Samstag, U /Sonntag, 12. April 1942 Gießener Anzeiger 192. Jahrgang Nr. 84 Erscheint täglich, nutzer Sonntags und feiertags Beilagen: (Siebener Aamilienblöttet Heimat imBild DieScholle Bezugspreis: Monatlich... NM. 1.80 Zustellgebühr... „ -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Fernsvrecbanschluk 2251 Drahtanschrift: „Anzeiger" Postscheck 11686 Franks. M. Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'»Uhr desB ormittags Anzeigen-Preise: Anzeigenteil 7 Rvf. je mm bei 22 mm Zeilenbreite, Tertteil 50 Rvf. je mm bei 70 mm Zeilenbreite Nachlässe: Wiederholung Malstaffell AbschlüsseMengenstaffelS Platzvorschrift (vorherige Vereinbarung) 25"/« mehr vrühlscheUniverfltätrdruckerriR. Lange General-Anzeiger für Oberhessen ek6en.9Sd)nlftra6t 7-9 Pa om bong Mort» Baga< limay Mariveles Car Aß ao FORTUNE Subic rxl Olongäpo Hermosa, Sa mal\ Verwaltung verlangt. Seit 1929 hat ihnen England Vertretung in einem Staatsrat von 50 gewählten I nagegelder von Colombo. MANILA BUCHT oder sieben Fronten oder sei zumindest dort zu finden. Dabei hänge alles von den Seever- b in du n g e n ab. Der im Indischen Ozean durch die japanischen Streitkräfte versenkte britische Flugzeugträger „$) e r. m e s" war 10 850 Tonnen groß und hatte 15 Flugzeuge an Bord. Seine Geschwindigkeit betrug 25 Knoten, er wurde 1924 in Dienst gestellt. Die Besatzung betrug 664 Mann. ,Hermes" war das erste von Änfang an als Flugzeugträger gebaute Schiff der britischen Marine. Sein Verlust ist ein noch schwererer Schlag für die britischen Seestreitkräfte im Indischen Ozean als der der am Vortage gemeldeten zwei schweren Kreuzer und der mit .Hermes^' gleichzeitig untergegangenen kleineren. Schon bei der Versenkung der Schlachtschiffe „Repulse" und „Prince os Wales" im Dezember vorigen Jahres hatte Churchill erklärt, es hätten keine F l u g- z e u g t r ä g e r für den Schutz der Schiffe zur Verfügung gestanden. Anscheinend ist ,Herrnes" inzwischen nach Ceylon entsandt worden. Seine Versenkung bedeutet, daß die britischen Seestreitkräfte im Indischen Ozean wieder ohne Flugzeugschutz sind. Die von den Japanern ebenfalls als vernichtet gemeLieten Kreuzer der „Birmingham"- Klaffe und des „Emerald"- Typs haben eine Wasserverdrängung von 9100 bzw. 7550 Tonnen. Ihre Geschwindigkeit betrug 32,5 bzw. 33 Knoten. Die Kreuzer der „Birmingham"Masse hatten eine Besatzung von 700 Mann und drei Wasserflugzeuge an Bord, während die Kreuzer des „Eme- rald"-Typs 574 Mann Besatzung und ein Wasserflugzeug mit Katapulteinrichtung an Bord hatten. Die Kreuzer der „Birmingham"-Klasse wurden 1937 in Dienst gestellt, die „Emerald"-Klasse wurde 1926 fertiggestellt und in den Jahren 1934/35 modernisiert. Der Begriff von „schwerer" und „leichter" Kreuzer schwankt in der Seekriegsgeschichte nach der technischen Entwicklung. Die in der japanischen Meldung vom 10. April genannten Kreuzer von Typ „Birmingham" und „Emerald" gelten als leichte Kreuzer, obwohl sie mit 9100 und 7550 t Wasserverdrängung an sich fast so groß sind wie die zwei Tagevorher versenkten schweren Kreuzer „Dorfe t s h i r e" (9950 t) und „Cornwall" (10 000 t). Der Unterschied liegt in der Bestückung: die schweren Kreuzer führen 20,3-cm-, die leichten Kreuzer nur 15,2-cm-Geschütze. Londons erstes Eingeständnis der Niederlagen im Indischen Ozean brochenen japanischen Ansturms auf die amerikanischen Stellungen 60 000 Mann um Einstellung der Feindseligkeiten gebeten hätten Einige Stunden vor dem amerikanischen Entschluß zur Einstellung des Widerstandes wurde die Bataan- Halbinsel von' einem stärkeren Erdbeben heimgesucht das über fünf Minuten anhielt. Es soll beträchtlichen Schaden angerichtet haben. Die japanische Presse berichtet über Emzelhetten der japanischen Operationen. Danach gelang es den japanischen Streitkräften in der Zeit vom 3. bis Oie LIGA-Besatzung auf Bataan bittet um Waffenstillstand. Schnelle Erfolge der japanischen Generaloffensive. T o ki o, 10. April. (Europapreß.) Aus einer Mitteilung des japanischen Hauptquartiers geht hervor, daß Einheiten des japanischen Heeres am 3. April, dem Geburtstag des Kaisers Jimu, des Gründers des japanischen Reiches, den Generalangriff gegen die philippinischen und amerikanischen Truppen auf der Halbinsel Bataan begonnen haben. Kurz nach Bekanntgabe der Mitteilung wurde von Domei mitgeteilt, daß nach 6 Tagen ununter- Die Insel Ceylon, wo die Engländer jetzt mit Sorge einem japanischen Angriff entgegensehen, ist ungefähr so groß wie Holland und Belgien zusam- : mengenommen und hat 5 Millionen Einwohner, meist Singhalesen, die eine Mischrasse aus arischem und südindischem Volkstum bilden. Ceylon hängt wie ein sich loslösender Tropfen an der Südküste von Vorderindien, von dem es durch einen seichten, von Inseln und Klippen durchsetzten Meeresarm getrennt ist. Nach dem indischen Mythos sind es die Reste einer Brücke, die der Affenkönig Hanuman dem Königssohn Rama baute, um ihn mit einem Affenheer nach Ceylon hinüberzubringen. Dort hielt der zehnköpfige, menschenfressende Dämon Hayana die Gattin Ramas, Sita, gefangen. Die Adams- drücke — so nennen die Muhammedaner die Jnsel- reihe — war bis zum 15. Jahrhundert noch ein geschlossener Damm zwischen Ceylon und dem Festland, aber die während des Südwestmonsuns stetig anrollende gewaltige Brandung hat sie schließlich zerschlagen. In jüngster Zeit ist eine Eisenbahn mit einer großen Brückenkonstruktion über sie hinüber- geführt. Dem griechisch-römischen Altertum war Ceylon als Taprobane bekannt. Man holte Edelsteine, Perlen und Gewürze von der Insel, die als die Heimat des Zimtbaums gilt. Indische Fürsten gründeten auf ihr eine Herrschaft und errichteten großartige Bauten. Sehr früh wurzelt sich hier der Buddhismus ein, der noch heute auf Ceylon lebendig ist. Im 8. Jahrhundert n. Chr. kamen Araber, deren Nachkommen, Mauren genannt, einige Hunderttausend Köpfe stark sind und sich zum Islam bekennen. Als die Portugiesen den Seeweg nach Indien gefunden hatten, setzten sie sich auch in Ceylon fest. Der Heldengesang der „Lu- siaden", in dem der große portugiesische Dichter Camoes die Taten seiner Landsleute in Indien verherrlicht, beginnt mit den Versen: Die Waffen und die glorreich edlen Recken, Die von der Lusitanier Abendstrand Durch nie zuvor befahrene Meeresstrecken Vordrangen hinter Taprobanes Land, Singe, mein Lied! Die Portugiesen mußten auf Ceylon vor den Holländern weichen, und auch diese hinterließen eine Klasse von Mischlingen aus europäischem und singhalesischem Blut. Von den Engländern werden sie Eurasier genannt, sie selbst nennen sich, holländisch. Burghers. An den Mauren, den Portugiesen« Nachkommen und den Eurasiern kann man ab lesen, wer seit tausend Jahren vom Westen her über See nach Ceylon gegriffen hat. Als Napoleon Holland zu einem Bestandteil des französischen Kaiserreichs machte, nahmen die Engländer Ceylon fort und behielten es (ebenso wie das Kapland) bei Friedensschluß. . Lange Jahre war Ceylon ein Land des Zimts, des Kaffees und der Perlen. Im Golf von Manar, westlich der Adamsbrücke, lagen reiche Perlmuschelbänke, die alle 10 bis 20 Jahre mit vielen hundert Fahrzeugen abgefischt wurden. Im Jahre 1907 verschwanden die Muscheln auf unerklärliche Werse aus dem Golf und sind nicht wiedergekommen. Auch den Kaffeebaum überfielen Schädlinge, aber sein Anbau wurde durch die Teekultur ersetzt, die glänzende Ergebnisse zeigte. 200 000 Hektar sind mit Pstanzun- gen von Ceylontee bedeckt, viele Millionen Kilogramm werden jährlich erportiert. Eine dreimal so große Fläche dient zur Kultur von Kokospalmen, Kakao, Zimt und Kautschuk. Sehr häufig ist das Citronellgras, aus dem ein zur Parfümfabrikation dienerndes Oel gewonnen wird. Von mineralischen Produkten ist nur Graphit wichtig, der zur Fabrikation von Bleistiften und feuerfesten Tiegeln ver- 8. April, die Hauptverteidigungslinie des Gegners zwischen Limai und dem Berg Mari- veles zu durchbrechen. Die nordamerikanischen Streitkräfte, die bis dahin den Berg Mariveles als Bollwerk benutzten, wurden in den südlichsten Winkel der Halbinsel zurückgedrängt. Der langumkämpfte S a m a t - B e r g östlich des Mari- veles-Berges ist in japanischer Hand. Gleichzeitig sind die japanischen Truppen längs der Bucht von Manila stetig nach Süden vorgedrungen, wo sie die Ortschaft Limai und Stellungen am Kap Lamao stürmten und mehrere tausend Gefangene machten. Damit war der von den Amerikanern noch gehaltene Teil der Halbinsel so stark eingeengt und die konzentrische Wirkung des japanischen Feuers auf die letzte Verteidigungsstellung der amerikanisch-philippinischen Streitkräfte, die seit Wochen unter Nahrungsmittelmangel und Seuchen leiden, so überwältigend geworden, daß daraus wohb die Bitte um Waffenstillstand resultierte. Nachdem es den Japanern auch gelungen war, in Kakukaben, östlich der Stadt Mariveles und bereits im Rücken der Befestigungsanlagen des Mariveles-Berges, Fuß zu fassen, war es ihnen möglich, längs der Bahn in flachem, hügeligem Gelände auf die Stadt Mari- veles selbst vorzustoßen. Der Kampf wurde mit großer Erbitterung geführt. Auf japanischer Seite zeichneten sich wieder Panzertruppen in schwierigem Gelände durch besonders hingebenden Einsatz aus. Der Befehlshaber der japanischen Panzertruppen fiel im Gefecht. Einzelne amerikanische Truppenteile versuchten, in Booten nach der Jnselfestung Corregidor zu entkommen, doch wurden die Boote durch japanisches Feuer versenkt oder nach Mariveles zurückgetrieben. Corregidor war in den letzten Tagen mehrmals das Ziel schwerer Bombenangriffe. Seit Freitag mittag hat auch japanische Artillerie von der Bataan-Haldinsel aus eine Beschießung Corregidors begonnen, dessen Geschütze zum großen Teil bereits zum Schweigen gebracht worden sind. wertet wird. Die eigentlichen Schönheiten Ceylons offenbaren sich erst in dem hochgelegenen, gesunden und gebirgigen Innern. Dort läßt sich die Schönheit der Tropen ohne ihre Gefahren genießen. Berühmt und viel besucht ist die alte Hauptstadt Kandy, emst die Residenz der eingeborenen Fürsten, deren letzter, der 165. in einer mehr als 2000 Jahre umia'^ne den Reihe, von den Engländern beseitigt wurde. Noch weit interessanter sind die Ruinen von Anu- radhapura, der ältesten Fürstenresidenz, die schon den Römern als Annurogrammum bekannt war. Im Mittelalter wurde sie zerstört und verlassen und überwuchs mit Urwald. Die jetzt zum Teil freigelegten Trümmer dehnen sich stundenweit aus. Bei einem zerfallenen buddhistischen Klosterpalast, der 9 Stockwerke mit tausend Klausen zählte, steht der älteste historisch beglaubigte Baum der Erde, ein Abkömmling des heiligen Bo-Daums, unter dem der Prinz Gautama zum Buddha erleuchtet wurde. Von diesem Baum ließ ein König von Ceylon einst einen Schößling holen und pflanzte ihn im Jahre 245 v. Ehr. neben den Klosterbau. Der Riesenbaum ist eins der größten buddhistischen Heiligtümer, er ist von einer Mauer umneben und wird von Priestern gepflegt, die seine Blätter an die Reisenden, in Erwartung einer Gegengabe, „ver- fX. 6 4« Viel besucht ist der Gipfel des über 2200 Meter hohen Adams-Pik im Süden der Insel. Auf ihm steht ein Tempel, der ein den Buddhisten, Den Brahmanen den Mohammedanern und sogar den einheimischen Christen gleich heiliges Objekt umschließt. Es ist eine Vertiefung in Form einer riesigen Fußspur, mit Gold und Edelsteinen eingefaßt, die von den Buddhisten Buddha zugeschrieben wird, von den Mohammedanern dem Urvater Adam, der hier tausend Jahre auf einem Fuß gestanden und den Verlust des Paradieses beweint haben soll, bevor er über die nach ihm genannte Brücke Ceylon verließ, während die Brahmanen die Spur dem Schiwa und die Christen dem Avöstel Thomas zu- schreiben, der nach einer alten Legende in Indien gepredigt haben soll. , „ , Eine uralte Seefestung, in der auch Portugiesen und Holländer saßen, ist P o i n t d e G a l l e an der Südküste, jetzt wegen feiner schlechten Reede fast Erinnerungen an Ceylon Von Dr. Paul Rohrbach. und 8 vom Gouverneur ernannten Mitgliedern bewilligt, außerdem drei Ministerien. Die wirkliche Macht liegt beim Gouverneur, der allein über die Finanzen und die Truppen verfügt und jedem nicht genehmen Beschluß des Staatsrates entgegentreten kann. Es ist die bekannte Fassade ohne Hintergrund. Ceylon hat administrativ mit Indien nichts zu tun, es steht nicht unter dem Vizekönig, sondern hat einen eigenen Gouverneur. Für alle nach dem Golf von Bengalen und nach Australien gerichteten Fahrten ist es eine unentbehrliche Station zur Versorgung der Schiffe mit Brennstoff, fei es Oel oder Kohlen. Die Depots dafür liegen in Colombo, das sich des kostspieligsten Hafenbaues im britischen Weltreich rühmen kann, abgesehen von den Befestigungen. Dem entsprechen die Abgaben — aber England wird jetzt andere Sorgen um Ceylon haben, als die Ton- verlasien. Die Engländer haben auch Colombo befestigt, aber ihr Hauptbollwerk auf Ceylon ist die Flottenstation in T r i n k o m a l i an der dem Golf von Bengalen zugekehrten Ostküste. Gegen dieses hätte sich ein jeder Angriff zu richten, der die englische Herrschaft erschüttern will. Colombo und Trinkomali haben starke Besatzung, meist aus eingeborenen Truppen. Die Singhalesen streben sehr nach Bildung und haben auf Grund ihrer fortgeschrittenen Schulung schon seit lange nach Seldst- S t o ck h o l m, 10. April. (Europapreß.) Am Frei- tagmittaa wurde in London amtlich mitgeteilt, daß der britische Flugzeugträger ,Hermes" versenkt worden ist. Das Eingeständnis der weiteren schweren Kriegsschiffsverluste, die England nach der bereits gestern veröffentlichten Meldung des japanischen Hauptquartiers in den Gewässern um Trinkomali an der Ostküste von Ceylon hat, steht bisher noch aus. Die Londoner Admiralität teilt mit, die „Hermes" sei nur 15 Kilometer von der Küste entfernt gesunken, so daß wahrscheinlich ein großer Teil der Besatzung gerettet werden konnte. Die Versenkung ihrer beiden Kreuzer „D o r s e t s h i r e" und „Csrnwall" gingen, wie „Exchange Telegraph" aus Colombo ergänzend berichtet, im Verlaufe einer Schlacht um die Vorherrschaft im Golf von Bengalen verloren. Auf beiden Seiten seien bedeutende Einheiten eingesetzt worden, sowohl Kreuzer als auch Torpedoboote und Unterseeboote. Mehrere britische Handelsschiffe seien im Verlauf der Schlacht versenkt worden. 600 Schiffbrüchige seien bereits an Land gebracht worden. Die beiden Schifte von je 10 000 Tonnen waren beide mit acht 20-cm-Ge- schützen bestückt und hatten die Möglichkeit, bis zu drei Flugzeugen mit Katapulten aufsteigen zu lassen. Beide Schifte haben, wie Reuter resigniert feststellt, bisher glänzende Kriegsdienste geleistet. Es sei jedoch zweifelhaft, ob sie von der Luft her geschützt wurden, da aus dem ja;^anischen Bericht hervorgehe, daß nur einige Flugzeuge verlorengingen. Es scheine beinahe, daß die Angriffe von japanischen Flugzeugträgern aus erfolgten, deren Anwesenheit in der Bucht von Bengalen durch den Angriff auf Colombo bestätigt wird. Dieser Verlust vermindere die Stärke der britischen Marine in den indischen Gewässern um zwei außerordentlich einsatzbereite Einheiten. Der britische Nachrichtendienst stellt fest, daß die britische Flotte in Ostasien dem Gegner nicht gewachsen ist. Er erklärt, der Verlust zweier so guter Kreuzer sei ein weiterer ernstlicher Schlag für eine Flotte, die zahlenmäßig dem Gegner niemals gewachsen fein konnte. Wenn jemand noch immer fragen sollte, warum Großbritannien allein keine größere Flotte in den Fernen Osten schicken kann, so sei die Antwort darauf völlig klar. Es sei dieselbe Antwort, die man auch Leuten geben sollte,- die über die Errichtung einer zweiten Front zu reden beliebten. Großbritannien kämpfe bereits an fünf Corregidor. ■ El FRAILE Dem Frühling entgegen. Nach einem ungewöhnlich langen und harten Winter sehen die europäischen Völker in diesem Jahrq mit ganz besonderen Erwartungen dem Anbruch Der wärmeren Jahreszeit entgegen. Freilich, noch heißt es, sich in Geduld fassen. Denn wenn auch schon von der Ostfront hier und da zeitweiliges Tauwetter gemeldet wurde, so scheint im großen und ganzen die Kraft Des Winters noch nicht gebrochen zu fein, und auch Dann roirD Der mit Macht cinfetjenDe Frühling noch einmal von uns geduldiges Zuwarten verlangen, bis Die Natur selbst Den Boden für Die Entwicklung und Durchführung neuer strategischer Pläne bereitet hat. Daß es an ihnen zu gegebener Zeit nicht fehlen roirD, Darüber gäbe es nach allen bisherigen Erfahrungen Dieses Krieges nirgendwo in in der Welt noch Den geringsten Zweifel, selbst wenn nid)t/Der Führer selbst in feinen letzten Reden an-> jetünDigt hätte, Daß Das Deutsche Ostheer gerüstet teht, Die vernichtenden Angriffsoperationen Dort roieDer aufzunehmen, roo sie ihm Der überraschend frühe Einbruch Des Winters mit tiefem Schnee, kaum noch vorstellbaren Kältegraden unD schneiden- den Eisstürmen aus Der HanD geschlagen hatte. Die Truppen Der Ostfront, in Der mit Den Millionen Der Deutschen Heeresgruppen Kontingente fast aller europäischen Völker Schulter an Schulter stehen, haben in Dem Dann folgenDen WinterfelDzug eine Prüfungszeit Durchgemacht, wie sie wohl noch keiner modernen Armee, noch niemals Soldaten auferlegt war, Die aus Den Kulturlandschaften des mittleren und westlichen Europa stammen und des Kampfes mit der Urkraft einer unerbittlich grausamen Natur eit vielen Generationen entwöhnt waren. Heute Dürfen wir mit innigem Dank unD voll stolzer Be- rounDerung sagen, Daß sie diese Prüfung bestanden haben. In diesem Winterfeldzug an Der Ostfront sind in Den weiten Schneefeldern Rußlands, in Den vereisten Sümpfen und im UrwalDdickicht Kareliens aus unseren Soldaten Männer geworden, Die nichts mehr zu schrecken vermag. In täglich neuem Ringen mit Den hart an die Grenze Des Erträglichen gehenden Unbilden der Witterung, in erbittertem Kampf gegen einen immer von neuem anstürmenden, zahlenmäßig weit überlegenen Feind, dessen aus dem Osten herangeführte Massen, gegen Kälte unempfindlich und gegen schwerste blutige Verluste abgestumpft, sich trotz aller Mißerfolge und Fehlschläge immer wieder zu neuen Angriffen aufpeitschen lassen, in diesem Kampf, in Dem Die Gewalt Der Natur Die Gefechtskraft Der schnellen unD schweren Waffen oft genug lahmlegte, hat sich auf Das eklatanteste Die lieber» legenheit Der seelischen Kraft Des Deutschen SolDaten und seiner europäischen Kameraden gezeigt. Denn nur Das im täglichen Ringen mit Den bolschewistischen Horden erhärtete Wissen um Den Sinn Des Krieges, in Dem Europa seinen SchutzDamm gegen Die Flut des Bolschewismus baut, machte Den Kämpfer der Ostfront fähig, das Aeußerfte zu ertragen, und doch in dieser ihm Durch die Umstände aufgezwungenen Passivität niemals Die Energie zu eigener Initiative, die Beweglichkeit des Geistes und den Elan kühnen Draufgängertums einzubüßen. Gerade diese innere Schwungkraft, Die Den deutschen Soldaten aller Grade und Waffengattungen in Der Hand einer weitschauend und umsichtig planenden, sicher leitenden und fest zupackenden Führung in allen Angriffsfeldzügen der ersten Kriegsjahre auf allen Kriegsschauplätzen Europas und Nordafrikas so unwiderstehlich machte, gerade diese innere Schwungkraft hat ihn befähigt, auch in dem Verteidigungskrieg dieses Winters seine Aufgabe zu meistern. Es würbe Heißen. Dem täglich erprobten und immer wieder aufs höchste bewährten Heldenmut Deutschen Soldatentums Abbruch tun, wollte man Die ungeheure Härte Des Kampfes gegen Die Sowjets zu verkleinern suchen. Schon in Den Angriftsschlach» ten Des vergangenen Sommers hatte es sich erwiesen, Daß Die, Ausrüstung Der Sowjetarmeen mit schweren Waffen aller Art alle Erwartungen übertraf unD daß Den Deutschen hier ein Soldat entgegentrat, Der unter Ausnutzung Der Erfahrungen Der Feldzüge in Polen und hn Westen ganz auf Den Angriff gedrillt war, wobei eine von Offizieren unD politischen Kommissaren mit Den brutalsten Mitteln erzwungene eiserne Disziplin und eine völlige Unempfindlichkeit auch gegenüber schwersten Verlusten an Menschen und Material auch in aussichtslosen Lagen erbitterten Kampf und äußersten Widerstand bis zum letzten Mann bewirkten. Diese absolut offensive Kriegführung Der Sowjets, Die weder in Polen noch im Westen oder auf Dem Balkan eine Parallele hatte, ist nun im WinterfelDzug 1941/42 Unser Bild zeigt oben Den britischen Flugzeugträger „Herme s" (10 850 Tonnen) und unten Den britischen Kreuzer „Southampton" Der „Birmina- ham"-Klasse (9100 Tonnen). — (Scherl-Archio-MH unter Ausnutzung aller für sie günstigen Umstände voll entwickelt worden. Freilich hat die Heerführung der Sowjets keinen großzügigen strategischen Plan anzusetzen geschweige denn durchzuführen vermocht. Sie hat sich vielmehr nach der Bildung einer durch Zurücknahmen und Vegradungen für die Verteidigung günstig gestalteten deutschen Widerstandslinie in immer wieder wiederholten Versuchen erschöpft, an den verschiedensten Abschnitten der Ostfront nach heftigem Trommelfeuer durch stärkste Massierung von Panzern und in zahllosen Angriffswellen vorgeführte Infanterie einen Durchbruch zu erzwingen. Die Gefangenen-- und Beutezahlen, die der deutsche Wehrmachtbcricht vom 4. April für die ersten drei Monate dieses Jahres bekanntgab, lassen ahnen, mit welchen Einbußen an Menschen und Material die Sowjets diese sture Taktik rücksichtslos vorgeführter Mafftnangrftfe haben erkaufen müssen. In zahlreichen Meldungen über Einzelkämpfe in den verschiedensten Abschnitten der Ostfront ist immer wieder hervorgehoben worden, daß die Verluste der Sowjets an Toten ein „Mehrfaches" oder gar ein „Vielfaches" der Gefangenenzahlen ausmachten. Auch der schon genannte Wehrmachtbericht sprach von besonders hohen Ausfällen an Toten. Und er stellt gegenüber diesem hohen Einsatz der Sowjets fest, daß sie ihr operatives Ziel, die deutsche Ostfront ins Wanken zu bringen, nicht erreicht haben. Auch die deutschen Verluste, die dieser Winterfeldzug gekostet hat, sind schwer. Wir wissen es und neigen uns in Ehrfurcht vor denen, die ihr Liebstes opfern mußten Tim unseres Volkes Leben und Zukunft willen. Wir wissen aber auch, daß die deutsche Heeresleitung alles getan hat, um diese Verluste auf ein denkbar niedriges Maß zu begrenzen. Ein System der elastischen Verteidigung wurde durch nur lose miteinander verbundene Stützpunkte im tiefgegliederten Vorfeld der Hauptwiderstandslinie gebildet und Einbrüche der Sowjets durch seitliche Abriegelungen lokalisiert, worauf dann im Gegenstoß _der Feind wieder in seine Ausgangsstellung zurückgeworfen wurde." Diese äußerst bewegliche Abwehr eines ständig aktiven, bei seinen Angriffen keine Opfer scheuenden Gegners erforderte vom deutschen Soldaten aller Grade stete Bereitschaft und höchste Willenskraft, eine unerhörte Nervenprobe viele lange Monate hindurch. Er hat sie bestanden und damit das Beste dazu getan, daß der Winter die Hoffnungen unserer Feinde nicht erfüllt hat. Der Winterfeldzug der Sowjets sollte nach dem Willen der Kriegsmacher in Washington und London die deutsche Wehrkraft zermürben. Nur dann konnten sie hoffen, daß der dritte Einkreisungsring, der durch Westafrika, Aegypten und den mittleren Osten laufen und den europäischen Kontinent nach Süden abschließen sollte, seinen Zweck erfüllen würde, die Achsenmächte von ihrem japanischen Verbündeten zu trennen. Die Hoffnungen, die man auf die Offensivkrast der Sowjetarmeen gesetzt hatte, haben getrogen. Zn der nordamerikanijchen und englischen Presse der letzten Tage kommt die tiefe Enttäuschung über das Mißlingen der sowjetischen Abnutzungsstrategie und die äußerste Besorgnis vor einer neuen deutschen Initiative offen zum Ausdruck. So schrieb die „Times", daß es den Deutschen gelungen sei, alle strategisch wichtigen Punkte an der Ostfront zu halten. „Es hat den Anschein", so meint das Blatt, „daß es den Deutschen durchaus gelungen ist, die sowjetische Offensive zum Stillstand zu bringen. Die deutschen Angriffe selbst werden hingegen immer heftiger und stärker. Diese Angriffe beweisen aber, daß die Deutschen immer noch über ungeheure Kräfte verfügen. Der Masseneinsatz der deutschen Luftwaffe läßt erkennen, daß die Deutschen bemüht und imstande sind, schnell die Initiative zu bekommen. Es ist klar", so schließt die „Times", „daß die Bolschewisten diese Tatsachen fürchten." Die Hilferufe Stalins, die er durch seine Botschafter Litwinow und Maisky in immer dringlicherer Form in Washington und London Vorbringen läßt, unterstreichen die prekäre Lage her Sowjets, die ihre eigenen Reserven an Menschen und Kriegsmaterial durch den ungeheuren Aufwand ihrer Winteroffensioe in dem Augenblick sich erschöpfen sehen, in dem sie mit einem deutschen Gegenschlag rechnen müssen. Aber Stalins flehende Bitten nach Beschleunigung der Waffenlieferungen aus England und den USA. sind so wenig zu erfüllen wie sein hartnäckig wiederholtes Verlangen nach Errichtung einer zweiten Front. Rommels Erfolge in Nordafrika haben die Träume von einer Vereinigung des britischen Generals Auchinleck mit den gaullistischen Elementen in Tunis und Algier und der Bildung einer breiten Mittelmeerfront mit dem Stoßpfeil gegen Italien längst zunichte gemacht. Die britische Jnsel- festung Malta liegt Tag für Tag unter dem immer stärker anschwellenden Bombenhagel der deutschen Luftgeschwader. Ihre Hafenanlagen und Flugplätze werden zerstört, Luft- und Seestreitkräfte der Briten ständig niedergehalten, daß die Insel ihre Bedeutung als Ausgangspunkt für Angriffsoperationen gegen die Achsenmächte bereits eingebüßt hat, ja daß sie kaum noch in der Lage ist, den Schiffen Obdach und Reparaturmöglichkeiten zu bieten, die bestimmt sind, die britischen Geleitzüge durch das Mittelmeer zu schützen, während die Zufuhren für die in Nordafrika kämpfenden Streitkräfte der Achsenmächte durch die Niederhaltung Maltas immer unbehelligter an ihr Ziel gelangen. Auch das Vorfühlen kleinerer gaullistischer Abteilungen in Südlibyen war ein Mißerfolg. Wenn man sich in London über diese Rückschläge damit zu trösten sucht, daß nun die große Straße von Westafrika nach dem Sudan fertiggestellt sei, so daß das Kriegsmaterial aus den Vereinigten Staaten, das für die britische Nordafrika-Armee bestimmt sei, nicht mehr den gesährlichen und. langen Umweg um das Kap zu machen brauche, so werden die deutschen U-Boote im Atlantik schon dafür sorgen, daß nicht viele USA- Schiffe die westafrikanischen Häfen erreichen. Irn übrigen ist dieser Trost kennzeichnend dafür, wie sehr dieser Krieg in den letzten Monaten seinen Charakter geändert hat. Die beiden größten Seemächte der Welt, die diesen Krieg mit dem Vorhaben begannen, ihn dank ihrer absoluten Vorherrschaft zur See durch rein seestrategische Maßnahmen zu gewinnen, sind nicht mehr in der Lage, die überseeischen Verbindungswege zu den weit auseinander* gerissenen Kriegsschauplätzen offen zu halten und müssen über ganze Kontinente zueinander zu kommen suchen. Denn wie in Afrika, so ist es auch im Mittleren Osten, wo Auchinleck in Verlängerung seiner Front durch Palästina, Syrien und den Irak die Verbindung mit den Sowjets in Iran sucht. In der englischen Sorge für diese Schlüsselstellung, die gleichzeitig die Verbindung mit dem Sowjetalliierten und den Zusammenhalt mit Indien sichern soll, spiegelt sich die Auswirkung des strategischen Zusammenspiels der Mächte des Dreierpakts. Die schweren Niederlagen, die die Marine und Luftwaffe Japans dem britischen Indiengeschwader im Indischen Ozean 3ufüate, ebenso wie die Luftangriffe auf Trinco- mali und Colombo, die britischen Stutzpunkte auf Ceylon, geben schon einen Vorgeschmack davon, was von den Zufuhren der Alliierten zum Roten Meer ober zum Persischen Golf übrig bleiben wird, wenn erst die Japaner diese Nachschublinien der alliierten Fronten in Nordafrika und im Mittleren Osten im Rücken zu fassen vermögen. Nicht minder groß ist die Sorge Englands, die Sowjets könnten im beginnenden Frühjahr dem Südteil der Ostfront nicht genügend Aufmerksamkeit schenken, wo nof. der Krim her und aus dem Donez-Bogen unabsehbare Gefahren für die britisch-sowjetische Nahtstelle erwachsen könnten. So sehen wir die Kräfte der beiden feindlichen Seemächte, Englands und der Vereinigten Staaten, zu Beginn des Frühjahrs notgedrungen über weit gespannte Räume verzettelt. Von Murmansk im Aordmeer bis Australien und Neu-Seeland in der Südsee, im Mittelmeer, im Pazifik, im Indischen Ozean wie im Atlantik, überall stehen Geleitzüge der Alliierten, kleine Kampfgruppen ihrer Kriegsflotten und Luftwaffen in die Abwehr gedrängt. Zwei große Landarmeen kämpfen zwar in lang gedehnter Front für die Sache der angloamerikanischen Imperialisten: Stalins bolschewistische Massen gegen die deutschen Ostheere und Tschiang- kaischeks Divisionen in China gegen die Japaner, aber was wird aus ihnen, wenn der Nachschub stockt und sie damit ihren Rückhalt verlieren? „Alle besseren Karten sind für den Augenblick in den Händen der Mächte des Dreierpakts, und unsere einzige Rettung ist heute der Faktor Zeit", . so stellt die „New Port Times" resigniert fest und fügt hinzu, es sei notwendig, das amerikanische Volk auf neue schwere Niederlagen vorzubereiten, um die Nachteile zu vermeiden, die entstünden, wenn Luftschlösser zusammenbrächen. Aber die Rechnung mit dem „Faktor Zeit" scheint uns auch zu den Luftschlössern zu gehören, die die „New Port Times" so fürchtet, denn kein anderer als Stalin selbst war es, her den ganzen Einsatz der Alliierten für das Jahr 1942 gefordert hat, weil er weiß, was noch in diesem Jahre nicht nur für ihn auf dem Spiele steht. Es ist ein Trugschluß, zu glauben, Japan und die Achsenmächte würden den Herren Roosevelt und Churchill Zeit lassen, ihre Rüstungen in aller Ruhe und ungestört so weit voranzutreiben, bis sie sich stark genug fühlen, eine eigene Initiative großen Stils zu entfalten. Wenn sie das unaufhaltsame Vorrücken der Japaner nach Süden und Westen noch nicht eines andern belehrt haben sollte, wird ihnen das kommende Frühjahr vermutlich bald Gelegenheit geben, eine neue Illusion zu den früheren zu legen. Dr. Fr. W. Lange. Die Verbindungen mit Kalkutta abgeschnitten. Tokio, 11. April. (DNB.-Funkspruch.) Der Leiter der Marinepresseabteilung, Kapitänleutnant Hi- raibe, betonte, Großbritannien stehe vor der Gewißheit, Indien zu verlieren. Die japanische Flotte übernehme jetzt bereits die Kontrolle über den Indischen Ozean. Die japanischen Seestreitkräfte operierten in einem Raum mit einer Ausdehnung von 10 000 Meilen zwischen her Westküste der Vereinigten Staaten bis zum Indischen Ozean und von den Meuten bis nach Aifftralien. Die Angriffe gegen die Insel Ceylon und die anderen vernichtenden Schläge dieser Woche hätten Japans Reserve an Kampfkraft aufgezeigt. Die gegenwärtigen Kampfhandlungen seien e r ft her Anfang der japanischen Operationen im Indischen Ozean. Diese Unternehmungen würden erst beendet werden, wenn die Kraft des Feindes völlig zerschlagen sei. Da die britischen Flotteneinheiten, deren Anwesenheit in der Nähe von Colombo festgestellt wurde, sich während der japanischen Operationen in diesem Raum nicht zeigten, könne man zu keinem anderen Schlüsse kommen, als daß sie vor dem japanischen Angriff flohen. Die japanische Flotte versenkte mehr als 400 000 BRT. britischen Handelsschiffsraumes und schnitt damit die britischen Verbindungen mit Kalkutta ab, so daß der britischen Flotte nichts anderes übrig bleibe, als sich in die westliche Hälfte des Indischen Ozeans zurückzuziehen. Nur äußerlich bestehe der Anschein, als hätten die Operationen im Pazifik und Atlantik keinen Zusammenhang. In Wirklichkeit führten drei Großmächte in eng geschlossener Front einen gemeinsamen Kampf gegen die Engländer und Amerikaner in Ost und West. Die japanische Flotte warte auf die Gelegenheit, mit dem Feind in Kampf zu kommen, wo und wann und auf welche Entfernung es auch fei. Washington bestürzt. Selbstversenkung amerikanischer Kriegs- sahrzeuge. Lissabon, 11. April (Europapreß.) In der Pressekonferenz des Weißen Hauses erklärte Präsident Roosevelt, jedermann in den Vereinigten Staaten sei erschüttert über die Vorgänge auf her Bataan-Halbinsel. Darüber hinaus könne er keine Stellungnahme zur Kriegslage geben. Im Repräsentantenhaus machte der Sprecher des Hauses, Rayburn, die Isolationisten für die Niederlage verantwortlich. Durch ihre Opposition gegen die von der Regierung geforderte Befestigung der Insel Guam vor Kriegsausbruch hätten sie verhindert, daß Guam gegen den japanischen Angriff verteidigt werden konnte. Von Guam würde man die Möglichkeit gehabt haben, Bombenflugzeuge nach Bataan zu entsenden. Der USA.-Kapitän H ö f f e l als rangältester Marineoffizier bei den amerikanischen Streitkräften auf Bataan und Corregidor führte die Selbst- versenkung einer Anzahl von Kriegsfahrzeugen durch, nachdem der Fall Bataans unabwendbar geworden war. Es handelt sich um die Vernichtung des bereits beschädigten USA.-Begleitschiffes für U-Boote „Canop u", des „D e w y - T r o ck e n - dock s", des Minensuchers „Bitter n" und des Hochseeschleppers „N a p a". „Canopus" hatte eine Wasserverdrängung von 5975 Tonnen, eine Geschwindigkeit von 13 Knoten und war mit zwei 12,7-cm-, vier 7,6-cm-, zwei 4,7-cm Flakgeschützen bestückt. Der Minensucher „Bittern" hatte 840 Tonnen Wasserverdrängung, lief 14 Knoten und war mit mehreren 7,6-ew-Geschützen ausgerüstet. Der Hochseeschlepper „Napa" hatte 845 Tonnen Wasserverdrängung, lief 13 Knoten und war mit zwei 7,6-cw- Geschützen bestückt. General W a i n r i g h t, der Oberkommandierende her amerikanischen Streitkräfte auf den Philippinen, ist auf das Fort Corregidor geflüchtet, begleitet von einer Anzahl Stabsoffizieren. Der Londoner „Daily Sketch" meldet, Bataan fei jahrelang von den Amerikanern als letzter, aber auch unerschütterlicher Stützpunkt für den Fall eines Angriffes auf die Philippinen angesehen worden. Nun sei auch er gefallen. Der Grund für diese neue schwere USA -Niederlage sei u. a. darin zu sehen, daß es sehr schwer gehalten habe, Transportschiffe durchzubringen. Man könne gut sagen, daß von drei Schiffen mindestens immer zwei verlorengegangen seien. *. Der englische König hat dem einstigen Oberkom- mandierenden der USA.-Truppen auf den Philippinen, General Mae Arthur, „roegen seines durch die Entwicklung bestätigten militärischen Scharfblicks bei der Beurteilung der Verteidigungs- Möglichkeiten der Bataan-Halbinsel" den Hosenband- Orden verliehen. Eröffnung des internationalenZournalistenkongreffes in Venedig Venedig, 10. April. (DNB.) Im großen Ratssaal des Dogenpalastes wurde in Anwesenheit des Reichspressechefs Dr. Dietrich, zahlreicher Vertreter der italienischen Regierung, der faschistischen Partei und unter Teilnahme von mehr als 300 Journalisten aus 15 Nationen der erste Kongreß der Union nationaler Journalistenverbände eröffnet. Nach der Begrüßung des Kongresses durch den Podesta von Venedig und dem Vertreter der venettanischen Presse nahm her Präsident der Union, SA.-Obergruppenführer Weiß, die Eröffnung des Kongresses vor, dessen Leitung er dem italienischen Vertreter im Präsidium der Union, Nationalrat G u g l i e l m o 11 i, übertrug. In einer Zeit, in der auf den Trümmern einer alten, zum Untergang verurteilten Welt ein neues Jahrhundert aufgebaut werde, in einer Zeit voller revolutionärer Erschütterungen und Umwälzungen habe auch die Presse eine politische Mission allerer st en Ranges zu erfüllen. Die Journalisten der jungen Völker trenne eine Welt von dem Ungeist, her sich in den jüdischen Demokratien der Presse bemächtigt habe. Der totale Krieg, in dem wir stehen, werde auch ausgetragen auf den Schlachtfeldern des Geistes und der Ideen. Was den Kongreß zusammengeführt habe, sei der Protest gegen die Demoralisierung der Völker durch einen verantwortungslosen Journalismus, der Protest gegen die Versklavung her Presse im Dienste internationaler Kapitalmächte, der Protest gegen den Mißbrauch der Presse zum Zwecke der skrupellosen Verhetzung der Völker, der Protest gegen die Presselüge und die Verfälschung der Wahrheit, her Protest gegen die Abhängigkeit her journalistischen Arbeit von unverantwortlichen Aktionären und Kriegsverdienern, und endlich der Protest gegen die Verjudung der Presse, die wir als das Grundübel und den Krebsschaden der internationalen Pressearbeit erkannt haben. Wir wollen die Ehre und Würde des journalistischen Le- rufsstandes international zur Geltung bringen unb bafür sorgen, baß her Grunbsatz her Anstänbigkeit unb Sauberkeit in her Presse Geltung hat. Der Vizepräsibent her Union unb Präsibent bes italienischen Presseverbanbes, Nationalrat G u - g l i e l m o 11 i, Direktor her „Tribuna", gab bann einen Umriß her Kongreßarbeiten, bie „einen Anklageakt gegen die Feindpresse bilden, bie unter einer trügerischen Scheinfreiheit in ben Hänben ihrer Gelbgeber zu einem Werkzeug her Provokation unb Kriegshetze würbe". Die Debatte wirb deshalb gerade Vertreter jener Länder auf ben Plan rufen, bie unmittelbar bie tragischen Opfer der britischen Einmischung unb Erpressung geworben finb. Als letzter Rebner her Eröffnungssitzung überbrachte her fteüoertretenbe Parteisekretär Ravasio dem Kongreß bie Grüße her faschistischen Partei. Im ersten Referat bes Kongresses behanbelte Ravasio' die revolutionäre Mission des Journalisten, der in Zeiten der totalitären Revolution seine Nation vertritt, einer ganz neuen Weltorbnung dient, der Träger bes politischen Gebankens her Revolution ist und bie Aufgabe hat, bie Geschichte, die die Führer und Völker machen, vorzubereiten. Zwei Wetten der Kriegsberichterstattung. Stabsleiter Sündermann über die geistigen Fronten des Krieges. Am Nachmittag des Eröffnungstages wurde die Arbeit te» Journalistenkongresses im Palazzo fRibolW fortgesetzt. Stabsleiter Helmut Sünde r m a n n stellte unter Vorlage erschöpfenden Materials bie Welt her Kriegsberichterstatter, den kämpferischen unb solbatischen Journalisten her jungen Völker, dem Scheibtischstrategen der internationalen Hetzpresse gegenüber. ©tabsleiter Sündermann untersuchte die Me- choden, mit denen in den Ländern der Demokratie und bes Bolschewismus heute über den Krieg geschrieben wird. Die britische Kriegführung kennt keine an der Front eingesetzten Berichterstatter, sie sitzen „an ihren Schreibtischen und schreiben Geschichten aus zweiter Hand". Die daraus resultierende britische Mechode, jede erlittene Niederlage durch journalistische Kunstgriffe zu verkleinern, zu beschönigen unb schließlich zu verherrlichen, glossierte Stabsleiter Sündermann mit der Feststellung: „Es liegt auf der Hand, daß sich diese Art der Schilderung in London überzeugender niederschreiben läßt als in Dünkirchen, in Griechenland, auf Kreta, in Bengasi ober in Hongkong und in Singapur. Seit dem ersten Tag des Krieges befinden sich Churchill und Roosevelt in der Rolle von Angeklagten. Sie haben den Krieg gemacht, sie haben ihn zu verantworten, und ihr einziges publizistisches Ziel ist es, daß sich ihre Völker mit den Ereignissen ab finden. Die fehlende Ueberzeugungskrast ihrer Sache muß dabei durch den Einsatz einer künstlichen Pressebegeisterung ersetzt werden. Das ist der Grund für die erstaunliche Tatsache, daß es keine Phase dieses Krieges gibt, in der nicht der britisch-amerikanische Zeitungsleser bis zum-.letzten Augenblick in einem Wölkenkuckucksheim sich bewegte, um bann freilich durch die hereinbrechenden Ereignisse um so härter nie- dergeschmettert zu werden." „Viele Zeitungen der Welt haben sich von der publizistischen Winteroffensive Londons täuschen lassen und nicht erkannt, wie sehr der Wunsch her Vater der britischen Meldungen war. Das einzige, was uns diese Pressedokumente zeigen, ist, wie tief England schon gesunken ist: daß es Siege bes Bolschewismus nicht nur erhofft, sondern sie auch noch erfindet. Heute freilich zerschmelzen ihre Hoffnungen wie der Schnee in der Sonne des Frühlings, ihre aufgebauschten Erfolge erweisen sich als eine strategische Niederlage, die Städte, die sie .eroberten', befinden sich bei näherem Zusehen doch in deutscher Hand, und als reale Tatsache bleibt nichts als die Furcht vor dem Kommenden." „Der Wehrmachtbericht ist zu einem Cebensele- ment der kämpfenden Nation geworden, und sein Stil und Inhalt ist nichts andere, als der Ausdruck bes Vertrauens, das zwischen Volk und Führung lebendig ist." Von dieser Kennzeichnung der amtlichen Kriegsberichterstattung ausgehend 'befaßte sich Stabsleiter Sündermann zum Schluß mit der soldatisch-journalistischen Kriegsberichterstattung der Achsenmächte, „die in diesem Kriege ben Marsch unserer Bataillone, bie Flüge unserer Luftwaffe, die Fahrten unserer Kriegsschiffe begleitet und unseren Völkern bas Bilb des Kampfes so zeichnet, wie der Soldat ihn erlebt." Im Verlauf von 31 Kriegsmonaten finb von ben deutschen Kriegsberichtern insgesamt 38 000 Kampfberichte der deutschen Presse zur Verfügung gestellt worden. In der gleichen Zeit wurden von den Bildberichtern über eine Million Frontäufnahmen — darunter 40 000 Farbenaufnahmen — gemacht. PK.-Zeichner haben mit 4000 Zeichnungen das Kriegsgeschehen künstlerisch festgehalten. Das rollende Filmband, das vom ersten Tag des Krieges an ben Kampf unserer Soldaten begleitet, hat bereits eine Gesamtlänge von 2 120 000 Meter." Stabsleiter Sündermann hob bie unzähligen Prüfungen bes Mutes und der Tapferkeit hervor, die hinter diesen nüchternen Zahlen verborgen sind und gedachte jener deutschen Journalisten, bie bereits für ihre hohe Auffassung der journalistischen Aufgabe ihr Leben gegeben haben. Die Phantasten, Illusionen und Lügen unserer Feinde wirb eine ferne Zukunft nur als Symptome eines geistigen Verfalles werten, her in der militärischen Nieberlags schließlich seine Bestätigung findet, während unser Wort weiterleben wird, weil es von der Tat geadelt ist und ben Geist atmet, der unsere Völker beherrscht. Nach her mit stürmischer Zustimmung aufgenommenen Rebe bes Stabsleiters Sündermann sprach der Vizepräsibent her Union, Gregorian (Rumänien) Worte des Gebenkens für die gefallenen Journalisten. Er gab bekannt, baß ben gefallenen Journalisten nach bem Kriege eine Gebenkstätte errichtet werde. Der Kongreß ehrte bie gefallenen Kameraden durch eine Minute bes Schweigens. — Zwei Filmbokumente vom Einsatz her italienischen unb deutschen Kriegsberichter ließen ben opferbereiten Einsatz her Kameraden an ben Fronten lebenbig werben. Die Kongreßpartei lehnt ab. Stockholm, 10. April. (DNB.) Der E.rekutiv- ausschuß des Allindischen Kongresses nahm einstimmig eine Entschließung an, bie bie Vorschläge Cripps' ablehnt, meldet Reuter aus Neu-Delhi. Der Beschluß wurde am Freitag Staf- forö Cripps zugestellt. Die Meinungsverschiedenheiten seien unüberbrückbar. Eine eingehende Prüfung habe ergeben, daß auch in dem neuen Kom- promistvorschlag bie Befugnisse, die man den Indern habe überlassen wollen, nicht ausreichend gewesen seien. Man glaubt, so melbet Reuter weiter, daß sich her Arbeitsausschuß her Kongreßpartei mit einer wirklichen nationalen Regierung einverstanden erklären würde. Der gegenroärtige Cripps-Vorschlag habe jedoch der Kongreßpartei kein ausreichendes Betätigungsfeld eingeräumt. Der Text der Entschließung der Kongreßpartei wird, wie Präsident A z a b mitteilte, am Samstag veröffentlicht. Azad selbst will am gleichen Tage nach Kalkutta abreisen. Er wird sich unterwegs für einige Zeit in Allahabad aufhalten. Cripps beabsichtigt, trotz der Abfuhr durch die Kongreßpartei zu versuchen, wenigstens mit kleinen indischen Parteien zu einem Abkommen zu gelangen. Dor allem hofft er, die Unterstützung der Moslem-Liga zu gewinnen ober aber die Vereinigung der Hindu - M a h a s a b h a , deren Führer Sawarkar bereits als Kandidat für einen Posten in der von Cripps geplanten indischen Regierung genannt morden war, gegen die Kongrestpartei auszuspielen, Cripps hat für ©amstagmittag eine Pressekonferenz einberufen, in der er das endgültige Ergebnis feiner Mission in Indien bekanntgeben wird. Der australische Außenminister fordert sofortige Aktionen. L i f f a b o n , 10. April. (Europapreß.) Der australische Außenminister unb Sonderbotschafter in Washington, Dr. M. Evatt, der gegenwärtig in Ottawa, der Bundeshauptstadt Kanadas, Besprechungen führt, erklärte: „Es gibt keine Maginot- linien unb Singapurs mehr, hinter benen eingebit- bete Siege für bas nächste Jahr vorbereitet werden können. Wir brauchen ein praktisches Werkzeug für eine zusammengefaßte augenblickliche A k- t i o n. Pläne allein genügen nicht. (£s muß eine ausführende Autorität geben, bie Plane bis zum Punkt her tatsächlichen Berührung mit bem Feind burchf ühr t." Die Weihnachtsinsel völlig beseht. Tokio, 10. April. (DNB.) Das Kaiserliche Hauptquartier gab bekannt, daß japanische Marineeinheiten am 31.3. die Weihnachtsinsel, 350 Kilometer südlich von Java im Indischen Ozean, do II- ständig besetzt haben. * Die Weihnachtsinsel im Indischen Ozean ist zu unterscheiden von einer gleichnamigen, zwar fast fünfmal so großen, aber wegen ihrer Wasserarmut fast ganz unbewohnten „Weihnachtsinsel" im südlichen Pazifischen Ozean. Gemeinhin versteht man aber unter Weihnachtsinsel die jetzt von den Japanern besetzte, nur 163 qkm große unb von 1100 Menschen, meist Beamten der Phosphat-Gesellschaft bewohnte Insel im Indischen Ozean. Sie ist dadurch wichtig, daß sie erwünschter Stützpunkt für eine ausgedehnte Luftkontrolle zwischen Java und Australien ist. Interessant ist, daß die Weihnachtsinsel zur Zeit der englischen Herrschaft seit 1889 verwaltungstechnisch zu den „Strait Settlements" gehörte und daher bem Gouverneur von Singapur unterstand. Mit dieser kleinen Insel ist das letzte „Andenken" an die englische Herrschaft in Singapur verschwunden. Erfolgreiche Abwehr auf Kertsch. Oer Wehrmachtbericht. D3XB. Aus dem Führerhauptquarlier, 10. April. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Auf der Halbinsel Kertsch wurde gegenüber starken, von Panzern und Luftwaffe unterstützten Angriffen ein voller Abwehrerfolg erzielt. Heben hohen blutigen Verlusten des Gegners sind nach bisherigen Meldungen 56 feindliche Panzer vernichtet und weitere 26 bewegungsunfähig geschossen. In verschiedenen anderen Abschnitten der Ostfront waren eigene Angriffsunternehmungen erfolgreich. Am Wolchow wurde eine Kräftegruppe der Sowjets eingefchlossen und vernichtet. In Nordafrika wurden bei Spähtruppgefechten mehrere britische Panzerspähwagen und Geschütze vernichtet oder erbeutet. Die Angriffe auf die Insel Malta wurden bei Tag und Nacht durch deutsche Kampf-. Sturzkampfund Jagdfliegerverbände fortgesetzt. In den Staatswerften. Hafen- und Dockeinrichtungen sowie in den Alugplahanlagen verursachten Vombenvolltrefser weitere schwere Beschädigungen. An der englischen Südküste erzielten leichte Kampfflugzeuge Volltreffer in einem Gaswerk. Durch die Explosion eines Gasometers entstanden schwere Beschädigungen in den umliegenden Fabrikanlagen. Hebet der Deutschen Bucht schoß Marine- arMlerle drei britische Bomber ab. Der Obergefreite Feld einer Panzerjägerabteilung hat bei den Kämpfen auf der Halbinsel Kertsch am 9.4. trotz Verwundung sieben feindliche Panzer abgeschossen. warten, trat er mit seiner vordersten Kompanie aus dem Marsch heraus zum Angriff an. Im harten Kampf gelang es, eine höhe in Besitz zu nehmen und sie gegen die wuchtig geführten nächtlichen Gegenstöße der Bolschewisten zu verteidigen. Erst als der Feind am nächsten Morgen mit starker Panzerunterstützung erneut angriff, wurde die höhe vorübergehend geräumt. Major Fleischmann gelang es in erneutem Angriff, sowohl die verlorengegangene höhe wie auch die zweite wichtige höhe im Nahkampf in Besitz zu nehmen. Dabei traf ihn der Splitter einer Granate und verwundete ihn so schwer, daß er schon am nächsten Tage seiner Verwundung erlag. — Oberleutnant Spielmann griff mit seinen zwei Sturmgeschützen 20 Feind- Panzer an, die er teils vernichtete, teils zur Flucht zwang. Wenige Tage später schoß er erneut zehn Panzer ab. Ukrainische Städte im Aufbau. R o w n o, 10. April. (DNB.) In den vom Bolschewismus aus schwerste heimgesuchten ukrainischen Städten regt sich nach Ueberwindung des harten Winters überall neues Leben. Trotz der stellenweise ungeheuren bolschewistischen Zerstörungen ging die deutsche Verwaltung in Zusammenarbeit mit der arbeitswilligen Bevölkerung tatkräftig an den Wiederaufbau 'heran. Zn D n j e p r o p e t r o w s k fielen allein 316 Gebäude der bolschewischen Zerstörungswut zum Opfer, davon konnten bis jetzt 23 wieder aufgebaut werden. Zn der Industriestadt K r i w o i Rog, von der die abziehenden Bolschewisten einen großen Teil in Trümmer legten, konnte dle Wasser- und Elektrizitätsversorgung bereits in den ersten Tagen sichergestellt werden. Auch im Zn- dustriereoier von Kriwoi Rog sehen umfangreiche Planungen die Beseitigung der bolschewistischen Zerstörungen und den Neuaufbau aller in Mitleidenschaft gezogenen Gebäude vor. So werden in Kamenez-Podolsk die verbindende Brücke zwischen Altstadt und Dorstadt, zahlreiche Wohnhäuser und die sogenannte türkische Vorstadt nach einem großzügigen Plan wiederhergestellt. Die Kanalisierungsarbeiten werden in Kürze beendet sein. Die Sühne des Blutbades von Abbeville. Paris, 11. April. (DNB.-Funkspruch.) Von einem deutschen Kriegsgericht in Abbeville wurden der 45jährige Leutnant Ren6 C a r o n und der 37jährige Oberfeldwebel Emile M o l l e t, die am 20. Mai 1940 in Abbeville 21 Zivilgefangene umbringen ließen, zum Tode verurteilt. Unter den Ermordeten befanden sich acht belgische, vier deutsche, vier italienische, zwei holländische, ein ungarischer, ein kanadischer Staatsbürger und ein Protektoratsangehöriger. Die Ermordeten gehörten zu den 78 Personen, die zu Beginn des Westfeldzuges als politisch verdächtig von der belgischen Regierung verhaftet und beim Vormarsch der deutschen Truppen den französischen Behörden übergeben worden waren. Ohne Gerichtsurteil oder Befehl ließ Mollet eine Reihe von Zivilgefangenen, darunter eine Frau, vor dem Musikpavillon von Abeville erschießen. Caron, der hinzukam, hat sich an diesem Gefangenenmord persönlich beteiligt. Die Gefangenen, die nicht gleich durch die Gewehrkugeln niedergestreckt wurden, sind mit Kolbenhieben und Bajonettstichen umgebracht worden. Das Urteil wurde bereits vollstreckt. Das Wunderwerk der Wirkstoffe. Von Dr.' L. Kühle. Oie Abwehrkampfe auf der Halbinsel Kertsch. Berlin, 10. April. (DNB.) Nach einer Kampfpause von fast 14 Tagen haben die Bolschewisten ihre Angriffe auf der Halbinsel Kertsch wieder ausgenommen. Im Morgengrauen des Donnerstag trat der Feind mit starken Kräften, unterstützt von über 100 Panzern und zahlreichen Flugzeugen, gegen die deutsche Front an. Im Brennpunkt der Kämpfe lag eine beherrschende Höhe, gegen die der Feind immer wieder neue Angriffswellen ansetzte. Im harten Nahkampf wurde der Gegner geworfen und schließlich durch das Feuer aller Waffen sowie durch Angriffe deutscher Sturzkampfflugzeuge gezwungen, sich unter erheblichen Verlusten in seine Ausgangsstellungen zurückzuziehen. Im Donez-Becken sprengte ein deutscher Spähtrupp mehrere feindliche Kampfstände und vernichtete deren Besatzung. Bei einem weiteren Vorstoß gegen eine vom Feind besetzte Häusergruppe wurde Die etwa 600 Mann starte feindliche Besatzung teils vernichtet, teils über einen kleinen Flußlaus nach Osten zurückgeworfen. Auch' bei diesen Kämpfen wurden mehrere feindliche Panzer vernichtet. Maltas ernste Lage. Rom, 10. April. (Europapreß.) Infolge der Tag -für Tag und Nacht für Nacht sich wiederholenden Angriffe deutscher Bomben- und Nachtflugzeuge auf die militärischen und die Hafenanlagen der befestigten Plätze Maltas, ist die Bevölkerung der Insel gezwungen, innerhalb 24 Stunden oft zwanzig Stunden hindurch in die tief in die Felsen von Malta eindringenden Höhlen und die gepanzerten Schutzräume zu sl>" Auch die Krise in der Lebensmitteloersorg gestaltet das Leben der Zivilbevölkerung auf oer Znsel sehr schwer. Die Hartnäckigkeit, mit der die englische Admiralität versucht, Lebensmittel- und Kriegsmaterialtransporte zur Insel zu schaffen, spricht deutlich vom Ernst der Lage auf Malta. Da Tag für Tag ein Angriff auf den anderen folgt, können auf Malta niemals die Aufräumungsarbeiten beendet, auf den Flugplätzen die verlegten und von Bombenkratern zerwühlten Startbahnen für Flugzeuge freigelegt und benutzbar gemacht werden. Das Eichenlaub zum Ritterkreuz. Berlin, 10.April. (DNB.) Der Führer hat Hauptmann Spieß, Grnppenkommandeur in einem Zerstörergeschwader, in Anerkennung seines heldenhaften Einsatzes im Kampf um die Zukunft unseres Volkes als 85. Soldaten der deutschen Wehrmacht das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Hauptmann Spieß fand, wie bereits gemeldet wurde, an der Spitze seines Verbandes bei einem Tiefangriff im Osten den Heldentod. Mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet. Berlin, 11. April. (DNB.) Der Führer verlieh das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Major Fleischmann, Bataillonskommandeur in einem Gebirgsjägerregiment, und Oberleutnant Spielman n, Zugführer in einer Sturmgeschützabteilung. Major Fleischmann starb in den harten Ab- wehrkämpsen an der Donezfront den Heldentod. Als es den Bolschewisten anfangs März infolge ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit gelungen war, örtlich in die deutsche Abwehrfront einzubrechen und eine weiter westlich eingesetzte Kampfgruppe in eine bedrohliche Lage zu bringen, wurde Major Fleischmann beauftragt, mit seinem Gebirgsjägerbataillon die Lage wieder herzustellen. Er erkannte, daß zwei wichtige Höhenzüge vom Feind besetzt waren. Ohne das Eintreffen der Masse seines Bataillons abzuMcm findet im allgemeinen bei den höheren Tieren und auch beim Menschen drei Hauptgruppen von Hormonen. Solche, die für das Wa ch s - t u m sorgen, andere, die die Lebensvorgänge, also den Energiehaushalt überwachen und schließlich solche für die Fortpflanzung. Beim Menschen hat das S ch i l d d r ü s e n h o r m o n z. B. die Aufgabe, die Verbrennungsvorgänge im Organismus zu regeln, das in der Nahrung zugeführte Fett verarbeiten zu helfen kurzum den Fett- und Eiweißstoffwechsel in Ordnung zu halten. Die Schilddrüse wieder wird von der Hypophyse, der „Hirnanhangdrüse" aefteuert, die mit einer ganzen Reihe von Wirkstoffen das Orchester der inneren Drüsen dirigiert. Nun ist der Fett- und Eiweißumsatz nur eine der Aufgaben, die im komplizierten menschlichen Organismus durch Vermittlung von Wirkstoffen gelöst werden müssen. Da ist weiter der Zuckerstoffwechsel, bei dem es darauf ankommt, den Zucker und die stärkehaltigen Nahrungsmittel so zu verarbeiten, daß ein Teil von ihnen als Traubenzucker in der fieber gespeichert, ein anderer Teil zum sofortigen Verbrauch in den Muskeln, im Blut bereitgestellt und der übrige Teil aus- geschieden wird. Hier wirken zwei Hormone im Gegenspiel. Das Insulin, das von der Bauchspeicheldrüse geliefert wird, sorgt für die Verarbeitung der ankommenden Nährstoffe und hilft den Traubenzucker für die Leberspeicherung bilden. Das Adrenalin aber, das aus der sogenannten Nebenniere stammt, wirft im Bedarfsfall den Zucker aus der fieber ins Blut und sorgt dadurch für Betriebsstoff, wenn solcher gebraucht wird. Wenn ein Mensch zornig ist oder sich zum Kampf gestellt sieht oder plötzlich einer Gefahr begegnen muß, dann geschieht folgendes: Das Hirn meldet die Situation durch einen Nervenreiz an die Hirnanhangdrüse. Diese schickt sofort einen Wirkstoffreiz an die Nebenniere, und zwar an das Nebennierenmark aus. Dort wird mit lebhafter Adrenalinentwicklung geantwortet. Das Adrenalin aber sorgt dafür, daß die Adern, besonders der inneren Organe und der Eingeweide, sich zusammenziehen, wodurch das Blut aus ihnen herausströmt und dahin fließen muß, wo es gebraucht wird, nämlich in ditz Muskeln und in die Hautgefäße. Aus der fieber aber lockt das Adrenalin den Traubenzucker heraus. Dieser Vorgang erklärt zwei ganz bekannte Erscheinungen. Die Z o r n e s r ö t e : die dadurch entsteht, daß eben das aus den Eingeweiden kommende Blut rasch auch in die Hautgefähe hineingepreßt wird, und die Magenstörungen, die meist dann eintreten, wenn man sich beim Essen aufregen muß. Man hatte schon früher die Beobachtung gemacht, daß die kleinen weißen Blutkörperchen, die Lymphozyten, besonders bei jungen Menschen eine auffallende Neigung zum Aufenthalt in der Brustdrüse, der sogenannten Thymusdrüse, haben. Sie werben vom Thymusgewebe irgendwie angesogen und nach einiger Zeit wieder abgegeben. Was das 'bedeutete, wußte man aber nicht. Die Erklärung fand vor einigen Zähren Dr. Bomskow in Freiburg. In den Lymphozyten wird nämlich das Thymushormon, das man auch Wachstumshormon nennen könnte, kunstgerecht konserviert und tritt dann als fertige Hormon konserve den Weitermarsch durch das Blut an. Diese winzigen Konservenbüchsen werden an den Stellen, wo Wachstums- oorgänge im Gange oder in Vorbereitung sind, aufgefangen und geöffnet. Auf diese technisch ungewöhnlich saubere Art und Weise verhindert die Natur, daß das Wachstumshormon im Organismus Unfug treibt und an ganz unerwünschten Stellen das Gewebe vergrößert. Auch das Thymushormon nimmt Einfluß auf den Stoffwechsel. Es macht also der Schilddrüse, der Nebenniere und der Bauchspeicheldrüse Konkurrenz. Während aber jene dafür zu sorgen haben, daß die Nährstoffe aufbereitet, also verdaut und für den sofortigen oder späteren Verbrauch fertigbemacht werden, hat das Thymushormon die Aufgabe, die gleichen Stoffe speichern zu'helfen, damit sie als Baustoffe für neues Gewebe Verwendung finden. Damit wird es seiner Aufgabe als Wachstumshormon gerecht und tritt gleichberechtigt neben Arbeitshormone der anderen Organe und neben die Fortpflanzungshormone. In der Jugend hat es vor diesen den Vortritt, wenn es seine Aufgabe erfüllt hat und der Mensch erwachsen ist, tritt es bescheiden zurück. Wenn wir nun allerdings fragen, wie es denn möglich ist, daß auf einen bestimmten chemischen Reiz ein Gewebe eine ganz bestimmte Antwort erteilt, dann muß die Wissenschaft trotz aller bewundernswerten Einsichten in die Vielfalt dieser Vorgänge vorläufig noch antworten, daß sie zwar die Chromosomen in der Keimzelle gefunden hat, daß sie auch weiß, daß auf diesen sich die Erbträger in bestimmter Weise ordnen, daß sie ferner erkundet hat, wie zu jedem Erbträger eine bestimmte Eigenschaft gehört, aus der später einmal eine wirk- stoff-erzeugende Drüse, ein Ohr und ein Fingernagel wird. Eines aber weiß sie n o ch n i ch t: woher das winzige Ei, die kleine, einfach und übersichtlich gebaute Keimzelle die Fähigkeit nimmt, aus wenigen, einfachen chemischen Umsetzungen immer kompliziertere zu entwickeln. Wir wissen noch nicht, weshalb auf den gleichen auslösenden Stoff die eine Pflanze mit der Bildung einer Löwenmaulblüte, die andere mit einer Tabakblüte antwortet. Weshalb eine Zelle mit den einen Erbanlagen auf einen Wirkstoff „frosch"gemäß antwortet, während eine andere Zelle mit anderen Erbanlagen den gleichen Wirkstoff „molch"artig anspricht. Wir haben einen Berg bestiegen, und indem wir uns der Aussicht erfreuen wollen, sehen wir neue Berge vor uns. Und so heißt es für die Forschung in mühsamer Arbeit auch diese zu erklimmen, um dann vielleicht zu erkennen, was heute unerkennbar erscheint oder aber um neue Berge vor sich zu sehen. Aus aller Welt. Oer Kampf gegen das internationale Verbrechertum. Auf einem Presseempfang im Heim der Internationalen kriminalpolizeilichen Kommission in Wannsee erklärte ^-Standartenführer Ministerialrat Dr. Zindel, das Ziel, das sich die Internationale kriminalpolizeiliche Kommission gesetzt hat, ist einmal die gegenseitige Amtshilfe aller Sicherheitspolizeibehörden, und zum anderen die Sorge für die Einrichtungen, die den Kampf gegen das gemeine Verbrechertum erfolgreich gestalten. So besteht neben einer Kartei internationaler Verbrecher und einer internationalen Straftatenkartei die „Identifizierung internationaler Verbrecher", ferner eine eigene Zeitschrift der Kommission sowie der internationale Polizeifunk. „Wenn die JKPK. einmal unter deutscher Leitung", so schloß der Vortragende, „zu einer wirklichen Weltkriminalpolizei-Zentrale geworden ist, dann wird sie eine machtvolle Organisation darstellen, die dem internationalen Verbrechertum keinerlei Entwicklungsmöglichkeiten mehr gibt." Das Geld gehört auf die Kaffe. Eine Geschäftsfrau aus Aachen wurde vorn Sondergericht zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, während ihr Ehemann vier Monate Gefängnis erhielt. Die Angeklagte führte ein großes Geschäft, dessen Ware zu Beginn des Krieges noch nicht bezugsbeschränkt war. Da die Läger noch stark gefüllt waren, ging die Ware reißend ab. Geld häufte sich in der Kasse und wurde abends in den Geldschrank des Geschäftszimmers gelegt. Eines Tages kam dann die Polizei ins Haus, die Spuren eines anderen Vergehens verfolgte. Da fand sie zunächst im Schlafzimmer einen Bettag von 15 000 RM. Kleine politische Nach. Der Reichsorganisationsleiter der NSD. Ley hat auf der Ordensburg der NSDAP. . fang in der Eifel den neuen Kommandanten der densburg, Montag, in sein neues Amt eingeführt. Zn Vertretung des Reichsernährungsministers Darre ist Ministerialdirektor Walter zum Besuch in Sofia eingetroffen. Er hatte eine Besprechung mit dem bulgarischen Landwirtschaftsminister Kuscheff. In Agram gestaltete sich die Feier des ersten Jahrestages der kroatische Staatsgründung zu einer großen Begebenheit. Nach Festgottesdiensten wurde eine dreistündige Militärparade abgehalten. Der Jubilämnstag wurde mit einer Festsitzung des kroatischen Landtages abgeschlossen, deren Höhepunkt die Rede des Poglavnik bildete. * Nach Mitteilung des Präsidenten Roosevelt bereitet die Regierung der Vereinigten Staaten einen Appell an Frauen im Alter von 18 bis 65 Zähren vor, sich für freiwillige Dienstleistung zur Verfügung zu stellen. Nach dem 27. April wird mit der Erfassung der Männer vom 45. bis 65. Lebensjahr für den Militärdienst begonnen. * Der Kommandant der amerikanischen Streitkräfte in den europäischen Gewässern, Admiral Stark, wird sich in nächster Zeit nach London begeben, um sein neues Amt zu übernehmen. * Der argentinische Ministerrat beschloß eine strenge Preiskontrolle für eine Reihe lebenswichtiger Artikel, in der Hauptsache für Lebensrnittel. Kommissionen sind ins Innere des Landes ab gereift, um energische Maßnahmen zur Bekämpfung von Preis- treibereien einzuleiten. Die Ehefrau, die allein die Gelder verwaltete, mußte nun den Geldschrankschlüssel herausrücken. Und nun fand man einen weiteren Betrag von 60 000 RM. in bar. — Vor dem Sondergericht sagte die Angeklagte, sie habe viel Geld zu Barzahlungen da haben müssen und auch die Absicht gehabt, ein Geschäft im Innern Deutschlands anzukaufen und dann dorthin überzusiedeln. Das Gericht erklärte jedoch, es liege hier ein Fall verbotener Geldhortung vor und damit ein Kriegswirtschaftsvergehen. Trotz der Höhe der aufgeftanelten Summe nahm das Sondergericht aber nichr an, daß hier ein schwerer Fall vorliege, so daß die Angeklagte vor dem Zuchthaus bewahrt blieb. Kunst und Wissenschast. Braunschweigs HI. singt Händels „Herakles*. Zm Staatsdom zu Braunschweig wurde zu Ostern Händels „Herakles" von einem großen Chor der Braunschweiger HI. wirkungsvoll aufgeführt. Damit folgte man dem Beispiel der Stuttgarter HI., die sich mit weithin beachtetem Erfolg unter Gerhard Maaß an Beethovens Neunte gewagt hatte. Der frische, stets saubere Klang von 200 Mädchen- und Knabenstimmen und die lebendige Wiedergabe der Volksszenen entsprachen durchaus dem dramatischen Charakter des Werkes. Unter der umsichtigen Stabführung von Dr. Gerhard Bittrich, dem Direktor der Braunschweigischen Staatsmusikschule, packte als Höhepunkt des Konzertes der Chor „Eifersucht, o Höllenfluch" durch monumentale Größe. Albert Trapp. Zeitgenössische Vühnenknnst in Essen. Zn der Kulturwoche „Stadt der Arbeit — Kunst unserer Zeit", die die Stadt Essen vom 12. bis 19. April veranstaltet, wird das zeitgenössische Schaffen besonders berücksichtigt werden. Neben Wolf- Ferraris „La dama boba" und Ottmar (3 er- ft er s „Die Hexe von Paffau" kommt zur Aufführung „Peer Gynt" von Werner E g k, ,Der Narr von Flandern", Ballett von Helmut Degen und „Fulvia-Ballett" von Casella. — Zm Schauspielhaus wird die Kulturwoche mit der Erstaufführung des Schauspiels „Die Prüfung des Meisters Tilman" von Siegmund Graff eröffnet. Hermme Körner gastiert als Iphigenie in Gerhart Hauptmann s Tragödie „Iphigenie in Delphi". ,^Wol- demar. Kreuzträger", das Schauspiel von Gillis v. Rappard, kommt zur Uraufführung. Sücberfifdb — Fritz 11 fing er: Geist und Gestalt. Aufsätze. 213 Seiten. Geb. 6,80 RM. Karl Rauch Verlag, Dessau. — (18) — Ufinger, durch mehrere ausgezeichnete, wohl noch immer nicht nach Gebühr gewürdigte Gedichtbände zuerst bekannt geworden, vereinigt in diesem Buche eine Reihe von Aufsätzen, die sich, nur durch Stil und geistige Gesamthaltung untereinander verbunden, mit verschiedenen, teils allgemeinen, teils speziellen Fragen und Erscheinungen unserer Kultur auseinandersetzen: der geistige Bereich, dem diese vielfältig anregenden Abhandlungen entstammen, spannt sich von Hölderlin bis zu George und Rilke, von Goethes Italien-Erlebnis bis zu Rudolf Kaßner, Eugen Gottlob Winkler und Ernst Jünger. Man findet daneben Betrachtungen über das Wesen der Form, über die Magie der kleinen Stadt oder über das Schicksal der Donau: es würde zu weit führen, wollte man die Fülle der hier angeschlagenen Motive und Probleme ins einzelne verfolgen: es findet sich auch, gegen Ende hin, eine Arbeit „Rilkes Grabinschrift", und die ebenso klare und knappe wie tiefgreifende und faßbare Deutung jener oft berufenen, rätselhaft klingenden, wenigen Verszeilen scheint uns kennzeichnend für Form und Haltung des ganzen Buches, dem man viele aufgeschlossene Leser wünscht. Hans Thyriot. HouptschrifUeiter: Tr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter de« Hanptschristleilers: Ernst Blumfchcin Verantwortlich für Politik und Bildern Dr. Fr. W. Lange: für das Feuilleton: Dr. Hans Ibijnot; für Stadl Gieken, Ptovin,. Wirtichast unv Svvrt: Ernst Blumfchein. Druck unv Verlag: Brühhche Un:ver>ilaksvruckcrei ltt. Lange K. G. Verlagsleiter. Tr.-Jng. Erich Hamann Anzeigenleiter: Hans Beck. Anzeigenpreisliste Nr. 6 titVi cu< xwl j-€44--,cwl - "U/tut 'rrteJu/fri/t/ -- ieiUiugen isi-. Bei d&ige»4eigc^le4t narft detn ide/t/uditÄd-ew iridte leit niVtlivim. aiia&'itdideiichMt- BedaJifr- 10.30 Uhr Aktive Heuchelheim, 10. April 1942. 01645 1219 D Gießen, im April 1942. Arbeitsamt. 01646 01637 Fr. Levermann, Seltersweg 71 In Apotheken, Drogerien u. Fachgeschäften erhält!. Leihgestern, den 2. April 1942. 01613 01649 Suche | Keine Ursprungs- 2 Zimmer I mit Küche in MÖNCHEN TOGALWERK /Gießen unM Ecke Frankfurter- u. Klinikstrahe. 1209 D kauft [01634 Fernsprecher 3731. 01666 Fernruf 3247. 01603 sucht. [01639 | Verschiedenes, Rl)cumapla[t Angeb. mit Gehaltsansprüchen, Zeugnisabschrift, u. Lichtbild an Parfümerie Doll Gießen, Marktstr. 28 Xeürmädfften u.Jfushilfe gesucht ttWWMW 3ii üBlülgtm Gintritt gefutöt. Zur Ausbildung als Verkäuferin im Fachhandel mit Damen- und Mädchenoberbekleidung suchen wir zum baldig. 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In tiefem Schmerz: Rektor Knab und Frau (Stellenangebote, kklMwilnre die sich i. Haushalt betätig, will, findet angene.me, leie in klein. Landhaushalt, Nähe Frankfurt a. M. Zuschriften erb. unt. 1194D a. d. Gieh. Anzeiger. Mädchen oder junge Frau für leichte Gartenarbeiten f. ganze oderauch halbe Tagesofort gesucht, evtl, auch älterer Mann. Karl Gerhard, Gartenbaubetrieb Gießen, Am Alten Friedhof 4 Mett. tzMMWW für sofort oder später gesucht. Maternus Lebensmittel- und Feinkostgeschäft N.S.R.L. Sportkreis Wetterau-Nord Sonntag, den 12. April 1942 Waldlauf- Kreismeisterschaften Start: H.J.-Klassen 8.00 Uhr tarlenerde 2-3 Wagen WMNn-Mle.MWr. 1176 D Jugendliche Hilfskräfte zum Umschulen gesucht Vorzustellen zwischen 8 —12 und 3—5 Uhr Samstags nur von 8 —12 Uhr Sandkauterweg 15 Franz Vogt & Co. Einstellung erfolgt über das Arbeitsamt Gießen. 1220 D Danksagung. Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme bei dem Tode unseres lieben Entschlafenen Jobs. Langsdorf VI. sowie für die zahlreichen Kranzspenden, dem Gesangverein „Liederkranz“ für die letzte Ehre und Herrn Pfarrer Reusch für die trostreichen Worte sagen wir auf diesem Wege innigsten Dank. Im Namcn der trauernden Hinterbliebenen: Wilhelm Jung V. und Familie. Samstag, den 11. April 19 bis 22 Uhr: 1199d Wochenend im Theater Aufruhr im Damenstift Komödie von Axel Breidahl. Preise von 0.60 bis 3.10 RM. Bemnagendbewähilba' RheumaGicht Neuralgien, Erkältungs? Krankheiten Rheumakranke! Besorgen Sie aus der Apotheke ein Rheumaplast und kleben es auf die schmerzhafte Stelle (Hüfte, Knie, Schulter, Ellenbogen usw.). Sogleich dringt frisches Blut dort hin und spült die Krankheilsstoffe fort. Sie verspüren wohlige Wärme und Ihre Schmerzen lassen nach. MkS.sMMUWlkeli zur Erlernung der Blumenbinderei kann sofort eingestellt werden. Meldungen über das Arbeitsamt. Blumenhaus Schneider Earl Diel? Nachf. loieoz Giehen, Seltersweg 38, Ruf 3247. 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Angabe der Wehrnummer und des zuständigenWehr- bezirkskomm.), kurzer Lebenslauf unter Angabe der Ausbildung und der derzeitigen Tätigkeit sowie Bezahlung mit Angabe des Arbeit gebers und des zuständigen Arbeitsamts. Anzugeben ist auch, ob Bewerber vom seitherigen Arbeitgeber freigegeben wird. Bezahlung zunächst nachTarif undTagegeldsr. Abgetehnte Bewerber erhalten keine besondere Nachricht. Bewerbungen sind zu richten an: Regierungsrat Münch, Gebietskommissar 1224d Heppenheim/Bergstrahe Nach Gottes unerforschlichem Rat fiel am 14.3.42 in den schweren Kämpfen an der Ostfront, wenige Tage nach dem Tode seiner lieben FYau, unser lieber guter Sohn, der treusorgende Vater seines Kindes, mein einziger lieber Bruder, Schwiegersohn, Schwager, Onkel, Neffe und Pate Ludwig Müller Gefreiter in einem Pionierbataillon Inh. des E.K.II und Pioniersturmabzeichens SA.-Rottenführer im Sturm 15 J. 11 im Alter von 30 Jahren. In tiefer Trauer: Gottfr. Müller u. Frau, geb. Henkel Erich Müller Wilh. Müller, z.Z.Wehrm., u. Fam. Familie Gottfr. Röhrsheim Richard Klein, z.Z.Wehrm., u.Fam. nebst allen Verwandten. Salzböden, am 10. April 1942. Hart und schwer traf uns die unfaßbare Nachricht, daß am 8. März bei den schweren Kämpfen im Osten mein lieber herzensguter Mann, unser unvergeßlicher Sohn und Bruder, der Postinspektor Heinz Schmidt Obergefreiter in einer Panzerjäger-Abteilung den Heldentod für Führer, Volk und Vaterland fand. Im Namen der Verwandten: Hedy Schmidt, geb. Wrobel Gießen, den 11. April 1942. (Großer Stein weg 18) Damenrad z. kaufen gesucht. Schrift!. Angeb. unter 01540 a. d. Gieh. Anzeiger. Kleiderschrank z. kaufen gesucht. Schrift!. Angeb. unt. 12170 a. d. Gieh. Anzeiger. Gut erhaltener Kinderwagen zu kaufen ge- Gebrauchter Kindersportwagen und Chaiselongue z. kaufen gesucht. Sehr. Ang. unt. 01608 a.d.G.A. Sommer-Mantel Gr. 42 bis 44, z. kaufen gesucht. Schrift!. Angeb. unter 01661 an den Gieh. Anz. 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Gewiß standen der Lok-Führer und sein Heizer vor dem Feuer, aber drei Schritte zurück war schon blankes Eis, und es ist eine Anstrengung ungeheurer Art, zwischen dem offenen Feuerloch und der bitteren Kälte den Dienst zu versehen, von dem für die Front so unendlich viel abhängt. War eine Möglichkeit zum Kohlennehmen und zum Wasserfüllen gegeben, dann bedeutete das keine Ruhepause, sondern vermehrte Arbeit. Die Lokomotive sieht aus wie ein Eisungeheuer aus grauer Vorzeit und muß zum Teil erst aufgetaut werden. Geht es bann wieder Stunden um Stunden in endlosen Wintertagen und Winternächten der Front entgegen, so fordert jede Minute die letzte Aufmerksamkeit, denn es muß immerhin damit gerechnet werden, daß Bolschewisten in verbrecherischer Absicht die Geleise gesprengt ober gelockert haben, ja, es muß mit Partisanenangriffen selbst gerechnet werben, denen es rechtzeitig mit der Waffe zu begegnen gilt. Und wenn es hart auf hart kommt, dann kann der Lokomotivführer auch damit rechnen, daß die So w j e t f l i e g e r einen Angriff auf seinen Zug versuchen. Dieser Zug aber birgt das Wichtigste für die Front: Munition, Waffen, Lebensmittel, Kleidung und alles, was es überhaupt ermöglichte, diesen Winter im Osten zu bestehen. Das deutsche Volk hat durch die Kriegsberichter ein Bild vom Heldentum deutscher Soldaten erhalten. Es ist aber auch nötig, einmal vom stillen Heldentum der Reichsbahner zu sprechen, die hier im Osten unter den allerschwierigsten Umständen ihre Pflicht tun. Sie haben mit verhindert, daß unseren Truppen das napoleonische Schicksal zuteil wurde, das die Sowjets ihnen zuaedacht hatten, denn die Reichsbahn hat dafür gesorgt, daß die Front auch bei den höchsten Kältegraden kampffähig blieb. Erst nach dem Kriege wird sich in vollem Umfange Herausstellen, was die Eisenbahner im Osten geleistet haben, ganz gleich, ob es sich um feldgraue ober um blaue Eisenbahner gehandelt hat. Nachdem unsere Soldaten die Angriffsabsichten des Gegners zunichte gemacht hatten und dieser zu- rückgeworfen rpar, folgten sofort endlose Reihen von Lastkraftwagen mit Munition und Nachschub aller Art. Je weiter aber der deutsche Vormarsch nach Osten ging, desto notwendiger wurde es, so schnell als möglich einen leistungsfähigen Bahnverkehr einzurichten, denn bei den schlechten Wegen waren die Lastkraftwagen überhaupt nicht in Der Loge, den ganzen notwendigen Nachschub allein an die Front zu schaffen. Es wurde deshalb ein kombiniertes System eingerichtet, das den Bahnverkehr und die Lastwagen zu einer Art Arbeitsgemeinschaft vereinigte. Soweit es möglich war, brachten die Eisenbahnen den Nachschub nach vorn, und ebenso wurden Verwundete und erbeutete Vorräte auch vom Lastkraftwagen auf die Bahn verladen und zu- rückgebracht. Ehe das aber möglich war, mußten die technischen Eisenbahntruppen die wichtigsten Strecken wiederherstellen, und das geschah dadurch, daß in erster Linie umgeregelt wurde, d. h. daß die deutsche Regelspur bis zu den Auslabepunkten eingerichtet würbe. In vielen Fällen mußten die Eisenbahnpioniere zerstörte Brücken wieder Herstellen. Aber auch damit allein war es nicht getan, ebenso wenig wie mit der Umregelung, sondern um einen ordnungsgemäßen Betrieb aufnehmen zu können, brauchten die Eisenbahner Kohlenlager und Wasserstellen, brauchten sie weiter Ausbesserungsstätten, um kleine notwendige Reparaturen vornehmen zu können. Cs mußten Umspanngeleise geschaffen werden, und schließlich mußte das Fernmeldenetz neu in Ordnung gebracht werden, weil sonst eine Verständigung über die Zugfolge überhaupt nicht möglich gewesen wäre. Die Sowjets haben zerstört, was sie nur zerstören konnten, aber in denkbar kürzester Zeit haben die deutschen Eisenbahner im Osten ein Verkehrsnetz wieder geschaffen, das schließlich leistungsfähiger geworben ist, als es vorbern das sowjetische Eisenbahnnetz gewesen war. Bei dieser Arbeit gab es keine Pause, denn es kam darauf an, so schnell wie möglich das Verkehrswesen wieder in Ordnung zu bringen. Es mußten Unterkünfte für die Eisenbahner geschaffen werden, es muhten Proviantämter eingerichtet werden, und es mußte eine Organisation auf die Beine gestellt werben, die die größten Leistungen herausholen konnte. Heute liegen die Dinge so, daß in den Gebieten unmittelbar hinter der Front die feldgrauen Eisenbahner der Frontbetriebsdirektionen dem Feldtransportchef unterstehen, während die blauen Reichsbahner der Hauptbetriebsdirektion wie bisher dem Reichsverkehrsminister verantwortlich sind. Das Reichsverkehrsministerium hat in Warschau für den Betrieb in den neubesetzten Ostgebieten eine besondere Zweigstelle geschaffen. Bis zum frühen Einbruch des Winters wurde für die Wiederaufnahme des Betriebs geleistet, was nur geleistet werden konnte. Mit dem Einsatz des Frostwetters machten sich bann aber Schwierigkeiten verschiedenster Art bemerkbar, und zwar nicht zuletzt deshalb, weil der Betrieb ja weitaus größer wurde, als er jemals zu sowjetischen Zeiten gewesen war. Die Kältegrade von 45 und mehr Grad Celsius bewirkten die stärkste Beanspruchung des Materials und der Maschinen, Betriebsstoffe wie Kohle mußten zum größten Teil aus der Heimat selbst herange- schafft werden, Ueberlaftungen und Reibungen konnten nicht ausblekben. Nichtsdestoweniger wurden auch die schwierigsten Frostschäden überwunden, bis ein einigermaßen glatter Betrieb erreicht wurde. Ohne die deutschen Eisenbahner wäre das Problem der Nachschubversorgung der Front nicht zu lösen gewesen, denn die der Vereisung besonders ausgesetzten Slraftmagen hätten den Verkehr auf den schneeverwehten Straßen nicht immer aufrecht erhalten können. Wenn Betriebsleistungen erreicht wurden, die man vordem nicht für möglich hielt, so ist das in erster Linie der Pflichttreue des deutschen Eisenbahners zu banken, bann aber auch ber Güte bes Materials, bas in beutschen Werkstätten hergestellt worben ist. Es ist oft vorgekommen, baß Lokomotivführer und Heizer mit leeren Mägen auf ihrer Maschine stauben, benn bie Ausbleibezeiten können nicht immer richtig berechnet werben; da es im Anfang keine festen Fahrpläne gab. Die Verpflegungsstützpunkte lagen manchmal weit auseinander, und es hat Ausbleibezeiten von 80 bis 200 Stunden gegeben. Die Uebernachtungsmöglichkeiten waren im Anfang keineswegs besser als an der Front, und mancher Reichsbahner hat manche Nacht in einem Erbloch zubringen müssen. Am Anfang waren die Fahrgeschwinbigkeiten naturgemäß gering, sie finb aber nach und nach soweit es nur möglich war, gesteigert worben. Im ganzen jedoch haben aber auch die Reichsbahner dank ihrer Gesundheit und ihrer guten Ausbildung den Winter glücklich überstanden. Freilich Opfer haben auch die Männer ber Deutschen Reichsbahn bringen müssen. Mit Stolz blicken bie Kameraden unb bas deutsche Volk auf die deutschen Reichsbahner, die ihr Leben infolge von' Partisanenangriffen verloren haben, ober die ein Opfer sowjetischer Fliegerangriffe würben. In ber Heimat selbst hat man den Reichsbahnern geholfen, soweit bas möglich war. Schneeschleudern unb Schneeräumer würben in bie Ostgebiete entsandt, um hier bie verwehten Schienenstränge vom Schnee zu befreien. Oft mußten neben ben Solbaten, ben Eisenbahnern auch ganze Scharen von Landeseinwohnern die Schneeschaufel in die Hand nehmen, um die riesigen Schneeverwehungen zu beseitigen. Wo es möglich war, wurde l a n d e s -- eigenes Betriebspersonal mit herangezogen, aber die tägliche Arbeit und die Verantwortung ruhte immer auf ber Reichsbahn selbst. Es würbe schon barauf hingewiesen, daß bei diesem Ostwinter ohnegleichen ber Verschleiß ber Fahrzeuge sehr groß war. Man muß zubem ja bebenfen, daß die Reichsbahn ein Gebiet dem Verkehr wieder erschlossen hat, das größer ist als das Deutsche Reich. Daneben dürfen aber auch die Arbeiten nicht vergessen werden, die die Deutsche Reichsbahn in der Heimat zu erledigen hatte, um die Kriegsindustrie mit Kohlen, die Bevölkerung mit Hausbrand zu versorgen unb um bie Lebensmittelversorgung sicherzustellen. Jetzt, nachbem ber Winter sich nun bem Enbe zuneigt, gibt es auch für bie Deutsche Reichsbahn keine Pause, fonbern jetzt gilt es in verstärktem Maße bie Arbeit für bie Ereignisse des kommenden Sommers in Angriff zu nehmen. Die Anforderungen in dieser Zeit an bie Deutsche Reichsbahn werben nicht geringer, fonbern größer sein. Die Erkenntnis, baß bie Reichsbahn heute zu ben wichtigsten Mitteln der Kriegführung gehört, wirb bie Volksgenossen ohne weiteres zu ber Ueberlegung führen, baß überflüssige Reisen zu unterbleiben haben. Es kommt nicht nur barauf an, Betriebsstoffe unb Betriebsmittel zu sparen, fonbern vor allem sollen bie Männer ber Deutschen Reichsbahn, ob sie nun die feldgraue ober bie blaue Uniform tragen, auch in ber Lage sein, mit allen ihren Kräften am Werk bes Sieges zu schaffen. Aus der Giadi Gießen. Liebe Zimmergäste. Seit die Nachmittagssonne die Fensterscheiben bestrahlt, sind die kleinen Winterschläfer in ben Fugen unb Ecken des Gebälks, von deren Anwesenheit niemand etwas ahnte, aus ihrer Erstarrung erwacht unb tummeln sich mit behenden Beinen in dem warmen Glanz. Voll sichtlichem Behagen lassen sie sich übersprühen, um die Lebenskräfte ihrer verkühlten Körper wieder zu rascherem Kreislauf anzufeuern. Es ist eine Lust für sie, mit allen Gliedmaßen sich wieder des Daseins zu freuen, und es bereitet ein wahres Vergnügen, ihrem liebermut zuzuschauen. Die kleinen Marienkäfer sind erstaunliche Schnell- und Dauerläufer. Welche Strecken legen sie in unermüdlichem Hin und Her, in steilen Auf- und Abstiegen auf dem glatten Glas zurück. Auch ein gelegentlicher Sturz in die Tiefe kann ihren Eifer nicht abschwächen. Zuweilen öffnen sie die Flügel, um einen Gegenstand in der Nähe kennenzulernen. Kaum gelandet, beginnen sie in rasenden Eilmärschen seine Kanten unb Linien abzumessen. Das weiße Feld eines Papierbogens haben sie in wenigen Sekunden überquert. Verglichen mit ihnen benehmen sich die zierlichen Florfliegen trage unb langweilig. Als ob sie zu früh geweckt worben seien unb noch nicht ausge- schlafen hätten. Der zarte wurmähnliche Körper wird fast ganz von ben großen Florslügeln überberft, unb nur die langen bünnen Fühler, die spielerisch umhertasten, verraten das erwachte Leben. Wie winzige Segelboote ruhen bie Tierchen auf ber schim- mernben Flut ber einstrahleNben Sonne. Erst wenn sie bie Berührung meiner Finger.aufstört, entfalten sie die Flügel zu einem kleinen Luftsprung aus der vermeintlichen Gefahrzone. Aber beim Lampenlicht unb nach Verbunkelung ber Fenster beginnen sie ihre anmutigen Flüge um bie lockende Helle. Dichter unb bichter zirken sie ihre Kreise um bie gläsernen Birnen, bie leise aufklingen, wenn bie raschen Flügelschläge wie furrenbe Propeller sie treffen. Bewunbernvert ist ihre Ausbauer und die motorische Kraft, die in ihren Bewegungen schwingt. Aber schließlich tritt boch ein Erschöpfungszustanb ein. Mit leisem Aufprall lanben sie auf bem Tisch ober einer Wanbfläche, reglos verharrenb, bis sie sich wieder erholt haben unb zu neuen Flugtänzen emvorflattern. Zu ihnen gesellen sich bie ausgelasseneren Marien« käfer, bie wie kleine Tollpatsche ständig anstoßen unb nicht hastig genug ihre Erkunbungen durchführen können. Aber lichtsüchtig finb beibe, denn beiden blüht ber Frühling im Blute. Unb beide sind die treuesten Freunbe aller Blumenliebhaber, benn ihre Larven räumen als berüchtigte Blattlauslöwen verheerend unter bem lästigen Ungeziefer auf, unter bem besonders unsere Rosenlieblinge so viel zu leiben haben. Darum verdienen bie kleinen Zimmergäste unsere zärtliche Schonung. P. B. GieSen-Klein-Linden. Der Maurer Anton Wagner, wohnhaft in Klein-Linden, Frankfurter Straße 119, begeht am heutigen Samstag sein 50jähriges Arbeitsjubiläum bei ber Baufirma Georg Becker, Inhaber August Niebling, Gießen, Goethestraße 19. Vor 50 Jahren trat der Arbeitsjubilar bei ber Firma, bie damals ihren Wohnsitz in Wetzlar hatte, in den Dienst; später verlegte die Firma ihren Sitz nach Gießen. Täglich legte ber Jubilar, ber von Groß-Rechtenbach gebürtig ist, fast zwei Stunben Fußweg zurück, um zu seiner Arbeitsstelle Wetzlar, bzw. Gießen zu gelangen. Nach seiner Verheiratung verzog er nach Klein-Linden. Wir wünschen dem rüstigen Arbeitsjubilar, der heute noch täglich seinem Beruf nachgeht, alles Gute für seinen Lebensabend. 6in schöner Zufall. In Grüningen war in diesen Tagen bie Freude groß. Soldaten der Ostftont bedankten sich für die schönen warmen Sachen aus der Nähstube bei der Wollsammlung, unb ausgerechnet Grüninger haben als Soldaten einen Teil ber Sachen bekommen. Gerade in diesem Frontabschnitt stand ber Mann einer Amtswalterin der NS.-Frauenschaft, die besonders eifrig mitgenäht hatte, mit mehreren Kameraden des Ortes. Wie freudig haben die Soldaten bie Sachen in Empfang genommen und sich über diesen Gruß aus der Heimat gefreut. Gewiß haben die Männer die liebenbe Fürsorge ber Frauen zu Hause gespürt unb so recht empfunden, wie wohl solche Liebe tut. Unb die Frauen zu Hause? Sind sie nun nicht doppelt und dreifach belohnt für ihre Mühe? Immer wieder sagte die eine Amtswalterin, wenn sie bis tief in die Nacht hinein genäht hatte: „Ich tue es ja gern für alle Soldaten, aber wenn doch nur mein Mann und unsere Soldaten von hier etwas von den schönen Dingen bekommen würden, bie wir jetzt nähen." Nun gehen frohe Grüße von draußen nach Hause und ebenso von zu Hause nach draußen, und ber ganze Ort freut sich mit. -r- ** Gießener Vortragsring. Der bekannte Dichter Siegsrieb von Vegesack wirb im Rahmen bes Gießener Vortragsringes (Goethe-Bund, Kulturelle Vereinigung unb Volksbilbungsstätte Gießen ber NS.-Gemeinschaft „Kraft burch Freube") am morgigen Sonntag, 12. April, in ber Aula ber Universität einen Lichtbildervortrag über bas Thema „Bei ben deutschen Kolonisten in SüdUnerika" halten. *♦ Neuinszenierung „Wo die Lerche singt" i m T h e a t e r. In ber morgen stattfinden- ben Neuinszenierung der Lehär-Operette „Wo bie Lerche singt" wirken folgende Mitglieder bes Theaters der Universitätsstadt Gießen mit: Aenne Elys, Gabriele Possinke, Lisel Schröter-Beckers; Heinrich Appel, Ludwig Druschel, Hugo Hellmers-- Hallwegh, Gerd Fritz Ludwig und Ottmar Mayr. Die musikalische Leitung hat Gerhard Hergert, die Inszenierung Franz Payer, Tanzleitung Andreas Volpert, Bühnenbilder Karl Löffler. — In der Neuinszenierung übernimmt Intendant Hans Walter Klein nach der Einberufung von Eberhard Kratz zur Wehrmacht bie Partie bes Török Pal. Vermeide Doppelbelichfung.eP zwei Aufnahmen übereinander sind auch auf einem ADOX Film nicht schön. Das rote Halstuch. Erzählung von Werner Schumann. Als die Männer, die den Deutschen das Feuer gebracht hatten und das Schwert, noch leibhaftig, über das holprige Pflaster Weimars wandelten, brachte die tägliche Postkutsche manche Berühmtheit in die bescheidene Residenz. Für die Weimarer Hausfrauen unb Köchinnen gab es immer etwas zu sehen und zu beklatschen. Die Jungfer aber, die an einem warmen Septemberabenb am Markte etwas unsicher aus der Kutsche kletterte unb mit ihrer altertümlichen Reisetasche unb allerlei Schachteln sich zu dem Herrn Hofprediger Herder durchzu- fragen begann, zog nur spöttische Blicke auf sich wegen ihres ländlichen Aufzugs. Grell geblümte Kleider waren doch längst unmodern; und wer trug hier einen so komisch wippenden Hut? Das Dirn- chen hatte indessen bald hingesunden zu dem stattlichen Hause des allbekannten Präsidenten und zog klopfenden Herzens an der großen Glocke. Wild wirbelten ihr bie Gebauten durch den Kopf, wenn sie des Auftrags der Mutter gedachte unb bes hochgelehrten Herrn Hofprebigers, auf ben bie Leute in Mohrungen so stolz waren. Wie sie in der Diele schnell noch bie Frisur ein wenig orbnen wollte, war ber Hausherr, ber durch einen Brief vorbereitet war, auch schon heraus- getreten im langen Schlafrock unb mit einer Tonpfeife im Munde, hatte bie ängstliche Besucherin herzlich an den Händen gefaßt und mit „Ei, ei, Jüngferchen, das ist aber eine rechte Freude!" in fein Studierzimmer gezogen. Hier pflegte sonst der Generalsuperintendent zwischen hohen Bücherbrettern, schwereichenen Schränken unb Geräten auf unb nieber zu penbeln, wenn er seine Predigt an ber Stabtkirche überbuchte. Die Dinge hier waren vollgesogen von Tabaksqualm, und die einst weißen Gardinen längst. gelb geworben. Doch Anna, die nichts von „Cib" wußte unb nichts von den „Aeltesten Urkunden des Menschengeschlechts", nichts von den bahnbrechenden Ideen, die von dieser stillen Gelehrtenklause aus ihren Weg durch die deutschsprechende Welt genommen und die große Bewegung- des deutschen Geistes vorwärtsgetragen hatten, Anna aus dem ostpreußischen Städtchen Mohrungen hatte jetzt nur Augen für bas großflächige, ablernafige Altersgesicht bes berühmten „Onkel Herber", für dessen seidig-graues, über, den Ohren sorgfältig aufgerolltes Haar und die schönen. tiefdunklen Brauen, unter denen bie immer ent- zünbeten Augen sie liebevoll anblinzten. „Erzähle mir nun, Anna", drängte er mit mil- ber, tiefer Stimme, als sie zusammen ben Kaffee nahmen, „erzähl mir von ber alten Heimat unb von deinen lieben Eltern." Sie berichtete ohne Zagen, wie ihr ber Mund gewachsen, zunächst von ben Grüßen ber Mutter, von ber üblen Trunksucht bes gewalttätigen Vaters unb wie ber einmal in einem bösen Anfall bie Medaille bes kleinen Johann Gottfrieb, bie bie Mutter über bem Bette wie ein Heiligtum gehütet hatte, unter lästerlichen Reben zertrümmerte. Jnbem bas Mäbchen so aufgeräumt brauflosplauberte, gewahrte Herder mit wachsendem Erstaunen, daß ja bie Tochter ganz bas Ebenbilb ber einst geliebten Mutter sei. Röschen, bie treue Freunbin seiner Mohrunger Jugendjahre, lebte in ihrem Kinde weiter, unb bies zarte unb mwerborbene Geschöpf saß ba wie hingezaubert vor ihm, um seine ach so mißmutige unb zerrissene Seele zurückzurufen auf bie holden Wiesen ber Kinbheit, aerobe jetzt, ba er sich mit ber ganzen Weimarer Gesellschaft, Goethe nicht ausgenommen, so grünblid) überworfen. Plötzlich nestelte Anna an ihrer Reisetasche, um ein großes, rotes Tuch verschämt lächelnb herauszuziehen unb vor bem verwunberten Alten auszubreiten. „Dieses Halstuch", erklärte Anna, „schickt Ihnen bie Mutter. Sie möchten es bewahren, solange Mohrungen noch in Ihrem Herzen lebt. Viele Jghre lag es neben Mutters Brautschleier in ber Truhe. Nur an ihrem Geburtstag zeigte sie es stolz ben Gästen unb banb es sich wohl auch um. Dann hieß es immer: „Deutschlanb hätte keinen Herber, wenn es uns einst nicht bas Leben gerettet!" So sprach stockenb unb errötend das Mädchen, und bas Oval seines frischen Gesichtchens wendete sich mit anmutiger Neugier zu bem ergriffenen Manne empor, in besten kranke Augen unversehens Tränen ber Beschämung getreten waren. Sinnenb hielt er bas rote Tuch in ber Hanb. Ein Jugend- erlebnis, unter einem halben Jahrhundert olympischen Daseins begraben, gewann langsam Leben und Macht in ihm, beschwor wieder Röschens liebliches Bild. Unb als wäre Anna nicht bie Tochter, fonbern Röschen selbst unb ihm sinnlich nah, führte er sie mit bebachtsam-schwärmerischen Worten zurück in bie eigene Kinbheit unb mitten hinein in ein benfwürbiges Geschehen. Die Schrecken bes Siebenjährigen Krieges ließ er wieber lebenbig werden und den Einbruch der Russen in das friedliche Ostpreußen, wo bie Barbaren Stäbte unb Dörfer branbschatzten. Es war unweit des Mohrunger Walbes — er selbst las in einem Buche, unb das Mädchen flocht Kränze für ihren Lockenkopf — als ein Kosak wie aus dem Boden gestampft mit gefällter Lanze geradewegs auf bie ahnungslosen Kinder zusprengte. Da sie nun in blinber Angst davonstürzten, geschah es, daß Röschens rotes Halstuch sich im Winde löste unb vor ben Augen bes Kosakenpferbes flatternb in die Luft flieg. Das Tier scheute, machte einen jähen Seitensprung, warf seinen Reiter in eine Ackerfurche unb jagte bann in langen Sätzen über bie abgemähten Felder. So erreichten bie flüchtenden, zu Tobe erschrockenen Kinber endlich ben bergenben Walb. Röschen will ihre Mäbchenangst weinenb erlösen, aber ber kleine Gottfrieb tröstete sie, so gut es ging. „Still, Röschen, still! Sonst härt dich ber Kosak. Siehst du, wie er unseren Spuren folgt? Er wütet, weil ihm sein Pferd burchgegangen ist." Unb ber Knabe, ber Beschützer, nahm seine kleine Freunbin entschlossen an bie Hand und eilte mit ihr zu einer hohlen Linde, bie beibe bem Verfolger verbarg. Sie hörten ben Kosaken noch aus bem Dickicht hervorbrechen unb an ber ßinbe vorüberpoltern — bann war ber Spuk vorbei, unb als bie Dämmerung sich senkte, führte Gottfrieb Herber, bes Mohrunger Kantors Sohn, Röschen in bie Stabt zurück, wo eine Kofaken-Dorhut bie Bürger schon völlig durch- einanbergebracht hatte. „Liebe Mutter", sagte Anna leise, benn nie zuvor hatte man ihr bie Schicksale jenes roten Wundertuches so anschaulich geschildert. Unwillkürlich faltete sie die Hände. „Gott selbst hatte den Knoten gelöst — sonst wären wir verloren gewesen", sann der ergraute Hofprediger, indem er Annas hübschen Kopf milde in seine Hände nahm, dem erregenden Vorfall nach. In diesem Augenblick fühlte ber ergriffene Mann, ben bie wahrhaft schöpferischen Stunben immer mehr mehr mieben, bie Aeolsharse wieder in sich tönen unb sich langsam zum Gebichte runben, was aus Erinnerung und neu erwachter Liebe fein stockenbes Blut bewegte. Anfangs gedachte Anna nur einen Tag unb allenfalls noch eine Nacht zu bleiben unb bann weiterzureisen nach Apolba, wo sie Verwandte besuchen wollte. Aber es würbe auf Herbers Bitten unb Drängen boch eine runbe Woche daraus: ein schmerzlich-seliger Zuftanb für den Alternben, in dessen verbitterte Zurückgezogenheit ein Strahl lange entbehrten Lichts fiel. Herder wünschte dem Ebenbild zu schenken, was er an dem Urbild so unendlich lange Jahre versäumt glaubte. Soviel Herrlichkeiten er auch in den Regionen des Geistes erfahren — seiner müden Seele war die Nähe bes Naturkindes ein köstlicherer Balsam. , Die guten Weimarer verwunberten sich nicht wenig, ihren geistlichen Einsiebler, mit bem längst nicht mehr gut Kirschen essen mar, glücklich lächelnb am Arm jenes unbekannten Landmädchens selbst in ber Loge bes Hoftheaters zu sehen, wo Anna lauter lachte, ausbauernder klatschte und vernehmlicher schluchzte als bie gesittete Gesellschaft, unb „Onkel Herber" ihr zuguterletzt fest versprechen mußte, persönlich nach Mohrungen zu kommen, wenn sie einmal Hochzeit machen würbe. Friedrich Freksa 60 Jahre alt. Der auch ben Lesern bes Gießener Anzeigers aus zahlreichen Beiträgen bekannte Schriftsteller Frieb- rich F r e k s a ist in biefen Tagen 60 Jahre alt geworben. Er ist geborener Berliner, zählt aber als Schriftsteller zu ben Münchnern, benn hier hatte er seine ersten Erfolge als Mitarbeiter an „Jugend", „Simplizissimus" unb ben Sübbeutschen Monatsheften unb mit 25 Jahren feine erste Uraufführung mit „Ninon be l'Enclos" am Resibenztheater in München. Doch Berlin gewann ihn für die Zukunft zurück als Theaterbirektor bes Deutschen Theaters mit ber Pantomime „Sumurun". Am Weltkriege nahm Freksa als Freiwilliger teil. Am Ende des Krieges kämpfte er durch feine Kampfzeitschrift „Phosphor" gegen ben Kommunismus unb schrieb ben Roman „Der Wanberer ins Nichts". Die politischen Mißstänbe ber Zeit geißelte er in ber Komäbie „Cäsars Stunbe", in ber die Römer in modernen Gewändern auftraten. Ein besonderes Gebiet Frek- sas waren historische Romane, wie „Freiheit", „Ein Mädchen reift ins Glück". Vor allem aber wirkte er in Berlin mit seinem Buche „Äaufmannsfinber", in dem bie Zeit von 1895 bis 1925 geschildert wirb. 1936 gelang Freksa bie Uraufführung feines Lustspiels „Fiete" in Göttingen. 1940 kam bas Lebens- bilb „Garibalbis" heraus, 1941 eine Biographie von „Ohm Krüger" unb 1942 der Roman „Von gestern bis morgen". Freksa ist jetzt beschäftigt mit ber „Ge^ schichte der Technischen Nothilfe". Reese-Gesellschaft,Hameln W* nur für mittet Futterst W ÜberW Gieße seine ei schrieb, brechem hiben. JSer UNS irr Schreib Bilder Jugend Fibeln, dorthin dort nii aus die scheu. 2 genossei nen, dii ihnen i deutsche manne qeringe' 8 Oer wR SÄ Luch war er Zusan E Grün?, I Das Hilfswerk „Mutter und Kind" (Nachdruck verboten.) 2. Fortsetzung. Taunus ein Kindererholungsheim für 120 Pfleglinge gebaut werden. 3n der zweiten Hälfte des Jahres 1935 hat die NSV. mit der Einrichtung von Beratungsstellen der NSV.-Jugendhilfe begonnen, deren Aufgabe in der Uebernahme der Betreuung solcher Kinder und Jugendlicher besteht, die durch unzulängliche Erziehung im Elternhause gefährdet sind oder infolge Erziehungsschwierigkeiten einer besonderen Führung bedürfen. Diese Aufgabe hat der NSV. ein neues weites Arbeitsfeld zugewiefen, zu dessen sorgsamer Pflege sie ein ausgedehntes Netz von Beratungsstellen über das ganze Gaugebiet eingerichtet hat. Hier finden Jugendliche und Eltern stets jegliche Hilfe. Daneben erfordert auch das Pflegekinder- wefen fortgesetzte eifrige Ueberwachungstätigkeit. Neben diesen vielseitigen Aufgaben läßt sich die NSV. auch den Kampf gegen die größte Volksseuche, die Tuberkulose, besonders angelegen sein. Dor fieiner sieht bei der Reichssiroßensammlung am 11. und 12. April abseits! Der deutsche Sieg wachst aus der Opferbereitschaft des deutschen Volkes! Daran denke bei der Reichs- ftrahensammlnng! kinderreich sind oder durch Krankheit in Not geraten waren. Heute setzt sich der Kreis der von der NSV. laufend Betreuten aus älteren Volksgenoffen, kinderreichen Familien, Angehörigen von Soldaten und aus solchen Familien, die durch Einwirkungen des Krieges besonders in Mitleidenschaft gezogen sind, zusammen. Die Mittel für alle diese großzügigen Hilfsmaßnahmen stammen aus den Straßensammlungen, den Opfern von Lohn und Gehalt, Firmen- und sonstigen Geldspenden sowie den verschiedenartigen Veranstaltungen zum Besten des WHW., das seit Ausbruch des Krieges als Kriegs-Winterhilfswerk noch ganz besondere Aufgaben zu erfüllen hat. Wenn auch die laufende Betreuung, die beim Win- terhilsswerk 1933/34 sich im Monatsdurchschnitt auf rund 790 000 Personen erstreckte, bis zum Verlaufe des Kriegs-WHW. 1940/41 auf einen Monatsdurchschnitt von 188 000 Personen gesunken ist, so hat doch die Breite und Tiefe der Aufgaben der NSV. keine Minderung, vielmehr eine gewaltige Steigerung erfahren, denn inzwischen sind der NSV.-Arbeit neue große soziale Verpflichtungen erwachsen, die zum Besten unseres Volkes erfüllt werden müßen und natürlich auch die erforderlichen Mittel notwendig machen. Hier ist u. a. hervorzuheben, daß im allgemeinen eine Erhöhung der Be- treuungsfätze vorgenommen wurde, so daß praktisch jedem einzelnen durch das WHW. betreuten Volksgenossen eine höhere Betreuung zuteil wird. Hinzu kommen andere vordringliche Aufgaben der NSV., insbesondere das großartige Hilfswerk „Mutter und Kind", für das im Interesse der Zukunft unserer Nation alljährlich ganz bedeutende Mittel aufzuwenden sind. Erfreulicherweise findet die anerkennenswerte Arbeit der NSV. von Jahr zu Jahr in steigendem Maße Verständnis, Zustimmung und Förderung in allen Kreisen unserer Volksgemeinschaft. Dafür legen die ständig wachsenden Erträge der Reichs- Als wichtigste Aufgabe der NSD.-Arbeit steht seit Sommer 1934 das auf Anordnung des Reichs- Ministers Dr. Goebbels geschaffene Hilfswerk „Mutter und Kind" im Mittelpunkt ihrer Tätigkeit. Es handelt sich dabei um drei Aufgabengebiete des Hilfswerks, nämlich um allgemeine Hilfsmaßnahmen für die Familie, um die Mütterfürforge und die Kinderfürsorge. Bis zum Dezember 1940 waren im Gaugebiet Hessen-Nassau bereits 1274 Hilfsstellen für „Mutter und Kind" eingerichtet, die zum Segen der Bevölkerung ihre vielseitige Arbeit leisten. In diesem Zusammenhänge sei erwähnt, daß in unserem Gau rund 42 000 Männer und Frauen ehrenamtlich in dankenswerter Weise für die NSV. Mitarbeiten, die Zahl der hauptamtlichen Kräfte dagegen außerordentlich gering ist. Während im Jahre 1935 rund 50 200 Besucher die Hilfsstellen „Mutter und Kind" in Anspruch nahmen, belief sich diese Zahl im Jahre 1941 bereits auf rund 335 600 Besucher; der Monatsdurchschnitt der Zahl der Betreuten belief sich auf rund 23 000 bzw. 28 000. Besonderes Augenmerk wird auf die Gesunderhaltung unserer deutschen Mütter gelegt. Zu diesem Zwecke wurden bis jetzt in unserem Gau sieben Müttererholungsheime erworben und eingerichtet, von denen ein Heim für werdende Mütter und ein Heim für Mütter mit Kleinkindern vorbehalten sind. In die Müttererholungsheime sind in den Jahren 1934 bis 1941 einschließlich rund 20 000 Mütter zur Stärkung, in das Mutterheim mit Kleinkindern von 1936 bis 1941 einschließlich rund 2300 Kleinkinder verschickt worden. Außerdem wurden von 1937 bis 1940 einschließlich (die Zahlen von 1941 liegen uns noch nicht vor) noch fast 46 000 werdende Mütter, Wöchnerinnen und ledige Mütter in die Betreuungsmaßnahmen der NSV' einbezogen. Wir berichteten hierüber ausführlich in unserem Aufsatz in Nr. 74 vom 28.Z29. März. Die Kinderlandverschickung, die zu besonderer Bedeutung gelangte, wird auch heute noch neben der Verschickung von Kindern in eigene Heime der NSV. aufrechterhalten. Insgesamt wurden von 1935 bis 1941 von der NSV.-Kinderverschickung rund 37 300 Kinder in Heimen und rund 58 600 Kinder auf dem Lande untergebracht. Im Jahre 1941 begann die erweiterte Kinderlandverschickung, bei der Kinder und Mütter mit Kleinkindern aus luftgefährdeten Gebieten in Pflegestellen unseres Gaues untergebracht wurden. Unser Gau hat im Rahmen dieser Aktion im Jahre 1941 über 8000 Mütter und etwa 20 000 Kinder aus luftgefährdeten Gebieten ausgenommen. Außerdem wurden rund 15 000 Essenpor- tionen bei Transporten solcher Frauen und Kinder durch unser Gaugebiet von der NSV. ausgegeben. In den Jahren 1934/35 wurde mit der Einrichtung von NSV.-Kindergärten begonnen, daneben wurde der Schaffung von Ernte- und Hilfskindergärten schon vor dem Kriege größte Beachtung geschenkt. Im Jahre 1941 wurden im Gauaebiet rund 500 konfessionelle Kindergärten in die Betreuung durch die NSV. übernommen. Zu den Ende Dezember 1941 bereits bestehenden 1166 Kindergärten sind in diesem Jahre rund 300 weitere Kindergärten hinzugekommen, daneben bestehen noch zahlreiche Erntekindergärten, Hilfskindergärten und Horte. In Aussicht genommen ist für die nächsten Jahre die Schaffung weiterer Säuglings- und Kleinkinderheime, vor allem auch an solchen Orten, an denen Heilquellen vorhanden sind, damit diese nutzbar gemacht werden können, Kiedrich bei Eltville wurde z. B. bereits eine Quelle erworben, dort soll ein großes Erholungsheim für 300 Kinder und 100 Mütter erstehen, ebenso soll in Bad Soden im „Er war schon immer so abgebrüht, dieser Zigeuner —", brummte Welt in seinem Baß. „Er ist kein Zigeuner", warf Willis ein, ohne den Kopf zu wenden. „Also ein Halbzigeuner. Diese Gemeinheit. Verschwindet bei Nacht und Nebel mit der Norodna und der Kasse und bleibt drei Jahre hindurch ver- schwunden." „Er ist weder bei Nacht noch bei Nebel verschwunden", ließ sich wieder Willis vernehmen", „es war an einem Vormittag im Mai, und die Sonne schien —" „Du brauchst seine Handlungsweise nicht noch zu beschönigen, Willis", sagte jetzt Petersen, „zumal Lanos sie selber nicht beschönigt." Willis schien jetzt mehr Anteil an der Unterhaltung zu nehmen. Er warf der Kapelle einen letzten Blick zu, wandte sich jetzt zu den beiden anderen und fetzte sich näher an den Tisch. „Was sagte Herr Lanos?" fragte er. „Er philosophierte", gab Petersen zur Antwort, „er meinte, es gebe im menschlichen Leben Augenblicke, wo jeder Vertrag und jede Bindung hinter anderen Interessen stehen müßte. Er könne mir das jetzt nicht so erklären, aber sei bereit, sich mit uns Dreien zu unterhalten und die Sache in Ordnung zu bringen —" „Sagte er: die Sache in Ordnung bringen? Wörtlich?" fragte Welt und rümpfte die Stirn. „Wörtlich. Und dabei machte er eine Miene, als fei das eine Kleinigkeit. Und das jagte ich ihm auch. Ich fagte ihm, er schulde uns drei Jahre unseres Lebens, denn in diesen drei Jahren hätten wir damit zu tun gehabt, uns umzustellen und hätten keine großen Engagements mehr bekommen, sondern uns auf kleinen Bühnen durchschlagen müssen." Willis lächelte und schüttelte den Kopf. „Wenn Lanos nun klug gewesen wäre, so hätte er jetzt gesagt: da seht ihr, was ihr an mir gehabt habt. Ohne mich seid ihr nichts. Sagte er nicht so etwas Aehnliches?" allem sorgt sie hier für die rasche und entschlossene Inangriffnahme des Heilverfahrens, ohne sich vorher lange bei der Frage der Kostendeckung aufzu« halten, und für die sofortige Einweisung der Kranken in eine Heilstätte. Durchschnittlich werden in unserem Gau jährlich 65 Fälle erledigt, bei denen die NSV. die Kosten allein trägt, daneben kommen jährlich noch 90 Zuschuß- und 30 Asylierungsfälle in Betracht. In der allgemeinen Heilverschickung werden jährlich im Durchschnitt 400 Heilkuren finanziert. Für Kinder usw. werden Vitamintabletten und Stärkungsmittel ausgegeben, durchschnittlich 11 000 Kinder erhalten jährlich durch die NSV. Diphtherie- schutzimpfungen, außerdem kommen rund 1100 Scharlachschutzimpfungen in Betracht. Größter Wert wird auch auf die Zahnschädenbekämpfung gelegt, wofür im Gau Hessen-Nassau bereits die ansehnliche Summe von 100 000 RM. vorgesehen ist. Schließlich sei noch hingewiesen auf den reichen Segen, der durch die Tätigkeit des NSV.-Bahnhofsdienstes feit Jahren Tag für Tag Taufenden von Volksgenoffen, insbesondere Frauen und Kindern, zuteil wird. Diese Gesamtschau auf die NSD.-Arbeit kann hier mit Rücksicht auf die Raurnverhältnisfe nur ein Bild in ganz großen Strichen geben. Eine Unsumme von Einzelleistungen, ehrenamtlicher Arbeit und großzügigster Aufwand von Geldmitteln im Dienste des bestens verstandenen sozialen Gedankens ist in diesem Ueberblick über ein Jahrzehnt der NSD.- Arbeit enthalten. Mit den Beiträgen der Mitglieder allein ist diese großartige Arbeit auch nicht im entferntesten zu finanzieren. Hier bildet das Ergebnis der Sammlungen mit den roten Opferbüchsen der NSV. das starke Fundament. Wer sich diese Leistungen einmal nachdenklich vor Augen hält, wird klar erkennen, daß die Beträge, die er in die Sammelbüchsen steckt ober an den Opfersonntagen bei- steuert, Bausteine zu einem gewaltigen sozialistischen Werk unserer Volksgemeinschaft darstellen. Damit dieses Werk immer weiter ausgebaut und zum Besten unserer Nation ausgefüllt werden kann, wäre zu wünschen, daß immer noch mehr Volksgenossen Mitglieder der NSV. werden und außerdem alle bei den Sammlungen nicht nur spenden, sondern wirklich opfern. Auch das ist ein Teil des Dankes an unsere Soldaten und ein bedeutender Beitrag zu unserem Siege und für Großdeutschlands Zukunft. B. Warnung aus Stendal Roman von A. Lothar Philipp Zehn Jahre NGV.-Arveit im Gan Hessen-Nassau. Aus den Sammelbüchsen erwuchsen große soziale Taten zum Besten der Volksgemeinschaft 1OO Jahre Tierernährung Von Dozent Dr. Rudolf Schreiber, Gießen. , Agrikulturchemisches Institut der Ludwigs-Universität. Am heutigen Samstag und am morgigen Sonntag wird von der Deutschen Arbeitsfront die letzte Reichs-Straßensammlung des Kriegs-WHW. 1941/42 durchgeführt. Damit tritt erneut die Arbeit der NSV. in den Vordergrund, die jetzt im zehnten Jahre ihres Wirkens steht, lieber dieses Jahrzehnt einer vorbildlichen und in vielerlei Hinsicht aufbauenden Tätigkeit gab der Leiter des Amtes für Volkswohlfahrt im Gau Hessen-Nassau, Gauamtsleiter Fuchs, kürzlich vor Presse- Vertretern, die sich — wie von uns in Nr. 74 vom 28./29. März 1942 bereits berichtet wurde — zu einer Besichtigungsfahrt mit dem Gauamtsleiter getroffen hatten, sehr interessante Aufschlüsse. Daraus ging hervor, welche reiche Früchte das gewaltige Aufbauwerk der NSV. dank der opferfreudigen Hilfe unserer Volksgemeinschaft auf dem Wege über die Sammelbüchsen in unserem Gaugebiet bisher schon getragen hat. Bei ihrer Gründung im Jahre' 1933 fand die NS.-Volkswohlfahrt auch in unserem Gau Hessen- Nassau ein ungeheures Ausmaß von Not und Elend vor, das rasche und durchgreifende Hilfe notwendig machte. Wir erinnern uns rückschauend der Kartoffel-, Getreide-, Pfund- und Brotfpenden im ersten Winter- Hilfswerk 1933/34. In unserer Erinnerung tauchen die langen Autokolonnen auf, die Brot und andere Lebensrnittel vom Lande und aus den kleinen und mittleren Städten zu den notleidenden Volksgenossen in den Großstädten brachten. Durch die großzügigen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen des Führers und den dadurch immer mehr anwachsenden Arbeitseinsatz erfuhr jene Notlage, die aus dem wirtschaftlichen Verfall der Systemzeit stammte, erfreulicher- weise schon bald eine starke Minderung, denn nun konnten viele Tausende von Volksgenossen durch den Ertrag ihrer Arbeit sich und ihren Familien wieder selbst das tägliche Brot beschaffen. Während zuerst Hunderttausende von Familien unterstützt werden mußten, handelte es sich später hauptsächlich noch um ältere Leute ober um Familien, die nach Liebig mit dem Respirationsprozeß zusammen, ba die vermehrte Sauerstoffaufnahme, wie sie durch den Weidegang ober durch den Aufenthalt der Tiere im Freien bedingt ist, nur fettarme Tiere erzeugt, wogegen die Stallhaltung, infolge Mangel an Sauerstoff, die Fettbildung begünstige. Liebigs hauptsächlichste Gegner auf diesem Gebiet der Ernährungslehre waren Dumas, Boussingault und Payen. Insbesondere Boussingault versuchte durch Fütterungsversuche nachzuweisen, daß die Fettmenge, welche das Futter enthielt, zur Fett- erzeugung ausreiche. In Wirklichkeit wurden jcdocy Ergebnisse erzielt, welche das Gegenteil bewiesen, so daß Boussingault sich zu Liebigs Ansichten bekannte Aber auch Liebigs Ansichten waren noch nicht vollkommen richtig, denn er wies dem Eiweiß zwar anfangs ein gewisses Fettbildungsvermögen zu, verlor biefe Tatsache aber aus den Augen und gab erst viel später, auf Grund von exakten Ver- suchsergebnisfen Pettenkofers mit dem Respirationsapparat, die Möglichkeit zu, daß auch das Eiweiß an der Fettbildung beteiligt sein kann. Aber nicht allein die Der wertunq ganzer Futter- mittel und ihr Verhalten im Tierkörper, auch die B e Wertung der Futtermittel selbst erfuhr durch Justus Liebig eine grundlegende Aenderung D;e damals noch bestehende Bewertung der Futtermittel im Vergleich zu mittelgutem Heu nach der alten Heuwerttheorie von A. Thaer wurde durch Liebig gestürzt, denn man erkannte alsbald die Tatsache, daß die Zusammensetzung und die Beschaffenheit eines Heues sowie sein Nährwert durch die verschie- densten Einflüsse der Umwelt sehr großen Schwankungen unterworfen sind. Mit Justus Liebig beginnt die Beurteilung der Futtermittel nach den Ergebnissen der chemischen Analyse, und wenn auch Fred Welt und Hans Petersen, seine beiden Partner, brauchten eine lange Trainingszeit, sich in diesen Rhythmus einzufügen. Welt, der starke Mann der Truppe, war ein prachtvoller Untermann und guter Fänger, auch als Clown war er durch seine stumme, etwas hilflose Mimik, die bei seiner l)ohen und starken Gestalt besonders gut wirkte, sehr beliebt, während wieder Petersen durch seine eleganten Bewegungen auffiel, durch welche er die gewagtesten Stücke ausführte und dabei ein Gesicht machte, als tue er das nur nebenbei und beschäftige sich innerlich mit ganz anderen Fragen. Er brachte es fertig, während eines hohen Sprunges vom Trampolin mit feinen Fingern zu spielen und sich seine Nägel zu polieren oder sich als oberster Mann in halsbrecherischen Stellen seine kleine Schleife gerade zu binden. Jede seiner Bewegungen war geschmeidig und elegant, und gerade dadurch wirkte er neben dem großen, starken, etwas unbeholfen aussehenden Welt auf das Publikum. Alle drei trugen sich völlig gleich, dunkelgraue Anzüge mit hellgrauem Seidenhemd und scharlach- farbenen Schleifen. „Vermutlich war er erschrocken, als du ihn trafest", fragte Welt feinen Partner Petersen. Willis blickte zur Kapelle hin, kümmerte sich anscheinend nicht um ihr Gespräch, verlor aber kein Wort davon. .Kein Gedanke", lachte Petersen und klopfte sich eine neue Zigarette auf seinem silbernen Etui aus, er stand auf, schüttelte mir die Hand, schob mir einen Stuhl zurecht und lud mich ein, bei ihm Platz m nehmen. Dann bestellte er Kaffee und Likör für mich und fragte mich so ganz harmlos, wie es uns denn in den drei Jahren so im allgemeinen und besonderen ergangen ist." 1940/41 auf 27 058191,01 RM. Dank der hervorragenden Dpferfrenbigteit bei allen Sammlungen konnte die NSV. allein bis zum Beginn des Krieges an Betreute für fast 26 Millionen RM. Lebensmittel aller Art, für rund 10 Millionen RM. Brennmaterial und für rund 16 300 000 RM. Bekleidungsstücke und Wäsche ausgeben. Da nach Ausbruch des Krieges infolge der Einführung der Kleiderkarte und der Lebensmittel- und Brennstoffbewirtschaftung zusätzliche Ausgaben durch das WHW. nicht mehr möglich sind, erhalten die Betreuten seitdem Wertscheine ausgehändigt, die sich in den beiden Kriegs- WHW.-Abschnitten 1939/40 und 1940/41 insgesamt auf rund 12 300 000 RM. belaufen. Diese Aufwendungen für die Betreuten stellen aber nur einen Teilabschnitt der NSD.-Arbeit dar. straßenfammlungen, der Gaustraßenfammlungen, der Eintopfsonntage (feit Kriegsbeginn Opfersonn- tage genannt) und der fonftigen Sammeloeranstal- turtgen (z. B. „Tag der Wehrmacht", „Tag der deutschen Polizei" usw.) eindrucksvoll Zeugnis ab. Wir wollen davon absehen, eine lange Reihe von Zahlen der Erträge der einzelnen Sammlungen aufzuführen. Hervorgehoben fei jedoch, daß nach dem uns vorliegenden Material in den WHW.-Jahren von 1933/34 bis einschließlich 1940/41 in unserem Gau an Gesamt-Geld- und Sachspenden die gewaltige Summe von 126 567 926,22 RM. zu verzeichnen war. Die steigende Opferfreudigkeit unserer Volks- genossen mögen zwei Gegenüberstellungen beweisen: 1933/34 belief sich das Gesamt-Geld- und Sachspendenaufkommen auf 12 715 388,57 RM., es stieg „Teufel, Willis", warf Welt ein, daraus wäre ich nicht gekommen." „Natürlich nicht, Welt", sagte Petersen lächelnd, „du kommst nie auf etwas, wenn man dich nicht mit der Nase draufdrückt." Zwischen dem großen und unbeholfenen Welt und dem kleinen, schlanken und eleganten Petersen bestand ein ganz sonderbares Verhältnis. Der kleine Petersen liebte es, sich über den großen Welt mitunter lustig zu machen und ihn fühlen zu lassen, daß er mit seinem beweglichen Geist nicht Schritt halten konnte. Besaß Welt iraenb etwas, was die Wünsche des Kleinen reizte, so ruhte dieser nicht eher, als bis er sein Stück davon abbekam. Diese Gutmütigkeit des Starken hinderte ihn jedoch nicht, eine Minute später sich wieder über ihn und seine Unbeholfenheit luftig zu machen. Welt muhte eine' große Freundschaft für feinen schlanken, beweglichen Partner empfinden. Er ließ sich alles von ihm gefallen, ohne auch nur ein einziges Mal entsprechend zu erwidern. Er märe dazu nicht fähig gewesen. Er steckte die kleinen Bosheiten des Schlanken mit einem nachsichtigen Lächeln ein, ja, es hatte den Anschein, als freue er sich über die freche Schlagfertigkeit des Kleinen. Auch teilte er brav alles, was er befaß, mit ihm, und Petersen steckte bis über die Ohren bei dem Starken in Schulden. Nur ein einziges Mal hatte er nicht teilen wollen, und das war eine Stunde gewesen, da die beiden aneinandergeraten waren und der Kleine regelrechte Prügel von Welt bezogen hatte, was er ihm bis heute noch nicht verziehen hatte. „Sagte er nicht so etwas Aehnliches?" hatte Willis gefragt. „Nein", gab Petersen zur Antwort, „er machte sogar ein bedauerndes Gesicht und sagte, bas, tue ihm leid, und wenn er uns in irgendeiner Form helfen könne, um uns schadlos zu halten, so wolle er das gern tun. Nun wurde ich frech —" „Natürlich!" warf Willis ein. „Ja, und ich sagte ihm, wie er sich das überhaupt denke, mit der Kasse durchzubrennen " „Und was sagte er?" fragte Welt. „Ob ich wisse, was in der Kasse drin war. Ich sagte jawohl, das wisse ich ganz genau: dreihundertsechzig Mark. Nun, meinte er dann, seine Ansprüche gegen die Truppe hätten damals fünfhunderfünf- undachtzig Mark betragen, weil er stets unvorher- gesehene Ausgaben aus seiner Tasche bezahlt und die Truppe mithin beliehen habe. Und deshalb habe die Truppe immer noch zweihundertfünfundzwanzig Mark Gewinn durch seine Entfernung gehabt. Und diese zweithundertfünfundzwanzig Mark wolle er uns schenken als Buße für fein heimliches Entfernen." Welt wurde jetzt ärgerlich. „Diese Frechheit von dem Burschen", rief er, „man sollte ihn —" ,Es wäre besser, du würdest etwas leiser sprechen, Welt", fagte Willis, „wir wollen hier keine Dorstellung geben." Und dann blickte er nach den Dieben» tischen. „Ich sagte ihm", fuhr Petersen fort, ohne sich um Welt zu kümmern, ,^)aß ich ihm dankbar wäre, wenn er heute abend neun Uhr nach dem Imperial-Dachgarten kommen würde, um mit euch auch zu sprechen. Er meinte,- jawohl, das sei ihm recht, er werde kommen. Möglicherweise einige Minuten später, keinesfalls fnäter als halb zehn Uhr. Das war alles." Willis blickte nach feiner Armbanduhr. „Es ist neun Uhr und zwanzig Minuten", fagte er, „er muß jeden Augenblick kommen —" „Glaubst du denn im Ernst, daß er kommen wird", fagte Petersen und kniff die Augen zusammen, „ich, an seiner Stelle, würde nicht kommen." „Nee", meinte Welt, „du nicht. Du bist ja auch ein Windhund. Aber Lanos, denke ich, wird kommen. Er hat eigentlich immer gehalten, was er versprochen hat —" „Pah, ein Zigeuner —", machte Petersen verächtlich und blickte wütend zu dem großen Welt hinüber, der es gewagt hatte, ihn Windhund zu nennen, was wirklich unerhört war. (Fortsetzung folgt) Im April 1842, also vor genau 100 Jahren, erschien Justus Liebigs zweites berühmtes Werk: „Die organische Chemie in ihrer Anwendung auf Physiologie und Pathologie", welches nicht nur der Tierernährungslehre, sondern der gesamten Er- nährungswiffenschaft der damaligen Zeit einen gewaltigen Aufschwung gab. Justus Liebig begründet im Vorwort dieses Buches die Ursachen, warum die Chemie der damaligen Zeit der Physiologie und Pathologie bisher keine oder nur unbedeutende Dienste leistete, und er versuchte die Kreuzungspunkte zwischen der Chemie und der Physiologie aufzuzeigen, um dadurch beiden Wissenschaften zu weiteren Fortschritten zu verhelfen. Die brei Abschnitte des Werkes befassen sich mit dem damaligen Stand der Tierernährungslehre, mit der Umwandlung von Substanzen im Organismus von Mensch und Tier und schließlich mit der „Theorie der Respiration". Das Erscheinen des Buches war für die Landwirt- fchaftswisfenfchaft von fast ebenso gewaltiger Bedeutung, wie die Revolution, die fein erstes Werk: „Die organische Chemie in ihrer Anwendung auf Agrikultur und Physiologie" hervorrief, das zwei Jahre vorher, im Jahre 1840, erschienen war. lieber die Ernährung waren damals noch Anschauungen verbreitet, welche Liebig alsbald in seiner impulsiven Art heftig angri'ff. Man vertrat vor etwa 100 Jahren die Ansicht, daß das vom Tierkörper gebildete Fett ausschließlich aus dem Fett des Futters stamme. Man wußte zwar durch die Calorimeterverfuche Lavoifiers, daß das Tier von der Pflanzennahrung lebt, indem es diese verbrennt, jedoch man folgerte daraus die Ansicht, daß das Tier überhaupt keine synthetischen Prozesse auszuführen in der Lage ist, so daß der Ausbau von Körperfett „ausschließlich" vorn Fettgehalt des ©efamtfutters abhängt. Da man um diese Zeit lediglich volljährige Tiere mästete, welche in der Most nur Fett ansetzten, so schien der Masterfolg tatsächlich allein vom Fettgehalt des Mastfutters abhängig. Jedoch eine Anzahl von Füt- terungsverfuchen erbrachten Ergebnisse, welche dieser Anschauung ganz entgegengesetzt waren. Liebig erkannte mehr auf Grund seiner scharfsinnigen Ueberlegungen als durch experimentelle Beweise, daß Stärke und Zucker ebenfalls Erzeugungsquellen für das tierische Fett bilden. Die Fettbildung hängt Wehr Me an öerüa-ur hur® MMler-Mer für den Raucher, der Astra treu zu bleiben und lieber noch einmal nach ihr zu fragen, wenn sie nicht immer gleich erhältlich sein sollte. ie fern Gebiet ioulfinqanlt \ der alten urch Liebig Tatsache, , daß oie w Fett« rben jedoch I bewiesen, nsichten be> paren noch em Eiweiß soermöaen lugen und alten 5er- ejpirations. )q5 Eiweiß nzer Futter, r, auch die fuhr durch lerung Futtermittel zusammen, e sie durch t der Tiere re erzeug:, Mangel an eschassenheit die verlchie' en schwon» Liebig be* >1 nach den wenn auch ,"*1 °°I. !.Unfetc)n in ®ar's * dttihnnd-" ie$nM6 fijunlerfunf k unvorher bezahlt un zeshalb habe undMÄ gehab Und rf oalle ek nliches Ent l.OOBjg? SS* MTch°r. *6 ei» 5°>°!ür ^lleßljch $"• d°? * |eit Wen, ’irb. ^nn hier Bild mme Don no groß, "enste des 15 'st in ^'tglieder ht lm ent. Ergebnis "Jen her d'ese Lei. 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