheil- mittel gesunden werden würde, als ein Weltfeiertag begangen werben follte, und daß sich eine solche Nachricht wie em Lauffeuer durch die ganze Welt verbreiten müßte. Die Welt ohne Schnupfen, das wäre ein Zustand, der zu den größten Errungenschaften des neuen Jahrhunderts gerechnet werden sollte. Ist es auch nickt gerade nötig, in ein solches Pathos mit einzustimmen, so darf andererseits nicht verkanM werden, daß der Schnupfen in der That ein liebel ist, das vielfach in seiner Gefährlichkeit durchaus unterschätzt wird. Man übertreiot nicht, wenn man jagt, daß der Schnupfen unter Umständen lebensgefährlich werden kann. Wie unangebracht die Geringschätzung ist, mit der in den meisten Fällen von enter Erkältung gesprochen wird, lehren die zahlreich schweren Krank- heits- und Todesfälle, die durch eine Erkältung verursacht worden sind. Es giebt zahlreiche Personen, bei denen ein Schnupfen oft schwere Lungen-Katarrhe u. A. im Gefolge hat, die unter ungünstigen Umständen zu lebensgefährlichen Komplikationen sichren. Deshalb muß jeder Katarrh, mid besonders der am weitesten verbreitete, der Schnupfen, vom ersten Tage an sorgfältig behandelt werden. Das nach den vorerwähnten pathetischen Worten so ersehnte Schnupfenmittel ist in aller Stille chatsächlich gefunden worden. Auf der letzten (73.) Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte in Hamburg wurde es den anwesenden Professoren und Aerzten vorgeführt und als geradezu ideales Schnupfenmittel bezeichnet, weil es bet zweijährigen klinischen Versuchen sich glänzend bewährt bat Das Mittel. heißt „Forrnan" und ist ein Kondensationsprodukt aus Formaldehyd und Menthol. Seine Anwendung ist eine sehr einfache. Bei leichtem Schnupfen genügt die Formanwatte, die in kleinen wohlfeilen Dosen verkauft wird, bei schwerem Schnupfen wird der Fornianäther mittels eines kleinen Glasröhrchens inhaliert. Tas (Eigenartige seiner Wirkungsweise ist, daß das Mittel fast momentan eine Erleichterung im Kopfe und in den Nasengängen verschafft Die Wirkung soll geradezu frappant sein. fc. Mainz, 4. März. (Tel. des Gieß. Anz.) Die seit dem Tode ihres erwachsenen Sohnes tiefsinnige Frau des pensionierten Bahnbeamten Schäfer stürzte sich gestern abend im Beisein ihres Mannes, ehe dieser sie daran hindern konnte, aus dem Fenster ihrer im 3. Stock befindlichen Wohnung in der Münsterstraße. Sie war sofort tot. fc. Kassel, 4. März. (Telegr. des Gieß. Anz.) Infolge Nebels wurde vor der Station Alt-Morschen ein Einspänner von einem Personenzug erfaßt und zertrümmert. Der Kutscher wurde thatsächlich zermalmt. Frinz Keü»rich in Amerika. In L o u i s v i l l e traf Prinz Heinrich am 2. März um 7.46 Uhr ein. Bürgermeister Grainger bewillkommnete den Prinzen namens aller Bürger, bot ihm das Gastrccht an und überreichte ihm ein Album. Der Prinz dankte und sagte, er sei erfreut über die große Menge der Erschienenen. Der Bürgermeister möge der Bevölkerung den Dank für den Empfang aussprechen. Unter dem Jubel der Menge bestieg der Prinz eine Bank, sodaß er allen sichtbar war. Konsul Pollier-Cineinnati überreichte im Auftrage des deutschen Kriegervereins von Louisville eine Adresse. 400 Sänger trugen unter Mitwirkung von zwei Musikkapellen bei der Ankunft und Abfahrt Lieder vor. Um 10 Uhr fuhr der Prinz nach Jndianopolis weiter und traf dort um 11 Uhr 5 Min. ein. Etwa 15 000 Personen hatten sich in I. zur Begrüßung am Bahnhofe eingefunden. Auch hier überreichte der Bürgermeister ein Album und sagte obwohl sich die deutschen Bürger der Bereinigten Staaten gegenüber sehr pflichtgetreu zeigten, bewahrten sie die herzlichsten und zartesten Erinnerungen an das Vaterland, aber er bewillkommne den Prinzen nicht namens dieser Bürger- klasse allein, sondern namens aller Bewohner der schönen und, gastfreien Hauptstadt Jiidianas ohne Unterschied der Rasse und des Glaubens. Für die mächtige Nation, d i^e d e r P r i n z r e p r L s e n t i e r e, könne er nur wünschen, daß sie auch fernerhin die beherrschendeStell- ung unter den Völkern der Erde einnehmen möge. Der Prinz dankte herzlich und salutierte. Unter Hurrarufen der Menge setzte sich um 11 Uhr 20 Min. der Zug wieder in Bewegung ulnb traf am 3. d. M. kurz nach 7 Uhr früh in St. Louis ein. Dort fand ein großer Empfang statt, wobei der Mayor Wells eine längere Begrüßungsansprache hielt und die deutschen Militärvereine dem Prinzen eine Adresse überreichten. Prinz Heinrich und das Gefolge bestiegen sodann die Knschen zur Fahrt über die berühmte Eoös-Brücke. Ter Wagen des Prinzen wurde aus der Fahrt durch die Stadt von berittener Polizei und einer Schwadron United Staates Kavallerie eskortiert. Der Prinz wurde überall mit größtem Jubel empfangen. Vor dem Gebäude des St. Louis-Klubs war ein Baldachin errichtet. Die Kavallerie stieg vor dem Gebäude ab und präsentierte. Bei der 'Frühstücksta fei brachte der Bürgermeister Wells das Hoch auf den Präsidenten und den deutschen Kaiser aus. PrinzHeinrich erwiderte: Herr Bürgermeister und Vertreter von St. Louis! Ich wünsche, für Ihre freundlichen Worte des Willkommens meinen Dank auszusprechen. Ich habe jetzt den westlichsten Punkt auf meiner Reise erreicht. Leider kann ich nicht weiter westlich, um mehr von Ihrem großartigen Lande zu sehen. Doch Sie wissen, meine Zeit ist beschränkt. Seit meiner Ankunft in Amerika bin ich Tag und Nacht durch dieses wunderbare Land gereist. Ich versichere Ihnen, ich bin tief gerührt von der Gastfreundschaft und Freundlichkeit, die ich überall Tag und Nacht erfahren habe. Ich wünsche Ihnen allen, auch allen denen, mit denen ich nickst sprechen und denen ich nicht die Hand schütteln konnte, zu danken. Viele tarnen mitten in der Nacht zum Zuge, um mich zu bewillkommnen, und ich bin von Herzen dankbar. Sie wissen, wessen Vertreter ich bin. Ich möchte, daß Sie alle a.13 Zweck meiner Mission den verstehen, die Bande der Freundschaft zwifchen beiden Ländern zu festigen. Sie sollen wissen, daß Deutschland stets bereit ist, über den Atlantischen Ozean hinweg Grüße zu wechseln und die Hand zu schütteln, wann immer Sie dazu bereit find. Ich bin auch der Vertreter der Nation, die stets kriegsbereit ist, der Nation in Waffen, aber nicht einer kriegslustigen Nation. Die Ausdehnung Ihres Landes, die Größe seines Handels und seiner Hilfsquellen machten einen tiefen Eindruck auf mich, und der Eindruck dieser Großarftig- keit wächst vor mir an jedem Tage der Reise. Ich finde, daß die Vereinigten Staaten es wert sind, uns Freunde zu sein. Trinken wir auf das Wohl und Gedeihen St Louis." Nach dem Frühstück unternahm Prinz Heinrich eine Rundfahrt durch die schönsten Stadtteile und reiste um 11 Uhr nach Chicago ab, wo er am Abend des gestrigen Tages eingetroffen ist lieber die Stimmung des Prinzen wird aus Cincinnati gemeldet: Der Prinz, dessen Reise einem förmlichen Triumvhzug gleichkommt, ist ununterbrochen thätig. Er beobachtet scharf, erkundigt sich nach allem Möglichen, besonders über Verhältnisse der Industrie, und macht fleißig Notizen. Während des Aufenthaltes des Zuges in Portage zupfte ein geistesschwacher Taub stumm er mit langem und unftätem Blicke den ihm den Rücken zudrehenden Prinzen am Rockärmel. Der Prinz wandte den Kopf und blickte den Aermften mitleidig an, als Detektivs ihn zurückdrängten. In Tennison wurde ein Knabe gegen die Plattform gedrückt und verletzte sich hierbei den Finger. Prinz Heinrich sprach die Hoffnung aus, daß der Knabe nicht ernstlich verletzt fet Die Ankündigungen des Washingtoner Wetterburecms für März lassen auch auf eine stürmische Heimfahrt des Prinzen schließen. In Chattanroga wurde gleich nach der Ankunft des Zuges auf der elektrischen Bahn die Partie nach Loukout Mountain auf der Drahtseilbahn zurückgelegt Das Wetter war trübe. Oben auf dem Aussichtspunkt erklärte General Boilers die Situation vor und an dem Schlachttage von Chickamanga im November 1863. Auf demselben Weg kehrte der Prinz zur Stadt zurück und unternahm dort noch eine kleine Rundfahrt Für die auf den zahlreichen Haltestellen überreichten Blumenspenden von meist kolossalen Dimensionen ist in dem Waggon des Prinzen kein Platz mehr vorhanden, sodaß sie in einem anderen Wagen untergebracht werden müssen. UeberaU sind auf den Bahnhöfen Tausende versammelt Als in einer Nacht um 2 llhr die Lokomotive auf einer kleinen Station Wasser nahm, pochte das wartende Publikum, da der Prinz sich, nicht zeigte, vergebens an die Fenster verschiedener Waggons, um ihn herauszulocken. In Louisville schüttelte, am Wagen entlang gehend, Prinz Heinrich die emporgestreckte Hand eines Deutschen; sofort wurden Hunderte von Händen emporgestveckt Jemand im Marinewagen schüttelte vom Fenster aus die Hände, bis der Zug sich in Bewegung setzte. Auf dem Bahnhofe wachten 100 Polizeibeamte und acht Geheimagenten über die Sicherheit des Prinzen. Nach! dem „B. T." wurden in Ohio zmn ersten Male deutsche und amerikanische Fahnen an einem Fahnen stock getragen. Bei den letzten Empfängen spielten die Deutschen eine besonders hervorragende Rolle. — In Nashville wurde, wie weiter berichtet wird, dem Prinzen ein Spazierstock zum Geschenk gemacht, der ans einem neben dem Grabe des Generals Jackson stehenden Baum geschnitten ist Die Anwesenheit zahlreicher Neger bei den Empfängen und deren Begeisterungsausbrüche bildeten für den Prinzen und seine Begleitung eine Quelle endloser Heiterkeit. Wie nunmehr, nach einer Newyorker Meldung, feststeh en soll, werde Prinz Heinrich auch Canada besuchen. Tie diplomatischen Vorverhandlungen für den Besuch sotten durch den englischen Botschafter in Washington geführt werden. Der Prinz> der sich nach Canada im elektrischen Wagen begebe, treffe Mittwoch nachmittag in der englischen Kolonie ein, deren Vertreter ihn in Viktoria- park begrüßen solle. Am Samstag wurde die „Hohenzollern" dem allgemeinen Besuch durch das Publikum zugänglich gemacht. Mehrere Offiziere der Yacht besuchten Edisons Werkstatt in New Jerjey. Ein Gehilfe Edisons macht die Reise im Zuge des Prinzen mit, um kinernatographische dlusnahmen von interessanten Reisebildern zu mcuhen. Man glaubt, daß auch Prinz Heinrich Edisons Werkstatt besuchen werde. Aus Ottawa wird depeschiert: PrinzHeinrich teilte dem Gouverneur von Kanada Lord Miuto mit, er wünsche während seines zweistündigen Besuchs auf ber kanadischen Seite der Niagara-Fälle als Privatmann betrachtet zu werden. Man erwartet, daß demgemäß alle militärischen Empfangs-Vorbereitungen aufgehoben werden. Lord Minto wird wahrscheinlich seinen Adjutanten zur Begrüßung des Prinzen entsenden. Nach einem Telegramm aus Newyork schreitet der Ausbau des Meteor verhältnismäßig rasch vorwärts. Man arbeitet eifrig an der weiteren Holzbeklcidung im vorderen Mannschaftsraum. Hinten ist noch eine kahle Eisenwand. Es wird Tag und Nacht gearbeitet. Ob das Schiff jedoch am 20. März die Probefahrt und eine Woche später die Ozeanreise wird antreten können, hängt von der Witterung ab. Die Bemannung der neuen Yacht, 20 Mann, treffen demnächst hier ein. Aus Chicago liegt folgendes Telegramm vor: Es war bereits dunkel, als der Zug mit Prinz Heinrich um halb 7 Uhr eintraf. Am Bahnhof war Bürgermeister Harrison, ein aus Bürgern gebildetes Komitee, sowie der deutsche Konsul Dr. Werer zum Empfange anwesend. Vom Bahnhof bis zum Auditorrum-Hotel bildeten 2000 Polizisten und 2000 ehemalige deutsche Soldaten Spalier derart, daß je ein Soldat neben einem Polizisten stand. Prinz Heinrich mit Gefolge fuhren imJIBagen, welche von 500 Kavalleristen eskortiert wurden. Sobald die Wagen vorübergefahrjen waren, traten die Deutschen aus dem Spalier heraus, zündeten Fackeln an und formierten sich zum Fackelzuge, sodaß Prinz Heinrich schließlich von einem ganzen Fackelzuge ge^ leitet wurde. Im Auditorium-Hotel wurden ein Zimmer für den Prinzen und 50 für das Gefolge angewiesen. Eine halbe Stunde nach Ankunft hegann das Festmahl, das zwei Stunden dauerte. Daran anschließend fand ein Konzert in der Waffenhalle des ersten Milizregiments statt, wo unter Mitwirkung des Orchesters das Sck)lachtgebet vom deutschen Männerchor zum Vortrag gelangte. Nach dem Konzert fand im Festsaal des umgewandeltcn Theaters int Auditorium-Hotel ein Festball statt, dem Prinz Hein« rief) beiwohnte. ................ MiverMs Nachrichten. Der Oberbaudirektor Ludwig Granzins in B remen, Mitglied der Akademie des Bauwesens rmd des Reichsgesundheitsrats, ein hervorragender Techniker und Lehrer, hat am 1. os. seinen 70. Geburtstag gefeiert. — Prinz Georg Wilhelm von Cumberland, der älteste Sohn des Herzogs von Cumberland, wird im. Sommerfemester die Universität Heidelberg beziehen. — Nach Königsberg ist Professor Ernst Hey mann für das Fach des bürgerlichen Rechtes als Ordinarius berufen worden, nachdem er bisher der Berliner Universität als a. o. Professor angehört hat. Prof, peyinann wird dort der Nachfolger von Karl Gareis, der, einst in Gießen, einen Ruf nach München angenommen hat. — Der a. o. Professor für Philosophie an der Universität Basel Dr. Karl Joöl wurde zum o. Professor an dieser Hochschule ernannt, und zwar als Nachfolger des Professors Dr.Karl Groos, der betannt- lich jetzt unserer hessischen Landesuniversität angehört. Gerichlssaal. Frankfurt a. M., 4. März. (Telegr. d. „Gieß. Anz.") Der wegen Notzuchtoersuchs, begangen an einem 28jährigen Mädchen aus Niederrad, verhaftete Schutzmann Broll hat vor dem Untersuchungsrichter ein umfassendes Geständnis abaelegt. Wien, 3. März. Tas Gewerbegericht verurteilte die Reisenden der Pariser Juwelensirma Bouckeron wegen unbefugten Hausierens zu 200 Kr. Geldstrafen. Ein beschlagnahmter Schmuck im Werte von 800000 Kr. verfällt zu Gunsten der Gemeinde Wien. Briefkasten. Gießener Neueste Nachrichten. Wer eine solche Tonart an» schlägt, wie Sie, richtet sich selbst und erweist sich als unwürdig nicht nur sachlicher Erwiderung, sondern jeder öffentlichen Beachtung^ Telephonischer Kursbericht. Frankfurt a. Bl., 4. März. 8*/8% Beichsanleihe . . 102.05 3% do. ... 92.85 37,% Konsole .... 102.05 3% do 92.60 37r% Hessen .... 100.20 3% Hessen .... —.— 4% Oesterr. Goldretne . . 102.95 47Oesterr. Silberrente 101.85 4% Ungar. Goldrente . . 101.25 40/u Italien. Rente . . . 101.00 473% Portugiesen . . . 42.45 8°/ Portugiesen. .... 28.00 1% C. Türken .... 28J.5 Türkenlose ..... 114.20 4% Griech. Monopol.-Anl. 45.50 3% Mexikaner .... 26.80 47s7o Chinesen . « . . 91.20 Electric. Schuckert ... 12040 Nordd. Lloyd .... —.— Kreditaktien , . . . . 219.80 Diskonto-Kommandit. . . 194.70 Darmstädter Bank . . . 138.20 Dresdener Bank .... 136.90 Berliner Handelsges. . . 152.40 Oesterr. Staatsbahn . ♦ . 145.80 Lombarden . . , . . 18.20 Gotthardbahn 169.30 Laurahütte . . . . 4 . 200.00 Bochum . ..... 197.(50 flarpener ..... 163.80 47,% äussere Argentiner —.— Tendenz: ruhig. Neueste Melsungen. Origirraldrahtrneldurrgen des Gießener Anzeigers. 8 Darmstadt, 4. März. (2. Kammer.) Fortsetzung, der Budgetberatung. Präsident Haas richtet an das Haut- die dringende Bitte, die Debatten im Interesse der raschen Erledigung des Budgets zu vereinfachen, damit man möglichst noch in dieser Woche die Budgetberatung beschließen könne. Hierauf werden die Kapitel 16—22 ohne Debatte genehmigt. Bei Hanptabt. 8, „Ministerium des Innern", fragt Frenay nach dem Stand der Revision der Verwaltungsgesetze, er bringt eine große Anzahl Wünsche auf sozial-politischem Gebiet vor. Staatsminister Rothe sagt die Vorlage des Verwaltungsgefetzes . für das nächste Jahr zu. Ulrich bringt Beschwerden über die Handhabung des Gemeindewahlrechts sowie über einzelne Beschlüsse des Kreisausschusses in Offenbach, über die Gewerbeinspektoren rc. vor. v. Brentano sucht Ulrichs Ausführungen zu widerlegen. Staatsminister Rothe nimmt die Selbständigkeit der Verwaltungsgerichtshöfe in Schutz. Ministerialrat Braun sagt die Berücksichtigung der Wünsche Frenays nach Möglichkeit zu. Staatsminister Rothe erklärt die von Frenay beanstandete Benutzung der redaktionellen Teile der Kreisblätter. Hierauf werden Kap. 24—29 genehmigt. Hierauf wird Abschnitt „Lokal- und Polizeiverwaltung" und Kap. 30 „Pro-, vinzialdirektionen und Kreisämter" beraten. Bei Tit. 2 „Kreisgeometer" empfiehlt Ministerialrat Breidert diese Einrichtung warm. Hannover, 4. März. Gestern wurde in der Person eines gewissen Josef Anders der Dieb verhaftet, der in Berlin Juwelen im Werte von 75 000 Mk. gestohlen hat. London, 4. März. Die Morgenblätter veröffentlÜhen Auszüge aus dem Blaubuch, welches gestern über' die Remonte-Angelegenheit von der Regierung veröffentlicht worden ist. Die Unzufriedenheit der Blätter über diesen Skandal ist allgemein. „Daily Mail" sagt, man habe auf das unerhörteste mit dem Gelde der Steuerzahler gewirtschaftet und unzählige Fälle von Bestechungen seien aufgedeckt worden. „Morning Leader" be- nierft, daß die letzten Kämpfe die Engländer 5000 Pferde gekostet haben. London, 4. März. Der „Standard" meldet aus Herks- dorp vom 1. März: Die Abteilung Donops, die mit dem Convoi gefangen genommen wurde, bestand aus 5 8 0 Mann mit 2 Feldgeschützen, 1 Pompon- und 2 Maxim- kcmonen. Brüssel. 4. März. Jrn letzten Augenblick erklärten die Deutschen auf der Zuckerkonferenz, daß sie einige untergeordnete Punkte der Konvention nicht annehmen könnten und sich hierüber neuerdings mit ihrer Regierung verständigen müßten. Infolge dieser unerwarteten Haltung ist die endgiltige Unterzeichnung der Konvention aufgeschoben worden. Einer der deutschen Delegierten ist nach Berlin abgereist, doch erwartet man seine baldige Rückkehr, um die Arbeiten der Konferenz zum Abschluß zu bringen. Krakau, 4. März. Nach Meldungen aus Warschau hat der russische Untcrrichtsminister die Schließung der Warschauer technischen Hochschule wegen angeblicher Renitenz der Studenten angeordnet. — Im hiesigen St. Lazarus-Hospital wurden zwei Krankenwärterinnen unter dem Verdacht einen Irrsinnigen ermordet zu haben, verhaftet. MSL'WLLLW.M, im Alter von 26 Jahren, was tiefbetrübt anzeigt Die Giessen, den 3. März 1902. findet statt: Die Beerdigung Mittwoch den 5. März, vormittags 11 Uhr, von den neuen Kliniken aus. Danksagung 1813 30% Efcabatt 1824 auf UWtHWn WWWWW 3u verkaufen UWWMNW 1749] n.Zu gebt euren Kindern bet Husten, Katarrh Ackermauus Fevchel- honig. Fl. 60 u. 100 Pfg. VHUipp Schwager Wwe., Drog., Markt8. 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