192. Jahrgang Nr. y § Erscheint täglich, nutzer Sonntags und Feiertags Beilagen: Gießener Familientzlätter Heimat inrBild-DieSchoUe Bezugspreis: Monatlich.....RM.1.80 Zustellgebühr... „ -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Fernsvrechanschlutz 2251 Drahtanschrift: „Anzeiger" Postscheck 11688 Frankf./M. Domtetstog,25.irptiIR2 Gietzener Anzeiger ir Platzvorschrift (vorherige Vereinbarung) 25"/.mey' Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 81/, Uhr desVormittags Anzeigen-Preise: Anzeigenteil 7 Rpf. je mm bei 22 mm Zeilenbreite, Textteil 50 Rvf. je mm bei 70 mm Zeilenbreite Nachlässe: Wiederholung Malstaffell AbschlüsseMengenstaffelir vrühlsche Unioersttatrdruckerri». Lange General-Anzeiger für Oberhessen Gießen, Zchulstratze 7-9 Bilanz einer Reise. Von unserem Dr. £ Stockholm, April 1942 . Nicht einmal ein Monat ist vergangen, seit Staf- ford Cripps die Reise nach Indien antrat. Als er wieder englischen Boden betrat, war von den ehrgeizigen Plänen, mit denen er England verlassen, und von den himmelstürmenden Hoffnungen, mit denen die Heimat seine Reise begleitete, nichts mehr vorhanden. Alle Versuche, die tiefe Kluft zwischen den Völkern Indiens und den britischen Herren zu überbrücken, sind gescheitert, und drohender denn je steht die Frage nach dem Schicksal des Herzstückes des Britischen Reiches am politischen Horizont. lieber den Verlauf der Verhandlungen in Neu- Delhi wird Cripps dem Unterhaus persönlich Bericht erstatten. Einzelheiten über den Verlauf der Verhandlungen mögen für Derfassungsjuristen und Verwaltungsbeamte des britischen Kolonialdienstes von Interesse sein. Alles, was politisch bedeutsam war und ist, hat die Oeffentlichkeit bereits erfahren. So dürfte es lohnend sein, einmal die Bilanz dieser Reise zu ziehen und zu überlegen, welches ihre Folgen sein mögen. Has wichtigste Ergebnis der Reise ist die Erkenntnis, daß die britische Jndienpolitik sich in eille Sackgasse hjneinmanövriert hat, aus welcher es einen Ausgang nicht mehr zu geben scheint. Es dürfte nicht übertrieben fein, zu sagen, daß nahezu alle Leute in England zunächst der Auffassung waren, die britischen Vorschläge würden nach einer längeren ober kürzeren Verhandlungsbauer von den indischen Parteien angenommen werden. Auch außerhalb des Britischen Reiches wurde diese Auffassung vertreten, und vielfach hielt man das indische Problem schon für gelöst. Tatsächlich bedeuteten die britischen Vorschläge einen beträchtlichen Fortschritt gegenüber allen bisherigen Reformplänen. Es gab jedoch einen Umstand, der wahrscheinlich mehr als der Inhalt dieses oder jenes Paragraphen die Verhandlungen zum Scheitern verurteilen mußte: Die Porschläge waren der britischen Regierung nur in der Höch st en Not abgerungen worden. Hätte BaDwin vor zehn Jahren statt seiner bundesstaaüichen Verfassung die heutigen Vorschläge gemacht, so waren sie wahrscheinlich in kürzester Frist angenommen worden, und Jftdien würde heute in gleicher Weise an der Kriegführung beteiligt sein wie die anderen Dominions. Jetzt aber erkannten die indischen Führer sehr wohl, bah nicht die politische Einsicht die britischen Vorschläge diktiert hatte, sondern nur die bittere Not und b i e drohende Nähe der japanischen Waffen. Dieser Umstand dürfte, obwohl die Bedeutung der inneren Meinungsverschiedenheiten in Indien nicht übersehen werden kann, bei den Verhandlungen zwischen Cripps und den indischen Führern den Ausschlag gegeben haben. Weder die verlockenden Besprechungen für die Zukunft, noch die Vermittlung Tschiangkaischeks oder die Einmischung Roosevelts haben die Inder darüber Hinwegtäuschen können, daß England plötzlich nicht mehr in der Rolle des Gebenden dasteht, sondern daß Cripps als Bittender nach Neu- Delhi gekommen war. Diese Einsicht der indischen .-Korrespondenten. Führer aber ist es, welche die britische Jndienpolitik so ausweglos macht. . Die militärischen Folgen des Scheiterns der Verhgndlungen sind schwer abzuschätzen. Es wäre verfehlt, zu glauben, daß ein Erfolg der Cripps-Mission die strategische Lage der Engländer in Indien unmittelbar verbessert hätte. Ebenso wäre es falsch, anzunehmen, daß der Mißerfolg eine sofortige Verschlechterung der militärischen Lage zur Folge haben müsse. Die unmittelbare Wirkung einer Einigung oder jetzt der Uneinigkeit ist mehr psychologischer Natur, ohne daß dadurch die Japaner schon für die nächsten Wochen strategische oder taktische Vorteile errungen hätten. Auf längere Sicht muß allerdings der Fehlschlag der britischen Politik sich auch für die Verteidigung Indiens verhängnisvoll auswirken. Es mag aber sehr wohl sein, baß nicht die Sorgen um das Schicksal Indiens Stafford Cripps auf dem langen Flug beschäftigt haben, der ihn über Bagdad, Kairo und Gibraltar in die Heimat führte. Denn nicht nur das Schicksal Indiens und des Empire stand bei den Verhandlungen in Neu-Delhi auf dem Spiel, sondern auch die polittsche Laufbahn des englischen Unterhändlers. Die britische Presse war nach dem Scheitern der Verhandlungen eifrig bemüht, der eigenen Regierung und besonders Cripps zu bescheinigen, daß sie alles in ihren Kräften Stehende getan hätten. Diese tröstenden und auf- munternden Beileidsbezeigungen können Cripps aber nicht darüber hinweggetäuscht haben, daß die Niederlage in Neu-Delhi auch für ihn persön- l i ch unerfreuliche Folgen hat. Er ging nach Indien als der Mann, der angeblich die Spwjetallianz geschaffen hatte, und für den es keine unlösbare Aufgabe gab. Im Lager der englischen Linken sahen viele in ihm den kommenden Mann, der frei von den Vorurteilen konservativer Politiker England in ein soziales Zeitalter hineinführen würde. Wäre er mit Erfolg gekrönt aus Indien zurückgekehrt, so hätte der Glanz seines Namens vielleicht sogar das stete Strahlen des Fixsternes Churchill zum Verblassen bringen können. Das alles sind nun Träume gewesen, deren Verwirklichung zumindest auf lange Zeit hinausgeschoben ist. Cripps ist ein sehr ehrgeiziger Mann: aber mit Ehrgeiz allein kann man in England nicht Premierminister werden, es gehört vor allem eine G e - f o l g s ch a s t dazu. Diese sich zu schaffen, wird jedoch dem kühlen Intellekt des erfolgreichen Rechtsanwalt nicht leicht werden, und bisher war es nur der blendende Erfolg feiner Tätigkeit in Moskau,, der ihn' in den Vordergrund der politischen Bühne geschoben hat. Der alte Taktiker Churchill hatte das Wesen des Crippsschen Ruhmes sehr schnell erkannt. Deshalb nahm er ihn in sein Kabinett auf und stellte ihn an verantwortlichste Stelle. Je länger Cripps in der Verantwortung bleibt, desto mehr wird er für die Fehler der Regierung mitbelastet, während ihre Erfolge zumeist zu Churchills Gunsten gehen werden. Aus diesem Grunde war die Jndien- mission für Cripps so wichtig. Hier war ihm noch einmal die Chance eines großen persönlichen Erfolges geboten. Ihr Scheitern hat zur Folge, daß auch für Cripps persönlich die Bilanz dieser Reise mit einem Debetsaldo abschließt. Roosevelts Versprechungen für Indien. (Sin technischer Gtudienausschuß soll die Möglichkeiten der Hilfe prüfen. Bangkok, 22. April. (Europapreß.) Der Abgesandte Roosevelts für Indien, Oberst Johnson, erklärte Journalisten, die Verteidigung Indiens sei eine Hauptsorge der Vereinigten Staaten. „Die Verteidigung Indiens", so sagte Johnson, „wird, wie es sich gehört, das Hauptziel der alliierten Nationen sein, deren Machtmittel, das verspreche ich, gemeinsam und in stdem möglichen Unv fange, eingesetzt werden." Wie wenig ernst es aber USA. in Wirklichkeit mit einer nachhaltigen Hilfe für Indien ist, geht aus folgender Aeußerung Johnsons hervor: „Die technischen Fähigkeiten der Vereinigten Staaten werden in dem Maße zur Lösung des indischen Problems eingesetzt werden, in dem sie es für nötig halten." Als einzige „praktische Hilfe" kündigte Johnson die Ankunft einer nordamerikanifchen technischen Kommission in Indien an, welche die Aufgabe haben soll, „den Einsatz der nordamerikanischen Möglichkeit bei dem gegenwärtigen Problem zu prüfen,. Einzelheiten zu sammeln, Erkundungen anzustellen und Empfehlungen zu geben". — Johnson wird sich mit dem Sammeln dieser Einzelheiten beeilen müssen, denn bei dem Tempo, welches die japanische Wehrmacht in den letzten 120 Tagen angeschlagen hat, ist zu befürchten, daß sie dem 'USA.-Schreibtisch-Stra- tegen nicht mehr allzu viel Zeit zum Anstellen von Erkundungen lassen wird. Wavell an die Inder. Bon unserer Berliner Schriftleitunq. Kalkutta und Madras, industrielle Millionen- ftcäte an dem großen Golf von Bengalen, haben sich rasch entvölkert. Selbst auf das toeit entfernte Bombay hat das Fieber der Panik übergegriffen. In Indien entwickeln sich Zustände, wie in Belgien unb Frankreich während der Westoffensive 1940: Eine Völkerwanderung setzt ein. General W a - pell, der Oberkommandierende von Indien, hat durch den Rundfunk vor jeder Panik gewarnt. Es war eine qualvolle Rede, weil er die Katastrophen Großbritanniens in Dftaften nicht verschweigen konnte und zugleich zur Ruhe mahnen mußte. Ein Beispiel statt vieler für diese Verlegenheit: ,An dieser Stelle möchte ich mich nicht mit den Fehlern der Vorbereitung und Ausbildung befassen, durch die die Empire-Truppen auf diesen Kriegsschauplätzen derartig benachteiligt waren. Man hat sich d'ese Lehren zu Herzen genommen und, wie ich hoffe, werden sie nicht wiederholt werden." In seinem Bestreben nach Schönmalerei sagte er, daß Singapur gegen die japanischen Luftangriffe „trotz unzulänglicher Verteidigung" nur wenig Narben und nur wenig Verluste an Soldaten und Zivilsten hatte: warum hißte es dann die weiße Fahne? Wavell sagte auch, daß dasselbe für Rangun gelte; warum haben die Engländer Rangun geräumt? Wavell hat in den letzten 15 Monaten, in denen sein Ruhm als „Napoleon der Wüste" schnell vergessen wurde, sicher mehr Kilometer durchflogen als der Erdumfang beträgt; vielleicht ist er nach der Art mancher Fliegerpiloten zum Kilometer-Millionär geworden. Das ist auch ein Ruhm. Darum sind ihm die schmückenden Beinamen „Wandergeneral" oder „Zugvogel-Generalissimus" an den Kopf geflogen. Unmittelbar nach der Wavell-Rede teilte Radio Delhi mit, daß sich bereits amerl konische T r u p p en in Indien befinden und weitere amerikanische Truppentransporte erwartet werden. Die Gleichzeitigkeit dieser Meldungen mit der Rede Wo- vells ist kein Zufall. Wavell hatte wohl das Gefühl, daß seine Mahnung zur Ruhe allein nicht genügt; er setzte daher die amerikanische Kampferspritze an, aber die Inder können sich an ihren Fingern abzählen, daß diese amerikanischen Verstärkungen ebensoviel wert sind wie die amerikanischen „frei- w'ttigen" Piloten in Burma, von denen ein großes Wesen gemacht wird, um jetzt zu versichern, daß der britisch-chinesische Rückzug in Burma zum Hauptgrund ... das Fehlen einer Luftmacht hat. Cripps tröstet sich. „Ermutigender, als wenn überhaupt nichts geschehen wäre." Stockholm, 22. April. (DNB.) Cripps hat sich am Mittwoch der verständlicherweise sehr neugierigen englischen Presse gestellt. Er behauptete, das indische Volk habe einen starken Eindruck von der Aufrichtigkeit der britischen Regierung erhalten. Dabei dürfte es weit mehr die schwierige Lage Englands gewesen sein, die die führenden Männer Indiens in ihrem Entschluß bestärkte, die ausschließlich unter dem Druck der Verhältnisse gemachten Versprechungen Churchills abzulehnen. Daß Cripps von dieser Tatsache ebenfalls durchaus überzeugt ist, geht aus feinem Eingeständnis hervor, daß j>s „in mancher Hinsicht ein nicht sehr günftiger Augenblick für eine Regelung war". Es fei nicht leicht gewesen, plötzlich die ganze Atmosphäre, die in hohem Maße von Mißtrauen erfüllt gewesen sei, in eine Atmosphäre vollständigen Vertrauens umzuwandeln, wie dies erforderlich fei, wenn man eine Zusammenarbeit zwischen zwei verschiedenen Völkern in sehr verschiedener Lage herbeiführen wolle. Trotzdem kam Cripps zu dem trostreichen Schluß: „Soweit ich betroffen bin, ist das Bild daher fein düsteres Bild. Es ist ein ermutigendes Bild, zwar nicht so ermutigend als es hätte sein können, aber ermutigender, als wenn überhaupt nichts geschehen wäre." Der Dank des Führers. DNB. AusdemFührerhauptquarlier, 22. April. Der Führer gibt bekannt: Zum 20. April find mir auch in diesem Jahre aus allen Gauen des Reiches und aus dem Auslande Glückwünsche in so großer Zahl zugegangen, daß ich auf diesem Wege allen, die meiner gedacht haben, den aufrichtigen Dank ausspreche. Adolf Hitler. * NSG. Der Führer sandte dem Gauleiter auf die Geburtstagsglückwünsche des Gaues Hessen- Nassau folgendes Antwortlelegramm: „Für die guten Wünsche, die Sie mir zugleich im Namen Ihres Gaues zu meinem Geburtstag übermittelt haben, danke ich Ihnen herzlich. Adolf Hitler." Rumänische Frontkämpfer werden Grundbesitzer in Bessarabien B u k a r e ft, 22. April. (Europapreß.) Als Dank für ihre Tapferkeit sollen die im Krieg gegen den Bolschewismus ausgezeichneten rumänischen Soldaten sowie ihre Nachkommen Grundbesitzer in Bessarabien und in dem Buchenland werden. Ohne die Rechte der übrigen in diesen Provinzen lebenden Rumänen anzutasten, wird der Staat herrenlos gewordenen Bodenbesitz für die Frontkämpfer zur Verfügung stellen. Die deutsche Gegenblockade. Von unserer Berliner Schriftleitunq. Die deutschen U-Boot-Erfolge, die den Engländern und den Amerikanern schwer zu schaffen machen, lösen in London und Washington Erkenntnisse aus, die für die Lage bemerkenswert sind. So hat dieser Tage Lord Marchwood in der neuen britischen Zeitschrift „Victory" in einem an die Oeffentlichkeit Großbritanniens gerichteten Appell, der britischen Handelsmarine zu Helsen, die Feststellung gemacht, daß „die Deutschen ihre Waffen seit dem Weltkriege verbessert und tödlicher gestaltet" hätten und daß „Deutschland es in diesem Kriege verstanden habe, sich nicht nur für Voraussetzungen für eine Gegenblockade zu schaffen, sondern diese auch wirksam in die Tat umzusetzen". „Unglücklicherweise ist" — betont der Lord weiter — i e deutsche Gegenblockade schließlich sehr erfolgreich und verhindert Kriegsmaterial und wertvolle Lebensmittelsendungen aus Ueberfee daran, die britische Inselwelt zu erreichen." Diese Eingeständnisse sind die beste Anerkennung für die Leistungen der deutschen U-Bootwaffe. Wir wissen, daß es den Engländern sehr schwer fällt, sich solche Zugeständnisse abzuringen. Sie wiegen daher nicht weniger schwer als die praktischen Folgerungen, die England und Amerika aus den ungeheuren Versenkungen von Handelsschiffen durch die deutschen U-Boote ziehen müssen. Diese Konsequenzen sind bitter und erregen bereits erhebliche Mißstimmung. So mußte beispielsweise der Kommentator Robert Johnston im Londoner Nachrichtendienst zugeben, daß „im Unterhaus eine kritische, wenn nicht sogar feindliche Stimmung geherrscht habe, als die Regierung ihren neuen Plan zur weiteren Einschränkung von Lebensrnitteln bekanntgab", und daß „die Stimmung im Unterhaus derartig gewesen wäre, daß die Regierung diesen Plan wohl werde abschwächen müssen." Die Engländer haben frühA: nie daran gedacht, daß sie auch zu Rationierungen greifen müßten. Die Taten unserer U-Boote haben es zuwege gebracht, daß auch sie nun sich der gleichen Mittel bedienen' müssen, über die sie sich lustig gemacht haben, als Deutschland sie einführte. Der Arbeitseinsatz in -er Landwirtschast. Von Reichshanptamtsleiler R. Peuckert, Beauftragter für Landwirtschaft und Kriegsernährungswirtschaft beim Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz. (Einen Aufsatz des Reichshauplamlsletters R. Peuckert in der NSS. über die Maßnahmen zur Sicherung der Frühjahrsbestellung entnehmen wir die folgenden Ausführungen. Im Gegensatz zu England, das seine unterworfenen Völker für sich kämpfen läßt und nicht zuletzt daran den Krieg verlieren wird, führt Deutschland den Kampf mit den Söhnen seines eigenen Volkes im Geiste der Ideale, die ihm durch den Nationalsozialismus als völkischen Lebens- und Ordnungswillen wiedergeboren wurden. Um so mehr müssen aber jene Länder, die sich an der Anzettelung dieses Krieges mitschuldig gemacht haben und heute von Deutschland besetzt sind, für den Arbeitseinsatz zur Steigerung der deutschen Produktionskraft in jeder nur möglichen Weise mit herangezogen werden. Anderseits muß selbstverständlich auch im Innern Deutschlands durch Mobilisierung der letzten Reserven der deutschen Arbeitskräfte für eine Leistungssteigerung gearbeitet werden, die nur in der Wahrung und Sicherung' dcr biologischen Volkskraft ihre natürlichen Grenzen findet. Im Sinne höchster Menschenökonomie sind die wertvollsten Arbeitskräfte unseres Volkes in entsprechenden kriegsentscheidenden. Aufgaben zum Einsatz zu bringen und jegliche Art des Leerlaufs uonx Arbeitskräften zu vermeiden. Das find die Gedankengänge, aus denen heraus die Beauftragung des Gauleiters Sauckel als Generalbevollmächtigten für dett Arbeitseinsatz im Rahmen des Vierjahresplanes durch den Führer entstanden ist. Gemäß seiner grundsätzlichen Einstellung zum Bauerntum hat Gauleiter Sauckel erklärt, daß er neben den ihm vom Führer übertragenen Rüstungsaufgaben in der Sicherung der Frühjahrsbestellung und Bergung der kommenden Ernte eine feiner vordringlichsten Aufgaben erblickt. Zur Schließung der größten Lucken hat Gauleiter Sauckel die beschleunigte und verstärkte Verwendung sowjetischer Kriegsgefangener und Zivilarbeiter auch in der Landwirtschaft angeordnet. Die Heranführung dieser Kräfte ist jedoch mit vielen Schwierigkeiten verbunden. Sie bestehen vor allem in der Weite und Unwegsamkeit der Räume und in der großen Beanspruchung der Reichsbahn mit noch vordringlicheren Aufgaben der Kriegführung. Es darf jedoch damit gerechnet werden, daß bis zum Beginn der Ernte bereits große Kontingente sowjetischer Arbeitskräfte in der Landwirtschaft zur Verfügung stehen. Es kann ober nicht verantwortet werden, die ordnungsgemäße Durchführung der landwirtschaftlichen Bestellungs- und Pflegearbeiten und damit den Ertrag der Ernte 1942 und die Lebensmittelversorgung des kommenden Jahres mit dem Wagnis der fristgerechten Heranführung aus- löndifcher Arbeitskräfte zu belasten. Das bedeutet, daß für die landwirtschaftliche Arbeit trotz der vorgenannten Maßnahmen alle nur irgendwie noch verfügbaren Kräfte herangeholt werden müssen, um die Intensität der gesamten landwirtschaftlichen Arbeitsleistung noch zu steigern. Ueber bas Maß ihrer Kräfte hinaus arbeiten heute auf dem Lande vor allem die Bäuerin- n e n. Es darf keine Arbeitskraft, die dem Bauern wertvolle Hilfe geben kann, weiter brach liegen bleiben, denn niemand hat das Recht, im entscheidenden Jahr des totalen Krieges abseits des Kampfes um unser aller Lebensgrundlage zu stehen. Auf welchem Wege dieser lückenlose Einsatz des ganzen Dolles für die Landwirtschaft herheigeführL werden kann, hat der Erlaß des Reichsmarschalls über den Einsa tz zusätzlicher Arbeitskräfte für die Ernäherungssicherung im einzelnen dargelegt. Er läuft bereits und bringt, wo er richtige Anwendung findet, eine fühlbare Entlastung des Landvolkes, indem er vor allem durch Heranziehung der landarbeitgewohnten Frauen und Mädchen auf dem Lande und in den nahen Landstädten noch einsatzfähige heimische Arbeitsreserven für die Landwirtschaft erschließt. Darüber hinaus können auf dem Wege des freiwilligen Einsatzes auch landarbeitungewohnte Frauen bei gutem Willen leichte Arbeiten im bäuerlichen Haushalt übernehmen, die Kinder betreuen, im Garten nach dem Rechten sehen, frei einfachen Arbeiten auf dem Felde mithelfen und dadurch der in einem unerträglichen Maß mit Arbeit überlasteten Bäuerin viel Sorgen abnehmen. Gauleiter Sauckel hat inzwischen auch den Einsatz der Zug end verfügt. Der Einsatz erfolgt dem Alter entsprechend auswärts oder örtlich, lang- ober kurzfristig, lieber ben Zeitpunkt ber Schließung ber Schulklassen entscheiben bie Gauleiter. In Fällen besonderer Witterungsverhältnisse und in den Gebieten, bie hart von Auswinterungsschäben betroffen finb, kann der Jugendeinfatz sofort wirksam werden, wenn es die (Bauleiter für notroenbig erachten. Eine beacht- liche Kraftreserve liegt aber nach wie vor in ber verstärkten Aktivierung ber Gemeinschaftshilfe. Durch einen planvollen Einsatz der vorhandenen Pferde und Maschinen wie der sonstigen Produktionsmittel muß — selbstverständlich unter Wahrung ber Grenzen bäuerlich gebundenen (Eigen- besitzes — eine Arbeitserleichterung unb Lastenverteilung erstrebt werden, die jedem zugute kommt. Ebenso ist bet den Bestellungsarbeiten und ber Bergung der Ernte gegenseitige Hilfe zu leisten. Es barf kein Morgen Ack er 1 and brach liegen bleiben, weil dem Eigentümer die Arbeitskräfte für die Bestellung fehlen. Alle Betriebe muffen durchgehalten werden. Wo der Betriebsführer fehlt, ist einzuspringen. Das ist kameradschaftliche Pflicht gegenüber den im Felde stehenden Männern! Das Landvolk wird jede Hilfe dankbar hinnehmen. Es wird sich dabei auch bewußt fein, baß 'es von den 'zum Einsatz kommenden nichtlandwirtschaftlichen Kräften keine Leistungen verlangen kann, wie es sie von erfahrenen Landarbeitern oder Familienangehörigen gewohnt ist. So wie es für bas Lanbvolk ganz selbstverständlich ist, den Helfern und Helferinnen eine kameradschaftliche Behandlung zuteil werden zu lassen, wird es auch für alle einen Arbeitsplatz finden, der dem Leistungsvermögen nach Alter und körperlicher Fähigkeit entspricht. Der Bauernhof bietet dafür Arbeitsmöglichkeiten genug. Schließlich muß aber auch an alle Organisationen der Appell gerichtet werden, ihre ganze Kraft für die Förderung des Arbeitseinsatzes in der Lanüwirt- sck>aft einzusetzen. Wer in den kommenden Monaten auf dem Lande mithilft, muß sich bewußt fein, daß er nicht dein einzelnen Bauern hilft, sondern einen Beitrag zur Sicherung der Ernährung und damit zur siegreichen Beendigung bes Krieges leistet. Je zweckmäßiger sich der Arbeitseinsatz dem organischen Arbeitsablauf in ber Landwirtschaft anpaßt, desto größer wird der Erfolg fein. Eine soziale Ordnung, wie sie sich auf Grund der Arbeitsteilung des letzten Jahrhunderts in den Fabriken unb Städten entwickelt hot, kann auf die Landwirtschaft schon tm Frieden nicht übertragen werden und ist im Krieg auf dem Lande ganz unmöglich. Solange der Bauer mit den Einflüssen der Witterung usw. zu rechne« hat tinb früh und abends, am Sonntag wie am Werktag, das Vieh füttern muß, das dem Menschen in der Stadt Fleisch und Fett geben soll, kann man den auf dem Lande arbeitenden Menschen nicht aus dieser natürlichen Ordnung herauslösen. Aus der straffen Zusammenfassung des gesamten Arbeitseinsatzes und der klaren Aufgabenstellung an die beteiligten Dienststellen, die ihren Impuls durch die NSDAP, erhalten, schöpfen wir die begründete Hoffnung, daß die Frsthjahrsbestellung und die darauf folgenden Hack- und Pflegearbeiten gesichert werden. Was möglich ist, wird geschehen, Was. bedingt durch die Besonderheiten des $trieges_ und nicht vorauszuseherrde Kriegsereignisse, nicht möglich sein wird, werden wir zu gegebener Zeit immer offen aussprechen. Hier müssen dann die Organisa- tionskrast im Gau selbst, die Einsatzbereitschaft und das Verantwortungsbewußtsein jedes Einzelbeteiligten die Lage meistern. Italienische Kriegsopferführer in Frankfurt. NSG. Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger empfing im Beisein des Reichskriegsopserfüh- rers SA.-Obergruppenführer Oberlindober die in Frankfurt eingetroffene Abordnung italie- nischerKriegsopserführer unter Führung des Präsidenten des italienischen Reichsausschusses für Kriegsopfer, Nationalrat Feliciano L e p o r e. Der Gauleiter gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß das alte kameradschaftliche Verhältnis Hessen- Nassaus zu dem faschistischen Italien durch den Besuch italienischer Kriegsversehrter eine weitere Festigung erhalte. Nationalrat Lepore antwortete, daß das faschistische Italien alles einsetzen werde, um den Endsieg über die Misch-plutokratrsche Welt zu erringen. Dann fand im Saalbau eine gemeinsame Ku-ndgebung statt, die der Leiter des Gauamtes für Kriegsopfer, Gauamtsleiter Dippel, eröffnete. Nationalrat Lepore wies darauf hin, daß Großbritannien, gestützt auf feine beiden Grundpfeiler, Freirnaurertum und liberalistifches Judentum, es von jeher lediglich auf die Verteidigung seiner eigenen egoistischen Interessen Abgesehen hatte. Aber der Augenblick, wo die Völker des Kontinents aufhören, der ständigen englischen Bedrohung ausgesetzt zu sein, sei nun gekommen. Immer mehr entgleite das Mittelmeer dem englischen Machfitreben, der Tag, an dem es endlich denen gehöre, die einen völkischen und historischen Anspruch daraus erheben, sei nicht mehr fern. Unter dem Genie Adolf Hitlers und Benito Mussolinis werde in Europe eine Kultur aufblühen, die einen Frühling der neuen Völker für. alle Zukunft sichern werde. Reichskriegsopferfuhrer O b e.r l i n d o b e r . erinnerte an das Wort des Duce: „Die Freundschaft unter Soldaten ist das stärkste B-nd, das zwei Völker verbinden kann,» weil Soldaten stets uneigennützig sind, und immer für eine Idee kämpfen." „Diesmal", so betonte der Reichskriegsopferführer, ..werden wir nicht in der letzten Viertelstunde die Nerven verlieren. Denn diesmal wird dem Kameraden an der Front die Idee des Nationalsozialismus ein starker moralischer Rückhalt sein. Er wird das gute Gewissen der Nation fein, das dem Kämpfenden immer wieder Kraft, Mut und Glauben schenkt." —1 Am Nachmittag wurden die Gäste im Römer namens der Stadtverwaltung willkommen geheißen. Sie setzten dann ihre Reise nach Kassel fort. Der „Tag der Wehrmacht". Nach den nunmchr vorliegenden Meldungen der Front/ der besetzten Gebiete und der Heimat hat das Sammelergebnis zum Kriegswinterhilfswerk am „Tage der Wehrmacht" gegenüber dem vor einigen Tagen bereits veröffentlichten Teilergebnis von 47 377 935,27 RM. noch eine e r h e b l'i ch e S teige r u n g erfahren. Insgesamt wurden an diesem Tage 56'872 673,59 RM. gespendet. Im Jahre 1941 schloß der „Tag der Wehrmacht" mit einem Gesamtergebnis von 30 258 490,59 RM. ab. Die Mehrein- nnhme beträgt also in diesem Jahre 26 614 283,— RM. Das Feldheer, das im abgelaufenen Winter unter größten körperlichen Anstrengungen fast ununterbrochen in schwerem Kampfe stand, hat für dar Kriegs-WHW. 1941/42 mehr als 28 Millionen RM. und außerdem für den „Tag der Wehrmacht" 3,64 Millionen RM., zusammen also31,65 Millionen RM. gesammelt. Diese Summe setzt sich ausschließlich zusammen aus Spenden vom Wehrsold. Abzüge von Gehalt und Kriegs- befoldung sind nicht darin enthalten. Kleine politische Nachrichten. Beim Reichsstatthalter in Hessen wurde ein Woh- nungs- und Siedlungsamt errichtet mit dem Dienstfitz in Frankfurt. Es untersteht unmittelbar dem Gauleiter als Gauwohnungskommissar und dem Reichsstatthalter als Führer der hessischen Landes- Warnung aus Stendal Roman von A. Lothar Philipp 12. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) „Was sind wir dagegen für ärmliche Burschen", sagte jetzt Welt, „wir sind froh, wenn wir einmal als erste Nummer der Spielfolge im Eispalast auftreten und sie macht einfad) im September noch Ferien. Wir haben alle Achtung vor uns, daß wir feit einem Monat aus unseren Schulden heraus sind, und sie hat eine Villa im Salzkammergut —" Willis dachte daran, daß jetzt die Eifersüchteleien zwischen den beiden wieder angehen würden. Wieder würde er Elisabeth gegenüberstehen und es sich versagen müssen, zu ihr so zu sprechen, wie er zu ihr sprechen möchte, seiner Kameraden roegen. Wieder würde er beiseitestehen müssen und schließlich gezwungen fein, abermals sie zu bitten, sich zu entfernen, um nicht die Existenz ihrer Truppe zu gefährden. Er seufzte. „Sie ist wie Lano4", sagte er, „mehr Künstlerin als Artistin, aber doch auch als Artistin eine erste Nummer, ein Star. Und was sind dagegen wir? Lückenbüßer, Jahrmarktsartisten — pfui Teufel, mich widert es an — alles —" „Also saure Linsen mit Speck", bestellte Petersen bei dem Kellner, „und dazu eine kühle Molle —" „Dreimal saure Linsen?" „Natürlich, dreimal —" wiederholte Petersen, „heute Halle ich euch alle frei — das heißt, Welt, kannst du mir fünf Mark pumpen?" „Wir werden für uns selber bezahlen", brummte Welt, „dabei kommen wir billiger weg." " „Sei doch nicht so unkameradschaftlich!" „Ich kriege noch dreißig Mark von dir —" „Die kriegst du, wenn ich erst Elisabeth geheiratet habe", lachte der Kleine, „wo die große Villa ist, wird wohl noch mehr sein, nm meine Trotz Regen und Berlin, 22.2lpril. (DNB.) Im Nordabschnitt der Ostfront wurden trotz schwierigsten Geländes, das sich durch Regen und Schneeschmelze über weite Strecken in grundlosen Morast verwandelt hat, in harten Kämpfen starke feindliche Stellunaen, die durch Ausnutzung natürlicher Hindernisse vom Gegner leicht zu verteidigen waren, genommen, und der Vorstoß trotz aller Hemmnisse durch das verschlammte Kampfgelände meiter vorgetragen. An der Einfchließungsfront von Leningrad versuchte der Feind mehrere Male mit stärkeren Kräften vorzustoßen, aber alle Angriffe brachen unter hohen Verlusten für den Gegner zusammen. An der Swir-Front zwischen Ladoga- und Onegasee hat es zu regnen begonnen, so daß der aufgeweichte Boden keine größeren Kampfhandlungen' erlaubte. Kleinere feindliche Gruppen konnten eingekessell und vernichtet werden. Auch in Lapp land wurden feindliche Vorstöße von deutschen Gebirgsjägern zerschlagen. Finnische Truppen haben auf der Aunus- Landenge in zweiwöchigen harten Kämpfen wiederholte Durchbruchsversuche, bei denen der Feind sechs Divisionen, vier Brigaden, ein Panzer-Regiment und mehrere Schneeschuhabteilungen eingesetzt hatte, zurückgewiesen. Am mittleren Teil der Front drangen starke feindliche Kräfte durch die Einöde zwischen den finnischen Befestigungen, wurden aber eingeschlossen und in heftigen Gegenstößen geschlagen. Der Rest von etwa IV2 Regimentern wurde vernichtet. Die Operationen wurden in einer schwer passierbaren Gegend bei schlechten Wegeverhaltnissen Lurchgeführt und erforderten von der kämpfenden Truppe und vom Nachschub harte Anstrengungen. Der Feind mußte diese erfolglosen Angriffe mit großen Verlusten bezahlen. Allein an _ Gefallenen wurden gegen 14 000 Mann gezählt. Die Zahl der eigenen Gefallenen betrug 440. Das Ritt-rkreuz. Berlin, 22. April. (DNB.) Der Führer verlieh das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Oberstleutnant Seitz, Kommandeur einer Aufklärungsabteilung, Hauptmann Weiß, Bataillonskommandeur in einem Infanterieregiment, und Gefreiten Hans Krohn, Richtschütze in einer Panzerjägerkompanie. — Oberstleutnant Seitz hat im Raum nördlich des Ilmensees in wochenlagen harten Abwehrkämpfen die durch schwerste Artillerie unb Schlachtflieger unterstützten Angriffe des Feindes ab gemieden. — Hauptmann Weiß hat mehrere An-1 regierung. Der Leiter wird auf Vorschlag des Gau- wohnungskommisfars vom Reichsminifter des Innern im Benehmen mit dem Reichskommissar für den sozialen Wohnungsbau bestellt. * Der Führer hat dem finnischen Staatspräsidenten Risto R y t i das Goldene Großkreuz des Deutschen Adlerordens und dem Ministerpräsidenten Ran - dell das Großkreuz des Deutschen Adlerordens verliehen. * Der Oberbefehlshaber der finnischen Wehrmacht, Feldmarschall Mannerheim, hat dem Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, Generalfeldmarschall Keitel, das Großkreuz des Freiheitskreuzes verliehen. * Einer Meldung der schwedischen Zeitung „Sagens Nyheter" zufolge sah sich die Leitung der Metropolitan-Oper in Neuyork gezwungen, die sofortige Einstellung der Tättgkeit der Oper zu beschließen. Die Mettopolitan-Opera wurde zu diesem drastischen Beschluß durch Geldmangel bewogen. Sie wurde von Privatpersonen finanziert, die sich in den Zeiten der Prosperität ihre Stammlogen etwas kosten ließen. Oie Lenkung des Fremdenverkehrs. Zur Lenkung des Fremdenverkehrs im Kriege hak Staatssekretär Esser eine weitere Anordnung erlassen. Die Fremdenverkehrsorte sind in erster Linie für. die Erholung der Fronturlauber beftimmt, ferner für jene, die kriegswichtige Arbeit leisten — insbesondere für Angehörige der Rüstungsbetriebe und diejenigen, deren Tätigkeit für die siegreiche Beendigung des Krieges und für den Fortgang des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens während des Krieges wichtig ist, für Schwerkriegsbeschädigte und Kriegerhinterbliebene. Die zum Haushalt zählenden tyib gemeinschaftlich mit dem bevorrechtigten Urlauber reisenden Angehörigen sind ihm gleichgestellt. Der Nachweis wird durch Urlaubscheine der Wehrmacht, der Betriebe und Behörden erbracht. Aerzt- liche Zeugnisse sind nicht mehr vorgesehen. Nicht bevorrechtigte Personen dürfen von den Wohnungsgebern keinesfalls früher als 14 Tage vor Aufenthaltsbeginn als Mieter angenommen werden. Die Schulden zu bezahlen — da kommt sie — hallo — hallo ", er war aufgesprungen und zur Tür gerannt. „Wenn er erst Elisabeth geheiratet hat!" wiederholte Welt wütend. „Ehe ich zugebe, daß das, Mädchen diesen Windhund heiratet, werde ich —" er sprang mit rotem Kopf ebenfalls auf und ging Elisabeth entgegen, die, Petersen an ihrer Seite, zu ihrem Tisch zuschritt. Willis sah, wie Welt ihr mehrmals die Hand schüttelte und wie sie mit ihrem einfach freundlichen Lächeln ihn begrüßte. Dann suchte ihr Blick ihn. Er stand auf. „Da sind wir", sagte er einfach und drückte ihre Hand, „immer noch klein und unbedeutend wie damals, als wir uns in London trafen. Sie sehen, wie mir alle uns freuen. Sie hier getroffen zu haben, Elisabeth. Bitte, setzen Sie sich zu uns —" „Natürlich", rief Petersen, „sie ißt mit uns saure Linsen mit Speck, Herr Ober, noch einmal saure Linsen, also viermal im ganzen, und noch ’ne Molle dazu, jawohl." „Ich bin auf einen so stürmischen Empfang nicht vorbereitet", sagte Elisabeth Perling in ihrer weichen Stimme, „aber ich freue mich doch, als ich im Programm las, daß ihr hier seid. Ich habe mir sogar eure Nummer angesehen —" „Nun? Wie ist Ihr Urteil? Sie wissen dock), daß Sie uns stets die Wahrheit sagen können, Elisabeth", fragte Willis. Sie lehnte fick) in ihrem Stuhl zurück und vermied es, chn anzufehen. „Das ist schwer zu sagen, man müßte es fühlen. Im Empfinden besteht zwischen Mann und Frau ein großer Unterschied. Frauen haben selten die Gabe, Musik zu schaffen, aber sie empfinden sie stärker als Männer. Deshalb habe ich euren Austritt musikalisch gefühlt. Ich bin ein wenig musikalisch veranlagt, meine Mutter war Sängerin und Tänzerin. Euer Auftritt ist Musik. Das ist das Wunderbare an ihm. Aber gerade für die Viervierteltakte, die ihr euch gewsihlt habt, braucht ihr die weichen Gchneeschmelze. griffe zahlenmäßig weit überlegener Kräfte gleichzeitig frontal und im Rücken der deutschen Stellungen südostwärts des Ilmensees abgewehrt. — Dem Gefreiten Krohn ist es zu verdanken, daß ein mit starken Jnfanteriekräften und 31 Panzern geführter feindlicher Durchbruchsverfuch an der Wolchow-Front zum Scheitern gebracht wurde. Krohn schoß mit seiner Pak sechs Panzer ab und zwang die übrigen zum Abdrehen. Oer Wehrmachiberichi. DRV. Aus dem Führerhauptquartier. 22. April. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: 3m Donezgebiet nahmen deutsch-rumänische Truppen bei erfolgreichen Stoßtruppuuternehmun- gen einige stark ausgebaute und verminte Stützpunkte des Feindes und brachten eine Anzahl von (befangenen ein. 3tn mittleren und nördlichen Abschnitt der Ostfront wurden mehrere örtliche Angriffe des Feindes abgewiesen. Bei einem eigenen Angriff durchbrachen Verbände des Heeres und der 2Baffen-ff zäh verteidigte feindliche Daldstel- langen, machten eine größere Anzahl (befangene und erbeuteten 13 Geschütze. Lamps- und Sturzkampfsliegerverbände griffen Eisenbahnanlagen hinter der feindlichen Front an. Drei Vlunitionszüge flogen nach Bombentreffern in die Luft. Zahlreiche Bahnstrecken wurden unterbrochen und umfangreiches rollendes material zerstört. In Nordafrika keine größeren Lampfhand- langen. In den militärischen Anlagen von La Valetta und auf den Flugplätzen der Insel Malta wurden durch rollende Luftangriffe erneute schwere Zer- störungen angerichtet. Der Feind verlor durch Zerstörung am Boden und In Luftkänpfen über der Insel sieben Flugzeuge. Vor der englischen Südküsie versenkten leichte Lampsflugzeuge am gestrigen Tage ein feindliches Handelsschiff von 3000 BRT. In der letzten Nacht erzielten Kampfflugzeuge Bombentreffer mit nachfolgender Explosion in einer Sprengstoffabrik I in Südengland. Zusage des Wohnungsgebers muß auf einer offenen Postkarte erfolgen, die frühestens 14 Tage vor Aufenthalt^beginn zur Post gegeben werden darf. Bäder und heilklimatische Kurorte haben vor allem den kurbedürftigen Kranken zu dienen. Hier ist das ärztliche Zeugnis als Nachweis der Kurbedürftigkeit geblieben. Die B eh erber gungsdauer in Fremdenverkehrsgemeinden wird innerhalb eines Jahres auf insgefamtbrei Wochen begrenzt. Ein längerer Aufenthalt ist nur zulässig zür Durchführung einer Kur. Zeit und Dauer der Beherbergung in einer Fremdenverkehrsgemeinde werden in die 3. Reichskleiderkarte des Gastes eingetragen. Von den Bestimmungen dieser Anordnung sind ausgenommen: Personen, die sich nachweislich aus beruflichen Gründen vorübergehend aufhalten, Erwachsene und Kinder, die mit amtlicher Förderung verschickt werden, Bombengeschädigte, Mütter mit Kindern bis zu drei Jahren und alte gebrechliche Personen aus Gebieten, auf die sick die erweiterte Kinderlandoerschickung erstreckt. Die Anordnung tritt am 1. Mai in Kraft. Kunst und Wissenfchast. Luise Decker-Lindt nach Frankfurt verpflichtet. Luise Decker-Lind vom Deutschen Natwnal- tbeater in Osnabrück,,dem Gießener Publikum durch ihre ftühere Tätigkeit am Gießener Stadttheater bekannt, wurde für die kommende Spielzeit vom Generalintendanten Hans Meißner an die Städtischen Bühnen in Frankfurt a. M. verpflichtet. Regelmäßige Opernaufführungen in Offenbach. Im neuen Stadttheater Offenbach werden die Künstler des Hanauer Stadttheaters vom Mai ab wöchentlich zweimal Opern- und Operettenaufführungen veranstalten. Jährlich sollen rund 90 .Vorstellungen in Offenbach gegeben werden. Dafür gibt die Stadt Offenbach dem Hanauer Theater einen festen Zuschuß. „Der Lerzlmacher von St. Stefan" als Operette. Am Mellinith enter in Hannover und in Wien errang die neue Operette „Der ReiterderKai- f e r i n" von August Pepörk einen febr starken Erfolg. Dem Libretto von Robert Nästelberger liegt der Roman ,,Der Kerzlmacher von St. Bewegungen und das Empfinden einer Frau. Ihr müßtet eine oder zwei Frauen in eurer Nummer haben, das ist es. Ich sprach auch mit dem Direktor über euch. Ihr werdet euch wundern, er ist der gleichen Ansicht. Er spricht sehr gut von euch, aber er sagt auch: der Auftritt ist nur etwas für Musikkenner und Musikempfindende, für die große Masse wird das Musikalische eures Austritts nur durch weibliche Partner unterstrichen." Welt sah überrascht auf Willis. , „Donnerwetter", rief er, „dasselbe vermutete Willis, als er uns sagte, daß der Direktor ihn morgen sprechen will. Ihr habt beide die gleichen Gedanken. Ich wäre nicht darauf gekommen —" Elisabeth blickte mit einem leisen Lächeln zu Wil- lis. Dann nickte sie, als wollte sie bestätigen, daß es selbstverständlich sei, daß sie beide die gleichen Gedanken hätten. „Nun, da nehmen wir oben die Norodna wieder auf", warf Petersen 'ein. Der Kellner brachte die bestellten Speisen, und Petersen kümmerte sich plötzlich weder um die Unterhaltung, noch um Elisabeth, sondern zerschnitt sich den Speck und löffelte die Linsen. „3rene Norodna?" fragte Elisabeth leise, „ist — war sie nicht die Partnerin von Joseph Lanos? Wenn er sie so ausgebildet hat wie mich, dann wird das für euch sehr vorteilhaft sein —" „Wie?" rief Welt, „der Lanos, der wegen Mordes gesucht wird, hat Sie ausgebildet?" Sie legte klirrend den Löffel nieder. Willis sah, daß sie plötzlich ganz bleich geworden war, und ihre Hand zitterte. „Lanos?" flüsterte sie, „mein Lanos — wegen Mordes gesucht? — Das ist doch unmöglich —" Willis hörte nur dieses „mein" Lanos. „Wieso ,Ihr< Lanos?" fragte er ernst, „ist er Ihr Freund?" „Bitte, sagen Sie mir, was Sie von ihm wissen", wich sie der Frage aus, „ich muß es wißen, es ist immöglich, mein Gott, Lanos, der Mensch, dem ich Llnhalibare Zustände in Kuibyschew. Von unserer Berliner Schristleitung. In den letzten Tagen sind einige Reisende in der Türkei eingetroffen, die die Fahrt von Kuibyschew, dem früheren Samara, an der türkischen Grenze in ... 46 Tagen (!) gemacht haben. Sie bezeichnen die Situation in der derzeitigen sowjetischen Regierungshauptstadt Kuibyschew als „unhaltba x“. Seit Wochen wütet in der Stadt eine Fleckty» phusepidemie, die schon Tausende von Todesopfern gefordert hat. Die Bekämpfung der Epidemie scheitert an dem Fehlen jeglicher hygienischer Einrichtung, am Mangel an Äerzten und Pflegepersonal und besonders am Fehlen aller Medikamente. Die städtische Bevölkerung ist ausgehungert. Auf das Land werden Suchkommandos geschickt, die aber meist nichts finden. In der Sowjetunion hat es nie eine Rationierung gegeben. Wohl aber gibt es „Versorgungstabellen", die eine Art Norm aufstellen. An kaum genießbarem Brot stehen in Kuibyschew jedem Einwohner 150 Gramm täglich zu. Fleisch, frisches Gemüse und Milch sind längst vom Speisezettel gestrichen. Darum kommen zum Flecktyphus auch epidemische Darmerkrankungen. Diese Mitteilungen lassen nun auch den Grund erkennen, warum die Sowjetfender feit etwa drei Monaten an die Bevölkerung die dringende Aufforderung richten, die hygienischen ßebensvoraus« setzungen zu beachten. Um den Eifer zu erhöhen, werden die Stadtverwaltungen an den Pranger gestellt, die es an hygienischer Aufmerksamkeit fehlen lassen. Besonders der Stadt-Sowjet von Kasan am großen Wolga-Knie wurde scharf gemaßregelt. Aus japanischen Berichten wissen wir, daß die Jndustrie- beoälkerung von Moskau nach den östtichen Gebieten ausgesiedelt wurde. Dem Moskauer Stadtbild gebe jetzt die Landbevölkerung das Gepräge, worunter die geflüchteten Dauern zu verstehen sind. Man kann es begreifen, daß unter diesen Umständen in Kuibyschew die Diplomaten unter strengster Kontrolle der GPU. Beben und in ihrer Informa- tionsmöglichkeit über die tatsächliche Lage auf die unmittelbarste Anschauung eines sehr beschränkten Lebenskreises Angewiesen sind. Stefan" von Alfons von C z i b u l k a zugrunde. Der Roman erschien, wie sich unsere Leser erinnern werden, vor nicht langer Zeit in den Familienblättern und hat hier allgemeinen Anklang gefunden. Dichter sprechen zur HI. Bei den Salzburger Kulturtagen der Httler-Ju- gend vom 13. bis 17. Mai werden eine Reihe deut« scher Dichter sprechen, so Guido Erwin Kolbenheyer, Agnes Miegel, Inge Teusfenbach, Max Wegner, Paul Alverdes,-Josefa Behrens-Totenohl, Karl Hein« rich Waggerl und Karl Springenschmrd. Eine Ber? anftattung steht unter dem Motto „Dichtung und Jugend", eine weitere „Salzburg in Dichtung, Musik und Tanz" findet in dem stimmungsvollen gro« ßen Hose der Feste Hohensalzburg statt. Geburtstagsgaben für die Diener Philharmoniker. Ein von Karl Böhm geleitetes Konzert der Wiener Philharmoniker brachte die Uraufführung von drei Werken, die von den Komponisten dem Orchester zu feinem 100. Geburtstag gewidmet morgen sind. Ein festlicher Prolog von Henk B a d i n g s zeigte eine an Bruckner gebildete Thematik und bringt im massierten Tonsatz des Blechs wirksame Steigerungen. Alfredo E a s e l l a verarbeitet in einem anziehenden Orchester-Divertimento „Paga- niniana“ verschiedene Themen und Motive des italienischen Geigenvirtuosen. Joseph Marx schließt vier anmutsvolle Sätze zu einem apart archaisierenden Zyklus „Altwiener Serenaden", zusammen, der die köstliche Poesie der klassischen Musikstätten auf originelle Art einfängt. Die Widmungen stellen das Orchester vor virtuose Aufgaben, die in vorbildlicher Weise gelöst wurden. Roland Tenschert. Liederabend Gertrude Pihingers in Florenz. In Florenz fang Gertrude Vitzinger Lieder von Schumann, Brahms, Wolf uno Reger. Dieses im Intimen weit gespannte Programm, das einen glücklichen Querschnitt durch die reiche Ausdruckswelt des deutschen Liedes gewährte, wurde von der stimmbegnadeten Altistin schlechthin vollkommen gestaltet. Die Kunst der Ausformung des melodischen Bogens schuf eine Anschcnllichkeit, die auch die italienischen Hörer zustärkst ergriff und stürmischen Beifall auslöste. Hubert Giesens poetische Begleitung am Flügel gab den schwingenden Grund. Hans Albers als Münchhausen. In diesen Tagen ging in Babelsberg der Ufa- Film „Münchhausen" ins Atelier. Die Spiel« leitung bei diesem dritten deutschen Farbfilm führt Josef von B a k y. Die Hauptrolle, den Freiherr» von Münchhausen, spielt Hans Albers. alles verdanke, was ich bin —", sie griff nach der Zeitung, die ihr Welt reichte. Willis sah, wie sie mit großen, angstvoll auf* gerissenen Augen die Notiz durchlas, dann die Zeitung fallen ließ und ihr Taschentuch zu den Augen führte. Er hörte sie schluchzen. „Elisabeth", sagte er, „was ist denn? Erschüttert Sie das so? Kannte» Sie denn Lanos so nahe und so gut —", er spürte selber einen bitteren Klang in seinen Worten. „Barthold", schluchzte sie, „der beste Freund, den ich hatte, der für mich durchs Feuer ging, der mich stets unterstützte und stets mir zur Seite stand, wenn ich einen Freund brauchte — und — und Lanos, den ich von Kindheit her kenne, der mich erzogen und ausgebildet hat — mein Gott —" „Also Barthold kannten Sie auch?" fragte Wett, „Teufel nochmal, dann kannten sich die beiden wohl auch, dieser Lanos und der Barthold? Lanos muß doch einen Grund gehabt haben, den Barthold zu ermorden —" Sie schüttelte energisch den Kopf. „Er hat ihn nicht ermordet", sagte sie, immer noch schluchzend, „er nicht, er ist dazu nicht fähig, es muß ein furchtbares Geheimnis sein. Der arme Kerl", schluchzte sie wieder, „er war ein guter und braver Mensch, der beste Mensch, den ich je kennengelernt habe —" Sie nahm abetmals die Zeitung zur Hand, wischte sich die Augen und überflog noch einmal die Notiz. „Es ist unmöglich", sagte sie dann etwas ruhiger, „ganz unmöglich —" „können Sie sich denn denken, was Lanos für einen Grund gehabt haben könnte — vielleicht war er auf Barth old wütend —?" Elisabeth schien nachzudenken. „Ja", sagte sie nach einer Weile, „Lanos war auf Barthold wütend, weil — weil —" „Weil?" fragte Willis lauter, als er es beabsichtigt hatte. Sie fuhr beim Klange dieses Wortes auf und warf ihm einen scheuen Blick zu. (Forts. folgt.) „Zwischen Himmel und Erde." Ein Ufa-Iilm im Gloria-Palast. Die Grundlinien der heute wohl schon nicht mehr viel gelesenen, großen Erzählung „Zwischen Himmel und Erde" von Otto Ludwig sind, wie einzelne Namen aus der Novelle — Lonius, Christiane — übernommen wurden oder noch anklingen, in der Fäbel des Films durchschimmernd erkennbar: das Drehbuch von Dr. Harald Braun und Jacob Geis ist keine sklavische Verfilmung des Textes, die sich ohnehin aus mehrfachen Gründep verboten haben würde-, es wurde vielmehr für die Kamera, was bei Ludwig nach epischer Weise breit und in der gehörigen Ordnung dargestellt ist, verkürzt, vereinfacht, versinnlicht und auf die dramatisch-bildhafte Wirkung hin komponiert. So entstand ein bürgerliches Familiendrama zur Zeit des Krieges 1870/71: die Geschichte des Ratsherrn und Dachdeckermeisters Justus Rottwinkel (bei Ludwig ist es der Herr Nettenmair, der „Mann im blauen Rock"), seiner Söhne und seiner Schwiegertochter. Das alte Lud- wigsche Thema von Schuld und Sühne spiegelt sich im Schicksal der Familie und der Firma Justus Rottwinkel. Die Feindschaft der ungleichen Brüder zerstört das Glück der jungen. Christine und bringt das angesehene Haus, in dem der alte Herr patriarchalisch regiert, an den Rand des Zusammenbruches und um die bürgerliche Reputation. Die Schicksalslinien der vier Menschen, der beiden Generationen, überschneiden sich auf eine bestürzende Weise; Haß und Liebe, Verbrechen und Rechtlichkeit sind die großen bewegenden Triebkräfte der Handlung, die in der schwindelnden Höhe des Kirchendaches eine Lösung von tödlicher Endgültigkeit und antikischer Unentrinnbarkeit findet. Dort oben, zwischen Himmel und Erde, zwingt der alte Rottwinkel seinen mißratenen Sohn, sich hmunterzu- stürzen, um mit seinem Tode, einen Unfall vortäuschend, in den Augen der Leute dem Namen und dem Hause Rottwinkel die Ehre wiederzugeben. * Diese Szene, vor dem unendlichen Hintergründe des Himmels aufgebaut und durch die Schläge der Turmuhr, an denen die Sekunden bis zur grausigen Entscheidung abzuzählen sind, in eine sinnlich wahrnehmbare, nsroenfressende Spannung hinaufgesteigert, ist bildhaft und dramaturgisch der Gipfelpunkt der Inszenierung, der ersten selbständigen Arbeit des Spielleiters Dr. Harald Braun; es ist eine respektable Leistung, die nach seinen Worten auf ein „erregendes Kammerspiel mit großen dramatischen, schicksalhaften Momenten" gerichtet war. Der Photograph Robert B ab erste hat, die räumlich-optischen Möglichkeiten der Fabel geschickt und großzügig ausnutzend, die Absichten der Regieführung ausgezeichnet ins Bild umgesetzt. In der Reihe der Darsteller steht Werner Krauß nicht nur aus dem Programm obenan. Sein Justus Rottwinkel ist von der bürgerlichen Sphäre wie von der Charakterstruktur her ein naher Verwandter von Hebbels Meister Anton, ein Repräsentant deutschen Bürgerund Handwerkertumes von patriarchalischer Strenge, preußischer Pflichtauffassung und unerbittlichen Ehrbegriffen (die sich gewiß ebenso aus geschäftliche Korrektheit und städtische Reputation wie aus die sittliche Ordnung menschlicher Gemeinschaft beziehen). Krauß erfaßt die Figur mit nachtwandlerischer Sicherheit in ihrer ganzen knorrig-männlichen Fülle und legt, in manchen Augenblicken erschütternd, das Seelenvild eines Menschen frei, das sich hinter der starren, spröden, wortkargen Erscheinung versteckt und nur zögernd und notgedrungen preisgibt. — Gisela Uhlen spielt die Christine Burger, zart und lieblich, hilflos und unglücklich verstrickt in das Rottwinkelsche Familienschickfal. Zwei junge Darsteller, Wolfgang Lukschy und Martin Urtel, erproben sich als die ungleichen Brüder Mathias und Lonius mit Glück und temperamentvoll kontrastierender Charakterzeichnung zum ersten Male in anspruchsvollen Filmrollen. In kleineren Aufgaben sieht man u. a. Elisabeth Flickenschildt, Paul Henckels, Charlotte Schultz und Gustav Waldau. — Werner Eisbrenner schrieb die Musik. — Der lebendige Bild eindruck wird manchen Besucher anregen, den Film mit der Erzählung zu vergleichen und diese wieder einmal zu lesen oder überhaupt kennenzulernen. Hans Thyriot Aus -er Gtadi Gießen. Sie Irühjahrskur zu Hause. Je mehr der Mensch arbeitet, um so nötiger ist es, daß er mit Beginn des Frühjahrs eine Umstellung seiner winterlichen Lebensweise oornunmt. Dazu ist es nicht nötig, zu verreisen, was ja ohnehin den meisten Menschen aus beruflichen und wirt- schasllichen Gründen — ganz abgesehen von den kriegsbedingten Erschwerungen — nicht ohne werteres möglich ist. Mer auch im Hause kann er eine solche Umstellung vornehmen und ihrer günstigen Wirkung auf den Gesamtorganismus teilhaftig werden. , , L Die erste Regel ist: zeitig schlafen gehen und früh aufstehen, auch wenn es zuerst schwer fällt. Auf nüchternen Magen ein Glas frisches Wasser trinken regt die Blutzirkulation an, die im Winter meist etwas träge geworden ist, spült den Darm durch und regelt die Verdauung. Dann folgen einige Atemzüge am offenen Fenster. Leicht oder gar nicht bekleidet stützt man die Arme in die Hüften und stößt die Luft tief und energisch aus; das Einatmen soll ebenfalls ganz tief geschehen. Dieses innerliche „Luftbad" reinigt den Körper von allerlei Schlacken, und füllt die Lunge mit Sauerstoff. Bewegung in frischer Luft unterstützt diese Gymnastik, und da man früher ausgestanden ist, kann man den Weg zur Arbeitsstätte ganz' oder teilweise zu Fuß machen. Wer sich jedoch danach ermüdet fühlt, unterlasse lieber den morgendlichen Spaziergang und verlege ihn auf die Zeit nach Arbeitsschluß. Da nun die Zeit der vitaminreichen Nahrung, der Gemüse und Salate kommt, hat man in ihr den besten Bundesgenossen zur Auffrischung des Körpers. Sie führen eine Vermehung der roten Blutkörperchen herbei, wodurch der Mensch Kraft und Neroenruhe empfängt, die ihn frischer und leistungsfähiger machen. Zustände der Bleichsucht und Blutarmut, als die berüchtigte „Frühjahrsmüdigkeit" bekannt, rühren oft daher, daß der unvorbereitete Organismus die ersten Sonnentage zwar begrüßt, daß sie ihn aber auch angreifen, weil das Blut zu wenig rote Blutkörperchen produziert. Kräutertees mit blutreinigender Wirkung sind ein gutes Hilfsmittel der häuslichen Frühjahrskur. Neben den Salaten und Gemüsen — man vergesse auch nicht die sog. Wildgemüse, die man auf Spaziergängen selbst sammeln kann — sind aufbauende Speisen wie Hafersuppen, Roggenmehl- und Kartoffelsuppen, die mit Wurzelwerk gut durchgekocht sind, zu empfehlen, ebenso der Weißkäse, den man mit frischen gehackten Grünkräutern aller Art anreiHert. Das spältweise geöffnete Schlafzimmerfenster verhilft zu einem ruhigen, erquickenden Schlaf. Professor Or. med. Schliephake nach Würzburg berufen. Der leitende Arzt der Balserischen Stiftung in Gießen, Professor der Inneren Medizin Dr. Erwin Schliephake, ist mit Wirkung vom 1. April 1942 ab als a. o. Professor und Direktor der Medizinischen Poliklinik der Universität Würzburg dorthin berufen worden und wird diesem Rufe folgen. Professor Dr. Schliephake, ein geborener Gießener, war nach seinem Studium zunächst in Tübingen, Leipzig und Rostock tätig. Hierauf wirkte er acht Jahre lang an der Medizinischen Klinik der Universität Jena. Seit April 1933 steht er als leitender Arzt an der Spitze des bekannten Krankenhauses der Balserischen Stiftung in Gießen, und seinem Wirken in dieser Stellung ist es vor allem .zuzuschreiben, daß dieses Krankenhaus großes Ansehen in breiten Volksschichten erlangte. Gegenwärtig wird Professor Dr. Schliephake, der feit längerer Zeit als Stabsarzt in der Wehrmacht Dienst tut, in der Leitung des Krankenhauses von dem Facharzt der Inneren Medizin Dr. S ch l e i n i n g vertreten, der in dieser Stellung auch nach dem Weggang von Professor Dr. Schliephake verbleiben wird. Das Kriegshilfswerk für das Deutsche Jtofe Kreuz. Aach in diesem Sommer vereinigt sich das deutsche Volk wieder zum Kriegshilfswerk für das Deutsche Rote Kreuz. Die erste Haussammlung findet am kommenden Sonntag statt. Insgesamt sind wieder fünf Haussammlungen vorgesehen, nämlich außerdem am 16. Mai, dem Muttertag, am 7. Juni, am 12. Juli und am 2. August. Ferner sind wieder zwei Straßensammlungen Ende Juni und Ende August angesetzt, bei denen einmal deutsche Stadttore vom Deutschen Roten Kreuz und von der Deutschen Arbeitsfront verkauft werden, beim anderen künstliche Margueriten von Sammlern des Deutschen Roten Kreuzes, der Hitler-Jugend, der NS.-Kriegsopfer- verforgung und des NS.-Reichskriegerbundes. Leistungssingen im Sängergau. LPD. Der Sängergauführer des Sängergaues Hessen-Nassau, Dr. Richard Meißner, ordnete für die zweite Hälfte des Jahres 1942 die Durchführung von Kreis-Loistungssingen an. Nötigenfalls find diese gemeinsam mit einem Nachbarkreis abzuhalten. Mit der Geschichtsschreibung des Sängergaues sind beauftragt: Philipp Conrad-Frankfurt für den früheren Sängergau Nassau und Dr. Schmitt-Bad- Nauheim für den seitherigen Gau Hessen-Darmstadt. Die bevorstehenden Sängerkreistage dienen in erster Linie der Bildung neuer Chorgemeinschaften und der Gruppeneinteilung. Alle Vierteljahr haben die Sängerkreisführer über die Tätigkeit in den Vereinen des Kreises Rechenschaft zu geben. * ** Beförderung. Zum Oberstarzt befördert wurde der Oberfeldarzt Dr. D e i st, der als Dozent für Innere Medizin und interne Wehrmedizin auch dem Lehrkörper unserer Universität angehört. ** Die feierliche Immatrikulation der neuen Studenten findet am kommenden Samstagvormittag in der Aula der Universität statt. ** Theater der Universitätsstadt Gießen. Aus dem Dramaturgischen Büro wird geschrieben: Heute, Donnerstag, 23. April, erwartet die Gießener ein außergewöhnliches Tanzereignis. Die berühmte spanische Tänzerin Manuela del R i o gibt einen eigenen Tanzabend. Zwei Künstler ersten Ranges begleiten Manuela del Rio zum Tanz: Joaquin Roca, Spaniens Meister auf der Gitarre, und Javier Alfonso, ein hervorragender Klaviervirtuose. Der bekannte spanische Tänzer Albano de Zuniga und Mercedes Leon, eine begabte Interpretin der spanischen Tanzkunst, geben Manuela. del Rio die tänzerische Umrahmung. Das Programm will den Zuschauern ein Stück echtes Spanien vermitteln. >** Fritz-Re uter-Abend. Wie bereits mitgeteilt, veranstalten die Volksbildungsstätte Gießen der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude", der Goethe-Bund und die Kulturelle Vereinigung im Rahmen des Gießener Vortragsringes am Freitag, 24. April, in der Aula der Universität einen Fritz- Reuter-Abend, zu dem der bekannte Fritz-Reuter« Sprecher Ernst H a m e i st e r gewonnen wurde. ** Silberne Hochzeit. Am morgigen Freitag, 24. April, können der Studienrat Dr. phil. Georg Walter und Frau Johanna, geb. Müller, Karser- allee 66 wohnhaft, das Fest der silbernen Hochzeit begehen. Dem Jubelpaar bringen auch wir unseren herzlichen Glückwunsch dar. **AusderSicherungsanstaltin Butzbach entsprungen, wo sie in Sicherungsverwahrung untergebracht waren, sind im Laufe der vergangenen Nacht die Gefangenen Paul Mertens und Alfons S a l e w f k i. Mertens, am 5. November 1907 in Baalberge geboren, ist 1,65 Meter groß, hat blaugraue Augen, blonde Haare, eine Narbe an der linken Halsseite und schielt mit dem rechten Auge nach innen; Salewski, am 5.11.1908 in Dirschau geboren, ist 1,68 Meter groß, hat dunkelblondes Haar, blaue Augen und eine Narbe am linken Ringfinger, er spricht deutsch und polnisch. Sobald die Flüchtlinge irgendwo bemerkt werden, sorge man für sofortige Festnahme und benachrichtige die nächste Polizei- oder Gendarmeriedienststelle. Noch einmal gut abgegangen. * Bad-Nauheim, 23. April. Dieser Tage entstand in der Hochwaldstraße ein kleiner Brand, der zum Glück rasch gelöscht werden konnte. Eine Frau hatte auf einer am Waldrand gelegenen Wiese dürres Laub und Gras aufgeiammelt und es auf einem Feldweg zwischen der Wiese und dem Wald zu einem Haufen aufgeschichtet, den sie durch Feuer vernichten wollte. Die Flammen breiteten sich jedoch auf dem im Feldweg liegenden Laub schnell aus und erreichten den Waldrand. Zwei Hitler- jungen, die sofort die Gefahr für den Wald erkannten, griffen in anerkennenswerter Weise entschlossen ein und bekämpften die Flammen durch Niederschlagen mit abgerissenen Baumästen, wodurch es ihnen gelang, den Brand zu ersticken, bevor der Wald Schaden erlitt. Dieser Vorfall, der dank des entschlossenen Eingreifens der beiden Hitlerjungen zum Glück nvch gut ausging, sollte allen eine erneute Mahnung sein, beim Feueranzünden im Freien die größte Vorsicht zu beobachten und in der Nähe des Waldes jedes Feuer zu unterlassen. Landkreis Gießen. A Lollar, 22. April. Arn nächsten Sonntag, 26. April, ab 10 und 14 Uhr, führt die Krieger- karneradschaft Lollar ihr diesjähriges W H W.- Opfer schießen vor der Schule durch. Dazu ist die Bevölkerung eingeladen. Verdunkelungszeit: 23. April von 21.34 bis 5.36 Uhr. Houptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter bei Hauptjchriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und Bilder' Dr. Fr. W. Lange: für das Feuilleton: Dr. Hans Thuriot; für Stadt Gießen, Provinz. Wirtickast und Sport: Ernst 8lum|tf)ctn. Druck und Verlag: Brühls che Universttätsvruckerel R. Lange K. G. Berlagsleiter: Dr.-Zng. Erich Hamann: Anzeigenleiter: Hans Beck. Anzeigenpreisliste Nr. 6. wissen den hohen Wert der Peri-Güteerzeugnisse zu schätzen, deshalb gehen Sie sparsam mit ihnen um, sagt der Landarbeiter Franz K aus Tiefenbach Hast auch Du Deine Eiserne Sparerklärung schon abgegeben ? Meine Frau und meine Kinder helfen mir dann bei der Bewirtschaftung. Die 3 RM kann ich jetzt verschmerzen, die Lohnsteuer und die Sozialversicherungsbeiträge werden ja ermäßigt, ohne daß mir ein Nachteil entsteht. Wenn jemand von uns krank wird, erhält er Krankengeld nach dem vollen Lohnbetrag.“ „Gewiß, groß ist mein Einkommen nicht, aber ich kann doch immerhin noch wöchentlich 3 RM abstoßen, und die werden auf Eisernes Spar* konto angelegt. Das sind im Jahr 156 RM. Dazu kommen die Zinsen. Das genügt, um mir nach dem Krieg ein Stück Land zu pachten, womit ich mein Einkommen vergrößern kann vi ■'hi « fJäfy Sammler kauft zu guten Preisen Briefmarkensammlung sowie Einzelmarken Deutsches Reich und Polarfahrt, Südamerikafahrt usw. Schriftl. Angebote unter 01875 an den Gießener Anzeiger erbet. 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