Zweites Blatt Dienstag 2. September LNVS 152. Jahrgang Nr. 205 Urscheint täglich außer Sonntags. Dem GießenerAnzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siehener Familien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen Univers.-Buch- u.Stein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul st raße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 5L GletzenerAnzmerW w General-Anzeiger & “SST Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen __________________ zeigenteil: HanS Beck Air heutige Aummer umfaßt 8 Seiten. Uolitifche Tagesschau. Die Posener Kaisertage. Wie man aus Posen meldet, ist die Stadt reich geschmückt, obwohl die polnisch en Hausb esitz er sich nicht daran beteiligt baden. Die Umgegend des Doms ist ohne Flaggenschmuck. Die gesamte deutsche katholische Geistlichkeit nimmt am Empfang teil. Daß die Polen sich nach Kräften bemühen, im „Feuer" der bevorstehenden Kaisertage „ihr Eisen zu schmieden", kann nicht wunder nehmen. Aber es ruft Ueberraschung hervor, wenn man sieht, wie Leute mit kerndeutschem ilöamen darauf aus sind, die Geschichte der Polen zu besorgen. Die deutschfeindliche Agitation des Herrn Liedermann, des Herausgebers des polnischen Hauptblattes, ist nachgerade maßlos geworden. Ihm schließt sich würdig ein Herr Hoffmann an. Dessen Streben ist darauf gerichtet, für die Veranstaltung einer polnischen Gewerbe-Ausstellung in der Provinzialhauptstadt Posen Stimmung zu machen. Der Gedanke findet in polnischen Kreisen natürlich lebhafte Unterstützung, und es sollen dort bereits beträchtliche Summen für diesen Zweck gezeichnet sein. Herr Hoffmann wird es vermutlich in der Hauptsache darum zu thun sein, ein Geschäft dabei zu machen. Aber die Polen nutzen diese Anregung von deutscher Seite weidlich aus. Es ist zu beklagen, daß Deutsche ihren Landsleuten in den Rücken fallen. Die Krenzervorlage. Aus Berlin, 1. Sept., wird uns geschrieben: Durch die zum Winter hin erfolgte Kommandierung des bisherigen zweiten Admirals beim Kreuzergeschwader, Kontreadmirals v. Ahlefeld, als Flaggoffizier zum Reichsmarineamt ist die Frage der Verstärkung der Auslands-, flotte wieder in den Vordergrund gerückt. Soll es doch spezielle Ausgabe dieses Flaggoffiziers sein, das grundlegende Material für die Neuforderung von Kreuzern zu bearbeiten. In der Erklärung der „Nordd. Allg. Ztg." vom Juni d. I. hieß es, die Mittel für den Ausbau der Auslandsflotte würden voraussichtlich in der Session 1904- 1905 vom Reichstag verlangt werden. 9tach Andeutungen von gut unterrichteter Seite ist jedoch stark mit der Möglichkeit zu rechnen, daß die Einbringung der betreffenden Vorlage schon in der Session 1903/1904 erfolgt. Der neugewählte Reichstag würde also alsbald sein Votum über die Kreuzervorlage abzugeben haben. Für die Wahrscheinlichkeit des früheren Erscheinens der Vorlage spricht auch die bereits jetzt verfügte Berufung des genannten Flaggoffiziers ins Reichsmarineamt. In der Schwebe. Man schreibt uns ferner aus Berlin, 1. Sept.: Nachdem die festlichen Tage in Berlin verrauscht sind, tritt die innere Politik wieder in ihre Rechte. Man hört die Frage aufwerfen, ob bereits Schritte gethan seien, um eirffe Verständigung über die Zolltarifvorlage zwischen der Regierung und den Führern der Mehrheitsparteien anzubahnen? Es war ja wiederholt davon die Rede, daß dies während der Ferien der Zollkommission geschehen sollte. Aber es ist nichts geschehen, nirgends verlautet etwas von Besprechungen, obschon zumal in der vergangenen Woche leitende Persönlichkeiten der Parteien in Berlin geweilt haben. Ebensowenig scheint eine Verständigung in den Parteilagern über die Zollpolitik erfolgt zu sein; allenfalls, daß die parlamentarischen Vertreter des Zentrums auf dem Katholikentag vertrauliche Erörterungen gepflogen haben. Die ganze Sache ist in der Schwebe. Graf Bülow wartet noch immer, wie der Hase läuft. Der Volksfeind. Am 22. Oktober soll in Berlin, wie soeben gemeldet wird, das Internationale Zentral-Bureau zur Bekämpfung der Tuberkulose zu seiner ersten Tagung zusammen- treten. Der verstorbene Fürst Hohenlohe hat große Verdienste »nm Sie Bekämpfung dieser Krankheit, die alljährlich so ungeheure Opfer fordert. Wesentlich und erfolgreich sind ferne Bemühungen gewesen, eine gut funktionierende internationale Organisation zu schaffen und Mittel aufzubringen für die Begründung von Volksheilstätten. Insbesondere ist es von Bedeutung, daß die Behörden seit längerem thatkräftig mitwirken. Tie Plakate der Eisen- bahnverwaltungen mit dem Ersuchen, das ebenso gefährliche wie unästhetische Auswersen zu unterlassen, die amtlichen Veröffentlichungen in den Zcrtungen über das Wesen der Tuberkulose und die geeigneten Verhaltungsmaßregeln, die Herausgabe von kleinen, populär abgefaßten Schriften — freilich müßte von solchen Publikationen durch die Presse und durch Broschüren noch ein häufigerer Gebrauch gemacht werden —, die Belehrungen in den Schulen: das alles hat doch schon manchen dkutzen gestiftet. Sehr zweckmäßig ist auch, daß die Eisenbahnverwalrungen neuerdings die öftere Reinigung der Waggons anordnen, wobei übrigens namentlich die Fenstervorhänge zu berücksichtigen wären. Gelegenrlich der ersten Tagung des Internationalen Zentralbureaus findet „eine intime Aussprache über die schwebenden Fragen des Kampfes gegen die Tuberkulose" statt. Hoffentlich werden die Ergebnisse dieser intimen Aussprache alsbald der Oeffentlichkett zugänglich gemacht. Tie Tuberkulose ist der große, gemeinsame Feind, gegen dessen Abwehr jeder zu seinem Teil berufen ist. Wo sind die Herde der Tuberkulose? Viel ist scyon damit gewonnen, je klarer das erkannt rvird. Beispielsweise wird nach Mserer Meinung tauin beachtet, daß ein so kolossal verbreitetes Genußmittel wie die Cigarre unter Umständen eine Gefahr der Tuberkulose-Verbreitung dar- stellt, und zwar durch die Unsitte der Cigarrenarbeiter, den Speichel bei der Herstellung der Cigarre zur Hilfe zu nehmen. In achtsam beaufsichtigten Betrieben wird ja wohl ein solcher Bequemlichkeitsbrauch möglichst verhütet werden. Aber ob das überall -geschieht, steht do'ch nicht so ohne weiteres fest. Es muß nachdrücklich darauf aufmerksam gemacht werden, wie bedenklich in hygienischer Hinsicht, abgesehen von allem anderen, etn solcher Arbeitsbruch ist. Und weiter: Man wird die Tuberkuloje nicht mitEnergie bekämpfen können, wenn man nicht eine der Hauptursachen der Tuberkulose beseittgt, das Wohnen in ungesunden, überfüllten, schlecht ventilierten und belichteten Räumen. Man kommt nicht herum um die Forderung eines Reichs-Wost- nungsgesetzes, das Normal-Bestimmuiigen enthält, für das unser neues hessisches Wohnungsgesetz eine in vieler Beziehung höchst wertvolle Vorstufe bildet. Wir erwarten, daß die erste Tagung des Internationalen Zentralbureaus zur Betämpsung ver Tuberkulose mit aller Nachdrücklichkeit die Forderung des Reichswohnungsgesetzes zur Geltung bringt. In jeder Schrift wijsenscyastlicher Autoritäten, die sich nut der Tuberkulose veschäftigt, ist die Wichtigkeit der Wohnungsbeschaffenheit dargelegt. Daraus sollte der entsprechende praklijche Schluß gezogen werden. Deutsches Keich. Berlin, 1. oept Vom Neuen Palais bei Potsdam wird gemeldet: Heute morgen unternahmen der Kaiser und die Kaiserin einen Spazierritt nach dem Nedlitzer Holz und dem Ruinenberg. Zur Mittagstafel war der Kronprinz geladen. Sonst waren keine Einladungen ergangen- Zur Abendtafel waren anwesend der Kronprinz, Prinz Eitel Friedrich und der Reichskanzler Graf von Bülow. — Aus Anlaß der Anwesenheit des Königs von Italien ist dem Polizeipräsidenten von Wind heim das Großoffizierkreuz nut dem Stern des Ordens der italienischen Krone, dem Oberregierungsrat Dr. v. Stein- meister das Kommandeurkreuz desselben Ordens, dem Regierungsrat Dr. Bae recke das Osfizierkreuz des St. Mauritius- und Lazarusordens, dem stellvertretenden Vorsteher des Zentralbureaus, Polizeifekretär Atzrolt, und dem Vorsteher des 37. Polizeireviers, Polizeileutnant Förster, das Ritterkreuz des Ordens der italienischen Krone verliehen. — Während der Anwesenheit des Königs von Italien legte der Kaiser dem Könige zur Ausführung bestimmte Entwürfe für das Goethe-Denkmal in Rom vor. Die Entwürfe fanden die volle Billigung des Königs. — Zu Schiedsrichtern bei den Kaiser-Ma- növern wurde, wie aus Hannover telegraphiert wird, Gras Waldersee und General v. Mitzlafs, der Chef des Militär-Reitinstituts in Hannover, ernannt. — Gegen den Redakteur des hiesigen Polenblattes, Wrobel, ist Anklage wegen Aufreizung der polni- s ch e n B e v ö l k e r u n g zu Gewaltthätigkeiten erhoben worden. Die Strafthat solt wegen Verbreitung des kürzlich beschlagnahmten Lokal-Liederbuches begangen worden jein. — Ein allgemeiner deutscher Handwerks- und Gewerbekammertag ist für den 25. bis 27. September nach Leipzig einberufen worden. Die Tagesordnung umfaßt allgemein wichtige Punkte, z. B. Regelung des Submissionswesens, die Alters- und Jnvaliden-Versiche- rung der selbständigen Handwerker, die Gutachten über den Befähigungs-Nachweis für die Baugewerbe- Mittel zur Förderung der Handwerks-Fachschulen, Einführung der Arbeiter-Pensionierung usw. — Wie aus Mannheim telegraphiert wird, fand dort gestern eine von 3000 Personen besuchte sozialistische Volksversammlung als Gegendemonstration gegen den Katholikentag statt. — Der hiejige Korrespondent des „Daily Telegraph" meldet, es sei ihm bestätigt worden, daß Italien die von ihm gewünschten Konzessionen für feinen Handelsvertrag mit Deutschland erlangt habe. Man bemerkt hierzu, daß diese Nachricht, zum mindesten verfrüht ist. Dagegen sei selbstverständlich, daß die künftigen Handelsvertragsverhandlungen zwischen Deutschland und Italien durchaus im Geiste freundschaftlichen Einvernehmens geführt werden. Köln, 1. Sept. Der Großherzog von Hessen traf heuet morgen mit dem Schnellzuge 5.28, von Darmstadt kommend, auf dem Hauptbahnyofe ein und fuhr mit dem Schnellzuge 8.15 nach Villa Hügel weiter. Br es tau, 1. Sept. Tie sozialdemokratische Partei beging gestern den Gedenttag von Ferdinand Lassalle. Sein Grab auf dem jüdischen Friedhose war mit Kränzen, welche rote Schleifen trugen, übersät. Am Nachmittag sand eine große Feier statt, bei der Eduard Bernstein die Festrede hielt. — Heute reiften 105 Schutzleute und 10 berittene Wachtmeister zur Verstärkung des Sicherheitsdienstes während der K a i s e r t a g e nach P o , e n ab. Stuttgart, 1. Sept. Unter allgemeiner Beteiligung wurde am Samstag und Sonntag in Langenburg der 70 Geburtstag des Fürsten Hermann zu H o h e n l o h e - Langenburg, des Statthalters von Elsaß-Lothringen, gefeiert. Außer einem Festmahl und einem Fackelzuge war ein großes Preisschießen veranstaltet, dem der Fürst mit seinen Angehörigen beiwohnte. Zur Feier war auch der Erbprinz Ernst, Regent von Coburg-Gotha, erschienen. Ter Fürst überwies zur Erinnerung an das Fest dem Kirchenbaufonds. in Langenburg ein .Ehrengeschenk von 10 000 Mark. Der Kaiser hat den Fürsten in einem sehr herzlichen Telegramme beglückwünscht. München, 1. Sept. Prinz Ludwig ist heute abend nach Berlin abgereist. Düsseldorf, 1. Sept. Auf dem Bezirkstage des Vereins für Handlungseommis von 1858 wurden vor einem großen Publikum Vorträge gehalten über: „Obligatorische Fortbildungsschulen"; „Pensions- Versicherung der Beamten"; „Staats- und Selbsthllfe" und „Stellenlosen-Vermittlung". Am Nachmittag fand ein Festessen mit Damen in der städtischen Tonhalle statt. Bei dieser Gelegenheit wurde beschlossen, ein Ergebenheitstelegramm an den Kaiser abzuschicken. Später fand eine Besichtigung der Ausstellung statt. Der Montag war einem Ausftuge zum Siebengebirge gewidmet. Ausland. London, 1. Sept. Nach einer Meldung der „Birmingham Post" werden Deutschland wahrscheinlich bald eine sehr wichtige Konzession für Eisenbahn-und Hafenanlagen in Palästina gegeben werden. Ter deutsche Botschafter in Konstantinopel unterstützt die Sache sehr; es handle sich jetzt nur nock) darum, wie viel Jahre die Konzession gilttg fein soll. Namur, 1. Sept. Der gestern abgehaltene Kongreß der belgischen Schullehrer forderte sämtliche Mitglieder auf, mit allen Kräften bei der Regierung dahin zu wirken, den allgemeinen Schulzwang in Belgien einzuführen. Ter Kongreß drückte die Hoffnung aus, die Regierung werde diesem Wunsche baldigst Nachkommen. Paris, 1. Sept. „Libre Parole" versichert, daß zwischen dem Ma r in e m inift e r Pellet an und dem Kriegsminister Andre ein Tuell stattzufinden drohte, jedoch durch das Tazwischentreten des Presidenten Loubet vereitelt worden ist. — Ter bisherige Botschafter in Berlin Marquis de No a i l l e s erhielt das Großkreuz der Ehrenlegion. Zu Botschaftern sind ernannt: für Berlin Bihou r d , für Pern Raindre, Petersburg Bompard, Madrid Jules Cambon, für Washington Jusserand. B r e st, 1. Sept. Gestern fand eine große Versammlung der bretonischen Freidenker statt, in welcher gegen die Verfügungen der Regier u.ng oetr. ote Schließung der O r d e n s s ch u l e n protestiert wurde. B o u r g o i n, 1. Sept. Bei dem Festmahl nach der Enthüllung des Kriegerdenkmals sagte Kriegs Minister Andre in einer Rede: Ich werde einen Trink sprach auf den französischen Arbeiter ausbringen; im Namen der republikanischen Natton kann ich Ihnen sagen, daß fein Mitglied des Kabinetts die Verantwortung für das gemeinsam unternommene Werk fürchtet. Tie Regierung ist entschlossen, den Arbeiter einer Erziehung zu entreiß e n, die feine geistigeundmaterielleFrei- heitnurschädigen kann. Eine Erziehung muß rein weltlich sein, wenn das Werk der Republik nicht geschädigt werden soll. Tie ersten Schritte in dieser Richtung haben meine Freunde, Millerand durch Regelung des Rechtes auf Ausstand und Waldeck-Rousseau durch das Vereinsgesetz, unternommen. Wien, 1. Sept. Ter Abg. Wolf soll die „Ostd. R u n d s ch a u" an die deutsche Votkspartei verkauft haben und beabsichtigen, nach Deutschland überzusiedeln. — Gegenüber anders lautenden Meldungen konstatiert das „Fremdenbl.", daß der ö st e r r e i ch i s ch e Botschafter in Berlin lediglich mit Rücksicht auf den Todesfall im österreichischen Kaiserhaufe der Galavorstellungim O p e r n h a u s e i n B e r l i n bei Anwesenheit des Königs von Italien nicht beigewohnt habe. Budapest, 1. Sept. Ter Ministerialerlaß, wonach die Stadt Kronstadt in Siebenbürgen nunmehr offiziell Bras so heißen solle, wurde in der Krorr- städter Stadtvertretung mit Widerspruch ausgenommen Professor Lasset betonte, die Zurkenntnisnahme des Erlasses erfolge unter tiefstem Bedauer n. Der Vorsitzende bemerkte, im Privatverkehr könne auch ferner der Name Kronstadt unbehindert gebraucht werden. Aus Stadt und Land. Gießen, den 2. September 1902. " Hofnachrichten. Der Großherzog beabsichtigt am Mittwoch, 3. d. Mts., früh wieder nach Darmstadt zurückzukehren. A. Zur Feier des 50jährigen Jubiläums der Universität Sidney wird vom Rektor und Senat der Lan- desunioersität ein Glückwunschschreiben abgehen. Rektor und Senat der Universität Marburg haben eine tabula gratu- latoria nach Sidney gesandt. ** Der Gesetzentwurf über Denkmalspflege im Großherzogtum Hessen, den die Regierung dem Landtag in letzter Session unterbreitet hatte, ist nunmehr Gesetz geworden. Anfangs von der Zweiten Kammer wesentlich nach der Vorlage angenommen, wurde der Entwurf von der Ersten Kammer mehrfachen Aenderungen d. h. Erweiterungen unterzogen, denen jetzt, nachdem die Regierung sich einverstanden erklätt hat, auch die Zweite Kammer zugestimmt hat. Das neue Gesetz tritt mit dem 1. Oktober in Kraft. Als beratende sachverständige Instanz setzt es dem Minister einen Denkmal s r a t an die Seite, dem je ein Vertreter der evangelischen und der katholischen Kirche, zwei im Lande wohnhafte Baudenkmalsbesitzer und mindestens zwei Mitglieder von hessischen Geschichts- und Altertumsvereinen angehören werden. Dem Denkmalsrat wird es auch obliegen, die Pfleger nach einheitlichen Gesichtspunkten im Sinn dieses Gesetzes zu instruieren. Sehr zu billigen ist, daß im Abschnitt über die Naturdenkmäler das Anbringen von Aufschriften, Reklameschildern usw. an amtlich geschützten Naturdenkmälern verboten wird. Wie das Programm für einen bevorstehenden Düsseldorfer „Tag für Denkmalspflege* ergiebt, wird dort über die hessische Denkmalschutz-Gesetzgebung non berufener Seite referiert werden. ** In der Arbeiter-Kolonie Neu-Ulrichstein befanden sich Ende August 35 Mann. )( Klein-Linden, 1. Sept. Ein heißblütiger Italiener begann mit einem hiesigen Wirt am 1. Kirmestag Streit und riß dabei dem letzteren Uhr samt Kette ab, ohne daß es derselbe gleich merkte. Der Junge sagte es seinem Vater, der den Italiener zur Herausgabe aufforderte. Dieser zog jedoch einen Dolch und drang auf den Wirt ein. Hinzukommende Leute holten einen Gensdarmen herbei, der den Italiener nach Gießen abführte. r. Grün berg, 1. Sept. Nächsten Mittwoch, den 3. d. Mts., findet in dem Gasthaus „zur Pinn" (Gg. Von-Eiff) in Grünberg eine große öffentliche Wahlversammlung der Wähler des Bezirks statt, um einen für den Wahl- >reis geeigneten Kandidaten zur Landtagswah aufzustellen. Die antisemitische Partei hat am letzten Sonntage den Redakteur Hirschel aus Offenbach zu ihrem Kandidaten offiziell bestimmt. 8v. Geilshausen, 31. Aug. Heute nachmittag fand hier die Versammlung der Vertrauensmänner der antisemitischen Partei für den Landtagswahlbezir! Grünberg-Land statt, in welcher Redakteur Hirsche aus Offenbach offiziell als Kandidat dieser Partei proklamiert wurde. Trotzdem der Abgeordnete Köhler und Redakteur Hirschel durch Cirkulare die Parteifreunde in allen Orten des Bezirks eingeladen hatten, waren doch nur die wenigsten Orte durch Wähler vertreten. Anwesend waren ca. 30 Personen, worunter nur zwei Bürgermeister von auswärts. Die Hälfte der Erschienenen waren Einheimische, der Rest von den nächsten Orten der Umgebung. Abgeordneter Köhler stellte den Redakteur Hirschel vor und erteilte ihm das Wort. In einer Rede erläuterte nun Hirschel die Partei- gruppicrung des letzten Landtags. k. Friedberg, 1. Sept. Gestern wurde hier, wie alljährlich, das Sedanfest verbunden mit Jugend fest abgehalten. Der Festzug bewegte sich vom Mainzer Thor durch die mit Fahnen, Guirlanden und Tannengrün prächtig geschmückte Kaiserstraße nach dem Festplatz. Hier hielt Bürgermeister Sandmann die Festrede, in der er die Ereignisse von 1870/71 und ganz besonders die Tage von Sedan besprach. Hiernach begaben sich die einzelnen Schulklassen mit den Lehrern an ihre Spielplätze, um sich bei Jugendspielen und Volksmettübung mit Preisverteilung zu belustigen. Abends am 7 Uhr ging es wieder heim in die Stadt, wo sich der Zug auflöste und das Fest sein Ende erreichte. Darmstadt, 1. Sept. Die Einladungen für die Enthüllungsfeier des Alice-Denkmals am 12. September kommen eben zur Versendung. Die Feier findet, wie die „N. H. V" schreiben, um 4 Uhr nachmittags statt. Nach der Einweihung findet im kleinen Saale des Saalbaues gesellige Vereinigung der Eingeladenen statt und man hofft, daß auch der Großherzog derselben beiwohnen werde. Wald-Michelbach, 1. Sept. Die Jagd hat begonnen, und es ist deshalb kein Wunder, wenn jetzt allerlei merkwürdige Dinge passieren, von denen sich ein gewöhnlicher Sterblicher nichts träumen läßt. Erst kürzlich berichteten wir über ein höchst seltsames Vorkommnis aus Hungen. Ein junger, feister Rehbock hatte dort mehrere, allerdings etwas eilige Visiten gemacht. Diese Notiz hat einen Berichterstatter der „Neuen Hess. Vksbl." nicht schlafen (affen. In Wald-Michelbach entdeckte er eine ziemlich ' ominöse Sache, die er seinem Blatte umgehendst sandte. Wir haben keinen Zweifel, daß die Geschichte wahr ist und geben sie deshalb hier wieder: „In der Nacht zum 30. August war cs in der Küche des Schreinermeisters M. Röth dahier unheimlich geworden, indem fortwährend ein sonderbares Geplätscher hörbar war. Schließlich gab es ein starkes Gepolter, sodaß die Frau ihren Mann, der noch in der Werkstätte arbeitete, zu Hilfe rief. Dieser entdeckte alsbald in der Küche eine feiste Forelle auf dem Boden herumschnellend. Das erwachsene Mädchen hatte im Bache unten am Abend Wasser geholt und ohne Zweifel die Forelle unbewußt geschöpft. DemTiercwar cs aber im Wasscreimcr zu enge geworden, weshalb es demselben entsprungen war." . . . Mainz, 1. Sept. Der bekannte Zentrums-Abg. für Mainz-Oppenheim, Schmitt, schreibt: „Die jetzige Fleischte uerung bedauere auch ich lebhaft und bekämpfe sie, wo und wie ich nur kann, weil ich der Ucberzeugung bin, daß sie hauptsächlich durch unnötige strenge Maßnahmen der Negierung künstlich -herbeigeführt ist und die Lebenshaltung besonders des wirtschaftlich schwächsten Teiles der Konsumenten ohne stichhaltigen Grund ungerechtfertigt belastet." Mainz, 1. Sept. Vom 1. September ab werden auf der Mainzer Stadtkaffe die ausgelosten Schuldverschreibungen des 3>/zprozcntigcn Darlehens Lit. L. ausbezahlt, und zwar: Nr. 13, 114, 150, 238, 387, 505, 650, 653, 676, 1208, 1332, 1414 und 1443 über je 200 Mark; Nr. 1560, 1733, 1948, 1986, 2070, 2086, 2262, 2287, 2556, 2757, 2791, .2800, 2908, 3139, 3272, 3422, 3526, 3604 und 3747 über je 500 Mk.; Nr. 4006, 4090, 4128, 4276, 4497, 4505, 4810, 5163, 5273, 5279 und 5367 über je 1000^ Mk. Die ausgelosten Schuldverschreibungen werden von Ende September nicht mehr verzinst, sodaß es geboten erscheint, die Beträge derselben zu erheben. — Heute wurde der Fernsprechverkehr mit Paris und Belfort vLöffnet. Das Gespräch von 3 Minuten kostet 3 Mk. — In der Versammlung der hiesigen Schwcinemetzger, in welcher der Wurst- und (vleischaufschlag beschlossen worden ist, wurde ferner beschlossen, daß feine Wurststücke mehr zu 10 P fg., sondern nur noch solche von 12 Pf. abgegeben werden sollen. Alle Metzger scheinen diesem Beschlüsse nicht willig gefolgt zu sein. Schon jetzt gicbt ein Schwcinemetzger im Zentrum der Stadt bereits seinen Kunden wieder wie seither für 10 Pfg. Wurst ab. Daß diesem Beispiele bald andere Metzger folgen werden, ist angesichts der Konkurrenz vorauszusehcn. Frankfurt a. M., 1. Septbr. Die „Franks. Ztg." meldet, daß der Magistrat in Berlin angefragt hat, wie er sich beim Besuche des Königs von Italien zu verhalten habe. Die Antwort lautete dahin, daß die Festtichkeit rein militärisch sei. Oberbürgermeister Adickes wohnte deshalb der Veranstaltung im Hotel Imperial nur als Gast des Offizierkorps bei. Ter König war von seinem Empfang hier so entzückt, daß er seine Adjutanten beauftragte, eine Menge Ansichtskarten von Frankfurt zu k aus en. Die Adjutanten entnahmen den Ständen des Hauptbahnhofs 160 Stück verschiedener Art. Kassel, 1. September. Der mit sechs Kohlentanks beladene Frühzug der elektrischen Thalbahn stürzte heute an einer abschüssigen Stelle vom Bahndamm herab und zertrümmerte ein gerade vorüberfahrendes Fuhrwerk. Der Lenker desselben erlitt schwere Verletzungen, der Zugführer ist leicht verletzt. Vermischtes. * Berlin, 1. Sept. Heute wurde eine aus Ostpreußen stammende Masseuse, die in der Friedrichstraße logierte, unter dem Verdacht des Mädchenhandels und der Kuppelei v erb ast et. Tie Verhaftung erfolgte nach längerer Beobachtung durch die Kriminalpolizei. * Danzig, 1. Sept- Gestern nachmittag unternahmen in Zoppot drei junge Arbeiter in angeheitertem Zustande eine Bootfahrt. Etwa 150 Meter vom Strande schlug das Boot um. Von mehreren in Booten zur Rettung hinzugeeilten Fischern wurden zwei Mann gerettet, der dritte ist ertrunken. * Beuthen, 1. Sept. Bei einer Messerstecherei in einem hiesigen Gasthaufe wurden einem Italiener so schwere Wunden beigebracht, daß er auf dem Transport nach dem Krankenhause verstarb. * Augsburg, 1. Sept. Tie „Augsb. N. N." melden aus Friedberg: Als heute morgen eine Abteilung des 9. bayerischen Feldartillerie-Regiments die hiesige Bergstraße hinab fuhr, siel ein Proviantwagen um. Tab ei wurden zwei Soldaten verletzt und zwei A r b e i t s- pserde getötet. Cherbourg, 1. Sept. Heute vormittag ereignete sich an Bord des Unter seebotes „Francais" eine Ex- plosion durch Gas, das der Accumulatoreu-Batterre entströmte. Ein Mann hatte am Samstag vergessen, nach Auswecyselung der Accumulatoren die Batterie zu lüften. Ein Mann wurde an Gesicht und Händen erheblich verletzt. * Ein lebensmüder Familienvater. Die „Fr. Ztg." meldet: Ter Stationsvorsteher des lothringischen Städtchens Fentsch verübte Selbstmord, indem er sich vor den Augen seiner Frau und seiner sechs Kinder die Kehle durchschnitt. * Eine Zugentgleisung in Amerika. Auf der Southern-Eisenbahn bei Berry (Alabama) ist ein Zug entgleist. Der Zugführer und etwa 25 farbige Passagiere wurden getötet, der Lokomotivführer und Heizer schwer verbrüht, etwa 25 Passagiere verletzt. * Unwetter. Nach einem Telegramm aus Port Elisabeth (Kapstadt) hält dort stürmisches Wetter an. Das Telegramm meldet ferner, daß siebzehn Segelschiffe und mehrere Leichterschiffe gesunken sind. Viele Menschen sollen ihrLeben eingebüßt haben. — In der Nähe von Aerides im nordameritanifchen Staate Minnesota wurde ein Zug der Chicago North Western-Bahn von einem heftigen Cyclon überrascht. Der Zug, der mit einer Geschwindigkeit von 35 Meilen fuhr, wurde von den Schienen gerissen und stürzte einen zehn Fuß tiefen Abgrund hinunter, wobei die Wagen in Brand gerieten. Bisher wurden drei Leichen aus den Trümmern hervorgezogen. Etwa 20 Personen erlitten schwere Verletzungen. * Ein starker Ausbruch des Mont Pclee. Ein Telegramm aus Port Castries vom 1. d. M. meldet: Ter englische Dampfer „Corona" traf gestern abend aus Fort de France ein. Er berichtet, daß Samstag abend ein überaus starker Ausbruch des Mont Pelöe erfolgt fei. Leute, die aus dem Norden von Fort de France angekommen seien, hätten berichtet, daß das Torf Mornerouge völlig zerstört worden sei. Das Dorf Lecarbet fei durch eine große Flut wie toeggefegt. Ungefähr 200 Menschen hätten hierbei ihr Leben eingebüßt. * Feuer. Das von deutschen Kolonisten bewohnte Dorf Taganowska an der Station Barisenkowo der Kursk-Charkow-Sebastopol-Bahn ist total uieder- gebrannt. Der Schaden ist kolossal, da außer allem Mabiliar und Inventar auch die ganze Ernte verbrannte. Die Kolonisten befinden sich in einer verzweifelten Lage. Die Ursache des Brandes ist noch nicht festgestellt. * * Gin Bombenattentat aus Rache. Tas bereits gemeldete Bombenattentat, das Samstag Nachmittag in der Eisenbahnstation Selzthal in Obersteier- mark auf den Kohlenwerkbesitzer Max Ritter v. Gutmann verübt wurde, stellt sich als ein Racheakt dar. Tcr bei dem Attentat verwundete Oberförster ist, nachdem ihm kurz zuvor ein Bein und eine Hand abgenommen worden waren, gestorben. — Um halb 2 Uhr nachmittags war der Schnellzug in die Station Selzchal eingefallen. Tr. v. Gutmann entstieg dem Zuge und ging mit seinem Oberförster Sobotka zum bereitstehenden Wagen, um auf fein Gut Strechen bcr Rottenmann zu fahren. Einen Augenblick hielt er sich in der Veranda der Bahnhofrestauration auf. In dem Momente, als er aus dem Bahnhofgebäude auf die Straße trat, schleuderte ein etwa 50jähriger Mann eine Bombe auf die Straße. Tie Wirkung war furchtbar, die Detonation wetthin hörbar. 50 bis 60 Fensterscheiben fielen klirrend zur Erde. Ter Oberförster wurde zehn Meter weit geschleudert und wand sich im Sch merzeausdemBoden;den Attentäter warf die offenbar zu früh explodierte Bombe in das Bahnhofsgebäude zurück. Tie Eingeweide hingen ihm aus dem aufgeriffenen Leibe, Herz und Lunge lagen auf dem Boden; nur fein Kopf war unversehrt. Tr. v. Gutmann kam mit einer leichten Verwundung davon; ein Eifenstück war ihm in den Rücken gedrungen, das der Arzt entfernen konnte. Hingegen war der Oberförster chrecklich zugerichtet, ein Fuß war zerschmettert und der Rücken zerfleischt. Nach einer in der zum Teil verbrannten Kleidung des Attentäters aufgefundenen Stampiglie dürfte die Identität festgestellt fein. Sie lautet auf den Namen „Hugo Scholz, behördlich autorisierter Bau-Ingenieur, Zivilgeometer itvid Baumeister." Er war schon am Vorabende nach Selzthal gekommen, und hatte im Hotel übernachtet. Ten ganzen Tag trieb er sich auf dem Bahnhofe herum, ohne Aufsehen zu erregen. Als Herr v. Gutmann mit dem Schnellzuge ankam, fragte Scholz den Bahnarbeiter Bergmann, ob dies Gutmann sei, nras,der Arbeiter beüätigte. Darauf sagte Scholz: „Ein schöner Derr!" Ebnen Augenblick darauf erfolgte die Tetonation, die so heftig war, daß sogar das in ziemlicher Entfernung stehende Bahnerhal- tungsgebäude Spuren der Verheerung auf wies. Die Bombe hatte etwa 10 Zentimeter im Durchmesser und 22 Zentimeter in der Höhe und war mit unzähligen Bleikugeln im Turchmesfer von beiläufig 1 Zentimeter gefüllt. Herr v. Gutmann wurde nach seinem Gute Strechen übergeführt. Tie Leiche des Mörders wurde ins Feuerlöfchdepot der Bahn gebracht. Bergrat v. Gutmann ist als Chef des WelthauseS einer der hervorragendsten Industriellen in Oesterreich und, in der Wiener Gesellschaft bekannt. Er wird als eine sympathische Persönlichkeit von überaus bescheidenen Benehmen geschildert. Herr v. Gutmann ist 44 Jahre alt und seit 1896 mit einer Tochter des Hofschauspielers Harttnann vermählt Ter Attentäter wird für wahnsinnig gehalten. Tie Firma Gutmann entließ ihn als unbrauchbar vor zwanzig Jahren, bezahlte ihm aber seither eine kleine Pension. Die Chefs der Firma kannten ihn nicht. In allen Kohlengruben, wo er seither beschäftigt war, wurde er nach vorhergehenden Streitigkeiten entlassen. Unter den Papieren des Attentäters wurden zahlreiche anarchistische Schriften ge-. fanden. * Der Frau gebührt des Denkmal. Die fron* zofische Frauenzeitung „La Fronde" giebt ihrer tiefen Empörung darüber Ausdruck, daß in Frankreich die Absicht besteht, einem französischen Kanadier, der 31 lebende N in der hat, eine Statue zu errichten, um seine Dbit- bürger anzufeuern, es ihm gleichzuthen. Tie „Fronde^ hat nichts gegen die Verherrlichung der zahlreichen Nach- kommenfchaft, sie protestiert nur dagegen, daß sie dem Pater familias und nicht der Mater familias zu teil wird und verlangt kategorisch, daß der Mutter der 31 Kinder das Standbild errichtet werde, da, wenn von Heroismus in dieser Sache die Rede sein könne, er doch /ebenfalls auf Seite der Mutter zu suchen fei. * Versteht der König von Italien deutsch? Bei feinem Einzug in Berlin soll König Vittor Emanuel bekanntlich auf die Ansprache des Oberbürgermeisters erwidert haben, daß er des Deutschen nicht mächtig fei Wir können, so schreibt jetzt dem „B. T-" ein Mitarbeiter, auf das Bestimmteste versichern, daß der König früher die deutsche Sprache ganz fertig und fließend gesprochen hat. Auf feiner großen Reise, die ihn bis nach Persien führte, tarn der damalige Prinz von Neapel im Sommer 1890 auch nach Kadabeg in Transkaukasien, dem größten Kupferbergwerk Rußlands, den Brüdern Siemens gehört. Zwei volle Tage widmete er der Besichtigung des Bergwerkes und Hüttenbetriebes. Unter anderem sah er hier auch die von Dr. Belck, dem späteren Armenienforscher, angelegte elektrolytische Kupferraffinerie Kalakent. Tr. Belck fragte den italienischen Kronprinzen sogleich, ob er deutsch verstände; anderenfalls würde er die Erläuterungen in französischer Sprache geben. „Nein, bitte, sprechen Sie nur deutsch", erklärte der Prinz. Und das geschah denn auch. Ter Thronfolger lauschte mit größtem Interesse den technischen Auseinandersetzungen, die doch weit schwerer zu verstehen sind als leichte Konversation oder eine festliche Anrede. So wurde die ganze, halbstündige Unterhaltung in deutscher Sprache geführt, und nur einober zweimal mußte Di. Belck einen besonders schwierigen technischen Ausdruck ins Französische übersetzen. Es ist daher falsch, wenn angesichts der jetzigen Bemerkung des Königs, er sei des Deutschen nicht mächttg, angenommen wird, Viktor Emanuel verstände überhaupt fein Deutsch. Der König hat mit feiner Aeußerung jedenfalls nur sagen wollen, daß er die deutsche Sprache nicht in dem Maße beherrsche, um die Ansprache des Oberbürgermeisters deutsch beantworten zu können. , > > —" «i-------------- i Universitäts-Nachrichten. Berlin, 1. Sept, lieber das Befinden des Prof. Virchow erfahren wir, daß ziemlicher Schwächezustand herrscht. Durch die Reise von Harzburg nach Berlin verschlechterte sich der Zustand nicht, er ist vielmehr augenblicklich besser als vor acht Tagen. — Oberstabsarzt a. D. P a n n w i tz, Generalsekretär beS deutschen Centralkomitees znr Errichtung von Heilstätten für Lungenkranke ist zum Professor ernannt worden. München, 1. Sept. Wie aus Prof. Hertling nahestehenden Kreisen bestimmt versichert wird, hat die Reichsregierung die Hauptbedingung der römischen Kurie zur ErrichMng einer katholis ch e n Fakultät in Straßburg, wonach dem jeweiligen Bischof von Straßburg das Vorschlags- und Absetzungsrecht der Professoren dieser Fakultät zusteht, endgültig angenommen. (Tie Bestätigung dieser Meldung muß abgewartet werden. D. Red.) —— ~ ‘ ■■ ■■ ■■"L ■ ■ =&. Sport. — Deutscher und Oesterreichischer Alpeuvcretu. Das Festprogramm für die Generalversammlung zu Wiesbaden ist erschienen. — Die Sektionen Frankfurt a. M. und Main» haben für die von ihnen geleiteten Ausflüge eigene, ausführliche Programme ausgegeben. Der erstere führt die Festgäste am_8. September nach dem östlichen Tannus: Königstein, der Große Feldberg mit Frühstück in den Feldberghäusern, Besichtigung der Saalburg unter Führung des Baurats L Jacobi, Bad Homburg mit Essen im Kurhaus, Abendkonzert, Feuerwerk und Illumination im Kurgarten daselbst bezeichnen die einzelnen Abschnitte des voraussichtlich äußerst genußreichen Tages. Nach dem Nahelhal und Bad Kreuznach richtet sich die Tour, für die die Sektion Mainz die Führung übernommen hat. Sie findet am 9. September statt. Auch die weiteren drei Touren: nach der Bergstraße (Sektion Tarmftabt), in die Pfalzdcrge (Sektionen: »Pfalz" in Ludwigs- Hafen und Neustadt a. Haardt), endlich ins Rhöngebirge (Sektion Fulda) werden großem Interesse begegnen und auf rege Teilnahme zu rechnen haben. — Die „Deutsche Alpen- Zeitung" (Verlag von Gustav Lammers in München) hat eine Festschrift (Heft 11) erscheinen lassen. In der ^ilvreitagruppe, das Gebiet der Wiesbadener Hütte, führt unS der Aufsatz „Vom Piz Buin und seinem Hofstaate" von Tr. K. Blodig, Bregenz. Dr. G. Ampserer,Innsbruck, schildert „Die erste Ersteigung des Habicht über den Nordostgrat". „Tte Alpen m der üitteratur des Mittelalters" von Profeßor Ramsauer sind eine Fundgrube für den Geschichtsfreund. Für die Teilnehmer an der Generalver- fammlung nun sind zum — sozusagen — „praktischen" Gebrauch bestimmt die reizvollen Plaudereien: Wiesbadens Umgebung von I. XL Baum; der Haupt-Festausftug, von Jos. Katsler; Von Wiesbaden zum Niederwald und in das Nahethal (Kreuznach, Münster am Stein, Ebernburg) von A. Neumanii. Ter Textteil dieser Festchrist wird vervollständigt durch poetische Gaben, Hunwreskenund durch die „Alpinen 'Nachrichten". Tie „Deutsche Alpenztg." hat sich nicht damit begnügt, ihre Sonder-Photographien in die Gegend von Wiesbaden und das Gebiet der Wiesbadener Hütte zu senden, ondern auch ihre besten künstlerischen 'JJHtarbeüer zur Ausschmückung des Heftes herangezogen. Erne ganz besonders wertvolle Beigabe ist die Treiiarben-Naturausnahme „Burg und Dorf Zbemburg im Nahethal". Eine Treisarben-Naturaufnahme in dieser Große ist unseres Wissens überhaupt noch nicht reproduziert ivorden und deshalb tvird diese technische Leistung besonderes Ausehen erregen, Tie „Deutsche Alpenzeitung" kostet vierteljährlich 3 Mark. Paris, 1. Sept. Die Presse,^insbesondere die Sportblätter, konstatieren mit Genugthuung den Sieg der Pariser Ruderer )n Frankfurt, und den ungemein fympachischen Errwfang, den die Frankfurter Bevölkerung überall den französischen Gästen bereitete. Das „Petit SBleu", welches bereits die Bilder der beiden Mannschaften wiedergiebt, ließ sich sogar die Liste der tzestgäste und das Musikprogranun des Banketts im Palmengarten telegraphieren. Ter Berichterstatter des „Velo" versichert, daß dieser Frankfurter Tag unvergeßlich bleiben werde. Uebrrgens haben ihm die Frankfurter versprochen, das nächste ^ohc wieder nach Paris zu kommen, aber dann „mit einer rvrrklich furchtbaren Mannschaft". Eisenbahn-Zeitung. Darmstadt, 28. Aug. Am L Oktober d. I. geht bekanntlich die Vermattung der Main-Neckarbahn und der daran anschließenden hessischen Nebenbahnen auf die Preußische und Hessische Etsenbahndirektion in Mainz über. Mit diesem Zeitpunkt werden gleichzeitig die seitherigen Verkehrskontrolen der Etsenbahndirektion Frankfurt a. M., der' Main-Neckarbahn in Darmstadt und der Preußischen und Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz zu einer Verkebrskontrole mit dem Sitze in D a r m st a d t vereinigt und der Lisenoahndirektion in Mainz unterstellt worden. Bensheim, 28. Aug. Da die Vorarbeiten für den Bau tiner schmalspurigen Nebenbahn von Bensheim nach Lindenfels nunmehr vollendet sind, wird in etwa 14 Tagen in Reichenbach eine Versammlung der Interessenten an dieser Bahn rbgehatten roerixm, in der wichtige Beschlüsse zu erwarten sind. — Neber die Beflaggung der Bahnhöfe bei ttaiserreiseu hat Minister Budde einen Erlaß an die Eisenbahndtrektionen gerichtet, in welchem bestimmt wird: Bei Reisen des Kaisers und der Kaiserin — sowohl in Sonderzügen als auch in fahrplanmäßigen Zügen bei Benutzung besonders eingestellter Wagen — sind, sofern die Reisen aus offiziellen Anlässen geschehen, zum Beispiel bei den Kaisermanövern, auf sämtlichen Stationen, die von diesen Zügen berührt werden, die Stationsgebäude zu be - slaggen, gleichviel, ob die Züge anhalten oder nicht. Bei den sonstigen Reisen ist das Beflaggen auf diejenigen Durchgangsstationen, auf denen der Zug hält, sowie auf die Anfangs- uno Endstationen zu beschränken. Für beide Fälle ist Voraussetzung, daß nicht etwa die Meise wie insbesondere auch die Ankunft, geheim bleiben soll, was in jedem einzelnen Fall ausdrücklich bekanntgegeben wird. Bei Reisen, die sich auf den Bezirk der Berliner Stadt- und Ringbahn oder auf die Strecke zwischen Berlin, Potsdamer Bahnhof oder Stadtbahn und Wildpark beschränken, hat das Beflaggen der Stationsgebäude stets zu unterbleiben, sofern nicht im Ernzelfall vom Oberhosmarschallamt eine Beflaggung als erforderlich bezeichnet wird. Wichtige Abänderungen im Wtuterfahrplaudienst. Franks urt-Wiesbaden: Personen^ug 301a Franksurt ab U£2, Wiesbaden an 12^ wird auch im Winter zur Aufnahme des Anschlusses von Schuellzug 170a von München, Wien re. beibehal- ten. — Personenzug 306, welcher bisher im Winter zwischen Rüdes- heim und Koblenz ausfiel, soll auch auf dieser Strecke betbehalten werden. — Personenzug 318, welcher bisher im Winter ausfiel, soll zwischen Koblenz und Rüdesheim beibehalten werden, der Zug verehrt gegen den Sommerfahrplan 50 Minuten später. — Der am L Mai eingelegte Personenzug 321 Frankfurt ab ?rs, Wiesbaden an 885 wird beibehalten.. — Der Personenzug 324, welcher bisher auf der Strecke Wiesbaden-Frankfurt im Winter ausfiel, wird auch in dieser Zeit beihehalten. — Frankfurt — Homburg v. d. H. Der bisher im Winter wegfallende Personenzug 731 Frankfurt—Homburg wird beibehalten und um 10 Minuten früher gelegt, dafür fällt der Personenzug Frankfurt ab 8^ Homburg an 9£2 aas. Frankfurt — Gießen: Der Zug 804 Friedberg-Frankfurt, der auf der Strecke Friedberg—Vilbel bisher im Winter bis 15. Oktober und ab 1. März aus fiel, wird während der ganzen Winterfahrplanperiode zwischen Friedberg und Frankfurt an Werktagen gefahren werden. — Frankfurt-Marburg. Schnellzug 77 Frankfurt ab 4»o Marburg an 622 (bisher 606) die Verlegung erfolgt zur Gewinnung des Anschlusses von Schnellzug 166 von Aschaffenburg-(München) und 47 von Mainz. — Personenzug 797 verkehrt auf der Strecke Frankfurt—Vilbel 14 Minuten «rüher. — Bei Personenzug 799 ist das Anhalten in Okarben eingeführt. Gerichtssaal. Koblenz, 1. Sept. Eine umfangreiche Verhandlung fand hier vor der Ferienstrafkammer statt. Angeklagt war der Stadtverordnete D. aus Boppard, den früheren Gasdirektor N. durch die in einer Staütverordnetensitzung gethane Aeu- ßerung, daß dieser jahrelang die Stadt um große Be- iräge geschädigt hätte, b e l e i d i g t zu haben. Neben vielen Zeugen waren auch fünf Sachverständige geladen. Der Staatsanwalt beantragte 900 Mk. Geldstrafe. Der Gerichtshof kam zu der U e b e r z e u g u n g, daß sich der Direktor der Bopparder Gasanstalt keinerlei Unterschlagungen und Vernachlässigung seiner Pflichten habe zu Schulden kommen lassen, andererseits wurde aber dem Angeklagten der Schutz des § 193 zugebilligt, weil er in seiner Eigenschaft als Stadtverordneter das Recht gehabt habe, seine Ansicht offen auszusprechen. Es erfolgte daher Freisprechung. Landwirtschaft. Butzbach, 28. Aug. Die Obstausstellung vom 19.bis 22. September hier wird von ca. 130 Ausstellern aus ganz Oberhessen beschickt werden, so daß der große Saal im „Hessischen Hof" reichlich besetzt werden wird. Einen Glanzpunkt 5er Ausstellung ivird die Aufgabe 2 bilden, nach welcher von jeder Obstsorte fünf Kilo gebracht werden müssen und zu der bis jetzt ca. 180 einzelne Korbe angemeldet sind. Die übrigen Nummern, welche der Hauptsache nach kleinere und größere Sortimente enthalten, werden uns ein schönes Bild derjenigen Obstsorten liefern, welche in diesem, der Obstbaumblüte so ungünstigen Jahre reichlich Früchte gebracht haben. Die ganze Ausstellurig wird ein Gesamtbild geben, das sich den früheren Schauer! des Oberhessischen Obstbauvereins würdig angliedert, zumal das Komitee in Butzbach alles aus- bieten wird. Aus Rheiuhesieu, 1. September. Die Reise der Frühburgunder-Trauben ist bereits soweit vorangeschritten, daß in der nächsten Zeit mit dem Schließen der Weinberge begonnen werden wird. Arbeiterbewegung. Aachen, 1. Sept. Die Delegierten des niederrheinischen Webereiverbandes beschlossen gestern die Verschmelzung mit dem deutschen Textilarbeiteroerband. Saint Etienne, 1. Sept. Der Sekretär des Nationalverbandes der G r u b e n a r b e i t e r, Cotte, erklärte auf Befragen, daß er die Ankündigung des Ausstandes im Loire-Revier für den 12. September als ein wahres Verbrechen ansehe. Er hoffe, die Grubenarbeiter würden die Arbeit fortsetzen. Florenz, 1. Sept. Die Besprechung der Vertreter der Metallarbeiter mit dem Direktor des Etablissements Pignone und den Ortsbehörden führte zu keiner Verständigung. Die Ausständigen verhalten sich sehr ruhig. Diele Läden sind geschloffen. Entgegen den verbreiteten Gerüchten sind die Landarbeiter der Nachbarschaft nicht in den Ausstand getreten. Man nimmt an, daß der Ausstand bald beendet sein wird und daß die Straßenreiniger die Arbeit wieder aufnehmen wollen. Budapest, 2. Sept. Ta in Agram ein Tischler- g e s e l l e n st r e i k ausgebrochen ist, war ein Agent in Budapest, um Arbeiter zu werben. Von den von ihm aufgenommenen 28 Arbeitern wollten 12 nach Agram abreisen. Die Budapester sozialdemokratische Partei verhinderte dies. Ungefähr 100 Arbeitern gelang es trotz eines Polizeiaufgebots am Bahnhofsperron 12 Arbeiter aus den Waggons zu reißen und aus die Schienen zu werfen. Zwei sind schwer verletzt. Tie Polizei verhaftete 20 Personen. Dandel und Verkehr. Nolkswirtfchafl. Deutsche Genossenschaftsbank von Soergel ParrifiuS u. Co., Berlin-Frankfurt a. M. Die neue Generalversammlung, in der über die beantragten Satzungsänderungen, Herabsetzung des Grundkapitals durch Aktienrückkauf, Genehmigung des Abschlusses vom 30. Juni 1902 und Erteilung der Entlastung rechtsgültig Beschluß gefaßt werden soll, ist auf den 16. September anberaumt. Schuckertgesellschaft. Dem Vernehmen nach steht in Erfüllung der der Generalversammlung gegebenen Zusagen die Kündigung einer Anzahl entbehrlicher Beamten, sowie eine erheb- licye Reduktion der Gehaltsbezüge der oberen Beamten nach Ablauf der bestehenden Verträge bevor. Hamburg, 8L Aug. Gestern ist hier eine Lade gen ossen- schaft der Elbschiffer ins Leben gerufen worden. Gegenstand des Unternehmens ist der Transport von Gütern für gemeinschaftliche Rechnung durch Fahrzeuge der Genoffen. Der aus neun Personen bestehende Aufsichtsrat verteilt sich auf fast sämtliche schifffahrtstreibende Orte der Oberelbe. — Der „Hamb. Börsenhalle" zufolge verlangt die Hamburgische Zollverwaltung demnächst Ursprungszeugnisse für amerikanisches Getreide, das aus Montreal, Quebec!, Portland, Baltimore, Boston, Buffalo, Philadelphia, Newyork, Newport-News, Cheveland, Chicago, Milwaukee, Duluth, Minitoba und Torento zur Verladung gebracht wird. Schwimmende Ladungen sollen von dieser Maßregel frei bleiben. — Dasselbe Blatt ist ermächtigt, der anderwärts verbreiteten Nachricht zu widersprechen, daß für die Hamburg- Amerika-Lrnie schon jetzt in Dover Bureaux eingerichtet und Quais installiert würden, weil die Dampfer der Gesellschaft auf Veranlaffung des Morgan-Trusts schon in nächster Zeit Dover anlaufen würden. Es seien noch gar keine Vereinbarungen mit den Behörden Dovers getroffen. — Die „Hamb. Nachr." können aus authentischer Quelle mitteilen, daß der Lloyd Braziliero von der Hamburger Rhederet Fleitas u. Co angekauft ist. Wie das Blatt mitteilt, wird der Lloyd in eine Aktiengesellschaft umge- wandelt, deren Aktien in den Besitz der Firma übergeben. Es handelt sich dabei um 50 Seedampfer von zirka 40 000 Tons, 120 Leichter und Schleppschiffe, zwei Docks und großen Grundbesitz, ein Objekt von ungefähr Lstr. 800000. Berlin. 1. Sept. Die Metzger-Innung St. Johann erläßt folgende Bekanntmachung: „Durch die schon 2% Jahre andauernden hohen Viehpreise sind wir gezwungen, die Preise vom 1. September ab zu erhöhen, und es kostet nunmehr: Ochsenfleisch 1. Qual. 76 Pfg., Rinofleisch 1. Qualität 70 Pfg., do. 2. Qual. 60 Pfg., Schweinefleisch (mager) 86 Pfg., do. (fett) 80 Pfg., Kalbfleifch 80 Pfg., Hammelfleisch (mager) 80 Pfg., do. (fett) 70 Pfg. Ta alle Vorstellungen des Deutschen Fleischer-Verbandes an leitender Stelle zur Oeffnung der Grenzen für Schlachtvieh ergebntslos waren, so liegt es jetzt im Jn- tereffe des fleischkonsumierenden Publikums, dafür »sorge zu tragen, daß die Grenzen für Schlachtvieh geöffnet werden, damit nicht noch höhere Preise eintreten. Märkte. Gießen, 2. Sept. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter pr.Pfd. 0,90—1,00 Mk.. Hühnereier pr. St. 7—8 Pfg., 2Stck. 00—00 Pfg., Gänseeter00-00 Pfg., Enteneier 0—OPfg., Käse vr.Stck.5—9 Pf., Kasematte 2 Stck. 0—0 Pfg., Erbsen pr. Liter 19 Pfg., Linsen pr. Liter 32 Pfg., Taubenpr. Paar 0,65—0,80 Mk., Hühner pr. St. 1,00—1,40 ÜDtf., Hahnen pr. Stück 0,60—0,90 DU., Enten pr. Stück 2,00—2,30 Mk., Gänse pr. Pfd. 00—00 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 66—76 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 60—64 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 70—80 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Pfg., Kalbfleifch pr. Pfd. 66—70 Pfg., Hammelfleiscy pr. Pfund 50—70 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 5,00—7,50 Mk., Weißkraut per Stück 00—00 Pfg^ Zwiebeln pr. Zentner 6,00—7,00 Mk., Milch per Liter 18 Pfg. Aepfel per Wd. 0—00 Pfg., in Körben 00—00 Pfg. Trauben 00—00 Pfg. Dauer der Marktzeit von morgens 7 Uhr bis nachmittags 1 Uhr, während der ersten drer Stunden der Marktzeit darf nur auf den bestimmten Verkaufsplätzen und nicht im Umherziehen feilgeboten werden. Familien Nachrichten. Verlobte: Freiin Aliee v. Heyl zu Herrnsheim in Herrnsheim mit Oberleutnant Max Edler v. d. Planitz in Darmstadt. Krieskastrn der Redaktion. (Anonyme Anfrage« bleiben unberücksichtigt.) Desinfektion von nicht unterkellerten Räumen. Anonyme Anfragen beantworten wir nicht. Z. Die Frankfurter Halbmonatsschrift „Das freie Wort" behandelt diese Frage in einem „Kinderspielzeug" überschriebenen Artikel in chrer neuesten 9lummer. Sie meint u. a.: Es ist zu bedauern, daß im allgemeinen die Verleihung von Orden ihrem eigentlichen Zweck entfremdet worden ist, denn bei dem tief eingewurzelten Trieb des Menschen, sich vor seinesgleichen ausgezeichnet, sich über andere emporgehoben zu sehen, würde der Staat auf vielen Gebieten einen mächtigen Ansporn zum Guten geben können, wenn die Institution streng so gehandhabt würde, daß nur das wirkliche Verdienst durch eine Ordensdekoration ausgezeichnet würde. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Höchste Temperatur vom 31. August bis 1. Sept. 22,0° C. Siiedrigste „ „ 31. „ „ 1. „ 13,9° 6. September 1 Barometer auf 0° reduziert Temperatur der Luft Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichfimg Windstärke Wetter 1. 215 748,8 21,8 13,2 68 SSW. 2 Bew. Himmel 1. 925 748,8 16,3 12,6 92 SSE. 1 Sternhll. Him. 2. 7* 748,9 11,1 13,5 97 E. 1 Nebel Wöchentliche Ueberficht der ToöesMe in der Stadt Gießen. 34. Woche. Vom 17. August bis 23. August 1902. (Einwohnerzahl: angenommen zu 26 400 (inkl. 1600 Mann Militär) Sterblichkeitsziffer: 24,09, nach Abzug von Ortsfremden 16,06 °/qo. Kinder Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom 1.Lebenswahr: 2- -lo. Jahr Tuberkulose des Gehirns 1 — — 1 Kmdbettfieber 1 1 —— — BosartigeNeubildungen3 (2) 3(2) — — Herzleiden 2 2 — —— Nierenentzündung Kl) 1(1) — — Lebensschwäche 1 — 1 — Abzehrung 1 — 1 — Krämpfen 1 — — 1 Sturz 1(1) -— — 1 (1) Summa: 12(4) 7(3) 2 3(1) Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffendetr KrantheU auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Kiel, 2. Sept. Tie erste imb zweite T0r pedp-- boo t s-Flotille, welche vom Marwverbeschwader gestern; daselbst eingetroffen sind, haben nach Anffüllung von Kohlen abends den Hafen verlassen, um einen 9tachtangriff auf ba$ zweite aus der Fahrt zum Belt befindliche Geschwader Oesterr. Silberrente 102.10 4% Ungar. Goldrente . . 102.25 40/j Italien. Rente . . . 103.65 4%% Portugiesen . . . 51.30 3°/„ Portugiesen.....30.60 1% C. Türken .... 29.70 Türkenlose ...... 123.60 4% Griech. Monopol.-Anl. 44.25 4%% äussere Argentiner —.— 2. September 1902. 3% Mexikaner .... 26.90 4V2V0 Chinesen .... 92.60 Electric. Sohuckert , . . 92.90 Nordd. Lloyd .... 109.80 Kreditaktien . . . . . 217.20 Diskonto-Kommandit. . . 187.80 Darmstädter Bank . . . 139.60 Dresdener Bank .... 145.70 Berliner Handelsges. . . 157.90 Oesterr. Staatebahn . . . 154,20 Lombarden.....19.40 Gotthardbahn ..... 196.00 Laurahütte ...... 202.00 Bochum.......187.00 Harpener......167.25 Tendenz: fest. lieber Haarkrankheiten SÄ.£*E --------------------------------------------- U. 22. Februar 1902: Ihre „Obermeyer's Herba-Seife" hat mir in 2 Fällen von chronischem Ekzem (Hautausschlag sowie Haarausfall) des Kopfes und des Gesichts bet Kindern sehr gute Tienste geleiltet, auch verschwand das lästige Jucken sofort bei der Kur. 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Die Firma „Max Rosengarten" zu Allendorf an der Lumda; Inhaber: Kaufmann Max Rosengarten daselbst. Gießen, am 27. August 1902. 6108 Großherzogliches Amtsgericht. Beginn des neuen Schuljahres: 14. Oktober 1902. I. Drei Jahree- klassen für Zöglinge von 13—20 Jahren. Gediegene kaufmann. und allgemein Wissenschaft!. Ausbildung. Klnj--F.Tr. men. LchMchen Vormittägiges^ 03771 Bletchstraße 35, II. 52531 In unseren Neubauten am Asterweg sind mehrere 3- und 4- Zunmerwobnungen mit Zubehör und Gartenanteil per September u. Oktober zu oerm. Näh. bet «ehr. 3tut, 5teinftr. 6NN gut möbl. Zimmer zu Der- z mieten. Schottslr. 7, II. (Droei- oder 3-Zunmerwohnung O an ruhiae Leute sofort zu oerm. Näh. Löbers Hof 9, part., oon 12 bis 2 Uhr. nsländig. Arbeiter, auch zwei, kann sofort schöne Schlafstelle erhalten. Sonnensir. 3, Mans. ttL)ilhelmstrabe 13 ist wegen '**5 Wegzug des Mieters daö Erdgeschoß, o—6 Zimmer nebst Zub. und Garten zum 1. 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