Samstag 1. November 1S«L Nr. 857 158. Jahrgang Erstes Blatt. Urschet«« täglich aufjei Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem Hessischen Landwirt dte Siehener Kamillen» blätter viermal tn der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Vertag der Brühl 'schen Ünioers.-Buch- u.Stein- bruderei lBletsch Erben) ReOaftton. LrpedlUoa and Druckerei: Schal st raße 7. Adresse tüx Depeschent Anzeiger Sieben. tzernlprkchanschliitzVr 51. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen VezaaSYret», monallich7bVs.vteriel- jährlich DU. 2L0; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Tlt.2.— vienel- jährt. ausschl. Beslellg. Annahme von Anzeigen für bie TageSnummer bis vormittag- 10 Uhr. ZetlenpreiS: lokal I2Pf, a«SrvärlS 20 Psg. verantwortlich: lüt den sollt. u. öligem, keil: P. Wittko: sür ,Stadt und ßanb* und .GertchtSsaal^ Cutt Plato: iür den Anzeigenteil: HanS Beck. Bekanntmachung. Betr.: Schießübungen. In der Zeit vom 6. bis 8. und 10. bis 18. November beabsichtigt das 1., 2. und 8. Bataillon des Infanterie- Regiments Kaiser Wilhelm Nr. 116, Schießübungen mit scharfen Patronen indem Gelände zwischen Glimbach—Beuern- Alten -Buseck—Großen -Buseck abzuhalten und dasselbe zu diesem Zwecke mit Posten abzusperren. Geschossen wird am 6. und 10. November von 6'/, Uhr vormittags btS 4 Uhr nachmittags, an allen übrigen Tagen von 9 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags. Die Schußrichtung läuft vorn Alte Berg (nördlich Großen- Buseck) nach Norden gegen Höhe 306 (westlich Beuern). Die Straßen Großen-Buseck—Alten-Buseck—Daubringen— Mainzlar—Treis a. d.L.—Climbach—Beuern—Großen-Buseck sind ungefährdet. Die in Betracht kommenden Großh. Bürgermeistereien wollen dies unter dem Anfügen in ihren Gemeinden ortsüblich bekannt machen lassen, daß vor dem Betreten der Schußlinie ausdrücklich gewarnt wird. Besonders wird darauf hingcwiesen, daß an den betreffenden Tagen sich weder Holzarbeiter noch Holzsanimler in den gefährdeten Waldungen aufhalten dürfen. Gießen, den 29. Oktober 1902. Großherzogticyes nreisamt Gießen. Dr. Breidert. Bekanntmachung. Betr.: Feldbereuugung in der Gemarkung Daubringen. Montag, den 17. November l. IS. findet die Ueberweifung der neuen Grundstücke und die Versteigerung der Massegrundstücke vom II. Felde der Gemarkung Daubringen an Ort und Stelle statt. Zusammenkunft vormittags 10 Uhr am Bureau der Großh. Bürgermeisterei zu Daubringen, woselbst auch die VerstelgerungSbedingungen bekannt gegeben werden. Die Ueberweifung erfolgt vorbehältlich der im Ueber- «eisungSternim bekannt zu gebenden weiteren Bedingungen unter folgenden: 1. Meliorationsarbeiten können auf den überwiesenen Grundstücken auch fernerhin vorgenommen werden. 2. Eigentumsveränderungen, die infolge der Ausführung von Meliorationsarbeiten, der Anlage von Wegen und Gräben und dergleichen innerhalb der Zeit der Ausführung dieser Arbeiten notwendig werden, müssen die neuen Eigentümer dulden. Ein hierdurch bedingter Ab- und Zugang von Gelände wird dem neuen Eigentümer nach dem Bonitätswert vergütet bezw. zugeschrieben. Friedberg, den 28. Oktober 1902. Der Großherzogliche Bereinigungskommissär: Spam er, Kreisamtmann. Gießen, 21. Oktober 1902. Betr.: Herbstkontrollversammlungen. Das GrohhcrWgliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises. Die nachstehende Bekanntmachung wollen Sie auf ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntnis bringen. Dr. Breidert. Kekanntmachung. Betr.: Herbstkontrollversammlungen. Bei den diesjährigen Herbstkontrollversammlungen im Kreise Gießen haben zu erscheinen alle zum Haupt- Meldeamt Gießen gehörigen: 1. Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamte der Reserve (Kleiner Dienstanzug: Mütze, Waffenrock oder Ueberrock, Achselstücke, lange Hosen oder hohe Stiefel beliebig, bei schlechter Witterung Paletot); 2. Reservisten, sowie die zur Disposition der Truppenteile und der Ersatzbehörden Entlassenen aller Waffen; 3. Diejenigen, der Landwehr 1. Aufgebots angehörigen Mannschaften, welchen ein besonderer Gestellungsbefehl zum Erscheinen bei der Herbstkontrollversammlung zugegangen ist. Die Ersatzreservisten haben bei der Herbstkontrollversammlung nicht zu erscheinen. Nachstehend ist angegeben, wo und zu welcher Zeit die Kontrollpflichtigen anzutreten haben: A. Zu (Hießen im Hofe der alten Kaserne am Brand für die Bewohner von Annerod, Allendorf a. d. Lahn, Alten- Buseck, Beuern, Burkhardsfelden, Gießen mit Schiffenberg und Herrnmald, Großen-Buseck, Großen-Linden, Heuchelheim, Klein-Linden, Lang-Göns, Leihgestern, Oppenrod, Rödgen, Trohe, Watzenborn und Steinberg, Hausen, Wieseck, und zwar: Am 4. November 1902: 1. Appell vormittags 9 Uhr. Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamte der Reserve, sowie sämtliche Reservisten der Infanterie, welche in den Jahren 1895 und 1896 eingetreten sind. 2. Appell nachmittags 2 Uhr. Sämtliche Reserv isten der Infanterie, welche in den Jahren 1897 und 1898 eingetreten sind. Am 5. November 1902: 1. Appell vormittags 9 Uhr. Sämtliche Reservisten der Infanterie, welche in den Jahren 1899, 1900 und 1901 eingetreten sind. 2. Appell nachmittags 2 Uhr. Sämtliche zur Dlsposltion der Truppenteile und der Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften der Infanterie, sowie sämtliche Reservisten der Garde, Jäger, Kavallerie, Feld- und Fußartillerie, Pioniere, Eisenbahn-, Telegraphen- und Suft* s ch iffertruppen. Am 6. November, vormittag- 9 Uhr. Sämtliche Reservisten des TrainS (einschließlich Krankenträger), SanitätS- und Veterinärpersonals, Büchsenmachergehilfen, Oekonomie- handwerker, Marinemannschaften, sowie zur Disposition der Truppenteile und Ersatzbehörden entlaffenen Mannschaften der Spezialwaffen und die zur Landwehr 2. Aufgebots überzuführenden Wehrleute. B. Zu Lollar. Am 6. November 1902, nachmittags 2 Uhr 30 Mim. an dem Bahnhof, für die Bewohner von Allendorf a. d. Lda., Climbach, Daubringen mit Heiberts- hausen, Lollar, Mainzlar, Ruttershausen mit Kirchberg, Staufenberg mit Friedelhausen, Treis a. d. Lda. c. Zu Hungen. Am 7. November 1902, vormittags 9 Uhr 15 Mim. an der Post, für die Bewohner von Bellersheim, Bettenhausen, Hungen, Inheiden, Langd, Langsdorf, Nonnenroth, Obbornhofen, Rabertshausen mit Ringels- Hausen, Rodheim mit Hof Graß, Röthges, Steinheim, Trais- Horloff, Utphe, Villmgen. D. Zu Lich. Am 7. November 1902, nachmittags 8 Uhr, in der AmtsgerichtSstraße, für die Bewohner von Albach, Birklar, Dorf-Gill, Eberstadt mit Arnsburg, Ettingshausen, Garbenteich, Grüningen, Holzheim, Lich mit Albacher Hof, Kolnhausen und Mühlsachsen, Münster, Muschenheim mit Hof-Güll, Nieder-Bessingen, Ober-Bessingen, Ober- Hörgern, Steinbach. E. Zu (Srünberg. Am 8. November 1902, vormittags 9 Uhr 15 Mim, am westlichen Ausgange auf der Straße nach Gießen für bie Bewohner von Allertshausen, Beltershain, BerSrod, Gellshaufen, Göbelnrod, Grünberg mit der DickelSrnühle, Neumühle, Stadtmühle, Stemmühle, Obere und Untere Ziegelhütte, Latzmühle, Hattenrod, Harbach mit der Kolbenmühle und Sommermühle, Keffelbach mit der Rabenauischen Papiermühle, Lauter mit der Artzmühle, Bingmühle, Georgenhammer, StrelleS- mühle und Walkmühle, Lindenstruth, Londorf mit der Burg Rabenau, Burgmühle, Schrnittrnühle, Reitzenmühle und Ziegelhütte, Lumda (Groß- und Klein-), Odenhausen mit Appen- bömer Hof, Queckborn, Reinhardshain, Reiskirchen, Rüddings- hausen, Saasen mit Bollenbach, Veiisberg und Wirberg, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain, Wettershain mit dem Hamer-Hof, Winnerod. Befreiungsgesuche sind bis längstens 8 Tage vor dem Appell auf dem Dienstwege (durch das Haupt- Aie ZlniversttätsöivlioLheL in Kietzen. C. PL Gießen, 1. Nov. 1902. Ter modernen praktischen Welt ist die Romantik fremd. Die eigenartige Entwicklung der Neuzeit, für die es kein Analogon in der Geschichte giebt, hat die äußerste Ausnutzung der Zeit, des Geldes, des Bodens, selbst der kleinsten Werte, die sich in den Beziehungen des Lebens finden, zu ihrem wichtigsten Prinzip gemacht und dadurch winzigen Platz nur gelassen für das, was auf die Romantik der früheren Zeiten hinweist oder da^u Bedingung ist. Ter kaltherzige, nüchterne Egoismus, der mit dieser Lebensauffassung verbunden ist, begegnet uns im privaten Leben ebensosehr wie int öffentlichen, wo er mit besonderer Schärfe in den öffentlichen Bauten hervortritt. Und zwar in d e n öffentlichen Bauten, die vorwiegend ideellen Interessen dienen, die leine greifbaren Zinsen ab werfen, deren Segen zwar sehr groß, aber doch nur mittelbar ist, weshalb er nur von wenigen Weiterblickenden in seinem vollen Umfange gewürdigt werden kann. Oeffentliche Bauten dieser Art werden daher von Bielen skeptisch angesehen und meist erst geschaffen in dem Augenblick, wo die Notwendigkeit dazu zwingend hervortritt. Die Ausstattung derselben ist denn auch oft so kümmerlich, daß der ideelle Zweck in keiner Weise erreicht wird. Es fei hier z. D. an die Schulen erinnert, die bei uns in Hessen außen durchgehends passable Gebäude, innen leider immer noch fast allenthalben unsäglich einfach und kahl gehalten find, fodaß fie auf Lehrer und Schüler einen unfreundlichen und fremden Eindruck machen. Es ist ja .selbstverständlich, daß eine reiche, gediegene Innenausstattung eine sehr viel höhere Bausumme erfordern würde, aber Mehrforderungen hierfür wären nichts weniger als nutzlos. Man darf als Grundprinzip für die öffentlichen Bauten nicht allein deren praktische Lerwendbarkeit gelten lassen; mindestens ebenso wichtig ist das künstlerische, das sittliche, das ästhetische Moment, das dabei in Frage kommt. Wir sagten, daß die Schulen außen ganz passable Gebäude, innen aber unfreundlich und nü chtern seien. Das trifft nun leider bei öffentlichen Gebäuden auf die große Mehrzahl äu. Wir vermissen alles, was wir an Hen Gebäuden früherer Zeiten bewunderten, und was heute ihnen den eigenartigen Zauber des Romantischen verlecht. Wir vermissen die dicken Mauern mit ihren lauschigen Winkeln und stillen Nischen, in denen es sich so prächtig träumen ließ, die trotzigen Säulen, die Wucht der schweren Portale und ihrer festen Thüren, die einsamen Galerien, die kleinen behaglichen Zimmer. . . wir sehen nur überall die strengste Sparsamkeit, die sich mit dem Nötigsten begnügt. Und wenn früher auf den Grundlagen einer massiven Bautechnik, die nicht mit dem Millimeter und dem Pfennig zu rechnen brauchte, sich die so selbstbewußte und doch elegante Architektur heranbildete und aus dem schweren Gebäudekern herausgliederte, so machen wir heute die Entdeckung, daß die Architektur Haupt- und Selbstzweck bei dem Gebäude ist, daß sie den Gebäudekern nur so weit gebraucht, als sie unbedingt einer Stütze bedarf. Die Architektur ist nur noch eine Koulisse, und würden wir sie sortnehmen, so stürzte der ganze monumentale Prachtbau zusammen. Unter den öffentlichen Profanbauten steht, wenn wir von den Unterrichtsanstalten abfehen, hinsichtlich ihrer Bedeutung und Wichtigkeit für die Bildung des Menschengeschlechts das Bibliotheksgebäude obenan. Freilich nicht für diejenigen, die die Bedeutung eines Bauwerks nach ihrem eigenen materiellen Vorteil bemessen, sondern für die, die sich eine höhere Auffassung vom Werte der Kultur, von der Erhabenheit und Größe der Geistesbildung geschaffen haben. Mehr wie in den Museen, den Gemäldegalerien, Theatern rc. vereinigt sich in der Bibliothek alles, was im Laufe der Jahrtausende Großes erdacht und geschaffen wurde; hier umweht uns der Geist jener gewaltigen Kette von überragenden Gestalten, die die Kultur begründet haben, hier können wir uns verlieren in die Anfänge unseres sagenhaften Seins und können vordringen bis ans Ende der Zeitlichkeit, hier finden wir alles, was gut und schön, was abstoßend und häßlich ist, hier ist die Quelle der Wissenschaften, der edelsten Güter, des gesamten geistigen Lebens. Wer den Fuß in diesen Bau setzt, der empfindet die sittliche Weihe, die über der unermeßlichen, hier aufgefpeicherten Arbeit liegt. Und er wird das Bedürfnis haben, sich loszulösen von dem Irdischen, dem Materiellen, von allem, was ihn mit dem realen Leben verbindet: er will den weisen Lehren der alten Gesetzgeber lauschen, will mit Aristoteles durch die Laubengänge wandeln und am Symposion des Platon teilnehmen, er will die ganze Schönheit des griechischen Lebens genießen, oder er will in stillem Studium den Ursachen nachforschen, aus denen sich ein Imperium Romanum entwickeln konnte, er will überhaupt die Geschichte der Menschheit studieren, sie mitempfinden, miterleben, um so zu den höchsten Höhen der Menschheit zu gelangen, von denen herab der Geist die Welt regiert, und wo der reinere Odem des Göttlichen alle Gedanken an die irdische Erbärmlichkeit und Vergänglichkeit aus unserer Nähe verbannt. Um die großen geistigen Schätze, die in einer Bibliothek aufgespeichert sind, in solcher Weise genießen zu können, um, wie Seneca in seinen Briesen an Lucilius fagt, „neben sich die Götter, unter sich die Menschen zu sehen", bedarf es in unferm Zeitalter mehr denn je einer stimmungsvollen Arbeitsstätte. Tie Nervosität der Gegenwart, das rücksichtslose Hervortreten des Egoismus, der uns die notwendige Andacht überall zerstört, erfordert ein Heiligtum, das der geistigen Arbett geweiht ist, das ein Asyl ist für alle diejenigen, die sich aus dem brutalen, materiellen Leben flüchten wollen an die stillere Stätte der Wissenschaft. Und ein solches Heiligtum kann nur eine Bibliothek sein, die alles besitzt, was zum Hervorrufen jener eigenartigen Stimmung notwendig ist. Wenn wir uns nun die neue Gießener Bibliothek an- schauen, so werden wir leider enttäuscht sein. Ein kalles, modernes Gebäude zeigt es in seinem vorderen Teile allerdings eine, von künstlerischem Geschmack entworfene, verhältnismäßig reiche Architektur, die uns indessen lediglich daran erinnert, was der leitende Baumeister hätte schaffen können, wenn ihm die Hände nicht durch zu geringe Mittel gebunden worden wären. Innen ist die Bibliothek unsagbar praktisch gebaut, da fehlt nichts, aber auch rein gar nichts, um sie zu einem großen Nachschlagewerke zu machen. Tas tritt auch äußerlich in dem hcnteren Teile des Gebäudes, der großen Bücherkiste, zu tage. Tiefes entsetzliche Büchermagazin! Praktisch, kolossal praktisch ist es ohne Zweifel, aber was wir noch von der künstlerisch, empfundenen Architektur des Hauptgebäudes sagen konnten, trifft auf die Bücherkiste nicht mehr zu. Sie hat eine unleugbare Ähnlichkeit mit einem Gefängnis. Und ein solches ist sie ja auch. Als eine viereMge steinerne Hülle Meldeamt) ein zureich en und müssen durch die Bürgermeisterei, bezw. bei Beamten durch die vorgesetzte Behörde beglaubigt sein, werden aber Kur im dringendsten Notfälle genehmigt. Die Leute haben in bürgerlicher Kleidung zu erscheinen. Stöcke, Schirme, Pfeifen und Zigarren sind vorher wegzulegen. Tie MUitarpapiere (Patz mit eiugeNebler Sriegsbeorderuug rnrd Führungszeugnis) mtifien zur Stelle fein. Sämtliche Mannschaften stehen im Laufe des ganzen Kontrolltages bis einfchl. Mitternacht unter dem Militärgesetz. Gießen, 20. Oktober 1902. Großh. Bezirkskommando Gießen, von Mosch, Oberstleutnant und Kommandeur deS Landwehrbezirks Gießen. Gießen, 30. Oktober 1902. Betr.: Versicherung deS Gemeindemobiliars gegen Feuerschaden. Das Groschcrzogliche Kreisamt Gießen die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des ÄreiseS. Die gemeinschaftliche Versicherung deS Gemeindemobiliars, deS FaseloieheS und der Feuerlöschgeräte sämtlicher Gemeinden deS Kreises gegen Feuerschaden ist in Anregung gebracht worden. Wir beabsichtigen, diese Angelegenheit bei der nächsten Bürgermeisterversammlung zur Beratung zu bringen. Um hierfür die erforderlichen Grundlagen zu gewinnen, übersenden wir Ihnen mit nächster Post Fragebogen, welche Sie auSfüllen und an uns zurücksenden wollen. Begleitbericht ist nicht notwendig. Dr. Breidert. Au den hessischen Wahlmannerwaljleu. Die Situation ist jetzt genügend geklärt. Aus dem Wahlkreis Schotten liegen heute genauere Nachrichten vor. In Schotten selbst wurden, wie wir bereits mitteilten, nur Wahlmänner für Dr. Weber gewählt. Ferner wurden abgegeben für Oberförster Dr. Weber: in Eichelsdorf 1 Stimme, Einhartshausen 1, Eschenrod 1, Freienseen 1, Laubach 3, Seemen 2, Rainrod 1, Schotten 4, Wenings 1 — 15 St.; für Weidner: Betzenrod 1, Breungeshain 1, Burkhards 1, Eichelsachsen 1, Gedern 3, Gonterskirchen 1, Herchenhain 1, Sichenhausen-Kaulstoß 1, Lardenbach 1, Michelbach 1, Rudingshain 1, Ruppertsburg 1, Ulfa 2, Wetterfeld 1, Wingershausen 1, Merkenfritz 1 — 19 Stimmen. Also Weidner istum vier Stimmen im Vorteil, doch hoffen die Anhänger Dr. Webers, daß sich unter den 19 Wahlmännern noch solche sinden, die doch vielleicht mit Weber sympathisieren. Aus Herchenhain schreibt man, daß sich der Bürgermeister Weidner mit verschiedenen Leuten, Gemeindebeamten, verfeindet habe. Dem Hungener Blatte wird mitgeteilt, daß seitens des Kreisamts Schotten eine zweitägige Untersuchung stattgefunden habe wegen allerlei Unregelmäßigkeiten. Bei der Wahlmännerwahl war Weidner nicht zu Hause, hatte sich aber wie man sagt, selbst als Wahlmann aufgestellt. Die Wahl wurde von einem Beamten des KreiS- amts Schotten ahgehalten. Als Wahlmann der Gegenvartei war Beigeordneter Adolph aufgestellt, aber es ergab sich, daß er garnicht in der Liste stand. Es sollen, wie das genannte Blatt sich ausdrückt, „allerlei schwierige Sachen* gemacht worden sein. „Die meisten Leute hatten furchtbaren Zorn darüber, besonders von Volkartshain, welcher Ort mit Harimannshain zum Wahlbezirk Herchenhain gehört", schreibt unser Berichterstatter. Aus Ulrichstein meldet uns heute ein eigener Drahtbericht, daß dort der Bürgermeister Rühl als Wahlmann gewählt worden ist. Im Wahlkreis Grünberg wird der AntisemitHirschel einen glatten Sieg erringen. Nach heißem Endkampfe haben seine Anhänger 21, Moll 10 Wahlmänner bekommen, zwei sind unbestimmt. Entgegen früheren Meldungen wird jetzt dem ,D. Tägl. Anz." auS dem Odenwalde mitgeteilt, daß die Wiederwahl des (nat.-lib.) Abg. Heidenreich gesichert ist. In Wald-Michelbach sind 2 (nicht 3) Wahlmänner gegen denselben. In Groß-Umstadt ging die Liste des nationalliberalen Kandidaten RealschuldirektorS Dr. Lahm durch; aber die Wahl deS ZentrumSkandldaten Uebel scheint trotzdem im Wahlkreise Dieburg-Groß-Umstadt gesichert. In Birkenau ging die liberale Liste durch. Die ZentrumSkandldaten blieben um etwa die Hälfte der Stimmen zurück. Die Wahl ist jedoch, dem klerikalen „Mainzer Journ." zufolge, ungiltig, da viele Abslimmende zurückgewiescn wurden, weil daS dritte Ziel der Kommunalsteuer nicht bezahlt war. Außerdem sollen auch andere wesentliche Fehler vorgekommen sein. Ob es indes ratsam ist, die Wahl anzufechten, muß bei dem Umstande, daß bei einer Neuwahl kein anderes Resultat zu erzielen fern wird, sehr bezweifelt werden. In dem benachbarten Nieber-LieberSbach wurde der Zentrumskandidat einstimmig gewählt. Die Evangelische Landessynode. IV. R.B. Darmstadt, 31. Okt. Unter Vorsitz des Präsidenten Prof. D. Stamm- Gießen begann die heutige und voraussichtlich letzte Sitzung nach dem Gebete des Abg. Pfarrer Lüdl mit Besprechung der Anfrage der Abgg. Fink und Wayl-Langen über die Erhöhung des Gehaltes der Organisten. Abg. Fink Zwingenberg legt die Gesichtspunkte seines Antrages näher dar und spricht die Hoffnung aus, daß das Großh. Oberkonsistorium ebenso, wie hohe Synode, die Berechtigung und Notwendigkeit einer Gehaltsaufbesserung der Organisten anerkennen werden. Ter jetzige Mindestgehalt von 100 Mark sei entschieden zu gering, unb die Synode müsse vor allem darauf bestehen, daß sie die Gehaltsaufbesserung nur in der festen Voraussetzung befürwortete, daß die Zuschüsse nicht etwa von den Gemeinden wieder in Abzug gebracht werden. Tas Oberkonsistorium erkennt in seinem schriftlichen Bescheid an, daß oer Gehalt der Organisten in den meisten Pfarreien einer Aufbesserung bedarf und hat bereits in einem Anschreiben vom 14. Februar d- I. eine Ermittelung der einschlägigen Verhältnisse angeordnet. Tiefe sind jetzt abgeschlossen und die Bearbeitung des Materials hat begonnen. Es stehe bereits jetzt so viel für das Lberkonsi- storium fest, daß die Gehaltserhöhungen grundsätzlich von oen betr. Kirchengemeinden zu tragen sind und daß der Zentrallirchenfonds nur aushilfsweise bei bedürftigen Gemeinden einzutreten habe. Es bedürfe in erster Linie eines Kirchengesetzes, das jene Verpflichtung ausspricht. Um einen Ueberbltd über die Gesamthöhe der nötigen Beträge zu erhalten, müßten die Vermögensverhältnisse der einzelnen Gemeinden und ihre Lei,stungssähigkett festgestellt werden, dadurch könne sich aber eine Gehaltserhöhung bis zum 1. April 1904 verzögern, denn es handle sich um 600 Organistenstellen. Alan dürfe auch nicht allzugroße Hoffnungen und Erwartungen hegen. Abg. Pfarrer Schlosser- Gießen führt aus, er schätze die Bedeutung der Orgel und der kirchlichen Musik zu hoch, um nicht auch Opfer dafür zu bringen. Hätte man bei der Festsetzung der Kirchensteuer auch die Organisten berücksichtigt, so würde eine Heine Erhöhung genügt haben, die wirklichen Bedürfnisse zu befriedigen. Eine gewisse Mb- neigung der Lehrer bestehe nur gegen den Zwang zum Organistendienst, man dürfe nicht darauf ausgehen, das bestehende geschichtliche Verhältnis zu lösen. Wenn der Zwang beseitigt und der Organistenoienst ein freiwilliger wäre, so würden gewiß noch mehr Lehrer bereit dazu fein. Mg. Backes-Tarmstadt befürwortet ebenfalls die Ge- haltsaufbesserung. Daß der Gottesdienst ausgestaltet werde, sei lediglich Sache der Kirche, sie habe daher auch für die Ausbildung der Organisten zu sorgen. Mg. Mickel-Gonterskirchen bemerkt, die Geistlichen erteilten gern den Religionsunterricht in der Schule, weil sie ein Herz für die Schule hätten; bezahlt würden sie nicht dafür, sie verlangten auch keine Bezahlung. Er wünsche, daß die Herren Lehrer auch solch ein gutes Herz für die Kirche haben und nicht nur des schnöden Geldes willen den Organistendienst versehen möchten. Er sei höchstens für eine ganz mäßige Erhöhung ter Organistengehälter. An der weiteren Debatte beteiligten sich noch die Avgg.' Kreisschulinspektor Pfaff, Wahl-Langen u. a. Lberkonfistorialpräsident T. Buchner erHärte, daß' auch das Oberkonsistorium der Frage der Gehaltsaufbesserung sympathisch gegenüberstehe und hoffe, zu einem angenehmen Ergebnis zu kommen. Er hoffe und wünsche auch, daß in leistungsfähigen Gemeinden schon vom 1. April 1903 ab eine Gehaltserhöhung eintreten möchte. Nachdem sich noch mehrere Redner zu Gunsten der Gehaltserhöhung ausgesprochen, ist dieser Gegenstand der Tagesordnung erledigt. Tarauf werden einige kleinere Vorlagen erledigt. Der Kirchenvorstand und die Gemeindevertretung von Nieder« Modau (Ernhofen) halte um eine Trennung des Kirchspiels nachgesucht. Ta seitens der Kirchenbehörde jedoch eine Einigung in den 6eiben Kirchengemeinden nicht erzielt werden konnte, wird beschlossen, die Eingabe für erledigt zu ertiären. — Tie Gemeinde Stockhausen beantragt die Genehmigung zur Errichtung eines kirchlichen Feiertages zur Erinnerung an den Brand vom 29. März 1899. TaS Oberkonsiftorium beschlag, die Genehmigung und auch die Synode erklärt sich bannt einverstanden. Es trat darauf eine kurze Frühstückspause ein. Den weitaus umfangreichsten Gegenstand der heutigen Beratung nahm die Vorlage des Grotzh. Lberkonsistoriums über die Richtlinien für die Mitwirkung der Kirche bei der Beerdigung von Selbstmördern ein. Tie Vorlage besagt: Als allgemeiner Grundsatz gilt, daß die Selbstmordfülle nach der geistigen und hieraus zu folgernden religiös-sittlichen Zurechnungsfähigkeit oder Unzurechnungsfähigkeit des Thäters zu unterscheiden sind. TaS gewissenhafte Ermessen des Geistlichen hat unter geeigneter Berücksichtigung des Urteils des Kirchenvorstandes, des Arztes, der Angehörigen rc. darüber letztlich zu entscheiden. I. Bei vorhanden gewesener geistiger Unrurechnungs- fähigteit sind dem Selbstmörder auf Wunsch der Angehörigen die vollen kirchlichen Ehren der Beerdigungsseier, doch möglichst unter Ausschluß des äußeren Gepränges, wie Musik, Gesang, Reden dritter am Grabe, Fahnen rc., zu bewilligen. ES ist erwünscht, daß auch Ehrensalven unterbleiben. Dagegen findet weder Entziehung noch Einschrän^ hing des üblichen Geläutes statt. Sollten die Angehörigen eine stillere Art der Beerdigung wünschen oder damit einverstanden sein, so ist dem zu entsprechen. Wo keine Angehörigen vorhanden sind, treten in allen Fällen an deren Stelle die unter den vorliegenden Verhältnissen Nächst- stehenden. II. Liegt der Fall der Zurechnungsfähigkeit vor, so iß zu unterscheiden, ob 1. Tie That der Selbstentleibuna der folgerichtige W- schluß eines offenkundigen Lasterlebens war oder unter besonders frevelhaften Umständen, z. B um sich den irdischen Folgen eines Verbrechens zu entziehen, unternommen wurde, oder ob 2. die That zwar an sich religiös-sittlich zu mißbilligen ist, aber bei ihr mildernde Umstände in Frage kommen, welche uns eine gewisse Zurückhaltung im Urteil nahelegen. In Fällen der ersteren Art findet eine Mitwirkung bet Kirche bei der Beerdigung überhaupt nicht statt. Bei Fallen der zweiten Gattung ist die kirchliche Beerdigungsfeier eine „gedämpftes d. h. die kirchlichen Ehren werden in folgender Weise beschränkt: Der Geistliche erwartet die Leiche am Eingang des Friedhofes und begleitet fie von da an daS Grob. Im Leichenzuge geht da, wo es sonst üblich ist, die Schuljugend nicht mit. Alles Gepränge bleibt weg. Lieber die Bewilligung des Geläutes beschließt der Kirchenvorstand entweder allgemein oder von Fall zu Fall. Jedenfalls aber ist das Geläute am Tage der Beerdigung ein bloß einmaliges. Ter kirchliche Begräbnisakt, den der Geistliche im Ornat vollzieht, besteht in Ansprache, Gebet, Vater Unser, Segen an die Leidtragenden. Die sogenannte Einsegnung der in die Erde versenkten Leiche in der üblichen Form unterbleibt Ebenso unterbleiben Gesang und Reden Drttter. Die Beteiligung des Geistlichen ist an diese Bedingung geknüpft Eine Letchenpr^igt in der Kirche findet nicht statt Auf Wunsch der Angehörigen oder der unter den vor» liegenden Verhältnissen Nächststehenden, sowie auch bei ernsten Bedenken des Geistlichen kann die Ansprache unterbleiben. Soll die Ansprache stattfinden, so ist den Angehörigen jedesmal vorher zu eröffnen, daß die Ursache des Todesfalles, wenn auch in christlich angemessener und umschließt sie einen riesigen Eisenbau. Tie Gänge, die Regale, die Treppen — alles Eisen, sieben Etagen von je zweieinhalb Meter Höhe. Und in diesem kalten, gewaltigen eisernen Gestell werden die Bücher gefangen gehalten, unsere lieben Bücher, von denen wir gewünscht hätten, daß fie in schönen, vielleicht gewölbten Räumen die Wände einnehmen möchten, um uns immer nah zu fein, um jenes unbefinirbare Etwas zu schassen, das so untrennbar mit einer Bibliothek verbunden fein soll. . . Nur in dem großen Lesesaal wird eine kleine .Handbibliothek Ausstellung finden. Mer ein solcher Lesesaal ist alles andere, als ein stilles, ruhiges Studiergemach. Wo so viele Personen arbeiten wollen, ist ein Sichverttefen in das Studium, ein Aufgehen in demselben ausgeschlossen. ES möchte vielleicht mandier hier einwenden, zu einem solchen Killen Studium sei die Bibliothek nicht da usw. Es ist das die veraltete Anschauung, die auch in den oben erwähnten kahlen, öden Schulen und ähnlichen Bildungs- anftalten zu tage tritt. Wir möchten hier doch einmal an die katholischen Gotteshäuser erinnern, die gewöhnlich mit herrlichem künstlerischem Schmucke versehen sind. Und will man durch diesen Schmuck nicht auf den Geist des Menschen wirken? Ihn empfänglich machen für die Lehren der Religion? Gilt das, was die katholische Kirche als notwendig erkannt haj, nicht von ben, der W ss.nschast bienenden Gebäuden? Doch ohne Zweifel, und man wird sich in einer schönen, und dem Zweck anaepaßten Umgebung öiel gehobener rind zum Studium geneigter fühlen, als in einer langweiligen ober gar abstoßenden. Ter architekto- nifche Schmuck, der für den Treppenaufgang und für den Sc|cfaal der neuen Bibliothek vorgesel^en ist, ist dafür kein ausreichender Ersatz. ES hätte ferner außer dem Lesesaal noch für Heinere Abteilungen Sorge getragen werben müssen, in beiten man ungeftört feinen Studien hätte obliegen können. Tie einzige Konzession, bie in dieser Beziehung un neuen Gebäude gemacht in, sind zwei Nischen, bie sich im Lesesaal befinden und die nur: dadurch bei gestellt wer mäßig dünnen Wände an diesen Stellen nach außen hin ausgebuchtet wurden. Sie Kosten für das riesige Gebäude, das nun ün Rotz. bau beinahe fertiggestellt ist, betragen nur 600 000 Mark, wovon noch ein beträchtlicher Dell auf die innere Einrichtung entfällt Billig genug ist das neue Gebäude also, und es entspricht in allen seinen Teilen den Anforderungen des modernen Geldmenschen. Es besitzt eine hübsche Architektur unb läßt auch äußerlich feinen Zweck erkennen, soweit bie große Bücherkiste in Frage kommt Tas ist alles, was ber moderne Gelbmensch von einer Bibliothek erwarten kann. Unb ber Baumeister hat ihm noch eine Extraüberraschung bereitet, indem er wahrscheinlich sogar Ersparnisse erzielen wird. Es giebt auch heute noch ein winzig Häuflein von Sterblichen, denen das Geld eine Chimäre ist, und bie ihre Geisteskraft nach Möglichkeit anbereu Dingen widmen, als bem schnöben Mammon. Dieser Handvoll Menschen wird die neue Bibliothek nicht sonderlich gefallen; sie werden es im Anblick dieses Baues besonders bitter beklagen, daß als unserer Tage A unb O die Sparsamkeit gilt, daß sie als die oberste Tugend zu preisen man allenthalben für gut unb klug erachtet Diese „Sonderlings werden deshalb dort nie heimisch werben. Das neue frankfurter Schauspielhaus daS sich zwischen der Mainzer- unb GalluSstraße an ber Promenade stattlich erhebt, ist jetzt in 3 fahren von Baumeister Sehring vollenbet worben. ES wirb heute Abend in feierlicher Festoorftellung eröffnet werben, über bie wir unseren liefern am nächsten Montag werben berichten können. Für heule eui Vorbenchl über dasHauS, den Anna Hill in ben „M. 9L 91/ gibt: Ganz fertig ist schon seit Monaten bie Bühne. Hier sind in ben letzten Wochen die neuen Tekorationen cingepaßl worben, unb ber Raum von ben rocltbebeutenben Brettern biS hinauf zum Schnürboden trägt bereits bie Prospekte, Knüffen, Sofuen und Versatzstücke. Nichts^leht hier dem Auigeheu deSVor- Hanges entgegen. Auch Heizung, Beleuchtung und Ventilation fünf« Monieren tadellos. Nur bie richtigen Beleuchtungskörper fehlen bis heute noch. Weniger gut sieht es in den Garderoben aus. Aicher den hohen, eingemauerten Spiegeln fehlt dort so ziemlich Alles, was die Künstler haben müssen, um sich behaglich zu fühlen. Etwas fertiger präsentiert sich der ufd)auerraum, in dem Professor Bo mess die künstlerijchc Ausführung geleitet hat. Er ist nicht allzu umlangreich, was für die Intimität des gesprochenen Wortes von AEtiüem Hoti eil ist, unb macht in seinen weis-rot-goldenen Farben einen prächtigen unb zugleich äußerst behaglichen Eindruck. Blickt man von ber Balkon-Frembenloge — bie Einteilung ber Range ist bem alten Haus fast gleich — nach ber Buhne, so ist eS bie schöne, geschwungene Linie ber, von ben Proszeniums logen abgegrenzten, Bühnenöffnung, bie angenehm ausfällt Sie ist burch einen reich verzierten Baldachin gegen den Plafond hin abgefd^loffen. Ten Knauf des Baldachins flanfieren zwei Figuren, bie baS Drama uub bas Lustspiel verkörpern. Auch an ber Brüstung ist Figuren- schmuck angebracht, alles Ueberlabene babei aber sorgfältig oer- mieben. Von besonderer Schönheit verspricht der Plafond zu werden. Allerdings laßt sich heute durch das Fehlen deS großen Kronleuchter« auch darüber nichts Genaueres sagen, weil sich die Wirkung der Teckengemälde bei Beleuchtung noch nicht feststellen laßt. Am unfertigsten sieht es noch im Foyer und Vestibül auS. Wie in einem Bienenkorb schwärmen bie Arbeiter bort herum unb baS Turcheinanber ist imbeschreiblich. Tie Wänbe sind mit Marmor ocrtleibei; ba schwarzer unb farbiger verwenbet wirb, so hebt sich bie vornehme Wirkung bes Eingangs aufs Vorteilhafteste. Schwarze Marmorstufen führen auS bem Vestibül zu ben Vorräumen bet Balkoiis, und aus biefem gehen rechts unb links Treppen zu ben Vorräumen ber Logen. Thüren unb Wanbbekleibungen sind hier aus Mahagoniholz. Tie Pfeiler haben hohe Spiegel und reichen Beleuchtungsschmuck, über dem sich bie kümmerlich gemalten Decken biS jetzt noch recht unfertig ausnehmen. Mehr läßt sich heute kaum über bas neue Haus sagen, weil ber innere Einblick durch die erschreckende Unfertigkeit leidet Tie wundervollen Bllhhauerarbeiten am äußeren Hause, die mit Recht allgemeine Anerkennung finden, sind zum Teil von Profeffor Fritz Hausmann, während Varnesi die Jnnenfkulpttiren übernahm. Tie Preise der Plätze sind gegen die im alten Theater um eine Kleinigkeit erhöht worden. Tas neue Haus ist, wie wir erinnern möchten, im Zeitraum von drei Fahren mit einem Koflenaufwände von etwa 2si, SDhIL Mark von Prof. Seeling-Berlm erbaut Am 28. August 1899, dein 150 irrigen Geburtslage Goelhe'S, wurde ber Grunbstein dazu gelegt Reben dem Theater ist em kleiner Theater-Garten tm Entstehen begriffen, ber vom Foyer auS zu erreichen ist und auf der anderen Leite zum Theater-Eafee führt. Nach diefem gelangt man außerdem noch durch einen gedeckten Säulengang, foba| Schauspielhaus und Theater-Eafee cm gefchlossenes Ganzes bilden. Tcr Dirckiorial-AuSschuß des deutschen Bühncu-VereirrS hält unter dein Vorsitze des Grafen Hochberg am 2. November eine Sitzung in Frankfurts» Ai. ab. Tie Einberufung hierzu kam ganz piotzlich: ben Anlaß gab Jnc Anwesenheit be5 Grasen Hoch» berg zur Eröffnung des neuen Schauspielhauses in Frankfurt a. W» me 9MM btt Ht statt. Bei Allen erbigungäfeier eine /verM in folgen- wartet bie Bciche ,et sie von ba an >0 rs \on\t Mich ycany bleibt roeg. chlietzt der Archen. M zu Fall. Jeden, bei Beerdigung ea Qdßlity int Ornat Wer Unser, Segen Einsegnung der in n Rom Mlerbleidt. n Mtt. Die Ä- jedingung gempst. t nicht statt. bei unter den m , sowie auch M >{e Ansprüche^ m so i/r N ?? !fi ®£*w l’ÄS rS«: >e Sp'^ienDecke« SS worden möäile", im2Y, Ml r.«88 “ *15 «,»• lÄÄ Wrs Möchte m K4 w * erledig, äta«Sfebj?. ?nun9 des 6irl chenbehörde Jft ?-N"ich Ä «tag 1899. S * «•» °uch^ Me ein. ^d det j!uK unÄ0liS Jtniorbein ein «M, baj und hieraus ?? ^gssähigkeit oder unterscheiden sind, ^u hat unter ge, apz Mcrdigungsseier, en Gepränges, wie °e, Ahnen rc., zu Ehrensalven unter» ng noch Einschrän-' :n die Angehörigen en oder damit ein« >en. Wo keine An. en Fällen an deren -rhältnissen Nächst, sähigkeit vor, so # er folgerichtiges erlebens war M nsländen, z. öM Verbrechen-z« ent« r ob ttlich zu »Wigen lmMe in Frage e Zurchaltung im verstanden erTBren. M erschetttt ettte gretcymäffige Behandlung aller derer, die in unzurechnungKsLhigem Zu- tand Selbstmord begangen haben, als prinzipiell richtig und isie wünscht, daß, ihnen allen die kirchliche Beerdigung versagt werde. Ein Antrag des Abg. St am m-Storkstadt will dagegen, daß sich die amtliche Beteiligung des Geistlichen bei der Beerdigung von Selbstmördern nach dem kirchlichen Herkommen des Ortes richte, und eine Begleitung des Geistlichen nur auf Beschluß des Kirchenvorstandes versagt werden könne. Weiter wünscht der Antrag, daß der Geistliche in allen Füllen die Beerdigung nach dem Formular vornehmen könne, und es ihm überlassen bleibe, damit eine freie Ansprache zu verbinden. Die Beerdiauntgsifeierrich!- keiten sollen in möglichst einfacher Weise stattfinden. — Diesem Antrag widerspricht der Ausschuß und beantragt dessen Ablehnung. Den Worten deS Ausschußberichterstatters folgte eine eingehendere Darlegung des Herrn Prälat D. Walz und die Begründung des Antrags Stamm-Stockstadt durch den Antragsteller, worauf um V/a Uhr eine Mittagspause eintrat. In der Nachmittagssitzung, die um i/34 Uhr beginnt, spricht zuerst Abg. Wahl-Schlitz. Er führt aus, daß er sich mit der Vorlage nicht befreunden könne. Die Unterscheidung. die das Oberkirchenregiment zwischen Zurecht nungsfähigkeit und Unzurechnungsfähigkeit mache, sei eine gerechtfertigte, aber eine weitere Unterscheidung dürfe man nicht machen. Die Zubilligung mildernder Umstände erscheine zwar human, aber mit den kirchlichen Interessen nicht vereinbar, sie sei auch in der Praxis außerordentlich schwierig, und würde zu großen Mißhelligkeiten führen; der Standpunkt der Minorttät erscheine in dieser Hinsicht mehr konsequent. Dem Geistlichen müsse allein die Entscheidung über die Frage, ob Zurechnungsfähigkeit oder Unzurechnungsfähigkeit vorliege, überlassen bleiben. Redner erklärt noch, daß er für Punkt 1 der Vorlage, und dann für den Antrag der Minorität zu Punkt 2 stimmen werde. Abg. Lic. theol. Eck-Offenbach spricht sich in sehr pathetischen Worten gegen die rücksichtsvolle Behandlung der Selbstmörder seitens der Kirche aus und vergleicht damit d as Urteil Christi in der Bergpredigt. Es gebe nur einen Fall beim Selbstmord, der eine andere Behandlung verdiene, nämlich wenn der Selbstmord als eine Krankheit zu betrachten sei. Tie Kranken aber solle man auch als Kranke behandeln. Redner richtet schließlich an hohe Synode die Bitte, die in der Vorlage enthaltenen Rücksichten fallen zu lassen, bittet event. das Oberkonsistorium, die ganze Vorlage zurüctzuziehen. Oberkonsistvrialpräsident D. Buchner bemerkt: Er habe aus der bisherigen Diskussion Hierselbst ersehen, daß diese „Richtlinien" aus eine Annahme nicht zu rechnen hätten. Sie würden bekämpft von links und von rechts und auch diejenigen, die bereit sind, für die „mittlere Linie" einzutreten, hätten an den Einzelheiten noch so viel auszusetzen, daß auf eine wtrTsame wettere Verhandlung und Abstimmung nicht mehr gerechnet werden könne. Es könnte ja noch ruhig Wetter darüber verhandelt werden, aber es liege noch so viel anderes zur Beratung vor, daß sich die Versammlung ohnedies in sehr engen Schranken halten müsse. ErziebedeShalb im Namen des Oberkonsistoriums die Vorlage zurück. Tas geschehe aber nicht in der Meinung, unrichtig gehandelt zu haben oder aus den hier vorgebrachten Gründen zur Zurückziehung veranlaßt zu sein, sondern in der Hoffnung^ daß auf diesem Boden weiter gearbeitet werde und sich die Ansichten klären würden. — Nach einer verlesenen dies-! bezüglichen schriftlichen Erklärung bricht darauf die Ver-, jamm hing die Beratung über diesen Gegenstand ab. Zur Beratung gelangt nun der Bericht des Siebener- Ausschusses über die Ausarbeitung eines Kirchenbuchs für die evang. Kirche des Großherzogtums. Nach] einem kurzen mündlichen Bericht des Ausschußreferenten entspinnt sich eine Debatte über die Frage, ob das vom Ausschuß abgeänderte Kirchenbuch nicht im Druck vorgelegt werden könnte. Tie Synode beschließt, den ersten Tett drucken zu lajsen, und ihn dann zur formellen Bestätigung vorzulegen, den zweiten Teil aber vom Ausschuß weiters beraten zu lajsen. {honender Weise, erwähnt werden und das Bedauern über ie That zum Ausdruck kommen wird. Eine Ansprache, welche den Fall mit Schweigen übergeht, ist unzulässig. Für eine solche Beerdigungsfeier sind besondere Ge- Lete und Begräbnisformen zu schaffen und in das neue Kirchenbuch aufzunehmen. Tie vorstehenden Bestimmungen erstrecken sich nicht «ruf das seelsorgerische Handeln des Geistlichen an den Letreffenden Angehörigen. Dieses bleibt vielmehr dem Ermessen des Geistlichen anheimgegeben. Tie Richtlinien sollen für die kirchliche Ordnung eine »Schutzgrenze gegen allzugroße Nachgiebigkeit bei der Be- »rrdigung von Selbstmördern bilden. Sie wollen aber Hine etwa bestehende strengere Ortssitte, zu deren Auftecht- »«rhaltung der Geistliche solange verpflichtet ist, als die «Gemeindeorgane nicht anders beschließen, nicht bei» Lrängen. Sie sind also als Richllinien maßgebend für alle iim kirchlichen Amte Stehenden in solchen Gemeinden, in Lenen ein sicheres strengeres Herkommen nicht besteht. Entstehen über die Frage des Herkommens, namentlich Larüber, ob die sttengere Hebung wirklich auf einer fest- tzehandhabten Sitte beruht, Zweifel, so entscheidet das L-berloujiswrium, ob nicht einfach die „Richtlinien" maßgebend sein sollen. i. I _i Ten Gemeindeorganen steht es zü, an die Stelle einer strengeren Ortssitte durch ordnungsmäßigen Beschluß das Lurch die „Richtlinien" vorgezeichnete Verfahren treten zu Hassen. Heber diese Vorlage, der noch eine längere Begründung »eigegeben ist, erstattete der Abg. Pfarrer Berneck-Sta- Len den Ausschußbericht. Ter Ausschuß erklärt sich zunächst mit dem in den „Richtlinien" ausgestellten Grundsatz einverstanden. Taß die Selbstmordfälle nach der geistigen und hieraus zu folgernden religiössittlichen Zurechnungsfähigkeit oder Unzurechnungsisähigkeit zu unterscheiden sind, und ist in Heber ein ftimmung mit der Vorlage dafür, daß die Entscheidung über diese beiden Punkte lediglich dem Geistlichen unter Berücksichtigung des Urteils des Kirchenvorstandes, des Arztes, der Angehörigen usw. Überlajsen werden soll. Tie Entscheidung darüber in die Hand des Arztes zu legen, widerspricht der Ausschuß, da das ärztliche Zeugnis leine entscheidende Autorität für die Kirche haben könne, ebensowenig, wie das Resultat der Lei einem Selbstmord borgenommenen gerichtlichen Unter- judöung. Ferner wünscht der Ausschuß im Anschluß an die Bestimmungen über die Selbstenlleibung in unzurechnungö- iiihigem Zustand, daß hinzugefügt werde: Dieselbe Praxis mdet Anwendung auf diejenigen Selbstmörder, bei denen er Tod nicht unmittelbar nach dem Versuche des Selbstmordes eingetreten ist, und zwischen diesem und dem Ende eine aufrichtige Reue über das begangene Verbrechen sich gezeigt hat. Hinsichtlich der Beerdigung derjenigen Selbst- mörber, welche die That in zurechnungsfähigem Zustande begangen haben, schließt sich die Majorität den borgesch>la- genen Bestimmungen an. Tie Minderheit des Ausschusses kann sich indessen mit dieser Unterscheidung nicht ein» Glückliche Menschen verliehen hat, Ihre Zärtlichkeit, Teilnahme und Besorgnis für ihre Lieden auch äußerlich so recht zum Ausdruck au bringen. Ein liebevolles Wort zur rechten Zeit hat schon ost sehr viel Gutes gestiftet. Besonders im ehelichen Zusammenleben wird ein freundliches gegenseitiges Entgegenkommen, ein rücksichtsvolles Eingehen des einen Gatten auf die Wünsche des andern ungemein förderlich auf die Zufriedenheit und Glückseligkeit beider Teile wirken. Tas geistige Band, das aber in einer Ehe, wie sie sein soll, Mann und Frau umschlingt, erfährt öfter als man glaubt eine Lockerung, jcr es kann sogar zerreißen, wenn auf materiellem Gebiete sich Unzu- träglichkeiten einstellen, die bei einiger Aufmerksamkeit hätten oet-i mieden werden können. So spielt die Ernährunasfrage x. B. selbst! in der glücklichsten Ehe eine hochbedeutsame Rolle. Bon einer ausreichenden kräftigen Nahrung hängt das Wohl der ganzen Familie, hauptsächlich aber das Gedeihen der Kinder ab. Auch der strenge Herr Gemahl, maa er sonst noch so anspruchslos seim ist und bleibt in puncto der Magensraae nun einmal ein Egoist. Stets ein schmackhaftes Mahl auf den Tisch zu stellen, wird daher das Bestreben jeder guten Hausfrau sein und hierin wird sie durch unsere auf einem hohen Standpunkte angelangte Nahrungsmittelchemie unterstützt. Unter der Menge von Nahrungs- und Genuß- mitteln, die heutzutage m jeder Küche unentbehrlich geworden sind, zeichnet sich nun „Siris", ein dem Fleischextrakt ähnliches Präparat, durch vorzüglichen Geschmack, angenehmen Geruch, Ausgiebigkeit und Billigkeit aus. Da „Siris" um ca. die Hälfte billiger ist als Fleiscbextrakt und genau in der Art wie dieser verwendet werden kann, so wird es sicherlich bald in keinem Haushalte fehlen. Ueberall in Den Kolonialwaren- rc. Handlungen zu haben. Wer das neue, wefentlich verbesserte Präparat — in allen Kolonialwaren- rc. Handlungen erhältlich — noch nicht versucht hat, versäume nicht, sich von der vorzüglichen Qualität zu überzeugen. 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Angebot der Arbeitnehmer: 1 Goldarbeiter, 1 Maler und Lackierer, 1 Küfer für Keller- und Holzarbeit, 1 Sattler, 1 Sattler unb Polsterer, 1 Schmied, 2 Bau- und Möbelschreiner, 1 Bau- l^jreiner, 10 Hausburschen, 1 Herrschaftskutscher, 5 Kutscher, 1 Fahrbursche, 4 Taglöhner, 1 lanowirtschaftl. Knecht, 1 Bureaudiener, 1 Müller, 5 Dienstmädchen, 1 Haushälterin, 8 Lauffrauen, 1 Wäscherin, 1 Nähterin. 2 Schreibgehilfen. Lehrlinge: 1 Schlosser. Nachfrage der Arbeitgeber: 1 älterer Friseur, 4 Knechte auf Weihnachten, 1 Herrschaflskutscher, 1 Schweizer, 1 Oelmüller, n jüngerer Hausbursche, 7 landwirtschaftliche Mägde, 7 Dienst- riäbchen, 1 Küchenmädchen, 1 Lauffrau gegen freie Wohnung. Lehrlinge: 1 Kellner, 1 Buchbinder, 1 Bäcker, 1 Schneider. Verdingung von Drainagearbeiten. Die im Herbste d. Js. zur Ausführung vorgesehenen Arbeiten für die Feldbereinigung Bettenhausen als: Drainagearbeiten veranschl. zu rd. 1100 Mark, Ver- schleifungsarbeiten veranschl. zu 460 Start, sollen Dienstag, den 4. 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