Nr. 186 Erstes Blatt. 158. Jahrgang Montag 19098 »rfchetvt täglich _ B-zng-pre»-' außer Sonntag«. ö Ä> / Q monatUch7bP1..oterttl- ®eS^Ui&?©e^rmü /3a ,▲ A >▲ A AA A AlA AA Ak A A A AA ^ok- U.2S kML- K/1V n V11V l 44111V lUV l WW £2£2SE ** General-Anzeiger v .™™S. und Druckerei: _ v für den voltt. u. aüfleeu SS' Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen KKs kstrasprechanschlußRr.dl.___ V *7 ! U zetgenteU: Han« deck. Polizeiverordnung, doS £ «umlaufen der Gänse an Sonn- und Feiertagen auf bcn Straßen und Plätzen zu Holzheim betreffend. Auf Antrag beß OrtSvorstands zu Holzheim wird mit Genehmigung Großh. Ministeriums des Innern vom 17. Mai 1902 rote folgt verfügt: § 1. ist verboten, auf den Straßen und öffentlichen Plätzen m der Gemeinde Holzheim an Sonn- und Feiertagen Gänse mnherlaufen zu lassen. § 2. Zuwiderhandelnde werden mit einer Geldstrafe von 20 Pfg. pro Stück bestraft, sofern nicht Bestrafung nach H 366 Ziffer 1 und 10 des Strafgesetzbuchs cinzutrcten hat. Gießen, den 31. Mai 1902. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Dr. Wagner. Polizeiverordnung, betreffend Verhütung von Waldbrändcn. Mit Rücksicht auf die große Zahl von Waldbränden, welche infolge der zurzeit bestehenden außerordentlichen Trocken- hrtt entstanden sind, bestimmen wir auf Grund des Art. 79 der KreiS- und Provinzialordnung das folgende: 1. Bis auf weiteres ist daS Rauchen von Zigarren, Zigaretten und ungedeckelten Tabakspfeifen in Waldungen und auf Haiden außerhalb der chauffierten OrtSverbindnngs- roegc verboten. 2. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu 90 Mk. bestraft. Gießen, den 21. April 1902. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Bechtold, Politische Wochenschau. Tee politische Wettersignatur ist gegenwärttg kritisch Lwd zwar weist sie, wie des berüchtigten Wetterpropheten z Falb Kalender, kritische Tage erster Ordnung auf, deren Erscheinungen als unmittelbar bevorstehend zu bezeichnen sind. Es bereiten sich eigentümlicherweise fast zur gleichen Zett in verschiedenen Staaten Dinge vor, deren Bedeutung und Tragweite für die Entwicklung der einzelnen Nattonen zwar nicht gleich groß sind, deren Entscheidungen aber, mögen sie sich mm günstig oder ungünstig gestalten, in die nächste Zeit fallen müssen. Deutschland hat in seiner wirtschaftlichen Entwicklung — und ist diese nach Lage der Tinge nicht von höchster Bedeutung? — eine Krisis durchzumachen, wie sie ihm bis jetzt zum Glück erspart worden ist. Selten ist die Frage „Sein oder Nichtsein" dringlicher gestellt worden als heute, und selten ist ihre Beantwortung für l)as deutsche Volk so entscheidend gewesen wie in der Gegenwart. Man wird erinnert an den lleoergang zur Zollpolitik in den siebziger Fahren, die Rückkehr zum Freihandel und die Zeit der Handelsverträge anfangs der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Wird uns die nächste Zett die Schutzpolittk bringen oder nicht — das ist die große Frage. Diese äußerst kritische Situation hat nun einen Höhepunkt erreicht, der uns bald die Entscheidung bringen und die auf allen Gemütern liegende Spannung lösen muß. Wenn auch der Hauptschlag erst in der nächsten parlamentarischen Saison zu erwarten sein wird, wenn vielleicht erst die nächsten Wahlen über den Zolltarif entscheiden werden, so muß doch in nächster Zett das Ja oder Nein in der Zuckervorlage gesprochen werden, aus deren Ergebnis sich nicht ohne Berechtigung ein antizipierender Schluß auf das der Zolltarifvorlagc ziehen laßt, und das auch nicht ohne Einfluß auf die Rerchstagsverhandlungen im Winter bleiben wird. Ohne Zweifel! Denn wir erleben in der Zuckcrsteuerkommissron das gleiche parlamentarische Bild wie in der Zolllarif- kommrssion, um deren Schncckengang sich zur Zeit niemand mehr recht kümmert. Auch die Begleiterscheinungen differieren wenig von einander. Man- redet hier wie da von gründlicher Ueberlcgung und Durchberatung" — und die Staatssekretäre Posadowsky und Richthosen treten mit ihren Ermahnungen und Warnungen in der zuckersüßen Kommission ebenso nutzlos auf wie in der Tarifkommission. Ter Antrag auf „gründliche Durchberatung" der Zuckerfrage wurde von ihrem Einbringer, Müller-Fulda, zurückgezogen, weil eine Mehrheit dafür sich nicht finden ließ. Man wartet wieder mal Erklärungen Bülows 'ndem, ab^vafchbareni) Einband. Das erste von der Stiftung herausgegebene Buch wird ein Mt beit Aenderungen, die der Wg. Wolf vorgeschlagen habe, fei er durchaus einverstanden; tm übrigen werde er für we Vorlage stimmen. Abg. M o l t h a n (Ztr.) erklärt, daß die Vorlage zwar nicht alle Wünsche erfülle, daß er indes für die Regierungsvorlage stimmen werde, damit in diesem Landtage noch etwas erreicht werde. Die Hauptsache sei für ihn die geplante Gehaltserhöhung. Daß der Antrag Wolf Aussicht auf .Erfolg habe, glaube er nicht, und er richte deshalb an den Herrn Kollegen Wolf die Bitte, den Antrag zurückzuzieheu. Mg. Weidner (fr. w. Vg.) hält eine Abänderung der Vorlage, mit der der Ausschuß sich sehr eingehend befaßt habe, nicht für notwendig. Mg. Köhler-Darmstadt (nl.) erklärt, die gewünschte Beseitigung des militärischen Charakters des Gendarmeriekorps, was bis'jetzt nur in Sachsen der Fall sei, sei für uns nicht angängig, zumal die Regierung durch die Militärkonvention mit Preußen vom Jahre 1871 gezwungen sei, den militärischen Charakter desselben beizubehalten. Die der Regierung vorgeschlagene Organisation halte er für glücklich gewählt, eine Personalvermehrung sei nicht in Aussicht genommen. Der Antrag Wolf würde die ganze Organisation über den Haufen werfen; er bitte deshalb, denselben abzulehnen. Abg. Wolf (fr. w. Vg.) zieht alsdann seinen Antrag zurück und behält sich! vor, denselben bei der nächsten Budgetberatung nochmals einzubringen. Es wird sodann zur Abstimmung geschritten. Die Regierungsvorlagen finden in der vorgeschlagenen Fassung die einstimmige Billigung des Hauses. Als zweite Position der Tagesordnung folgt die Regierungsvorlage, den Gesetzentwurf, die Aenderung des Gesetzes über die Feuerlösch- ordnung vom 29. März 1890 betr. Die Vorlage bezweckt, die Gewährung eines Schadenersatzes ,aus der Landesfeuerlöschkasse auch auf die Fälle auszudehnen, wo die Feuerwehr über ihre eigentliche Aufgabe hinaus zur Bekämpfung eines allgemeinen Notstandes: aufgeboten wird. Die Vorlage wird ohne Debatte angenommen. Ebenso wird die Genehmigung erteilt zum Verkauf einer zum Landeseigentum gehörigen Parzelle in der Gemarkung Friedberg, die, zum Gelände der Taubstummenanstalt gehörig, infolge einer neuen Straßenanlage abgetrennt worden ist rund die der Nebenlieger für 7 Mk. pro Quadratmeter erwerben will. Ein dringlicher Antrag des Abg. Schönberger, die Statuten der Sparkassen betr., wird ohne Debatte gemäß dem Ausschußantrag für erledigt erklärt. In gleicher Weise wird, die Vorstellung des Vereins Großh. Geometer 2. Klasse, Einführung des Instituts der Kreisgeometer betr., erledigt, da demnächst den Ständen e*ine Vorlage wegen definitiver Anstellung einer Anzahl der im Kreisgeometerdienst verwendeten älteren Geometer 2. Klasse zugehen wird. Der Vorstellung des Fußgendarmen i. P. D o tz e r t txv Gießen, betr. die Erhöhung seiner Pension bezw. Bewilligung der Verstümmelungszulage, wird keine Folge gegeben, da die. Dienstunfähigkeit nicht durch einen Unfall verschuldet ist und zudem die Regierung bemüht ist, die Lage desselben durch eine entsprechende Unterstützung aus -er Staatsunterstützungskasse zu verbessern und beabsichtigt, dies auch fernerhin zu thun, solange die Verhältnisse die gleichen bleiben. Ferner wird ohne Debatte für erledigt erklärt die Vorstellung der Petitionskommission der landw. Be- zirksvereinZversammlung zu Langwaden, betr.: Hagelversicherung, worin dieselbe eine staatliche Hagelversicherung ein geführt wissen will bezw.'den Abschluß eines bezügl. Vertrags mit einer Versicherungsgesellschaft seitens Großh. Regierung anstrebt. Die Regierung wird den Ständen demnächst eine entsprechende Vorlage zuehgen lassen. Einer Reihe von Gesuchen um Staatshilfe wird keine Folge gegeben in Gemäßheit der Anträge der Ausschüsse. Zu der Vorstellung der Lehrer an der T a u b st u m m e Iran st a l t zu Bensheim, die Neuregulierung ihrer Gehalts- und Rechtsverhältnisse betr., beantragt der Ausschuß, der Vorstellung keine Folge zu geben. Mg. Backes (nl.) spricht gegen den Ausschußantrag, der indes gegen fünf .Stimmen angenommen wird. Ein Antrag des Abg. Kö b l er- Langsd orf auf Abänderung des Urkundenstempelgesetzes von 1899 wird nach kurzer Debatte gemäß dem Anträge des Ausschusses abgelehnt, nachdem die Abgg. Bähr und Woidner die Revision des Stempelgesetzes im Interesse des Grundbesitzers, der unerträgliche Lasten zu tragen habe, für unerläßlich erklärt haben, wogegen Justizminister Dittmar hervorhebt, daß die Statistik ergäbe, daß die Belastung der Landbevölkerung verhältnismäßig nicht höher geworden sei. Als nächste Position steht zur Beratung: Antrag des Mg. Schönberger, Artikel 88 des Ge setz es von 11899, die Ausführung des Bürgerliche nGesetz- buches betr. Der Antrag verfolgt den Zweck, die Klagen der Besitzer von landwirtschaftlichen benutzten Grundstücken gegen die Ungerechtigkeit des sogen. Ueberhangs bei Maldbeständen zu beseitigen und den Artikel 88 des hessischen Ausführungsgesetzes zum B. G.-V. aufzuheben. Der Ausschußantrag hierzu lautet: Großh. Regierung um Einbringung einer Gesetzesvorlage zu ersuchen, an Stelle des Art. 88 Nr. 2 folgende Bestimmung zu setzen: 2) Auf Bäume und Sträucher eines Grundstückes, das zur Zeit des Erlasses des hessischen Gesetzes von 1861 mit Wald bestanden ist, soweit die herüberragenden Zweige sich mehr als 3,75 Meter über dem Boden befinden, jedoch nur bis zur nächsten Verjüngung des Waldes. Ministerialrat Best hält die Vorschläge in der Praxis nicht für durchführbar. Die Regierung fühle sich deshalb nicht veranlaßt, eine dem Anträge des Mg. Schönberger entsprechende Gesetzesvorlage in Aussicht zu stellen. Wg. Schönberger (nl.) erklärt, die Ausführungen des Vorredners stünden im Widerspruch mit dem allgemeinen Rechtsgefühl. Bei der Beratung des hessischen Ausführungsgesetzes feien die Interessen der Landwirtschaft nicht genügend gewahrt worden. Ein wohlerworbenes Recht zum Ueberhang könne nicht nachgewiesen werden, vielmehr schließe derselbe nur eine Anmaßung und kein Recht in sich und erfordere deshalb dringend einer baldigen Beseitigung. Er appelliere an das Rechtsgefühl und an die praktischen Erfahrungen der Abgeordneten. Mg. Köhler-Langsdorf (fr. w. V.) ist im wesentlichen mit den Ausführungen des Vorredners einverstanden. Die Forstverwaltung solle alles thun, um jeden Schaden der angrenzenden Besitzer zu vermeiden. Er empfiehlt die Annahme des Antrags des Ausschusses. Mg. Weidner (fr. w. V.) erkennt ebenfalls die Berechtigung des Antrags an und befürwortet dessen Annahme. Abg. Ulrich (Soz.) betont, daß der § 910 des B. G.-B. die allmähliche Beseitigung der in Frage stehenden Uebel- stände bezwecke. Nun zeige sich aber, daß die Forstverwaltung sich wenig um diese Bestimmungen kümmere. Er unterschätze nicht die dadurch entstandenen Benachteiligungen und es müsse deshalb an eine Aenderung des Artikels 88 des hessischen Ausführungsgesetzes zum B. G.-B. gedacht werden, wenn die Regierung auch erklärt habe, daß man an eine Aenderung des erst vor einem Jahre zustande gekommenen Gesetzes vorerst nicht denken könne. Er bitte um Zustimmung zum Ausfchußantrag, um die Regierung zu veranlassen, der Sache näherzutreten. Mg. Schönberger (nl.) hat zum Rechtsgefühl der Mitglieder der 1. Kammer das Vertrauen, daß sie seinem Antrag zustimmen werden. Eine gesetzliche Festlegung und Regelung der Sache sei dringend erforderlich. Er bitte um einstimmige Zustimmung der Kammer. Ministerialrat Best betont, daß nach dem Gesetze von 1861 wohl ein Recht zum Ueberhang vorhanden sei. In den Motiven zu diesem Gesetz sei darauf hingewiesen, daß nach den Bestimmungen des gemeinen Rechts insofern ein Ueberhang zu dulden sei, als er nicht über 3,75 Meter hinausrage. Es sei dies eine uralte, 200 Jahre alte Bestimmung des gemeinen Rechts. Die Forstverwaltung sei bereit, alles zu thun, um etwaige Schäden abzustellen. Die beantragte Aenderung eintreten zu lassen, sei oie Regierung aus rechtlichen Gründen nicht in der Lage. Mg. Frenay (Ztr.) bittet, dem Ausschußantrag mit einer kleinen redaktionellen Aenderung zuzustimmen. Sodann wird der Antrag des Ausschusses auf Zustimmung angenommen. Es folgt die Vorstellung der Hülfsgerichts- schreiber bei den Amtsgerichten, der zweiten Staatsanwaltsgehülfen und Gerichtsschrei-- ber -Aspiranten, betr. d i e anderweitige Rege-- lung ihrer Dien st Verhältnisse und Gehalts- Verhältnisse, und die Vorstellung der Hülfs- gerichtsschreiber bei den Amtsgerichten und der zweiten St a a ts an w alts chaft s g e h il fen, betreffend Anrechnung von Besoldungsvor- dienstzeit. Der Ausschuß ist der Meinung, daß die Gesuchsteller weder in Bezug auf ihre dienstliche Stellung noch in Bezug auf ihre Beförderungnsaussichten eine begründete Veranlassung zu den ihren Vorstellungen zu Grunde liegenden Beschwerden haben. Eine anderweite Normierung des Gehalts erscheine angezeigt, sobald diejenigen, die sich im Besitze der besseren Vorbildung befänden, zur Anstellung gelangten. Bezüglich der Titelfrage (die Petenten wünschen die Titel: Obersekretär, Sekretär und Aktuar) solle man sichren Wünschen willfahren. Wg. Molth an (Ztr.) erklärt, daß er dem Antrag des Ausschusses lediglich deshalb zustimme, weil keine Aussicht vorhanden fei, daß bei dem hartnäckigen Widerstand der Regierung in dieser Beziehung etwas zu erreichen sei, trotzdem nachgewiesen sei, daß die Hülfsgerichtsschreivep die Arbeiten der Gerichtsschreiber zum großen Teil besorgten. Die gewünschten Titel solle man ihnen verleihen. Der Ausschußantrag wird einstimmig angenommen. Der Vorstellung der Aufseher der ®efängniffe usw. zu Darmstadt und Mainz wegen Bewilligung eines Wohnungsgeldzuschusses wird keine Folge gegeben. Für den Erwerb eines Dienstgebäudes für bie Groß h. Bezirkskass e Wöllstein werden 12500Mk. bewilligt. Ebenso wird genehmigt die Regierungsvorlage, die Herstellung einer Verbindungsbahn zwischen der Strecke Lampertheim-Mannheim und dem neuen Rangierbahnhof Mannheim der ibadischen Staatsbahn. Eine Vorstellung der Gemeindevertretung und Einwohner von Birklar, betreffend den Bau der Eisenbahn Lich- Butzbach, worin eine Vorbeiführung der Bahn an dem Orte und eine Haltestelle gewünscht wird, wird für erledigt erklärt, nachdem die Petenten, da die endgiltigen Pläne für die Linie Butzbach-Lich dem Finanzministerium noch nicht vorliegen, auf die mit den ausführlichen Vorarbeiten beschäftigte Firma Lenz & Co. in Berlin verwiesen worden sind. In gleicher Weise wird auch die Vorstellung des Gemeindevorstandes zu Eberstadt (Kreis Gießen) und Dors-Gill, betreffend: den Bahnbau Butzbach- Li ch , worin eine gemeinsame Haltestelle für die Gemeinden Eberstadt, Dorf-Gill und Hof-Gill in der 9Lähe von Los- Gill erstrebt wird, debattelos für erledigt erklärt, nachdem die Petenten seitens der Regierung gleichfalls an oben genannte Firma verwiesen sind. Schluß 121/2 Uhr. Nächste Sitzung Dienstag 10 Uhr. Volitische Tagesschau. Mitteilungen aus Univerfitätsvorlesungen. Wie wir berichteten, ist der Berliner Student Woth, der aus einer Vorlesung des Professors Schm oller einige Mitteilungen an die Presse gelangen ließ, mit einer der stärksten Diszip linarstrafen belegt worden, die von der Universitätsbehörde verhängt werden können. In dem Urteile soll ausgesprochen worden fein, es müsse ein unbeschränktes Recht der Dozenten bleiben, zu verlangen, daß alles, tvas sie sagen, innerhalb der Mauern der Universität bleiben solle. Wir sind durchaus keine Freunde von Indiskretionen; aber einen solchen Grundsatz aufzustellen, geht doch weit über das vernünftige Maß hinaus. Wenn nach diesem Grundsätze allgemein und rücksichtslos verfahren würde, schwebte wohl jeder Student dauernd in der Gefahr, mit den höchsten Disziplinarstrafen belegt zu werden; denn cs würde bann auch der Student sich eines Vergehens schuldig machen, der gewisse Aussprüche eines Professors weitererzählt, ohne daß er die Absicht einer Veröffentlichung im eigentlichen Sinne damit verbindet. Muß er doch selbstverständlich immer mit der Möglichkeit rechnen, daß das, was er erzählt, weitergetragen und schließlich der breitesten Oeffentlichkeit unterbreitet werde. Unfers Erachtens liegt auch kein ausreichender Grund vor, um solche Mitteilungen als sträfliche Indiskretionen zu ahnden. Beschränkt sich der Professor auf die Wiedergabe des wisienschaftlichen Stoffs, so wird kaum jemand daran denken, seine Ausführungen in irgend welcher Weise zu veröffentlichen. Geht er aber auf Tagesereignisse ein, so muß er mit dieser Gefahr rechnen; und es ist nicht abzusehen, weshalb er das, was er feinen Studenten gesagt hat, nicht vor der Oeffentlichkeit vertreten will. Wohin es führen könnte, wenn das Disziplinarurteil Nachfolge finden sollte, kann aus einem bezeichnenden Beispiele ersehen werden. Vor einiger Zeit wurde bekanntlich von den Krawallen berichtet, die von polnischen Studierenden in der Vorlesung des Berliner Geschichtsprofeffors Schiemann inszeniert wurden. Damals teilte die Presse das mit, was Professor S. gesagt hatte. Konsequenterweise müßten die Gewährsmänner dieser Preßmitteilungen mit derselben Strafe belegt werden; denn es kann doch zur Beurteilung nicht darauf ankommen, ob die Veröffentlichung dem Professor angenehm oder unangenehm gewesen fei. — Die „Kreuzztg." macht übrigens nicht ohne Bosheit darauf auf» mcrfam, daß es nunmehr dem Prof. Schmoller nach § 36 des Urhebergesetzes noch frei stehe, gegen den betreffenden Studenten auf Ersatz des durch die Veröffentlichung verursachten Schadens zu klagen. Wenn Schmoller konsequent handeln wollte, müßte er thatsächlich auch diese Klage er* .Balladenbuch" fein, in dem die schönsten Balladen der deutschen Dichtung vereinigt werden sollen. Ein genaues Verzeichnis der von der Stiftung zunächst geplanten Buchausgaben und der Werke, die von Verlegern angekauft und an Volksbibliotheken abgegeben werden sollen, wird auf Wunsch von dem Schriftführer der Stiftung, Dr. Ernst Schultze-Hamburg, .übersandt, von dem auch der Aufruf und die Satzungen zu beziehen find. Auch nimmt der Genannte Beiträge (in jeder Höhe) entgegen. Psychiater oder Richter. Dieser Tage brachten wir eine Zusammenstellung der un „Lotsen" enthaltenen psychiatrischen Urteile betr. das Psychiater-Kollegium. Dabei war eine Beilage zu dem genannten Blatt übersehen worden, in der sich Prof. Dr. Sommer in Gießen u. a. folgendermaßen aus- spricht: Sachlich habe ich gegen Ihren Vorschlag Bedenken und gehe vielmehr darauf aus, durch,Verbesserung der Untersuchungsmethoden die Beweisführung in psychiatrischen Gerichtsfällen so zu gestalten, daß selbst bet völliger Freiheit des Gerichtes, sich nach feiner Ueberzeugung zu entscheiden, das Gutachten nicht übergangen werden kann. Eine Dogma- tisierung der psychiatrischen Auffassung würde die Gerichtsverhandlung von vornherein überflüssig machen und eine öffentliche Diskussion ausschließen. Ich sehe also in der Ausbildung exakter psychiatrischer Untersuchungs- und Beweismethoden auf die Dauer einen viel sichereren Schutz gegen solche Fehlurteile, als in einer vorzeitigen Dogma- tisierung des psychiatrischen Urteils. In dem Falle, welcher den Ausgangspunkt Ihrer Aeußerung bildet, habe ich bei dem Lesen per Gerichtsverhandlungen den Eindruck gewonnen, daß selbst unter der Annahme der Zurechnungsfähigkeit in Anbetracht der psychologischen Sachlage dasl Urteil ein sehr hartes ist und daß die Mißachtung der | psychiatrischen Beweisführung ohne ersichtliche intellektuelle Gründe erfolgt ist. Diese Meinung im einzelnen Falle, die bei Mangel eigener Beobachtung eben nur den Wert einer subjektiven Anschauung haben kann, ist jedoch nicht im stände, mich in der oben entwickelten Auffassung in prinzipieller Hinsicht zu beirren. Städtebundtheater vor hundert Jahren. Wie unsere Leser wissen, treten wir bereits seit längerer Zeit nach besten Kräften für die Begründung eines ober hessisch en Städte- bundtheaters ein, dessen Vorteile vor den jetzigen Theaterzuständen in unserer Stadt wir wiederholt eingehend auseinandergesetzt haben. Es durfte interessieren, daß ähnliche Unternehmungen m Westdeutschland schon vor einem Jahrhundert bestanden haben. Damals hatten die ehemals zum Napoleonischen Weltreiche gehörenden deutschen Länder am linken Rheinufer mit den übrigen französischen Provinzen diese Einrichtung. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatten mancherlei Umstände einen Bersall der Bühnen am Rhein herbeigeftihrt. Die traurige Sitte der Armenabgaben — 10 v. H. der Bruttoeinnahmen eines jeden Theaterabends wurden für Armenunterstützung verwendet —, ferner ein Erlaß des Direktoriums in Paris, wonach es verboten war, an Sonn- und christlichen Feiertagen zu spielen, sodann die strenge Handhabung der zwischen zwer Extremen schwankenden Zensur hatten nicht wenig das Theaterwesen geschädigt. Eine vom Kaiser Napoleon befohlene Neuregelung des Theaterwesens sollte die Wunden heilen. In dem kaiserlichen Dekret vom 8. Juni 1806 war u. a. angeordnet, daß die Städte, die nur während eines Jahresabschnitts ein Theater zu unterhalten vermögen, einem der 25 Theaterbezirke zugewiesen werden sollten, die für das ganze Reich eingerichtet wurden. Wer als privilegierter Theaterdirektor das Spielmonopol für einen Bezirk zu erwerben wünschte, der hatte sein Gesuch, womöglich mit einer Empfehlung des Präfekten, in dessen Departement er bis dahin gespielt hatte, an den Minister des Innern zu richten, und zwar unter Nachweis seiner Geldmittel, und ferner die Genehnügung des Polizeiministers einzuholen. Die Konzession wurde auf höchstens 3 Jahre erteilt. Die ganze Organisation wurde am1 1. April 1808 emgestihrt. Besonderes Gewicht war darauf gelegt, daß der Theaterunternehmer im Besitze der nötigen Geldmittel war. Vor leichtsinnigem Schuldenmachen wurde in einem kaiserlichen Erlaß besonders gewarnt. Um den Theaterunternehmer noch mehr zu unterstützen, war bestimmt, daß dort, wo er sich zum Spielen einfand, Seiltänzer, Kuifftreiter, Vorführer von Merkwürdigkeiten rc. ein Fünftel ihrer Bruttoeinnahme ihm aushändigen mußten. Nun kam es aber so, daß viele Direktoren nur die Früchte ihres Monopols genießen wollten, ohne selbst die künstlerische Leitung in der Hand zu behalten. Dies veranlaßte das Ministerium des Innern im Jahre 1813, neben einer Aenderung der Theaterbezirke — sie wurden vergrößert und damit an Zahl verringert — die besondere Bestimmung zu treffen, daß kein Direktor einen Unterpächter annehmen dürfe. Habe er zwei Gesellschaften, fo solle an der Spitze der einen ein von ihm besoldeter Regisseur stehen, für den er haftbar sei. Diese Neuregelung hatte jedoch nur kurzen Bestand, da kurze Zeit daraus unter den Siegen der verbündeten Heere die französische Herrschaft im Rheinland zufammenbrach. — Aus Frankfurt a. M. wird uns geschrieben: In der Juni-Ausstellung des Kunst-Salons Hermes hat der Stuttgarter Professor O. Remiger eine Sonderausstellung seiner Werke veranstaltet. Vertreten sind ferner mit größeren Kollektionen Adolf Menzel und Hans Thoma, mit Einzelwerken F. v. Lenbach, Franz Courtens, Max Liebermann, Victor Gilsoul, L. Passini. W. Firle^ G. Schönleber. A. Böcklin und viele andere mehr. Von älteren Franzosen sind zu bemerken G. Courbet, E. Jsabey und C. 5. Daubiany. Wie das „B. T." aus angeblich guter römischen Quelle erfährt, hat Frhr. v Hertling in der Angelegenheit der Errichtung einer katholischen theologis ch e n Fakultät in Straßburg dem Vatikan hierüber Vorschläge unterbreitet. Um den ferneren Widerstand Rampollas $u beseitigen, will die Reichs- regierung u. A. dem Straßburger Bischof einen erheblichen Ern- fluß auf die Ernennung der Professoren zugestehen. Tie Aussichten sollen diesmal günstiger sein. Bekanntmachung. $n das hiesige Handelsregister wurde heute eingetragen: I. Erloschen ist die Firma 1. Georg Balser zu Gießen; 2. August Haßler daselbst; 3. Sally Klebe daselbst; 4. I. Klebe daselbst; 5. Wilhelm Textor daselbst. II. Tas unter der Firma „Carl Hem, Hotel Prmz Carl", zu-Gießen bestehende Geschäft ist aus die Carl Hem Witwe übergegangen. Gießen, 29. Mai 1902. 4063 Großherzogliches Amtsgericht. heben. Es wäre gewiß nicht uninteressant, zu erfahren, wie hoch der Schaden von Sachverständigen abgeschätzt würde. Kolonialpost. Leber die Lage im nördlichen Hinterlande von Kamerun hat die Tagung des Ausschußes der Deutschen Kolomal- Gesellschaft in Halle größere Klarheit verschafft. Der Vorsitzende des Tschadsee-Komitees, Konsul Vohsen, hat u. a. mit* geteilt, daß der OberstleutnantPavel in der Verfolgung deS ehemaligen Emirs von Jola, Subcir, bis nach Marru a vorgerückt ist, also nahezu 200 Klm. nördlich über itic Station Garua am Benue hinaus. Außerdem ist in kolonialen zuständigen Kreisen das Gerücht verbreitet, daß von einem Offizier auch ein Vorstoß bis nach Diköa gemacht worden sei. Manche Gründe sprechen dafür, daß man sich dort dauernd festsetzt, zumal die Früchte solcher Expeditionen regelmäßig verloren gehen, wenn sich die Truppen aus dem betr. Landstrich bald wieder zurückziehen. Ein merkwürdiges Zusammentreffen ist es, daß zu gleicher Zeit mit dem Vorrücken der deutschen Schutztruppe nach dem Tschadsee-Gebiet auch die Geschichte von der Vernichtung des Reiches Rabe Hs von Gentil erschienen ist. Der Harrptschlag gegen Rabeh geschah im April 1900 am Schari auf deutschem Gebiet. Die französische Truppe führte der Major Lamy, der nur fürchtete, daß Rabeh einem Kampfe ausweichen könnte. Dazu schreibt Gentil: Dabei kommt noch ein delikater Punkt m Frage; Rabeh befindet sich nämlich auf anerkanntem deutschen Gebiet. Die abgeschlossenen Verträge verhinderten uns, dahin einzudringen. Was machen? Glücklicherweise hatte Lamy bei seinem Zug durch Sinder den ältesten Sohn von Hachim, dem vorletzten Sultan von Bornu, aufgefunden. Er ist der rechtmäßige Erbe von Bornu und macht auch Anspruch darauf. Da Deutschland das Landgebiet noch nicht besetzt hat, kann er uns allein ermächtigen, dahin einzudringen. Ich ließ ihm durch Gaurang, den Sultan von Bagirmi, schreiben. Die Antwort des Scheit Amar Scinda ging dahin, daß er nicht über solche Kräfte verfüge, um gegen Rabeh vorzugehen. Er ermächtige aber Gaurang und seine Verbündeten, auf das Gebiet von Bornu einzudringen und in Verbindung mit ihm den gemeinsamen Feind zu bekämpfen. Dieses Schreiben, schreibt Gentil, ermächtigte mich, nach meinem Gutdünken zu handeln, denn ich beging mit dem Eintritt nach Bornu keine Gebietsverletzung. Danach erfolgte am 22. 2lpril 1900 der Kampf bei Kussuri am Schari. Rabeh wurde völlig in die Flucht geschlagen. Samoa. Die „Sam. Ztg." meldet: .Wie uns mitgeteilt wird, ist die Kopfsteuer der Samoaner pünktlich am 1. April eingezahlt worden. Der Gesamtertrag belief sich auf etwa 40000 Mk. In diesem Vorgang liegt ein neuer deutlicher Beweis für die Gewöhnung der Samoaner an die deutsche Verwaltung. Aus Stadt und Zand. Gießen, den 2. Juni 1902. - Audienz. Der Groß Herzog empfing am 31. Mai u. a. den Unwersiäts-Forstgärtner Dörmer aus Gießen. • * Auszeichnung. Der Groß Herzog hat dem zum 1. Juli nach Halle versetzten Ober-Postdirektor Holfeld das Komturkreuz 2. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. • • Wegen Diebstahls wurde ein auswärtiger Taglöhner verhaftet. Er hatte seinem Tischgenossen, als dieser neben ihm eingeschlafen war, Geld aus der Tasche entwendet. '"Patentiert wurden neuerdings: ein Brennofen für Kalk, Gement u. dergl., hergestellt von H. Hinz in Gießen; ein Verfahren zum Mischen von Hochofeneisen erster Schmelzung mit iw Kugelofen niedergeschmolzenen Eisen in einem beheizbaren Mischer und Vergießen der Mischung, hergestellt von H. Buderus in Hirzenhain; Kreissägeblatt mit radialen, nach der Mitte verjüngt verlaufenden Wellen, hergestellt von H. Ehr. Hansel in Gießen. -o- Die akademische evang. Vereinigung (Ortsgruppe des evang. Bundes) hielt 'gestern abend im Cafs Ebel eine Generalversammlung ab, in der Repetent Becker einen Vortrag hielt über den Reformkatholizismus. Der Reformkatholizismus, führte der Referent aus, stelle innerhalb der katholischen Kirche einen Gegensatz dar gegen den „Ultramontanismus". Ihren Anfang nahm die Bewegung vor etnxi 50 Jahren in Amerika und sie hat sich dann auch nach Europa verpflanzt. In Deutschland sind gegenwärtig drei Männer als Führer zu neuen: die Prof. Schell in Würzburg, Joseph Müller in München uni) Ehrhard in Wien (jetzt nach Freiburg berufen). Der Reformkatholizismus erstrebt eine Versöhnung des Katholizismus mit der modernen Kultur. Der wahre Katholizismus sei dazu berufen, die Kultur in sich aufzunehmen; dadurch erst könne diese auch zu einem Segen für die Menschheit werden. Er geht dabei von der Ueber- - eugung aus, daß der Katholizismus die Wahrheit sei, daß aber auch die Kultur die Wahrheit zur Führerin habe. Ta es nun nur eine Wahrheit gebe, so könnten beide gar nicht miteinander in Widerspruch geraten. Wenn sich einmal ein Widerspruch zu ergeben scheine, dann sei entweder die wissenschaftliche Forschung nicht richtig verfahren und müsse darum korrigiert werden, oder der Gegensatz beziehe ich auf einen Gedanken, der überhaupt nicht zur katholischen Wahrheit gehöre, sondern nur fälschlich dazu gerechnet werde. Tas Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes, erklären die Reformer weiter, bedeutet nicht einen Zwang, andern eine Befreiung. Sie geben ihm dabei eine andere Deutung als die Jesuiten. Während diese die Unfehlbarkeit auf das Gebiet des Glaubens und der Sitte im wertesten Sinn beziehen, beschränken es jene auf dogmatische Formulierungen. Ter Papst ist ihnen nur insofern un- ehlbar, als er das Organ der von Gott mit der Wahrheit betrauten K i r ch e ist. Während der Jesuitismus die Philo- ophie des Aristoteles und die darauf begründete Theologie >es Thomas von Aquin zu seiner Richtschnur nimmt, erklärt der Reformkatholizismus, die Theologie müsse sich die Ergebnisse der neueren Philosophie zunutze machen, sie dürfe nicht einfach das Alte weiter überliefern, sondern müsse es weiter ausbauen und zu den praktischen Fragen Stellung nehmen, statt sich in Spitzfindigkeiten zu verlieren. So besteht zwischen beiden Richtungen ein scharfer Gegensatz. Ter Reformkatholizismus, schloß Referent, sei emeBew.gung, über die man sich freuen könne, wenn es auch nach protestantischem Bewußtsein eine — freilich wohl begreifliche — Halbheit sei, daß er eben doch eine von außen garantierte Wahrheit anerkenne, aber durchdringen werde er in der katholischen Kirche nicht. , ** Die kaiserliche Posthalterei geht mit dem 1. Juli m die Hände des Hoflohnkutschers Huhn (nicht Lohnkutschers, wie es in unserer Samstagsnummer heißt) über. Mainz, 30. Mai. Wie das „M. I." schreibt, hat das Reichspostamt die Oberpostdirektion Darmstadt ermächtigt, wegen Erwerbung des auf der Kaiserstraße vor dem Adrni- nistrationsgebäude liegenden Anlagegeländes, des sog. Englischen Gartens, mit der Stadt in Verbindung zu treten. Auf dem Gebiet, das von Anfang an als Bauplatz vorgesehen war, soll ein Hauptpostamt errichtet werden. Der Kaufpreis dürfte annähernd 500 000 Mk. betragen. — Gestern abend ertönte bei dem um 10 Uhr in Bingen fälligen Schnellzug oberhalb Trechtlingshausen die Notpfeife und gleich darauf hielt der Zug auf offener Strecke. Der vierjährige Knabe einer Deutsch-Amerikanerin aus Cleoeland, welche ihren Vater besuchen wollte, hatte sich an die Waggon- thüre gelehnt, welche nachgab, und mar infolgedessen aus dem in voller Fahrt befindlichen Zuge gestürzt. Das Kind hatte nur geringfügige Verletzungen am Kinn, Oberlippe und Stirn erlitten und kam nach Stillegung eines Notverbandes in das Binger Hospital, wo es heute jedoch wieder entlassen werden konnte. Eiftnblchn-ZettMg. Sudttalieu-Mnncheu.Franrfurt London. Vom 1. Mai an ist durch die Einlegung neuer Schnellzüge zwischen München und Frankfurt a. M. im Anschluß an die zwischen Basel und Holland verkehrenden Tagesschncllzüge eine neue sehr beschleunigte Verbindung zwischen München und dem Rheine, sowie den Niederlanden und England mit folgenden VerkehrS- zetten geschaffen worden. Nordwärts: München ab 6.50 Vm., Frankfurt an 1.16 Nm., Köln an 5.41 Nm., London an 7.48 Vm. (über Vlifsingen) und 8.00 Vm. (über Hoek van Holland). Südwärts: London ab 8.30 9hn. (über Hoek van Holland) und 6.45 Nm. (über Vlissingen), Köln ah 12.40 Nm., Frankfurt ab 4.45 Nm., München an 11.36 Nm. Diese Züge haben in Würzburg Schnellzuganschluß von und nach Nürnberg, Bad Kissingen, Bamberg, Leipzig und Dresden und führen außer einem Speisewagen noch folgende direkte Wagen: München-Vlissingen, München-Hock van Holland, Nürnberg-Frankfurt, Kisfingen-Frankfurt. Der Schnellzug der Richtung München-London hat in München unmittelbaren Anschluß an den von Italien kommenden Nachtschnellzug über den Brenner. Durch diesen Anschluß ist eine durchgehende günstige Verbindung von ©Übitalien, Rom, Florenz und Südtirol nach dem Rhein, den Niederlanden und England hergestellt. Auszug aus den Kirchenbüchern Der Stabt Gießen. Evangelische Gemeinde. Getraute. Mathäusgemeiude. Den 24. Mai. Dr. Johannes Heinrich Anton Wagner, prakt. Arzt zu Hunaen und “uifc Wilhelmine Ottilie Karoline Balzer, Tochter des verstorbenen Restaurateurs Karl Balzer zu Gießen. Militärgemeinde. Den 29. 'Mai. Otto Paul TrmkS, Sergeant und Hoboist zu Gießen und Lina Heß, Tochter des Schreiners Adam Heß zu Gießen. Getaufte. Mathäusgemeinde. Den 25. Mai. Dem Fuhrmann "August Kratz eine Tochter, Emllie, geb. ben 15. März. Ein unehelicher Sohn, Heinrich, geb. den 16. Mai. Markus- gemeinde. Ten 25. Mai. Dem Schneider Georg Schmidt eine Tochter, Margarethe Christiane, geb. den 5. April. Luk a S- gemeinde. Deri 23. Mai. Dem Oberlehrer Dr. Richard Trapp ein Sohn, Arnold Adolf Hans Otto, geboren den 20. März. Den 25. Mai. Dem Wirt Fritz Teigler ein Sohn, Karl Louis, geboren den 28. April. Beerdigte. Matthäusgemeinde. Den 27. Mau ver> mann Röder, Kaufmann, ledig, 44 Jahre all, starb ben 24. Mai. Den 29. Mai. Heinrich Curfchmann, Lehrer t. P., ein Witwer^ 83 Jahre alt, starb den 27. Mai. Markusgemeiude. Den 27. Mai. Elisabethe Petri, geb. Kräling, Witwe des verstorbenen 'Maurermeisters Christian Petri, 72 Jayre alt, starb ben 25. Mai. Lukasgemeiude. Den 28. Mai. Helene Babel, geb. Klug, Ehefrau des Schloffers Hartmann Babel, 68 Jahre all, starb den 26. 'Mai.. FRANZ JOSEF Bitterwasser ist das beste natürliche Abführmittel. 8998 ------------- Erhältlich überall. ------------ Twanzig Pfennige gSÄSS ■■ kaufs eines Waschpulvers, für welches der betreffende f$obritotf nicht einmal seinen Namen hergiebt, weil es meist Soda, wenn nicht noch schärfere Stoffe wie Chlor u. s. ro.„ enthält. Die wertvollere Sparsamkeit liegt im Erhalten der Wäsche, und dies kann nur durch Anwendung eines wirklich guten Seifenpulvers geschehen, wie Gioth's gemahlene Kernseife mit Salmiak und Terpentin, für welche der Fabrikant, I. Gioth, Hanau, durch seine Firma auf jedem Packet garantiert. Preis per Packet 15 Pfg. Leibniz Kindermehl Zu haben bei Hofl. J. Koax, Marktplatz No. 6. 8606 Damen-Handschuhe Preislagen A. Waag, Ä ÄlInltnrliAff QÄhno ,, Tricotagen (Unterzeuge) »««.Sommer . nuiltjl llvll uVllllu H Hervorragende Haltbarkeit! Vorzüglich in der Wäsche! 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Bekanntmachung. In dem hiesigen Genoffenschaftsregister wurde heute bezüglich des landwirtschaftlichen Konsumvereins Leihgestern 11 e G. m. u. H. vorgemerkt, daß für das infolge Krankheit verhinderte Vorstandsmitglied Balthasar Brücket Johannes Eiff IV. zum Vorstandsmitglied bestellt isi. Gießen, am 30. Mai 1902. 4064 Großherzogliches Amtsgericht.__ Gothaer Lebensversicherungsbank. Versicherungsbestand am 1. Dezember 1901 806 . Mill. Mark. DGwende im Jahre 1902: 30" bis 135 °/° der Jahres-Normal- Prämie — je nach dem Aller der Persicherung. Vertreter: Heinrich Hochreuther, 56 Sfidanlage 5.___ Drucksachen aller Art LMmrtsWicher Konsum - Mein Genossenschaft m. unb. H., Reiskirchen. Vermögens-Bilanz Ende CeMsjahres IM. Aktiva. X H Kaffabestand 1993.79 Geschäftsguthaben bei Genossenschaften 100.— Inventar 80.— Warenbestand 1893.79 Ausstände bei Genossen 2204.07 Sonstige Schuldner 9.59 6281.24 Mitgliederstand am 31. Passiva. JL H Reservefonds 1544.36 Betriebsrücklage 1317.86 Geschäftsguthaben der Genoffen 553.60 Schulden bei Banken 41.20 Guthaben der Warenlieferanten 1971.69 Sa. 5428.71 Reingewinn pro 1901 852.53 6281.24 Dezember 1901 69. liefert in jeder gewünschten Ausstattung, stilrein und preiswert die Brühl’sche Universitäts - Druckerei, Schulstr. 7 Reiskirchen, am 2. Juni 1902. 4070 Der Vorstand: Ter Rendant: Heinrich Schomber. Philipp ©paar UL Pnecmann’c ^epfoäft Giessen -ä'xst UUüdllldllll V MBlSÖ-OtoUidH Lindenplatz Gra,i™ezTg^=T Uergelmng vM Kauaröritrn. Die für den Rohbau eines «eueuGchulhaufes i.Saafen «forderlichen Arbeiten unb Lieferungen sollen ün Wege schriftlichen ArrgebotS vergeben werben und sind Angebote bis Montag den V. Juni l. IS., vormittags 0 Uhr auf Größt). Bürgermeisterei Sachen, woselbst Pläne, Voranschlag und Bedingungen zur Einsicht offen liegen, portofrei emzureichen. Die Arbeiten und Lieferungen find wie folgt ver- 'anschlagt: Ärd- und Maurerarbeiten 7033,18 Steinhaucrarbeiten 2179,91 Zimmerarbeiten 1403,84 Dachdeckerarbeiteu 608,48 Spenglerarbeiten 317,70 Mitzable itcranlage 220,— Schlofferarbeiteu 168,— Schreinerarbeiten 192,— Weiffbinderarbeiten 91,79 Lisenlieserung 821,45 Gießen am 30. Mai 1902. Der Großh. lkreisbaumspektor: Stahl. 4042 Verdingung. Die jwr Erweiterung der Haltestelle GhruigLbaus«» (Hessen) er- ,Dorderlichen Eu>-,JetS.Löjchnng8- und LhaussierungS-Arbeiten — etwa 10 (XX) obm Abtrag und 900 qm Chaussierung — sollen im Wege der dssenllichen Ausschreibung vergeben werden. Die ÄerdingungS-Unterlagen lönne« gegen post- und bestell- gelbsreie Einsendung von 1 Lik. von der unterzeichneten Juspeklion bezogen werden. Die Pläne — Qüerproflle und Lageplan — litten daselbst zur Etnsickü offen. Die Angebote sind verkljlolieu und mit der Achschrist: -Angebot S«r Erweiterung der Haltestelle EhringShachen (Heffen)^ bis zürn ErüffnungSterrnine am 14. \um 1902, vormittags 11 Uhr, hierher einzusenden. ZuschlagSfrtst 14 Tage. 8068 Gießer», den 80. Mai 1902. Großh. Hess. Lisenbahn-Betriebö- Inspettio,» L llcrllciiicniiiiuii Novunstag, 5. >nni 1902, nachmittags 2'/, Uhr, werden ach hiesigen» Ortsaericht daS vor dem Name»» des Weigel, Wilhelm IV., von Mein-Lino en stehende GrwrdstÜck der Gemarkung Gießen 2B/2111/,. — 1412 qm Acker in dem Wasserfall. -wische»» der Chaussee und dem Aulweg, und baß vor dem Namen deS Weigel, Ludwig VIL und Che- trau, geb. ®cnbcc, zu Klein-Linden stehende Grundstück der Gemark- vng Gießen Ö/48„ - 2826 qm Acker an» WeLlarer Weg, bi» Gisenfeld ästentlich meistbietend frc! willig versteigert werden. Gieße»», den 80, Mai 1902. Großh. Ortsgertcht Gießen. GroS. 4060 Wroblliar- Verfteigernng. Mittwoch, de» 4. Juni, nachmittags 21/, Uhr iverben in den Hause Neuen weg 41,1 aus dem Nachlaß des Herrn Fabrikanten H. Hornberger nachverzeichnete Gegenstände versteigert: 1 Plitfchgarrritirr (Sopha, 2 Sessel und 6 Stühle), 1 Trumeaur m. Spiegel, 1 GlaSfchrauk, 1 Fliegen- schrank, 2 Ausziehtische, 4 Stühle, 1 Sessel, ein Rachtstuhl, 2 Kronleuchter, 1 GaSlustre, 1 Säule mit Büste, 1 Fahrrad, sowie versch. HauS- und jküchen- geräte. 4065 I. A.: Schncidcr. Versteigerung. Dicnotag beu 3. Juni d.J., nachmittags 2 Uhr, versteigere ich sreueuweg 28; 5 Iciffer Därme. Bertteigcrnug ganz bestimmt. Gießer», 8L 3)tai 1902. 4054 Seipel, Gerichtsvollzieher. HW Schuhwarenhaus Marktstr. 9 L. Süss schäften zu pmsen. 2983 Ich bitte, die Schuhwaaren meines Lagers auf diese guten Kigen- billige Ureise, sondern gutes Material, sorgfältige Arbeit und vorzügliche, moderne Uahform machen die Schuywaren empfehlenswert. Mriaice M v 1 ■ i . Telephon 218. Liebigstraste 13. NB. 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Die Offerten sind bis mr genannten Ze" ' " schloffen und mit entsprechender Aufschrift versehen, zwischen I-Träger unb Schorn- fteinfimdament) 3) Steinbauerarbeit (Sandsteine 4,60 obm, Granitstufen 1,00 cbm) 4) Zimmerarbeit 5) Dachbeckerarbeit (Falzziegel und Pappbach) 61 Spe,»glerarbe»t 7) Schornsteinbauarbeüea Rubingshain (Post Schotten), bett 28. Mai 1902. Der Vorstandsde^ Molkeretgeno^enschaft HoherodSkopf §5- Kaiser^arten. Dienstag und Mittwoch: 2 Tyroler Konzerte 2 Anfang 8 Uhr. 4066 Direktion Martin Hoffier. Abonnements -Konzerte. Die Kapelle des Infanterie-Regiments ^Kaiser Wilhelm" (2. Großh. Hess.) Nr. 116 erlaubt sich zu einem Cyklus von Abonnements-Konzerten einzulaben. Die Konzerte ftnben in GtemS Garten statt. — Dieselben werden mit Militärmusik ausgeführt, wozu ein musik- und kunstliebendes Publikum eingeladen wird. Der Abonnementspreis für 6 Konzerte beträgt: Familienbillet bis zu 4 Personen ä Mk. 7.— Familienbillet bis zu 3 Personen ä. „ 6.— Personenbillet ...... ü „ 2.20 KaffenpreiS ....... ü „ 0.50 Die Liste zirkuliert. Der Anfang der Konzerte wird im „Gießener Anzeiger bekannt gegeben. o. Krausse, Grossh. Musikdirektor. Karten im Vorverkauf sind bei Herrn Ernst Challier, Neuenweg, zu haben.________________________________3970 Caf6 Leib. Caf6 Leib. Inh.: Jakob Roll. 4035 Jeden Dienstag- und Freitagabend: Kroßes Karten-Konzert auSgefiihrt von Mtgliedern der Regiments-Kapelle. Eitttritt 20 Pfg. Bier per Glas 10 Pfg. Bei ungünstiger Witterrmg findet das Konzert im Saal statt. Geschäfts-Eröffnung. Verehrt. Pitblikum zur gefl. Mitteil»»»w, daß ich mit dem Heutigen neben meinem Flaschenbiergeschäft eine W md Gkmschmdlmg errichtet habe und halte ich mich bei Bedarf bestens empfohlen. Lieferungen ms Haus werden prompt besorgt. Hochachtungsvoll 4081 Carl Reh, Aeuenweg 30. 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