Zweites Blatt. 15Ä Jahrgang Samstag 1. Marz 190» ünftigften Falle von dieser Pa- ■, das ist klar. Die Regierung Aus New York meldet man vom 28. Febr.: Vor dem hiesigen Konsulats-Gebäude herrschte gestern ein fürchterliches Gedränge um Eintrittskarten zum Besuch der „Hohenzollern" zu erhalten. Am 3. und 6. Mürz wird die deutsche Kapelle in der Carnegie Hall konzertieren unter dem Management von Steinway. Tie Einnahme ist für die Armen bestimmt. Torney, der Erbauer der neuen Kaiseryacht, empfing ein Kabel-Telegramm Kaiser Wilhelms, der ihn zum Bau der Pacht beglückwünschte. Morde ein geleitete Gerichtsverfahren. Da diese Aeußerung nicht zurückgenommen wurde, forderte der Minister den Abgeordneten zum Zweikampf. Er reichte infolgedessen seine Demission ein, die vom Könige sofort angenommen wurde. 9?r. 51 erf»ri*t tLgttch außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen tandvirt die Siebener ZamUien- -lütter viermal in der Woche deigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'sche« Univers.-Buch- u. Stein- bruderei (Pietsch Erben- Redaktion, Grpebittott und Druckerei: Schnlstraße 7. Adresse für Depeschen: Ewzt'tger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 81. anheimelnden Sommer- und Winterstimmung, das Lichtsche in Loloristischeu Kraftwirkungen, der Föhnsturm Hösters m der packenden Wiedergabe des atmosphärischen Vorgangsi, mit der nur leider der etwas öoulissenhäste Vaumschlag nicht auf gleicher Höhe steht. Die nächsten Bilder hat I. Lippmann -Offenbach ausgestellt und mit ferst allen, den Tempera- wie den Oelbildern, seiner Kunst ein vortreffliches Zeugnis ausgestellt. Leicht erkennt man den Verehrer Thomas, sowohl in der Wahl der landschaftlichen und figürlichen Motive, als im Kolorit und der gemütlich sanften Grundstimmung, die Thoma mit seinen Taunus- und Schwarzwaldbüdern uns lieb und wert gemacht hat. Es wäre aber falsch, in Lipprncurü der nicht zu leugnenden Anklange wegen nur einen Nachahmer des trefflichen Meisters zu sehen, es spricht vielmehr aus allen Bildern eine gesunde Originalität, ein intimes Verhältnis zur Natur, die der Beschauer gern mit den Augen des Malers sieht. Als besonders wertvoll bezeichnen wir den „Herbst- sturm" und den ^Herbst", die beiden „Motive von Buchrainreiter", das „aufziehende Gewitter", den ganz an Thoma gemahnenden „Gärtner". Inmitten der Landschaften führt ein nicht übles Interieur von 5). Lessing-Berlin der behagliche Rathaussaal von Sterzing, den geheimnisvoll- prätentiosen Titel „aus der Reformatronszeit", den die recht gegensetzen. Eines oder das andere — daß die ausschlaggebende Partei im günr' rote nicht abweichen wird, sieht sich also vor die Wahl gestellt. Im übrigen unterliegt es keinem Zweifel, daß die ablehnende Haltung des Reichstags in, der Hauptsache auf die ungünstige Finanzlage zurückzuführen ist, die zu Abstrichen an allen' Ecken und Enden nötigt. Durch die Bewilligung der fraglichen Rate für die Usambarabahn würde der Reichszuschuß für Ost- afrika von 5 aus 6yz Millionen Mark sich erhöhen. Alles in allem sind im Etat an Reichszuschuß 36 Mill. Mark vorgesehen, eine Summe, die ungefähr dem Zinsertrag einer Milliarde entspricht. Legt man den Maßstab der Abstriche zu Grunde, die der Reichstag diesmal am Militär- und Marineetat vorgenommen hat (zusammen 15 Mill.), dann ist zu erwarten, daß die Ablehnung der llsambara- ' bahn-Rate nicht die einzige Kürzung am Kolonialetat sein wird. Herrn Dr. Sänebel, den Leiter des Kolonialamts, mag das schmerzlich berühren, aber mit nicht minderen Recht bleibt die Volksvertretung bemüht, die Ausgaben bei allen EtatStitetn auf das absolut Notwendige zu beschranken. Belläufig sei noch bemerkt, daß die Darleg- ungen des zu den Verhandlungen der Budgetkommission anfangs herangezogenen llsambara-Pslanzers, Herrn Mis- mahls, wenn die uns heute vorliegenden Berliner Zeit- ungSreferate zuverlässig sind, nicht eben geeignet waren, für die Bewllligung der Rate Stimmung zu machen. Wiederanstellung nicht sonstige Bedenken bestehen. L'legen gegen die Dienstfähigkeit oder gegen die Wiederanste llung Bedenken vor, so ist dies unter Angabe der Gründe: auf dem Dienstwegen allerhöchsten Ortes zu melden. — Die Sozialdemokraten hatten beschlossen, in einer für gestern im dritten Berliner Wahlkre'/se einberufenen Versammlung die Probe auf die Zusi cherung des Ministers von Hammerstein im Abgeordneten ha ase, wonach Frauen an politischen Bersammlun.gen in gesonderten Räumen teilnehmen dürfen, zu mach en. Tie Frauen hatten auf der Gallerte Platz genommen. S?er überwachende Polizei-Leutnant verlangte die Entfern ung der Frauen aus der Vesammlung unvd ließ sich auf die Einrede nicht ein. Es wurde beschlossen, gegen das Vorgehen des Polizeileutnants auf Grund der Zusage des Ministers von Hammerstein beim Polizei Präsidenten Beschwerde zu erheben. München, 28. Febr. Der Landtag f/iat heute 120 000 Mark für die Oeffnun g der Kaise.r gröber im Dome zu Speyer beziehungsweise für die damit zusammenhängenden Maßnahmen genehmigt. Urinz Keiurich in Amerika. Heute meldet man aus Washington: Prinz Heinrich pflanzte als Erinnerung an seinen Besuch auf dem das Grab Washingtons umgebenden Rasenplatze eine Linde und begab sich daraus in das Wohnhaus Washingtons, wo er eine Abordnung des Frauenvereins von Mount Vernon empfing. Die Rückkehr des Prinzen geschah durch das historische Alexandria, das im Jahre 1814 von den Engländern unter Gordon auf ihrem Zuge gegen Washington geplündert und zerstört worden war. Die Bewohner des Heinen Städtchens bereiteten dem Prinzen Heinrich einen überaus warmen und herzlichen Empfang. In Washington empfing der Prinz einige Amerikaner in Privat-Audieuz, so Taylor, der ihm sein Buch über Kaiser Friedrich überreichte. Als der Prinz im Begriffe war, nach dem Kapitol zu begeben, drängte sich ein junger Deutscher namens Heinrich Aschberger durch die ganze Umgebung bis zur Treppe der Botschaft, um sich dem Prinzen als ehemaliger Matrose auf der ,zSrene" vorzustellen. Der Prinz erkannte ihn sofort und freute sich. Prinz Heinrich besuchte am Freitag den Sohn des Präsidenten Roosevelt in seinem Krankenzimmer im Meißen Hause. Der Prinz plauderte mehrere Minuten freundlich mit dem Knaben, der sich nad) seiner Lungen- Entzündung jetzt auf dem Wege der Besserung befindet. Sodann begab sich der Prinz nach Annapolis (Maryland) zum Besuche der Marineakademie der Vereinigten Staaten. Außer den Bertvetem dos Präsidenten Roosevelt, die ständig in der Umgebung des Prinzen weilen, begleiteten ihn der Vorsitzende des Marine-Ausschusses Haie und der des gleichen Ausschusses im Repräsentantenhause Foß, Unterstaatssekretär Pierce, die Amdiräle Bowles, Endicott, Kenny, O'Neill und Bradford, Kommandant Cowies,, die Kapitäne Sigsbee und Lemly sowie der Befehlshaber des Marinekorps General Haywood. Prinz Heinrich wurde in Annapolis von einem schweren Regensturm überrascht, sodaß er die Inspektion einzelner Gebäulichkeiten der Marineakademie abkürzen mutzte. Der Prinz ließ in heftigem Gewittersturm die Seekadetten Revue passieren. Der Exerzierplatz glich einem Sumpfe mit großen Wasserpfützen. Am Bahnhof wurde er ungeachtet des Wetters von einer großen Volksmenge empfangen. Prinz Heinrich verfolgte die athletischen Spiele der Seekadetten in der Turnhalle mit großem Interesse und applaudierte häufig. Er gratulierte dem Kadetten Wilson persönlich wegen dessen Erfolge im Ringkampfe. Um 4 Uhr stattete der Prinz dem Weihen Hause einen formellen Abschiedsbesuch ab, worauf der Präsident nach der Botschaft tarn. Der Prinz und der Präsident ritten gemeinsam aus. Hierauf nahm er an einem Mahl in der deutschen Botschaft teil und hörte die Serenade an, die ihm die deutschen Vereine von Washington darbrachten. Gegen Mitternacht verließ er mit einem Sonderzuge Washington, um die Reise nach dem Westen anzutreten. Ter Pri»z sprach sich in den rühmendsteu Ausdrücken über die amerikanischen Bahnen aus. Er erklärte, nie so vorzüglich im Eisenbahnwagen geschlafen zu haben. Zum ersten Male verläßt der Prinz den Zug nach dem Westen Sonntag morgen in Chattanooga, von wo aus er Lookout Monn turn besuchen wird. mäßigen Staffagesiguren nicht rechtfertigen. Im ganzen wird man diesmal, wo viele tüchtige Arbeiten auf günstige Plätze Anspruch erheben, wieder die Wahrnehmung machen, daß unser Ausstellungsraum den Künstlern und damit dem Kunstgenuß manches schuldig bleibt. Eine rabiiute Veränderung der 2tussteliung wird gegenwärtig erwogen: doch wird man gut chun, sich von einer solchen nicht durchweg Verbesserung zu versprechen. Darmstädter Künstlcrkolonie. Der Darmstädter Storrefoon» deut der .Franks. Ztg." schreib!: „Zu der Erklärung der großh. Kabmettsdrrektwn über die Kuntzlerkolonie erfahre ich von mver- läsfiger Seite, daß die Ausfüllung der am 1. Juli durch das Ausscheiden einzelner Mitglieder entstehenden Lücke nur eine Frage der Zeit ist. Im Uebrigen ist der Fortbestand der Kolonie von der Zugehörigkeit einzelner be- schmnter Mitglieder ebenso unabhängig wie von der 3ali( Sieben. Neue Berufungen können erst' nach Weggang ver ausscheidenden Mitglieder m Betracht kommen und es würden solche, um die nmechalb der Künstlerschar so notwendiae Harmonie zu sickern, soweü irgend möglich nur im Einver- Itanönrä mrt den verbleibenden Mitgliedern erfolgen. Die m Betreff der finanziellen Unterlage der Kolonie geäußerten Bedenken seien gegen,tandslos, denn illsoweit nicht staatliche Mittel zur Bc. uguna stehen würde die großyerzoglichc Privatschatulte für alle Bedürfnisse der Kolonie aufkommen. Ausland. London, 28. Febr. Unterhaus. Kr.-iegsminifter Brodrick verliest ein Telegramm Lord Kitchev.ers, in dem dieser mitteilt, eine kombinierte Operation in der Nähe von Harrismith habe den Erfolg gekalbt, daß 6 00 Buren gefallen ober gefangen genommen worden seien; unter den letzteren befanden sich der: ^5obn und der Sekretär von Christian Dewet. Kitchener fügt hinzu, diese befriedigenden Resultate kämen äußerst gelegen für den Jahrestag von Majubahill. (Das Londoner 'Telegramm in unserer heutigen Morgenausgabe macht biefe- Bureuschlappe wieder wett.) Paris, 28. Febr. Die heutige Generalversammlung der Gesellschaft französischer Landwirte nahm einen Antrag an, in dem folgendes ausgesprochen wird: Wenn die fonfurrierenbtEn Länder die Prämien abschaffen, müsse Frankreich eine Bonifikation beibehalten, wodurch der französische Zwcker auf dem Londoner Markte dem fremden Zucker gleichgestellt wird. Wenn die Brüsseler Konferenz zu einem Einvernehmen gelange, müsse man dasselbe mit dem r. September 1902 in Kraft setzen, um den loyalen Verkehr auf den Zucke-r- märlten zu sichern und die Spekulation zu chemmen. Die konttahierenden Staatei: müßten Zuschlägszolle auf Zucker aus den Staaten legen, die sich dem Abkommen nicht anschließen. Frankreich solle seine interne Gesetzgebung auf dem Gebiete des Zuckers nicht abänbern, ehe 'nicht die Nachbarstaaten das Kartellwesen beseitigen. London, 28. Febr. Nach der heute veröffentlichten Verlustliste sind am 24. d. M. bei der Wegnahme eines Konvois der Abteilung Donops seitens der Buren 119 Oigländer verwundet worden. Petersburg, 28. Febr. Ter „Regiernngsbote" veröffentlicht einen Erlaß des Ministers für Voilksaufklärung, worin Mitteilungen gemacht werden über dffe Ruhestörungen, die eine Schur von 400 Studenten der Universität und anderer Hochschulen, sowie Frauen am 22. Februar in der Universität Moskau verübt haben. Ein Hanfe drang aus dem Hofe, wo er sich versammelt hatte, in die Aula der Universität und zertrümmerte Thüren, Schränke, Tische, Stühle, hängite rote Fahnen ans den Fenstern, lärmte und sang Lieder. Die Ruhestörungen begannen um liy2 Uhr vormittags und dauerten bis Mitternacht, wo Polizei und Soldaten die Ruhestörer verhafteten, ohne daß diese besonders widerstanden. Der Minister ordnete die fofortige Ausschließung aller verhafteten Studenten der Universität sowie auch die Ausschließung aller übrigen Hörer anderer Lehranstalten, die ebenfalls in der Nacht auf den 23. Februar in der Uni- öerfität Moskau verhaftet worden mären, aus den betr. Hochschulen an. Es wurden 250 Studenten und andere Personen von der Polizei zu einer Woche bis dreimonatiger Haft verurteilt. Athen, 28. Febr. Der Deputierte Kum-oundonvos hatte in der Kammer gegen den In sti LMinister die Beschuldigung erhoben, er beeinflusse das gegen den Deputierten Kartalis wegen Anstiftung zum Deutsches Keich. Berlin, 28. Febr. Heute morgen machte der Kai - f er den gewohnten Spaziergang im Tiergarten und verweilte sodann längere Zeit beim Reichskanzler Grafen v. BÜlow. Am Abend nahm der Monarch das Diner beim General-Obersten v. Höhnte ein. — Wie die Blätter melden, hat der Kaiser bestimmt, daß der Inspekteur des BildungÄvesens der Morine, Vizeadmiral von Arnim, mit einem Offizier seines Stabes als 23ertretet des Kaisers an der am 7. März durch den König von England stattfindenden Grundsteinlegung der Marine-Akademie in Dartmouth teil» nehmen soll. ~ Vom preuß Abgeordnet en hause wurde der ^s^V^vlwurs bett, die Bewilligung weiterer Staatsmittel zur Verbesserung der Wohnungsverhältnisse von Arbeitern, die in staatlichen Stetrieben beschäftigt Md, und von gering besoldeten Arbeitern, in Dritter Lesung genehmigt. — Eine Kabirrettsorvre bestimmt, daß für aktive Of- welche noch dienstpslichttg sind, fortan der "t x e behu ^Auswanderung" nur dann nach- gefucht werden soll, wemi ihre Ueberführung in den Be- urlaubtenftand aus bestimmten, in den Gesuchslisten an» zugebenden Gründen nicht angängig ist. Bei Ueberführung in den Beurlaubtenstand kommt § 111 der Wehrordnunq. in Anwendung. Die Wiederan stellung von Offizieren welche aus der Reichsangehörigkeit entlassen wurden, soll nur dann erfolgen, wenn sie noch nicht 39 Jähre alt und noch dienstfähig sind, und wenn überdies gegen ihre Politische Tagesschau. Die FottfLhnmg her „Kaffeebahu" abgelehm. In der Budget-Kommission des Reichstages -wurde am Freitag, tote das Herold-Bureau meldet, die Beratung über die Usambara-Bah n fortgesetzt. Die Regierunas-Vorlage, die iy2 Millionen Mk. fordert, wurde mit großer Mehrheit abgelehnt, ebenso ein Antrag des Abg. Arendt, 950000 Mk. als erste Rate zu bewilligen mit 14 gegen 14 Stimmen. Der Zuschuß zur Weitersühmng der Telegraphen-Linie von T ar-es-Sa la am nach Tao o ra 168 0M Mark wurde bewilligt, ebenso die fortdauernden Ausgaben. Der Etat für Ost- und Süd-West-Afrika ist damit erledigt. — Mso sind die Zentrumsvertreter unerbittlich geblieben. ES ist immerhin möglich, daß dieser ablehnende Beschluß vom Plenum aufgehoben und auf Grund eines — vielleicht von konservativer Sette geplanten — Abänderungsantrags wenigstens ein Teilbetrag bewilligt wird. Dann dürfte das Zentrum aber der Qkxrantieöorlage über die ostafri- klmische Zentralbahn ein unverweigerliches „Nein!" ent- —------------------ W—? Feuilleton. D. S. Kunstausstellung. Freunde der Landschafts- malerci werben an her gegenwärtigen Ausstellung des Kunstvereins ihre Freude haben. Der Zufall hat uns diesmal überwiegend Landschaften zugeführt und so für eine einheitliche Gesamtwirkung gesorgt, die man im allgemeinen von unseren Ausstellungen nicht gewohnt ist und billigerweise auch nicht erwarten kann. Zunächst ist zu den schon länger ausgestellten Bildern Von Werner S ch u ch ein neues gekommen, das eine der herrlichsten, aber auch meistgemalten Landschaften des schönen Südens darstellt, die Bucht von Taormina mit dein schneeigeii Haupt des Aettia im Hintergrund. Das Bild ist tüchtig und wahr, wenn auch euie gewisse nordische Kühle ihm nicht abzusprechen, ein Manko üblicher Stimmung zu empfinden ist. Kräftiger wirkt in einer Art bas norwegische oeebiß) von A. Halberger, ;as man nur gern in günstigerer Beleuchtung sähe. „2lm Leiter fee" von H. Steen, ein Wmterbild aus dem Heßler von unserem heimischen Künstler W. Barthel, „Aus alter Zeit" von H. Licht, „Aufziedender Föhnsturm" vm: A Hörster haben nach verschieoenen Richtungen hin ihre Verdienste, das Steensche und Barthelsche in der schlichten, jMHHy - Mk DezrrgsPretSr TA monatlich 7b Pf.,viertel- GlehenerAnzergerW General-Anzeiger v ** ää ür den polit. il aügern. Amts- Md Anzeigeblatt für den Kreis Gießen ____________________________________________________________________________ “ zeigenteil: Hans Beck. Mit einem heitsren, einem naffen Auge verfolgt man in den Kreisen unsever Agrarier den Verlauf der Ameika- fahrt des Prinzen Heinrich. Die glänzende Aufnahme, die der Bruder des Kaisers findet gereicht selbstverständlich auch hier zur Genugthuung. Wenn es nur nicht eben die Vereinigten Staaten wären, denen sich Deutschland durch Freundschaftsverpflichtungen verpflichtet! Amerika ist als ein Hauptausfuhrland von landwirtschaft- lichen Erzeugnissen bekanntermaßen von jeher absolut nicht beliebt bei unseren Agrariern. Noch kurz vor der Abfahrt des Prinzen Heinrich stellte in der Zolltarifkommission bekanntlich der „rechtsnationalliberale" Wormser Frhr. v. Hehl unter lebhafter Zustimmung aller Verbreiter der Landwirtschaft die Forderung, handelspolitisch die Ver. Staaten scharf anzufassen. Ein energisches Vorgehen gegen die Amerikaner, wenn nicht gar ein „frischer, fröhliches Zollkrieg, das ist auf Seiten der Rechten von Jacr zu Jahr mit wachsendem Eifer empfohlen worden. Und darum ist man im Grunde nicht sehr erbaut von der neuen Völker-Verbrüderung. Die Amerikaner, sagt man, werden sofort wieder zu nüchternen Geschäftsleuten, wenn der Jubel verrauscht ist. Auf Entgegenkommen in zollpolitischer Hinsicht, ja selbst nur auf Beseitigung der mancherlei Zoll-Chikanen darf die deutsche Ausfuhr sich keine Hoffnung machen. Die Deutschen dagegen sind die „höflichen Leute", die es bis aufs äußerste vermeiden, in freundschaftliche Beziehungen Verstimmung hinein^utragen. Was sei die Folge? Daß den Ver. Staaten wiederum alle Vorteile der nächsten Handelsverträge gewährt würden, daß amerikanische Willkürlichkeiten gegen unsere Ausfuhr mit liebenswürdiger Nachsicht behandelt würden, kurzum, daß Deutschland durchs aus der gebende, und nicht der empfangende Teil in diesem „Bunde"" wäre. .... Die Abneigung mag dies Bild etwas düster färben. Aber wir glauben, objektiv betrachtet, auch nicht, daß die Amerikaner durch alle noch so begeisterten Reden und noch so herzlichen Beteuerung der Zuneigung ihre praktischen Geschäfts-Prinzipien beeinflussen lassen werden. Das steht eben „auf einem anderen Blatt"". Der Amerikaner ist Geschäftsmann durch und durch, sein Vorteil gilt ihm beinahe alles, und aus seiner Haut kann niemand heraus. Berechtigter oder unberechtigter Egoismus — man muß damit rechnen. Entzückung und Begeisterung sind vergänglich. Wer erinnert sich nicht der gewalligen Festlichkeiten, des schier grenzenlosen Enthusiasmus bei der Vierhundertjahrfeier der Entdeckung Amerikas. Die Auszeichnungen, die damals aus das Haupt der edlen Spanier, der Nachkommen des „großen Kolumbus"" in verschwenderischer Fülle gehäuft wurden, hielten nicht einen Moment den Ausbruch des Krieges mit Spanien auf. Beispiele ähnlich rascher Metarmophoseu und Gesinnungsänderungen, insbesondere, sobald materielle Interessen in Frage kommen, weist die Geschichte zahlreich genug aus. Ein solcher Rückschlag wird diesmal hoffentlich ausbleiben. Wer man wird auch andererseits nicht allzu sehr erstaunt sein dürfen, wenn die Ver. Staaten die Freundschaft mit Deutschland nur im politischen Sinne verstehen, d. h. die Gemütlichkeit aushören lassen, wenn es sich um Geschäftssachen handelt. Bon den Vertretern unserer Regierung wurde zwar wiederholt die Thatsache verfochten, daß politische Rücksichten auch zu gewissen handelspolitischen Rücksichten nötigen, daß man einem auswärtigen Staat nicht handelspolitisch feindselig begegnen könne, ohne gleichzeitig die politischen Beziehungen nachteilig zu beeinflussen. Wer diese These gilt in der Hauptsache doch wobl nur für ve rbündete Nationen und allenfalls Rußland. Stellen sich die Ver. Staaten auf den rein geschäftlichen Standpunkt, so wäre es eine überflüssige Delikatesse, minder geschäftlich zu verfahren. * * * Die letzten Telegramme aus Newyork lauten: Die Mannschaft der ,Hohenzollern" nahm an dem Kommers des deutschen Kriegeröurrdes teil. Die Zeitungen schreiben sehr erfreut über den Besuch des Prinzen am Krankenbett des jungen Roosevelt. Einige vermuten, daß das Diner im Weißen Hause am Donnerstag politisch b ed eutun gsvo ll war, da sich nach dem Essen die Damen zurückzogen und der Prinz mit Holleben, Roosevelt und dem Senator Lodge allein blieben. — Der Bürgermeister von Newyork, L,ow, sagte in einer öffentlichen Versammlung der Reform-Demokraten, Prinz Heinrich habe das freimütige Wesen des Seemannes, die Höflichkeit des Gentlemans und das Interesse des Gebildeten an allen Dingen gezeigt. Prinz Heinrich betrachte Amerika mit den Augen des Intellektes. Er, der Bürgermeister, glaube, daß die Reise eine höhere Schätzung des Prinzen und Deutschlands seitens der Amerikaner zur Folge haben werde. Man werde daraus 'pen Wert des deutschen Elements unter den Amerikanern besser würoigen lernen. — Der Bürgermeister von Chicago erließ eine Bekanntmachung, worin er für Montag den Besuch des Prinzen ankündigt und zur Ausschmückung der Häuser nut deutschen und amerikanischen Fahnen ausfordert. — Ein starker Sturm wüteit in einem großen Teile Nordamerikas, der Dächer abreißt und namentlich in den Küstenstädten schweren Schaden verursacht. Den Abschluß des Besuches des Prinzen Heinrich in der Bundeshauptstadt bildete am Wend des 28. Febr. ein S,taatsdiner in der deutschen Botschaft. Der Prinz saß zwischen der Frau des deurschen Adarine- attachees Rebeur-Paschwitz und der Gemahlin des Oberrichters Fuller. Aus Stadl unS Kurä. Nachrichten von allgemeinem Imeresje jmv uns slets willkommen und werden augemcfjeu honoriert. Gießen, 1. März 1902. ** Von der Universität. Wie auswärtige Blätter hören, ist als Nachfolger des Geheimrats Löh le in auf den Lehrstuhl der Gynäkologie an der Landesuniversität der ordenll. Professor Dr. v. Herff in Basel berufen worden. ** Handelsrviffenschaftliche Vorträge. Wie uns Herr Prof. Dr. Biermer mcktelll, wird er in Ntainz nicht u. a. über „Bodenreform" sondern über Börsenwesen undBörsen- reform reden. ** Die Abgg. Gras Oriola und Genossen haben, wie wir bereits vorgeslern mttterlten, eine Anfrage an die Regierung gerichtet betr. die Getreidezölle. Dieselbe lautet im Wortlaut: „i-ßJeldje xoteüung nimmt die Großh. Regierung zu der Forderung der hessischen Lanbroirlschaft aus Erhöhung der m der Borlage des Zolltarifgejetzes enthaltenen Al i n l rn a l z o 11 e sür Getreide em? Und ist die Jtegierung bereit, auf Erhöhung oicier Zolle un Bundesrat mttzuwirten?" Dte Anfrage tragt 1« Unterschriften. ** Handwerfcrvcrsamnilung. Emer Einladung des Vorsitzenden der Handwerkskammer -Hessens, Falt-Mcnnz folgend, yatte sich am letzten Montag eine große Anzahl Handwerker aus Gießen und Vertreter der Ortsgewerbevereine des Kreises Gießen im Saale des Hotel Einhorn eingefunden, um hauptsächlich über die Frage der zukünftigen Gesellenprüfungen zu beraten. Das Referat hatte das Mitglied der Kammer, L a u h - Darmstadt, übernommen. Nachdem der Vorsitzende die Anwesenden begrüßt hatte, wurde zunächst die Präsenzliste festgestellt. Sämtliche gewerbliche Vereinigungen, Innungen und Ortsgewerbevereine des Kreises Gießen waren vertreten, mit Ausnahme des Ortsgewerbevereins Steinbach. Darauf referierte Lautz-Darmstadt in fast einstündigem Vortrage über die nunmehr nach gesetzlichen Vorschriften vorzunehmenden Lehrlingsprüfungen. Ausgehend von dem Gedanken, daß, wenn man den Gewerbestand haben wollte, zunächst da anzufangen sei, wo die erste Ausbildung geschehe, besprach er an Hand der vom Ministerium erlassenen Prüfungsordnung die demnächstigen Gesellenprüfungen, die in einem abzulegenden Gesellenstück, soweit sich das Gewerbe dazu eignet, und in einer Arbeitsprobe bestehen wird, woran sich eine theoretische Prüfung schließen wird. Die zukünftigen Gesellenstücke sollten keine sog. Bravourleistungen sein, sondern hauptsächlich solle darauf Wert gelegt werden, daß der Prüfling die Arbeit selbständig und allein ausführt. Bet der theoretischen Prüfung sei Wert auf die Kenntnis der Rohmaterialien, Berechnung derselben und allgemein geschäftliches Rechnungswesen zu legen. — Auch über die den Prüflingen zu gebenden Noten und die entstehenden Kosten sprach der Redner. Mit dem Wunsche, daß die Lehrlingsprüfungen zur Hebung des gesamten Handwerks beitragen möchten, schloß Lautz seinen lehrreichen Vortrag. In der anschließenden Diskussion bemängelte Scherff-Lich, daß der Ortsgewerbeverein Gießen nach seiner Ausschreibung zwecks Anmeldung zur Lehrlingsprüfung diese unentgeltlich vornehmen wolle, wahrend § 15 der Prüfungsordnung hierfür eine Gebühr von 3 Mk. vorschreibe. — Hauptlehrer Traber - Gießen erwiderte, daß der hiesige Ortsgewerbeverein von dem Standpunkt ausgegangen sei, es den jungen Leuten so leicht als möglich zu machen; später könnten andere Bestimmungen getroffen werden. — Falk stellt fest, daß das den gesetzlichen Bestimmungen nicht entspreche; hierdurch würden Ungleichheiten hervorgerufen, da nicht alle Prüfungsausschüsse und Ortsgewerbevereine sich das erlauben könnten. Dies müsse deshalb vermieden werden. — Aus der Mitte der Versammlung wurde noch eine Reihe von Anfragen an die Herren Falk und Lautz gestellt, die diese in sachlicher Weise beantworteten. — Herr Traber sprach am Schluß der Verhandlungen den beiden Herren den Dank der Versammlung für ihre Thätigkeit im Interesse des Handwerks aus. ** Juristische Fakultätsprüfung. Die Meldungen zu ver in Gießen stattfindenden juristischen Fakultätsprüfung sind mit den vorgeschriebenen Belägen bis spätestens zum 16. April bei dem Dekan der juristtschen Fakultät, Dr. Biermaun, einzureichen. Die schriftliche Prüfung beginnt am 21. April,vormittags 81/2 Uhr; eine besondere Ladung hierzu ergeht nicht. ** Prälat D. Habicht hat aus Anlaß seiner achtzigjährigen Geburtstagsfeier folgende Schenkungen gemacht: Dem Psarrwaifenverein des Landes 100 ML, der Prälat D. Köhler-SchmitbHabicht-Stiftung 100 ML, dem Verein gegen Verarmung und Bettelei dahier 50 ML, der Mathilden- sttftung für Starkenburg 50 ML, der Volksküche dahier 50 Mark und dem hessischen Hauptverein der Gustav Adolf- Stiftung 50 ML ** Konzert. Die Promenadenmusik in der Südanlage fällt morgen aus. Zur Bodenreform. Unser Herr Les.-Mitarbeiter schreibt uns zu der Erwiderung des Herrn Krumm: „Daß Herr Krumm so großen Wett darauf legt, nicht als Gegner einer gesunden Bodenreform zu erscheinen, freut mich umsomehr, als eine derartige Einsicht bei seinen Parteigenossen sonst selten zu finden ist, und wenn ich ihn dann verkannt habe, so soll es mir leid thun. Wundern kann er sich aber eigentlich darüber nicht. Es haben sehr viel Leute den Kopf geschüttelt, und sich gefragt, wie grade Herr Krumm dazu gekommen ist, den bei der Bildung der Baudeputation seitens des Stadtoorstandes aufgestellten Grundsatz, Interessenten auszuschließen, einerseits zu beanstanden. Es entsprach nur meiner guten Meinung, die ich von Herrn Krumm hege, wenn ich ihm lieber einen Mangel an Erkenntnis der Tragweite der Sache, als eine Neigung, Erwerbsinteressen zu vertreten, zutraute. Demgegenüber hätte Herr Krumm wohl auch mit dem Vorwurf der „Leichtfettigkeit" etwas vorsichtiger umgehen dürfen. — Dem in der anderen Zuschrift inbetreff einer guten Gemeindepolitit ausgesprochenen Gedanken kann ich nur ganz und gar zustimmen. Grade die Frage der Bodenreform ist dazu berufen, Angehörige der verschiedenen Patteien um sich zu sammeln und zu gemeinsamem Vorgehen zu vereinigen. Dafür muß aber erst noch viel Aufklärungsarbeit an der öffentlichen Meinung gethan werden, und zweifellos könnte da ein Mieter verein gute Dienste thun. Die Jagdverpachttmgeu in unserer Umgegend sind nun ziemlich beendet, und es ist interessant, die uns bekannt gewordenen Mehreinnahmen der Gemeinden bei den Neuverpachtungen neben emanber zu stellen. Es erhalten pro Jahr an Jagdpachten mehr: Staufenberg 425 Mark, Leihgestern 705, Reiskirchen 395, Climbach 84, Rödgen 350, Annerod 200, Geis-Nidda 404, Londorf 5, Kesselbach 30, Goebelnrod 432, Wieseck 265, Naunheim b. Wetzlar 296, Altenbuseck 510, Langgöns 840, Nonnenroth 475, Burg- Gemünden 175, Schwarz 153, Wahlen 320, Bermuthshain 165, Allendorf-Lahn 140, Ober-Steinberg 85, Langd 169, Lützellmden (Markwald) 110, Oppenrod 110 und Mainzlar 225 Mark._______________________________________ Vermischtes. * Ein Lawinenunglück. In Tellaride (Colorado) zerstörte eine Lawine den Oberbau der Libertybell Bergwette. Später ging eine weitere Lawine nieder, die 4 0 M a n n begrub, die Rettungsversuche bei den Opfern der ersten Katastrophe machten. Der Mensch en vertust bei dem ersten Lawinensturz beträgt vielleicht 30. Landwirtschaft. — Warnung für Landwirte. In Nr. 37 liniere • Blattes warnten wir die Landwirte vor dem Bezug der so- en. „ .. i surter P 0 udrett e". Wir machen daraus a t , i aü diese Frankfurter sogen. „Poudrette", die weiter nichts ist als der getrocknete Schlamm der Frankfurter Klärbeckenanlage, n i ch t verwechselt werden darf mit der Bremer Poudrette, welche als Düngemittel von hervorragender Bedeutung bekannt ist. Geg. Hofrat Pros. Dr. Paul Wagner veröffentlicht deshalb eine Erklärung, in der es u. a. heißt: „An die Verwaltung der Klärbeckenanlage der Stadt Frankfurt habe ich das dringende Ersuchen gettchttt, das von ihr in den Handel gebrachte, so überaus geringfügige Erzeugnis fortan nicht als „Poudrette" aus Klärbeckenschlamm zu bezeichnen. Unter „Poudrette" versteht man ganz allgemein und ganz ausschließlich ein Düngemittel, welches durch Verarbeitung von frischem Abtrittdünger hergestellt ist und mindestens 7 pCt. Stickstoff enthält, wie denn auch im Landwirtschaftlichen Kalender von Mentzel und v. Lengerke in der Tabelle über die mittlere Zusammensetzung der Düngemittel „Poudrette" ohne jede wettere Bezeichnung aufgeführt und mit einem Gehalt von 7,4 pCt. Stickstoff angegeben ift Es ist durchaus unstatthaft, und es führt nur au einer Täuschung des Publikums, wenn man getrockneten Klärbeckenschlamm, der noch nicht den zehnten Teil von Düngewett der Bremer Poudrette auf- weist, ebenfalls „Poudrette" nennt. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Frankfurt a. M.. 28. Febr. Die Frankfurter Hypothekenbank verteilt auch für das abgelaufene Geschäftsjahr eine Dividende von 9 Prozent. — Frankfurter ASbestwerke vorn». Louis Wertheim, Frankfurt a. M. Dividende ist mit 8 Prozent in Aussicht genommen gegen 12 Prozent im Vorjahre. — Neue Gründung. Es verlautet, daß die Ehokolade- fabrik Gebr. Stollwerck in Köln in eine Aktiengesellschaft um« gewandelt werden soll; wie es heißt, imter Mitwirkung der Darmstädter Bank. Märtte. Gießen, 1. März. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmattt kosteten: Butter pr. Pfund 0,90—1,00 Mk., Hühnereier pr. Stück 7—8 Pf., 2 Stück 00.00 Pf., Käse pr. Stück 5—12 Pf., Käsematte 2 Stück 0—0 Psa., Erbsen pr. Liter 19 Pfg., Linsen per Liter 32 Pfg., Tauben pr. Paar 1,00—1,20 Mk., Hühner pr. Sttlck 1,20—1,80 Mk., Hahnen pr. Stück 1,30—1,80 Dck., Enten pr. Stück 2,40—2,80 Mk., Gänse pr. Md. 00—00 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 66—76 Pfg„ Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 60—64 Psg^ Schweinefleisch pr. Pfund 70—80 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Pfg., Kalbfleisch pr. Psd. 60—66 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 50—70 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 3,50—0,00 Ack., Weißkraut per Stück 00—00 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 7,50—8,50 Mk., Milch per Liter 18 Pfg. Äepfel per Psd. 9—15 Pfg., in Körben 12—15 Pfg. Trauben 35—50 Pfg. Dauer der Matttzett von morgens 8 Uhr bis nachmittags 2 Uhr, während der ersten drei Stunden der Matttzett darf nicht im Umherziehen fellgeboten werden. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Die noch ungepflafterten Bürgersteige des zwischen Ludwig- und Ebelsttaße sich erstreckenden, fast vollständig ausgebauten Teiles der Liebigstraße, welche, abgesehen von dem Verkehr der zahlreichen Anwohner, täglich auch von einer großen Anzahl der nach Hunderten zählenden Arbetter der nahegelegenen Falnttken re. frequentiert werden, befanden sich, wie dies bei nur wenig feuchtem Wetter stets der Fall ist, in den letzten Tagen wieder in einem Zustande, der ein Passieren derselben, zumal für Damen beinah^zur Unmöglichkeit machte. Würde der Liebigstraße nur die Halste der liebevollen Aufmettsamkeit seitens der befugten Organe zu teil, welche der benachbarten Wllhelmssttaße in ihrem südlichsten, noch saft unbebauten Teile unverdienter Weise gewidmet wird, so wäre einem Uebelstande abaeholfen, welcher für die beteiligten Steuerzahler ein nicht geringes Aergernis bildet. Baldige und durchgreifende Abhllfe ist hier bringend not- wendig. civis. Briefkasten. Wilh. Keller'fche Druckerei Emil Bounuert. Unter Bezugnahme auf Ihre gestrige „Aufklärung", der übrigens, nach einem Schreiben des Vorstandes des hiesigen Detaillistenvereins an mich, dieser Verein, was mir von öffentlichem Interesse zu sein scheint, ernsteht, habe ich heute folgende chatsächliche Berichtigung Herrn Redakteur Spieß zugesandt: „Gießen, den 28. Februar 1902. An die Redaktton der „Gießener Neueste Nachttchten". Herrn Aug. Spieß, verantwort!. Redakteur. Der Artllel „Zur Aufklärung" in Nr. 48 der G. N. N. enthält Unrichtigkeiten, von denen ich folgende auf Grund des § 11 des Preßgesetzes richtig zu stellen ersuchen muß: 1. Am Kopfe der G. N.N. heißt es: 4 Pfennig per Millimeter bei einer Spaltenbreite von 50 mm. Ta die der Berechnung zu gründe liegende Petttzeile 3 mm hoch ist, kostet dieselbe 3x4 ober 12 Pfennige. 2. Die Angabe, daß die Anzeigenzelle der G. N. N. 50 mm breit fei, ist falsch, sie ist nur 45 mm breit, d. h. so breit, rote die Anzeigenzelle des Gießener Anzeigers. Hochachtttngsvoll R. Lange, _, Verleger des Gießener Anzeigers." Ihre wetteren Behauptungen sind eben 0 falsch und fallen ohne weiteres in sich zusammen. Es erübrigt sich nur noch, darauf hinzu weisen, daß ich für den neuesten Moffe'fchen Zeitungskatalog im ^uli v. I. die Auflage des Gieß. Anz. angab. Die gegen- roartige Auslage beträgt genau 7900 Exemplare. Uebttgens liegt eine Entscheidung des Reichsgerichts vor, der zufolge eine eoent. Probenummer-Anzahl nicht der Auflage-Ziffer, die öffentlich annn111^ gegeben wird, einzurechnen ist. Wenn also eine Zeitung 3000 Exemplare druckt und 1200 Probenummern vertreibt, so ist die Auflage, dem Gesetze betr. den unlauteren Wettbewerb zu- folge,^1800. ______________R. Lange. Telephonischer Kursbericht. 8’/ao/o Reicheanleihe 3% do. 81 /,% Konsole . . 3% do. .... SVgO/n Hessen 3% Hessen ... * 4% Oesterr. Goldretne . 4' 2% Oesterr. Silberrento 4% Ungar. Goldrente . 40/ Italien. Rente . 4‘'2% Portugiesen . * h0/ Portugiesen. . 1% C. Türken ... Türkenlose . . 4% Grieoh. Monopol -A*nl. äussere Argentiner Frankfurt a. 2L«, 102.10 3j/q Mexikaner . 93.05 . 101.05 . 92.70 . 100.35 4,/sVo Chinesen . , Electric. 80backert . Nordd. Lloyd . . . Kreditaktien , . . Diskonto-Kommandit. . 103.10 Darmstädter Bank . 101.60 Dresdener Bank . . . 101.25 . 100.80 . 42.00 . 28.25 . 28.15 . 115.00 45.50 Berliner Handelsges. Oesterr. Staatabahn . Lombarden . . , Gotthardbahn . , . Laurahütte . . . . Bochum..... Harpener . . . . Tendenz: ruhig. 1. März. . . 26.75 . . 91.80 . . 123.- * ' 220*90 . . 196.30 . . 139.90 . . 138.10 . . 153.90 * . 145.50 . . 17.40 . . 169.30 . . 203.00 . . 199.90 . . 164.00 Neueste Melsungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. S. Darmstadt,l. März. (2. Kammer.) Die Budget- deratung wird fortgesetzt bei Hauptabt. 5 „Direkte Steuern, Regalien und Einnahmen aus verschiedenen Quellen". Auf Antrag Mplthans wird die Beschlußfassung über Tit. 1 dieses Kapitels, „Einkommen- und Vermögenssteuer", bis zur Beratung des FinanKgesetzes ausgesetzt. Kprell bean- tragt, einem früheren Beschluß der Kammer entsprechend JjUOO Mark für Vergütung von Stempclgebühren und ebenso die angesetzten Beträge für Tagegelder der Bezirks- Kassierer, 4500 und 6000 Mark, zu streichen. Der Justizminister stellt dem Hause anheim, die Frage nochmals dem Finanzausschüsse zu Überwersen. Er giebt ferner Aufklärungen über die Älrt der Stempelgebühren und deren Erhebung und bittet, diesmal noch von dem Abstrich abzusehen. G.ut fleisch warnt vor der in letzter Zeit rn einzelnen Landesteilen, besonders in Gießer: üblich gewordenen zu hohen Einschätzung des Grundbesitzes. Dadurch werde dem Bodenwucher Thür und Thor geöffnet. Die Beratungen über dieses Kapitel werden hier geschlossen und die Beschlußfassung bis zum Schluß der Budgetberatung ausgesetzt. Am Schluß der Sitzung lädt der Präsident die Mitglieder der Kammer zu dem am Donnerstag 8 Uhr abends im Sitzungssaal der Kammer statt sind enden Borttag des Geh. Ober-Baurats Hofmann über die Restauration des Wormser Doms ein, woran sich ein gemütliches Zusammensein schließen soll. Auch der Großherzog hat sein Erscheinen zu- $ ' ^London, 1. März. Das Kriegsamt veröffentlicht noch folgendes Telegramm Kitchenes über die Gefangennahme der englischen Donopoden-Kolonne in Clarksdorp. Ter Oberst Anderson, Kommandeur der Kolonne, befindet sich unter den Gefangenen. Major Enderly, der die Infam tene befehligt, ist verwundet. Hierdurch erklärt sich die Verspätung der Meldung von Einzclhettcn. — Sämtliche Morgen- blätter kommentieren die letzten Meldungen Lord Kitchenerk vom Kriegsschauplätze. Die konservativen Organe meinen, daß die letzte Niederlage Dewets in der Nähe von Harrysmith die ernsteste sei, die er bisher erlitten hat. Die Blätter find der Ansicht, daß die Gefangennahme zahl- reicher Buren die Niederlage bei Clarksdorp mehr als aus- wetze (?). Nur die liberalen Blätter „Morning Leader" und „Daily News" protestieren gegen die Anspielung auf Majnba Hill. „Moruiug Leader^ sagt, dies e.innere an die Albernheiten zu Beginn des Krieges. London, 1 März. Tie Gerüchte von einrm bevorstehenden Rücktritt Salisburys treten neuerdings mit aller Bestimmtheit auf. Tie Frage seiner Nachfolgerschaft b-ldet an maßgebender Stelle den Gegenstand lebhafter Erörterungen. Loudon, 1. März. Reuter meldet aus Harrysmith vom 28. Februar folgende Einzelheiten zu der im Unterhause von Brodrick milgeteilten Uebergabe von etwa 600 Buren. Die englischen Operationen, die mehrere Tage dauerten, bewegten sich in der Linie Wrede—Harrysmtth. Am Donnerstag zwangen die britischen Truppen die Buren, sich nach dem Vaalfluß zurück- zuziehen, wo sie endgiltig festgehalten wurden. Oberst Rawliu- son gewähtte dem Feind einen einstündigen Waffenstillstand, damit die Frage der Uebergabe beraten werden könne. Tie Buren beschloffeu die Uebergabe, und so wurden 600—700 Mann gefangen genommen Die Verluste der Buren während des Gefechts fiud unbekannt; aber mau hält sie für sehr beträchtlich. Unter den Gefangenen befindet sich John Wessel?. Du Gefangenen sind heute sämtlich hier eiugetroffen. Paris, 1. März. Der Unfall Waldeck-Rousseaus ereignete sich in der rue Reaumur. Der Wagen, in dem der Ministerpräsident mit seinem Neffen saß, stieß mit einem von der Oper kommenden Straßenbahnwagen zusammen. Beide Insassen des Wagens erlitten starke Kontusionen uiid Verletzungen durch Glassplitter. Auch der Kutscher wurde leicht verletzt. Der Minister verlor keinen Augenblick die Kaltblütigkeit. Die Aerzte stellten fest, daß er Kontusionen an Brust, Schulter und unter dem linken Auge davongetragen habe. Ferner wurde an der Kopfhaut oberhalb des Ohres eine Rißwunde und an den Händen Verletzungen durch Glassplitter gesunden. Doch ist sein Zustand durchaus nicht beunruhigend. Es ist weder eine Verstauchung, noch ein Bruch vorhanden. Tie Wiederher^ stellung ist nur eine Frage weniger Tage; indessen haben ihm die Aerzte völlige Ruhe andesohlen. Der Neffe Waldecks erlitt Kontusionen am Bein. — Die gegen Mitternacht auf dem Boulevard bekannt gewordene Nachricht von dem Unfall rief unter dem Publikum lebhafte Bewegung hervor. Präsident Loubet, die Minister und zahlreiche andere Persönlichkeiten ließen in der Nacht Erkundigungen nach dem Befinden Waldecks einziehen. Newyork, 1. März. Die Zahl der bei Telluride durch einen Lawinensturz Um gekommenen beträgt 7 b. Bekanntmachung. In der Zeit vom 22. Februar bis 1. März 1902 wurden in hiesiger Stadt Gefunden: 1 Portemonnaie mit Inhalt, Geld, 1 Boa, 1 weißes Taschentuch und 1 Kanne mit Oel; Verloren: 2 Portemonnaies mit Inhalt und 1 Packet mit Inhalt; Entlaufen ist: 1 Berhardinerhund und 1 Wachtelhund. Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Gießen, den 1. März 1902. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechle r. _ Hohversteigerung im 8icße«tt Ztadtmlb. Freitag den 7. März 1902, vormittags 97, Uhr, sollen im Gießener Stadtwald in den Distrikten Stolzenmorgeu, Zollstockswäldchey, Heiuges- bodeu, Reuheege, Tanne und Philosophenwald versteigert werden: 123 Fichten-Stärnme m. 55,47 £m 2 Weyrmtths-Kiefern-Stämme mit 1,09 fm 3 rm Buchen-Knüppelholz 14 rm Eicken-Knüppelholz 144 rm Naoel-Knüppelholz 1 rm Buchen-Stockholz 102,5 rm Nadel-Stockholz 50 Wellen Buchen-Reisig 1950 Wellen Eichen-Reisig 50 Wellen Erlen-Reisig 8820 Wellen Nadel-Reisig Die Zusammenkunft ist auf der Straße nach Rödgen an der Ochfenwiese. 1761 Gießen, am 28. Februar 1902. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Großer BmchlMckns. Donnerstag, den 6. März, vormittags 10 Uhr, im Möbus'- schen Saale zu Oberscheld (Station) aus den Schutzbezirken Paulsgrube und Eibach Distrikt 101, 102, 123,124 u. Totalitäten: Eichen: 9 rm Nutzscheit, 34 Scheit, 31 Knüppel, 12 Reis I. Buchen: 45 Nutzscheit, 1082 Scheit, 619 Knüppel, 134 Reis I., 1825 Wellen. Weichholz: 20 rm Scheit, 6 Knüppel, 1 Reis I. Nadelholz: 3 Nutzscheü, 37 Scheit, 24 Knüppel. Das Holz liegt 1—3 km von der Station Nicolausstollen, woselbst in sorstfiskal. Arbciterhause saft kostenlose Unterkunft für Pferde und Fuhrleute. Nähere Auskunft giebt die Königl. Obersörsterei Oberscheld zu Dillenburg, Station der Köln-Gießener Bahn.__1737 Versteigerung. Versteigerung. Dienstag, 11. März d. I., nachmittags 2 Uhr, versteigere ich Reustadt 55 dahier gegen Barzahlung: 1. silb. Herren Rernontoir-Uhren, goldene und sllb. Damenuhren, Hals-Colliers in -Doubls, goldene Brachen nnd goldene Ohrringe, 5 Mille Cigarren, 2 Tische, mehrere Bilder, 1 Sopha, 30 Kilo Stahl. 2. 1 Sopha, 1 Kommode, 1 Nähmaschine, 1 einthür. Kleiderschrank und dwerses Porzellan. 1754 Die Versteigerung zn l findet bestimmt, zu 2 teilweise statt. Born, Gerichtsvollzieher,__ AMMWW Stadt. Schlachthaus. Freibank. Heute und Morrtsg: NMtifdl 54 Pfg. ZtikrWsch 52 W. 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