\ Donnerstag 3. Juli 1008 ISS. Jahrgang Erstes Blatt. i k l nicht ernst meinten, müsse er entschieden Verwahrung ein- kS ♦ V V i i i v ►< Grund erblicken kann. Es wird zuerst mit der Beratung des Artikels 4 begonnen, der bei den Wahlen zum Landtag die direkte Wahl mit geheimer Abstimmung vorsieht und bei der ersten Lesung mit 40 gegen 5 Stimmen angenommen wor- lehnung der Vorlage erblicke er einen großen Fehler, und man solle deshalb der Vorlage zustim->.en und so bei einem eventuellen Scheitern der Vorlage die Verantwortung dem Hessischer Landtag. Zweite Hessische StändeLammer. 123. Sitzung. Darmstadt, 2. Juli. Präsident Haas eröffnet die Sitzung um 9 Uhr 30 Min. Am Regierungstisch: Staatsminister Rothe Exz., Finanzminister Gnauth Exz., Geh. Staatsrat v. Krug, Ministerialräte Dr. Becker und Breidert, Oberregierungsrat Weber, komme. Abg. Graf Oriola (nl.): Gr sei ein aufrichtiger und ehrlicher Freund des direlten Wahlrechts und stehe in dieser Beziehung ganz auf dem Standpunkte des Abgeordneten Gutfleisch. An der Vermehrung der städtischen Abgeordneten werde er die» Vorlage nicht scheitern lassen, indes hätte er es lieber gesehen, wenn durch ein besonderes Gesetz eine anderweitige Einteilung der Wahlkreise herbei- gesührt werden würde. Auch für den Eventualantrag Wolf werde er stimmen trotz gewisser Bedenken. Werde letzterer abgelehnt, dann werde er sich für die Fassung der Regierungsvorlage entscheiden. Dem Volke sotle man unter allen Umsränden das direkte Wahlrecht, das es schon lange wünsche, geben. Abg. David (Soz.) glaubt, daß die erste Kammer sich freuen werde, wenn die zweite Kammer solche Disscnzen in die Vorlage bringe, denn dann könne sie mit Recht lagen, sie hätte dem Volke das direkte Wahlrecht geben wollen, aber die zweite Kammer habe es nicht ernstlich gewünscht. Die Nationalliberalen seien teils offene, teils geheime Feinde der Vorlage, die unter chren Reihen nur fünf Freunde zähle. Ein Scheitern der jetzigen Vorlage bedeute nur ein Aufschieben auf einige Zeit. Es folgen eine ganze Reihe von persönlichen Bemerkungen, bei denen namentlich die Abgg. Jöckel und David sich erhitzen. Sodann wird zur Abstimmung geschritten. Der Artikel 1, wonach der Landtag aus zwei Kammern besteht, wird angenommen. Artikel 2 handelt von der Zusammensetzung der ersten Kammer. Bei der ersten Lesung war die Position 9, wonach der Großherzog das Recht haben soll, 12 ausgezeichnete Staatsoürger auf Lebenszeit in die erste Kammer zu berufen, genrichen worden, ebenso die Position 10, nach der drei städtische Bürgermeister für die Dauer des Landtags in die erste Kammer berufen werden können. Bei der Abftimmung über den Artikel 2 wird diese Position 9 dem Gesetzewiederein- gefügt, dagegen bleibt es hinsichtlich der Position 10 beider in der ersten Lesungbeschlos. jenen Streichung derselben. Es folgt Artikel 3, der die Zusammensetzung der zweiten Kammer regelt, undalsNeuerungeineLer- mehrung der städtischen Abgeordneten um fünf vorsieht. Hierzu liegen zwei Anträge vor: Abg. Wolf st elltdenAn trag,nurdrei städtische Vertreter mehr zu bewilligen. (Darmstadt, Mainz und Offenbach je einen, dagegen Gießen und Worms nicht.) Abg. Korell beantragt, überhaupt keine Vermehrung der städtischen Abgeordneten vorzunehmen, und es bei der seitherigen Zusammensetzung der Kammer zu belassen. Beider erstenLesung fand eine Streichung des ganzen Artikels 3 statt. Dieser Strich wird wieder aufgehoben. Alsdann folgt namentliche Abpinunung. Der Antrag Korell wird mit 24 gegen Stimmen abgelehnt. Der Kompromißantrag Wolf wird ebenfalls mit großer Majorität abgelehnt. Sodann wird überdie Regierungsvorlage a6 g e |i imni t hinsichtlich des Artikels 3. Für den Artikel stimmen 27 Abgeordnete, dagegen 'Nr. 153 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siegener Zamllien- biätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag b-.. Brüh l'sche- Univers. Buch-u.Stei. druckerer (Pietsch Erben) DxebafuL.. Expedition inu Druckerei: Gchulstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Htrnsprechanschluß Nr. 51. GietzenerAnzeiger M General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Bezugspreis: monatlich 75 Ps., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch diePost Dik. 2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für bie Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenprets: lokal 12Pf* auswärts 20 Psg. Verantwortlich: für den polit. u. allgem. Teil: P. Wittko; für EStadt und Land" und „Gerichtssaal": Curt Plato; sür den Anzeigenteil: Hans Beck. legen. Abg. v. Brentano (Zentr.): Auch er sei der Meinung, daß es mehr als fünf Gegner der Vorlage gebe; neben den offenen Gegnern seien zweifellos auch geheime vorhanden. Bei vielen beruhe dies auf einem Mangel an politischer Reife; auch bei dem Abg. Schönberger sei dies der Fall. (Der Präsident rügt diesen Ausdruck.) Der ersten Kammer dürfe man keine Veranlassung geben, sagen zu können, daß die zweite Kammer selbst sich über die Vorlage noch nicht im Klaren befinde. Die Regierung meine es mit der Vorlage durchaus ernst und habe alles gethan, was man verlangen könne. Es sei eine große Konzession der Regierung, do>ü ffp harin einaewilliat habe, demnächst die Wahlbezirke aus herausgerechnet, daß durch die verlangten Kautelen die Sozi durch die Vorlage keinerlei Vorteil bekämen. Aber trotzdem werde er alle Lücken des Gesetzes hinabschlucken, damit das direkte Wal)lrecht zur Einführung gelange, denn des Volkes Wille müsse das oberste Gesetz fein. Nachdem diese Frage schon drei Jahrzehnte zur Diskussion stehe, gelte es jetzt, Farbe zu bekennen. Wer gegen die Vermehrung der städtischen Abgeordneten stimme, der sei ein geheimer Bundesgenosse der offenen Gegner der Vorlage. Abg. Jöckel (nl.): Er fei von vornherein davon ausgegangen, daß die Materie zur Zeit noch nicht spruchreif sei; auch der Abgeordnete Gutfleisch habe das Resultat der ersten Lesung als völlig unbrauchbaren Torso hin- gestellt. Deshalb sei er überzeugt, daß unter diesen Umständen der Entwurf zu keinem befriedigenden Abschluß kommen könne. Nach der Erklärung der Regierung bezwecke der Entwurf nur eine Revision des Wahlgesetzes durch Umwandlung des indirekten Wahlrechts in das direkte, das entsprechend ausgebaut werden solle. Die Auslassungen des Abgeordneten David seien hier durchaus unangebracht, und es sei fein Geheimnis im Hause, daß die Sozialdemokraten nur aus dem Grunde scheinbar für das Gesetz seien, weil sie innerlich hofften, daß die erste Kammer dasselbe ablehnen werde. Wenn die ländlichen Abgeordneten wie ein Mann gegen die Vermehrung der städtischen Abgeordneten stimmten, so solle man dies doch mit Achtung entgegennehmen, denn wenn derartige Strömungen mit solcher Intensität hervortrüten, so müßten sie doch im Grunde genommen nicht ohne Berechtigung sein. Aus allem gehe hervor, daß die Materie noch nicht spruchreif seu Der Ausschuß habe über ein ganzes Jahr gebraucht, nicht für die Beratung der Einführung des direkten Wahlrechts, sondern für die Ausgestaltung desselben. Man hätte besser daran gethan, sachlich zu bleiben, als solche Verdächtigungen auszustreuen, wie es der Abg. David gethan habe, und ein altes Sprichwort sage, der Mensch, der schimpfe, habe Unrecht. Man solle die Vorlage als Ganzes ablehnen. Abg. Wolf (fr. w. V.) bedauert das klägliche Abstim- mungsresultat der ersten Lesung. Daß er in seinem Kompromißantrag die Stadt Gießen nicht mit eingeschlossen habe, bedauere er jetzt. Man solle dafür sorgen, daß die Vorlage auf Grund seines 'Kompromißantrags zu stände anderen Hause überlassen. Staatsminister Rothe: Auf die Äußerungen des Abgeordneten Schönberger müsse er ausdrücklich erklären, daß die Regierung jede ihrer Forderungen reiflich erwogen habe; ein Zustandekommen der Vorlage könne nur unter den von der Regierung gemachten Voraussetzungen ermöglicht werden. Abg. Weidner (fr. w. V.): Er stehe nach wie vor nut dem größten Teil seiner politischen Freunde auf dem alten Standpunkte; einer Vermehrung der städtischen Abgeordneten könne er nicht zu stimm en. Heber die veränderte Stellungnahme des Abg. Köhler-Langsdorf müsse er sich wundern. Das frühere Ersuchen cm die Regierung um Einführung des direkten Wahlrechts habe eine Bestimmung enthalten, wonach eine gleichmäßige Verteilung der Wahlkreise herbeigeführt werden solle; statt dessen bringe die Vorlage lediglich eine Vermehrung der städtischen Ab- geordneten. Ueberall sei das Land benachteiligt; es ächze , unter der Arbeiternot, die du.-n den Zug nach den Städten > verursacht sei und durch diesen Zuzug wolle man ste zwingen, den Städten wieder Vorteile zu verschaffen! An dem bestehenden Zustande solle man nichts ändern und nur das direkte Wahlrecht an Stelle des indirekten einführen. Für den Kompromißantrag Wolf, der ihrer Provmzral- hauptstadt Gießen keinen toeüeren Abgeordneten zubillige, und sie also schlechter behandele als die übrigen, würden die oberhessischen Abgeordneten unter keinen Hmständen stimmen. Dann würde er lieber für die Regierungsvorslage sich entscheiden, denn wenn schon, denn schon! Aber man solle diese ungerechte Forderung fallen lassen im Interesse des Zustandekommens der .Vorlage. Abg. Er ck (nl.) glaubt, daß die Sozialdemokraten durch den ist. I Abg. David (Soz.): Wenn die Annahme dieses Artikels 4 auch mit Freuden zu begrüßen sei, so stehe er mit seinen politischen Freunden doch mit einem trockenen und einem nassen Auge der Vorlage gegenüber. Aber wenn auch eine Reihe von Bestimmungen vorhanden seien, die ihnen nicht gefielen, zu denen namentlich die geforderten Cautelen gehörten, so würden sie doch der Vorlage ihre Zustimmung nicht versagen. Denn sei einmal der Rahmen des direkten Wahlrechts geschaffen, so könne man, wenn man diesem funi) am entöl en Grundsatz zu stimme, bei späterer Gelegenheit das Ganze nach ihren Wünschen leichter au3-| bauen. Deshalb würden sie,für die Ausschußanttäge fttm- men. Nachdem die Regierung die Frage einmal mS Rollen gebracht habe, werde der Kampf nicht mehr zur Ruhe kommen. Die Regierung wolle sich auf Aenderungen in der Vorlage nicht einlassen und sage einfach: „Vogel freß oder stirb!" Aber die Zweite Kammer sei em gleichberechtigter Faktor bei der Gesetzgebung genau so rote bie Regierung und die Erste Kammer. Die zweite Lesung werde Klarheit schaffen über die Freunde und Feinde der Vorlage. Daß auch die Regierung zu den letzteren gehöre, wage er nach den seitens der Regierung abgegebenen Erklärungen nicht zu behaupten. Die zweite Kammer dürfe an inneren ~vo. — v.-, ö..-----, .. . u Dissenzen die Vorlage nicht scheitern lassen und müsse ein- $te Haltung bestrebt seien, ihre Mandate zu vermehren, heitliche Beschlüsse fassen, um die Regierung und die erste s2ßenn sie die Heberzeugung anderer achteten, so tonnten Kammer zur Stellungnahme zu veranlassen; im Falle der auch verlangen, daß man auch die ihrige achte. Er Ablehnung der Beschlüsse hätten diese alsdann das Odium wolle nur das richtige Tempo in der Wahlgesetzgebung des Scheiterns der Vorlage auf sich zu nehmen. >zetzt eingehalten wisseti. . . . . werde es sich zeigen, ob |bie 40 Abgeordneten, die für Abg. G u t f l e i s ch (freis.): Es sei jedenfalls eine irrige den Artikel 4 gestimmt hätten, es mit ihrer früheren Ab- Auffassung des Vorredners, trenn er andeute, daß man ftimmunq auch ernst meinten. Hier solle man fern ver-1 im politischen Leben langsam oorangehen solle. Nachdem decktes Spiel treiben, sondern frei und offen heraus seine bie Sache nach allen Seiten hin genügend erörtert worden Meinuna faaen Denn das Ansehen und die Bedeutung des .'ei, könne man nicht mehr behaupten, datz der Entwurf Dauses werde herabgesetzt, wenn man draußen un Lande Ereilt sei. Es habe ihm nicht gefallen, daß man die erfahre daß hier eine Komödie gespielt werde. An der erste Kammer für das eventuelle Scheitern der Vorlage ver- Wahlvflicht und an der Opposition gegen die Vermehrung antwortlich machen wolle. Mit tefer Betrübnis musst man städtischen Abgeordneten dürfe man die Vorlage nicht sehen, daß das Haus bei der erten Lesung einen solchen scheitern lassen und wer die direkte Wahl ernstlich wolle, Torso abgeliefert habe, in dem sogar die zweite Kammer der dürfe dies nicht zum Motto nehmen, um gegen den überhaupt verschwunden sei, und ui dem dem Großherzog Mtourf au stimmen Die Wahlpflicht werde mit der Zett das Recht genommen werde, ausgezeichnete Staatsbürger in sowieso kommen deshalb sei es nicht durchaus notig, daß die erste jammer.zu berufen. ü>enn man dieies im Lande sie schon jetzt eingeführt werde; die Regierung werde sich draußen erfahren werde, dann verde em solches klägliches wohl später barcmf einlassen. Aus diesen Erwägungen Resultat nur Spott und Hohn ernten. Er sei der festen He6ci> h^s^ollten dtt Freunde des direkten Wahlrechts keine zeugung, daß die erste Kammer die Vorlage annehmen Lnbitü) i ne «ua mauert, sonst müsse man sie als Lerde, >lls den Emwurs von -er feiten Stammet mit heimliche Geaner der Vorlage betrachten. Werde man die! Freuden und Jauchzen wäre anzenommen worden. Aber der Vm:mehrung der städtischen Abgeordnetenf£enn hier jeder seine Sonderwinfche habe dann könne nhTphnpn9 fo lade man den Vorwurf auf sich, daß man die erste Kammer mit Recht fazen: Nicht das Volk rStoe Wta« zu Staatsbürgern zweiter Klasse sei noch nicht reis sür d as d er ekt-Wahlrecht, ntrnhhriirfe nnd ihnen die Gleichberechtigung versage, Ihre sondern die zwerte Kammer! Der Vorwuri werde mürten He rurüdMen, damit man ihnen später Zunächst fallen aus die fünf Abgwrdneten die gegen das »nrmerfen fänne baü iie es gewesen seien, die die direkte Wahlrecht seien; darunter seien leider auch Stirn- «& aebracfit halten 6®entuetl roerbe er au* Len gegen das geheime Wah recht, ^enn em erfahrener Borlage 5u »all aebrW halten^ n mü Vorbehalt Polititer, wie der Abg, Jockel, sich aus einen solchen Stand- b ^eae8lun^ ber Wahlkreiseinteilung, punkt stelle, bann habe die erste Stemmer allen Grund, der einer anderweitigen Regelung oe MiLschusses zu- Vorlaae nicht Auzusttmmen; einer Vorwurf könne man Seine Partei werde den Anträgen des Ausschusses Erläge nicht^zuzu^m ^i^m-ner nicht machen, stimmen. Qnnnahorf fft w. V.): Das direkte Ferner trügen Schuld an einem evmtuelttn Scheitern der pt tm9hff 4hre qeEäm^)^^ ^CLE)e, werbe er Sartage alle diejenigen, bie gegen die Vermehrung der Wahlrecht, für das er zwölf Jahre ge ^i ) -^ttchen städtischen Abgeordneten stimmten. Dadndrch werde man an dem Widerstand gegen Us Nchstum der Städte nicht hinoern, und wenn seither Abgeordneten nicht scheitern^lasseni ob 0 % länblidie Vertreter 10 städtischen gegenubergeitan- habe, eine solche Hirttanzuhalten, d von vier Fünftel den hätten, so liege doch wahrhaftig kein Anlaß vor, sich des direkten Wahlrechts komme für ben oot ben mehr gesorberten fünf Vertretern zu fürchten, des Volkes zur Gettung Amur 3 städtische Ver- Man solle ihm boch einmal die Falle nennen, in denen Kompromitzantrag Wolf stimmen, der auch für die Stabt bas Land geschädigt habe. Er fei nicht nur ein tretet mehr vor,ehe; allein er wero da er Vertreter ber Stadt, sondern tts ganzen Landes, und eine Vermehrung derselben um Vertreter über- für ihn sei stets der Grundsatz hettst gewesen, daß man etwas nicht fürchte,daß wJ^Eunft. ine ^11^^^ pute^ annehmen solle, wenn auch Schaden enthcttte. wältigt wurden, »^dem durch da r gesichert Die Vorlage werde er annehmen falls man das direkte kammergesetz die Organisation der Oanvw 1 ) 1 91^ Wahlrecht in ihr belasse, denn dieser Fortschrttt sei so sei. v n m{n nicht, daß das direkte groß, daß die Vorlage in mancher Beziehung auch eine Abg. Schönberger (nl.) WM cht . wird; Verschlechterung vertrage. Wahlrecht auf Kosten der LandbevMkerung -L? ^^endig Abg- Hlrtd) (Soz.): Die Kcutelen seien derart, datz eine Vermehrung der „st^dttschen^tz st die die Sttuation des Hauses durch tteses Gesetz nicht besser und nicht im Interesse der Lcuibwi^chVorlage werde, uno die Regierung habe vermutlich schon im Vor- Behauptung des Abg. Davw, oust Ministerialsekretär Weber. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung der Regierungsvorlage, den Gesetzentwurf, ....... . die Landstände betreffend. Idaß^'sie^arin ettigewittigt habe, demnächst die Wahlbezirke Eine Generaldebatte ist nach der Erklärung des Prasi- durch Gesetz statt auf dem Verordnungsweae festzusetzen, denten weder vorgesehen noch üblich bei einer -wetten trotzdem seine politischen Freunde eine Reche von Wün- Lesung eines Gesetzentwurfs. I sch^n wie beispielsweise das Proporttonalwahlrecht nicht ver- Die Schlußabstimmung, d. h. ob das Wahlgesetz als verwirklicht sähen, würden sie doch für die Vorlage stim- Ganzes angenommen oder abgelehnt wird, soll morgen mcn, um des direkten Wahlrechtes willen. In der Ab- stattfinden. ' - - - - -K— —5 Statt der seitherigen Bezeichnung „Stände" und „Land- • stände" wird im Artikel 1 der Ausdruck „Landtag" gesetzt. Dieser Aenderung wird zugestimmt, obwohl Staatsminister Rothe sür eine solche Aenderung, die mit dem Wortlaut der Verfassung im Widerspruch stehe, keinen zwingenden 19. Da die zu einer Berfas^ungsänderungnö- ftifle Zweidrittelmajoritat nicht erreicht ist, .flilt der Artikel 3 als abgelehnt, und aus der Vorlage gestrichen. Hierdurch ist ein Vacuum ^entstanden und der merkwürdige Zustand geschaffen, daß in der Vorlage eine zweite Kammer überhaupt nicht mehr vorhanden ist. Auf die wettere Entwickelung der Din ge Darf man mit Recht gespannt sein. Auf eine Annahme der Vorlage wird unter solchen Um- tzänden wohl kaum zu denken sein. Für den Artikel 3 in der Fassung der Regierungsvorlage stimmten die Abgeordneten: Backes, Berthold, von Brentano, Cramer, David, ©uler, Frenay, Gutfleisch, Haas-Mainz, Horn, Joutz, Kühler-Langsdorf, Molthan, Morneweg, Strack, Graf Oriola, Pennrich, Pitthan, Rau, Schlenger, Schönfeld, Ulrich, Weith, Wolf, Reinhart, Schmitt, Haas-Darmstadt. Dagegen stimmten die Abgeordneten: Bähr, Breimer, Diehl, Erck, Häusel, Heidenreich, Jäckel, Koch, Korell, Lang, Leun, Möllinger, Ohl, Ripper, Schill, Schönberger, Weidner, Zinßer und Brauer. Schluß 2.15 Uhr. Donnerstag 9 Uhr Fortsetzung. Jii - - -............. = Politische Tagesschau. Zum Rücktritt der Würzburger Uuiverfitatsbehördeu. Rektor und Senat der Würzburger Universität haben, wie wir bereits gestern meldeten, ihr Amt niedergelegt und dies dem bayerischen Staatsministerium mitgeteilt. Nur drei Senatsmitglieder, zwei Theologie- und ein katholischer Theologieprofessor, haben diese Erklärung nicht mit unterzeichnet. Ueber die Vorgeschichte sei folgendes berichtet: Die Frage der Berufung des. außerordentlichen Geschichtsprofessors Chroust, der Tscheche von Geburt ist, auf eine ordentliche Professur hatte zunächst zwischen diesem und dem Prof. Brenner eine Controverse heraufbeschworen und schließlich dahin geführt, daß der Senat in einer Eingabe an den Kultusminister von Landmann den Pros. Chroust als einen Ruhestörer bezeichnete. Im Landtage fühlte sich nun Minister von Landmann veranlaßt, in schroffer Weise dem Senate Mangel an Objektivität zum Vorwurf zu machen. So wenig der Ausgang des Streites allgemeines Interesse beanspruchen kann, so wichtig erscheint er in der Gestalt, die er jetzt angenommen hat. W besteht seit Jahren ein stiller, aber erbitterter Kampf zwischen den bayerischen Universitäten, die man als den Hort der Reichsidee bezeichnen kann, und dem höchsten Beamten, der an ihrer Hcktze steht. Die Universitäten haben sich gewöhnt, den Minister nicht als ihren Schützers sondern als ihren jeder freien wissenschaftlichen Entwickelung feindlich gesinnten Gegner anzusehen. Vor wenigen Tagen erst erteilte der Abg. Dr. Casselmann Herrn von Landmann namens der liberalen Partei — und das ist gleichbedeutend mit der Mehrzahl der bayerischen Hochschullehrer — ein solennes Mißtrauensvotum, auf das der Minister nur einige geringschätzige Worte fand. Der Protest des Würzburger Senates bedeutet eine offene Kriegserklärung. Im Lause der Etatsberatungen in der bayerischen Kammer wurde auch von Rednern des Zentrums behauptet, Chroust werde von seinen Würzburger Kollegen nicht befürwortet, weil er Katholik sei und politisch rechts stehe. Von liberaler Seite wurden diese Angaben bestritten. Schließlich nahm der Kultusminister Dr. von Landmann das Wort und führte aus: „Mir liegt ein Bericht des Senates vom 20. Mai vor. Demzufolge ist es inzwischen zu einem Beleidigungsprozesse zwischen Chroust und Förster (einem anderen Würzburger Dozenten) gekommen. Tas Ministerium hat wiederholt den Versuch gemacht, die Sache auszugleichen, der Versuch ist aber mißlungen. Zu diesem Prozeß wünschte Chroust Schriftstücke aus dem Senat ausgehändigt, und als ihm diese verweigert - wurden, nahm er einen Rechtsanwalt zu Hilfe. Darüber war der Senat entrüstet, und am Schluß des genannten Berichtes ist allerdings die Meinung ausgesprochen, daß die Schuld an dieser leidigen Angelegenheit aus Seite Chrousts liege, wenn auch einige Senatsmitglieder die Gereiztheit Chrousts als mildernden Umstand in Betracht zogen. Rach Ansicht des Senates sei durch das Vorgehen Chrousts das Ansehen der Universität geschädigt und ein gedeihliches Zusammenwirken ausgeschlossen. Ich nehme aber an, daß diejer Serratsberichl eine Aenderung ersahren wird, denn dieser Beschluß ist als Ausfluß der Stimmung entstanden, die yervorgerufen wurde, weil Chroust mit einem Rechtsanwalt vorging. Früher hat der Senat Chroust nicht immer Unrecht gegeben, sondern sich wiederholt auf seine Seite gestellt." Auf eine Entgegnung von liberaler Seile wiederholte der Minister, daß der Senatsbeschluß zweifellos von dem beeinflußt gewesen sei, was vorhergegangen war. Er wies den Vorwurf, daß er sich in seiner Beurteilung des Falles durch Rücksichten auf das Zentrum bestimmen lasse, zurück und erklärte schließlich mit dürren Worten: Das Urteil des Senates ist teineswcgs unbefangen. Auf die weitere Entwickelung dieser Angelegenheit kann man gespannt sein. Daß der konfessionelle Friede in Bayern durch Vorgänge dieser Art auf das schwerste bedroht wird, braucht kaum erst gesagt zu werden. Vorläufig hat der Kultusminister Dr. v. Land mann dem Prinzregenten seine Entlassung eingereicht, die jedoch nicht angenommen wurde. Rechts und Links. Die von einem hessischen sozialdemokratischen Blatt gegebene Anregung einer 'Ko alition der gesamten Linken wird hier und da in der liberalen Presse sympathisch ausgenommen. Die große Frage ist nur, wie ist ein solcher gemeinschaftlicher Vormarsch zu ermöglichen. Ohne weiteres muß einleuchten, daß mou mit Wählte»mpromissen der hergebrachten Art nicht weck kommen wird, denn solche Kompromisse gelten nur für die Wahl, nicht aber für die Zeit nach dieser und so würde, wie die liberale „Saaleztg." meint, trotz eines gemeinsamen Vorgehens eine Zusammensetzung des Parlaments nach der Richtung hin, daß der Einfluß der Re ästen aus die Regierung beseitigt oder zum mindesten doch paralysiert werde, kaum erzielt werden. Und doch liegt hierin gerade der Haupterfolg. Die Reichsregierung, so fährt das genannte Blatt fort, muß frergemacht werden von dem unwürdigen parteipolitischen Zwang, in den sie sich hat schlagen lassen, sie soll keine Politik der Rechten, auch keine der Linken treiben, sondern über den Parteien stehen und nur das verfolgen und vertreten, was dem ganzen Lande frommt. Es wäre eine Art politischen Wahnwitzes, zu glauben, die Linke würde jemals in der Sage sein, mit ld.ieser Regierung tine Art liberales Re- flerungssystern aufzurichten, aber die Situation des Grafen Zülow und seiner Kollegen würde ganz wesentlich verbessert werden, wenn er sich im Parlamente Verhältnissen gegenübersähe, die chm gestatten nicht nur, sondern geradezu den Zwang auserlegen, aus Eigenem zu schaffen und für seine Pläne die Unterstützung daher zu nehmen, wo sie sich ihm rietet. Um solche Verhältnisse zu erreichen, müßten, wie rie erwähnte sozialdemokratische Auslassung bemerkt, die rrogrammatischen Endziele der zu einer gemeinsamen Wahloperation berufenen Parteien zunächst beiseite gerückt werden, und wenn das auch gerade in der sozialdemokratischen Partei außerordentlich schwierig sein würde, unter den Liberalen aller Schattierungen, von den Nationalliberalen mitt- eren Schlages bis zu den deutschen Volksparteilern hinüber, tände dem kaum irgend ein Hindernis entgegen, vorausgesetzt, daß überall der Wille zu einer Verständigung vorhanden wäre. Aber gerade bei den Führern scheint die Schwierigkeit zu liegen. Gerade im politischen Leben ist, wie man weiß, die Rivalität nicht gering und der alten Parteischablone begegnet man noch recht häufig. Nicht nur im Parlament, ondern auch in den einzelnen Wahlkreisen kann man die Wahrnehmung machen, daß die Führer der Parteien sich häufig als so eine Art kleiner Monarchen fühlen und sich auf ihr Programm einschwören, statt den veränderten Zeitverhältnissen Konzessionen zu machen und vor allem statt zu viel Parteimann etwas mehr Diplomat zu sein. Diplomatisches Geschick, das ist's, was den Männern, die an der Spitze der Parteien stehen, abgeht, und unserer parlamentarischen Maschinerie jene Schwerfälligkeit verleiht, durch )ie sie sich vor allen anderen Parlamenten in ganz be- onderem Maße auszeichnet. Parteien, die im politischien Leben reüssieren wollen, haben nicht nur ihre programmatischen Ueberlieferungen hochzuhalten, sondern vor allem auch die Stimmung im Votte zu beobachten und dieser Stimmung und Strömung gemäß jene Ueberlieferung zu modernisieren, dürfen sich in ihrem Thun und Handeln nicht allein von dem Buchstaben des Programms leiten lassen, ondern müssen ihre Politik auch von großen Gesichts-- )unkten aus treiben, die über manche programmatischen Bedenken hinweghelfen. Das gilt in ganz besonderem Maße von den freisinnigen Parteien, dann von den Liberalen überhaupt. Konservative und Agrarier haben, wie das erwähnte Hallesche Blatt meint, es kaum sonderlich nötig, ich nach "der Volksstimmung zu ric len, denn ihnen steht in ehr vielen Fällen ein umfangt, her amttichjer Apparat zur Verfügung, der das Seine trjut, um das erstrebte Wahlergebnis herbeizuführen, das Zenttum aber besitzt in der Kirche eine Machst, deren Einfluß auf die Wähler so groß ist, daß Sonderwünsche kaum aufkommen können. Der Liberalismus dagegen ist aus dem Volke hervorgegangen, er eßt mit den Wünschen des Volkes, er sttrbt mit ihnen, und von ihrer Beachtung wird der Erfolg abhängen, den die Liberalen im kommenden Wahlkampf erringen werden. Die Situation scheint z. Z. solchen Erfolgen günstig. Die Zolltarif-Kommission beriet den Abschnitt Waren aus Gespinsten weiter und nahm Pos. 486, geknüpfte Fußbodenteppiche 60 Mark. 487, gewebte Fußbodentepplche, wenn gefärbt, gemustert 30, sonst 12 Mark nach der Vorlage, desgl. 488 rohe Leinen- Taschentücher bis 120 Fäden auf 2 Quadrat-Zentimeter 80, über 120 Fäden auf 2 Quadrat-Zentimeter 110 Mk., einer 489 gebleichte, gefärbte, gemusterte Taschentücher in gleichen Stufen 120 und 140 Mk. nach der Vorlage, ebenso 490, dichte Gewebe für Möbel und Zimmerausstattung 80 Mk. und 491, Sammet, Plüschroh 80 Mk., sonst 110 Mark nach Vorlage an. Auf Antrag Müller-Sagan wird die Anmerkung zu 491, wonach auf andere Weise als durch Pressen gemusterter Sammet und Plüsch einem Zollzuschlag von 20 Mark pro Doppelzentner unterliegen sollte, gestrichen. Die Positionen 492 bis inkl. 498, dichte Gewebe ausFlachs, Hans usw. werden unverändert genehmigt, mit der Ausnahme, daß die Sätze der Position 496, dichte Gewebe aus Jute, roh, nach Antrag Müller-Sagan von 12, 24 und 30 Mark auf 10, 20 und 30 Mark ermäßigt werden. Die von Baudert (Sozialist) beantragte Resolution, den Reichskanzler um Vorschriften zum Schutze der Gesundheit jugendlicher Arbeitskräfte in den Jutespinnereien und Jutewebereien zu ersuchen, wird gegen 8 Stimmen abgelehnt. Die Kommission nahm ferner unverändett die Positionen 499 bis 502 an, betreffend aus Flcchs, Hanf, Jute usw. gefertigte Gaze, Tülle, Trikotwaren, Spitzenstoffe, Spitzen, Posamentierwaren, Knopfmacherwaren und Dochte. Die Kommission begann sodann den Abschnick 5e und genehmigte die Position 503, Buchbinderzeugstoffe 60 Mark, unter Ablehnung des Antrags Müller-Meiningen auf 30 Mark wie bisher. In der Kommission hofft man die erste Lesung des Tarifs am 8. August fertig stellen zu können. Sodann soll eine zweiwöchentliche Pause eintreten und die zweite Lesung gegen den 22. August beginnen. Man will durchschnittlich 25 bis 30 Positionen täglich zur Erledigung bringen. Iahresversammiung »er Kvangelischen Konferenz. —t. Friedberg, 2. Juli. Heute fand hier im ,Hotel Trapp" unter dem Vorsitze des Direktors D. Weiffenbach -Friedberg die Jahresversammlung der „Evangelischen Konferenz" statt. Nach Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten referierte Pfarrer O. Schulte von Beuern über die Frage: „Woran erkennt der Barer des nördlichen oberen Vogels- berges Dasein und Wicken Gottes?" Nachdem er in der Einleitung daraus hinxewiesen, daß sein Thema aus dem Gebiete der religiösen.Volkskunde entnommen sei, behandelte er die aufgeworfene Frage nach drei Richtungen: Der Vogelsberger Bauer erkennt Gottes Dasein und Wirken 1. ans der N atur. SÜ ist ftir ihn ein solch starker Beweis, daß Zweifel an dem Dasein Gottes in ihm, soweit er nicht von fremden Einflüssen berührt ist, nicht aufsteigen. Dieses erscheint ihm völlig selbstverständlich, denn niemand anders als eben Gott kann „das Wetter machen"; 2. ans Gottes Strafgerechtigkeit Schon hier auf Erden wird der Gute belohnt und der Bise bestraft. Aus dem Unglück, das einen Menschen trifft, naß der Rückschluß auf irgend ein Vergehen gegen Gott gezogen werden. Der Gedanke, daß das Leiden auch eine Quelle des Segens sein könne, ist für den Vogelsberger Bauer unvollziehbar. Das Verhätt- nis zwischen Gott und Mensch ist das äußerlicher Vergeltung. Von der Hölle redet man nicht oder nur wenig, dagegen viel von dem Teufel, den man sich als Dämon vor- steltt; 3. aus gewissen Wirkungen, die sich an magische Worte und Zeichen knüpfen. Hier ragen nicht nur rationalistische und katholische Gedanken in diese Religion hinein, hier- zeigt sich ihre heidnische Unterströmung, und zwar besonders Deutlich in den sog. „Gesanen", Zauber- Iprüchen und Gebetsformeln gegen alles menschliche Ungemach, wenn sie auch mit Wendungen aus der christlichen Terminologie ausstaffiert sind. Das geht sogar so weit, daß man Taufe und Abendmahl, Kirchgehen usw. unter diesem magischen Gesichtspunkte betrachtet: die genannten Dinge brauchen nur ausgeführt zu werden^ dann üben sie schon ihre (für das irdische Wohlergehen), heilsame Wirkung aus. — Der Vorsitzende bestätigt den Dank, welchen die Anwesenden dem Referenten in reichem Maße bekundeten, und führt sodann, die Diskussion eröffnend, aus seiner früheren seelsorgerischen Praxis Beispiele für die unterchristliche Auffassung des Abendmahls an. Professor Schv e l er-Friedberg macht darauf aufmerksam, daß schon im Jahre 1804 ein religions-psycho- loaisch wichtiges Büchlein von Pfarrer Bütte in Berstadt i.W. erschienen sei, in der sich eine tteffende Charakteristik des hessischen und auch, des Vogelsberger Volkslebens finden und verliest eine „Probe" daraus. Auf seinen Einwand, der Referent habe ein Nachtgemälde des Aberglaubens gezeichnet, erwidert dieser, daß es ihm nur auf die Konstatierung der Thatsachen angekommen sei, welche auf sein Thema Bezug hätten. Pfarrer Schrimpf-Butzbach, der selbst ein geborener Vogelsberger neun Jahre im Vogelsberg wirtte, giebt zwar zu, daß sich sogar noch, in Butzbach „Himmelsbriefe" und dergl. finde, betont aber, daß sich eben im religiösen Leben auch der Vogelsberger ein Umschwung vollziehe. Einen ähnlichen Gedanken fuhrt Pfarrer A l l w o h n - Petterweil i. W. aus. Nach ihm ist der Aberglauben zwar noch vorhanden, wie z. B. das Beten „über" dem Kranken, aber speziell in der Wetterau doch abgeblaßt. Ja man stößt in ihrem südlichen Teile nicht selten auf Zweifel an dem Dasein Gottes. Gegenüber der Geringschätzung des Aberglaubens, wie sie bisher zum Ausdruck kam, meint Pfarrer Lic. Dr. Dieckmann - Rod heim v. d. H., man dürfe doch mit dem Urteile über den Aberglauben nicht zu streng sein. Denn Aberglaube sei immer noch besser als Unglaube, ja die realistische Auffassung von der Wirkung des Gebetes, des Abendmahles u. ä. sei prinzipiell als richtig anzuerkennen. Pfarrer Bied e n t o p f-Wiribura steuert Beispiele über „Gesane" und Kirchgehen bei und ein sehr interessantes über den Mißbrauch, des Abendmals: ein Trinker, der sich wegen Baumfrevels vor Gericht verantworten sollte, verlangte vom Pfarrer, daß er ihm das Abendmahl reichte, um dadurch vor der Behörde zu beweisen, daß er bis auf den Tod erkrankt sei. Auch Pfarrer Ort-Vilbel- erzählt manches von dem Aberglauben des! Bauern, wie man z. B. in einem Dorfe bei Nidda einen hochgradig hysterischen Mann, der in seinen Anfällen die Predigt des Ortsgeistlichen rekapitulierte, als einen Propheten angeftaunt habe, und betont, daß der theoretische Gottesglaube auch des Vogelsbergers ohne Einfluß auf die Gestaltung seines sittlichen Lebens ist: Wilddieberei und Fischdiebstahl seien in den Augen jener Leute vollkommen erlaubt. Darauf sprach Prof. D. P. Drews-Gießen in warmen und beherzigenswerten Worten über die prinzipielle Bedeutung der religiösen Volkskunde. Sie hat, so führt er aus, den Geistlichen vor dem seine ganze Wirksam- keit in Frage stellenden Wahne zu bewahren, als ob alle Menschen die gleichen religiösen Vorstellungen hätten. Sie hat ihn, was insonderhett die behandelte Frage angeht, darüber aufzuklären, daß es sich thatsächlich um zwei verschiedene Religionen handelt. Die Bezeichnung „Aberglaube" ist wenig passend, denn in chr liegt ein Urteil, von dem eine Disziplin, die nur Thatsächliches festzustellen hat, absehen muß. Die Aufgabe der religiösen Volkskunde besteht darin, die religiöse Anschauungswelt des ganzen Volkes kennen zu lernen, zu analysieren und daraus die nötigen Schlüsse auf die Art der Verkündigung des Evangeliums zu ziehen. Denn nur wenn man den Boden kennt, kann man ihn bebauen. An die Stelle der Volksreligion muß individuelles, persönliches Christentum treten. Diesem den Weg zu ebnen, d.as ist die eminente Bedeutung der Volkskunde. Drews schießt mit der herzlichen Bitte, der Vereinigung für hessische Volkskunde beizutreten, zumal hier ein Gebiet gegenseitiger Berührung zwischen Professor und Pfarrer liege. Nachdem nochOberleyrer L am p as-Friedberg zu dem Ereignisse in Nidda bemerkt hatte, daß nur die herbei- pilgernden Vogelsberger es als Wunder aufgefaßt hätten, spricht Direktor D. Weiffenbach in einem Schlußworte allen Rednern herzlichen Dank aus untr fügt hinzu, daß wir vor den erwähnten, manchmal unerfreulichen Thatsachen die Augen nicht verschließen dürften, in ihnen vielmehr das Walten Gottes zu erblicken hätten, der das Christentum auf dem Lande nun einmal in dieser Weise eingepflanzt habe. Unser Streben müsse daraus gehen, diese rückständige Auffassung des Christentums immer mehr zu vergeistigen. Dazu aber sei unerläßliche Vorbedingung offene und rückhaltlose Auseinandersetzung mit den atheistischen Kreisen unseres Volkes, besonders auch eine sich von allem Dogmatischen fernhaltende Verkündigung des einfachen Evangeliums Jesu in den Städten. Der Leipziger Bankprozetz. XI. Leipzig, 2. Juli. Zu Beginn der Sitzung wird vom Vorsitzenden ein Protokoll über die kommissarische Vernehmung des wegen Krankheck am Erscheinen verhindetten Zeugen Rothe in Hamburg verlesen. Es wird nochmalige Vernehmung des Zeugen be- antragt, da ein Brief von ihm vorliegt, der feine jetzigen Aussagen teilweise in anderem Lichte erscheinen läßt. ES kommt sodann ein Brief Schmidts an Exner vom 8. Aprck 1900 zur Verlesung, wonach in Bezug auf die italienische Gesellschaft sich die Trebergesellschaft verpflichten will, innerhalb Jahresfrist einen solventen Käufer anzugeben. Exner bemerkt, daß das Geschäft abgelehnt wurde. Der Vorsitzende fügt hinzu, man werde das hören, wenn Schmidt hierher komme. Die Sachverständigen Plauth, Sieskind und Lambett äußern sich ausführlich über die Unzulässigkeit zahlreicher von der Leipziger Bank vorgenommener Reportgeschäfte. Die weitere Verhandlung betrifft die Geschäfte der Bank mit der russischen Trebergesellschaft in St. Petersburg, der Casszaer Tochtergesellschaft, mit denen in Weißwa,ser und Vossowska und der Bestellung einer Hypothek in Krap- pitz. Man hat, wie der Vorsitzende zu diesen Geschäften bemerkt, immer nur Sicherheit haben wollen, was es jüt Sicherheiten waren, war ganz gleich Es kommt das Geschäft mit der Dankabteilung der Berliner Finanz- und Handelszeitung zur Sprache, wobei nachgewiesen wird, daß die Finanzzeitung Provisionen von 392 500 Mk., die ihr gutgeschrieben -"7-den, erhalten und auf die Transaktum am Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. 2. bis 3. Juli 19,4° C. 2. , 3, , 13,3° C. Höchste Temperatur Niedrigste , keinerlei Verantwortung.) Wär- eä nicht möglich gewesen, bei der Festsetzung d-sWegA h öpr SSeftjua am 2. Juli genommen, auch die Hauptztratze im nördlichen TlMe der Slabt zu berücksichtigen und den Zug Mitglieder des Deutschtums, Carl F. Wicken V -1 Umverstläls-Nach richten. geboren zu Spangenberg, Kurhesten. - Am 2» Mm \iatb\ gmJWemen^ 5 ' n in seiner Wohnung, 27 Onatl Str., Albany, N. Y-, H I Hörerinnen eingeschrieben, gegen 1262 trn Winter, 837 tm Gottlieb Menz, geb. in Struth bet (5^^ma^fa^ben Llori£en Sommer und 1029 618 und 661 m den dret vorausge- i* Lauterbach, 29. Ium. Der Oberhesstsche »nen Semestern, wöbet überall naturltch, des 4>ergret^ Bienenzüchtern er ein halt in unserer:«»«■» nb£ August seine 42. Wanderversammlung ab. Mtt den Wander- ttgt sind, d e og g s , anzusetzen. Im Einzelnen weisen Versammlungen des Oberhess. Brenenzüchterveretns tft immer ««WÄ»Wura3f eine Ausstellung von Bienenmohnungen, -Gerathen und ,vovou 16 immatrtkullert, Breslau 65, Letp^g o , rft 8> '! ^onig verbunden. Der dtesjährtge festgebende Bienenzüchter-- Gunter MÄÄ berg Wnden und am LamStag den 16. August eräffnet I snrdertichen Angaben seht-. <. . । brüte Korrareß des „Juteruattonaleu Bundes ™_, meyimirb Montag den 18. August wird dann die Wanderver-I ^iereuben'h der 1898 in Turin gegründet wurde, tagt, ****l-is ä» snsäFSHK -*.-»-<* .w«|ÄS 1 " mache. Sck)tnidt schreibt, er sei ängstlich bemuht^rne St^ --- Konzert, ÄÄ gerung des Kontos bei der Bank zu vermeü^n. Gentzsch nehmer haben freie besuchen wollen, erhalten wird befragt, oE> et e5 Mrmlslyies. Auskmütbe^i dem Vizepräsidenten der Sektion Deutschland, daß die Gutschrift von Erneu^^swechseln schon er # ben Augen seiner Geltebten eri^0N?.u 5tutIflar|. iärftr. 2h. . folgte, bevor die ursprüngltchen Wechsel der Trebeugescll rr; Dienstag der 25 Jahre alte Hand- T ^ulu An der hiesigen Universität promovterte heute **«*««bi.S*s i-T“x:r......... , -—» die Treberaesellschaft um einen genauen ^u3t)alt^ cammetK Aus dem Berhättnts gmgen dret Kmder hervor, -£ fltthltrirtftiltlfL plan. Anstatt diesen zu senden, avisiert die Trebergesellschaft Knaben von 3 und 4 Jahren und 1 Mädchen von vter rferhefien für das Jahr 1901. Weizens die Kassierung von 450000 Mk. und sagt dte von der Bauk Wochen verließ Anna Ntttner, die stch durch Ernteerträge rn Oberheffen für das «ayr ornmersrucht gewünscht ^Aufstellung ihrer BedüZnisse für spater: zm Aw^Lh-t, ihren Geliebten, weil er Beziehungen zu WiMerfrucht 136 3 mt 21 £ mit 41 637^ 23. Mai 19M i'enbet Schmidt an «LSÄangeknüpft hatte, während er 62^X15t6om?7xgerft20366 b mg der TrebergesellsckMft und ichrerbt datz dre müsse die Heirat noch hmauSschteben, da eme 29 285 ta mit 62 439 Kartoffeln 23486 (ibcnfac ^ausspriäst, 'sind Exner und Gentzsch in alle Pläne bcr Wohnung ferner ehemaligen Geltebten Diese ließ s j. 146 834 ait. überhaupt: o3 614 31o. morgen vormi ag em,^ gta^' Ä ?T«Ä gJ EiNgestNtt '------Aus Mdt und Land. fe wA -...... 32 •* In Amertka verstorbene Hessen. 2lnt <» ^untiuno vtncn * 0 ♦ , , ‘•TR t rf o n h p i < er. — oon 2000 000 Wk. nur 267300 ML M 3»t»e£ mnb. Montag dm 18.JUS ------ ™ m.rh „nh toren Verlaufe der Verhandlung wird eine x-.n- s^n April 1900 beriefen. Die Bank beklagt sich bei der gestifteten Ehrenpreisen von Trebergesellschaft wegen der fortwährenden Drsposttionen I ^nd f*-—*— r**'s s<,m SR* Juli Barometer auf 0° redtrziert Temperatur der Lust Absolute Feuchtigkeit | Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Wetter 2. 2'° 2. 9to 3. 7“ 748,2 751,9 754,5 18,6 13,6 10,4 7,8 7,5 7,7 49 64 82 NNW. WSW. w. 4 4 1 Sonnenschein Klarer Himm. Bed. Himmel ’S'® Ö «2 g? 5 e w E cn KZ. !Seo e IS S5 co ’S ? CD GM « M<0 ” S «1 « s K Z-»b ’S'CQS) IS >b S jj « 10 IS E S? e trx c e W-s VS L rs 5 ’S'C^ - Z-R Z 02 £ Q 2 *8'«! 2 03 iS2 K «I u — 2 «ft c3 srsrS SN E « C o CQ ■ «ft Q □ o V >b «ft O «ft l£) CD E ■ej2_ § 5 r- S « S Sr S* «v ■ü .£ s er? 2 «ä - CQ@ «« «ft 2 «ft «ft ■- «ft 0-3 S «ft - — 100 qm 126M/100 - 100 qm .1379a/100 - 194 qm Hofratte unter dem Weiherchi Flur 19/133 ba/ — 38 qm H, raum daselbst, Flur 19,131,5 — 5 qm Weg rechts der Ehaussee am Wecher öffentlich meistbietend versteigert werden. 35216 55 73 77 492 501 [400] 12 47 651 700 98 835 48 85 36098 148 77 200 68 552 73 723 72 76 89^850 64 70 912 NM 72 S 7077 132 78 90 [8001 97 264 341 96 541 67 618 24 80 711 816 950 57 86 38010 11 109 29 56 246 91 326 507 650 702 933 80008 44 65 IM M M3 U 12000] 39 64 74 88 313 81 445 607 .36 43 744 856 *2 39 233 34 40067 90 99 124 31 220 373 444 68 517 58 92 655 750 51 ar *200? m 561 [20° 86 99 648 öS 58 VÄ S S 790 9Mto £ 1Ä L M " 44024486191 1038 45040 104 35 262 339 406 74 512 61 63 78 89 613 68 74 707 qi-> [8001 67 68 [3001 81 92 46016 111 75 90 97 302 69 471 514 666 60 938 47132 248 75 77 410 38 60 M4 43 77 605 42 2,^7 § KO 76 904 98 48033 40 153 286 374 442 532 640 91 [200^7^ gOO)o985 33 49165 70 398 4« 35 71 501 «ÄXÄ«“ 50022 190 94 332 488 513 621 83 720 46 903 4 29 68 96 ■'inen >00 Ito 88 96 253 79 |200J 368 457 5.87 62(^ 66 951 54 SSS «IW» U74SS48[ii°%5112368 830 37 * *"to7 »4006 7 77ioerosaio59ttä6iäöti9 ä/n/an aa’ 843 Fertige Särge, sowie sonstige Gerätschaften. I^Ene und eichene, poltert, habe 4847 I. A - Schneider !tets ^9er und halte mich X ^kyueroer. bet etwatgem Bedarf bestes I s) ,1 jft | 25 750 6 118 273 800 « Billards. erstklassige, „i-iho- I • pädische und physi- I — Prospekte. 63 108 60 87 89 283 393 487 [300] 517 52 633 77 800 2 1035 53 108 279 93 417 65 94 501 2 3 7 26 51 99 622 72 768 84 926 40 22064 156 [200] 60 289 454 509 12 625 42 96 710 35 91 98 979 23127 80 479 99 501 13 643 84 759 61 75 [10001 830 906 60 24256 367 409 20 51 621 77 702 [200] 44 66 75 807 14 94 J M 25017 81 157 59 284 384 (200 ] 97 594 679 704 80 811 42 55 75 89 98 995 26071 102 10 58 70 79 80 1200 ] 224 82 90 399 459 523 [4001 712 18 [200] 23 24 66 837 83 87 [200] 27007 13 113 69 § 282 M Ä 419 36 1800 ] 72 81 [400] 94 97 509 673 748 50 74 75 76 877 906 11 17 £1 56 90 110000] 93 2 8009 61 65 103 27 46 214 57 98 354 487 521 56 66 661 86 12001 764 65 95 97 803 29 51 90 952 29082 179 254 63 74 96 [10001 323 37 70 437 69 516 68 961 1/9 254 63 74 — , b007b 131 41 64 319 30 33 46 426 33 559 63 89 630 32 93 709 [400] 39 70 [200] 824 26 46 961 73 95 [400] 81042 64 96 112 18 48 230 52 68 382 503 9 36 64 609 68 [300] 885 961 82052 149 234 43 306 20 26 to 36 50 62 406 17 51 61 92 628 74 695 794 859 93 948 58 % 83008 12 36 40 94 110 18 230 64 84 [20000 u. e. Pr. v 55000] Z5 65 74 Vrt Ä7H627 88 716 837 66 943 84018 81 213 37 371 4^3 73 562 73 AJl DO oTV Gonditorei und erstes Wiener Gaf6 Ecke der Frankfurterstraße und Südanlage hält sich auf das Beste empfohlen und offeriert täglisch frisch etne allergrößte Auswahl der feinsten Horten, Kuchen, Kaffee- u. Weegeöäcke In separaten geräumigen Lokalen und schönem Garten Ausschank des weltbekannten Pilsener „Urquell“ aus dem Bürgerlichen Brauhause in Pilsen, des Münchener MzerbM, sowie von Strlincr Weißbier. Vorzügliche Taffe Kaffee, Chocolade und Thee. Gefrorenes anerkannt ausgezeichneter Knakität. 4680 4863 K" 26/02. pooncrsfog, 10. fnli 1902 nachmittags 2>/r Uhr, werden auf hiesigem OrtSgericht die vor dem Namen des Eduard Riemer und Ehefrau, geb. 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