Dienstag 3. Juni 1903 ISS. Jahrgang Zweites Blatt. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v Amts- Md Anzeigeblatt für den Ureis Gießen Nr. 137 Erscheint täglich außer Soimkags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem SeMfche« Landwirt die Gießener Familien- blütter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh lachen Unwers.-Buch- u.Stein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Gchulstraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Kernsprechanschluß Nr. 51. veznglpret-, monatlich75 Pf., viertes jährlich Sulf. 2JJ0; durch, Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2,— viertel* jährt, ausschl. Beftellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. ZeitenpreiS: lokal 12P^ auswärts 20 Pfg. Verantwortlich: für den volit. u. allgem. Teil: P. Wtttko: für ,Stadt und Cantr und ,Gerichtsiaal*:R.Ditt« mann; für den Anzeigenteil : HanS Beck. Auf die Frage Lockw-oods, ob das Haus nicht bis Morgen vertagt werden solle, erwidert Balfour, er könne diese Anregung nicht unterstützen, und fügt hinzu, er werde baldigst ein Dankesvotum für Kitchener und das Heer beantragen. Im Oberhause gab Lord Salisbury dieselbe Erklärung ab, wie Balfour im Unterhause. Lord Rosebery beglückwünscht die Regierung zu dem Friedensschlüsse und hofft, daß von nun an eine neue Epoche des Friedens uno Wohlstandes und der kommerziellen Entwickelung für Südafrika beginnen werde. Wie verlautet, wird das Parlament Kitchener eine Dotation von 100 000 Pfund Sterlin g bewilligen. Gleichzeitig werde ihm König Eduard einen höheres Adel st and verleihen. Dr. Leyds und der Burendelegierte Fischer befinden sich in Paris. Außerdem teilt das Blatt mit, daß Präsident Krüger von dem Abschluß des Friedens noch nichts bekannt sei. Krüger ließ dem Vertreter des „Reuter'schen Bureaus", der ihn über seine Meinung bezüglich des Friedensschlusses befragen wollte, mitteilen, er könne ihm gegenwärtig keine Unterredung gewähren. Preßstimmen. Die „Kreuzztg." meint, die englische Regierung habe klug gethan, den Bogen nicht auf das äußerste zu spannen. Die „Berl. N. Nachr." sagen, England werde nun zu zeigen haben, ob und wie es seine Schuld an dem Buren- kriege vor dem eigenen Gewissen, vor der Welt und vor dem Urteil der Geschichte zu sühnen beabsichtigt. Die „Germania" meint, es erscheine im gegenwärtigen Augenblick die Preisgabe der politischen Unabhängigkeit für die Buren ein wohl schmerzliches, aber politisch kluges und gerechtfertigtes Zugeständnis. Die „Nat.-Ztg." schreibt: Die Buren sind in einem weltgeschichtlichen dampfe unterlegen, aber sie haben den Heldenkampf für ihre Unabhängigkeit mit unvergänglichem Ruhme geführt. Der südafrikanische Krieg ist zu Ende, das südafrikanische politische Problem tritt an seine Stelle. Die „Volksztg." führt aus, das Urteil der Geschichte werde unbedingt für alle Zeiten dahin lauten, daß die beiden kleinen Buren-Republiken im Kampfe wider eine Weltmacht mit unvergänglichem Ruhm die höchsten Proben der Vaterlandsliebe bestanden haben und daß sie nicht besiegt worden sind. „Daily News" bemerken, wenn wir die Achtung dieses kleinen Volkes nicht erlangen können, so erfahren wir ernste Unannehmlichkeiten. Es giebt keinen Engländer, der nicht gezwungen wäre, den Mut unserer Gegner zu bewundern. Die „Westminster Gazette" schreibt: Von vielen Seiten wird heute sehr der Wunsch ausgedrückt, Botha und De Wet möchten doch in Stand gesetzt werden, als Gäste des Königs zur Krönung zu kommen. Während anerkannt wird, daß diese tapferen Leute es mit Rücksicht aus ihre Selbstachtung nicht für passend halten mögen, bei solcher Gelegenheit so bald nach ihrer Ueber- gabe nach London zu kommen, gesteht man doch allgemein zu, daß denselben, wenn sie kämen, eine populäre Huldig* ung zu teil werden würde. Wrückkehrenden Burghers werden ihrer persönlichen Freibeitoder ihres Eiaentumsnichtberaubt. (Beifall aus den Oppositionsdänken.) Artikel 4: Weder ein Civil-, noch ein Straf- ve r f a h r e n wird gegen sich ergebende oder zurückkehrende Burghers eingeleitet für Handlungen im Zusammenhang mit dem Kriege. Diese Klausel bezieht si ch jedoch nicht aus gewisse Handlungen, welche den Kriegs- gebrüuchen widersprechen. Diese sollen nach Schluß der Feindseligkeiten vor einem Kriegsgericht verhandelt werden. Die holländische Sprache (Vaaldialekt) wird in den öfsentlichen Schulen Transvaals und der Oranje- kolonie gelehrt, wo die Eltern dies wünschen, und ist auch vor den Gerichtshöfen gestattet, wenn es für eine wirksame Ausübung der Rechtspflege nötig ist. Der Besitz von Gewehren ist in Transvaal und der Oranjekolonie den Personen gestattet, die sie zu ihrem Schütz bedürfen, wenn ie einen gesetzmäßigen Erlaubnisschein dafür erhalten. Die militärische Verwaltung soll sobald wie möglich durch die Civilverwaltung ersetzt werden, und sobald die Um- tände es gestatten, sollen repräsentative Institutionen, die M Selbstverwaltung führen, eingesührt werden. Tie Frage, ob den Eingeborenen das Wahlrecht zu gewähren ist, soll erst nach Einführung der Selbstverwaltung ent- chieden werden. Eine spezielle Steuer zur Zahlung der Kriegskosten soll auf den Grundbesitz in Transvaal und in der Oranjekolonie nicht gelegt werden. Sobald die Verhältnisse es gestatten^ wird in jedem Distrikte eine Kommission ernannt werden, in welcher ein Beamter den Vorsitz hat und die Einwohner des Distriktes vertreten ind, um den Leuten bei der Wiedereinsetzung in ihre Heim- tätten Beistand zu leisten und denen, die infolge von Kriegs- Verlusten außer stände sind, sich damit zu versehen, Nahrung, Obdach, Saatgut und anderes, was zur Wiederaufnahme normaler Beschäftigung nötig ist, zu liefern. Tie englische Regierung wird der Kommission drei Millionen Pfund Sterling zur Verfügung teilen und gestatten, daß alle Noten, die unter dem Gesetz 1 von 1900 in der südafrikanischen Republik emittiert wurden und alle von Offizieren oder aus ihre Ordre gegebenen Empfangsscheine einer juridischen von der Regierung ernannten Kommission ein gehändigt werden, und wenn solche Noten und Empfangsscheine von der Kommission als berechtigt zum Ersatz und als für eine wertvolle Gegenleistung ausgegeben befunden werden, sollen sie als Beweise der Kriegsverluste gelten, welche die Personen erlitten haben, denen sie ursprünglich gegeben worden sind. Außer der oben«erwähnten freien Dotation von drei Mill, wird die Regierung bereit sein, Vorschüsse als Darlehen für denselben Zweck zinsensrei auf zwei Jahre zu gewähren, die hernach mit drei Prozent Zinsen rückzahlbar sein sollen. Kein Ausländer oder Rebell wird berechtigt sein, von dieser Klausel zu profitieren. (Lauter Beifall auf den Bänken der Ministeriellen.) Balfour erklärt dann, es giebt gewisse wichtige Punkte, die in dem verlesenen Schriftstücke, das das am Samstag abend unterzeichnete Dokument ist, nicht enthalten sind. Lord Milner richtete an Chamberlain eine Depesche, welche die verlesenen Schriftstücke ergänzt und in der es heißt: Nachdem ich den Burendelegierten eine Abschrift des Entwurfes des Abkommens eingehändigt, las ich ihnen folgende Erklärung vor, und gab ihnen eine Abschrift derselben, nämlich: Die Behandlung der Kap- und Natalkolonisten, die im Ausstande w-aren und sich jetzt ergeben, wird, wenn sie zu ihren Kolonien zurückkehren, von den kolonialen Regierungen gemäß den Gesetzen der Kolonie entschieden. Britische Unterthanen, die sich dem Feinde anschlossen, werden dem Gerichtsverfahren der Teile des britischen Reiches unterworfen, dem sie angehören. Die britische Regierung wurde von der Kapregierung benachrichtigt, daß ihre Ansichten hinsichtlich der Bedingungen, die denjenigen der britischen Unterthanen, die jetzt im Felde stehen, oder sich ergeben haben, oder seit dem 12. Schril gefangen wurden, gewährt werden sollen, folgende sind: gemeine Soldaten sollen, nachdem sie sich ergeben und die Massen ausgeliefert haben, vor dem Magistrat des Distriktes, wo die Uebergabe ersolgt, ein Schriftstück unterzeichnen, worin sie sich des Hochve r- rats schuldig bekennen. Ihre Strafe soll, vorausgesetzt, daß sie nicht des Mordes oder einer Handlung schuldig sind, die gegen die Gebräuche -der zivilisierten Kriegsführung verstößt, darin bestehen, daß sie lebenslänglich nicht berechtigt sind, in die Wählerlisten eingetragen zu werden oder bei Parlaments-, Provinzialrats- oder Munizipalwahlen zu stimmen. Friedenrichter, Feldkornets, überhaupt alle Personen, die eine amtliche Stellung bezw. ein Kommando beiden Rebellen- oder Burghersstreitkräften hatten, sollen wegen HochVerrats vor die gewöhnlichen Gerichtshöfe desLandes oder vor s o l ch e G e r i ch t c g e st e l l t werden, die hierfür gesetzlich gebildet sind. Ihre Bestrafung soll diesen Gerichten mit der Maßgabe überlassen sein, daß unter keinen Umständen die Todesstrafe zu verhängen ist. Die Regierung von Natal ist der Ansicht, daß die Rebellen gemäß dem Gesetze der Kolonie zu behanoeln sind. Balfour fährt dann fort: Das Abkommen ist unterzeichnet worden von Lord Kitchener und M i l n c r im Namen der englischen Regierung, von Steijn, Dewet, Olivier, Hertzog Namens der Oranjeregierung und Schalk Burger, Reits, Louis Botha und D e l a r e y im Namen der Transvaalregierung. Nach Balfour ergreift Campbell B a n n e r m a n n das Wort. Er beglückwünscht den König und das Land zu dem Abkommen und erklärt, er behalte sich jeden Kommentar vor, bis die Schriftsllkcke vorgelegt würden. Die yeutige Wummer umfaßt 8 Seilen. Der südafrikanische Ariederrsschl«^ Der Friede ist da und England ist des Jubels voll. —. König Eduard erhielt aus der ganzen Welt Glück- wuuschdepescheu. Auch Kaiser Wilhelm und! Kaiser Franz Josef sandten Glückwünsche, ebenso der König von Italien. Kaiser Wilhelms Telegramm soll das erste gewesen sein, das in London eintraf. Trotzdem fällt ihm ein Wermuthstropsen in den Freudenkelch: die Wahrnehmung, daß außerhalb des JnselreichK in der Oeffent- lichkeit nirgends eine Stimme. sich erhebt, die dem „Sieger" den mit ungeheuren, vielleicht unverhältnismäßig großen Opfern errungenen Erfolg gönnt. Tie öffentliche Meinung aller Länder ist« nur von dem Gefühl der Befriedigung darüber erfüllt, 'daß die Grausamkeiten und Greuel dieses ungleichen Kampfes ein Ende gefunden haben. Tie Leiden und Entbehrungen, denen die Angehörigen der Buren ausgesetzt waren, mahnten immer stärker zum Friedensschluß. Wenn die Buren sogar den harten Preis des Verzichts auf die Unabhängigkeit dem Gegner zahlten, so mag gewiß diese Not den Ausschlag gegeben haben. Militärisch konnten die Buren zweifellos noch eine Reihe von Monaten den Engländern die Spitze bieten. Insofern giebt es im südafrikanischen Kriege keinen Sieger und keinen Besiegten. Nur nach der Auffassung englischer Zeitungen ist den glorreichen Waffenthaten der britischen Heeresmacht der „Triumph" zu danken. Anderswo urteilt man anderß. König Eduard vermeidet klüglicherweise in seiner Botschaft, die Friedensproklamation mit einer Anerkennung für die Truppen und Feldherren zu verbinden. Der König stellt die Versöhnung des Gegners als nächstes Ziel hin; dies und die A ch t u n g, welche die Botschaft „den durch den Krieg notwendigerweise hervorgerufenen Erfindungen" bezeigt, wird nicht verfehlen, sympathische Wirkung zu üben. Für jetzt kann man dem Freudenrausch der „tätlichen Gefahr" entronnen zu sein, manches großsprecherische Wort der Londoner Presse zu Mte halten. Zum Beispiel, wenn die ,/Times" behauptet, England sei kräftiger im Bewußtsein der Macht!und hoffnungsreicher denn jemals. Daß England im stände ist, seiner „imperialistischen Aufgabe mit erneuten Kräften nachzugehen", dürfte selbst im britischen Kabinett — abgesehen von dem allezeit unternehmungslustigen Chamberlain — Zweifeln begegnen. Tas Reich blutet aus vielen Wunden, alle Welt ist Zeuge gewesen von zum Teil geradezu blamablen Niederlagen, auf das äußerste erschöpft sind die finanziellen Mittel, die Abneigung der Bevölkerung gegen Abenteuer war in nahezu dreijährigem Feldzug vielfach bis zum lauten, grimmigen Protest gediehen — kein Ruf kann unter diesen llmständen weniger populär sein, als derjenige nach neuen imperialistischen Aufgaben. — Mit besonderer Genugthuung begrüßen Handel und Industrie den Friedensschluß. Den südafrikanischen Markt werden sich allerdings in erster Reihe die Engländer zu sichern wissen. Wer man nimmt an, daß das Wirtschaftsleben im allgemeinen einen kräftigeren Impuls erhalte. Die Börse „illuminiert" mit beträchtlich gesteigerten Kursen der leitenden Jndustriewerte. Nach Meldungen aus London trat dort der Kabinettsrat gestern mittag zusammen. Chamberlain fuhr in geschlossener Privat-Equipage zum Kolonialamt, wurde aber von der zahlreichen Menschenmenge, die sich am Eingänge des Ministeriums eingefunden hatte, sofort erkannt und mit ungeheurem Jubel begrüßt. Die Menge, worunter sich eine große Anzahl eleganter Damen befand, drängte unter Hurrarufen und Tücherschwenken auf den Wagen des Ministers zu, der während er sonst nie eine Miene verzog, lächelnd den Hut lüstete und Mühe hatte, sich den Weg in das Ministerium durch die ihn Umringenden zu bahnen. Ten übrigen Ministern, außer Balfour, wurden keine Ovationen zu teil. Bis in den grauen Morgen hinein durchs zogen lärmende und johlende Volksmengen die innere Stadt. Einige Paare machten einen schüchternen Versuch zu einem Tänzchen auf der Straße, aber die in sehr starker Anzahl aufgebokene Polizei unterdrückte auch verhältnismäßig harmlose Freudenbezeugungen mit großer Rücksichtslosigkeit, offenbar weil der sehr gemischte und zum größten Teil mehr als zweifelhafte Charakter der Demonstranten bei der geringsten Nachsicht sehr leicht Ruhestörungen befürchten ließ. Der Erzbischof von Canterbury hat einen allgemeinen kirchlichen Tankesitag angeordnet, der wahrscheinlich nächsten Samstag gefeiert werden wird. Tas englische Unterhaus war am Montag in allen Teilen überfüllt. Brodrick, Balfour und Chamberlain wurden mit lautem Beifall, letzterer geradezu stürmisch begrüßt. Balfour verlas das unterzeichnete Abkommen über die Uebergabe der Burenstreit-, kräfte, das von der britischen Regierung gebt l l i g t ist. Artikel 1 lautet: Die Burghers im Felde legen sofort die Waffen nieder, übergeben alle Kanonen und Waffen sowie die Kriegsmunition, die in ihrem Besitze sind, ober unter ihrer Kontrolle sich befinden. Sie stehen von weiterem Widerstände gegen die Autorität König Eduards VII. ab, den sie als gesetzlichen So uv er an anerkennen. Artikel 2: Alle Burghers im Felde außerhalb der Grenzen Transvaals und der Oranjekolonie und alle Kriegsgefangenen, die jetzt außerhalb Südafrikas sich befinden und Burghers sind, werden, sobald sie ihre Annahme der Stellung als Unterthanen König Eduards erllarr haben, zurückgebracht, sobald die notwendigen Beforderung»-- und Subsistenzmittel beschafft und gesichert srnd. Artikel Die ffuj diese Werse sich ergebenden und Deutsches Reich. Berlin, 2. Juni. Heute morgen unternahm der Kaiser einen Spazierritt auf dem Bornstedter Feld, wohnte dort den Truppenübungen bei und hörte im Neuen Palais die Vorträge des Ministers der öffentlichen Arbeiten und des Chefs des Zivilkabinetts. Von 1 Uhr ab nahm er die Rapporte der Leibregimenter entgegen. Um 11/4 Uhr fand eine Frühstückstafel zu Ehren des Schahs statt, welcher darauf von der Wildparkstation aus die Reise nach Leipzig antrat. Der Kaiser gab dem Schah das Geleite zum Bahnhof, wo sich auch die Prinzen Eitel Friedrich und Friedrich Leopold eingefunden hatten. Düsseldorf, 2. Juni. Heute begann die Som-- merv ersammlung der Sch i f fs b au t e chn i sch en Gesellschaft. Gegen 10 Uhr erschien der Kronprinz, der die Versammlung mit folgenden Worten eröffnete: „Se. Majestät der Kaiser, der Allerhöchste Protektor der Schiffsbautechnischen Gesellschaft, ist zu seinem größten Bedauern verhindert, am heutigen Tage hier anwesend sein zu können. Auch der Großherzog von Oldenburg, der Ehrenpräsident, ist leider verhindert. Mein Herr Vater hat mich beauftragt, seiner Freude über die rege Beteiligung an dieser Versammlung Ausdruck zu verleihen, besonders darüber, daß sich das Ausland und das Inland vereinigt haben. Ich eröffne hiermit im Namen Seiner Majestät des Kaisers die Versammlung und wünsche besten Erfolg." An den Kaiser wurde folgendes Telegramm gesandt: „Ew. Majestät beehren sich die in Düsseldorf versammelten amerikanischen, belgischen, englischen, französischen, holländischen, norwegischen, österreichischen, russischen, spanischen und deutschen Schiffsbauer und Rheder ehrfurchtvollst dafür zu danken, daß Ew. Maj. Se. Kaiser!, und Königl. Hoheit den Kronprinzen des Deutschen Reiches und von Preußen zur Eröffnung ihrer Ausstellung entsendet haben, und hieran die Bitte zu knüpfen, Ew. Majestät möchten, wie bisher, auch in Zukunft dem Schiffsbau und der Rhederei, das denselben zur hohen Auszeichnung gereichende allergnädigste Interesse bewahren." Auch an den Großherzog von Oldenburg wurde eilt Telegramm abgesandt. Guben, 2. Juni. Der hier eröffnete 25. Brandenburgische Städtetag nahm einen Antrag an, nach welchem die Haftpflichtversicherung b er Letzrer fdurch die Städte unnötig sei.. Ausland. London, 2. Fmii. (Unterhaus.) Gibson Bowies Lichtet die Frage an die Regierung, ob sie wisse, daß eine deutsche Streitmacht sich im September 1900 eines Teiles des Gebietes des Ko n go st aates b em äch - tigt und die belgischen Streitkräfte von ihren Poften Vertrieben habe. Unterstaatssekretär des Aeußern (Lranborne erwidert: Die Mitteilungen, welche wir von der deutschen Regierung erhalten haben, sagen, daß die deutsch^-kongo- staatliche Kommission mit den Vorarbeiten für Festsetzung der Grenze zwischen den deutschen Besitzungen und dem Kongostaat am Kirn-See beschäftigt sei. Paris, 3. Juni. Ms der Polizeipräfekt Le- biu e gestern nachmittag das Krankenhaus verließ, wo er einen Polizeibeamten besuchte, der bei dem Str aßen krawall verwundet ist, wurde auf ihn aus einem Trupp, der gegenüber dem Krankenhause stand, geschossen. Lepine wurde nicht getroffen. Äe Angreifer flohen. W i en , 2. Juni. Im Abgeordnetenhause brachte D a s - zynski (Soz.) den Dringlichkeitsantrag ein, die Regierung möge ungesäumt Aufklärungen über die heutigen Straßenexzesse in Lemberg geben. (Vergl. „Arbeiterbewegung". D. Red.) Daszynsrr nennt die Regierung ein Ministerium der Massenmorde. Die österreichische Armee sei immer mutig vor dem Feinde geflohen und habe ihre Flintenläufe unverschämiterweise gegen die Brust des Volkes gekehrt. (Widerspruch und Zwischenrufe; Redner erhält den Ordnungsruf.) Ministerpräsident v. Körber erüärt, er habe keine Nachrichten und wisse nicht mehr, als was in den Zeitungen stehe; es sei deshalb voreilig, Angriffe gegen die Regierung zu erheben. Die Regierung finde gewiß nicht ein Vergnügen darin, die Ordnung mit derartigen Mitteln aufrecht zu erhalten. (All- seitige Unruhe.) Abg. Fr es l erklärt, wenn ein Staat nur durch Bajonette und Flinten gegen die eigenen Volksgenossen aufrechterhalten werden tonne, so verdiene er nicht ausrechterhalten zu werden. Abg. Duszynski erklärt im Schlußwort, der Ministerpräsident sei in derartigen Fällen nie genügend unterrichtet. Aus dem Polizeibericht gehe hervor, daß sechs Husaren durch Steinwürfe verwundet, drei Arbeiter durch Gewehrschüsse schwer und 20 leicht verwundet seien. Es sei also jedenfalls geschossen worden. Die Dringlichkeit des Antrages wird hierauf angenommen. Budapest, 2. Juni. Der griechisch-katholische Bischof von Großwardein, Michel Pawel, ist gestorben. Aus Stadt und Land. Gießen, 3. Juni 1902. •* S tudentische Bewegungsspiele. Wie uns mitgeteilt wird, sind die Vorarbeiten nächstens beendet, den hiesigen Studierenden Gelegenheit zu körperlichen Spielen zu geben. Die Anregung dazu haben, wie bekannt, eine Anzahl Männer gegeben, und an alle Universitäten das Ersuchen gestellt, dahin zu wirken, daß durch regelmäßige Spiele ein Gegengewicht gegen das einseitige geistige Arbeiten geschaffen werde. Mehrere unserer Profefforen haben eine Kommission gebildet, und unter Führung eines erfahrenen Spielleiters sollen die Spiele nächstens auf dem Trieb ihren Anfang nehmen. Wir wünschen, daß die Studenten diese Gelegenheit ergreifen und sich in möglichst großer Zahl beteiligen. Eine offizielle Ankündigung des Beginns der Spiele wird nächstens erfolgen. ** T as Regierungsblatt enthält folgende Abänderung des Abschnitts 9 (von der Habilitation) des Statuts über die Organisation unserer Landesuniversität, die alsbald in Kraft tritt. § 46. Wer sich bei einer Fakultät als Privatdozent habilitieren will, hat an die Fakultät ein Gesuch zu richten, in welchem das Fach oder die Fächer bezeichnet sind, über die er zu lesen gedenkt. Dem Gesuch müssen beiliegen: 1. das Zeugnis der Reife für die Universität; 2. die Abgangszeugnisse der besuchten Hoch- schulen^ 3. das Lizentiaten- oder Doktordiplom der entsprechenden Fakultät einer staatlichen Universität mit deutscher Amtssprache; 4. ein in deutscher Sprache abgefaßter Lebenslauf; 5. eine druck- würdige Habilitationsschrift; 6. drei Vorschläge für das Thema einer Probevorlesung. Die Vorlegung einer Habilitationsschrift kann von der Fakultät erlassen werden, falls der Bewerber bereits eine oder mehrere wissenschaftliche Abhandlungen veröffentlicht hat. Hat der Bewerber die venia legendi für das Fach, für das er sich meldet, bereits früher besessen, so kann die Fakulultät Habilitationsschrift und Probevorlesung erlassen. § 47. Die Fakultät beauftragt ein oder mehrere Mitglieder mit der Erstattung eines Vortrags über das Gesuch. Nach Anhörung des Vortrags beschließt die Fakultät über die Zulassung des Bewerbers und bestimmt im Falle der Zulassung, über welches von den drei vorgeschlagenen Themen eine Probevorlesung gehalten werden soll. Die Probevorlesung wird vor versammelter Fakultät gehalten; alle Dozenten der Universität sind dazu von dem Dekan einzuladen. Tie Fakultät kann auch die Zulassung voller Oeffent- lichkeit beschließen. § 48. Falls die Fakultät es nicht für unnötig erklärt, wird mit dem Bewerber ein Kolloquium veranstaltet. Die Reihenfolge, in der Kolloquium und Probevorlesung slattsinden sollen, bestimmt die Fakultät. Geht das Kolloquium der Probevorlesung voraus, so ist der Bewerber zur letzteren mir zuzulassen, wenn die Fakultät das Ergebnis der ersteren für genügend erachtet. Ist dies nicht der Fall, so ist die Bewerbung abzulehnen. § 49. Erklärt die Fakullät die Leistungen des Bewerbers für ausreichend, so beantragt sie bei dem Gesamtsenat die Erteilung der venia legendi. Ist der Gesamtsenat mit dem Antrag einverstanden, so erteilt der Rektor im Namen der Universität die venia legendi and macht davon dem vorgesetzten Ministerium unter Beifügung einer Abschrift des Lebenslaufs Anzeige. 5 50. Die venia legendi wird erst erteilt, wenn der Bewerber Abdrucke der Habilitationsschrift in der bei der Fakultät vorgeschriebenen Anzahl an das Universitäts-Sekretariat abgeliefert hat. Auf dem Titel der Abdrücke ist die Schrift als eine der Universität Gießen vorgelegte Habilitationsschrift zu bezeichnen. Die Bestimmungen über Anzahl und Verwendung der Abdrücke werden von den Fakultäten getroffen. §_&1. Ter Privatdozent soll seinen ausschließlichen Wohnsitz n Gießen haben. Ausnahmsweise kann der Gesamtsenat einen beftnnmten anderen Wohnsitz dauernd oder auf Zeit gestatten, wenn der Dozent darum nachsucht und die Fakultät es befürwortet. $ 52. Wenn ein Privatdozent ohne eine von der Fakultät für ausreichend erachtete Entschuldigung in zwei aufeinanderfolgenden Semestern keine Vorlesung aus dem ihm zustehenden Lehrgebiet anzeigt, ko hat die Fakultät darüber Beschluß zu fassen, ob die Entziehung der venia legendi bei dem Gesamtsenat zu beantragen sei. . § 58. Die Privatdozenten unterstehen der Disziplin der ^andesunwersitat, die vom Engeren Senat gehandhabt wird. Tis- ziplnmrmittel sind: Verivarming, Verweis, Entziehung der venia legendi. Tie Entziehung der venia legendi kann vom Engeren Senat nur nach Anhörung der Fakultät beantragt und nur vom Qmi'eiI-ot .beschlossen werden. Besitzt der Prioatdozcnt einen vom Ministerium erteilten Lehrauftrag, so bedarf die Entziehung der venia legendi bet Bestätigung durch das Ministerium. ..8 54. Von dem Ausscheiden eines Privcudozenten ist dem Wimfleruun Anzeige zu machen. § 55, Aus ihrer Stellung geschiedene ordentliche und außerordentliche Professoren der Landesuniversität sind berechtigt, auf dem von ihnen früher vertretenen oder einem damit verwandten Gebiet eine Lehrthätigkeit an der Landesuniversität auszuüben, sofern die zuständige Fakultät und der Gesamtsenat sich dafür erklären und das Ministerium die Genehmigung erteilt •* Lotterie. Bei der heutigen Ziehung der 3. Klasse der Hessischen Landeslotterie fiel ein Gewinn von 3000 Mk. auf Nr. 19338 (nach Mainz), zwei Gewinne von je 1000 Mk. auf Nr. 14547 (nach Groß-Umstadt) und 29233 (nach Darmstadt), vier Gewinne von je 400 Mk. auf Nr. 1843 4128 23011 37920, acht Gewinne von je 300 Mk. auf Nr. 536 4142 19624 17210 25497 40123 45833 53105, sechs Gewinne von je 250 Mk. auf Nr. 2211 3731 43332 46465 53260 54759, 35 Gewinne von je 200 Mk. auf Nr. 826 1074 2757 2760 3513 4473 9487 10173 10338 11334 12328 13466 15368 15559 15922 16814 17384 19230 20155 20630 22694 27246 27783 29919 31456 32559 34173 36365 36729 37240 37636 39300 48543 51554 54597. (Ohne Gewähr.) ** Einen schlimmen Ausgang nahm ein Wortwechsel, der sich gestern abend gegen 9 Uhr zwischen den Familien eines Schaubuden- und eines Carruosselbesitzers auf der „Schönen Aussicht" entspann. Der Streit artete in Thätlichkeiten aus. Hierbei wurde die Ehefrau des Schaubudenbesitzers mittelst eines gefährlichen Werkzeuges derart am Kopfe verletzt, daß sie in die Klinik gebracht werden mußte. Nach Angabe des Arztes ist die Verletzung lebensgefährlich. Der Thäter sowie sein Sohn wurden verhaftet. ** Tätlicher Sturz. Gestern nachmittag stürzte der Dachdecker Karl Klingelmeier von hier, der bei einem Meister in Butzbach beim dortigen Kasernenneubau beschäftigt war, ab. Er war sofort tot. * Unfall. Auf dem Rudolfsplatz in Marburg fuhr am Sonntag ein Radfahrer aus Treihausen einen jungen Mann aus Gießen, der eine Radtour nach der Nachj- barstadt gemacht hatte, derart an, daß der junge Mann hinstürzte und ein Bein bra ch. Gr wurde in die Mar> burger Klinik gebracht * * Allg emeiner hessischer Katholikentag. Der Landesausschuß der hessischen Zentrumspartei beschloß in feiner letzten Sitzung, dem demnächst in Darmstadt zur Vorbereitung der Landtagswahlen zusammentretenden Landeskomitee die Abhaltung eines Allgemeinen hessischen Katholikentags in Mainz in diesem Jahre in Vorschlag zu bringen. * * Verein der Richter im Großherzogtum Heffen. Unserem gestrigen kurzen Bericht über die Hauptversammlung des Vereins sei noch folgendes nachgetragen: Die Beratungen erstreckten sich über innere Vereins- und Standesangelegen- heiten und zeigten, daß in allen Richterkreisen volle Einmütigkeit hinsichtlich der Wahrung der Standesinteressen besteht. Der seitherige Vorstand, dessen Mandat abgelaufen war, wurde durch Zuruf einstimmig wiedergewählt. An Stelle des verstorbenen Vorstandsmitgliedes Landgerichtsrats Seeger (Gießen) wurde Landgerichtsdirektor Bücking (Gießen) neugewählt. Erfreulich war für die Anwesenden zu hören, daß die vom Verein herausgegebene Fachzeitschrift „Hessische Rechtsprechung" in der besten Entwickelung begriffen ist, fortwährend an Abonnentenzahl zunimmt und dank der umsichtigen Leitung des Oberlandesgerichtsrats Keller einen guten Ruf in der juristischen Welt sich erworben hat. * * Gauturnwart Volp. Schneider. Gestern wurde der Turnlehrer und Gauturnwart Volp. Schneider in Marburg unter großer Beteiligung der Bürgerschaft, sowie der Turner des Gaues Hessen zur letzten Ruhe gebettet. Jahrzehnte versah Schneider den Posten eines Gauturnwarts. Er war ein eifriger Mitarbeiter an der Turnsache sowohl im Mittelrheinkreis wie in der deutschen Turnerschaft überhaupt. Auch in seiner Vaterstadt Marburg stand er in hohem Ansehen; erteilte er doch beinahe 30 Jahre als Turnlehrer der Marburger Jugend den Turnunterricht. Seine Verdienste um die Turnsache sichern ihm ein bleibendes Andenken. Wißmar, 2. Juni. Die Bäckerei von Georg Schneider hier ging durch Kauf für 8000 Mk. in den Besitz des Metzgermeisters Heinrich Abel hier über. Abel beabsichtigt, das Hans umbauen zu lassen und einen schönen Laden einzurichten. Er will das Geschäft bedeutend vergrößern und eine Feinbäckerei errichten. Grünberg, 2. Juni. Am Samstag und Sonntag fand in unserem Städtchen der gutbesuchte Delegiertentag der Kriegerkameradschaft „Hassia" statt. Eingeleitet wurde die Festlichkeit durch einen Kommers am Samstagabend, bei dem außer Reden und Musik-Vorträgen besonders zur Verherrlichung des Abends die lebenden Bilder viel beitrugen. Die geschäftlichen Angelegenheiten, die Sonntag früh im Gasthaus „Zum Rappen" stattfanden, nahmen ungefähr vier Stunden in Anspruch und fanden ziemlich glatte Erledigung. Der wichtigste Punkt der Tagesordnung war die vom Präsidiunt beantragte Gründung einer eigenen achttägig erscheinenden Zeitung vom 1. Januar 1903 ab, die einstimmig gutgeheißen wurde. Als Ort des nächsten Delegiertentages 1903 bestimmte die Versammlung Bingen. Darmstadt, 2. Juni. Die endgiltige Abrechnung über die Ausstellung der Künstlerkolonie 1901 ergiebt ein Defizit von 252 288 Mk. Da der Garantiefonds 262 800 Mark beträgt, so müssen die Garantiezeichner 96 pCt. des gezeichneten Betrages zahlen. Das große Defizit überrascht um jo mehr, als die Einnahmen aus Eintrittsgeldern, Festen und Konzerten 58 000 Mk. mehr betrugen, als veranschlagt worden war. Die Mindereinnahme aus der Lotterie betrug 44 520 Mark (10 480 Mk. gegen 55 000 Mk. i. V.). Das Defizit setzt sich zusammen aus 162 640 Mk. Mehrausgaben und 69 648 Mk. Mindereinnahmen. b. Mainz, 2. Juni. Bei dem Regiments-Exerzieren auf dem „Großen Sande" stürzte heute morgen Hauptmann Bo rn- staedt vom 87. Jnf.-Regiment vom Pferde und zog sich gefährliche Verletzungen zu. Er mußte vom Platz getragen werden. Mainz, 1. Juni. Ter neue Polizeirat von Mainz, Herr Dr. Obstfelder aus Chemnitz, tritt heute in sein Amt ein und wurde vormittags auf dem Kreisamt verpflichtet. — Unter den Bewerbern um die Direktion des Mainzer Stadttheaters soll sich, wie man der „Frkf. Ztg." mitteilt, auch Ernst v. Wolzogen befinden. Woims, 1. Juni. Die letzte Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich mit der Protestresolution, die eine Anzahl hessischer Städte gegen den Beschluß der Zoll^ tarifkommission, die kommunalen Abgaben auf zoll-' pflichtige Nahrungsmittel (Getreide, Hülsenfrüchte, Mühlenfabrikate, Backwaren, lebendes Vieh, Fleisch- und Fleischwaren) vom 1. April nach Einführung des Zolltarifgesetzes aufzuheben, an das Staatsministerium und den Reichstag verfaßt haben. In der Resolution wird die Zulässigkeit einer derartigen gesetzgeberischen Maßnahme bestritten, weil sie einen Eingriff in die Selbstverwaltung der Städte bilde und eine schwere finanzielle Schädigung Hervorrufen ivürde. Oberbürgermeister Kühler meinte, daß man nicht zu erörtern brauche, ob es sozialpolitisch richtig oder unrichtig sei, ein städtisches Oktroi zu erheben. Jedenfalls rede in die Frage, wie eine Stadt ihre Ausgaben zu decken habe, eine Korporation hinein, die nach der Ueberzeugung der Städte hier nicht mitzusprechen habe. Die Oktroieinnahme für Fleisch betrage in Worms jährlich 103 200 Mark. Dieser Ausfall tvürde die Kommunalsteuern um 10 Prozent erhöhen. Um sich davor zu schützen, schloß fick die Stadt Worms, da sich kein Widerspruch erhebt, der Protestresolution der hessischen Städte an. Schwabsburg, 1. Juni. Das heute hier abgehaltene 23. Kirchengesangfest des Evangelischen Krrchen- gesangvereins für Hessen nahm, vom Wetter begünstigt, unter zahlreichster Beteiligung der rheinhessischen Bevölkerung einen ausgezeichneten Verlauf. Nachdem um i/2ll Uhr unter Leitung des Kirchenmusikmeisters A. Mendelssohn die Hauptprobe stattgefunden hatte, folgte die Hauptversammlung des Hess. Kirchengesangvereins für 1902, bei welcher Oberkonsistorialrat D. Flöring von Darmstadt den Vorsitz führte. Nachmittags 1/13 Uhr fand ein erhebender Festgottesdienst statt, worin Pfarrer Grünewald von Mainz die Festpredigt hielt; eine von vielen Hunderten besuchte Nachversammlung im Freien beschloß am Nachmittag das schöne Fest. Frankfurt a. M., 2. Juni. Heute Mittag brach in dem in Fachwerk erbauten Fabrik- und Lagergebäude der Firma Markus u. Co., Fabrik chemisch-technischer Produkte, Spezialität Oele, Obermainstraße 31, im Hofe Großfeuer aus, das das Gebäude nebst allen darin enthaltenen leicht brennbaren Vorräten in kurzer Zeit völlig vernichtete. Das etwa 25 Meter lange, zweigeschossige Gebäude lag inmitten alter Holzbauten, direkt neben den Stallungen der Firma Neumond, deren Baulichkeiten auch stark bedroht waren. Die Feuerwehr beschränkte sich darauf, die Nachbarschaft zu schützen und den auf einige Nachbarbauten übergreifenden Brand zu löschen, da an eine Rettung des brennenden Gebäudes, in dem Oele und Fett lagerten, nicht zu denken war. Als Entstehungsursache wird angegeben, daß ein Arbeiter beim Hantieren mit einem Petroleumkocher vermutlich durch Unvorsichtigkeit eine Explosion herbeiführte. Gebäude und Vorräte sind versichert. Der Schaden wird auf rund 100 000 Mark geschätzt. — Im Frankfurter Stadtwalde kam es in der Nacht zum Sonntag zu einer gefährlichen Schlägerei, in deren Verlauf der Ingenieur einer hiesigen Baugesellschast sowie seine Frau von Arbeitern der Gesellschaft „Naxos- Union" schwer mißhandelt wurden, besonders die Frau in nicht wiederzugebender Weise. Der Streit soll dadurch hervorgerufen worden sein, daß dem einen der Arbeiter, namens Linsner, von den Hunden, die der Ingenieur bei sich hatte, die Kleider zerrissen wurden. Montabaur, 2. Juni. Die Sozialdemokraten stellen bei der bevorstehenden Reichstagsersatzwahl wieder Vetters- Gießen als Kandidaten auf. Ems, 2. Juni. Die Uebersiedelung der Königin Wilhelmina nach Schloß Schaumburg wird durch den Hofmarschall Baron Clifford und einen Kamm er Herrn der Königin-Mutter vorbereitet. Die Herren trafen bereits hier ein. Sie besichtigten die Räumlichkeiten in Schloß Schaumburg und kehrten heute vorläufig nach dem Haag zurück. Der 11. Juni ist als das Datum der Uebersiedelung der Königin Wilhelmina nach Schloß Schaumburg in Aussicht genommen. Die Königin wird von dem Prinz- Gemahl und der Königin-Mutter beglettet tver- den. Die hohen Herrschaften, der zahlreiche Hofstaat, die Pferde, Equipagen, Kücheneinrichtungen usw. werden in zwei Extrazügen befördert. — Schloß Schaumburg wurde 1850 von dem damaligen Inhaber der Grafschaft Schaumburg, dem Erzherzog Stephan von Oesterreich, der den Titel Fürst von Schaumburg annahm, auf einem Berge im Südwesten von Diez erbaut. Der Erzherzog Stephan — der „Wohlthäter und Vater des Lahnthales" — residierte dort von 1848 bis 1866 und machte das 1850 in moderner Gothik durch Boos ausgebaute Schloß zum Glanzpunkt des Lahnthales. Die Schaumburg ist von herrlichem Hochwald und Gartenanlagen umgeben. Nach dem Tode des Erzherzogs Stephan fielen beide Grafschaften an den Prinzen Georg Ludwig von Oldenburg. Jetzt gehören die Grafschaften sowohl wie die Schaumburg dem Fürsten von Waldeck, dem Bruder der Königin-Mutter der Niederlande, der einen Prozeß gegen den Prttizen von Oldenburg anstrengte, der 1887 zu seinen Gunsten entschieden wurde. (Interessante weitere Angaben über das Schloß findet man in dem im Vorjahre bei Emil Roth in Gießen erschienenen vortrefflichen Buche „Das Lahnthal" von H. Lürssen, das wir auch heuer allen Wanderlustigen als besten Ratgeber empfehlen. D. Red. des „Gieß. Anz.") ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Im Palasthotel Fürstenhof in Frankfurt a. M. wollte am Samstagnachmittag der 26 Jahre alte Hausdiener Ernst Löhel im Kellergeschoß das Betriebsdrahtseil des im Parterre haltenden Gepäcklists lockern. Der Fahrstuhl sauste infolgedessen in die Tiefe und erdrückte den untenstehenden Löhel. Der Unglückliche erlitt außerordentlich schwere Verletzungen: einen Beckenbruch, einen Oberschenkelbruch, mehrere Rippenbrüche und innere Verletzungen. Trotzdem blieb er bei vollem Bewußtsein. Er wurde im Rettungswagen nach deni Bürgerspital gebracht, wo er nach einer halben Stunde starb.________________________________________ Landwirtschaft. Kaiserslautern, 2. Juni. Bei dem gestrigen Empfangsabend der W a n d e r v e r s a m m l u n g der b a p e r i s ch e n Landwirte wies P r i n z Lu d w ig uon Bayern in einer längeren Ansprache ans die vielen großen Fortschritte hin, welche die Landwirtschaft in den letzten 30 Jahren gemacht habe, und betonte die Notwendigkeit, daß alle erwerbenden Stände zusammen- wirken müßten. Weder die Industrie, die jetzt schwere Zeiten habe, dürie den Mut verlieren, noch die Landwirtschaft. Alle sollten miteinander vorwärts streben. Der Minister des Innern Dr. I v. Feilitzsch hielt eine Rede, worin er hervorhob, daß die Staatsregierung stets das Ganze im Auge haben müsse und keinen einzelnen Stand bevorzugen dürfe. Er sagte der Landwirtschaft t h u n l i ch st e Unterstützung zu; denn wenn es der Landwirtschaft gut gehe, so gehe es auch der Industrie und den Gewerben gut. — Beim Festessen hielt wiederum Prinz Ludwig eine längere Rede, in welcher er an die Bemerkung des Vorredners anknüpfte, daß auch in der Geschichte der Pfalz gute und schlechte Tage wechselten; überall zeige sich im Leben der Völker, daß nur die sittliche Tüchtigkeit eines Volkes über schlechte Zeiten hinweghelfe. Prinz Ludwig ging dann auf die Viehausstellung ein, welche mit der Wanderverjannnlung verbunden ist, und besprach eingehend die Vorteile, die Viehzucht derart zu fördern, daß für inöglrchst große Bezirke einheitliche Vieh- schläge gezüchtet werden. Arbeiterbewegung. Lemberg, 2. Juni. Eine Gruppe ausständiger Bauarbeiter insultierte aus dem Schuttenplatze eine von der Hebung zurückkehrende Kompagnie des Io. Jnfantt-Ngts. und bewarf sie mit Steinen. Eine Husarenabteilung wurde aufgeboten uird säuberte den Platz. Die Arbeiter warfen in den Häusern, die am Schutterrplatz einmünden, die Fensterscheiben ein. Rach den: Polizeiberichte wurden 5 Husaren durch Steinwürfe, 20 Arbeiter durch Säbelhiebe, 3 durch Gewehrschüsse verwundet. Zur Aufrecht- erhaltung der Ordnung ist Militär requiriert. — Am Nachnuttag fand auf dem Krakauer Platze abermals ein Zusammenstoß zwischen ausständigen Arbeitern, welche Polizeibeamte überfielen und einer Militärabteilung statt, welche von der Feuerwaffe Gebrauch machen mußte. Drei Personen wurden tätlich verletzt, die im Krankenhause ihren Verletzungen erlagen. Gegenwärtig herrscht Ruhe. Univer sttütsUnch t i ch teil. — Der Fall Woth. Der Rektor der Berliner Universität bringt jetzt zur Kenntnis der Studierenden, daß der Akademische Senat in seiner Sitzung vom 28. v. M. einen Studenten, „welcher wesentliche Teile einer von ihm gehörten und nachgeschriebenen Vorlesung eines Universitätslehrers ohne dessen Genehmigung durch den Druck veröffentlicht hat", mit Androhung der Entsernung von der Universität (Unterschrift des consilinm abeundi) bestraft hat. Gingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehender Mtikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Erklärung. Auf die Erwiderung des Herrn Prof. Biermer in Nr. 126 Ihres Blattes stelle ich Folgendes fest: Die vereinigte medizinische Fakultät hatte sich ausweislich der Akten einstimmig dafür erklärt, daß der D e k a n als solcher (nach Benehmen mit dem Herrn Vorsitzenden des veterinär-medizinischen Kollegiums) im Gießener Anzeiger einen Artikel als Erwiderung auf die sogenannte Festnummer veröffentliche. Dementsprechend habe ich irtetrten Entwurf an das veterinärmedizinische Kollegium gegeben und nach der Beratung von Seiten desselben die endgiltige Fassung mit dem Herrn Vorsitzenden festgestellt. Der Artikel wurde Donnerstag den 29. Mai abends zur Post gegeben. Freitag früh teilte mir Seine Magnisizenz, als der Druck-Satz des Artikels bereits fertig war, schriftlich mit, daß Professor B. die Absicht habe, sich als Verfasser öffentlich zu nennen. Diese Mitteilung wurde von mir mit dem Herrn Vorsitzenden des veterinär-medlzinischen Kollegiums sofort beraten mit dem Resultat, daß eine Veranlassung zur Inhibierung des Druckes oder Aenderung des Wortlautes nicht vorliege. Dementsprechend wurde Sr. Magnifizenz von mir am 31. folgendes mitgeteilt: „Herr Biermer ist dem Lesepublik nm des „G. A." gegenüber bis jetzt noch Anonymus. Ich habe mich in keiner Weise für berechtigt gehalten, denselben zu nennen. Ein Anschlag am schwarzen Brett hätte hierin nichts geändert, selbst wenn er vor Abfassung meiner Erwiderung erfolgt wäre. Nennung des Namens hätte von meiner Seite als Denunziation aussehen müssen." Dies zur formellen Seite der Angelegenheit. Sachlich hat Herr Professor Biermer nichts erwidert. Prof. Dr. Sommer. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Juni Barometer auf 0° reduziert Temperatur der Luft Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchttgkeit si -S ‘8' '•C va s Windstärke Wetter 2. 2“ 747,8 31,2 11,9 35 NE. 1 Sonnenschein 2. 9“ 748,8 22,2 12,8 64 NftE. 1 KlarerHimmel 3. rj 25 749,5 21,3 13,2 70 NW. 1 Sonnenschein Schauspielhaus. Mittwoch den 4. Juni *): „Alt-Frankfurts Donnerstag den 5. Juni: „Viel Lärm um nichts." Freitag den 6. Juni: „Alt- Heidelberg." Samstag den 7. Juni: „Im weißen Rößl." Sonntag den 8. Juni: „Alt-Frankfurt." *) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr. Neueste Wellungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. S. Darmstadt, 3. Juni. 2. Kammer. Die Vorstellung der Polizei- und Gemeindediener der Provinz Rheinhessen sowie der Kreise Heppenheim, Dieburg u. Friedberg betr. Regelung ihrer Gehaltsverhältnisse wird für erledigt erklärt, nachdem Staatsminister Rothe zugesagt hat, daß bei Umänderung des Gemcindebeamten-Gesetzes diese Fragen geregelt werden sollten. Eine längere Erörterung entspinnt sich über die Anfrage des Abg. Weidner betr. die Bureaukosten und Diensteinkommen der Bürgermeister. Staatsminister Rothe hebt anerkennend die Thätigkeit der Bürgermeister hervor. Die Regierung sei einer Revision der Gebührensätze nicht abgeneigt. Die rheinhess. Abgg. betonen, daß das Bürgermeisteramt möglichst als Ehrenamt zu halten sei. Es folgt die Besprechung der Anfrage Cramer, betreffend Ueberschreitung des Züchtigungsrechts seitens des Lehrers Breidenbach-Eberstadt. Abg. Backes tritt für ihn em. Es entspinnt sich eine längere Debatte über den Wert der Prügelstrafe. Paris, 3. Juni. Das Ministerium wird heute seine letzte Sitzung abhalten und dann dem Präsidenten seine Demission überreichen, die morgen im „Journal officieP veröffentlicht werden wird. Loubet wird dem Brauch gemäß zunächst die Präsidenten des Senats wie der Kammer berufen, um sich mit ihnen über die politische Lage zu beraten. In parlamentarischen Kreisen verlautet, daß sie dem Präsidenten den Vorschlag machen werden, Brisson mit der Bildung des neuen Kabinets zu betrauen. Man hält es aber auch für möglich, daß dieser die Aufgabe aus Gesundheitsrücksichten zurückweist. Dann dürfte sich Loubet an den Senator Co mb es wenden. Es heißt, daß Delcassö, A n d r 6 und wahrscheinlich auch L a n e s s v n dem zukünftigen Ministerium angehören werden. Als weitere Mitglieder werden genannt Chaunieur für Justiz, Mauriee Fa u re für Unterricht, Etienne für Kolonien und Ko uv i er für Finanzen. — Der Polizeikommissar, der im Auftrage des Untersuchungsrichters die Bücher gewisser Bankiers zu prüfen hatte, die mit Frau Humbert geschäftlich in Verbindung standen, hat festgestellt, daß einzelne dieser Bankiers der Frau Humbert eine große Anzahl von Renten- koupons leihweise überlassen haben. So wurde sie in den Stand gesetzt, ihren Gläubigern und Opfern vorzuspiegeln, daß sie wirklich 100 Millionen französischer Reichstitres besitze. Es heißt, daß die Staatsanwaltschaft beabsichtigt, gegen die Bankiers strafrechtlich einzuschreiten. Paris, 3. Juni. Die in den staatlichen Tabak- und Streichholzfabriken der Provinz beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen schloffen sich fast alle dem von den Pariser Fabriken beschlossenen Generalausstand an. Newyork, 3. Juni. Der aus Colon in Kingston eingetroffene Dampfer „Atrato" berichtet, in der letzten Woche hätten bei Boca del Toro schwere Kämpfe stattgefunden. Die Aufständischen hätten die Stadt unterminirt und die Minen seien explodiert, als die Regierungstruppen in die Stadt marschierten, um sie zn besetzen. Die meisten der Regierungssoldaten seien getötet worden. Boca del Toro werde von den Aufständischen behauptet. Colon und Panama seien die einzigen Städte auf dem Isthmus, welche sich in der Gewalt der Regierung befinden. Tientsin, 3. Juni. (Reuter.) Großfürst Cyrill Wladimirowitsch ist gestern hierdurchgereist. Er begibt sich nach Peking zu kurzem Aufenthalte. Der Aufstand im Süden von Petschili breitet sich nach Berichten katholischer Missionare wieder aus. Die Dorfbewohner sollen die zu ihnen entsandten Vertreter der Regierung, welche sie aufforderten die Waffen niederzulegen, erschossen haben. Höchste Ternperattrr Niedrigste „ am 1. bis 2. Juni 31,3° C. „ 1. „ 2. „ 13,4° 6. Spielplan der vereinigten Frankfurter Stadttheater. Opernhaus. Mittwoch den 4. Juni, abends halb 8 Uhr: „Hänsel und Gretel." Hierauf: Tanzbilder (Ballet-Divertissement). Donnerstag den 5. Juni, abends 6 Uhr: „Die Meistersinger von Nürnberg." Freitag Den 6. Juni, abends halb 8 Uhr: „Die Zauberflöte." Sarastro: Herr Karl Reich vom Stadttheater in Olmütz als Gast. Samstag den 7. Juni, abends 7 Uhr: „Das Glöckchen des Eremiten." Sonntag den 8. Jnni, abends 7 Uhr: „Fidelio." Montag den 9. Juni geschloffen. Zum südafrikanischen Frieden. London, 3. Juni. Gleich nach der Erklärung L-ord Salisburys im Oberhause hatten die Wandelgänge ein außerordentlich bewegtes Bild. Alles strömte hinaus und diskutierte lebhaft. Die Bedingungen werden als äußerst günstig für die Buren erklärt. Doch herrschte nur eine Stimme: „Gott sei Dank, daß es vorüber ist." Alles weitere wird von dem heilenden Einflüsse der Zeit erwartet. Man glaubt, daß F o u ch e und andere Kommando sichrer in der Kapkolonie, die noch im Felde stehen, sich freiwillig ergeben werden, um die unter den jetzigen Bedingungen gebotenen Vorteile nicht zu verlieren. Größere englischie Truppentdrper teert)en wayrMernUch jetzr noch mcyr nati, Hause gebracht werden, da noch zu viel Arbeit für dass Militär vorhanden ist. Nach der St. James Gazette bleiben nahezu 100 000 Mann noch in Südafrika. Bloemfontein und Pretoria erhalten starke Besetzungen. Kitchener soll sofort nach England zurückkehren, General Lyttle- ton soll ihn ersetzen. — In den Straßen Londons hatten sich nugeheure Menschenmengen versammelt, die mit allen möglichen Instrumenten einen großen Lärm machten. Um den König zum Lever fahren zu sehen, hatten sich ungeheure Menschenmengen auf dem Wege vom Buckingham Palast nach dem St. James-Palast ausgestellt. Der König wurde beim Vorüberfahren mit frenetischem Jubel begrüßt) Dem Lever wohnte auch der deutsche Botschafter bei. Der P a p st hat dem König telegraphisch zum Frieden gratuliert. Auch vor dem Parlament standen die Leute Kopf an Köpft die den Ministern bei ihrer Ankunft Ovationen darbüachterr, Aus dem Grade derselben war offen ersichtlich, daß Cham* berlain augenblicklich der populärste Mann in England ist. Der ihm gezollte Beifall übertrifft alle anderen Kundgebungen bei wettern. Er nahm die Dirnen-, sionen einer großen Huldigung des Volkes an. Der Kolo-, nialminister ging g.anz gegen seine Gewohnheit zu Fuß vom Kolonialamt nach dem Parlament und wurde auf dem ganzen Wege von der Menge mit begeisterten Hochs und» unter begeisterten Zurufen empfangen. Die Ordnung wurjde nirgends gestört. — Die Buren wollten am 14. Mai ihre Unabhnägigkeit bezüglich aller auswärtigen Beziehungen aufgeben, aber wünschten eine Selbstregierung unter br^ tischer Oberaufsicht. Diese Bedingung wurde vou Milwer und Kitchener abgelehnt. Am 28. Mai wurde der englische Entwurf den Buren bor gelegt. Am Sonntag nnterzeich^utterr ihn noch 10 Delegierte. Berlin, 3. Juni. Aus den bisher vorliegenden P^etz, stimmen geht hervor, daß die Friedens-Bedingungen im Allgemeinen von den Blättern als ungünstig für die Buren bezeichnet werden. Die „Passiv hebt hervor, das einzige Zugeständnis der Engländer 'be- stehe darin, daß über keinen Rebellen die Todesstrafe verhängt werden soll. Die „Tägl. Rundschau" bezeichnet alS den schlimmsten entscheidenden Punkt in dem Vertrage: die Anerkennung des llnterthanen-Verhältnisses zu England, der den Wert aller Zugeständnisse fragwürdig mache. Nach Ansicht der „Voss. Ztg," wird die Buren auf das schmerzlichste berühren, daß ihren Stamm es genossen aus der Kap-Kolonie keine Amnestie zugebilligt wird. Das „Bt. Tagebl." bezeichnet die Friedens-Bedingungen als durchaus ehrenhaft. Es sei jetzt Sache einer llugen versöhnlichen Polittk der englischen Regierung, zu verhinderns daß die Zahl der Grollenoen, zu denen es den Präsidenten Krüger rechnet, nicht im Laufe der Zeit gefährlich anwächstt Der „Börfen-Courier" schreibt: Die Buren seien nunmehr auf den guten Willen und das Entgegenkommen der britischen Regierung angewiesen. Man werde es aber bedauern müssen, wenn England nicht in dollem Maße Großmut und Weitherzigkeit walten ließe. Pretoria, 3. Juni. Die Burenführer sind ab gereist, um ihre Kommandos zu veranlassen, sich den englischen Bedingungen zu unterwerfen. Man rechnet damtt, daß die Niederlegung der Waffen ungefähr zwei Wochen in Anspruch nehmen werden. — Lord Hamilton, begleitet von einem Generalstabs-Hauptmann, hat Pretoria verlassen und begiebt such nach London, um dem Könige die amtlichen Schriftstücke über die Friedens bedingungen zu überbringen. Haag, 3. Juni. Die Buren-Delegierten Wessels und Wolmarans haben es abgelehnt, über ihre 2ttr- sichten betreffend den Friedensschluß etwas mitzuteilen. Sie erklärten, man werde vorläufig Stillschweigen beobachten. Die Nachricht des Friedensschlusses ist hier mit sehr gemischten Gefühlen aufgenommen worden. Man freut sich zwar über die Einstellung der Feindseligkeiten, betrauert aber den Verlust der Unabhängigkeit. London, 3. Juni. Die Glückwunschtelegramme europäischer Regenten an König Eduard zu veröffentlichen ist den Blättern verboten. Es wird nur mitgeteut, daß diese Depeschen in herzlichen Worten abgefaßt waren. Telephonischer Kursbericht. .Frankfurt a. LR. 372% Reichsanleihe . . 102.00 3% do. ... 93.10 37,o/o Konsole .... 101.90 30/0 do.....92.75 31/2% Hessen .... 100.00 3»/2% Oberhessen . . . 99.15 4% Oesterr. Goldretne . . 102.90 4‘ 2% Oesterr. Silberrente 110.70 4% Ungar. Goldrente . . 101.70 4°/ Italien. Rente . . . 102.80 47z % Portugiesen . . . 45.30 .1°/ Portugiesen. .... 29.15 1% C. Türken .... — Türkenlose ...... 112.40 4% Orieoh. Monopol.-Anl. 44.50 47,% äussere Argentiner —.— 3. Juni 1902. 8u/o Mexikaner .... 25.55 47s /o Chinesen .... 90.80 Electric. Schuckert . , . 102.00 Nordd. Lloyd . . . . —...— Kreditaktien , . . . , 216.00 Diskonto-Kommandit. . , 189.20 Darmstädter Bank . . . 140.70 Dresdener Bank .... 149.00 Berliner Handelsges. , . 159.70 Oesterr. Staatabahn . . . 148.20 Lombarden ..... 17.80 Gotthardbahn.....168.00 Laurahütte...... 208.80 Bochum 202.00 Harpener ...... 181.00 Tendenz: fest. 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