Samstag, 14./$oittttag, 15. März 1942 Q & W Q Samstag, 14-/r Giesjener Anzeiger Annahme von Anzeigen für die Mittaasnummer bis 8Va Uhr desVormittags Anzeigen-Preise: Anzeigenteil 7 Rvf. je mm bei 22 mm Zeilenbreite, Textteil 50 Rvf. je mm bei 70 mm Zeilenbreite Nachlässe: Wiederholung Malstaffel I AbschlüsseMengenstaffelS Platzvorschrift (vorherige Vereinbarung) 25"/« mehr (92. Jahrgang Nr. 62 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat imBild- DieScholle Bezugspreis: Monatlich.....RM.1.80 Zustellgebühr... „ -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Fernsvrechanschluh 2251 Drahtanschrift: „Anzeiger" Postscheck 1168k Frantf./M. vrühlsche Univerfitätrdruckerri H. Lange General-Anzeiger für Oberhessen H Siehem5chulstraßer-- t wurden 11 Mann getötet und mehrere, verwundet. Eine halbe Million Zivilpersonen ist von den englischen Behörden aus Kalkutta bereits ab- transportiert worden. Auch die nicht durch besondere Obliegenheiten zurückgehaltenen Zivilpersonen von Karachi, der wichtigen Hafenstadt an der Indus-Mündung nahe der Nordwestgrenze, sind von bien" englischen Behörden aufgesordert worden, die Stadt zu räumen. Der Nationalistenführer Pandit Nebru hat die Verteidigungsvorbereitungen der britischen Behörden in Indien, die eine wahre Panik unter der Bevölkerung Hervorrufen, scharf kritisiert. Nehru betonte, daß die Evakuierung der Küstenstädte keine Lösung des Derteidigungspro- Oer Heldengedenktag. Berlin, 14. März. (D31B.) 3n den Mittagsstunden des 15. März wird die V ehr- macht in besonders feierlicher Form der Toten des jetzigen Krieges und des Weltkrieges gedenken. Der feierliche Staatsakt, bei dem ein Kranz des Führers niedergelegt wird, wird auf alle deutschen Sender übertragen. „Sieg um jeden Preis!" Nr. Goebbels spricht auf dem Wiener Heldenplatz am 4. Jahrestage der Heimkehr ins Reich Blutiger Terror in Indien. Zusammenstöße mit der britischen Polizei. — Umfangreiche Evakuierungen. mögen; wir wissen aber erst recht, was wir auf» bringen können." Dr. Goebbels sprach dann davon, wie unsere Gegner mit Bangen und Grauen den Frühling heraussteigen sähen, der ihre letzten Hoffnungen zunichte mache, der aber umgekehrt uns neuen Mut und neuen Glauben gebe und unsere in den Wintermonaten vielfach gebundenen Kräfte wieder löse. „Niemand von uns streitet ab", so fuhr Dr. Goebbels fort, „daß wir einen harten Winter hinter uns haben. Schwere Opfer, Strapazen und Anstrengungen mußten unsere Soldaten vor allem an der Ostfront aufgebürdet werden. Mancher brave Sohn, Gatte oder Vater hat in diesem harten Winter fein Leben für die Freiheit und Groß« seines Vaterlandes und seines Volkstums hinae- geben. Wir in der Heimat haben angesichts dieses heroischen Opfers unserer Soldaten keinen Grund zur Mage. Wir klagen auch nicht, sondern wir nehmen willig alles auf uns, was von uns gefordert wird. Wir haben dabei das Bewußtsein, daß aus dem Opfer der Front und aus den Entbehrungen und Belastungen der Heimat insgesamt jene groß» artige Leistung erwächst, die uns das Recht gibt, mit unseren Achsenfreunden führend unserem Erdteil voranzuschreiten. Dieser Krieg ist zum erstenmal in unserer Geschichte — ein Volkskrieg in des Wortes bester Bedeutung; er wird nicht nur vom ganzen Volke, sondern auch für das ganje Volk geführt. Der Führer hat gesagt, er werde aus diesem Kriege als ein noch fanatischerer Nationalsozialist als bisher heimkehren. Das soll für uns alle eine Mahnung und Aufforderung sein. In diesem Kriege wollen wir den Nationalsozialismus weniger lehren als leben. Er soll die Basis unserer Kriegführung sein. Die Lehren, die der Führer uns gab, müssen und werden sich in diesem Krieg bewähren. Vereinigen Sie sich mit mir in dem Glauben an die Große und Unsterblichkeit unseres Volkstums, an die glanzende Zukunft unseres Reiches und an den Corn* i menden sicheren Sieg!" wirklich beantwortet werden kann — im Verlaufe des Prozesses doch noch gestellt werden. Die Verteidigung hat mit viel Emphase diesen Prozeß als ein politisches Verfahren gegen die Dritte Republik kennzeichnen wollen. Ernsthaft wird dies von niemand bestritten. In -keinem Land werden einem gestürzten Regime Lorbeerkränze gewunden, und schon gar nicht in Frankreich, was der Ge- chichtsprofeffor Daladier, der sich gelegentlich als )en letzten Jakobiner bezeichnet hat, eigentlich wis- en sollte. Hat das abgedankte Regime der Dritten Republik eine Untauglichkeit gerade durch die allzu beredte Verteidigung Daladiers bewiesen, so hat die Vernehmung Gamelins sie durch dessen Selbstverurteilung und die entgegengesetzte Haltung noch bekräftigt. In der kurzen Zeitspanne des Verhörs des angeklagten Generals hatte man das Gefühl, einem betrübenden Schauspiel beizuwohnen. Ist nicht der Soldat, der neun Jahre lang eine ohne Zweifel ruhmreiche militärische Tradition seines Landes verkörperte, eine tragische Figur? Ist es die Schuld der Welt an sich oder das Verbrechen eines Menschen unter dem Druck übermächtiger Gewalten? Bei allem Verständnis für die Lage eines Mannes, der diesen gefürchteten Sturz getan hat, muß man sagen, daß diese Vernehmung bei den Zuhörern peinlichste Gefühle ausgelöst hat. Daß General Gamelin schweigt, daß er — wir wissen es nicht — als Cönnetable Frankreichs nur von diesem Kreis gerichtet werden möchte — das alles könnte man noch verstehen. An diesem Nachmittag im Gerichtssaal von Riom, als der Repräsentant einer der ältesten militärischen Traditionen Europas im Sakkoanzug jetzt mit gesenktem Kopf, dann wieder pathetisch eine Erklärung verlesend, vor seinen Richtern stand, haben wir an einen anderen geschlagenen General denken müssen: an Benedek, den Besiegten von König- grätz. Ist Gamelin ein Benedek? Er schweigt um der Armee willen. Er antwortet vor Gericht auf keine Frage, nicht einmal bann, wenn er der Ehre der Armee damit nützen könnte. Indessen ist die strenge Haltung ohne jede Konsequenz, denn der schweigsame General ist im Untersuchungsgefängnis geblieben, was er in den Tagen seines Glanzes war: der Stratege, der die Schlachten Frankreichs mit Akten schlug, der das Erbe Turennes und Napoleons in Bürokratie versinken ließ. Benedek wußte genau, daß er, der Spezialist für Italien, 1866 in Böhmen fehl am Platze war. Gamelin hat in den neun Jahren, in denen Frankreich der Katastrophe zusteuerte, nicht einen Augenblick das Gefühl der Unzulänglichkeit gehabt. Wenn sein Fall eine Tragödie ist, bann deshalb, weil Gamelins Schicksal so augenfällig dem Schicksal seines Volkes gleicht, das in einer veränderten Umwelt seine Rolle weiterspielen wollte, der es' längst nicht mehr gewachsen war, das nur noch vom Schein lebte, während es seinen Bestand längst aufgezehrt hatte, in einer seltsam unwirklichen Atmosphäre, wie sein General Gamelin, der sich in seinem Hauptquartier fern der Front die Zeit mit Kunststudien und schöngeistigen Gesprächen vertrieb. In diesem Bereich, zwischen Schein und Wirklichkeit, liegen die wahren Ursachen der französischen Niederlage. Wien, 14. März. (DNB.-Funkspmch.) Die Erinnerung an jenen Frühlingstag des Jahres 1938, an dem der Führer Wien und die Alpenländer heimholte ins Reich, beging der Reichsgau Wien der NSDAP, mit einer Kundgebung auf dem Heldenplatz. Reichsminister Dr. Goebbels und der Gauleiter von Wien, Reichsleiter von Schirach, sprachen von der Terrasse der Hofburg aus. Dr. Goebbels übermittelte zunächst der Bevölkerung der Donau- und Alpengaue die Grüße des Führers und des deutschen Volkes zu dem stolzen Erinnerungstage. Dann fuhr er fort: „Der bri- tische Ministerpräsident Churchill (stürmische Pfui- Rufe) hat vor einigen Tagen ein paar Juden aus dem ehemaligen Systemösterreich empfangen (erneute Pfui-Rufe) und ihnen aus der tiefen Kennt- nis der Berliner und Wiener Volksseele heraus erklärt, daß ein unüberbrückbarer Gegen- s a tz' zwischen Berlin und Wien bestehe und daß es auch unserer nationalsozialistischen Propaganda niemals gelingen werde, diesen Gegensatz zum Verschwinden zu bringen (stürmisches Gelochter). Sie geben selbst darauf die Antwort. Ich bin der Meinung, daß es überhaupt müßig ist zu fragen, welche Stadt in Deutschland die bessere Stimmung aufzu- wcisen habe. Wir haben alle nur eine St i m - m u n g und zwar die, die uns die Kraft und Entschlossenheit gibt, trotz aller Belastungen diesen Krieg bis zum großen Sieg durchzuführen (anhaltende Siegheil-Rufe). In dieser Entschlossenheit unterschei- den' sich die Oesterreicher von den Preußen ebenso wenig wie die Bayern von den Sachsen ober Württembergern. Wenn es im dritten Jahr des ersten Weltkrieges vielfach schon hieß: „Frieden um leben Preis" so heißt es im dritten Jahr dieses Krieges im ganzen deutschen Volk nur: Sieg um jeden Preis! (tosende Zustimmungskundgebungen). W:r haben gewußt, daß dieser Krieg uns vor schwere Belastungen stellen würde. Wir scheuen sie nicht. Denn der Führer hat uns nicht gerufen, em bequemes Leben zu führen, sondern mit ihm G e - s chi ch te zu m a che n. Und Geschichte wird heute. Streiflichter aus Jtiom Von unserem Dr. K.-Korrespondenten. Riom, März 1942. Ms zu Beginn des zweiten Verhandlungsab- schnittes in Riom der öffentliche Ankläger das Wort ergriff, hatte man plötzlich das Gefühl, als habe sich das Blatt gewendet. Kurz vor dem Abschluß dtzr Vernehmung Daladiers wehte ein anderer Wind. Voreilige Betrachter haben aus dem bisherigen Prozetzverlauf schließen wollen, daß dieser Angeklagte stark genug wäre, dem Gericht wie dem Ankläger die Bahn des Prozesses vorzuschreiben. Der Ankläger, der gelegentlich ein paar Zwischenbemerkungen machte, der Angeklagte, der hinter seinem Pult eine Geschichtsvorlesung zu halten schien, führten sie eine angenehme temperierte Unterhaltung unter Weltmännern ober ein Verhör in dem peinlichsten Prozeß ber französischen Geschichte? Als diese fast wohlwollende Konversation dem Ende zuging, holte der Ankläger zu einem kurzen Gegenstoß aus. Was er sagte, war nicht einmal so wichtig, aber der Ton machte die Musik. Es war ein scharfer Luftzug in dieser Salonatmosphäre und ein Vorgeschmack kommender Gefechte. Wer scharf hingesehen hat, konnte vom ersten Tage an zweifeln, ob die hohen Magistrate in den breiten Hermelinkragen richtig ausgewählt wurden, sie haben zugehört und die Angeklagten sprechen lassen, ohne ihnen eine Hemmung aufzuerlegen. Man sollte nicht sagen können, daß man ihnen die Verteidigung beschränkt habe, vor allem nicht im Falle Daladier. Aber das alles war nur ein Vorspiel. Bis jetzt Genf, 13. März. (Europapreß.) In allen Teilen Indiens, von der Nordgrenze bis nach Madras hinunter, sind nach englischen Meldungen Auf- tände gegen d i e britische Herrschaft ausgebrochen. Bisher wurden 3* Personen, überwiegend Inder, getötet und 35 verletzt. Besonders beunruhigend sind britenfein'dliche Kundgebungen in Kalkutta, Bombay und Madras. Dort ereigneten sich in zwei großen britischen Jndustrie- werken schwere Fälle von passiver Resistenz der indischen Arbeiter. Die britischen Werks- und Abteilungsleiter mußten Polizei zur Wiederherstellung der Ordnung anfordern. Das Vorgehen der Polizei erforderte 18 Tote und 21 Schwerverletzte. In Pundjab mußte die britische Grenzpolizei, die nicht in der Lage war, die Bewegung der Inder zu unterdrücken, Truppen zur Verstärkung anfokdern. 60 gut bewaffnete Inder hatten sich gegen die britische Uebermacht verschanzt und leisteten mehrere Stunden Widerstand. Hierbei hatten die Engländer acht Tote und 14 Verwundete. Auf der Seite der Inder gemacht. Wenn es im Zusammenschluß dieser Gaue mit dem Reich bis 1939 vielleicht noch einige Unebenheiten gegeben hat; diese Unebenheiten sind durch bas Blut, bas so viele Solbaten ber Donau- unb Alpengaue für bie Sache des Reiches vergossen haben, verkittet worben. Was 1918 noch ein Sehnsuchtsschrei war, ber Ruf nach einem Reich, einem Volk unb einem Führer, bas ist auf bem Schlacht- felbern biefes Krieges Wirklichkeit geworben, auf Denen Solbaten ber Donau- unb Alpengaue neben Preußen, Bayern, Württembergern, Sacksen unb allen anberen beutschen Stämmen kämpften, unb auf benen sich keiner mehr als Preuße oder Oesterreicher ober Bayer, sonbern alle nur als beutsche Solbaten fühlten. (Brausende Beifallsrufe.) Unter immer neuen Beifallskundgebungen stellte Dr. Goebbels bann fest, baß ber fommenbe Frühling unb ber fommenbe Sommer Europa seiner neuen Gestalt wieder entscheibenbe Schritte näherbringen würben. „Ich weiß", so fuhr er fort, „bah unsere Gegner bas nicht wahrhaben wollen. Es war immer ihre Tragik, baß sie unsere Prophezeiungen nicht ernst genommen haben. Man barf nicht annehmen, baß man ein Weltreich, bas in Drei Jcchrhunberten aufgebaut worden ist, in brei Monaten zum Einsturz bringen könnte. Aber ein Schlag nach bem anberen wirb das britische Weltreich so lange treffen, bis es eines Tages z u B o - b c n sinken wirb. Währenb bas Reich sich stän- big neu festigt unb aus feinen unerschöpflichen, moralischen, wirtschaftlichen unb militärischen Reserven neue Kräfte schöpft, ist bas britische Weltreich in einen unheimlichen Prozeß einer schleichen- ben Krise hineingeraten. Geschichtlich gesehen, wird es nicht mehr lange dauern, bis das ein ft fo stolze Gebäude in sich zusammenbricht unb nur noch ben Anblick ck.ies politischen, wirtschaftlichen unb militärischen Trümmerhaufens bietet. Herr Churchill unb Herr Roosevelt können uns mit ihren phantastischen Zahlen und ihren Zukunftsprognosen nicht imponieren. Wir wißen, was sie aujjubringen verhoben die Angeklagten ungehindert monologisiert. Die Anklage hat geschwiegen. Hingegen hat Daladier alle Register gezogen und wahrscheinlich alle seine Karten aufgedeckt. Wie er seine Verteidigung geführt hat, auf seine Papiere gebeugt, bald zum Gericht, bald zum Ankläger, bald mit einer halben Drehung zu ben Journalisten geroenbet, feine Brille lässig auf» unb ab setz end, als fei er noch wie einst Eeschichtsprofessor, ber feiner Klaffe einen Vortrag - zu halten hat, das ist im Rahmen des parlamentarischen Genres ohne Zweifel eine große Leistung gewesen, aber doch nur ein echt parlamentarischer । Augenblickserfolg. Man fühlte sich in das Forum i ber alten Zeit zurückversetzt, schrieben die franzosi- ’i fchen Zeitungen, das ist richtig, was ben Redner anging, und falsch, was bas Publikum betrifft, wenn auch die Richter an dieser Beredsamkeit ab glitten. Der französischen Presse wäre, selbst, wenn sie sich zum Sprachrohr der Apologie Daladiers machen wollte, bie Zensur im Wege, die nur Prozeßberichte für die reifere französische Jugend zuläßt. Das Volk ist lediglich durch ein paar Besucher vertreten, unb . die nichtfranzösischen Zuhörer dieses einzigartigen Schauspiels hatten wohl folgendes zu sagen: Daladier ist, wenn man seine Beredsamkeit den Behauptungen ber Anklage gegenüberstellt, ein ganz großer Prophet gewesen, Cassandra und Herkules in einer Person. Er hat alles vorausgesehen, alles1 vorausgewußt. Wenn er — wie er Jagt — 1934 statt Doumergue bie Macht gehabt hätte, er hätte mit Freuden ein Abrüstungsprogramm mit Deutschland unterschrieben. So ist er erst 1936 an bie Macht gekommen. Trüber Ahnungen voll, rote die Prophetin des Unheils, hat er Leistungen rote die Helden ber griechischen Sage vollbracht, roie keiner vor ihm hat er, feiner Meinung nach, bas größte Rüstungsprogramm ber Franzosen aufgestellt —- eine industrielle Mobilmachung ohnegleichen. Er hat die soziale Gefahr bezwungen, Generalstreiks a-bge- dreht, Fabriken vor ber Besetzung durch aufrührerische Arbeiter beschützt. Er hat, so faate er, unermüdlich geplant und gearbeitet, Rohstoffe unb Maschinen nach Frankreich gebracht, Befestigungen projektiert, die französische Industrie auf hohe Touren gebracht. „Ich allein habe die Gefahr gesehen, ich allein habe gehandelt", das ist das Leitmotiv, das in vielen Abwandlungen wtederkehrt. „Nun hat Frankreich ben Krieg verloren, das war aber nicht meine Schuld", sagt Daladier. „Wenn die Elite der Armee untätig in ber Maginotlmie fest- gehalten wird, wenn Material für 20 bis 30 Millionen in den Arsenalen liegt, statt an bie Front geschafft zu werden, wenn Militärs so hanbeln, bann endet meine Verantwortlichkeit." Das alles ist ohne Zweifel sehr geschickt arrangiert unb für eine Zuhörerschaft von bem Fassungsvermögen französischer Parlamentarier zweifellos auch bie wirksamste Argumentation. Aber hier hat es Daladier mit einem anderen Publikum zu tun Hier sind Richter, bie Aktenberae gewälzt haben unb andere Beweisstücke in Bereitschaft halten, als die Blüten des Selbstlobs, die Daladier forg-altig gesammelt hat. Hier warten Folgen, bie auf bas allzu gefällige Bild erhebliche Schatten werfen. In einem flüchtigen Zwischenspiel, bas ben Ernst des ganzen Saales vor ein paar Tagen in allgemeine Heiterkeit verwanbelte, hat Dalabier seinen Der- teibigungsplan wie seine heimlichsten Wünsche enthüllt, als er sagte, er wolle, damit die ganze Wahrheit offenbar werbe, alles sagen, was er wisse, in die Welt hinausrufen, bevor es zu spät, nämlich ber Prozeß vertagt sei. Man fei, so sagte er auf bie erstaunte Frage des Präsidenten, im Gefängnis sehr gut unterhalten. Nichts Besseres konnte sich Daladier wünschen, als daß sein Prozeß nach feiner Selbstverherrlichung ein vorzeitiges Ende fände unb das Bild eines Staatsmannes zurückriefe, ber „das Beste nicht nur gewollt, sondern auch vollbracht hat". Aber die Widersprüche Daladiers sind zu offen» kundig. Eben sagte er noch, daß Frankreich ausreichend gerüstet war, und gleich darauf, daß im Augenblick des Kriegsausbruchs fein großes Rü- ftungsprogramm noch gar nicht vollendet war. Hier wurde übrigens der wunde Punkt biefes Prozesses klar. Der Anklage ist verboten, die einzig wichtige, aber nieberschmetternde Frage an ben Mi- nifterpräfibenten des 3. September 1939 zu richten: „Und wenn, wie Sie sagen, Ihr Riistungsprogr nnm noch nicht vollendet mar, roie haben S i e dann den Krieg erklären können?" Vielleicht wird diese Frage — bie einzige, bie das Volk wirklich intereffiert und bie einzige, die auch A» der Schwelle Indiens. Mit der Eroberung Ranguns, der Hauptstadt Burmas, und bem weiteren Vormarsch nordwest» märte verfolgen bie Japaner nicht nur ben Zweck, ben Tschungking-Truppen ihre letzte Zufahrtstraße von Süden her zu sperren, sondern auch ben Zusammenhang zroischen ben Briten unb ihrem Tschungking-Verbündeten überhaupt praktisch zu burchschneiden. Der dem Marschall Tschiangkaischek als Generalstabschef beigegebene amerikanische General Stillroell soll sich bereite auf ber Suche nach neuen Verbindungsroegen befinden. Aber je schneller es den Japanern gelingen roird, ihre Erfolge in Burma strategisch auszuwerten, um so hoffnungsloser wird bas Bemühen ber Verbündeten sein, einen brauchbaren Ersatz für den verlorenen Zugang zur Burmastraße zu finden. Die drohende Umfassung des Golfs von Bengalen von der Jrawadi» zur Ganges-Mündung muß bie Verbündeten zwingen, diesen Zugang weitab von ber Küste zu suchen. Die Zufuhren von Kriegsmaterial, auf die Tschungking angewiesen ist, wenn.es ben Krieg in China weiterführen ober gar in Jnbien zur Entlastung des britischen Verbündeten beitragen will, müßten also einen noch sehr^viel längeren und durch den Gebirgscharakter bedingten sehr viel schwierigeren Landweg zurücklegen als bisher. Wenn man sich erinnert, welchen Aufwand an Mühe und Zeit die Fertigstellung ber Durmastraße ehemals verursacht hat, so ist kaum abzusehen, ob bie Alliierten überhaupt noch Muße finben werden zu einem ähnlich kostspieligen und langwierigen Straßenbau ober ob sie sich mit bem Vorhandenen begnügen müssen, was freilich die militärische Schlagkraft Tschungkings in China selbst roie seinen Nutzen als Menschenreservoir für bie Verteibigung Indiens sehr erheblich mindern müßte. Mit bem Vormarsch in Nordburma sind die Ja» paner im Begriff, den nordwestlichsten Zipfel des Indischen Ozeans zu umfassen. Aber die Front, in ber bie Japaner an ben Gestaben biefes dritten Weltmeeres erschienen sind, bas bie Briten gerne als ein Binnengewässer ihres Empire betrachten, ist bereits zu einem gewaltigen Bogen erweitert durch die vorausgegangene Besetzung der Malayen- Halbinsel unb wesentlicher Teile ber Insel Sumatra roie schließlich burch die Eroberung Javas und bie tatsächliche Beherrschung ber anschließenben Inselwelt bi? zum australischen Kontinent. Die Schlacht in der Java-See am 27. unb 28. Februar, mit ber die Japaner die Landung auf ber Insel Java er» zwangen, hatte ben Alliierten ihre letzten Seesteeit- kräfte in der Südsee gekostet, bie japanische Kriegsmarine hat also ben Rücken frei und ist bereite in ben Indischen Ozean vorgestoßen, wo weftlich von Australien der nordamerikanifche Kreuzer „Marble- beab" versenkt und süblich von Java bie britischen Christmas-Inseln beschossen wurden, bie, ebenso wie die tausend Kilometer weiter westlich gelegenen Kokos-Jnseln zwar nur niedrige Koralleneilande mit ein paar malaiischen Fischern sind, aber als Flughäfen, Funkstationen und Kabelstellen für ben Verkehr zwischen Australien unb Indien militärische Bedeutung haben. Bei den Kokos-Jnseln wurde ubri- blcms fei, sondern nur dazu biente, Nervosität hervorzurufen. Nehm hat deshalb bie Bevölkerung aufgeforbert, bie Anordnungen ber Regierung nicht zu befolgen. Oer CRuf nach einer Offensive. L i f f a b o n, 14. März. (Europapreß.) Der Staatssekretär im USA.-Krieasministerium, Patterson, sagte über ben Runbsunk, baß Marine unb Heer ber Vereinigten Staaten sich barauf vorbereiten müßten, den Krieg in bas Öanb des Feindes z u trage n. Er selbst wisse nicht, wann und wo dies geschehen könne; doch sei bie Offensive notroenbig für ben Sieg ber Alliierten. Feinblichen Angriffen gegen bie Küste von Kalifornien unb New Jersey müsse man tatkräftig begegnen. Der Preis, ben bie Alliierten für ben Sieg über bie Achsenmächte zahlen müßten, werde sehr hoch sein. Jeder Staatsbürger müsse Opfer bringen, denn für Amerika käme es jetzt nicht nur darauf an, selbst zu rüsten, auch Tschungking, England und Australien müßten mit Kanonen, Tanks unb Flugzeugen versorgt werden. Stillwell sucht neue Wege nach Tschungking. Lissabon, 13. März. (Europapreß.) Generalleutnant S t i l l w e l l, ber vor kurzem zum Generalstabschef des Marschalls Tschiangkaischek ernannt würbe, befindet sich auf einer Besichti- gungsreise in Norbburma. Die Reise wird mit der Suche nach einer neuen Verbinbungs- straße für Tschungking-China in Verbindung gebracht. Menkreuzer ter Lrarder-Kkaffe sesvnte«. Oer Wehrmachtbericht. DTIB. Aus dem Führerhauptquartier, 13. März. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Sei den Abwehrkämpfen im Douez.Gebiet wurden stärkere feindliche Kräfte durch Gegenangriff zerschlagen. 3m nördlichen Abschnitt der Ostfront vernichteten Verbände des Heeres und der Waffen-^ in mehrtägigen Kämpfen eine von ihren Verbindungen abgefchnittene Kräftegruppe des Feindes. Kampf- und Jagdfliegerverbände griffen Feindstellungen, belegte Ortschaften und Vachschubwege der Sowjets erfolgreich an. In der Zeit vom 9. bis 12 März verlor der Feind an der Ostfront 55 Panzer. In den Kämpfen der letzten Woche hat sich die württembergifch-badische 3 5. Infanterie-Division bei der Abwehr zahlreicher Angriffe weil überlegener Kräfte des Gegners besonders ausgezeichnet. 3a Vordafrika richteten sich erfolgreiche Angriffe gegen einen britischen Flugplatz an der ägyptischen Küste sowie gegen Truppenausladungen und Zeltlager im Raum von Tobruk. Bei Bombenangriffen auf Flugstützpunkte der Insel Malta wurden zahlreiche Treffer zwischen abgestelllen Flugzeugen erzielt. Der laut gestrigem Wehrmachtbericht durch ein deutsches Unterseeboot im Mittelmeer torpedierte britische Kreuzer ist nach näherer Feststellung gesunken. Ls handelt sich um ein Schiff der Leander-Klasse. Britische Bomber griffen in der Rächt zum 13. März Kiel an. Die Zivilbevölkerung hatte Verluste an Toten und Verletzten. Drei der angreifenden Flugzeuge wurden abgeschossen. Oberfeldwebel Gildner errang feinen 25. Racht- jagdsieg. Der Ll-Boot-Lleberfall auf Ganta Lucia. Wie aus dem Wehrmachtbericht vom 12. März zu entnehmen war, drang ein deutsches Unterseeboot bis in den Jnnenhafen von P o r t C a st r i e s aus der britischen Insel Santa Lucia im Karibischen Meer vor und versenkte dort zwei große Schiffe und ein drittes im Seegebiet vor der Insel. Blick auf Port Castries und einen Teil der Hafenanlagen von Santa Lucia. — (PBZ. jSch.j) aens am 9. November 1914 der Kreuzer „Emden" bei der Zerstörung der Kabelstation von dem australischen Kreuzer „Sydney" überrascht und von der überlegenen Artillerie des Gegners zusammengeschossen. So endete hier eine ruhmvolle Kreuzerfahrt, die weitab aller Stützpunkte dem feindlichen Handel selbst hier im Indischen Ozean schweren Schaden zugcfügt hatte. Die Japaner, die sich nun vor die gleiche Aufgabe gestellt sehen, durch einen Kreuzerkrieg im Indischen Ozean die feindliche Schiffahrt zu stören und nach Möglichkeit die bereits durch die Besetzung der Sunda-Inseln zerrissene Front der Alliierten auch auf dem Meere zu unterbrechen, um Australien von Westen her ZU isolieren, haben es naturgemäß erheblich leichter, als ein einzelner deutscher Kreuzer es im ersten Weltkrieg hatte. Ihnen stehen die neugewonnenen Stützpunkte auf Malakka und den Sunda-Jnseln zur Verfügung. Trotzdem sind die Riesenentfernungen des Weltmeeres, die die tausend Kilometer zwischen den schon genannten beiden Inselgruppen als nah empfinden lassen, ein beträchtliches Hemmnis für einen Kreuzerkrieg. Er wird sich wesentlich auf die Ueberwachung der Schifffahrtswege konzentrieren, solange nicht der Feind auch hier Geleitzüge zusammenstellt und für sie Schleichwege abseits der bekannten Routen sucht. Das bedeutet freilich einen Aufwand an Begleit- fahrzeugen, den die USA. und England bei ihrem gleichzeitigen Bedarf im Atlantik und auf dem Wege um Afrika herum zur Versorgung der britischen Truppen im Nahen Osten kaum so bald werden aufbringen können. Zudem bedeutet das Geleitzugsystem einen ungeheuren Verlust an Zeit, den die Alliierten bei dem raschen Fortjchreiten der javanischen Operationen sowohl in Burma wie gegen Australien nicht ernst genug in Rechnung stellen können. Die Japaner werden also auch bei dem nun begonnenen Kreuzerkrieg 'im Indischen Ozean das Moment der Ueberraschung, das ihnen bisher schon so ausgezeichnete Dienste getan hat, voll ausnützen können. Unter diesen Umständen werden sich vermutlich sehr bald durch die Einbeziehung des dritten Weltmeeres in das Kriegsgebiet erhebliche Vorteile für die Gesamtkriegführung der Mächte des Dreierpaktes ergeben. Denn wenn bisher der Weg um Afrika herum durch 'das Rote Meer zur Versorgung der Empiretruppen des libyschen Kriegsschauplatzes und durch den Persischen Golf für die britischen Truppen in Iran noch verhältnismäßig sicher schien, so wird sich das Bild von Grund aus ändern, sobald der japanische Kreuzerkrieg auch auf den östlichen Teil des Indischen Ozeans übergreift. Japan erscheint damit gleichsam im Rücken der Front, die die Alliierten gegen die europäischen Achsenmächte von Süden her auszubauen bestrebt sind. Näher liegt jedoch vorerst noch die Unterbrechung der Seewege nach Indien sowohl von England wie von den USA. her, die schon eine beträchtliche Zahl von Schiffen auf dieser Route eingesetzt haben, um Tschiangkaischek mit Kriegsmaterial zu versehen. Aber jetzt muß es beiden in erster Linie darum gehen, die Verteidigungskraft Indiens selbst zu stärken, ehe es zu spät ist. Indien, das bislang seinen britischen Unterdrückern ganze Armeen stellen mußte, die in Afrika, in Dorderasien oder auf Malakka für die Sache des Empire eingesetzt wurden, obwohl das indische Volk gegen die Einbeziehung in dem Krieg überhaupt wie gegen die Verwendung indischer Truppen außerhalb des Landes immer wieder schärfsten Protest erhoben hat — Indien, dessen wirtschaftliche Reichtümer das wichtigste Kriegspotential des Empire darstellen und entsprechend rücksichtslos ausgebeutet wurden, Indien selbst ist aufs äußerste bedroht. England zittert bei dem Gedanken, die Japaner könnten die Schwelle Indiens überschreiten. Riesengroß erhebt sich in Westminster die Sorge, was wird, wenn das indische Volk, zwei Jahrhunderte maßlos unterdrückt und ausgeplündert, nun der leeren Versprechungen seiner britischen Zwing- Herren überdrüssig, das Gebot der Stunde begreift und sein Schicksal selbst in die Hand nimmt. Man weiß in London sehr wohl noch, welch ungeheuren Eindruck gerade in Indien einst der überraschende Sieg der fapanischen Waffen auf den Schlachtfeldern der Mandschurei gemacht hat, als zum erstenmal eine asiatische Großmacht den europäischen Staat niederwarf, den gerade Indien als den besonders gefürchteten Gegner Englands kannte. Man weiß auch in London, daß der indische Nationalismus schon lange'nach Japan ausschaut, dessen zähe Energie im Kamps um die Befreiung Chinas von den Einflüssen der westlichen Plutokratien auch den Indern gezeigt hat, daß für Ostasien eine neue Zeit anbricht. Trotzdem mußte erst der Augenblick kommen, wo der Ruf: „Die Japaner vor den Toren Indiens?" den Leuten einer beweglicheren Taktik vom Schlage eines Stafford Cripps Oberwasser gab über die sturen Imperialisten, die jedes Lockerlassen der Leinen, an denen, man das indische Volk in Ohnmacht und Unmündigkeit hält, als den Anfang vom Ende der britischen Herrschaft über Indien betrachten. Gewiß hat auch das in der amerikanischen Oeffentlichkeit seit langem sehr lebhafte Interesse an dem indischen Problem und die sehr deutlich oor- gebrachte Meinung des amerikanischen Verbündeten, daß England etwas tun müsse, um in dieser so überaus kritischen Stunde Indien bei der Stange zu halten, dazu beigetragen, daß man sich in London herbeiließ, wenigstens eine neue Geste zu machen. Wie sie aussehen sollte, darüber ist sich die britische Regierung offenbar erst nach heftigem Tau- ziehen hinter den Kulissen schlüssig geworden. Cripps, der als Freund Stalins im Geruch steht, einem gewissen Radikalismus zu huldigen, ist geeignet befunden worden, das indische Volk zu bereden, wiederum fein Blut für den britischen Zwirngberrn zu vergießen, um bann ebenso wie im ersten Weltkrieg um fein Selstbestimmungsrecht betrogen zu werden. Dafür bat Cripps von seinem Kollegen Churchill, der gewiß nicht ungern ihn sich so bald schon wieder v">m Halse geschafft hat. das altbewährte Rezept mObefommen, mit dem England schon immer aus Indien zwar die größten Kraft- artftrengiingen für die Verteidigung des Empire her» ausgeholt hat, für sich selber aber alle Hintertüren offen läßt, um der Versprechungen ledia zu werden, die man notaebrungen hat machen muffen. Churchill hat schon angedeutet, daß man auch diesmal wieder von der alten unfairen Praxis des Gegeneinanderausfpielens der im indischen Volke bestehenden Gegensätze alles erhofft "^er religiöse Gegensatz zwischen Moslems und Hindus ist von den Engländern immer wieder ausgenutzt, ja durch Provokationen neu angefocht tnerben, wenn eine Einigung droht? Die inb'frfrn Fürst"n sind von den Briten qehätfcfrft und umschmeichel morgen, um sie zu treuen Vasallen her britischen Krone zu machen und sie von der Freiheitsbewegung des indischen Volkes zu trennen, von deren Sieg ihnen der Sturz ihrer autokratischen Herrschaft angedroht wurde. Ja, innerhalb der Kongreßpartei, die den indischen Nationalismus vertritt, hnf man di" verschiedenen Färbungen der Gemäßigten und der Radikalen, die sich nur im Tempo und der Methode unterscheiden, womit sie ihr gemeinsames Ziel der Befreiung Indiens erreichen wollen, gegeneinander auszuspielen verstanden, um dann mit der emphatischen Erklärung, daß die Inder sich ja selber nicht darüber einig werden könnten, was sie wollten, sich aller eigenen Verpflichtungen zu entziehen. Mit einer geradezu beispiellosen Virtuosität hat England aus dieser Politik ein System gemacht, das ihm erlaubte, mit einer Handvoll Beamten und einer kaum nennenswerten Zahl englischer Truppen die Herrschaft über ein Volk von säst 350 Millionen zwei Jahrhunderte hindurch aufrechtzuerhalten. England brüstet sich oft und gern mit den wirtschaftlichen und kulturellen Segnungen, die diese Herrschaft dem indischen Volk gebracht haben soll. Die Gegenrechnung, die indische Nationalistenführer den Briten aufmachen, sieht erheblich anders aus. Es muß einer späteren Betrachtung vorbehalten bleiben, dies im einzelnen darzulegen und von den Schwierigkeiten zu sprechen, die das indische Problem auf den verschiedenen Ebenen tatsächlich in sich birgt. Nur soviel sei heute gesagt, daß der Engländer, weit davon entfernt, den Indern zu helfen, mit diesen der geschichtlichen Entwicklung des Landes, feiner Volksdichte, seiner klimatischen Lage entspringenden Schwierigkeiten fertig zu werden, immer nur das getan hat, was der Festigung feiner Herrschaft diente und zweckmäßig erschien, um die Schätze Indiens sich nutzbar zu machen. Churchill, Englands Premierminister, der heute in.der Bedrängnis des Krieges die Inder mit dem Versprechen ködern möchte, daß sie einmal den Dominionstatus erhalten sollen, wenn sie sich wieder wie vor zwanzig Jahren für die Verteidigung des britischen Empires schlagen werden, hat erst vor wenigen Jahren mit der ganzen kalten Brutalität des britischen Imperialisten erklärt: „Die Idee eines Dominionstatus ober einer voll verantwortlichen indischen Regierung ist nicht nur eine Phantasterei, sondern auch ein verbrecherischer Unfug ... Wir haben nicht die Absicht, dieses glänzendste und kostbarste Kleinod in der Krone unseres Königs, das mehr als alle unsere anderen Dominions und Besitzungen den Ruhm und die Stärke des britischen Empire begründet hat, wegzuwer- fen ... Anstatt die Regierung über Indien der dünnen Oligarchie indischer Politiker auszuliefern, sollten wir es ganz klar machen, daß wir für eine sehr lange und unbegrenzte Zeit »entschlossen sind, in allen wesentlichen Dingen die wirklichen Herren in Indien zu bleiben." Das ist die wahre Einstellung Churchills zum indischen Problem. Sie wird dem indischen Volk wieder vor Augen stehen, wenn Churchills Sendbote, Herr Stafford Cripps, nun nach Indien kommt, um Indiens Hilfe für den englischen Krieg mobil zu machen. Subhas Chandra Bose, der als Führer der indischen Nationalisten nicht müde wird, sein Volk zu ermahnen, die Stunde nicht ungenützt verstreichen zu lassen, da sich aus den Trümmern des britischen Empire ein freies und einiges Indien erheben muß, hat in einem neuen Aufruf das von Churchill und Cripps soeben inszenierte Betrugsmanöver schonungslos entlarvt und jeden Inder einen Verräter an der Sache der Freiheit seines Volkes geheißen, der heute noch für Englands Sache die Hand rührt. Er hat die Mächte des Dreierpaktes Indiens natürliche Freunde und Verbündete genannt, und der japanische Ministerpräsident T o j o hat in seiner letzten Rede vor dem Reichstag das indische Volk vor die Entscheidung gestellt, ob es unter der Parole „Indien den Indern" sich gegen seine Peiniger erheben und in der großasiatischen Wohl- 1 standsfvhäre seinen Platz einnehmen wolle ober in den Sklavenketten der britischen Plutokratie verharren. Es wird sich bald zeigen müssen, ob das indische Volk die Gunst der Stunde begreift. Dr. Fr. W. Lange. 9<>nfrde Nerw^ltuna Ma«aftas. Tokio, 13. März. (Europapreß.) Der Vizechef der japanischen Militärverwaltung für bas Ma- laya-Gebiet gab Einzelheiten über die Pläne zur Verwaltung des Malaya-Gebietes bekannt. Das System der indirekten Verwaltung der malayischen Halbinsel durch die Malayen-Sultanate wird abge» । schafft. An seiner Stelle tritt eine direkte Zentrale ‘ und provinziale Verwaltung durch japanische Verwaltungsorgane. Person, Eigentum und religiöse Stellung der bisherigen Sultane werden unter japanischen Schutz gestellt. Die Militärverwaltung wird, soweit angängig, einer zivilen japanischen Verwaltung Platz machen. Finanziell werden die Provinzen auf ihre eigenen Einnahmen angewiesen fein. Für die Erzeugung von Gummi, Zinn und Bauxit werden japanische Inbustriever- bänbe gebilbet, benen auch bie Liquidierung bes feindlichen Eigentums in ihrem Fachgebiet zufallen wird. Vorläufig bleiben Straits-Dollar und Militärgeld-Kassenscheine nebeneinander gesetzliche Zahlungsmittel. Weiterer Vormarsch auf Sumatra. Tokio, 13. März. (DNB.) Aus Sumatra haben japanische Truppen, die am Donnerstagmorgen an der Nord käste Sumatras gelandet sind, Kota Nadja, eine Hafenstadt an der äußersten Nordwestspitze der Insel, besetzt, ferner den Lhokuga- Flugplatz, westlich von Kota Radja. Eine japanische Abteilung hat eine kampflose Landung auf der Insel We durchgeführt, die an der Nordspitze Sumatras gelegen ist, die auf der Insel liegende wichtige Hafenstadt Sabang wurde besetzt. Der Hafenort J d i, 200 Kilometer nordwestlich von Medan und Medan selbst, bie Hauptstadt der Residentschaft „Ostküste von Sumatra", wurden kampflos besetzt. Medan liegt im Nordwestteil der Insel an der Straße von Malakka und hat 76 000 Einwohner. Die Stabt ist ein wichtiger Bahnknotenpunkt unb vor allem der Mittelpunkt bes weltbekannten Tabakanbaugebietes von Sumatra. „Amerika spürt den Krieg." Lissabon, 13. März. (Europapreß.) „Amerika spürt den Krieg mit jebem Tag deutlicher", berichtet der, Korrespondent der „Daily Mail" aus Meuyork. Die. neue Steuerverordnung Morgenthaus treffe die Massen am schwersten angesichts der gestiegenen Lebenshaltung s k o st e n. Aber auch die Millionäre würden in nie geahnter Weise besteuert. Bei einem Jahreseinkommen von 1 Million müßten heute 733 000 Dollar an Steuern gezahlt werden, im kommenden Jahr aber 900 000 Dollar. Am schlimmsten seien die indirekten Steuern und Abgaben. Morgenthaus Steuerprogramm sei gewissermaßen „ein Fußtritt in den empfindsamsten Körperteil des Amerikaners, das Scheckbuch", gewesen. Wenn man jetzt sagen kann, daß allmählich der Krieg für jeden Amerikaner fühlbar werde, so sei aber damit zu rechnen, baß die allerärmsten Bürger der USA., die jeden einzelnen Cent umbrehen müßten, ehe sie ihn ausgeben, am schwersten betroffen würben, denn man könne sagen, daß alle Lebensrnittel im Preise um 15 v.H. unb alle übrigen Güter um etwa 10 v. H. gestiegen feien. Wachsende Gefahren der Fndienroute. Genf, 13. März. (Europapreß.) Die in offiziellen britischen Kreisen angesichts der Lage des Empire zu beobachtende Nervosität hat jetzt auch die britisch-indischen Schiffahrtskreise erfaßt, in denen nach Meldungen aus Bombay wegen der Gefahr größerer japanischer Seeoperationen imJndischenOzean größte Besorgnis herrscht. Zahlreiche unkontrollierbare Gerächte hätten in der britisch-indischen Schis fahrt bereits einen förmlichen ,,U - B o o t s ch r e ck e n" hervorgerufen. Schon wenn ein Schiff ein paar Stunden überfällig fei, rechne man mit Versenkungen. Reuter erklärt, durch die kürzlichen Ereignisse in Ostasien sei der Indische Ozean jetzt entblößt, man müsse mit feindlichen Angriffen auf alliierte Transporter und Handelsschiffe in dieser Gegend rechnen. Die Japaner könnten ihre Tätigkeit bis nach Ceylon fortsetzen ober eine konzentrierte- Offensive gegen Port Darwin ausführen. Ja, sie seien sogar in der Lage, mit den neu errungenen Stützpunkten ihre Operationen weit nach Osten bis zu den Fidschi-Inseln auszudehnen. 12 000 Meilen mußte ein Sonderkorrespondent des „Daily Telegraph" zurücklegen, um von Eng- OesOAandsdeutfchesGesicht Schwert, Handel und Handwerk kennzeichnen das Wesen deutscher Pionierarbeit im Oststand. Der deutsche Ritter, die deutsche Hanse und der deutsche Handwerksmann haben diesen Raum erschlossen; der deutsche Bauer — der Pflug also — hat bei dieser großen Aufgabe leider nicht mitgewirkt. Und diese Tatsache hat die Geschichte des Baltenlandes entscheidend beeinflußt. Der Raum zwischen Narowa und Memel war seit der Völkerwanderung von Stämmen bewohnt, die — wie die Esten — zu westfinnischen, — wie bie Letten unb Litauer — zur ostbaltischen Rasse gerechnet werben. Zwar waren schon früher nord- germanische Völker nach Osten oorgestotzen, zwar hatten bie Waräger ihr großes Reich mit der Hauptstadt Naugard (Nowgorod) gegründet, zwar führte schon eine Handelsstraße von der Mündung der Düna über das heutige Kolocz und Smolensk nach Kiew und weiter zum Mittelmeer, aber bie Erschließung bes Baltenlandes begann doch erst mit dem „Aussegeln" Livlands von Lübeck aus. "lieber Visby auf Gotland wurde bie Brücke nach Livland geschlagen. Im Jahre 1201 gründete Bischof Albert die Stadt Riga, die bald eine Stütze der hansischen Schiffahrt an der baltischen Küste wurde, und der schnell andere bewußt deutsche, Stadtgründungen folgten. In wenig mehr als einem Jahrhundert hatte die Hanse den Ostseeraum erschlossen und den Hansebereich, beginnend beim Stahlhof in London über die großen flandrischen, niederrheinischen und niedersächsischen Hansestädte, über Lübeck, Visby, Riga, Reval und Dorpat bis zum östlichen Eckpfeiler Nowgorod ausgedehnt. Den Schutz der neugegrün- beten Städte im Ostland vertraute Bischof Albert von Riga dem von ihm gegründeten Livländischen Schwertbrüderorden an, der sich 1237 mit dem von lübischen unb bremischen Seefahrern als Hospitalbrüderschaft 1198 gegründeten Deutschen Ritterorden vereinigte. Hermann von Salza hatte diesem Orden die große Aufgabe der Erschließung des Nordostens gewiesen; n harten Kämpfen wurde der Ordensstaat ge- chasfen, 1346 das bisher dänische Estland von König Valdemar Atterdag an den Deutschen Orden abgetreten unb schließlich sogar eine Landbrücke zwischen dem Ordensland und Livland hergestellt. Die Macht des Deutschen Ordens und damit der deutschen Kultur reichte bald über den ganzen Nordosten von der Weichsel bis zur Narowa, wo heute noch die trutzige Hermannsfeste die Wacht hält als Zeichen, daß hier Europa ein Ende hat. Unter dem Schutze des schwertgewaltigen Ordens wuchs im Ostland ein Kranz blühender Städte, in denen sich Handel und Handwerk ungestört entfalten konnten. Die Grundzüge dieser Städte sind »unb werden in alle Ewigkeit deutsch blei- lle deutschen (Baue haben diese Entwicklung beeinflußt; aus Westfalen, aus Franken, aus Bayern, aus Wien, Prag und später auch aus Berlin, von überall her kamen die Baumeister und Kunsthandwerker unb prägten das kulturelle Gesicht bes Baltenlandes. Wie deutsch wirkt das Stadtbild von Riga, der schmucken, blitzblanken „stat to der Rige", die ein mittelalterlicher Spruch als Hanf- unb Butterhaus ber Hanse rühmt. Wir benten an das bekannte Schwarzhäupterhaus, bie Gilbehäuser, das Rathaus mit dem Rolandstandbild; vor allem aber an das wuchtige Orbensschloß über der Düna, an die frühgotische Dom- und Marienkirche, deren Bau land nach Indien zu gelangen. Nach ber Abfahrt aus England habe fein Schiff im Atlantik einen großen Umweg machen müssen, um den feindlichen U-'Booten zu entgehen, bie gerade um diese Zeit so viele englische Handelsschiffe versenkt hätten. Die Fahrt fei dann um das Kap ber guten Hoffnung weitergegangen. Täglich feien an Bord Rettungs- und Abwehrübungen verunstaltet worden. Man habe sich künstlich eingenebelt, habe mit der Bordflak und den anderen Kanonen geschossen. Bereits am 5. Tage der Reise sei auf dem Schiff, das überfüllt gewesen sei, bas Wasser knapp geworden. Als man in eine neue U-Boot-Gefahrenzone gekommen sei, hätten die Beobachtungsposten verstärkt werden müssen. Die Fahrgäste seien auf diese Gefahr aufmerksam gemacht worden und viele von ihnen seien daraufhin Tag und Nacht in ihren Schwimmwesten an Deck geblieben. Infolge der erhöhten Gefahren auf See fei der Schiffsverkehr gewaltig Derlangfamt. Subhas Chandra Bose, der indische Nativ- nalistenführer, ber kürzlich mit einem Freiheitsmanifest das indische Volk zum Kampf gegen feine englischen Unterdrücker aufgerufen hatte, richtete nun über einen Rundfunksender einen neuen Appell an Indien. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Ausscheiden Beaverbrooks. Stockholm, 13. März. (Europapreß.) Die Gerüchte über ein vollständiges Ausscheiden Lord Beaverbrooks aus der Politik scheinen sich zu bestätigen. Das ergab sich aus den Ausführungen, die Churchill am Donnerstag im Unterhaus über die Befugnisse hes neuen Produktionsministers Lyttleton machte. Churchill sagte, zu den Aufgaben Lyttletons müßten auch die Ueberwachung und Leitung der gemischten englisch-amerikanischen Ausschüsse für Produktionsfragen auf beiden Seiten des Atlantik gehören. Bei dem Ausscheiden Lord Beaverbrooks aus dem Kabinett war jedoch ausdrücklich gesagt worden, daß Beaver- brook sich in Kürze nach Amerika begeben würde, um dort bie Gleichschaltung der englisch-amerikanischen Produktion zu überwachen. Seitdem ist von ber Reise Beaverbrooks nach Amerika nicht mieber gesprochen worden. Dagegen laufen Gerüchte um, daß der Zeitungskönig aus der aktiven Politik aus- scheiden und nach Fleet-Street, dem Zeitungsviertel, zurückkehren würde, um dort als einer der führen- den Kritikerder Regierung tätig zu fein. Hauptmann Baer erzählt. Von Kriegsberichter Eugen Pretz. DNB. ... 13. März. (PK.) Ein kleines Soldatenfest in der< Unterkunft am Feldflugplatz. Hauptmann Baer steht im Mittelpunkt der kleinen Runde, die sich um den wackeligen Tisch gruppiert. Seine hohe, vom Führer verliehene Auszeichnung, das Eichenlaub mit Schwertern zum Ritterkreuz ist der Grund zu diesem Fest. Im Ofen krachen die Holzscheite, die Kacheln verbreiten eine angenehme Wärme in dem Raum. Hauptmann Baer erzählt: „Ende September 1939 schnirbekn wir bei Weißen bura den Franzosen vor der Rase herum. Wir sind 8 Me's. Auf einmal neun Punkte, es sind Curties. Ich sehe plötzlich eines vor mir. Da war die ganze Friedensausbiloung zum Teufel. Ich fliege hinterher und schieße seelenruhig auf den Franzosen. Ich war ganz platt, als er plötzlich an-fing zu brennen. Das war mein er st er Abschuß. „Das tollste Ding, das mir passierte, war noch am Kanal. Wir bummeln bei Ashford herum. Plötzlich fallen neun Spitfire völlig überraschend über uns her. Auf einmal bin ich allein, hinter mir eine Spitfire in Schußposition, verdammtes Ge- fühl, so einen Vogel im Kreuz zu Haden. Der Tommy hängt sich ati, da ziehe ich immer steiler hoch. Wie ich mit meiner Me so am Himmel hänge, sehe ich unter mir eine gelbe Masse hochkommen. Der Engländer hat sich verkalkuliert. Er ist unter mir hochgezogen. Ich drücke auf die Knöpfe. Die Spit- fire brennt sofort und geht mit der Schnauze senkrecht runter. Ich muß nun schnell verschwinden und stürze neben der taumelnden Spitfire herunter, daß meine Me fast die Ohren anlegt. Ein paar hundert Meter über dem Kanal fange ich ab. Mein Blick fällt in den Rückspiegel. Da wird es mir heiß und kalt auf einmal. Mit einer Mordsfahrt kommen da die acht Spitfires hinter mir hergerauscht. Die erste ist schon dran. Sie schießt schon, die Leuchtspuren zischen mir um die Ohren. Ich versuche den Angriff durch Wegdrücken zu parieren. Ader schließlich, wenn acht Jäger ein regelrechtes Schulschießen auf einen einzelnen Gegner veranstalten, kriegt man was ab. Immer weiter drücke ich auf das Wasser herunter. Eine Spitfire nach der andern sitzt hinter mir, eine nach der andern, kommt zum Schuß. Meine rechte Fläche ist fast durchsiebt, auch die linke hat unzählige Einschüsse. Hinter mir poltert es, plötzlich ist der Motor fertig, die Latte 'steht. Dom Jnstrumentenbrett zerplatzen die Gläser. Einer der acht Tommys hatte es mal von der Seite versucht. Jetzt wird es ruhig. Sie lassen ab, aber ich bin auch am Ende meines Lateins. Ich muß ins Wasser. Ich werfe noch schnell die Kabine ab und sitze schon im Bach. Schnell losgeschnallt, die Schwimmweste fertiggemacht. Wie ich den Kopf aus dem Wasser hebe, versackt hinter mir das Leitwerk meiner guten Me im Wasser. Wenn man so in der weiten Wasserwüste herumschwimmt, kommt man sich klein und häßlich vor. Zuerst gehts noch, aber wenn so nach einer halben Stunde noch kein Schwanz zu sehen ist, da fängt es schon an, unerträglich zu werden. Aber Schwein muß man haben. Rach einer Stunde sehe ich ein Schiff aus mich zuhalten. Wenige Minuten später haben mich kräftige Matrosen fauste eines deutschen Torpedobootes geborgen! Üebrigens war mein 8 0. Abschuß im Ost e n genau so „kriminell". Es war bei R., wo wir im September auf zwei sowjetische Kampfmaschinen vom Baumuster P 2 stießen. Die beiden Bolschewiken wollen eine wichtige Brücke in diesem Abschnitt zerschmeißen. Wir gehen ran. Die Abwehr der beiden Burschen ist gut. Die Heckschützen schießen in schneller Folge hinten heraus. Ich bin auf kurze Entfernung hinter dem Doppelleitwerk, schieße. Treffer sitzen in Motoren und Rumpf. Die P 2 brennt. Wie ein Flammenbündel flattert sie runter, niemand steigt aus. Die zweite will wegdrücken. Ich schiebe die „Pulle" rein, damit er mir nicht entwetzt. Da fährt dem Burschen schon die Lohe aus den zerschossenen Flächentanks. Aber immer noch schießt der untere Heckschütze mit seiner Kanone. Es haut bei mir vorne ein. Kanonentreffer im Motor. 40 Kilometer weit hinter den sowjetischen Linien. Schon steht die Latte, ich bin schon ziemlich nahe am Boden. Also Bauchlandung. Ich schmeiße die Mühle hin, mir staucht es die Knochen zusammen, daß ich mich kaum noch rühren kann. Aber nur schnell raus. Es geht um Kopf und Kragen. Barfuß schlich ich über die Felder, einmal mußte ich 200 Meter robben, große Sumpfflächen mußte ich umgehen. Dazu hatte ich einen Mordskohldampf. Rohe Kartoffeln habe ich ausgegraben und gegessen. Aus den Lachen und Pfützen trank ich mit der hohlen Hand das Wasser. Man kann sich vorstellen, wie froh ich war, die deutschen Linien erreicht zu haben." schon wenige Jahre nach der Grunduna Rigas begonnen hat, an den schönen Turm der spätgotischen St Petrikirche (15. Jahrhundert) und an viele andere stolze Baudenkmäler. Und in dem Wachs- und Flachshaus Reval kennzeichnen die vielen wehrhaften Mauern und Türme, so z. B. der „Kiek in de Köt" und die „Dicke Magarete", den sieghaften hansischen Wehrgeist. Wie schön ist der Blick vom Bergfried des gewaltigen Ordensschlosses, dem „Sangen Hermann , auf Altreval; das gotische Rathaus (1330), der schlanke, hohe Turm der St.- Olai-Kirche, die Rikolaikirche, die Bern Rottes Totentanzdarstellung beherbergt, sind ebenso Zeugen deutschen Kulturschaffens, wie Bern Rottes Altar in der Heiligen-Geist-Kirche. Ueberall, wohin man im Ostland hinkommt, stößt man auf unvergängliche Spuren deutschen Kultur- und Geisteslebens, fei es in der früher gleichfalls zur Hanfe gehörenden Stadt Wenden, fei es in Mitcm mit seinem barocken Ordensschloß, sei es im sagenumwobenen Weißenstein, in Goldingen oder in einer der anderen typisch deutschen Kleinstädte, die schon in ihrem Namen ihren deutschen Cha- rafter die Jahrhunderte hindurch bewahrt haben. Mit dem Niedergang der Hanse, des Deutschen und des Livländischen Ordens wurde das Oftland ein Spielb all fremder Mächte; Schweden, Polen und Rußland stritten sich um das Erbe. Bitter rächte sich, daß neben Schwert, Waage und Kelle nicht auch der deutsche Pflug nach hier gekommen war, daß nur eine dünne Schicht von Rittern, Kaufleuten und Handwerkern dieses Land der europäischen Kultur erschlossen hatte, während der deutsche Bauer das Fundament aller Arbeit, fehlte. 1556 überstürmten moskowitische und tatarische Scharen das Land; unnennbar sind die Greuel und Verheerungen, die Räubereien und Brandschatzungen des Moskowitertums, angefangen von Iwan dem Schrecklichen bis zu Stalin dem Blutgierigen. — So meldete z. B. Scheremethew im Jahre 1703 dem Zaren Peter: „In dem feindlichen Land gibt es nichts^ mehr zu verheeren ... Nichts steht aufrecht, außer Pernau, Reval und Riga ... Vieh und Esten haben wir in Mengen gefangen ... Kühe sind jetzt um 3 Altynen (etwa 18 Pfennige) zu haben ... Vier Stück kleine Kinder kauft man für einen Altyn (5 Pfennig)." Aber gerade fh diesen Zeiten der Not, der Verfolgung und des Niederganges erwies sich die kulturelle und wirtschaftliche Kraft der Deutschen im Daltenland. Jener Typ des Ostpioniers entwickelte sich, wie wir ihn heute kennen: herb und kühn, stolz und zäh, verschlossen, aber doch gemeinschaftsbe- mußt und gastfreundlich. Es bewährte sich die Auslese besten deutschen Blutes, die mit Ritterorden und Hanse ins Ostland geströmt war und diesen Boden so oft in harten Kämpfen genetzt hatte. Auch die Bindungen zum deutschen Mutterland blieben in diesen Notzeiten lebendig: so verlangte beispielsweise der Schrägen des Revaler Goldschmiedeamtes von 1637 von jedem Meister eine Wanderzeit von „vier Jahren in Deutschland". Bis in die heutige Zeit hinein hat das Deutschtum im Ostland der Welt viele Staatsmänner, Heerführer, Gelehrte und Künstler geschenkt. Erinnert sei nur an die Hilfe, die es dem Zaren Peter (dem Großen) bei seinem Aufbauwerk hat zuteil werden lassen, ebenso an die baltischen Seefahrer Krusenstern, Toll und Jessen, die Feldherren Barclay de Tolly, Roth und Totleben, den Bildhauer Elod von Jürgensburg und den Landschaftsmaler Julius Klever. — In deutschen Landen aber kennen wir viele dei'stchbaltische Gelehrte, Dichter, Schriftsteller und Maler von Ruf. Erwähnt feien hier nur die Gelehrtenfamilien der Schmidts, Hamacks und''Bergmanns, die Wissenschaftler Karl Ernst von Baer. Dehio, Ostwald, Schweinfurt und Hehn; die schriftsteller Jakob Michael, Reinhold Lenz, Eduard von Keyserling, Carl von Bremen, Manfred Kyber, Siegfried von Vegesack, Werner Bergengruen und schließlich die Maler Eduard von Gebhardt, Prof. Otto von Kurfell und Jürgen.von Nolke. Im Mittelpunkt des Geistesleben im Ostland stand die Universität der alten Hansestadt Dorpat, die allein in den Jahren 1808 bis 1889 336 Professoren und Dozenten hervorgebracht hat, darunter 18 Mitglieder der St. Petersburger Akademie der Wissenschaften, 119 Borpater Hochschullehrer, 160 Dozenten und Lektoren russischer Hochschulen und 39 Professoren anderer, vornehmlich deutscher, Universitäten. Der Bevölkerung dieses Ostlandes aber, also vornehmlich den Esten und Letten, sind die Segnungen dieser großen Kulturarbeit selbst zugute gekommen. Sie verdanken den Deutschen ihre Schriftsprache, ihr Bolksschulwesen, fast alle Grundlagen der Kultur, der Volksbildung und der wirtschaftlichen Entwicklung. Nicht zuletzt fei daran erinnert, daß die deutschbaltischen Grundbesitzer als erste in Rußland die Befreiung, von der Leibeigenschaft durchgeführt haben. Mit der 1889 einsetzenden Russifizierungspolitik wurde der Einfluß des Deutschtums zurückgedrängt. Aber noch einmal schrieb sich deutscher Wehrgeist mit mannhaften Taten in das Buch der Geschichte des Ostlandes, als sich deutschblütige Männer und Jünglinge in der baltischen Landeswehr zusammenfanden, um mit der Waffe in der Hand ihre Heimat vor der bolschewistischen Flut aus dem Osten zu retten. Die Erstürmung Rigas durch die baltische Landeswehr und reichsdeutsche Freikorpskämpfer unter Führung des Baron v. Manteuffel ist ein Ruhmesblatt im Kampf gegen den Bolschewismus. Nicht zuletzt durch diesen mannhaften Widerstand wurde die Freiheit Estlands, Lettlands und Litauens vom bolschewistischen Joch für Jahrzehnte gesichert. Esten, Letten und Litauer haben es dem Deutschtum in ihren Ländern wenig gedankt. Erst mußten sie am eigenen Leibe die harte Prüfung des Moskauer Blutregimes erfahren, um sich bewußt zu werden, vor welchem grauenhaften Schicksal sie damals — im Jahre 1919 — der mannhafte deutsche Einsatz bewahrt hatte. In dem knappen Zeitraum von einem Jahre fyat das bolschewistische Regime Hekatomben von Opfern im Raum des jetzigen Reichskommissariats Ostland gefordert. Das Deutschtum im Ostland ist durch die Weitsicht des Führers vor einem grauenvollen Geschick bewahrt worden; aber in diesem einen Jahr hat der Bolschewismus vernichtet, was er hat vernichten können, auch das Schwarzhäupterhaus und die altehrwürdige St.- Petrikirche in Riga sind seinem Wüten zum Opfer gefallen. Den Esten, Letten und Litauern sind die Augen aufgegangen; sie haben die deutsche Wehrmacht jubelnd als Befreier begrüßt — und wissen sich heute sicher und geborgen im Schutz des mächtigen nationalsozialistischen Reiches. Im Reichs- tommifjariat Ostland sehen auch sie einer glücklichen, arbeitsfrohen Zukunft entgegen, denn die Drohung aus dem Osten wird für alle Zeiten beseitigt. F. 0. Das Ritierkreuz. Berlin, 13. März. (DRV.) Der Führer verlieh das Ritterkreuz an: Generalleutnant Dr. Ren- d u l i c, Kommandeur einer Infanterie-Division; -- -Standartenführer Fegelein, Kommandeur einer Kavallerie-Brigade der Waffen---; ^-Sturmbannführer Schlamelcher, Kommandeur einer Artillerie-Abteilung der Waffen---: Oberleutnant Westhofen, Kompaniechef in einem Schützen- Regiment, und Feldwebel Walter L i p p o l t, Zugführer in einer Panzer-Jäger-Abteilung. Dem tapferen Einsatz des Generalleutnant Ren- d u l i c ist es zu danken, daß es im mittleren Abschnitt der Ostfront gelang, starke Kräfte der Sowjets, die vorübergehend bis nahe an eine wichtige Nachschub- und Versorgungsstraße vorgedrungen waren, einzuschließen und zu vernichten. — ---Standartenführer Fegelein schloß am 5. Februar durch einen trotz schwierigster Wetter- und Geländeverhältnisse schwungvoll vorgetragenen Angriff den Kessel um eine sowjetische Armee so überraschend, daß selbst feindliche Masfenangriffe den Ring nicht mehr sprengen konnten. — ---Sturmbannführer Schlamelcher vernichtete mit feiner in vorderster Linie in offener Feuerstellung eingesetzten Abteilung durch schnell zusammengefaßtes Feuer 17 Panzerkampswagen, 144 LKW. und über 600 Bolschewisten. — Oberleutnant Westhofen nahm mit der Apitzenkompanie seines Regiments eine vom Feind besetzte Ortschaft im Handstreich, um für den weiteren Angriff des folgenden Tages eine günstige Ausgangsstellung zu schaffen. Am 18. Januar riß er, trotjöem er dreimal selbst verwundet wurde, den stockenden Angriff an der Spitze feiner Kompanie vor und erreichte das Angriffsziel. — Feld* webel Lip,polt gelang es mit 30 Kameraden eine an Zahl weit überlegene Landungstruppe der Sowjets auf der Krim neun Tage lang an der Vereinigung mit rückwärtigen bewaffneten Banden zu hindern. Seinem Entschluß ist das Gelingen des späteren entscheidenden Dermchtungsstotzes zu verdanken. Dr. Fricks 65. Geburtstag. Berlin, 13. März. (DNB.) Der Führer hat dem Reichsminister des Inneren Dr. Frick in einem in herzlichen Worten gehaltenen Handschreiben seine Glückwünsche zum 65. Geburtstage übermittelt. Er hat sie mit dem Dank für die bisherige Tätigkeit und mit der Hoffnung verbunden, daß es dem Minister noch lange Jahre vergönnt fein möge, so wie bisher für Volk, Partei und Reich zu wirken. Für den verhinderten Reichsmarschall Göring überbrachte Staatsrat Dr. Gritzbach des Reichsmarschalls Bild mit Widmung. Die Reichsminister, Reichs- und Gauleiter und viele andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, aus Diplomatie, Wirtschaft und Kultur gedachten durch persönliche Besuche oder dupch Ueberfenbung von Glückwünschen des Innenministers. Außer den Generalfeldmarschällen von Mackensen und von Brauchitsch gratulierten u. a. Großadmiral Raeder, die Generalfeldmarschälle Keitel, Milch und Kesselring. Für den verhinderten Reichsführer -- und Chef der deutschen Polizei überbrachte ---Obergruppenführer und General der Polizei Heydrich die Glückwünsche der -- und der Polizei. In den Mittagsstunden versammelten sich die Gefolgschaftsmitglieder des Reichsmini- fteriums des Inneren zu einer schlichten Feier, in der leitender Staatssekretär Pfundtner die Wirksamkeit des Ministers würdigte. Der Minister selbst gab in seinen Dankesworten einen Rückblick auf fein bisheriges Leben Mit einer Abordnung von Reichsstatthaltem und Oberpräsidenten war Reichsstatthalter General Ritter von Epp erschienen. Reichsarbeitsführer Reichsleiter Hier! gedachte der Verdienste, die sich Dr. Frick um den Reichsarbeitsdienst erworben hat. Abordnungen der Landeshauptleute, des Deutschen Gemeindetages, des Deutschen Roten Kreuzes usw. überbrachten ihrs , Glückwünsche. Auch das Ausland hat Anteil ge« nommen. Totenamt der italienischen Wehrmacht für den Herzog von Aosta. Rom, 13. März. (DNB.) In der gewaltigen, in die Diokletian-Thermen von Michelanaelo hineingebaute Basilika Santa Maria Degli Angeli fand das Totenamt der italienischen Wehrmacht für den Vizekönig von Aetiopien und Oberbefehlshaber der italienischen Streitkräfte in Ostafrika, Herzog von Aosta, statt. Vor der Basilika hatten Abteilungen aller Truppengattungen der Garnison Roms in voller Feldausrüstung Aufstellung genommen. Im rechten und linken Seitenschiff standen Vertretungen der Kolonialtruppen und der Kolonialpolizei, der Wehrmacht, der faschistischen Partei, der Jugendorganisationen und der Kriegervereine. Am Sarko- ihag hielten Offiziere der Lustwaffe und des Heeres )ie Ehrenwache. An der Trauerfeier nahmen das Königspaar mit dem gesamten Hof, der Duce, der die Uniform des Ersten Marschalls des Imperiums trug, mit der Regierung, die Präsidenten des Senats und der Kammer, der Sekretär der faschistifchen Partei, der Gouverneur von Rom, Fürst Borghese, und eine große Zahl Würdenträger des Staates und der Partei, die Träger der Goldenen Tapferkeitsmedaille, als Vertreter des Führers Botschafter von Mackensen, ferner das gesamte Diplomatische Korps mit dem apostolischen Nuntius als Doyen, die Wehr- machtsattachss und der Großmeister des Malthcser Ordens, Fürst Chigi, teil. Das Totenamt wurde von dem Feldbischof der italienischen Wehrmacht zelebriert. Das Regierungsprogramm Kailays. . Budapest, 13. März. (Europapreß.) Vor der ungarischen Regierungspartei bezeichnete es Ministerpräsident von Kallay als seine Aufgabe, die enge Zusammenarbeit mit den Achsenmächten fortzusetzen. „Unser Platz kann nur an der Seite Deutschlands und Italiens sein", betonte er. „Wir würden keine Ungarn fein, wenn_ wir nicht dort ständen, wo der Kampf gegen die östliche Barbarei geführt wird, wo es gilt, das Christentum zu beschützen und wö wir die Erfüllung der ungarischen Ideale erwarten können. Unser Schicksal entscheidet sich auf den sowjetrussifchen Schlachtfeldern. In myerpolitischer Beziehung stehe seine Regierung auf dem Grundsatz der 95 Punkte von Julius Goem - b o e s. Durch neue Gesetze solle die Uebernahme des jüdischen Grundbesitzes beschleunigt werden. Die Zurückdrängung des Judentums in der Wirtschaft sei die Grundvoraussetzung für das wirtschaftliche Wohlergehen der Nation. Kleine politische Nachrichten. Beim Einflua britischer Flugzeuge nach Nord« f ran f r eid) schossen deutsche Jäger am Freitag in Luftkämpfen vier Spitfire ab. Außerdem brachten sie über Holland eine einzeln fliegende Spitfire zum Absturz. Auf deutscher Seite trat kein Verlust ein. n Wie das-Oberkommando der Wehrmacht mitteilt, errang das von Major Trautloft geführte Jagdgeschwader am 11. März seinen 1800. Luft- sieg. Allein an der Ostfront vernichteten die Jagd- gruppen dieses bewährten Geschwaders 1430 Feindflugzeuge. * Der Reichskommissar für die Preisbildung hat die Preisüderwachungsstellen ermächtigt, Betätigungsverbote und die Schließung von Erzeugerbe- trieben bis zu drei Jahren anzuordnen. Ferner können sie den unteren Preisbehövdsn (Landräte, staatliche Polizeiverwalter, Oberbürgermeister) die Befugnis übertragen, Ordnungsstrafen bis zu 1000 RM. zu verhängen. Kunst und Wissenschaft. Der Geiger Gustav Havemann 60 Jahre all. Am 15. März vollendet in Berlin der Geiger Gustav Havemann sein 60. Lebensjahr. Er ist nicht nur als Solist und als Primarius eines Streichquartetts weithin bekannt geworden, bedeutsam ist auch sein Einwirken auf den geigerischen Nachwuchs, von dem Havemann als Professor der Berliner Musikhochschule seit dem Ende des Weltkrieges eine ganze Generation unterrichtet hat. Daneben ist Gustav Havemann als Komponist und als Dirigent des vor der Machtübernahme aus stellungslosen Musikern gegründeten Kampfbundorchesters hervor« getreten, das den Grundstock bildete für das heutige Städtische Orchester der Rsichshauptstadt. Have- manns Einsatz für den Nationalsozialismus und seine Polemik mit einem jüdischen Geiger über die vermeintliche Prädisposition der Juden für das Violinspiel trugen ihm die Bezeichnung als Nazigeiger ein. Auch auf berufsständischem Gebiet hat er sich nachdrücklich für seine Kameraden eingesetzt. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter de4 Haupt,cbristleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für das Feuilleton: Dr. Hans Ibiiriot; für Stadt (Steten, Provinz, Wirtschaft und Sport: Ernst B:um>chein. Truck und Verlag: Brühlschc Un-versitätödruckcrei R. Lange ft. G. Berlagsteiter: Dr.-Zng. Erich Hamann: Än^eigenteiler: Hans Beck. Anzeigenpreisliste Nr. 6. ! 'M ME ■ k, . 6. Das Sparguthaben wird in Notfällen» bei der Spare eisern jetzt im Krieg, kaufen kannst Du nach dem Siegt Geburt eines Kindes und bei der Verheiratung einer Sparerin auf Antrag sofort ausgezahlt. t. Wer eisern spart, zahlt weniger Steuern und Sozialversicherungsbeiträge. 2. Die Höhe des Krankengeldes berechnet sich trotzdem nach dem vollen Lohnbetrag. 8. Der Sparbetrag wird zum Höchstsatz verzinst 4» Das Sparguthaben ist unpfändbar. sagt der Bauarbeiter August W... aus Dresden. „Selbstverständlich wird eisern ge- soll ein prima Motorrad her mit Beispart. Vieles braucht man jetzt nicht wagen und allen Schikanen. Dann Wenn aber der Krieg vorbei ist dann geht’s wieder hinaus nach Feierabend. Fünf einzigartige Vorteile leir Tieferschüttert erhielten wir die un- "taAg': faßbar schmerzliche Nachricht, daß mein innigstgeliebter, herzensguter, unvergeßlicher Mann, der liebevoll treusorgende Vater seines noch nie gesehenen Töchterchens, mein lieber Sohn, unser guter Bruder, mein lieber Schwiegersohn, Schwager und Onkel Fritz Kühn Oberfeldw. u. Zugführer I. einem Inf.-Regt, Inh. des E.K. II, des Infanterie-Sturmabz. und anderer Auszeichnungen im Alter von 27 Jahren an seiner Verwundung in einem Feldlazarett im Osten den Heldentod gestorben ist. Sein größter Wunsch, die Heimat ü. seine Lieben wiederzusehen, bleibt unerfüllt. In tiefer Trauer: 71111 Kühn, geb. Happel, u. Töchterchen Edith Ernstine Kühn Wwe., geb. Guhl Marie Happel Wwe., geb. Weigel nebst allen Geschwistern und Angehörigen. Hausen, Dramburg in Pommern, Berlin, Annerod und Watzenborn-Steinberg, im März 1942. 883 D Hart und schwer traf unsam4.Märzdicunfaß- riÄjji bare, schmerzliche Nachricht, daß bei den schweren Abwehrkämpfen im Osten mein über alles geliebter, herzensguter, unvergeßlicher Mann, der treusorgende, liebevolle Vater seines Söhn- chens.unser lieber,bra verSohn,Schwiegersohn, Bruder, Schwager, Enkel, Pate, Onkel und Neffe Georg Becker Gefreiter in einem Pionier-Bataillon im blühenden Alter von 22 Jahren in treuer Pflichterfüllung sein junges Leben opferte. Nun ruht er fern der Heimat und seinen Lieben in fremder Erde, doch unsem Herzen ist er ewig nah. In tiefem Schmerz: Emmi Becker, geb Jäger, und Söhnchen Werner Bürgermeister Becker und Frau AnnaKath.. geb.Zecher Gottfried Jäger und Frau Christine, geb. Schwarz (hergefreiter Wilhelm Becker, z. Z. im Felde Unteroffizier Heinrich Becker, z. Z. im Felde, u. Familie Obergefreiter Walter Ortwein, z. Z. im Felde, u. Familie Karl Becker, Helmut Jäger, z.Z. im Felde die Großeltern und alle Verwandten. Mainzlar, Treis ah der Lumda, im März 1942, Mit der Familie trauern auch wir um unseren gefallenen Arbeitskameraden. Betriebsführer und Gefolgschaft der Firma Dampfsägewerk Lollar B. Huhn AG., Lollar. ______________________________01068 SllA 7'ZiNHNkr-MllW mit Heizung od. Einfamilienhaus zum 1. September, eventl. früher. 5-Zimmer-Wohnung mit Heizung [teilt zur Verfügung. Schriftliche Angebote unter 1040 an den Gießener Anzeiger erbeten. Studentin sucht zu Anfang April gut möbliertes Einzelzimmer mit Frühstück. Angebote erbittet Otto Allmendinger Grünberg / Hessen. 8Md | Vermietungen | 3—4-Aimmer- Wohnung zum 1. 4. oder 1. 5. in Gießen oder Umgebung gesucht. Schr. Ang. unt. 0975 a. d. G. A. Alleinsteh. ältere Frau sucht abgeschlossene Wohnunq 1-2 Z. u. Küche i.nur gut. Hause. Schr. Ang. unt. 01074 a.d.G.A. 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Familie Wilhelm Römer und Frau Marie, geb.Steinmüller Adolf Römer, z.Z.i.Felde Ernst Römer, z.Z.I.Lazarett Willi Römer, z.Z. bei der Wehrmacht Erwin Römer, nebst allen Verwandten. Vetzberg, den 12. März 1942. 886 D Hart traf uns die unfaßbare Nachricht, ijyÄjjl daß bei den schweren Abwehrkämpfen im Osten mein lieber, herzensguter Mann, unser lieber Sohn, Schwiegersohn, Bruder und Schwager Feldwebel Heinrich Krüger Inhaber des E. K. II. und des silbernen Ver- wundeten-Abzeichens an der Spitze seines Zuges den Heldentod gefunden hat. Wiedersehen war seine und unsere größte Hoffnung. In tiefer Trauer: Luise Krüger, geb. Scherer Familie Heinrich Krüger Familie Heinrich Scherer Gießen, (Friedensstraße 11), ^töhlshof, (Pom.) St. Goarshausen (Rhein) 909 D Unser innigstgeliebter Sohn, mein ein- WNN ziger guter Bruder, unser lieber Enkel, Ä Pate und Neffe Heute früh verstarb nach kurzer, schwerer Krankheit meine liebe, herzensgute Frau, unsere gute, stets treu besorgte Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Frau Anna Meisen, geb. Hermann im Alter von 69 Jahren. In tiefem Schmerzt Konrad Helsen Elise Blum, geb. Helsen Fritz Helsen und Frau Kaethe, geb. RelBland Theo Helsen, z.Z. im Felde,und Frau Minna, geb. Gräf Karl Appel, z.Z. im Felde,und Frau Luise, geb. Helsen Willy Helsen, z. Z. bei der Wehrmacht, und Frau Inge- borg, geb. Reißland Alfred Huber, z. Z. bei der Wehrmacht, und Frau Hedwig, geb. Heisen und 11 Enkelkinder. Gießen (Aulweg 1OO), Bad-Salzungen (Thür.), Büdingen (Oberh.) u. Kassel, 13. März 1942. Trauerfeier, Montag, den 16. März, WU Uhr in der Kapelle des Neuen Friedhofes. 01087 Weiden« MW Schrift!. Angeb. unter 01105 an den Gieß. Anz. Erfahrene Haushälterin im Alter von 40 bis 50 I. gesucht. 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Für die vielen Beweise herzlicher Anteilnahme und die vielen Kranzspenden sowie die anerkennendenWorte des Herrn Pfarrers beim Heimgang unserer lieben Entschlafenen sagen wir unseren herzlichen Dank, Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Karl Schneider Familie Heinrich Schneider Familie Karl Langgöns. Lang-Göns, Gießen, Wieseck, 14. März 1942. 01084 TOGALWERK (jl 0) MÖNCHEN Neuwertige Melle sucht. [01095 Damenschuhe, Gr. 39/40, z« tausch. ges.[oio97 Liebigstr. 58 L 14.30 bis 17.30 Uhr: Nachmittags-Fremdenvorstellnno Aufruhr im Damenstift Komödie von Axel Breidahl. Preise von 0.60 bis 3.10 RM. in od. außer dem Hause gesucht. Schriftl. Angeb. unter 01044 a. d. Gieß. Anzeiger. Juwelier _ » Giessen Kreuzpl.8 sS Tel. 3602 G.B.A+0411325 THEATER der Universitätsstadt Gießen 8.-SIW Gr. 26, gut erh., geg. Gr. 29-30 zu tauschen ge- ffemagendbewälirtbei Bheuma-Gicht Neuralgien Erkältungs? ? 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An uns Lebende aber stellt das Schicksal die große Forderung, durch unser Dasein und dadurch, wie wir dieses Dasein nützen, die Weihe, die ein Volk durch das Opfer besten Blutes erhäft, nicht zu entheiligen — daß wir vielmehr alles daransetzen, diese Größe zu wahren und zu erhalten. Wie glücklich kann sich Deutschland schätzen, daß es solche Söhne besitzt, die in ihrem Leben nur den Zweck zur Erhaltung des Ganzen sehen, die bereit sind, das, was ihnen das Höchste bedeutet — Volk und Reich — mit diesem ihrem Leben zu schützen und zu stärken, daß sein Bestand für alle Zukunft gesichert ist. Man kann mit Worten kaum das Heldentum des unbekannten deutschen Soldaten erfassen und ermessen, und immer werden Worte nur arm und klein bleiben, wenn sie versuchen, von solcher Größe zu sprechen. Nur die Herzen können fühlen und empfinden, welche Bedeutung der Heldentod für das Vaterland in sich birgt.' Dann aber müssen auch diese Herzen groß und stark und mutig sein, und es darf in ihnen nicht das Gefühl einer Verlassenheit wach werden — auch dann nicht, wenn sie durch einen persönlichen schweren Verlust schmerzlich betroffen worden sind. Niemals sind uns Menschen verloren, die für unsere Zukunft ihr Leben opferten. Wir wollen immer daran denken: wie groß und gewaltig muß ein Volk sein, aus dessen Seele eine solche Kraft auf seine Menschen überströmt, daß sie zu einem Einsatz fähig werden, dessen letzte Erfüllung das Sterben für diese Gemeinschaft ist! Dieses deutsche Volk kann niemals verloren sein, und niemals kann es auch nur einen seiner Heldensöhne verlieren. Es wird sie immer mit sich tragen und wird ihren Geist weitergeben an die Lebenden, die in Ehrfurcht zu den Idealen der deutschen Mannestugenden aufblicken. So richten wir auch heute wieder unsere Gedanken auf unsere unsterblichen Toten, und unsere Gedanken sind zugleich ein Schwur, daß wir den Weg, den sie uns wiesen, unablässig und mit aller Einsatzfreudigkeit weitergehen werden, bis er im Siege seinen Abschluß findet und damit das Leben unserer Helden im ewigen Deutschland krönt. Immer soll vor unseren Augen das leuchtende Zeichen unserer Fahne stehen. Wir wissen, daß das Sonnenzeichen des Hakenkreuzes das Symbol unseres Sieges ist — und darum auch das Symbol des endgültigen Sieges unserer Gefallenen, die unvergessen, unsterblich in allen deutschen Herzen weiterleben. Sie haben uns ein stolzes Vermächtnis hinterlassen — wir wollen und werden es treu verwalten und wahren, daß es immer ein Hort sieghaften Bestehens sein und bleiben möge: Großdeutschland! „Er liegt nicht irgendwo einsam.. Brief an eine junge Soldatenfrau. Walter Enz (PK.). Ehrsucht vor dem Spser! Von Arndt-Günther Hchdeck. In Ehrfurcht vor allen denen, die ihr Leben als Opfer für Deutschlands Größe und Bestand brachten, begeht das deutsche Volk den Heldengedenktag des Kriegsjahres 1942. Es neigt sich vor den toten Helden des Weltkrieges, deren Sterben nun nach der Wiedererstarkung ihres Vaterlandes endlich den erhabenen Sinn gesunden hat, es neigt sich vor den tapferen Vorkämpfern der nationalsozialistischen Bewegung, die mit der Hingabe ihres Lebens den Treuschwur besiegelten, den sie dem Führer und d,a- mit der Zukunft ihres Volkes geleistet hatten, und es neigt sich vor den gefallenen Kameraden dieses Krieges, dieses letzten Krieges, den Deutschland um seine endlich gesicherte Freiheit und sein Lebensrecht zu führen gezwungen worden ist. Wenn wir an diesem Tage unser Sinnen auf die richten, die der Tod aus unseren Reihen gerissen hat, auf die, die voll Lebenslust und Schaffensfreude neben uns standen und mit uns voll froher Zuversicht in die Zukunft schauten und nun in fremder Erde ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, so kann unsere Erinnerung an sie nicht von stumpfer, quälender Trauer überschattet sein, weil wir wissen, daß eine solche Trauer nicht ihrem Willen entspräche. Vielmehr muß und wird unser Gedenken überstrahlt werden von dem stolzen Bewußtsein, daß sie, die im Kampfe fielen, Auserwählte waren und mit dem Tode ihre Namen unvergänglich in das Buch der Geschichte vom Werden des ewigen Deutschland eingeschrieben haben und für alle Zeiten Vorbilder heldischen Lebens für die, die nach uns kommen werden, find. ' Wohl ist das Opfer, das die Frau bringen mußte, als sie den Gatten verlor, bitter schwer, genau so wie das Opfer der Mutter, die den Sohn hergab, oder das der Kinder, die nun den Vater vermissen — aber sie alle sollen daran denken, daß ihnen die Gemeinschaft des ganzen Volkes zur Seite steht und ihre Ehre dareinsetzt, ihnen mach besten Kräften und mit allen verfügbaren Mitteln den harten Verlust ertragen zu helfen. Das haben wir so oft erlebt: Mit stolzer Fassung haben deutsche Frauen und Mütter vom heldischen Sterben ihrer Männer und Söhne Kenntnis genommen. und wenn auch der heiße Schmerz, der sie überfiel, als sie erfahren mußten, daß sie den liebsten Menschen, den sie hatten, nicht mehr Wiedersehen sollten, ihnen tiefe Wunden schlug, so wußten sie doch dabei, daß er ihnen nicht verloren war, sondern daß er in den Herzen der Millionen seines Volkes weiterleben wird. So wie das Volk als Ganzes hart geworden ist in den Jahren des Wiederaufbaues, so wie es nur das eine Ziel hat: die Zukunft des Reiches — so ist auch der deutsche Mensch als Einzelner von diesem unbeugsamen Willen zur Einsatzbereitschaft durchdrungen und erfüllt, daß er selbst zum höchsten Opfer fähig ist, wenn er erkennt, daß damit der Sinn des großen Kampfes vertieft und vollendet wird. Wer so groß ist, freudig sterben zu können für ein hohes Ideal, für ein erhabenes Ziel, der muß auch von denen, die ihn lieben, fordern, daß sie die Würde seines Todes nicht durch hemmungslose Hingabe an kleinliches Weh verringern, sondern daß sie vielmehr sich seines letzten Einsatzes durch ihre Haltung wert erweisen. Und wir haben allen Grund, auf das deutsche Volk unsagbar stolz zu sein. Wohl noch nie zuvor haben alle seine Glieder den Sinn des Sterbens so tief erfühlt wie in diesem Kriege. Wer heute die deutschen Frauen und Mütter sieht, die ihre liebsten Menschen für den Bestand des Volkes und Reiches gaben, der wird mit höchster Bewunderung auf diese Frauen blicken, die ihren Schmerz so würdig zu fragen wissen, weil sie den unbändigen und bedingungslosen Glauben an die deutsche Zukünft in ihren Herzen tragen. Sie verkörpern am sichtbarsten das Wort des Führers und sorgen durch ihr Beispiel mit dafür, daß es uns immer vor Augen steht: du bist nichts, dein Volk ist alles! Nichts, was groß ist, wird vom Schicksal verschenkt — es muß in hartem Ringen erworben und erstritten werden. Nur starke und kühne Geister und begeisterte, heiße Herzen sind fähig, die Fäuste und Waffen mit dem Glauben der alles bezwingenden starken Zuversicht auf den Sieg zu beseelen. Und nur wer Opfer zu bringen vermag, wird, gestärkt durch die fast mythische Kraft dieser Opfer, durch sie den Weg zum Ziele finden. Kann es etwas Wunderbareres geben als das Wissen, das ein Volk aus der Tiefe seiner Seele Von Kriegsberichter Da war eine der holprigen Straßen im weiten Osten. Jeder von den Schützen trachtete, so schnell wie möglich über den verfluchten Weg hinwegzukommen, über den die Geschosse heulten und zischten. Auch er, dessen Bild Du im Herzen trägst, junge Soldatenfrau, war unter diesen Infanteristen. Da hörte er, schon außer Atem auf einem Acker jenseits der Straße angekommen, hinter sich einen Kameraden aufschreien. Er wandte sich um, er sah den Kameraden zusammensinken,>>und ohne sich zu besinnen, sprang er zurück auf den Weg, auf dem der Tod lauerte. Er versuchte, den verwundeten, blutenden, stöhnenden Kameraden in die sichere Deckung des Straßengrabens zu ziehen. Doch über diesem Liebesdienst an seinem Kameraden traf ihn das Soldatenschicksal. Wir sahen auch ihn zusammensinken. Er fiel ... -Am frühen Abend, als das Gefecht ein vorläufiges Ende gefunden hatte, standen wir rund um ihn, wie immer in solchen Fällen von einer inneren zornigen Ohnmacht gepackt, daß man\ nicht mehr helfen kann. Ernst und schweigend packte einer die persönlichen Habseligkeiten des Gefallenen aus dessen Uniformtaschen. Eine Uhr, seine Geldbörse, fein Zigarettenetui, einen silbergeschmiedeten Ring. Vielleicht waren Dinge darunter, die Du ihm einmal geschenkt hast, liebe junge Soldatenfrau. Die Kameraden werden sie Dir schicken. Und in seinem Soldbuch fanden wir Dein Bild, junge Soldatenfrau. Einmal, in einer vertrauten Stunde, als warm und innig von der Heimat gesprochen wurde, hatte er uns schon Dein Bild gezeigt, etwas verschämt gleichsam und wohl mit nicht ganz reinem Gewissen, so schien es, denn es war, als gäbe er damit ein liebes Geheimnis preis. Doch unter Kameraden gibt es kein Geheimnis. Wir hörten ihm damals auch zu, als er uns verträumt und versonnen von Dir erzählte und uns damit in die innersten Angelegenheiten seines Herzens blicken ließ. Wie gern muß er Dich gehabt haben. Jetzt, neben dem Gefallenen, ging, während fern die Geschütze lärmten, noch einmal das Bild unter den Kameraden reihum, Keiner wird das falsch auslegen, auch Du selbst nicht. Wir drängten uns damit auch jetzt nicht in ein fremdes Geheimnis. Denn in Deinem Bild sahen wir nichts anderes als die Heimat, für die er fiel, für die wir draußen im Osten stehen. Und jeder hatte, während er Dein schönes Bildnis betrachtete und dann einen letzten Blick auf das bleiche Gesicht des Gefallenen warf, bevor sie ihn mit einer Zeltbahn zudecktem sein eigenes Denken, seine eigenen Sehnsüchte, Wünsche und Hoffnungen, die auch das härteste Soldaten- leben und Soldatensterben nicht auszuschalten vermögen. Jeder war auch in Gedanken bei Dir, ohne Dich zu kennen. Glaube mir, junge Soldatenfrau, das ist auch für uns Soldaten unendlich schwer, sich vorstellen zu müssen, daß Du ihn nie Wiedersehen wirft, weil wir ihn der Erde anvertrauen müssen. Wie gern möchten wir, seine Kameraden, Dir helfen. Ach, es ist so schwer. Dir, liebe Soldatenfrau, auf dem Papier irgendwelchen Trost zusprechen zu wollen. Doch eines sollst du erfahren und wissen: Wir bestatteten 'ihn an jenem Wege, auf dem er fiel, als. er dem verwundeten Kameraden helfen wollte. Noch drei andere Kreuze tarnen daneben zu stehen. Die Infanteristen schmückten die Gräber mit Patronenhülsen und Granatsplittern. Ein harter soldatischer Schmuck. Vom nächsten frühen Morgen an zogen nun auf dem eben erkämpften Weg endlose Kolonnen lang. Und jeder, ob er als Infanterist zu neuem Kampf vorbeimarschierte, ob er mit den Zügeln seiner Gäule beschäftigt war, ob er die ganze Nacht im Sattel gesessen hatte, ob er am Steuer seines Pkw. auf die Straße achten muffte.— jeder hatte doch einen ehrfürchtigen Blick für die frischen Soldatengräber am Wegrand. Ja, viele hielten an und standen eine Minute lang vor den Kreuzen, über denen die Stahlhelme hingen. Jeder las die Namen der Gefallenen und sann nach über das Soldatenschicksal, das ihn selbst ereilen kann, heute noch, morgen oder übermorgen ... Und das sollst Du wissen, das soll Dein Trost sein, liebe junge Soldatenfrau, zu der von dem Grabhügel aus in diesen Tagen die Gedanken vieler, vieler Kameraden gehen: Er liegt nicht irgendwo einsam und verlassen im fremden Land begraben. Vielmehr kommen Tausende und aber Tausende Soldaten an seinem Grabe vorüber, und jebe% von ihnen denkt voll Liebe und Ehrfurcht auch an ihn, den unbekannten Soldaten. Und jeder der Vorüberziehenden ist sich im Innern bewußt, daß er nicht auf dieser Straße marschieren könnte, wenn nicht die Kreuze da am Wegrand stünden. Ja, so ist es, wenn Soldaten an Soldatengräbern vorüber marschieren, sie denken dann im Grunde alle das eine: Wenn die da nicht gefallen wären, tbann wären wir noch nicht hier; ihr Tod hat uns den Weg frei gemacht. Daran mußt Du denken, junge' Soldatenfrau, wenn Du an den Gefallenen denkst, den Du über seinen Soldatentod hinaus liebst. Er war ein prächtiger Soldat. Du darfst stolz sein auf ihn ... ' Aus -er Stadt Gießen. Stilles Heldentum. Vor einigen Jahren fand in einer rheinischen Stadt eine Bilderausstellung statt. Da hing ein großes Bild, es bedeckte fast die ganze Wandfläche. Hier standen immer die meisten Besucher, stumm und andächtig ... Von einem Berge, der im Hintergründe leuchtete, schritten — in Lebensgröße gemalt — Frauen und Mädchen und Kinder. Alle trugen schwarze Gewänder. Da sah man alte, gebückt gehende Mütterchen, die sich auf einen Stock stützten, Frauen, die ihr Gesicht verhüllten, Mütter mit zwei und mehr Kindern an der Hand, einsam schreitende Mädchen, deren Blicke zurückgingen nach dem leuchtenden Berg ... Sie kamen von der Höhe ihres Glückes und wanderten zum Tal des Leides, stumm und schmerzvoll. . t Unter diesem Bild stand nur das eine Wort: „Krieg". Es machte in seiner erschütternden Ausführung einen unauslöschlichen Eindruck auf alle Besucher. Viele Jahre sind vergangen, aber immer wieder muß ich an das Bild denken, wenn mir auf der Straße oder in der Bahn tief verschleierte Frauen und Mädchen begegnen, wenn ich höre, daß einer bekannten Frau der einzige Sohn gefallen ist, wenn eine junge Ehe durch den Krieg zerstört wurde, wenn ich die Todesnachricht lese, daß eine Mutter im Weltkrieg ihren Mann und nun ihren Sohn in diesem Kriege verlor. Und in der Zeit, in der wir all derer gedenken, die ihr Blut und Leben gaben für Freiheit und Einheit des Reiches, wollen wir auch die nicht vergessen, die nun um ihr Liebstes auf der Erde,, ihre Kinder oder ihre Gatten, ihre Väter trauern. Sie brachten das größte Opfer. Sie stehen nun allein, sie müssen vom Berge des Glückes herabsteigen. Welch schmerzvolle Tage durchlebten sie! Und wie oft wird noch diese Wunde ausgerissen. Dürfen wir uns wundern, wenn Frauen und Mütter zurückdenken an die vergangenen Zeiten? Wie lange ist es her, daß der junge Soldat vor der Mutter stand und mit leuchtenden Augen und einem frohen Lächeln im Gesicht sagte: „Aus Wiedersehn und den Kopf hoch!"? Er war voll Zuversicht und blickte mit Pertrauen in die Zukunft. Sie hielt ihre Tränen zurück, bis er gegangen war. Wie einsam hatte sie dann in der stillen Wohnung gesessen und die ersten Tage gemeint! Dann aber gedachte sie seiner Worte „Kopf hoch!" Ganz leise warey die Alltagssorgen gekommen, und sie hatte in Arbeit und emsiger Tätigkeit die ersten schweren Tage überwunden. Es folgten seine Briefe, seine Karten. Wie schrieb er frohgemut! Dann kam die lange Pause. Wie schaute sie nach dem Briefträger aus! Und immer ging, er vorbei und schüttelte mit dem Kopf. Und dann jener Morgen: Der Briefträger hatte ein Schreiben gebracht: Verwundet! Mit zitternden Händen hatte sie den Brief empfangen, kein Wort war über ihre Lippen gekommen. Der alte Briefträger hatte sie trösten wollen, aber sie hatte nicht gehört, hatte an ihm vorbeeine Stimme spricht zu den Soldaten, die nun als Sieger kamen und die Erfüllung brachten. Sie ist die schwingende Brücke von jenen, die begannen, zu diesen, die vollendeten. Sie ist die immerwährende Anrede jeder soldatischen Generation: „Der Mann stirbt unter den Preußen nie, er marschiert noch in jeder Kompanie!" Der Leutnant Flex ist nicht der Leutnant nur vom Infanterieregiment 138, 9. Kompanie. 2)er Leutnant Flex ist längst darüber hinausgewachsen, er ist einer jener ewigen Kämpfer, die in allen deutschen Zeiten Marschall oder Offizier oder Unteroffizier oder Mann sind. Er ist Geist des immerwährenden Soldatentums für Deutschland im Sinne der hohen Ethik, die er einmal zu den Worten formte: „Wer auf die preußische Fahne schwört, hat nichts mehr, was ihm selber gehört!" Als Walter Flex 1916 aus dem Weltkrieg seinen „Wanderer zwischen beiden Welten" geschrieben hatte, griffen Hunderttausende seiner feldgrauen Kameraden zu diesem Buche. Es wurde vielen die soldatische Offenbarung und die moralische Stütze ihrer eigenen harten Zeit; so, wie er sich selbst zu dem harten Glauben durchgerungen hatte, mit dem fein letzter Brief ausklingt: „Ich habe das ruhige Gewissen, daß alles, was mir geschieht und geschehen kann, Teil einer lebendigen Entwicklung ist, über die nichts Totes mehr Macht hat." Was Walter Flex schrieb, war Ausbruch heiligen Feuers aus der Seele eines Mannes, der sich Deutschland verschrieb. Ausgerichtet nach friderizia- nisch-preußischen Grundsätzen, sah er über sich nichts anderes als das Reich, den Glauben an fein Volk. Dies überströmte ihn als Menschen, als Soldaten, als Kämpfer bis in die Minute seines letzten Opfers. . r. . Krieger fein war ihm höchste Verpflichtung, denn „es ist nicht damit getan, sittliche Forderungen aufzustellen, sondern man muß sie an sich vollstrecken , man muß sich immer kriegsfreiwillig fühlen aus sittlichem Fanatismus, wie am ersten Tage, und zu dem Bekenntnis stehen: „Ich bin nicht mehr ich selbst. Ich bin ein Glied der heil'gen Schar, die sich dir opfert, Vaterland!" ~ , Und einprägsam gibt Walter Flex dann durch den Mund seines kriegsfreiwilligen Studenten Ernst Wurche die Richtung zum soldatischen Vorleben des Offiziers und Führers, für den das Vorsterben dann wohl einmal ein Teil davon sein kann. „Das Herz seiner Leute muß man haben, dann hat man ganz von selbst Disziplin", und jenes Wort vom wahren großen Heldentum, das er den Publizisten feiner Zeit vorhielt: „Wenn man doch die Phrase von dem allgemeinen Heldentum der Masse lassen roollte1 Als ob es nicht ebenso flut klänge, wenn man ehrlicher, ruhifler und wahrer von dem Bor- herrschen des Sinnes für Pflicht, Gehorsam und Treue im Volk spräche. Helden sind Ausnahmen, sonst brauchte man nicht von ihnen zu reden!" Oder schließlich die tiefe Bitte der Gefallenen: „Gebt euren Toten Heimrecht, ihr Lebendigen, daß wir unter euch wohnen und weilen dürfen in dunklen und hellen Stunden. Weint uns nicht nach, daß jeder Freund sich scheuen muß, von uns zu reden! Macht, daß die Freunde ein Herz fassen, von uns zu plaudern und zu lachen. Gebt uns Heim- recht, wie wir es im Leben genossen haben!" — bis zu dem in jede Zukunft hinausgreifenden Appell: . „Die Toten lassen sich nicht halten, ihr Lebendigen: Nicht Geisterbanner sollt ihr sein und Toten- be'schwörer, ihr Leidgeschlagenen. Ihr sollt Toten- erwecker werden! Habt ihr Herzenskraft und Liebeskraft genug zu solchem Werke? Leid kann tätig oder tatenmüde machen, aber sicher ist, daß das größte Leid auch die tätigsten Herzen schafft. Zwischen diesen tätigen Herzen und den rührigen Händen gieriger Glücksjäger wird der eigentliche Entscheidungskampf um Seele und Zukunft des deutschen Volkes nach dem Kriege ausgefochten werden. Die besten Kämpfer des deutschen Idealismus liegen unter der Erde. Erwartet nicht alles von den Heimkehrenden. Nur den Toten könnt ihr ganz vertrauen, die in euch leben, denn es ist kein Falsch an ihnen. Glaubt, die Besten unseres Volkes sind nicht gestorben, damit die Lebendigen, tot seien, sondern daß die Toten lebendig würden. — Nicht das Glück ist das letzte Ziel des Menschen, sondern seine Vollendung als leiblich-sittliches Wesen. Dazu helfe euch der Krieg. Die Sieger werden unter den Toten sein!" Es ruft aus dem Grabe vom Peudehof. Zu den Soldaten. Zum Volke. Zu denen, die wieder die» Fahnen dort hintrugen und jenen, die vor einem Vierteljahrhundert im Opfer begonnen haben, was heute im Sieg vollendet wird. Es ruft aus ihm die Stimme des ewigen deutschen Soldaten zu dem Gelöbnis: „Tiefer soll keine Glocke je tönen über uns und unsere Erben und Nachgeborenen als das Wort Volk. Wie ein Glockenton soll ihm das Wort der Hingabe, das Wort Du vorausschwingen: Du, mein Volk! Du, mein Bruder! Du mein Vaterland! Das ewige Antlitz. Dem Wunsche, den nicht mehr auf dieser Erde Weilenden für immer in sichtbarer Gestalt zu besitzen, dankt die Totenmaske ihre Entstehung: das über dem Antlitz des Abgeschiedenen, über seinem „letzten Gesicht" geformte plastische Abbild, des Toten „ewiges Antlitz". Ergriffen vom ersten Erlebnis mit den Totenmasken großer Menschen, beschloß ein Mann, lange bevor einige Autoren dazu schritten, Lichtbilder berühmter Totenmasken in Büchern zusammenzustellen, sie zu erwerben und fein Zimmer zu einem Tempel der abgeschiedenen Großen dieser Welt zu machen: Friedrich und Bonaparte, Scharnhorst und Moltke, Goethe, Schiller und Lessing, Hebbel, Mörike und Lilien- cron, Beethoven und Haydn, Wagner und Liszt, Brahms und Bruckner, Menzel und Nietzsche, Dev- rient und Kainz; der Mann erkannte mit tiefer Erschütterung, daß dies nicht Bilder des Todes waren, sondern Bilder des Lebens. Die, denen diese Gesichter einst gehörten, waren gestorben, sie waren längst in ihrer äußeren Gestalt eingegangen in die mütterliche Erde, oder die Flamme hatte ihren Leib verzehrt: aber bevor sie hinübergingen, hatten sie sich selbst den Lebenden als Erbe hinterlassen, nicht, wie sie gelebt hatten, sondern wie sie gestorben waren, und nun erwies sich, daß kein Abbild 6er Lebenden so ungeheures Leben barg, wie diese Bilder der Toten, denn erst der Tod hatte ihr Wesen entsiegelt und ihren Gesichtern die höchste Form des Lebens aufgeprägt Im ersten Jahre des zweiten Weltkrieges hat Dr. Max S i m o n e i t zu einem kleinen Bändchen mit den Bildern von Totenmasken „Unsterblicher Soldaten", zu denen er auch die großen Staatsmänner zählt, einen tief eindringlichen kleinen Essay. „93on der Ueberwindung des Todes durch den Geist" geschrieben. Was er darin von den Feldherrn und Staatsführern sagt: daß, „wenn das Sterben ein von Erfolg gesegnetes Schaffen beschließe, dann über den Zügen des Entschlafenen saft immer em erhabener Schimmer beginnender Seligkeit liege , gilt ebenso von den letzten Gesichtern aller bedeutenden, ja letztlich aller' wahrhaften Menschen üües Haupt unser Liebstes sein Herzblut geopfert hat für Führer und Vaterland, wenn wir meinen, den Schmerz nicht überwinden zu können, so kommt doch die tröstende und heilende Zeit. Unendlich schwer ist aber das Schicksal derer, die täglich hoffend und bangend fragen: „Wo ist er? Lebt er noch?" Wie ein giftiger Pfeil reißt Das harte Wort „Vermißt" in jeder Stunde, an jedem Tag die Wunde auf. Mutterschicksal ist Mutterleid. Die Männer sind härter und stehen im Lebenskampf. Sie leben in ihrer Arbeit, in ihrem Pflichtgefühl. Die Mütter leben m ihren Kindern. Auch im Frieden müssen sie sich damit abfinden, daß sie ihre Kinder verlieren. Der Sohn führt die Braut heim, die Tochter gründet einen eigenen Hausstand oder wählt einen Beruf. Die Mutter gibt weg, immer aufs neue, aber nur um doppelt und dreifach zu gewinnen. So ist's in Friedenszeiten. Aber nun verliert sie ihren Sohn für immer. Nichts bleibt zurück als die Erinnerung. Und ebenso schmerzlich ist der Verlust für die Gattin und die kleinen Kinder, denen der Gatte, der Vater entrissen wird. Noch ist der Kampf nicht zu Ende. Wir stehen noch mitten drin in diesem heißen Ringen. Millionen von Frauen und Mädchen wissen aber, daß Kampf und Opfer das Gesetz des Lebens b-eftim» men. Wie das Samenkorn zerfallen muß, um neues Leben zu gebären, so kann auch im Menschenleben eine Generation nur leben und bestehen durch Kampf und Opfer. Das wissen wir alle in der deutschen Volks- und Schicksalsgemeinschaft, und so schwer auch der Verlust eines lieben tapferen Menschen die Angehörigen treffen mag, so wird dieses Opfer doch nicht vergebens fein. Angesichts der gewaltigen Erfolge unseres siegreichen Heeres tragen auch unsere Frauen und Mädchen ihr Schicksal mit Stolz und Würde. Davon zeugen die Feldpostbriefe, die unsere Soldaten draußen an der Front erhalten, und die von Pflichterfüllung, Opferbereitschaft und unbeugsamem Siegeswillen der Volksgemeinschaft in der Heimat berichten. h. Wilhelm Loeber 70 Jahre alt. Am morgigen Sonntag, 15. März, kann der Bäckermeister Wilhelm Loeber in Gießen, Wall- torstraße 20, in guter Gesundheit und bester geistiger Frische seinen 70. Geburtstag begehen. Der Jubilar entstammt einer alteingesessenen Gießener Bäckerfamilie, in der seit 1745 das Bäckerhandwerk Tradition ist. So erlernte auch Wilhelm Loeber nach dem Besuch des hiesigen Gymnasiums, das er mit der Einjährigen-Reife verließ, bei seinem Vater das Bäckerhandwerk, um später, im Jahre 1901, das väterliche Geschäft zu übernehmen. Seitdem steht er an der Spitze dieses alten Gießener Hand- wcrkshauses. Den ersten Weltkrieg machte Wilhelm Loeber zwei Jahre lang als Artillerist auf dem westlichen Kriegsschauplatz mit. Durch das Vertrauen seiner Berufskameraden wurde er im Jahre 1915 als Obermeister an die Spike der Gießener Bäcker- innung berufen, die er vis zum Jahre 1935 mit Umsicht und Tatkraft geleitet hat. Lange Jahre wirkte er auch im Vorstand des Gießener Ortsgewerbevereins mit, zuletzt stand er etwa fünf Jahre lang als Vorsitzender an der Spitze des Vereins, bis diele Handwerkerorganisation in die Kreishand- werkerfchast übergeführt wurde. Seit 1920 gehört der Jubilar dem Aufsichtsrat der Handels- und Gewerbebank in Gießen an, in dem er gegenwärtig noch eifrig mitarbeitet. Dom 1. Januar 1923 bis gum Frühjahr 1933 war er Mitglied der früheren Stadtverordneten-Verfammlung, später Stadtrat genannt, dessen Aufgaben seine rege Mitarbeit fanden. Ferner wirkte er im Vorstand des Bezirksvereins Nordost mit, der sich die Vertretung der Angelegenheiten des Nordostviertels zum Ziele gesetzt hatte. Als großer Pferdefreund und passionierter Reiter war er früher im Reiterverein Gießen ein eifriger Turnierreiter, der bei zahlreichen Reitturnieren mit seinem Pferd erste Preise und mancherlei Auszeichnungen erringen konnte. Sein stärkstes Interesse widmete er allzeit der Förderung seiner Vaterstadt Gießen, für die er fick auf zahlreichen Gebieten stets mit Hingabe emsetzte. Die schätzenswerten menschlichen Eigenschaften des Jubilars und feine unermüdliche Bereitschaft zum Wirken im Dienste des Gemeinschaftsgedankens ließen Wilhelm Loeber in unserer Stadt und darüber hinaus einen großen Freundes- und Bekanntenkreis erwerben, der ihm hohe Wertschätzung entgegenbringt. Dem Jubilar gelten zu seinem morgigen 70. Geburtstag auch unsere herzlichen Glückwünsche. Erfolgreiche Tierzucht in Oberheffen. Gute Steigerung der Qualität durch großzügige Zuchtleistung. Die große Zuchtvieh-Absatzveranstaltung am gestrigen Freitag in Gießen, bei der über 200 Zuchttiere aus Dem oberhessischen Zuchtgebiet zum Verkauf kamen, hat die Tierzucht in Oberhessen wieder einmal in den Vordergrund des öffentlichen Interesses gerückt. Wir haben uns mit dem Leiter des Tierzuchtamtes Gießen, Landwirtschaftsrat Dr. Wagner, der an der Spitze der oberhessischen Tier- zuchtleitung wirkt, über dieses Arbeitsgebiet unserer oberhessischen Bauern und Landwirte unterhalten. Die Aufgabe des Tierzuchtamtes Ließen — dessen Arbeitsgebiet sämtliche Kreise der früheren Provinz Oberhessen umfaßt — ist es, alle mit der Erzeugung auf dem Sektor Tierzucht zusammenhängenden Fragen zu bearbeiten. Dazu gehören, in großen Umrissen dargestellt, die durch das Reichstierzuchtgesetz vorgeschriebenen öffentlichen Körmaßnahmen, d. h. die Durchführung der alljährlich einmal stattfindenden staatlichen Hauptkörungen und der jeweils mit den Absatzveranstaltungen durchzuführenden Sonderkörungen sowie die gelegentlich stattfindenden Nachkörungen. Durch diese staatlichen Körungen hat das Tierzuchtamt als Zuchtleitung die Möglichkeit, die Tierzucht von der Seite der Vatertiere her zu steuern. Für sämtliche zur Zucht Verwendung findenden Vatertiere, wie Bullen, Eber, Ziegenböcke, müssen, damit sie gekört werden können, bestimmte Mindestleistungen ihrer weiblichen Ahnen nachgewiesen werden. Dadurch wird es ermöglicht, daß auch rein leistungsmäßig gesehen eine sichere Vererbung auf die weibliche Nachzucht erzielt wird. Daneben ist als eine der Hauptaufgaben des Tierzuchtamtes die allgemeine Förderung der Landestierzucht zu betrachten. Diese Arbeit erstreckt sich auf die besondere Betreuung der organisierten Herdbuchzuchten, ferner tfuf die allgemeine Ausrichtung der Landeszucht. Die organisierten Herdbuchzüchter im Bezirk der Tierzuchtamtes Gießen sind in Züchtervereinen zusammengeschlossen, die dem Reichsnährstand angegliedert sind. Durch Personalunion in der Stellung des Leiters des Tierzuchtamtes Gießen und des Geschäftsführers der einzelnen Züchtervereinigungen ist nach jeder Richtung him Gewähr geboten für die enge Zusammenarbeit zwischen organisierter Zucht und Tierzuchtamt. Sämtliche organisierten Rindvieh- und Ziegenzüchter, die allein das Recht haben, ihre Vatertiere auf Absatzveranstaltungen zu bringen, sind mit ihrem ganzen Milchoiehbestand 'pflichtmäßig den Milchleistungsprüfungen unterstellt. Neben der fortlaufenden Kontrolle der Milchleistungen in diesen Tierbeständen hat die beim Tierzuchtamt Gießen befindliche Kontrollstelle für Milchleistungsprüfungen noch die Aufgabe, auch die allgemeinen Milchleistungsprüfungen in sämtlichen Kuhbeständen durchzuführen. Wenn auch zur Zeit infolge der durch den Krieg bedingten Verhältnisse hier gewisse Einschränkungen nicht zu umgehen sind, so ist es doch gerade jetzt im Kriege eine vordringliche Aufgabe dieser Kontrollstelle, dafür zu sorgen, daß bei den im Dienstbezirk des Tierzuchtamts Gießen vorhandenen 34 Molkereien stets eine saubere und gehaltreiche Qualitätsmilch angeliefert wird. Dies wird erreicht durch Stallkontrollen bei den Vie h haltern und durch die Anlieferungskontrollen bei den Molkereien, die sich auf die Feststellung der Milchmenge, des Fettgehalts und das Vorhandenseins von schmutz in der Milch beziehen. Außerdem ist beim Tierzuchtamt Gießen ein Melklehrer beschäftigt, der vor allem während der Wintermonate durch die Deranstaltung von zehntägigen Wander-Melklehrgängen dafür wirkt, daß durch die Anwendung neuzeitlicher Methoden beim Melken eine saubere und einwandfreie Milch gewonnen wird. * Der Tierzuchtamtsbezirk Gießen ist von allen Dier- zuchtamtsbezirken der Landesbauernschaft Hessen- Nassau der viehstärkste. Hier ist die organisierte Tierzucht — mit Ausnahme der Ziegenzucht, die in Starkenburg eine noch größere Verbreitung hat — sehr weit ausgedehnt. Auf dem Gebiete der Pferdezucht wird in Oberhessen zu drei Fünftel ein mittelschweres gängiges Kaltblutpferd gezüchtet, zu zwei Fünftel erfolgt die Zucht eines schweren Warmblutpferdes auf Oldenburger Grundlage. Bei der am 1. und 2. November 1941 in Gießen durchgeführten Landes- pferdefchau konnte Oberheffen sein hervorragendes Pferdematerial mit bestem Erfolg der Öffentlichkeit zeigen. 24 Hengststationen, die über das gesamte Ar- beitsgebiet des Tierzuchtamtes Gießen verteilt sind, geben Gewähr dafür, daß die vom Hessischen Landesgestüt angetauften wertvollen Kalt- und Warmblut-Zuchthengste züchterisch in bester Weise ausge- nützt werden. Bei der R i n d v i e h z u ch t in Oberhessen sind die Verhältnisse dadurch schwieriger, daß wir es hier mit drei anerkannten Nutzrassen zu tun haben. Mit 75 v. H. überwiegt die Höhenfleckoiehrasse, die ihre weiteste Verbreitung in den viehreichen Kreisen Alsfeld und Lauterbach hat. Zu etwa 15 v. H. wird das schwarzbunte Niederungsoieh, vorwiegend in der Wetterau, gehalten, etwa 10 v. H. des gesamten Viehbestandes stellt bas rote Höhenvieh, das in der Hauptsache im hohen Vogelsberg seinen Standort hat. Für jede dieser drei Rassen ist ein besonderer Zückterverein zur herdbuchmäßigen Förderung vorhanden. Die Absatzveranstaltungen dieser drei Zucht- oereine finden laufend in der Viehversteigerungs- halle Rhein-Main zu Gießen zentral statt. Von hier aus wurden für die wieder zu besiedelnden Gebiete des Westens und für die Aufbaugebiete im Osten durch die Züchtervereine für Fleckvieh und Rotvieh in den letzten Jahren laufend größere Transporte von Zuchttieren bereitgestellt. In der Schweinezucht haben wir es in Oberheffen nur mit dem Deutschen veredelten Land- schwein zu tun. Neben dessen Hauptzuchtort Lang- Göns sind die Schweinezuchten über den gesamten Tierzuchtamtsbezirk verstreut, lieber 100 Herdbuchzüchter sind hier vorhanden, die in den letzten Jahren, namentlich aber in jüngster Zeit, allmonatlich größere Transporte von Zuchtsauen für die Aufbaugebiete im Westen und im Osten von Gießen aus zur Verfügung gestellt haben. In der letzten Zeit sind diese Transporte meist nach dem Osten 9 ^)ie9Schafzücht, die früher für ganz Hessen- Nassau vom Tierzuchtamt Gießen als Sitz des Landesverbandes der Schafzüchter Hessen-Nassaus betreut wurde, hat gerade im Rahmen der Erzen« aungsschlacht während des Krieges eine gewaltige Ausdehnung erfahren. Dadurch ist es vor einigen Jahren notwendig geworden, den Sitz des Landes« verbandes nach Frankfurt a. M. zu verlegen und dort bei der Zentralstelle der Landesbauernschaft ein besonderes Referat für Schafzucht zu schaffen. Im Dienstbezirk Oberhessen wird vorwiegend das Deutsche schwarzköpfige Fleischschaf gehalten, wäh« rend im südlichen Teil der Landesbauernschaft das Deutsche veredelte Landschaft (Württemberger) vor«? herrscht. Aus dem Gebiete der Ziegenzucht ist Ober« Hessen eines der ältesten Zuchtgebiete Deutschlands« Hier wird die Deutsche weiße Edelziege gezüchtete Die Absatzveranstaltungen in Gießen auf Dem Gebiete der Ziegenzucht erfreuen sich im ganzen Reiche größter Beliebtheit; z. B. sind in den letzten Jahren größere Lieferungen von Zuchttieren von hier aus nach Mecklenburg, dem Warcheland, dem Generalgouvernement, dem Sudetenland, dem Donauland^ nach Schlesien, Thüringen und dem Saargebiet ab* geschickt worden. Die Geflügelzucht wird unter starker Förderung der anerkannten Wirtschaftsrassen (Weiße amerikanische Leghorn, Rebhuhnfarbige Leistungs- Italiener, Rote Rhodeländer und Weiße Wyandot- tes) aufwärtsgeführt. Die Geflügelzucht-Beraterin des Tierzuchtamtes hat auf ihrem Gebiete ein weites Arbeitsfeld. Neben der Förderung der Zucht ift es noch ihre besondere Aufgabe, für eine ordnungsMan verlange Puddingpulver Peese-Gesellsdiaft,Hameln zuheben, mit denen die Burschen nach altem Brauch als Hochzeitsbitter durchs Dorf ziehen und die Gäste einladen, ferner die holzgeschnitzten Löffel und Trinkgefäße der rumänischen Hirten. Die äußerst farbenfrohen Trachtenftücke gewähr ren einen kunsthandwerklich wie allgemein solklori- stisch interessanten Einblick in die Männer- und Frauentracht des rumänischen Bauernvolkes; hier sind vorzüglich die charakteristisch langen Frauenhemden und Schürzen und, als ein besonders originelles und praktisches Kleidungsstück, ein beiderseitig zu tragender Pelzmantel für gutes und schlechtes Wetter bemerkenswert. Die bäuerliche Keramik verschiedener Landschaften ist mit vielen, an Ornamenten und Formen reichen Beispielen von Krügen, Schalen, Tellern, Be- cyern u. dgl. vertreten. Typische Erzeugnisse der tu« männischen Volkskunst sind ferner die im Original auf gestellten, hölzernen, geschnitzten und überdachten Wegkreuze. Auch ein kunstvoll ausgearbeitetes doppeltüriges Hoftor verdient Beachtung, dessen zweiteilige Gliederung etwa der bei uns im Hüttenberg bekannten Form entspricht. — Als Proben religiöser Volkskunst findet man endlich eine Rühe von auf Glas gemalten Heiligenbildern, die verschiedene Stufen der volkskünstlerischen Formgebung und typische, vielfach auch von fremden Kulturkreisen her beeinflußte Motive aufweisen. Ein Rundgang durch die mit zahlreichen großformatigen Lichtbildern aus dem rumänischen Volksleben bereicherte Ausstellung bietet dem deutschen Besucher ein vielfältig reizvolles, zu mancherlei Be. trachtungen und Vergleichen anregendes Bild der bäuerlich-bodenständigen, alten Kultur einer befreundeten Nation. Hans Thyriot. Rumänische Volkskunst Gitte Ausstellung im Frankfurter Stadel. Das rumänische Propaganda-Ministerium veranstaltet g-cmeinsam mit dem Auswärtigen Amt und dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda vom 14. März bis 14. April eine Ausstellung r u ma nifcher Volkskunst im Frankfurter Stadel. Die Ausstellung will in Deutschland Verständnis und Interesse für den bodenständigen Kulturwillen' des rumänischen Bauerntums wecken und überhaupt — als Wanderschau in einer Reihe deutscher Großstädte — die kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und dem waffenbrüderlich befreundeten Rumänien vertiefen. Die hier gezeigten Gegenstände find großenteils älter als die rumänische Sprache, in einzelnen Motiven jahr- tausendalt; sie sind auch nicht Museumsstücke im üblichen Sinne, sondern lebendiges, volkstümliches Ge- braucksgut, wie man es noch heute in vielen rumänischen Dörfern finden kann. Im einzelnen zeigt die Ausstellung etwa die charakteristischen Formen des rumänischen Dauern- K: völlig naturgetreue Modelle, z. B. aufklavp- ,) daß der Blick in die wie große Puppenstuben mit Hausrat vollständig aus gestatteten Jnnen- räume fällt, veranschaulichen die typische Holzbau- weise mit sog. Vorlauben und unter Verwendung von Strohdach und Schindeln. Auf hvher Stufe steht die bäuerliche Textilkunst Rumäniens, wie zahlreiche männliche und weibliche Trachtenftücke, sehr schöne Teppiche, Stickereien und Webarbeiten bezeugen. Sorgfältig abgestimmte Far- benzufammenftellungen und eine reich ausgeprägte, vielfach geometrisch bestimmte Ornamentik zeichnen diese Stücke aus. Allgemein ist die rumänische Volkskunstübung nicht auf Naturnachahmung, sondern auf strenge Stilisierung ihrer Motive bedacht. Siebenbürgen und das Banat sind hier wie auf fast allen übrigen Gebieten eindrucksvoll vertreten. Etwas Reizendes find die buntbemalten Ostereier der rumänischen Bäuerinnen. Diese Eier weisen außerordentlich fein und vielfigurig ausgeführte, wiederum streng stilisierte Ornamente auf und gewähren ein ungemein heiteres, frühlingsmähig farbiges und einladendes Bild. Unter den mancherlei Schnitzereien sind die ziemlich voluminösen hölzernen Schnapsflaschen heröor- Der feurige