15Ä Jahrgang Montag 3. März 1903 Erstes Blatt. Nr. SÄ Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siegener Familien- dlätter viermal in der Woche bei gelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Unwers.-Buch- u. Steindrucke rei (Pietsch Erdech Reöoftton, Expedition und Druckerei: Schnlftraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 51. » Ms- A moT'tMSl- GretzenerAnzelgerW General-Anzeiger v für den polit. u. allgem. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW ____________ . zeigenteil: Hans Beck. Bekanntmachung. Die Stadt Schotten beabsichtigt, mit dem am 20. Mai dS. Jahres stattfindenden Brillen- und Zuchtviehmarkte eine Verlosung von Vieh, landwirtschaftlichen Maschinen und Geräten und ähnlichem zu verbinden. Großh. Ministerium des Innern hat die Erlaubnis zur Veranstaltung dieser Verlosung unter der Bedingung ertellt, daß successive bis zu 6000 Lose, zu 60 Pfg. das Stück, ausgegeben werden dürfen und mindestens 55pCt. des Bruttoerlöses aus dem Verkauf der Lose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden sind. Zugleich ist der Vertrieb der Lose in der Provinz Ober- hesseu gestattet worden. Gießen, am 28. Februar 1902. Großcherzogliches Kreisamt Gießen- v- Bechtold. Bekanntmachung. Es wird hiermit Folgendes zur Kenntnis der Mannschaften des Beurlaubtenftandes gebracht: 1. In diesem Jahre erfolgt die Aushändigung der Kriegsbeorderungen und Paßnotizen in der Zeit vom 10. bis 2b. März und zwar für die Stadt Gießen durch Ordonanzen, für die übrigen Ortschaften durch Vermittelung der Ortsbehbrden. A. Die biö jetzt noch nicht zur dienstlichen Kenntnis gebrachten WohnungSoeränderungen — auch diejenigen innerhalb ber Stadt Gießen — sind sofort dem Bezirksfeldwebel zu melden. 8. Die Mannschaften der Reserve, Ersatzreferve, Landwehr 1 und Landwehr II, welche in Gießen ihren Wohnsitz haben, beauftragen — falls sie selbst nicht zu Hause sein können — einen erwachsenen Anv er- wandten, den Hauswirt oder einen zuverlässigen Mitbewohner mit der Empfangnahme der Kriegs- beorderungen bezw. der Paßnotizen. 4. Jeder Mann — ausgenommen d-ie als unabkömmlich Bezeichneten, die vorläufig vom Waffendienst Zurück- gestellten und die ungeübten Ersatzreservisten — der bis zum 2b. März, abends, keine Kriegsbeorderung oder Paßnotizen erhalten hat, meldet dies sofort schriftlich oder mündlich dem Bezirksfeldwebel. 6. Die vom 1. April ab nicht mehr gültigen alten gelben Kriegsbeorderungen und die weißen Paß- notizen find am 1. April durch die Mannschaften selbst zu vernichten, die neuen roten Kriegs- beorderungen bezw. die neuen weißen Paßnotizen sind einzukleben und zwar nach dem Muster, welches für die Stadt Gießen jede der austragenden Ordonanzen in Händen hat, für die übrige» Ortschaften dem betreffenden Bürgermeister vom Hauptrneldeamt Gießen übersandt wird. Gießen, den 26. Februar 1902. Großherzogliches Bezirks-Kommando Gießen. Politische Wochenschau. Prinz Heinrich ist der Held des Tages. Und nicht blos in den Vereinigten Staaten! Auch in Europa zollt man der Ausdauer, der Besonnenheit und dem Takt, womit er sich seiner ebenso glänzenden als anstrengenden Aufgabe unterzieht, volle Anerkennung und Bewunderung. Er versteht es, zu rmpomeren und doch die Herzen zu gewinnen. Er kennt und übt die Kunst zu reden und verfügt zugleich über die Selbstbeherrschung, nicht zu viel zu reden. Ohne Zweifel macht er bei unseren Vettern jenseits des OzeanS den besten Eindruck. Wir wollen wünschen, daß mich unsre auswärtige Politik das Problem lösen wird, aus den Sympathien Onkel Sams praktischen Gewinn zu ziehen, ohne durch Ueber- treibungen oder Mißgriffe sich diese oder jene günstige Chance zu verscherzen, wirtschaftspolitische Konflikte mit Amerika herauf zu beschwören und dadurch das, was Prinz Heinrich gut gemacht, wieder in Frage stellen. Im Zo lltarif-Kamp fe hat sich die Situation nicht geändert. Graf Posadowsky ist krank geworden. An seiner Stelle betonte Staatssekretär v. Thielmann, daß die Negierung die Zollsätze im Ganzen, wie für jede einzelne Getreideart als die äußerste Grenze des Zulässigen ansehe. Gleichwohl nahm die Zolltarif-Kommission den Kompromiß-Antrag an. Es heißt, daß nun eifrig hinter den Koulissen gearbeitet werde. Manche hoffen doch noch auf Nachgiebigkeit der Regierung; andere versprechen sich von dem gänzlichen Fallenlassen der Minimalzölle einigen Vortell. Schließlich gibt es auch einige einflußreiche Herren, die auf ein rechtzeitiges Eingreifen des Herrn v. Lucanus rechnen. Die konservative Reichstags-Fraktion trat am Samstag zusammen, um Stellung zum Zolltarif zu nehmen. Den Vertretern der Partei in der Zolltarif-Kommission wurde für chre bisherige Haltung das Vertrauen der Fraktion ausgesprochen Hierauf wurde in eingehender Debatte das künftige Verhalten der Partei erörtert, über dessen Richtung natürlich nichts bekannt gegeben wurde. Man wird in dieser Sitzung nicht gerade sanft mit der Reichsrcgierung umgesprungen sein, da diese, wie Graf Schwerin-Löwitz an anderem Orte hervorhob, z. Z. lediglich eine demokratische Minderheit für sich hat. Diesen Faden werden jetzt wohl geschickte Hände weiterzuspinnen sich bemühen. Aber die Einzelstaaten scheinen diesmal der Reichsregierung das Rückgrat mit besonderer Energie zu steifen. In der bayrischen Abgeordnetenkammer gab Dr. Heim namens des Centrums die Erklärung ab, daß die Zolltarif-Vorlage, wie sie vorliege, für ihn und seine Freunde unannehmbar sei. Minister Dr. Frhr. v. Riedel entgegnete, Dr. Heim habe übersehen, daß nicht nur der Bauernstand, sondern auch andere Leute Schuldner des Staates seien. Das Ministerium sei sich bewußt, daß die Landwirthschaft mit schweren Nöten zu kämpfen habe. Er habe deshalb darauf Bedacht genommen, der Landwirtschaft beizuspringen. Der Minister schloß: , Unterschätzen Sie nicht die Bedeutung der von der Regierung gemachten Vorlage und unterschätzen Sie auch nicht die Wirkung, die im Falle einer Ablehnung in Bezug auf unsere ganze wirtschaftliche Lage eintteten könnte." Wie die hessische Regierung in dieser Angelegenheit denkt, werden wir ja wohl demnächst, angesichts der Jnter- pellatton des Grafen Oriola und Genossen, zu hören be- kornmen. In der hessischen H. Kammer war die vergangene Woche in erster Linie der Beratung des Budgets gewidmet. Es wurde zunächst ein Anttag des Finanzausschusses angenommen, daß die Kredtte für laufende Unterhaltung von Gebäuden nur unter der Beschränkung bewilligt werden, daß Uebertragungen in das Rechnungswesen der nachfolgenden Finanzperiode nicht stattfinden dürfen; Ersparnisse sollen dabei nur insowett zur Verwendung kommen, als sie zur Deckung von Aufgeboten über die Voranschläge oder zu Fundamenüer- ungsarbeiten oder sonst sich als notwendig erweisenden Ver- befferungsarbeiten bezüglich der baulichen Anordnung, des Rohbaues und des inneren Ausbaues innerhalb des Rahmens des genehmigten Projekts erforderlich sind. Im ganzen verlief die Budgetberatung glatt. Beim Domänenkapitel entspann sich eine längere Debatte, in deren Verlauf der Zentrumsabgeordnete Schmitt den Wunsch nach , hausgesetzlicher Regelung" aussprach. Die landständische Mitwirkung bei der Erwerbung der Domänen ist sein Ziel, wenn nicht sogar die Aufhebung der ganzen Institution der Domänen und deren Umwandlung in Staatseigentum. Staatsminister Rothe hätt demgegenüber die Stabilität der Rechtsverhältnisse der Domänen durch die VerfaffungSurkunde gesichert; eine ander- weittge Erledigung der Frage behält sich die Regierung vor. Später nahm dann die Kammer mehrere Abstriche am Budget vor. Es wurden z. B. 10 000 Mk. zur Herstellung des Wormser Hofes zu Wimpfen ttotz warmer Befürwortung von Seiten der Regierung gestrichen, dagegen 15 000 Mk. zur Fortführung der Restaurattonsarbeüen am Schloß zu Gießen bewilligt. Es wurde ferner die Errichtung einer Weinbau-Domänenverwaltung in Mainz beschlossen. Die Hoffnung der Oberförster auf einem Rößleiu im Wald und auf der Heide sich tummeln zu können, wurde von den bösen Landboten zu nichte gemacht, dagegen, nach einem sehr dringlichen und geschickten Appell der Regierung, für die Forstdomänen ein sehr namhafter Betrag bewilligt, der auch der Forstkultur im Vogelsberge zu Gute kommen soll. Salzhausen und 9t au heim wurden auch mit ansehnlichen Summen bedacht. Für weitere Kreise der Bevölkerung interessant waren bei Beratung des Eisenbahnkapitels die Mitteilungen des Ministerialrats Ewald. Danach hat sich unsere Regierung mit der Aufhebung der Sonntagskarten auf allen Strecken bei Einführung der verlängerten Giltigkeitsdauer der Rückfahrkarten nicht einverstanden er- klärt.DieWünsche derhessischenRegierung seien bereitwilligst erfüllt worden, „soweit dies thunlich" gewesen sei. Dabei sei (wir fügen hinzu: leider) von dem Prinzip ausgegangen worden, nur Sonntagstätten nach Orten mit landschaftlichen Schönheiten zu gewähren, nicht aber nach Städten. Also auf Sonntagskarten nach Frankfurt oder gar nach Darmstadt dürfen wir vorerst nicht rechnen. Die Regierung nimmt Interesse an der Ausführung der Bahn Alsfeld—Nieder-Aula und man ist der Sache durch Verhandlungen mit Preußen neuerdings wieder nähergetreten. Für die Strecke Büdingen—Ober-Seemen erwünscht sich die Regierung einen Privatunternehmer. — In dem laufenden Jahre 1901/02 ist die Steuerreform zum erstenmale vollständig zur Wirkung gekommen. Das Ergebnis ist sehr befriedigend. Die Einkommensteuer mit der Vermögenssteuer deckt allein den durch die Aufhebung der Realsteuern entstandenen Ausfall. Während 1897 bis 1900 alle Steuern zusammen 10,36 Millionen betragen, veranschlagt die Regierung die Einkommen- und Vermögenssteuer allein auf 10,7 Millionen, also sogar 0,34 Millionen mehr. Die bei der Steuerreform weiter vorgesehenen Ersatzposten (Erhöhung der Stempelsteuer, Erbschaftssteuer und Hundesteuer, ferner die Lotterie und die Eisenbahnen) tiefem mit dem Mehr an Einkommensteuer zusammen 3 618 000 Mk. mehr. Trotz dieser erheblichen Steigerung der Einnahmen ist ein Fehlbetrag zwischen Einnahmen und Ausgaben vorhanden. Die Regierung schlägt bekanntlich vor, ihn teilweise durch Erhöhung der Vermögenssteuer von 55 auf 75 Pfg. für 1000 Mk. Vermögen zu decken. Dieser Vorschlag kann erst erörtert werden, wenn durch die Beschlüsse der Kammern die Höhe des Fehlbetrages festgestellt werden kann. Auf dem Streik-Kriegsschauplatze ist es erfreu- kicher Weise etwas ruhiger geworden. Selbst in Spanien haben die energischen Maßnahmen der Regierung, unterstützt durch ein teilweises Entgegenkommen der Arbeitgeber, die äußere Ordnung wieder notdürftig hergestellt. In Turin, wo zwei Karabinieri erstochen wurden, beruhigten sich die Gasarbeiter bei einem ihnen günstigten Schiedsspruch, und dem drohenden Eisenbahnerstteik hat die italienische Regierung ttotz chrer ttitischen Lage durch Einberufung von Reservisten fürs Erste vorgebeugt. Die Verhandlungen mit den Eisenbahn-Gesellschaften dauern noch fort, versprechen aber leider wenig Erfolg. Das italienische Kabinett Zanardelli regiert vorläufig wetter, da der König das Demissionsgesuch abgelehnt hat. Die Kammer tritt erst Ende dieser Woche wieder zusammen, und bis dahin glaubt der Ministerpräsident die unter sich völlig uneinige Opposition genügend geschwächt zu haben. Wie man hört, soll die Opposition durch em Minister-Portefeuille und zwei UnterstaatssekretärS-Posten, vielleicht auch noch durch einige andere Aemtchen gewonnen werden. In Südafrika hat das zwecke Keffeltteiben gegen Dervet mit der Gefangennahme von 600, nach anderen Berichten sogar 800 Buren — doch ohne Dewct — geendet. Zu gleicher Zeit erlitten aber die Engländer im Transvaal eine schwere Niederlage, wobei die Buren 120 Mann nieder- schossen und fast 500 gefangen nahmen. Das ist eine Scharte, die Lord Kitchener auch durch eiu drittes Kesseltreiben nicht auswetzen wttd. Kammermusik. Gießen., 29. Februar. Zu dem gestrigen dritten Kammermusikabend dieser Saison hatte sich ein zahlreiches andächtiges Publikum eingesunden, das den Vorträgen unseres akademischen Trios, wie man es wohl am besten benennen könnte, mit gespannter Aufmerksamkeit folgte. In der That hatten die Herren Trautmann, Rebner und Hegar für das gesttige Konzert wieder ein Programm zusammengesteltt das zu den gediegensten und interessantesten gehött, die uns auf diesem Gebiet der Musik hier jemals vorgeführt worden sind. Ein dem Andenken Nicolaus Rubinsteins gewidmetes Trio in Amoll von Peter Tschaikowsky eröffnete den genußreichen Abend, und tote bekennen gern, daß die Wiedergabe des in großem Stil angelegten, an Schönheiten und Schwierigketten reichen Werkes eine vorzügliche Wiedergabe sand. Dank einer sehr feinsinnigen und geschmackvollen Instrumentation jedes einzelnen Satzes findet jeder Mitwirkende reichliche Gelegenheit zu solisti- schem Hervortreten, und unsere geehrten Künstler verstanden es mtt großem Geschick, die verschiedenen Feinheiten in ansprechendster Weise Gehör zu bringen. Am leichtesten verständlich und infolge dessen auch in der Ausführung am klarsten erschien uns der zweite Satz, tema con variaziont, in dem die Begabung des leider zu früh verstorbenen großen russischen Tondichters für geschmackvolle Instrumentation besonders angenehm auffiel. In starkem Gegensatz zu diesem großartig, wir möchten fast sagen symphonisch angelegten Werke, stand das am Schluß des Konzerts gespielte Trio in E dur des Altmeisters Mozart. Bot Tschaikowsky mit seiner Tonschöpfung einen Genuß, zu dessen Verständnis die ungeteilte Aufmerksam- kert des Zuhörers gehörte, so erschien das Werk Mozarts als eine entzückende, leicht verständliche Perle klassischer Kammermusik-Litteratur, bei deren Anhören es dem Publikum nicht schwer wurde, alle die reizenden Schönhetten dieser lebensfrischen Komposition voll und ganz zu genießen. Ter Vortrag auch des Mozart'schen Trios fand allgemeinste Anerkennung, und die Herren Trarttmann, Rebner und Hegar wurden namentlich am.Schluß des Konzertes besonders lebhaft gefeiert. Tret Phantasiestücke für Violoncello und Klavier von Schumann, die Herr Hegar in Begleitung des Herrn Traut- mann in gewohnter feinsinniger Weise zu Gehör brachtt, trugen nicht weniger zur Verschönerung des Abends bei und brachten den ausführenden Künstlern reichlichen, herzlichen Beifall ein. wischen den Kammermusikwerien sang Fräulein N ellieVernee aus Den Haag mit wohlklingender Altstimme Lieder von Schubert, Schumann, Cornelius und Strauß, ohne gerade einen großen Erfolg damit zu erzielen. Vielleicht war es die Erinnerung an die großen Genüsse, die Frau Rückbeil-Hiller am vorigen Sonntag geboten hatte, vielleicht auch einige störend wirkende Aeußer- lichkeiten beim Singen, welche den Vorträgen der Dame in chrer Wirkung Wbruch thaten. Anrtt ist die dCsfährige Kammermusiksaison zwar offiziell geschlossen, doch sind mir heute schon in der Lage, Den hiesiger, Musikfreunden mttzuteilen, daß die Herren unter Mitwirkung des Herrn Leimer aus Frankfurt am 7. Mai d. I., bem Geburtstag von Johannes Brahms, einen wetteren Konzertabend mit nur Werken dieses unveraeß- lrchen Meisters arrangieren werden. Pr Hessischer Kmdtag. Zweite hessische StändeLammer. (Fortsetzung aus dem Parlamentsblcrtt.) Geh. Oberfinanzrat Becker: Was die letzte Bemerkung des Vorredners anlange, daß auf den Steuerwrnmissariaten nichts zu thun sei, müsse er erklären, daß die Arbeiten nicht ab- sondern ^genommen hätten, daran ändere auch die Einführung der Kreisgeometer nichts. Bezüglich der vorgesehenen Vergütung der Untererheber für die Erhebung im Betrage von 2cho (gleich 140000 Mark) mache er darauf aufmerksam, daß iolies nur ein Durchschnitt sei; bei kleineren Erhebungen sei dieser Betrag für die Erhebung zu gering, bei großen Summen zu hoch. Nach dem 1. April, wenn man größere Erfahrungen have, werde man in dieser Beziehung berichtigend vor gehen. Die Vorteile und Nach- .teile dr neuen Kassenorganisativn vom Standpunkt der Bezirkskassierer zu beurteilen, sei nicht angängig. Bei Beantwortung (tiefer Frage dürfe man nicht allein von rheinhessischen Verhältnissen ausgehen, wo günstigere wirtschaftliche Verhältnisse herrschten, als in den beiden anderen Provinzen. Berücksichtige man die diesseitigen Provinzen, so werde man zu anderer Ansicht gelangen. Auch auf die Verbesserung der Qualität der Gemeinde einnehm er, die meistens mit Versehung der Untererheberstellen betraut seien, übe die Einrichtung durch die strenge Kontrole eine gute Wirkung aus. Zur Zeit bestünden in Hessen 372 Untererheberstellen ; durch Zusammenfassung kämen diese 752 Orten zugute. Eine direkte Erhebung bestehe nur in 290 Orten. Die Kosten für diese Neuordnung seien zwar etwas höher, aber diese Erhöhung wäre auch sonst eingetreten. Die Angriffe Wolffs gegen die Vermögenssteuer seien mehr gegen das Gesetz selbst gerichtet, und die Verhältnisse seien ch bei der damaligen Debatte genügend erörtert worden. Bei Veranlagung der Grundstücke sei nur der Marktwert zu berücksichtigen, nach dem Ertragswert habe sich die Veranlagung nicht zu richten. Diese Frage scheide bei der Veranlagung aus. In der Anweisung zum VermögenÄ'teuergesetz sei ausdrücklich bestimmt, daß nur die Verkaufspreise der Veranlagung zugrunde zu legen seien, die unter normalen Umständen erzielt worden seien. Man habe die Verkaufspreise der lebten 10 Jahre zusammengestellt, und anormale aus- geschieden und so Anhaltspunkte zur Schätzung gewonnen Mechanisch werde hier durchaus' nicht verfahren; in diesem Sinne sei am 18. Dez. v. I. ein Ausschreiben an die Großh. Steuerkommissariate erlassen, daß nur normale Werte zugrunde gelegt werden sollten. Abg. Seelinger (nl.) spricht sich gegen die Streichung der Stempelprovision aus. Aba. Wolf (fr. w. Vg.) hält den Betrag von 3000 Mk. für Anschaffung von Geldkassetten für die Untererheber für nicht notwendig. Geh. Oberftnanzrat Becker erwidert, daß man die Untererheber nach und nach mit derartigen Kassetten versehen müsse, da aus Berichten hervorgegangen sei, daß nicht überall gesicherte Räumlichkeiten vorhanden seien. Wenn die Untererheber verantwortlich seien, so müsse chnen auch vom Staate geholfen werden. Zur Zell habe man die Anschaffung von 50 Kassetten beabsichtigt. Für den Fall, daß bei Gemeindeerhebern die Gemeindegelder überwiegen, haben die Gemeinden selbstverständlich für die Kassetten zu sorgen. Abg. Gut fleisch (freist): Der Vorschlag des Abg. Wolf, den Wert der Grundstücke nach dem Ertrag zu schätzen, sei nicht durchführbar, da sonst viele Gegenstände aus dem Rahmen der Vermögenssteuer herausfallen würden. Aber einen anderen Punkt wolle er hier einmal zur Sprache bringen. In Gießen sei die Veranlagung des Grundbesitzes zur Vermögenssteuer viel zu hoch. Man habe hier in einer ganzen Anzahl von Fällen erlebt, daß der Stadt beim Ankauf von Grundstücken für städtische Zwecke von den Besitzern viel zu hohe Preise abverlangt worden seien im Hinweis aus die Schätzungen des dortigen Steuerkom- missariats. Hier werde, wenn auch unbeabsichtigt, sellens der Steuerbehörde, dem Bodenwucher in die Hände gearbeitet. Er gäbe deshalb der Regierung in Ermiägung, ob es nicht angebracht sei, Anweisungen zu geben, um lieber» schatzungen zu verhindern, denn einem geringen Steuerbetrag ständen Hunderttausende zmn Schaden der Städte gegenuver. Hier sei Abhllfe dringend geboten. Geh Oberfinanzrat Becker: Der Abg. Gutfleisch habe hier eine interessante Frage angeschnitten. In der Anweisung zum Vermögenssteuergesetz seien auch die Vorschriften über die Schätzung des Baugeländes enthalten. Wenn sich die Betreffenden für beschwert erachteten, stehe ihnen ja das Recht der Reklamation zu. Thäten sie das nicht, so sei das ihre Sache, wie es ja auch Leute gebe, die ein viel höheres Einkommen versteuerten, nur um ihre Töchter gut unterzubringen. Abg. Gut fleisch (freist): Es sei die amtliche Pflicht der Regierung, einer Sache nachzugehen, die innig zu- sammenhänge mit einer gesunden Entwickelung der Städte. Die Beratung über dieses Kvpitel wird sodann geschlossen. Eine Abstimmung kann vorläufig noch nicht stattfinden, da die Höhe des Ertrages der Einkommensteuer und der Vermögenssteuer im Hinblick auf die Balanzierung des Budgets vorerst noch nicht festzustellen ist, und wird deshalb ausgesetzt. Es folgt die Hauptabteilung VII, Kapitel 14: Ministerium. Der Ausschuß beantragt: Bewilligung der geforderten 79 570 Mk. Abg. Wolf (fr. w. Vg.) wünscht Abschaffung der Funktionszulageu der Beamten und eine Neuregelung hinsichtlich der Vergütung für Dienstwohnungen. Diäten sollten dem Beamten nur in der Höhe gewährt werden, als er wirklich verbrauche. Staatsminister Rothe: Diese Fragen würden demnächst bei der angekündigten Interpellation des Abg. Weidner beantwortet werden. Geh. Staatsrat v. Krug: Eine Reihe von Gebühren könne nicht beseitigt werden; er erinnere in dieser Beziehung an die Gebühren der Prüfungskommissionen. In keinem Staate sei die Diätensrage so gut geregelt, wie gerade in Hessen; sonst feien Pauschalsummen aus geworfen. Abg. Str ack (nl.) beschwert sich über verschiedene Fälle hon unrichtiger Handhabung des Besoldungsgesetzes hinsichtlich der Anrechnung von Besoldungsvordienstzeit. Geh. Staatsrat v. Krug: Der Abg. Swick habe in graver Weise schwere Vorwürfe gegen die StaatsregiLvung erhoben, die durchaus unveranlaßt und unbegründet seien. Abg .Strack (nl.): Er sei nur sehr ungern an diese heikle Fraae herangegangen. Gegen den Geist des Gesetzes sei zweifellos verstoßen worden. Gegen den Borwurf, daß er Unbegründetes vorgedracht hade, müsse er sich entschieden verwahren. Sodann wird abgestllmnt und her Antrag des Lus- jchusses. genehmigt Parlamentarisches ans Hessen. Aus der Reihe neuer Kammervorlagen heben wir heute folgende hervor: Der Abg. Köhler-Langsdorf wünscht die Aufhebung einer Polizeiverordnung, uctreffenb das Verbot der Pflug - und Eggen schleifen im Kreise Gießen. Die Handelskammer zu Gießen teilte der 2. Kammer der Stände mit, daß sie bei dem Beschlüsse des Hessischen Handelskammertages vom 21. Oktober 1900 beharrt und demgemäß den Antrag der Handelskammer Bingen vom 3. Februar d. I., „den § 19 des Gesetzentwurfes betr. die Handelskammern unverändert anzunehmen", nachdrücklichst unterstützt. Angesichts der geringen Ernte von Halmfrüchte im verslofsenen Jahre werden einige landwirtschaftliche Ortsvereine aus der Gegend von Seligenstadt bei der Kammer um Abgabe von Streu aus den Domanialwaldungen zu einem mäßigen Preise vorstellig. Sie begründen ihren Antrag damit, daß durch die mittleren Ernten der beiden letzten Jahre die Strohvorräte sehr gering sind, sodaß bei den im letzten Jahre abgehaltenen Waldstreu-Versteigerungen der Haufen mit 10—14 Mark bezahlt werden mußte, ein Preis, der dem Werte durchaus nicht entspricht. ** Der Verein Großh. Geometer 2. Kla sse bittet die Kammer, „bei Beratung der Gesetzesvorlage betr. Einführung des Instituts der Kreisgeometer dahin zu werken, daß einem jeden Kreisgeometer wenigstens ein Großh. Geometer 2. Klasse beigegeben wird, welcher ebenfalls staatliche Beamteneigenschaft erhalten soll." Ein Initiativantrag der Abgg. Haas-Darmstadt und Genossen betrifft die Errichtung einer Landwirtschaft s k a m m e r für das Großherzogtum Hessen. Diese Kammer soll ihren Sitz in Darmstadt erhalten und mit den Rechten einer juristischen Person versehen werden. Sie hat die Bestimmung, die Gesamtinteressen der Landwirtschaft und der Privatwaldwirtschaft im Großherzog- tum auf wirtschaftlichem und technischem Gebiete wahrzu- nehmen und zu vertreten. Zu diesem Behufe steht es ihr zu: 1. Aus eigener Anregung Anträge bei der Regierung im Interesse der Landwirtschaft und Privatwaldwirtschaft zu stellen und sich über Maßregeln der Gesetzgebung unb Verwaltung im Bereiche ihres Wirkungskreises zu äußern, mögen dieselben die allgemeinen land- und privatwaldwirt- chaftlichen Angelegenheiten, oder diejenigen eines besonderen Wirtschaftszweiges ober eines einzelnen Bezirks betreffen. 2. Die von der Regierung geforderten Gutachten zu erstatten. Die Landwirtschaftstammer soll, dringliche Fälle ausgenommen, bei jeder die Land- und Privatwald- wirtschast betreffenden Angelegenheit gehört werden. 3. Die-mit der Förderung der Interessen des landwirtschaftlichen Berufsstandes befaßten Berufsbehörben durch Mitteilungen, Erstattung von Gutachten und Anträge zu unter» tützen. Die Landwirtschaftskammer kann sich zu diesem Zwecke mit allen öffentlichen Behörden ins Benehmen setzen. 4. Innerhalb chres Wirkungskreises die zur Hebung der Lage des ländlichen Grundbesitzes und des landwirtschaftlichen und privatwaldwirtschaftlichen Betriebs dienlichen Einrichtungen und Veranftalturlgen zu treffen. — Die Landwiyt- chaftskammer besteht ,dem bereits völlig ausgearbeiteten Gesetzentwurf zufolge, 1. aus 36 Abgeordneten, welche auf echs Jahre gewählt werden. 2. Aus den Präsidenten, den Vizepräsidenten, je zwei weiteren auf die Dauer von sechs Jahren gewählten Abgeordneten der landwirtschaftlichen Provinzialvereine des Landes. 3. Aus denjenigen Sach> verständigen, Vertretern von Landesfachvereinen und um die Förderung der Landwirtschaft verdienten Personen, welche die Landwirtschaftskammer bis zu ein Fünfteil der Zahl ihrer ordentlichen Abgeordneten durch Zuwahl auf echs Jahre als Mitglieder mit beratender Stimme beruft Die Wahl der 36 Abgeordneten erfolgt in den achtzehn Kreisen des Landes. In jedem Kreise des Landes werden zwei Abgeordnete gewählt. Wahlberechtigt zur Wahl )er Abgeordneten zur Landwirtschaftskammer sind alle in dem Wahlbezirke wohnenden männlichen Grundeigentümer, welche 1) die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, 2) 25 Jahre alt, und 3) zur Entrichtung von Umlagen an die Landwirtschaftskammer verpflichtet sind. Das Wahlrecht ruht für denjenigen Wahlberechtigten, welcher: 1) entmündigt ist, 2) sich nicht im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte befindet, oder 3) über dessen Vermögen der Konkurs eröffnet ist, bis nach Schluß dieses Verfahrens, oder 4) dessen Grundstücke der Zwangsversteigerung oder der Zwangsverwaltung unterliegen für die Tauer dieses Verhällnisses. Wählbar zum Abgeordneten der Landwirtschaftskammer ind : 1) Die Eigentümer, Nutznießer und Pachter landwirt- chaftlich benutzter, im Großherzogtum gelegener Grundtücke, deren Grundsteuerkapital von Ackerland, Wiesen, Wald, Weinbergen und Weiden zusammen mindestens 100 Mark beträgt. 2) Personen, welche mindestens zehn Jahre lang als Vorstandsmitglieder oder Beamte landwirtschaftlicher Vereinigungen thättg waren, ober denen die Landwirtschaftskammer wegen ihrer Verdienste um die Landwirtschaft die Wahlfähigkeit beigelegt hat. Die Wahl der Abgeordneten ist unmtitelbar und geheim. Ergänzungswahlen finden innerhalb der sechsjährigen Wahlperiode statt: 1. wenn ein Abgeordneter stirbt; 2. wenn nn Abgeordneter die Wahl ablehnt oder seine Stelle nieder- -egt; 3. wenn ein Abgeordneter die Wählbarkeit verliert. Tie Ergänzungswahlen erfolgen für den Rest der Wahlperiode. Tie Entscheidung über die Rechtsgilttgkeit der vorgenommenen Wahlen steht der Landwirtschaftskammer zu. Einsprüche gegen die Wahl sind spätestens zwei Wochen nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses durch den Wahlvorsteher, bei der irften Wahl nach Erlaß dieses Gesetzes beim Ministerium des Innern, bei den folgenden Wahlen bei der Landwirtschaftskammer einzureichen. Später eingehende Beschwerden bleiben unberücksichtigt. Die Land- Wirtschaftskammer tritt jährlich wenigstens einmal zu einer Hauptversammlnng zusammen. Die erste Haupt-Ver- ammlung nach Inkrafttreten dieses Gesetzes findet aus Einladung des Ministeriums des Innern statt. In dieser ersten Hauptversammlung wird unter dem Vorsitze und >er Leitung des an Jahren ältesten Abgeordneten als Alterspräsidenten zunächst der Vorstand der Landwirt- chaftskammer gewählt. Die Hauptversammlungen sind öffentlich. Gegenstände, welche sich nach Bestimmung der Landwirtschaftskammer zur öffentlichen Beratung nicht eignen, sowie diejenigen, welche von der Staatsregierung unter der Bedingung der Geheimhaltung mitgeteilt wer- >en, sind in geheimer Sitzung zu behandeln. Das Ministerium des Innern hat das Recht, zu den Hauptversamm- ungen der Landwirtschaftskammer Vertreter abzuordnen. Denselben ift auf Verlangen jederzeit das Wort zu erteilen. Tie Landwirtschaftskammer ordnet ihr Kassen- und Rechnungswesen selbständig. Sie stellt jährlich einen 23er» wLttungsvoranschlag über Einnahmen und Ausgaben auf, welcher dem Ministerium des Innern vorzulegen ist. Die Mittel zur Deckung der Ausgaben der Landwirtschaftskammer werden, insoweit sie nicht aus anderen Quellen fließen, durch Umlagen aus die Pflichtige n beschafft. Die Umlage wird auf die Um lagepflichtigen nach Maßgabe der ihnen zur Last stehenden fixierten Reinerträge aus dem Grundbesitz, (Grundsteuer-Kapital von Ackerland, Wiesen, Wald, Weinbergen und Weiden) aus- geschlagen. Umlagepslichtig sind diejenigen Grundbesitzer, welche zu einem Grundsleuerkapital von Ackerland, Wiesen, Wald, Weinbergen und Weiden im Betrage von mindestens 25 Gulden veranlagt sind. Die Steuerkommissiariate sind verpflichtet auf Verlangen der Landwirtschaftskammer Ver- zeichnisse der fixierten Reinerträge ihres Bezirks mit* zuteilen, sowie den durch Beiträge der Umlagepflichttgen ihres Bezirkes aufzubringenden betrag auszuschlagen, lieber die ausgeschlagenen Beträge sind Hebregister auszustellen, und vom Vorstand der Landwirtschaftstammer durch Vermittelung der Kreisämter in jedem 8krei.se für die umlagepflichtigen Angehörigen derselben zwei Wochen lang offen zu legen. Gegen die Entscheidung der Landwirtschaftskammer kann iirnerhalb zwei Wochen die Be- schwerde an den Provinzialausschuß ergriffen werden. Gegen das Urteil des Provinzialausschusses ist das Rechtsmittel Der Revision durch den Verwaltungsgerichtshof zulässig. Auf Antrag eines Provinzialvereins kann die Landwirtschaftskammer zur Deckung der Bedürfnisse des ersteren eine besondere Umlage auf die Umlagepflichtigen der betreffenden Provinz beschließen. Die im Staalsvoran- schlag für die Förderung der technischen Zweige der Landwirtschaft vorgesehenen Mittel werden, insoweit sie nicht budgetmäßig zur direkten Verwendung durch die Regierung bestimmt sind, der Landwirtschaftskammer über wiesen. Dieselbe ist befugt, zum Zwecke ihrer sachgemäßen Verwendung die Mitwirkung der landwirtschaftlichen Provinzialvereine und der anderen Landes-Fachvereine in Anspruch zu nehmen. Zu allgemeinen Ausgaben der 23ertoaltung der Landwirtschaftskammer dürfen diese Staatsmittel nicht verwendet werden. Der Landwirtschastskammer wird nach ihrer Konstituierung aus der Staatskasse als Betriebskapital einBetragvon 100 000 Markdar- lehnsw eise überwiesen. Dieses Kapital ift mit 31/2 Prozent zu verzinsen und in zehn Jahresraten von je 10000 Mark zur ückzu er statt en. Die Mitglieder der Landwirtschaftskammer versehen ihr Amt unentgeltlich. Toch kann denselben durch Beschluß der Hauptversammlung eine Den baren Auslagen für die Deil- nahme an den Sitzungen entsprechende Entschädigung gewährt werden. Auch ist für die Ausführung besonderer Aufträge die Gewährung einer Entschädigung zulässig. Die Aufsicht über die Landwirtschaftskammer führt das Ministerium des Innern. Alljährlllh einmal ljat die Landwirtschaftskammer dem Ministerium des Innern über die Lage der Landwirtschaft des Landes zu berichten. Von fünf zu fünf Jahren hat sie einen umfassenden Bericht über die gesamten landwirtschaftlichen Zustände des Landes zu erstatten. Auf Den Antrag des Staatsministeriums kann die Landwirtschaftskammer durch Großherzogliche Verordnung aufgelöst werden. Es sind sodann Neuwahlen anzu- 0ebnen, welche innerhalb drei Monaten, vom Tage der Auflösung an gerechnet, erfolgen müssen. Die neu gewählte Landwirtschastskammer ist innerhalb sechs Monaten nach erfolgter Auflösung zu berufen. Heber die Geschäftsführung und Vermögensverwaltung der Landwirtschaftskammer während der Zwischenzeit trifft das Ministerium des Innern die erforderlichen Anordnungen. Das Gesetz tritt am 1. Januar 1903 in Kraft. Politische Tagesschau. Tolstoi und die Unruhen in Rußland. Tie Funken, die der alte Leo Tolstoj durch seine Werke in die leicht entzündlichen Herzen und Köpfe der russischen Jugend geworfen hat, waren von Selbstherrlichkeit und Kirche schon lange «als Gefahr für sie erkannt worden. Bekanntlich war aber der Thron vornehm und nachsichtig, während der Altar seinen Bann gegen den gräflichen Weltverbesserer schleuderte, der sein Land und sein Volk liebt und dem oft ein Genius die Feder geführt hat. Ein Sturm der Entrüstung ging durch Rußland. Nicht darum, weil die Freunde Tolstojs die Fürsprache der Kirche für Tolstojs Seelenruhe als sehr ersprießlich oder notwendig erachten — sie meinen vielmehr, Die Kirche und ihre Tiener würden Tolstojs Fürsprack^e bedürfen —, sondern weil sich mit dem Einspruch gegen Den Baun wieder Gelegenheit bot, unter der Fahne des Fortschritts, der Freiheit zu vereinigen, was in Rußland unzufrieden ift. Das sind die Studenten, die Arbeiter und sehr weite Kreise des G-elehrtenstandes, der Künstler, der Schriftsteller und der Beamten. Da nun Tolstoj schwer krank darniederliegt, setzte abermals ein Sturm durch Rußland an, dem der Bannfluch der Kirche als angeblicher Ausgangspunkt dient. Die Universitäten von Petersburg, Kiew und Charkow sind geschlossen worden, aus Charkow werden blutige Zusammenstöße zwischen Studenten und Arbeitern einerseits und Militär andererseits gemeldet. Polnische Zeitungen bringen Nachrichten aus Kiew, die die Unruhen Der dortigen Studenten und Arbeiter als förmliche Straßen kämpfe schildern, wobei durch die Ko- al'en viele getötet und verwundet worden wären. Die Petersburger Universität war Schauplatz studentischer Aus- chreitungen. In Petersburg ertönen die Stufe: Hoch der unsterbliche ^Tolstoj! Nieder mit den Hunden! Die starke Partei Der Studenten, Die allen Reformversuchen des von guten Absichten beseelten Unterrichtsministers General Wannowski zum Trotz nur nach Gelegenheit sucht, um durch Straßenunruhen einen allgemeinen Ausbruch der Unzufriedenheit anzubahnen, scheint über eine Organisation Ku verfügen, die auch die verzweigte russische Polizei nicht ausrotten kann. Es ist schlimm genug, daß die russische Presse nicht das Vertrauen genießt, ihre Leser über wichtige Vorgänge in Rußland unterrichten zu dürfen; noch schlimmer reilich wird es, wenn die russische Presse dies selbst nicht empfindet. Wenn nun auch die russischen Blätter über die neuen Unruhen schweigen, so weiß man doch, daß es sich nicht um zufällige Begebenheiten handelt, sondern um Gegensätze zwischen der alten und der neuen Zeit, die auszugleichen ui Rußland schwer ist. Man kann, als guter Nachbar des Landes, nur wünschen, daß es den Behörden gelingen möge, durch weise Maßregeln den lieber gang zum Fortschritt vorzubereiten und so Der Bewegung ihren ge- ährlicheu Charakter zu nehmen. Neöer den Anvan der Kartoffel inr Jelde und im Karten Die Kartoffel (solanum tuberosum) hat chre Heimqt vorzüglich üt Südamerika, in Chile und Peru. An den Gerichtssaal. ,wei Zeugen wurden wegen m. Ervnberg, 28. Febr. Die Einweichung des hiesigen Kaiser Friedrich-Denkmals findet am 5. August, dem Todestage der Kaiserin Friedrich, statt. Der Kaiser wird der Feier beiwohnen. •• Auszeichnung. Der Großherzog hat zum 1. März dem Kammerchoristen Lang aus Anlaß seiner 35jährigen Dienstzeit das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps der eben ausgehobenen Erde bedecken. Auf diese Meise wird jede eingeworsene Kartoffel mit dem Ausheben eines neuen Pflanzloches auch zugedeckt. ° Schluß folgt. Familien Nachrichten. Gestorberr: Agathe Grein, geb. d'Orville, in Offenbach. Aus Stadt und Amid. Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willtornmen und werden angemessen honoriert. Gießen, 3. März 1902. liehe Mißernten vor. v Der Kartosfelbau hat uns in Deutschland besonders großen Segen gebracht. In keinem Kulturland werden mehr Kartoffeln gebaut als bei uns, da sich Boden und Klmra besonders für den Kartosfelbau eignen. Dre deutsche Bevölkerung ernährt sich durch den beliebten und gewohnten Konsum von Kartoffeln billiger als die anderen Nationen, und das erleichtert unserer Industrie die Konkurrenz auf dem Weltmcnckte. In unseren Gebirgsgegenden auf dem Westerwald, un Taunus, auf dem Hunsrück, in der Eifel, aus der Rhön, im hoben Thüringerwald, im Fichtelgebirge, Erzgebirge, kurzum auf alle unseren verhältnismäßig armen Gebirgshohen gedeiht die Kartoffel, und der Menschenfreund kann sich dem guten Glauben hingeben, daß auch für die ärmsten Gebirgsbewohner gesorgt ist, wenn bei ihnen dre Kartoffeln aut geraten sind. In unserer Ackerwirtschast hat der Anbau der Kars, toffeln im großen eine vollständrge Umwälzung hervorge- rufeu. Die Viehhaltung konnte verstärkt werden, als man begann, aus Kartoffeln Spiritus und als Nebenprodukt die als Vieh futter so wertvolle Schlenrpe zu erzeugen. Weite Länderstrecken im sandigen Osten wurden der Bodenkultur erst durch den Kartosfelbau erschlossen. Der aus den billigen Kartoffeln erzeugte 90prozenttge Spiritus eroberte den Weltmarkt, und welche Bedeutung dieser aus den Kartoffeln erzeugte Spiritus noch gewinnen kann, geht aus den Fortschritten hervor, die die Benutzung desselben zu Beleuchtungszwecken, zur Heizung, zum Betrieb von Loko- mobllen und anderen Kraftmaschinen tagtäglich macht. Erfüllen sich die Erwartungen, die die deutschen Landwirte von der Verwendung des Spiritus auch in dieser Richtung mit gutem Grund erhoffen, gelingt es, daß der Spiritus an dre Stelle des Petroleums tritt, daß er zum Teil die Kohlen ersetzt, dann wird der deutschen Landwirtschaft dadurch besser geholfen sein, als durch manche sonsttge Maßhaben nicht fetten nur 18 Proz. Stärkemehl und weniger, während die besten Brennereikartofseln 23 bis 27 Proz. Stärkemehl enthalten. Der Erfolg d es Anbaues der Kartoffeln hangt ab von dem Boden, der Düngung, der Bodenbearbeitung, der ausgewählten Kartoffelsorte, der Bearbeitung der Kartoffel- Pflanzen unv auch wesentlich von der Aufbewahrung der Pflanzkartoffeln. Ich beginne deshalb, wenn ich nunmehr von dem An- bau der Kartoffel spreche, nicht mit der Pflanzung, sondern mit der Ernte der Kartoffeln. Die Ernte foll thunlichst bei trockenem Wetter geschehen. Die Kartoffeln muffen trocken in den Keller gebracht werden. Kommen sie feucht, beregnet aus der Erde, so müssen sie erst in einem luftigen Raum abtrocknen und dürfen erst bann in den Keller oder in Erdgruben. Kranke Kartoffeln müssen dabei ausge- schieden, die Pflanzkartoffeln und zwar solche in der Größe eines starken Hühnereies am besten.auch gleich im Herbst herausgelesen und von den zum Essen bestimmten Kartoffeln getrennt aufbewahrt werden. Bei diesem Sortieren bleibt aller Schmutz zurück, die Kartoffeln erhitzen nahmen. lieber den Anbau der Kartoffeln auf den verschiedensten Böden läßt sich sagen: die Kartoffel gedeiht auf allen Bodenarten, wenn man ihr die zum Gedeihen günstigen Vorbedingungen schasst Sie liebt aber besonders einen tiesgründigen, warmen, leichten, sandigen und humosen Lehmboden und liefert hier bei angemessener Düngung und Behandlung die höchsten Erträge. Kalten, nassen, schweren Boden liebt sie dagegen durchaus nicht Es em stehen hier ganz besonders im feuchten Sommer oder Herb leicht Fehlernten. Dagegen ist im leichtesten Flugsand der Anbau der Kartoffel noch mit Erfolg möglich. Wahrend die Kartoffel aus chr zusagenden Böden bis 150 Zentner guter Knollen liefern kann, sinkt der Ertrag auf weniger vorteilhaften Böden bis aus 40 Zentner herab. Es giebt, wie schon oben erwähnt, mehr als 3000 Kar- tofselsorten. Man unterscheidet nach der Reifezeit frühe, mittelfrühe und späte Sorten. Die beiden ersteren reifen bei entsprechender Behandlung in 70 bis 90 Tagen, die späten brauchen dazu bis 200 Tage. Ferner unterscheidet man die Kartoffeln nach dem Gebrauch als Speisekartoffeln, Brennereikartoffeln und Futterkartoffeln. Zu Brennerei- rnirttaeit AbbLngen der Kordilleren gedeiht sie noch hMte M.T Ster gegen die Mitte des 16. Jahrhunde-^ SS, jLiher eroberten, brachten sie, in die §etmat zurnck- Ährtbie Startoffel zum Anbau in die Niederlande, Bur ff’Jw Durch andere Seefahrer, wie durch b©nawnMnMei Walther Ruletgh wurde sie 158o bis 1623 in England verbreitet, in Deutschland und »war m 3 fic erst 1717, in Preußen unter Friedrich. Ä«i°^en 1783 angebaut Der Widerwille der mLrkischen Lem gegen ^e «ne Pflai-ze war so gr°L daß sie teils g^altsam gezwungen werden mußten, Kartofseln zu ^^u^Anfang des 19. Jahrhunderts, nach den Frechei^- trieaen wurde die Kartoffel in Deutschland ziemlich all- cmaebaut. Als man aber die Entdeckung machte, man auch aus Kartoffeln Branntwein brennen könne, wutt>^ der Anbau immer stärker betrieben und die Kars- ttllel als Nahrungsmittel, zu Futterzwecken und zur He^ stettung von Branntwein immer stärker und wahrscheinlich ui einseitig angebaut denn etwa int Jahre 184o trat plotz- rkh^bie Kartosfelkrankheit auf und in der Folge so verwend daß ost vollständige Mißernten eintraten, ye g»an fam auf den Gedanken, neues Saatgut einzu- «ifiren und machte wirklich die Erfahrung, daß die neuem» Jefaörten Daatkartvffeln sich meist widerstandsfähiger gegen die Kartosfelkrankheit zeigten. Englische undamerikanische Züchter machten es sich zur Ausgabe, neue Kartofselsorten zu erzeugen und diese in den Handel zu bringen. C n bekannter deutscher Kartoffelzüchter, A. Busch aus Groß- Massow in Pommern, führte diese Neuzüchtunaen m Deutschland ein, vermehrte oieselben durch Nachzucht und brachte sie in den Handel. Deutsche Landwirte folgten m immer arößerer Zahl den amerikanischen und englischen Züchtern, es entstanden fortgesetzt neue Kartofselsorten, und wir haben letzt deren mehr als 3000 Sorten am Markte, von tonen tausende wieder verschwinden und neue tausende austauchen. Jedenfalls ist erreicht, daß wir Kartofselsorten haben, die sich widcrstaudssühig gegen bie KartosselkrauFeit zeigen uni nute Ernten sichern. Mißraten die Kartofseln auch ein. mal im Westen oder im Osten, höchst selten kommen eigene »ülsu, w,„ rÄÄ’ä« ÄÄ toi-SÄT.Ä Kartoffelsorte einen umfangreichen Kraittbusch entwickelt ^bruar. Dem Taglöhner Heinrich Schornber eine Tochter, Anna oder nicht. Kartofselsorten, die große Knollen bringen und ^tlbclmma geboren den 22. Januar. Dem Taglöhner Eberhardt besonders die Spatkartoffeln wird man Wetter legen als Schmidt eine Tochter, Susanne, geboren den 1ö. Januar. Dem andere. — Man schleift die »Rinnen dann entweder mtt einer Fabrikant Emil Horst ein Sohn, Heinrich August, geboren den 11. umgekehrten Egge zu, ober deckt die Pslanzkartoffeln mit Januar. 24. Dem Laternenanstecker Friedttch Schäfer eine Tochter, Lacke oder Spaten oder man spaltet, was in hiesiger Gegend Catharine Elise Wilhelmine Julie, geboren den 24. Januar. Jo- häusiger W>W, Häufelpflug bie zwischen ben ft«™ ^unen stehni gobttebeuen 3alfen und deckt so die Kav- ^in unehelicher Sohn, Heinrich, geboren den 15. April 1900. toffeln zu. In vielen.Gegenden Seitijchlandö Pflanzt man, Beerdigte. Markusgcmeinde. Den 22. Februar, besonders da wo Arbeitskräfte reichlich zu haben ftnnd, die Ludwig Künkel, Privatier, ein Wittwer, 85 Jahre alt, starb den Kartoffeln mit dem Spaten nach der Schnur oder Keilte. 20. Februar. Johanne saemeinde. Friedrich Schäfer, Zwei Leute an jedem Ende der Schnur spannen diese über | Schriftsetzer, 43 Jahre alt, starb den 24. Februar. das Feld. Da lvo eine Kartoffel ihren Platz finden soll, ist ----------- in der Schnur oder Kette ein Zeichen angebracht, an der *frdliffanfldn idlteil Kette entlang stehen eine Anzahl lNänner verteilt, mit dem u j 1 j Spaten in der Hand. Jedem sind 5 bis 10 Zeichen an der „Red Star Linie" Antwerpen. Kette zugeteilt, er gräbt an ton betreffenden Stellen mit Der Vostdampfer „Southwark" der „Red Star Linie' in je einem Stich ein Pflanzloch, Frauen, die in der Schüxze Antwerpen ist laut Telegramm am 27. Februar wohlbehalten in oder in einem Handkorbe die .Kartoffeln tragen, werfen in | New-Pock angekommen. jedes Pflanzloch eine Kartoffel. Die Kette wrid Wetter “ gesteckt, die Männer graben neue Pflanzlöcher, indem sie die in die ersten Pflanzlöcher eingelegten Kartofseln mit ich, da sie weniger dicht liegen, nicht leicht, und es werden Verluste durch Nachfaulen am besten vermieden. Frost darf die Kartoffeln in ihren Winterlagen nicht treffen, die Kelleröffnungen müssen gut verwahrt sein. Tritt im Laufe des Winters mildes Wetter cm, so muß tot Keller gelüftet werden. Im fest geschlossenen Keller ent- teht durch die schlafenden Kartoffeln schlechte Lust, wie tm Schlafzimmer der Menschen. Die Kartofseln schlafen, sie atmen und scheiden dabei Stosse aus, die die Lust verderben. Deshalb ist das zeitweise Lüsten tos Kellers im Winter bei mildem Wetter so notwendig, tote das tägliche Lüften der Schlasräume tot Menschen. Geschieht das Nicht, so entstehen im einen wie im anderen Falle Krankheiten. Soll die Pflanzkartoffel ün Frühjahr fröhlich wachsen des Großmütigen verliehen. . können, so muß ihr Winterschlaf gut behütet gewesen sein. ♦» Jubiläum. Die Herren R. und M. Zmheufer Mit der steigenden Temperatur gegen das Frühjahr konnten am Samstag die 10jährige Wiederkehr des Tages hin erwacht die Kartoffel aus ihrem, Winterschlaf, sie fangt -^rn, an dem sie die Firma Aug. Montanus Nachfolger, an zu keimen. Dies muß vor der Pflanzung thunlichst ver- Marttplatz 9, übernommen haben. Zahlreiche Glückwunsch- bindert werden, wenn die Kartosfel, besonders die -ßflan^ 3ä)ret()en unb -Telegramme sind von nah und fern bei den faitoffcl, im W-rto nM v-rlE foIL Dagegen guAgÄ«^gelaufen.' Die Angestellten überreichten im Winter, die Karwffel nicht zu warm, sonst keimen sie ihren beiden Chefs eine prachtvolle Blumenspende. Auch aus elbft im tiefen Winter. Von Ende Februar ab bei mildem der zahlreichen Kundschaft gingen den Jubüaren viele Glück- Wetter aber lese man auch die g-anz gesunden und im wünsche zu. . Herbst schon verlesenen Kartoffeln alle 10 Tage einmal •• Zinsenberichtiguug für in da8 heff. Staatsschuldbuch em. um, schütte sie vorsichtig auf einen anderen trockenen und gctrfl6cnc Forderungen. Zufolge Bekanntmachung des Ministe- sauboren Platz. Bewegt man so die Kartoffeln bis in den I cium§ bec Finanzen vom 18. Februar 1902 kann, worauf Mai hinein regelmäßig alle 10 Tage, so zeigen sich wohl , an dieser Stelle hingewiesen sei, die Berichtigung der Keime in ton Keimailgen der Knollen, die Kemw- werden 3.3 bte m ba§ hessische Staatsschuldbuch eingetragenen £e“n —hrdurch Erzählung bei tor durch das sogenannte Auskeimen nicht geschwächt, sondern Reichsb ank-H auptkaffe, den sanitlichen Reicheban - behalten chre ganze Äraft. Hauptstellen, Neichsbankstellen und mtt ^a^eneln^^^tl ng ver- Ende März, wenn stärkere Fröste nicht mehr zu be- sthenen Nebenstellen an solche Personen, Gesellschaften und fürchten sind, trägt man die zum Pflanzen bestimmten Kar- Verwaltungen erfolgen, die kein Gttokonto bei der Reichstoffeln am besten aus dem Keller in einen luftigen Schlippen 6anE haben. oder gar auf ton luftigen Hansboton. Hier sollen die Frankfurt a. M., 28. Febr. Der Kaufmännische Kartoffeln äbwelken, d. h. einen Teil ihres Wassergehaltes zz^-ein Leiblicher Angestellter dahier beschloß, Lehr- verlieren. Dabei treten die Keime deutlich hervor. Etwaige stellen für Verkäuferinnen unentgettlich zu ver- Krankhettskeime, die der Schale der Kartoffel anhaften, ^^ln. — Unter dem Vorsitz tos Oberbürgermeisters> t erb en ab, es ist diese Art der Behandlung der Pflanz- tolüickes ist fyier ein Ausschuß gebildet worden, der die Kartoffeln eines der wenigen Mittel gegen das Austreten Mündliche wissenschaftliche Forschung über die römische der Kartoffelkrankhett , Munizipal st adt bei Heddernheim in die Wege So ab gern elfte Pflanzkartoffeln gehen rascher aus- satten soll. Von dem großen, dort entdeckten Friedhöfe ist Inzwischen ist es April geworden. Die Pflanzzell beginnt e-n bloßgelegt worden. Jüngst wurde ein den ür das mittlere und Südtoutschland auf leichten Boden, gestirnten Himmel darstellendes Grabmonument gesunden, ür die klimattsch günstiger liegenden Gegenden unseres iaut Inschrift von einem römischen Centurio aeftiftet Landes. Der Acker, der Kartoffeln tragen soll, ist im beften ro4)r^en ^st. Unter Führung tos Letters der Ausgrabungen, Kulturzustande. Er ist entweder zu der Vorfrucht gut mit Quilling, werden Exkursionen nach der Gräberstätte Stallmist gedüngt worden — das ist der beste, ober per ü€ranua[tet werden, zu denen Legttimationskarten ansge- Dünger ist im Herbst aufgefahren unb_ gilt untergerlügt, ^eben werden sollen. unter allen Umständen hat der Acker im Herbst eine gute und r. Hö ch st a. M., 28. Febr. Von einer teuren Eisenbahn- ttefe Pflugsurche erhalten. Dann ist der Acker im Fruhiahr ^as ^Höchst. Kreisbl." zu berichten: Mrzlich abgeeggt und eine weitere Pflugfurche gegeben, pbaB bie tour^e Sttecke Höchst-(Ä>derheim ein Herr aus Weil- Ackerkrume, die im Lause tos Winters sich zusammengesetzt Fahrkarte betroffen. Die Bahnverwaltung soll hat und gründlich durchfeuchtet war, nun wieder gründlich. festqestellt haben, daß der Schlaumeier schon über gelockert und gelüftet ist. Die.Frühlingswärme kann in e-n Fahr diese billige Fahrt gemacht hat, und chm eche )ie Ackerkrume einbringen und ihn durch warmen für die Strafe von 2400 Mark zudiktiert haben. Auftiahme der Pflanzkartoffeln. , . ~ M ----- Diese sind, falls sie, wie empfohlen, in der Große emes starten Hühnereies ausgesucht worden, nicht zu schneid^, um PflaWgut zu sparen. Schneiden sollte man nur dicke Kartoffeln und auch nur wenn man von Mitte Aprtt biss Mitte Mai pflanzt. . | Die Pslonzmethoden sind verschieden. Wer un Frühjahr noch Stallmist zu Kartoffeln geben wttl, fährt ihn nun auf, breitet ihn gut und pflügt die Kartoffeln mtt dem Stallmist ein. Die Kartoffeln werden hinter dem Pfluge eingesteckt, nicht eingeworfen, wie es vielfach geschieht. Die Kartoffel sott nickst auf die Sohle der Furche gelegt, sondern seitlich in den durch die Pflugschar locker hingelegten Boden eingesteckt werden — daher die Frage des Nachbarn an den Nachbarn, habt ihr eure Kartoffeln schon gesteckt? Wer hätte nicht schon Kartoffeln Hutter dem Pfluge gesteckt ober nicht wenigstens zugesehen, und wäre es nur geschehen beim Durchfliegen einer Feldflur im Frühling und im Eisenbahnzuge. Das Bücken beim Kartofselstecken verursacht leicht Kreuzschmerzen, und mau fleht bann, wie gleichgiltige Leute oder Leute, die ohne die nötige Aufsicht sind, die Kartoffeln in die Furche fallen lassen und es tot Kartoffel überlassen, sich einen Platz in der Furche zu suchen. Die Kartoffel sucht sich! naturgemäß ton ttefsten Punkt, sie kommt aus die Sohle der Furche zu liegen und nicht- in die gelockerte Ackerkrume. Das Rad des , , Borderpsluges oder der Huf des Zugtteres zerquetscht sie m{t einer Mark Inhalt entwendet. Er roirb, da er wiederholt bäutta oder stösst sie von ihrem Platze. Gehen die Kar- rückfällig ist, zu 2 Jahren 6 Monaten Zuchthaus, fünf Jahren toffeln später auf, so stehen sie lückenhaft, ungleichmäßig, Ehrverlust und Stellung uMer Polizeiaufsicht verurttckt. — Der und liefern einen geringeren Ertrag — ober es geht wider Karl Bingmann von Stockhauen war von dem Schost^igerlcht ff*, ^Tern »rmen g a uund toe Redens-- Laubach von der Anklage der Körperverletzung mangels Beweises Erwarten gut, rtotz aller chleryasten Eit, unb bie Reo^ I gesprochen worden. In der heutigen Verhandlung konnte der art wirb wahr, baß namliai bie dümmsten ~eute pie dicksten I ^geklagte jedoch überführt werden, trotzdem mehrere eidliche Aus- Kartoffeln bauen. Wer nut lunitlichem Dünger düngen wttl, refne Thäterschast in Abrede stellten. Der Angeklagte wurde läßt wohl auch bei dieser Art zu pflaiizen, künstlichen Dünger: 50 Mark Geldstrafe verurteilt. Zwei Zeugen wurden wegen Knochenmehl, Holzasche, aufgeschlossenen Peruguano (dieser Verdachts des Meineids sofort verhaftet. vielleicht der beste Dünger für Kartoffeln) in bie Nähe ——----- der gesteckten Kartosfel beistreuen. Ein bleibt doch wahr: Die besten Zuthaten M. Rosenthal. Landwirtschaftliche Maschinen und Geräthe. Liebigstr. 13. Telephon 218. 1766 1 artenerde k. abgegeben u. anoe- ^fahren w.Schiffenbergerweg 24. Buchen-Reisig, Eichen- , Konkurs-erfahren. In dem Konkursverfahren über den Nachlaß des Schriftsetzers Ludwig Rohrbach von Wieseck ist zur Abnahme der Schlußrechnung des Ver- mit und ohne Bremse eingetroffen. ages-Ordnung: Bericht der Kaffenprüfungskommission. Sonstige Vereins-Angelegenheiten. Vortrag des Kameraden Bildhauer Lehr. Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Fritz Novack Ausstattungs-Geschäft und Wäsche-Fabrik. walterS, zur Erhebung von Einwendungen gegen das Großherzogliche Bürgermeisterei Langsdorf. Köhler. Nadel. , Buchen-Stöcke, Eichen- , Nadel- Fritz Nowack, Ausstattungs-Geschäft und Wäsche-Fabrik, Wirtschaft za vermieten. Für tücht. Leute, welche Kaution stellen können, ist in Frankfurt eine gutgehendeWirtschaftzu vermieten. Offert, unt. M w 0848 an die Exp. BM-, Werk-1 BreMhsh-Kerßeigenlilg im Rangsdorfer Gemeinde«ald Hochachtungsvoll ergebenst A. Jakob, Gokthestratze 23, in. 1701] ?luf Domäne Wollersdorf bei Frankenberg L H. stehen drei edle Reit- und Wagenpferde zu verkaufen. (Feidel). Jagdverpachtung. Termin: Dienstag den 28. März 1902, nachmittags 2 Nhr, tu der Bende^schen Wirtschaft hier in Schwnlbach. Die Jagd in der Gemarkung Nauborn (rechts des Wetzbaches) ca. 175 Hektar Wald und 125 Hektar Feld, an fiskalischen und städtischen Wald anschließend, soll am 1* April d. Js. auf neun Jahre öffentlich» verpachtet werden. Pachtbedingungen und sonst jede gewünschte Auskunft werden vom Unterzeichneten gern mitgetellt. Schmalbach, 26. Febr. 1902. Der Bürgermeister. v- Ha g e n. 1774 Gießen, den 27. Februar 1902. Der Vorstand: Prof. D. Stamm. Pfarrer Schlosser. Theater - Verein 9. Vorstellung: Donnerstag den 6. März: .. Klassiker-Abend. 1. Tartüffe. Komödie in 5 Alden von Moliäre. 2. Der zerbrochene Krug. Lustspiel in 1 Akt v.Hoh v. Kleist. Tartfifle und Oorfrichter Adam: Adloif JälFgensen vom Hoftheater in Cassel. Anfang 8 Uhr pünktlich. Ende gegen II Uhr. Billets im Vorverkauf bei Ernst ChaUier (Rudolphs Nachfolger) 1 und abends an der Kasse. 1699 BsMrmtmachrmg. das hiesige Vereinsregister wurde heute eingetragen ^,Verem der Gastwirte 'von Gießen und Umgegend" zu Satzung ist am 5. November 1901 und 17. öe5rnar 1902 errichtet. Mitglieder des Vorstandes sind Vorsitzender, b) Wllhelm Mayer, Schriftführer, c) Max Jaskowsky, Gastwirt, Rechner, Gießen. Der Vorsitzende vertritt den Verein mrch Innen und nach Außen; im Verhinderungsfälle des Bwsitzwdoa tritt an dessen Stelle das nach seiner Amts-i dauer älteste Vorstandsmitglied. Gießen, am L März 1902. Großherzogluhes Amtsgericht. Hierdurch gestatte ich mir, die ergebene Mitteilung zu machen, daß ich neuerdings die Vermittelung von Hypotheken für eine überaus leistungsfähige und coulaute Hypothekenbank übertragen erhalten habe. Den verehrten Herren Interessenten der Baubranche stehe ich mit speziellen Angaben auf Wunsch gern zu Diensten. Dir Annoncen? cxpeülNon __, des Giessener Anzeigers empfiehlt sich ,ur Vermittelung von Anzeigen für sämtliche Zeitungen des In« u- Auslandes }u Originalpreifen Darum, Ihr Hausfrauen, verlangt nur: mebalr-Schutz-Borde „Primissima“ mit Aufdruck: „Vorwerk“ wollen* Schutz-Borde „ Vorwerk“ $CbWei$$-Blätter (Tricot- u, Gummi-Platten) „ „Vorwerk“ nragen-Ginlage, speziell „Practica“™. Carton-Aufdruck „Vorwerk“ Die Marke „VORWERK“ verbürgt eine unerreichte Qualität und Zweckdienlichkeit der Fabrikate. Jedes bessere fleschäftfUhrtdieVorwcrk’schenFabrifrnte, j ca. 5 Minuten entfernt von einer größeren Bahnstation in Ober- heflen, zu verkaufen. Off. unter K. 1574 an die Exp. d. Bl. AechWer Lweiii für Zimm Miffios Be: der heute vor Großherzoglichem Polizeiamt vor- geuomm«reu Auslosung von Schuldverschreibungen des zum iöau hiesiger Herberge zur Heimat aufgenommenen Anlehens Ammern zur Rückzahlung am 1. März 1902 besrunmt: ' h Nadel- 1 „ Birken- „ Langsdorf, den 21. GWWiWWtz und Halte Wacht! d Eichen- n Nadel- „ Buchen-Knüppel, Eichen- „ I Hausverkauf. Das Haus Bleichstratze 6, zwei Stockwerke mit je 5 Zimmern u. Badezimmer, sowie Mansarde, mit großem, schön angelegtem Garten, ist wegen Sterbefalls zu verkaufen. 1776 Näheres Südaulage 19, IL Dahmes 1773 Gerichtsschreiber des Großh. I_________Amtsgerichts. ____ Otto Luft, ßiph AaMI über das, was Dir für aoiilg Dein Kleid verkauft wird. M A ä 50 Mark: Nr. 10, 20, 33, 35, 36 38, 47, 48, 49, 60, 67, 75, 76, 77, 80, 82, 85 90 94. 96, 100, 101, 104, 105, 106, 107, 121, 122, 124.' 125 126, 127, 130, 134, 139, 143, 150, 153, 155, 162, 178 , > - v - ,..... - ... 188, 194, 199, 211, 216, 220, 223, 225, 232, 824 325 Verteilung zu berücksichtigen- ^'^45, 349, 351, 352, 356, 358 und 359, zusammen ben Forderungen i .60 Stück ä Mk. 50.— --- Mk. 8000.—. | Billig l Musik- Billig! Automaten automatisch. Piano und größere Orchester- weg. Aufg. d. Lad. OVi-4-ni- Kronprinzenstr. 48 öanneni) billig zu mkslifen. Man benütze diese kurze günst. Gelegenheit. Anzusehen 10V. bis ll1/* und 4 bis 51/, Uhr. ÄBiomatenseip Frankfurt a. M. NB. Mein Lokal Kaiferstr. 77 bleibt vor wie nach bestehen. Tücht Vertreter uwd Laden oder passenden Saal mit elek° irischem Anschluß zum Ausstellen ür Gießen gesucht. 1694 0772 Schloßgasse 7. Der Ausschank und die Abgabe des Agitator-Bieres aus der Augustiner-Brauerei in München beginnt W“ Montag den 3. März. 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Schwarzbrot 24,3 |: S : * §: ä: S:i ; S: 43 r v® if ) „ o2 „ Der auswärtige« Bäcker. o ~ , 1 Kilogramm (2 Pfund) Weißbrot bei: -L. Schmrdt, Gr.°Li11den. . 24 Hernr. Weber, Heuchelheim 24 „ iLStemmuller, Gr.-Linden 24 „ W. Fabel, Weseck . . .25 M L.°Göns . 24 , Karl Post, Wieseck . . . 26 W.Wertzel, Lang-Göns . . 24 „ o .. 2 Kilogranun (4 Pfund) Weißbrot bei: q- Hfurr. Weber, Heuchelheim 48 „ Kr.°Lmden 48 , W. Fabel, Wieseck . . .50" 48 , Mob Appel, Krofdorf . . 50 ' W. Weitzel, Lang-Gons . . 48 , Karl Post, Wieseck . . . 52 * _ __ „ 1 Kilogramm (2 Pfund) Schwarzbrot bei: L. Schmidt Gr.-Linden. . 22 W. Weitzel, Lang-Göns. .22^ A Z^urUer, 22 r Heinr. Weber, Heuchelheim 22 „ W. Steinmüll ec, Lang-Göns 22 , 2 Afl^Ülmnun (4 Pfund) Schwarzbrot bei: aSk f2 A Gust. Jakoby, Alten-Buseck 44 „ I Schmidt, Gr.-Lrnden. . 44 „ Karl Post, Wieseck . 44 L Sternmuller, Gr.°Lmden 44 „ Heinr. Weber, Heuchelheim 44 " W.Stemmüller, Lang-Göns 44 , Jakob Appel, Krofdorf 46 W. Weitzeh Lang-Gons. . 44 , Grnst Ghrrft, Wieseck. * .69* _ _ , , b Kilogramm (6 Pfund) Schwarzbrot bei: „ Der Brotverläufer: DiefÄben Preise wie bet den hiesigen Bäcker«. D4eßen, den 28. Februar 1902. Groß herzogliches Polt-eiamt Gießen. Hechler. künftige Gelegenheit ür Braut- niiö Privatleute sich gut und billig einzurichten. Ich verkaufe zu jeoenr annehmbare« Preise Schlafzimmer in hell und dunkel, nußb. Salongarnituren in Seide und Plüsch, Divans in Moquette. Taschen u. Stoff, Kanapees, Sptegelschränke, Kleiderschränke m Nußbaum und lackiert, Wascbkomm., Trumeaux, Büffets. Gelegenheit: Mahag.-- Bettstellen, Sprungr., Roßhaarmatratzen, altdeutsche Küchenein- richtung, Kominoden, Spiegel und sonstiges mehr. 1780 Johann Hägerich, Frankfurt a. M. Laugestraße 63, Klry. 1. Straßenbahn von allen Bahnhöfen bis Langeslraße, Ecke Neue Zeil. Reinen Milchzucker nach Vorschrift des deutschen i Arzneibuches, „ 1 und zur . ... ----- —vv.—. ' ' IBeschlußfaffung der Gläubiger H. Von Lit. B a 200 Mark: Nr. 3, 10, 16, 21, 29 I ^)et ^xe nicht verwertbaren 43, 85, 94, 96 und 155, zusammen 10 Stück i Mk. 200 — Vermögensstücke der Schluß- « Mk. 2000.—. * terrnin auf Dienstag bett Die Besitzer dieser Nummern werden hiermit aufgefordert 204 März 1902, vormittags ™ gegen Rückgabe der Schuldverschreibung mit 10 Uhr, vor dem Großh. Coupons vom 1. März d, I. an bei dem Bankhause Aron Amtsgericht Hierselbst bestimmt. Heichelheim dahier zu erheben. Gießen, den 28. Febr. 1902. f^uerBadßöfen • R.R Gebrauch. überyO.OQOj", tJ^.^5peizöfen M^VWrewran Fast allen Plätzen