152. Jahrg. Nr. 101 General-Anzeiger, Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Sichen von ** Veranttvortlich für den allgemeinen Teür P. Wittko; für den Anzeigenteil: H. Beck. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'lchen Unlversltätsdruckerei (Pietsch Erben), Ließen. Erscheint lögllch mit Ausnahme bet Somttags. Die „Olehener SomUienbläher" werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der „hessische £anbolrr erschemt monatlich einmal. Deutscher Reichstag. 178. Sitzung vom 30. April, 1 Uhr, DaS Haus ist schwach besetzt. Am Bundesrathstisch: Graf Pofadotvsky, Frhr. Dhielmann u. A. Eingegangen ist die Z u ck e r st e u e r - V o r l a g e. Auf der Tagesordnung steht die d r i t t e Berathung deS Gesetzentwurfs betreffend den G e b ü h r e n t a r i f f ü r d e n K a r s e r Wilhelm-Kanal. 2cm Slaifer, resp. dem Bundesrath pH auf fünf Jahre die Ermächtigung ertheilt werden, den Gebühren- Parlamentarische Verhandlungen. LaKdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet. ^Mische Tagesschall. Beichtstuhl und deutschuatiouale Bestrebungen. Unter der Ueberschrift „Beichtstuhl und deutschnationale Bestrebungen" lesen wir in der „Nat. Storr.": . Tie eifrige Thatigkeit eines Beamten für das Krreger- vereinswesen in der Provinz Posen wurde von der polni^- katholischen Geistlichkeit höchst mißfällig beurteilt und, wie uns geschrieben wird, ließ sie nichts unversucht, die Beamten katholischer Konfession von den ^triegerverernen abwendig ui machen. Schließlich versuchte man auch auf die Gattin dieses Beamten einen unerhörten Druck unter Zuhilfenahme kirchlicher Mittel auszuüben. Der Vikar v. Zakr- »e wski in Schrimm machte in der Beichte die Ab oluttvn der Gattin des betreffenden Beamten von dem Versprechen abhängig, auf ihren Mann all ihren Einfluß geltend zu machen und nichts unversucht zu lassen, um ihn von fernen deutsch nationalen Bestrebungen zuruckzuhalten. Bei dieser Gelegenheit berührte der Vikar auch jenen munste- rie len Erlaß vom April 1898 und gab zu erkennen, ba& man immerhin ein guter Beamter sein könne, und seine Pflicht keinesfalls verletze, wenn man auch den Anregungen des Erlasseis keine Folge gebe! Da die Gattin des Beamten das von ihr vom ViLrr verlange Versprechen weder geben wollte noch konnte, st> wurde chr sowohl Absolution wie Darreichung des Abendmahls verweigert! — einen prinzipiellen schweren Mangel auf, weil sic Wohnungsgeld« Zuschuß und Servis nicht getrennt behandelt. Warum haben un» die Regierungen den Entwurf nicht zu Anfang der Legislaturperiode vorgclegt? Jetzt bringen sie unö in die Zwangslage, cntnnwer Alles cn bloc anzunehmcn oder das Ganze zu vertagen. Die Rcsoln ion, welche die Kommission beschlossen hat, verlangt aller« dinas von der Regierung, daß sic in zwei Jahren euren neuen Entwurf mit gesonderter Behandlung von SermS^und Wohnungsgeldzuschuß verlangt, aber dadurch wird nur die ^ackc werter auf die lange Ban! geschoben und zum Uebcrflutz ift zu befurchten, daß auch diese Resolution kein anderes Schicksal haben wud, als o\t gleichartige von, Jahre 1897. . Abg. Werner sAntis.j spricht sich für den fretstnmgen Antrag derte von Anträgen zur Folge gehabt hätte, deren Erledigung bei der Kürze der Zett aussichtslos erschiene. Abg. Eickhoff (steif. Vp.) begründet feinen Antrag. Die Kom- missionsbcschlüsse bedeuteten nichts Anderes als eine Vertagung der gangen Frage auf zwei Jahre, obgleich eine gründliche Er« örtcrung noch sehr wohl möglich gewesen Ware. Meine Freunde waren zu einer gründlichen Durchberathung bereit und sind c8 noch. Daß eine neue Eintheilung der Orte und eine Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses nothwcndig ist, wird allseitig anerkannt. So lange wir noch so viel Geld in die Kolonien werfen, kann auch nicht davon die Rede sein, daß die Finanzlage eine Erhöhung des Zuschusses nicht gestatte. Da eine solche Erhöhung jetzt nicht zu erreichen wäre, so beantragen wir, wenigstens die neue Ortseintheilung dem Wohnungsgeldzuschuß zu Grunde zu legen Wir wollen die Vortheile dieser neuen Eintheilung auch den Offizieren für ihren Wohnungszuschuß zukommen lassen, aber nicht für den Servis; die dadurch ersparten Summen sollen dann die Mittel gewahren, den Wohnungsgeldzuschuß schon jetzt wenigstens etwas zu erhöhen. Staatssekretär Graf von Posadowsky: Von feiner Seite ist der von uns eingeschlagene Weg als unrichtig nachgewicsen worden. Die Frage des Wohnungsgeldzuschusses hat zunächst mit dem Servistarife nichts zu thun. Man kann also leine Reform des Wohnungsgeldzuschusses als nothwcndig verlangen, weil der Servis- tarif rcformirt wird. Der Wohnungsgeldzuschuy ist nur ein Accidcntell des Servistarifs. Stellt man sich aber auf den Standpunkt der Kommission, so müssen Sie den jetzigen Scrvwtarif mindestens bis 1905 gelten lassen. Die Vorarbeiten für em foldjev Gesetz, wie es die Kommission verlangt, können unmöglich bi« spätestens 1904 beendet werden. Der Antrag Eickhoff wurde ganz unannehmbar sein; er würde jetzt schon den Servistanf vom Woh- nungszuschuß trennen. In dieser Weise können wir der zukünftigen Regelung der Frage nicht vorgreifen. Abg. Dr. Hasse (nat.-lib): Sowohl die Kommission als der Abg Eickhoff schlagen eine Vertagung der Frage vor. Die Kommission war der Ansicht, daß die Reform bis 1904 genügend vorbereitet werden könne, da es sich dabei im Wesentlichen um die Aufarbeitung des bereits vorhandenen Materials handelt, Aus den jetzigen Schwierigkeiten wird man, glaube ich, nun herauskommen, wenn man das Wohnungsgeld vom Servis lost und den Serms dem Gehalt zuschlägt. Ich bitte Sie, dem Kommissionsbefchluß beizutreten; dann wird es möglich fein, bis 1904 zu einer endlichen Air AolltarifkommMou Berkin, 30. April. Die Zolltarifkommission erledigte zunächst die Anmerkungen zu Position 196 und die früheren Positronen betreffend Erleichterungen des Grenzverkehrs rn Brod, Fleisch und Mehl. In Position 197, Cakes usw. wird >er Zollsatz der Vorlage beibehalten, in Position 198 und 199 (Nudeln oder Oblaten) von 20 auf 25 Mark erhöht. Position 200 (Zuckerwerk) wird bis nach Erledigung der Zuckersteuervorlage zurückgestellt. 201 (Kakao) ist bmrts erledigt Nach der Vorlage werden angenommen: Positionen 202 (Schokolade), 203 (Margarine), 204 (Margarine- käse), 205 (Lunstspeisefett). Unter Ablehnung eines sozral- demokratischen Antrages, die Sitzung wegen der Maifeier morgen auszusetzen, wird die Meiterberatung auf morgen vertagt In der Debatte über den Greuzverkehr wurden die Verhältnisse an der sächsischen, schlesischen, holländischen und bayerischen Grenze erörtert. Unterstaatssekretar v Fischer führte aus: Die Ursache der vorgeschlagenen Aenderungen in den Zollvergünstigungen beim Grenz- verkehr liege in den vorgekommenen groben Mißbrauchen, Kinder würden planmäßig zum Schmuggeln zollfreier Mengen Lebensmittel benützt, schlechtes oder krankes Vieh komme vielfach zollfrei über die Grenze. Wirtschaftliche, sanitäre und finanzielle Gesichtspunkte sprächen für die Einschränkung der zollfreien Einfuhr in den Grenzbezirken. Von der Gesamteinfuhr an Brot gehen 90 pCt., an Roggen- mebl 94 pCt. auf dem Wege des zollfreien Grenzverkehrs ein Dem Bundesräte müsse die Gewährung des zollfreien Grenzvcrkehrs in Fleisch, Mehl und Brot zustehen. Bezüglich des Grenz verte hrs ist folgendes be- sckloiien - Während die Anmerkungen zu Position 196 (Backwerk) und zu 160, 162 und 163 (Mütlereierzeugnlsse- nach der Vorlage angenommen werden, wurde bezüglich der Anmerkungen zu Pos. 107 (Fleisch) unter Abänderung der Vorlage der Kompromißantrag Herold angenommen, welcher lautet: Nicht lebendes Vieh, zum Genuß verwendbar, unterliegt der Verzollung als srftches Fleisch Neuregelung zu kommen. Abg. Marbe (Centr.) macht auf die Ungleichheit der Behandlung der badischen und der Reichsbeamten in Baden aufmerksam. Abg. Zubei! (Soz.) kritisirt die Thäiigkeit der Komnnstwn, deren Beschluß nur ein Verlegenheitsakt sei. Seine ^reundc würden für den Antrag Eickhoff stimmen, der wenigstens etwas besser als der Kommisiionsbeschluß fei. Geh. Rath Herz weist darauf hin, daß der Servwrarif mit feiner jetzigen Ortseintheilung nicht abgelaufen fei, fo daß bei Ablehnung der Vorlage ein Vakuum nicht entstehen wurde, jedenfalls habe die Regierung den Entwurf nicht zu spät enigebracht. Abg. von Waldow und Neitzenstein (tonf.) hält Erhöhung der Entschädigung für Quartierlasten auf dem Lande für nothwendig und behält sich die Einbringung einer Resolution über diesen Gegenstand für die dritte Lesung vor. Abg. Hofmann (Dillenburg, nat.-lib.) wendet sich gegen den Antrag Eickhoff, der von Grund aus verfehlt sei. Bei der hier vorgeschlagenen neuen Eintheilung der Ortschaften fei allein die Rücksicht auf den Servis, nicht auf die Wohnungsnnethe maßgebend gewesen. Da wäre es doch unlogisch, diese Neueintheilung für den Servis abzulehnen, für das Wohnungsgeld dagegen anzunehmen l Wollte man für das Wohnungsgeld eine besondere Ortseintheilung einführen, so müßte die Aufstellung ganz neu vorgenommen werden, und das gehe jetzt nicht mehr. Abg. Len-mann (steif. Vp.j; Die Vorlage der Regierung werft tarif festzusetzen. Ter Eiltwurf wird ohne Debatte definitiv angenom- ; men, desgleichen der Nachtragsetat für die Beteranen. - Es folgen Wahlprüfungen. Die Kommission beantragt, die Wahl des Abg. Grunberg lSoz.f für g i l t i g zu erklären. r , . Das Haus tritt ohne Debatte dem Kommisiionsbeschluß bet. Ferner beantragt die Kommission, die Wahl des Abg. Göthe i n (steis. Vgg.) ebenfalls für gütig zu erklären Abg. Dr. Barth (steif. Vgg., schwer verständlich) macht darauf aufmerksam, daß der Bericht ein geradezu klassisches Beispiel von der konservattven Wahlmache anführe. Der konservative Wahlprotest, der gegen die Giltigkeit der Wahl eingegangen fei, richte sich nur gegen Vorgänge, die die Kommisiion insgesammt für unerheblich erklärt habe. Dagegen habe der konservative Landrath, wie es schon aus der Abgeordnetenhaus-Versammlung bekannt fei,. für den konservativen Kandidaten agittrt, und auch das Lokal der Wittwe Müller bohkottirt. Der preußische Minister des Innern habe sogar diesen Boykott gebilligt. Dies sei selbst den National-Liberalen zu wett gegangen, die durch den Mund des Abg. Friedberg energisch Protest gegen die konservative Wahlmache erhoben hätten. DaS Wort totrb weiter nicht zu dieser Wahl verlangt. Die Wahl dcS Abg. G o t h e i n wird für gütig crklmt Die Kommisiion beantragt, über die Wahl des Abg. P r t e tz e snat.-lib.) Beweiserhebungen zu veranstalten. Diese Wahl hat das Haus schon einmal beschafttgt, wurde jedoch, da das Haus nicht beschlußfähig war, wieder von der Tagesordnung abgeseht. ä , Das Haus tritt fetzt ohne Debatte dem Kommisiionsbeschluß bei und beschließt ferner, auch über die Wahl des Abg. Sieg lnat.-lib.) Beweiserhebungen zu veranstalten. Es folgt die zweite Berathung des Gesetzes betreffend den Servistarif und die KlaffeneintheilungderOrte. Die Kommission hat in diesem Gesetz nur die Bestimmung angenommen, daß die fünfte Servisklasie wegfällt, dagegen hat sic die von der Regierung vorgeschlagene anbertoeihge Klasien- einthcilung der Orte abgelebt Die nächste Klasieneintheilung der Orte soll 1904 erfolgen. Ferner hat die Kommission eine Resolution angenommen, durch welche die Regierung ersucht wird, gleichzeitig mit dem Gesetz über die neue Klasieneintheilung der Orte auch einen besonderen Gesetzentwurf über die Bewilligung von Wohnungs- geldzusch ässen vorzulegen. Abg. Dr. Wicmcr und Eickhofs (steis. Vp.) beantragen, die von der Regierung vorgeschlagene neue Klasieneintheilung der Orte schon jetzt gelten zu lassen für denWohnungsgeldzuschuß, nicht aber für den S c r v is. w Berichterstatter Speck (Centr.) berichtet über die Bcrathungen der Kommission. Die Vorlage habe dort gar keine Sympathie gefunden. Die vorgcfchlagene neue Klasieneintheilung sei hauptsächlich au§ dem Grunde abgelehnt worden, wett sie mehrere hun- DaS Wahlergebnis in Frankreich. Mit drei Ausnahmen sind jetzt alle WahlresuldatL aus Frankreich und den Kolonien bekannt; sie ergeben 1/4 Stichwahlen und 414 definitive Wahlen. Der ^Temps' hat eine Statistik der Parteien ausgearoettet, welche als zu- verlässige GrnnLlage pir Beurteilung des Erg-bm,-s dienen IE. Tesctzentwurf über die Beloilligung'von Wohnungsgeldzuschüfsen vorzulegen. Tie zu dem Gesetzentwurf vorlicgendcii Petitionen werden den verbündeten Negierungen als Material über» wiesen. Damit ist die Tages ornung erledigt. Nächste Sitzung: Donnerstag 1 Uhr: Dritte Lesung des in Form eines Gesetzentwurfs eingebrachten Antrags bett. Siche» rung des Wahlgeheimnisses; Fortsetzung der zwettcn Berathung des Toleranzantrags. Präsident Graf Ballesttem: Ehe ich die Sitzung schließe, möchte ich Ihnen zu Ihrer Cricntirung mittheilen, was ich für die nächste Zeit beabsichtige. Ich beabsichtige, morgen Ihnen vorzu» scylageii, am Freitag tn die zweite Berathung des TiätenantrageS cinzutteten, ferner bcabsichttge ich, Ihnen am Sonnabend vorzU» schlagen. Montag die Berathung der Brusiclcr Zuckerkonvention und des Zuckersteuergesetzes in erster Lesung vorzunchmen. Abg. v. ftatborff (Neichsp.): Ich möchte den Herrn Präsidenten bitten, seine Dispositionen etwas zu ändern und die Zuckcrsteuer» Vorlage nicht so zeitig auf die Tagesordnung zu fetzen. Ich glaube, es sind ja noch einige andere Sachen zu erledigen. (Gelachter links.) Wir haben ein dringendes Interesse daran, das Zucker» steuergcsetz nicht eher fertig gestellt zu sehen, bis das Brennerei» gesetz fertig ist. (Aha! links.) Wir wissen ganz genau, daß das örenncreigefeb nicht fertig wird durch die Obstrukttou. die Sie (nach links) machen wollen, wenn wir es nicht vor der Zuckersteuervorlage erledigen. (Lachen links.) Präsident Graf Ballesttem: Diesen Widerspruch können Sie am Sonnabend erheben, wenn ich meinen Vorschlag machen werde. Ich habe auch nur beabsichtigt, die erste Lesung der Zuckerkonvention und des Zuckersteuergesetzes für Montag auf die Tagesordnung zu setzen. Zum Abschluß kommt das Gesetz ja dann noch lange nicht. Heiterkeit.) ' Schluß 4% Uhr. Aus UM und Land. Gießen, den 1. Mai 1902. Zu den letzten Regierungsvorlagen schreibt die „Tarmst. Ztg." ofstziös: Die den £anb)tanbat in den letzten Wochen zugegangenen Regierungsvorlage^, betreffend Erweiterungsbauten der Technischen tzochichule, Umbau des Loftheaters, Errichtung von Irrenanstalten, Bau und innere Einrichtung des neuen Museums und Erbauung eines Justizgebäudes in Mainz, haben wegen der Wahl des Zeitpunktes ihrer Einbringung^wie toegen der Höhe der habet in Betracht kommenden mummen da und dort zu Bemerkungen und zu Hinweisen auf die Finanzlage des Landes Anlaß aegeben. Demgegenüber ist bei den in der letzten Dttrche abgehaltenQl Sitzungen des Finanzausschusses Zweiter Kammer der Landstände zunächst darauf hingewiesen worden, bau ne Grotzh. Regierung es geradezu für ihre Pflicht gehalten habe, den Landständen zur Zeit schon einen klaren lieber* blick zu ermöglichen über die Gesamtheit aller, in absehbarer Zeit weiterhin an das Land herantretenden großen Aufgaben auf baulichem Gebiet - mit Ausnahme einer noch in Vorbereitung beftndlichen Tammdauvorlage. Des weiteren wurde darauf verwiesen, daß die im allgemeinen durch üapitalaufnahme zu deckenden Aufwendungen für die gedachten, den Landständen ja keineswegs neuen Ausführungen sich naturgemäß auf einen Zeitraum von durchschnittlich 3—4 Jahren verteilen, so daß die schließliche Mehrbelastung des Budgets für die Verwaltung mit einem jährlichen Zinsenaufwand von rund 330000 Mk. nur schrittweise, für das nächste Jahr nach den zuvörderst anae- forderten Raten beispielsweise mit höchstens 80000 Mk. zur Wirkung kommen werde. Wennschon die im laufenden Finanzgesetz vollzogene Erhöhung der Vermögenssteuer — wie von vornherein in Aussicht genommen — noch für 2—3 Fahre werde aufrechterhalten bleiben müssen, so rourbe That iit dies ber wesentliche Erfolg ber Neuwahlen, baß dieser konservative Flügel ber republikanischen Partei aus- qerieben wirb zwischen dem sozial-fortschrittlichen Radikalismus und der klerikalen Reaktion. In dieser Erscheinung gipfelt die Bedeutung der Wahlen, daß das Land die von Waldeck-Rousseau betretene Bahn der Re- formpolitik billigt und wenn der Ministerpräsident nur will so kann er diese Politik noch weitere vier Jahr ortsetzen, ohne Furcht einer Mißbilligung durch die neue Kammer. von Vieh. Frisches und einfach zubereitetes knochenfreies Fleisch (auch Zungen, jedoch nicht Schweinespeck und genießbare Eingeweide), sowie gepökelte oder geräucherte Schweineschinken (Vorder und Hinterfchinken) unterliegen einem Zollzuschlage von 20 M. Tiefe 3oUfa£ »Iten durch vertragsmäßige Abmachungen nicht mehr als 2U pEt. ermäßigt werden. Der Bundesrat ist befugt, fttr bestimmte Grenzstrecken im Fall eines örtlichen Bedurfnifses die zollfreie Einfuhr einzelner Stücke von ftischem oder emfach nibereitetem Fleisch ober von Schweinespeck in Mengen von nicht mehr als zwei Kilogramm, nicht mit ber Post eingehenb, für die Bewohner des Grenzbezrrks nachzu- lassen. -------- Donnerstag, 1 Mai 1903 Eichener Anzeiger Loch für bett Fckrauzminister auch für den Fall der Ge- Lehmignny der oben genannten größeren Vorlagen mit aller Bestimmtheit der Besorgnis vor einer weiteren Steuererhöhung widersprochen und her- vorgehoben, wie seine Zustimmung und Mitwirkung bei Einbringung der gedachten Vorlagen nur unter dieser — auch anderwärts als unerläßlich bezeichneten — Voraussetzung für die Genehmigung jener Vorlagen erfolgt fei: die mit der rechtzeitigen Erhöhung der Vermögenssteuer bethätigte Schonung der Vermögensveste der HaupL- staatskasse verbunden mit der im Laufe der nächsten Jahre wieder zu erwartenden Steigerung des Ertrages einzelner Wichtiger Einnahmequellen wird nach den Erklärungen des Fincmzministers der durch jene Vorlagen in oen nächsten 3—4 Jahren eintretenden Ausgabevermehrung um jährlich je 80—100 000 Mark gewachsen bleiben, soserne nur im übrigen eine außerordentliche Steigerung der laufenden Ausgaben für die Verwaltung vermieden wird. Die in der Presse aufgestellte Behauptung, daß für die folgenden Jahre das Steuerbedürfnis noch stärker werde, oies „auch im Finanzministerium" feststehe, hat damit eine ebenso bestimmte, wie erfreuliche Widerlegung erfahren. *• Militärdieustuachrichtcu. Voigt, Intendantur-Sekretär des 18. Armeekorps zum Gardekorps versetzt. — Eine Zusammenkunft der in Baden, Hessen und der Pfalz bestehenden Militär- und Kriegervereine wird am Sonntag, 1L Mai, im Schellerschen Konzertsaale in Frankenthal stattfinden. •* Die Hasfia-Kriegerkameradschaft beabsichtigt mit dem L Januar 1903 ein neues Verbandsorgan ins Leben zu rufen, da das seitherige, die „Parole", den gesteigerten Ansprüchen nicht genügt Das neue Blatt soll wöchentlich einmal erscheinen. . ""Deutscher Jmkertag. Euren ganz eigenartigen Schmuck wird der Bienengarten auf der Ausstellung des L allgemeinen deutschen Jmkertages am 25. bis 29. Juli im Brauhof in Weimar erhalten, wie er bisher unseres Wissens nur einer einzigen derartigen Anstellung, nämlich in Böhmisch-Leipa, zu teil geworden ist; die ganze nicht mit Bienenstöcken besetzte Fläche der Gartens wird mit blühenden Bienennährpflanzen bestanden sein. Hofgärtner Sckell in Weimar hat die Ausführung dieser außerordentlich originellen Idee übernommen und steht bei der fachmännischen Kunstfertigkeit des Herrn Sckell sicher Kl erwarten, daß zur Zeit, wenn zur Ausstellung die Bienenvölker Einzug halten in den Bienengarten, auch die zarten Kinder Floras ihre duftigen Blütenkelche erschließen und die honiglechzenden Bienen einladen werden zu einem küßen Mahle, wo eine Götterspeise, Nektar und Ambrosia den Gästen vorgesetzt wird. Diese originelle Idee, den Llltsstellungsbienen ein „Tischlein deck dich" durch gärtnerische Kunst zu bieten, verdient gewiß allgemeine Beachtung. Aber der Bienengarten mit allen in Deutschland Und sonst vorkommenden Bienennährpflanzen dürfte für die Besucher der Ausstellung noch interessanter sein als für die honigsuchenden Bienen. Derselbe bildet nach Art der botanischen Gärten an Universitäten und Landwirtschaftsschulen ein vorzügliches Anschauungs- und Lehrmittel, an welchem beobachtet werden kann, wie die kleine Biene Honig und Blütenstaub sammelt, welche Blüten sie bevorzugt und dergleichen mehr. Wir machen schon jetzt die Besucher der Ausstellung auf diese seltene Zierde aufmerksam, ba. vielleicht sonst mancher gar nicht merkt, was die Blumen des Bienengartens zu bedeuten hoben. w- Friedberg, 28. April. Die für die Landes- waisenkasse in den Waisenbüchsen der einzelnen Ge- meinden vom 1. April 1901 bis 1. April 1902 gesammelten Gaben belaufen sich auf 531,63 Mark. — Der Wetterauer Geflügelzuchtverein, dessen Präsident Kreisrat F e y ist, hat im Kreis 18 Zuchtstationen errichtet, ans denen Bruteier bezogen werden können, und zwar sind es 8 für rebhuhn- sarbrge Jtalienerhühner, 5 für schwarze, 4 für weiße Minolta und 1 für Peking-Enten. ft Rüddingsh aus en, 28. April. Der Würfel ist gefallen. Rüddingsh aus en verschwindet vom Erdboden. Nun hat auch unsere hessische Behörde, das Kreisamt Gießen, vom Kriegsministerium die offizielle Nachricht vom Plane des Truppenübungsplatzes, der hier für das 18. und 11. Armeekorps errichtet werden soll, erhalten. Heute morgen sind Provinzialdirektor Geheimrat von Bechtoldt, Kreisrat Dr. M e l i o r - Alsfeld, Landtagsabgeordneter Brauer-Ober-Ofleiden, ein Herr von der Oberforstbehörde und einige Herren vom Generalstab-Berlin hier angekommen, um das Enteignungsverfahren einzubeiten. So ist es denn endlich zur Wahrheit geworden, was hier so mancher im stillen gehofft, so mancher befürchtet hat. Gewiß, es ist keine Kleinigkeit, wenn Leute, die hier geboren und ausgewachsen und alt geworden sind, und den heimatlichen Boden lieb gewonnen haben, nun auf einmal das alles verlassen sollen. Wird ihnen nicht zu viel zugemutet, wenn sie sehen müssen, wie alles, was sie mühsam errichtet, niedergerissen wird, wie Felder und Wiesen, die sie als friedliche Landwirte bebaut, von Pferde- hufen zerstampft, von Geschützen zerschossen wird? Rüd- oingshausen hat außer vielen Gemeindewiesen und Aeckern 600 Morgen Gemeindewald, und einige der Klügeren haben ausgerechnet, daß bei der Verteilung der Kaufsumme dafür jeder Ortsbürger 6—8000 Mark erhalten würde. Kein Wunder, wenn die jungen Leute in Rüddingshausen Anstrengungen machen, noch vor Thorschluß das Ortsbürger- redjt zu erhallen. b. Merlau, 29. April. In der Nacht vom 28. auf den 29. wurde in zwei verschiedenen Häusern hier ein- gebrochen, und zwar im Pfarrhause und bei I. Schön- Hals. Am Pfarrhause haben die Diebe den Kitt einer Fensterscheibe losgestochen, diese herausgenommen und das Fenster von außen geöffnet. Darauf sind sie so geräuschlos in die Behausung gelangt. Außer einem Paar neuer Stiefel fielen den Dieben noch Eßwaren und mehrere Flaschen Wein in die Hände. Die Diebe müssen im Pfarrhause bekannt gewesen sein, was daraus hervorgehen dürfte, daß per im House vorhandene Hund nicht anschlug. Außerdem fatrd man noch die Thüren an Kleiderschränken und die Schubladen der Kommode geöffnet. Wahrscheinlich haben die Diebe hier nach Wertsachen, insbesondere nach Geld gesucht. — Bei I. Schönhals sollen ine Diebe den Einbruch mittelst einer Leiter bewerkstelligt haben. Hier sollen sie nach Eß- und Spezereiwaren gesucht haben; auch nahmen sie einige Kleidungsstücke, namentlich Hosen, mit. Die Leiter haben die Diebe am Hause des Schön hals stehen lassen. Atzenhain, 30. April. Der hiesige Spar- und Vorschuß verein feiert am 8. Mai sein 25jähriges Jubiläum. fc. Frankfurt a. M., 29. April. Der Generalagent Nölting, wohnhaft in Offenbach a. M. ist in New-York verhaftet worden. Die von ihm mitgenommenen 20 000 Mark sind Eigentum der Aachener-Münchener Feuerversiche- rungSgesellschast, welche Nölting vertreten hat, sowie weitere 10000 Mark, die Kaurion darstellen. Außerdem soll der Flüchtling sich noch weitere Unregelmäßigkeiten zu Schulden habe kommen lasten. In Nöltings Begleitung befand sich eine Frau Dr. Freese, welche hier in der Rostertstraße gewohnt. Vermischtes. * Berlin, 28. April. Bei einer am Samstag statt- aehabten Probe zur Oper „Iiobert, der Teufel", streßen bei der Einübung eines Ballets am Schlüsse des dritten Aktes zwei Tänzerinnen derart mit den Köpfen zusammen, daß die eine eine Gehirnerschütterung davontrug, und nach dem Hedwigs-Krankenhause überführt werden mußte. * Kö ln, 28. April. Die Polizei ver h a stete gestern nacht in Kalk zwei Personen, welche Anschläge auf Eis enbahnzüge verübt hatten. Die Thäter feuerten auf die Polizisten, wurden aber schließlich überwältigt. Beide Teile haben Verletzungen erlitten. K a t l o w i tz, 30. April. Gestern entstand eine furchtbare Schlägerei in Schwientochlowitz. Sieben Personen wurden dabei durch Messerstiche schwer, einige lebensgefährlich verletzt. Zwei Arbeiter, die sich ihrer Verhaftung widersetzten, und die Polizeibeamten bedrohten, wurden durch einen Gendarmen erschossen. * London, 28. April. Einer an Lloyds gelangten Depesche aus Port Said zufolge ist der der Anchor-Linie gehörige Dampfer „Australia" im dortigen Hafen mit dem nach Sydney bestimmten Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Oldenburg" zusam menge stoßen. Das erstere Schiff ist leicht beschädigt, das zwecke hat seine Reise fortgesetzt; ob es Schaden genommen hat, ist nicht bekannt. Paris, 29. April. In Toulon wurde der konservative Kandidat Guillabert, als er das für ihn ungünstige Wahlergebnis erfuhr, vom Schlage getroffen. Sein Zustand ist hoffnungslos. P a r i s, 29. Aprck. In der Nähe von Gensae wurde eine spanische Familie, bestehend aus Vater, Mutter und Tochter, im Schlafe erstochen und beraubt. Von den Thätern fehlt noch jede Spur. * Montignies, 29. April. Gestern fand in der Grube „Forte Taille" eine Explosion schlagender Wetter in einem neu angelegten Schachte statt. Zwei Arbeiter wurden auf der Stelle getötet, lvährend ein Aufseher sich nach mehreren Stunden aus der gefährlichen Lage befreien und um Hilfe rufen konnte. Die beiden Getöteten hinterlassen zwei Witwen und fünf Kinder. * Wien, 2. April. Tie kalte Witterung mit den empfindlichen Nachtfrösten dauert fort. Aus verschiedenen Gegenden werden starke Schneefälle gemeldet. In Böhmen hat der Frost an Rüben- und Obstkulturen großen Schaden angerichtet . Kunst und Wissenschaft. New-Aork, 29. April. Professor Fessender vom Regierungswetterbureau hielt eine Probe mit seinem eigenen Junkentele- Araphie-System ab, welches 25 Worte per Minute beförderte. Messender erklärte, die Wortzahl werde 500 ver Minute erreichen und drahtlose Ferngespräche auf 200 Meilen sichern. Ein neuer Komet, lieber einen neuen Kometen, mit der vorlausigen Bezeichnung ^Brooks 1902a," liegen folgende Mitteilungen von Beobachtungen in derselben Nacht durch die Astronomen Hartwig tn Bamberg (16. April um 3 Uhr 30 Minuten 12 Sekunden Ortszeit), Pechule in Kopenhagen (3 Uhr 8 Minuten 6 Sekunden) und A i t k e n in L i ck (3 Uhr 45 Minuten 36 Sekunden vor. Wären diese Beobachtungen an verschiedenen Tagen gemacht worden, dann hätte man den Weg, den der neue Komet am Sternenhimmel durchwandern wird, mit großer Genauigkeit ausrechnen können. Ta dies aber nicht der Fall ist und die Zeiten der Beobachtungen kaum um Minuten differieren, läßt sich daraus nur eine sehr ungenaue Bestimmung der Bahn ableiten, die nach jeder Seite hin viel Spielraum läßt und die Wiederauffindung nicht leicht macht. Hartwig in Bamberg schätzt die Helligkeit des Brooksschen Kometen auf 87,, d. h. seine Helligkeit - übertrifft diejenige emes Fixsternes neunter, steht aber derjenigen eines Fixsternes achter Grofze nach. Was die Gestalt des neuen Kometen an- lang t, so ist sie nach demselben Beobachter kreisförmig und bat einen scheinbaren Durchmesser vou 3 Bogenminuten, ist also in der gegenwärtigen Entfernung größer als der scheinbare Durchmesser des äußersten Planeten Neptun und gleicht etwa dem zehnten Teile des Monddurchmessers. Die Kömetenscheibe ist aber nicht überall gleich hell, da seine Materie nicht gleichmäßig verteilt ist, namentlich kann man nach Hartwig eine „centrale Verdichtung" wie bei vielen anderen Kometen genau wahrnehmen. Auch den Schweif bat Hartwig gemessen, dieser ist verhältnismäßig klein und seine Länge beträgt kaum einen halben Grad, also den sechsten oder siebenten Teil des Kometendurchmessers. An alle Freunde des Sternen- bimmels, welche durch eigene Beobachtungen den Fortschritt der Wissenschaft befördern helfen, und namentlich an alle Fachgenoffen wendet sich der Leiter der europäischen Eentralstelle für Kometo- graphie, Professor Dr. H. Kreuz in Kiel, mit der Bitte, ihm weitere und ausführliche Mitteilungen über ihre eventuellen Beobachtungen zukomnien zil lassen, welche für die Bahnberechnung dringend erwünscht waren. Gerichtssaat. Frankfurt a. M., 28. April. Oberkriegsgericht. Vor bem Lberkriegsgericht stand heute der hessische Gendarm Hieronymus Heinrich. Er hat seinen Sitz in Friedberg und wohnt dort zusammen mit dem Gendarmeriewachtmeister v. Landenberg. Zwischen den beiden kam es wiederholt zu häuslichen Reibereien, und diese führten um die Weihnachtszeit zu einem offenen Zerwürfnis, weil der Wachtmeister eine Anzeige des Gendarmen nicht an das Kreis- amt weiter gegeben hatte. Der Wachtmeister zeigte feinen Untergebenen wegen Achtungsverletzung und Gehorsamsverweigerung an imd das Kriegsgericht der 25. Division verurteilte den Heinrich zu 6 Wochen gelinden Arrests. Dieses Urteil wurde jedoch vom Oberkriegsgericht aufgehoben und nur auf 16 Tage gelinden Arrests er= kannt, weil eine Reihe von Strafmilderungsarunden vom Kriegsgericht nicht berücksichtigt worden fei. Der Wachtmeister habe doch den ersten Anlaß zu den ©treitigfeite» gegeben und fein Verhalten dem Untergebenen gegenüber habe die nötige Entschiedenheit vermissen taffen. Tazii komme, daß sich der Gendarm durch eigene Krankheit und Krankheiten feiner Kinder in aufgeregter Stimmung befand und sich sonst ganz vorzüglich geführt habe. Handel und Uerkehr. Volkswirtschaft. Mannheim, 30. April. In der heute stattgehabteu General- Versammlung der Mechanischen Baumwollspinnerei imd Weberei Ludwigshafen in Oggersheim, in der 787 Stamm- und 242 Prioritätsaktten vertreten waren, wurde, wie die „Neile Bad. Landesztg." meldet, das Angebot der Mechanischen Spinnerei in Linden mit allen gegen 104 Stimmen angenommen und damit die Auflösung der Gesellschaft beschlossen. New-Aork, 30. April. Wie aus bester Quelle verlautet, erhält das Garantiekonfortium des Dampfs chiffsfahrts- t r u st e s neue 5proz. Bonds, neue Stammaktien für 25 Mill. Toll. Das Konsortium bleibt bis Januar 1904 in Thätigkeit, falls es nicht vorher von feinen Leitern aufgelöst wird. — Nach den statistischen Ermittelungen des Vereins deutscher Eifen- und St./» hl industrieller belief sich die Roheisenproduktion beS Deutschen Reichs (einschl. Luxemburgs) im Monat Marz 1902 auf 661713 To.; darunter Piwdelroheifen und Spiegeleisen 103 386 To., Beffemerroheisen 29 445 To., Thomasroheisen 395 518 To., Gießereiroheisen 134364 To. Die Produktton im Februar 1902 betrug 597 334 To., im März 1901 672 595 To. Dom L Januar bis 31. März 1902 wurden produziert 1916 735 To. gegen 1992 015 To. im gleichen Zeitraum des Vorjahrs. Pfälzische Bank in Ludwigshafen. Das langjährige Com- mandüverhälMis zwischen der Banksirma Herz, Elemm u. Eie. in Berlin und der Pfälzischen Bank ist gelöst; die Berliner Firma tritt in Liquidation. Der Eintritt der Herren Moritz Herz und Dr. Fritz Elemm in die Verwaltung der'Pfälzischen Bank ist vorgesehen. Italienische Rente. Das Erscheinen der 31/, pCt. italienischen Netto-Rente und das zu erwartende Eonversionsanerbieten hat den Cours der italienischen Rente günstig beeinflußt. Auch Eisenbahn- prioritäten sind etwas gestiegen. Landwirtschaft. AuS dem Bogels-erg, 30. April. So billig wie in diesem Frühling waren die Kartoffeln seit langen Jahren nicht. Der Doppelcentner wird mit 3,50 und 3,00 All. verkauft. Im vorigen Jahre kostete er mehr als das doppelte. Unser Vogelsberger Landwirte haben dabei noch solche Vorräche von Kartoffeln, wie sich bei der gegenwärtigen Umlese zeigt, in den Kellern liegen, daß sie gar keines Ankaufes von Setzkartoffeln bedürfen. Dieser geschieht aber des lukrativen Wechsels wegen doch. Der außerordentlich billige Preis der Kartoffeln begünstigt diesen Wechsel und läßt unsere Landwirche gegen sonst namhafte Beträge sparen. Neuelle Meldungen. Originaldrahtmel-uugen -es Gießener Anzeigers. Darmstadt, 30. April. Prinzessin Viktoria, Prinzessin Ludwig von Battenberg, ist mck den prinzlichen Kindern, von Malta kommend, gestern nachmittag auf Schloß Heiligenderg zu längerem Aufenthalt eingetroffen. Berlin, 30. April. Die Budgetkommission des Reichstags beriet die Diätenvorlage unö lehnte den Antrag Barth, die Vorlage erst zu beraten, sobald der Bundesrat über feine Stellungnahme zu dem Reichs-- tagsbeschluß auf Gewährung allgemeiner Diäten sich ausgesprochen habe, als geschäftsordnungswidrig ab. Abg. Bebel beantragte, den vorliegenden Entwurf durch einen neuen zu ersetzen, durch den Paragraph 32 der Reichsvei> fassung, welcher die Enschädigtung der Reichstagsmckglieder untersagt, aufgehoben und an dessen Stelle Artikel 2 des vorliegenden Gesetzentwurfs treten soll. Abg. Richter beantragt, 20 Mart Tagegelder zu gewähren. Die meisten Redner bezeichneten das Pauschquantum von 2400 Mark als zu hoch. Nachdem auch Staatssekretär Graf Posa- dowsky mit der Herabsetzung sich einverstanden erklärt hat, wird das Pauschquantum auf 2000 Mark ermäßigt ander Präsident mck der Durchführung des Gesetzes beauftragt. Gleichzeitige Bezüge aus Landtagen werden abgerechnet. D r e s de n, 30. Aprck. In der zwecken Kammer wurde heute bei der Beratung des Tckels Gehalt des Ministers des Innern von den Abgg. Str igel und Andrae das Verlangen an die Regierung gestellt, daß sie die Forderungen der Landwirte auf einen Mindestzo 1 l für Getreide von 7,50 Mk. im Bundesrat vertrete- Minister v. M e tz s ch erwiderte, die sächsische Regierung habe keine Veranlassung, von dem bisher vertretenen Standpunkte abzuweichen. Bei aller Rücksichtnahme auf die Landwirtschaft habe doch die Regierung sich auf einen höheren Standpunkt zu stellen. Die Regierung eines Staates wie des sächsischen, der auf industriellem Gebiete nicht in Deutschland allein, sondern auf dem Weltmärkte eine führende Rolle einnehme, müsse in gleicher Weise auf die Prosperität der Industrie Rücksicht nehmen, wie auf die Interessen der Landwirtschaft. Diesen Standpunkt verlasse die Regierung auch in Zukunft nicht. N y b o r g (Fünen), 30. Aprck. Heute vormittag erfolgte im hiesigen Gaswerk bei Reinigungsarbecken eine Explosion. Der Direktor und 5 Arbeiter wurden getöte t Aken, 1. Mai. Geheimpolizisten entdeckten eine große Menge gestohlenes Schiffsgnt, Kaffee, Zucker, Getreide und Baumwollballen. Zahlretche Schiffer wurden verhaftet. Wien, 30. Aprck. Hof- und Ministerialrat Jette! v. E t t e n a ch wurde mit der Leitung des Ministeriums des Aeußern an Stelle des in den Ruhestand getretenen Freiherrn v. Doczt betraut Aussig, 30. April. Auf dem zum Brüxer Kohlenbergbau gehörigen Doblhoffschacht bei Mariasheim fand heute früh beim Schichtwechsel eine Explosion schlagender Wetter statt. Mehrere Personen wurden getötet, 4 schwer und 4 leicht verletzt Der Schacht ist vollkommen fahrbar. Aussig, 30. April. Die Zahl der bei der Explosion schlagender Wetter im Doblhoffschachte bei Mariasheim Verunglückten ist noch nicht genau festzustellen, weck der Steiger, welcher die Arbeckerliste führte, ebenfalls verunglückt und die Arbeiterliste noch nicht aufaefunden ist. Zn Tage gefördert sind 5 Tote, 6 Schwer- und 2 Leichtverletzte. Von den Schwerverletzten sind zwei gestorben. Es wurde noch ein 6. Toter aufgefunden. Die Bergungsarbeiten sind jetzt eingestelll worden, da an der Explosionsstelle ein Brand ausgebrochen ist. Man glaubt, daß nur noch drei Arbeiter sich in der Grube befinden. Kapstadt, 1. Mai. Prinzessin Katharina Radziwill wurde wegen Wechselfalschung auf den Namen Cecil Rhodes zu zweiJahren Haft ohne Zwangsarbeck verurteilt. Pretoria, 30. Aprck. Im Distrikt Pietersbupg fand eine Besprechung zwischen Reitz und dem Kommandanten Beyers statt. Philadelphia, 1. Mai. Ja einer hiesigen Zigarren, sabrik, in der mehr als 600 Arbeiterinnen beschäftigt find, rannte ein Tanbstummer, der fich an der Hand verletzt hatte, gegen eine Gruppe von Arbeiterinnen, indem er seine Hand schüttelte. Die Mädchen erschrocken sehr und glaubten, es sei Feuer ausgebrochen. Sie stürzten nach der Treppe, wo ein Gedränge entstand, bei dem viele Verletzungen erlitten. Andere stürzten fich aus dem Fenster. 7 Arbeiterinnen find tot, 20 verletzt, darunter 3 tätlich. Cap Haiti, 30. April. Die Erhebung gegen den Präsidenten der Dominikanischen Republik, Jimenez, greift schnell weiter um sich. Nach Puerto Plata sind Verstärkungen abgegangen. Auch Santo Domingo ist bedroht. Die Regierung von Hacki läßt Jiminez Waffen und Munition zukommen. Die Lage wird für sehr ernst angesehen. Für die Redaktion verantworllich i V.: R. Dittman n.