Nr. 231 »rscheiut tLgltch außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem «elfischen Landwirt die Gießener Familien- Mütter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Un werf.-Buch- u. Steindruckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Gchnlstratze 7. Adresse für Depeschenr Anzeiger Gießen. yernsprkchanschluß Nr. bl. Erstes Blatt. 152. Jahrgang Donnerstag 2. Oktober 1903 GichenerAnzeiger w General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen VezngSpret-r monatlich 7bPs^viertel-> jährlich Mk. L20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 68 Pf.; durch diePost Mk.2.— viertel« jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die TageSnummer bis vormittag» 10 Uhr, ZetlenprelS: lokal 12 Pf^ auswärts 20 Pfg. Verantwortlich: für den poltl. u. allgem, Teil: P. Wittko; für ,Stadt und Land* und .GerichtLfaal": Curt Plato; für den Anzeigenteil: Han» Beck. Gießen, den 1. Oktober 1902. Betr.: Die Jahresberichte der Großh. Gewerbe-Inspektoren für 1902. Das Großheyogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 17. v. Mts. (Gieß. Anzeiger Nr. 219) noch nicht entsprochen haben, werden an deren sofortige Erledigung hiermit erinnert. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Treiber t Bekanntmachung. Das Wintersemester der landw. Abteilung beginnt Montag, den 3. November. Anmeldungen sind schriftlich oder mündlich an unterfertigte Direktion zu richten, von welcher auch Statuten, sowie Wohnungsausweise und Schülerfahrscheine zu erhalten sind. Großh. Direktion der Obstbau- und landw. Winterschule. Dr. Peter. Bekanntmachung. Betr.: Abhaltung von Viehmärkten. Der Auftrieb von Vieh zu den am 7. und 8. Oktober f. IS. stattsindenden Viehmärkten beginnt vormittags um 7 Uhr. Gießen, den 26. September 1902. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. tziu Minister-Ruheposten. Aus Berlin, 30. September, wird uns geschrieben: Die durch den Tod v. Goßlers notwendig gewordene Neubesetzung des westpreußischen Oberpräsidiums regt die Frage nach dem Nachfolger an. Es hat sich in Preußen zu einer Art Grundsatz herausgebildet, Oberpräsi- hialposten an amtSnrüüe oder unhaltbar gewordene Staats- MMister zu vergeben. So vertauschte Herr v. Bo etlicher — eine Wirkung seiner in der Sache mißglückten Reichstagsrede über das Verbindungsverbot politischer Vereine — die Leitung des Reichsamts des Innern mit derjenigen der Verwaltung der Provinz Sachsen. So zog Herr von Köller, Preußens einstiger Minister des Innern, nach dem Scheitern des Umsturzgesetzes als Berwaltungschef ins schöne Schleswig-Holstein; so wurde dessen Nachfolger, Frhr. v. d. Recke, dem die „Berliner Luft" angeblich nicht zusagte, an die Spitze der Provinz Westfalen berufen. Zu einer Zeit, in der nach! des Grafen Bülow Bekundung aus der Ostmarkensrage der politische Accent liegt, reizt es natürlich, Vermutungen anzustellen, wer wohl zur Leitung jener gemischtsprachigen Ostprovinz berufen werde? Hier die Namen Graf Posadvwsky und Frhr. v. R h e i n- baben nennen zu hören, kann nicht überraschen. Wird doch schon seit Wochen davon gesprochen, daß dem Staatssekretär nach der aufreibenden, anscheinend vergeblichen Arbeit am Marmorblock des Zolltarrseutwurfs das verhältnismäßig ruhige Mrkcn an der Spitze einer Provinzialverwaltung erwünscht fei. Das wäre, so meint man, eine Ausgabe für einen so intimen Kenner der Ostmarken. Bezüglich des preußischen Finanzministers v. Rheinbaben wird gleichfalls „Amtsmüdigkeit" geltend gemacht und ferner ms Feld geführt, daß die Ostmarkenpolitik des Grasen Bülow in Herrn v. Rheinbaben an Ort und Stelle einen besonders energischen und gewandten Träger haben würde. Richtig ist jedenfalls, daß der „Fall Löhning" einer Berufung des Finanzministers in ein Oberpräsidium des Ostens nicht hinderlich sein würde. Doch vor der parlamentarischen Erörterung dieses Falles kann Herr v. Rhein- baßen wohl nicht den Ministerfrack ausziehen, und bis dahin das vakante Oberpräsidium besetzt fein. Das gilt auch für Gras Posadowskv, der wohl abwarten wird, wie sich im Plenum des Reichstages die Dinge gestalten. Der Kuriosität halber sei erwähnt, daß als Oberpräsidiums-Kandidat auch der preußische Landwirtschaftsminister v. Podbielski genannt wird. Es ist für diesen jovialen Staatsmann ja schmeichelhaft, daß ihm eine denkbar vielseitige Befähigung zuerkannt wird; aber es wirkt nachgerade humoristisch, seinen Namen nennen zu hören, wenn es sich um die Besetzung irgend eines Amtes im höheren Reichs- und Staatsdienst handelt. Im übrigen wird die Ernennung des neuen Oberpräsidenten wohl nicht auf sich warten lassen. Vielleicht macht sie die Vermutungen auch diesmal samt und sonders hinfällig. Ein in Bezug auf die Behandlung der polnischen Bevölkerung gemäßigterer Berwaltungschef, als Dr. von Goßler, wird schwerlich in Westpreußen Einzug halten. Christlich-sozialer Parteitag. Siegen, 1. Oktober. Die christlich-soziale Partei hält in diesen Tagen hier, in dem Hauplorte seines christlich-sozialen Wahlkreises, chren diesjährigen (6.) Parteitag ab. Die Beteiligung ist diesmal außerordentlich stark, sowohl aus dem Reiche, als auch besonders aus Rheinland- Westfalen, H e s s e n re. Der Parteitag wurde eingelettet durch eine große öffentliche Versammlung. Stock e r nahm das Wort zu einer Begrüßungsansprache. Die Arbeiter m Siegen, so meint er, seien nicht der Sozialdemokratie verfallen, denn sie wählen christlich-sozial. Es ist noch Christentum hier unter beit Arbeitern; das Verhältnis zwischen Arbeitern und Arbeitgebern ist freundlich. Das Aktienunte-nehmungswesen hat hier noch nicht die Ausdeh- uuig gewonnen, als anderswo. Es ist noch ein Verhalttn-, von Person zu Person. Mancher Arbeiter hat mit dem Arbeitgeber auf einer Schulbank gesessen, sodaß man sich als Freund und Bruder femtt Viele Arbeiter haben hier ein kleines Eigentum, das sie an ihre Scholle bindet, an der sie mit ganzen Herzen hängen. Daher haben die Gedanken von Zukunstsstaat, Aufhebung des Privateigentums rc. hier nicht Wurzel fassen können. Stöcker ging dann auf die Geschichte der christlich-sozialen Partei ein. Unfern Kampf gegen die Sozialdemokratie ließ man sich gefallen. Aber als wir auch das Judentum angreisen mußten, hatten wirs mit Vielen verdorben und es gab einen schweren, schweren Kampf. Aber der Kampf gegen das Judentum ist von weiten Kreisen ausgenommen worden. Auch die Gedanken des Arbeiterschutzes und der Arbeiterversicherung haben wir inS öffentliche Leben geworfen. Wir waren die soziale Avantgarde der Konservativen. Durch diese Verbindung ist die große soziale Gesetzgebung gefördert worden. Als Vertreter Hessens sprach Pfarrer Fritsch aus Ruppertsburg. Wir sind keine Freunde von Personenkultus, wie er neulich *. B. auch bei Virchow getrieben wurde. Virchows Wissenschaft soll sogar die Grundlage sein, auf der sich das System der Religion der Zukunft ausbauen werde. Das beansprucht Stöcker noch garnichr einmal! Wir wollen nur die Stimme sein, die hinausruft: Land, Land, Land höre des Herrn Wort! In diesem Sinne allerdings hat auch Stöcker etwas vom Propheten an sich. Rach einer großen Versammlung, in der Stöcker gesprochen hatte, meinte ein alter Jude: Wahrhaftig, der Mann hat wie ein Prophet gesprochen 1 — Feuerschmied Hufner aus Darmstadt berichtete in humorvoller Weise über christlich-soziale Arbeit in Darmstadt. Gewisse lokale Ereignisse haben in der letzten Zeit in der öffentlichen Erörterung so breiten Raum eingenommen, daß oft schwer eine ernsthafte politische Thätigkeit aufkam. Die Hauptgegner sind hier die Nationalliberalen. Wir haben schon manches erreicht: zwei Christlich-Soziale sitzen im Stadtrat, einen Landtagssitz haben wir erobert. Thun wir nur unsere Schuldigkeit. Wir kommen dann vorwärts! In der ersten Parteivcrsammlung sprach u. a. Stöcker über die bevor st ehenden Reichstagswahlen. Ich soll gesagt haben: Die Bergleute erhalten einen viel zu hohen Lohn. Ich erkläre, daß diese Behauptung eine plumpe Lüge ist. Zweitens wird behauptet, Stöcker sei ein Großgrundbesitzer und daher für niedrige Löhne. Ich besitze in Oberbayern einen kleinen Bauernhof, den ich jetzt an meinen Inspektor verpachtet habe. Dieser ist seit zwölf Jahren bei mir, und das beweist doch nicht gerade, daß ich „für niedrige Löhne" bin. Zwischen uns und den Konservativen bestehen auf der sozialen Linie Unterschiede. Wir Christlich-Sozialen sind mindestens ebenso stark auf die Industrie gerichtet, wie auf die Landwirtschaft. Bei den Nationalltberalen haoen wir ausgezeichnete Männer, wie die Führer v. Heyl, Rimpau usw. Solche Leute werden wir unterstützen. 9lber ein ganz anderes Ding ist es mit der nationalliberalen Presse. Man weiß nicht, was diese Presse eigentlich veranlaßt hat, uns mit so unglaublicher Gehässigkeit zu bekämpfen. Es ist wilder Unverstand. Der Freisinn ist für uns nur als Gegner vorhanden. Wir haben wenig Berührung mit ihm. Mit dem Zentrum stehen wir hier in freundschaftlichem Verhältnis, welches in der christlichen Gewerkschaftsbewegung zum Ausdruck kommt. Wir billigen das Zusammenarbeiten der Konfessionen auf sozialem Gebiet. Die Bestrebungen des Klerus, dieses Verhältnis zu hindern durch Bildung von rein katholischen Abteilungen werden an uns stets Gegner finden. Gegen die Sozialdemokratie stehen wir nur in Kampfesstellung. Mit dem Antisemitismus haben wir mannigfache Berührungen. Einen Konflikt haben wir freilich im Wahlkreis Wetzlar- Altenkirchen mit ihm gehabt, wo unser christlich-sozialer Kandidat mehr Stimmen erhalten hatte als der antisemitische. Durch Besprechungen mit dem Abg. Hirschel war auch der Wahlkreis uns überlassen. Nun hat der Abg. Zimmermann das wieder rückgängig gemacht. Wir wollen den Kampf nicht mit den Antisemiten, und da außerdem, wenn beide Richtungen nicht zusammengehen, ein Kandidat keine Aussicht hätte, so sind wir einstweilen zurückgetreten von diesem Wahlkreis. Freilich können wir nicht dafür einstehen, daß diejenigen, die den christlich-sozialen Kandidaten wählten, nun auch den Antisemiten wählen. Das haben wir nicht in der Hand. — Dr. Burckhardt (Godesberg) bemerkt u. a., daß die wahrscheinliche Folge des antisemitischen Vorgehens in Wetzlar-Altenkirchen d i e sein wird, daß in dem überwiegend evangelischen Wahlkreis es zur Stichwahl zwischen Sozialdemokratie und Ultramontanen kommen wird. Dr. Burckhardt machte eine Reihe von Mitteilungen. Im Dillkreis werden wir Herrn v. Oertzen aufstellen. Danach referierte Pfarrer Fritsch (Ruppertsburg) über die Presse. Darauf wurde die Sitzung geschloffen. In der zweiten Hauptversammlung hiell den Hauptvortrag Dr Scheffer aus Leipzig Das Recht auf Arbeit würde außer der Sicherheit der Existenz dem Arbeiter auch die Sicherheit des Jahresbudgets geben, die Möglichkeit, einen Jahres-Wtrtschafts- üderschlag zu machen. Tie Einkünfte wären besser verteilbar und dadurch würde die Kaufkraft erhöht werden. Mit dem ReM auf Arbeit als Reichsgesetz wäre verbunden die Garantie eines Mini- mal-Lohnes seitens des Staates. Diese Dinge würden dem Arbeiter das Standesdewußtsein stärken den Arbeitgebern gegenüber. Also muß der Arbeitgeber, den die Verhältnisse zwingen, die Pro- duktionsfaktoren möglichst niedrig zu halten, gegen das (die industrielle Reservearmee verkleinernde) Recht auf Arbeit sein. Zu diesem natürlichen wirtschaftspolitischen Gegner kommt der parteipolitische Gegner: die Sozialdemokratie. Sie, die Organisation der Unzufriedenheit, kann die Organisation der Zufriedenheit, welche das Recht auf Arbeit darstellen würde, nicht wünschen. Sie erhält den Klassenkampf latent. Das ist aber gegen das Interesse des Staates. Sein Interesse ist es vielmehr, daß alle Arbeitfähigen ihr Teil beitragen zur Vermehrung der Gesamtkraft. Wenn wir das Recht auf Arbeit einführen als die Einrichtung, die den Staat zum Herrn der Arbeit macht, so entziehen wir den jetzigen Arbeitgebern, die an der schlechten Entlohnung der Arbeit em wirtschaftliches Interesse haben, die Hoheitsrechte über ihre Mitmenschen. Indem wie das thun, erweitern wir die Befugnisse des Staates selbst. Alle fühleii wir ims dann dem Staate fester verbunden, da er unsere letzte Zuflucht ist. Und indem wir ihm gegenübertreten als dem Herrn unseres Wohlergehens und an dessen Wohlergehen wir selbst Mitarbeiten können, die wir das allgemeine Wahlrecht haben, — dann erst sind wir zu dem Grade auch von wirtschaftlicher Selbständigkeit und Freiheit gelangt, die uns jetzt unmöglich ist. Tenn darauf kommt es an, wie unabhängig Jemand in wirtschaftlicher Hinsicht ist. Also um die politische Freiheit zu erkämpfen, müssen wir dem Staate das Recht aus Arbeit zuerkennen. Tie Monarchie also, in der wir im politischen Leben leben, erweitert sich auf das wirtschaftliche Leben hinaus. Wenn wir vom Kaiser sprechen als vom Schutzherrn der nationalen Macht dem Auslände gegenüber, so hegen wir den Wunsch, ihn auch anzusprechen als Kaiser der nationalen Arbeit, bei dem sich zuspitzt die Zusammenfassung aller physischen- und psychischen Volkskraft. In der Diskussion hob u. a. Pfarrer Fritsch (Ruppertsburg) als wesentliches Korrelat des Rechts auf Arbeit die Pflicht zur Arbeit hervor. Ein Beschluß wurde nicht gefaßt. Die zweite öffentliche Versammlung war außerordentlich stark besucht. Gegenstand der Vorträge des Abends war das Thema: „Der Christ und das öffentliche Leben." Pfarrer Philipps (Plötzensee-Berlin) und Reichstagsabg. D. Stöcker (Berlin) be- handelten es. Die weitere Parteiversammlung war hauptsächlich ausgefüllt durch geschäftliche und Parteiangelegenheiten. Parteisekretär Dr. Burckhardt (Godesberg) erstattete einen Bericht über die diesmal im Hinblick auf die Wahlen sehr rege Thätigkeit innerhalb der Partei. Als Vorstand wurden neu-, resp. wiedergewählt: D. Stöcker, D. v. Dertzen, Inspektor P. Philipps, Dr. Burckhardt, Liz. Weber, Fabrikant Wols-Gütersloh, Landwirt Husendiek-Tödthewe bei Brake i. Wests., Pfarrer Bernde ck in Staden, Arbeitersekretär Behrens- Berlin und Kaufmann LüttringhauS-Oehde. Dann beriet man über einige vorliegenden Anträge. Der Beitritt zur Anti-Duell-Liga wurde den christlich-sozialen Vereinen empfohlen. Eine längere Besprechung entstand über einen Antrag zur Empfehlung der Bestrebungen gegen den Alkohol- genu ß. Man beschoß folgende Erklärung: „Der christlich-soziale Delegirtentag in Siegen beklagt im Interesse des Volkswohles auf das schmerzlichste die unwürdige und leichtfertige Art, in welcher der sozialdemokratische Parteitag in München die Alkoholftage behandelt hat, stimmt dem im preußischen Abgeordnetenhause gestellten Antrag des Grafen Douglas zu und empfiehlt zur Unterstützung die Vereinigungen zur Bekämpfung der Trunksucht, seien es Mäßigkeits- ober Enthaltsamkeitsvereine." — Ferner empfahl der Parteitag allen Mitgliedern rege Anteilnahme an den Arbeiten zur Hebung der öffentlichen Sittlichkeit. Endlich stimmte er einmütig folgendem Antrag des Pfarrers Fritsch (Ruppertsburg) zu: „Der christlich-soziale Parteitag in Siegen ruft, bewegt von dem würdig gehaltenen und ergreifend wirkenden Aufruf der Burengenerale die Parteigenossen auf. jener dringenden Bitte um Unterstützung ihr Ohr zu öffnen und auf jede Weise zu helfen, daß reichlich für baS tapfere Burenvolk gesammelt wirb, dessen Wobn- ftätten einem unchristlich und vielfach gegen die Bestimmungen des Roten Kreuzes geführten Kriege zum Opfer gefallen sind." Landwirt Huf en diek-Tödtheide sprach bann über das Thema Viehwirtschaft und Fleischteuerung. Hieran knüpfte sich eine sehr eingehende Besprechung, in welcher die Interessen der Konsumenten unb der Produzenten zum Ausdruck kamen. Es sprachen u. a.: P. Lindenborn (Kreis Wetzlar), Stadtverordneter Mehaermeister Albertsmeyer-Mülheim a. d. R., Landwirt Hufen- diek-Raoensderg, Bäckermeister Heistermann-Elberseld, P. Pasewald- Altmark, Dr. Burckhardt-Godesberg, Fabrikant L. Klein-Freudenberg, Arbellersekretär Behrens-Berlin, P. Fritsch-Ruppertsburg rc. Die Ansichten wurden zusammengesaßt in folgender, mit großer Mehrheit angenommenen Resolution v. Oertzen-Berlin: „Wenn auch über die gegenwärtige sogenannte Fleischnot zahllose Ueber- treibungen aus politischen Gründen an der Tagesordnung sind, so hält doch der Delegirtentag der christlich-sozialen Partei gegenüber den immerhin gestiegenen Fleijchpreisen eine Kontingentierung der Einfuhr durch gemeinsame Festsetzung des Bundesrats, des Deutschen Landwirtschaftsrats und deS Vorstandes des Deutschen Fleischerverbandes, sowie eine Oeffnung der Grenzen bis zur Höhe der kontingen- tirten Menge sür notwendig. Die Höhe des Kontingents muß so bemessen werden, daß der Fleischpreis über die mittlere Höhe nicht hinausgeht, unter diese Höhe aber auch nicht herabgedrückt wird." — Darauf schloß die Versammlung. Aus Stadt und Land. Gießen, 2. Oktober 1902. ** Das Großh. Regierungsblatt Nr- 66, aus- gegeben am 30. September o- I., enthält: Pferde-Aus- Hebungs-Vorschrift (Pf. X V.) Vom 15. Settern- 6er 1902. ** Oktober! Mit dem gestrigen Tage trat der Monat Oktober seine Herrschaft an. Lerne Devise ist: Mensch, hoffe nichts mehr! Selbst wenn der Oktober wie manchmal noch mit einer Reihe schöner Tage aufwartet, so steht es doch fest, daß er die Natur im Altersgrau erscheinen laßt. Zwar hat der Mangel an Hitze und der viele Regen dieses Jahr auf den Wiesen und in den Garten auffallend lange das frische Grün erhalten, aber im herbstlichen Oktober findet es sicher fein Grab. Auch das letzte Grün, das Grün der Bäume, muß der Oktoberkühle weichen. Noch prangen zwar die farbigen Flächen der Teppichbeete; Sonnenrosen, Astern, Georginen, usw. zieren noch den Herbst als letzte Vertreter der sommerlichen Flora, allein eine falte Nacht bricht ihre zarte Lebenskraft, daß auch sie sterbend die Köpfe hängen. Und selbst die Baumriefen müssen der kommenden Kühle weichen. Ihre Blätter fallen oder verlieren die saftige grüne Farbe. Sie begrünen in weithin strahlendem Gelb, Rot und Braun zu leuchten, so daß über die Laubwälder ein großer bunter Teppich ausgebreitet scheint, den uns der Oktober noch gemalt hat. Ferner reift der Oktober den Wein und labt oen Menschen mit der wohlschmeckendsten Gabe des Herbstes. Er bietet den Sorgenbrecher, den herrlichen Most, der den Magen labt, das Herz erfrischt und lustig macht! Darum rechnen wir den Oktober mit Recht noch mit zu den angenehüren Monaten im Jahre. Er ist der letzte, der wenigstens noch nach einer Seite hin ein freundliches Gesicht zeigt! Homburg v. d- H., 30. Sept. Ter Fremdenbesuch hat in dieser Saison viel zu wünschen übrig gelassen. Es fehlten namentlich die Engländer, welche sonst unserem bewährten Gaste, ihrem jetzigen König/ in großer Zahl hierher zu folgen pflegten. In diesem Jahre aber hat die Verschiebung der Krönungsfeierlichkeiten und manches durch den Krieg mit den Buren in den englischen Familien verursachte Leid sehr viele Angehörige Englands fern- gehalten. In dem sonst zu den besten Kurmonaten zählenden August hat auch das unbeständige, hier im Gebirge sehr unangenehm fühlbar gewordene kalte Wetter den Fremdenbesuch sehr beeinträchtigt. Nur die um die Mitte des Monats durch den Kaiserbesuch ausgezeichnete Woche lockte viele Gäste hierher, die aber nicht lange standhielten. Bemerkenswert war der zahlreiche Besuch deutsch- amerikanischer Juden, welche wohl auch wieder Vermischtes. B erlin, 1. Oft. Regierungsrat Cordes, welcher mit Bekannten eine Probefahrt auf einer neuen Lokomotive unternahm, sprang in der Rühe von Wannsee ab, als die Flammen in den Führerraum zurück- schlugen. Er stürzte dabei, geriet mit einer Hand unter einen vorüberfahrenden Güterzug und erlitt auch im Gesicht schwere Verletzungen. * Stockholm, 1. Okt. Der Forschungsreisende Sven Heb in übergab seine Zoologischen, botanischen und geologischen Sammlungen der Universität Stockholm. * P a r i s, 1. Okt. Dem Präsidenten des Gemeinderates sind anläßlich des Todes Zolas von den städtischen Behörden in Livorno, Florenz und Mantua Beileidstelegramme zugegangen, welche derselbe im Namen der Stadt Paris herzlich beantwortete. Frau Zola geht es besser, nur ist ihr Seelenzuftand äußerst gedrückt. Wenn das Befinden es erlaubt, wird sie am Freitag nach ihrer Wohnung in der Rue de Bruxelles gebracht werden, um bei der dortigen Leichenfeier anwesend zu sein. Es sind keine Schritte gethan, um das Leichenbegängnis für Zola auf Staatskosten zu veranstalten, es wird im Gegenteil ganz einfach sein. Gegenwärtig steht der Sarg inmitten des in eine Trauerkapelle umgewandelten Arbeitsgemachs. Heute vormittag weilte Alfred Dreyfus einige Zeit an Zolas Bahre. * Paris, 30. Sept- Aus dem Jura-Gebiet werden Schneefälle und Fröste gemeldet. * Grenoble,30. Sept- Der Abbs Labouchette, welcher nach dem Besuche des großen Karthäuser-Klosters nach Grenoble zurücklehren wollte, stürzte in einen Abgrund und blieb sofort tot. * Fiume, 1. Okt. Auf Schloß Tersatta verübte die GräfinNugent auf ihren Bruder, den Grafen Laval, ein Revolver-Attentat, welches aber mißlang. Der Gras blieb unverletzt. Die Gräfin wurde unter Polizei- Aufsicht gestellt. * Budapest, 30. Sept- Der 16 jährige Handlungsgehilfe Josef Podza hat auf der Reise nach Szegedin dem Gutsbesitzer Peter Kiß im Eisenbahnwagen ein Sparkassenbuch und Wertpapiere.im Betrage von 30 000 Kronen gestohlen und ist damit flüchtig geworden. Die Polizei hat gegen ihn einen Steckbrief erlassen. * Mobile, 30. Sept. Aus Mittelamerika hier angekommene Dampfer bringen die Nachricht von einem starken Erdbeben, das am 23. d. M. in Guatemala und Britisch Honduras stattsand. Die telegraphische Verbindung der Stadt Guatemala mit der Küste ist gestört. Petersburg, 1. Okt. In Jasznaja Pohana auf dem Gute Leo Tolstois brach Feuer aus, das den Dachstuhl grade über dem Kabinett und dem Schlafzimmer Tolstois vernichtete. Der Dichter wurde gezwungen, einen anderen Flügel zu beziehen. Die Gesundheit Tolstois ist laut Bericht dreier Aerzte derart gut, daß ein WüUeraufent- halt in der Krim nicht nötig erscheint. * Das Befinden Sternbergs. Vor einigen Tagen tangierte eine Korrespondenz die Nachricht in die Tagesblätter, daß das Befinden Sternbergs und seine Stimmung ausgezeick)net wären. Bon gmunt errichteter Seite wird jetzt mllgeteilt, daß diese Nachricht der Wahrheit st rock zuwiderlaufe. Das Befinden des Lüstlings ist schlecht, zumal er in Gcsahr schwebt, das. Augenlicht gänzlich zu verlieren. Auf einem .'luge ist er fast völlig erblindet, und auch das zweite Auge ist nach dem Ausspruche des ihn behandelnden Professors Silex gefährdet. Sternberg kann und darf gar nichts arbeiten, ist daher auch nicht in der Lage, sich einen Ueberoerdienst $u erarbeiten, und er kann sich deshalb auch nicht ine geringste Erleichterunng und Ver- Der Selbstmord des Missionen-Aefraudanteu. Wien, 29. Sept- Der Telegraph hat schon kurz die Nachricht verbreitet, daß die Leiche des Defraudanten Jellinek unterhalb Krems am Donauufer gelandet worden ist. lieber die näheren Umstände bei Auffindung der Leiche erhält die „N. Fr. Pr." folgenden Bericht: Mit dem Abendzuge, der um 7 Uhr nach Krems abgeht, hatte sich gestern eine Abordnung des Wiener Sicherheits- Bureaus nach Kirchberg am Wagram begeben, der nächsten Bahnstation bei Altenwörth, wo die Leiche Jellineks aus den Fluten der Donau gezogen worden war. Im Ortswirtshause gab es ein reges Leben und Treiben. Die Ortsbewohner waren hier zusammengeströmt, und die Ankömmlinge aus Wien schlugen rasch hier chr Quartier auf. Der Ortsvorsteher, Schulleiter Herr Anton Bachner, der zu allerletzt die angeschwemmte Leiche als di eJellineks agnosziert, und sofort von dem Funde die Behörden verständigt hatte, besaß auch die Geistesgegenwart, alles vorzukehren, um die Aktion der Behörden zu unterstützen. Die Auffindung der Leiche Jellineks hatte sich nach übereinstimmenden Berichten auf folgende Weise zugetragen: Zwei Hauer aus dem benachbarten Dorfe Giking, namens Ludwig Heinzel und Eduard Fischer, saßen gestern an der Donau. Ungefähr um halb 3 Uhr, als einer von ihnen mit seinen Blicken die Fläche des Flusses streifte, sah er einen dunklen Gegenstand auf dem Wasser herankommen. Er verfolgte den auf dem Wasser treibenden Gegenstand mit den Augen, uni) erkannte in demselben bald Den Körper eines Menschen. Tie Leiche kam etwa 25 Meter weit vom Ufer herangeschwommen. Tie Donau hat hier eine ungewöhnliche Breite. Tas Treiben von Leichen ist hier nichts Seltenes, da der Strom hier eine scharfe Biegung macht und infolge des dadurch erzeugten starken Wellenschlages die Leichen im Wasser emporgetrieben werden. Die Bank, auf der die Beiden saßen, steht am Rande der Straße, die sich längs des Torfes am Ufer der Donau hinzieht. Sobald die beiden Hauer entdeckt hatten, daß ein menschlicher Leichnam im Wasser herantreibe, sprangen sie auf und lösten eine nur wenige Schritte entfernt angekettete kleine Zille los. Sie hatten aber keine Ahnung, daß die schwimmende Leiche jene des vielgesuchten Jellinek sein könne, da sie von der ganzen Affaire weder etwas gelesen noch gehört hatten. Als sie dem Leichnam entgegenruderten, sahen sie, daß der Kopf des Mannes aus beni Wasser rage, während der Körper in der Strömung aufrecht schwamm. Sie mären aber nicht mehr weit mit dem kleinere Nachen entfernt, als die Leiche plötzlich untertauchte und nicht zu sehen war. Erft einige Minuten später kam sie wieder zum Vorschein. Die beiden Männer ruderten nun rasch an dieselbe heran, der eine erfaßte den Leichnam, umschlang denselben mit einem bereit gehallenen Strick, und so nahmen sie den schwimmenden Körper ins Schlepptau und .brachten ihn ans Ufer. Nun wurde rasch der Ortsvorstand, Herr Anton Bachner, herbeigeholt. Derselbe hatte sofort die Vermutung, daß die angeschwemmte Leiche jene des Defraudanlen Jellinek sein dürfte, und als er sie genauer betrachtete, wurde seine Annahme zur Gewißheit. .Er entdeckte sofort an der Stirn Über dem redjlen Auge die im Steckbrief erwähnte Narb-, und daran erkannte er, daß er die Lerche Jellinek vor sich habe. Er verglich die Gesrchtszüge mit denen der Photographie, die er von der Behörde für den Fall der Agnos- gflnfHgung verschaffen, da nur Sträflinge mit einem Mi- nimal-UHerverdienst von 10 Mk. das Recht haben, diesen zur Aufbesserung der Kost oder ähnlichen Erleichterungen zu verwenden. Soweit es angängig ist, widmet sich Sternberg auch seinen geschäftlichen Unternehmungen. Jeden Sonntag erhält er die eingelaufenen Akten und Fragebogen^ mit denen er sich einige Zeit beschäftigen darf, und alle vier Wochen kann er seinen Generaldirektor empfangen und mit ihm in Gegenwart eines Cberbeamten eine höchstens zweistündige Konferenz abhalten. Der Seelenzuftand Sternbergs ist begreiflicherweise infolge der bisherigen langen Haft und bei der Aussicht, dieselbe noch bis zum 22. Mat nächsten Jahres ertragen zu müssen, äußerst gedrückt. * Cholera und Pest. In Medina (Arabien) ist die Cholera ausgebrochen. In zwei Tagen sind 18 Todesfälle vorgekommen. Die Cholera fordert auf den Philippinen, besonders Jlo Jlo schreckliche Opfer. Täglich ereignen sich gegen 1000 Fälle. Tie Bewohner einiger Städte fliehen ins Gebirge und lassen die Toten unbegraben iuü> die Sterbenden ohne Hilfe. In Aegypten nimmt die Cholera schnell ab. In Kairo und Alexandrien verlor die Krankheit ihren epidemischen Charakter, nur noch zwei bis fünf Fälle werden täglich gemeldet. Nach amtlichen Berichten ist sie auch in der Mandschurei, Port Arthur, Wladiwostok und anderen Bezirken stark in der Abnahme begriffen. In Odessa sind vom 19. bis zum 29. September acht Personen an der P e st erkrankt, von denen vier starben» Vom 10. Juni ab sind insgesamt 38 Erkrankungen und 13 Todesfälle zu verzeichnen. Auf Verfügung der dortigen Stadthauptmannes wird die Bevölkerung von jetzt an täglich über den Verlauf der Cholera-Epidemie in Kenntnis gesetzt. * Brände. Durch spielende Kinder wurde die polnische Ortschaft Poschmick in Brand gesteckt. Von 129 Wohnhäusern sind 120 abgebrannt. Das Elend ist groß. — In Neuberg bei Bad Elster (Kgr. Sachsen) ist der obere Teil des Gräflich von Zedtwitzschen Schlosses mit allem Zubehör niedergebrannt. Etwa 20 auswärtige Feuerwehren waren auf der Brandstätte. ES wird Brandstiftung angenommen. * Ein Selb stmordversuch wegen eine- litterarischen Mißerfolge-. Der 21jährige Handlungsgehilfe Arthur Lewin in Berlin verriet fett längerer Zeit schriftstellerische Neigungen. Er glaubte sich zum Novellisten berufen und vernachlässigte darüber feine Obliegenheit als Kommis in einem großen ÄLnfektionS. Hause. Tie Aufnahme einiger von feinen Skizzen in einem Winkelblättchen steigerte seinen Tichterehrgeiz ins Maßlose. Er schrieb eine größere Erzählung und sandte sie voll Autorenstolz einer Der ersten deutschen Zeitschriften zu. Natürlich wurde d-as unreife Machwerk „mit Tank abgelehnt". Nicht entmutigt — war es doch andern großen Poeten ebenso ergangen — sandte L. sein Werk einer zweiten und, nach prompt erfolgter Ablehnung, auch einer dritten Zeitschrift zu. Da der dichtende Jünger Merkurs auch hier kein Glück hatte, setzte die Novelle ihre Rundreife fort, bis sie zu einem Redakteur kam, der sich nicht mit Der bloßen Ablehnung begnügte, sondern dem Verfasser in einem weniger höflichen, als deullichen Briefe Die weitere Fortsetzung feiner Studien in deutscher Grammatik und Rechtschreibung empsabl. Der junge L. konnte diese Verletzung seiner Poetenleyre nicht verwinden. Er griff zum Strick, um feinem Leben ein Ende $u machen. Ta er sich aber glücklicherweise dabei ebenso ungeschickt anstellte, wie beim Abfassen seiner Werke, wurde er nodj rechtzeitig bemerkt und gerettet. Hoffentlich, dichtet er nie wieder. * Das Menschheitspaar. Tie Geschichte spielt in Paris. Ein junger Mann liebte ein junges Mädchen. Tie Eltern des jungen Mädchens waren nut der Heirat einverstanden; aber die Mutter des jungen Mannes wollte nichts davon wissen. Und da der Jüngling noch nicht das gesetzliche Alter erreicht hat, war die Heirat, für den Augenblick wenigstens, unmöglich. So kamen der junge Mann und das junge Mädchen, die sich liebten, auf bat Gedanken, sich dem Kongreß der einzigen, ewigen, unteilbaren Menschheit" vorzustellen^ der gegenwärtig in Paris seine Sitzungen hält. „Ten obersten Rat dieses Kongresses", schreibt der „Temps", „bilden fünf ober sechs weißhaarige Greise, die im Frack und in weißer Krawatte tagen, und einige mystisch ausseh ende Damen. Tiefe ehrenwerten Persönlichkeiten forschen nach den Mitteln, durch welche die Menschheit endlich „in allen ihren Gliedern solidarisch und brüderlich werden könnte." Sie wollen u. a. einen Weltsenat ins Leben rufen, auS dessen Mitte die Mitglieder eines MenschheitsministeriumS erwählt werden sollen. Dieses Ministerium hätte die Aufgabe, jedem menschlichen Wesen Essen, Kleidung und Wohnung zu verschaffen. Der „Sekretär auf Leb en Hell" deS Kongresses fragte sich, als er den Entwurf vorlegte, warum man nicht schon früher an eine solche Gründung gedacht habe: „Wenn man damit schon bei Schaffung der Welt begonnen hätte", sagte er, „brauchte man jetzt nicht unsere Kriegsministerien zu gründen . . ." Ter Menschheitskongreß darf leider nicht Leute verheiraten wie es, mit seiner Schärpe geschmückt, der Herr Maire thut. Aber dafür „konstituiert" der zlongreß „Menschheitspaare". Die Cere- monie ist sehr schön. Das junge Mädchen hält einen Blumenstrauß in der Hand. Ter „©etretär auf Lebenszeit" hält eine Ansprache; bann erhebt er bie beiden jungen Leute zur der Würde eines Menschheitspaares und schenkt ihnen ein Abzeichen und ein Pergament-Diplom mit etwas konfusen Mitteilungen. Eine berühmte Frauenrechtlerin richtete an das junge Paar eine tiefgefühlte Ansprache, in welcher sie in grauenvoller Weise die Laster der Männer schilderte; sie schloß mit den Worten: „Ach, die Männer, sie flößen mir Furcht ein! . . ." Darauf trat eine andere Tarne vor und fang eine hübsche, aber etwas her alt etc Romanze, in der viel von Liebe und von Treue die Rede ist. Tas empörte die berühmte Frauenrechtlerin derart, daß sie Lärm schlug. Tie liebenswürdige Zeremonie hätte nun beinahe ein böses Ende genommen. Aber ein „Amateur" trug heitere Monologe vor, die den Seelen ihren Frieden Wiedergaben. » » * Der Kampf um die Cigarette. Man erinnert sich vielleicht an die Berichte über den zwischen englischen und amerikanischen Cigarettenfabrikanten entbrannten Konkurrenzkampf, bei welchem selbst für die dortigen Verhältnisse riesige Summen ins Treffen geführt wurden und dessen Spezialität darin bestand, daß bie Amerikaner ben Krieg im Feindeslande eröffneten und England unter Aufwendung einer kaum zu überbietenden Reklame mit ihren Fabrikaten überschwemmten. Ter Konsument, um dessen Gunst man sich so leidenschaftlich bemühte, war in diesem Falle der lachende Dritte. Nun wird aus London telegrafiert, daß nach einer Meldung der „Daily Mall" der Mcieg um die Cigarette zwischen dem amerikanischen und dem englischen Riesensyndikat sein Ende gefunden hat, und zierung erhalten batte, und dieselbe wiesen eine unverkennbare Aebnlichreit mit der Leiche auf. Tas Saeco, womit die Leiche bekleidet war, war zugeknöpft; Herr Bachner knöpfte das Saeco auf und fand in der unteren Seitentasche zunächst einen schwarzumränderten Briefumschlag, der folgende ^ldresse trug: „Herr und Frau (Dmund Jellinek". Hierdurch war die volle Bestättgung gegeben, daß der Tote der Defraudant Edmund Jellinek sei. Man sand man bei dem Toten u. a- einen Zeitungsausschnitt mit der Anzeige der Verlobung Jellineks. Tas Gesicht des Toten war stark gerötet und ebenso wie der Körper stark aufgedunsen. Tie Beinlleider waren an beiden Knieen ourchgerissen. Tie Wertgegenstände und Briefschaften hatte die Gerichtskommission an sich genommen. Die goldene, massive Doppelkette, an der die Uhr befestigt gewesen sein soll, war bei der Leiche nicht vorgefunden worden. Tie Kette dürste bei dem Treiben im Wasser im Gestrüpp hängen geblieben sein. Alle diese Gegenstände erkannte Herr Mohr, der Schwiegervater Jellineks, als Eigentum seines Schwiegersohnes. Mit schwerer Mühe gelang es, den tief erschütterten und fast ganz gebrochenen Mann zu beruhigen und ihn aus der Totenkammer zu führen. Als die Arbeit der Kommission um i/*ll Uhr nachts auf dem Friedhöfe beendigt war, entfernte man sich in gebrüerter Gemütsslim- mung. Allen, bie dieser unheimlichen Nachtszene auf dem Friedhöfe in Altenwörth beiwohnten, wird ihr grauenhafter Andruck unauslchchlich im Gedächtnis haften. Von dem Kirchhofe wurde unter Fackel- unb Laternen- schein bann noch einmal die Wanderung durch das finstere, öbe Tors angetreten, unb unter Führung her beiben Hauer, die ben Leichnam Jellineks gefunden, suchte man die Stelle am Ufer auf, von wo aus der schwimmenbe Tote bemerkt worden war. Man begab sich zuerst zu dem Holzbänkchen, wo die beiden Hauergesellen gesessen, als sie die in der Tonau schwimmenbe Leiche entdeckten. Es steht hinter einem Obstgärtchen, und man kann von hier aus die ausgedehnte Stromfläche Überblicken. Nicht weit davon lagen einige kleine Zillen, an einem Pflock der steilen Uferböschung angekettet. Die beiden Arbeiter stellten sich nun an den Userrand — ihre Gestalten wurden von ben flackemben Flammen der Fackeln beleuchtet unb mit lebhaften Ge- berden auf das Wasser deutend, gaben sie die Stellen und die Tistanzen an, wo sie den Leichnam zuerst bemerkt, wie sie ihm nachgerudert, wie sie ihn erfaßt und geborgen hatten. Die Straße läuft hier knapp an der Uferböschung, ein verfehlter Schritt im Dunkeln kann schon verhängnisvoll werden und einen Sturz über die Böschung zur Folge haben. Ter Anblick der ungeheueren Wasserfläche hatte etwas Unheimliches. Erschreckendes; und dieser Eindruck wurde durch bas Brausen und Rauschen der an das Ufer brandenben Wellen noch gesteigert. Alles atmete erleichtert auf, als bie Agnoszierung bes Toten und die Besichtigung der Auffindungsstelle beendet war und man aus dem düsteren Dunkel der Nacht mit ihren schrecklichen Bilbern wieder in die Gaststube des Gemeindewirtshauses zurückkehren konnte. Am stärksten hahten natürlich diese Eindrücke auf Herrn Mohr, den Schwiegervater Jellineks, eingewirkt, der bleich unb zittemb in das Wirtshaus zurückkam. durch die Mhe von Frankfurt, wo sie viele verwandtschaftliche Beziehungen haben, angezogen wurden. Die Zahl der Kurgäste hat erst in der verflossenen Woche 12 000 überschritten. Homburg bat aber auch im Winter immer Fremde, für welche das Kurhaus den Sammelpunkt und Die Stätte guter musikalischer Aufführungen bietet. Neben großen Neubauten im Interesse des Kur- und Fremdenverkehrs erstehen hier noch immer auch kleinere Lanb- häufer, in welchen Familien ein gemütliches, ruhiges Heim fich zu schaffen bemüht sind. Auch das von den Englischen Fräulein hier geleitete Haushaltungspenfionat hat durch einen Anbau eine Vergrößerung erfahren. Wiesbaden, 1. Clt Die Beteiligung an der vom 4.-7. b. M. hier stattfindenden 5. Generalversammlung des Bundes deutscher Frauenvereine verspricht außergewöhnlich zahlreich zu werden. Dem Bunde sind gegenwärtig 156 Vereine angeschlossen (gegen 131 bei der letzten Generalversammlung), die durch ungefähr 200 Delegierte vertreten fein werden. Von den zur Verhandlung kommenden Anträgen gilt etwa die Hälfte einem weiteren Ausbau der Organisation, wichtigen Statuten- unb Geschäftsordnungsänderungen, lieber diese wird in geschlossener Sitzung am Sonntag beraten. Alle Anträge auf (Weiterungen des bisherigen Arbeitsgebietes des Bundes, auf Stellungnahme zu Tagesfragen usw. werden in allgemein zugängllchen Sitzungen verhandelt, in denen auch sämtliche Berichte erstattet werden. Ebenso sind die Sitzungen der Kommissionen öffentlich. In drei großen Abend- versammlungen werden Fragen der weiblichen Bildung, der öfsenllichen Sittlichkeit, der Stellung der Frauen zur Polllik vom Standpunkt des Bundes behandelt. Das Lokalkomitee hat umfassende Vorbereitungen für bie Tagung getroffen und veranstaltet für die Delegierten und Mitglieder der Bundesvereine am Freitag abend einen festlichen Empfang im Kurhause. Für Montag ist ein Ausflug nach Mainz geplant, zu dem die Mainzer Bundesvereine ein- geladen haben. Hanau, 29. Sept. Die durch die diesjährigen Herbst- manöver verursachten Flurschäden sind im Landkreise Hanau ziemlich beträchtlich, etwa 12 000 Parzellen kommen in Betracht. Für die schnelle Abwickelung der Geschäfte sind vier Kommissionen thätig. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Die politische Redaktion der „W o r m- ser'Zeitun g", der bekanntlich der Frhr. v. Heyl nahe steht, ist mit dem L Oktober auf den früheren Chefredakteur der fteikonservallven „Post" übergegangen. Man kann sich daraus einen Vers machen, von der zukünftigen Haltung dieses leider auf dem rechtesten Flügel pes Nationalliberalismus stehenden Blattes. — In Hanau haben Magistrat und Stadtverordnete beschlossen, in der städtischen gewerblichen Fortbildungsschule den Pflichtbesuch wesentlich zu erweitern und den Tagesunterricht einzuführen. — Der Abbruch einer Scheuer und mehrerer Stallungen im Hofe der Wei Seligenstadt am Main veranlaßte die Reichslimeskommission, in dem freigewordenen Raume nochmals nach dem schon lange vergeblich gesuchten Limeskastell zu forschen. Die Untersuchungen scheinen insoweit von Erfolg begleitet zu sein, als es Hofrat Kofler gelungen ist, 1,50 Meter tief unter Bauschutt einen Spitzgraben von 2Z18 Meter Tiefe und 6 Meter Breite nachzuweisen, der in feinen Verhältnissen ben Gräben entspricht, bie bie Limeslastelle umschließen. haben biZ BZ ttltzen 1£* lÄtir «'S« • .^glich L ^VrStLd^ 1 «en 4 nimmt die verlor die Mei bis «etW Aadi. De begriffen, fernher L vier starbt nnkunaen und 9 F dortigen 1 letzt an tüa« e in Krnntch e die polnische 'n 129 Wohn. 'M - In der obere Lil hlojses mit Artige §euer. Brandstiftung gen eine- Mrige Hand- verriet seit vt glaubte sich darüber seine rt KonsektwnS. lizzen in einem z ins Maßlose, sandte sie voll Zeitschriften zu. iit Tank abge. andern gwßen ck einer zweiten h einer dritten Merkurs auch ihre Rundreise sich nicht mit dem Verfasser en Briese die her Grammatik 1 konnte diese Stoor üt der Welse, dKF Me EngDnder bo8 Terrain 5e- haupleu uni) die Amerikaner sich Kurückziehen. DaS Ganze wickelt sich in den Formen einer kcurfmärmrschen Vereinbarung p>&. Die Amerikaner haben, wie seinerzert berichtet wurde, in England eine Anzahl von Fabriken errichtet, die viel Geld verschlungen haben. Diese Fabriken brachten mm die Engländer käuflich an sich, indem sie mit großer Kulanz vorgingen, uni) in die Kaufsumme auch eine Ent- schadigungsvrämie aufnahmen, welche die Amerikaner für ihre Opfer schadlos halten soll. Dafür verpflichteten sich die Amerikaner, das englische Terrain gänzlich zu raumen. Das mächtige englische Tabaksyndikat nahm weiter aus sich, den Amerikanern außerhalb Englands beim Absätze ihrer Cigaretten gewisse Unterstützungen angedeihen zu lassen. Somit hat der Kampf der beiden Riesensyndikate mit dem Siege der Engländer geendet. Tas englische Syndikat erfreut sich nun ungestört eines Monopols. Aber eben darum ist eS sehr wahrscheinlich, daß nun die Konsumenten die Kriegskosten bezahlen werden. Von der Kapitalskraft des englischen TabaksyndikatS urag man sich ein annäherndes Bild machen, wenn man erfährt, daß es über die Summe von 260 Millionen Kronen verfügt. *Lehrerals Kellner. Die Lehrer in den Schweizer Schulen, schreibt der Genfer Korrespondent des „Daily Chro- nicle", werden zum teil so schlecht bezahlt, daß sie ihr mageres Einkommen durch Handarbeit verbessern müssen. Während der langen Sommerserien, die im Gebirge mehrere Monate dauern, werden die Lehrer in den Kantonen Wallis und Graubünden Buchhalter in Hotels, während weniger Glückliche sich mit Stellen als Kellner, Portiers oder Aussetzer in großen Geschäften begnügen. Da für diese Stellungen Englisch unerläßlich ist, breitet sich die Kenntnis dieser Sprache in allen alpinen Zentren aus. Andere haben ein gutes Einkommen dadurch, daß sie in den Serien und abends englischen Unterricht geben. Ein Lehrer im London Graubünden, der ein guter Alpinist ist, verdient alS Führer anständige Summen, ein anderer im Kanton Wallis ist Besitzer eines Hotels, das er selbst bewirtschaftet. T-ie Hotelindustrie beansprucht jedoch die Dienste der meisten ^hrer^^^^^^________ _ ©mrtjtsfflaL m, Gießer», 80. Sept. Strafkammer. Den Vorsitz führt Landgerichtsdirektor Dr. Güngerich, Die Staatsanwaltschaft wird durch Gerichtsassessor Dr. Hetzel vertreten. — Es stehen nur drei Sachen zur Verhandlung. Die Elise Zickelbach von Frankfurt a. M. hat sich dadurch gegen den § 286 des Nll-Str.-G.-B. vergangen, datz sie Galanteriewaren durch Würfelspiel ausspielte, ohne baß ihr hierzu die erforderliche obrigkeitliche Erlaubnis erteilt war. Sie wird deshalb in eine Geldstrafe von 5 Mk. verurteilt. — Der zu Mornshausen gebürtige Omnibuskutfcher Johannes Ho hat sich wegen fahrlässiger Körperverletzung, verübt unter Außerachtlassung der durch feinen Beruf geforderten besonderen Aufmerksamkeit, zu verantworten. Am 12. August ds. Js. fuhr der Angeklagte, der bei der Gießener Ommbusgesellschait in Dienst stand, mit feinem Omnibus von der Marburgerstraße her kommend über den Kirchenplatz nach dem Marktplatz. In der Marktstraße hatten die Taglöhner Seulmg unb Lenz, die mit dem Transport eines Herdes beschäftigt waren, mit einem Handkarren Aufstellung genommen, um das Passieren des Omnibusses abzuwarten. Der Angeklagte fuhr, obwohl gewarnt, in raschestem Tempo und stieß, obwohl er mit Leichtigkeit hätte ausweichen können, mü solcher Wucht auf den Handkarren der Arbeiter aus, daß der Karren bei- Wetter Oktober 741,9 743,8 744,7 N. NNE. NE. OOktbr. 2. . Regen Bew. Himmel Bed. Himmel 11.3® C. 8?ra Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. es § tx> Landwirtschaft. ech. Gießer», 30. Sept. Wie bereits in den letzten Jahren, wird auch in diesem eine nachträgliche Ausstellung der für die Berliner Gersten-Ausstellung angemeldeten Proben hessi- scherGersten am 6. Oktober in Frankfurt a. M. stattftnben, und zwar vormittags tm Fruchtmarkt der Börse und nachmittags im Klub für Landwirte. §§ Friedberg, 30. Sept. Die Kartoffelernte, welche durch die zahlreichen Einquartierungen etwas hinausgeschoben wurde, ist nun im vollsten Gang und fällt trotz des trockenen Jahres sehr gut aus, sowohl in Quantität, wie in Qualität. Faule gibt es fast keine gegen das Vorjahr. Die beste und ver- breiteste Sorte ist Magnum bonum; der Doppelzentner kostet vier Mark. Die Grummeternte fiel befriedigend aus, während man aus dem Kreis Gießen viel Silagen hörte. Auch die Her bst - futterpflanzen stehen gut. Dickwurz, Gemüsearten und Zuckerrüben versprechen gleichfalls gute Erträge. Die Schädlinge des Kohls — Kohlweißling — treten nur in verschwindender Anzahl auf. eh. Bletcheubach, 30. Sept. Der Herbstschweinemarkt war sehr reichlsch befahren, über 200 Stück Ferkel und ca 80 Stück Einlegschweme. Der Verkauf ging anfangs stockend, da die Verkäufer fest auf hohen Preisen bestanden. Gegen Ende des Marktes bequemten sich die Verkäufer zu niederen Preisen und jetzt wurde fast der ganze Auftrieb verkauft. 6-8 Wochen alte Ferkel erzielten pro Paar 86—38 Mk., Einlegschweine pro Stück im Alter von 4—6 Atonalen 60—65 Mk. In der Folge sollen die im Kalender verzeichneten Vieh- und Krämermärkte sämtlich au dem Marktplatz abgehallen werden, der deswegen eine Vergrößerung erfahren wird. eitt qrschlvus erl, veustna zu Boden geworfen und nicht unerheblich verletzt wurde. DaS Gericht war bet SDleinung, baß ber Angeklagte grob fahrlässig gehandelt habe und daß er bei Anwendung einiger Torgsall und Umsicht den Unfall hätte vermeiden können. Demgemäß verurteill es ihn zu einer Geldstrafe von 80 Mt. — Der Tapezierer Adolf Zimmermann von Lanaenschwalbach ist deS Betruges, verübt in strafrechllichem Rückfall, beschuldigt. Der wegen Betrugs unb Diebstahls wteberholl mit langjährigen Zuchthausstrafen vorbestrafte Angeklagte kam im Mai b. I. nach Bab- Nauheim, wo er sich in einem Gastbause einlogirte unb eine ziemlich beträchtliche Zeche machte, ohne daß er inbeffen im Besitze aus- reichenber Gelbmtttel sich befand. Den Wirt wußte er zubem burch alle möglichen Schwinbeleien über seine Zahlungsfähigkeit zu täuschen. Das Gericht versagte bem Angeklagten mit Rücksicht aus eine vielen Vorstrafen milbernbe Umstänbe und verurteilte ihn zu einem Jahr Zuchthaus, eine Geldstrafe von 150 Mk. und dreijähriglen Ehrverlust. Staatsanwaltschaft unb Angeklagter erkannten bas Urteil sofort als rechtskräftig an. Höchste Temperatur vom Nieorigste , , Das Beste ist immer das Billigste unb ganz besonders bei Toiletteseifen. Was nützt eine billige Seife, die nicht schäumt, keine Waschkraft besitzt, dabei schnell verschleißt und schließlich, weil voller Schärfen, auch noch die Haut angreift? Wer eine in jeder Beziehung tadellose Seife wünscht, der wird Bacheberle's Hygienische Priskalin-Seife wählen^ die in allen Apotheken, Drogerien, Parfümerien und besseren Fnseurgeschästen zum Preise von 50 Pfg. per Stück erhältlich ist. Priskalin-Seife ist das Ideal einer Schönheits- unb Toiletteseise. 5049 Eisenbahn Zeitung. Ulrichstein, 28. Sept. Vor Kurzem fand hier wieder einmal eine Eisenbahn-Versammlung statt. Der Vorsitzende, Kassenarzt Schmidt, führte an, daß das Komitee „'1)1 ü d e — Ulrich stein — Rixs eld" durch ein generelles Projekt die Aus- ührbarkeit seiner Strecke, sowie auch eine entsprechende Rentabilität nachgewiesen habe, im Gegensatz zu dem Komitee Groß-Felda; solange die Herren dort dies Opfer nicht bringen, bestehe überhaupt keine Aussicht, daß eine Bahn in den Vogelsberg hineinkomme. Es hängt also nur vom Komitee von Groß-Felda ab, wenn unsere Bahnwunsche endlich verwirklicht werden sollen. Schließlich wurde folgender Vorschlag zur Abstimmung gestellt: „Das Komitee Groß- Felda verpflichtet sich definitiv, bis längstens Ende dieses Jahres ein generelles Projekt behufs Verbindung mit unserem Projekt aus- arbeuen zu lassen und hierüber dem Lokal-Komitee Ulrichstein in längstens vier Wochen sicheren Bescheid über dje Inangriffnahme zuzusenden." Dieser Beschluß wurde einstimmig angenommen. I Hansel und Verkehr. Volkswirtschaft. — Die Aktiengesellschaft für chemische Industrie Rheinau- Mannheim in Konkurs. Bei Prüfung der Bücher neuerbingfl haben sich keine weitere, den verhafteten Direktor Böhm belastend« Momente mehr ergeben. Für die Spargelder der Arbeiter in Höhe von 7000 Mk. wurde die sofortige Auszahlung angeordnet. Auch bei ber Neuen Jmmobiliengesellschaft Rheinau, einer weiteren Gründung Böhms, die haiiptsöchlich die Grundstücke des Stengelhofs umfaßt, wurde alles intakt befunden. Für alle Fälle wird der Betrieb bei der Aktiengesellschaft für Chemische Industrie zunächst werrergeführl werden. Bezüglich der Terraingesellschaft Rheinau, G. m. b. H., an der die Regierung durch ein Hypothekbarlehen von 1 Mill. Mk. interessiert ist, verlautet, daß dieselbe nach einer Versicherung des Ministeriums in Karlsruhe nicht gefährdet fei. Wie aus Stuttgart geschrieben wirb, hat sich auch dort, wie in Berlin, ein Schutzkomitee gebildet für die Besitzer von Aktien und Obligationen der faüiten Gesellschaft. Mit der Interessenvertretung dieses- Komitees ist Elsas-Stuttgart betraut, der zurzeit in Mannheim weist. — Nunmehr macht auch die Mannheim-Rheinauer Transportgesellschaft das Ausscheiden Böhms aus ihrem AufsichtS- ratskollegiüm bekannt. Die Aktien der Chemischen Industrie sind an den Börsen gestrichen, diejenigen der Mannheim-Rheinauer Transportgesellschaft wurden mit 90 pCt., b. L um 2,5 pCt. unter bem letzten Kurs, notirt. — DaS Farbwerk WormS, Schifferdecker tt. Hei»», eröffnete mit bem 1. Oktober im Wormser Jnbustriegebiet am Rhein den Betrieb einer Fabrik von Erd-. Mineral- unb chemischen Farben, sowie von Farbmühlen eigenen Systems. 80. Sept, bis 30. , it; Dr.W.Knechts Magenbitter ?^..SÄNTIS‘ist der beste M der Welt. 9 6839 nur amerikanisches Petroleum 6707 führen. 6868 Ruppel zu Friedberg alsbald erbeten. 6827 Gabelsberger Slenographenverem StenographewGesellschaft Gabelsberger. Gießen. Damenkränzchen des G. S1.-V. Gießen. We Gießener SchiMkschWM Schloßgasse 5. Woltengasse 20. Fiesohtt schnell, gut und öillig Anfertigung nach Mas». Damen-Schnürstiefel Zu haben in den meisten Kolonialwaren-, Schuhwaren- unb Drogengeschäften. 4220 Peter lacht. Der Aufsichtsrat. Heyligenstädt. Die Schulleitung. Traber. nnser bestes, nnvermischtes Zeugnisse über die erforberliche Vorbilbung beizufügen. Gießen, am 24. September 1902. In dem Hofe der Kaserne Jeder Mann vor Arbeit schwitzt, Weil es dauert gar so lange. Bis die Stiefel sind gewichst; Nur der Peter lacht vor Freude, Denn ihm gehts leicht aus der Hand, Denn statt Wichse hat er heute Glanzfett Poll angewandt. Deutsch-Amerikanische Petroleum Gesellschaft. Herren-Hakenstiefel, Halbleber Mk. 8.50 brs 15.— Lerren-Zugstiefel, Kalbleber Mt. 8.50 bis 15.— Arbeiterschuhe Mk. 7.50 bis 10.— Ätzbach. Zöst- u. Gartenbau-Ausstellung veranstaltet vom Obst- unb Gartenbauverein für ben Kreis Wetzlar vom 4. bis 6* Oktober 1903 im Rathause iu Atzbach. Die Ausstellung ist geöffnet am Samstag dem 4. Oktober, von 2—6 Uhr nachmittags, am Sonntag dem 5. Oktober, von 11—6 Uhr, am Moutag dem 6. Oktober, von 9—6 Uhr. Eintritt ä Person 20 Pfg. Zu regem Besuche labet ein 6873 Die Ausstellungs-Kommission. Nebenstehendes Plakat kennzeichnet diejenigen Geschäfte, welche Mk. 7.50 bis 10.- Damen-Halb-Schnürstiefel Mk. 5.75 bis 8.- Darnen-Spangenschuhe Mt. 5.75 bis 7.— Obst - Versteigerung der Stadt Kietzen. Großh. Gewerbeschule Gießen. 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Unterrichtslokal: Kaufmännisches Vereinshaus. Honorar für Nichtmitglieber 6 All. b. FortbilduugSkursuS (für Mitglieber). Mittwoch abenbs von 8 bis 9 Uhr. — Beginn 8. HLtoSer. c. Debattenkursus (für Mitglieber). Mittwoch abenbs von 9 dis 10 Uhr. — Beginn 8. HLtoöer. Unterrichtslokal: Kaufmännisches Vereinshaus. Die Anmelbungen zu allen Kursen werben bet Beginn betreiben ober vorher in ber Wohnung bes Vorsitzenben entgegen genommen. 6826 Der Vorstand: E. Schissnie. StjirlN „ ‘ in yritö6erg. Sonntag den S. Oktober 1902, vormittags 11 Uhr beginnenb, findet in Friedberg im Hotel „Zu den drei Schwertern" der diesjährige Bezirkstag mit anschließendem gemeinsamen Mittagessen und Familienunterhaltung statt. — Unsere Mitglieder nebst ihren Damen und Freunden laben wir herzlich ein. Abfahrt 8,16 vorm. und 2,18 nachm. Anmeldungen zum Essen an Herrn Gerichtsschreiber den. Er griff machen. 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