192. Jahrgang Nr. 214 EriÄemr täglich, außer Sonntags un- feiertags Beilagen: Gießener Familtenblätter Heimat imBild-DieScholle Bezugspreis: Monatlich.....RM.1.80 Zustellgebüör,.. „ -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Fernsdrechanickluß 2251 Drahtanscrmft:,Anzeiger" Postscheck 1168k Frankl./M. 8reltag.11. September 1942 Gietzener Anzeiger Annahme von Anzeigen ftft bie Mittagsnummer bis 8*/i Uhr desÄormittagS Anzeig en-Preise für die Dtillimeter-Zeile von 22 Millimeter Breite: 7Rvf. für Familienan- zeigen und private Gelegenheitsanzeigen 14Rvf. f. Werbeanzeigen und geschäftliche Gelegenheitsanzetgen Platzvorschrift l vorherige Vereinbarung) 25°/» mehr vrühlsche UniversttStr-ruckerei 8. Lange General-Anzeiger für Oberhessen Der geopolitische Ausbau der Südseewelt Von unserem S.-Berichterstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Tokio, im August 1942. Man ist gewohnt, in Australien mit seinen rund 9 Millionen Quadratkilometer den kleinsten Erdteil zu sehen. Da man bei den Erdteilen stets nur die Landmassen in Rechnung stellt, so ist diese Ziffer zweifellos richtig und berechtigt. Versucht man aber einmal, das wahre Wesen des Erdteils Australien zu ernennen, so läßt sich auch ein anderer Standpunkt einnehmen. Bei einem großen Ueberblick spricht man in Australien von dem Festland, einem inneren Jnselkranz mit dem Namen Melanesien und einem äußeren, der von Mikronesien und Polynesien gebildet wird. Zu- sammengehalten werden diese Teile durch die Fluten des Stillen Ozeans. Er allein ermöglicht di^Ver- binbung zwischen ihnen. In Würdigung dieser Tatsache gibt es viele Geographen, die Australien gern einen „amphibischen Erdteil" nennen. Dadurch kommen sie zu. dem Ergebnis, daß bei einer Zusammenziehung der Land- und Meeresteile dieser Südseewelt Australien mit rund 90 Millionen Quadratkilometer der größte Erdteil jft. Denn der von australischen Landteilen umschlossene Raum hat zwischen der Inselgruppe Salas y Gomez und dem Steep-Paß eine Ostwesterstreckung von 14130 Kilometer, nimmt also in dieser Richtung mehr als ein Viertel des Erdumfanges — 40 000 Kilometer — in Anspruch. In der Nordsüderstreckung zwischen dem 29. und 53. Grad südlicher Breite kommt er mit 9000 Kilometer beinahe an dieses heran. Um einen Vergleichsmaßstab zu bieten, ei darauf hingewiesen, daß die Westostverbindung ier zusammengewachsenen Erdteile Europa und llsien auf dem Eisenbahnwege von Lissabon über Saris—Berlin—Moskau—Irkutsk—Kiachta—Char- nn—Dairen 13 528 Kilometer, also etwas weniger, beträgt. Diese Maße muß man sich klarmachen, nenn man die geopolitischen Bedingtheiten würdigen will, wie sie der Aufbau der Südseewelt mit ich bringt Die eben genannten Teile Australiens sind so an- geordnet, daß das Festland mit 7,7 Millionen Qua- iratkilometer das Kernstück eines gewaltigen Fächers 'ildet, der sich in der Hauptsache in östlicher Rich- iung entfaltet. Dabei sind die Teile in der Badenorm so auf gebaut, daß sie nach Osten und Korden eine Verteidigungsstellung infweisen. Am sinnfälligsten tritt das bei dem Fest- and selbst zutage. Zum allergrößten Teil besteht 5 aus einer Hochfläche von nur geringer Höhe und ns Tiefland. Dagegen türmt sich an der ganzen dstküste entlang ein Gebirgswall auf, der sich angsam nach Norden zu senkt, hier aber wie überhaupt an der gesamten Nordküste durch einen dich- en Urwaldstreifen sowie durch Korallenriffe ge- chützt wird. Dasselbe gilt von dem Nordosten, dem ich das berüchtigte, mehrmals 1600 Kilometer lange Zarriere-Riff vorlagert. Diesen natürlichen Abwehr- lnaßnahmen ist es zuzuschreiben, daß der Norden und Nordosten des Festlandes nicht nur so wenig !3erkehrsbeziehungen zu der benachbarten südost- .asiatischen Inselwelt angeknüpft hat, sondern über« taupt der menschenleer st e Teil des Landes löblieben ist. Einigermaßen aufgeschlossen ist nur ier Südwesten, hauptsächlich aber der S ü d o st e n. Das liegt zum wesentlichen Teil an den eben vor- lietragen^n Gründen, jedoch in gleichem Maße auch cn klimatischen. Denn der Norden gehört zur trv- sischen, der Süden zur gemäßigten Zone, die der ziffernmäßig stärksten Bevölkerung, der weißen, am meisten zusagt. Parallel zu dem Gebirge an der Ostküste des oustralischen Festlandes verläuft in 700 bis 1700 Kilometer Abstand eine Inselkette, die mit Neu-Guinea im Norden beginnt, sich über den Bis- inarckarchipel, die Salomon-Inseln, Neuen Hebriden »wie Neu-Kaledonien hinzieht und in Neuseeland ndet. Ihr gemeinsamer Name ist „M e l a n e - ien", die Inseln der schwarzen Menschen (Pa- iuas) und der dunklen Urwälder. Im Norden chwärmen sie sehr dicht, um Neuseeland herum iegen jedoch schon gewaltige Freiflächen. Nach ihrer Entstehung darf man sie vielleicht als das stehen- sbliebene Randgebirge eines teilweise versunkenen ^roßaustraliens betrachten. Die Höhen ihrer Ge- irge entsprechen denen der europäischen Alpen. ' ufjer Neuseeland sind sie alle noch wenig erforscht. !'er undurchdringliche Urwald sowie eine noch in L'ofjer Wildheit lebende Bevölkerung haben bis« ?r die Erschließung außerordentlich erschwert. Ein- , ig Neu-Guinea hat sich in bescheidenem Maße eojfnet. Die hierbei gemachten Erfahrungen berech- rgen zu großen Erwartungen in bezug auf Edel- wetalle, besonders Gold, und auf Steinkohle. Offenbar liegen hier noch bedeutende Reserven der Weltwirtschaft. Zu den am wenigsten erschlossenen Gruppen gehören die Salomon-Inseln, von denen Die nördlichsten, Bougainville und Buka, von 1S86 bis 1919 und die daran südöstlich anschließenden, Choiseul und Isabel, von 1886 bis 1899 zu Teutschland gehört haben. Ihre Gesamtoberfläche beträgt rund 44 000 Quadratkilometer, die Zahl ihrer Einwohner etwa 150 000. Der ganze melanesische Inselgürtel untersteht angelsächsischer Oberhoheit, mit Ausnahme von Neu- Kaledonien. Dieses ist französisch, 'wurde aber von , Mullistischen Verrätern den Amerikanern übereignet. Das Vorfeld zu ihm bildet nach Norden zu „Mikronesien", die Kleininselwelt der Karolinen, Marianen und Marschall-Inseln, ehemals deutsche Kollmien, über die Japan als Mandatar verfügt. Nach Osten zu erstreckt sich die Vielinselwelt orn „Polynesien", die mit Salas y Gomez 1 säon in den südamerikanischen Bereich übergreift. Sbren* geopolitisch wichtigsten Teil bedeutet im Augenblick der nördlichste, der von einer 2500 Kito- . Meter langen Sperrkette von Hawai bis zu den Midway-Inseln dargestellt wird. Bei einer solchen Aufgliederung der Südseeinsel- mlt kommt man zu dem bemerkenswerten Schluß, daß sich die Gebiete der jüngsten militärischen Auseinandersetzungen im Stillen Ozean gewissermaßen aus dem Bild des Fächers ergeben, zu dem die Der« lageruna des Festlandes und der Inseln nötigt. Die Schauplätze der Kämpfe liegen konzentrisch zum Festland Australien, angefangen mit der Schlacht im Korallenmeer zwischen Melanesien und Nordaustralien (Anfang Mai), fortgesetzt bei den Midwayinseln (Anfang Juni) und zuletzt, im August, bei den Salomon-Inseln. Japanische Fortschritte auf Neu-Guinea. Berlin, 10. Sept. (DNB.) Den Japanern gelang es auf New-Guinea, ein australisches Bataillon vom Gros abzuschneiden und zu zerschlagen-, ein großer Teil der Australier geriet in Gefangenschaft. Ein Angriff japanischer Panzerverbände südostwärts von Kokoda führte zu einem Durchbruch durch die australischen Stellungen. Die Australier haben sich hier mehr als 30 km nach Süden in Richtung auf Port Moresby zurückgezogen und zahlreiches Kriegsmaterial in die Hand der Japaner fallen lassen. Bei Luftangriffen über Neu- Guinea, den Salomon-Inseln und Nordaustralien schossen japanische Kampfflug^uge 23 Flugzeuge ab. Oer Führer empfing italienische Faschistenführer. T)TC6. Aus dem Führerhauptqüartler, 10. SepL Der Führer empfing am Donnerstag in Gegenwart des Stabschefs Viktor Luhe den Generalstabschef der Faschistischen Miliz, Exzellenz Generalleutnant Enzo G a l b i a t i, sowie den Kommandeur der Sonderformation „Mussolini", General G i u a, und General R o m e g i a l l i. Er Halle mit dem Ehef der faschistischen Kampfverbände eine längere Unterredung im Geist der herzlichen Freund- uud Waffenbrüderschaft. Zwischenbilanz. Es wird Zeit zu einer Zwischenbilanz im Ostenr Zu einer Vergegenständlichung der besonderen Gesichtspunkte, die über den zeitlichen Kriegsverlauf und unmittelbaren Raumgewinn hinaus sich in diesem heißen Kampfsommer ergeben haben, die das — wenn man so sagen darf — „innere Bild" des Sommerfeldzugs bestimmen. Was sich an solchen Eigenarten jetzt entwickelt hat, wirkt in die Zukunft weiter. Zu unterscheiden sind bas Vorspiel und der eigentliche Sommerfeldzug. Das Vorspiel ist umschrieben durch die Namen Kertsch, Sewastopol und Charkow. Auch die Korrekturen der winterlichen Kämpfe in der Mitte und besonders im Nordabschnitt gehören dazu. Die Schlacht von Charkow, die in die Tage der Wiedereroberuna der Halbinsel Kertsch fällt, begann mit einem Angriff Timoschenkos, der auf dem Roten Platz von Charkow am 15. Mai eine Parade seiner siegreichen Panzer abnehmen wollte. Aus dem sowjetischen Offensivstoß wurde eine deutsche Angriffsbewegung, die dem oberen Donez- Stromgebiet galt. Sie war die Grundlage des eigentlichen Sommerfeldzuges, der am 28. Juni aus dem Raum Kursk—Charkow losbrach. In rascher Folge wurde Woronesch erreicht, das eigentliche Donezgebiet buchstäblich aus den Angeln gehoben, der untere Don überschritten, der Kampf bis auf die Hochpässe des Kaukasus und an die enge Küstenstraße des Schwarzen Meeres getragen, die Halbinsel Taman gegenüber Kertsch gesäubert und insbesondere jenseits des innersten Don-Bogens die Schlüsselstellung von Stalingrad angegangen. Stalingrad mit der Wolga bedeutet die Verbindung des Moskauer und uralischen Gebietes mit dem Sisden. Der wesentliche Charakterzug der diesjäMgen Kämpfe war, daß nicht mehr eine Gesamtfront aufzurollen war wie im Vorjahr. Es war nicht mehr von der Wehrgrenze, der sog. Demarkationslinie in das eigentliche Kampfgelände vorzustoßen. Das eigentliche Kampfgelände wurde 1941 erst nach Monaten erreicht: es lag hinter dem Peipussee und hinter dem Dnjspr. In diesem Jahr standen unsere Truppen vielmehr' — dank ihres heldenhaften Ausharrens im Winter und dank des festen Willens des Führers — mitten in dem wesentlichen Kampfgelände und stoßen während dieses Sommerfeldzugs an der für den Feind so empfindlichen Südflanke bis an die östlichen Grenzen des entscheidenden Kampfraumes vor, der rein militärisch für die Sowjets Entfaltungsraum und kriegswirtschaftliche Widerstandsbasis ist. Von dem flüchtigen Auftakt der TimO'iVhenko-Offensive gegen Charkow in der ersten Maihälfte abgesehen, sind die Sowjets nirgend auch nur zu einem erfolgreichen Anlauf eigenen operativen Handelns gekommen. Die erbitterten Im übrigen setzt die britisch-indische Polizei die Massenverhaftungen der Vortage in ganz Indien fort. In Bombay wurden 350 Personen, in Karachi 250 Personen, in Madras 170 Personen, davon viele Studenten, verhaftet. Das britische Blutregiment wird fortgesetzt. > Stockholm, 10. Sept. (DNB.) Churchill gab am Mittwoch im Unterhaus die lang erwartete Erklärung über die Lage in Indien ab, die sich, wie er behauptete, gebessert habe. Es seien rund 500 Personen in Indien getötet worden. Der Treue und Standhaftigkeit der britischen Polizei, auf deren Konto diese Blutopfer kommen, zollte er ausdrücklich höchstes Lob und wiederholte im übrigen den festen Entschluß der Londoner Regierung, dem britischen Vizekönig und seiner Exekutive alle notwendige, Unterstützung zu geben. Die Gewaltmaßnahmen der Kongreßpartei hätten gezeigt, daß der Kongreß nicht das Volk vertrete, das durch Rassen- und Religionsgegensätzlichkeiten tief zerspalten sei. Churchill bemühte sich, den Eindruck zu erwecken, als ob größere Teile des indischen Volkes auf feiten des englischen Unterdrücker ständen. Er mußte jedoch zugeben, daß die Unruhen eine schwere Gefährdung für die Briten bedeuten. Besonders die Verbindungswege der englischen Streitkräfte an der Assam-Grenze würden durch Aufständische schwer bedroht. Der Labour-Abgeordnete S h i n w e l l fragte die Regierung, ob sie sich darüber im klaren fei, daß die Erklärung Churchills Millionen von Menschen tief erschüttern und en11äusche*n müsse, und ob die Regierung der Auffassung sei, daß eine solche Erklärung, welche die Kongreß- Partei verletzen müsse, zur Bereinigung der politischen Lage in Indien beitragen werde. Der linksradikale Abgeordnete Aneurin B e v a n richtete daraus erneut heftige Angriffe gegen Churchill und verlangte zu wissen, ob die Erklärung Churchills die Billigung des Kriegskabinetts finde. Shinwell fragte schließlich noch, ab die militärischen Verstärkungen, deren Ankunft in Indien Churchill bekannt- gegeben habe, zur Verteidigung Indiens gegen die Japaner oder etwa zur Niederschlagung innerer Unruhen bestimmt seien. Churchill versicherte, sie seien zum Kampf gegen die Japaner nach Indien geschickt worden. Aus den Ausführungen Churchills geht hervor, daß das britische Blutregiment fortgesetzt wird, unbeschadet der Tatsache, daß Cripps vor wenigen Monaten den Indern erst ihre politische Freiheit versprach, ein Versprechen, für dessen Einlösung die Inder jetzt in friedlichen Kundgebungen eintreten. Er zeigt den über die britische Hinterhältigkeit erbosten Indem heute mit feinen Terrormaßnahmen, was er unter Freiheit versteht. Es ist bezeichnend, daß sich Churchill den Zuruf „Unsinn" gefallen lasten mußte, als ^r der Kongreßpartei vorwarf, sie vertrete nicht die Meinung der Inder. Ebenso unsinnig ist seine Behauptung von der Besserung der Lage in Indien. Der englische Gummiknüppel hat nicht vermocht, die Freiheitsbewegung der Inder za > unterdrücken. Erbittertes Ringen im Festungsgelände von Stalingrad. Berlin, 10. Sept. (DNB.) Nach starker Artillerievorbereitung unternahmen die Bolschewisten mehrere Gegenangriffe westlich Stalingrad, die sämtlich unter hohen Verlusten für den Feind zusammenbrachen. Sofort setzten die Deutschen zu Gegenangriffen an. Die Bolschewisten leisteten in zahlreichen bunkerartig ausgebauten Feldstellungen unlt mit Stahlpanzern versehenen Stützpunkten zähen Widerstand. Der Angriff auf diese starken Befestiaungswerke konnte daher nur abschnittsweise vorgeführt werden. Nördlich von Stalingrad stieß der deutsche Angriff zunächst auf äußerst verbissenen Widerstand. Nachdem Pioniere, Infanteristen und Panzersoldaten mehrere Bunker und zahlreiche Widerstandsnester aus der feindlichen Befestigungs- linie im Nah kämpf herausgebrochen hatten, konnte der deutsche Angriff weiter vorgetragen werden. Der Feind hatte schwere Verluste. Nördlich des äußeren Festungsgürtels griffen die Bolschewisten nach heftiger Artillerie- und Granatwerfervorbereitung von außen mit starker Infanterie und zahlreichen Panzern an. Nach erbitterten Kämpfen wurde der Feind unter blutigen Verlusten wieder nach Norden zurückgeworfen. Er verlor dabei insgesamt 59 Panzerkampfwagen. Bei diesen Kämpfen zeichnete sich ein deutsches Panzerkorps aus, das in den letzten zwölf Tagen im Norden der Befestigungswerke bis zur Wolga vor- geftoßen war und dieses eroberte Gebiet gegen stärkste Angriffe gehalten und verbreitert hatte. Wichtige bolschewistische Straßenverbindungen in nördlicher Richtung wurden abgeschnitten und der Schiffsverkehr auf der Wolga unterbunden. Seit dem 23. August schoß das Panzerkorps über 430 Panzerkampfwagen ab, erbeutete 180 Geschütze, zerstörte 2 Monitors und 3 Kanonenboote auf der Wolga, versenkte 2 Flußdampfer und 4 Motorboote und brachte 9000 Gefangene ein. Der Wehrmachiberichi. DNB. Aus dem Führerhauptquartier, 10. SepL Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Südostwärts Noworossijsk wurden in dem mit Bunkern ausgebauteu Kampfgelände weitere höhen genommen. Schwere Artillerie des Heeres versenkte an der Küste des Schwarzen Meeres fünf Transporter. Am Terek warf eine deutsche Kampfgruppe einer Panzerdivision den mit massierten Kräften angreifenden Feind zurück, brach in die feindlichen Artilleriestellungen ein und zerstörte die Batterien. 3m Festungsgebiet von Stalingrad wurden mit Unterstützung der Luftwaffe weitere stark ausgebaute und zäh verteidigte Befestigungsanlagen genommen. Bei der Abwehr starker Entlastungsangriffe wurden 59 sowjetische Pan - z er abgeschossen. Kampfflugzeuge bombardierten Hafenanlagen und Versorgungslager von Bauernrevolte in Indien. Tokio, 10. Sept. (Europapreß.) Die indische Freiheitsbewegung breitet sich von den Städten immer mehr auch auf das flache Land aus. Große Erbitterung hat unter den indischen Bauern vor allem die britische Methode der Verhängung kollektiver Geld st rasen für einzelne Dörfer heroorgerufen. So ist es im Cawnpurdistrikt zu einer offenen Revolte von 1000 Bauern aus fünf Dörfern gekommen, denen die britischen Behörden hohe Geldstrafen auferlegt hatten. Die erbitterten Bauern zogen stadtwärts, griffen die Regierungsgebäude an und kämpften drei Stunden mit der Polizei. Erst als von den Briten Truppen und Panzerwagen eingesetzt wurden, konnte der Aufruhr unterdrückt werden. 200 indische Bauern wurden verhaftet. In den fünf Dörfern haben die britischen Behörden sämtliches bewegliches Gut beschlagnahmt. Man ist auf die Reaktion des All- indischen Bauernbundes auf diese Gewaltakte gespannt. Der Allindische Bauernbund vertritt 80 v. H. der indischen Bauern. In Bombay kam es zu neuen großen Demonstrationen, bei denen die Polizei 120 Verhaftungen vornahm und verschiedentlich von der Schußwaffe Gebrauch machte. Die Kundgebungen zum Gedenken an die Verhaftung Gandhis vor einem Monat ton» Asträchan. Nachtangriffe richteten sich gegen Flugplätze ostwärts der Wolga. 3m Raum von Rschew nahm der Feind seine Angriffe mit starken 3nsanterie- und Panzerkräften wieder auf. Sie wurden im Zusammenwirken mit der Luftwaffe in harten Kämpfen abgeschlagen und dabei 77 feindliche Panzerkampfwagen v e r n i ch t e L Südlich des Ladogasees und an der Ein- schliehungsfront von Leningrad brachen mehrfach Angriffe der Bolschewisten zusammen. Bei vergeblichen Versuchen des Feindes, den R e w a - Uebergang zu erzwingen, wurden 36 feindliche Boote vernichtet. 3n der vergangenen Nacht führten die Sowjets Störflüge über ostdeutschem Gebiet durch. Die sowjetische Luftwaffe verlor gestern 128 Flugzeuge, außerdem wurde ein Fesselballon durch 3agdflieger abgeschossen. Acht eigene Flugzeuge kehrten vom Flug gegen den Feind nicht zurück. 3n den Mittags- und Abendstunden des 9. September überflogen einzelne britische Flugzeuge Westdeutschland. Durch den Abwurf einiger Sprengbomben entstanden geringfügige Schäden. Vorpostenboote schossen im Kanal zwei britische Flugzeuge ab. Erfolgreiche Luftangriffe an der El-Alamein-Front. Berlin, 10.x<5ept. (DNB.) An der ägyptischen Front durchbrachen von Jägern begleitete deutsche Sturzkampfflugzeuge in mehreren Wellen die Flak- sperren über den britischen Stellungen der El-Ala- mein-Front und griffen in Tiefflügen stark verschanzte Batterien an einer Pistenkreuzung an. Bomben schweren Kalibers vernichteten mehrere Geschütze mit ihrer Bedienung. Britische Panzerkampfwagen, die sich im Schutze eines Hügelgeländes bei Deir el Ragil zu einem Angriff gegen die deutschen Linien sammelten, wurden von leichten deutschen Kampfflugzeugen mit Bomben schweren Kalibers belegt, wobei zahlreiche Panzer brennend im Wüstengelände liegenblieben. Durch den überraschenden Angriff wurden die Briten an der Durchführung ihrer Angriffsabsichten gehindert. Das Eichenlaub für tapferen Ll-Bootfommandanten. DNB. Aus dem Führerhauptquartier, 10. Sept. Der Führer verlieh heule dem koroetten- kapilän Klaus S ch o l h, Kommandanten eines U-Bootes, das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes und sandte an ihn nachstehendes Telegramm: „3n dankbarer Würdigung 3hres heldenhaften Einsatzes im Kampfe für die Zukunft unseres Volkes verleihe ich 3hnen als 123. Soldaten der deutschen Wehrmacht das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eiserne« Kreuzes. Adolf Hitler." zentrierten sich auf das Zentrum der Stadt, wo sie zu Verkehrsstockungen führten. Als die Menge sich weigerte, der Polizei Folge zu leisten, ging diese mit Tränengas vor, doch gelang es nicht, die Demonstranten zu zerftteuep. Zahlreiche Anwohner gossen Wasser aus den Fenstern und machten die Verwirrung noch großer. Kurze Zeit vorher hatten Studenten und Schüler, die an diesem Tage allen Lehranstalten fernblieben, vor der Universität und den Schulgebäuden demonstriert. Die indische Ungehorsamkeitsbewegung hat bereits starke Rückwirkungen auf das gesamte Wirtschaftsleben des Landes. In Kalkutta liegen sämtliche für Großbritannien arbeitenden R ü ° ftungsbetriebe schon über eine Woche still, und in der Provinz Bombay muß den britischen Regie- rungs- und Behördenangestellten wöchentlich ein Tag Urlaub gegeben werden, damit sie ihre Lebensrnittel eintaufen können. Die Regierung fordert auch die privaten Arbeitgeber auf, eine gleiche Einrichtung für ihre Angestellten einzuführen. Auch die Transportschwierigkeiten der Briten in Indien nehmen in starkem Maße zu. Die britischen Behörden beab- sichttgen daher, den Ochsenwagenverkehr zu organisieren, da man mit einer weiteren Verschärfung der schwierigen Lage im Eisenbahnverkehr rechne. Kämpfe im Winter sollten die Grundlage für einen solchen Anlauf schaffen: die materielle und die seelische Grundlage. Dies ist nicht geglückt. Die Sowjets führen eine aktive, sogar sehr aktive Verteidigung. Aber sie sind und bleiben — und das ist der dritte wesentliche Charakterzug des Sommerfeldzuges — in der Verteidigung. Es sei mit Nachdruck yervorgehoben, daß in ihren Vorstößen bei Woronesch und Orel, bei Kaluga, Medyn, Rschew, auch weiter nördlich beiderseits des Ilmensees, militärische Kraft steckte, eine große Vorbereitung und ein deutlich erkennbarer Wille zu einem entscheidenden Durchbruch gegen die gewaltige deutsche Schrägflanke, die sich vom Nordwesten nach Südosten, von Leningrad bis Stalingrad hinzieht. Die Längenausdehnung dieser Schrägflanke, für deren Dimensionen es keine kriegsgeschichtliche Vergleichsmöglichkeit gibt, beträgt rund 2500 Kilometer. Vergleichentfernungen sind in der „Luftlinie" die Entfernungen von Berlin nach Alexandrien oder von Danzig nach Gibraltar. Die meisten Kampforte dieser Schrägflanke hasten in unserem Gedächtnis seit dem Winter. Auch hier tritt hervor, daß in den Wintertämpfen für uns die Grundlagen gelegt wurden, die die Sowjets für sich vergeblich zu erringen versuchten. Noch einen vierten wesentlichen Charakterzug glauben wir erkennen zu können: Die siegreichen Kämpfe am Südabschnitt haben eine räumliche Frontausweitung gebracht. Gleichzeitig sind aber erkennbare Verteidigungs-Wehrgrenzen an der Wolga, an dem gewaltigen Kaspischen Meer, das mit seinen 436 500 qknr fast so groß ist wie das Versailles-Deutschland, und im Kaukasus erreicht worden. Verteidigungsgrenzen, die aber auch für uns Ausfallstellungen sein können, gegen die aber die Sowjets nur sehr schwer anzurennen in der Lage find. Diese für uns wirkenden Verteidigungsgrenzen müssen noch „abgerundet" werden; wenn das aber geschehen ist, so liegt die Bestimmung über die Stärke der dort eingesetzten Truppen im wesentlichen bei der deutschen Kriegführung und ihren politisch-militärischen Zielsetzungen. Die Frontausweitung erlaubt eine Frontverdünnung. Auch Verkürzungen der Nachschubwege find denkbar. Die Frontintensität weicht einer gewissen Frontextensität. Nichts beweist sinnfälliger unsere Zwischenbilanz als die Heftigkeit, mit der die Sowjets ihre Kräfte vor dem Angelpunkt Stalingrad zufammenballen. Im Vorjahr sagten wir um dieselbe Jahreszeit: „Die Sowjets wissen Bescheid, sie wissen, daß der ,russische Raum* nur bis zu einem gewissen Grad für sie wirkt und sich dann gegen sie kehrt. Daher die Heftigkeit ihres Widerstandes^ ihres Festkrallens in den Boden." Mit noch sehr viel größerer Berechtigung lassen sich die Worte vom Herbst 1941 auf die Lage im Frühherbst 1942 anwenden. Dr. Ho. Drei Hasen Madagaskars von den Briten überfallen. Vichy, 10. Sept. (DNB.) In einer amtlichen Meldung wird ein neuer Ueberfall englischer Streitkräfte auf Madagaskar mitgeteilt. Es heißt, daß sich das Unternehmen gegen verschiedene Häfen der Westküste richtete. Eine mindestens ebenso große Flotte wie bei dem Ueberfall auf Diego-Suarez habe im Morgengrauen des 10. 9. den großen Hafen Majunka angegriffen, ferner A m o a j a, 200 Kilometer südlich von Die^o- Suarez, und Morundava, 550 Kilometer Eidlich von Majunka. Die britische Luftwaffe überfliege das Innere der Insel und sei bis 160 Kilometer in das Innere gelangt. In der Mitteilung heißt es, die Franzosen brandmarkten diesen un- gualifizierbaren Angriff. Ihre Herzen und Gedanken seien in dieser Stunde bei den heldenhaften Verteidigern der Insel, die unter ungleichen Bedingungen für das Interesse und die Ehre Frankreichs kämpften. Eine Verlautbarung des nord- omerikanischen Staatsdepartements vom Donnerstag besagt, daß die Regierung Großbritanniens und der Vereinigten Staaten übereingekommen sind, wenn nötig, weitere militärische Operationen auf Madagaskar durchzuführen. Ein USA.-Seneralstabschef für England. Stockholm, 10. Sept. (DNB.) Wie Reuter meldät, aas das „Hauptquartier der amerikanischen Armee für den europäischen Kriegsschauplatz" die Ernennung General Walter Bedell Smiths zum Generalstabschef General Eisenhowers, des „Oberbefehlshabers für die Operationen der amerikanischen Armee an der europäischen Front" bekannt. Smith war vom Oktober 1932 bis zum 1. Fe- Das Echo der Churchill-Rede. Von unserer Berliner Schriftleitung. Churchill hat vor dem Unterhaus eingestanden, daß bei seinem Besuch im Kreml Stalin krachend auf den Disch geschlagen hat. Er hat das zart umschrieben mit den Worten, daß seine Rede barsch gewesen sei. Das Echo, das jetzt die Reden Roosevelts und Churchills in der ihnen willfährigen Presse findet, läßt keinen Zweifel darüber, daß Stalin kategorisch eine Entlastungsoffensive gefordert hat. Nach dem Neuyorker Sender müssen Roosevelts und Churchills Parlamentserklärungen als offizielle Ankündigung der von Stalin geforderten zweiten Front angesehen werden. Dazu feien schon vor längerer Zeit wichtige militärische Entschlüsse gefaßt worden. Das Ziel ,ift nach einer Washingtoner Meldung die Aufstellung eines Heeres von acht Millionen, ausgestattet mit den modernsten Waffen. (Zur Zeit zählt — nach der gleichen Quelle — das Heer drei Millionen.) „Man kann annehmen, daß ungefähr gegen Ende 1943 die benötigten acht Millionen eingezogen und ausgebildet sind." Dann' werden diese acht Millionen wahrscheinlich in einem Gewaltmarsch über den Ozean setzen. Armes Europa! Zur Zeit ist man mit der Einrichtung von Truppenlagern für die Ausbildung von Gebirgstruppen beschäftigt. Die Ausbildung erfolgt in einem Gelände, „das demjenigen Nordeuropas ähnelt". Vordringlich aber ist die Lösung der Uniformfrage, weil ,Hie britische Frontuniform als unzweckmäßig für die USA.- Streitkräfte in Großbritannien befunden wurde". Es wird deshalb eine besondere Uniform entworfen, „die die Ansprüche der amerikanischen Soldaten befriedigen soll". Für acht Millionen, bis Ende 1943! — Solange müssen wir also noch warten? Die „Daily Mail", ein Organ, das sich den Konservativen zuzählt, schreibt kurz und bündig und wahrheitsgemäß, Churchills Behauptung, er und Roosevelt seien entschlossen, „so schnell wie möglich" dem bedrängten Stalin zu Hilfe zu kommen, sei nichts als eine leere Phrase, denn Churchill habe ja keinen Zeitpunkt genannt, und seine Behauptung von der Drinalichkeitsbeschastung für eine zweite Front stehe auf demselben Niveau: Nicht wir übten diese Kritik, sondern ein großes Londoner Organ, das aus seiner Verzweiflung darüber, daß alle Kriegsereignisse für die Alliierten in Rückschlägen bestehen, keinen Hehl macht. Wenn der „Daily Telegraph", das Blatt Edens, jetzt trauernd bemerkt, die Tagö des blood, toil and tears, des Blutes, Schweißes und der Tränen, die in einem lichten Moment Churchill England prophezeite, feien nicht vorüber, England stände noch gar nicht in dem Stadium, in dem es vom Siege sprechen könne, dann läßt das doch ermessen, wie die Stimmung wirklich ist. Und der amerikanische Rundfunk bemerkte, als das Unterhaus dahingekommen fei, daß der Bericht des Premiers eben nur ein Bericht war, habe es jedes Jnteresie verloren und er fei im Sande verlaufen. Das fei ein Beweis dafür, daß Worte ihre Macht verloren hatten. Selbst wenn sie aus dem Munde eines Churchills kommen! Moskau ist schließlich über Churchills Bericht geradezu konsterniert, und die amerikanische Nachrichtenagentur „United Preß" meldet aus Moskau, die sowjetische Oeffentlichkeit hätte aus Churchills Rede zum erstenmal erfahren, daß zwischen ihm und Stalin ernste Unstimmigkeiten über die Führung des Krieges entstanden seien. Die Sowietbevolkerung habe zwar schon vermutet, daß die Moskauer Konferenz nicht in allen Teilen zufriedenstellend verlaufen sei, doch habe sie bisher immer noch vage auf die baldige Eröffnung einer zweiten Front gehofft. Churchills Unterhauserklärung habe aber allgemein ben Eindruck bestärkt, daß eine militärische Hllse Englands und der USA. sob'aldnichtzuerwar- t e n fei. Einige Fingerzeige zur wirklichen Lage gab der britische Handelsminister Dalton, der in Manchester sagte, infolge der Schiffsversenkungen erreiche man jetzt -in England das Stadium, in dem es nicht mehr möglich sei, die bereits sehr knappen Lebensmittelrationen noch weiter herabzusetzen, und General Sir Robert Gordon F i n l a y s o n schreibt, der deutsche Vormarsch im Kaukasus fei eine potentielle Gefahr für die britischen Truppen auch im Irak und in Iran, die Deutschen befänden sich insofern in einem gewaltigen Vorteil, als sie im Gegensatz zu den Engländern über ausgezeichnete rückwärtige Verbindungen verfügten. Tatsächlich sind das die Achillesfersen Englands, wie die „Financial News" die Schiffsversenkungen bezeichnete. Das sind Tatsachen. Die Worte Churchills werden selbst in England als Phrasen bezeichnet! > Das Ltnterhaus erneut in die Ferien geschickt. S t o ck h o l m, 10. Sept. (Europapreß.) Nach dem überraschenden Verstummen der Kritik unmittelbar nach Churchills Rede kam es am Mittwoch im Un- terhaus zu einem heftigen Angriff auf den Premierminister. Aneurin Bevan, der unerbittlichste Kritiker der Regierung auf der äußersten Linken der Labour-Partei, sagte, die Nation habe keinerlei Vertrauen in die Kriegführung Churchills. Sie habe sogar mehr Vertrauen zu Woroschilow und Timoschenko als zu Churchill und seinen Generalen. Einem besonderen Angriff war noch Stalfford Cripps ausgesetzt, weil er im Anschluß an die erste Sitzung des Unterhauses den Abgeordneten vorgeworfen hatte, sie hätten zu wenig Interesse für die Vorgänge im Parlament. Der Lab our-Abgeordnete S h i n w e l l fragte Cripps, mit welchem Recht er seine Vorwürfe geäußert habe. Der unabhängige M c G o o e r n sagte, Cripps habe das Unterhaus züchtigen wollen. Cripps sagte, er habe nur mit dem Recht jedes Abgeordneten, feine Meinung zu sagen, gesprochen, und er denke nicht daran, ein einziges Wort davon zurückzunehmen. Die verschiedenen Uniformen, die Churchill auf feiner Reise nach Moskau und dem Mittleren Osten getragen hat, waren ebenfalls Gegenstand heftiger Kritik. Der Arbeiterabgeordnete B e v a n bezeichnete sie als „komisch" und tat Churchills Rede als „kindischen Unsinn" ab. Als Churchills Sohn, Major Randolph Churchill, versuchte, in die Debatte einzugreifen, wurde ihm aus den Reihen der Linken geraten, seinen Krankheitsurlaub abzubre- chen und schleunigst nach Kairo zurückzufahren. Auf Antrag der Regierung ging das Haus erneut für kurze Zett in Ferien. bruar 1942 Erster Sekretär des Generalstabes beim Kriegsministerium und vom 1. Februar bis zum 3. September 1942 Sekretär beim Chef der kombinierten Generalstäbe in Washington. Kleine politische Nachrichten. Am 18. August fiel Ritterkreuzträger Oberleutnant Sack, Zugführer in einem Infanterieregiment, ein aus dem Unteroffizierstand hervorge- gangener Offizier, der schon im Westfeldzug noch als Oberfeldwebel für mehrfach bewiesene hervorragende Tapferkeit mit den beiden Eisernen Kreuzen ausgezeichnet worden war und das Ritterkreuz Ende September 1941 erhalten hatte, als er eine aus Lastkraftwagen und bespannten Geschützen bestehende feindliche Marschkolonne vernichtet und eine feuernde bolschewistische Batterie gestürmt hatte. * Seit einigen Wochen weilten auf Einladung des Reichsministers für die besetzten Ostgebiete und der Reichsjugendführung estnische Jugendfüh-- rer in Deutschland. Die Gäste wurden mit den Einrichtungen der HI. vertraut gemacht und lernten die deutsche Jugend in ihrem Einsatz im Kriege kennen. Die Technische Hochschule in Karlsruhe teilt mit, daß der Hochschulbetrieb auch im Wintersemester 1942/43 in vollem Umfang weitergeführt wird. Der Lehrbetrieb ist uneingeschränkt gesichert. * Ein mit fünf Mann besetztes englisches Flugzeug verunglückte in der Nacht zum Samstag in Nord- schweden. Dabei tarnen drei Mann der Besatzung ums Leben. Wie „Aftonbladet" meldet, stieß das Flugzeug bei einem Notlandungsoersuch gegen eine Bergwand. Die beiden Ueberlebenden erreichten nach tagelangen mühseligen Märschen bewohnte Gegenden. Sie wurden von den Militärbehörden interniert ♦ Eine britische Parlamentsdelegatton wird auf Wunsch Tschiangkaifcheks demnächst Tschungking einen Besuch abstatteten. Je zwei Mitglieder des Unter- und Oberhauses werden die Reise nach Dschunking antreten. Kunst und Wissenschaft. Franz Koch über Demheber. Der Berliner Literarhistoriker Dr Franz Koch hat im Verlag Albert Langen/Georg Muller, München, Geemannsgeschichten. Bon Sigismund von Radeüi. In der Dämmerung liegt das Städtchen da. Die offenen Fischerboote scheinen, dicht aneinandergedrängt, zu schlafen. Beim Herantreten an die Landungsbrücke bemerkte ich, daß ein Segelboot aus Runö Anker geworfen hat; der breite Rumpf verfließt mit feiner Wafferspiegelung zu einer unförmigen dunklen Masje. Auf der Bank vor dem Bootshäuschen glimmen ein paar rote Punkte: das sind die Tabakspfeifen, da fitzen sie wieder und erzählen sich Geschichten — der alte Tärnsson, Schneidermeister Polterbaum, Kappel, der gröbste Mann im ganzen Hafen, und die seehundsgrauen Runöer, die von ihrer Insel hierherfahren, um Eier zu verkaufen und sich für ein paar Monate mit Neuigkeiten zu verproviantieren. Heute scheint Tärnsson etwas Besonderes zu erzählen. Ich setze mich schweigend hinzu, denn Begrüßungsformeln sind nicht Sitte — jeder kennt hier jeden hohlen Zahn vom anderen. Der alte Tärnsson wischt sich mit dem Handrücken über die Stirn, schaut gedankenvoll auf ein Schwärmchen Mücken, die fortwährend auf- und niederwippen, und fährt in feiner Erzählung fort: „... Ich ließ mich also von einem Dampfer an» heuern, dem gerade ein Mann mit Tod abgegangen mar. In der Höhe von Aden mußten wir Sonnen- jegel auffpannen, es war so heiß — das Wasser brannte direkt; vom Glitzern schmerzten einem die Augen. Kurs hielten wir auf Insel Mauritius. Einmal, am Nachmittag — die See war ruhig — hab ich Dienst im Kartenhaus: Messingputzen. Wie das so geht, setz ich mich ein bißchen hin und will einschlafen — es war doch niemand drin ... Plötzlich seh ich, daß ein Mann hereingekommen ist; so leise, daß ich nichts gehört hab. Ich geb mir einen Ruck und guck ihn von der Sette an: der Mann will mir fremd vorkommen, ich kann und kann mich nicht erinnern, daß wir so einen an Bord gehabt haben. Grauer Flanellanzug, rotes Gesicht mit einer Stirn- schramme, kurze weiße Haare. Er spricht kein Wort, sieht mich an, als ob ich gar nicht da bin, und beugt sich über den Naoigationstisch. Am Tag vorher hatte dort der Kaptein mit dem Steuermann auf der Karte den Kurs eingezeichnet; Parallellineal und Bleistift lagen noch daneben. Ich putze mein Messing und seh, wie der graue Gentleman auf der Karte was aufzeichnet; dann geht er langsam und leise wieder hinaus. Ich mach meine Ar- beit schnell fertig und gehe zum Steuermann. „Steuermann, wir haben einen blinden Passagier an Bord." — „Wieso?" fragt der Steuermann. Ich sag: so und so, und auf der Karte hat er auch herumgezeichnet; ich war messingputzen, ich hab es gesehen. Der Steuermann holt den Kaptein, wir gehen ins Kartenhaus. Da liegt der Bleistift, da liegt das 2meal, und von unserer Kurslinie führt ein schwarzer Bleistiftstrich ab, der endet mitten im Ozean in einem dicken Kreuz. Der Kaptein läßt das ganze Schiff durchsuchen — der Gentleman ist nicht zu finden! Nun will der Kaptein diesen Strich mit dem Jtreu3 schon wegradieren, als der Steuermann den Zirkel nimmt und anfängt, nachzumefsen: der Strich zweigt genau an dem Punkt ab, wo unser Schiff gerade jetzt eben stehen muß! Die beiden sehen sich an, und es wird plötzlich unheimlich. Der Kaptein sagt kein Wort, nimmt die Kompaßrichtung von dem Strich ab — Südost zu Ost — und kommandierte durchs Sprachrohr dem Mann am Steuer: „Sudost zu Ost!" Sechs Stunden Fahrt waren wir von dem Kreuz entfernt. Na, ihr könnt euch denken, wo wir mit den Gläsern den Horizont abgesucht haben, — nichts zu sehen! Nach fünfeinhalb Stunden, bei Sonnenuntergang, sagt der Bootsmann plötzlich, er sieht einen schwarzen Punkt auf Steuerbord Wir nehmen Kurs, und richtig, nach zehn Minuten erkennt man deutlich: ein Boot. Sie haben Tücher an die Riemen gebunden und winken damit hin und her. Wir stoppen dwars und machen das Fallreep klar: sie kommen mehr tot als lebendig an Bord. Passagiere und Matrosen von einem Dampfer „Surabaja"; Kesselexplosion; die anderen zwei Rettungsboote sind gekentert. Wtt setzen Boote aus, um vielleicht noch Leichen zu bergen; es müssen aber wohl zuviel Haifische da he^um gewesen fein. Ein paar Planken und Korkwesten, weiter war nichts zu finden. Und wie wir schon wieder zurück zum Schiff rudern, schlage ich fast mit dem Riemenbrett an einen Toten; er wollte eben heraufkommen, der Mann. Wir bergen die Last, und wahrhaftigen Gott! — ich erkenn meinen Gentleman aus dem Kartenhaus wieder: grauer Anzug, rotes Gesicht und Stirn- fchramme, weiße Haare. Wir kommen an Bord: „bas ist unser Kapitän", sagt einer von den geretteten Matrosen, und nimmt die Mütze in die Hande. Und genau eine halbe Stunde, nachdem sein Schiff gesunken war und er selbst schon lange tfafyrt gemacht hatte, ist dieser Mann bei uns oben im Kartenhaus gewesen — um zwei Uhr nachmittags, ich weiß es wie heute! — und hat uns die Navigation eingezeichnet. Dann haben wir wieder alten Kurs angenommen, und den Gentleman noch in derselben Nacht mit Eisengewicht versenkt ... Tja, sowas kommt vor ..Er verstummt. Jetzt ist es fast ganz dunkel geworden. Man sieht nur noch die zwei glühroten Pfeifendeckel; die Runöer aber sind nicht mehr zu unterscheiden, sie priemen. „Jaja", sagt der Schneidermeister Polter- baum, „es muß ihm sehr pressiert haben, daß er so am hellichten Tage ... Sonst lieben sie doch meist in der Dämmerung plötzlich dazustehen ..." Gähnend brechen wir auf. Der alte Tärnsson steigt die Anlegetteppe hinunter, die Runöer klettern faul auf ihr Boot zur Nachtruhe, und auch der Schneidermeister erhebt sich gewichtig zum Aufbruch. Deutlich knirschen unsere Schritte durch die Dun« kelhett; mir trennen uns, und jeder strebt duselig seinem Nachtlager zu. Die Füße erfühlen den Weg, zwischen den Baumkronen zeigt noch eine blasse ■abnung die Richtung an. Man ertastet die knarrende Gartenpforte und taumelt durch den Jasmin- *3UT Rimmer riecht nach Wäsche und sri^em Holz. Und beim Einschlafen weiß man nur da eine Mücke im höchsten Diskant durch Die Stille singt. Das Land zwischen zwei Mühlsteinen. Ms vor einem Jahr Truppen des Generals Wavell in Iran einfielen, wurde in London behauptet, daß es zur Sicherung der Selbständigkeit Irans und zum Schutz gegen gefährliche Machi- Nationen von Agenten der Achsenmächte geschähe. Die damalige iranische Regierung hatte sich gegen diesen aufgezwungenen Schutz gewehrt und erklärt, daß von den Achsenmächten nichts unternommen worden sei, was die Sicherheit des Landes gefährden könnte. Es zeigte sich sehr bald, daß die briti» scheu Behauptungen nichts als scheinheilige Vorwände waren, um die Ausladung der britischen Besatzungsarmee an der Küste des Persischen Golfes durchführen zu können. Der Stuxz der die iranische Neutralität verteidigenden Regierung und der gleichzeitige Einmarsch auch bolschewistischer Truppen von der Kaukasusgrenze her zeigten sehr bald, daß Iran dazu ausersehen war, in Verbindung mit den Kriegsausweitungsplänen Englands im Mitlleren Osten Aufmarsch- und Versorgungs. gebiet zu sein. Ein Jahr britisch-sowjetische Besetzung haben das iranische Volk in Elend, Not und ungeheures Leid gestürzt. Die GPU. ebenso wie der britische Secret Service, und die brittsch-sowjetischen Besatzungstruppen haben ungeheure Blutopfer von diesem Land, das neuttal sein wollte, gefordert. Un« ter dem Druck Londons und Moskaus mußte Iran die diplomatischen Beziehungen zu Deutschland ab» brechen. Das iranische Volk aber weiß nichts von einer Feindschaft zum deutschen Volk. Iran ist eines der zahlreichen erschütternden Beispiele, wie Großbritannien seine Macht ausübt, wenn es sich darum handelt, seine politischen und wirtschaftlichen Interessen vorwärtszutreiben. Daß sich zu diesen Ausbeutern jetzt auch Amerika gesellte, rundet das Bild von dH demokratischen Freiheit der Plutokratte ab. eine Arbeit über den Lyriker Josef Weinheber erscheinen lassen. Die hohe Kunst Weinhebers ist in dieser Schrift jenseits aller philologisierenden Darstellungsweise aus verstehendem und deutendem Mit- erleben sichtbar gemacht worden; so ist uns der Weg zur vollen Erschließung des aus den letzten Ursprüngen unseres völkischen Wesens aufsteigenden Werkes Weinhebers gewiesen. Professor August Döllken 75 Jahre all. Am 11. September vollendet der emerit. außerplanmäßige Professor für Neurologie und Psychiatrie an der Universität Leipzig Dr. August Döllken fein 75. Lebensjahr. In Werden (Rheinland) geboren, studierte er in Leipzig und Marburg und promovierte 1896 in Leipzig. Nach mehrjähriger Assistententätigkeit in Leipzig habilitierte er sich ebenda 1902 für Psychiatrie und wurde 1909 a. o. Professor. Sein Arbeitsgebiet war die Anatomie des Nervensystems und die Therapie der Nervenkrankheiten. Die Kunstpreise der Biennale. Die vom Duce für ausländische Künstler für die Biennale in Venedig geftifteten Preise wurden dem deutschen Maler Professor Arthur Kampf und dem Schweizer Bildhauer Charles Otto Banninger zugesprochen. Von den Kunstpreisen der Stadt Venedig für italienische Künstler wurde der Preis für Bildhauerei Francesco Messina zuerkannt, während der Preis für Malerei unter Uao Semas« coni und Alberto S a l i e 11 i aufgeteilt wurde. Die Volpi-Preise für den besten ausländischen und italienischen Kupferstecher erhielten der Schwede Stig B o r g l i n d und Luici Bartoloni. Wiederaufbau des Rubens-Hauses. In Antwerpen wurde eine Ausstellung eröffnet, die dem Wiederaufbau des Rubens-Hauses gewidmet ist. Es soll ein Mittelpunkt des geistigen Lebens der Stadt werden. Neben der Beschaffung der wenigen unmittelbaren Erinnerungsstücke an Rubens (Handschriften, eine goldene Kette, ein Geschenk König Christians von Dänemark) gehen die Bemühungen vor allem dahin, die Bibliothek des großen Malers wieder einzurichten, alle Bücher und Schriften zu sammeln, die aus seiner Zeit stammen, und von denen man weiß, daß sie der Künstler in Händen gehabt hat. Professor Dr. Lari Jacobs 85 Jahre alt In erfreulicher Frische vollendet am 12. September der frühere langjährige Ordinarius für Pharmakologie an ber Universität Tübingen, Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Carl Jacobj, fein 85. Lebensjahr. Jacobj, der in Hamburg geboren wurde, absolvierte feine Studien in Göttingen, Leip- Zig, Tübingen und Straßburg. In Straßburg pro- Allerlei von der Rose. Als der Triumvir Marcus Antonius fein Leben in den Armen der schönen Kleopatra aushauchte, bat er, sein Grab mit Rosen zu bedecken. Ein großer Rofenliebhaber war Antiochus von Syrien; er schlief selbst im Winter auf Rosen. — In Iran mar es in alter Zeit Brauch, daß man bei den Gast- mählern statt der Stöpsel rote Rosen in die Flaschen steckte. Wenn im Herbst das Abrizanfest gefeiert wurde, so stattete man sich gegenseitig Besuche ab und warf sich Rosen ins Gesicht. — In der Landschaft Auvergne gaben die Adligen einst ihren Töchtern keine andere Mitgift als ein Rosenhütchen ober ein Rosenbarett. — Ein Freund der Rose war Dr Martin Luther; fein Petschaft zeigt eine Rose, m der em Herz ruht. — Im 18. Jahrhundert gab es in Paris einen Dichterverein, die „Rosati". Jeder Dichter, der in diesen Kreis ausgenommen werben wollte, mußte zu Ehren der Königin der Blumen ein Lieb bichten. — Zu allen Zeiten haben bie Dichter die bezaubernde Schönheit der Rofe besungen. Aber auch Rosenfeinde hat es gegeben. Zu ihnen gehörten der Kardinal von Cardonne und Herzog Heinrich von Guise, der in der Bartholomäusnacht eine Rolle spielte. Sie konnten nicht einmal den Geruch der Rose ertragen. — Ms Dom Pedro, der Kaiser von Brasilien, sich mit der Prinzessin Amalie von Leuchtenberg vermählte, sttftete er für die Kavaliere feines Hofes einen Rosenorden. — Als Drafel der Liebe betrachteten schon die alten Griechen Die Rose. Sie legten die Rosenblätter auf die boble Faust und zerschlugen sie mit der flachen Hand. Der mehr ober minber starke Knall ber der- ftenben Blatter weissagte ihnen Glück ober Unglück > in der Liebe. — „Trage drei Rosen, eine dunkel- rote eme blaßrote und eine weiße, drei Tage, drei Nachte unb brei Stunden hindurch in einer Kasche Wem, unb gib biefen Wein dem Gegenstand deiner Liebe zu trinfen, ohne daß er wisse, was darin war, unö er wird dich lieben mit ganzer Seele und dir treu bleiben dein ganzes Leben lang!" __ fo lautet em altes, im Volksglauben begründetes «levesmittel. a xt »amerte er 1887 und habilitierte sich ebenda 1891. 1897 wurde er Mitglied des Reichsgesundheitsamtes sowie Vorstand der pharmakologischen und physiologischen Abteilung in Berlin. 1898 kam er als Or- Lmarius für Pharmakologie nach Göttingen, 1907 «ach Tübingen, wo er bis zu seiner Emeritierung wirkte. Von Jacobs, der Micherausg'eber des Archivs für experimentelle Pathologie und Pharmakologie ist, stammt das Verfahren der künstlichen Durchblutung isolierter überlebender Organe. Zeitgenössische Musik im Rundfunk. Der Emdener Musikdirektor Rudolf Müller, auch als Chordirigent und Muskkschriftsteller hervor- getreten, brachte in der Rundfunksendung „Schöne Musik zum späten Nachmittag" ein geschmackvolles Programm lebender Komponisten. Siegfried Walter Müller nennt das Werk, mit dem die Vortrags- iolge begann, schlicht eine „Heitere Musik", ein harmonisch kompliziert durchgeführtes Lied mit ansprechenden melodischen Einfällen, unter denen die Abwandlung eines bekannten Volksliedes reizvoll eingebaut ist. Bernhard Har mann spielte sein gefälliges Rondo Capriccioso für Violine und Orchester, im Solopart von Rudolf Müller mit dem Rundfunkorchester einfühlend begleitet. Die Arbeit ft für das Konzertpodium dankbar mit apartem Orchestersatz und virtuosem Elan mit gepfefferten Schwierigkeiten in der Solostimme. Paul Grae- ners oft gewürdigte Comedietta gab den neuen Derken die Brücke zum ewig jungen Haydn. Greta Daeglau. Reue Musik in Hamburg. In den von Eugen Joch um geleiteten philharmonischen Konzerten des Staatsorchesters Hamburg «erden neben einer besonderen Berücksichtigung Zoh. Seb. Bachs in drei Konzerten auch einige zeitgenössische Neuschöpfungen erscheinen. Als Uraufführung bietet Jochum Harald Genzmers „Symphonische Musik für großes Orchester", als weitere Uraufführung ein Konzert für Streichorchester von Boris Blacher. Ein „stabat mater" oon Rudolf Mengelberg. Johann Nepomuk Davids „Zweite Partita", beide zum erstenmal und die Uraufführung des Geigenkonzertes von Hans Ahlgrimm, dem Mitglied der Berliner Philharmoniker, vervollständigen die Neuheiten. Aus aller Wett. Denkzettel für Tierquäler. Drei Monate Gefängnis diktierte das Berliner Amtsgericht dem 41jährigen Martin B., der seinen tIroll über einen Nachbarn in zügelloser Weise an einem über den Zaun geflogenen Huhn ausgelassen hotte. Mit einem daumendicken Haselnußstock sauste er laut schimpfend auf das Tier los, das sofort flüchtete. Bald hatte er es in einer Ecke des Grundstücks in die Enge getrieben, wo das Huhn sich wrängftigt duckte. Statt auf seinen Nachbarn zu Horen, der ihm zurief, er möchte ihm das Tier Her- Überreichen, schlug er wie ein Unsinniger mit dem Krüppel auf das Huhn los, bis es regungslos und blutend dalag. Dann ergriff er es an den Beinen, Warf es über den Zaun dem entrüsteten Nachbarn ar die Füße,und rief: „So, da hast du dein Vieh Aeder!" Dem Nachbarn blieb nichts übrig, als das gell? Ich kann gar net sagen, wie er mich derbarmt, die arme Haut, heut kommt er mir so gspaßig vor, gar net gut. Muß er sterben?" ..Wir wollen es nicht hoffen", murmelte Bruager. „Wir haben getan, was man tun kann. Der Ausgang steht nicht in unserer Hand. Fidel Butscher kämmte ratlos feinen viereckigen Bart, bann fuhr er mit dem Hanbrücken über bie Lugen unb sagte entschulbigenb: „Wenn man mit einem brei Tage und brei Nächte beisammen is, dann gewöhnt Thar, sich an ihn, als wär's ber eigene B Brüher." ! „Schon gut, Butscher, schon gut. Gar so verzweifelt brauchen Sie noch nicht zu sein. Es kann noch alles recht werden. Ich habe Fälle durchkommen sehen, bie hatten einen noch hoffnungsloseren An- sehen. Am besten ist es, Sie gehen jetzt an Ihre Arbeit und machen möglichst wenig Lärm. Wenn ich Sie brauche, rufe ich." Der Senn nahm feine Kübel auf und tappte davon. Dr. Brügger schlich auf den Zehenspitzen ans Bett. Wenn er ehrlich gegen sich selber fein wollte, viel Hoffnung hatte er nicht. Ein durchgebrochener Blinddarum war keine Kleinigkeit, man mußte ab- roarten. Brügger verjagte eine Fliege, bie sich auf ber stoppeligen Wange bes Kranken niedergelassen hatte. Dann grübelte er. Von dem alten leichtsinnigen Boy war nicht mehr viel übrig. Was da vor ihm in den Kissen lag, war eine Menschenruine, ein armer geschlagener Kerl, ber mit bem Boy von einst wenig gemein hatte. Ein paar Tage Krankheit — unb schon war bie ganze Herrlichkeit wie wegge- blafen. Boy war auch einer von denen gewesen. Die er um ihrer Sieghaftigkeit willen einmal beneibet hatte. Und jetzt? Jetzt hing Leben und Tod von einem kleinen, faustgroßen Muskel ab, ber sich zusammenzog, erweiterte, unablässig, aber schon schwächer, wie lange noch? Junge, Junge, was machst bu mir für Sorgen! — bachte Brügger bekümmert und faßte nach dem Puls des Kranken. Ein bißchen zu schnell, ein bißchen zu leise, aber wenigstens nicht jagend oder flattrig. Strophantin war ein großer Segen. Was konnte man sonst noch tun? Nichts als warten und hoffen. Er nahm den gerlefenen Kalender von der Wand und warf einen Blick hinein. „Schatzkästlein für bie christliche Familie. Erbauliches für heitere unb ernste Stunden", las er. — Lieber Himmel, was gibt es schon viel Erbauliches in ber Welt! bachte Brügger bitter. Vielleicht das mit Anna? Er feuerte den Kalender in eine Ecke. Dann legte er sich bequem in den Stuhl zurück und versuchte zu schlafen. So verrann eine Stunde. Endlich kam Hingerl zurück. ,/Den Doktor Koch habe ich beim Zollhaus abgesetzt, wie Sie es angeordnet haben. Soll ich jetzt etwas zu essen richten?" „Danke." „Was danke?" „Ich will nichts. Ich habe keinen Appetit." „Aber Sie müssen doch essen. Aus nichts wird nichts. Wir hätten etwas mitnehmen sollen. Wir haben doch gewußt, daß es eine langwierige Sache wird. Blinddarm geht nie so eins, zwei, brei. Ich werbe mich mal mit biesern Butscher befassen. Irgend etwas wird schon aus diesem Strunk heraus- zuquetschen fein. Uebrigens fällt mir da ein, daß ich im Zollhaus hätte telephonieren sollen. Ihre Frau wird sich ängstigen, wenn wir über Nacht aus- bleiben." Brügger lachte höhnisch. „Sie überschätzen bie Frauen, Hingerl." Dann wanderte er ans Fenster und starrte in den grellen Tag. Hingerl schüttelte hinter seinem Herrn den Kopf unb ging unzufrieben ab, um ben Fibel Butscher zu suchen. Jrgenb etwas mußte her, Butter, Eier, Mehl. Oder geselchtes Fleisch oder Schnaps. Na- menllich ein Schnaps wäre jetzt nicht zu verachten. Er gab bem belfernden Spitz, der nach seiner Hose schnappte, einen Tritt, was die Freundschaft nicht gerade förderte. Der Nachmittag verging, der Abend, die Nacht. Ein Gewitter rollte zwischen den Bergen, Sturzbäche oon Regen flössen nieder. Schließlich kroch zarte Rosenröte über die Scheitel der Felsen. Auf den erquickten Gliedern der Erde lag früher Tau. Brügger, gerädert von dem ungewohnten Liegen auf Heu unb Decken, erhob sich, zog Rock unb Schuhe an und öffnete das Fenster. Ein Schwall tatter Luft fuhr über feine Schläfen. Dann sah er mißtrauisch nach dem weißblau tarierten Bett. Aber bas Bett und sein Inhaber befanden fick in schönster Ordnung. Boy gefiel ihm heute wesentlich besser. Seit die Abflußöffnungen geschaffen waren, schied der Körper die Gifte leichter aus. Brügger füllte eine Schüssel am Brunnen und säuberte dem Krauten Gesicht und Hände mit dem eiskalten Naß. Kaspar Fender, von einem prickelnden Brennen aus dem Schlummer gescheucht, schlug langsam die Lider auf, bemühte sich um Verstehen und flüsterte schließlich ganz vernünftig: „Ist es vorüber, Paps?" „Jawohl, mein Junge", lächelte Brügger zuversichtlich. „Unb — „Ich hoffe bas Beste. Du wirst dich selber wohler fühlen, nicht?" „Glaubst bu, baß ich es schaffe?" forschte Fenber mit Bettleraugen. „Sicher!" „Versprich es mir!" Brügger streckte ohne Besinnen bie Hand aus. Ein guter Arzt muß lügen können. „Du hast eine Bärennatur. Da ist mir nicht bange. Aber sprich nicht so Diel, bas viele Reben ist schädlich." Fenber sah auf bie Bettbecke, bann hob er bie Augen. „Kann ich ein bißchen Wasser bekommen? Bloß einen Schluck?" .Brügger tarn mit einer Tasse zurück. „Danke, Paps." Man merkte ihm an, baß er nach Worten suchte. „Ach, Paps, ich habe viel Blödsinn gemacht im Leben." „Schön, daß du es einsiehst. Aber wir wollen das für später aufheben, wenn bu gesund bist." Kaspar Fender kämpfte mit sich. Dann war er im reinen. Es war besser, zu reden. Vielleicht wurde einem davon leichter. „Du —!" „3a?" „Ich muß dir etwas beichten." „Hat das nicht Zeit ?" „Es ist wichtig, es drückt mich. Wenn man so da- liegt, kommen einem allerhand Gedanken. Ich habe eine großO Dummheit begangen." „Sprich dich getrost aus , ermunterte Brügger freundlich. „Es wird nicht gleich den Kragen kosten." „Ich habe zweitausend Mark von deinem Konto abgehoben", murmelte Fender beschämt und hielt die Augen auf die Bettdecke gerichtet. „Was hast du?" „Ich habe ein bereits unterschriebenes Formular aus deinem Scheckbuch gerissen unb ben Betrag eingesetzt. Ich weiß, bas war eine große Lumperei, aber ich brauchte Gelb", gestand ber Kranke zögernb. „Ach, bu warst bas?" rief Brügger erstaunt. „Und ich hatte Anna im Verdacht." „Wieso Anna?" „Es kamen verschiedene Verdachtsgründe zusammen, ich kann dir bas in ber Eile nicht so erklären, kurzum: ich tippte auf meine Frau —" (Fortsetzung folgt.) anderung am Sonntag Oie -~-weWw.3-'»*"• , WS« »SÄ’Ä'Ä S.« Hxer - nm Ausl- bruch des Mondschattens Halbrechts am obugi nenrand. Allmählich wurde die Schattenfläche Karlslprudel Wir haben uns verlobt 2727 D Gießen Gießen eingeladen. g. ünt. 04437 o. Gieß. Anz. Ihr Berater in allen Punktfragen 3HA 04442 Abzuholen 'KÖHLER. ' «ESSES !N Son- immer be° ist- ÄNj an Margret Schmidt Adolf Horst I an >itto- Gießener Hochschulgesellschaft Im Anschluß an die Hauptversammlung der Gießener Hochschulgesellschaft findet Samstag, den 12. September 1942, 17.30 Uhr, Im großen Hörsaal des Universitätsgebäudes ein Vortrag des ehemaligen Bürgermeisters der Stadt Gießen, Prof. Ministerialrat Dr.-Ing. Ernst Hamm, über: Die Raumordnung im großdeutschen Reich statt. Hierzu werden die Mitglieder der Hochschulgesellschaft,. sowie die Volksgenossen der Stadt Gießen und Umgebung herzlichst MW-Wel Wer fährt gelegentlich nach Kassel Eintritt frei! ______________2712D 5$ Statt Karten ! Für die zahlreichen Glückwünsche u. Aufmerksamkeiten zu unserer silbernen Hochzeit danken wir herzlichst Georg Mohaupt und Frau Marie, geb. Kroh. Gießen, Schottstraße 5. lang nach Krofdorf (Rückblick auf die Burgen), die Waldstraße entlang bis nach Fellingshausen (2 Std.). Immer den roten Strichen folgend Aufstieg zum Dünsberg. Rundschau vom Turm. Schwarze Punkte führen nach Bieber (1 Stunde). Gesamtwanderzelt Größerer Keller Ifir Einlagerung von Kartoffeln zu mieten gesucht. Werkskttchenverwaltung der Firma Heyligenstaedt & Co., Gießen. Kl eine Anzeig en 'm Gießen«: Snzetger werden von Tausenden beachtet und gelesen. fieneiMirm vor einigen Wochen stehengeblieben. [04463 Benachrichtigung wird vergütet. Neuen Bäue 151 Giebel ADV: infolge 8W Polticbe Brille und Kneifer im Etui (Optiker Leisler) vor einiger Zeit gefunden. Wissenschaftliche Werke Sondergebiet der Brühl'schen Druckerei schenkt." Wenn die Herbstzeitlose blüht. Bis vor wenigen Tagen wurde es mir nicht mußt, daß der Sommer im raschen Abmarsch In Ungarn ist das Rohessen von wilden Gemüse- pavrikas, die grün geerntet werden, sehr beliebt. Man ißt sie in feine Streifen geschnitten zum Brot — ein gesundes Essen! Sehr gut vertragen sich Paprika und Tomaten. Tomaten mit femgeschmtte- nem Paprika, zusammen gedünstet, schmecken ausgezeichnet. Ebenso kann man sie mit Pilzen, Fleisch- hackteig, Gräupchen oder Grütze gefüllt und in einer Tomatentunke gargemacht essen. Jedem Eintopsessen kann man einige Paprikaschoten beifügen, um den Geschmack des Gerichts zu heben. Das Paprikagemüse verdient es wirklich, auch bei uns weitgehende Verwendung im Küchenzettel zu finden, und keine Hausfrau sollte davor zurückschrecken, die ihr noch unbekannten Paprikagerichte auszuprobieren. Man wählt die runden Früchte, die milde im Geschmack sind. Sicherheitshalber kann man an der Schnittfläche probieren, ob man nicht eine zu scharfe erwischt hat. Aus den Paprikafrüchten werden die Samen und Samenträgerleisten entfernt. Den Stiel zieht man ebenfalls heraus, wäscht die'Schoten kurz ab und bereitet sie weiter zu. Einige Anregungen: Paprika-Tomaten-Suppe, Paprikagemüse, Paprikaschoten mit Fleischfüllung, Paprika-Eintopf uni) Paprika-Frischkost. 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Der interessante Vorgang zeigte bereits kurz nach 17.30 Uhr den ersten kleinen Eingrößer, bis sie 18.20 Uhr ihr weitestes Ausmaß erreicht hatte und etwa ein Viertel der Sonne bedeckte. Dann begann die rückläufige Bewegung, bei der die Schattenfläche von Viertelstunde zu Viertelstunde immer schmäler wurde, bis sie gegen 19.10 Uhr vollständig verschwunden war, und die um diese Zeit bereits tief am westlichen Himmel stehende Sonne wieder ungeingeschränkt ihre strahlende Fläche zeigte. —- Aus diesem Anlaß wird uns ein interessantes Ereignis aus der Zeit vor rund 220 Jahren mitgeteilt. Damals, am 22. Mai 1724, nachmittags 6 Uhr, war eine, auch in Oberhessen sichtbare Sonnenfinsternis. Der Landgraf Johann Reinhard III. zu Hanau gab in seiner Landgrafschast, zu der auch die Orte Bleichenbach, Selters, Konradsdorf, Wippenbach, ein Drittel von Ortenberg, Hecken-Berg- heim, Gelnhaar und Enzheim im Kreise Büdingen gehörten, den Befehl, daß das Vieh vor Beginn der Finsternis nachmittags nach Hause getrieben werden müsse und den Stall nicht eher wieder verlassen dürfe, bis die Verfinsterung der Sonne vorüber sei. Diesem Befehl wurde, wie eine alte Chronik berichtet, strengstens nachgelebt. ^'amkei EN sollt ter vxfm «ewidmel Llnschauu tinett. 1! sparen, hat der Generalbevollmächtigte für den Arbeitseinsatz eine Regelung getroffen, wonach den einzelnen Betrieben auf Antrag die Ausschüttung solcher Prämien auch allgemein gestattet werden kann. Die Zahl der jährlichen Prämienfälle im Betrieb darf grundsätzlich nicht mehr als 5 v. H. der Gesamtgefolgschaft betragen. Für weitere Prämien ist die Zustimmung des Reichstreuhänders notwendig. Die Höhe der Prämien soll der Betriebsfuhrer möglichst in Zusammenarbeit mit einigen bewährten Gefolgschaftsmitgliedern des Betriebes bestimmen. Die Namen der Ausgezeichneten und die Verbesfe-- ungsvorschläge sind der gesamten Gefolgschaft bekanntzugeben. Auf diese Weise wird nicht nur das Interesse für derartige Vorschläge geweckt, sondern zugleich verhindert, daß unberechtigterweise Prämien ausgeschüttet werden. Die allgemeine Erlaubnis wird nur Betrieben gegeben, gegen deren betriebliche Lohngestaltung bisher keine Einwendungen zu erheben waren. Lommel in Gießen. Zu dem Gastspiel von Ludwig Manfred Lommel in Gießen am kommenden Montag im Gloria- Palast zu Gießen wird uns von der NSG. ,Lraft durch Freude" geschrieben: „Als Lommel vor etwa 15 Jahren das erste Mal vor dem Mikrophon erschien, eroberte er sich die lachenden Menschenherzen zu Tausenden. Von Jahr zu Jahr wurde er immer mehr zu einem Begriff, und heute zählt seine Gemeinde schon viele Millionen. Tausendfältig erleben wir in feiner Stimme und in seinem Gesicht uns selbst und unseren Nachbarn, nicht bösartig, sondern gutmütig verzerrt, so daß uns immer wieder unter Lachtränen klar wird, wie drollig wir selbst in aller unserer vorgetäuschten Würde sind. Deutschlands populärster Humorist, ein innerlich lachender Philosoph, spiegelt uns selbst wider, ein Prophet wahren Humors, ein liebenswürdiger Interpret des gewichtigen Wortes: „Erkenne dich selbst!"- Seine Typen, die er geschaffen hat, Paul und Pauline Neugebauer, den Baron von Knullrich, den Kantor Stockschnupfen und wie sie alle heißen mögen, sind ohne Kostüm und Maske so lebensstrotzend echt, daß nur Banausen und Bitterlinge ernst bleiben können, wo eine Welt lacht. Und sie lacht! Danken wir Lommel, daß er uns dieses Lachen, tief aus dem Zwerchfell geholt, Hlveck, i Weniger Bien Gel Das ! 5939 feil Nachfolo «uf das «bernah Rosten, eines de Dls solch in die 3 »nb vxf eis Mas tinb geh- ■wer, de Sein erf hvstaatÄ «lrbeits-, ff im g Mm. Mit C Wahres a Fom die ersten K diesem r 'M Zerhau 5ßort. D lei. nehr 4 Stunden. Gießen—Lützellinden—Grotz-Rechlenbach—Nieder- kleen—Butzbach. Wir fahren mit dem Obus nach Klein-Linden, wandern über einen Höhenrücken mit hübschen Blicken auf den Taunus und den Stoppelberg nach dem hochgelegenen Lützellinden. Hier hat sich er= freulicherweise die hübsche Hüttenberger Tracht noch ziemlich erhalten, was sich auch von den folgenden Orten sagen läßt. Auch viele charakteristische Hos- tore können wir noch bewundern. Wir durchschreiten das schmucke Dorf und aehen auf guter Straße weiter nach dem in einem Talkessel gelegenen Groß- Rechtenbach. Der weitere Weg mit hübschen Fernblicken nach den Bergen des Dortaunus fuhrt uns durch die echten Hüttenberg-Dörfer Niederkleen und gewählt, hm ein Debüt a ehrsmin loner € rasch in mmerhi leberna ninift Seine ind nod nirfte d icren D ches ger sich wä Mehr Selbst, mehr ö folgte, | englische vet wer Zarnitu recht küi Belisha als eilt Die bi des Krie< bet V0- n^ffen i orts best mehrere, immertf dengle verschiede lästigen । prbeitem • Der e? dieser ve Chamber lish°' paters r (teilte, ui mßgebei geminner leiitenbei wie der Gemüsepaprika fanden in den südlichen Ländern Europas, besonders in Ungarn, eine zweite Heimat. Ohne Paprikagewürz ist die ungarische Küche unvorstellbar, und auch die runden, grünen Gemüsepaprika sind hier wie auf dem ganzen Balkan von dem sommerlichen Gemüsemarkt nicht wegzudenken. Die Paprikaschote ist ungemein reich Vitamin C. Sie übertrifft darin weit den Zi nenfaft. Bahnhofstr. 24 Asterweg 27 ________________________04436/ Vad.Nauheim—ForsthausWinlerstein—Limesturm— Kapersburg—Friedberg. Wir fahren mit der Bahn nach Bad-Nauheim, durchschreiten die schöne Kurstadt und folgen roten Strichen, die uns durch viel Wald an HofHasselheck vorüber zum gastlichen Forschaus Winterstem bringen. Das Zeichen leitet uns weiter zur Kalser- qrube wo wir uns den Schlüssel zum nahegelegenen Limesturm mitnehmen. Von diesem, m Form eines römischen Signalturms errichteten Bauwerk, genießen wir eine weite, schöne Rundsicht zmn Taunus, nach der Wetterau und bis in die Gießener Gegend. Hinter der Kaisergrube, bis wohin wir wieder zurückmüssen, stoßen wir auf blaue Sttlche, die uns zu dem groß angelegten römischen Kastell Kapersburg, das eine eingehende Besichtigung lohnt, leiten. Gelbe Striche führen uns von hier, vorerst durch Wald, später durch freie Gegend über Ockstadt nach unserem Endziel Friedberg. Dauer der Wanderung 5 Stunden. Es flimmerte alles noch im Hochsommerglanz, der Altweibersommer trieb durch die Luft, und auch auf den Feldern war hochsommerlicher Betrieb. Aber dann stießen wir auf den Wiesen, durch die die Sensen zum zweiten Schnitt fuhren, auf die erste Herbstzeitlose. Und da wußten wir: ein Fruchtjahr geht zu Ende. Plötzlich empfanden wir herbstliche Kühle, sahen wir am Abend und Morgen wabernde Bodennebel, und in den Gärten roch es nach welkendem Laub und nach — Pflaumen. Also doch: die Kalenderblätter lassen sich nicht festhalten, sie fallen Blatt für Blatt vom Septemberblock wie die Blätter von den Bäumen im Herbstwind. Richtet sich die Herbstzeillose nach dem Kalender oder erscheint sie naturnotwendig ebenso terminmäßig wie unsere Zugvögel kommen und gehen? Keine Witterungs- obnormität unterbricht ihre naturgegebene Ordnung. Und wir Menschen müssen uns mit der Tatsache abfinden, daß, wenn die Herbstzeitlose blüht, der Herbst seine Visitenkarte abgegeben hat. Er löst den Sommer ab, der uns trotz allem eine freundliche Erinnerung an Sonne, Wärme und gute Ernte zurückläßt. Keine Angst vor Paprika. Die eigentliche Heimat des Paprika liegt in Süd-- amerika. Von dort gelangte er wahrscheinlich über Spanien nach Europa, und der Gewürzpaprika so- Leine F ! m =i 1 hti Wemietn ! „.Muli nulter i 31 ölloi men l'Wrt utl Ml als’ i '°M°-n l ?"» als "«eben. M'ite C ü(re enNeitf | Elster | eQ80 n. & & s Wb dem Platz der Flieger abaewickelt werden. Die Flieger spielen in folgender Aufstellung: Muller, Strath- mann, Jung, Gebauer, Hebestreit, Lieb, Rosenbaum, Bracher, Marx, Henzka, Schüler. In ledem Falle ist mit einem guten Spiel zu rechnen. Fußball. Die 1. Fußballmannschaft des LSV. hat am kom» menden Sonntag den Sportverein Büdingen hier als Gegner. Auch in diesem Spiel wird sich zeigen müssen, wie sich die neue Zusammensetzung der Mannschaft bewährt. Der Ausgang des Spieles ist vollkommen offen. Der LSV. spielt voraussichtllch in folgender Aufstellung: Kaatz, Petri, Schneider, Toulheim, Müller, Kubisch, Grunert, Schmidt, Windeck, Brunner, Neumeyer. Die augenblickliche Spielstärke der Büdinger ist nicht bekannt, so daß die, Frage nach dem voraussichtlichen Sieger völlig offen ist. Das Spiel findet ebenfalls auf dem Platz der Flieger im Anschluß an das Handballspiel statt. Margret Seim in Nürnberg. Im Rahmen der Deutschen Turn- und Spielmeisterschaften am 5. und 6. September in Nürnberg fanden auch gauoffene Wettkämpfe der Leistungsturnerinnen statt. Margret Seim vom M t o. Gießen vertrat den Gau Kurhessen im Turnerin- nen-Siebenkampf erfolgreich. Sie belegte mit geringem Punktabstand von der ersten Siegerin den 4. P l a tz. | Verkäufe | 1 Sofa, gebr., 35,— RM., 1 ovaler Tisch, 15,— RM., 1 Waschtisch, 20,— RM., weg. Plakmang. z. verkauf. [04431 Goethestr. 31II. | Kaufgesuche Neue oder gebrauchte Einmachgläser Vi—1 Liter, von Privat zu kaufen gesucht. Schriftl. 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Drogerien mtf dardi tie Brannenverwaltniig Bistirehen • Ruf 44 - erhältlich«. ---- ----- X________________________04459/ Verloren! SLnmzeMiven-ceaekkWWud vergangenen Freitag-Abend vom Babnbof—Kugelberg. 04472 Bitte abzugeben gegen Belohnung auf, dem Polizeifunbbüro Gießen. Armgard Bachmann, Wetzl ar. Mehr Freude an der Natur durch Äermühler-Äücher! /Ms Hersteller von Qualitätserzeugnissen bekannt in Deutsch Io nd und vielen Stopfen der Welf, Gefängnis für einen Milchpantscher. * Alsfeld, 10.Sept. Vor dem hiesigen Amtsgericht war ein Mann aus Strebendorf wegen fortgesetzter vorsätzlicher Milchpantscher ei angeklagt. Wie .sich ix der Verhandlung ergab, hatte der Angeklagte der von ihm gelieferten Milch an die Molkerei bis zu ein Drittel W a s s e r z u g e s e tz t. Der Angeklagte bestritt die Pantscherei, jedoch wurde die Verwässerung der Milch durch Gutachten von Sachverständigen nachgewiesen und vom Gericht die Verantwortlichkeit des Angeklagten 'festgestellt. Das Amtsgericht verurteilte den Milchpantscher zu zwei Monaten Gefängnis und ordnete die Bekanntgabe des Urteils in der Presse und durch mehrwöchigen An- schlaa an dem Wohnhaus oes Angeklagten in Strebendorf an. Gewaltverbrecher richtet sich selbst. LPD. Frankfurt a. M., 10. Sept. Die Justiz- Pressestelle Frankfurt a. M. teilt mit: Der mehrfach vorbestrafte Gewaltverbrecher Rudolf Muth aus Frankfurt a. M., der am 30. August 1942 den Polizeioberwachtmeister der Reserve Boß ermordet und drei weitere Personen durch Pistolenschüsse verletzt hat, beging am 9. September im hiesigen Gerichts- gefängnis Selbstmord durch Erhängen. Em falscher Hilfspolizist. Lpd. D a r m st a d t, 9. Sep. Der 38jährige Wil- Helm Schmidt aus Darmstadt, Schwanenfttaße 74, wurde von der Kriminalpolizeistelle Darmstadt fest genommen, weil er sich während eines Fliegeralarms als Hilfspolizeibeamter ausgegeben hat und Festnahmen vornehmen wollte. Wegen seines volksschädigenden Verhaltens wurde er dem Richter zugeführt und kam in Untersuchungshaft. Da das Verhalten des Festgenommenen einen die Autorität des Staates gefährdenden verantwortungslosen Mißbrauch staatlichen Hoheitsrechtes harstellt, wird er, um die Gemeinschaft vor ihm zu schützen und weiteren (Straftaten dieser Art vorzubeugen, nach Verbüßung der gerichtlichen (Strafe für längere Zeit in ein Konzentrationslager eingewiesen werden. G. A.-Spoei. Handball. Gauklasse. Der Lustwaffensportverein Gießen führt am kommenden Sonntag sein zweites Spiel in tuet neuen Runde durch und hat als Gegner die Turngemeinde Diezenbach zu Gast. Bisher haben die Flieger nur das Spiel gegen Pfungstadt durchgeführt und dabei nicht allzu viel gezeigt. Im kommenden Spiel werden sie aber versuchen, an die früher gezeigten gutem Spielleistungen wieder anzuknüpfen. Vo-n Bedeutung ist übrigens, daß, soweit es die Witterungs- einflüsse zulassen, die hier angesehten Spiele auf Büchertisch. — Edith a Klip st ein: Der Zuschauer. Roman. 382 Seiten. Geb. RM. 6,80. H. Gooerts Verlag, Hamburg. — (27.) — Frau Editha Klipstein in Laubach, die Gattin des kürzlich verstorbenen, ausgezeichneten Malers und Radierers Felix Klipstein, die sich vor einigen Jahren mit dem auch an dieser Stelle besprochenen Entwicklungsroman „Anna Linde" literarisch einführte, gibt mit ihrem zweiten Buche einen in der ersten Person erzählenden Gesellschaftsroman, der durch seine konsequent durchgeführte, neuartige Form epischer Bettachtung Und Darstellung des Lebensausschnittes merkwürdig ist: der „Zuschauer" nämlich, nach dem der Roman feinen Namen hat, ist nicht etwa die Zenttalfigur, sondern eine peripherische Gestalt am Rande des übrigens vielfältigen, reich und romanhaft ineinander verflochtenen Geschehens. Es geschieht in diesem Buche nicht wenig; es enthält eine ganze Reihe gültiger und normaler Romanmotioe und Szenen:- Gesellschaften und Gespräche, Verlobung und Bergwerksunglück, Fest und Danz, Krankheit und Tod, Gefängnishast und Duell, Testament und Feuersbrunst — dieses alles auch nebst manchem anderen in eine sorgfältig und mit Bedacht komponierte Handlung eingebaut, aber der Zuschauer ist selber am Geschehen nicht handelnd beteiligt, sondern er steht, obwohl manchmal inmitten der Szene, doch unbeteiligt, nur wahrnehmend und reflektierend am Rande oder in der Kulisse dieses kleinen, auf dem Lande und in einem Kurort spielenden Welttheaters. In gewissem Sinne kann man die Funktion des Zuschauers, die uns bisher in solcher Folgerichtigkeit epischer Konzeption noch nicht begegnet ist, mit der Funktion des Chores in der klassischen Tragödie vergleichen. Dadurch,.daß alles, was hier vor sich geht, durch feine Wahrnehmung, seine Eindrücke und seine Wiedergabe reflektiert wird — was dem Roman gelegentlich den improvisatorischen Charakter von Tagebuch-Aufzeichnungen verleiht —, erhält das Buch für den Leser eine merkwürdige Doppelschichtigkeit: er empfängt alles gleichsam aus zweiter Hand und erlebt Figuren und Vorgänge aus einer bewußt geschaffenen Distanz; gerade die absichtliche und konsequente Umkehrung eines sonst meist heiß erstrebten Darstellungsprinzips, das möglichste Unmirtel- barkeit des Eindrucks bezweckt und den Leser so sehr wie möglich an den dargestellten Dingen und Menschen beteiligen möchte, gibt dem mit reifer Ueber- legenheit und sehr kultiviert geschriebenen Buche in der Mischung aus Handlung, Betrachtung und Re-> flexion seine Sonderstellung und seinen eigentümlichen Reiz. Hans Thyriot. Hauplichriftletter: Dr. Friedrich Wilhelm Longe. Stellvertreter des HauptfchristleiterS: Ernst Blumschetn. Verantwortlich für Politik und Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für daS Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für Stadt Gießen, Provinz, Wirtschaft und Sport: Ernst Blumschein. Druck und Verlag: Brühlsche UntvrrsitätSdruckeret R. Lange K. G. BerlagSIeiter: Dr.-Ing. Erich Hamann; Anzeigenleiter: Hans Beck. Anzeigenpreisltste 9tr. 6. und nimmt eine Beiladung mit nach Gießen? 04484 Troß, ----- «ofenet Str. 6. Pulvcrmllble. Handwerker, 59 I., alleinsteb., in gefiel). Stell., Jucht ältere Stau oöet Mim ohne Anhang, z. Führ, des Haushalts. Bei gegen- feit. Zuneigung spätere Heirat. Sckr. Ang. unt. 04445 a.b.G.A. Selbständige 9oü58eOilfin evtl, aushilfsweise, oder Stundenfrau, m ruhigen, mob. Etagenhaushalt sofort oder spät, gesucht. [04440 Frau («?. Wilke, Goethestr. 30 I. Zuverlässige Putzfrau für einige Stunden freitags gebucht. [04444 Marburger 1 Straße 13 II. MjWMHl auch gebraucht, zu kaufen gesucht. Schriftl. Angebote unter 04439 an den Gießen. Anzeig. fiHiöemingen (Korbwagen) zu kaufen gesucht. 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