Erstes Blatt. Mittwoch S. Juli 1908 152. Jahrgang Nr. 15L Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siebener Familien, blätter viermal in der Woche beigelegt. Notationsdruck u. Verlag t)L. Brü h l'sche- Untvers. Buch-u.Stei. druckerc i (Pietsch Erben) Redakcu.. Expedition um Druckerei: Schul st ratze 7. tldresie für Depeschen: Anzeiger Gießen. FernsprkchanschlnßNr.bl. -»^gr ä Bezugspreis: A A y pr MI d monatlich75Ps.,viertelt GietzenerAnzeiger« w General-Anzeiger » ’SST Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MM ___ _____________ zeigenteil: Hans Beck. Die Vermehrung der hessischen Irrenanstatten Wie wir bereits gestern unseren Lesern mitteilen konnten, ist bte Errichtung der Gießener Irrenanstalt nach dem Ausschußantrag (unter Annahme des Zuschusses der Stadt Gießen von 75 000 Mk.) von der Zweiten Kammer einstimmig beschlossen worden. Auch Alzey wird eine Irrenanstalt erhalten. Wir verweisen im einzelnen auf unseren heutigen ausführlichen Landtagsbericht. Im Anschluß hieran gewinnt es für uns besonderes Jn- teresie, daß die Frage einer Regelung des Jrrenwesens von Reichs wegen infolge zweier Petitionen der Erwägung des Reichstages demnächst unterliegen wird. Ein Vertreter der verbündeten Regierungen, der Geh. Ober-Regier.-Rat Bumm, hat erklärt, daß das Reichsamt des Innern an sämtliche Bundesstaaten eine Umfrage über ihre Stellung zu dieser Angelegenheit gerichtet habe. Die Erklärung des Geh. Ober- Reg.-Rats Bumm lautet wörtlich: Mit der Reform des Jrrenwesens, die Gegenstand der vorliegenden zwei Petitionen ist, hat sich der Reichstag erst vor nicht langer Zett wiederum befaßt. In den Sitzungen vom 1 nnd 3. rZebr-uar d. I. ist die Angelegenheit erörtert und schließlich eine Resolution gefaßt worden, in der die verbündeten Negierungen um baldigste Vorlage eines Gesetzentwurfs gebeten wurden, welcher die Grundsätze feststellte, wodurch die AufenthaltsverhälMisse und die Au'nahme von Geisteskranken in Irrenanstalten, sowie die Ent° lassung aus derselben reichsgesetzlich geregelt mürbem Der Staatssekretär des Innern hat damals im Reichstag sich bereit erklärt, Mit den verbündeten Regierungen sich in Verbindung zu setzeii, um zunächst deren Stellung zu der Anregung kennen zu lernen. Dementsprechend ist inzwischen eine Umfrage bei sämtlichen Bundes-Regierungen gehalten worden. Die erbetenen Antworten liegen noch nicht vor. Erst nach Eingang der Aeußerungen der verbündeten Regierungen wird die Reichsoerwaltung in der Lage fein, die An- gelegenhett weiterer Prüfung zu unterstellen. Die eine Petition geht von einem Dr. phil. Ernst Müller m Dresden aus, der eine allgemeine Ausdehnung der preuß. Anweisung über die Aufnahme und Entlassung von Geisteskranken auf die staatlichen, provinziellen und kommunalen Anstalten, Oeffentlichkeit des Entmündigungsverfahrens und Zuchthausstrafe für einen Arzt fordert, „welcher jemand der Freiheit beraubt durch Veranlassung seiner Ueberführung in ein Irrenhaus, ohne daß er im stände wäre, die Notwendigkeit dieser Maßregel auf Grund seiner eigenen Beobachtung' in überzeugender Weise nach den Lehren der psychiatrischen Wissenschaft zu beweisen", ferner Schadenersatzpflicht des Arztes gegenüber dem fälschlich Eingesperrten und Entschädigung eines auch ohne direktes Verschulden Anderer zu Unrecht Entmündigten auf Staatskosten. Eine andere Petition rührt von einer Frau Elise Hegemann geb. Vorster in Konstanz her, die in Mannheim verheiratet war und auf Veranlassung des Ehemanns in Irrenanstalten interniert und entmündigt war, und gegen die die Entmündigung aufgehoben wurde, nachdem Geh. Medizinalrat Pelmann in Bonn begutachtet hatte, daß sie sich nicht mehr im Zustand geistiger Störung beflnde. Sie ist dann vom Amtsgericht Schwetzingen wieder entmündigt worden auf Antrag ihrer Brüder und Kinder, wogegen sie aber Anfechtungsklage erhoben hat. Dieser letztere Fall ist besonders interessant, weil nun auch zum zweiten Mal die geistige Gesundheit der Frau Hegemann gerichtlich ausgesprochen worden ist. Das Amtsgericht Berlin hat auf gründ neuer psychiatrischer Gutachten die Entmündigung aufgehoben. Hier hat also zweimal die Frau erreicht, daß chr die geistige Gesundheit wieder zugesprochen worden ist. Beide Petitionen wurden dem Reichskanzler als Material überwiesen. Wenn im Herbst die Sache einmal das Plenum des Reichstages beschäftigen sollte, dann wird hoffentlich darauf gedrungen werden, daß die Sache etwas schleuniger betrieben wird. Die Frage ist nun schon über fünf Jahre in der Schwebe. Der Reichstag ist schon in einer am 16. Januar 1897 gefaßten Resolution für eine reichsgesetzliche Feststellung dec Grundsätze über Aufnahme, Aufenthaltsverhältnisse und Enlassung von Geisteskranken in und aus den Anstalten eingetreten. Seitdem ist die Sache kaum vorwärts gekonlmen, obgleich sie fast alle Jahre im Reichstage aufs neue zur Sprache gebracht wurde. Es sind bisher nur einige einzelstaatliche Vorschriften im Verordnungswege ergangen, die von zweifelhaftem Werte sind und keineswegs eine gesetzliche Ordnung dieser ebenso schwierigen wie wichtigen Materie entbehrlich machen. Es ist von unserer hessischen Regierung erschöpfend nachgewiesen worden durch ein umfangreiches statistisches Material, daß die Vermehrung der Zahl der hessischen Irrenanstalten leider notwendig ist, und es darf nichts unversucht bleiben, um nach Möglichkeit zu verhüten, daß gemeingefährliche Geisteskranke ohne die erforderliche Aufsicht bleiben. Aber auch die Gefahr, daß geistig gesunde Personen als geisteskrank angesehen und behandelt werden, fällt schwer ins Gewicht, und auch hiergegen muß der weitestgehende Schutz auf gesetzlichem Wege geschaffen werden, zumal mit der Unzurechnungsfähigkeitserklärung auch große vermögensrechtliche Nachteile verbunden sind. Unser Landtag that vorerst sehr recht daran, die Vermehrung der staatlichen hessischen Irrenanstalten zu beschließen. Dadurch ist gleichzeitig der Zunahme von P r i v a t- Jrrenkliniken in unserem Lande vorgebeugt worden. Aus privaten Kliniken sind so manche Fälle in den letzten Jahren bekannt geworden, die eine ziemlich weitgehende Beunruhigung Hervorrufen mußten. In staatlichen Irrenanstalten werden Patienten niemals olme vorherige gewissenhafteste Prüfung Aufnahme finden; der heutige Stand der Jrrenheilkunde bürgt dafür, daß, ebenso wie Simulanten, auch andere geistig Gesunde, unglückliche Opfer habgieriger Neider oder unliebsame Queru- lanten, sehr bald als solche erkannt und der Gesellschaft wiedergegeben werden. So ist der beste Schutz gewährleistet vor der nicht abzuleugnenden Gefahr, trotz völliger Gesundheit unter Irre gesperrt zu werden. Die unglücklichen Kranken aber finden in der staatlichen Irrenanstalt sachgemäßcste und angemessenste Behandlung.________________ Politische Tagesschau. Generaloberst v. Los über die Israeliten. In einer großen und bedeutsamen Bonner Jubiläums- Rede hat der Generaloberst v. Los auch von den Israeliten gesprochen, und zwar in folgenden Sätzen: «Ich habe neulich in einer Ansprache an meine alten Husaren ?n, "EN denkwürdigen Ausspruch des unvergeßlichen Reichskanzlers, des ^uriten Bisniarck erinnert: „Wir Deutschen fürchten Niemanden außer Gott . L.er Ausspruch ist heute wahr und wird es bleiben, aber nur unter der Voraussetzung, daß wir den deutschen Erbfehler, die elenden konfessionellen Zänkereien u n t e r l a s s e n, und daß wir A l l e o h n e U n t e r s ch i e d des religiösen Bekenntnisses treu zusammen halten, Protestanten, Katholiken und Israeliten. Ich nenne von dieser Stelle die Israeliten mit Vorbedacht, weil ich weiß, daß ich damit im Geiste des Stifters unserer heiligen Religion spreche, der das Vorbild der Duldsamkeit ist, im Sinne meines La L'etr e n e r r n' der sich in seiner prachtvollen Rede Gott sei Dank unter das Kreuz gestellt hat, im Sinne des 1 Ll 9 e n A a t e r s, der in seiner hohen christlichen Auffassung " e r s gläubigen, die ehrlich sind, mit derselbenLiebe ..Achtung umfaßt. Ich nenne die Israeliten aber nicht allein als Christ, ich nenne sie auch als Soldat, denn ich finde nun einmal in dem christlichen und dem Soldateiikatechismils keine Widerspruche. Protestanten, Katholiken imb Israeliten hatten sich vor 14 -Lagen als alte Husaren hier zusammengefunden, auch die Letzt- genaniiten im stolzen Bewußtsein ihrer Regiinentsangehörigkeit. Ja wahrhaftig, zu meiner Freude! Denn unter ihnen befiiidet sich einer oer tapfer st en Husaren des Feldzuges, ein Bonner Kind. Auch er lebt unter dem Zeichen des Kreuzes, denn er ist für seine Tapferkeit mit dem eisernen Kreuz geschmückt und ich drucke ihm bet jeder Begegnung die Hand, weil ich ihn hochachte." Die deutsche Heeresverwaltung denkt allerdings bekanntlich anders.. Jüdische Offiziere jkbi-" es in unserer Armee nicht, und in neuester Zeit werden Juden auch nicht mehr zu Unteroffizieren befördert. Es bleibt also höchst bemerkenswert, daß einer der ersten Führer des deutschen Heeres für die Gleichberechtigung der Inden das Wort ergriffen hat. — Die katholische „Germania" schreibt: Der Kommentar des Frhrn. v. Los zur Aachener Kaiserredc wird für alle Zukunft dem Feldherrn in seinem kirchlich-politischen Bestreben eine gewichtige Handhabe bieten, während derselbe die Versuche der kulturkämpferischen Presse, den Papst gegen das Zentrum auszuspielen, vollständig zerstört hat. Auf das während der Festoersammlung zur Feier des 2bjährigen Regierungsjubiläums des Papstes an den Kaiser gerichtete Telegramm ist folgende telegraphische Antwort eingegangen: An den Generalobersten Frhrn. v. LoZ, Bonn. Ew. Exzellenz entbiete ich meinen kaiserlichen Dank für das Telegramm, welches Die im Namen der dort zur Feier des 25jährigen Regierungs- jubttäums des Papstes Leo XIII. versammelten Festteilnehmer an mich gesandt haben. Das Gefühl der Anhänglichkeit an Kaiser und Reich und die von ernster Religiosität getragenen Worte haben meinem kaiserlichen Herzen wohlgelhan und sind ein erfreuliches Interpsand dafür, daß das, was ich in Aachen gesprochen, au: ruchtbaren Boden gefallen ist und mit Gottes Hilfe gute Früchte tragen wird. Wilhelm. Eine Koalition der gesamten Linken gegenüber der Koalition der Schutzzöllner empfiehlt für die nächsten Reichstagswahlen ein Artikel des sozialdemokratischen Organs in Gießen. Die Redaktion des sozialdemokratischen Blattes macht zu dem Artikel in einer Anmerkung den Vorbehalt, „der Genosse, dessen Zuschrift sie an leitender Stelle aufnimmt, denke zu hoch von der bürgerlichen Demokratie und dem Liberalismus", gegen die Motivierung des Vor- chlags selbst scheint sie jedoch keine Einwendungen erheben i u wollen. Da dieser Artikel in der sozialdemokratischen Preffe voraussichtlich noch zu lebhaften Erörterungen führen wird, geben wir seine wesentlichsten Gedankengänge hier kurz wieder. Der Verfasser leitet seine Anregung mit folgender allgemeiner Reflexion ein: »Es ist ein eben so schöner wie kluger Gedanke, die gesamten ekundären Prinzipiengegensätze der linksslehenden Parteien für den Augenblick wenigstens zurücktreten zu lassen vor dem primärsten und aktuellsten Gegensatz, den es überhaupt giebt, dem Gegensatz zwischen Reaktion und Fortschritt. Em geschlossenes Einverständnis aller liberalen Parteien, das hieße der zur Zeit regierenden Clique mit einer so imposanten Mehrheit gegenübertreten, wie es bisher bei uns zu Lande noch niemals geschehen ist...... Wir ollten uns England, das uns in so vielen Dingen in der gesunden Entwicklung voraus ist, auch in diesem ungeheuer wichtigen Punkt zum Muster nehmen. Wir von der Linken sollten in Sachen des prinzipiellen Fortschrittes der reaktionären Gesellschaft als fest ge° chlossene Einheit gegenüberstehen. Wenn sich das erst erreichen ließe — und im Interesse unseres ganzen Kulturlebens muß sich das über kurz oder lang erreichen lassen — dann wäre ein gewaltiger Schritt vorwärts gechan." Der Verfasser ist sich nicht darüber im Zweifel, daß eine Anregung bei den „Fanatikern der sozialistischen Reinheit" heftigen Widerspruch Hervorrufen wird; er beruft sich ihnen gegenüber auf die Taktik des französischen Genoffen Jaurss, der als wichtigste Aufgabe betrachte, zunächst einmal eine demokratische Verfassung herzustellen und führt alsdann fort: In diesem nächsten Ziele stimmen wir nun aber mit bedeutenden Gruppen bürgerlicher Parteien überein. Wäre es nicht Narrheit, die natürliche Bundesgenossenschaft zu verschmähen? Von unseren sozialistischen Hoffmingen brauchten wir deshalb noch kein Tüpfelchen zu verlieren. Aber über sie kann erst eine spätere Zukunft entscheiden, eine Zukunft, in der wir den Bann des konservativen Gewaltregiments erst müssen gebrochen haben. Unsere Ziele müßten schlecht durchdacht sein, wenn sie es nicht vertrügen, daß man sie unumgänglich notwendiger Vorbedingungen wegen einmal eine Zeit lang ^urückstellte. Eben weil wir das unbedingte Zutrauen zu der Dieghaftigkeit unserer Ueberzeugungen haben, sehen wir in einer Zusammenarbeit mit den übrigen demokratischen Parteien, soweit die Gemeinsamkeit der Interessen nun einmal reicht, nicht die geringste Gefahr. Der Sturz des ganz einseitigen jetzigen Regimes eben ist daS Interesse der großen Mehrheit des Dolles. In diesem Interesse sollten wir uns sobald wie möglich, ja, wenn es irgend angeht, gerade schon bei den nächsten in den beneüigen Wirren ungemein wichtigen Wahlen verstänbigen lernen. Steuern wir erst einmal zielbwußt auf bie Demokratie los. Die Erfüllung unserer sozialistischen Ziele können wir bann um so ruhiger bet weiteren vernünftigen Entwicklung ber Dinge überlassen. So viel ist jedenfalls geiviß: eine Stärkung des liberalen Einflsses auf die Leitung unserer Politik wird mindestens kein verständnisloseres Regiment bringen, als unser jetziges. Einstweilen darf man gespannt sein, welche Aufnahme der obige, mit einem lebhaften Appell an die Liberalen, ihre demokratische Gesinnung zu beweisen, schließende Vortrag in den beteiligten Parteiorganen finden wird. Die Finanzen der deutschen Bundesstaaten. In dem eben erschienenen Vierteljahresheft zur Statistik des Deutschen Reiches veröffentlicht das Kaiserliche Statistische Amt zum erstenmal eine Finanzstatistik der deutschen Bundesstaaten. Die gesamten Staatsau s gaben (brutto) betrugen danach aus Grund der Voranschläge für die Bundesstaaten 4316 Millionen Mark (darunter 16ö Millionen Mark außerordentliche), für Reich und Bundesstaaten 6786 Mill. Mark (darunter 381 Mill. Mark außerordentliche). Die Staatseinnahmen (brutto) belaufen sich auf 4292 Mill. Mart (138 Mill. Mark außerordentliche aus Grundstock und An- lehen), für Reich und Bundesstaaten auf 6762 Mill. Mart (344 Mill. Mark außerordentliche). Unter den ordentlichen. Ausgaben und Einnahmen der Bundesstaaten stehen der Höhe nach voran der Bedarf bezw. der Ertrag von E r w e r b s e i n k ü n f t e n, mit 1809 Mill. Mark Ausgäbe und (brutto) 2582 Millionen Mark Einnahme. Es handelt sich hierbei um Domänen, Forsten, Bergwerke, Eisenbahnen, Posten, Telegraphen und sonstige Staatsbetriebe. Die Staats-Eisenbahnen sind allein mit 1319 Mill. Mark oder 31,7 Proz. an den ordentlichen Ausgaben, und mit 1916 Mill. Mark oder 46,1 Proz. an den Einnahmen beteiligt. Den nächst wichtigen Teil der Einnahmen bilden die Steuern. Sie ergeben als Landessteuern 574 Mill. Mark, und zwar in Form von direkten Steuern 413, von Aufwandsteuern 81, und von Verkehrssteuern 80 Mill. Mark. Bon dem Sttatskapitalvermögen sind lediglich Geldbestände und Geldforderungen in der Statistik berücksichtigt, während die bedeutenden in Grundstücken) Jn- ventarien, Naturalvorraten enthaltenen Werte nicht fest- gestellt wurden. Bezüglich der Staatsdomänen, Staatsforsten und Staatseifenbahnen ist der Umfang, bei letzteren auch das Anlagekapital nachgewiesen. Die Staatsschulden betragen für die Bundesstaaten insgesamt 10 987 Millionen Mark, für Reich und Bundesstaaten 13 383 Millionen Mark. Als sogenannte fundierte Schulden sind davon abzusehen 10 803 bezw. 13119 Millionen Mark. Auf den Kops der Bevölkerung treffen im Reichsdurchschnitt an Staatsschulden 195 Atark, an Reichs- und Staatsschulden 237 Mk. Für Verzinsung, Tilgung uni) Verwaltung der Staats- bezw. Reichs- und Staatsschulden, sind 8 bezw. 9,57 Mark auf den Kopf erforderlich. Ein neues wichtiges Faktum zur Reform unseres Strafgesetzbuches. Die Reform unseres Strafgesetzbuches wird längst in den weitesten Kreisen des Voltes als eine absolute Nvd- wendigkeit betrachtet. Auch die Juristen selbst haben, mtt ganz geringen Ausnahmen, die Reformbedürftigkett unseres, den sozialen, ethischen, politischen und kriminalistischen An- orderungen unserer Zeit nicht mehr entsprechenden Strafgesetzbuches rückhaltlos anerkannt. Bisher konnte jedoch eine Reform nicht ernstlich in die Wege geleitet werden, o lange nicht eine zunächst notwendige Vorftage erledigt war: die der gemeinsamen Arbett der sogenannten klassi- chen und der modernen Richtung im Strafrecht. Sett Jahren stehen sich hier zwei Richtungen diametral gegenüber, deren weit auseinandergehende grundsätzliche Ansichten bisher daran zweifeln ließen, ob an eine wissenschaftliche Grundlage zur Reform unseres Strafgesetzbuches undi damit an die Inangriffnahme der Vorarbetten dazu überhaupt würde gedacht werden können. Nun haben zwei der hervorragendsten Vertreter und Führer jener Richtungen, die Professoren Dr. Kahl und Dr. v. Liszt Stellung dazu genommen. In einem Aufsatze des Prof. Dr. Kahl, betitelt: „Eine Vorfrage zur Reform unseres Strafgesetzbuches" und in der sich daran anschließenden „Aeußerung" des Professors Dr. v. Liszt hat nunmehr derjenige Ausgleich thatsächlich stattgefunden, der als conditio sine qua non wird betrachtet werden müssen, um jetzt ernstlich an )ie Reform zu denken. Tie beiden Gelehrten haben, jeder von seinem Standpunkte ans, positiv erklärt, daß die nach wie vor bestehenden anseinandergehenden Ansichten hin- ichtlich der wissenschaftlichen Richtung keinerlei Hindernis eien, um nach der legislativen Seite hin gemeinschaftlich und mit vereinten Kräften die erforderliche Reform in Angriff zu nehmen und durchzuführen, und daß für die Die Zolltarifkommisfiou beriet am Dienstag die Positionen Baumtvvllwaren weiter und nahm die Positionen 462Wvgelnetze, Jagd- n e tz e rc. 100 Mk., 463 Schläuch-e, grobe G ur t e, Treibe ri e m e n 50 Mk. an, setzte Position 466 Taue, Seile, Stricke, Baumwollbindfaden von 49 Mk. der Borlage auf 36 Mk. und genehmigte sodann unverändert Position 464 baumwollene Spitzen st osfe, Spitzen gestickt 450 Mk., gewebt 350 Mk., andere 350 Mk., sowie Position 465, Stickereien aus baumwollenen Grundstoff, Plattstichstickereien 400 Mk., Kettenstich 450 Mk., andere 400 Mk., setzte Position 468 Dochte von 90 Mk. der Vorlage aus 80 und ferner Pos. 467, Posamentierwaren von 160 der Vorlage auf 150Mk. Herab. Die Positionen 470 und 471 werden nach der Vorlage angenommen. Die Positionen 472 bis 483 werden gemeinsam beraten und nach der Vorlage angenommen bis auf Position 481. In dieser wird ein Antrag Müller-Sagan genehmigt, welcher sestsetzt: roh, bis Nr. 8 englisch 4 Mk., über Ncr. 8 bis Nr. 14 englisch 5 Mk., über Nr. 14 englisch 7 Mk. Hiermit ist> die Hälfte des Tarifes in erster Lesung beendet! Paasche, der den beurlaubten Vorsitzenden Rettich vertritt, stellt dies fest. Hieraus werden die Vositionen 484 und 485 genehmigt. Es folgt eine Geschäftsordnungsdebatte über die Frage, ob auch Nachmittags getagt werden solle, um den Zolltarif rechtzeitig fertigzustellen. Die Sozialdemokraten widersprechen. Es kommt zu heftigen Zusammenstößen zwischen einzelnen Mitgliedern und dem Vorsitzerrden Paasche. Der Vorsitzende vermag nur mit größter Mühe die Ruhe herzustellen. Es wird beschlossen, nachmittags nicht zu ta gen. praktischen Ausgaben der Gesetzgebung der Schulenftreit zurückgestellt werden müßte. Es ist hier eine juristisch wie politisch hoch bedeutsame und interessante Thatsache zu konstatieren. Der erste und wichtigste Schritt zur Reform unseres Strafgesetzbuches ist gethan. Die Schranke ist gebrochen; die Bahn ist frei! Mit vereinten Kräften und unterstützt durch die mtt ^Sicherheit zu erwartende thatkrästige Förderung des Reichsjustizamtes wird, woran nicht zu zweifeln ist, die praktische Gesetzgebungsarbeit nunmehr mit frischen und fröhlichen Kräften ausgenommen werden können, und die auf die diesjährige Berliner Tagung des Deutschen Juristentages gesetzte Frage über die Reform des Strafgesetzbuches wird das ihrige dazu beitragen, daß dann das langersehnte Ziel näher gerückt wird — die Schaffung eines neuen Strafgesetzbuches! Preußische Maßnahmen zur Entschuldung des ländlichen Grundbesitzes. lieber die Entschuldung des ländlichen Grundbesitzes Hat der preußische Landwirtsch^ftsminister v. Podbietski einen Erlaß an die Oberpräsidenten gerichtet und ihnen teilte im Landwirtschaftsministerium ausgearbeitete Denkschrift über die Durchführbarkeit von Maßnahmen zur Entbastung Hochverschuldeier landwirtschiaftlicher Besitzungen .überreicht. Die Oberpräsidenten sollen über die in der Denkschrift erörterten Fragen unter Benehmen mit den Landwirtschatts- ckammern, mit den landschaftlichen (ritterschaftlichen) Kreditanstalten, den provinzial- (kommunal-) ständischen Grund- Meditanstalten, sowie mit den Provinzialhilfskassen in Ver- chandlung treten und sie unter Mitteilung der Denkschrift ^u einer Aeußerung auffordern, ob sie eine Schuldentlastung in der erörterten Art für durchführbar und im öffentlichen Interesse wünschenswert erachten, und ob und unter welchen Bedingunaen sie geneigt sein würden, sich dabei zu beteiligen. Im Falle der Bereitwilligkeit werden sie geeignete Vorschläge über die zweckmäßigste Art der Durchführung dieser Maßnahmen zu machen und sich insbesondere auch darüber zu äußern haben, in welcher Weise die zur Ablösung der Nachhypotheken erforderlichen Mittel aufzubringen sind. Sollten die in Betracht kommenden Kreditinstitute chre Mitwirkung von staatlichen Leistungen abhängig machen, so würden nach dieser Richtung eingehend begründete Vorschläge zu unterbreiten sein. Daneben kommt als wichtiges Mittel der Schuldentlastung die stärkere Pflege der unkündbaren Amortisationshypothek in Betracht, wobei es besonders daraus ankommen wird, die jetzt vielfach mangelhaften Bestimmungen über die Amortisation im Sinne einer wirtlichen Schuldentilgung wirksam zu verschärfen. In dieser Hinsicht hat die vorjährige Plenarsitzung des deutschen Landwirtschaftsrates die in der Denkschrift mitgeteilten, zum Teil sehr beachtenswerten Beschlüsse gefaßt. Der Minister sieht den Berichten über das Ergebnis der Verhandlungen binnen sechs Monaten entgegen. : In der Denkschrift wird über die Vorschläge berichtet, welche die Kreditkommission der 'Landwirtschaftskammern der Regierung gemacht und die von dieser einer Versammlung sachverständiger Vertrauensmänner vorgelegt worden sind. Es handelt sich in der Hauptsache um die Ablösung der hinter der landwirtschaMchen Beleihungsgrenze eingetragenen Hypotheken (Nachhypotheken), die zu diesem Zweck in unkündbare Amortisattons-Hypotheken zu verwandeln wären. Dieser Weg wäre indes nur gangbar, wenn die Landschaften oder sonstigen öffenttichen Kreditinstitute sich bereitsinden würden, in geeigneter Weise mitzuwirken. Die Einführung einer allgemeinen obligatorischen Verschuld- ungsgrenze für den landwirtschaftlichen Grundbesitz soll zur Zeit nicht ernstlich in Betracht kommen. Es wird aber die Zulassung einer fakultativen Verschuldungsgrenze im Wege der Gesetzgebung erörtert hält Der Kommandeur der Schutztruppe rückte mit mehreren Kompagnien aus, um die Linie nach dem Benue zu besetzen, und die geplante Station bei Garua zu stützen. Die Engpässe haben chn aber gezwungen, weit nach Norden zu ziehen Dabei wurden die Stteitkräste aus dem östlichen Adamaua herangezogen, wenigstens die Hälfte der 900 Mann starken Kameruner Schutzlruppe wird dort im Norden sestgehalten Die französische Streitmacht am Logone und Schari betrug aber, als es zum Kampfe mit Rabeh kam, ungfähr 900 Mann, dabei waren auch Kamelreiter. Dort hatten sich drei Expedittonen aus den verschiedensten Richtungen zusammengefunden: nämlich die Schari-Expedition unter Genttl, die saharische Expedition unter Foureau und die zentralafrikanische vom Niger unter Joalland. Seitdem sind die französischen Truppen durch Mannschaften aus dem Heere Rabehs verstärkt worden, auch rücken vom Ubangi aus immer neue Ergänzungen, namentlich Senegaleser nach. Die Franzosen haben sich durch ihre Kämpfe der letzten Jahre in hohe Achtung bei den Völkerschaften jener Länder gesetzt. Die Engländer besitzen in Westafrila eine Macht von 7000 Mann, von denen mehr als die Hälfte die Landstriche westlich von Kamerun bis zum Tschadsee besetzt hat, und die Bevölkerung im Zaume hält Baumwollenbau in Togo. Aus München-Gladbach wird geschrieben: Tie hiesige Spinnerei Richard Brandts hat auf der Düsseldorfer Ausstellung einen Schrank ausgestellt, der lediglich Gespinste deutscher Togo- Baumwolle enthält. Ueber die Erfahrung, welche die Firma beim Spinnen dieser Baumwolle machte, äußert sie sich jetzt wie folgt: Die Togo-Baumwolle aus einheimischer Saat, die vom Kolonial-Wirtschaftlichen Komitee geliefert ist, hat einen guten Stapel. Die Faser ist stark und hat einen rauhen, wolligen Charakter. Sie ist der gewöhnlichen amerikanischen Baumwolle^ zum mindesten ebenbürtig, und für viele Gespinstsorten der amerikanischen vorzuziehen. Tie Togo-Baumwolle spinnt und färbt sich vorzüglich. Der Faden ist voll und schon. Are berufsmäßige Ausbildung der Aortöilüungs- schüler in Kessen. Zu dem Anträge desAbg. Köhler-Langsdorf, betr. Umgestaltung der ländlichen Fortbildungsschulen zu Ackerbau-Vorschulen hat die Regierung ihre Ansicht im wesentlichen wie folgt dargelegt: Tie Regierung hält diese Umwandlung weder für ausfahrbar, noch für zweckmäßig. Der Regel nach wird ein Vollsschullehrer kaum im stände fein, außer dem Wissen und Können, das sein eigentlicher Beruf von ihm verlangt, sich noch nebenher das theoretische Wissen und praktische Können eines tüchttgen Lehrers der Landwirtschaft anzueignen. Der Meinung aber, daß die geplante Einrichtung der Fortbildungsschule das Landvolk auf die Bedeutung der landwirtschaftlichen Winterschulen Hinweisen und dieser Anstalt Schüler zusühren werde, kann nicht beigepflichtet werden. Vielmehr erscheint die Annahme gerechtfertigt, daß der zukünftige Schüler der in eine Ackerbauvorschule umgewairdelten Fortbildungsschule sein bescheidenes Wissen meist für ausreichend halten und damtt der Besuch ter Winterschule noch schwächer werden wird, als er vielfach bisher schon war. Dagegen erkennt sie an, daß chm ein richtiger Gedanke zu Grunde liegt insofern, als er eine Anlehnung des Unterrichts an den Beruf der Schüler, eine Beziehung auf chre tägliche Beschäftigung und hierdurch ein lebhafteres Interesse für Berufsarbeit und Unterricht zugleich erstrebt Seit geraumer Zeit wird darüber geklagt, daß die Fortbildungsschüler dem Unterrichte zu wenig Interesse entgegenbringen. Mit Recht sucht man eine Ursache für diese Erscheinung neben anderen in dem Umstände, daß die Fortbildungsschule zu sehr Wiederho- lungs- und Befestigungsschule ist, daß sie vielfach ausschließliche oder doch in zu großem Umfang die allgemeinen Blldungsziele der eigentlichen Volksschule weiter verfolgt, ohne den Unterschied zu berücksichtigen, der zwischen ihren Schülern und denen der Volksschule besteht. Dieser Unter- schred liegt wesentlich darin, daß der Volksschüler noch ohne Beruf ist, der Fortbildungsschüler aber bereits einen Berus gewählt hat, und mitten in der Vorbereitung auf diesen Beruf steht Die Berufsarbeit, die ihn vom Morgen bis zum Abend beschäftigt, bildet seinen Gedankenkreis und erregt fein Interesse. Wenn die Schule einen Einfluß auf ihn ausuben will, so muß sie an dieses Interesse anknüpsen und bei ihren Unterweisungen auf die Berufsthättgkeit Bezug und Rücksicht nehmen. Von dieser Erwägung geleitet, hat man in zahlreichen Städten die Schüler der Fortbtt- dungsschule nach Berufszweigen getrennt, und durch den Unterricht unter Berücksichtigung der Gewerbekunde und der einschlägigen wirtschaftlichen Gesichtspunkte „eine theoretische Begründung des Berufes" ersttebt Die Erfahrungen ermutigen zu einem Weitergehen auf dem betretenen Wege und die ländliche Fortbildungsschule kann nur gewinnen, toeim auch in ihrem Unterricht an den Beruf angeknüpft wird, dem die meisten ihrer Schüler angehören, an das landwirtschaftliche Gewerbe. Es bedarf praktischer Versuche, bei denen die Gefahr des Irrens und Fehlgreifens allerdings in großem Umfange besteht. Aber mit Rücksicht aus die Wichtigkett der Sache hat es die Schulverwaltung für zweckmäßig gehalten, in der Gemeinde Lan gsdorf, in der die Verhältnisse in mehreren Hinsichten günstig liegen, einen Besuch zuzulassen. Ein abschließendes Urteil ist nach der Arbeit eines einzigen Winters selbstverständlich noch n i ch t m ö a l i ch; wohl aber dars jetzt schon gesagt werden, daß die Art, wie der Unterricht an die "Berufsthättgkeit der Schüler anknüpst, im großen und ganzen richtig zu sein scheint, daß die Ergebnisse im allgemeinen befriedigen, und daß bei allen Beteiligten ein lebhaftes Interesse vorhanden ist, von dem man für die Zukunft das B e st e h o f f e n darf. Die oberste Schulbehörde hat deshalb die Fortsetzung des Versuches gestattet, und die Kreisschulkommission _ angewiesen, der Angelegenheit ihre besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Sie wird auch gern bereit sein, in anderen ländlichen Gemeinden Versuche zu gestatten, sofern die Verhältnisse in ähnlicher Weise günstig liegen, rote in Langsdorf. Die Berufung einer Kommission kann nut Rücksicht auf den geringen Umfang des bis jetzt vorliegenden Erfahrungsmaterials zur Zett nicht für zweckmäßig erachtet werden. „ r , Mese Regierungsausführungen haben den vierten Ausschuß veranlaßt, zu beantragen, die Hohe Kammer wolle an die Regierung das Ersuchen richten, eine al [ g e nt ein e Erweiterung des Fortbildungs,chulwesens in dem Sinne anzustteben, daß in den Lehrplänen (her Fortbildungsschulen die berufsmäßige Ausbildung der Fortbildungsschüler möglichst berücksichttgt und demgemäß in Orten mtt vorwiegend Landrotttschaft treibender Bevölkerung aus den laudwirtschaftttcheu Beruf und in solchen Kolonialpost. Der Lanbesyauptmann der Marschall- Inseln Brandeis hat nach seiner Ankunft in Italien Berlin gar nicht aufgesucht Er hat fief), vielmehr mtt seiner Famttie nach seinem HeimatUmde Baden begeben, um dort einige Zett zuzubringen. Aus dem Hinterlande von Kamerun. Noch -ist keine Meldung hier eingetroffen, daß Oberstleutnant Pavel vom nördlichen Hinterlande nach dem Küstengebiete Kameruns zurückgekehrt ist. Deshalb besteht auch in amtlichen Kreisen die Ueberzeugung, daß er die Landstriche nördlich vom Be nue nicht hat verlassen können. Wenn man die Sage bei uns und in den Nachbar-Mlonien näher betrachtet, so ist die Aufgabe des Kommandeurs der Schutztruppe dort eine solche, daß sie ihn vielleicht noch lange fesselt Im Herbst vorigen Jahres wurde Oberleutnant Dominik beauftragt, eine Station am Benue zu errichten; er erhielt uur 60 Mann ber Schutztruppe mit, da man nicht mehr entbehren zu können glaubte. Jetzt aber wird von den Kamerunern, darunter dem Gouverneur selbst die Vermutung ausgesprochen, häfc Dominik mtt seinen Leuten DiM in Bornu besetzt mtt Hauptsächlich gewerbetreibender Einwohnerschaft mehr auf das gewerbliche Unterrichtswesen Wert gelegt wird. Der Leipziger Bankprozeß, x. Leipzig, 1 Jult Nach Eröffnung der Sitzung giebt Sachverständiger Duenger Erläuterungen zum Geschäftsbericht für 1899 und weist nach, daß ein großer Teil der als im Besitz der Bank ' ausgeführten Effekten und Wechsel verpfändet gewesen ist. Die Leipziger Bank sei daher in ihren Dispo- sitionen nicht so flüssig gewesen, wie die Bilanz erscheinen lasse. Der Gewinn an der Trebergesellschaft habe schon von 1898 an thatsächlich auf dem Papier gestanden. Exner bezeichnet alle mit den Trebergesellschaften eingegangenen Effekten- und Verkaufsgeschäfte als ordnungsmäßig abgeschlossen und verbucht. Dr. Gentzsch hatte nach seiner Aussage kein Bedenken, diesen Effekten und Konsortialgeschäften seine Zustimmung zu erteilen. Er war der Meinung/ daß diese Konsorten das sogenannte Treberconcem bildeten. An diesen Geschäften waren zum Teil die Auffichtsratsmit- glieder der Bank Beteiligt, teils hatten sie, mit Ausnahme Mayers und Fiebigers, Kenntnis davon. Der Vorsitzende hält Exner vor, daß dieser in der Voruntersuchung gesagt habe, die Konsorttalkonten der Treberwerte seien niemals solche gewesen. Die weitere Verhandlung betrifft das Geschäft mit der russischen Trebergesellschaft, nach welchem 3 750000 Mark russische Obligationen von der Leipziger Bank abgenommen werden sollten, obwohl Kassel noch keine Forderung an die russische Gesellschaft hatte. Außerdem waren diese Obligationen noch gar nicht ausgegeben und ihre Lieferung noch gar nicht bestimmt worden. Nach kurzer Pause erklärt Sach^ verständiger Plaut, ein Schaden für die Leipziger Bank sei indessen aus dem Geschäft mit den russischen Obligationen nicht entstanden. Sachverständiger Hermann meint, dieses Geschäft sei in der unternommenen Form wirtschaftlich unverständlich, vom kaufmännischen Standpunkte widersinnig. Alsdann kommt ein langer Briefwechsel zwischen Exner und Schmidt zur Verlesung. Schmidt bezeichnet in diesem Briefe den Werwattungsrat der galizischen Gesellschaft Spitzbubengesindel. Plaut hält eine Reihe von Wechseln auf die Union in Prag und die Schweinfurter Gesellschaft für Reitwechsel. Dr. Gentzsch lagen die Wechsel vor, doch wurde er durch Exner dahin beruhigt, daß ausreichende Sicherheiten dafür vorhanden feien. Die Verhandlung wird morgen fortgesetzt werden. Kunst und Wissenschaft — Der Fehlbetrag der Darmstädter Ausstellung. Die endgültige Abrechnung über die vorjährige Ausstellung der Darmstädter Künstlerkolonie liegt nunmehr vor. Trotzdem an Eintrittsgeldern 58 000 Mark mehr vereinnahmt wurden, als vorgesehen war, schließt die Ausstellung mit einem Fehlbetrag von 252 288 Mark, so daß die Garanliefondszeichner mit 96 Prozent der gezeichneten Beträge herangezogen werden sollen. In den Ausgaben und u. A. folgende UeberschreiMngen des Voranschlages zu konstatieren: Provisorische Bauten 141 702 Mark (gegen 107 000 Mk. im Voranschlag), Musik und Lustbarkeiten 46 383 Mark (20 000 Mark), Gartenanlagen und Nivellierungen 35445 Mark (12 000 Mark). Ferner wurden gegen den Voranschlag mehr verausgabt: für Gehälter und Löhne 19 847 Mk., Reklamen usw. 19 063 Mark, Theaterbetrieb 11526 Mark, Inventar 21055 Mark usw. Im Ganzen betrug die Mehrausgabe geaen den Voranschlag 211 948 Mark, dem nur eine Ersparnis an Ausgaben von 29 308 Mark gegenübersieht, darunter 25 879 Mark. Ersparnis an Honorar für die Künstler, welche 14121 Mark, gegen früher beanspruchte 40000 Mark erhalten sollen. In den Einnahmen war gegen den Voranschlag an Eintrittsgeldern, Festen und Konzerten die bedeutende Dtehreinnahme von 58126 Mark zu verzeichnen (198126 Mark, gegen 140 000 Mk.); trotzdem betrug der Ausfall an Einnahmen gegen den Voranschlag 132 140 Mark; darunter 44 520 Mk. Mindereinnahme aus der Lotterie, 25 787 Mark Mindereinnahme aus Schriften und Katalogen ufw. Die Gesamtausgabe betrug 496 639 Mark, die Gesamteinnahme 244 351 Mark, im Voranschlag batan- zierten beide mit 314 000 Mack. Angesichts dieser Ziffern und da der über alles Erwarten zahlreiche Besuch der Ausstellung und das prächtige Wetter noch eine Mehreinnahme von 58 000 Mark gebracht haben, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß der Voranschlag mit einem unbegreiflichen Optimismus aufgestellt worden ist, der einen nüchternen und praktischen Geschäftssinn gar sehr vermissen läßt, wie die Abrechnung andererseits die Frage nahelegen muß, ob man sich von allem Anfang an in den Ausgaben nicht hätte einer weisen Beschränkung befleißigen sollen, anstatt einen vertrauensvoll für Ausnahmefälle gezeichneten Garantiefonds ohne wttteres als zu verlaborierendes Kapital zu bewachten. UnivrrstÄs-Nachrichten. — Zum Vorsitzenden der Diplomprüfungen an der Technischen Hochschule i n D a r m st a d t für das Jahr 1902,03 wurde Proteffor Dr. Hermann Wiener ernannt. Der, Schlußtermin zur Einreichung der Studienzeichnungen ist auf Montag, 21. Juli festgesetzt. — Die Abteilung für Elektrotechnik an der Technischen Hochschule wird unter Führung der Professoren Dr. Rittler, Dr. Wirtz und ©enget vom 19.-26. Juli eine. Exkursion in die Rheinlande unternehmen. Die Abfahrt beginnt von Mainz aus bis Köln per Schiff. Sodann erfolgt Besichtigung des Kölner Elektrizitätswerks, Tüffeldorser Ausstellung und Elektrizitätswerk dortselbst, sowie einiger in Düsseldorf gelegener technischer Anlagen. Besichtigung des Elberfelder Elekttizitätswerk und der Schwebebahn und der Gasmotorenfabrik in Deutz sowie der Werke der Köln-Ehrenfelder Elektttzitätsaesellschast „Helios". — Tas von den Banken für Handel und Industrie und für Süddeutschland für die Studierenden der Technischen Hochschule gestiftete Jubiläums-Stipendium wurde für dieses Jahr den Studierenden Wilhelm Dietz aus Büdesheim und Rudolf Pfeiffer aus Dresden im Betrage von je 500 Mk. verliehen. Wer sich einen wirklich dauerhaften Schirm wünscht, lasse sich denselben genau nach Wunsch und Auswahl des Materials bauen. Kein Schirm-System, welches bei mir nicht repariert werden könnte. ^«9 Stets sofortige und billigste Bedienung. Schirmfabrik Ftfi. Levi. FBANZJOSEF Bitterwasser ist das beste natürliche Abführmittel. 8998 —__________ Erhältlich überall.'--- Bekanntmachung. Die nachstehende Bekanntmachung des Großher^oglichen Feld- bereinigungs-Kommissärs zu Friedberg bringen wir hiermit zur Kenntnis der betr. Grundbesitzer. Gießen, den 30. Juni 1902. 4813 Großherzogltche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung, betr.: Feldbereinigung in der Gemarkuna Gießen, rechts der Lahn; hier: die Zuziehung eines Teils der Gemarkung Heuchelheim. Nachdem vom Gemeinderat und von einer Anzahl beteiligter Grundeigentümer der Antrag auf Einleitung des Verfahrens der Feldbereinigung für die Fluren XVI bis XXI der Gemarkung Heuchelheim und die Zuziehung dieser Flächen zu der Feldbereinigung Gießen, rechts der Lahn, gestellt worden ist, und nachdem dieser Antrag von Großh. Ministerium des Innern, Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe, auf Grund des Art. 2, 5 und 6 des Feldbereinigungsgesetzes für zulässig erachtet unb der Unterzeichnete zum Kommissär der Leitung der Abstimmung ernannt worden ist, wird hiermit Tagfahrt zur Abstimmung der beteiligten Grundeigentümer über den erwähnten Antrag auf: Samstag, 12. Juli l. I., vormittags von 11 bis 12 Uhr, in das Rathaus zu Heuchelheim bestimmt. Diejenigen beteiligten Grundbesitzer, welche in der anberaum- ten Abslimmungsfahrt weder persönlich noch durch gehörig Bevollmächtigte abstimmen, werden als für das Verfahren stimmend an» geseyen. Gleichzeitig fordere ich hiermit die außerhalb des Bereinigunas- bezirks wohnenden Ausmärker auf, zur Wahrung ihrer Interessen einen im Bereinigungsbezirk wohnenden Bevollmächtigten zu bestellen, da eine weitere besondere Zuschrift im Laufe des Verfahrens an sie nicht mehr erfolgt. Friedberg, den 20. Juni 1902. Der Großh. Feldbereinigungskommissär: ________________Spam er, Kreisamtmann.________________ Bekanntmachung. In dem hiesigen Handelsregister wurde heute bezüglich 6er Firma „Brüder Schmidt" vorgemerkt: Durch am 1. Juli erfolgtes Ausscheiden des Gesellschafters Gustav Schmidt ist die offene Handelsgesellschaft erloschen. Tas Geschäft wird mit der Firma von dem seitherigen Mitteilhaber Franz Schmidt, Kaufmann zu Gießen, weitergeführt. Gießen, den 1. Juli 1902. 4839 Großherzogliches Amtsgericht. Iergebung von Iauarbeilen. Die zur Renovierung der Synagoge nebst Lehrerwohnung für die israelitische Religionsgemeinde zu Londorf erforderlichen Arbeiten und Lieferungen, als: veranschlagt zu a. Maurerarbeiten einschließl. Materiallieferung 96.— DU. b. Schmiedearbeiten, „ „ 131.60 „ c. Weißbinderarbeiten, „ „ 220.55 „ sollen Montag den 7. Juli l. I., vormittags 11 Uhr, in der israelitischen Schule zu Londorf öffentlich in Akkord vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen liegen bis zum 7. Juli l. I. bei dem unterzeichneten Kreisstraßcnmeister Förster zu Allen- dorf a. d. Lda. zur Einsicht der Interessenten offen. Allendorf a. d. Lda., den 27. Juni 1902. 4745 I. A.: Förster, Kreisstraßenmeister. Durch günstig*© und 3949 s© Bange der* Vorrat reicht!! Wrahm-Tchlbntter schweizer-, Eimer- Möbel-Fabrik-Lager 21 Marke 21. Telephon 4d. Seltersweg 8, Hinterhaus. 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X H Geschäftsguthaben 11169.57 Reservefonds 12006.36 Kapitaleinlagen 218204.98 Rückständiges Güterkausgeld 91.11 Unerhobene Dividende 0.70 Reingewinn für 1901 1865.58 243338.30 Die Zahl der Mitglieder betrug Ende 1900 185 Während 1901 gingen zu 5 4833 1 90 Während 1901 gingen ab 6 Daher Stand der Mitglieder Ende 1901 184 Die Rechnung liegt acht Tage lang zur Einsicht beim Rechner Wilhelm Schwalb 1L offen. Daubringen, den 30. Juni 1902. Spar- und Dorschutz-Werein zu Daubringen Eingetr. Genoffensch. mit unbeschr. Haftpflicht. Wilhelm Albach, Wilhelm Schwalb II., Direktor. Rechner. Einladung. Die Mitglieder des Spar- und Vorschuß-Vereins zu Daubringen, E. G. m. u. H., werden hiermit auf Sonntag den 13. Juli, nachmittags 3 Uhr, zu einer Heneral'-Ier sammlüng bei Wirt Albach freundlichst eingeladen. Tages-Ordnung: Abhör der Rechnung pro 1901. Mitteilung des Revisionsberichts aus 1901. Verschiedenes. Der Vorstand. Bahuhofstr. 31 Chr> Arnold Bahnhofstr. 31 empfiehlt 4268 PoBstermoheB von der einfachsten bis zur feinsten Ausführ-ung zu billigsten Preisen. Aufarbeiten von Möbeln prompt und billigst. AnftttigiiW düii NmiiMN in MWM.AiisfiihrW Allianz am 31. Aktiva. JL H 1. Kassenvorrat 700.— 2. Warenvorrat 3785.— 3. Ausstehende Forderungen 6939.78 4. MobiliennachAb- schreibung v. 10°/0 46.01 11470.79 Mitgliederstand Ende Zugang in 1901 . Abgang in 1901 . Mitgliederstand Ende Steinbach, den 1. Juli Dezember 1901. Passiva. JL H 1. Geschäftsguthaben der Mitglieder 1260.— 2. Aufgenommene Kapitalien 350.— 3. Noch zu bezahlende Warenschulden 6907.35 4. Noch zu bezahlende Verwaltungskosten 229.32 5. Reservefond 1462.66 6. Reingewinn 1261.46 11470.79 1900 ... 138 138 1901 . . . 138 1902. 4841 Landwirtschaftlicher Konsumverein Eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht. Der Rechner: Balser V. Der Direktor: Herbert. KrjiMger PsttüttersichermMereill. Die im Juli stattzufindende Besichtigung der Pferde soll Samstag den 5. Juli, vormittags 8 Uhr, auf dem Jahrmarktplatz dahier vorgenommen werden. Für die Orte der Rabenau wird die Besichtigung Donnerstag den 10. Juli, vormittags 8 Uhr, zu Londorf auf der Straße nach Nordeck vorgenommen. Auf § 21 des Statuts wird verwiesen. Grünberg, den 26. Juni 1902. 4830 Der Direktor: Georg Keil. Eisschränke, Gartenmöbel, Speifeschräuke, sowie alle Haushaltungsartikel empfiehlt billigst 4171 Emil Pistor UfachfL, WartttNraße 10. für die warme Jahreszeit empfehlen in bestbewährten Qualitäten £996 Äug. Montanas Nacht, Markt 9-10 Damen- und Herren-Modewaren. '.» 15. Juli ra gewähren. Der Verkauf findet nur gegen Cassa statt. 4677 Marktplatz 16. Fried. Teipcl Seltersweg 9. Eisessen * ■ A M - w ’/iV? W K K MiiaBtos-iParherie^ihifi befindet sich von heute an 4690 6. Seltersweg 6. A. Welz. EeBicia ist das einzig Wahre zur 2593 Vertilgung der Ratten und Mäuse. Sicherer Erfolg. 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