|92. Jahrgang Nr. 2(6 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat tmBtld'DieScholle Berrrgsvreisr Monatlich.... .RM.1.80 Zustellgebühr... „ -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Svrechauschluß 2251 :anschrtft: ,Änzeiger" heck 11686 Franks./M. Montag, 14. September 1942 Gietzener Anzeiger Annahme von Anzeigen für bte Mittaasnummer bis 8'/, Uhr desVormittags Anzeigen-Breise für die Mllimeter-Zeile von 22 Millimeter Breite: 7Rvf. für Fämilienan- zeigen und vrivate Gelegenheits anzeigen 14Rvf. f. Werbeanzeigen und geschäftliche Gelegenheitsanzetgen Platzvorschrift (vorherige Vereinbarung) 25°/o mehr vrühlsche Uuiverfitätsdruckerei TL Lange General-Anzeiger für Oberhessen b^«etz«n^rch»lftr-tz<^ Der neue Erfolg unserer Lt-Boote. Der Wehrmachtbericht vom Sonntag. D31B. Aus dem Führerhauptquartier, 13. Sept. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt «könnt: Am Terek durchbrachen deutsche Truppen mehrere festungsartig ausgebaute feindliche Stellungen. Vor Stalingrad kämpften sich die Lngriffstruppen trotz des zähen feindlichen Widerstandes nach der Erstürmung zahlreicher Kampf- anlagen weiter gegen den Stadtrand vor und drangen in den Südteit der Stadt ein. Entlastungsangriffe des Feindes vom Horden wurden abgewiesen. Starke Kräfte der Luftwaffe unterstützten an den Brennpunkten der Schlacht die Kämpfe des Heeres, bombardierten bei Tag und Rächt die Stadt, wodurch ausgedehnte vrände hervorgerufen wurden. 3m Raum von Rschew griff der Feind von neuem an mehreren Stellen an. Alle Angriffe wurden in Harken Kämpfen unter hohen Verlusten des Zeindes abgeschlagen. An der w o l ch o w - F r o n t »urden durch ein starkes Stohtruppunternehmen zahlreiche feindliche Kampfstände zerstört und ein Kindliches Bataillon vernichtet. Südlich des Ladogasees und an der Rewa brachen ftindliche Angriffe im deutschen Abwehrfeuer zusam- aen. Elf Panzer und acht Aeberfehboote wurden dabei vernichtet. Wie durch Sondermeldung bekanntgegeben, versenkten deutsche Unterseeboote im St.-Lo- «nzstrom und an der kanadischen Küste, im Atlantik Md vor Afrika aus Geleitzügen und in Linzeljagd il harten Kämpfen 18 Schiffe mit 121 500 VRT. Ü n weiteres Schiff wurde torpediert. Zur Zeit ist im Atlantik eine neue Geleitzugfchlacht Kotzen Umfanges im Gange. Trotz starker Abwehr. J5n der vergangenen Woche wurden an der modischen Küste,'im St. Lorenzstrom und an der Lllküste der USA., im Atlantik sowie vor der afri- inifd)en Westküste 35 feindliche Handelsschiffe mit insgesamt 229 500 BRT. versenkt. Der Feind hat I ne Abwehrmaßnahmen auf das stärkste ausge- k:ut und setzt an Sicherungsfahrzeugen alles ein, 1er entbehren kann, bis hinunter zu Küsten- r otorbooten und Privatiachten. Oft müssen die l „erseeboote tagelang ihre Jagd fortsetzen, bis sie i -blich eine günstige Schußposition erreichen. Diese übliche Abwehr stellt an die Kampfkraft und die nsatzbereitschaft der Unterseeboot-Besatzungen d i e höchsten Anforderungen. Die Besatzung drs Unterseebootes, auf engstem Raum zusammengedrängt und auf oft wochenlangen Fahrten zu einer harten Kampfgemeinschaft zusammengeschweißt, kann Len Feind, der sie mit Wasserbomben angreift, nicht einmal sehen. Während der feindliche U-Boot-Jäger Bombe auf Bombe ins Wasser wirft, gerade dort, wo sich das Unterseeboot vermutliche befindet, muß die U-Boot-Be- satzung ohne einen Schuß'zu ihrer Verteidigug abgeben zu können, warten. Ihre Nerven sind dann bis zum Zerreißen gespannt, bis die Detonationen der Wasserbomben schwächer und schwächer werden. Dann wissen die Männer: Es ist wieder einmal gut gegangen, und aufs neue beginnt dann die Jagd nach feindlichen Schiffen, die ohne Unterbrechung Tag für Tag und Woche für Woche fortgesetzt wird. Die hohen Versenkungszahlen von allen Meeren, über die der Feind seinen Nachschub führt, sind ein stets neuer und unwiderleglicher Beweis für die hervorragende Ausbildung und den unverändert hohen Kampfgei ft der deutschen Unterseeboot-Besatzungen .Der Gegner hat es aufgegeben, von einem „Nachlassen" dieses Kampfgeistes zu sprechen. Ob mitten im Atlantik, unmittelbar vor der amerikanischen Küste, im Seegebiet Westafrikas oder des Karibischen Meeres oder im hohen Norden: Ueberall packen die deutschen Unterseeboote zu und beweisen dem Feind die Schärfe dieser Waffe, die immer stärker wird. Das deutsche Machtpotential unterschätzt. B u e n o s A i r e s, 14. Sept. (DNB. Funkspruch.) Der ehemalige britische Kriegsminister Höre B e- l i s h a gibt in der argentinischen Zeitung „Razon" unumwunden zu, daß das fehlgeschlagene Abenteuer von Dieppe der Beginn der Europa-Invasion werden sollte. Wenn es gelungen wäre, feindliche Flugplätze auszukundschaften und Sturzkampfflugzeuge gegen die Küstenbatterien einzusetzen, hätten die „Alliierten" möglicherweise festeren Fuß fas - ,sen können. Aber die britische Regierung habe wieder einmal da» deutsche Machtpotential u n t e rs ch ä tz t. Noch im Mai hätten amtliche Kreise behauvtet, daß die deutschen Lebensmittel- und Brennstoffreseroen erschöpft seien. Die gewaltige deutsche Sommeroffensive habe jedoch gezeigt, daß diese Berechnung falsch gewesen sei. Jetzt wolle man wieder den bevorstehenden russischen Winter als Bedrohung -für das deutsche Heer hinstellen. Man vergesse dabei aber geflissentlich, daß diesmal der Winter e i n e K a t a st r o p h e f ii r d i e Sowjets werden könnte. Die Ukraine und das Kuhan- becken, ferner wesentliche Teile des Kaukasus feien in deutscher Hand. Woher also werde die Sowjetunion Getreide,. Kohle, Zucker, Brennstoff usw. nehmen? Außerdem müsse man zugeben, daß das Sowjetheer unersetzbare V e r l u st e erlitten habe. Erbitterter Kampf um Stalingrad. Berlin, 13. Sept. (DNB.) Im Festungskampf wn Stalingrad arbeiteten sich die deutschen Truppen mch Niederkämpfung zahlreicher Bunker und in schweren Häuserkämpfen schrittweise weiter gtgenden Stadtrandvor. Betonbunker und efngegrabene schwere Panzer mußten mit Flammen- tjcrfern und geballten Ladungen im Nahkampf ver- riisttet werden. Heftige Kämpfe entwickelten sich in einem Fabrikgelände, wo jedes Haus, iiitd) Ausbrechen von Scharten und Anlage von Sperren und Hindernissen z u einem Stützpunkt ausgebaüt^im harten Einzelkampf mit der blanken Waffe genommen werden mußte. Kempf- und Sturzkampffliegerverbände unterstützten wirksam den Angriff des Heeres gegen die Schwerpunkte des feindlichen Widerstandes und die tief- getaffelten bolschewistischen Stellungssysteme. Flak- Eillerieverbände waren im Vorgehen mit den eigenen Angriffsspitzen an"der Zermürbung des feind- ; Men Widerstandes hervorragend beteiligt und setzten vier bolschewistische Batterien außer Gefecht, die jfln beherrschenden Stellungen aus die deutschen ; Äoßkeile aufzuhalten versuchten. Im Südwesten von Stalingrad nahmen Dtrbände eines Panzerkorps in schneidigem Einsatz eisige beherrschende Höhen, die sich fast unmittelbar - cis die Stadt und an die Wolga erstrecken. Die außerordentlich stark befestigten Stellungen, deren Anker mit dicken Stahlplatten versehen waren, mrden näch Vorbereitung durch Angriffe der Luft- vcffe von den vorstoßenden Panzerverbänden verratet und dabei 15 schwere Feindpanzer, 22 Geschütze und Pak zerstört. Dom Wolgaufer aus wurde iei Verkehr über die Kriegsbrücke, die die Bolsche- ©iten aus Pontons gebaut hatten, durch Artillerie uni schwere Infanteriewaffen unterbunden. Besonders starke von Artillerie und Luftwaffen- vr bänden unterstützte Entlastungsangriffe unternahmen die Bolschewisten gegen unseren «erblich der Stadt zur Wolga vorgeschobenen Srgriffsflügel. Auch hier wurden im Zusammen- vstken mit Flakartillerie und fliegenden Verbanden bet Luftwaffe alle Angriffe unter hohen blutigen Lpfern für die Bolschewisten und empfindlichen Aus- Den an schweren Waffen abgewiesen, zum Teil opar schön vor dem Heraustreten aus dem Bereit- lellungsraum durch Artillerie und Flieger zer- hlagen. Der Wehrmachtbericht vom Gamstag. DNB. Aus dem Führerhauptquartier, N. Sept. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Südlich von Noworossijsk nahm Infanterie h harten Kämpfen das letzte Küstenfort. Am Xe- rekabschnitt durchbrachen deutsche Truppen feindliche Stellungen und vernichteten Batterien. Vor Stalingrad dauern die harten Kämpfe um die Befestigungsanlagen an. Entlastungsangriffe des Feindes wurden abgewiesen. Der feindliche Rachschubverkehr war wieder das Ziel schwerer Luftangriffe. Außerdem wurden bei Rächt Stalingrad und Flugplahanlagen nördlich der Stadt bombardiert. Südostwärts Rschew scheiterten erneute Angriffe starker feindlicher Kräfte am zähen Widerstand der deutschen Truppen. Südlich des Latz o g a s ee s und aus Leniygrad führte der Feind vergebliche verlustreiche Angriffe. Deutsche und kroatische Kampfflieger fügten dem Feinde schon in der Bereitstellung hohe Verluste zu. 3m hohen Horben bekämpfte die Luftwaffe feindliche Truppenlager und Flugstützpunkte. Die S o w j e t l u f t - waffe verlor am 10. und 11. September in Luftkämpfen, an denen auch italienische, rumänische, spanische und ungarische 3Sger beteiligt waren, und durch Flakartillerie, 171 Flugzeuge. 14 eigene Flugzeuge werden vermißt. Während der ersten zehn Tage des September verloren die Briten an der ägyptischen Front insgesamt 170 Panzer- und Panzerspähwagen. An der englischen Südküste und im Südosten der 3nsel erzielten deutsche Flugzeuge am gestrigen Tage Volltreffer mit Bomben schweren Kalibers in 3n- dustrie- und Verkehrsanlagen. An der Küste der besetzten Westgebiete wurden zwei feindliche Flugzeuge abgeschossen. 3n der Rächt zum 11. September hatten deutsche und englische Schnellboote Gefechts- berührung im Kanal. Ein feindliches Boot sank sofort, weitere Boote drehten nach zahlreichen Treffern zum Teil unter starker Brandentwicklung ab. Ein Büdinger mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet. NSG. Dem Obersten Erich Geißler, am 1t. 12. 1895 in Büdingen in Oberhessen geboren, im Frieden der Kriegsschule München zugehörig, wurde in diesen Tagen dos Ritterkreuz vor seinem Gefechtsstand, einem in den Wusten- boben eingekratzten Deckungsloch, inmitten schweren Artilleriefeuers, von Marschall Rommel überreicht. In den frühen Abendstunden des 22. Juli war sein Abschnitt von starken Feindkräften, unterstützt von 30 Panzern, angegriffen worden. Unter dem Schutz starken Artilleriefeuers und künstlichen Nebels gelang es dem Feind, am linken Flügel em- zudringen und Teile eines Bataillons zu überrollen. Während die feindlichen Panzer vom Rücken und der Flanke her weiter vordrückten, setzte Oberst Geißler die ihm unterstellte Kampfgruppe B. gegen den eingebrochenen Gegner zum Gegenstoß an. Der Feind wurde unter Zurücklassung von Gefangenen und Verlust von 15 Panzern wieder herausgeworfen und dadurch der Durchbruch verhindert. Zuspitzung derLage in Indien. Lissabon, 12. Sept.^Euröpapreß.) Heber das weitere Anwachsen der Streikbewegung und der Unruhen in Indien veröffentlicht die „Times" einen aufschlußreichen Bericht aus Bombay. Darin heißt es, daß in den letzten 48 Stunden über 500 Per- onen verhaftet wurden, die Polizei wiederholt auf ndische Nationalisten geschossen und sich das Ge- amtbili) der Lage im Verlaufe der letzten Woche überhaupt sehr verschlechtert habe. In Kreisen indischer Nationalisten gebe man sich keinerlei Hoffnungen darüber hin, daß irgendeine amtliche britische Erklärung die zwischen der Kongreßpartei und der britischen Regierung aufgerissene Kluft überbrücken könnte. Die Hindus befänden sich auch weiter in einer erbitterten Stimmung, die das Resultat der gescheiterten Cripps-Mission und der kürzlichen britischen Gewaltanwendung sei. Unterirdisch werde diese Stimmung noch von der Kongreß- partei geschürt. Die militärischen Rück- ch l ä g e Großbritanniens und seiner Verbündeten hätten sich auch auf die Stimmung der Inder aus- gewirkt.. Man sei in Indien vielfach der Auffassung, daß die 'militärischen Niederlagen so sehr die Schwächen Großbritanniens bloßlegen, daß britischen Versprechungen für die Nachkriegszeit keinerlei Wert beizumessen sei. ,,News Chronicle" kritisiert Churchills Ausführungen, sie seien recht unglücklich formuliert gewesen. Mit den, Unterdrückungsmaßnahmen habe die britische Regierung zwar die Unzufriedenheit der Inder niedergehalten, zum anderen aber eine akute Gefahr geschaffen. Man erwarte einen Tiefstand der englisch-indischen Beziehungen. Indienminister A m e r y habe selbstzufrieden erklärt, Großbritannien könne jetzt nichts anderes tun, als abwarten, bis die indischen Nationalisten ihre Meinung ändern. Eine solche Einstellung sei „der vollkommendste staatsmännische Bankrott", auch wenn es im Augenblick keinen Ausweg aus der verfahrenen Lage gebe. Knox „inspiziert" Südamerika. Lissabon, 12. Sept. (Euröpapreß.) Der Ma- rineminifter der Vereinigten Staaten, Colonel F. Knox, gab am Freitagabend in Washington bekannt, daß er innerhalb der nächsten zwei Monate nach Rio de Janeiro fahren wolle. Er werde eine Abordnung führen, die Brasilien und andere südamerikanische Länder besuchen soll. Man spricht in Washington von einer /,HnspektronH- reise", in deren Verlauf alle nordamerikanischen Stützpunkte auf dem Wege nach Rio de Janeiro besichtigt werden sollen. In Begleitung des Marineministers wird sich Unterstaatssekretär For - r e st a l befinden, der gerade aus dem Kriegsgebiet des Pazifik zurückgekehrt ist. Roosevelts Griff nach dem Oberbefehl. Das Tauziehen um das „alliierte Oberkommando" geht weiter, ohne daß sich absehen läßt, wer iit diesem Kampf hinter den Kulissen den Sieg davontragen wird. Im Augenblick scheint nur soviel fest- zustehen, daß Churchill nunmehr endgültig von der Liste der Bewerber gestrichen worden ist. Dazu hat nicht zuletzt der kläglich mißglückte Jnoa- sionsversuch von Dieppe beigetrageh. Nach dieser Katastrophe wollen die Amerikaner weder von Churchill noch von einem englischen General als Oberbefehlshaber etwas wissen. Aber auch von Roosevelts strategischen Fähigkeiten scheint man im plutokratischen Lager nach den fortgesetzten amerikanischen Mißerfolgen gegen die Japaner nicht viel zu halten. Darauf deutet ein Aufsatz der „New Port Times" hin, in dem dieser Tage erklärt wurde, daß es ein Ding der Unmöglichkeit sei, daß der Z i o i l i st Roosevelt noch länger amerikanischer Oberkommandierender bleiben könne. Diese Bejugnisse müßten vielmehr, so forderte das große amerikanische Blatt, auf einen „wirklichen Soldate n" übergehen. Daß man in den USA. unter einem wirklichen Soldaten natürlich nur einen amerikanischen General versteht, liegt auf der Hand. Ganz allgemein wird daher auch bereits in Amerika der USA.-Generalstabschef Marshall als der künftige alliierte Oberbefehlshaber bezeichnet. Ob Churchill auch in dieser Frage vor Roosevelt zu Kreuze kriechen wird, bleibt abzuwarten. An der Kriegslage selbst aber wird auch die Vereinheitlichung des Oberbefehls nichts ändern. Dies um so weniger, als weder die Engländer noch die Amerikaner über eine überragende, militärische Führerpersönlichkeit verfügen. Denn dadurch, daß man irgendeinen mittelmäßigen General über den grünen Klee lobt und ihm Vorschußlorbeeren spendet, wird er noch längst kein militärisches Genie. Das wissen auch Roosevelt und Churchill ganz genau. Der Streit um den Oberbefehl hat daher auch viel ttefer- liegende Ursachen. Es handelt sich nämlich nicht nur darum, eine oberste militärische Kommandostelle zu schaffen, sondern es geht um die Vorherrschaft überhaupt. Wer nämlich den Oberbefehl besitzt, der hat praktisch die oberste Führung, der kann bei allen militärischen und politischen Entscheidungen den Ausschlag geben. Und das i st es, worauf Roosevelt am Ende hinaus will. Denn wenn ein amerikanischer General Oberbefehlshaber wird, dann steht Amerika an der Spitze der „Alliierten" und Roosevelt hat einen weiteren bedeutsamen Schritt auf dem Wege zur'„Weltpräsidentschaft" getan. Dann kann er kommandieren und die anderen müssen gehorchen. In Amerika scheint man, wie aus der amerikanischen Presse hervorgeht, der Zustimmung Churchills bereits sicher zu sein. Tschungking-China wird natürlich überhaupt nicht gefragt. Bleibt nur noch die Frage, was Stalin dazu sagt. Hier aber scheint der wunde Punkt zu liegen. Die Sowjets haben bisher jede englische und amerikanische Einmischung in die bolschewistische Kriegführung zu- rückgewiesen. Erst dieser Tage beklagten sich die Das umgekehrte pacht- md Leihabkommen. Englische Besorgnisse über die weitere Annäherung der Dominions an die LlGA. S t o ck h 0 l m, 13. Sept. (E. P.) Noch ist der Notenwechsel nicht veröffentlicht worden, der über ein „umgekehrtes Pacht- und Leihabkommen" zwischen den Bereinigten Staaten einerseits, England, Australien, Neuseeland und den Gaullisten anderseits geführt worden ist. Welch großem Interesse aber dieses neue Abkommen in der Oesfentlichkeit der britischen Hauptstadt begegnet, geht aus den Betrachtungen hervor, die von der Londoner Presse ihm schon heute gewidmet werden. Dabei klingt die ernste Besorgnis durch, mit der England diese direkte Abmachung der USA. mit britischen Dominions aufnimmt, sowie die Sorge, daß diesen ersten direkten Vereinbarungen noch weitere folgen könnten. Als erfreulich an dem „umgekehrten Pacht- und Leihabkommen" hebt die Londoner Presse hervor, daß es die finanzielle Leistung Englands und seiner Dominions endlich ins Helle Licht rücke. Denn der vom Kriegsinformationsamt in Washington herausgegebene 'Begleitbericht gibt einen umfangreichen Ueberlick über das Ausmaß der Hilfe, die England, Australien und Neuseeland schon heute den Amerikanern gewähren. Diese Hilfe erstreckt sich von den Lieferungen an Spitfire-Flugzeugen bis zu Bananen, vom Konvoischutz in England ankommender USA.-Truppentransporter bis zur Brennstofflieferung an USA.-Flugzeuge in der afrikanischen Wüste. Die Errichtung von Flubplätzen, Kasernen, Verwaltungsgebäuden und Speichern für USA.- Streitkräfte auf englischem Boden beschäftigt jetzt über 250 000 Mann, einen großen Teil der englischen Bauindustrie. Mit ernsten Bedenken aber begleitet die Londoner Presse die finanzielle und politische Auswirkung des neuen Abkommens. Pacht- und Leihbilfe seien feine Angelegenheit der Buchführung, so schreibt die „Times", sondern eine Partnerschaft der Hilfe und Hoffnung. Eine von Kriegsschulden zerrüttete Welt sei für einen Dauerfrieden gefahrvoll, wie die Abwicklung des letzten Krieges bewiesen habe. Wohl sei bei dem Pacht- und Leihabkommen vom 23. Februar gesagt worden, daß es in diesem Kriege keine Kriegsschulden an Amerika geben werde und eine Abtragung von gegenseitigen Nachkriegsverpflichtungen nur durch Warenaustausch vollzogen werden könne. Trotzdem müsse vom neuen Abkommen gesagt werden, daß hierdurch die gegenseitige geldliche Verrechnung auf ein Mindestmaß heruntergeschraubt werde. Mit welchen Erwartungen man in Washington den Abschluß des neuen Abkommens begleitet, darüber gibt ein Kommentar des „Christian Science Monitor" Aufschluß, der folgendes ausführt:' „Eine Anzahl Amerikaner hofft, daß diese Konferenzen von London wegführen; dasselbe fürchten viele Engländer. Es stimmt, daß die Dominions in der Regelung ihrer Aeußerung und in deren Angelegenheiten vollkommen souverän sind. Wer aber die gegenwärtige Entwicklung näher betrachtet, weiß, daß die Dominions sich nicht von England abwenden, sondern daß die USA. und das gesamte Empire näher zusammenrücken. Diese Phase des künftigen Friedens ist schon jetzt im Entstehen." Daß Washington und nicht London im Brennpunkt des Pacht- gefüges steht und durch das Abkommen der letzten Woche auf diesem Wege einen erheblichen Schritt vorwärts gekommen ist, wird kein einsichtiger Beobachter bestreiten. „Ltnsere amerikanischen Verbündeten." Lissabon, 12. Sept. (Euröpapreß.) Die häufi- gen Reibungen zwischen amerikanischen und englischen Soldaten in Nordirland und England beschäftigen die britischen Zeitungen. „Daily Expreß" schreibt unter der Ueberschrift: „Unsere amerikanischen Verbündeten", daß dst Differenzen hauptsächlich aus folgenden drei Gründen entstanden seien: 1. erhielten die USA.-Soldaten einen höheren Sold, könnten also bessere Lokale besuchen, englische Mädchen großzügiger einladen und in jeder Beziehung besser auftreten; 2. fänden die englischen Soldaten keinen Unterschied zwischen weißen und schwär- zen Truppen, was jüngst verschiedentlich zu erheblichen Reibereien nicht nur unter weißen und schwarzen amerikanischen Truppen, sondern auch zwischen Engländern und Amerikanern geführt habe; 3: fei vielfach die Meinung verbreitet, die Vereinigten Staaten wollten aus einem siegreichen Kriegsausgang größere Vorteile ziehen als ihrem Anteil an den Opfern entspreche. „Daily Expreß" bittet, über die Ungelegenheiten hinwegzusehen und im Interesse der gemeinsamen Sache'ausgleichend zu wirken. Die amerikanischen Soldaten aber sollten verstehen, daß die Zeiten es erschweren, Gäste aus dem Ausland so aufzunehmen, daß sie sich wirklich wie zu Hause fühlen. Londoner „Eoening News" darüber, daß die Sowjetunion immer noch englische und amerikanische Militärbeobachter daran hindere, die Kampffront zu besuchen. Offenbar hat auch Roosevelts „Briefträger" Willkie den Auftrag, gelegentlich seines Besuches in Moskau Stalin klarzumachen, daß als „Oberbefehlshaber" eben nur der „Weltpräsident" in Frage komme. Br- Oie Kämpfe auf Madagaskar. Vichy, 12. Sept. (Europapreß.) Amtlich wird bekanntgegeben, daß britische Truppen die Insel N o s s i - B e an der Nordwestküste von Madagaskar besetzt haben. Britische Marinekräfte seien, wie der Generalgouoerneur von Madagaskar berichtete, vor Tulear, dem südlichsten Hafen an der Westküste, erschienen. Die Franzosen leisletey hartnäckigen Widerstand am Betjiboka-Fluß, an dem entlang die britischen Truppen von Majunga aus auf die nach der Hauptstadt führende Straße ins Landesinnere vorstießen. Die britischen Vorhuten seien indessen bereits 70 Kilometer über Me- vatanana in der Richtung auf Tananarivo vorgestoßen. Die britischen Streitkräfte setzten sich hauptsächlich aus Südafrikanern und schwarzen Truppen aus Afrika zusammen. Einige englische Kampfwagen hätten den Betsiboka überquert, doch sei es -ihnen nicht gelungen, die Befestigungen im Seegebiet von Maevataname zu durchbrechen. Die französischen Truppen hätten Ambaja aufgeben müssen und organisierten sich zum weiteren Widerstand im Gebirge. 20 Jahre argentinisch-deutsche« Kulturinstitut. Buenos Aires, 13.Sept. (Europapreß.) Anläßlich des 20. Gründungstages des argentinisch- deutschen Kulturinstitutes wie? der Präsident Dr. Alsaro auf die Bedeutung dieser Institution hin, die die Verbreitung der deutschen Sprache und Kultur in Argentinien anstrebt. Die Zahl der Schüler, die an Kursen in Hospitälern, Handelshäusern, Banken und auf Universitäten teilnehmen, übersteigt bereits 1300 Personen. Der Präsident erklärte: „Sie wissen, daß diese Institution von Argentiniern gegründet und gestützt wurde, die Freunde und Bewunderer der deutschen Kultur sind, und von Deutschen, die unser Land lieben und ihm seit langen Jahren verbunden sind. Ein gegenseitiger Austausch kann unter den gegenwärtigen Umständen natürlich nur sehr beschränkt sein. Aber im Frieden, der, wie wir hoffen, gerecht und dauerhaft sein wird, können wir und unsere Nachfolger wieder unser großes Werk durchführen." Kleine politische Nachrichten. Der Führer verlieh das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an: Generaloberst Petri Dumitrescu, der sich als Oberbefehlshaber einer rumänischen Armee besondere Verdienste erworben hat bei der Einnahme des bolschewistischen Schwarzmeerhasens Anapa. * Der Führer hat den Unterseebootskommandanten Kapitänleutnant Su h re n, dem als 18. Offizier der Wehrmacht das Eichenlaub mit Schwertern zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen wurde, wegen besonderer Auszeichnung vor dem Feinde zum Korvettenkapitän befördert. ♦ Am 61. Geburtstag des verstorbenen Reichsleiters Hühnlein legte an dessen Grab im Münchener Nordfriedhof Karpsführer Kraus einen Eichenlaubkranz nieder. Es waren Ehrenformationen der Motor-Brigade 86 und die Führer der Reichsmotorsportschulen aufmarschiert. * Aus Anlaß der Anwesenheit des Generalstabschefs der Faschistischen Miliz, Generalleutnant Galbiati, veranstaltete die Berliner SA. in der Kroll- Oper bei Beteiligung von 2000 SA.-Männern eine Kundgebung, in der Galbiati, Botschafter Alfieri und Stabschef Lutze die gemeinsamen Kampfziele der beiden Organisationen darlegten. * 1100 französische Kriegsgefangene aus Dieppe und U m g e g e n d , die für die vorbildliche Verhalten der einheimischen Bevölkerung während des mißglückten britischen Jnvasionsversuchtzs bei Dieppe auf Befehl des Führers entlassen wurden, trafen mit einem Sonderzug in Serqueux, ostwärts Dieppe, ein. * Der Befehlshaber der deutschen Truppen in Dänemark, General Lüdtke, nahm eine Parade über das Freikorps Dänemark ab, das auf Heimaturlaub in Kopenhagen eingetroffen ist. Der Parade wohnte der Bevollmächtigte des Deutschen Reiches, Gesandter von Renthe-Fink, bei. ^-Brigade- führer K a n st e i n richtete an die dänischen Freiwilligen eine kurze Ansprache. Mit einem Kamerad- schaftsahend und Ansprachen des Parteiführers der DNSAP. Dr. Clausen und des Kommandeurs des Freikorps Dänemark, Sturmbannführer Martinsen, fand der Kopenhaaener Aufenthalt des Freikorps Dänemark feinen Abschluß. * Dem Kommandeur des Infanterie-Regiments 92 sowie dem Kommandeur des Jägerbataillons Finnland wurden vom Marschall von Finnland, Freiherrn von Mannerheim, das Finnische Freiheitskreuz verliehen. Das Jägerbataillon Finnland fuhrt die ruhmreiche Tradition des deutschen Jagerbataillons 27 fort, das während des Weltkrieges aus finnischen Freiwilligen aufgestellt wurde. 1 * Unter der Bezeichnung „Nationalrevolutionäre Front" wurde ein Ausschuß jener französischen Parteien politischen Gruppen und Organisationen geschaffen, die sich für die Bildung einet Einheitspartei einsetzen. In der ersten Sitzung unter dem Vorsitz von Henry Barbe wurde der Wille betont, die Politik Petains und Lavals tatkräftig zu unterstützen. Aus dem Reich. Oer Wehrlampftag in Nürnberg. Dem Wehrkampftag der Standorts Nürnberg- Fürth wohnten Stabschef Lutze mit dem Generalstabschef der Faschistischen Miliz, General G a l - biati, Reichsorganisationsleiter Dr. Ley und zahlreiche Vertreter von Partei, Staat und Wehrmacht bei. 6328 Männer und Frauen traten in Nürnberg an, und zwar in den Wehrkämpfen 266 und im Mannschaftswettbewerb 297 Mannschaften sowie bei den drei großen Massenvorführungen in der Hauptkampfbahn des Stadions 2200 Männer und Frauen. Hart umstritten waren die Entscheidungen der Wehr- und Mannschaftskämpfe, aber hervorragend schlug sich die Jugend, schlugen sich auch die'älteren Jahrgänge. Nicht minder anregend waren die Massenvorführungen, wobei Tanz und Gymnastik der Männer und Frauen in bunter FolgeLebensfreude ausstrahlten. Reichsorganisationsleiter Dr. Ley bezeichnete es als ein Symbol für die Einheit unseres Volkes, daß diese Veranstaltung erstmals gemeinsam durch SA., Betriebssportgemeinschaften und NSRL. durchgeführt werden konnte. „Die deutsche Nation", erklärte er, „ist zu Beginn des vierten Kriegsjahres noch ernster, fester und härter geworden. Das deutsche Volk kann nicht zermürbt werden. Der Deutsche von heute kapituliert niemals, komme, was da mag!" Volkstümliche Gestaltung der Gerichtsurteile. Zu der Verordnung über die weitere Vereinfachung der Strafrechtspflege hat der Reichsjustizminister jetzt Richtlinien gegeben. Die Verordnung bringt d i e Erweiterung der Strafgewalt des Amtsrichters von zwei Jahren Zuchthaus auf fünf Jahre Zuchthaus. Hierdurch soll erreicht werden, daß die Hauptverhandlung in tatsächlich und rechtlich einfach liegenden Fällen mehr als bisher vor dem Amtsrichter durchgeführt werden kann, dessen Sitz oft vom Aufenthaltsort der Zeugen und Sachverständigen weniger weit entfernt ist. Auch soll der Amtsrichter nicht genötigt werden, seine Zuständigkeit deshalb zu verneinen, weil in einer für ihn geeigneten Sache feine Strafgewalt nicht ausreicht: Ferner ist von der Möglichkeit, den Streit von Parteien durch Friedensspruch zu schlichten, außer in der Hauptverhand- lung vor allem in dem zu gütlicher Erledigung anberaumten gerichtlichen Sühnetermin weitgehend Gebrauch zu machen. Die im Friedensspruch angeordneten Maßnahmen werden im Strafregister nicht ausgenommen. Zum besseren Verständnis der Urteilsformel ist schon im Urteilsspruch die zugrundeliegende Tat in knapper Form zu kennzeichnen. Von einem Hinweis auf den Gesetzesparagraphen soll abgesehen werden. Statt dessen soll die übliche Bezeichnung der Straftat angeführt werden, z. B. Beleidigung oder üble Nachrede, Verleumdung, Diebstahl, Geldhortung, Abhörung von Auslandssendern. Erweiterung der Tuberkutosehitfe. Der Ministerrat für die Relchsverteidigung hat eine Verordnung über Tuberkulose!)rkfe erlassen. Danach werden Gau^ürsorgever bände (Lan- besfürsorgeverbände) auf Antrag der Gesundheitsämter im Zusammenwirken mit diesen und den Land- und Stadtkreisen Tuberkulosenhilfe gewähren. Sie ist nicht zurückzuerstatten und umfaßt Heilbehandlung, Absonderung und Pflege sowie wirtschaftliche Fürsorge für den Kranken und seine Familie, wenn das steuerpflichtige Jahreseinkommen des Kranken den Betrag von 7200 RM. nicht übersteigt und soweit die Hilfe nicht durch die Sozialversicherung gewährt wird oder anderweit sichergestellt ist. Der Betrag erhöht sich um 1200 RM. für den Ehegatten des Kranken und um 600 RM. für jeden weiteren Familienangehörigen. Es kann aber Tu- bekulosehilfe auch bann gewährt werden, wenn das steuerpflichtige Jahreseinkommen des Kranken diese Grenze übersteigt und die Gefahr besteht, daß ohne die Tuberkulosehilfe die erforderlichen Maßnahmen nicht ausreichend durchgeführt werden, jedoch können die Gaufürsorgeverbände die Empfänger der Tuberkulosehilfe und die Unterhaltungspflichtigen zum Kostenersatz heranziehen. Die Verordnung stellt neben die Rentenversicherung mit ihren Leistungen -für die Versicherten eine Tuberkulosehilfe für jeden, der tuberkulös geworden ist, mit Leistungen, die vom Standpunkt der Seuchenbekämpfung genügen werben. Sie sorgt dafür, daß der Erkrankte Heilbehandlung bis zur Gesundung oder Ansteckungsungefährlichkeit erhält. Sie sorat für die weitere Beobachtung seines weiteren Gesundheitszustandes und auch für die Familie des Kranken, deren wirtschaftliche Not so oft bisher den Kranken veranlaßte, den Kuraufenthalt nicht durchzuführen. In jedem Falle wird eine Anstaltsbehandlung in einem Tuber- kulosekrankenhaus ober in einer Heilstätte zur zuverlässigen Feststellung der Heilungsmöglichkeiten sofort gewährt. Oie Sicherung des Friedens durch die kinderreiche Familie. Professor Dr. Friedrich Burgdörfer hat ein neues Buch über den Geburtenschwund, die Kulturkrankheit des Abendlandes und ihre lleberminbung in Deutschland geschrieben. Das deutsche Volk muß wieder zu der Fortpflanzungsleistung zurückkehren, die es noch 1910 aufzuweisen hatte. Damals wurden bei knapp 65 Millionen Einwohnern 1 925 000 Kinder geboren. Für 1940 würde das entsprechend der größeren Einwohnerzahl eine Geburtenziffer von 2,4 Millionen bedeuten, rund 750 000 mehr als tatsächlich. Die Generation, die den Krieg gewinnt, muß «zugleich auch den Frieden sichern. Das ist nur möglich über die rassisch wertvolle kinderreiche Familie. Während das zur bloßen Bestandserhaltung erforderliche Geburtensoll zwischen 3 und 4 Kindern je Ehe liegt, wären zur Sicherung des notwendigen Volkswachstums in den heutigen Ehen durchschnittlich 4 bis 5 Kinder erforderlich. Dabei müssen die führenden Kreise des Volkes wieder beispielhaft vorangehen. Die Besten und Tüchtigsten sollen die meisten Kinder haben. Zugleich müssen die bevölkerungspolitischen Maßnahmen des Staates weiterentwickelt werden. Die lebenstüchtige kinderreiche Familie muß noch mehr in den Mittelpunkt unserer ganzen Lebens- und Volksordnung gestellt werben. Millionen von Kinderhänden sind erforderlich, um den erweiterten deutschen Lebensraum mit deutschem Leben zu erfüllen und im deutschen Sinne zu gestalten. Frauen im Dienste der post. Mit der Ausweitung der Aufgabengebiete der Reichspost ist die Zahl der weiblichen Arbeitskräfte bei der Post von 70 000 auf über 200 000 angewachsen. 84 000 sind Arbeiterinnen oder Postfacharbeiterinnen, 77 000 Angestellte und 39 000 Beamtinnen. Die weiblichen Briefzusteller machen in Städten und Jndustriegegenben bereits 80 v. H. und mehr der für die Postaustragung benötigten Arbeitskräfte aus. Viel physische Kraft gehört dazu, viel Umsicht und Intelligenz außerdem, um die mitgeführten Postsendungen an die richtige Adresse zu bringen. Ein besonderer Kummer sind die Untermieter, die kein Schild an der Wohnungstür haben. Dazu kommen die vielen berufstätigen Frauen, die nie zu Hause anzutreffen sind und die man zweibis dreimal besuchen muß, ehe man die Denach- richtungszettel in den Kasten werfen darf, ober bis Rundfunkhörer, bie kein passendes Gelb zurechtlegen können. Die Reichspost hat die Arbeitsbedingungen der Leistungsfähigkeit der Frau äuge- paßt Das Gewicht der mitzugebenden Sendungen ist den Bestimmungen des Reichsarbeitsministe- riums und dem Mutterschutzgesetz angepaßt. Die Zustellerin erhält gegen Mittag Freizeit für Kochen, Kinderbesorgüng ober eigene Erholung. Verheirateten Frauen wird auch halbtägige Beschäftigung eingeräumt. Die Entlohnung ist weit- gehend dem Männertarif angepaßt. Frauen sind weiterhin tätig in der Eilpostzustellung, in der Paketzustellung und als Fahrerinnen des Zustell- wagens. Oer anerkennenswerte Film. Bei der Filmprüfung fehlte es bisher häufig au. der Möglichkeit einer Anerkennung von Filmen, die zwar wohlgelungen und ausgezeichnet waren, auf die aber die bisher möglichen Prädikate nicht zu- trafen. Um hier eine weitere Nuancierung zu ermöglichen, ist jetzt bas neue Filmprädikat „Anerkennenswert" eingeführt worben. Damit werben jetzt insgesamt acht Prädikate der Film- prüfstelle unterschieden: „Staatspolitisch besonders wertvoll", „Künstlerisch besonders wertvoll", „Staatspolitisch wertvoll", „Künstlerisch wertvoll", „Kulturell wertvoll", „Volkstümllch wertvoll", „Anerkennenswert", „Volksbilbend". Auf Antrag können ferner bie Prädikate „Jugendwert" ober „Lehrfilm" verliehen werben. i Aus aller Wett. Das Ehrenmal der Freikorps. Die würdige Ausgestaltung der Feierstätte auf dem Annciberg, bie ben Rahmen für bas Ehrenmal der Toten ber beutschen Freikorps barstellt, ist jetzt nach jahrelangen Arbeiten abgeschlossen. Besonders Schwierigkeiten machte bie Herstellung eines geeigneten Zugangs zu bem auf hohem Felsen thro- nenben Ehrenmal. Es hanbelt sich um eine aus heimischem Sandstein erbaute und von Buchen und. Birken eingefaßte Treppe von 98 Stufen, die sich bann in einer aus rotem Wesersanbstein geschaffenen Steige bis zur Plattform sortseßt. Erste Europameisterschast im Schach. Zu den am 15. September in München 6e» ' ginnenben Schachturnieren um die Europameisterschaft sind zugelassen worden: Weltmeister Dr. Al- jechin (Frankreich), ber Sieger des vorjährigen noch tttellosen Münchener Turniers Stolz (Schweben) mit seinen Landsleuten Danielsson und Kinnmark, Ojanen und Kaila (Finnland), Rohacek (Slowakei), Rabar und Subaric (Kroatien), Samarian (Rumänien), Napolitano, Nestler und Norcia (Italien), Roele (Holland), Barcza, Füster und Szily (Ungarn), Tuscheff (Bulgarien), Keres (Ostgebiete- Estland), Bogoljuvow (Generalgouvernement), Foltys (Protektorat)r Junge, Richter, Rell« stab, unser diesjähriger Meister, und Müller (Deutschland). Der Kampf wird in zwei Turnieren mit je 12 Spielern ausgetragen. Kunst und Wissenschaft. „3m Gedenken an $f. Marien zu Lübeck." In ber St.-Jacobi-Kirche zu Lübeck, wo jetzt der I Organist von St. Marien, Walter Kraft, die Trabi- I tion ber berühmten St. - M ar i en -A be ndmusik en nach der Zerstörung dieser Kirche sortsetzt, wurde eine Mo- I tette für Singstimmen und Instrumente „Im Ge- I denken an St. Marien zu Lübeck" von Walter Kraft I aufgeführt. Herb und schlicht, von jeglichen Santi- I mentaütäten frei, hat sich ber Komponist mit aus- druckssicherem Empfinden in sein Werk versenkt, bas auch im Technischen eine sichere Handhabung ber Kunstmittel aufweist. Ernst Hässler. Der hermann-Löns-Preis. In Hannover ist zum 75. Geburtstag von Her- mann Lons erstmals ber von Gauleiter Lauterbacher gestiftete Hermann-Löns-Preis verliehen worben. In einer Gedenkstunde, an ber auch viels niedersächsische Dichter, wie Heinrich Svhnrey, Gg. Graben-Horst, Gustav Kohne, teilnahmen, gab der Lons-Biograph Dr. Deimann ein Lebensbild des Kämpfers für die nationale und soziale Erneuerung Deutschlands. Diesem Gedanken gab aych Gauleiter Lauterbacher Ausdruck, als er die Verleihung des Preises an den im Osten gefallenen deutsch- baltischen Dichter Carl von Bremen und den jungen Dramatiker Friedrich Wilhelm» Im Zauberland der Oonaumündung. Bon unserem Berichterstatter Clemens Marens. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Braila, Spätsommer 1942. Im roten Widerschein des glühenden Sonnen- balles, der langsam und in unendlicher Weite immer tiefer in bie Wasser des Stromes sinkt) nimmt uns, nach einem nüchternen Tag, nun doch die Gewalt dieses Fleckchens bewegter Erde gefangen. Der Zauber einer rauschenden Landschaft, in ber bas Grau ber schlammbeladenen Inseln und bas Grün ber Schilf- und Weidenbaumwälder sich mit bem wechselnden Farbenspiel der Wellen und des Himmelsbogens zu einem unerhörten Gleichklang und Gegensatz verbindet. Erst kann man die seltsame Gegend, durch die nur Schisse ziehen und herrisch heulend mit ihren Sirenen die wilden Vögel in bie Hohe jagen, mit wachen Sinnen nicht ganz erfassen. Man sträubt sich gegen bie Einförmigkeit, bie da zuerst einmal mächtig über ben Menschen hereinbrechen will, man lehnt sich auf gegen ben treibenden Strom, gegen die unheimliche Weite dieser Wässer, bie zur Mündung drängen, halb Fluß und Strom und doch schon See und fernes Meeresleuchten. Und bann wirb bas alles von ber Nacht verschlungen, in der die Lichter ber Fahrt- rinne auf kleinen Bojen hüpfenb leuchten, und anderntags erwacht bas Herz und fühlt sich doch in dieser fremden, so östlich unberührten Welt von einem Strom der Heimat angesprochen. * Mittags waren wir in Braila, am großen Donauknie, angekommen. Eine Handelsstadt, eine Seestadt, wenn man will. Mit einem großen Hafen, mit vielem Kommen und Gehen auch in Kriegszeiten. Hier maltet seit 86 Jahren die Europäische Donaukommission ihres schwierigen Amtes als Wächterin über die Schiffbarkeit des Mündungsgebietes, hier beginnt bie sogenannte Seedonau, von hier flußabwärts ringt Jngenieurkunst und bie Kraft ber Bagger den Mündungsarmen des dreifach geteilten Flusses immer wieder die freie Durchfahrt ab, ber sich die Sandmassen des Bettes selbst und der Meeresküste entgegenstemmen. Und bann gibt es hier den berühmten Käse, bie „branza din Braila", diese salzig-fette Masse mit feinen Poren, mif irgendeinem Gewürz durchsetzt, und ein Bier für die rauhe Seemannskehle, das nicht von schlechten Eltern ist. Aber das ist nicht der entscheidende Eindruck dieser Stadt. Was wir hier vor allem zu spüren bekommen, das ist die Weltoffenheit ihrer Bewohner, der Sinn für das Größere und Großzügige, wenn er auch freilich zunächst auf die greifbaren Werte ber irdischen Güter gerichtet ist, bie unter den Augen des Brailaners ihren Weg in bie weite Welt nehmen ober aus den Weiten ber Welt in bie unmittelbare Wirklichkeit bes rumänischen Lebens hineinströmen. Wir find im Weichbild des größten Umschlaghafens ber rumänischen Donau* straße, mit (Setreibefilos, mit großen Lagerhäusern, mit Ein- und Ausfuhrfirmen, mit Vertretungen bedeutender Großhandelshäuser, unter denen deutsche Namen nicht fehlen können. Wir sind aber auch in einer Stadt, in ber' man bie Nähe des Ostens besonders empfand, in ber man, ob es Rumänen, Griechen, Türken, Armenier ober Tataren waren, bie hier leben wollten, immer des Zugriffes Rußlanbs gewärtig fein mußte, des Nachbarn, dessen schwere Hand so oft ausholte, um — wenn nicht auch diese Stadt und diesen Hafen — bann doch bie Lebenslinien dieses Raumes mit imperialistischer Zielstrebigkeit zu bedrohen. * Denn diese Gefahr hat an der Donaumündung mehr als einmal schon ganz fest umrissene Gestalt angenommen. Ob es das zaristtsche Rußland des Friedens von Adrianopel war, bas von 1829 bis 1856 das Donaubelta allein beherrschte und die Tiefe der Sandbarre ber Sulina-Mündung von 16 Fuß, wie sic bie Türken als Machthaber vorher gehalten hatten, auf 1% Fuß brachte, um die Versandung vorwärts zu treiben — sie versenkten mit Steinen beladene Kähne an entscheidenden Stellen ber Mündungsarme — ober ob es die Sowjets waren, bie nach bem UcberfaU auf Bessarabien im Juni 1940 auch bas Delta mit Gewalt zu besetzen suchten, um bort ein „russisch-rumänisches Kondominium" zu schaffen, immer mar es das Ziel ber Macht aus dem Osten, die Donaumündungen lahmzulegen ober selbst zu beherrschen. Zum Schaden nicht nur ber rumänischen Wirtschaft, sondern des gesamten Schiffsverkehrs und des Handels sämtlicher Uferftaaten, aber zugunsten von Odessa, dem Südtor des rußländischen Raumes. Diese Gefahr wuchs riesengroß, als 1940 die Sowjets am Rande bes Deltas faßen, jeden Augenblick bereit, bas Land und das Wasser mit Inseln und Menschen zu schlucken. Bis dann auch hier bie verbündeten deutsch-rumänischen Streitkräfte zum entscheidenden Angriff auftraten. Don Braila nach Galatz, bem nächsten großen Hafenplatz, dem die Mündungen zweier breiter, von Norden kommender Flüsse erhöhte Bedeutung verleihen: breit ergießen sich hier bie Fluten des schiffbaren Pruth und noch oberhalb ber Stabt bie Wassermassen des Sereth-Flusses in die Donau, die letzten Zuflüsse auf einem Weg, ber vom Schwarzwald bis ins Schwarze Meer über 2900 Kilometer führt, 1100 Kilometer davon durch Rumänien. Auch hier in Galatz bas Leben einer der Weite ber Welt nicht.verschlossenen Stabt, in ber der Handel und bie Meeresnähe ben Gang allen Wirkens unb Schaffens bestimmen. In kleinerem Maßstab ähnliche Silber in Jsaccea, in Tulcea, Ismail, in Chilia-Noua, diesen allerdings wesentlich mehr orientalisch anmutenden Orten, von denen Tulcea auf dem rechten Ufer inmitten ber Hügel unb bewaldeten Berge ber nördlichen Dobrudscha non ganz besonderem Anstrich ist. Minaretts hier und bort, eine Bevölkerung völkisch bunter Zusammensetzung, in der sich ' außer dem tragenden Element der Rumänien so ziemlich alles versammelt hat, was in diesen Breiten auch nur einen Schein von Heimatrecht zu haben glaubt: Armenier, Türken, Griechen, Bulgaren, ßipowaner, Ga- 9 auf en, Tataren unb ein Rest von Juden. Unb ein Geschäftslaben am anderen. Sie blühen, die Geschäfte, und bie Händler, sie (eben. * Nach einer sternklaren Nacht legt Sonntag früh ber weiße Dampfer der Rumänischen Donaugesell- schast in Vacov an. Hier tut sich bann die ganze tfuUe von Ueppigkeit ber Delta-Landschaft vor uns auf. Die Stadt selbst, mehr auf Wasser als auf Land gebaut, viele „Gassen", von Bäumen) : und Blättern überdachte Kanäle, von denen schwan- kende Stege zu niederen, mit Schilfrohr gedeckten,, aber blitzblanken Lehmhäusern führen. An allem Ecken und Enden weißblonde Lipowaner-Jungett in regelrechtem Adamskostüm, bie sich von Brücken und Zäunen in bas seichte Wasser stürzen, um Münzen vom Grund heraufzuholen und sich ihre Künste! teuer bezahlen zu lassen. Kleine Mädchen werfen der Karawane schnittiger Kähne die schönsten Blüten des hohen Sommers zu. An den Pfosten lehnen) kräftige Männergeftalten, von Wind und Wetter als Fischer gezeichnet, mit sorgsam gepflegten, meist blonden Barten. Da haben wir die richtigen Lipo- waner vor uns, Männer und Frauen von russischer Abkunst, bie ihres eigenartigen Glaubens wegen unb* wegen eines sektiererischen Gelöbnisses sich voN ihren rußländischen Heimatgenofsen getrennt babeii unb hier im Donaubelta unb im südlichen Bessara< bien seither ein Sonderdasein führten. Das kurze! 3abr der sowjetischen Besetzung von Vacov genügte, um den Großteil ber Männer in btt? Vers bannung zu bringen, um bie Kirche ber Lipowaner^ Gemeinde zum Diehstall zu machen unb damit bie- mnere 2Ibtebr dieses Menschenschlages von bet? großrussischen Masse ein gutes Stück weiter zu ver- tiefen. Den schönsten Straßenzug und Kanal int Herzen dieser grünen Stadt chaben sie nach Adolf Hitler benannt. 5öas bliebe noch weiter zu berichten, wenn Augen! ^'"^europäischen Maßen durch diese Welt "bei? ofthdjen Wasser fahren? Bon der majestätischen Mündung ber Donau in bas offene Meer, von bert Pelikanen von ben Störchen und Krammetsvogeln, von ben Wilbenten, den Reihern, die mit Schlank gen un Schnabel ben Abenb erwarten, von ben ^lammgcs, von ber Unzahl der kleinen unb großes gifcbe, vorn Stör unb vom Ursprung des schwarzen T "'ors negre" sagt man hier unb schnalzS verständnisvoll Mit ber Zunge — im Wirbel beS ionnenheißen Tages, bes Sehens und Schauend geht das einzelne Bild dieses Zauberlanbes unter "bturzbach ber Erlebnisse. Geht unter in ber tfulle ber Gesichte, in deren Vielgestaltigkeit wir erleben, daß dieser Strom vom Schwarzwald bis c?^mar^en 5Recr doch eine ganze Wett emi Im iprt. ■ s s Uw ■jnb 8 * ol Der U; Sä ! Oteiluni MHH0 Lebens c OiD . Minen 1 ostens v ben, daß bern Der be dinand - Alter ooi tare Sal ßist a u ganinuu. gutenbei Erstdruck M Ma Mr * iin Ans lichen un eine ut Dr. -Dee tuffüfiri ll»n Ottl Ich um - Hemo, zrichcn, oradlinic !gen M !ch ende Hine fei nirnmt t rti°ne (Nachdruck verboten.) 41. Fortsetzung. yieDenii]m zu, oer eifrig ueni opici vuiua. ........ 7-<7----- s. • • k«scht°n auf di- ««scheu-rt- »iontplatte. muntere und knöpfte d.-W°st-aus,. 'Nimmt der fierr Bürgermeister keine?" fragte Sieden begleiteten die Arbeit, und ärgerliche Aus- i/ieoen oegieiieren oie ziröeu, unu <•" » 7/ ■ «-< «« nfe sorgten für Leben und Stimmung. Kurz, es die Kellnerin, ,Heute sind sie extra gut. it Bei elften Al, lügen >chwe» Sinnt (Clo. tarian (3ta« Szilh »biete, ment), teil, iller niereit - die auf Zu. i er. k°t Da. kilw- iderr eats. mrell uns. -hier etr. i her« lauter« rlieheo h viele y, @9' ab dek ld bei erneue, h ®ou< leihunz beutsch« nb den lhrln fct bei Irobi' i no^ le Mo. n Krast Genti« t au»« irsentl, labung sler. Kiebitz 'zugesellt hatte. Bläuliche Tabakswolken nebelten das Lokal em, ugb die Purgstaller tat von Zeit zu Zeit einen vornehmen Huster, um ihrem Unwillen Ausdruck zu verleihen. Ihr Gespräch mit Anrainer schleppte sich nie xauf Krücken hin, denn es hatte tagsüber ein pinr kleine Meinungsverschiedenheiten gegeben. $lnn saß schon zu lange zusammen und hatte sich nichts mehr zu sagen. Desto lauter ging es am identisch zu, der eifrig dem Spiel oblag. Karten Das Gespräch drohte hitzig zu werden, aber in diesem Augenblick brachte die Kellnerin wie einen Oelzweig die Weißwürste. Man legte die Karten beiseite und machte eine Pause. Der weißhaarige Sanitätsrat Niederhofer genehmigte sich Marsch- herrschte ein rauher, aber herzlicher Ton zwischen den vier Herren, bejahrten und arrivierten Männern, die sich trotz ihrer Gewichtigkeit und ihres Ansehens manchmal wie kleine Kinder benahmen, wenn ihnen etwas wider den Strich ging. Neben sich hatte ein jeder die Ausgehutensilien, Zigarrentasche, Zündhölzer und Geld. In der Ecke stand ein Körbchen mit knusprigen Salzstangen. Eben war ein Spiel zu Ende. „Wenn ich nicht den Alten habe, spiele ich selber", meinte Oberinspektor Burdach und sonn ins Leere. „Nur keine Grabreden. Geben S' und^halten S' das Spiel net auf", knurrte Oberstabsarzt Larynx und stopfte mit dem Daumen seine Meerschaumpfeife, die die Größe eines mittleren Saxophons hatte. „Nun, man sagt ja nur", verteidigte sich Burdach, mischte und ließ abheben. Plötzlich stieß der Baurat Neuburger einen Freudenschrei aus und schob die Brille zurecht. „Solo, ihr Schmalzbettler. Schellsolo. Geredet wird aber nichts, das sage ich euch gleich, sonst schmeiße ich die Karten hin. Heraus komme ich. Trumpf, Trumpf und abermals Trumpf! Gelt, jetzt kommt euch Herrschaften das Magenwasser?" „Gar nichts kommt. Dir werden wir die Wacht am Rhein schon blasen, mein Lieber", erboste sich Dr. Larynx, „dein Solo ist hin wie dem Scheufele fein Pressack, das sag' ich dir. Jetzt sind wir am Trumpfen!" Plötzlich heulte er entsetzt auf und warf einen vernichtenden Blick auf Burdach. „Oh, Sie Patzer! Warum tun Sie denn den Zehner nicht herein, wenn ich steche? Mensch, wir spielen doch nicht Faustball Wenn so gemurkst wird, muß er ja gewinnen." Er warf ärgerlich die letzte Karte auf den Tisch. Der Baurat grinste erleichtert. 17. Der „Goldene Löwe" zu Trettau hatte ein ge- niülliches Bierstüble, in dem die Einheimischen verkehrten. Heute indes waren nur zwei Tische besetzt, denn am Montagabend gingen die wenigsten Trettau er aus. An dem einen saß der Hotelier Anrainer mit seiner Zukünftigen, Alwine Purgstaller, an dem anderen der Montags-Schafskopf, vier Ho- norationen, denen sich Bürgermeister Hammer als „Wie meinen Sie das?" forschte der Oberstabsarzt angriffslustig. „Wie ich es sage. Man muß es nur geschickt anstellen, damit niemand das Theater merkt", drückte die Purgstaller sich dunkel aus. Es lag ihr übrigens nicht viel daran, ein Tänzchen mit diesen Spießern zu riskieren, die sie nicht für voll nahm. „Gestatten Sie, aber das ist Unsinn. Sie wollen doch nicht behaupten, die junge Frau habe sich den Balken aus Berechnung ins Kreuz fallen lassen?" spottete Larynx. , Anrainer stieß Alwine an, denn er ahnte mit der Sicherheit des langjährigen Wirtes Komplikationen. Aber die Purgstaller beachtete diese wohlgemeinte Warnung nicht und plapperte munter weiter. „Das gerade nicht. Aber — nun ja, wenn Sie die Dame so kennen würden wie ich, würden Sitz allerhand für möglich halten. Bei der stimmt Verschiedenes nicht." „Larifari. Das sind nichtsahnende allgemeine Behauptungen", erwiderte der Doktor grob. „Ich bin dafür, daß wir das Thema ruhen lassen",- sagte Sanitätsrat Niederhofer scharf. „Tratsch interessiert uns nicht. Außerdem ist es nicht fair, über einen Abwesenden loszuziehen." „Finde ich auch", stimmte Larynx bei und griff nach den Karten. „Los! Wer gibt?" Man räumte die Teller beiseite und trocknete die Tischplatte ab. Das Spiel ging weiter. Die Purgstaller hatte einen roten Kopf. So unhöflich war schon lange niemand mehr zu ihr gewesen. Na ja, Trettau — was konnte man hier Besseres verlangen? Sie streifte Anrainer mit einem wütenden Blick, dann griff sie nach ihrer Tasche und erhob sich. Anrainer folgte ihr wie ein begossener Pudel. Die erlittene Abfuhr brannte wie ein Striemen auf der Haut. Sie rauschte hoheitsvoll hinaus und stürmte die Hoteltreppe empor. Anrainer hinterher. Droben in ihrem Zimmer fauchte sie ihn an: „Feigling! Sitzt da wie ein angemalter Türke, redet nichts, tut nichts und stößt mich immer an. Machen Sie es immer so? Dann ist man bei Ihnen ja gut aufgehoben. Ich verstehe das nicht. Sie haben mit diesem Brügger doch auch noch ein Hühnchen zu rupfen. Na also. Ein Kavalier steht einer Dame bei und läßt sie nicht beleidigen!" (Forts, folgt) auf mal 1 ich adere 1 ge. thro. > hei- und e sich jenen Hauptversammlung der Gießener Hochschulgesellschast bie echt, sbe, nge. l9en iifte. Die für unq. Ye. veit. sind der stell. Als alles vorüber war, stand er mit brennenden Lugen und trockener Kehle am Fenster und sah in die Nacht, die violett und kühl über dem Tale hing. Gr dachte verzagt: Da sieht man wieder, wie wenig mir vermögen. Bestimmen tut ein anderer. — llnb er verzweifelte an seinem Beruf, an feiner Wissenschaft, die auch nur Stückwerk war. Der junge Mensch, der einen elenden Tod gestorben nor, stand ihm nahe wie nie zuvor. Dann wandte er sich seufzend ab, traf feine Anordnungen und schickte Butscher trotz der späten Stunde hinunter, um einige Gänge zu machen. Um elf Uhr schloß er die Hütte zu und hängte den Schlüssel hinter einen Fensterladen. . Dann schritt er mit Hingerl talwärts zu seinem Wagen, dessen Lederpolster feucht waren vom Diebel. Dr. Brüggers Patientin Roman von Walter Klöpffer Aus der Gtadi Gießen. An der Schwelle des Herbstes. Noch soll nach dem Kalender Sommer sein, aber mancherlei Zeichen verraten uns, daß bereits der Herbst seine Herrschaft anzutreten beginnt. In den Gärten ist pie vielfarbene Glut der Astern entbrannt, der Phlox, der seit dem frühen Sommer seinen berauschenden Duft verströmte, ist des Blühens müde geworden, und den bunten Löwenmäulchen, Kinoern des Herbstes mehr als des Sommers, ist es nun gegeben, das Auge zu erfreuen. Aber um so stärker riecht das allgemein vergilbende Kraut, das über oder unter der Erde uns das schenkt, was bald in Vorratskammern und Kellern geborgen werden soll. Auch außerhalb unseres Haus- und Schrebergartens mehren sich die Zeichen des Herbstes. Die schwarzen, langbeschwingten Mauersegler, die noch vor ein paar Wochen mit lautem Kreischen über dem Dächergewirr der Stadt kreuzten, sind wie über Nacht plötzlich verschwunden und tummeln sich, immer hungrig, wohl schon im tiefen Afrika auf emsiger Insektenjagd. Hier bleiben aber die Spatzen. Und auch die Stare sind noch da. Während die einen,'mie die Mauersegler und der Kuckuck, der uns den Frühling kündete, schon längst Abschied nahmen, treffen die anderen ein, .die den Herbst und Winter über unsere Gäste sein werden. Zu ihnen gehören vielerorts die Möven, die sich vorerst noch vereinzelt, bald aber in stattlichen Gemeinschaften bei uns einstellen. Auch sie sind Zugvögel, und mancher deutet ihr frühes oder spätes Kommen als ein Zeichen des mehr oder weniger zeitigen Winters. Aber wie eine einzige Schwalbe erfahrungsgemäß noch nicht den Sommer macht, so auch etliche Möven noch nicht den Winter. L. Gießener Konzertring 1942/43. Der Gießener Konzertring hat in diesen Tagen mit der Einladung zur Platzmiete eine Vorschau auf die zwölf Konzerte der Spielzeit 19 4 2/43 herausgehen lassen, der wir folgendes entnehmen. Das erste Konzert findet am 8. Oktober als Orchesterkonzert des Städtischen Orchesters unter Musikdirektor Söllner und mit Professor Franz Bruckbauer (Violine) als Solisten statt; auf dem Programm stehen die Leonoren-Ouvertüre (III) von Beethoven, das Violinkonzert von Sibelius und die Mozart-Variationen von Reger. Das zweite Konzert ist ein Klavierabend von Professor Elly N e y, die im vorigen Winter leider absagen mußte. Im dritten Konzert singt Lore Fischer (Alt), begleitet von Professor Hermann Reutter. Das zweite Orchesterkonzert unter Leitung von Professor Temesväry bringt das Concerto grossozF-dur von Händel, das Klavierkonzert C-moll von Beethoven und die Vierte Symphonie von Schumann. Das dritte Orchesterkonzert bestreitet das Rhein- Mainische Landesorchester unter Professor Hermann Abendroth mit Gerhard Taschner (Violine) als Solisten; auf dem Programm stehen: „Wieland der Schmied" von Hausegger, Violinkonzert D-dur von Brahms und die Erste Symphonie von Beethoven. Das sechste Konzert ist ein Klavierkonzert von Professor Johannes Hobo hm. Im vierten Orchesterkonzert spielt das Rhein-Mainische Landesorchester unter Musikdirektor Willy Naue; Solist ist Alfons Flügel (Tenor). Das achte Konzert bringt als Chorkonzert „Acis und Galathea" von Händel; Mitwirkende sind der Akademische Gesangverein und das Städtische Orchester unter Leitung von Professor Temesväry. Das neunte Konzert (5. Orchesterkonzert) wird vom Städtischen Orchester unter Musikdirektor Söllner bestritten; Solistin ist Elisabeth Reichelt von der Dresdner Staatsoper; Programm: Symphonie D-dur von Bach; Gesänge mit Orchester; Salzburger Hof- und Barock- Musik von Ierger. Im 10. Konzert spielt Vasa P r i - h o d a (Violine). Für das 6. Orchesterkonzert, geleitet von Professor Temesväry und mit Maria Neuß (Violine), sind vorgesehen: „Ruralia Hunga- rica“ von Dohnany, Symphonie espagnole von Lalo und Erste Symphonie C-moll von Brahms. Das Wendling-Ouartett wird am 16. Mai mit dem 12. Konzert die Spielzeit 1942/43 abschließen. Für unsere Verwundeten. Die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" führte in der vergangenen Woche im Auftrage des Oberkommandos der Wehrmacht und in Zusammenarbeit mit dem Sonderreserat „Truppenbetreuung" ser als Säumen [dliDan' deckten, i allen Jungen Brüten iMäN' Künste werfen Blüten lehnen Vettel n, weist n Sipe uM wegen sich oo" t haben Belfort 0 kurze coo >te Der- owankl' innt d>e on der zu oer- ,nal chM n«; Veltde von de° ssvögeln- SchlaN' °°" L 'S* *5 ff im Reichsministerium für Volksaufklärung und Pro-.eines Photokopierapparates für Die unweriilais- paganda in hiesigen Lazaretten folgende Deranstal- bibliothek Gießen 1500 RM jur Verfügung ge . tungen durch: IDie Hochschulgesellschast hat der Universitatsbiblio- fid) neben Melodischem Reichtum vor allem durch klangliche Farbenpracht und Vielseitigkeit der ton- Malerischen Wirkung aus. Wir hören das seltene Äerk neben Bruchstücken aus Schuberts unvollendet gebliebener, 1815 entstandener Musik zu (goethes Singspiel „Claudine von Villa della" am 18. September von 21 bis 22 Uhr im r Deutschlandsender unter der musikalischen Leitung Don Weigel. Der Rundfunk ehrt Bruno Stürmer. Der über den Bereich seiner künstlerischen Wirksamkeit in Kassel bekannte Komponist Bruno Stür- nier, der bereits durch ein Konzert in der Stadt firner Tätigkeit gefeiert wurde, erfuhr nuy im Deutschlandsender anläßlich seines 50. Geburtstages eine besondere Ehrung durch die Aufführung s-nes „Deutschen Konzertes" und der Chor- fontate „A u s Liede" mit dem Goethefchen Text. Hit seinem Schaffen wurzelt Bruno Stürmer in eher Neuromantik, die auch im Orchester oder Tgorwerk durch aparte Rhythmik den Ausgang vom Tänzerischen hernimmt und diesem Grundelement beschwingt-heiteren, aber auch dramatisch-tragischen Ausdruck zu verleihen versteht. Diese Note fesselt besonders an Stürmers Leistung. Karl Maria Zwißler war im Chor und Orchester dem Korn» mniften ein sorgsamer Interpret. Greta Daeglau. Umgekehrter Pygmalion. Das Schauspielhaus Leipzig brachte als Ur- otzfführung -Die dreiaktige Komödie „Pygrnalia" non Otto Bernhard Wendler heraus. Es handelt sieh um amüsante Variationen über das Pygmalion- Thema, diesmal mit umgekehrtem Geschlechtsvor- ze-chen, die etwas querköpfige Diana will ihren gradlinigen derben Gärtner zum Ideal eines richtigen Mannes erziehen. Das Experiment geht freilich anders aus als bei dem männlichen Urbild, das seine felbftgefertigte Statue lieb gewann. Diana nimmt dann doch den, der, obwohl er jenem Gärtner vorübergehend nachzueifern bestrebt ist, fiie in das Gängelband zwingt, das er ihr von allem Anfang an bestimmt hatte. Selbst Professoren, die im letzten Akt bemüht werden, halten diesen Fall der Diskussion wert. Es gibt mancherlei zu lachen über Arabesken, die mit Witz um die Liebe und das Ver- Wnis von Frau und Mann geschlungen werden. Alfred Lehmann. Gesellschaft statt. Der Vorsitzende Landrat Dr. Lotz richtete zu Beginn herzliche Begrüßungsworte an die Erschienenen, besonders an die neuen Mitglieder des Verwaltungsrates und an Professor Dr. Rauch als Vertreter des Rektors, dem er für die Ueberlaffung des schönen Raumes dankte. Dr. Lotz betonte die enge Zusammengehörigkeit zwischen Hochschulgesellschast und Universität und gedachte ferner in diesen schweren Tagen des Kampfes des Führers und unserer tapferen Wehrmacht: es werde nicht nur ein Kampf der Waffen, sondern auch der Weltanschauungen ausgetragen; aus diesem Kampfe wachse eine neue Ordnung der Dinge; der Nationalsozialismus habe auch den Hochschulen eine neue Zielrichtung gewiesen. Die Hochschule stehe nicht nur im Dienste der Wissenschaft, sondern auch im Dienste des Volkes. Wissenschaft und Praxis des Lebens müssen Hand in Hand gehen; in diesem Sinne sei die Hochschulgesellschast Helfer und Verbündeter der Universität auf dem Wege zur Lösung weitreichender Zukunftsaufgaben. Hieraus erstattete Landrat Dr. Lotz den Jahresbericht für 1941, dem zu entnehmen ist, daß auch die Tätigkeit der Hochschulgesellschaft infolge der Kriegsverhältnisse gewisse Einschränkungen erfahren hat. Am 31. Dezember 1941-gehörten 368 Mitglieder der Hochschulgesellschaft an. Im Berichts, fahre wurde der Verwaltungsrat durch den Hmzu- tritt folgender Herren erweitert: Ministerialrat Dr. Leip, Darmstadt, Kreisleiter Backhaus, Gießen, Oberbürgermeister Wamboldt, Darmstadt, Landgerichtspräsident Dr. Jakobi, Gießen, Landgerichtspräsident Thüre, Mainz, LanÄgerichtsprasident Dr. Colnot, Darmstadt, Landrat Dr. Straub, Friedberg, Landrat Wolf, Darmstadt, Direktor Dr. Fritz Reinhardt, stellv. Direktor des Zweckverbandes Oberheffl- scher Versorgungsbetriebe, Bad-Nauheim, Oberstudiendirektor Angelberger, Gießen, Oberstudien- direktor Dr. Wolkewitz, Gießen, Brauereibesltzer Hans Ähring, Lich, Fabrikant Karl Erich Gruene- waldt, Alsfeld. Von der Universität wurden in den Verwaltungsrat im Januar 1941 die Professoren Dr. Cermak, Dr. Vogel und Dr. Brüggemann entsandt. Von dem Vorstand wurde der Bankdirektor Ernst Bleyer (Gießen) zum Schatzmeister der Hoch- schulgefellschaft gewählt. Durch das Testament eines verstorbenen Gießener Fabrikanten wurde die Hoch- schuloesellschaft als Nacherbin eines ansehnlichen Kapitals eingesetzt, das für Zwecke der medizinischen Fakultät nach Eintritt der Nacherbschast bestimmungsgemäß verwandt werden soll. Aus Antrag des Vorsitzenden hat der Leiter des Zweckoerbandes Oberhessen, Staatssekretär Reiner, zur Beschastung eines Photokopierapparates für die Umversrtats- klofters und der dortigen Nechtsfchule. x Bankdirektor Bleyer erstattete den Rechnungs« bericht für 1941, der einen guten Stand der finanziellen Lage der Hochschulgesellschast zeigt. — Hierauf wurde dem Vorstand und dem Verwal- tungsrat E n t l a st u n g erteilt. Zum Tagesordnungspunkt Wahlen ist zu bemerken: Vorsitzender des Vorstandes ist Landrat Dr. Loh, stellv. Vorsitzender Prof. Dr. Eger, Schatzmeister Bankdirektor Dr. Bleyer. Der Vorstand, an sich vollbesetzt, besteht aus 16 Personen, von denen vier von der Universität entsandt, sieben von der Hauptversammlung und fünf vom Vorstand gewählt sind. Die Amtszeit der Herren Dr. h. c. Leitz (Wetzlar), Dr. Riekeberg (Wetzlar) und Oberbürgermeister Ritter (Gießen) ist abgelaufen. Dr. Riekeberg und Dr. Leitz werden wiedergewählt. Oberbürgermeister Ritter bleibt als Oberbürgermeister der Stadt Mainz Mitglied des Verwaltungsrats. Als fein Nachfolger im Vorstand wird fein Nachfolger im Amt, Oberbürgermeister Vogt, gewählt. — Der Verwaltungsrat soll aus 50 Personen bestehen. Als Mitglieder der Universität sind zur Zeit im Verwaltungsrat die Professoren Rudolph, Fröhlich, Hildebrand, Rauch', Schauder, Cermak, Vogel und Brüggemann. Ferner sind darin 36 von der Hauptversammlung gewählte Mitglieder. Ein Mitglied, Justizrat Dr. Reh (Darmstadt), ist freiwillig ausgeschieden. Die Amtszeit der Verwaltungsratsmitglieder Pfeiffer, Bier wes, Castell, Mosch und Vogel ist in diesem Jahre abgelaufen. Sie werden durch die Hauptversammlung wiedergewählt. Fabrikant Pfeiffer, der Vorsitzende des Vevwaltungsrates, wird vom Ver- waltungsrat wiedergewählt. Der Vorsitzende schloß die Hauptversammlung mit dem Wunsche, das Jahr 1942 möge uns den Sieg bringen, und mit dem Gruß an Wehrmacht und Führer. Oie Raumordnung im Großdeutschen Reich. Im Anschluß an die Hauptversammlung sprach Ministerialrat Prof. Dr. Hamm, ehemals Bürgermeister der Stadt Gießen, über „Die Raumordnung im Großdeutschen Rei ch". Nach kurzer Begrüßung durch den Vorsitzenden Landrat Dr. Lotz richtete der Vortragende herzliche Dankes- worte an die Hochschulgesellschast und führte dann u. a. folgendes aus: Durch die Umstellung der deut- schen Wirtschaft von der Agrarwirtschaft zur Industrie im 19. Jahrhundert, die Zusammenballung Nein, danke. Mein Magen macht heute em bißchen Geschichten. Ich werde auch früher heungehen, Zilli." Dann wendete sich der Bürgermeister an Niederhofer. „Nebenbei gefragt, Herr Sanitätsrat, was macht denn Ihre Patientin, die Frau Brug- ger? Das hat am Anfang ja bös ausgeschaut. Der Vogel von der Feuerwehr hat gar gemeint, der Balken habe sie erschlagen." „Nun, so schlimm war es Gott fei Dank nicht. Die kleine Frau hat Glück gehabt. Ihre derbe Windjacke und die Kapuze haben das Aergste abge=.. halten. Frau Brügger ist, soviel darf ich ja ruhig verraten, mit einer schweren Brandwunde und einer Prellung des Rückgrats davongekommen." „Und die Lähmung? Sie hat doch die Arme nicht mehr bewegen können." „Die Lähmung ist nahezu behoben. S>e war eine Folge der Kontusion. Kriegen Sie mal so ein Trumm auf den Rücken!" „Hoffentlich bleibt nichts zurück?" w „Ich glaube nicht. Wäre auch bedauerlich, «o eine nette junge Frau und so kurz verheiratet." Der Oberstabsarzt schluckte einen Bissen hinunter und gab die Haut seinem Schnauzl. Dann sagte er anerkennend: „Schneidig ist die wie der Teufel! Ich habe mir alles genau erzählen lassen. Zuerst das mit dem Benzin. Allen Respekt! Und wie sie den Buben, den Glasl, geistesgegenwärtig zurückgerissen hat! Wenn sie das Benzin nicht in Sicherheit gebracht hätte, wäre dem Brügger fein ganzer Starenkobel abgebrannt. Das wäre ein Schlag für den Mann gewesen, nicht auszudenken! Wo er doch so an seiner Heilstätte hängt und dafür lebt und stirbt!" „Jaja", pflichtete Burdach bei, „das war schon eine Leistung von der Frau. Soviel Geistesgegenwart und Mut hat so- leicht keine." „Dafür lobt sie auch ganz Trettau", sagte der Bürgermeister. Die Purgstaller am Nebentisch kicherte spöttisch. Das Gelobhudel ärgerte sie schon lange. Als alles zu ihr herübersah, kam sie um eine Erklärung nicht herum und sagte hissig: „Jaja, manche Leute verstehen es großartig, sich in Szene zu setzen!" Anrainer schaute erschrocken auf, denn er kannte das Temperament Alwines. Hy mm en begründete, der in den Ostkämpfen jchwer verwundet wurde. Die Plakette wurde Förderern und Freunden von Hermann Löns verliehen, und zwar dem Reichsminister Rust, den Gauleitern Telfckow und Dr. Mey er, dem General Muff (Hannover), dem die Hermann-Löns- Tssellschaft die (Stiftung des Löns-Hvfes in der Heide verdankt, dem Dichter Börries von Münchhausen und den Löns-Freunden Wilhelm Asche und Hauptmann S t u h l m a ch e r , die sich um die Begräbnisstätte von Hermann Löns verdient ge- i macht haben. Ostforschung der Deutschen Akademie. Der Präsident der Deutschen Akademie, Ministerpräsident Siebert gründete eine Abteilung für deutsche Ost-Beziehungen, in die namhafte deutsche Gelehrte berufen wurden. Die ; elfte Arbeitsbesprechung sand in München unter hem Vorsitz des Leiters der Abteilung, Professor Dr. Erwin Kosch wieder, München, statt. Die . Abteilung sieht ihr Arbeitsgebiet in der Untersuchung der Einwirkung des geistigen deutschen Levens auf den Osten. Es werden ferner enzyklopädische und bibliographische Werke in Angriff genommen werden, die eine vielseitige Kenntnis des Ostens vermitteln sollen und dabei so angelegt werden, daß sie nicht nur für theoretische Studien, sondern auch für praktische Zwecke brauchbar sind. Ein Bücherfreund. Der bekannte deutsche Bibliophile Dr. Ernst Ferdinand Baron Neufforge ist in Davos 'im Mer von 73 Jahren gestorben. Er besaß eine kostbare Sammlung alterdeutscherDrucke und Erstausgaben, wohl die größte derartige Sammlung im Privatbesitz. Sie umfaßte Drucke von Gutenberg, Fust und Schösser, Buch- und Karten- Erstdrucke von Regio Montanus, Cusanus, Ausgaben von Martin Luther, weiter wertvolle Buchausgaben der klassischen Literatur und Kunst und Bücher aus dm Anfängen der medizinischen, naturwissenschaft- . lichen und astronomischen Wissenschaft. Line unbekannte Lhorballade Robert Schumanns im Rundfunk. Robert Schumanns Balladenzyklus „V o m P a - aenundderKönigstochter" ist eine Schöpfung reifster Meisterschaft, die zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist. Als dichterische Vorlage dienen Äxte von U h l a n d. Schumanns Vertonung zeichnet In zwei Lazaretten erfreuten in „einer Stunde Sonnenschein" Mimi Klingler (Sopran), Paula Schmidt (Sprecherin) und Hans Erich W e i d i g als Akkordeon-Virtuose die Verwundeten aufs beste. Das reichhaltige Programm fand regen Beifall. Die staatliche Hochschule für Musik in Frankfurt gab mit ihren Studierenden unter Leitung von Unteroffizier Wilhelm B e n b e r vor vielen Verwundeten ein Konzert. Chöre, Lieder und Kanons wurden durch einen gemischten Chor mit gutem Stimmenmaterial zu Gehör gebracht. Das Bläserquintett von Mozart wurde gut gespielt. Im letzten Teil der Vortragsfolae „Laß doch der Jugend ihren Lauf" erfreute ein Moser-Imitator neben all den fröhlichen Liedern. Durch die gute Leitung von Unteroffizier Bender und das frische Mitgehen xber Studenten hatte die Veranstaltung einen starken Erfolg und viel Beifall. In einem Lazarett lief der Film „Das verliebte Hotel" zur frohen Unterhaltung. Unter dem Motto „Dein ist mein Herz" sand in einem Lazarett ein Konzert statt. Else ßampmann (Alt) fang Lieder von Schubert, Beethoven und Grieg. Elsie Bruck (Violine) spielte die Romanze F-dur von Beethoven, Tänze von Brahms und Sarasate. Gisela Sott (Klavier) spielte das Präludium von Chopin und begleitete die Ausführenden feinfühlend. Im Auftrage der Kreisbildstelle zeigte Lehrer Appelmann Filme „Deutscher Kolonialarbeit" und gab Erläuterungen dazu. j Verschiedene Musikabteilungen der Wehrmacht erfreuten die Verwundeten mit Konzerten. Die Musikabteilung der Unteroffiziervorschule in Wetzlar veranstaltete in einem Lazarett ein Konzert, welches starken Beifall fand. Ein Spielmannszug und eine Kapelle unter Leitung von Feldwebel F i e d l e r spielten schöne deutsche MilitäMNusik. Fröhliche Stimmung brachten eine kleine Schar mit Akkordeons, Violine und Schlagzeug zusammen mit einem Gesangsquartett unter Leitung von Unteroffizier Schützdeller. Reicher Beifall dankte den Ausführenden. Um den Verwundeten eine Freude zu bereiten, hatte sich eine Gruppe des RAP. in zwei Lazaret« ten eingefunden. Die Kapelle und ihre Solisten erfreuten mit den beliebten Melodien> In der reichhaltigen Vortragsfolge wechselten Humor, Laienspiel und Imitation bekannter Künstler ab. Ein Rollschuhläuser gefiel mit seiner Kunst. Die Veranstaltung fand großen Beifall. Durch Vermittluna der Kreisfrauenschastsleiterin Wrede spendeten die Ortssrauenschaften in Non- nenroth, Nieder-Bessingen, Ober-Bessingen. Röthges und Rödgen eine große Zahl Kuchen, welche an die Lazarette verteilt wurden. — Die Ortsgruppen mit ihren Gliederungen in Mainzlar und Rüddings- Hausen hatten zum Sonntag Verwundete aus hiesigen Lazaretten eingeladen. Die Verwundeten waren Gäste in den Familien und fanden sich nachmittags zu froher Kaffeestunde mit Unterhaltung zusammen. In Rüddinqshausen sorgte die Spielschar von Schulleiter F l a t h für abwechslungsreiches Programm. Im Senatssaal der Landesunioerfität fand am i thek eine Zuwendung von 500 RM. zum Ankauf Samstagnachmittag die diesjährige Hauptv er- einer größeren Bibliothek gemacht; es handelt sich (ammlunq der Gießener Hochschul- dabei um einen Gelegenheitskauf einer wertvollen ....... -~ «- " »■- • *- ' Bibliothek von rund 6000 Bänden im Werte von etwa 10 000 RM.. und zwar um alte Bücher aus der Bücherei des früheren Wetzlarer Jesmfen- Deutschlands Sport sammelt für das WSW Ein Aufruf de< Reichssportführer-. Reichssportführer von Tschammer und Osten erläßt für die 1. Reichsstraßensammlung zum Kriegs- Winterhilsswerk des deutschen Volkes am 19. und 20. September nachstehenden Aufruf! In Dors und Stadt wird der deutsche Sport diesmal aus einem anderen Gebiet als sonst zu großen Leistungen streben. Er wird alles das einsetzen, was er nur einzusetzen vermag, um der 1. Reichsstraßensammlung am 19. und 20. September 1942 zu einem Ersolg zu verhelfen, der dem früheren mindestens gleichwertig ist. Zu diesem Ziel kann der deutsche Sport aus eigener Kraft nicht gelangen, vielmehr braucht er dazu Hilfe und Bereitschaft des ganzen deutschen Volkes. Um diese Hilfe und Bereitschaft bitte ich im Namen des deutschen Sports, der das ganze Jahr über so reichlich schenkt und verschenkt. daß er auch einmal im Jahr um etwas bitten darf. Er tut es nicht für sich, er tut es vielmehr für das Winterhilfswerk des deutschen Volkes dessen erste Sammlung er durchzufuhren beauftragt. ift Um fie erfolgreich zu gestalten, bedürfen wir diesmal mehr als nur der eigenen Kraft. Er ist aufgerufen und eingesetzt. Das andere an Kraft und Bereitschaft muß der Wille mobilisieren, der großen Zeit würdig zu sein, einer Zeit, in der ganz andere Opfer gebracht werden als die materieller Art. Wir wollen uns nicht beschämen lassen. In solchem Sinne rufe ich rum Werk der 1. Reichsstraßensammlung 1942/43. Der deutsche Sport sammelt. Ist ihm sonst das Erlebnis wesentlicher als das Ergebnis, diesmal bekennt er sich zum Ergebnis. Helft uns, dieses Ergebnis groß und ansehnlich zu gestalten. Der Reichssportführer. von Tschammer und Osten. SJL-tfpoit Gießener Fußballer auswärts. Das gestrige Fußballspiel, das die Gießener Vertretung zum Sportclub Viktoria Nidda führte, brachte einen eindeutigen 6:2-Sieg. Da die Terminnot den Gaufachwart gezwungen hat, die Spiele der Kriegserinnerungsrunde von jetzt ab gleichzeitig als Verbandsspiel zu werten, darf man von einem erfolgreichen Anfang sprechen. Die Gastgeber konnten dem technischen Spiel der Gießener nur Härte entgegensetzen, von der sie auch reichlich Gebrauch machten. Lange Zeit hatten sie damit auch Ersolg. Den Führungstreffer, der Kombinierten glichen sie noch vor der Pause aus, um kurz nach dem Wechsel mit 2:1 in Führung zu gehen. Diesen Vorsprung hielten sie bis 20 Minuten vor Schluß. Innerhalb kurzer Zeit wurden durch Fleischhauer (2), Günther, Kraft und Walter fünf Treffer erzielt, die den einwandfreien Sieg ergaben. In der Aufstellung Engel, Groscny, Schlitz, Drösch, Kraft I, Kraft, H. Schmück, Günther, Walter, Deeg, Fleischhauer konnten die Gießener einigermaßen überzeugen. (Stahlunion Frauen-Handballmeister. Die Nachfolge des VfR. Mannheim in der deutschen Frauen-Handballmei st erschuft hat die Elf der Stahlunion Düsseldorf ange- tketen, die aus dem Magdeburger Endrundenturnier siegreich hervorging. In der Vorentscheidung wurde der KTV. Stettin mit 10:0 Toren besiegt und im Endspiel der Eimsbiitteler TVd. Hamburg mit 5:4 Toren. Hier fiel die Entscheidung erst in der verlängerten Spielzeit. Kurze Sportnotizen. Vorn Rücktritt Max Schrneelings hat der Internationale Berufsboxverband (APPE.) offiziell Kenntnis genommen. Der Verband wird in Kürze einen Titelwettbewerb im Schwergewicht ausschreiben, um möglichst bald den Nachfolger Schme- lings zu ermitteln. Harbig, Mellerowicz und W o t a p e k wurden vom Reichssportführer als Teilnehmer an leichtathletischen Wettkämpfen in Helsinki und Tampere (17. bis 20. September) bestimmt. * Der Schwede Gunder Hägq lief in St'o^- holm vor 20 000 Zuschauern erneut Weltrekord. Er verbesserte den auf 13:42,4 Minuten stehenden Drei- Meilen-Rekord des Finnen Taisto Mäki auf 13:35,4 Minuten. Das ist Häggs achte Weltbestleistung in diesem Jahr. der Menschen In den Gebieten großen Rohstoffvorkommens, entstand eine einseitige Verteilung der Menschen im deutschen Raum. Verhältnismäßig leeren Räumen im Osten standen die Ballungsgebiete im Westen gegenüber. Der Versuch, die dadurch entstehenden schweren Schäden in völkischer Beziehung (Geburtenrückgang, Landflucht) und die Verwicklungen auf dem Gebiete des Verkehrs in den Pallungsgebieten zu beheben, führte 1935 zur Schaffung der „Reichsstelle für Raumordnung", welcher gesetzlich die übergeordnete Planung und Ordnung des deutschen Raumes für das gesamte Reichsgebiet vom Führer übertragen wurde. Die einzelnen Fachressorts haben die Verpflichtung, ihre Planungsvorhaben der Reichsstelle für Raumordnung bekanntzugeben, die sich für die Durchführung ihrer Aufgabe der Planungsbehörden und Landes- planungsgemeinschaften bedient. Planungsbehörden sind die Reichsftatthalter, in Preußen die Oberprä- sidenten und Regierungspräsidenten. In den Landesplanungsgemeinschaften sind alle in einem Raum tätigen Kräfte, Verwaltungen, Behörden und Gliederungen zusammengefaßt. Ihre Geschäftsführer sind die Landesplaner, die zugleich die Generalreferenten für Raumordnung bei den Planungsbehörden sind. Die Arbeit der Reichsstelle für Raumordnung gliedert sich in eine Raumbestandsaufnahme (Natur, Bodenschätze, Klima, Bevölkerung und Wirtschaft), ferner in eine Raumplanung, die sich aus der Reichsplanung, Landesplanung und Bezirksplanung zufammenfetzt, wobei sich die kleinräumige Planung in die übergeordnete einzufügen hat, und die ihren Niederschlag in einem Raumordnungsplan findet. Dieser ist ein in Gemeinschaftsarbeit der Landesplanungsgemeinschaft mit allen Fachstellen gewonnenes Wunschbild, durch das die Planungsvorhaben der Fachstellen und die kleinräumigen Planungen aufeinander abgestimmt und zusammengefaßt werden können. Zur Raumplanung gehört die fortgesetzte Raumbeobachtung auch wahrend der Durchführung der Arbeiten. Die Aufgabe der Reichsstelle ist die Herbeiführung einer sinnvollen Synthese zu diesen Reichsfachplanungen und der regionalen Totalplanungen nach den Richtlinien der politischen Führung. Die Durchführung bedeutet die Umsetzung der gefundenen Werte und Entwicklungsmöglichkeiten in die Praxis. Sie ist Aufgabe der örtlichen Fachstellen. Unterstützt wird die Tätigkeit der Reichsstelle für Raumordnung durch die „Reichsarbeitsgemeinschaft für Raumforschung", die in allen Universitäten und Technischen Hochschulen ihre Arbeitsgemeinschaften eingerichtet hat, und deren Aufgabe es ist, Gegebenheiten eines Raumes erkenntnismäßig aufzuhellen und die Erarbeitung von Ordnungsprinzipien und Einzelerscheinungen zu fördern. Von der Erkenntnis ausgehend, daß Raumordnung angewandte Staatspolitik auf weite Sicht ist, beschäftigt sich die Reichsstelle für Raumordnung mit folgenden wichtigsten Problemen: Stärkung der biologischen Volkskraft, arteigene Zuordnung von Volk und Landschaft, bestmögliche Nutzung des Bodens und feiner Kräfte, höchste Steigerung der Abwehrbereitschaft des deutschen Raumes. — Diese Ziele sollen erreicht werden durch eine vernünftige Verteilung der Bevölkerung im Reich, durch Siedlung-, Industrie- und Gewerbelenkung, Behebung der Landflucht, Stärkung des deutschen Ostens, Sicherung der landwirtschaftlich guten Böden, Aufforstung schlechter Böden, planmäßige Bewirtschaftung der deutschen Bodenschätze, des Wasserhaushalts, Schaffung einer artgemäßen Landschaft, besonders im Osten, und durch Gestaltung des Raumes in einer Form, daß er in seiner Abwehrbereitschaft größtmögliche Sicherheit bietet. Alle diese Aufgaben bedingen eine großräumige Verkehrsplanung, denn alle Kräfte eines Raumes kommen erst dadurch wirksam zur Geltung, daß sie in Bewegung gesetzt werden. Die Beschäftigung mit diesen Problemen läßt erkennen, daß Deutschland durch zahllose Bindungen mit dem europäischen Gesamtraum eng verflochten ist, ja, daß Europa in Zukunft als geschlossener Raum betrachtet werden muß, dessen Völker auf Gedeih und Verderb miteinander verbunden sind. Die Lösung kann man sich durch Anerkennung einer „europäischen Raumordnung" durch die europäischen Völker und durch eine langfristige und weiträumige Planung im Sinne der bewährten deutschen Planung denken, an die sich die anderen europäischen Länder angleichen könnten. Bei der Aufgabe der Raumordnung handelt es sich um eine gewaltige Aufgabe für Generationen, um die Steuerung von Volk und Raum. Die Aufgabe ist politisch von größter Bedeutung. — Das Kerzisnik-Quartett umrahmte den Vortrag mit zwei Quartettsatzen (op. 59,1; op. 18,4,1) von Beethoven. Tätige Heue bei Vergehe« gegen den Lohnstop. Der Generalbevollmächtigte für den Arbeitseinsatz macht nochmals darauf aufmerksam, daß am 15. September 1942 die Frist abläuft, bis zu der der Betriebsführer wegen Verstoßes gegen die lohngestaltenden Vorschriften tätige Reue üben kann. Wer bis zu diesem Tage freiwillig unzulässige, in der Zeit vom 16. Oktober 1939 bis 1. Juli 1942 vorgenommene Lohn- ober Gehaltserhöhungen, Erhöhungen sonstiger laufender Zuwendungen ober die unzulässige Ausschüttung einmaliger Zuwendungen dem zuständigen Reichstreuhänder der Arbeit anzeigt ober wer von sich aus freiwillig unzulässig ausgezahlte Bezüge mit Wirkung vom 1. Juli 1942 ab wieder auf den gesetzlichen Stand vom 16. Oktober 1939 zurückführt, bleibt straffrei. Wer es dagegen unterläßt, eine solche tätige Reue bis zum 15. September 1 942 zu üben ober wer in Zukunft Löhne, Gehälter unb Bezüge entgegen den gesetzlichen Vorschriften verändert, muß nunmehr mit sehr fühlbaren Strafen rechnen. Der Generalbevollmächtigte für den Arbeitseinsatz hat die Reichstreuhänder der Arbeit angewiesen, Perstöße gegen die im Interesse stabiler Wirtschafts- unb Währungsverhältnisse gebotene Lohnbisziplin unnachsichtig zu ahnden. Oie ersten kaufmännischen Fachschulen. Die Deutsche Arbeitsfront, Amt für Berufserziehung und Betriebsführung, hat Fachschulen für den Außenhandels- unb Kolonialkau'fmann sowie für den Betriebskaufmann gegründet. Am 19. Oktober werden diese Fachschulen durch den Amtsleiter Professor Dr. A r n h o l d eröffnet werden. Es handet sich hier um die, ersten kaufmännischen Fachschulen, die mit staatlicher Genehmigung und mit Berechtigung zur Abnahme einer Abschlußprüfung ins Leben gerufen worden sind. Der Besuch dieser Schulen wird insbesondere dem Kreise der Jungkausleute empfohlen. Die Industrie- und Handelsbetriebe werden sicherlich daran interessiert sein, entsprechend ihrer Größe und Leistungsfähigkeit, begabte Kaufleute durch die Aufnahme ihres Studiums an diesen Fachschulen zu fördern. Da von der Zeit bedingt die hauptsächlich in Frage kommenden Jahrgänge sich bei der Wehrmacht befinden, ist immerhin festzustellen, daß doch noch auch in den fraglichen Jahrgängen Kaufleute im Beruf stehen, die etwa durch eine Kriegsbeschädigung, durch einen Unfallschaden oder aus anderen Gründen nicht mehr kriegsverwendungsfähig sind. Außerdem können junge Kaufleute die Fachschulen besuchen, die zur Zeit im ersten Gehilfenjahr stehen. Nähere Auskunft wird durch die Kreiswaltuna der Deutschen Arbeitsfront, Hauptstelle für Berufserziehung und Betriebsführung, Gießen, Schanzenstraße 18, erteilt. Die Beschaffung von Schulheften. Amtlich wird mitgeteilt: Der Verkauf von Schulheften aller Art ist künftig nur gegen Vorlage eines mit dem Stempel oder Sichtvermerk einer Schule versehenen alten Heftes oder der von einer Schule, einem hauptberuflich tätigen Privatlehrer oder einem Erziehungsheim (KLV.-Lager) erteilten Bescheinigung zulässig, daß die Anschaffung des Heftes für Unterrichtszwecke erforderlich ist. Indern vorgelegten alten Heft ist die Aushändigung des neuen Heftes zu vermerken. Besondere Bescheinigungen sind von den Schulen nur bei der Erstbestellung auszustellen. Die Anordnung erstreckt sich nicht auf Sammelbestellungen, die von den zuständigen Stellen für den Schulgebrauch aufgegeben werden. Die Sammelbestellungen der Schulen sind nur in dem Umfange vorzunehmen, in dem dies auch bisher üblich -war. * ** Anmeldungen zum HJ.-Veranstal-- t u n g 5 r i n g für Lager- und Einsatzteilnehmer besonders geregelt. Um auch den Teilnehmern an Wehrertüchtigungs- und sonstigen Lagern, sowie den zur Zeit im Ernteeinsatz befindlichen Angehörigen der Hitler-Jugend eine Beitrittsmöglichkeit zu den verschiedenen Reihen bieten zu können, werden abweichend von der vor einiger Zeit bekanntgegebenen Regelung Anmeldungen der oben angeführten Jungen unb Mädel in der Zeit Dom. 15.9. bis 25.9. dienstags und donnerstags von 20 bis 21 Uhr auf der Banndienststelle, Seltersweg 52II, entgegengenommen. Aus der engeren Heimat. Landkreis Gieße«. * H e u ch e l h e i m, 12. Sept. In aller Stille fand am Freitag die Trauerfeier für den verstorbenen Lehrer Christian Kloos in Gießen statt. Lehrer Kloos war in Oppenrod geboren. Er besuchte die Präparandenanstalt zu Lich und das Seminar zu Friedberg. Seine erste Verwendung nach dem Seminarabgang fand er in Storndorf, er stand dann lange Jahre in Ober-Ofleiden im Dienst. 1927 wurde ihm eine Lehrerstelle in Heuchelheim übertragen. Eine unscheinbare Wunde am Finger, die er sich vor ein paar Wochen zuzog, war Anlaß seines Todes. Schulrat Walter sprach im Namen des Kreis- fchulamtes und des Landratsamtes anerkennende Worte über die mit Fleiß unb Gewissenhaftigkeit ausgeübte Lehrtätigkeit von Christian Kloos. Rektor K n a b gedachte des Berufskameraden mit warmen Worten, und Beigeordneter Sack stattete dem Verstorbenen den Dank der Gemeinde ab für feine an der Schuljugend geleistete Arbeit. Lehrer Kloos starb im Alter von 62 Jahren. (Sin Kind verbrannt. Lpd. W e tz l a r, 13. Sept. Ein schwerer Unglücksfall forderte in Dorlar das Leben eines siebenjährigen Jungen. In einem Stall, der zum Hause des Schleusenwärters an der Lahnfchleufe gehört, war auf ungeklärte Weife Feuer ausgebrochen, das rechtzeitig gelöscht werden konnte, ehe es weiter um sich griff. Bei den Aufräumungsarbeiten fand man den siebenjährigen Waljep Schneider verbrannt auf. Ts ist der 'Sohn des Wasierbau- arbeiters Schneider, der das Schleusenhaus bewohnt und jetzt im Felde steht. Der bedauernswerte Junge hat offenbar nach den Hühnern sehen wollen, vielleicht auch ein Streichholz angezündet, und ist dabei ums Leben gekommen. Wittschast. ♦ ■ Aktienzuckerfabrik „W etterau" Friedberg i.H. Die zur bekannten Kapikals- berichtigung um 0,25 auf 0,75 Millionen RM. benötigten Mittel werden gewonnen durch Entnahme von 75 000 RM. aus den freien Rücklagen und 200 000 RM. aus Zuschreibung zu den Anlagen. Damit wird auch die Pauschsteuer von 250 000 RM. ausgebracht. Im Geschäftsjahr 1941/42 (30. Juni) wird einschl. 5220 (1789) RM. Vortrag ein Reingewinn von 31 051 (45 202) RM. ausgewiesen, aus dem It. HV.-Beschluß eine Dividende von 6 (8) RM. gezahlt wird. Bon -er Börse. Frankfurt a. M., 11. Sept. An den Aktienmärkten war die Umsatztätigkeit recht klein, die Kursgestaltung dementsprechend uneinheitlich. In den letzten Tagen kam es vielfach zu Notizstreichun- gen. Zunächst Überwogen leichte Kursabschwächnn- gen, im Wochenverlauf ergaben sich jedoch hier und da wieder leichte Erholungen' so daß per Saldo das Kursniveau sich wenig verändert haben dürfte. JG.-Farben blieben weiter unnotiert, am 14. 9., wird das Bezugsrecht notiert werden, am 19. 9^ - soll das Papier auf kapitalberichtigter Basis wieder notiert ryerden. Scheideanstalt konnten den vorangegangenen Verlust wieder voll aufholen und schlossen mit 198 auf alter Höhe, VDM. ebenfalls leicht aufholend unb schließlich 168. Lahrneyer waren wenig oeränbert, meist 163,5. In Westd. Kaufhof konnte sich der Kurs wieder bis an 98 heran befestigen, auch Zell Waldhof mit 118 bis 118,5 nur wenig verändert. Daimler, die vorübergehend bis 193,5 nachgegeben hatten, wurden zuletzt mit etwa 195 genannt. Am Rentenmarkt hat der Angebotsdrang stark nachgelassen, insbesondere sind Pfandbriefe wiederum kaum noch im Markt, aber auch in Jn- dustrieobligationen sind die Verkaufsaufträge stärker zurückgegangen und teilweise kam es zu leichten Erholungen. Stadtanleihen auf Basis von 100,5 bis 101 wenig verändert. Reichsaltbesitz konnten bis 167,13 anziehen, waren dann aber leicht schwächer, Steuergutscheine I unv. 103,75, Kommunalumschuldung gaben bis 103,13, späte Schuldbuchforderungen 4/er bis 104, 48er bis'105 nach. Frankfurter Schlachkviehmarkt. Frankfurt, 12. Sept. Es notiertet! je 50 kg Lebendgewicht in RM.: Ochsen a) 50 bis 51, b) 45 bis 47, c) 40 bis 42, Bullen a) 47 bis 49, b) 43 bis 45, c) 38 bis 40, Kühe a) 47 bis 49, b) 43 bis 45, c) 35 bis 39, d) 22 bis 2Ö,5, Färsen a) 48 bis 50, b) 44 bis 46, c) 38 dis 41, d) 26 bis 32,5, Kälber, Sonderklasse 65 bis 74, andere Kälber a) 59, b) 57 bis 59, c) 48 bis 50, d) 35 bis 40, beste Mastlämmer 52 bis 54, Hümmel und Schafe nicht notiert, Schweine a) 64, bl) 64, b2) 64, c) 63, d) 59, e)/57, f), gl), g2), h) und i) nicht notiert. — Marktverlauf: alles, zugeteilt. Verdunkelungszeit. 14. September von 20.41 bis 6.25 Uhr» Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter de4 Hauptschriftleiters: Dr. Hans Thyriot. Verantwortlich für Politik unb Bilder: Dr. Fr. W. Lange: für das Feuilleton: Dr.Hans Thyriot: für' Stadt Gießen, Provinz, Wirtschaft u. Sport: Ernst Blmnschein (Bettti.), i.V.: Dr. Hans Thyriot. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange K.G. Berlagsleiter: Dr.-Fng. Erich Hamann; Anzeigenleiter: HanS Beck. Anzeigeigenpreisliste Nr. 6. Statt Karten GLORIri 04529 Heute Montag Erstaufführung nebst allen Angehörigen. 04519 Watzenborn-Steinberg, Hausen, im September 1942. ober hauch dünn Marie Wagner Oswald Jung Wir haben uns verlobt | Kaufgesuche | ' Gut erhaltenes Herren- oder öniliensniM auch ohne 93er., z. kaufen gesucht. Sckr. Ang. unt. 04518 a. d.G.A. Rotweißbunte Katze auf „Minni" hörend, entlaufen. Abzugeb. gegen BelvhNUNgl 04523 bei Heuser, Kavlaneigasse 5 Jung. Ehevaar sucht möbliertes 2-Mn-tar geg.Uebernahmc der Hausarbeit. Frauenl. Haushalt bevorzugt. Schr. Ang. unt. 04522 a.d. G.A. MeineAuzeigen lm Gießener Anzeiger werden von Tausenden kssÄet und Mehr Freude an der Natur durch Bermühler-Bücher! Lina Gräf, geb. Strack. Gießen, 14. September 1942. Danksagung. Für die vielen Beweise warmer, wohltuender Anteilnahme bei dem Heldentodemeineslieben SohnesDr.Werner Gräf, Stabsarzt in einem Inf.-Regt. (mot.), danke ich herzlichst. 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Für die überaus vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme, die uns in unserem großen Schmerz bei dem Heldentod meines über alles geliebten, herzensguten, unvergeßlichen Mannes und Vaters Heinrich Münch, Obergefreiter bei der Luftwaffe, entgegengebracht wurdep, danken wir herzlichst. Besonderen Dank Herrn Pfarrer Reusch, Leihgestern, für die trostreichen Worte bei der Gedächtnisfeier und allen, die ihm die letzte Ehre erwiesen haben. In tiefem Schmerz: Frau Katharina Münch, geb. Eckhardt, unc Kinder Statt Karten. Danksagung. Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme, die zahlreichen Kranz- und Blumenspenden und die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Schmidt beim Heimgang meiner herzensguten , Frau, unserer treusorgenden Mutter u. meiner liebevoll. Tochter Frau Ottilie Norwlg, geb. Weinrich, sagen wir auf diesem Wege unseren herzl.Dank. In tiefer Trauer: Heinrich Norwig, Lehrer,z.Z.Hptm. im Stabe einer Ers.-Div. Helmut und Dieter Norwig. Kath. Weinrich Wwe. und alle Angehörigen. Höchst i/Odw., Lollar, den 10. September 1942 , _______ 2768 D Nach langem schweren Leiden starb heute in einem Reserve-Lazarett an den Folgen seiner im Osten erlittenen schweren Verwundung unser innigstgeliebter Sohn, Bruder und Schwager Ludwig Immelt Obergefreiter in einem Infanterie-Regiment im 32. Lebensjahre. In tiefer Trauer: Georg Immelt und Frau Susanne, geb. Müller Gustchen Immelt Georg Immelt. r. Z. im Felde, und Familie Freienseen, Ober-Gleen, den 12. Sept. 1942. Die Beerdigung findet Dienstag, den 15. Sept., 15.15 Uhr, in Freienseen statt. 2771 D Ruppertsburg Lich September 1942 Zwei Damen suchen geeignete MlönlWl zur Führung ihr. Haushaltes. Schriftl. Angeb. unter 04489 an den Gieß. Anz. Rechnungen bei Brühl, Oießen mit Marte Harell.H. Moser, P. Hörbiger Heute Montag Lichtspielhaus Täglich 3.00, 5.15, 8.00 Uhr bis Mittwoch einschließlich Jugend ab 14 Jahre hat Zutritt 2770 C PQLQST Giessen __04434/ Kaufe zum Tar- preis 1.2-Liter- Opel-Wen auch im defekten Zustand. [2767D Eduard Kratz, Ober-Ohmen fHessen), Televhon: Mücke 65. [Verschiedenes Gutgehende Kletterweste liegen geblieben Bahnhofstr. 88.