Donnerstag 3* April 1008 ISS. Jahrgang Zweites Blatt. SiehenerAnzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Nr. 77 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel tmt dem kcsfischen Landwirt die Gießener ZamtlieN' blätter viermal in der Woche beigelegt. RotattonSdruck tu Verlag der Brüh l'schen Univers.-Buch- u. Steindruckerei (Pietsch Erbens Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul st ratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. FernsprechansLluß Nr. 51. VezngSpreisr monatlich 7bPf.,viertele jährlich Rlk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel- jährl. auSfchl. Bestellg. Annahme von Anzeige» für bie Tagesnummer biS vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12 Ps^ auswärts 20 Pfg. Verantwortlich: für den oolit. u. allgem. Teil: P. Wittko: für .Stadt und £onb* und „Gerichtssaal^:R.Ditt- mann; für den Anzeigenteil: Han8 Beck. Die heutige Kummer umfaßt 8 Seiten. Volitische Tagesschau. Graf Bülow in Venedig. ES war zu erwarten, daß sich an die Begegnung des Reichskanzlers mit dem italienischen Minister des Auswärtigen Prinetti in Venedig haltlose Kombinationen knüpfen würden. Das ist denn auch geschehen. Die deutsche Presse allerdings hat die Osterreise des Grafen Bülow iin ganzen kühl behandelt — was, nebenbei gesagt, den Italienern, die sich nach ihrer Verständigung mit Frankreich gern als die Umworbenen sehen möchten, nicht behagt. Um so ausschweifender ist dagegen die Phantasie der österreichischen Blätter gewesen. Ein römisches Blatt dagegen veröffentlicht, wie uns bereits gestern eine Drahtnachricht in Kürze meldete, dieser Tage eine Unterredung eines seiner Mitarbeiter mit dem Grafen Bülow, die heute vom offiziösen „W. T. B " verbreitet wird und daher eine Art halbamtlichen Charakters erhält. Interessant ist namentlich Bülows Erklärung, daß sich in den deutsch-italienischen Beziehungen infolge seiner Begegnung mit Prinetti nichts geändert habe. Danach wäre die Verlängerung des Dreibundes also bereits vorher beschlossene Sache gewesen und es hätte sich bei der Besprechung in Venedig vielleicht nur um einige Einzelheiten gehandelt. Der Reichskanzler fügte hinzu, die italienischdeutschen Beziehungen hätten niemals aufgehört, vom Geiste des gegenseitigen Vertrauen s erfüllt zu sein. Auf die Frage, ob Deutschland einer möglicherweise erfolgenden Expedition Italiens nach Tripolis sich widersetzen würde, antwortete der Reichskanzler: es habe als einziges Interesse im Mittelländischen Meere dasjenige, den berechtigten Einfluß seiner Verbündeten sich dort friedlich entwickeln zu sehen. Deutschland stimme Allem zu, was zum Ansehen Italiens beitragen könne und zweifle nicht an der Einsicht der italienischen Regierung. Das sieht allerdings nicht besonders ermunternd für die Italiener aus. Jedenfalls hat Graf Bülow damit sagen wollen, daß er den Dreibund als eine „Versicherungsgesellschaft" und nicht als „Erwerbsgenossenschaft" betrachte. Sehr bemerkenswert ist dann, wie Graf Bülow über den deutschen Zolltarif gesagt hat. Er erklärte, bezüglich des deutsch-italienischen Handelsvertrages, der von der deutschen Negierung eingebrachte Zolltarif trage einen gemäßigten Charakter und enthalte kein Hindernis, sondern bietet eine gute Grundlage für einen deutsch-italienischen Handelsvertrag. Der „Deutschen Tageszeitung" mißfällt es, daß der deutsche Reichskanzler einem ausländischen Journalisten über den deutschen Zolltarif, der doch bis zu seiner Fertigstellung und bis zum Beginn neuer Handelsoertragsverhandlungen eine ganz und gar heimische Angelegenheit sei, Rede und Antwort gestanden hat. Oder sollen wir, so fährt das agrarische Blatt fort, darin eine Bestätigung sehen, daß die Verhandllmgen zwischen der deutschen und der italienischen Regierung schon begonnen haben, ja daß gar, wie auch aus den Aeußerungen des Frhrn. von Richthosen in der Kommission zu entnehmen ist, unsererseits an Italien bereits vor Fertigstellung des Tarifs in der Vorberatung bestimmte Konzessionen gemacht worden sind? Das Verhallen unserer Regierung zwingt uns fast zu dieser Annahme. Das Ergebnis einer solchen Haltung könnte leicht das Gegenteil dessen sein, was sie bezweckt. Denn wenn unsere Regierung später nicht in der Lage ist, ihre Versprechungen Italien gegenüber einzuhalten, so würde statt der mit ihnen zu erkaufenden größeren Herzlichkeit in den deutsch- italienischen Beziehungen eine entsprechende Verstimmung die Folge fein. Der deutsche Reichstag aber kann und darf keine Rücksicht nehmen aus Abmachungen, die einerseits seine verfassungsmäßige Stellung eliminieren und andererseits die deutsche Volkswirtschaft gefährden würden — bloß damit uns von Herrn Prinetti ein freundltches Gesicht gezeigt werde. Denn mehr haben mir dafür nicht zu erwarten. Braucht Italien den Dreibund, so wird es auch ohne wirtschaftliche Zugeständnisse darin bleiben. Braucht es ihii dagegen nicht, so werden auch die größten Geschenke, die wir ihm machen, uns seine Bundeslreue nicht sichern. Die süddeutsche Reise des Grafen Posadowsky. Wie der „Schwab. Merkur" meldet, wird der Staats- serketär, Staatsminister Graf Posadowsky am Freitag in Stuttgart eintreffen, um sich auch mit der wurttem- bergischeu Regierung über verschiedene schwebende Fragen persönlich ins Einvernehmen zu setzen. Am Samstag wird Graf Posadowsky vom König von Württemberg empfangen und zur Tafel geladen werden. Daß Zolttarisentwurf und Reichsfinanzreform die , Ferienaufgabe" des Grafen Posadowsky auf seiner Besuchsreise zu den süddeutschen Regierungen bilden, darf als sicher gelten. Die erstere Angelegenheit ist natürlich die bei weitem wichtigere und dringlichere. 9hir hinsichtlich der Schwierigkeit, eine Reichstagsmehrhcit zu gewinnen, stehen sich beide Angelegenheiten gleich Es heißt, Gras Posadowskl) wolle die süddeutschen Regierungen befragen, ob sie nicht doch eine Klei- nigkeit zulegen wollen zu den landwirtschaftlichen Zöllen, im Sinne des bekannten Kompromißantrages. Wir halten bis auf weiteres für ausg^ schloßen, da» die Regierungen sich derart in Widerspruch setzen zu ihren eigenen, wiederholten und bestimmtesten Erklärungen, daß die Grenze der Zugeständnisse erreicht ist. Zudem, selbst das Eingehen auf den K'ompromrhantrag würde noch nicht die „Rettung" des Tarifentwurfs garantieren. Kein Parteiführer konnte sich dafür stark machen. Vielmehr, dies Darreichen des, „kleinen Fingers" wurde jmn Griff nach der ganzen rgand" ermutigen. Deutsches Deich. Berlin, 2. April. Wie wir vernehmen, hat der Kaiser sich für Freitag beim englischen Botschafter zum Tiner angesagt. Zu demselben sind zahlreiche Einladungen ergangen. — Ter Kaiser wird sich bei den Krönungsfeierlichkeiten in England durch den Prinzen Heinrich vertreten lassen. In dessen Begleitung werden sich außer dem Hofmarschall Frhrn. v. Seckendorfs und einem Adjutanten als persönliches Gefolge Generalfeldmarschall Graf Waldersee, Lldmiral von Köster, der Oberhofmarschall der verstorbenen Kaiserin Friedrich Graf von Seckendorfs und Flügeladjutant Oberst Graf von Hohenau befinden.' Auch die Prinzessin Heinrich wird sich, einer Einladung des Königs von England folgend, zu der Feier nach London begeben. — Tie Kaiserin wird, wie verlautet, mit ihren jüngsten Kindern im Laufe des Sommers einen längeren Aufenthalt in Badenweiler nehmen. — Großherzogin Viktoria Melita von Hessen, die Anfang Mai mit ihrer Mutter aus Nizza nach Coburg zurückkehrt, steht zurzeit in Unterhandlung wegen Ankaufs des Schlosses des Frhrn. v. Mayer auf Ketschendorf, da letzterer nach Frankfurt a. M. zu verziehen beabsichtigt. — Ter hiesige amerikanische Botschafter White ist gestern in Venedig eingetroffen und wird bis Anfang nächster Woche sich dort aushalten. — Ter Witwe des Abg. Dr. Lieber sind zahlreiche Beileidstelegramme von hohen Reichs- und Staatsbeamten zugegangen, u. a. auch aus Venedig vom Grafen Bülow. Ter „Germania" zufolge beklagte der Papst den: Zen- trums-Abg. Tr. Schwartze gegenüber, den er in Privat- Audienz empfing, das hinschechen des Abg. Tr. Lieber, indem er anknüpsend daran der Hoffnung Ausdruck gab, daß die „ruhmreiche Institution des Zentrum sich unter der jetzigen Leitung weiter entwickele". Graf Bülow betont in seinem Beileids-Telegramm: „Die Lauterkeit und Selbstlosigkeit des Charakters, Ueberzeugungstreue und hingebeude Thätigkeit im Dienste des Vaterlandes, um dessen Wehrkraft er sich hohe Verdienste erworben habe, sicherten dem verstorbenen Dr. Lieber ein dauerndes Andenken". Staatssekretär Graf Posadowsky spricht in einer Kondolenz-Depesche von Liebers Selbstlosigkeit und seinen großen Verdiensten um das deutsche Vaterland." — Ein neues Defizit kommt laut der „Freis. Ztg." zu tage in der soeben dem Reichstage zugegangenen Uebersicht über die Einnahmen und Ausgaben des ost- afrikanischen Schutzgebietes für 1899. Diese Uebersichten kommen aus den Schutzgebieten stets ein oder zwei Jahre später, wie nach 'den sonstigen Uebersichten der Reichsresjorts. In dem soeben vom Reichstage fest- gestellten Etat für 1902 ist die Deckung eines Defizits von Teutsch-Ostafrika von 1898 im Betrage von 1470 692 Mk. vorgesehen. Jetzt kommt also noch hinzu ein Defizit aus dein Jahre 1899 im Betrage von 566 396 Mark, für welches eine Teckung nirgends vorhanden ist. Man hat 1899, wie man sagt, zur Behebung eines drückenden Mangels an Tienstwohnungen fünf Grundstücke für 204 582 Mark angekauft, die im Etat nicht vorgesehen waren. Tann hat man zu Expeditionen der Schutztruppe infolge kriegerischer Verwickelungen 159 063 Mart über den Etat hinaus verausgaben müssen. Derneburg, 2. April. Die Beisetzung des Fürsten Münster fand heute nachmittag im Schloßpark im Beisein einer glänzenden Traucroersammlung statt. Neben den Familienmitgliedern war Graf Waldersee als Vertreter des Kaisers erschienen. Präsident Loubet hat den Botschafter de Noailles mit der Vertretung beauftragt. Tas Auswärtige Amt vertrat der Wirkt. Geh. Regierungsrat Eichhorn. Außerdem hatten der Großherzog von Baden, Prinz Atbrecht von Preußen, der Fürst von Schaumburg Lchpe besondere Vertreter entsandt. Im Auftrage des Kaiserpaares wurden Blumen-Arrange- ments am Sarge niedergetegt. Die Beisetzung des Fürsten erfolgte in der Gruft neben der vor zwei Jahren Heimgegangenen Tochter. Stuttgart, 1. April. Die Lan d esv er samm- lung der württemberg'ischen Sozialdemokratie war von 263 Telegierteu besucht. Der Jahresund Kassenbericht weist einen günstigen Stand auf. Schlegel-Eßlingen referierte über die Reichspolitik, namentlich über die mißliche Finanzlage. Landtagsabg. Keil-Ludwigsburg erörterte die ungünstige finanzielle Lage Württembergs, die auf den teueren Verwaltungsapparat und auf das Eisenbahnsystem zurückzuführen sei. Tie Einführung von Reichs-Eisenbahnen sei notwendig. Die Versammlung nahm eine Resolution an, die sich gegen die Steuervorlage der Regierung ausspricht, weit Jie nur im Interesse der bessersituierten Stände entworfen sei. München, 2. April. Die „Münch. Allg. Ztg." schreibt: Wie wir hören sind in der heutigen Konferenz zwischen dem Staatssekretär Grasen Posadowsky und den Ministern Graf v. Crailsheim, Frhrn. v. Riedel und Frhrn. v. Feilitzsch eine Reihe Wirtschafts- und zotlpolitisch er Fragen zur Behandlung gelangt, wobei sich eine erfreuliche völlige Ueberein- stimm uu g ergeben hat. '"Ausland. London, 2. April. Nach einem Telegramm aus Shanghai hat die chinesische Regierung die dritte Entschädigungsrate an die fremden Regierungskommissare ausge- zahlt. Tie Summe beläuft sich auf 18 Millionen Taels. Paris, 2. April. Aus Algier wird gemeldet: T r u- mont, der Leiter der „Libre Parole", ist hier eingetMffcu. Er begab sich zum Rathause, wo er vor der versammelten. Volksmenge eine Llnsprache hielt. Hierbei kam es zu einem furchtbaren Tumult zwischen den Antisemiten und den Republikanern. Es entstand ein förmlicher Kampf, der zu der Verhaftung von einigen 30 Personen, darunter mehreren Journalisten, führte. Mehrere'der Verhafteten mußten ins Hospital gebracht werden. Paris, 2. April. Der Minister des Acußcrn Del- cassö veröffentlicht ein Gelbbuch, das die auf die Zucker- konfercnzen von 1890 bis 1902 bezüglichen diplomatischen Aktenstücke enthält. In einer Depesche aus Berlin vom 11. Mai 1900 richtete der Botschafter de Noailles an Delcasss eine Note, die eine Darstellung der Ansicht der deutschen »und der österreichischen Regierung über die Abschaffung der Prämie giebt. Im Anschluß an die Verhandlungen, die von französischen Delegierten geführt wurden, teilte der franzchijche Geschäftsträger in Berlin Delcassö am 8. September 1900 mit, daß Deutschland und Oesterreich geneigt seien, Bevollmächtigte nach Paris zu schicken, um dort über die Prämienfrage zu verhandeln. Nach Austausch von Depeschen wurde die Zusammenkunft dieser Bevollmächtigten in Paris für den 10. Oktober festgesetzt. Das am 22. Oktober ausgenommene Protokoll enthält die Punkte, über die man sich geeinigt hat, um dieselben der Brüsseler Konferenz zu unterbreiten. Slm 12. November 1901 giebt Delcasss bekannt, daß er mit dem Zusammentritt der Konferenz in Brüssel ?.rm 16. Dezember einverstanden sei. Hieran schließen sich die Protokolle der 24 Sitzungen der Zuckerkonferenz, das Abkommen vom 5. März 1902 und das Schlußprotokoll. Ten Abschluß des Gelbbuches bilden Mitteilungen von verschiedenen aus der Konferenz vertretenen Regierungen über die Zuckergesetzgebung, sowie Zuckerproduktion und Zuckerhandel. Wien, 2. April. Gegenüber Blättermeldungen, nach denen die wirtschaftspolitischen Verhandlungen zwischen Oesterreich-Ungarn in der letzten Zeit eine kritische Wendung genommen haben, ist die „Budapester Korr." zu der Erklärung ermächtigt, daß in den Beziehungen der beiderseitigen Regierungen nicht die geringste Aenderung einge- Ireten ist und daß namentlich die Fertigstellung des neuen Zolltarifs nach der von Anbeginn in Aussicht genommenen Methode erfolge. Triest, 2. April. Nach hier eingelaufenen Meldungen antwortete General Rizziotti Garibaldi auf das Ersuchen der albanesischen Notablen, um Organisation einer Gari- baldiairischen Expedition nach Albanien in zustimmendem Sinne, wenn ihm die notwendigen Geldmittel zur Verfügung gestellt werden. Belgrad, 2. April. Wie hiesige Blätter melden, wurde die Auszahlung der Pensionsbezüge des früheren jetzt in Wien lebenden Ministerpräsidenten Ge- orgewitsch eingestellt. Konstantinopel, 2. April. Gestern kam es hier zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen Franzosen und Italienern. Zwei Italiener waren mit einigen Franzosen in Streit geraten, an welchem sich auch die beiderseitigen Familienmitglieder beteiligten. Es wurden Rkwolverschüfie und Messerstiche gewechselt, wobei mehrere Personen verwundet wurden. Tie beiden Italiener wurden durch einschreitende Truppen verhaftet, nachdem bereit Freunde die Polizei-Agenten mit dem Tode bedroht hatten. Buenos-Ayres, 2. April. Ter Präsident von Colorado, Manuel San Elemento, ist am 19. März gestorben. Er war 1898 zum Präsidenten gewählt worden. (Das verspätete Eintreffen dieser Meldung ist auf das Wüten der Revolution in Colorado zurückzuführen.) Vom Vurrnkrieg. Eine Depesche Lord Kitchencrs aus Pretoria besagt: Oberst Lawley meldet aus Boschman § kop von einem lebhaften Gefecht, das am 31. März stattgefuuden hat. Oberst Lawley entsandte die zweiten Gardedragoner, welche zehn Meilen östlich vorgeyen sollten, da er bie Absicht hatte, am Morgen des folgenden Tages zu ihnen zu stoben. Ten Dragonern gelang es gestern bei Tagesanbruch, den Feind zu überraschen, der euer Unterstützung erhielt, sodaß die Dragoner noa; heftigem Zusammenstoß sich kämpfend auf das Hauptkorps zuruckziehen mußten. Dieses rückte inzwiscyen in der Richtung vor, aus der das Gewehrseuer vernommen wurde, und warf den Femd in nordöstlicher Richtung zurück. Auf englisch er Seite wurden 4 Offiziiere verwundet. Ter Verlust des Feindes ist bedeutend. Es wurden sechs Gefangene 9 ^Aus Kapstadt wird vom 2. April gemeldet: Lord Wo l- seley ist gestern aus England kommend hier eingetroffen und reift am Donnerstag nach Natal weiter. Ter einem englischen Zuge zugestoßene Eisenbabn- unfall bei Barberton war die Folge davon, daß der Zug entgleiste, als er einen steilen Abhang hinabfuhr. Künf Wagen sind umgestürzt. Eine Tepesche M- cheners bestätigt dies. Ter Lokomottvführer des verunglückten Zuges verlor die Herrschaft über den Zug, als er einen Abhang hinabfuhr. Auf eine Entfernung von drei Meilen hatte der Zug eine Geschwindigkeit von 80 Meilen in der Stunoe. An einer scharfen Kurve entgleiste die Maschine und stürzte mit 6 mit Mannschaften besetzten Gepäckwagen, dabei explodierte dec Kessel. Der Lokomotivführer, Heizer und 35 Soldaten sowie ein Zivilist wurden getötet. Von den Verwundeten, die sofort ins Krankenhaus gebracht wurden, exlagen bisher 6 ihren Verletzungen. . ach einer Londoner Tepesche der „Boss. Zlg." wird eng!rs-,erseits „unbeugsam" daraus bestanden, daß der Eröffnung von Friedensoerhandlungen die b e d i n g u n g S- lose Kapitulation aller Buren-Kommandanten voranzugehen habe. Lord Kitchener sei angewiesen, vorläufig über keinen anderen Punkt in Verkehr mit den Buren zu treten. Tas einzige Zugeständnis, zu dem die englische Regierung geneigt wäre, bestände in einer Abänderung der Verbaunungs -Proklamation in dem Sinne, daß denjenigen Burenführern, die den Treueid leisten, gestattet würde, im Laude zu bleiben. Man erklärt in London, es wäre blos zum Schaden der Buren, wenn deren Führer der englischen Versicherung keinen Glauben schenken, daß man Geldhilfe zur Beseitigung der Kriegsverheerungeu leisten werde und den Buren soweit als möglich Autonomie gewähren wolle. Unter diesen Umständen ist wenig Hoffnung auf baldige Ginstellung der Kämpfe vorhanden, vielmehr muß mau annehmen, daß Sterjn, Tewet und Delärey die englische Zumutung schroff von sich weisen werden. Ob Schall Burger dann seine in bester Absicht übernommene Vermittlerrolle weiter spielen oder aufgeben wird, ist eine Frage von untergeordneter Bedeutung, da die Engländer mit ihm allein keine wirksame Abmachung treffen können. In Utrecht beschloß bereits eine Konferenz der Burenführer, an der vollständigen Unabhängigkeit der Buren unerschütterlich festzuhalten. Ter aus Amerika zurückgekehrte Buren-Delegierte ^Wolmarans ist im Haag eingetroffen. Wessels wird am Freitag zurückerwartet. Tas-' englische Kriegsmini st erinm verwei- gerte dem französischen Deputierten Ville- vois'Mareuil, einem Bruder des im Transvaalkrieg gefallenen Oberst Villeüois Maveuil, eine Rote-Kreuz- Ambulanz zu entsenden. Die Weigerung wird damit degründet, daß es im Hinblick auf früher gemachte Erfahrungen unmöglich sei, von dem Personell derartiger Ambulanzen die Bürgschaft zu erlangen, daß dasselbe chei gegebener Gelegenheit keine Mißbräuche sich zu Schulden kommen lasse. Tas französische Rote Kreuz hatte dem Unternehmen Vlllebois Mareuil seine Unterstützung Mgesagt. Der 31. Kongreß der deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 2. April. Ter 31. Kongreß der deutschen Gesellschaft für Chirurgie heute zusammengetreten. In seiner Eröffnungsrede gedenkt der Vorsitzende, Prof. Kocher aus Bern, der im verflossenen Jahre verstorbenen Mitglieder v. Coler-Berlin, Heinecke-Erlangen, McCormac- London, Julius Wolfs-Berlin, Löhlein-Gießen, Scheuch ardt-Stettin, Langenbach-Berlin und Steltzner-Dresden. — Den lebhaftester: Beifall des Kongresses sand der Antrag des Ausschusses, die Mitglieder v. Bergmann-Berlin, 'König-Berlin, sowie die ausländischen Chirurgen ;Guy o n-Paris, McEwen-Glasgow, Ke en-Philadelphia und Durante-Rom zu Ehrenmitgliedern der Gesellschaft zu ernennen. Die in den letzten Kriegen, besonders in dem südafrikanischen Kriege erzielten Erfahrungen über die Wirkung der kleinkalibrigen Geschosse und die daraus sich ergebenden Grundsätze für die Anlegung des ersten Verbandes auf dem Schlachtfelde bildeten den Gegenstand des von v. Bruns-Tübingen gehaltenen Vortrages. Die Erkenntnis, daß die durch die modernen Feuerwaffen verursachten Wunden, dank der Kleinheit des Geschosses und der meist sehr lleinen Ein- und Ausschußöffnung, eine große Neigung zur Spontanheilung besitzen, bricht sich immer mehr Bahn. Dementsprechend hat sich die streng konservative aseptische Methode, d. h. die sofortige Bedeckung der Wunde mit dem aseptischen (keimfreien) Verband, unter absoluter Vermeidung von Erweiterungen, Sondierungen, Kugelextraktionen, Irrigation der Wunde, zur Normalmethode entwickelt. Und in tausenden von Fällen, selbst bei Knochenverletzungen, hat sich dies Prinzip als überaus segensreich für die Verletzten erwiesen. — Bertel sm ann-Ham- burg und Küttner-Tübingen, welche als Aerzte der deutschen Ambulanz vom Roten Kreuz in Südafrika thätig waren, bestätigten diese Erfahrungen: Die kleine Hautwunde, der enge Schußkanal begünstigten in hohem Grade die schnelle -Verschorfung und Vernarbung, gleichviel, ob das kleine Geschoß im Körper stecken geblieben ist oder nicht. Dagegen haben die meisten durch Granatsplitter re. verursachten größeren Wunden fast stets zur Eiterung und zu weiteren Komplikationei: geführt. Entscheidend für das Schicksal des Verletzten ist die sofortige sachgemäße Anlegung des ersten Verbandes und die sorgsame Ueberwachung des Transportes des Verletzten. Alle Redner erkennen übereinstimmend an, daß v. Bergmann das große Verdienst gebührt, das Prinzip der konservativen aseptischen Behandlung der Schußwunden durch sein kühnes Vorgehen im russisch-türkischen Kriege als Erster erkannt und mit Erfolg durchgeführt zu haben. Durch Vorstellung von zwei Schußverletzungen aus der Friedenspraxis zeigt v. B e r g m a n n, wie zahlreiche Schrotkugeln bezw. Bleikugelsplitter vollständig reaktionslos, nach Ausweis einer Röntgenaufnahme selbst zwischen den zersplitterten Knochen ohne Beeinträchtigung der Funktion ein- I)eilen können, und Trendelenburg- Leipzig ist in der Lage, einen jungen Mann vorzustellen, bei welchem eine in selbstmörderischer Absicht in das Herz geschossene Kugel in der rechten Herzkammer eingeheilt ist. Bei Durchleuchtung mit dem Röntgenapparate sieht man deutlich, wie die Kugel mit dem Herzen sich hin- und herbewegt. Tie Litteratur verfügt über 19 derartige Fälle von Einheilung von Geschossen im Herzen. — Eine Sonderstellung nehmen in dieser Beziehung allerdings die Bauchschußverletzungen ein, welche fast stets mit einer Verletzung der Baucheingeweide einhergehen. Der Austritt von Darminhalt in die Bauchhöhle führt, wie aus den Mitteilungen von Hildebrandt-Berlin aus dem südafrikanischen Kriege hervorgeht, in 50—70 Proz. der Fälle zur tötlichen Bauchfellentzündung. Die operative Behandlung dieser Darmverletzungen durch Bauchschnitt hat im Burenkriege nur schlechte Resultate ergeben, während doch erfahrungsgemäß im Frieden die operativen Erfolge sehr günstige sind. Dieser Unterschied erklärt sich ohne weiteres aus den ungünstigen Bedingungen, unter welchen die im Felde Verletzten meist erst wenige Tage nach der Verletze ung zur Operation kommen. Also auch bei Bauchverletzungen wird int Felde die konservative Methode vorläufig die Normalmethode bleiben müssen. Die Nachmittagssitzung war der Behandlung der Knochenerkrankungen und Knochenverletzungen gewidmet. — Nölker-Heidelberg und Lane- London berichteten zunächst über die Erfolge der Behand- lm:g frischer, schwerer Knochenbrüche mittelst primärer, Trahtvereinigung der Bruchenden nach operativer Freilegung der Bruchstelle. Aus der Diskussion, welche sich an diese Borträge schloß, ging hervor, daß diese nicht ungefährliche Methode nur in den seltenen Fällen hartnäckiger, auf andere Weise nicht zu beseitigender Verschiebung der Bruchenden in Frage kommen kann. Derartigen schwer zu beseitigenden Verschiebungen der Bruchenden begegnet man namentlich bei Knochenbrüchen in der Nähe der Gelenkenden, ferner an der Kniescheibe, dem Ellenbogen und am unteren Teile des Unterschenkels. — 9hir Kocher- Bern empfiehlt einen ausgiebigeren Gebrauch von der Knochennaht zu machen. Ein Vortrag von Honsell-Tübingen beschäftigte sich mit den Methoden,, welche nach Amputationen die Erzielung einer möglichst guten Tragfähigkeit des Stumpfes erstreben. Zum Schluß berichtete Sultan-Göttingen über die von ihm angestellten Versuche, tote Kirochenstücke in die Weichteile zu übertragen und einzuheilen. * » • Auf die Verhandlungen des Chirurgen-Kongresses richtet sich die Aufmerksamkeit der weitesten Kreise. Es hat für den Laien etwas Beruhigendes — abgesehen von der Bereicherung des Wissens —, Kenntnis zu nehmen von den enormen Fortschritten der Chirurgie. Gerade die deutschen Operateure nehmen einen hohen Rang ein, nicht nur wegen ihrer technischen Geschicklichkeit, «für die das Wort „unmöglich" kaum existiert, sondern.vor allem auch wegen der peinlichen Gewissenhaftigkeit der Ausführung. Zahlreich sind die Fälle, in denen die Hilfeleistung hervorragender deutscher Chirurgen vom Auslände her erbeten wird, ein Beweis, wie hoch man dort Männer wie Prof, v. Bergmann u. a. 'schätzt. Der umgekehrte Fall, daß von Deutschland aus der Ruf tan eine Kapazität des Auslandes ergeht, dürfte sehr selten sein. Die Berichte über den Verlauf des Chirurgenkongresses tragen hoffentlich dazu bei, Vorurteile, die hier und da in der Bevölkerung gegen die Chirurgie bestehen, vernünftigen Anschauungen weichen zu lassen. Man hört zuweilen selbst von gebildeten, unterrichteten Leuten mit starkem Eifer 'behaupten, es werde viel zu viel operiert; der Chirurg, je größer seine Gewandtheit und seine Praxis sei, neige dazu, seine Kunst zu bethätigen, auch wenn das Leiden nicht unbedingt die Operation erfordere. Ja, man hat sogar von einer „Schneidewut" gesprochen, mit dem bedauerlichen Erfolg, daß oftmals Patienten, denen ein chirurgischer Eingriff zur rechten Zeit sichere Rettung gebracht haben würde, entweder die Opera- tion ganz verwehrten oder so lange warteten, bis es zu spät war. Es sind bereits in der heutigen ersten Sitzung des Kongresses mehre Beispiele demonstriert worden, woraus gerade das Bestreben der Chirurgen hervorging, den operativen Eingriff zu vermeiden, der Natur die Heilung einer ernsten Verwundung zu überlassen. Solche Beispiele widerlegen am besten das gänzlich unbegründete Mißtrauen gegen den Chirurgen. Sehr interessant sind die Mitteilungen über die aus dem Schlachtfelde gewonnenen Erfahrungen, zumal durch eine Autorität ersten Ranges wie Professor v. Bruns-Tübingen. Der südafrikanische Krieg hat, nach Professor v. Bruns, einen „mächtigen Umschwung der wissenschaftlichen Anschauungen" bewirkt, insofern namentlich, als sich die Unzweckmäßigkeit der Wund-Desinfektion herausgestellt hat, während die Hauptsache sei, die Wunde nachträglich rein von Keimen zu erhalten. Nicht nur der Arzt, auch der Laie wird aus den Erörteungen der Fachmänner manche Anregung und Belehrung schöpfen. Aus Stadt uud Saud. Gießen, den 3. April 1902. * * Der Beigeordnete Wolff verläßt demnächst unsere Stadt. Er wurde am 2. April vom Großherzog zum Kreisamtmann in Worms mit Wirkung vom 1. Mai an ernannt. Das Ausscheiden des Herrn Wolff aus dem Verwaltungsdienst der Stadt Gießen, wird bei allen, die mit ihm in seiner Stellung als Beigeordneter sowohl, wie in per- önlichem Verkehr zu thun hatten, lebhaft bedauert. Seine ersprießliche Thätigkeit, besonders auf dem Gebiete des Armenwesens, im Gewerbegericht, sowie seine erfolgreichen Be- 'trebungen zur Hebung der Gießener Märkte haben ebenso Anerkennung gefunden, wie die Umsicht und Sachkenntnis, mit der er nach dem Weggang des Oberbürgermeisters Gnauth die Geschäfte der Bürgermeisterei führte. Herr Wolff wurde am 5. Juli 1895 zum besoldeten Beigeordneten gewählt und nach der am 22. desselben Monats erfolgten Bestätigung, am 20. August 1896 in sein Amt eingeführt. Vorher versah er die Stelle des Polizei-Kommissars der Stadt Gießen. * * Versetzung. Der Postsekretär Henning ist nach Oppeln in Schlesien versetzt worden. Seine zahlreichen Freunde und Bekannten sehen den Beamten ungern von hier scheiden, war er doch während seiner langjährigen Thätigkeit hier nicht nur ein überaus gefälliger und zuvorkommender Beamter, andern er war auch besonders als liebenswürdiger Gesell- chafter beliebt. • * Gießener Pferdemarkt. Der heutige Pferdemarkt war mit etwa 400 Tieren, meistens Gebrauchspferden, befahren. Der Handel war im Hinblick auf den in der Landwirtschaft eingetretenen Bedarf an Arbeitspferden ziemlich lebhaft. Die Anmeldungen zur Prämiierung waren so zahlreich eingelaufen, daß die Prämiierungskommission lange über die festgesetzte Zeit hinaus beschäftigt war. Es erhielten Preise für: 1. Reitpferde: Anton Bröckel Il.-Kirchgöns 50 Mk., Stallmeister Creutz- bnrg-Gießen 30 Mk. 2. Wag en sch läge (paarweise): Gebr. Löwenthal-Friedberg, 100 Mk. 3a. Schwere Arbeitsschläge (paarweise): S. Michel-Gießen 80 Mk. Seligmann Salomon-Wetzlar 60 Mk. S. Michel-Gießen 40 Mk. Simon Kaufmann-Niederweisel 3b. Leichte Arbeitsschläge (paarweise): A. Bing-Lich 60 Mk. Simon Kaufmann-Niederweisel 40 Mk. Aug. Frensdorf-Gießen 30 All. S. Michel-Gießen 20 Mk. 4a. Schwere Arbeitsschläge (einzeln): S. Michel-Gießen 30 Mk. Aug. Frensdorf-Gießen 20 Mk. 4b. Leichte Arbeitsschläge (einzeln): Simon Kaufmann-Niederweisel 30 Mk. Levi Kausmann- Niederweisel 20 Mk. 5a. Arbeits sch läge, einzelne (für Mitglieder des Pferdezuchtvereins uno des landwirtschaftlichen Vereins). August Dietz-Niederweisel 50 Mk. Konrad Volp-Niederweisel 30 DU. Johs. Keßler-Großlinden 20 Mk. Johs. Faber-Leihgestern 15 Mk. Rudolf Weiß-Hofgraß 10 Mk. Hermann Wilhelm Stras- Heim-Griedel 10 Mk. Heinr. Harnack-Kirchgöns 10 All. 5b. A r b e i t s s ch l ä g e (paarweise). Joh. Keßler-Gr.-Linden 20 Mk. Hermann Konrad Strasheim- Griedel 20 Mk. Heinr. Herzberger-Gießen 15 Mk. Wilh. Müllerll- Geilshausen 10 Mk. 6a. 3jährige Fohlen. PH. Rock-Hattenrod 50 Mk. Ph. Müller-Oberhörgern 40 Mk. Karl Heil - Butzbach 30 Mk. Jakob Reuter-Niederweisel 30 Mk. Wilh. Kinzenbach-Münchholzhausen 20 Mk. 6b. 2jährige Fohlen. Wich. Gg. Straßheim-Griedel 40 Mk. Kaspar Klingelhöffev- Fortbach 30 Mk. August Dietz-Niederweisel 30 Mk. Melch. Wallbott-Garbenteich 20 Mk. August Dietz-Niederweisel 10 Mk. Wilh, Müller-Oberhörgern 10 Mk. 7a. Zuchtstuten mit Fohlen. Heinrich Marx-Niederweisel 75 Mk. August Dietz-Niederweisel 50 Mk. Fritz Fenchel-Griedel 30 Mk. Jae. Reuter V.-Niederweiset 10. Mk. Wich. Viani-Münchholzhausen 10 Mk. 7b. Gedeckte Mutterstuten. Georg Bichstr (unter Verzicht auf Geld) 1. Preis (Ehrenpreis). Conrad Volp-Niederweisel 50 Mk. Johannes Faber X.-Leihgestern 40 Mk. Johs. Langsdorf VI.-Lcihgcstern 30 Mkt Herm. Wich. Straßheim-Gricdel 20 Mk. Ehrenpreise: Hoftraiteur Kirch imb Oberleutnant Schröder für Reitpferde; Gg. Bichler und Heinrich Herzbcrger für Arbeitspferde, Kommerzienrat W. Gail und Rinn u. Cloos für Wagenpferde. Tie Pfleger der mit Ehrenpreisen ausgezeichneten Tiere erhielten je 5 Mk. ** Zwei Zusammenstöße. Gestern Vormittag gegen 11 Uhr wurde das Fuhrwerk eines Landwirts aus Lützellinden, während dieser in einer Wirtschaft saß, von der Maschine der Bieberthalbahn dadurch beschädigt, daß das Pferd scheute und gegen die Maschine sprang. Auch das Pferd wurde an einem Vorderfuß erheblich verletzt, so daß es in die Veterinär- anstnlt gebracht werden mußte. — Zu einem zweiten Zusammenstöße kam es gestern Abend gegen 8 Uhr zwischen 2 von auswärts kommenden Radfahrern, die in der Nordanlage infolge unvorsichtigen Fahrens mit ihren Rädern aneinanderprallten. Beide tarnen zu Fall und zogen sich Verletzungen zu, so daß sie ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußten. Die Verletzten, sowie ihre Stahlrosse wurden per Wagen in ihre Heimat befördert. i. Dem Prälaten D. Habicht erlaubt, wie wir aus zuverlässiger Quelle hören, sein Gesundheitszustand nicht, die Superintendenturgeschäste wieder zu übernehmen. Man sieht in Bälde der Ernennung eines Nachfolgers entgegen. Es werden verschiedene Herren genannt, die dabei in Betracht kommen sollen. it Lich, 2. April. Bei der heute hier abgehallenen Mtisterung kam es zu einer blutigen Schl ägerei zwischen den Musterungspflichtigen aus den Gemeinden Grüningen und Ettingshausen. Die Burschen aus Grüningen hatten im Gasthause „Zum Löwen" ihr Standquartier, und dorthin kamen die Burschen aus Ettingshausen, die in einer anderen Wirtschaft Speise und Trank tapfer zu- gesprochen hatten. Bald entwickelte sich im Hofe des Gasthauses eine förmliche „Holzerei". Die Polizei war im Augenblicke nicht zur Stelle; Bürgermeister Heller und Stadtrechner Zimmer stellten die Ruhe wieder her und führten einen Haupt- rädelsführer ins Gemeindehastlokal ab. Seit langen Jahren ist das die erste ernstliche Schlägerei, die sich hier abgespielt hat, und zwar fand sie zu einer Zeit statt, in der sonst die Rekruten schon längst die Stadt verlassen hatten. — Heute Nacht wurde ein Fenster in: Musikzimmer der Großh. Präparandenanstalt in roher Weise zerstört. Die durch den letzten Einbruch hervorgerufene Erregtheit macht es begreiflich, daß man auch jetzt einen Einbruchsoersuch vermutete ; doch scheint diese Annahme unbegründet zu sein. i. L a u b a ch, 3. April. Hier fällt es allgemein auf, daß mehr nächt li che Ruhestörungen als sonst Vorkommen. Namentlich klagen viele über Belästigung durch Wirtshauslärm bis tief in den Morgen hinein. Die Polizeistunde wird nicht mehr eingehalten, weshalb vielfach die Frage hier verhandelt wird, ob die Nachtwache nicht einer Umgestaltung bedarf. Sehr mißbilligend hat man sich darüber ausgesprochen, daß in der Nacht vom Charsreitag auf den Samstag früh i/z4 Uhr eine Anzahl von Burschen mitten auf b«em Marktplatz mehrere Lieder gesungen hat. Man hofft hier allgemein, daß die Nachtwache die Ruhestörer zur Anzeige gebracht hat. i. Friedberg. Am dritten Feiertage fand die Entlassung von neun Kandidaten im hiesigen Prediger-, seminar im Beisein von zahlreichen Freunden der Anstalt' statt. Der Direktor der Anstalt, Professor Weisfenbach,j sprach im Anschluß an das dem Richterbuche entlehnte Mort: „Wie der Mann ist, danach ist seine Kraft" in tief ent; Ernste über die Änfaabe des Pfarramtes. Die Abschiedsrede hielt Kandidat Laut, am Schlüsse redete noch ein bedeutsames Wort zu den Scheidenden der im Auftrage der Kirchenbehörde erschienene Oberkonsistorialrat D. Flöring. Nieder-Wöllstadt, 2. April. Unser Gemeinderat hat in Anerkennung, daß das Bürgermeisteramt ein recht schweres und verantwortungsvolles Amt ist, unserem Bürgermeister die Bureaukosten von 900 Mark auf 1200 Mark erhöht. Freiens een bei Laubach, 1. April. Eine wüste Sch läge re i, bei welcher leider auch das Messer wieder eine Rolle spielte, entstand gestern in einem Wirtshause unseres Marktfleckens. Hierbei wurde der hiesige Metzger- meister und Gastwirt Adolf Hofmann, ein Mann von gegen 40 Jahren, durch verschiedene Stiche schwer verletzt. Er war, wie die „Darmst. Ztg." erfährt, erst vor kurzem in einem Streite mit italienischen Eisenbahn ar b eitern durch einen Schuß in das Bein verletzt, von dieser Verwundung jedoch bald wiederhergestellt worden. 8. Darmstadt, 3. April. (Original-Telegr. des „Gieß. Anz.") Prinz Heinrich von Preußen wird am 12. April zur Uebernahrne seines Geschwaders nach Kiel ab- reifen. Am gleichen Tage dürfte der Großherzog auf 5 Wochen zu seinen Verwandten nach Rußland abreisen. Die Rückkehr soll Mitte Mai erfolgen. — Nach den neuesten Feststellungen soll das Defizit der Künstlerkolonie den Garantiefonds um 31 000 Mk. übersteigen. Man versucht, die Garantiezeichner auch zur Deckung dieses Betrages heranzuziehen. b. Mainz, 2. April. Die Zentrumsfraktion der 2. hessischen Kammer hat einen prachtvollen Kran^ an der Bahre des am Montag verstorbenen Reichs- und Landtagsabgeordneten Dr. Lieber niederlegen lassen. ** Kleine Mitteilungen aus Hesien und den Nachbarstaaten. In Bonarnes starb am Herzschlag Sanitätsrat Dr. Braumann im 71. Jahre. Der Verstorbene, ein Sohn Oberhessens, hatte eine ausgedehnte Praxis und war trotz seines Sarkasmus wegen seiner Pünktlichkeit und Gewissenhaftigkeit und seines ausgedehnten medizinischen Wissens bei den Kranken sehr beliebt. — In der Eisgrubkaserne am Gauthor in Mainz ist ein Musketier der 3 Komp, des Jnf.-Regts. Nr. 87 an Genickstarre erkrankt und kam deshalb in das Garnison- lazareth. Wegen der Ansteckungsgefahr sind die Leute, welche mit dem Kranken auf einer Stube lagen, zur Beobachtung in den Nheinthorbaracken untergebracht worden. Vermischtes. * Berlin, 2. April. Das Attentat der Hauslehrerin Allart auf den Polizeimeister von Moskau, Generalmajor Trepow, wurde, nach einer Petersburger Depesche, mit einem sechsläufigcn Revolver verübt. Die Thätenn versuchte zweimal zu schießen, doch versagten beide Schüsse. Nach ihrer Verhaftung zeigte die Allart, die erst 22 Jahre alt ist, keinerlei Reue und erklärte bei der Vernehmung, die That aus politischer Rache verübt zu haben. Dre Attentäterin war bereits aus Anlaß der letzten Februar- Unruhen verhaftet gewesen, aber auf Bitten ihrer Mutter vor drei Tagen wieder freigelassen worden. * Berlin, 2. April. Vom Grafen P ü ck l e r-Klein- Tschirne verlautet, daß er die Absicht habe, sich demnächst wieder in Deutschland zu zeigen und dem Gericht in Glogau ru stellen. 'Breslau, 2. April. Die vor 2 Jahren vom Schneekoppenwirt neu erbaute Lommitz - Fall- Baude ist durch einen Lawinensturz dem Erdboden gleichgemacht worden. Die Trümmer liegen ca. 2000 Meter weit verstreut. • München, 2. April. Am 25. März wurden einer Ed. Rott«, Kaplangsgqsse 2. Alle Sorten Kartell- null BaimMe 'sowie Bohnenstangen und Brbsenreiaer. 01408 K. Gertb, Neustadt 71. Atuhlflechteu und Schirmaus- bessern wird billigst besorgt. 101889 Neuenweg 42, Meier. Lager von eiitrotn Trggklkeii bei 2535 ; Eduard Sack, Wallthorstr.49 b 3n ucvlhiitfcn _____ ' • Kleists Wohnhaus 8 Zimmer, Veranda, Garten, nebst allem Zubehör, der Neuzeit entsprechend eingerichtet, zu 23000 Mark sofort zu verkaufen. 1118 Näheres bei H. Wiuu, Host , mannstraße 14.________ schöne Frührosakartoffeln zu verkaufen. Ederstraße 4, prt. 2685 Gießen, den 8. April 1902. 2695 ten. Näheres g**™“ Pl°ckstr->b° 2. I,W°r!ch' —---i ftno.Tüiu, iruyer, wegzugshalber zu Dem Joh. Gg. Pfaff, Bismarckstr. 8: 2694 Der Vorstand. 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