Zweites Blatt. Donnerstag 3. Juli 1903 K Are Heutige Yummer umfaßt 8 Seiten. Ausland khtt n Le itL W tn. - 1 idl 89 48 153. Jahrgang -ich 4774 Jen- '26 702 96 00] 902 62 769 133 69 929 700 701 2 90 800 622 )36 160 >16 fl 117 156 J74 Deutsches Reich. Berlin, 2. Juli. Aus Kiel wird gemeldet: Der Kaiser hatte zur Teilnahme an der heutigen Wettfahrt an Bord des „Meteor'" geladen den Großherzog von Sachsen und Prinz Heinrich von Preußen, Mr. Griscom, Mr. Widener, Mr. Robinson und Mr. Armour. Der „Meteor" He: als erste Yacht ein und erhielt den zweiten Preis. Zur heutigen Abendtafel auf der „Hohenzollern" war der Kommandant des hier eingetroffenen österreichischen Kreuzers „Szigetvar", Proportnik, geladen. — Beim Handicap Eckernförde-Kiel erhielt in der Klasse „Jawls" „Comet" den ersten, „Orion" den zweiten, in der Klasse „Kreuzer-Yachten" „Iduna" den ersten, „Meteor"" den zweiten Preis. Wind aus Nordwest. Windstärke 9,4. — Graf Pückler-Klein-Tschirne wird am nächsten Freitag hier in einer Versammlung über „Meine letzte Gerichtsverhandlung" sprechen. — Nach dem „Lok.-Anz." ist der Oberleutnant Dr. Hartmann, ein Schwiegersohn des bekannten Großhändlers Wörmann, der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes überwiesen worden. — Wie dem „Börsen-Cour." von unterrichteter Stelle erklärt wird, ist von einer Vereinbarung zwischen Deutschsland und Italien einerseits und Deutschland und Oesterreich- Ungarn andererseits, dahingehend, daß die Verlänge- rung der Handelsverträge bis 31. Dezember 1904 gesichert sei, nichts bekannt. — Die Blätter begrüßen das heutige 25jährige Jubiläum des Patentamtes, in dessen Entwickelung sie ein getreues Spiegelbild des industriellen und gewerblichen Gedeihens Deutschlands erblicken. 26 006 74 73 JSB 132 )10 34 46 68 306 711 33 1 'S 066 y/7 43 Nr. 153 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Hamilien- blätter viermal in der Woche beiaelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Unwers.-Buch- u.Stein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstr atze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. AernsprtchanschlnßNr.51. London, 2. Juli. Der Krankheitsbericht von heuts Abend 71/2 Uhr lautet: Das Befinden des Königs macht anhaltend gute Fortschritte; der örtliche Schmerz ist geringer. Den heutigen Tag verbrachte der König sehr gut. — Nach dem „Standard" wird im Unterhause bereits die Möglichkeit erwogen, daß eine K'rö n un gsfeier "vch während der lausenden Tagung, etwa in der dritten A u g u st w 0 ch e stattfinden könne. Sobald der König wieder transportabel fein wird, soll er, einem neueren Plane zufolge, an Bord seiner Yacht geschafft werden, um auf dem Wasser des Solent, des Meerarmes, der die Insel Wight von England trennt, völlige Genesung zu suchen. — Die in Spithead zur Flottenschau versammelt ge» wesene Flotte löste sich heute auf. Der Prinz von Wales hielt heute eine Parade über 1300 Soldaten der indischen Armee ab in Anwesenheit der Königin uni)' anderer britischer und der auswärtigen Fürstlichkeiten, die der gestrigen Parade der Kolonialtruppen beiwohnten. Der Zug begab sich zum Paradeplatz, und wurde in derselben Weise wie gestern von der Volksmenge herzlich begrüßt. Haag, 2. Juli. Erste Kammer. In der Beantwortung der Interpellation van Velden betreffend Freilassung der südafrikanischen Kriegsgefangenen erklärte der Minister des Auswärtigen, er habe heute vormittag die Antwort der englischen Regierung erhalten, daß alle Gefangenen sortgeschafft würden, zunächst die Buren, die den Treueid leisten, sodann die, welche ihn nicht geleistet, schließlich die Gefangenen fremder Staatsangehörigkeit, für die England die Ueberfahrt zahlen müsse. Jene, welche selbst die Ueberfahrt bezahlen, konnten sofort abreisen, aber ohne nach Südafrika zu gehen. Neapel, 2. Juli. Der „Mattino" veröffentlicht die von anderer Seite bisher nicht bestätigte Nachricht, daß die hiesigen Behörden davon in Kenntnis gesetzt worden seien, daß ein a n a r ch i st i s ch e s K 0 m P l 0 t t gegen das Leben des Sultans geplant sei. Die Anstifter seien Italiener, Tobia Boni und ein gewisser Serriet, die, wie die türkische Polizei glaubt, gegenwärtig sich hier aufhalten. Wien, 2. Juli. Die Reise des italienischen Kö- nigspaares nach Petersburg und Berlin erfolgt auf di re kte Einladung der Höfe von Berlin und Petersburg. Der König von Italien hat sich auch bereits versichert, daß ein Gegenbesuch des deutschen und des russischen Kai,erpaares in Rom erfolgen werde. Die Reise nach Wien mußte unterbleiben, da die Möglichkeit ausgeschlossen ist, daß Kaiser Franz Josef im Quirinal erscheint, weil der Papst daran festhält, daß er einen katholischen Herrscher oder Prinzen nicht empfangen könne, der in Rom als Gast des Quirinals weilt. Uebrigens ist es möglich, daß Viktor Emanuel mit Kaiser Franz Josef an einem anderen Orte als in Wien Zusammentreffen werde. DezugSpreiSr monatlich 75 Pj., viertel« jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel- jährt, ausichl. Bestellg. Annahme von Anzeige« für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr, Zeilenprers: lokal 12 PO auswärts 20 Psg. Verantwortlich: für den polil. u. atigern, Teil: P. Wittko: für »Stadt und Land* und „Gerichtssaal*: Curt Plato; für den An» zeigenteil: Hans Beck. Heer und Flotte. Kapitän Rosenstock v. Rhöneck. Man meldet aus Cuxhaven vom 2. Juli: Die Leiche des Kommandanten des untergegangenen Torpedobootes 8 42 wurde gestern Abend beim Osterriff treibend gesehen. Das Stationsschiff „Sirius"' ist heute früh ausgegangen, um nach der Leiche, die außerhalb des Fahrwassers trieb, zu suchen. Die Leiche wurde bei Belum on der Ostsee geborgen. Der Later des Verunglückten war bereits vor Auffindung der Leiche nach Philippsthal zurückgekehrt. Sic soll in Philippsthal bei Vacha bestattet werden. Von seinem Sohne Hans, einem Regierungsbauführer, beglecket, war der alte Herr von Cuxhaven aus mit einem Dampfboot nach der hinter einer vorspringenden Landzunge liegenden, durch mehrere Bojen kenntlich gemachten Unfallstelle gefahren. In tiefem Schmerze den Erklärungen der führenden Marineoffiziere und der geretteten Mannschaften des verunglückten Torpedobootes folgend, versenkte der erschütterte Vater als letzten Liebesgruß der Mutter an dm unvergeßlichen Sohn einen Strauß blühender Rosen. Wie man aus Vacha berichtet, hat man in den Offizicrskreisen unserer Marine es übel vermerkt, daß die Kapitäne der englischen Yachten, welche sich nach dem Verlassen des sinkenden Fahrzeuges im Rettungsboot befanden, die Rettungsgürtel annahmen, anstatt sie dem heldenmütigen Führer und dem Maschinisten zu überlassen, die gezwungen waren, den Kamps nit den Wellen auszunehmen. Erst als die gurgelnden Wasser um seine Füße schäumten, warf Kapitänleutnant Rosenstock v. Rhöneck seine Jacke von sich, und mit Grüßen an die Seinen sprang er in die Flut, in welcher er seinen Heldentod finden sollte. Ehre dem Andenken des jungen, pflichttreuen Kommandanten, der in seiner Heimat, wo man den still und bescheiden auftretendcn Offizier liebte und schätzte, so bald nicht vergessen wird. zum Ausdruck. Namentlich Braun-München opponierte heftig gegen die „Brust'sche Diktatur", sodaß Brust, der der Vop. sitzende des Gesamtvjerbandes ist, konstatierte, man stehe vor der Aussicht auf neue schwere Differenzen. Die Sache wurde einstweilen oberflächlich beigelegt, der Ausschluß des Metallarbeiterverbandes (Wieder) wurde nur damit durchgedrückt, daß Brust die Kabinettsfrage stellte. Beschlossen wurde ferner die Schaffung eines christlichen Reichsarbeitersekret ariats. Ist die Materie wirlkich „völlig neu"? Die Ueberschul- dung des ländlichen Grundbesitzes besonders im Osten ist leider ein „altes Lied", und ebenso alt find die Bestrebungen, den Grundbesitzern aus dem betrüblicyen, übrigens nicht immer ohne eigene Schuld entstandenen Dilemma herauszuhelfen. Nach einer Slatistit aus dem Jahre 1883 (Stichproben) betrug in 52 preußischen Amtsbezirken die Verschuldung bei großen Gütern 53,8 Prozent, bei mittleren 27,9 pCt., bei kleineren 24,1 pCt. des Wertes. Settdem haben sich die Verschuldungsverhältnisse noch wesentlich verschlechtert. Am Ende kommt es auch hier darauf hinaus, daß der Staat „mit starker Hand" eingreifen soll. Der Vorschlag, den die Denkschrift des Herrn v. Podbielski aufnimmt, eine freiwillige Verjchuldungsgrenze für den ländlichen Grundbesitz einzusühren, ist begreiflicherweise den Gutsbesitzern nicht sympathisch. Private Geldinstitute lassen sich schwerlich auf Geschäfte mit dem Risiko ein, das fünfte Sechstel des Grundstückswerts zu beleihen, damit den notleidenden Gutsbesitzern aus der Klemme geholfen werde. Wenn aber hier der Staat eingreift, wenn auch nur in der Form von Mitwirkung staatlicher Leistungen, dann können Angehörige anderer Berufstreise, die ebenfalls nicht auf Rosen gebettet sind, mit ebensoviel Recht an den Staat ils Retter appellieren. Es ist genug, daß der Staat sich an der Suche nach Mitteln und Wegen beteiligt, die zur Erleichterung der Lage verschuldeter Grundbesitzer führen können. Stellen sich freilich dabei große Jnter- essentengruppen abseits, mit der unwirsche^ Behauptung, nur durch unmittelbare staatliche Aufwendungen, sowie nur durch hohe landwirtschaftlick>e Zölle, nur durch den Antrag Kanitz, und was dergleichen phantastische Projekte mehr sind — auch das famose Branntwein-Verkaufsmonopol des verstorbenen Diest-Daber, für den Miquel „nahezu gewonnen"" war, gehört dahin —, dann wird man einfach zu sagen haben: Wem nicht zu raten ist, dem ist nicht zu helfen. _______ entschädigung. Nicht in gutem Golde, wie vereinbart worden ist, sondern in minderwertigem Silber will die chinesische Regierung bis auf weiteres die Raten der Entschädigung an die beteiligten Mächte auszahlen. Genau wie während des ganzen Verlaufes der chinesischen Wirren stellen sich auch diesmal wieder die Vereinigten Staaten auf die Seite der chinesischen Regierung. Natürlich erheben die anderen Gesandten Einspruch und China wird schließlich doch wohl sich fügen müssen. Wegen der „schönen Augen" der Kaiserin-Witwe werden England und die Vereinigten Staaten kaum die Rolle des nachsichtigen Gläubigers spielen. Beide rechnen zweifellos auf Gegen-Liebesdienste. Es wäre wünschenswert, daß auch dann, wenn die chinesische Regierung dem Protest der übrigen Mächte nachgegeben hat, England und die Ver. Staaten mit chren Raten in Silber abgefunden werden, in Accep- tierung des gütigen Entgegenkommens. Chinesische Winkelzüge. Aus Peking melden heute die offiziösen Telegraphen- Bureaus: Die chinesische Regierung weigerte sich, die Julirate der Entschädigungssumme anders als zum Wechselkurse vom 1. April 1901 zu bezahl e n. Diese Weigerung wird von den Gesandten als Folge der Mitteilung !b es amerikanischen Gesandten Congar an die chinesische Regierung betrachtet, daß Amerika die Stellungnahme Chinas unterstütze und willens sei, die Zahlung auf der erwähnten Grundlage anzunehmen. Die Gesandten bringen indessen die Zuversicht zum Ausdruck, daß China, sobald es die lleüerzeugung gewonnen, daß es allein von Amerika unterstützt wird, die Entscheidung der Mehrheit der Gesandten annehmen werde. Die Gesandten sind der Ansicht, daß der Standpunkt Amerikas den Bestimmungen des Pekinger Protokolls zuwider sei. — England schlägt jetzt vor, China die Zahlung der Kriegsentschädigung bis 1910 in ©über zu gestatten wegen der großen Verluste, die es infolge der Entwertung des Silbers zu ertragen habe. Die übrigen Gesandten sind der Meinung, daß die Erlaubnis mit der Anerkennung der Behauptungen Chinas gleichbedeutend sein, die Angelegenheit daher noch verwickeln würde. Erfreuliche und unerfreuliche Meldungen aus China bringt jetzt fast jeder Tag. Das Erfreuliche ist die Wahrnehmung, daß die Chine,en erstaunlich rasch sich mit dem „Geist der Zeit"" befreunden. Die Errungenschaften unserer Kultur, noch vor einer Reihe von Monaten selbst von hochstehenden, gebildeten Chinesen als verderblich bekämpft, genießen heute volle Anerkennung. Riesenhafte Fortschritte machen die Verkehrsprojekte; Eisenbahn- und Telegraphen- Anlaaen sind nicht nur geduldet, sondern geradezu begehrt. Bergbaukonzessionen werden erteilt — soeben wieder an ein englisch-sranzösischsss Syndikat in Yünnan — und es machen sich Ansätze bemerkbar, die provinziellen Verwaltungen nach europäischen Mustern umzugestalten. Für die Reorganisation der Mandschurei liegt ein vollständig neuer Plan vor. Kurzum, auf vielen Gebieten vollzieht sich ein überraschend kühner Bruch mit der Ueberlieserung. Das Unerfreuliche sind die anscheinend noch immer nicht unter* 7, Unruhen und Aufstandsbewegungen. Von ein c.9 ert ' Modernen" Seite, den unberechtigten Eigen- tü^itzung der kleiner Dankerott-Staaten folgens, AL ^opsträger bei der Zahlung der St r i t g .4» * i — Eine polizeiliche Haussuchung fand gestern in der Druckerei des hiesigen Polenblattes „Dziennik Berlinski"" sowie in der Privatwohnung des Herausgebers des Blattes statt. Sämtliche Exemplare des im Verlage des Blattes erschienenen Sokol-Liederbuches sind auf Anordnung der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden. D r e s d e n, 2. Juli. In der Diözesenversammlung der Ephorie Dresden-Land teilte Konsistorialrat Benz mit, König Georg habe ihm die Versicherung gegeben, daß es die evangelische Kirche unter seiner Regierung ebenso haben solle, wie unter König Albert. Das sollen, habe der König hinzugesügt, nicht bloß Worte, sondern auch Thaten sein. Verlassen Sie sich auf mich! Düsseldorf, 2. Juli. In der Binnenschiffahrtsäb- teilung des Schiffahrtskongresses wurde heute die Frage der Schisfahrtsabgaben erörtert. Unter anderen Berichterstattern erklärtöHunter-Manchester,unter den heutigen Verhältnissen sei in vielen Fällen für die Entwickelung eines Staates oder Gegend der Bau eines leistungsfähigen Schiffahrtssystems erforderlich; hierzu bedürfe es allerdings immer eines großen Kapitalaufwandes, da auf eine reichliche Verzinsung durch Abgaben, welche die Kapitalisten zu Anlagen veranlassen könnte, nicht zu rechnen sei; im Interesse des Staates oder der beteiligten Städte sei es gelegen, das Baukapital aus öffentlichen Mitteln zu bewilligen. Der Hauptberichterstatter war Ministerialrat Fahr, v. Viegeleb en-Darmstadt, der die in Spezialreferaten mehrfach hervorgetretene Ansicht, daß zwischen der Eis en- bahntarifpolitik und der Schiffahrtsabgabenpolitik ein prinzipieller Unterschied bestehe, nicht teilte. Wenn vielmehr der Staat in einem Falle grundsätzlich berechtigt sei, für seine Leistungen volles Entgelt oder noch mehr zu fordern, so treffe das auch im anderen Falle zu. Es sei Uebereinstimmung aller Berichterstatter darin zu konstatieren, daß unter Umständen durch Erhebung von Abgaben eine Deckung von Betriebs-Unter- Haltungskosten, sowie eine mäßige Verzinsung des Anlagekapitals einer Wasserstraße erlangt werden könne. In der Frage aber, ob überhaupt, unter welchen Umständen und unter welchen Voraussetzungen dieses Ziel angestrebt werden solle, seien verschiedene Ansichten laut geworden. Karlsruhe, 2. Juli. Die Verfassungs-Kommission hat sich gestern mit der Frage des direkten Wahlrechts zum Landtage beschäftigt. So weit aus der vertraulichen Sitzung bekannt wird, hat Minister Schenkel die Forderung der Pluralwahl, des Zensus und des mehrjährigen Aufenthalts des Wählers im Lande vertreten. Die ! Angelegenheit wird in den nächsten Tagen im Landtag , zur Verhandlung gelangen, der am 10. Juli geschlossen wird. , München, 2. Juli. Generalversammlung des Gesamt- . Verbandes der christlichen Gewerkschaften. Der ■ Ausschuß des Gesamtverbandes wird beauftragt, unverzüg- lich Schritte zur Gründung eines neuen Metallarbeiterver> ' Landes zu thun. Im Saufe der Beratung kamen heftige । größeren^ und kleineren Verbänden Volitische Tages schm. Herrn v. Podbielskis neuester Plan. Aus Berlin, 2. Juli, wird uns geschrieben- Auffällig häufig tritt ein Gegensatz der Anschauungen zwischen der konservativen „Kreuzztg,"" und der stramm agrarischen „Deutschen Tagesztg." in Erscheinung. Auch letzt wieder hatte das Organ des „Bunds der Landwirte" über die Pläne des preußischen Landwirtschaftsministers, eine Entschuldung des ländlichen Grundbesitzes herbeizuführen, ein wenig schmeichelhaftes Urteil geäußert: „es solle der Schein geschaffen werden, als ob etwas geschehe." Ganz anderer Meinung ist die „Kreuzztg."" Das Blatt miß- bllligt ausdrücklich, daß von vornherein von verschiedenen Seiten die Denkschrift des Herrn v. Podbielski abfällig beurteilt wird; daß der Minister diese Angelegenheit fest anznfassen gewillt ist, dafür sei ihm die deutsche Landwirtschaft zu Dank verpflichtet. Auf die Sache selbst geht die „Kreuzztg."" nicht ein. Es sei eine völlig neue Materie; offenbar habe der Minister zunächst eine feste Grundlage für wettere posttive Arbeit in der angegebenen Richtung geben wollen. Eichener Anzeiger General-Anzeiger v '*■ Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen das Fest der Immatrikulation des 1000. Studenten. Gießen, 3. Juli 1902. Das Waldfest, das die Stadt Gießen zur Feier der Immatrikulation des 1000. Studenten gestern nachmittag im Philosophenwalde veranstaltet hatte, war von der Studenten- und Bürgerschaft Gießens außerordentlich gut besucht: der beste Beweis, daß die Feier in allen Kreisen Gießens den lebhaftesten Anklang gefunden hatte. Kurz nach 5 Uhr nachmittags führte ein imposanter Kestzug die städtischen Behörden, die korporirten Studenten und einen Teil der nichtinkorporirten Studenten nach dem eingezäunten Festplatz im Philosophenwalde. Der Zug legte den, von uns bereits gestern angegebenen Weg in programmmäßiger Ordnung zurück. Die Spitze des Zuges bildeten drei stattliche Vorreiter, Hassorhenanen in vollem, kleidsamen Wichs. Ihnen folgte die hiesige Militärkapelle, die für diesmal ihre Uniform mit schwarzem Zivilrock vertauscht hatte. Dann kam mit dem blendenden Blau blühender Blumen und der gleichfalls aus Blumen gewundenen Zahl 1000 sinnig und geschmackvoll ohne alle Ueberladung von dem Hoflohn- kutscher Huhn, der überhaupt den größeren Teil des -Wagenzuges arrangiert hatte, geschmückt, der Festwagen, in dem Se. Magn. der Rektor Professor Dr. Hansen mit dem jugendlichen Helden des Tages, dem stud. med. ^Simons, heiter plaudernd saß. Im zweiten Wagen sah ,man den Bürgermeister unserer Stadt, Herrn Mecum, mit seinen Damen, in den vier folgenden die Dekane der vier Fakultäten, die Professoren Dr. theol. Krüger, Dr. jur. Biermann, Dr. med. Sommer und Dr. phil. Brauns, mit ihren Damen. Die nächsten 12 Wagen brachten unsere Stadtverordneten, teils mit, tells ohne ihre besseren Hälften. Und nun kamen in unübersehbar langem Zuge die Studentenkorporationen, allen voran die katholische Studentenverbindung hasio-Rhenania in ihrer neuen, erst vor einigen Tagen beschafften recht kleidsamen Couleur mit kecken flotten roten Stürmern; ein Spaßvogel meinte: Katholisch ist jetzt Trumpf im heiligen römischen Reich deutscher Nation, und so habe denn auch das Los verständnisinnig sich für schwarz entschieden. Die Zweiten im Zuge waren unsere schneidigen Corps, und zwar der Reihe nach die Starkenburger, Teutonen und Hessen. Weiter kamen die Burschenschaften, Ger-- manig und Alemannia, sodann, nach der Kapelle Bauer, die anderen farbentragenden Korporationen: Wingolf, Adelphia und Franconia. Es folgten die wissenschaftlichen Vereine, der Mathematisch-naturwissenschaftliche Verein, der Akademisch- Theologische Verein, der Philologisch-historische Verein, sodann die Rhenania, der Verein deutscher Studenten, die Kapelle Gröningcr, die Chattia, die Nassooia; ferner die Nicht- Korporationssüldenten, und zwar der Reihe nach die theologische, die juristische, die medizinische und die philosophische Fakultät. Den Schluß bildete die Landsmannschaft Darmstadtia. Die langsam dahinfahrenden Equipagen, die im Winde lustig flatternden Banner, die schneidige Wichs der Chargierten und die farbig leuchtenden Kneipjacken der Füchse, dazu die festesfrohen Mienen der tausend Söhne unserer ehrwürdigen Alma Mater, das war ein überaus reiz- und wechseloolles, lebensprühendes und farbenprächtiges Bild, das in der Lokal- zeschichte Gießens einen dauernden Platz behalten wird. Der Zug bewegte sich, überall herzlich begrüßt, durch die, mit Fahnen in verschwenderischer Fülle geschmückten Hauptstraßen der Stadt dahin in scheinbarer Unendlichkeit. Tausende Schaulustige haben sich zu beiden Seilen der Straßen aufgestellt, und an den Fenstern hinter schmucken Blumentöpfen wimmelt's von bezopften Köpfen. Gießens junge Damenwelt überschüttet unsere akademische Jugend mit duftenden Blumen. Die breite Brust Bruder Studios wird überdeckt mit zierlichen Sträußchen, gewunden von zarten Händen unter zarten Gedanken. Doch manch Blümlein traut stirbt unbeachtet zu den Füßen der Marschierenden, wird zertreten und verwelkt im Straßenstaube. ..... Und als der Schwarm vorüber war, da verschwanden wieder von den Fenstern die bezopften Köpfchen, da härten an den Straßendämmen die Kinder von ihren vorsorglichen Müttern zu zappeln auf und alles schritt, noch halb be- rauscht von dem eben geschauten, malerischen, farbensatten Bilde, in dem man nur eines, den Versuch einer oberflächlichen Einheitlichkeit der Tracht (der eine trug schwarzen, der andere grauen Rock, der eine Stroh-, der andere Filzhut, der der eine braune, der andere schwarze Schuhe 2c. :c.), vermißt hatte, entweder heim zu Muttern oder nach dem Philosophenwalde, zu lieblicher und leiblicher Labung. Der Festplatz war von Mannschaften des hiesigen Regiments avgesperrt, auch die Bedienung der Gäste war von ihnen übernommen worden. „Ein leichter und feiner Dienst, wie er beim Kommiß nicht so oft vorkommt!" hörten wir sagen. Die Bedienung durch die Mannschaften beschränkte sich allerdings auch nur darauf, den Anwesenden möglichst große Mengen von belegten Butterbroten und Bier heranzubringen, und selbst soviel wie möglich davon zu vertilgen. Allzu üppig waren die Butterbrote allerdings nicht ausgestattet, aber welchen Anklang sie fanden, lätzt sicy aus den Quantitäten schließen, die vertilgt wurden. 8400 Butterbrote sind, wie wir hier gleich bemerken wollen, verzehrt worden. Dazu hatten die vier Brauereien je 20 Hektoliter, im ganzen also 80 Hektoliter Bier geliefert, von denen nur — drei Hektoliter übrig blieben. Ein gesegneter Appetit und ein beneidenswerter Durst! Was wäre deutsche Bildung und Litteratur, was deutsches Leben überhaupt ohne deutsches Bier! In sicco nunquam spiritus! Wenn soweit die Vorbedingungen für das Fest günstig waren, so versagte doch ein sehr wesentlicher Faktor — nämlich das Wetter. Es war unfreundlich und kalt, besonders zu Anfang des Festes. Wer sich nicht warm angezogen hatte, wuroe von der kühlen Witterung unbarmherzig geschüttelt, und mancher Schnupfen wird insbesondere die jungen Damen an den gestrigen Dag noch erinnern. Die Feier, die in einem Festtommers und Tanz be- ftand, verlies im allgemeinen in den vorgeschriebenen Formen. Wie bei allen solchen Mafsenfestlichleilen, ging auch gestern die Einheitlich leit bald verloren, und nur noch die Musik konnte sich und dem Programm einigermaßen zur Geltung verhelfen. Trotzdem herrschte wahrhaft seltene Harmonie und musterhafte Disziplm, nicht die geringste Störung kam vor. "Rach dem ersten allgemeinen Liede ergriff Bürgermeister Mecum das Wort zu folgender Rede: ^Hochcrnsehnliche Festverfammlung! Wir begehen das heutige Fest zum äußeren Zeichen der freudigen Anteilnahme der Stadt Gießen an dem Blühen und Gedeihen ihrer Ludoviciana, deren Wachstum in diesem Semester durch die Immatrikulation des 1000. Studierenden besonders gekennzeichnet ist. Se. Magnifizenz erwähnte in der gestrigen Festrede, daß der Besuch der Universität von 570 Studenten im Jahre 1847 auf etwa 400 im Jahre 1865 gesunken sei und daß im letzteren Jahre der Rektor in der Festrede am Gründungstage der Universität öffentlich ausgesprochen habe, die Zahl von 500 Studenten werde wohl nie mehr erreicht werden. Diese Befürchtung hat.sich glücklicherweise nicht erfüllt, und wenn heute unsere Universität eine Besuchsziffer in doppelter Höhe derjenigen aufweist, welche vor erst 37 Jahren der Rektor nicht mehr zu erhoffen wagte, so fragen wir uns, welche Gründe veranlaßten den Rückgang in den 50 er und der ersten Hälfte der 60 er Jahre und welchen Umständen verdanken wir seitdem den ungeahnten Aufschwung. Heute beschäftigt uiis nur die Beantwortung der zweiten Frage, und da wissen wir alle, was wir den Männern zu verdanken haben, welche das große Werk der' Einigung Deutschlands schufen und dann Miausgesetzt thätig waren, ourch Erhaltung des Friedens und Förderung von Wissenschaft, Handel, Industrie und Ackerbau das Errungene zu erhalten und zu vermehren. Unter diesen Beschützern des nationalen Wohlstandes, welcher die Blüte der Wissenschaften und der Universitäten veranlaßt, stehen an hervorragender Stelle der rector magnificentissimus unserer Universität, unser Großberzog Ernst Ludwig, und der Deutsche Kaiser Wilhelm IL Wir hoffen, daß es diesen Männern, welche in der Blüte der Mannesjahre stehen, noch lange vergönnt sein möge, die Geschicke unseres engeren und westeren Vaterlandes zu lenken, auf daß auch unsere Ludoviciana weiter wachsen und gedeihen möge. Ich bitte Sie, diesem Wimsche und unserem Gefühl der An- hänglichkest und Treue zu Kaiser und Reich, zu Fürst und Vaterland Ausdruck zu geben indem Sie mit mir emstimmen in den Ruf: Se. Majestät der Kaiser und Se. Königliche Hoheit der Großherzog, sie Leben hoch I" Nach weiteren Mujllpiecen und Liedern begrüßte Stadtv. SAm all die Anwesenden mit folgenden Worten: „Hochverehrte Festversammlung! Im Namen und Aufllag der städtischen Verwaltung habe ich die Ehre Sie hier zu begrüßen, Sie herzlichst willkommen zu heißen in einer Stunde die uns gleichsam vereinigt wie auf hohem Bergesgipfel. Denn wie von solchem Höhpunkt aus man da die Bande weithin überschaut, so schweifen heute unsere Blicke zurück auf jenes Jahr 1607, in dem unter Landgraf Ludwig V. „dem Getreuen" die Universität Gießen gegründet wurde, und dann weder durch nahezu 3 Jahrhunderte ihres Bestehens bis auf diesen Tag, an welchem unsere Stadt die Immatrikulation des 1000. Studenten hier festlich begeht. Was in diesem langen Zeitraum Alles an Stadt und Universität vorübergezogen, das zu berichten ist dankbare Aufgabe des Historikers, uns genügt heute die eine Thatsache, daß die Entwicklung beider Faktoren auf's engste miteinander verbunden war und bleiben wird durch alle Jahrhunderte! Ja, fester wie die gewalligsten 'Mauern, die einst unsere Stadt umgaben und auch der liubomciana _ in den Stürmen der Zellen Schutz gewährten, so fest wie Gießens uraltes Wahrzeichen „Thurm und Burg zu den Gißen" steht heute unsere Landesuniversität da, getragen von weiser Fürsorge der Regierung und Stände, gewürdigt in ihrem Wert von der Stadt, geliebt von Gießener Bürgern, eine hohe Warte der Wissenschaft, ein Leuchtturm in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, der auf so viele Gebiete sein hellstrahlendes Licht bernieoersendet. Ein lichter, sonniger Glanz ruht heute auf dieser festlichen, fröhlichen Versammlung, in der wir uns Alle eins wiffen in dem Gedanken, daß mit unserem 1000. Studenten unsere Hochschule eine Hörerschaft erlangt hat, die sie in den Kreis der großen Universlläten Deutschlands würdig einreiht; in der wir stns auch ein§. wissen in dem Wunsche, einer immer fortschreitenden höheren Entwickelung. In diesem Sinne bringe ich namens der Stadt herzlichste Glückwünsche dar: „Dem Lehrkörper der Universität, „Dem 1000. Studenten und seinen gesamten Kommilitonen 1 Es lebe, blühe, wachse die Universität GießenI Hoch! Hoch! Hoch!" Se. Magnificenz, Professor Dr. Hansen antwortete darauf unter großer Stille das Folgende: „Hochgeehrter Herr Bürgermeister und geehrte Herren Stadtverordnete! Verehrte Damen und Herren! Die Universitäten sind nirgends im ganzen Deutschen Reiche blos Blldungsinstllute, die blos ein Gaslrecht in den Mauern der Städte genießen. Beide sind überall, wenn auch in Verwaltung und Leitung getrennt, fest miteinander verbunden. Spricht man doch nur bei inneren Vorgängen an den Univer- itdten von einer Academia Ludoviciana, Ruperto Carolina ober Georgia Augusta, sonst aber von der Universität Gießen, der Universität Heidelberg und Göttingen. Stadt und Universität sind eins. Und wie sollte es auch anders sein, als daß die Stadt und ihre Universität, die mit einander gewachsen sind, meist in der Zeit von Jahrhunderten, endlich völlig verwachsen sind, wie Glieder eines Organismus. Die Zusammengehörigkeit unserer Stadt Gießen mit der Universllät ist eine alte historisch begründete. Als die in dem Jahre 1625 nach Marburg verlegte Gießener Hochschule 1650 wieder von Marburg getrennt werden sollte, da dachte der Landgraf auch an eine Uedersiedelung der Hochschule nach Darmstadt, Alsfeld oder Grünberg. Aber das alte Anrecht siegte, und die Gießener Bürgerschaft erwies sich dankbar durch Verleihung neuer Vorrechte an die Professoren und Studenten, damll das alle Band neu besiegelnd. Sell jener Epoche ist das Band enger und enger geworden und auch die moderne Zeit mll ihrer Trennung der Interessen hat es nicht gelockert. Seit wir, ohne im Reichtum zu schwelgen, durch die fleißige Arbeit unseres gesamten demschen Volkes, im Vaterlande glücklich sind, neben der Entwicklung unserer starken Schutzkräfte endlich auch für unsere Kultur- zwecke mehr thun zu können, hat auch unsere Universität Gießen Jahr für Jahr Schrllte nach vorwärts gemacht, und die Stadt Gießen hat mit aufmerksamem Auge und Herzen Anteil daran genommen. Wir freuen uns in diesem Semester der Zahl von über tausend Studenten, und diese Freude ist nicht ellel Prahlerei, sondern vollauf berechtigt. Wohl dürfen wir uns freuen, daß auch in unfernt kleinern Hesfenlande eine Universität aufblüht in gleicher Kraft und Leistungsfähigkeit, wie in den größeren Bundesstaaten. Uns, der Univerfttät, ziemt es nicht, aus dieser Freude ein Fest zu gestalten, welches als eine Selbstfeier erscheinen müßte. Wir können nur die freudigen Ereignisse erntragen in die Blätter unserer Geschichte. Aber unsere gute Stadt Gießen halle über diesen Punkt eine eigene Meinung. Sie sagte: „Ihr seid nicht nur Eure Universllät, Ihr seid auch unsere Universität, und wir wollen für euch das Festkleid anlegen in diesem Sommer, als Zeichen der Freude eures lebhaften Auf- chwungs." Und so sind wir heute hier als geladene Gaste der etabt, alle Philosophen der Ludoviciana, Meister und Schüler, gekommen zu frohen Feststunden im Philosophenwald. Da liegt es vor Ihnen, das Fest, doch darf ich nicht, als ob ich der Gastgeber wäre, auf die fröhlichen Einzelhellen Hinweisen. Mir wird die Ehre zu teil, den Dank der Geladenen auszusprechen. Im Namen der gesamten Universität danke ich unserem verehrten Herrn Bürgermeister, den Herren Stadtverordneten, sowie der ganzen Stadl Gießen für die Einladung, der wir, wie Sie sehen, mit Freuden gefolgt sind. Wir danken nicht blos für die hellere Schale des Festes allein, sondern für den bedeutungsvolleren Kern. Tenn dieses heitere Fest ist nicht blos der Ausdruck der Anteilnahme an einem glücklichen Moment. Es ist ein Ausdruck dafür, daß sich im Laufe der Jahrzehnte zwischen Stadt und Universllät cm immer engeres, herzliches Verhältnis, welches nicht blos für kurze Zell, sondern für alle Zukunft Bestand haben wird. Zum Ausdruck dessen und unseres DankeS fordere ich die Festversammlung auf, einzustimmen in den Ruf: Unser Herr Bürgermeister, die Herren Stobtverorbneten, unsere Stadt Gießen leben hoch, hoch, hoch! Im Laufe des Abends wurden dann, wie wir gleich vorweg nehmen wollen, noch zwei Reden gehalten- die des Vertreters Dcj Studentenschaft (Hasso-Rhenania) und des mathematisch-naturwissenschaftlichen Vereins auf die Damen. Es war ein Uebelstand, daß die Redner nur im allerkleinsten Umkreise verstanden werden konnten, doch bedauerten das vielleicht nur die Aelteren; die Jugend fand sich schnell damit ab und — tanzte dafür umsomehr. Die Feftkommission hatte zwei Tanzböden aufgeschlagen, die ganz ungewöhnlich start in Anspruch genommen wurden. In den Tanzpausen wurden Promenaden, besonders auf dem, leider viel zu schmal gehaltenen Mittelwege gemacht. Sehr viele Pärchen verloren sich auch bis an die äußersten Grenzen des Festbereichs, bedauernd, daß Hier Milllär dem Brnnmeln in „des Waldes tiefere Gründe" eine Schranke zog. Außerhalb des Rayons für Freibrötchen und Freibier, besonders in der' Restauration von Leib hatten sich ebenfalls viele Hunderte von Bürgern mit ihren Familien versammelt, die mit der Rolle der Zaungäste umso zu- friedener sein konnten, als zwischen der genannten Restauration und dem Festplatze eine lebhafte Kommunikation stattsand. Der große Saal in dem Leib'schen Etablissement war zeitweise überfülltz wohl vorwiegend aus dem Grunde, weil es hier etwas Warmes zu essen und zu — trinken gab. Und das letztere tonnten alle diejenigen gebrauchen, die nicht tanzten, oder denen eine lange Promenade zu anstrengend mar. Mit eintretend er Dunkelheit flammte überall das elektrische Bogenlicht auf, aber es verschwand beinahe gegen die zahllosen Lampions, die über allen Tischen in langen dichten Rechen hingen oder, in den Gängen des Festplatzes herumgetragen wurden. Das Bild, das sich dem Beobachter nach 10 Uhr abends hier entrollte, war überaus malerisch. Der Festplatz, angefüllt mit der wogenden Menge, erleuchtet von unzähligen Lampions und dem eigentümlich milden Licht d.er Bogenlampen, die Umgebung durch hohe Bäume, den ganzen schweigenden Wald ein prächtiges Motiv für. einen Maler. Auch außerhalb Gießens 1)011 en Freunde unserer Stadt det heutigen Fecer gedacht. So sandten die Städte Marburg und Trarbach Begrüßungstelegramme. Vom Finanzminister Dr. Gnauth war folgendes Telegramm eingegangen : „Herrn Bürgermeister Mecum, Gießen. Durch die landständischen Verhandlungen hier zurückgehalten, kann ich zu meinem lebhaften Bedauern nur auf diesem Wege die Stadt und Universität beglückwünschen zu der heutigen Feier und ihrer hocherfreulichen Veranlaffung. Finanzminister Dr. Gnauth." Es war selbstverständlich, daß bei der gestrigen Feier auch des Kaisers und des Großherzogs gedacht wurde. Folgende Telegramme wurden an beide Fürsten abgesandt: An Se. Majestät den Kaiser, Kiel. Eurer Majestät geloben die zur Feier der Immatrikulation des 1000. Studenten an hiesiger Universllät versammelten 2500 Bürger der Universität und der Stadt Gießen in dankbarem Gedenken Eurer Majestät unausgesetzter Fürsorge für das Wohl des deutschen Volkes unwandelbare Treue und Anhänglichkeit. Im Auftrage: Mecum, Bürgeruieister. An Se. Königliche Hoheit den Großherzog, Darmstadt. Dem Rector magnificentissimus senden die zur Feier der Jmrna- trllulation des 1000. Studenten an der Ludoviciana versammelten 2500 Bürger der Universität und der Stadt Gießen in ehrfurchtsvollem Danke für Eurer Königlichen Hohell unausgesetzte Fürfor^-. um das Wohl unserer Ludoviciana ein jubelndes Hoch. Im Auftrage: * Mecum, Bürgermeister. Aus Darmstadt ist heute folgende Antwortdcpesche eingetroffen: Herrn Bürgermeister Mecum, Gießen. Se. Königliche Hohell dcr G r o ß h e r z o g lassen ber zur Feier der Immatrikulation des 1000. Studenten gestern stattgehabten Festversammlung für aufmerksame Begrüßung bestens danken und wünschen der alma Ludoviciana auch für die Zukunft von Herzen bestes Gedeihen. vt Ä Römheld, Geh. Kabinetsrat. V * • Die Freude über die Feier der 1000. Immatrikulation brachte auch das Gas- und Wasserwerk zum Ausdruck. Im Garten des Werkes an der Gartenftraße erstrahlte am Abend ein mächtiger, das Gießener Stadtwappen mit der Zahl 1000 darstellender, in Hunderten von Flämmchen erstrahlender Gaskörper, der allgemein Beifall erregte. Den Schluß der offiziellen Feier bildete dcr kurz nach 11 Uhr vom Walde über den Exerzierplatz, die Grünberger- K nach dem Ludwigsplatz sich bewegende Lampionzug, t Länge und Zahl der Teilnehmer den Rachmittags- sestzug übertraf. Es mochten 12—1300 Lampionträger an dem Heimzuge teilgenommcn haben; wie wir erfahren, hat die Firma Carl Bourgeois, die den Alleinverkauf der Papierlaternen im Walde hatte, ca. 1900 Stück verkauft. Wie das Fest zu Ende ging? Wer kann das sagen! Für jeden natürlich anders. „Die Ritter von der Gemütlichkeit" weilten im Walde bei würdiger Tafelrunde ^wohl vuxra öc’ apßpoai^, bis zum ersten Male heute früh "Ax-cic aeXiou die Erde lüßte. Manches ionisches Kneiplied in mol wird noch angestimmt worden sein beim Leben spendenden germanischen Göttertranke St. Gambrim, als andere schon längst in ihr Quartier geschwankt waren, ebenso weise und glücklich wie weiland Penelopeias Freier nach köstlichem Gelage und — nüchtern wie Sokrates in Platos berühmtestem Dialog. Heute ist nun wieder der ganze FesteSzauber gebrochen und graue, allzu graue Alltäglichkell um uns her. Unvergänglich aber bleibt die Erinnerung an dieses Fest, mll dem die Universllätsstadt Gießen ihr zellendurchdauerndes Denknull errichtete chrem tausendsten Studenten. Kolonialpost. Das Schicksal der. Mörder von Frau Wolff. Aus Her- bertshöhe wird der „Weltkorr." geschrieben: Ein Gefühl allgemeiner Befriedigung macht sich unter den Ansiedlern in hiesiger Umgebung bemerkbar darüber, daß die Mörfder der vor etwa sechs Wochen in Paparatawa, am Fuße des Berges Varzin, Gazellenhalbinsel, erschlagenen deutschen Dame, Frau Wolff, endlich ihre gerechte Strafe und zwar auf folgende Weise gefunden haben: Sell dem bedauernswerten Vorfälle war die Paparatawalandschaft nebst den angrenzenden Gebieten mll Krieg überzogen, teils, well die Bewohner Helfershelfer bei der Ausführung der Unthat gewesen waren, teils, weil sie den Unmenschen Schlupf gewährten. Dadurch wurden diese immer .ckge- trieben und suchten bei einem ihnen [eyj; 9Q8 u me. y< * UL, «?»> >• * mesrat. alion des X) Bürger Gedenken -deutschw ibt irJmna« immeüen hriurchts- Station iienunt Grunde, e° gab. A, die zu an» E über» ud bei« Aschen M des ich dem iberaus »genden dem igebung i Stobt Mar. Km Final ein» r zur Feier, iblrn Fe,l- infin und on Herzen iauth.' n Feier gedacht Fürsten :eibier, ) ebet> Een hießen, galten, Liege die feier und ■ aeblüchen c llnoer* 'mit dem J LeDal Nlünrq die hoch, gleich die 1 und 1 auf di! 'erden teren; dafür 1 auf. enom- ronte. ltenen > auch uernb, tiefere .®ys LiK 16^ W ukulation nid 2m 11) [Ü am i nut der nichen er» regle, tur; nach unbrrger- irpionzng/ hmittags- trägic an erfahren, rfauf der erkanfl. >as pgen. Icmetiich' nde "Ohl ruh D m von spendenden bete *" weise köslllchkM z berühr in der beiwohnen. Telephonischer Kursbericht« Iruukiurt ». 31., 3. Juli -Anl. 4>/?% äussere Argentiner 4800 । Bäoskopf’s I Trauben-Senf mit der Traube. ^m»H,H^Tunk ihm, H-ttl-r feine® «tun. Hs« dr- Nawr des L-id-ns s-lE bauten senden solle, sonst werde er ihn össentl.ch zuch° Oheims erfuhr, habe -r bm ober Mer ber ^‘^en Jt- tiqen». Der Stabt». Funk wollte dl- Sache m der letzten licheil Mutorttaten m Deutschland ;u I'A. derusen u 0 o Sitzung der Versammlung zur Sprache tagen, allem Herr Jall ausführltch ta chuen besprochen. Str ärebena «ttes sind . 29L0 111’80 , 44.00 4»/. Italien. Rente 4*/a% Portugiesen ö°/ Portugiesen. . 1% C. Türken . Türkenlose . . . 4% Gnech. Monopol 372% 3°/o 37,°/° 3°/o 372% Jedes Glas von Moskopf’s extrafein. Tafelsenf, rheinischer Delikatess-Senf, superfein. Tafelsenf, trägt auf Kapsel od. Deckel diese eingetragene Schutzmarke. Jedes Original-Gefäss (Fass, Kübel, Bütte, emaillierte Eimer etc.) trägt diese eingetragene Schutzmarke. . 102.05 . 92.75 . 102.20 . 92.45 . 94.00 . 99.35 . 102.95 101.75 . 101.80 . 103.10 . 47.15 hat viele Glückwünsche von hervorragenden Aerzten ans. allen Teilen der Welt erhalten. Paris, 3. Juli. Gestern abend brach eine Feuers brunst in der Wohnung des Grafen Potocki aus. DaL Feuer entstand im kleinen Salon. Ehe die Feuerwehr erschien, waren bereits mehrere kostbare Gemälde und wertvolle Gobelins zerstört. Auch ein ,Aembrandt" ist ver- Hettler entfernte sich, ehe es dazu kam. Nun hat Stadtv. Funk die Sache der Staatsanwaltschaft zur weiteren Kirchliche Nachrichten. Gottesdienst der israelitischen Keligionsgesrllschast. Sabbathfeier am 5. Juli 1902. Freitag abend 80u. Samstag vormittag 8°°. Predigt. Nachmittag 4. Sabbathausgang 986. Wochengottesdiensl: morgens 68° Uhr, abends 7 Uhr. Aus MdI und Kund. Gießen, 3. Juli 1902. L,U. Von derLandesuniversität. Die juristische Fakultät hat dem Staatsminister Karl Rothe ehrenhalber den Doktortitel verliehen und durch ihren Dekan überreichen lassen. Das Elogium hat folgenden Wortlaut: J VIBO EXCELLEN TISSIMO CAROLO ROTHE MAGNI DVCIS HASSIAE ET AD RHENVM MINISTRO ORDINUM SVMMORVM EQVITI PRAEblDI OVIPATRIAM NOSTRAM HASSlACAMINDEFEbSOLADORE "RONIS AVCTIBUS AVXIT PER MVETOS ANNOS HODIEAVGET INTER OMNES MAGISTRATUSIPSEPRIMVS PEINCIPIS N OSTRI CONS1LIARIVS 1NSIGNIS TOTIVb PRIN01Plb^UbTis CONSVL PkVDENTISS1MVS rrrrr -r.ET PVBLICAE INSTITVTA EXST R V EN DA ET RE- FOBMANDA LEGES ET PVBLICAS ET ClVn.ES FERENDAS IPSE ANIMO LIBERALI CVRAVIT TNGENVARVM ART1VM PATRONO INTEGERRIMO QVI LVDOVICIANAM VNIVERSITATEM IN DIES MAGIS EFELORESCENTEM OMNI OPE ATQVE OPERA AMPLLFICAVIT ET ILLVS- STRAVIT ACADEMIAE NOSTRAE DIE NATALI SÜMKOS LOCTORIS VTR1VSQVE 1VR1S HONORES AC PRIVILEGIA HONORIS CAUSA ADSIGNAVIT Nebe, Toirneyabsiihr, Rodheimerftratze 6. 4* 2% Oesterr. Silberrente 4% Ungar. Goldrente . Reichsanleihe do. Konsole . do . . Hessen Oberhessen 1902. . 26.30 . 90.95 . 105.00 213*40 . 185.20 . 137.10 . 145.00 . 156.40 . 150.60 . 16.90 . 167.50 . 200.50 * 170*95 Streik eingetreten. Belgrad, 3. Juli. Es verlautet, das s er buche Königspaar werde Ende September am russischen Hoie empfangen werden. Die offizielle Mitteilung aus Petersburg soll bereits der serbischen Regierung zuge- ^utareft, 3. Juli. Wegen des Ausbruchs der Pest in Konstantinopel wurde in Sulima eine zehntägige Quarantäne eingesührt und die Häsen von Constanza und Man- galia für Provenienzen aus Konstantinopel gesperrt. Art. 3, Wahlpflicht betreffend). Stuttgart, 3. Juli. Von der Kammer wurde der Gesetzentwurf betr. die Kapitalsteuer, und zwar die Grund- und Gebäudesteuer angenommen. — Der Inhaber eines Bank- und Kolonialgeschäftes, Bräuning, wurde wegen Unterschlagung von Depots verhaftet. Mißglückte Differenzgcschäfte sollen den Verhafteten zu den Unterschlagungen veranlaßt haben. Geschädigt find vvrwie- 3% Mexikaner . . 4%7q Chinesen . «, Electric. Schuckert . Nordd. Lloyd . . Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatebahn . Lombarden « • » Gotthardbahn . . . Lauratiütte .... Bochum . . . . . Harpener .... Tendenz: fest. Darmstadt erteilt worden. , . r ' **DerGeometer Sch opb ach m Butzb ach wurde mit Wirkung vom L August an als Kreisgeometer nach Friedberg versetzt. — Vorgestern wurde der neue Hauptlehrer der Gewerbeschule rn Bensheim, Architekt Eisen- hardt aus Friedberg, in seinen Dienst emgewieseii. *♦ Besitzwechsel. Das kürzlich von Bauunternehmer H. Winn erworbene Leo'sche Anwesen, »Leltersweg 73, ging für 40 000 Mk. an Metzgermcister Schreiner über. Wie wir hören, wird Herr Schreiner dort ein modern eingerichtetes Geschäftshaus für seine Zwecke errichten. —t— Mainz, 2. Juli. Zu der Mitteilung, daß der Kaiser am 22. August zur Truppenschau und zur Besichtigung der neuen militärischen Gebäude hierherkommen werde, ist zu bemerken, daß bei den hiesigen Militär- wie Zivilbehörden bis zur Stunde hiervon nichts bekannt ich Die Nachricht erscheint deshalb wenig glaubwürdig. Frankfurt a. M„ 2. Juli. Bei der letzten Stadtverordnetenwahl kam u. a. auch Herr I H. Hettler in unser Stadtparlament, -in bejahrter Herr von ziemlich viel Temperament, der es alsbald zuwege brachte, sowohl ,n der Versammlung als auch durch prwate Druchchristen rc. die Lacher auf seine Seite zu bringen. Bei der Präsentation eines neuen Oberbürgermeisters agitierte er in Wort und Schrift heftig gegen die Wiederwahl des Oberbürgermeisters Dr Adick-s und in der betreffenden geheimen Sitzung der Stadtverordneten sprach er ebenfalls in sehr aggressiver Weise gegen den Oberbürgermeister. Stadtv. Funt lieg damals em Wort fallen von .nicht ernst nehmen- was Herrn tzettler alsbald so in Harnisch brachte, daß er sich hmsetzte und dem Herrn Funk einen Schreibebries zusandte, der u, a. s ch w e r e Beleidigungen enthielt. Von Herrn Hettler ist man ja gewohnt daß er einem derben Worte nicht abgeneigt ist, allein daß er einen verdienstvollen Stadtverordneten und Kollegen einen „Kaffem" nannte,~ das ging dein Angegriffenen doch über die Schnur am Hute, ferner stand noch ■ s.__Rav, «hettler. seine L>ekun- 31/2% 4% Oesterr. Goldretne Limbura a. d. L., 2. Juli. Fruchtmarkt. Durchschnittspreise pr. Malter. Roter Weizen 14-^ Mk., Weißer Weizen )0.00 Mk., Korn 11.82 Mk., Gerste 0.00 Mk., Hafer 8.89 Mk., Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Mk._______ Vermischtes. * Han au, 2. Juli. Bei einem Gewitter im Fuldathal wurde heute ein auf dem Felde beschäftigter Mann aus Reulbach durch einen Blitzschlag 9tötet. * E s s e n a. d. R., 2. Juli. Aus der Zeche Graf Beust wurde ein Bergmann getötet, ein zweiter tätlich verletzt. * Heidelberg, 2. Juli. Der heute mittag i/212 Uhr nach Karlsruhe abgehende Gü t e r z u g fuhr versehentlich auf ein totes Geleise. Als der Führer das Versehen bemerkte, nab er sofort Kontredampf, wobei Maschine und Aender aus dem Geleise geworfen wurden und sich in den Erdboden eingruben. 10 Wagen wurden total zertrümmert. Verletzt wurde niemand, doch ist der Materialschaden sehr bedeutend __ Madrid, 3. Juli. Der Minister des Aeußern wurde ermächtigt, den Handelsvertrag mit den Ver, einigten (Staaten jn unterzeichnen. Der Vertrag wird alsdann nach Washington gesandt, wo er dem Senat $ux. Genehmigung vorgelegt wird. . Rom, 3. Juli. Der „Tribuna" zufolge begiebt sich der König in Begleitung des Ministers des Aeußern am 2. Juli über Berlin nach Petersburg, wo er am 13. Juli ein» trifft. Dort bleibt er drei Tage und kehrt dann direkt nach Italien zurück. Die Königin begleitet den König nicht, weil ihr Zustand verlangt, daß man sie nicht den Anstrengungen der vielen Empfänge aussetze. Ein Mitarbeiter des Blattes „Italia" hatte eine Unterredung mit einem hohen russischen Diplomaten, der diese Angaben bestätigte und hinzu» fügte, das Programm der Festlichkeiten sei noch nicht festgestellt; dasselbe werde u. a. eine Parade in Zarskoje Sselo und eine Galavorstellung im kaiserlichen Theater enthalten. Der Zeitpunkt, wann der Kaiser von Rußland den Besuch in Rom erwidern werde, wo er übrigens noch niemals gewesen ist, könne man noch nicht genau bestimmen. Der Diplomat bemerkte ferner, dem König werde in Rußland ein geradezu begeisterter Empfang bereitet werden. Judenburg, 3. Juli. Ueber die Stadt und die Um» gebung ging ein entsetzliches Unwetter nieder. Große Regenmassen setzten die ganze Stadt in wenigen Minuten unter Wasser. Viele Häuser sind eingestürzt, zahlreiche Brücken wurden weggerissen. In der Umgebung der Stadt wurde ein Bauernhaus samt den Bewohnern, bestehend aus dem Ehepaar und einem Kinde, vom Wildbach wegge- chwemmt. Der Bauer konnte sich retten. Weiter sind mehrere Sägearbeiter ertrunken und eine auf dem Felde arbeitende Frau wurde vom Blitz erschlagen. G r a z, 3. Juli. Ein W o l ke n b r u ch mit Hagel richtete in Ober- und Mittel-Steiermark enormen Schaden an. Die ganze Fechsung ging zu Grunde. Die abstürzenden Gebirgsbäche trugen das Erdreich weg, zahlreiche Brucken wurden ro e g ge r i M e n und die Gebirgswege vernichtet. In Trofaiach mußten die Leute aus den Berg flüchten und Zferdeund Wagen den Fluten überlassen. Laibach, 3. Juli. Die Arbeiter am Karawanken- Tunnel sowie die Steinbrucharbeiter von Bischpvlack und die Streckenarbeiter beim Wocheiner Bahnbau sind in deu TmmbM. Mache die Hausbesitzer nochmals darauf auf- mcrkfam, daß die Tonnen rechtzeitig bestellt werden müssen. Ohne vorherige Bestellungen werden dieselben nicht mehr abgefahren. Bestellungen werden nur Rodheimerstraße ft entgegeugenommen. qend kleine Leute. p . _ München, 3. Juli. Im Finanzausschuß der Kammer ist die Forderung von 10000 Mark zu Vorarbeiten für eine technische Hochschule in Nürnberg bmd) ba§ Zentrum gegen die Stimmen der übrigen Parteien abge - lehnt worden. Motiviert wurde die Ablehnung dadurch, daß die Finanzlage gegenwärtig zu ungünstig für em Millionenprojckt sei, und daß es noch fraglichsei, ob mcht auch Würzburg für die Errichtung einer technischen Hochschule in Betracht zu ziehen sei. .. London, 3. Juli. Nach Telegrammen aus P r e t o r i a nimmt das Land wieder fein früheres Ans, ehen an, nach, dem der Belagerungszustand aufgehoben ist. Man kann jetzt die Stadt ohne behördliche Genehmigung betreten und verlassen. Die Eisenbahn wurde wieder unlerZwil-Ver- waltung (gestellt. — Das Kriegsamt veröffentlicht eine Verlustliste welcbe zwei Tote, drei Verwundete uno einen Ver- mWn'nmsa^^^Lan weiß nicht, ob diese Verluste vvn einem Kampfe berrühren und wo dieser eventuell ftatt- StÄ «It - Der Pariser Korrespondent de« Mmes" glaubt mttteilen zu können, daß der Kün.g von Königs Eduard geneftn^ ift Xi diese/G-^enhett dürste laßt des Königs Eduard. Er sprach nut toarrnfter Uner» Ä v° . den englischen Aerzten, W* " Ä Verfolgung übergeben. „ Cronbeg,2. Juli. Wie verlautet, findet am o. August eineGedächtnisfeier fürdie Kaiserin Friedrich hiesigen evangelischen Stadtkirche statt, die gesamte kaiserliche Familie wird daran teilnehmen. Das Kronprinzenpaar von Griechenland trifft in den nächsten Tagen hier ein, und wird einige Tage auf FriedrichIos verweilen, dann aber mit den Kindern vier Wochen m Bad Langenschwalbach Aufenthalt nehmen. Prmz und Prinzessin Friedrich Carl von Hessen reisen Ende btejer Woche nach Kiel und kehren Ende Juli nach Friedrichshof zuruck. Homburg v. d. H., 2. Juli. Die kaiserliche Familie wird vom 16. bis 24. August un hiesigen Schlosse Wohnung nehmen. Der Kaiser wird während dieser Zeit der Denkmalsenthüllung für Kaiser Friedrich in Cronberg Dieser vorzügliche rheinische Taielsenf ist za haben in den meisten einschlägigen Engros- und Detail-Geschäften. Verkauf nur an Wiederverkäufen 4ttoö TN FIDEM REI GESTAE GISSAE DIE I MEN SIS IVLII MDCCCCII SVB SIGILLO ACADEMIAE MAIORE deutscher Uebersetzung: „Dem höchst ausgezeichneten Karl Rothe, Tlimftec des Großherzoas von Hessen und bei Rhein, Ritter höchster Orden und Präsidenten, der miserem hessischen Lande viele Jahre hindurch ein unermüdlicher Mehrer war und noch ist, der erste seiner Beamten unseres pursten oberster Ratgeber, des Staates weiser Berater, der mit lluaem Sinn des Staates Einrichtungen und Ge|etze auszugestalten und zu verbessern Sorge getragen hat, der edlen Künste unentwegter Förderer, der den Ruhm der Ludwigs-Universität, die von Tag zu Tag mehr ausblüht, nut allen Kosten zu erhöhen ttachtet, am G e b u rt s t a g e u n s e r e r H o ch s ch u l die höchsten Würden und Privilegien honoris causa zuge,prochen. z. Jveö.) •* Der Charakter als Professor ist den Oberlehrern Jakob May am Gymnasinm zu Bensheim, Dr. Otto Seipp am Gymnasium und der Realschule zu Worms, Dr. Philipp Brückel an der Oberrealschule zu Darmstadt und Dr. Rudolf Becker am Ludwig-Georgs-Gymnasium zu den Dcmlils, welche die Landschp-ften hinter dem Varzm bewohnen, Zuflucht. Nun tarn vor etwa 14 Tagen die Kunde, 4>aß die Taulils mehrere Paparatawaleute, darunter cmch> die eigentlichen Mörder Tomanmaduk und dessen Bruder, Löhne des Hauptanstifters Tokilang, erschlagen und auf gezehrt hätten. Anfänglich glaubte man annehmen müssen, daß die Nachricht ihrer Ermordung nur eine faUche Ausstreuung seitens der Paparatawaleute sei, um He Regierung zur Einstellung der Streifzuge der Schntz- truppe zu bewegen. Assessor Wolfs, der Kai,erliche Bezirks- cichter, begab sich daraus mit einer Tnchpe von Polizei- soldaten nach der Taulillandsch^st und überraschte die Menschensresser beim Schm aus e, zubereitet au^ den Leibern der Mörder-Brüder und ihr er ^Gen o st en. ^Es herrscht also kein Zweisel mehr über ihr klägliches Schicksal. Am 2. Mai gelang es sodann, Tokilang, ihren Vater, die Seele der Unternehmung, zu e r s ch i eß en, unb। Jein en Kops, aus den ein ziemlich hoher Preis crusgesetzt w trotz seiner Zaubermittel, die er gegen die Gewehrtause schleuderte von einer Mauserkugel durchbohrt. Unter großem Triumphgeschrei brachten die Buta-Polizei-Jungen sein Haupt an die Küste, wo es der Regierungsarzt Dr. Wendt- lcmd in Spiritus legte. Man sahndet jetzt noch nach einem .weiten Unruhestifter Namens Towagira, der verschiedenes Luf dem Kerbholz hat, aber bisher immer m den midurch- b rin glich en Urwald entkam. Die Stra,expedition hat wohl Mevr als 100 Eingeborenen das Leben gekostet, und es werden wahrscheinlich noch manche mehr an den Folgen von junger und Obdachlosigkeit wahrend starker Regenfälle umkommen. Es ist zu hossen, daß mpolge energischen und anhaltenden Einschreitens der Behörden ein nachhaltiger Eindruck aus die wilden Gemüter gemacht wurde, und daß die Wiederkehr einer Greuelthat, wie die kürzlich berichtete, sür eine lange Zeit ausgeschlossen ist. Handel und Nerkehr. Uolkswirrschast — Frankfurter Börse. Die heutige Börse nahm wieder einen stillen Verlauf, doch konnte die Tendenz als fest bezeichnet werden. Die auswärtigen Plätze botew wenig Unregung, die festere Stimmung stützte sich lediglich am den billigm Geldstand und bessere Berichte der Industrie. Tie kanalfreundliche Rede des neuen Ministers Budde, bessere Berichte aus den beiden großen Jndustriebezirken, wonach die Hutten besser beschäftigt sein sollen, erner daß Nachfrage für Eiseiifabrikate vorhanden ist, alle diese Umstände wirkteii auf die Gesamtstlmmung. Kohl^i- und Eifenpapiere ansehnlich höher. DeMsche p-onds schwach. Von Bankaktien waren Deutsche Bank gefragt, und glaubt man die Nachfrage für dieses Papier mit einem Er,olg der bosnischen Anleihe, die am Samstag aufgelegt wird, ferner em größeres amerikanisches Geschäft, das großen Nutzen abwerfen W, n Zusammenhang bringen zu dürfen. Lombarden schwach, Staatsbahn fest. Argentinier, Spanier, Serben und besonders Portugiesen fest. Elektrizitätswerk Lahmeyer 4 Proz. niedriger. - Am Samstag findet die Zeichnung auf 7o Millionen Kronen steuerfreie4'/.proz. Bosnisch-Herzegoviuische Ei eubahu-Landes- Auleihe verstärkte Verlosung bis zum 1. April 1913 ausgeschlossen ä 100 Proz. statt. Markte. Uenelte Meldungen. Originaldrahtmeldungeu des Gießener Anzeigers. Darmstadt, 3. Juli. (Zweite Kammer) Abg. Haas-Darmstadt hat einen neuen Antrag als Artikel 3 eingebracht, der die Bildung von drei neuen Kreisen bezw. drei neuen Abgeordneten vorsieht. Nach einer längeren Debatte, in der mehrfach die formelle^ Richtigkeit des Antrages angezweifelt wird, zieht Abg. Haas semen Antrag zurück. Art. 5 wird angenommen. Bei Art. ch der zweijährigen Wohnsitz verlangt, wird die ursprüngliche Regierungsvorlage wieder hergejtellt und angenommen. Artikel 7 8, 8a, und 9 werden ebenfalls angenommen. > Darmftadt, 3. Juli. Die Wahlrechtsvorlage wurde mit 33 gegen 3 Stimmen angenommen (außer AA Anm’VrO GEMÜtf-u.WWT- M öiv W|tvu. 11., Schillerstraße 2. Bett. Der Rektor der Landes-Universität «875 Dr. A. Hansen. Dck.: Gießener FischbörseW T°leph°n Nr. 50. Marktplatz 5. Telephon Nr. 50. S i Betr.: zu vermieten. 4815 M Wagengasse S. Äeti per Pfund 12 Pfg. 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