§ es üüsers',??°nd- )u1anne 3)S^rts ■utat9Qre^f »9etabeiu 7'7 ** Sormcg, th®ltiu"8 k°». w iw -____. 7678 rhaft®m 'US den Uj 'pach's foE ‘^Pappen tZJe'3n’^ “w und umwnji 19Cr bei Herrn Emil ---- 17ö ^18 Haematogen chea> 0111 ^uilleuauü ,ndere >ür Kinder und 6ein> das aetberfreie to 6tets "auhdrucLid e Sohutunarke nSäu- 5410 (•Möbelfabrik und nstsnhrelnerel von udwig Alter Darmstadt nges r Hoflieferant ir-Einrichtung^ inpt-KoHeWon e-M -Z-abrU, euienbfies ai anös iür dt stwbe. g, einMo^ at! BWlausMwnz» 55 in iusroaijl, ftorm, 378» ehung der M slotterie. :m Looskauf |iim \Vts hiesige Hmm W Schocher gederticlen! rannte luug an Mit Sei* KKLis jOrei re. abgeh°- auooch „nch eu Md* Hui toDungto*-”^ Engiish jnversaüon. erse ^^prove^ - «C»*-’ LM i'S, ‘»frk -BKK Erstes Blatt. ISS. Jahrgang Montag 3. NovemberlSOS politische Wochenschau ein Ding der Unmöglichkeit war. en völlig en Landaus kraftvollen Abschluß geben, verlangen eigentlich ein allmählicheres Aufwärtsstreben. Die Krönung ist zu gewaltig für diese Front, der Säulenvorbau steht nicht im rechten Verhältnis dazu, macht schier den Eindruck des Gedrückten. Auch scheinen die Fenster gar so klein. Dagegen ist das Innere durchweg auf das Beste gelungen. Man merkt überall, daß seines Meisters Geist und Angaben die vielen Einzelheiten durchdrungen und mit Liebe behandelt hat. Darin liegt übrigens ein großer Wert für das Frankfurter Kunsthandwerk, dem auf der neuen Fährte, die es zu wandeln hat, eine führende Hand gereicht wurde, ein Gewinn und ein Erfolg, der wohl Beachtung finden wird. Hier sieht man in der prunkvollen, aber keineswegs überla- denenen, sondern durchaus vornehm und zugleich durch die Fülle von Rot, Weiß und Gold heiter wirkenden Ornamentik, die strengen schönen Formen der griechischen Renaissance ins Naturalistische übersetzt durch astartiges Ranken- und Stengelwerk. Das Deckenfeld aber wird z. Z. noch von einem langweiligen blaugcauen Wolkenhimmel autgefüllt, an Sie tzröffnuug des neuen Irankfurter Schauspielhauses. DeS einstigen Frankfurter Oberbürgermeisters Miquel Dort: „Die Kulturaufgaben leiden nicht," findet seine Bestätigung erfreulicherweise vielerorten. Wir Gießener stehen im Begriff, einen praktischen Bibliotheks-Neubau zu erhalten, von dem am Samstag an dieser Stelle ausführlich die Rede war, und unsere Träume von einem würdigen Schauspiel- und .Konzerthaus werden hoffentlich bis zum Jahre 1907 zur Wahrheit werden. Ein solches Haus ward neulich in Gera, der grüßten thüringischen Residenzstadt, geweiht, das für uns in mancher Hinsicht als Vorbild gelten kann. Leipzig hat unlängst zwei neue Theater, Köln eines eingeweiht, und Frankfurt feierte am letzten Samstag das Fest der Weihe des neuen, der dramatischen Kunst geweihten prunkvollen Palastes en der Ecke der Kaiserstraße und der Gallusanlage. Vom hochseligen Serenissimus sagt man, daß er, als er gum ersten Male auf dem Kölner Domplatz stand, seinem getreuen Kindermann die erstaunte Frage vorlegte: „Ist das Haus hier gebaut?" Ich habe einen Freund, der em Original ist. Wäre ihm Serenissimus im Erfinden solcher unfreiwilliger Bonmots nicht zuvorgekommen, er hätte sicherlich diese Witzatt höchst absichtsvoll geschaffen. Ich stand mit ti)tn auch einmal vor dem Kölner Dome. Und er klemmte sein Monocle ins Auge, setzte die Miene eines jovial-feudalen Gönners auf und sprach mit schnarrender Stimme die gewichtigen Worte: „Kolossal schneidiges Lokal!" Ein solches „kolossal schneidiges Lokal" ist auch das neue Frankfurter Schauspielhaus. Diese pompöse Neuschöpfung verursachte einen im Verhältnis zu der geschaffenen Schönheit Überraschend geringen Kostenaufwand. Die Bausumme beträgt rund 2 170 000 Mk., während da§ Frankfurter Opern- lDius 9 Millionen verschlang, und das neue Kölner Theater 4=878 000 Mk. beanspruchte. Das Haus ist modern. Nicht in dem falschen Sinne, den man dem Modernen so gern unterlegt, daß es alles Ueberkommene ohne weiteres verkennt, sondern im Gegenteil dieses erkennt, es aber zeit- gemäß ausgestaltet, es künstlerisch eingliedert in die modernen Lkbensoerhältnisse, die auch dem Geschmack eine besondere Richtung geben. Die moderne Architektur blättert mit Vorliebe in dem Musterbuche der ältesten Vergangenheit. Sie gestaltet für unsere Tage die assyrische und egypttsche Kunst um. Hessen zu weichen schienen. Der große Teil der Wähler empfindet und urteilt nicht parteipolitisch, sondern nach Stimmungen. Ter wird gewählt, der am meisten goldene Berge verspricht, der am regsamsten sich zeigt und zu agitieren versteht. Das aber haben die Nationalliberalen ganz und aar unterlassen. Die Folge davon ist natürlich, daß die Radikalen immer mehr zu verantwortlichen parlamentarischen Mitarbeit gelangen, und diese werden nun mit den thatsächlichen Verhältnissen zu rechnen und allerhand Kon- P. W. Gießen, 3. Nov. Die vergangene Woche stand bei uns in Hess km Zeichen der Wahlmünnerwahlen für d..._____ tag, und zwar hat das jetzt so ziemlich aus allen Kreisen vorliegende Ergebnis für viele einige Ueberraschungen gebracht, die das am 8. November emtretende Definitivum mit besonderer Spannung erwarten lassen .Die wesentlichen Thatsachen waren ja freilich unschwer vorauszusehen: eine Niederlage haben die Nationalliberalen erlitten, von der sie sich nicht so bald werden erholen können. Wahrscheinlich werden sie nicht weniger als fünf Mandate verlieren, nämlich die beiden Darmstädter, Friedberg, Waldmichelbach, wo allerdings neuerdings noch ziemliche Unklarheit zu herrschen scheint, und auch Lauterbach-Schlitz, wie unsere neue st en Informationen vermuten lassen. Der Mißerfolg der national- liberalen Partei giebt natürlich vielen zu allerlei bitteren Betrachtungen Anlaß. Wir selber druckten in unserer Freitagsnummer an dieser Stelle eine Zuschrift aus national- liberalen Darmstädter Kreisen ab, die eine recht klägliche Tonart einschlug.- Wir glauben indes, gar so resigniert brauchen die Nationalliberalen doch nicht zu sein über diesen Ausgang; vor allem brauchen sie nicht zu glauben, daß Nationalismus und Liberalismus aus den Herzen der Zessionen zu machen nicht umhin können. Erreichen sie aber nicht, was die Wählerschaft in ihrer Mehrzahl erwartet hat, so wendet sie sich ihnen ab und probiert es mit einer anderen Partei, für die inzwischen die Entwicke- Jung gesorgt hat. So wiederholt sich der Kreislauf ohne Ende. Indes, manchmal tritt auch ein Rückschlag ein, indem ganze Wählerschichten, durch Erfahrung belehrt, zu der Ansicht gelangen, daß Festhalten an politischen Grundsätzen ersprießlich ist. Vorläufig ist kein Grund vorhanden, über die Radikalisierung des Hess. Volkes nach links besonders laut zu klagen. Tie Sozialdemokraten haben kein einziges Mandat errungen. Im Interesse der Wählerschaft aber wollen wir hoffen, daß die besten der Versprechungen, die die siegenden Parteien in den einzelnen Kreisen den Wählern gemacht haben, sich im Laufe der nächsten Session einlösen lassen, daß von dem Golde der versprochenen Berge nicht allzuviel Truggold ist. Im Reichstage erlitten die verbündeten Regierungen eine neue Niederlage, indem trotz ihres energischen Einspruches die Vieh- und Fleischzölle nach den Kommissronsbeschlüssen angenommen wurden, die über die Regierungsvorlage Hinausgehen. Schwerer noch wiegt die Ausdehnung der M in de st zolle auch auf Vieh und Fleisch, und obendrein wurden die Bestimmungen beseitigt, die bisher Zollfreiheit für Fleisch unter zwei Kilogramm im Grenzverkehr gewährten. Angesichts dessen erhob sich der Schluß der letzten Rede des Grafen Posa- dowsky zu ernster, fast feierlicher Rhetorik, in der Der Staatssekretär auf die Worte im Buche Daniel, auf das Mene, Mene Tekel Upharsin hinwies und sprach: „Meine Herren, die fast zweitausendjäyrige Geschichte des deutschen Volkes weist auf fast jeder Seite nach, welch unermeßliches Unglück über Deutschland gekommen ist, weil die Deutschen und ihre Parteien unter sich selbst und nach außen nicht einig fein konnten. Wenn bei dieser wichtigen Frage dieser Fall sich wiederholen sollte, dann wird, verlassen Sie sich darauf, das deutsche Volk um eine sehr schwere Erfahrung reicher werden, und die Mehrheitsparteien und ihre Hintermänner werden die Folgen mitzutragen haben. Die warnende Schrift steht bereits an der Wand, und man braucht kein Daniel zu sein, um sie zu lesen und zu deuten." Tas Pathos, dieser Worte ist ungewöhnlich und es klingt daraus, als ob der Vater des Tarifs über sein eigenes Kind erschrocken wäre und nun in der Bestürzung über die tiefen Entzweiungen, die der Tar.ös- nicht nur ins parlamentarische Leben gebracht hat, die Gefahr zu groß sieht. Wenn auch der Zolltarif „an der Scylla oder der Charybdis scheitert", das deutsche Volk wird deshalb nicht zu Grunde gehen. Doch die Worte des Grafen Posadowsky beweisen deutlich, in welcher Stimmung man in den Regierunös- frelfen über die Lage ist. Und dennoch wird die Regierung, wenn man die Worte Posadowskys darauf anwenden wollte ich zur Zurückziehung des Tarifs nach Ablehnung der Getreide- unb Viehzölle nicht entschließen; Graf Bülow wird versuchen, ob es „nicht auch so geht". Nr. 258 Vrlftetnt täglich außer SormtagS. Dem Siebener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesflfchen Landwirt die Siebener Kamillen- blätter viermal in der Woche betgelegL Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Untoers.-Buch- u.Stein» drucksrei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei, Schulstratze 7. Ldresse iür Depeschenr «uzetger Gießen. Fernfprechanschluß Nr. 6L Eine Ueberraschung wurde dem Reichstage am Mittwoch bereitet durch einen unvermuteten Schlußantrag zur Debatte. Nachdem die Beratungen und Abstimmungen an diesem Tage bereits bis in die sechste Nachmittagsstunde gedauert hatten, sollte über verschiedene der hundert neuen üojn Abg. Frhrn. v. Wangen heim beantragten Minimal- Mle auf Vorschlag des Präsidenten zugleich abgestimmt werden. Tas stieß bei der Linken auf Widerstand. Nach sehr erregter Debatte nahm das Haus plötzlich einen Antrag Herold an, über die Wangenheimschen Anträge zur Tagesordnung überzugehen. Und das Zentrum war der verneinende Geist. Durch einen seiner Abgeordneten wurde der Beschluß gefaßt, der den Antrag des Agrarierführers gleich einer Bagatelle bewertet. Sollte diese Absage ein weiteres Zeichen für den U m f a l l d e s Z e n t r u m s sein? Wer weiß es? Es herrschen zur Zeit bei den Parteien derartige Wirren, daß jeder Tag eine neue Ueberraschung bringen kann und sich mit einiger Sicherheit nichts über den weiteren Lauf des Hasen sagen läßt. Es ist übrigens auch ziemlich gleichailtig, wenigstens für den Tarif selbst, ob sich Zentrum und Agrarier heute in den Haaren liegen und morgen wieder einander die Hände neuen Kompromiß mit der Regierung neigt, wenn diese — was wir für ausgeschlossen halten — der Mehrheit „etwas entgegen* kommen" würde; zu einer dritten Lesun g des Tarifs kommt es idoch wohl nicht. Höchstens sieben Wochen bleiben für die Beratung bis Weihnachten; dann kommt der Etat an die Reihe, der ein Vierteljahr in Anspruch nimmt, und die noch übrige Zeit bis zum Ablauf der Legislaturperiode ist zu kurz, um des Monstrums von Vorlage Herr zu werden. Tie Reichstagswahlen werden voraussichtlich die Entscheidung in dieser wichtigen Frage herbeiführen. Es ist dabei das eine nur bedauerlich, daß durch diese notwendig gewordene Hinausschiebung die wirtschaftliche Unsicherheit im eigenen Lande ebenso fortbestehen muß, wie das Mißtrauen im Auslände wächst. Tie ausländischen Preßstimmen über die letzten Beschlüsse des Reichstages bringen Betrachtungen, die für Teutschlaiid keineswegs angenehm Lu hören sind uiw die die Aussichten für eine ungestörte weitere Entwickelung unseres Handels und unserer industriellen Unternehmungen nach außen hin jedenfalls nicht verbessern. Angesichts dieser Thatsachen ist es erfreulich^ daß der Wunsch nach Anbahnung freundschaftlicherer Beziehungen mit Dänemark durch den Besuch des dänischen Kronprinzen offenkundig geworden ist. Hoffentlich bequemt man sich seitens der preußischen Regierung zu der Heinen Konzession, in der unter Köller beliebten Ausweisungspolitik etwas mildere Seiten aufzuziehen. Es zeigte nicht gerade von Kraftbewußtsein, wenn man preußischersettS glaubte, daß ein paar harte unversöhnliche Tänenköpse das meerumschlungene Schleswig-Holstein dem Reichs wieder abspenstig machen könnten. Mit der Versöhnungspolitik scheint man es nun auch m England ernstlich zu versuchen, denn Chamberlains Reise nach Südafrika ist nur in diesem Sinne „Dies heitre Schloß, dies steinerne Gedicht, Von vielen Künstlerhänden um die Wette Geschmückt, von Farben prangend und von Licht", wie Ludwig Fulda in seinem Vorspiel sagt, war am Samstag angefüllt in allen seinen Räumen von einer bunten Menge geladener Gäste, die in der großen Pause in dichten Scharen durch das ganze Haus strömte. Es war ein Theaterkongreß allerersten Ranges. Unsere ersten deutschen Bühnenleiter hatten sich zu diesem feierlichen Anlasse zusammengefunden, und fast alles, was in unserem deutschen Theaterleben an erster Stelle steht, hatte sich eingestellt. Gattes doch, einen Theaterbau einzuweihen, der nach der Bedeutung Frankfurts für die Bühnenkunst in der Geschichte des deutschen Schauspiels eine wichtge Rolle spielen wird. Unter all den Theatergästen fiel mir zuerst der schöne Greisenkopf des uralten Nibelungen-Jordan auf, den ich in einer Parterreloge mit seinen beiden Töchtern sitzen sah. Ihnen gegenüber, auf der anderen Seite, bemerkte ich den ordengeschmückten, recht grau gewordenen Lindau, den dem- nächstigen Direktor des Berliner deutschen Theaters, und neben ihni andere Große der Berliner Theaterwett, Oskar Blumenthal und I. Landau, den Chefredakteur des „Berl. Börsen-Curiers", des reichshaupstädtischen Theaterblattes par excellence. Im Foyer sah ich in der Fülle der Gesichter den Stuttgarter Intendanten Edlen zu Putlitz und den Gießener Schriftsteller Alfred Bock, der sich bekanntlich auch als Dramatiker einen Namen gemacht hat und es sollen auch Graf Hochberg-Berlin, Lautenburg-Berlin, Varena- Kömgsberg, Frhr. v. Wangenheim-Braunschweig, Possatt- München u. a. m. dagewesen sein. Außerdem war das Prmzen- paar Friedrich Karl v. Hessen erschienen und eine An- ö^hl hoher Offiziere und mit (Ächenlaub und anderen vornehmen Dekorationen geschmückter Persönlichkeiten. Man war, um wieder mit dem Festdichter zu reden, „verwundett und verzaubert" von dem „goldnen Rahmen", und geblendet von der Lichtfülle und dem Rauschen der eleganten Toiletten, dem farbenreichen Flor vornehmer Frauengestalten. WaS ein rechtes Glückskind ist, muß zur rechten Zett Von einer direkten Anlehnung an diese, die moderne Baumeister deffen Stelle gewiß recht bald ein bunt bewegtes Fiqurenbild Darmstadt m ostentativer Form übten, zeigt das treten wird. Prachtvoll ist der große Kronleuchter in der Frankfutter Schauspielhaus nichts, indessen finden sich hier Kuppel, und prachtvoll ist auch das sehr geräumige elegante und da, ^luch im Inneren, leise Anklänge. Viel mehr aber Foyer, das näher zu betrachten indes am Eröffnungsabende hat der Schöpfer des Bauwerkes, Baurat Seeling aus Berlin,l; ä offenbar einem sehr gründlichen Studium der Barockarchitektur obgelegen und auch oieleRenaissanceformen sich zu eigen gemacht. Eine sklavische Nachahmung oder Verwertung alltäglicher Formen zeigt sich in keinem Teile des Hauses. Alles ist von neuzeitlichem Geiste durchdrungen, ohne die Basis des guten Alten verlassen zu haben. Und darin ruht der Wert des Hauses. Schinkel hat vor 80 Jahren in seinem Berliner Schauspielhaus gezeigt, wie die antike Baukunst für die Herstellung eines Theaters verwendbar ist, Semper hat in seinen beiden Theatern in Dresden für die römische, Lucae im Frankfutter Opernhause für die hellenische Renaissance den gleichen Beweis erbracht; daß die moderne Kunst nicht zurücksteht, dafür steht nunmehr der neue Bau in Frankfurt ein. Freilich stört ja die Säulenkolonade in gewiffem Grade die Einheitlichkeit. Und die Zufahttsrampe ist doch wohl allzu bescheiden ausgefallen. Der von Säulen getragene Vorbau schafft einen sehr wirkungsvollen Balkon, aber die schwere Massigkett der pylonenartigen Fronttürme, der kolossale Kuppelbau, die zusammen dem Ganzen ja gewiß einen über* Bekanntmachung. In dem Gehöft des Ludwig Block zu Obbornhofen ist Schweinerotlauf auSgebrochen. Gehöftesperre ist an« geordnet. Gießen, den 1. November 1902. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Breidert. Bekanntmachung Detr.: Rotlaufseuche bei einem Schweine des I. W. Görlach zu Holzheim. Die wegen Schweinerotlauf über das Gehöft des I. W. Görlach in Holzheim verhängte Sperre ist aufgehoben worden. Gießen, den 1. November 1902. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Breidert. JHF • Bezugspreis, Gießener Anzeiger « M General-Anzeiger " Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen WW ___________________________________ jciqenteil: Han« Beck. aufznfassen. Lord Milner wird mit Chamberlain in Kapstadt Zusammentreffen und dort werden die endgiltigen Abmachungen für die gemeinsame Reise getroffen. Chamberlain wird einige wenige Tage in Kapstadt bleiben unb dort nicht nur mit dem Ministerium, sondern auch mit den Führern des Afrikander-Bond konferieren. Born Kap toicb sich Chamberlain, dem provisorischen Programme zufolge, nach Bloemfontein begeben. Unterwegs wird er Deputationen ui empfangen bereit sein, und dies gilt auch für die ganze übrige Tour. In der Oranjefluß-Kolonie und Transvaal Wird sich Chamberlain voraussichtlich geraume Zeit aufaushalten. £6 er auch Rhodesia besuchen wird, ist noch unbestimmt. Rach einer Noth aus Lissabon ist dort halboffiziell angekündigt worden, daß Chamberlain den Wunsch ausgedrückt habe, auch Lorenzo Marques zu besuchen und daß man ihm ein herzliches Willkommen auf portugiesischem Gebiete zugesichert habe. Ter Entschluß des Kolonialministers, der Billigung des Königs und aller Parteien in England fand, soll durch die Berichte über die an Rebellion grenzende Haltung der früheren Uitländer wegen der geplanten Heranziehung derselben zur Zahlung der Kriegslasten veranlaßt worden sein. Privatmeldungen aus Kapstadt zufolge wurden in den letzten Wochen nicht weniger als 4 0 Bürger der Kapkolvnie, welche im Kriege auf feiten der Engländer kämpften, ermordet. Außerdem wird die R o t l a g e der an den Bettelstab gebrachten Bevölkerung der ehemaligen Republiken auch allmählich eine zu deutliche Sprache reden, als daß man sie länger vertuschen oder durch un^ireichende Maßnahmen fiir den Augenblick lindern könnte. Tie Burew- generale Botha und Delarey — Tewet ist am Samstag nach Südafrika abgereist — haben auf die Kunde von Chamberlains Plan beschlossen, alle Forderungen der Buren in einem Aktenstücke zusammenzufassen und es dem Kolonialminister zu überweisen. In Lissabon verlautet ferner gerüchtweise, König Eduard würde Chamberlain nach Südafrika begleit en. Wir glauben, daß dieses thörrchte Gerücht ebenso kurze Beine hat, wie die Sensationsmeldungen von der schweren Nerven erkrank- ung des Zaren und der bevorstehenden Verlobung unseres Großherzogs «mit einer schönen Montenegrinerin. Die „N. Hess. Volksbl." meinen, der sensationslüsterne Berichterstatter habe offenbar die falsche Nachricht willkürlich daraus kombiniert, daß sich die Prinzessin, wie schon öfters, gegenwärtig bei ihrer Schwester, der Prinzessin Franz Josef von Battenberg, in Darmstadt zu Besuch befindet. Eine vierte Sensationslügenmeldung kommt aus Dänemark. Das Kopenhagener Blatt „Politiken" verzeichnet in einer Zuschrift aus Berlin das Gerücht von einer beabsichtigten Verlobungdesdeutsch enKronprinzon mit der Prinzessin Thyra von Dänemark, der jüngsten Tochter des Kronprinzenpaares. Augenscheinlich ist das eine ganz müßige Kombination aus Anlaß des Berliner Besuches des dänischen Kronprinzen. Ter französische Bergarbeiterausstand geht immer noch „bald seinem Ende entgegen." In der letzten gemeinsamen Versammlung der Telegierten der Grubenbesitzer und Bergarbeiter erklärten sich wieder einmal die Arbeiter-Telegierten zu Konzessionen in allen strittigen Punkten mit Ausnahme der Minimal-Lvhnfrage bereit. Dieser letztere Punkt soll einem Schiedsgericht unterbreitet werden. Als Schiedsrichter wurde das Mitglied deS Ministeriums der öffentlichen Arbetten, Joz^n, bestimmt. Man sieht, die Sache rückt nicht recht von der Stelle. Zudem droht z. Z. in P a r i s ein K e l l n er a u s st a n d. In Venezuela siegten wieder mal die Regierungstruppen, wenn schon die frohen Nachrichten durch gegenteilige Meldungen bald in Zweifel gezogen wurden. Ter drohende Konflikt zwischen denVereincgtenStaaten und Columbien wegen des Kanalvertrages auf Grundlage der Spovner-Akte, die der Union Anspruch aus Polizei- aewalt im Jsthmusgebiete gewährleisten und von Columbien deshalb mehr und mehr mit Argwohn betrachtet werden, wird jedenfalls auch auf fiiedlichem Wege seinen Austrag finden. Tenn daß Columbien die Welt mit einer Kriegserklärung an die Vereinigten Staaten überraschen wird, glaubt dem kleinen Staate im Ernste niemand. Die WayLmauuerwaylen in Kessen. Es unterließt keinem Zweifel, daß im Wahlkreise Grünberg der Leiter des hessischen Bauernbundes Hirsche! gewählt werden wird. Ter demnächstige Herr Abgeordnete hat die Güte, das genaue Resultat jenes Wahlkreises uns zu übersenden. Es wurden gewählt in: L Kreis Gießen. Albach. Beig. Lud. Arnold II. (Bauernbund) gewählt mit 19 Stimmen. Bgmstt. Balser (lib.) 4 St. Allendorf a. Lumda. Gewählt Martin Wallenfels, Landwirt, mit 79 St. und Karl Strack, Gemeinoerat, mit 77 St. (beide Bauernbund) gegen Bürgermeister Rein (lib.) mit 54 St. und Postagent Otto (lib.) 47 St.; außerdem erhielt Schmidt (Soz) 5 St. Allertshausen. Gewählt Bgmstt. Stein in Climbach (Bauernbund) mit 17 Stimmen, gegen Hrch. Hillgärtner (ebenfalls Bauernbund) 11 St. Beltershain. Gewählt Beig. Heinr. Röhrig (Bauernbund) mit 33 St. gegen Maurermstr. Müller (lib.) mit 10 St. Bersrod. Gewählt Wilhelm Hammel IL, Landwirt (Bauernbund), mit 42 St. gegen 35 St., die auf den Kandidaten der Gegenpartei von der Bürgermeisterwahl fielen. Beuern. Gewählt Bgmstr. Otto (Bauernbund) mit 21 St. gegen Wilh. Arnold V. (ebenf. Bauernbund) mit 14 St. Burkhardsfelden. Johs. Haas IX., Landwirt (Dbd.), mit 27 St. gegen Bgmstr. Hofmann mit 18 St. gewählt. Geilshausen. Rechner Peter S e i v p (lib.) mit 25 St. gegen Landwirt Krug (Bauernbund) mit 18 St. gewählt. Grunbera. Gg. Heil, Lud. Emmel, H, K. Zimmer (sämtlich liberal) mit 65 St. gewählt. Harbach. Heinr. Stark, Landwirt (Bauernbund) mit 12 St gegen 4 St., die auf den Bgmstr. fielen, gewählt Kesselbach. Wilh. Becker IV., Landwirt (Bauernbund) mit 11 St einstimmig gewählt Lauter. Bgmstr. Afs (parteilos', gegen den früheren Bgmstr. Feldmann (lib.) gewählt Linden st ruth. Lud. D e i n e s I., Landwirt (Bauernbund) mit 17 St. gegen 10 St, die auf den liberalen Kandidaten fielen, gewählt Londorf. Bgmstr. Au mann (lib.) gewähtt. Lumda. Johs. Heßler III., Landwirt (Bauernbund) mit 28 St. gegen Wilh. Heßler (lib.) mit 10 St. gewählt Odenhausen. Bgmstt. Lang (lib.) mit 20 St gewählt gegen Wilh. Müller L (Bauernbund), auf den 19 St fielen. Queckborn. Bgmstt. Schmidt (lib.) ohne Gegenkandidat gewühlt Reinhardshain. Beigeordn. Kornmann (parteilos) mit 19 St gegen Kasp. Löchel mit 6 St. gewählt Reiskirchen. Bgmstr. Wagner (parteilos) mit 2 St Mehrheit gewählt Saasen. Bgmstt. Schmitt (Bauernbund) mit 12 St gewählt ohne Gegenkandidaten. Stangenrod. Gewählt Gg. R e i ch m a n n, Gemeinderctt (Bauernbund) 38 St, Will (lib.) erhielt 10 St Steinbach. Heinr. Haas III., Landwirt (Bauernbund) mit 36 St einstimmig gewählt. Treis a. Lumda. Gewählt Vh. Kehr IV., Landwirt, und tz. KleinII., Landwirt (beide Bauernbund), mit 40 bezw. 39 St. gegen 15 St, die je auf den Bgmstt. und Beigeordn. entfielen. Weickartshain. Gewähtt JohS. Trü11er VL (Bauernbund) mit 38 St gegen 19 St, die auf den liberalen! Gegenkandidaten fielen. II. K r e i s A l s f e l d. Atzenhain. Gewählt heinr. Z u l a u f, Landwirt (Bauernbund) mit 52 Stimmen gegen 28 liberale Stimmen. Flensungen. Gewähtt Bgmstr. Bräun in g (lib.) mit 31 Stimmen. Lehnheim. Gewähtt Beigeordn. Dickh a r t (lib.) mit 34 St gegen Bräunig (Bauernbund) mit 5 St Merlau. Johs. Schön hals (Bauernbund) mit 28 St gegen 15 St., die aus den Buchhalter Bamberger (freis.) fielen. M. Kreis Schotten. Groß-Eichen, heinr. Schombert IV., Landwirt (Bbd.), mit 34 St gegen 29 liberale St gewähtt. Tas sind insgesamt 21 Stimmen für den Bauernbund, dessen Kandidat somit gesiegt hat. Gegenüber stehen 9 liberale freisinnige und drei parteilose Stimmen, lvelch letztere noch unentschieden sind. • • In Lauterbach - Scblitz sind gewählt 17 Wahlmänner für den Bürgermeister Stöpler- Lauterbach, 15 für den bisherigen Abg. Bürgermeister Zin ß e r-Schlitz. Nimmt Stöpler die Wahl an, so ginge den National- liberalennochein Kreisverloren! Stöpler gehört auch etwas Pech haben. Wenige Minuten nur vor Beginn der Vorstellung habe ich's mir in meinem Fauteuil bequem gemacht. Ich fange an, mir den Vorhang zu betrachten, da erscheint im letzten Augenblick neben mir eine Dame. In der Hast läßt sie ihr Opernglas fallen, das ich aufhebe und während sie Platz nimmt, vor sie auf das Brettchen an der Hinterseite der Votteihe stellen will, das dafür bestimmt ist. Doch wehe, das Brettchen bricht, fällt zu Boden und mit ihm wieder das Opernglas .... Es scheint doch so, als sei man in Kleinigkeiten allzu flüchtig gewesen, um für den einmal festgesetzten Termin alles fertig zu stellen. Der Zettel macht in seinem winzigen Format und in seiner ganzen Ausstattung den Eindruck des Mißglückten. Er ist nichts weniger als eine hervorragende Leistung modernen Buchdrucks. Aber erweist m „Wallensteins Lager" nicht weniger als 25 Namen auf. Der Vorhang geht auf. Die Bühne stellt einen Kuliffen- /aum dar. Wir sehen Direktor, Dichter und lustige Person, die Herren Diegelmann, Ludwig und Bolz. Diegelmann, in der schönen Maske des alten Goethe, spricht die ersten Worte, markig, kraftvoll, würdig, mit feierlichem Tonfall, selbstverständlich ohne dem bösen Geiste Deklamatorius zu verfallen. Er spricht seine Freude aus über den vollzogenen Umzug in die neue „Herberge" aus „einem Taubenschlag, einem dumpfen, niedrigen Gemäuer, viel besser nicht als Stall und Scheuer". Was wohl sollen wir armen Gießener zu unserem Theater sagen, wenn das alte Frankfurter Schauspielhaus derartige schmückende Beiwörter oer- bient l Das Vorspiel Fuldas läßt sich dann über die Aufgaben der modernen Bühne aus in der bei diesem Poeten längst aufs beste bekannten sehr angenehmen und sehr gewandten Versform. Es geht darauf hinaus, daß die Bühne zu bieten hat ebenso Schweres als Leichtes, Ernstes als Heiteres. „Wenn man zum Tischwein manchmal Wasser gießt, So wird ein ebler Trank uns doppelt letzen." Fulda hat bekanntlich neulich in Berlin „Kaltwasfer" von einer Qualität verzapft, die dazu führte, daß die ernsthafte Kritik ihn nut schneidend falten Wasserstrahlen begoß. Daß er sich inzwischen genügend abgetrocknet hat, das zeigt dieses Vorspiel und nach dem Fallen des Vorhanges zeigte er sich selber dem unaufhörlich klatschenden Publikum, „so reinlich und so zweifelsohne", wie eS sich für diesen festlichen Moment gezienite. Ein ziemlich alltägliches Gesicht. Nur die auffallend hohe, freie Stirn giebt ihm etwas Apartes. Die drei Darsteller sprachen die schönen und feinen Verse Fuldas sehr wirkungsvoll, am besten Diegelmann. Bolz' immer etwas sarkastische Sprechatt und Ludwigs übergroßes Pathos mochte man vielleicht ein wenig abgedämpft sich wünschen. Fulda aber hat mit diesem „Vorspiel" wieder, wie schon vor drei Jahren gelegentlich des 80. Geburtstages Wilhelm Jordans, als ein Meister der Prologdichtkunst sich gezeigt. Szenisch bot baS Vorspiel zum Schluß ein entzückendes Bild, einen reizenden Rahmen um die Büste „von Frankfurts größtem Sohne", von Walfang Goethe. Unb bann kam „baS weltenweite, göttliche Gebicht", der Prolog im Himmel unb der erste Akt des „Faust". Es ist unter den Kunstverständigen immer eine unentschieden gelassene offene Frage geblieben, ob sich der Prolog zur Aufführung eigne. Eine übereinstimmende Praxis hat sich nicht ausgebildet, jedes Theater hat nach seinem eigenen Gutdünken gehandelt und sich sehr oft den wechselnden Stand- punkten der jeweiligen Regie anbequemen müßen. In der Thai sind auch die Gründe für und wider beinahe von gleichem Gewicht. Wenn auf der einen Sette Rücksicht der Pietät für den Dichter und die Dichtung für die Beibehaltung des Prologs zu sprechen scheint, so ist auf der anderen Seite nicht zu leugnen, daß die himmlichen Heerschaaren, die Wolkenszenerie rc. eine starke Verwandtschaft mit einem Schaustück bekunden; je glänzender sie ausgestattet sind, woran es elbstverständlich nicht fehlte, um so mehr. Aber man sah eben, was das neue Haus dekorativ zu bieten vermag. Es war doch ein ungemein stimmungsvolles Bild von schier weihevoller Schönheit. Leider fehlte es Frl. B o ch als Erzengel Michael an ganz gleichwertigen Partnern. Der Sprecher des „Herrn", Herr Bauer, wurde nicht sichtbar. Der Ort, woher seine Stimme erscholl, wurde angedeutet durch eine Lichtflut. Kirchs „Faust" ist eine Leistung von hoher künstlerischer Reife, tiefer geistiger Beseelung und kluger, logischer Gliederung. Mtt leuchtender Klarheit trat jeder einzelne Gedanke hervor. Die Erscheinung des Erdgeistes war von erhabener Schauerlichkett. Das Finale des köstlichen Abends bildete "Wallenste i n s L a g e r." David Strauß sagt von ihm, Schiller habe es „mit einer Leichtigkeit und guten Laune gedichtet, daß nichts drüber geht." Gewiß, es bleibt ewig jugendlich und war am Frankfurter Festabend nicht etwa herrlich wie am ersten Tag, sondern viel glanzvoller. Ahnte man doch vor hundert Jahren nichts vom heutigen Ausstattungsreichtum. Und darin war natürlich wieder sehr viel geboten — allzuviel für die Sinne, allzuviel Glanz und Getöse, bas doch manchen Vers verschlang. In Berlin, Dresden, München rc. bietet man, weil die Handlung, geschichtlich bettachtet, in die letzten Fe- bruartage fällt, den Anblick eines Winterlagers. Hier sehen wir vor uns sommerliche Kostüme, sommerliches Leben und Treiben, und zwar einen Ueberschuß an Bewegung, durch den ab und zu ein störendes Moment der Unruhe in sie getragen wird und durch den die Szene zu beengt wird. Verwunderlicherweise schien die Tiefe der Bühne nicht vollends ausgenutzt. Es hockte alles zu eng und dicht nebeneinander, sodaß manche geistvoll erdachten Einzelheiten nicht zur Geltung kamen. Und bann, ber Schiller'sche Optimismus, bie lebensfrohen, wackeren Worte des KürasiierS, mit benen der Dichter ben Weltschmerz abthut, wirkten ja sonst gewiß höchst erfrischend in unseren Tagen nichtiger Makel- unb Grämel- sucht. Aber auf bie gewaltige Faust'sche Gebankenwucht, auf diese unvergleichbare Verkörperung der deutschen Volksseele, auf dieses Monodrama voller bitter ernster innerer Kämpfe, voller Irren, Zweifeln und Verzweifeln, voller Sehnen und Hoffen, kann diese leichte, sorglose und unbekümmerte Soldatenweltsreude unmöglich einen tiefen Eindruck machen. Eine wahre Lust aber bereitete eS, Herrn Bayrhammers Kapuziner zu sehen und zu hören. Obschon der treffliche Darsteller ben neuerbingß beliebten Tric sich entgehen ließ unb auf baS beutsch-böhmische Idiom verzichtete, so war'S trotzdem, ober vielleicht just bcShalb, ein kältlicheS Eharakter- bdb, baS er in diesem Abraham a St. Clara des Wallen- stem'schen Feldlagers mit großem Erfolge vor die Rampe stellte. Das war kein larmoyanter, sondern em mit derbem Humor begabter Fanatiker, nichts weniger als eine Posse n- ngur, sondern ein ehrlicher Volksbußprediger, ein ungemein echter bra' cher Typus aus dem mittelalterlichen Mönchstum. Ucberflüssig allein war bie Nüanee mit der Schnupftabaksdose un bezüglichen Moment. Sonst faßte Herr S. den Kapuzmn eminent ernsthaft auf und darum wirkte er gnade so eminent komisch. Er war in diesem Falle, wie das einst Klopstock alfl daS Bemerkenswerteste an Fr. Schröder rühmte, nicht ein guter Vertreter ber Rolle, sondern „ber Mann selbst." Von den übrigen Darstellern sind die Herren Szika, Ludwig und Bauer zu nennen. War das aber ein jubelfrohes Begegnen zwischen Darstellern unb Publikum, ein schier gegenseitiges herzliches Bewillkommnen im neuen Hause. Das ganze HauS schien eine einzige, durch ein froheS Hochgefühl vereinte Familie. — Jetzt ist die Vorstellung zu Ende, aber immer und immer wieder muß die Garde der Frankfurter Künsllerschast in Parade aufmarschieren vor dem Publikum, dem vermöge der außerordentlich guten Akustik des neuen HauseS keine Silbe von all' den schönen Dichterworten auS oertrautem Künstlermunde verloren ging. Die alte Intimität, der Kontakt zwischen Publikum und Schauspielern, war schon mit den ersten Worten der Fulda'schen Dichtung wiederhergestellt. — Auf einem Theater las ich einmal die Inschrift „Lu- dimus in effigiem vitae14 — Unser Spiel ein Bild deS Lebens. Möge sich dieser Spruch im Sinne deS Wahren, Guten und Schönen für diese neue Frankfurter Pflanzstätte bei Kunst bewahrheiten. Es giebt nicht nur Schmeichler für Personen, sondern auch für Sachen. In den Honigwochen deS Frankfurter Theaterbaues wird man jetzt fern unb nah Freudenfeuer an- gezündet finden, Posaunentöne werden in die Welt gesprochen und geschrieben werden. Aber die Ekstase wttd nicht lange dauern. Sachliche, fachgemäße Kritik wird und muß geübt werden, auch an diesem Wert der Architektur, sei es in zustimmender, sei es in abfälliger Beurteilung deS Geschaffenen. Dem alten Spruch: Wer bauen will an Straßen und Gaffen, der muß bie Leute reben lassen, steht indessen ein noch älterer zur Seite, deS Horaz: Principibua placuisse viris, non ultima laus eat. (Was den vorzüglichsten Männern gefiel, deß Ruhm ist nicht gering.) P. W. Gegen 10 Uhr begann im Palasthotel Fürstenhof ein von der Stadt gegebenes Abendessen, an dem etwa 90 Personen teilnahmen. Tie Reche der Trttik- sprüche eröffnete Oberbürgermeister Ad ickes mit einem Hoch auf den Kaiser, bann dankte Redner den auswärtigen Gästen sowie der Presse und schloß mit einem Hoch auf den Vorstand und Auffichtsrat der Neuen Theater-Aktien- gesellschaft. In deren Namen und als deren Vorsitzender erwiderte Geh. Justizrat Dr. Hamburger mit einem Hoch auf die Stadt Frankfurt. Bürgermeister Barren- trapp schilderte in humorvoller Weise Vorspiel, Verlauf und gutes Ende des „Dramas: Erbauung des neuen Schauspielhauses". Sein Hoch galt dem Erbauer desselben, Baurat Seeling. Tieser gedachte seiner Mttarbetter. Edler von P u 11 l i tz - Stuttgart ließ den Intendanten Claar hochleben, der seinerseits in einer Ansprache zunächst die hingebende Mitwirkung der hiesigen ttunstlerschaft hervor- hob und bann dem Grasen Hochberg ein Hock brachte. Graf Hoch berg wünschte dem neuen Schausvielyause, day cs, wie es im Jugendstil dastehe, jugendlichen Sinn bewahren möge. Seeling schloß die Reihe der Ansprachen mu einem in kurze, drastische Worte gefaßten Hoch auf den Dichter Ludwig Fulda. Gegen ein Uhr wurde du Tafel aufgehobm, doch bildeten sich noch einzelne seßhafte (kuppen, otc weiterfeierten. £a mit Ti aber, ' falle c mann ß* keiner- aai>ge' aber d nebrifl* 1 ßellun, den £ der ff pbertv Urteil daß d> sei r sür«c ebeasor vchcve tat £*• der bar doch wc ynb A baß b i trabl 1 vzahl men ha Zm frittiert« baten D cchaashc B ein tiabuti Mi M Bdjto btt«? auf bi ----- 3” iieme, lommlui jud)l utonon tem in meine 5 men roi ÄdftTM Her! laben au VZ 16*8 iw iämilic unü 189 ciimdtd 1900IUL auiafläu ttr isan I Lömiiich Ganudis. tentwed teilt unb und dir tti unü nui bruifltnl schirme angjotj , ca '°S-s bu Ließ , Der ie«3 04 Bur< Waffen Srei< p, Ml €tQnbge khogene iS 11 Vach, Gies Der amt Gießen. 7693 1. 2. 7709 Mk. 3.50 Mk. 7- Mk. 14- Mk. 28.-' 7691 empfiehlt die staatlich konzessionierte Kollettrrr Z- i ■ ii staatttiy ronzemonrerre «ouerrnr MI. Klasse sr*- h. Gasglühkörper Gießen, per Stck. 30, 7718 7721 ist die Beste! K Vorstehers offen. Gießen, den 31. Oktober 1902. Versteigerung. Dienstag, den 4. Novbr. d. I. nachmittags 2 Uhr versteigere ich Reustadt 55 dahier (Biekers Saal) gegen Bar- M ’M Der Vorstand der Israel. Religionsgemeinde Gießen. S. Heichelheim. Surgermeisterei zu jedermanns Einsicht offen. Bettenhausen, den 1. November 1902. Großh. Bürgermeisterei Bettenhausen. Roth. Vekanntmachung. Für einen 18 Jahre allen Tchmiedegeselleu wird Stellung gesucht. Näheres auf dem Arrnen- Eintrlttskarten für Nichtmitglieder sind zu 50 Pfg. abends an der Kasse zu haben. Die Vorstände. > er geilte so mmrni >a$ einst süopsiock ali r rühmte, nicht ein Wann felblV Von Szr'la, 'Landtvirt (Bauern, berale Stimmen. ^ningM.jmit ifh-rt (l$.) mit o) mit o St. mbund) mit 28 St -r BMberger (fieis.s it IV., Landwirt (Ml gewählt ür den Bauernbund, enüber stehen 9 lide. immen, welch letztm Kaufmännischer Verein und Ortsgewerbeverein Giessen Zweites* Vortrag Mittwoch dea 5. November, abends pünktlich 8% Uhr im Cafe Leib. 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Universitäts-Nachrichten. Auf dem in New-York abgehaltenen Amerikanisten-KongreS teilte der Herzog von Loubat mit, daß er eine Million Dollars bei den Trustees der E o l u m b r a - U n i v e r f i t ä t zu dem Zwecke hinterlegt habe, einen Lehrstuhl für die Geschichte amerikanischer Altertümer in Newpork, Berlin mrd auf einer französischen Universität zu gründen. Geheimrat Pros. Dr. Böckh, Direktor des Berliner statistischen Amtes, feierte sein fünfzigjähriges Jubiläum als amtlicher Statistiker. KricsKasten der Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben nuberückfichttgt.) N. B. L. Z. Prinzessin Xenia von Montenegro, eine Tochter, des regierenden Fürsten Nikolaus I. von Montenegro, eine anmutige Erscheinung, steht gegenwärtig im 2L Lebensjahre. Von ihren fünf Schwestern sind vier verheiratet, und zwar die älteste an den Großfürsten Peter Nikolajewitsch von Rußland, eine zweite an den Fürsten Georg Romanowsky, Herzog von Leuchtenberg, eine weitere an den König Viktor Emanuel von Italien und bte vierte Schwester an den Prinzen Franz Joseph von Battenberg; eine jüngere Schwester der Braut, geboren 1887. ist noch unverheiratet. Von ihren drei Brüdern ist der älteste, Erbprinz Damlo Alexander, mit Prinzessin Jutta von Mecklenburg-Strelitz vermählt, währeno die beiden anderen Brüder, die Prinzen Mirko und Peter, noch unverheiratet sind. MM * * wählt. nit 20 Lt b>' «f *?«•*** ° ? ■ g-Nhlt ' **) mit 12 et )toirt (Bauernbuch) JJV., Sanbtoirt mR ntemunb), den Bgmstr. mb e den liberalen Schlenke findet in seinem Rechthabersirm in allen landwirtschaftlichen Fragen nicht die Ueberroinbung, auch andere Meinungen für zulässig zu erkennen. Räume gern Herrn Schlenke das Recht ein, daß seine Kenntnisse in der Landwirtschaft den meinigen weit überlegen sind, habe solche überhaupt noch niemals für mich in Anspruch genommen; daß man aber durch jahrelangen Verkehr mit Händlern und Landwirten auch Erfahrungen sammeln kann, insonderheit wenn man das nötige Interesse entgegenbringt, ohne sich irgendwie als »Sachverständiger^ au gerieren, mit welchem Ausdruck mich Herr Schlenke fortwährend bezeichnet, wird er wohl nicht bestreiten können. Auf Grund dieser Anschauungen habe ich die betr. SDlitteilungen gemacht, ohne hierbei weder meinen frei- händlerischen noch schutzzöllnerischen Standpunkt zu vertreten. Ergänzend hierzu bemerke ich weiter, daß von niemand bestritten werden kann, daß die Schweinezucht der hiesigen Gegend in den letztenJahren sehr zurückgegangen ist; Beweis der Auftrieb des hiesigen Marktes durch Händler, sowie der bedeutende Handel mit Jungschweinen nach dem Vogelsberg. Wer die Kaufabschlüsse des hiesigen Marktes nun schon feit länger als einem Jahre mit Ausnahme der letzten Märkte beobachtet hat, wird sich überzeugt haben, daß Ferkel und Läuferschweine jedes Paar mit Alk. 15.20, Einlegeschweine mit 30 Mark über den normalen Wert bezahlt werden mußten. Diese eminent hohen Preise sind aber nur zum wenigsten dem kleinen Bauern uni) Züchter hiesiger Gegend zugut gekommen, sondern der großen Massenzucht von Hannover und dem Schweinezucht treibenden Teil oon Oldenburg. Den klarsten Beweis hierzu liefern die Marktberichte. Hannover stand stets mit Fettschwemen 2—3 Mark pro Zentner unter Frankfurt, Mainz und Wiesbaden u. a. Bedeutende Sendungen gingen wöchentlich aus dem Norden Deutschlands nach Süd- und Mitteldeutschland, hauptsächlich Frankfurt ab. Auch dieser Versandt ist zurückgegangen, da der hannöverische Markt dem Frankfurter fast gleich steht. Heroorgezeugt jedenfalls durch die hohen Jungviehpreise am Platze uno wenigere Herstellung von Mast- fchweiiien. Ich überlasse es nunmehr Herrn Schlenke selbst zu beurteilen, welchen landwirtschasllichen Betrieben der dickste Brocken zugefallen ist, den Kleinbauern hiesiger Gegend oder den größeren Züchtern im Norden Deutschlands. Zu den Ausführungen (in der letzten Stadtverordneten-Ver- sammlung bemerke ich, daß ich kurz vorher bei einem Händler, in der Nähe von Mücke wohnend, mich über die Schweinezucht Dortiger Gegend erkundigte, und ich erhielt als Antwort, daß die Herstellung von Mastschweinen in der Gegend und im ganzen Vogelsberg in intensiver Weife betrieben werde, dagegen die Schweinezucht nur sehr vereinzelt. Fast in jeder Woche beziehe der Vogelsberg 4—6 Wagen Jungschweine, meistens direkt aus Hannover; gegen diese bedeutenden Zufuhren komme die Zucht am Platze kaum in Betracht. Im Weiteren erklärte nun dieser Händler, daß Zuchtvereine gebildet worden seien, welche junge Zuchtsauen für hohe Preise aus Hannover bezogen hätten. Aus dem ganzen Bezug sei aber mit einer einzigen Ausnahme nichts geworden. Auf Grund dieser Mitteilungen und durch Jnforniation einer weiteren Anzahl Schweinehändler des Vogelsberges habe ich meine Ausführungen in der letzten Sitzung gemacht, nämlich dahingehend: »Ich wolle Herrn Schlenke keinen Vorhalt der Unkenntnis machen, doch das sollte man doch von dem Vorsitzenden des landwirtschaftlichen Provinzial- Vereins erwarten, daß im Vogelsberg (von der Provinz war keine Rede) Schweinezucht nur sehr wenig, fast gar nicht gepflegt werde." Diese Worte habe ich gebraucht; sollte Herrn Schlenkes Gewährsmann ihn anders belehrt haben, so ist er unrichtig belehrt. Hiermit habe ich meine Ausführungen in den letzten Sitzungen soweit als möglich klargelegt. Aus Beantwortung weiterer Fragen lasse ich mich nicht ein, da mir Zeitungsauseinandersetzungen nicht angenehm sind; ich habe hierfür weder Sinn noch Zett. Wenn der Auftrieb deS Grünberger GalluSmarkteS und der Testen «siebener Märkte, von dessen Zutrieb ich vor drei bezw. fünf Wochen keine Kenntnis haben konnte, gezeigt hat, daß sich inzwischen daS Bild geändert hat und die Landwirte hiesiger Gegend der Schweinezucht mehr Aufmerksamkeit als seither fd)enten, so freue ich mich hierüber. Vielleicht geht dadurch der Wunsch des Herrn Schlenke und des gesamten deutschen Fleischerhaiidwerks in Erfüllung, nämlich daß die schon seit anderthalb Jahren abiwrm hoheii Schweinepreise wieder in normale Bahnen zurückgehen, zum Wohle des Gewerbes selbst und nicht zuni Mindesten im Interesse des ganzen Volkes, zumal der durch den Niedergang der Industrie in der Ernährung ihrer Familien schwer geschädigten Arbeiterbevölkerung. Dies mein letztes Wort in der fraglichen wache. Für die anonyme' Zusendung der Zeitung über die Thätigkeit der Körkommission danke ich. Die Randbemerkung beweist, auf welcher sittlichen Höhe der Herr Einsender steht. Ludwig fßirr. Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Treis a. L. für 1903/04 liegt vom 5. November ab acht Tage lang auf !em Bureau unterzeichneter Bürgermeisterei zur Einsicht der Interessenten offen. Treis a. L., den 3. November 1902. Großherzogliche Bürgermeisterei Treis a. 2. Benner. 7713 Am nächsten Mittwoch beginnt die Ziehung der 7673' Hessisch-Thüringischen Staatslotterie. Spiellustige dürfen also nicht länger mit dem Looskauf säumen. besondere Colliers u. Muffe von Nerz, Jttis, Nutria, Bisam und Nerz-Mornel, Teppiche von Bären, Ziegen, Baretts von Bisam, Murmel-, Schuppen- und Wintermützen für Knaben, Iltis-, Ner^-, Steinmarder- und andere Felle; 5 Eichenstämme, mehrere Wagen u. Pferde, 1 vollständige Ladeneinrichtung, 1 Eisschrcurk, Bekanntmachung. Bei den am 4., 5. und 6. November 1902' im Hofe der alten Kaserne am Braudplatz stattfindenden Herbst Kontrollversammlungen iLden aus der Stadt Gießen zu erscheinen: am 4. November, vormittags 9 Uhr: Öftere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Referoe, sowie fämt- lidje Reservisten der Infanterie, welche in den Jahren 1895 und 1696 eingetreten sind, am 4. November, nachmittags 2 Uhr: Liömtliche Reservisten der Infanterie, welche in den Jahren 1897 um) 1898 eingetreten sind. am 5. November, vormittags 9 Uhr: -Etliche Reservisten der Infanterie, welche in den Jahren 1899, 19*00 unb 1901 eingetreten find, am 5. November, nachmittags 2 Uhr: voLmtliche zur Disposition der Truppenteile und der Ersatzbehörden tiulaffenen Mannschaften der Infanterie, sowie sämtliche Reservisten den Garde, Jäger, Kavallerie, Feld- und Fußartillerie, Pioniere, Li.jenbahn-, Telegraphen- und Luftschiffertruppen, am 0. November, vormittags 9 Uhr: Sämtliche Reservisten des Trains (einschließlich Krankenträger), vonitäts- u. Veterinärpersonals, Büchfenmachergehilfen, Oekonomie- ^tubroerfer, Marmemannscha'ten sowie zur Dispositwn ber Truppen- :ei..e und Erfatzbehörben entlassenen Mannschaften ber Spezialwaffen im) bie zur Landwehr IL Aufgebots überzuführenden Wehrleute. Befreiungsgefuche sind durch das Hauptmeldeamt einzureichen ira) müssen behördlich beglaubigt fein, können aber nur im dringendsten Notfall genehmigt werden. Die Leute haben m bürgerlicher Kleidung zu erscheinen. Stöcke, Schirme, Pfeifen und Zigarren sind vorher wegzulegen. Tie Dtttärpapiere (Paß mit eingeflebter Kriegsbeorderung unb Füh- nuigSatteft) müssen zur Stelle sein. Sämtliche Mannschaften stehen im Laufe des ganzen Kontroll- a«es bis einschließlich Mitternacht unter dem Milttärgesetz. Gießen, den 31. Df tob er 1902. 7675 Groyherzvgncye nyurgermeifterei Gießen. Mecum. Dr.w.Knechfs Magenbitter „SÄNTIS” ist bei Magen-u. Darmbeschwerden das vorziiglichsFeuunenFbehrlichsfe Hausmittel. 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