1 (2. ßr h S Nr. ||6 _ i ■ -^Otle. 9 „ I nnblB8tein. 42-Fest. p p'J)i9 Jlei^5Dg8 7. Sauger ^8er. 9 a'3e blenei p Sy. PatPourri v v Bu8aren- “'ritt 85 erein I, Teil« BiijriisöO. osLMenoonN gjy., >en 6. Januar 1902; - Versammlung amerad Weber. chcs (Scheinen bittet Der Borstaud. Gr. F. Abend »ei Kamerad 171 Das Sommaubo. 5. Januar iE iristbam- Verlosung. H. Um. ’ l6ft Pieberthal^ Siebener dttheat-r. UüPrME tiißjtM* r1902; 1,0 he. ^rieox. Frankfurt a. y t«*®1/, Uhr. fra?ö nach Billete 6 ertlen Balkon I Wade Mk. 1.5® | -bergcrstrabe mittag. »• 3E e - ÄimwiiM ♦ Malens.) 062 n’bi51Stticrt .•.'»'S® ||| Mn^of Kinzenbach I§ geliefert werden) EudeM erteilt Nach, f w Mathevatik uS> NMchemanSMxr “TO unb Real° ä. Näheres Sübaulafle 8. MW) verloreu. \ ^lll Abzugeben lonunq eammsiraße 4, n von Midern, Blusen ilusbessemv. Weißzeug -beforqtinu. außerdem ELowellgasfelbl. enlauwait ■LEiPZiC1^ MM (Mecklenburg) iflff',T«Anic-u. Meüiarfarw ilnMbu und Elektrotechnik och-ml Tiefbau. TIidilenL {llcher Eintritt---- Mx. 3 Erscheiut täglich außer Sonntags. Dein Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Zamilien- blatter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Univ ers.-Buch-u. Sterw- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gieße». Fernsprcchanschluß Nr. 51. Drittes Blatt. 153. Jahrgang Samstag 4. Januar 19OS5 GiehenerAnzeiger u General-Anzeiger " ** Amis- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen Bezugspreis: monatlich 75Ps.,vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12Pß, auswärts 20 Pfg. Verantwortlich: für den polit. u. allgem. Teil: P. Wittko: für „Stadt und Lankn und „ Gerichts? aal^: R. D i t 1- mann; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Z»ie oEröenserianerunge» von Robert v. Moyl. Schreibt jemand Memoiren, die erst lange nach seinem Tode im Druck erscheine, so begiebt er sich eigentlich der Wohlthat des plten Spruches, daß von den Toten nur gutes gesagt werden soll. Die Angegriffenen, und fast immer wird er Persönlichkeiten angreifen, um seinen Standvunkt, das Ergebnis seines Schaffens, zu rechtfertigen, sino größtenteils nun auch tot; es leben aber Nachkommen, Freunde, mindestens Parteigenossen, alles Leute, die geneigt sind, cmzubeten, was er verbrannte, und zu verbrennen, was er anbetete; das bei ihnen ausgelöste Gefühl der Empörung wird auch ihr Urteil über einen Mann beeinflussen, den sie bereits mit dem gerechteren Maße des Historikexs zu messen begonnen hatten. Die jetzt erschienenen Denkwürdigkeiten eines im Jahre 1875 verstorbenen süddeutschen Liberalen*), der als Mitglied einer ganzen Dvnastie von Universitätsgelehrten, als gemaßregelter Staatsoiener, als Abgeordneter im Frankfurter und Berliner Reichsparlament eine große öffenlliche Rolle gespielt hat, sind erst kurz vor seinem Tode abgeschlossen worden; als.Geschenk in die Tübinger Universitäts-Vibliothek übergegangen, wurden sie, wie der Herausgeber Dr. Dietrich Kerler versichert, gerade jetzt gebnrckt, weil sonst die Gefahr des Veraltens nahe lag und airderseits die etwaigen gegen die Veröffentlichung sprechenden Bedenken nicht mehr so sehr ins Gewicht fielen Robert v. Mohl kritisiert mehr oder weniger freundlich eine große Anzahl von Zeitgenossen, die als Fürsten und Angehörige von solchen, als Staatsmänner, Gesetzgeber und auch als Professoren der verschiedensten Fächer mit ihm in Berührung gekommen sind. Durch Frankfurter Erfahrungen kopfscheu gemacht, war er nicht sehr für Fraktionen und hat sich den Nationalliberalen im Reichstage nur ungern angeschlossen. Die Verlagsbuchhandlung hat uns gestattet, einzelnes aus dem Werke zum Abdruck zu bringen. Wir beginnen mit dem, was Mohl über die heutige stärkste deutsche Partei, die „Regierungspartei", das Zentrum, schreibt: „Eine durch ihre Zahl sowohl als durch ihre strenge Parteidisziplin und ihre klarbewußten Zwecke bedeutende Fraktion war die des Zentrums ober der Ultramontanen. Sie bestand aus 94 Mitgliedern, allein als eng mit ihr verbunden und beinahe ausnahmslos mit ihr stirmnend waren ihr beizuzählen die 13 Mitglieder der polnischen *) Lebenserinnerungen von Robert v. Mohl, 1799 bis 1875. Mit 13 Bildnissen. Stuttgart. Deutsche Verlagsanstalt 1902. Groß Oktav. L Bd. 288 S., II. Bd. 451 S. rw ' - ....................! ««■■■■■■ Fraktion und» die etwa 6 bis 8 Elsässer, welche im Reichstage geblieben waren. Sehr von ihr verschieden in Zielen und Mitteln waren allerdings die 6 bis 7 Sozialdemokraten, allein da diese in allen gegen das Reich gerichteten Anträgen und Abstimmungen sich anzuschließen pflegten, so verstärkten sie immerhin das Gewicht des Zentrums, wenn dieses auch es ungern hörte und sich dagegen verwahrte, wenn man sie (es) mit diesen Anhängseln unter dem Begriffe und der Benennung der „Reichsfeinde" zusammenfaßte. Die ultramontane Partei war bei den Wahlen für den zweiten Reichstag durch zahlreiche Erfolge in Bayern, in Westfalen und am Rheine ganz unerwartet und zu weit verbreitetem schmerzlichen Erstaunen sehr verstärkt worden und trat auch anfangs mit großer Sicherheit und Siegeshoffnung auf; allein seit der entschiedenen Niederlage in der Militarfiage wurde sie kleinlauter. Es war eine wunderbare Zusammensetzung aus alterprobten katholischen Stimmführern, wie Windthorst, Mallinckrodt, den beiden Reichensperger, einer Anzahl von westfälischen und bayerischen Adeligen, einem Haufen von Pfarrern, deren zum Teil groteskes Aussehen wenig Einsicht versprach, und einer kleinen Anzahl hannoverscher Partikularisten. Die Partei war im großen und ganzen durch chren fanatischen Eifer für die katholische Kirche und den daraus entspringenden Haß gegen Preußen und das Reich, welche sich gegen die Uebergriffe der Hierarchie ernstlich zu wehren begannen, verbunden. Die Hannoveraner wurden durch die Abneigung gegen das Reich herbeigeführt, auch waren sie, wohl als Protestanten, nur als Hospitanten der Fraktion' bezeichnet. Die Parteidisziplin war musterhaft; kaum stimmte je einer gegen die ausgegebene Parole der Fraktion. Ob im inneren Meinungsverschiedenheiten bestanden und wie diese ausgeglichen wurden, war für Außenstehende ein tiefes Geheimnis. Das Wort für die Ultramontanen führte regelmäßig, wohl nur M ost, Windthorst, welcher auch der anerkannte taktische Leiter der Partei war, sodann Mallinckrodt, die Reichens- >erger; allein sie mußten, ich glaube ungern genug, jedem- alls nicht zu ihrem Vorteile, doch auch zuweilen einen von )en Pfarrern eine Predigt halten oder den halbverrückten Buß reden lassen, der sich laut darüber beklagte, daß er Zweiunddreißigmal das Wort verlangt habe, bis er es endlich erhalte. Im ganzen war die Partei gehaßt, wegen ihrer Zahl gefürchtet, aber auch ob der bäuerlichen Stupidität vieler ihrer Mitglieder verachtet. Jeder Halbwegs vernünftige Mensch muß beten, daß eine gütige Vorsehung Deutschland vor der Herrschaft einer solchen Partei bewahren m ö g e." Weiter wird mitgeteilt, daß die P o l e n in kirchen- politischen Angelegenheiten in der Regel mit dem Zentrum gegangen seien; wenn sie ihre eigene nationale Politik einmal trieben, „wurden sie zwar nicht grundsätzlich von der Zentvumsftaktion als solcher unterstützt, allein viele einzelne Mitglieder schlossen sich ihnen doch aus Dankbarkeit für die gewöhnlich geleistete Hilfe und weil es dem Reiche nicht genehm sein konnte, an." Bei den Nationalliberalen, deren Name „im ganzen bezeichnend" war, seien, so sagt Mohl, von den Grenzen des Konservatismus bis fast zum Radikalismus alle Schattierungen vertreten gewesen. Er habe sich „nach einigem Zögern und nicht eben gern" chnen angeschlossen, um sich nicht ganz zu isolieren. Sie seien Regierungspartei gewesen, hätten sich aber geschämt, als solche aufzu- treten, daher zuweilen „mit einer Art von Affektation" Regierungsvorlagen bekämpft, „sodaß zu verschiedenen 's 'eilen das Zustandekommen von wichtigen Gesetzen in großer befahr stand und schließlich nur durch Kompromisse geholfen werden konnte." Stupidität findet Mohl nicht nur beim Zentrum, sondern auch beim Fortschritt. „In ihrer unstaatsmännischen Beschränktheit und prinzipiellen Starrheit scheuten sie vor den Folgen nicht zurück. . ." „Sie blieben ein unberechenbares Hindernis und eine widerwärtige Gefahr, und mir war keine Partei so verhaßt als sie, wert ich sand, daß sie in unbegreiflicher Stupidität und ohne einen eigenen bestimmten Zweck die Sachlage und die Bedürfnisse verkannte." Die beiden konservativen Fraktionen zählten damals zusammen nur 59 Köpfe. „Sie waren selbstverständlich regierungsfreundlich, wenn diese ihnen nicht zu weit in liberaler Richtung ging; praktisch aber hatten sie sich, ungern genug, den Abstimmungen und Kompromissen der National- liberalen anzuschließen. Letztere unterhielten wenig Beziehungen zu ihnen, sondern (sic!) überließen es der Regierung, einen für nötig erachteten Druck auf sie auszuüben." Die Sozialdemokraten seien wenig beachtet worden, da sie an Zahl zu unbedeutend waren. Daß Bebel und Liebknecht nicht durch ein Machtwort des Reichstages aus dem Gefängnis befreit wurden, wird ohne tadelnde Bemerkung mitgeteilt. Die Anträge der Partei seien aussichtslos gewesen, die Mitglieder „ohne eine Ahnung von allgemeinen stattlichen Gedanken und Interessen alles auf die Arbeiter beziehend oder dahin zerrend. . . Mir waren sie eine unheimliche Erscheinung. Aeußerlich erschienen sie „Isden-rdmiMil" und „Wes-Schuh" itt Hessen. Im 12. und 13. Jahrhundert waren die Juden in Hessen, wie überhaupt in Deuffchland, dem kaiserlichen Schutz befohlen. Sie waren des „heiligen römischen Reiches Kammertnechte", und erhielten für die Dienste, die sie den Kaisern in Geldgeschäften leisteten, einen „Schutzbrief", den sie mit 1 fl. rheinisch auf den Kopf einzulösen hatten. Außerdem hatten sie jedem neugewählten Kaiser den dritten Pfennig als „Kronsteuer"' zu bezahlen- Das Recht, Juden zu halten, gehörte zu den Regalien (Gerechtsamen) der Kaiser. Dieses kaiserliche Reservatrecht wurde vom 14. Jahrhundert an zunächst den Landesfürsten, später auch allen damaligen Souveränen verliehen- Kaiser Ludwig IV- der Bayer erteilte 1347 dem edlen Herrn von Eysenbach das Recht, in Ullrich stein 6 Juden halten äu dürfen- Die Kaiser verpfändeten ihre Juden und die die von denselben zu entrichtenden Abgaben an andere Edle, die dann wieder das Recht erhielten, sie weiter verpfänden zu dürfen. So erhielt der Graf Ulrich von Hanau vom Kaiser Albrecht 1303 die Erlaubnis, die ihm vom Kaiser Rudolf verpfändeten Juden zu Münzenberg, Assenheim und Nidda an die Herren von Faltenstein wieder zu verpfänden- Als man beim Ausbruch der Pest im Jahre 1349 den Juden die Brunnenvergiftung zuschrieb, traf auch die Juden in Hessen die Verfolgung, wo man allein 200 verbrannte. Vor dem 15. Jahrhundert war den Juden der Aufenthalt an einem Orte auf längere Zeit nicht gestattet; erst von dieser Zeit an wird ihnen das Wohnen cm einem Platze auf mehrere Jahre erlaubt- Landgraf Philipp der Großmütige wollte anfangs die Juden aus Hessen vertreiben, gestattete ihnen aber 1532 das Wohnen auf. weitere sechs Jahre, welche Frist dann noch auf öwei Jahre ausgedehnt wurde, obschon von seinen „Gelehrten" in dem „christlichen Beoenken, welcher Gestalt christl'.che Obrigkeit den Juden unter Christen zu wohnen gestatten könne" geltend gemacht wurde, die Juden nur unter harten Bedingungen zu dulden- Philipp meinte dagegen, er habe in der Schrift nirgends gelesen, ,chaß man sie ganz vertreiben solle". 1539 erließ Landgraf Philipp eine „Inden-Ordnung"!, in der unter anderem in Punkt 5 über den jüdischen Handel bestimmt wurde: „sollen ziemlicher weise taufsen und Verkauffen, doch in den stetten und orten da kein Zünfte sein, oder da sie die Zünfte leiden- Doch sollen sie es wahr nicht ver- teuren, sondern umb eynen zimlichen billichen Pfennig geben, wie es inen unsere beampten oder Bürgermeister und Rath setzen würden". Bei Darlehen wurde gestattet, 5 fl. von 100 fl. zu nehmen; wer mehr nähme, sollte der geliehenen Summe wie der Hälfte feines Vermögens verlustig geben- Da die Ordnung von 1539 nicht ganz beachtet wurde, erschien 1543 eine „Erläuterung der Judenordnung", in der die früheren Bestimmungen nochmals eingeschärft wurden- Die Pfarrherren lverden angehalten, darauf zu achten, daß die „Juden, ihre Weiber und Kinder" die Predigt nicht versäumen- Da die Juden die Kirchen nicht besuchen wollten, so wurden von den Geistlichen hier uni) da sogenannte „Judenpredigten" gehalten- Denn Pfarrherren wurde außerdem zur Pflicht gemacht, die Religionsbücher der Juden zu prüfen, ob sie nichts gegen den christlichen Glauben enthielten. Sollte ein Pfarrer des Hebräischen nicht kundig fein, „so mutz man die Bücher gern Mar- burgk schicken, und daselbst davon jubilieren lassen" Nach der Reichspolizei-Ordnung mußten die Juden damals zu „ihrer Erkenntnis" einen gelben Ring an dem Rock oder an ihrer Kopfbedeckung „allenthalben unverborgen öffentlich" tragen- Unter des Landgrafen Philipps Nachfolger wurde die Judenordnung von 1539 erneuert- Wilhelm IV. der Weise zu Kassel, ein toleranter Fürst, schrieb an seinen Bruder, den Landgrafen Ludwig IV- zu Marburg, sich nicht durch das neu erschienene Bucy des Judenfeindes, des Pfarrers Nigrinus in Gießen, beeinflussen zu lassen, sondern er möge die Juden wie alle anderen Religionsgemeinschaften in seinem Lande dulden. Als 1566 auf dem Landtage zu Treysa die Steuern festgesetzt wurden, wurden die Juden mit je 1/2 fl- für das erste Ziel in Steueranschlag gebracht; für die anderen Ziele sollten sie von je 160 fl- „Hauptguts" 2 Schreckenberger entrichten. Außerdem mußten die Juden im Oberfürstentum Hessen jährlich ein Pferd zur Festung Gießen stellen, welche Verpflichtung in Geld abgelöst wurde, so daß man nun in zwei Terminen, immer zur Zeit der Frankfurter Meise 25 Goldgulden zu entrichten hatte- Landgraf Georg I., der den Huden nicht besonders gewogen war, erließ am 1- Januar 1585 eine strengere Judenordnung. Außer der Versicherung durch ihren jüdischen Eid, sich jeder Lästerung „wider unfern Erlöser und die christliche Religion" zu enthalten, wurde den Juden auferlegt, „Ire Wahre nicht vertheuern noch die- selbige Unseren Underthanen höher uftringen oder ann- schlagenn, als sie sonstenn bey Christen gültig ist". Außerdem „füllen sie alle Ire Henbell nfrichtig treiben, mit fein en n verzinslichen Praeticken oder Finanzen umbgehen." Landgraf Georg II., der während des 30jährigen Krieges regierte, befahl, die Juden aus Gießen und Darmstadt und allen Städten zu vertreiben, nahm aber diesen Befehl auf die Vorstellungen der Juden wieder zurück, und erließ eine neue Ordnung, die sich im wesentlichen an die vorhergehenden Ordnungen anschloß Neu war die Bestimmung: die Juden sollten auf den „Wochen- und andere Markttägen zur Einkauffung der Victualien, nicht den Vor- sondern den Nachkauff haben-" Da es üblich war, daß die Juden oft ihren Wohnort wechselten, so erließ Georg II. eine Verordnung, nach der es ohne schriftlichen Consens den Juden nicht gestattet war, nach einem andern Ort zu ziehen, die ihnen außerdem die Verpflichtung auferlegte, an dem neuen Ort neben den übrigen Abgaben das „Schutz- und Eintrittsgeld" zu zahlen- Die Judenordnungen des Landgrafen Ernst Ludwig brachten als neue Bestimmungen, daß die Juden vorerst keine neue Synagoge errichten sollten, und erstreckte sich auf die Kultusausübung- Die Juden sollen „keine Zeremonien, wie sie auch Namen haben mögen, auf den Gassen, oder aus den Fenstern dsis Hauses, wo sie zusammenkommen, gebrauchen". In ihrer Versammlung sollen sie nichts, als die Schriften Mosis und der Propheten gebrauchen, und nach denselben ihr Gebet und Uebungen einrichten." Nach der Bestimmung vom Jahre 1697 sollte kein Jude im Lande aufgenonrmen werden, der nicht wenigstens 300 fl- an Vermögen einbringe. Die Verordnung von 1699 legte der Juden sch ast im Oberfürstentum die Verpflichtung auf, die abgängigen Pferde aus dem fürstlichen Marftall zu billigem Preise aufzukaufen, sowie nach Bedarf drei oder mehr „Klepper" zu stellen und zu unter- f)alten- Von dieser drückenden Last wurden die Juden auf ihre Vorstellung beim Landgrafen für 20 Jahre befreit durch Entrichtung von 1000 Reichsthalern. Beim Reisen innerhalb Deutschlands bedurften die Juden der Erlaubnis und des Schutzes des betreffenden Reichsstandes, dessen Gebiet sie berührten. Sie mußten dafür den „Leib-Zoll" entrichten- Die innerhalb des Oberfürstentums reisenden „Schutzjuden" waren von dieser Abgabe bestell, mußten dieselbe jedoch zahlen, sobald sie andere Aemter berührten- Landgraf Grnft Ludwig schloß mit der Herrschaft Hanau-Minzenberg einen „Geleits-Vertrag" ab, der den Leibzoll für die zur Frankfurter Messe reisenden Juden festsetzte. Ein von Gießen nach Frankfurt reisender Jude zu Pferd ober zu Fuß hatte für die Hin- und Herreise einen Ortsthaler zu entrichten- „Die armen Juden, welche von fremben Orten Herkommen unb durch das Land gehen, sollen bes Leibzolles befreit fein, jeboch anbers nicht, als wenn ihre äußerste Armut, oder wegen Entrichtung des Zolles vorgeschützte Ohnmöglichkell kündbar, oder dieselbe auf ihren Judeneid nehmen, baß sie armuthswegen den Zoll nicht zu entrichten vermögen." Die in Hessen sich bauernb niederlassenben Juden erhielten einen „Schutzbrief", der ein besonderes gedrucktes Formular enthielt- Der Schutzbrief wurde ausgestellt gegen Entrichtung eines jährlichen Betrags von 23 fl- 25 alb., der 1719 auf 25 fl- 5 alb. erhöht wurde. Wer das Schutzgeld nicht pünktlich zahlte, sollte des Schutzes verlustig gehen- Der fortwährende Zuzug fremder Juden stellte die pünktliche Entrichtung der Abgaben oft in Frage, weshalb eine landgräfliche Verordnung von 1716 bestimmte, daß vor der Aufnahme Fremder 3 bis 4 Vorsteher der Judenschaft für das Schutzgeld garantieren mußten- Zur genaueren Kontrolle über die Niederlassung der Juden wurden besondere „Inden-Tabellen" eingeführt, die von den Beamten alljährlich einzureichen waren und Angaben über Namen, Alter, Herkunft, Anzahl der Hausgenossen, Nahrung und Gewerbe, Vermögen enthielten- Das beim Einzug nachweisbare Vermögen wurde auf 600 fl- erhöht. Schluß folgt kmff5.li big; sic sollen gut ans' der Gesellschaftskaffe bezahlt gewesen sein." Die Bedeutung Miquels hat Mohl sofort erkannt. Er rühmt fein Gedächtnis, seinen guten, logischen, wohl- ;önenden. »Vortrag, sowie seine Unabhängigkeit von der tzarteischablone. „Meiner Ansicht nach ist Miquel zur Be- lleidung der höchsten Stellen fähig." Dagegen sei Lasker bei seinen unleugbaren Vorzügen doch kein Staatsmann m höherem Sinne, sondern eben nur Parteimann gewesen. Das „jüdische Blut" sei cs nicht allein gewesen, das ihm die Ministersessel unzugänglich gemacht habe. Windthorst wird geradezu als unehrlicher Charakter aufgefaßt. „Er war ein hochbegabter Advokat, aber keine Spur von Fanatiker oder Märtyrer für irgend eine Sache. Als taktischer Parteiführer der Ultramontanen mußte er wohl oder übel deren Standpunkt annehmen und auch zuweilen, wenn schon selten und kühl genug, in ihrem Sinne reden; aber für einen eifrigen Katholiken hielt ihn kein Mensch, schwerlich die Einsichtigeren der Partei selbst. Politischer Partiknlarist war er ohne Zweifel aufrichtiger, schon aus persönlichen Beweggründen; schade nur, daß die Ueber- zeugung allgemein war und oft genug geäußert wurde, es wäre seinerzeit ein leichtes gewesen, ihn zu gewinnen, und es spreche jetzt nur getäuschter Ehrgeiz und Egoismus aus ihm. Gerade in diesem Hauptpunkte war die höhere sittliche Würdigung begründet, welche Lasker zuteil wurde." — Hermann v. Mallinckrodt habe den Zweifel erweckt, ob man einen Großinquisitor oder einen Don Quichote vor sich habe. Er war ehrlich, aber ein „blinder Fanatiker"; „er besann sich nicht, Brandstoffe unter die gläubige und unwissende Menge zu weiterer und leidenschaftlicher Aufregung zu werfen." — „Peter Reichensperger habe ich nur einmal reden gehört mit Achtung vor dem Talente, mit Staunen über den Pathos und mit einer Art von Grauen vor der bis zum Zittern der Stimme und der Hände gehenden nervösen Aufregung des finsteren dunkelen Mannes." Er sei bedeutender als sein Bruder August R. gewesen, dessen Milde aber angenehmer berührt habe. Rach Mallinckrodts Tode erhielt das Zentrum in B. von Schorlemer „nur einen ungenügenden Ersatz." — Bei dem Streit über die Zivilehe hätten die rheinischen Zentrum smitglieder nicht entschlossen auftreten mögen, weil in ihrer Heimat das Institut längst bekannt und beliebt gewesen sei. „So blieb der Streit ein speziftsch bayerisches' Stiergefecht. Damit soll jedoch nicht entfernt gesagt sein, daß meine Ansicht von der Gefährlichkeit und von der politischen und sittlichen Verwerflichkeit dieser Partei sich im mindesten durch die längere Bekanntschaft mit ihr geändert habe. Im Gegenteil, ich betrachte sie nach wie vor und selbst in steigendem Maße als einen Krebsschaden für das Reich, welcher wenigstens möglicherweise die schwersten Krisen Hervorrufen kann." Eugen Richter, an dem er das fleißige Studieren der Finanzfragen lobt unb die „Bitterkeit der Opposition" tadelt, war nach unserem Autobiographen „ohne Zweifel das hervorragendste Mitglied der Fortschrittspartei, zunächst aber wenig beliebt in der Versammlung, welcher er wenig sympathisch und fast unheimlich war. Daß er von der Regierung gehaßt und gefürchtet wurde, war selbstverständlich." Und vorher; „Daß Richter eine bedeutende Zukunft hat, scheint mir unzweifelhaft." Döllinger erfährt vielleicht die interessanteste Beurteilung. Er hat, wie Mohl meint, nicht den Mut der Ueberzeugung gehabt und, zu jenes Erstaunen, sich die Exkommunikation tief zu Herzen genommen. Als anerkannt erster Theologe Deutschlands hätte er es in der Hand gehabt, „eine überwältigende Bewegung in ganz Deutschland gegen das Unfehlbarkeitsdogma hervorzurufen, damit aber gegen ben Absolutismus der Kurie unb den Terrorismus oer Jesuiten schließlich zur Bildung einer deutschen National- ttrche den Anstoß zu geben. Allein hierzu wäre ein persönliches Hervortreten, ein Einsetzen seiner ganzen Person, ein Entschluß zur Führung eines wütenden Kampfes bis an das Ende seines Lebens notwendig gewesen." Dazu war, nach Mohls Ansicht, Döllinger zu wenig Charakter- unb zu viel Gemütsmensch. Er sei mehr Erasmus als Luther gewesen. Die geflissentliche Ehrung des Exkommunizierten durch Ludwig II. hervorhebend, schließt Mohl: „Ob und wie sich das unklare Verhältnis lösen wird, muß die Zeit lehren. Ich wünsche nicht eben, den kaum älteren Mann zu überleben, allein begierig zu wissen wäre ich allerdings, ob nicht doch schließlich eine Aussöhnung mit der Kurie erfolgt, d. h. eine Unterwerfung Döllingers; unb wäre es auch nur auf bem Todesbette. Für unmöglich erachte ich es nicht, wie ich den Mann zu kennen glaube." Schon aus Raummangel können wir die Mohlschen Urteile über so manche politische Persönlichkeiten, von den allerhöchsten bis herab zur scharfen Opposition, hier nicht andeuten; das Mitgeteilte reicht wohl hin, um einschem zu lassen, daß Mohl zwar ein Menschenkenner war, aber auch in der einseitigen Parteibeleuchtung, von der er sich unabhängig glaubte, manches schief beurteilt hat. Bequem ist es ja freilich,' abweichende Ansichten anderer dadurch' ;u erklären, daß man die Personen für dumm ober unredlich ausgiebt. Man gestatte uns nur noch eine Notiz über den fröhlichen Poeten I. V. v. Scheffel. Diesem ist Mohl in Karlsruhe näher getreten. Scheffel sei nicht so glücklich gewesen, wie die äußeren Verhältnisse gestatteten; mit seiner „liebenswürdigen, hochgebildeten, schönen, jungen Fran" lebte er oft in Unfrieden, und Mohl, der anfangs zur Vermittelung herbeigezogen wurde, kam, wie das so geht, dadurch mit dem Dichter auseinander. Zankt das Maskulinum mit dem Femininum, so muß eben, einem alten Spruche zufolge, ein verständiger Dritter stets das Neutrum bilden. Scheffel sei gelegentlich unzurechnungsfähig gewesen, und nur dadurch könnten manche seiner sonst scharf zu verurteilenden Handlungen leidlich erklärt werden. Auch Scheffels Arbeiten hätten darunter gelitten. Mohl fiel in Königsberg gelegentlich der akademischen Jubelfeier von 1844 der ost- preußischen Ritterschaft in die Hände, hat aber von dem Feste keine andere Erinnerung, als daß die Herren sehr viel mehr als er selber trinken konnte. Auf der Rückreise lernte er in Berlin beiSavigny dessen Schwägerin Bettina von Arnim, „schmutzigen und geistreich unverschämten Andenkens", kennen. Aehnliche Stichworte werden mit mehr oder weniger Recht zur Kennzeichnung zahlreicher Personen verwandt, deren Namen ein ausführliches Register vereinigt, das dem schön ausgestatteten Werke beigegeben ist._______ Reformen im Strafrecht. Von der Reform des deutschen Strafgesetzbuchs^ ist neuerdings in einem Teile der Presse die Rede, unter Hinweis darauf, daß die Regierung nach Abschluß der Gesetzgebung über das bürgerliche Recht die Reform des Strafrechts wiederholt zugesagt habe. Auch auf der Tagesordnung des freilich noch in weitem Felde stehenden deutschen Juristentages befindet sich die letztere Reform. Nach den Mitteilungen, die wir von unterrichteter Stelle empfingen, liegt die Sache so, daß ein sehr umfangreiches vorbereitendes Material für eine Neudurchsicht des Strafgesetzbuchs vorhanden ist, daß aber mit einem längeren Zeiträume gerechnet werden muß zur Vollendung eines fertigen, dem Reichstag zu unterbreitenden Entwurfes. Darüber können Jahre hingehen. Reformvorschläge giebt es auf diesem Gebiete in Hülle und Fülle, im ganzen mehr mit der Absicht, eine Verschärfung, als eine Milderung der Strafgesetze herbeizuführm. Die Verschärfungs-Tendenz liegt im Zuge unserer Zeit. Stünde etwa gegenwärtig die Revision des Strafgesetzbuchs zur Beratung im Reichstage, so würde zweifellos das Strafrecht in vielen Bestimmungen, einen strengeren, ja einen drakonischen Charakter erhalten. Das Zentrum hat z. B. einen noch unerledigten Antrag im Reichstag eingebracht, demzufolge wegen Diebstahls und Unterschlagung außer der Freiheitsstrafe hohe Geldstrafen vorgesehen sind. Bekannt sind ja auch seit den parlamentarischen Kämpfen um die Lex Heinze ine Bestrebungen, sowohl auf feiten des Zentrums wie der Konservativen, die Paragraphen über die Vergehungen wider die Sittlichkeit so zu erweitern, daß Anstoß erregende künstlerische Schöpfungen und Darstellungen mit recht nachdrücklichen Strafen bedroht würden. Andere Verschärfungs-Absichten betreffen die Betrugs-, Wucher-, Be- leidigungs-, Zweikampf-Paragraphen usw. Kurzum, die Anhänger der „Abschreckungs-Theorie" sind weitaus in der Mehrzahl, obwohl die Justiz der Vergangenheit mit ihrem gewaltigen Apparat grausamster Strafen feststehendermaßen auch nicht den Missethaten kräftig zu steuern gewußt hat. Diejenigen, die bei einer Revision des deutschen Strafrechts vornehmncy das Moment im Auge haben, daß die Milde da, wo sie angezeigt ist — z. V. bei den Vergehungen aus Not — mehr zur Geltung komme, haben in jetziger Zeit wenig auj Berücksichtigung zu Höften. Es sind sehr beachtenswerte Stimmen laut geworden, die es für immer noch besser erklärten, das Strafgesetzbuch bleibe noch eine Reihe von Jahren ohne eine durchgreifende Revision, als daß eine solch, mit der Grundtendenz der Verschärfung erfolge. Eine andere Reform liegt auch viel näher; sie ist nicht nur dringlicher, sondern es wird sich hier auch bei weitem leichter und rascher Uebereinstimmung erzielen lassen. Die Verbesserung des Vorverfahrens zu Gunsten des Angeschuldigten: sie müßte die Grundlage bilden, müßte der erfte Schritt fein zur Revision des Strafrechts. Darauf kommt es hauptsächlich und vor allem an, daß so schleunig, so umfassend als möglich die Untersuchung geführt wiro, daß der Beschuldigte, bevor er auf die Anklagebank kommt, jegliche Gelegenheit zur Rechtfertigung erhält. Auch die Verhängung der Untersuchungshaft sollte von Gesetz wegen _metyc zu einer Ausnahme-Maßregel gemacht werden, abgesehen natürlich von schweren oder rückfälligen Verbi Fälle einer sich über lange Monate hmausziehenden Unter^i suchungshaft, während die Gerichtsverhandlung das Ergeb^ nis einer geringeren Freiheitsstrafe oder gar o er F e sprechung hat, sind nicht selten. Noch zu wenig wird he* * achtet, daß die Untersuchungshaft dieselben schweren Folgen für die Betroffenen herbeiführen, ihn auf ^bre hfucmA in feiner Existenz schädigen kann, wie die Strafhaft. ^ewer! ist die Entschädigung wegen unschuldig erlittener Untersu^ ungshaft zeitlich zu begrenzen je nach der Schwere des Vw? gehens. Untersuchungshaft und Strafe mu))en im n^^t^gen. Verhältnis zu einander stehen. Auch das ist rn Betracht zn ziehen, daß die peinvolle Ungewißheit über sein Schicksale den Untersuchungsgefangenen — und wie erst den ftcy schuldig Fühlenden! — beherrscht; die kleinen Erleichter-i- ungen, wie Selbstbeköstigung, Selbstbeschäftigung, bebaute# demgegenüber so gut wie nichts. In der Gertchtsverhano^ hing, wo sich der Angeklagte Ange in Auge mit den Zeugen befindet, das Recht der Fragestellung an sie hat, lost sich oft manches, worüber Bände voll Akren niedergeschriebeM sind, in Frist weniger Stunden. Würde die Untersuchung' in ähnlicher Weise das Prinzip der Gegenüberstellung des- Für und Wider haben, so könnte manchem vielleicht, durch rasche Aufklärung des Falles, der harte Gang zur Anklagebank, die Bloßstellung vor der Oeffentlichkeit -erspart; werden. Auszug aus dcu Kirchenbücher« der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde. Getraute. Markusgemeinde. Den 1. Januar. Hermann Klotz, Spengler zu Gießen und Lina Frieberike Marie Klingel- meier, Tochter des verstorbenen Fluftchützen Karl Klingelmeter zu> Gießen. Getaufte. Maithäusgemeinde. Den 29. Dezember. Dem Locomotivführer Karl Bufeck ein Sohn, Wilhelm Ludwig, geboren den 2. Dezember. — Markusgemeinde. Den 1. Januar. Dem Friseur Bernhardt Dofch eine Tochter, Johanna Barbara, geboren den 17. Dezember. Dem Taglöhner Joseph Schumann ein Sohn, Karl, geboren den 15. November. Dem Schlosser Heinrich Müller eine Tochter, Minna Karoline, geboren ddn 12. September. — Lukusgemeinde. Den 29. Dezember. Dem Sektionsingcnieur Friedrich Albert Kosche ein Sohn, Robert Bernhardt Hellmuth, geboren den 21. Oktober. Den 1. Januar. Dem Schmied Karl Parr ein Sohn, Karl Heinrich Robert Dttn, geboren den 13. Dezember. Dem Bahnwärter Heinrich Heß eine Tochter, Martha, geboren den 5. November. — Johannes- gemeinde. Den 26. Dezember. Dem Schmied Franz Joseph Ganß eine Tochter, Luise Henriette, geboren den 7. Dezember. Den 29. Dezember. Dem Kaufmann Rudolf Hahn ein Sohn, Rudolf Carl Ludwig Wilhelm, geboren den 25. November. Eine uneheliche Tochter, Elisabeth, geboren den 16. Oktober. Den 1. Januar. Dem Kaufmann Joseph Seeler eine Tochter, Minna Dorothea Anna Emma, geboren den 5. Dezember. Beerdigte. Johannesgemeinde. Den 3. Januar. Heinrich Franz, Sohn des Taglöhners Johannes Franz, 11 Jahre alt, starb den 31. Dezember. Schisssnachrichten. „Red Star Linie" Antwerpen. Der Postdampfer „Zeeland" der „Red Star Linie- m Antwerpen ist laut Telegramm am 1. Januar wohlbehalten in New-Port angekommen. Norddeutscher Lloyd. In Gießen vertreten durch Carl Loos, Kirchenplatz. Bremen, 2. Januar. (Per transatlantischen Telegraph^ Der Doppelschrauben-Postdampfer „Hannover''. Kapt. I. Jantzen, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist am 3L Dezember 1901, 1 Uhr nachmittags wohlbehalten in Galveston angekommen. Warnung vor Fälschung tttaA ay* *n Pillen noch in Pulverform noch mit Cacao gemischt, sondern 179 n i-i -n io Flaschen mit eingeprägtem Namen ist 11U1 Dr. Hommel’s Haematogen echt. | m J Man verlan9e abera11: F loell’s vorzügliche 00' o GM Kronen-Papier-Wasche | jnd achte beim Einkauf auf die nebenstehende Schutzmarke. M- Seidenstoffe bä von Ehen 4 Keussen, ALL Krefeld. ML Was ist antiseptisch? Was sind Bakterien? I 2. Bacillen. nützlich und notwendig, sich darum zu kümmern, was es eigentlich mit diesen Erbfeinden des menschlichen Körpers für eine Bewanbt- nis habe, und wie man sich dagegen mehren kann und muß. Eine Anregung dazu zu geben, ift der Zweck dieser Zeilen. Der landläufige Ausdruck Bakterien ist eigentlich ungenau. Der Sammelname für diese Aticroorganismen (deutsch: kleine Lebewesen) ist Spaltpilze. Es giebt gutartige und bösartige Spoltvilze. Tout comme chez nous. Die gutartigen besorgen eine große Anzahl von .Kulturarbeiten. Spaltpilze sind es, die den Mist in fruchtbare Ackererde umwandeln, die der Luft Stickstoff entziehen, um ihn in zahlreichen FutterkräuternMrfzuspeichern,tne Alkohol, lieber diese Begriffe herrschen im Publikum die drolligsten Vorstellungen. Die einen meinen, daß in der Luft der Städte Milliarden von Krankheitskeimen umherschwimmen und nur daraus warten, daß der Mensch Mund und Nase aufmache, um auf diese Kreatur wie über eine Delikatesse herzufallen. Für andere wieder existiert diese nwdeme wissenschaftliche „Erfindung" • i'werhaupt nicht, und es fällt ihnen nicht ein, M auch nur die einfachsten hygienischen Vorsichts- t maßregeln zu beachten. Das Richtige liegt wie % so oft in der Mitte. Zweifellos erwiesen ist, oaß eine große Anzahl menschlicher Krankheiten, l und besonders die alleraefährlichsten (Schwindsucht, Typhus, Cholera, Pest, Drphtheritis usw.) i. Bakterien. durch diese kleinen Lebewesen hervorgerufen werden. Deshalb ist es für diejenigen, die lange zu leoen wünschen, Wein, Bier, Essig erzeugen und die den Brotteig aufiockern. Gewisse im Darme lebende Spaltpilze scheinen für die Verdauung so iwtwendig zu sein, daß ohne ihre Thätigkeit der Mensch überhaupt nicht leben konnte. Unb so ließen sich noch viele Beispiele ansühren. Wir wollen uns - jedoch nicht bei den nützlichen Spaltpilzen auf- halten, sondern wir wollen uns die schädlichen a etwas genauer betrachten. F e Wie die Abbildungen zeigen, sind die j J Spaltpilze ganz verschieden geformt Nach ihren j ® Formen sind sie auch wtssenschaftlich getauft worden. Ist es auch für den Laien nicht nötig, die einzelnen Namen und Arten zu keimen, so d- Spirillen, wird es doch manchem Wissenslustigen erwünscht sein, wenigstens einige allgemeine Anhaltepurckte zu erhalten: Spaltpilze in Form kurzer plumper Stäbchen heißen Bakterien (1). Längere, fadenförmige Stäbchen nennt man Bazillen (2). . . Coceen sind kugelförmige, Vibrionen und Spi- / < rillen (3) spiralförmig gewundene, Spirochaeten z / < (4) langgewundene, korkzieherförmige Spalt- J 5 pilze. Geißeln (5) nennt man die langen, 1 . dünnen Fäden, die den beweglichen Spaltpilzen < / als Ruderarme bienen. Tie Vermehrung ber Spaltpilze geschieht ( in ber Weise, baß sie sich, wenn sie eine bestimmte Große erreicht haben, in zwei Hälften 4- Spirochaeten. spalten. Diese werben enhueber frei ober bleiben in bestimmten Anordnungen nebeneinander liegen, so baß Gemeinwesen: Verbänbe ober Gruppen entstehen. Bei ben Coceen unterscheibet man traubenförmige Gruppen: die Staphyloeoeeen (6), ferner Kettenreihen: bie (Streptococcen (7), bann Gruppen zu je zwei Coceen: Diplococcen (8) unb paketförmige Gruppen: Sarcinen (9). • •• t Aus ber Form eines Spaltpilzes ist nun 15 burchaus nicht ohne weiteres zu erkennen, ob • * er gutartig ober bösartig ist; ja es kann > sogar ein unb bieselbe Spaltpilzart gutartig unb bösartig zugleich sein, je nach ben Ver- * ** hältniffen, in benen sie aufwächst. Ganz rote # . * bei ben Menschen: ein schlecht beanlagter Mensch • 1 kann bei guter Erziehung unb günstigen Ver- 7. Streptococcen. ' hältniffen noch ein nützliches Gued der Gesellschaft roerben unb umgekehrt, ein gut bean= z-otfSP- lagter kann bei schlechter Umgebung unb vernachlässigter Erziehung zum Verbrecher “'/Tur z’lf ausarten. Die kleinsten Deränberungen bes Us ( Nährbobens veränbern unter Umftänben bie ß Eigenschaften eines Spaltpilzes erheblich. So fi kann z. B. ber Spaltpilz ber Diphtherie in ber Munbhöhle mancher Menschen wuchern, /MS ohne Krankheitserschemungen auszulösen. Wirb berselbe Spaltpilz auf anbere Menschen über- 5. Geisseln, tragen, so führt er vielleicht ben Tob herbei. Der Cholerakeim ruft in einigen Fällen nur leichte Durchfälle hervor, in anberen Fällen vernichtet er in wenigen Stunben bas Leben bes Kranken. Ueber bie Lebensbebmgungen ber Spaltpilze, insbesonbere ber krankheitserregenben (pathogenen) herrscht jeboch fein Zweifel: Sie bebürfen alle zu ihrer Ernährung „•••• feuchter tierischer ober pflanzlicher Probukte. • e Von ber Luft kann keiner leben. (Die Aehn- • e lichkeit mit allen menschlichen VerhälMiffen • •< e ist auffällig.) Gegen Kälte sinb sie empfinblich. eeye Reinlichkeit ist ihnen ein Greuel. Wärme e *e • (namentlich Blutwärme wie im Munbe 37°) »» ist ihr Lebenselement. Ueberhaupt ist ber * *e»* • ,«• Mund ihr beliebtester Aufenthaltsort. Ein un- • e** • •• gereinigter Munb, in bem Fäulnißstoffe sich 6. staphyloeoeeen. befiiiben, ist ein richtiges Bakterien-Nest, wo Generationen ausgebrütet werben unb üppig gebeten. Hier setzen sie sich im kranken Zahnfleisch unb in bem kranken" -6S& Zahnmarke ber hohlen Zähne fest, um von öa m ^e Schäbelhohlen, in bas innere Ohr, in bie Speicheldrüsen, 'bie Lymphbrüsen, oie Lungen, ja selbst in ben Kreislauf bes Blutes zu roanbem. So weit über die äußeren Verhältnisse ber Spaltpilze. In bem folgenben Artikel soll ge- zeigt werben, auf welchem Wege sie auf ben 8. Dipiococcee. Menschen übergehen, unb wie wir uns gegen ihre Schäbigungen wehren können. (Dr. med. "W. Ganser-Wien.) (Fortsetzung mit den weiteren Abbildungen folgt in der nächsten SamstagS» ninmner, 12. Januar.) 203j Willi. Wirsig Seltersweg 8. Billigste Preise I Grösste Auswahl! Dmm-IHMk-SWe 8 Seltersweg Handscimhfabrik Technisches Büreau von Aparte Neuheiten in Handschuhen, Rravatten Unterkleidern. nach Maaes. nach Maass. 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