Nr. Ä Erstes Blatt. 153. Jahrgang Freitag 3. Januar 1908 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werben im Wechsel mit dem Kesfischen Landwirt die Gießener ^amilien- Hlätter viermal in der Woche beigelegt. 'Rotationsdruck u. Dev-- lag der Brühl'schen Unwers.-Buch-il.Stein- Zuckeret (Pietsch Erbens Redaktion, Expedition und Druckerei: Gchnlstraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. FernsprechanschlusjNr.51. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen Bezugspreis: monatlich 7b Pf., vierteljährlich Alk. 2.20; durch Abhole-- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— Vierteljahr!. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen sür die Tagesnummer l is vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12 Pft auswärts 20 Psg. verantwortlich: sÜr den pokit. u. ullgem. Teil: P. Wittko; für „Stadt und Land" und „ G eri ch tsk aal": R. D i t t- mann; sür den Anzeigenteil: Hans Beck. Grestes, 2. Januar 1902. Die Ausführung der Vorschriften der Gewerbeordnung über die Arbeitsbücher und die Beschäftigung von Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern in Fabriken. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen um die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom lia Dezember 1901 (Kreisbl. Nr. 392 u. 27) noch nicht entsprochen haben, werden an bereu baldige Erledigung erinnert. v. Bechtold. Anhänglichkeit, und so sei es vielfach Und wenn er nach Hause komme, wer ihn fragen, wie es in Berlin gewesen sei, und er werde sich freuen, ihm erzählen zu können, daß hier eine so große Versammlung für den Bauernstand eingetreten sei. (Lebhafter Beifall.) Nach einem Schlußwort des Grafen Pückler wurde eine Entschließung mit allen gegen etwa 15 Stimmen angenommen: „1500 in der Tonhalle versammelte deutsche Männer und Frauen erkennen an, daß der deutschen Arbeit, vor allem dem deustchen Bauernstand ein kräftiger Schutz zu teil werden muß; sie sprechen daher die Erwartung aus, daß Reichstag und Bundesrat der nationalen Arbeit nicht versagen, sondern unbekümmert Um alle Treibereien Köyler-iFangsdorf in Merlin. Wir lesen .in der neuesten Nummer der ,>Dtschn. Volks- wörtlich: Wahrend der ersten Lesung der Zollvorlage im Reichs- tog fand in Berlin eine Volksversammlung zu Gunsten her Getreidezölle statt. Neben dem Reichstagsabg. Werner .sprach auch der Aba. Köhler-Langsdorf. Von der 23er- Sammlung lebhaft begrüßt, führte er folgendes aus: Er habe sich, so begann er, als schlichter Bauer schwer ent- schließen können, vor einer großen Versammlung in Berlin W sprechen. Aber gegenüber den Verunglimpfungen, denen die Landwirtschaft jetzt ausgesetzt sei, müsse er seine Stimme erheben. Er komme aus einem der fruchtbarsten Teile Därtschlands, der Wetterau; aber er könne versichern, daß der Bauernstand auch dort nicht mehr auskommen könne, lieber die Verhältnisse im Osten, auf die so viel geschimpft werde, sei er weniger unterrichtet. Er sei nur einmal bis Meseritz und Bentschen gekommen, da habe er unterwegs viel traurigen Sandboden gesehen uno sich gefragt: wenn wir in der gesegneten Wetterau schon in Not sind, wie sollen dann die Landwirte im Osten fertig werben? (Beifall.) Einspruch müsse er dagegen erheben, daß man es so darstelle, als feien nur Äe Großgrundbesitzer, die Junker, diejenigen, hie Vorteil von dem Tarif hatten, und für ihn ein treten. Nein, sie seien in Hessen alle als Kleinbauern für den Tarif. Nicht um die Habgier der Junker, um die Not her gesamten Landwirtschaft handle eS sich. Er sei in vielen Punkten anderer Ansicht als die Großgrundbesitzer, in dieser Frage feien sie einig. Er id erstaunt über die Dreistigkeit, mit der man in Berlin oie Bevölkerung verhetze. So bringe das jüdische Witzblatt *,111?' einen Witz von dem Grafen und den Arbeitslosen. Demgegenüber müsse er erklären, daß es solche brutalen Schurken, wie sie der „UH" als Großgrundbesitzer darstelle, in feiner Heimat Hessen nicht gebe. Ihre Adelsfamilien, die Stolberg, Solms, Erbach, Asenburg seien kernige deutsche Gestalten. (Beifall.) Auch zeuge dieser „Witz" im „Ulk" von großer Unwissenheit; denn Arbeitslose gebe es auf dem Lande nicht, da herrsche allenthalben Leutenot. Arbeitslose gebe es nur in den Großstädten. (Lebhafter Beifall.) Die Versammelten waren der Rede mit großer Auf- Urerksamkeit -gefolgt, nur einige Lausbuben, „National- soziale" wie natürlich, suchten die Versammlung durch Gruenzen und anderen ihnen angeborenen Naturlauten zu stören. Namens der nat.-soz. „Partei" sprachen ein Lehrer, !etu jugendlicher Zipfel und der Sohn eines bekannten natio- valsozialen Pfaffen, der sich sogar zu der Behauptung erstieg, mr müsse sogar für die Junker Mist fahren. Auf die sattsam bekannten Vorwürfe, daß der Abg. Köhler zu wenig än Reichstag anwesend fei, antwortete treffend der Redakteur Böckler: Wenn Herr Köhler selten in den Reichstag komme, so hätten ihm das junge Nationalsoziale nicht vorzuwerfen, die politisch ebenso wenig geleistet haben, wie .ihre ganze Partei. Herr .Köhler habe für seine Bauernwirtschaft zu Jorgen, sei außerdem Bürgermeister in Langsdorf und hessischer Landtagsabgeordneter. Als solcher müsse er^zunächst in Darmstadt fein, und er habe seinen Reichstags- Wählern vor der Wahl ganz offen gesagt, er werde nicht nach Berlin fahren, wenn in Darmstadt wichtigere Dinge verbandelt würden. Seine Wähler haben ihn trotzdem wiebergewähll, und es sei doch wohl ihre Sache, zu entscheiden, ob er seine Pflicht gethan habe, und nicht die eines Herrn aus Berlin. Abg. Köhler stellt in seinem Schlußworte zunächst fest, daß er seines Wissens bei den namentlichen Abstimmungen im Reichstage nur ein» mal gefehlt habe. Lebhaft protestieren müsse ö gegen die Bemerkung, die Landarbeiter würden „hundsfötsch" behandelt. Er habe seinen alten Pferdeknecht Philipp nun 25 Jahre, derselbe stehe mit ihm int freundschaftlichsten Verhältnis und habe ftch in seiner Dienstzeit ein eigenes Anwesen mit 4 Kühen an* geschafft, sei aber trotzdem bei ihm geblieben aus alter Anhänglichkeit, und so sei es vielfach bei ihnen in Hessen. Und wenn er nach Hause komme, werde fein alter Philipp im In -und Auslande eine zielbewußte Schutzzollpolitik in der Richtung des neuen Zolltarifs durch führen werden." Den Schluß der Kundgebung bildete ein Hoch auf das deutsche Vaterland, in das die Versammlung begeistert einstimmte, und der Gesang des Liedes „Deutschland über alles!" Politische Tagesschau. Die namentlichen Abstimmungen des Reichstags. Eine Uebersicht .über die Teilnahme der einzelnen Reichstagsabgeordneten an den namentlichen Abstimmungen entwirft die „Deutsche Tagesztg." Damit kein falsches Bild entsteht, sind die namentlichen Abstimmungen bei der zweiten und dritten Lesung der sog. lex Heinze unbeachtet gelassen, weil damals bekanntlich Obstruktion getrieben wurde. Man wird also der Zusammenstellung nicht vorwerfen können, daß sie tendenziös sei. Es sind aber noch folgende Vorbemerkungen zu machen. Die Zusammenstellung giebt kein vollständig richtiges Bild, weil manche Abgeordnete sich grundsätzlich Uno regelmäßig für den Fall einer namentlichen Abstimmung entschuldigen lassen, während andere, obwohl sie durch Krankheit behindert sind, es versäumen, Gute formelle Entschuldigung einzureichen. Immerhin dürste die Uebersicht nicht ohne Interesse fein. Es hoben fett dem Beginne der jetzigen Legislaturperiode außer den von uns nicht berücksichllgten im ganzen 23 namentliche Abstimmungen stattgefunden. Wir können vorweg die elsässischen und polnischen Reichstagsabgeordneten ausscheiden, mit der Bemerkung, daß sämtliche Abgeordnete, die der elsässischen Gruppe angehören, 12 und mehr namentliche Abstimmungen versäumt haben, wahrend von den 14 Polen 11 bet neun und mehr namentlichen Abstimmungen nicht zugegen gewesen sind. Von den Elsässern bat den höchsten Rekord oer Abgeordnete Pierson erzielt, der bei 20 namentlichen Abstimmungen fehlte. Von den übrigen Abgeordneten haben bei 20 nam en t liehen Ab st immun gen gefehlt: Dr. Hänel; — bei 19; Ahlwardt, Johannsen; — bei 18: Jacobsen, Köh.lerLaiigsdorf!!, Lenzmanu; — bei 17: Dr. Hoffel; — bei 16: Bock; — bei 15: Lanzinger, von Putt- ärmer (krank), Schättgen, de Schmid; — bet 14: Fürst zu Hohenlohe, Kmiffmamt-Ltegnitz, v. Sperber: — bet 13: Hase, Dr. Heim, Pauli-Potsdam, <Ägitz, v. Vollmar; — bei 12: von Grand-Ry, Lüders, Sabin; — bei 11: Aigner, Drees- 5ach, Fahle, Haehnle, Freiherr v. Hammerstein, Prinz zu Hohenlohe, Kloß, v. Lama, Meter-Jobst, Witzlsperger; — bei 10; Baron von Arnswaldt, Auer, Bayer, v. Elm, Geck, Dr. Herzfeld, Hofmann-Chemnitz, Dr. Jäger, Dr. Freiherr v. Langen, Lender, Mentz; — bei 9: Agster, v. Bonin- Neumark, Ehrhardt, Geher, Heine, Kohl, Lehemeier, Meyer- Landshut, Nißler, Dr. Schmitt, Schwartz-Lübeck, Seifert, Stöcker, Timmermann, Ulrich: — und bei 8 namentlichen Abstimmungen: Graf Dönhoff -Friedrich stein, Knörcke, Kopsch, Kunert, v. Quetß, Träger. — In dieser Liste finden sich 7 Deutsch konservative, 2 Freikonservative, 1 Antisemit, 14 Zentrumsmänner, 2 Mitglieder der freisinnigen Vereinigung, 8 freisinnige Volksparteiler, 1 süddeutscher Demokrat, 18 Sozialdemokraten und fein Nationalliberaler. Der Prozeh gegen den Burenkommandanten Scheepers. Die Engländer haben es für nötig befunden, den Burenlommandanten Scheepers, der ihnen lange in der Kapkolonie bitter zu schaffen gemacht hat und ihnen nun als totkranker Mann am 11. Oktober bei Katting int Süden der Kolonie in einem Farmhaus in die Hände fiel, vor ein Kriegsgericht zu stellen unter der Anklage, „Eingeborene ermordet, Eisenbahnzüge in die Luft gesprengt und Farmen geplündert" zu haben. Die Verhandlungen, die in Graaff Steint stattfinden, mußten schon einmal wegen eines Krankheitsrückfalles Scheepers vertagt werden und sind am 27. Dezember wieder ausgenommen worden. Scheepers machte in vierstündigem Verhör seine Aussagen. Er wies alle Verantwortung für seine 6 oder 7 „Morde" von sich ab, die ihm zur Last gelegt wurden, und erklärte, daß einige von diesen Morden von Ban der Merwes Leuten begangen worden seien, während in den übrigen Fällen entweder eingeborene Kundschafter in einem Rückzugsgefechte, ober die Opfer sonst durch Fouchss ober Kruitzingers Leute getötet worben seien. Er gab zu, daß er einen eingeborenen Spion bei Worcester getötet habe, aber erst, nachdem der Mann durch ein Kriegsgericht für schuldig befunden worden fei. Züge hätte er zerstört, um die Versorgung der britischen Truppen mit Vorräten zu verhindern. Er habe seine öefartcjenen mit großer Milde behandelt. Er habe sie zwar gezwungen zu gehen, aber in schwierigem Gelände habe er ihnen Pfer de gegeben und fie mit derselben Nahrung versorgt wie seine eigenen Leute. Er leugnete, seine Gefangenen dem Feuer ihrer eigenen Kameraden ausgesetzt zu haben, und erklärte, er habe sie im Gegenteil geschützt. Er gab zu, in zwei Fällen Eingeborene gepertscht zu haben, weil sie die Anwesenheit der Buren aus Farmen gemeldet hätten, aber diese Bestrafung sei auf Wunsch der Farmer selbst erfolgt. De Wets Befehl fei gewesen, solche Angeber streng zu betrafen. Bei einer Gelegenheit habe er einen eingeborenen Kundschafter nur gepeitscht, den er nach De Wets Anweisung hatte erschießen müssen. Seit seinem Einbruch in die Kolonie habe er De Wets Kundmachung mit Anordnung von Vergeltungsmaßregeln im Graaff Steinet Advertiser gelesen, und danach gehandelt wie Fouche, Van der Merwe und andere Kommandanten. Er habe strengen Befehl gehabt, alle britischen Untertanen in der Koloiue, die die britischen Truppen gegen die Buren unterstützten, zu bestrafen und Regierundsgebäude zu zerstören, und darum habe er Regieruugs Hauser nieder geb rannt und Eisenbahnen zerstört. Er habe niemals Dan der Merwe oder Foucho Befehl gegeben, bestimmte Maßregeln auszuführen, denn diese Kommandanten, die deiffelben Rang hätten wie er selbst, hätten seine Befehle nicht annehmen können oder wollen. Er fügte hinzu, er sei Freistaater und mit der heliographischen Abteilung in Bloemfontein verbunden gewesen. Zum Schlüsse erklärte er, seine Gefangenen hätten sich niemals bei ihm beklagt, daß sie Hunger litten oder sonst schlecht behandelt würden. Aus Reuh. Eine Berliner Korrespondenz schreibt: Das hannoversche Welfenorgan, die „Deutsche Bolksztg.", veröffentlicht folgende .interessante Nachricht: „Se. Durchlaucht der Fürst Heinrich XXII. von Reuß jüngerer Linie hat geruht, dem Premierleutnant Otto Elster, Vorsitzenden bei braunschweigischen Landesrechtspartei, das Ehrenkreuz 3. Klasse gnädigst zu verleihen- Hr. O. Elster wird am 1. n- M. als Archivar und Bibliothekar Sr. Durchlaucht des Prinzen von Schaumburg-Lippe auf Schloß Nachod in Böhmen angestellt." — Das genannte Welfenblatt irrt sich, wenn es annimmt, daß Heinrich XXII. Fürst von Reuß jüngerer Linie sei; im Fürstentum Reuß jüngerer Linie heißt der Landesherr Heinrich XIV, Die Auszeichnung eines Rechtsparteilers durch den Letzteren ist ebenso absolut ausgeschlossen, wie durch seinen mit der Regentschaft von Reuß j. L. beauftragten, dem Kaiser eng befreundeten Sohn, den Erbprinzen Heinrich XXVII. Daß aber Heinrich XXII. von Reuß älterer Linie rechtsparte^ Hebe „Kreuzschmerzen", um einen Ausdruck Kaiser Wilhelms I. zu gebrauchen, nach Kräften zu heilen bemüht ist, wird niemand in Erstaunen setzen. Merkwürdiger erscheint schon die Versorgung eines rechtsparteilichen Agitators durch einen Prinzen von Schaumburg-Lippe. Aber auch sie ist begreiflich, weil die verstorbene Gattin des Fürsten Heinrich XXII. von Reuß ä. L. eine geborene Prinzefsrn zu Schaumburg-Lippe war. Aus dem StaaisSudget 1902/03. ii. Im Vermögensbudget sind unter „Staatseisenbahnen" u. a. angefordert: Vck. für Umbau des Bahnhofs Heppenheim wegen Einführung der Nebenbahn Heppenheim bis Lorsch............ 47 700 Zur Erneuerung der eisernen Uebcrbauten der Flut- und Viaduktöffnungen im südlichen Gleis der Rheinbrücke oberhalb Mainz . . 139 000 Für Erbauung einer Hauptwerkstätte zu Darmstadt 2 930 000 Mk., hiervon erste Baurate 500 000 Für Umbau der Bahnhöfe der Main-Neckar- Bahn und der Preußisch-Hessischen Staais- bahn m Darmstadt rd. 10 000000 Mk., hiervon 1. Baurate ........ 500 000 Zur Vermehrung der Betriebsmittel auf den bestehenden Eisenbahnen....... 1 000 000 Zu den Forderungen wegen der Werkstätte zu Darmstadt und den Bahnhöfen daselbst ist erläutert: Zu ersterer: Falls die von den bei der Main-Neckar- Eisenbahn beteiligten Regierungen beabsichtigte anberroeite Organisation der Verwaltung dieser Bahn die Zustimmung der Landstände finbet, soll infolge ber bamit zusammen- hängenben Umgestaltung ber Bahnhofsanlagen in Darmstabt bie bestehenbe Werkstätte ber Main-Neckar-Eisenbahn von ihrer jetzigen Stelle entfernt unb bie Darmstäbter Werkstätte ber Gemeinschaftsverwaltung burch eine Abteilung für Lokomotivausbesserung ergänzt werben, welche über ben Be- barf ber Main-Neckar-Bahn hinaus ben Bebürfnissen bes Gemeinschaftsbetriebes zu dienen hätte. Die Kosten des Neubaues einer Hauptwerkstätte für Lokomotivausbesserung sind zu 2 930000 Mk. veranschlagt, welche von Hessen gemäß Art. 11 Abs. 5 des Staatsvertrags vom 23. Juni 1895 zu tragen sind. Hiervon werden für das Etatsjahr 1902/03 als 1. Baurate 500 000 Nck. vorgesehen. Zu letzterer: Unter derselben Voraussetzung sollen die beiden Bahnhöfe zu gemeinsamem Betriebe vereinigt unb bie bamit zusammenhängenben, sehr mufangreichen Aenberungen an Gebäuden unb Gleisanlagen so bald wie möglich in Angriff genommen werben. Es wirb deshalb vorsorglich der Betrag von 500 000 Mk. eingesetzt, ohne ber Frage wegen Eröffnung eines befonberen Krebits für biefc ganze Bauausführung vorzugreifen. Die Einnahmen ber Lanbesuniversität sind zu 298 215 Mk., bie Ausgaben zu 1141985 Mk. veranschlagt. Sonach ist ein Staatszuschuß von 843 770 Mk. vorgesehen. Die Ausgaben zerfallen in: 1) Persönliche Ausgaben: a. Professoren, Lehrer rc. ... 354 215,— Mk. b. Beamten unb Bebienstete ... 62 758.50 „ c. Dispositionsfonbs . .... 16 900,— „ 2) sachliche Ausgaben...... 708 111,50 „ Der unter 1) a. aufgeführte Betrag verteilt sich auf bie einzelnen Fakultäten wie folgt: Evangelisch-theologische Fakultät . . 30 050 Ml. Juristische Fakultät ..... . 29 500 „ zu übertragen 59 550 Mk. Uebertrag Medizinische Fakultät und zwar: Anatomie .... 8500 Mk. Physiologie .... 7500 „ Pathologische Anatomie 9100 „ Innere Medizin. Pharmakologie . Chirurgie . . Gynäkologie . . Psychiatrie . . Augenheilkunde . Ohrenheilkunde . Hygiene . . . Tierheilkunde . . 10300 „ . , 5700 „ . . 9000 „ . . 10600 „ . . 9400 „ . . 7300 „ . . 2500 „ . . 9600 „ . . 23615 „ 59 550 Mk. 113 115 Mk. Philosophische Fakultät und zwar: Philosophie und Päda- zusammen wie oben 354 215 Mk. Unter den sachlichen Ausgaben erscheinen als Kosten der gogck ..... 11000 Mk. Philologie .... Geschichte und Geographie .... Nationalökonomie und Staatswissenschaften. Landwirtschaft . . . Forstwissenschaft. . . Kunstwissenschaft. . . Reine und angewandte Mathematik . . . Chemie . . . . . Physik..... Zoologie . . . . . Botanik . . . . • Mineralogie . . . . 36650 „ 15500 „ 4900 „ 4500 „ 13400 „ 4500 „ 14700 , 19500 „ 11300 „ 10500 , 6500 , 6900 „ 159 850 , Bibliothek 2C..... ♦ ♦ ♦ • 21 700 „ Kliniken: Medizinische und Frauenklinik: a) Allgemeine Kosten 65 590 Mk. b) Medizinische Klinik 70 060 „ 199 235 c) Frauenklinik 63 585 „ Chirurgische und ophthalmologische Klinik: a) Allgemeine Kosten 34 700 Mk. b) Chirurgische Klinik 99 422 „ r) Ophthalmol. Klinik 48 077 „ Psychiatrische Klinik . . . . . . Klinische Apotheke ....... ■ 182 199 . 129 761 . 12 000 Mk. zusammen 523 195 Mk. an Einnahmen — unter Pflegegelder aus der medizinischen Klinik n 36 500 56 700 27 700 29 200 51 200 4 700 15 965 Aus der Sonstige ii » n M aus der chirurgischen Klinik aus der ophthalmologischen Klmik...... aus der Frauenklinik . . . aus der psychiatrischen Klinik klinischen Apotheke . . . . Einnahmen ....... Mk. n Diesen Ausgaben stehen ö’ßen aufgeführten 298 215 Mk. enthalten — gegenüber: zusammen 221 965 Mk. Neu vorgesehen ist diesmal nur die Anstellung einer Lehrkraft für angewandte Mathematik. Im Vermögensbudget sind angefordert: eine erste Rate von 125 000 Mk. wegen des Neubaues einer chirurgischen und ophthalmologischen Klinik mit einem Gc- samtkostcnanschlag von 1 573 000 Mk., eine erste Rate von 9000 Mk. wegen des Neubaues eines im Ganzen zu 85 000 Mk. veranschlagten medico-mechanischen Instituts, eine erste Rate von 9000 Mk. wegen der Erbauung einer Zentralwaschanstalt, veranschlagt zu 81 000 Mk., reine erste Rate von 65 000 Mk. wegen der Erbauung neuer veterinärmedizinischer Institute im Gesamtanschlag von 600 000 Mk. und eine zweite Rate von 256 000 Mk. für den zu 526 000 Mk. veranschlagten Neubau einer Universitätsbibliothek. Aus Stadt und Sand. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Anz." gestattet. Gießen, den 3. Januar 1902. ** Neue Exzellenzen Der Groß Herzog hat den Ober- ikammerherrn Jrhrn. Schenck zu Schweinsberg-Wäldershausen zum Oberstkammerherrn, und den Oberstallmeister Frhrn. v. Riedesel zum Oberststallmeister, beide mi dem Prädikat Exzellenz, ernannt. ** Persoualnachrichteu. Der Großherzog hat mittelst Allerhöchster Entschließung vom 7. Dezember v. Js. dem Direktor der Landesbaugewerkschule Prof. Hermann Müller zu Darmstadt die Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen zum 1. Januar, zum 1. Januar 1902 dem Oberlehrer an dem Gymnasium und der Realschule zu Worms Daniel Bonin den Charakter als Professor, dem stellvertretenden Standesbeamten Kanzleirat Heinrich Kraft in Darmstadt das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. *• Theater-Verein. „Die rote Robe", das jetzt im Vordergründe des dramatischen Interesses stehende Drama von Brieux, erlebte seine erste deutsche Aufführung im Frühjahr 1901 in Frankfurt a. M., Frl. Triesch spielte die Janetta, Herr Bolz den Mouzon. Seitdem hat sich das Stück im Flug die deutsche Bühne erobert. Der Verfasser ist unter den zeitgenössischen Dramatikern Frankreichs der robusteste, der ehrlichste und begeistertste. Ihn reizt ein Problem in erster Linie um seines ethischen Gehalts und seiner moralischen Tendenz willen. Er kann einer der ersten Dramatiker werden, wenn seine künstlerische Gestaltungskraft sich :§u der Höhe entwickelt, auf der seine sozialen lebensfördernden ! Instinkte und sein ehrliches Bestreben stehen, durch die Kunst der Schaubühne zur Reform und Heilung tief eingewurzelter 1 Schäden im gesellschaftlichen Organismus beizutragen. Brieux !hat in der „Roten Robe" ein wirkungs- und eindrucksvolles Schauspiel geschaffen, dem man eine soziale Bedeutung nid):: i absprechen kann. Er weift auf die furchtbare Gefahr hin, die dre Gesamtheit der G üschaft bedroht, wenn die Göttm der Gerechtigkeit sich zur feilen Dienerin der Politik erniedrigt, und die Richter nur dadurch in den Ruf der Tüchtigkeit und zur Beförderung, deren Symbol die rote Robe ist, gelangen können, daß sie möglichst viele Verurteilungen erzielen. Brieux -hat sein Problem so allgemein menschlich, wie nur möglich, formuliert und bringt doch dem Zuschauer, wenn er die Rechtstragödie des baskischen Bauern Pierre Etchepare miterlebt, die Ueberzeugung bei: „Et tua res agitnr“! Das tiefste Mitgefühl beansprucht die Bäuerin Janetta der infolge ihrer Vernehmung als Zeugin durch ein unbarmherziges Untersuchungsverfahren, welches die weitest zurückliegenden und längst gebüßten Geschehnisse vor der Oeffentlichkeit wieder bloslegt, ihr ganzes Lebensglück zerstört wird. ♦* Oberhessischer Geschichtsverein. Dem Museum des Oberhessischen Geschichtsveveins sind nach der letzten Veröffentlichung folgende Geschenke überwiesen: Ysenburg-Büdingerscher Schnepfenheller. Herr Büchsenmacher Dickoro. — Fürstl. Hess. Oberamtsbescheid in Sachen der Hutmacher- und Strumpfwirkerzunft zu Gießen, 22. Juli 1765. Herr Wohlmuth. — Erinnerungsmedaille an das 40 jährige Dienstjubiläum des Direktors Paseoe zu Gießen. Derselbe. — Bronzene Medaille der 1. allgemeinen Geflügel- und Vogel-Ausstellung zu Gießen. Derselbe. — Stark vergoldeter Rockknopf mit eingeprägtem Ordensstern, gefunden im alten Schloß auf dem Brand. Derselbe- — Chinesische Münze. Derselbe- — Tischdecke mit aufgedruckten Karritaturen aus der Zeit Napoleon I. (Schaubühne in Europa, Dezember 1812) Herr Beigeordneter Wolff-Gießen. — Standuhr aus der Empirezeit. Fräul- Louise Wortmann-Gießen. — Tabellen über Forstwissenschaft 1791, sowie Inventar des I. C- Seipio, 1685—1686. Dieselbe. — Atlas von 50 auserlesenen Landkarten des Joh. Baptist Homann, Kartenstecher und Geograph, geb. 20.März 1663 zu Kamlach in Bayern. Dieselbe- — Zwei Schuldscheine über zehn bez. fünf Thaler der freiwilligen Anleihe der Herzogtümer Schleswig-Holstein. Herr Kommerzienrat Heu- chelheirn. — Teile einer Ofenkachel aus dem Schulhause zu Langsdorf (Haus Zwirrlein), Geschenkgeber nicht ermittelt. — Zwei Gesäße, davon eines mit Deckel, gef. 1899 bei Gelegenheit des Ausschachtens des Fundaments des Krieger-Denkmals. Stadt Gießen. — Bildchen, Karri- katur auf Napoleon I. von I- M. Volz 1784—1858. Das wahre Portrait des Eroberers 1813. Herr Lehrer Diem er - Gryßen-Linden. — Bronzekette, Halsring, Spitze eines Schwertes, zwei mit Steinchen gefüllte Hohlkugeln. Hallstadtzeit, Fundort Oberwetz. .Herr Prof. Dr. Gundermann. — Eisenmesser, gefunden beim Baggern in der Lahn. Herr Ratsdiener Ochs. — Giraffenklavier, Anfang des 19. Jahrhunderts. Ungenannter Gönner- — Flachsbrecher (Brake), Ende des 18. Jahrhunderts- Derselbe. — Scherben, Bronzeteile pp. aus der vorrömischen und römischen Zeit, gefunden in der Umgebung von. Gießen. Herr Dr- Saame. — Bearbeiteter Knochen in Form eines Pfriems, gefunden in einem Hügelgrabe auf dem Trieb. Herr Gerichtskanzlist Tippel. — Altes Apothekenstandgefäß aus Porzellan. Herr Apothekenbesitzer Schwieder, Engel-Apotheke. — Pachtbrief über das Stistsgut Elmshausen, 1627. Derselbe. — Pergamenturkunde von 1590- Derselbe. — Zwei Schuhschnallen. Derselbe- — Alter Thürknopf mit Scheibe. Derselbe- ** Gießener Volksbad. Im Dezember wurden 6553 Bäder verabreicht, gegen 8055 ihn November 1901 und 6325 im Dezember 1900 oder im Durchschnitt auf den ganzen Badetag 262 Bäder gegen 288 im November 1901 und 264 im Dezember 1900. Der Besuch im einzelnen hat sich verteilt wie folgt: Schwimmbad 3574 Männer, darunter 511 zu 10 Pf., 573 Frauen, darunter 72 zu 10 Pf.; Wannenbäder 1- Kl. 200 Männer, 52 Frauen, 2. Kl. 562 Männer, 343 Frauen; Dampf- und Heißluftbäder sowie Massage zusammen 108 Männer, 10 Frauen; Brausebäder 1064 Männer, 67 Frauen. Die Personenwage wurde von 160 Personen benutzt, und das Bad von 7 Personen besichtigt. ** Zur Erhöhung der Vermögens st euer in Hessen. Eine ganz besondere Weihnachtsüberraschung ist den hessischen Steuerzahlern durch die auch von uns bereits erwähnte Mitteilung geworden, daß zur Deckung des hn Vergleich zu früheren Steuerperioden recht erheblichen Defizits für 1902 die Vermögenssteuer um einen hohen Prozentsatz erhöht werden soll. Dem „Frks. Journal" wird nun aus Darmstadt geschrieben, daß im Hinblick auf diese Absicht eine Massenpetition an die Regierung wie an die Stände gegen jede weitere Erhöhung der Vermögenssteuer veranstaltet werden soll. h. W i e s e ck, 2. Jan. Durch das Unterkomitee des deutschen Burenhilfsbundes, das sich hier gebildet hat, wurde kürzlich in unserem Ort eine Geldsammlung veranstaltet, so daß dieser Tage 103 Mark zur Linderung der Burennot an die Geschäftsstelle des Bundes in Berlin gesandt werden konnten. n. Klein-Linden, 31. Dez. Wie wir bereits früher berichteten, weilte vor kurzem ein von hier gebürtiger Deutsch-Amerikaner bei seinem Verwandten hier zum Besuch, nachdem er vor etwa 20 Jahren ausgewandert war. Mitte November trat er den Rückweg in die neue Heimat an und traf am 28. November mit dem Dampfer „Kronprinz" in New-York ein. Nur durch einen glücklichen Zufall, der seine sofortige Weiterreise von New-York verhinderte, entging er der furchtbaren Eisenbahn-, k a t a st r o p h e, der in jenen Tagen auf der Bahn nach Chicago so viele Menschenleben zum Opfer fielen. △ Klein-Linden, 1. Jan. Erfreulicherweise nimmt die Unsitte des Neujahrsschießens und Abbrennens von Feuerwerkskörpern in unserem.Dorfe immer mehr ab. Dagegen ist es seit Jahren Sitte geworden, daß der hiesige Posaunenchor bei dem Neujahrsläuten mit dem Glockenschlag 12 Uhr mehrere Choräle intoniert, wozu sich die Gemeinde an der Kirche versammelt, um den feierlichen Klängen zu lauschen und mit einzustimmen. Gerade diesem schönen Brauche ist es wohl in erster Linie zu danken, daß jene Unsitte im Schwinden begriffen ist. — Der hiesige Turnverein veranstaltete dieser Tage anläßlich seiner Weihnachtsfeier eine Geld sa mmlung zu Gun st en ^d er Buren, die 13.70 Mk. einbrachte. --Grünberg, 2. Jan. Der älteste Bewohner unserer Stadt und wohl auch der ganzen Gegend, Rentner Johannes I ö ck e l, feierte am Neujahrstage in bewundernswerter Rüstigkeit und Geistesfrische seinen 95. Geburts- t a g. Von nah und fern wurden dem ehrwürdigen Greise, der am Gemeinde- und Volksleben noch regen Anteil nimmt, zu der seltenen Feier die herzlichsten Glückwünsche dargebracht, die darin gipfelten, es möge dem alten Herrn vergönnt sein, auch den 100. Geburtstag in bestem Wohlsein zu erleben. — Am letzten Tage des Jahres findet hier nach altem Brauche ein Krammcxr.kt, der. sogen. Neujahrsmarkt, statt, auf dem auch diesmal wieder recht lebhafter Verkehr herrschte. — In der Turnhalle fand gestern - abend eine Abendunterhaltung statt, die der Turnverein unter Mitwirkung des Musikvereins veranstaltet hatte, und die sehr zahlreich besucht war. Aus dem reichhaltigen Programm möchten wir nur die recht schön ausgeführten zwei Szenen aus dem zweiten Akt von E. von Wildenbruch's Schauspiel „Die Quitzows", sowie das Weihnachtsmärchen „Die Tannenfee" und den von vier Damen und vier Herren in prachtvollen Kostümen ausgeführten Knappentanz als besonders wirkungsvoll hervorheben. Reicher Beifall lohnte den Mitwirkenden. Eine besondere Weihnachtsfreude wurde dem hiesigen Turnverein von seinem in New-York lebenden Ehrenmitgliede Philipp H e e r z, einem geborenen Grünberger, bereitet. Nachdem bereits auf dessen Betreiben vor mehreren Jahren die in Amerika lebenden Landsleute einen namhaften Betrag zu dem Baukapital für die Turnhalle beigesteuert haben, hat H. nun dem Verein 104 Mark überwiesen. p. Friedberg, 31. Dez. Wie hier bestimmt verlautet/ wird die Präparandenschule zu Lich wahrscheinlich schon, im nächsten Frühjahre hierher verlegt und mit dem hiesigen Schu.llehrerseminar vereinigt werden, wie dies auch; in dem benachbarten preußischen Seminar zu Usingen bet; Fall ist. Es ist bereits das ehemalige Schneider'sche Ge-- bäude und Anwesen angekauft worden, das direkt an- die Seminargebäude angrenzt. Verhandlungen über die Vereinigungen der beiden Anstalten sind bereits feit längerer Zeit im Gange. *♦ Arbeiterkolonie Neu-Ulrichstein. Ende? Dezember befanden sich auf der Kolonie stellen- resp. arbeitslos 122 Mann. Seit dem Bestehen der Anstalt wurden ausgenommen 4073 und entlassen 3951. Auf eigenen Wunsch wurden 14 entlassen, in Stellung durch die Kolonie kam 1, in Stellung durch eigenes Bemühen ebenfalls 1; In die Familie kehrten 2 zurück; wegen schlechten: Betragens wurden 5 entlassen; wegen Arbeitsunfähigkeit 1. Tie Kolonie verpflegte an 3939 und arbeitete an 3017> Tagen. Darmstadt, 2. Jan- Der Großherzog empfing zur Entgegennahme der Neujahrsgratulationen am 1. Jan. den Preußischen außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister Prinzen zu Hohenlohe-Oehringen, den. Russischen Minister-Residenten Prinzen Koudachesf, den Großbritannischen Geschäftsträger Mr. Johnstone- Ferners empfingen Seine Königliche Hoheit den Obersthofmarschall, den funktionierenden General-Adjutanten, die dienstthuen- den und a la suite stehenden Flügeladjutanten, den Ordonnanzoffizier, die Oberhofchargen, den Hofjägermeister, den Kammerherrn Frhrn. v. Bellersheim, den Vorstand des Kabinetts, den Hofprediger, den Generaldirektor des Hoftheaters und der Hofmusik, den Divisions-Kommandeur, die Brigade- und Regiments-Kommandeure der Garnison Darmstadt, den Kommandanten der Residenz, die Kommandeure des Großh. Gendarmerie-Korps und des Großh. Train-Bataillons Nr. 18; den Staatsminister, den Justizminister, den Minister der Finanzen, die Präsidenten der; Landeskollegien, den Präsidenten der Zweiten Kammer der Stände und den Oberbürgermeister von Darmstadt. — Das Neujahrsessen im „Hotel zur Traube" nahm den gewohnten animierten Verlauf. Den ersten Trinkspruch brachte Oberbürgermeister Momeweg aus, der im Eingang seiner Rede darauf hinwies, daß, so wenig die Natur gegenwärtig das gewohnte winterliche Bild zeige, ebensowenig auch der Gedanke des „Friedens auf Erden" zur That geworden sei; noch wüte der entsetzliche Vernichtungskrieg in Südafrika; ob iin Südamerika Blutvergießen verhindert werde, wisse man noch nicht, in Frankreich herrsche der Kulturkampf,, in Oesterreich der Rassenkampf, bei uns in Deutschland, machten sich die Folgen einer ungesunden Spekulation mit ihren Nachteilen für die Industrie und den nicht unwesentlichen Einbußen für die Arbeiterschaft in empfindlicher Weise fühlbar; heftiger denn je entbrenne der Kampf um die entgegengesetzten Interessen bei den auf den Schutz der nationalen Arbeit gerichteten Bestrebungen der Reichs-Regierung; den stets wachsenden Erfolgen gegenüber seien die destruktiven Elemente, unheilbare Schwätzer, eitle Streber und unverbesserliche Idealisten am Werke; überall werde die Verwirllichung der von den berufenen Organen beabsichtigten Einrichtungen und Verbesserungen erschwert. Selbst die größten Optimisten und Schönmaler würden kein erfreulicheres Bild von der gegenwärtigen innerpolitischen Lage entwerfen können. Möge der Sonnenstrahl, der heute morgen die Wolken durchbrach, uns eine bessere Zukunft verheißen. Im Großherzogtum hat sicherlich fein Meihnachtsbaum gebrannt, unter dem nicht des geliebten hohen Landesherm gedacht worden ist, der jetzt vereinsamt auf steiler Höhe steht. Heißer denn je steigen unsere Wünsche empor für das Wohlergehen unseres geliebten Landesfürsten. Gott segne unteren Großherzog und das Großherzogliche Haus! Nach oem begeistert auf genommen en Hoch auf den Landesherrn wurde die Fürstenhymne gespiÄk und von den Gästen stehend angehört. Der Kommandeur der 25. Kavallerie-Brigade Oberst v- Schmidt gab dem Bedauern darüber Ausdruck, daß Exz. Generalleutnant von: Perbandt durch Unwohlsein am Erscheinen verhindert sei, und hob hervor, daß er als alter Darmstädter es mit besonderer Freude empfinde, in diese schöne Garnisonsstadt versetzt zu sein. Redner schloß mit einem Hoch auf das Hessenland und die Hebe, treue deutsche Stadt Darmstadt. Darmstadt, 1. Jan. Der flüchtige Sparkassenrechner Maier ist in das hiesige Untersuchungsgefängnis eingeliefert worden. Mainz, 31. Dez. In der gestrigen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung verlas der Oberbürgermeister ein Schreiben des Steuerkommissars Stroh als Antwort aus die Ausführungen des Stadtv. Ring in der letzten Stadt- verordnetensitzung über eine in Aussicht stehende Erhöhung der Kommunal - Umlagen im nächsten Jahre. In dem Schreiben heißt es wörtlich: . . . „daß die bisherigen Ergebnisse der noch nicht abgeschlossenen Neuregulierung nicht zu den Schlüssen berechtigten, die Herr Ring geglaubt hat, ziehen zu können, daß wir vielmehr trotz größerer Ausfälle hoffen, einen nicht erheblich ungünstigeren Abschluß der Veranlagung zu erzielen, als wir ihn für das laufende Jahr erreicht hatten." Darauf erwiderte Stadtv. Ring, daß er trotz dieses Schreibens keine Veranlassung! habe, von seinen Mitteilungen etwas zurückzunehmen. Frankfurt, 31. Dez. Die älteste Tochter Adelheid des verstorbenen Frankfurter Barons Karl Wilhelm v. Rothschild, die Baronin Edmonde de Rotschild in Paris hat zum Andenken an ihren Vater eine Summe von einer Millio n Mark zur Errichtung eines Hospitals für Lungenkranke im Taunus bestimmt. Die Stiftung erfolgte schon vor mehreren Monaten. — Im Hause Friedens- straße Nr. 9, in dessen Parterre sich die Uhrenhandlung von 21 tret den en: „1) Die Annahme. Der Vo Vermischtes. • Berlin, 2. Jan. Gestern abend entgleiste in der Prenzlauer Straße ein Anhängewagen der Straßenbahn und geriet auf das Nebengeleise, wo er von einem entgegenkommenden Straßenbahnwagen erfaßt und fast völlig zertrümmert wurde, während diesem der Vorderraum abgerissen wurde. Die beiden Fahrgäste des Anhängewagens wurden schwer verletzt. * Hannover, 2. Jan. In der Sylvesternacht wurde in der Hildesheimer Straße ein Schutzmann, der die Personalien mehrerer Raufbolde feststellen wollte, niedergeschlagen, sodaß er besinnungslos liegen blieb. Hinzukommende Schutzleute nahmen die Verfolgung der Uebel- thäter auf. Ein Schutzmann verletzte einen von ihnen durch einen Revolverschuß. Fünf Verhaftungen wurden vorgenommen. Der verwundete Raufbold mußte ins Krankenhaus gebracht werden, auch der mißhandelte Schutzmann mußte ärztliche HUfe in Anspruch nehmen und ist für längere Zeit dienstunfähig. • Apenrade, 2. Jan. Der beiHoihau in der Hainanstraße (an der chinesischen Küste. D. Red.) gestrandete vierte Llpenrader Dampfer „Clara" war nach der Strandung zunächst wieder abgekommen, aber dann, wie ein Telegramm an die hiesige Rhederei Jebsen von heute meldet, im tiefsten Wasser gesunken. Das Schiff ist total verloren. Von den geretteten 43 Personen erschienen der Aiaschinist Frenzel aus Apenrade und der Bootsmann Mehlhaus auf dem Konsulat in Hachau und erklärten, daß die vermißten Personen in ein anderes Boot gegangen seien. Ein Telegramm meldete der Rhederei Jebsen, daß sie sämtlich gelandet sind. Verdienst entschädigt. Es sind demgemäß drei neue Paragraphen eingestellt, die bestimmen, wer als Facharbeiter aufzufassen ist, welche Zuschläge für diese &u erheben sind, und wie der Vorstand hiervon Kenntnis erhält. Die Bestimmungen zu IV. finden unveränderte Annahme, es wurde nur im letzten der drei Paragraphen statt des Ausdrucks Genossenschaftsmitglieder „Betriebsunternehmer" gewählt. Regierungsrat Ra ch erklärte hierauf das ganze St atut, dessen Genehmigung bei Großh. Landesverstcher- ungsamt nunmehr eiuKuholen fei, für angenommen und man schrttt zu Punkt 4 der Tagesordnung, die Wahl von vier Mttgliederu des Genvssenschaftsvorstandes^ und zwei <Äellvertreteril derselben. Das Ergebnis der Wahl war die Wiederwahl der drei seitherigen Atitglieder: Beigeordneter Kalbhenu von Vilbel, A. Schmitt von Bretzenheim und Bürgermeister Trautmann von Rimbach. Neu gewählt wurde au Stelle des verstorbenen Herrn Johs. Lutz V. von Lengfeld Herr Bauer von Nieder-Modau. Die beiden seitherigen Ersatzmänner Freiherr v. Löw von Nie- der-Florstadt und Geheimer Ober-Forstrat Krauß von Darmstadt wurden schließlich wiedergewählt. trag des Vorstandes auf Streichung der Ziffer 1 genehmigt. Längere Erläuterungen des Vorsitzenden sind bezüglich der Frage der Einschätzung der Nebenbetriebe, die durch das neue Reichsgesetz vom 20. Juni 1900 eine obligatorische ist, notwendig. Die betreffenden Vorschläge werden durchgehends genehmigt. Es wird jedoch auf Antrag des Re- sterungsrats Rach statt des Wortes Hauptbetrieb, zu dem )ie Nebenbetriebe bei der Einschätzung jedesmal in ein Verhältnis gestellt werden, das Wort „Bodenbewirtschaftungsbetrieb "gewählt, was keinen Widerspruch findet. Der hinter § 26 einzuschaltende neue Paragraph über die land- und forstwirtschaftlichen Betriebe, die mit einer Bodenbewirtschaftung nicht verbunden sind, ist demgemäß dahin abzuändern, daß es heißt, „diese Betriebe werden zu Beiträgen herangezogen, wie ein gleiche Arbeit erfordernder Bodenbewirtschaftungsbetrieb". Was nun die in diesem neuen Paragraphen erwähnten Gärtnereien anbelangt, so chlägt Regierungsrat Rach selbst eine Aenderung des Ab- ätzes 2 vor, wonach es heißen soll, „bei Gärtnereien können )iese Beiträge durch den Vorstand bis zu i/5 des ermittelten Steuerkapitals ermäßigt werden" und begründet dies damit, daß vielfach die Gefahr in diesen Betrieben eine sehr geringe sei, daß aber eine allgemeine Regel nicht aufgestellt werden könne und demgemäß von Fall zu Fall entschieden werden müsse. Auch dieser Vorschlag findet einstimmige Die Jahresversammlung sand am 28. Dezember im Bahnhofshotel in Darmstadt statt. Der Vorsitzende, Regierungsrat Rach, hieß die erschienenen Mitglieder willkommen und begrüßte insbesondere die Vertreter des Großh. Landesversicherungsamts, Geheimrat Emmerling und Oberregierungsrat Best, denen er für ihr Erscheinen dankte. Die Versammlung, führte er aus, finde in diesem Jahve päter statt, da die Ausarbeitung des neuen Statuts nicht rüher möglich gewesen sei, doch sei man gezwungen gewesen, te noch vor dem 1. Januar 1902 abzuhalten, da nach den Bestimmungen des Reichsgesetzes das Statut bis zu diesem Zettpunkt fertiggestellt sein müsse. Die im Vorjahr von der Genossenschaftsversammlung gewählte Kommission zur Ausarbeitung von Unfallverhütungsvorschriften sei nicht in Thätigkett getreten, weil das Reichsversicherungsamt selbst die Ausarbeitung solcher Unfallverhütungsvorschriften vor- berette und es daher zweckmäßig erscheine, bereit Ergebnis ab zuwarten. Das Großh. Landesversicherungsamt habe diese Ansicht geteilt und ein Beruhenlassen der fraglichen Angelegenheit genehmigt. Zu Punkt 1 der vorliegenden Tagesordnung teilt der Vorsitzende mit, daß die Rechnung für das Jahr 1900 mit Belegen zur Einsicht offen liege und daß die Rechnungsprüfungs-Kommission kettterlei Beanstandung gefunden habe. — Sodann wurde in die Beratung des Voranschlags für 1902 ein getreten. Bezüglich der Gehälter für die Gehilfen erachteten es sowohl der Vorsitzende als auch verschiedene der anwesenden Vertreter für wünschenswert, wenn die jährlichen Petttionen um Gehaltserhöhung einmal besettigt würden. Der Vorsitzende regt daher an, ob es nicht zw-eck- afei, für die Schreibgehilsen bestimmte aufsteigende er festzusetzen, ein Gedanke, der fettens der Versammlung lebhaften Beifall fand und auch seitens des Ober- regierungsrats Best unterstützt wurde. Dieser warf die Frage auf, ob es nicht möglich wäre, diese Beamten der staatlichen Betriebskrankenkasse in Bezug auf eventuelle Attersversorgung anzugliedern. Aus Antrag des Forst- meisters Stockhausen von Schlitz wurde beschlossen, der Vorstand möge der nächstjährigen Genossenschaftsversammlung eine diesbezügliche Vorlage unterbreiten. Eine längere Debatte riefen die Titel 50 und 55 des Voranschlags hervor, die den Zinsen- und Verwaltungsaufwand, sowie die Ansammlung des Reservefonds betreffen. Reichstagsabgeordneter Lucke von Patershwrsen meint, man solle die Zinsen des Reservefonds zur Ansammlung eines noch größeren Betriebsfonds verwenden, um nicht jährlich bei der Rückzahlung der durch die Reichs- vost vorgelegten Beträge zur Aufnahme eines Lombard- oarlehns gezwungen zu sein, und um so den dadurch notwendig werdenden Aufwand an Zinsen von etwa 1000 Mk. zu ersparen. Gleichzeitig empfahl er die Eröffnung eines Girokontos bei der Reichsbank. Regierungsrat Rach erklärt den ersteren Vorschlag für nicht zweckmäßig, weil das Lom- barddarlehn ein derartig hohes sei, daß der Betriebsfonds eine unverhältnismähige Höhe haben müsse und zu letzterem !Punkt, daß ein Girokonto bei der Reichsbank, mit Rücksicht auf den meist nach dem Lande gehenden Geldverkehr, der iBerufsgenossenschaft wenig Vorteil böte. Dringend empfahl er, für dieses Mal nochmals die Zinsen dem Reservefonds jzuzuschlagen, obwohl nach dem Reichsgesetz ein Zwang hierzu nicht mehr vorhanden sei, indem der Reservefonds bereits die gesetzliche Mindesthöhe, nämlich das Doppelte der jährlichen Ausgaben an Entschädigungen und Verwaltungskosten überschritten habe; würde jedoch diesmal der Zuschlag nicht erfolgen, so sei mit Sicherheit zu erwarten, daß in kurzer Zeit doch wieder beträchtliche Zuschläge zum Reservefonds gemacht werden müßten, was dann schwerer empfunden würde, als heute, wo die Ausgaben der Berufsgenossenschaft beträchtlich zurückgegangen seien und zwar deshalb, weil der noch im vorigen Jahre nach dem Landesgesetz zuzusührende Betrag von 120000 Mk. (nebst den Zinsen des Reservefonds) jetzt nicht mehr nötig sei. Der Antrag fand allseitige Zustimmung und wurde hierauf der Voranschlag einstimmig genehmigt. Hierauf ßing man zu Punkt 3 der Tagesordnung „Antrag auf Abänderung des Statuts" über. Geheimerat Emmerling erklärte, es sei der Großh. Regierung nicht möglich gewesen, die Abänderung zum Ausführungsgesetz noch vor dem 1. Januar 1902 zum Abschluß zu bringen, da sich die Kammer ohne Erledigung des Gesetzes vertagt habe. — Sämtliche Paragraphen bezüglich der Positionen A. „Genossenschaftsversammlung" und B- „Genossenschaftsvorstand" werden dem Anträge entsprechend genehmigt. Eine längere Debatte entspinnt sich bei Pos. C. „Vertrauensmänner". Nach der Vorlage ist in § Obliegenheiten des Vertrauensmannes zu streich Entgegennahme der Anzeige von Unfällen." Regierungsrat Nach giebt hierbei nähere Darlegungen über die unbedingte Notwendigkeit, daß die Anzeige umgehend dem Genossenschaftsvorstand zur Kenntnis komme, um vor allen Dingen auch frühzeitig ein geeignetes Heilverfahren herbeisühven ,w können, sowie auch im Interesse einer raschen und besseren :Aufklärung der Frage nach dem Vorttegen eines Betriebsunfalls «ls wlcken. Nach langer Debatte wurde der An- wsitzende gab Aufklärung an Hand der reichsgesetzlichen Bestimmungen. Sodann kam die Ausdehnung der Versicherung zur Beratung. Nachdem durch das Reichsgesetz die .Arbeiter, die hauptsächlich in der Land- und Forstwirtschaft beschäftigt sind, auch bei Haus wirtschaftlichen und anderen Diensten versichert sind, zu denen fte vom Arbeitgeber beauftragt werden, so führte Regierungsrat Rach aus, erachte es der Vorstand für zweckmäßig, diese Bestimmung statutarisch, wie es in Preußen mehrfach geschehen sei, auch aus die Betriebsunternehmer auszudehnen, um so mehr als damtt eine Reihe vor schwierigen Feststell ungen, ob der Unfall ein hauswirtschafllicher oder ein laudwirts chaftlich er fei, ab geschnitten würden. Dies bedinge zwar eine Mehrbelastung der Berufsgenossenschaft, doch glaube er nicht, daß sie sehr erheblich werde, wett auch letzt schon eine große Reche von Unfällen, bei denen es zweifelhaft gewesen sei, ob sie der Landwirtschaft oder der Hauswirtschaft zuzurechnen seien, hätten übernommen werden müssen. Nach verschiedenen Anfragen wird die Ausdehnung der Versicherung einstimmig beschlossen. lieber IV. „Betriebsbeamte und Personen in besonderer fachlicher Stellung (Facharbeiter)" wies Regierungsassessor Dr. Lang rock darauf hin, daß auf Grund des neuen Reichsgesetzes eine Reihe von Arbeitern hinsichtlich der Berechnung der Renten den Bettiebsbeamten gleich gestellt worden sei. Diese sogenannten Facharbeiter, die eine technische Fertigkeiten erfordernde Stellung einnehmen, werden wie die Betriebsbeamten nach ihrem individuellen Universttitts Nachrichten. Dem Prof. Dr- Heinrich Köstlin in Stuttgart, ättestem ßohn des Ober-KonsistorialratesProf. Dr- I. Köstlin in Halle, ist vom König von Württemberg der Titel und Rang eines Geh. Hofrats verliehen worden- Das studierende Deutschland. Auf sämtlichen Universitäten des Deutschen Reiches studierten deutsche Reichs angehörige im Winterhalbjahre 1886-87 26 362, 1892-93 25559, 1896-97 27 585 und 1899-1900 30 665, das sind auf je 10000 männliche Einwohner 11,49 bez. 10,55, 10,63 und 11,06 Studierende. Die Beteiligung der männlichen Bevötterung am Universitätsstudium ist aber nur ttu Durchschnitte des Reiches annähernd gleichmäßig gebüeben. In den einzelnen Landstrichen und Staaten G. Schweppenhänser befindet, wurde Sonntag abend ein dreister Einbruch verübt. Vermutlich mittelst Nachschlüssels gelangte der Dieb durch Haus- und Vorplatzthüre in den Laden, öffnete den Erker und entnahm ihm goldene, silberne und stählerne Uhren im Gesammtwett von etwa 3 00 0 Mk. Die geleerten Futterale ließ der Spitzbube zurück. Außer einer zerbrochenen Scheibe in der Vorplatzthüre ist nichts beschädigt worden. Jedenfalls ist der Thäter mtt der Oettlichkett genau vertraut gewesen. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der Postaspttant Imhof von Ochsenfurt, der nach Unterschlagung von Wettbriefen und Fälschung von Postanweisungen im Gesamtbettage von 31100 Mk. vor 6 Jahren flüchtig geworden war, ist in Fr ankfürt a. M. verhaftet und nach Würzburg eingeliefert worden. — Der seitherige Direktor der Mainzer Volksbank, Bomper, ist in Rücksicht auf seine Gesundheit ans dem Vorstände der Bank ausgeschieden. Aus gleichem Grunde legte er auch sein Amt als Stadtverordneter nieder. Herr Bömper blickt auf eine 37 jährige Thätigkett als Direktor der Volksbank zurück. — In der Neujahrsnacht hatte der Schriftsetzer Weltscheck in „Herrnkeller" zu Worms einen Trunk über den Durst genommen und wurde von Kameraden nach Hause gebracht und auf sein Bett gelegt. Am andern Morgen sand man ihn tobt. — In Frankfurt a. M. verstarb im Alter von 80 Jahren der Geh. Kommerziemat Emil Ladenburg, früher Inhaber, zuletzt Teilhaber des Bankhauses E. Ladenburg. Jahresversammlung der land- und forstwirtschaftlichen Berufsgenoffenschaft für das Großherzogtum Hessen. ist sie nicht gleich stark und unterliegt auch stärkerem Wandel. Im Osten und Norden des Reichs ist die Beteiligung am Universitätsstudium am schwächsten, auf je 10 000 männliche Einwohner 9,86 bezw. 11,00; ab=i gesehen von Berlin und Brandenburg (13,24) sowie beti mecklenburgischen Großherzogtümern; am niedrigsten ist ie in Posen (7,31) und Schleswig-Holstein und Lübeck (7,24). Am stärksten dagegen erscheint sie in den süddeutschen Gebieten Hessen 15,69, Baden 13,75, Württemberg 12,40, Bayern 12,43. Das Großherzogtum Hessen liefert also im Verhältnis die meisten Akademiker! Auch Elsaß-, Lothringen, das vor 10 und 15 Jahren noch eine auffällig geringe Beteiligung aufwies (4,45) entsendet zuletzt verhältnismäßig viel mehr Studenten auf die Universität (9,49), als der größte Teil des Ostens und Nordens und bereits beinahe ebenso viel wie Rheinland (9,97) und Westfalen (9,82), welche beiden besonders gewerbreichen Provinzen allerdings wohl nur um deshalb so wenig am Universitätsbesuche beteiligt sind, weil sie ihre Söhne statt auf die Universitäten auf die technischen Hochschulen entsenden. Der regelmäßig aufsteigende Besuch der Uni*' versitäten seitens der reichsländischen Jugend ist heute jedenfalls nicht mehr durch die Beteiligung der ans! dem altländischen Reichsgebiete Eingewanderten zu erklären. Gerichtssaal. Kassel, 31. Dez. Einen peinlichen Eindruck hinterlieh eine Gerichtsverhandlung vor der hiesigen Straf-, kammer. Unter der Anklage des schweren Diebstahls fa^ eine junge Frau von einigen zwanzig Jahren auf der Anklagebank, beschuldigt, eines Abends im vergangenes Herbste ihre eigenen Eltern bestohlen zu haben.; Die junge Frau, obschon das einzige Kind ihrer Ellern,- war von diesen angeblich sehr hartherzig und egoistisch! behandelt und bei ihrer Heirat in Bezug auf Aussteuer an Leinen, Kleidungsstücken usw. sehr knapp bedacht wor- den. Die Angellagte wollte nun ihre Aussteuer verbessern, wohl auch einige Sachen zu Gelde machen, wett sie sich' in Not befand, weshalb sie sich eines Tages von ihrem! jetzigen Wohnorte Kassel auf ben Weg nach ihrem Hemutts-. orte Helmshausen bei Melsungen machte. Bei passender Gelegenhett schlich sie nun in der Dunkelheit oben aufs den Boden ihrer -elterlichen Hütte, riß den schlecht be-, festigten Schloßkrampen aus der morschen Wand der altert Bodenkammer und nahm von den dort aufbewahrten! Kleidungsstücken, Leinen und Tüchern einige Stücke ach sich, packte alles in einen Tragkorb und eilte wieder nach! Kassel zurück. Obgleich der Wert der Sachen nur gering^ machten die Eltern Anzeige gegen ihre Tochter, woraufi dieselbe festgenommen und in Untersuchungshaft genommen wurde. Bei Aufruf der Zeugen in der hiesigen GerichtL- verhandlung erschienen Vater und Mutter weinend im Saale und machten von dem Recht der Zeugnisverweiger-- ung Gebrauch. Der Staatsanwalt hiell beiden mtt Rechtz vor, warum sie üyc eigenes Kind zur Anzeige brächten, wenn sie nachher vor Gericht die Sache nicht vertreten wollten. Die Angeklagte war reumütig geständig undi schützte vor, durch Arbeitslosigkeit — sie ist Fabrikarbeiterin — in einer Notlage gewesen zu sein. Da die Angeklagte in ihrer Jugend wegen einer Entwendung geringfügig vorbestraft ist, so konnte der Staatsanwalt, wett! es sich um qualifizierten Diebstahl Handelle, selbst unter! Annahme mildernder Umstände, nicht unter einem Jähre Gefängnis beantragen. Der Gerichtshof beriet lange, es- wurde ihm offenbar schwer, die reumütige Angellagte wegen eines Eigentumsvergehens gegen die leiblichen Eltern zu verurteilen. Er kam wieder zurück, ließ die, beiden Eltern nochmals vortreten, und indem der Vorsitzende ihnen die Zurücknahme des Sttafantrages förmlich in den Mund legte, frug er nach einander Vater wie Mutters ob sie etwa mit der nunmehrigen Verweigerung ihrer' Aussage gegen chre Tochter die Zurücknahme des Stras- anttages hätten ausdrücken wollen, aber mtt weinerlicher Stimme erklärten sie: „Nein, bestraft soll sie werdend So mußte der Gerichtshof auf die Mindeststrafe von einem Jahr Gefängnis erkennen. Die hartherzigenEllern ließen sich ihre Zeugengebühren auszahlen, und anscheinend ganz befriedigt über ihre Rolle zogen sie nach Hause. Leipzig, 2. Jan. Das Reichsgericht verwarf bte Revision des Raubmörders Matthias Kneißl, der am 19. November vom Schwurgericht zu Augsburg zum Tode verurteilt wurde, ebenso die Revision des ehemaligen Kaisirers des Kreis- kreditvcreins Ansbach, Albrecht S ch r ö p p e l, der vom Landgericht zu Ansbach am 19. August wegen Untreue und Betruges au 3 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Wie „Herold" meldet, will Kneißl ein Gnadengesuch einreichen. Mannheim, 2. Jan. Der bei der Stadwerwaltung angestellte ehemalige Bezirksfeldwebel Fißler ist von den Militärbehörden plötzlich verhaftet und in das Karlsruher Arresthaus in Untersuchungshaft verbracht worden. Fißler soll während seiner Dienstzeit beim Bezirkskommando Bruchsal einem französischen Spion Mobilmach ungs pläne gegen hohe Bezahlung zugänglich gemacht haben, und sei vergangene Woche vom Kriegs»^ gerichte in Karlsruhe wegen La nd es- und Hochverrats zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Arbeiterbewegung. Loudon, 2. Jan. Infolge Unruhen, welche durch den Ar- beiierausstand in der Umgegend von Penrhyn und in den Schieferbrüchen von Nordwales entstanden sind, wird in der Nachbarschaft Militär zum Eingreifen bereit gehalten. Letzte Nacht wurden mehrere Häuser im Distrikt zerstört. Amsterdam, 2. Jan. Nach einer Erklärung im Blatte ^Hei Volk" wurde in einer Versammlung der Vorstände der Dynamitarbeitervereine beschlossen, der von den Arbeitgebern verkündeten Aussperrung gegenüber einen allgemeinen Ausstand zu proklamieren. Der allgemeine Ausstand soll sämllicheu Mitglledern oer Arbeitervereinigungen gegenüber durchgeführt werden. Handel und Verkehr. Uolkswittschast. Soltugeu, 2.Jan. Der Verein der ©d)eecenfabrifantetn genehmigte heute den Antrag seines Ausschusses auf Zustimmung^ zu einer unter dem Vorsitz des Landrats Dr. Lucas am vergangenen Samstag mit Vertretern des Scheerenschleifer-Vereins in der Frage der Löhne getroffenen Vereinbarung und auf Aufhebung^ der über die Mitglieder des Scheerenschleifer-Vereins verhängten Sperre. Mannheim, 2. Jan. Wie die „N. B. S." meldet, wurde infolge der neu ein geführten Marktordnung, die eine bedeutende Verteuerung der Stände zur Folge hat, von Seiten der Verkäufer der hiesige Mackweckehr in Boykott erklärt. Heute morgen erschien die weitaus größere Zahl der 'S erlauf er nicht, infolgedessen mußte auch der Veckehr unterbleiben. Familien Nachrichten. Verlobte: Christine Schütz, Otto Lippeck, Butzbach. — Therese Stoll, Adam Fehr, Butzbach und Rimbach L O. 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Hieran anschließend findet die Versteigerung des im Hofe -beS gegenüberliegenden Kreisamtsgebändes lagernden Een Bauholzes unter den gleichen Bedingungen statt. Allein-Verkauf und Niederlage von Edler L Krische Hannover Zusammenkunft im Distrikt Winnereck. Mendorf cm der Lumda, 2. Januar 1902. Gro-^erzoglich eBürgermeisterei Mendorf a. d. Lda. Weiden, Ü/D = 1038 qm Wiese daselbst, ; 6/28 — 1038 qm Wiese daselbst, ;B6/206 =a 1088 qm Acker auf der Hohlerche, 'W207 == 962 qm Acker daselbst, it?/106.8 — 962 qm Acker auf die Mühlbach tnif den Weg, Wto7,i —Wb qm Acker am Harnm auf die Wicseck, £T1074 =±± 913 qm Acker daselbst, 88/69 — 1962 qm Wiese am Heeg- Statt besonderer Anzeige. Die glückliche Geburt eines JsiMgea zeigen ergebenet an 019 Georg E9oS8 und Frau Olga geb. Goess. Giessen (Ostanlage 83), 3. Januar 1602. Brest en, am 2. Januar 1902. Großherzogliches Hochbauamt. Neuling. Hohversteigerung Mittwoch den 8. Januar L vormittags 10 Uhr, werden in den Waldungen der Gemeinde Mendorf an der Lumda, Distrikt Eisen- schade, Winnereck 2c., folgende Holzsortimente versteigert: Jährliche Produktion: 5 Millionen Flaschen. Zu haben bei Herren Gebr> Schwan, Giessen. Wänner-Hurnverein. Das regelmäßige Turne« beginnt Dienstag de» 7. Januar 1902. Hurnstundenr Dienstag, Donnerstag und Freitag von 8 bis 10 Uhr. FrWsWoe Käsen Kirsch Im Allsschilitt Kariser Kopfsalat empfiehlt Heinrich Klotz 17 Mäusburg 17, 023 Suppeneinlagen, Frisch eingetroffen z. EL: 114 Kiiorrt Hafermehl beste Kindernahrung, Knorrs Grankernmehl Knorrs Erbsenmehl Knorrs Einsenmehl für vorzügliche Schleimsuppen, Knorrs Taploea C. H K Knorr sTapioea J ulienne liefern feine, sehr leicht verdauliche Suppen, Knorrs Erbswurst filr delikate Erbawursteuppen, Knorrs Suppentafeln nur mit Wasser zuzubereiten, bei Emil Fischbach. 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