Nr. 230 Zweites Blatt. 152. Jahrgang Mittwoch 1. Oktober 1®O2 •fftftWt tltzttch außer Sonntags. vsm Siebener An-eiffer »erden hn Wechsel mit dem Üesstsche« Landwirt die Siebener Familien, blätter viermal in der Woche betgelegt. biolaNonSdruck u. Verlag der vrüh l'lchen ttnwers^Buch» a. Stein» druck« ret (Pietsch (fcrbeii) NedakNon, LrpedMo« und Druckerei! Schul st ratze 7. Eid resse für Depeschenr «uretger Vietze«. tztrnsprechanschluß Nr. 61. Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen Veßvavprai», mono lüch 7b Pl^ vierte jährlich Dtk. LL0t durch Abhole- u. Zweigstelle« monatlich 66 Pf.; durch diePost Mk.2.— viertel» jährt. ausschl. Bestellg. Anuaßme von Anzeige« für bie TageSnumm« bis oormUtagS 10 Uhr, ßetlenpret»; total ISPf, auSwärrS 20 Pfg. verantwortlich» für den poliL tu allgem. teil; P. Wittko: für .Stadt und ßanb4 und .GerrchtösaalE; Luri Plato^ für den Anzeigenteil: HanS Beck. Die heutige Nummer umfaßt 10 Seite«. Politische Tagesschau. 8mn Besuche der Bureugeuerale t» Berliu. Wie daS ^B. $.* authentisch mrtteilen kann, ist in den Kreisen, die mit den Burengeneralen persönliche Beziehungen pflegen, nichts davon bekannt, daß die beim Kaiser nachgesuchte Audienz bewilligt ist. Ehe eine end- giltige Antwort vom Hofmarschallamt erfolgt, kann der genaue Termin des Besuches der Generale in Berlin nicht festgesetzt werden. Wie daS genannte Blatt weiter beruhtet, bestehen lebhafte Bestrebungen, die Generale zu veranlassen, dem Besuche in Frankreich die Priorität für den in Deutsch» land zu verschaffen. Auch hierüber sei eine endgiltige Entscheidung noch nicht gefällt. Das Berliner Empfangskomitee trägt sich mit der Hoffnung, daß die Generale zum 12. Oktober in Berlin eintreffen. Die Zeit ihres Aufenthalts ist auf fünf Tage bemeffen. In der englischen Preffe wird nach einer Londoner Depesche die Meldung, daß Kaiser Wilhelm die Burengenerale empfangen werde, lebhaft besprochen. Die „Times" bemerkt dazu: Weder der Kaiser noch die Generale könnten die unvermeidliche Wirkung auf die öffentliche Meinung in England und in Südaftika verkennen. Es sei kaum glaublich, daß Kaiser Wilhelm an einen Schritt denke, der im ganzen britischen Reiche die tiefste Entrüstung erregen und die bitteren Gefühle erhöhen und verewigen dürfte, die der Kaiser versucht habe zu besänftigen. England würde gezwungen sein, seine Ansichten über die persönliche Freundschaft des Kaisers und über die Loyalität und die Ehrlichkeit der Burengenerale zu ändern. Der „Standard" will die Meldung als einen Ballon d’essai an» sehen. Falls sie jedoch zutreffe, so würde der Empfang der Nu-rengenerale einfach eine Wiederholung des Krüger-Telegramms in kleinem Maße sein. Wir wollen hoffen, daß sich durch dieses naseweise Gebälfer der englischen Preßmeute die leitenden deutschen Kreise nicht verblüffen lassen werden. Nach dem freifmnigeu Parteitage. Unser parlamentarischer Mitarbeiter schreibt imterm 30. September: Die Beschlüsse vom Hamburger Parteitag der Freisinnigen Volkspartei füllen drei Spalten der „Freis. Zta." JedeS nur einigermaßen wichtige Gebiet hat seine Resolution bekommen. „Die Beschlüsse der Freisinnigen Bolkö- partei", meint das „Berl. Tagebl.", „haben eine ähnliche Bedeutung, wie sie der Ausfertigung eines Gerichtsurteils zukommt: sie bedeuten die formelle Bestätigung der bereits ergangenen Entscheidung." Bemerkenswert ist aber in demselben Blatt, das bekanntlich auf Seiten der „Freis. Vera." steht, der Ausdruck des Bedauerns über die Ankündigung des Abg. Richter, er denke an seine politische Zurruhesetzung, nachdem er noch den nächsten Wahlkamps mitgemacht habe. Bekanntlich haben „Berl. Tagebl." und „Freis. Ztg." oftmals sehr lebhafte Fehden mit einander ausgefochten, und es ist dabei von dem ersteren Organ wiederholt nicht undeutlich zu verstehen gegeben worden, die Freisinnige Volkspartei werde durch Richters Rückzug aus den „Altenteil" gewinnen. Die Auffassung also hat sich geändert. Das ,Merl. Tagebl." erklärt es heute für „bedauerlich, wenn eine rednerische und politische Kraft wie Richter vor der Zeit das parlamentarische F-eld räumen wollte". Darüber kann in der That kein Zweifel herrschen, daß die Freisinnige Bolkspartei in dem Moment sehr erheblich an politischer und noch mehr an parlamentarischer Bedeutung einbüßt, sobald der „Ruser im Streit", der ein Dutzend anderer Führer aufwiegr, seinen Platz im Zuschauerraum einnimmt. Was die-Politik verliert, gewänne freilich die politische Litteratur. Denn Richter soll noch mancherlei an Erinnerungen und anderem Material im Pulte haben, dessen Ausarbeitung für die Zeit größerer Muße gespart ist. Noch einmal der Konitzer Mord vor Gericht. Berlin hat feinen neuen Sensationsprozeß, der am Dienstag begonnen hat. Verleger und verantwortlicher Redakteur der antisemitischen „Staats bürg er ztg." stehen einer ganzen Anzahl von Beleidigungs-Anklagen gegenüber. 26 Aussätze der „Staatöbürgerztg." sollen Beleidigungen gegen richterliche und staatsanwaltliche sowie gegen Privatpersonen enthalten. Die Angeklagten beabsichtigen den Wahrheitsbeweis für ihre Behauptungen anzutreten, die sich insbesondere dahin zuspitzen, in der Konitzer Mordaffaire (Ermordung des Gymnasiasten Winter) seien die Behörden den Spuren, die angebliche auf die Familie Levy Hinweisen, nichit mit der erforderlichen Entschiedenheit nachgegangen. So wird denn die Konitzer That nochmals in ihrem ganzen Umfange zur gerichtlichen Erörterung gelangen. Die Möglichkeit, daß es dabei gelingen werbe, das Duirkel zu lichten, das auf diesem Morde ruht, ist leider sehr gering. Jede neue Verhandlung vielmehr, die aus Anlaß des Konitzer Mordes stattgesunden hat, — es schlossen sich die Aufsehen erregenden Memeids- prozesse an — zeitigte neue Widersprüche der Zeugen, sodaß das Bild der .Vorgänge, weit entfernt, an Klarheit zu gewinnen, immer mehr sich verwischte. ES ist unendlich viel in und um Könitz geklatscht worden, die Verbreitung von Gerüchten für uni) wider die Familie Levv hat eine große Rolle gespielt, man HÄ: sich förmlich berauscht an den verwegenster: Kvrrchttrativrren, dar: abMteirerLichMr Mutmaßungen. Wie eS zu gehen pflegt: Einer bezieht sich auf den Anderen, von dem er dies und jenes gehört haben will — um nicht selbst in die nicht vortellhafte Beleuchtung eines Phantasten gerückt zu werden. Dann giebt eS wieder Zeugen, die sich mit Gewalt in eine Wahrnehmung hineinversetzen, eine unsichere Beobachtung zur Gewißheit machen, entweder, um sich wichtig zu thun oder uni mit dem Eid die Zweifel an ihren zuvor in kleinerem Kreise geäußerten Bekundungen triumphierend zu widerlegen. So kann es geschehen, daß auch dieser Prozeß sehr bedauerlicher Weise Prozesse wegen Meineids, fahrlässiger und wissentlicher Art, im Gefolge hat. Ein enormes Aufgebot von Zeugen ist zu erwarten; fast alle Personen, d:e in Könitz an Gerichtsstelle aufgetreten sind, dürften in Berlin sich einfinden. Die Leitung der Verhandlungen liegt in der Hand des Landgerichtsdirektors Opitz, der als ein besonders scharssitmiger Richter gilt. Vor Eintritt in die Verhandlung erklärte der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. .Hahn, die Angeklagten ständen auf dem Standpunkte, daß zu der Zeit, als die Artikel erschienen, der dringendste Verdacht der Thäterschaft auf den Levys und den Juden geruht habe. Sie ständen auch jetzt noch auf dem Standpunkte, daß dieser Verdacht berechtigt sei. Sie wollten sich mit den Aussagen der 120 kommissarisch nerniontmcnen Zeugen zunächst begnügen. Die Vorwürfe gegen die Beamten hielten sie aufrecht und behielten sich vor, Kritik an den Bescheiden des Ersten Staatsanwalts, des Lberstaatsanwlts und des Oberlandesgerichts zu üben. Aus die bestimmte Ansrage des Staatsamvalts erllärte Rechtscuuvalt Dr. Hahn, baß die Angeklagten that- sächlich den Vorwurf der Mitthäterfchast auch heute iwch gegen die Levys aufrecht erhielten. Der Vorsitzende erklärte hierauf, daß unter diesen Umständen die Beweis- aufnabme auf den Konitzer Mord luiber werde ein geh en und die ganze Angelegenheit, von ihren Anfängen an, behandeln müsse. Des weiteren ließ sich der Vorsitzende durch Befragen von den Angeklagten bestätigen, daß der von diesen erhobene Vorwurf des Ritualmordes oder, wie es jetzt genannt werde, „Blutmvrde s", nicht gegen die jüdische Religionsgesellschaft sich richte, sondern nur die Thatsache behauptet werden solle, daß aber* glaub iscüe Juden solche Blutthaten verrichten. Es folgte die Verlesung der einzelnen Artikel, die die Grundlage der Anklage bilden. Nach Beendigung der Verlesung erklärte der Vorsitzende gegenüber neuen Verlesungsanträgen der Verteidigung,er muffe darauf aufmerksam machen, daß man doch nicht drei Monate bei einander fitzen könne, um die „Staatsbürgerztg." zu lefen. Um 31/2 Uhr wurde die Verhandlung abgebrochen und aus morgen vertagt. Deutsches Keich. Berlin, 30 Sept. Der Kaiser hörte heute Vormittag in Rom int en den Vortrag des Staatssekretärs des Reichsmarineamtes, Viceadmirals von Tirpitz. — Anläßlich des heutigen Geburtstages der Kaiserin Augusta war das Mausoleum in Charlottenburg mit blühenden Pflanzen prächtig geschmückt. Unter den zahlreichen Kränzen, die niedergelegt wurden, befanden sich solche des Kaiserpaares und der Großherzogin von Baden. — In der heutigen Sitzung der Zolltarifkommiffion teilte Reichstagspräsident Graf Ballestrem mit, die erste Sitzung des Reichstags werde am 14. Oktober statt» finden mit der Tagesordnung: Petitionen. — Gestern Nachmittag sand die Vierteljahrssitzung des Kuratoriums der Reichsbank statt, an der außer dem Vorsitzenden, Grafen Posadowsky, in Vertretung des Reichskanzlers und dem Berichterstatter des Präsidenten Koch auch Staatssekretär Frhr. v. Thielmann teilnahmen. — Der Highsheriff Roche von Cork, der mit Geschenken irischer Ruderer an die Berliner Ruderer vor ein paar Tagen hier eingetroffen ist, wurde heute Nachmittag in Begleitung des englischen Botschafters vom Staatssekretär Frhrn. v. Richthofen empfangen. Letzterer betonte, ein wie warmes Interesse der Kaiser an der Miffion Roches genommen habe. Roche brachte seinen Dank für die freundliche und gastfreie Art, mit der er behandelt wurde, seitdem er in Berlin weilte, zum Ausdruck. Nicht nur der Berliner Ruderklub, auch alle übrigen Klubs, namentlich auch die Potsdamer Klubs hätten ihm eine so festliche Aufnahme bereitet, daß er nicht genug danken könne. Er erinnere sich nicht, jemals so herzlich empfangen worden zu sein, und hoffe, sein Besuch werde dazu beitragen, ein dauerndes Band der Freundschaft zwischen Berlin und Cork zu knüpfen. Stuttgart, 30. Sept. Der „Staatsanz." schreibt amtlich: Aus dem annähernd zeitlichen Zusammentreffen eines privaten Besuches des badischen Ministers des Innern Dr. Schenkel bei seinem württembergischen Kollegen mit dem durch die offizielle Anzeige der Thronbesteigung des Königs von Sachsen bet dem kgl. Hoflager in Friedrichshafen veranlaßten Besuch deS sächsischen Ministerpräsidenten von Mctzsch in Stuttgart glaubt der „Beobachter" den Schluß ziehen zu sollen, daß es sich hierbei um die Organisierung einer Aktion der Mittelstaaten handelt, welche ihre Spitze gegen den preußischen Vorstaat richtet. Fär jeben ernsthaften Politiker bedarf es kaum der Hervorhebung, daß diese Annahnre sich lediglich als eine haltlose, irgendwelcher thatsächlichen Unterlagen entbehrende Vermutung dacheüt. Ausland. London, SO. Sept. In der britischen A r m e e wurden im vorigen Jahre 11414 Soldaten mit Gefängnis bestraft, darunter 1948 wegen Desertion, 1874 wegen Ungehorsams und Gewaltthätigkeit, 1112 wegen Trunkenheit. Brüssel, 30. Septbr. Der ,,©oir* berichtet aus Madrid unter Reserve: Gerüchtweise verlautet, Königin Marie Christine habe sich auf ihrer letzten Reise nach Wien mit it)rem Oberstallmeister, dem Grafen Escosura, im Geheimen vermählt. Die Königin habe den Grafen schon vor ihrer Ehe mit AlfonS XIL geliebt und sei die Ehe mit diesem nur aus Staatsgründen eingegangen. Der junge König soll über die Heirat seiner Mutter äußerst erbittert sein und die Beziehungen zwischen chm und seiner Mutter sollen sehr gespannt sein. Sofia, 30. Sept. Den gestrigen Manövern, welche eine Wiedergabe der auf den Höhen von Schipka im Sommer des Jahres 1877 stattgehabten Kämpfe bildeten, wohnten Fürst Ferdinand von Bulgarien, Großfürst Nikolaus Nikolajewitsch, der Minister und die russischen Generale bei. Hierauf wurde vor dem Monument deS heiligen Nikolaus ein Requiem für die Kaiser Alexander ll. und 111., ferner für alle im Befreiungskriege Gefallenen celebrirt. Fürst Ferdinand, der Großfürst NckolauS Nikolajewitsch und die Minister legten Kränze am Monument nieder. Außerdem wurden von mehreren russischen und bulgarischen Vereinen und zahlreichen privaten Personen Kränze niedergelegt. Washington, 30. Sept. Im Befinden deS Prüft» benten Rooseo elt ist eine andauernde Besserung zu verzeichnen^__________________________________________________________ Schwurgericht. P. Gießen, 30. Sept. (Schluß der Verhandlung gegen den Maurermeister Scharmann von Ober-Ohmen wegen Meineides. Die Anklage wird durch Staatsanwalt Neuß, nicht, wie gestern irrtümlich gemeldet, durch Staatsanwalt Hoos vertreten.) Nach Eintritt in die Verhandlung erklärt der Angeklaate, einmal wegen Körperverletzung vorbestraft zu fein. Zur Anklage (über die wir gestern berichtet haben) erklärt der Zeuge, daß er einen Menschen Namens „M omberger^ seinerzeit nicht gekannt habe, er habe die unter diesem Namen gemeinte Person nur unter dem Namen „Schom- ber" oder „Schlüpp" gekannt. Heute wisse er ja, daß Schombert in Wirklichkeit M 0 m b er g er heiße. DaS Renkontre in der Ernst'schen Wirtschaft, daS er mtt Mom- berger gehabt habe, giebt der Angeklagte zu, er bleibt aber dabei, er hätte sich des Vorfalles in der damaligen Verhandlung vor der Strafkammer nicht erinnert Angeklagter will sowohl mit Momberger wie mtt dem Ruppert aus Ermenrod nie etwas zu thun gehabt haben, er sei auch weder mit dem einen noch mtt dem anderen verfeindet. Dem Angeklagten wird darauf vorgehalten, daß er heute seine Verteidigung geändert habe; in der Voruntersuchung habe er überhaupt bestritten, nach den Vorfällen Momberger und Ruppert gefragt worden zu sein. Er hätte damals angegeben, durch den Schlag des Becker sei sein Gedächtnis getrübt gewesen, und daraus sei es zu erklären, daß er. sich vor der Strafkammer der Vorfälle nicht habe erinnern "tonnen. Angeklagter giebt zu, seinerzeit diese Darstellung gemacht zu haben. Er giebt dann weiter zu, daß er vor seiner damaligen Vernehmung durch den Vorsitzenden hinsichtlich des Eides ganz besonders verwarnt worden sei. Bei der Beweisaufnahme wird zuerst der Zeuge Becker von Nieder-Ohmen vernommen. Zeuge giebt an, daß Scharmann ihn im Juli 1901 auf der Landstraße begegnet sei; jener sei, als er feiner ansichtig geworden, von seinem Fahrrade abgestiegen, auf ihn in drohender Haltung zugekommen, und habe ungefähr gesagt: „Na, da habe ich Dich." Er, der Zeuge, habe zur Abwehr mit dem Stock zugeschlagen, und seinem Gegner eine blutende Verletzung beigebracyt. Er fei von der Gießener Strafkammer dieserhalb zu vier Wochen Gefängnis verurteilt worden, welche Strafe er auch verbüßt habe. Der Zeuge giebt weiter an, daß er den Rechtsanwalt Klar e- n aar vor der Strafkammer mit feiner Verteidigung betraut und diesem mitgeteilt habe, daß Scharmann ein zu Gewaltthätigretten geneigter Mann wäre; und um dies vor Gericht beweisen zu können, habe er angegeben, daß Scharmann dem Ruppert II. mit „kalt machen" gedroht habe, und den Momberger an die Kehle gepackt habe. Sein Verteidiger habe dann auch dieses Material benutzt; Schar- mann, der jetzige Angeklagte, aber habe beide Vorfälle unter Eid rundweg in Abrede gestellt, und hin,zugefügt, daß er einen Momberger überhaupt nicht kenne. Rechtsanwalt Klarenaar, als Zeuge vernommen, bemerkt hierzu, daß der Vorsitzende der Strafkammer den heutigen Angeklagten, der in der damaligen Verhandlung als einziger Belastung^euge vernommen worden sei, sehr eingehend vor einem Meineid verwarnt habe. Ec habe 1. den Scharmann wörtlich gefragt, ob er den Karl Ruppert II. von Ermenrod mit „kalt machet bedroht habe, und 2. kwbe er damals weiter gefragt, ob er den 'JJtourer Johann Momberger von Ober-Ohmen an die Kehle gepackt habe und diesen dann mit einer Bierflasche bedroht habe. Beide Fragen habe der damalige Zeuge verneint und hinzugefügt, den Momberger kenne er gar nicht. Aus ihn tjabe die Ableugnung der Fälle Ruppert uito Momberger durch Scharmann damals den Eindruck der Unglaubwürdigkeit gemacht. Der Maurer Karl Becker von Ermenrod erzählt,, wtt wird Vieles ge baiUc. )e, zu verhören, iicibcr Zöckler .lich als Zeugen von Bobenhausen bann eben- vorzuladen. Ter Gerichtshof unb beide Zeugen sollen eiligst pUHÜfc konnten wir von C. Herber bc- derselben soeben 8. an I *ltt< Stau 13 N L fireita 1902 6 ütUnt DanaSwi Ä runde C4296 (fi| m Kamme MhH fi u. boten werden. " Auszeichnung. Erst vor Kurzem einer Auszeichnung der hiesigen Weinsirnw Heu Sm richten. Eine weitere Auszeichnung wurde m London zuteil. Sie erhielt auf ehre Weine das Ehrens diplom mit Jnsignie (gold. Ehrenkreuz) und goldene Me> 6861 1 söhnungsfest, am 16. daS Laubhüttenfest, am 22. Laubhüttenende und endlich am 24. Oktober Gesetzes-Freude (Simiat- Thora). An diesem Tage findet hier ein Ball statt. — Meisterprüfungen für Oberhessen. Mit dem heutigen Tage haben die theoretischen Prüfungen der Meister-Kandidaten begonnen und werden in den nächsten acht Tagen fortgesetzt. Als Prüfungsgegenstände werden festgestellt: Fachkenntnisse schriftlich und mündlich, Wechselkunde, Gesetzeskunde und Kostenveranschlagung. *• Orpheum. Das Gießener Varietetheater, das Or- pheum beginnt heute Abend seine Vorstellungen. Der Rührigkeit des Direktors und Besitzers Herrn Prottengc-ger ist cs zu verdanken, daß neben vorteilhaften Erneuerungen des Lokals in der Schanzenstraße und der Aufstellung einer hübschen Bühne mit sehr geschmackvollen Dekorationen ic., auch ein wirklich gutes und dezentes Programm geboten wird. Tas Personal besteht aus zwei Soubretten (Frl. Erna Wolslcdt uud Lilly Blondin), 1 Humoristen und Blitzdichter fordert Stein), ein Duett (Frl. Else und Helene Belloni), ein Schnell- zeichner und Transparentmaler (Szandor Kline) und ein Ventriloquisten (C. Hald). Man sicht, es wird Vieles geil Anträgen statt, „ eben. — Im weiteren Verlause ber Verhandlung Aus und Lund. Gießen, 1. Oktober 1902. - Geheimer Rat Paul Schlippe t. Aus Darmstadt wird uns telegraphisch gemeldet: Ter, erst kürzlich In Pension getretene Generalstaatsanwalt und Vortragende Rat im Ministerium des Innern, Geheimer Rat Paul Schlippe ist heute morgen seinem, schon längere Zeit währendem Leiden erlegen. •• Personalien. Wie uns telegraphisch aus Darmstadt gemeldet wird, wurde dem Kreisamtmann Dr. Otto Heinrichs in Gießen der Charakter als Re- gierungSrat mit Wirkung vom 1. Oktober an verliehen. — Zu LehramtSasiessoren wurden ernannt die LchramtS- accessisten Dr. Friedrich Adami in Lauterbach, Franz Como in Alsfeld, Gustav Köllner in Laubach, und Friedrich Werner in Lauterbach. ** Vortr ag im Cafö Leib. Auf den morgen abend im Festsaale des Lass Leib stattfindenden Vortrag „Eine Nordlandsreise" sei nochmals aufmerksam gemacht. Es ist dankbar zu begrüßen, daß durch ein billiges Eintrittsgeld jedem die Gelegenheit geboten ist, die Reise mitzumachen, wozu es gewiß keiner weiteren Empfehlung bedarf. - Israelitische Feiertage. Die Israeliten feiern bekanntlich im Monat Oktober ihre höchsten Feste und zwar am 2. und 3. das Neujahrsfest (5663), am 11. das Vernül|c Vcl litt» nachnull ich im * 1 epttäf Losai.K gpitfltl1 6843 3< Mr 1 baufc- Ml, b IW arune Mo ur Lchr 8.1 mü |oroi gegen 'i werden. lSiebei 04294[t Bei lonntt na versteig, von et jammen bei der inaner, < «erst Ohtßti 04263 l . äger ersucht dic Gesa)worciien, oen Angeklagten des Meineides schuldig zu |ptedicn; einen fahrlässig Aschen Cid habe derselbe «ich: gelt. ..t, denn sonn lja.i. ; per Staatsanwalt, leinen Moment gezögert, Dafür ein- t»"1* wieder vor de die Sm' Hr tvur Monate atbet 2o sind fr auch " "n. gt»tlg uthen. • Pa> Dünscher findet, i die Test sich im .darmerie-Wachtmeister, Dörr von Rupperten- .berger würde in .Ober-Ohmen immer nur .s John" genannt, auch werde er mit „Schlup bezeichnet. Er selber, der Wachtmeister, habe uiger Zeit nicht gewußt, daß „Schomberts John" i richtigen Namen „Momberger" heiße. Er habe and erst erfahren, als er von Westfalen her aus- jorben sei, gegen einen gewissen Johann Mom- Ober-Ohmen wegen Diebstahls vorzugehen, unb ) damals erst erkundigen muffen, toer denn dieser e eigentlich sei. Er halte Momberger wegen t[trafen für einen wenig glaubwürdigen Mann, , n halte er für loahr, was Scharmann sage, dem Meineid nicht zutraue. Der Staatscuuvalt fragt n, Wachtmeister Torr, ob es denn wahr sei, daß ser Sache alles aufgebvten habe, um den Ange- iis der Patsche zu helfen. Ter Zeuge bestreitet dies Auf die weitere Frage, ob Zeuge in letzter Zeit, .mann schon wegen Meineids sich in Untersuch- . befand, mit diesem noch getrunken und ihm ge- jc, gegen Ruppert und Momberger wegen falscher gung Anzeige zu erstatten, erklärt Zeuge, er wisse )t mehr. nächste Zeugin Wirtin Ernst giebt an, daß der le mit Momberger eines AbeiidS im vergangenen i Ostern das in Rede stehende Renkontre gehabt lomberger heiße übrigens wie alle seine Familien- igen „Schombert". Tie Zeugin will gewußt haben, .-omberts John" und Johann D^omberger identisch . feien; ob der Angeklagte Scharmann dies indessen habe, könne sie nicht sagen. nächste Zeuge, Geometer Schäfer, kann auch n, daß Momberger überall mit „Schomberts John" .et werde. Er glaube, daß Scharniann den Mom- nuc unter dem anderen Namen gekannt habe, er demselben einen falschen Eid nicht zu. Zeuge erklärt, am man ihn nach Momberger gefragt hätte, er sich Ate besinnen müsfen, wer gemeint sei. Auch die j Zeugen, darunter der Bürgermeister unb o liz eidien e r von Ober-Ohmen bestätigen, baß ^rger allgemein ben Nameii „Schomberts John" en habe. Ob der wirtliche Name dem Angeklagten l gewesen sei, kann keiner der Zeugen sagen. — at bann eine Pause ein. n der Nachmittagssitzung wird zuerst der .rmeister Karl Geiß vernommen. Er erklärt, er in Angeklagten nicht feindlich gefilmt. Im Mai vor. j fei er mit dem Angeklagten auf der Mücke zusam- .troffen, wo chn dieser wörtlich gefragt habe, ob er iberger aus Ober-Ohmen in Arbeit habe. >euge will diese Frage bejaht haben. Auf die Frage Verteidigers, ob der Zeuge ganz bestimmt behaupten , daß Scharmann nach Momberger und nicht vielmehr Schomberts John gefragt habe, erklärt Zeuge, er genau, daß der Name Momberger gefallen sei. iie weiteren Zeugenvernehmungen beschränken sich auf Feststellung der Glaubwürdigkeit .des Zeugen Geiß, möcffen airf den Gang der Verhandlung von keinem enswerten Einfluß. Ter Gerichtshof füllt hierauf an die Geschworenen 1. Frage ob schuldig des Meineids und 2. die .ge nach mildernden Umständen aus § 157, . 1, ob nämlich der Angeklagte bei einer wahrhcits- äßen Aussage fich einer strafbaren Handlung bezichtigt e usw. Staatsanwalt Reust begründet die Anklage. . Fall Ruppert liege ja weit zurück, da könne es wohl glich sein, daß der Angeklagte, als er eidlich darüber .agt worden sei dies vergessen habe. Es wurde l'e Sache auch nur zur Illustration herangezogen, und solche sei sie für die Anklage wichtig. Ter Fall Äiom- ger sei dagegen noch nicht so lange her gewesen, als - Angeklagte von der Strafkammer danach befragt wor- i fei. In dem kleinen Dörfchen Ober-Ohmen kenne nun ter den andern, und der Angeklagte habe am 1. Januar I., als er den fraglichen Vorfall unter Eid bestritt, nau gewußt, daß „Schomberts John" und „Johann omberger" ein uno dieselbe Person seien, er war gefragt orden, ob er mit demselben Streit gehabt, ihn an dem vagen gepackt habe usw. uud habe dies wissentlich unter < id in Abrede gestellt Wenn der heute vernommene Zeuge .omberger ein mehrfach bestrafter Mensch sei, so habe .is mit der vorliegenoen Sache nichts zu tyun. Ter Ansei. Die Frage nach Milderungsgründen ersuche er zu bejahen. Im vorliegenden Fall sei der Gerichtshof dadurch in die Lage versetzt, nicht auf Zuchthausstrafe, die auf Meineid steht, zu erkennen, sondern auf eine mildere Gefängnisstrafe. Ter Verteidiger Rechtsanwalt Rosenberg plaidiert auf Freisprechung. Im Fall Ruppert habe sein Klient nur beschworen: er habe diesen nicht bedroht mit „kalt machen". So und nicht anders habe die dem Angeklagten vorgelegte Frage gelautet, und wenn er dieselbe verneint habe, so habe er die Wahrheit gesagt; denn der als Zeuge vernommene Maurer Kaspar, wie man den Ruppert bezeichne, habe selbst nicht bekundet, daß damals auf der Landstraße von „kalt machen" die Rede lvar. Weiter sei der Angeklagte befragt worden nach einem Renkontre mit dem Maurer Johann Momberger. Der Familienname Momberger war dem Angeklagten aber nicht bekannt. Er kannte damals den Momberger nur unter dem Namen Schombert. Der Ang.klagte konnte nicht denken und brauchte nach Lage der Sache nicht darüber nachzudenken, ob dieser „Sciwmberts John" der damals gemeinte Maurergeselle war. Wenn der Bürgermeister, der Polizeidiener rc., Leute, die dies wissen müssen, den wahren 'Sachverhalt hinsichtlich des Familiennamens also kennen, so kann man dem Angeklagten wohl glauben, wenn er sagte, er habe nur gewußt, daß der Mann Schombert heiße, und wenn er dann sagte: „Mit einem Momberger habe ich keinen Streit gehabt, einen Maurer dieses Namens kenne ich überhaupt nicht", so könne dessen Aussage als objektiv falsche, als wissentlich falscher Eid nicht angesehen werden. Die Aussage des Zeugen Geiß könne man nicht als Beweis für die Schuld seines Klienten ansehen. Ter Vorsitzende, Landgerichtsrat Holzapfel, teilt mit, daß der Gerichtshof inzwischen beschlossen habe, von Amts wegen an die Geschworenen für den Fall der Verneinung der Schuldsrage wegen Meineids eine weitere Frage wegen fahrlässigen Falsch cid es zu stellen. Staatsanwalt und Verteidiger gehen noch kurz auf die Würdigung dieser Frage ein. Beide sind der Ansicht, cs liege ein fahrlässiger Meineid nicht vor. Nach erfolgter Rechtsbelehrung ziehen sich die Geschworenen zu einer breiviertelstündigen Beratung zurück, woraus der Obmaim das Verdikt verkündet, welches auf nichtschuldig lautet sowohl hinsichtlich eines Meineides als auch eines fahrlässigen Falscheides. Ter Gerichtshof fällte darauf ein freisprechendes Urteil. Verhandlung vom 1. Oktober. Landgerichtsrat Holzapfel eröffnete heute vormittag 9 Uhr die Sitzung. Verhandelt wird gegen ben 30 Jahre alten, bisher noch unbestraften Tienstknecht Wilhelm Alt- vatter von Jlbenstabt wegen Verbrechens nüber bie Sittlichkeit. Die Anklage wirb vertreten vom Oberstaatsanwalt Theobalb. Der Angeklagte wirb verteibigt von Justizrat Rechtsanwalt Dr. Gutfleisch. Es sinb vier Zeugen und als mebizinischer Sachperständiger Medizinalrat Dr. Matthias- Friedberg geladen. Dem geständigen Angeklagten wird nach dem Anklagebeschlust zur Last gelegt, daß er an einer geisteskranken Person zu Ilbenstadt im Frühjahr dieses Jahres die inkriminierte Thal verübt haben soll. Ans Antrag des Vertreters »Der Anklagebehörde wird unter Ausschluß der Öffentlichkeit verhandelt. Als die Oessentlichkeit wieder- gestellt worden war, wird das Urteil verkündigt. Tie Geschworenen bejahten nach kurzer Beratung die Schuldsrage, bewilligten jedoch dem Angeklagten mildernde Umstände, woraus der Gerichtshof auf 3 Jahre 6 Monate Gefängnis erkannte, auf welche ein Adonai ber Untersuchungshaft in Anrechnung kommt. .v................ u-o-u—, .....- Hotel.Erwerbung. Restaurateur Bernd, der urreten^d.aß, audj. diese Frage M die Iuri/gesteUt worden Inhaber des Restaurants .Hohenzollern', hat das bekannte 95 ehmtal von Scharmann vor dessen Hof- .t worden sei. Kurz darauf sei dieser ihm aße begegnet, sei an ihn berangetreten unb Tu, wenn ich Dich einmal kriege", bann sei igen. Von „kalt machen" sei bamals keine Er, ber Zeuge, will sich durch den Vorfall edroht gehalten haben, und habe Anzeige n erstattet. Einige Zeit später sei ihm Schar- -, und habe zu ihm gesagt „Kaspar, verstehst .i Spaß?", unb 6a sei er, ber Zeuge, wieder n Gegangen und habe erklärt, daß er in ber Scharmann keine Anzeige erstattet haben fragen des Verteibigers erklärt Ruppert, hn überall „Mäuern Kaspar", unter dieser nne ihn jedes Kind in Ober-Ohmen. Der neue Zeuge Momberger erklärt, man i der ganzen Gegend nur „Schomber t's Befragen des Vorsitzenden erklärt der Zeuge Scharmann, der 19 Jahre in Ober-Ohmen gewußt hat, daß er Momberger heißt. Er vor zwei Jahren bei dem Angeklagten um agt, folche auch zugesagt erhalten, er sei aber Maurermeister Karl Geiß in Ruppertenrod in .en, unb dieser habe ihm kürzlich mit ge- Äharmann damals bei ihm gewesen fei, ragt habe, ob er den Momberger beschäftige, l des Rechtsanwalts Rosenberg, wieso er denn , als Maurergeselle aufzutreten, ob er denn geschäft erlernt habe, giebt der Zeuge Monier sei seit zwei Jahren auf Bauten thatig ge* . .latsanwalt beantragte hierauf den Maurer- llciu'lte Meldungen. Lriginaldrahtnieldungen des Gießener Anzeigers. Berlin, 1. Okt. Nach der „Magdeb. Ztg." wird das Abkommen der Rcichsregiernng mit dem Vatikan über die Errichtung einer katholisch-theologisch en a tu l - tät bei der Universität Straßburg vorausfichtlich. ui nicht ferner Zeit veröffentlicht werben. Gumbinnen, 1. Okt. Tas große Dampf müh len- Etablissement der Firma A. Prang steht fett heute früh in Flammen. Tas große fünfstocktge Tampfmühlen- gebäube brennt in seinem ganzen Umfange unb ist unrettbar verloren. Große Menschenmengen umlagern die Brandstätte. lieber die Entstehung des Brandes ist noch nichts bekannt. Kiel, 1. Okt. TaL Linienschiff Wetttn wurde heute zum ersten Mal mit Flottcnparade in Dienst gestellt. Görlitz, 1. Okt. In Strcchwcide schoß ein 28jäh» riger Zigarrenarbeiter aus Eifersucht auf seine 26jäh» rige Ehefrau, die tätlich verletzt wurde. Ter Thäter beging dann Selbstinord. Haag, 1. Oktober. Tie Buren Generale beendigen ihre Hollandreise am Samstag. Am Montag besuchen sie Biüffel, dann Paris und Frankreich. Sie erklärten den Bericht von einem Audieuz-Gesuch beim Kaiser für eiu< Hotel Schlüter zu Bebra käuflich erworben und wird schon Anfang Dezember dorthin übersiedeln. Dcirmstabt, 30. Sept. Die Nachricht, daß bie in der S elbstmordaf faire Patriz Hu ber-Commichau vielfach genannte Witwe den Versuch gemacht habe, ebenfalls Selbstmord zu begehen, ist vollständig unrichtig. Da die Dame aus bem Vermögen ihres verstorbenen Mannes nur die Nutznießung hatte, welche ihr laut testamentarischer Verfügung im Falle einer Wiederoerheiratung entzogen worden wäre, sind viele ihrer Bekannten der Ansicht, daß sie trotz der Verlobung auch den unglücklichen Commichau nicht geheiratet haben würde. Darmstadt, 30. Sept. Die Affaire Huber- Commichau, so lesen wir in einem Artikel der ,Rh. bildet den letzten Akt eines Sittendramas, zu dem bie Ausstellung der Künstlerkolonie den Hintergrund abgegeben hat, unb von bem nur bet Schluß sich vor ber Ceffentlidj- feit abgespielt hat. Für unsere Stadt hat die Ausstellung nicht nur eine finanzielle, sondern auch eine moralische Em- büße zur Folge gehabt..... lieber die Vorgänge, welche sich mährend der Ausstellung im , Platanenhain * ereignet, unb bei benen nicht bloS junge Mädchen, sondern auch Frauen eine traurige Rolle gespielt haben, hat des Chronisten Höflichkeit geschwiegen, weil sie sich zum Teil hinter den Conliffen abgespielt haben, zum Teil sich ber Erörterung in der Leffent- lichkeit entzogen. Tie Lacher, welche vorher über Muckerei gespottet haben, fingen nun an zu verstummen, namentlich als sich gewisse Leute anschickten, ihre sittlichen Uebergriffe ins Praktische zu übertragen, und als ein Einbruch in die Ehe eines ehrenwerten und hochangesehenen Mannes begangen wurde, durch den Unglück über ihn und seine Familie gebracht wurde. Da die Schuldigen still bei Seite getreten sind, so hat die TageSchronik feine Notiz davon genommen, wie von der letzten schrecklichen LiebeS- tragöbie, beten ersten Akte sich während der Ausstellung ab- gespielt haben unb deren Personen denselben Kreisen an- gehörten; bie Schuld der hierbei beteiligten Frau war nicht größer als die ber erstgenannten, sondern nur der Skandal. Auf die unglücklichen Opfer wird niemand einen Stein werfen, sie haben schwer gebüßt, ja, man kann sagen, das Opfer, das sie einer treulosen Geliebten gebracht haben, war zu groß. Andererseits zeigt dieser Fall aber, daß diejenigen, welche freieren sittlichen Anschauungen huldigen, und welche glauben, das Vorrecht für sich in Anspruch nehmen zu dürfen, nicht nach der herkömmlichen strengbürgerlichen Dtoral beurteilt zu werden, die nicht anders unb nicht minder streng urteilen, wenn ihre eigene Person in Frage kommt. Nach all diesen Vorgängen, nach dem fürchterlichen finanziellen Krach ber Ausstellung, und da sich die Hoffnungen, welche man für die Belebung des hessischen KunsthandwerfeS an die Ausstellung geknüpft hatte, nur zum geringen Teil sich erfüllt haben, ist es nicht zu viel gesagt, wenn man behauptet, daß die Leute in Darmstadt, welche mit wirklicher Befriedigung auf daS ereignisreiche Jahr 1901 zurückblicken, zu zählen sind. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. DaS Feuer, welches das Schleif'sche Holzlager in Biebrich cinäscherte, ist noch nicht vollständig gelöscht. Jedoch ist jede Gesahr einer weiteren Ausdehnung beseitigt. Der Schaden wird auf mehr als 300 000 Mk. geschätzt. Ein Arbeiter würbe unter dem Verdacht der Brandstiftung verhaftet. — Wie bereits in den letzten Jahren, wird auch in diesem eine nachträgliche Ausstellung der für die Berliner GerstenauLstellung angemeldeten Proben hessischer Gersten am 6. Oktober in Frankfurt a. M. stattfinden, und zwar vormittags im Frachtmarkt der Börse und nachmittags im Klub für Landwirte. — Heute, am 1. Oktober, übernehmen die Restaurateure und Hoteliers Adalbert W. Müller und I. Schert, seither in Ostende und London, die Restauration deS Frankfurter Palmen» gartens. Die jährliche Pacht beträgt 15 000 Mk., für Beleuchtung und Heizung müffen 18 000 Mk. an die Palmengarten-Gesellschaft bezahlt werben. Der seitherige Pachter Bolee-Ritz hat das Palasthotel Fürstenhof gekauft. Gottesdienst in der §ijnagogtT Südantage. Israelitische Neligionsgemeinde. Donnerstag, den 2. und Freitag, den 8. Oktober Neujahrsfest. 1. Tag. Vorabend: 5" Uhr. Morgens: 7" Uhr. Nachmittags: 4 Uhr: P r e d i g t. ee, 2. Tag. Vorabend: 6" Uhr. Morgens: 7* Uhr. Abends: 5" Uhr: Predigt. NB. Während der Predigt ist der Eintritt nicht gestattet. Hottesdienff der israelitischen Keligionsgesellschast. TonnerStag, ben 2. und Freitag, den 3. Cftober 1002: Neujahrsfest. ' 1. 2a g: Vorabend: 5“ Uhr: Predigt. Morgens Uhr. Nachmittags 400 Uhr. 2. 2ag: Vorabend 6*° Uhr. Morgens 6 Uhr. Sabbathfeier am 4. Oktober 1902. Freitagabend o’°. Samstag morgens 8W Uhr: Predigt. Nachmittag 400. Cabbathausgang 6“. Wochengoltesbiensl: Morgen? 500 Uhr, abends 5 Uhr. .1 Geiß von Ruppertenrod telegraphisch zur Verhandlung zu laden. Es sei für die ^raus wichtig, dciiselben über die von Mom- teilte Thatsache, daß der Angellagte ihm gegen- Momberger mit seinem richtigen Namen be- Die Verteidigung beantragte thörlchte Lüge, Der Besuch i« Berliu tst aufge. hoben. London, 1. Okt. Gegen die irischen Parlamentsmitglieder Duffy und Roche wurde heute unter der Anklage. in ihren Reden Drohungen ausgestoßen zu haben, vor dem Gerichtshof verhandelt, dem die Vergehen gegen die Ausnahmegesetze unterstehen. Duffy ist nicht erschienen. Er wurde zu zwei Monaten Gefängnis, Roche zu vier Monaten, beide aber auch für diese Zeit zu Zwangsarbeit verurteilt. London, 1. Okt. Nach einer Meldung auS Brüssel sind Bemühungen im Gange, den Bur en g en erä len auch einen Empfang berm russischen Hofe zu sichern. San Sebastian, 1. Okt. Der König hat sich geweigert, die Dekrete seiner Minister zu vollziehen. Paris, 1. Okt. Die sozialistischen Anhänger Zvlas wünschen, daß das Leichenbegängnis am Sonntag statt- sindet, um auch den breiteren Schichten der Bevölkerung die Teilnahme zu ermöglichen. Alfred Dreysus befand sich im Trauergemach, als der Eichensarg in eine Fensternische gestellt wurde. Die Darstellerinnen Zolascher Rollen beabsichtigen eine besondere Huldigung. Sie wollen eine theatralische Zolafeier unter Zustimmung von musikalischen Kräften auch aus dem AuSlande veranstalten. - Modica, 1. Okt- Unterstaatssekretär Niccolini besichtigte die Stadt, deren niedrig gelegener Teil größtenteils zerstört ist. Man giebt sich der Hoffnung hin, daß die Zahl der durch die Katastrophe Um gekommenen nicht 200 überschreiten werde. Die Bevölkerung erholt sich allmählig infolge der vom Könige und der Regierung, sowie aus allen Teilen Italiens geleisteten Hilfe. Lemberg, 1. Okt. Wie die hiesigen Blätter auS Warschau melden, ist der Warschauer Generalgouverneur Ezertkow in Ungnade gefallen und mit längerem Urlaub auf seine Güter im Gouvernement Kiew abgereist. Sein Rücktritt steht bevor und hängt mit dem Posener Besuch zusammen. Washington, 1. Ott. Präsident Roosevelt, Ge- neralstaaisanwlt Knox, Aiarinesckretär Moodi und Generalpostmeister Payne hielten heute eine Beratung über die Lage ab, die der infolge des Grub enarb etterauS- standes hervorgerufcne Kohlenmangel geschaffen hat. Man kam zu dem Schlüsse, daß die Bundesregierung keine Macht haben dürfte, das Ende des Ausstandes herbeizuführen, da nichts vorliege, was die Einmischung der Bundesbehörden rechtfertigen würde. Telephonischer Kursbericht« 3*/s°/o Reicheanleihe . . 101.85 3% do. ... 92.25 3V,°/o Konsole .... 101.95 3°/o do 92.20 3‘/t°/n Hessen .... 99.90 3 % Oberhessen . . . 99.70 4% Oesterr. Goldrente . . 102.80 4‘/j% Oesterr. tiilberrente 100.90 4% Ungar. Goldrente . . 100.70 4*V, Italien. Rente . . . 102.75 4*/,% Portugiesen . . . 49.75 .»0/ Portugiesen 80.80 1% C. Türken .... — Türkenlose 121.00 4% Uriech. Monopol.-Anl. 44.00 4'j,% äussere Argentiner —.— 8'Vo Mexikaner .... 86.20 4'/, /ü Chinesen .... 9116 Electric, bcbuckert . » . 88.00 Nordd. Lloyd . . j . . —.— Kreditaktion . . . . 215.50 Diskonto-Kommandit. . . 186.70 Darmstädter Bank . . . 184.95 Dresdener Bank .... 142.20 Berliner Handelsges. . . 155.80 Oesterr. Staatabahn . . . 153.40 Lombarden , . « . . 20.10 Gotthardbahn .... 178.80 Lanrahütte ..... 201.— Bochum ...... 179.00 ilarpener 166.00 Tendenz; fest. Pianincs grüner Rüböl, 6848 ^arnrnstr. 44, 3-Zirn.-Wohnung zu verin. H. 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C. erfüllt hiermit die traurige Pflicht, seine lieben a. H. a. H. und i. a. C. B. L a. C. B. von dem am 30. September zu Giessen erfolgten Ableben seines lieben a. H. K DamDler Havs Wallthorftraße 0. Donnerstag den 2. Oktober abend» 6 Uhr: Eröffnung der vollständig neu hergcrtch« teteu Lokalitäten. HF «ou 8 Uhr ab: Gemütliches 6863 Bterkoszert. Fm O. Kowarzik -ofmauustraßc 4. Tod.es- Anzeige. Heute morgen kurz vor 7 Uhr verschied sanft und schmerzlos unser lieber Gatte und Vater Gesuch. Kauf oder Beteiligung an bestehendem Kabrik - Geschäfte der Metallwareu-Brauche in Gieße« oder nächster Umgebung Wer würde der Familie eine- leidenden Studenten eine w* Hoher Feiertage halber bleibt mein Geschäft «VS Donnerstag und Freitag geschlossen. W>SrchWarenhaus Adolf Baer, ZMO«. Geschwister Hosenbaum. Friseuse nimmt noch Kunden an unb cm« pfiehlt sich im Kopfwäsche» (shampoonieren) in und außer dem Hause. 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