Mittwoch dm 29. October 1864 sr*. 2ss 'erte. “«ttcn i.—. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Preil vierteljührlich 2 Mark 20 Pf. mit Brürgerkhr. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 SRatl 50 Pf. Erscheint mit «nSnechrne des MontsgH. Schnr>ftraße 7. Trlegraphische Depeschen. SSslN'S LsLe«r» Sor-rewmr-SM-BAreLtt. Berlin, 27. October. Der Bundesrath hat heute den Antrag des Reichskanzlers vom 23. dss. MtS.. betreffend die Aueckennung des vom Braunschweiger RegentschaftSrathe zu bestellenden Bevollmächtigten als Vertreter Braunschweig« tm Bundesrathe angenommen. t „ — Der »Retchsanzeiger* veröffentlicht die Ansprache deS Kronprinzen bet Er. öffaung des StaatSraths. Die Aufgaben deffelben werden vorzugsweise auf dem Gebiete der Gesetzgebung sich bewegen. Se. Majestät der König beabsichtigt, Gutachten des StaatsrathS einzufordern über LendtagSvorlagen, über Entwürfe Allerhöchster Verordnungen, über Vorlagen Preußens beim BundeSrathe, über Abgabe preußischer Stimmen tm Bundesrath für Sachen der Reichsgesetzgebung, so oft die Bedeutung des Gegenstandes da8 angemessen erscheinen läßt; ebenso behält der König sich vor, Angelegenheiten aus dem Verwaltungsgebiet dem Staatsrathe zu überweisen. — RetchStagsabgeordneter Friedrich Kapp ist heute früh hier gestorben. — Der „Nationalzeitung" zufolge begrüßte Se. Majestät der Kaiser bet dem gestrigen Dinrr die Mitglieder des Staatsraths besonders herzlich und wies auf die frühere Thatigkeit des Staatsraths unter den beiden l-tzten Königen hin, sowie namentlich auf die Dienste, welche der Staatsrath König Friedrich Wilhelm IV. geleistet hat- Se. Maj. knüpfte daran die Hoffnung, daß es dem Staatsrath Vorbehalten sein möchte. Seine Regierung erfolgreich zu unterstützen. Braunschweig, 27. October. In der heutigen Sitzung des Landtags verlas der Präsident, v. Veltheim, ein Schreiben des Fürsten BiSmarck an den StaatSmmtster Grafen Görtz-Wrtsberg, in welchem mttgethetlt wird, daß der Reichskanzler daS Schreiben d«8 RegentsLaftsrathS vom 18. d. M- zur Kenntniß Sr. Maj. des Katser-s gebracht und daß Se. Maj. es abgelehnt habe, den von dem Herzog von Cumberland abgesavdtm Grafen Grote zu empfangen und das Schreiben des Herzogs von Cumberland entgegenzunehmen. Der Präsident verlas ferner folgenden Erlaß Sr. Mai. des Kaisers an den Regentschaftsrath: „Ich habe Ihr Schreiben vom 18. bf§. Mts., in welchem die in Gemäßheit des Braunschweigischen Gesetzes vom 16. Feoruar 1879 erfolgte Conftitutrung deS Regenlschaftsraths zu Meiner Kenntniß gebracht wird, m-t Dank entgegengenommen. Indem Ich Ihnen Meine aufrichtige Thetlnahme an dem schmerzlichen Verluste auSspreche, welcher das Braunschweiger Land durch den Htntritt des letzten erlauchten Sprossen einer ruhmreichen Reihe von Fürsten betroffen hat, erkenne Ich die Constttuirung, sowie das Verhalten des Regenlschaftsraths als mit btn Gesetzen übereinstimmend an und bin gerne bereit, dem in dem Schreiben vom 18. ds. an Mich gerichteten Ersuchen zu entsprechen. Demgemäß habe Ich zu.der ersten Nummer Ihres Antrags ungeordnet, daß im Bundesrathe der Antrag gestellt w^rde. die von dem Regentschaftsrathe zu ernennenden Bevollmächtigten als berechtigte Vertreter des Herzogthums im Sinne des Art- 6 der Reichsoerfassung anzuerkennen und Politische Ueberficht. Gießen, 28. October. Der Kaiser empfing in den letzten Tagen wiederholt den Reichskanzler in längerer Audienz. An Stoff für die Conferenzen des greisen Monarchen mit seinem ersten Berather fehlt es nicht und liegt die Annahme nahe, daß es sich zunächst um die braunschweigische Erbsolgesrage und die für den preußischen Staatsrat), dessen Eröffnung, wie bekannt, am Samstag durch den Kronprinzen erfolgt ist, vorbereiteten Vorlagen gehandelt hat- Mit letzterer Angelegenheit hat sich jeoenfalls auch die am Mittwoch unter dem persönlichen Vorsitze des Fürsten Bismarck abgehaltene Sitzung des preußischen Staatsministeriums beschäftigt. Der Kaiser empfing am Freitag u. A. den neuernannten englischen Botschafter am Berliner Hose, Sir Edward Malet, in feierlicher Audienz. In der braunschweigischen Erbfolgefrage bildet die vom Herzog von Cumberland erlassene Proklamation vas neueste Moment. Die Proklamation kündigt den deutschen Fürsten und Freien Städten an, daß Herzog Ernst August die Regierung Braunschweigs übernommen und von dem Lande Besitz ergriffen habe, sowie, daß er nach Maßgabe der Reichöverfaffung und der Landesverfassung regieren wolle. Es wäre dies die indirecte Anerkennung der Reichsversassung, aber in einer Form, welche nicht als giltig betrachtet werden kann. Der Herzog erklärt, nach Maßgabe der Reichsversassung regieren zu wollen. Das würde in Anbetracht der obwaltenden Verhältnisse dahin aufzufassen sein, daß er sich der äußeren Form, welche die Reichsverfassung vorschreibt, anbequemen wolle, im Uebrigen aber sich vorbehalte, zu thun, was ihm gut dünke. Daß ein solcher Schritt nicht genügt, um dem Herzog den Weg zum Throne von Braunschweig zu bahnen, bedarf keiner näheren Erörterung. Den ersten Widerspruch hat die Kundgebung bereits durch den braunschweigischen Regentschaftsrath und den Landtag selbst, welcher am Donnerstag zu einer außerordentlichen Sitzung zusammengetreten ist, erfahren. In der Freitags- Sitzung des Landtages machre der Staatsminister Graf Görtz-Wrisberg die Mittheilung, daß der Herzog von Cumberland sein Besitzergreifungs-Patent dem Ministerium mit der Aufforderung zugesandt habe, dasselbe zu contrasigniren und zu veröffentlichen. Vom Ministerium sei dem Herzog als Antwort mitge- theilt worden, daß nach Ansicht des Ministeriums der im Regentschafts-Gesetz vorgesehene Fall eingetreten sei und sich deshalb der Regentschaftsrath consti- tuirt habe. Das Ministerium sei daher außer Stande, der erwähnten Aufforderung nachzukommen und vielmehr vom Regentschaftsrath ermächtigt worden, die Aufforderung abzulehnen; die Geltendmachung seiner Thronfolge-Ansprüche bleibe dem Herzog von Cumberland überlassen. Weiter erklärte der Minister, das Ministerium habe den Reichskanzler von dem Schreiben des Herzogs von Cumberland unverzüglich in Kenntniß gesetzt, mit dem Bemerken, daß es allen weiteren derartigen Kundgebungen unverweilt entgengetreten werde. Aus den ferneren Mittheilungen des Ministers ist noch hervorzuheben, daß der Kaiser das Schreiben, in welchem ihn der Regentschaftsrath von dem Ableben des Herzogs Wilhelm und der Constituirung des Regentschastsrathes in Kenntniß setzt, mit Dank ausgenommen habe und sämmtliche Anträge desselben genehmigen werde. Schließlich erklärte Graf Görtz - Wrisberg noch, daß der Regentschasts- rath und das Ministerium die Fortführung der Regierung durch den Regent- sckaftsrath für vollständig gesichert hielten und überzeugt seien, die Thronfolge werde auf Grund der Rechte des Landes und des Reiches erledigt werden. Die Erklärungen des Ministers wurden vom Landtage durchaus beifällig ausgenommen, welcher auch dem beantragten Adreßentwurf auf die Eröffnungsrede einstimmig zustimmte. Es geht hieraus hervor, daß sich die Vertreter des Landes mit der Haltung der provisorischen Regierung des Herzogthums gegenüber dem Ansinnen des Herzogs von Cumberland in völliger Übereinstimmung befinden und man wird hiervon an leitender Stelle in Berlin nur mit Genug- thuung Act nehmen. Jedenfalls wird die Kundgebung des welfischen Thron- Prätendenten unzweifelhaft eine Wirkung haben: Sie wird die Entscheidung beschleunigen, da nicht zugelassen werden darf, daß in Braunschweig Zweifel darüber um sich greisen, wem dort zu gehorchen ist. Der neuernannte chinesische Gesandte am Berliner Hofe, Shutsin-Tehen, ist am Donnerstag Vormittag mit Familie und Gesandtschafts-Personal in Berlin eingetroffen. Die in der Agramer Landstube durch die Anhänger des radikalen Abg. Starcevics sortgesetzt hervorgerufenen Scandalscenen haben jetzt endlich zur Ausschließung der Störenfriede von den parlamentarischen Sitzungen geführt. Am Freitag wurde den 15 Anhängern des Starcevics wegen Beleidigung der Autorität des Landtages der Eintritt in denselben durch Gensd'armen ver- wehrt und wird somit der Landtag den Rest seiner Arbeiten in Ruhe erledigen können. , In England hat Die am vorigen Donnerstag mittelst Thronrede erfolgte Eröffnung der außerordentlichen Herbftsession des Parlamentes der außerparlamentarischen Wahlreform-Agitation ein Ende gemacht. Es war dies allerdings auch die höchste Zeit, denn die Bewegung hatte bereits bedenkliche Dimensionen angenommen; hoffentlich werden sich die Debatten über die Wahlreform-Vorlage, welche den vornehmsten Gegenstand der Session bildet, in gemäßigteren Grenzen bewegen. Vor dem Zusammentritt des Parlaments hat Gladstone dem Lande eine Ueberraschung durch Veränderungen im Cabinetsrath bereitet, indem der Staatssecretär für Irland, Trevelyan, an Stelle Dodson's zum Kanzler des Herzogthums Lancaster und der erste Secretär der Admiralität, Mr. Campbell Bannermann, zum Nachfolger Trevelyan's ernannt wurde. Die Abberufung des letzteren von seinem Posten gilt als ein Zugeständniß Glad- stone's an die insche Partei. In beiden Häusern des Parlamentes hat sich an die Thronrede, wie herkömmlich, Die Adreßdebatte geknüpft, welche im Oberhause noch am Donnerstag durch Annahme des Adreß-Entwurses ihr Ende genommen hat. Dagegen nahm die Adreßdebatte im Unterhause einen breiteren Raum ein, da im Laufe derselben Egypten, die Congofrage, das Cap, Transvaal, ja, auch der Zustand der englischen Marine berührt wurden. Im italienischen Cabinet hat eine kleine Veränderung stattgefunden. Der bisherige Kriegsminister Ferrero hat aus noch unbekannten Gründen demissionirt und ist General Ricotti zu seinem Nachfolger ernannt worden. Der glänzende Wahlsieg der Liberalen Belgiens hat nun doch den Rücktritt des gesammten Ministeriums Malou nach nur kurzer Thätig- keit zur Folge gehabt. Wie wenigstens die „Frkftr. Ztg." meldet, demissionirte das Cabinet Malou und ist bereits eia neues, aus sehr gemäßigten Liberalen bestehendes Ministerium unter Pirmez gebildet worden. Die Kammern sollen aufgelöst und Neuwahlen ausgeschrieben werden, um den eigentlichen Willen des Landes kennen zu lernen. Lord Northbrook, der Vertrauensmann Englands bei der egyptischen Regierung, hat seine Aufgabe beendigt und noch in voriger Woche die Rückreise nach Europa angetreten. Es ist noch ziemlich unbekannt, was von ihm, namentlich in Bezug auf die Finanzsrage, erreicht worden ist und wird man wohl erst in den kommenden Wochen Näheres darüber hören. Darmstadt, 27. October. Se. Königl. Hoheit der 'Großherzog und Se. Großh. Hoheit der Prinz Heinrich sind gestern Abend 9 Uhr 20 Min., begleitet von dem General-Adjutanten Generalmajor v. Westerweller Excellenz und dem persönlichen Adjutanten Rittmeister Frhrn. v. Schenk zu Schweinsberg aus Braunschweig wieder hier eingetroffen. Darmstadt, 27. October. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 6. October den Oberförster der Obersörsterei Ernsthofen Theodor Eckstorm in gleicher Diensteigenschaft in die Oberförsterei Kranichstein zu versetzen. — Die Königlich Portugiesische Regierung hatte vor einiger Zeit die Absicht zu erkennen gegeben, den Bezirk ihres Generalkonsulats in Frankfurt a. M. auf das Großherzogthum Hessen auszudehnen. Nachdem die Großh. Regierung sich hiermit einverstanden erklärt hat, ist die beabsichtigte Maßregel nunmehr in Kraft getreten. Straßburg i. G., 26. October. Zur Vorfeier der Einweihung Des neuen Universitätsgebäudes brachte die Studentenschaft dem Statthalter GFM. v. Manteuffel, dem Rector Sohm und dem Curator der Universität, Ledderhose, heute Abend einen Fackelzug dar; in dem Zuge befanden sich 1500 Fackelträger und 5 Musik-Corps. Den Schluß der heutigen Feier bildete eine glänzende Beleuchtung des Münsters. haus und Küche gk- i sucht töbireftor Ltamrnltk, ensttaße 21. i jenen finden billig | \ einer BeamtenfaM j EM- d. Bl. I ; hte eiserne Btttftrlm I Lurggraben L [ pichen m -iii-Mirm ittren derselben m gst besorgt M Weieenkor«, Schiilßrabed__I , pft, Schlatter wwe^ -Theater-, Wllneiorlit. I n 1. Ml- ,n M r;nh M 2.20 150 "•» „ eines Gehirn II JU 7109 chMM At- bliebenen. aus dich«. kamilie. °g um 3V, Uhr 7097 W daß ®roBmutter und werde bezüglich des zweiten Punkte« die in Art. 66 btr ReichSverfaffung dem Herzog al§ Bundeöiürsten vorbehalten gewesenen Rechte rücksichtlich des Braunschweigischen ConttngentS, gestützt auf die Vorschriften der Artikel 63 und 64 der Retchsverfassung für die Dauer dec Regentschaft selbst ausüben. Ich werde e« Mir angelegen sein lassen, die sich auS der Situation ergebenden Reichs- und Verfassungsfragen, welche mit der Zukunft des Herzogthums verknüpft sind, in Gemeinschaft mit den verbündeten Regierungen verfassungsmäßig zu lösen und dabet die Rechte und die Interessen deS SerzogthumS und feiner Bevölkerung der Verfassung und den gegenwärtig bestehenden eschen lnisprechend sicher zu stellen." Hierauf wurde der Bericht der staatsrechtlichen Commission verlesen und folgende von de. selben beantragte Resolution einstimmig angenommen: Die Landesoersammlung hat die seitens des RegentschaftSrathcs und des Staatsmtntstertums in der Sitzung vom 24. October er. Ihr gewordenen Mitthetlungen entgegengenommen, mit vollster Anerkennung des von denselben eingenommenen Rechtsstandpunktes bet der Const'tutrung des R-gentschafttzrathes und gegenüber sowohl der Reichsgewalt als auch der Kundgebung Sr. König!. Hoheit des Herzogs von Cumberland. Dte Landesversammlung spricht dem RegentschaftSrathe und dem Staatsmtnisterium den Dank des Landes aus und erwartet mit demselben die weiteren Schritte, welche dte ordnungsmäßige Erledigung der Thronfolgefrage erforderlich machen in der durch dte vorläufige Aeußerung Sr. Majestät des Kaisers begründeten Hoffnung, daß dabet das aus der Verfassung deS Landes sich ergebende Recht nicht minder als dte Sr. Majestät dem Kaiser und dem Rciche gebührenden Rechte werden gewahrt werden. Hiernach wurde der außerordentliche Landtag durch Rescript des Regentschaftsrathes bis auf Weiteres vertagt. Straßburg L E., 27. October. Die Feier der Einweihung des neuen Um- versitätsgebäudes, welcher der Statthalter GFM. v. Manteuffel, die Spitzen der Civil- mib Militärbehörden und ein äußerst zahlreiches Publikum beiwohnten, wurde um 10 Uhr eröffnet durch die Uebergabe der von den Frauen Straßburgs der Studentenschaft gewidmeten Fahne. Darauf setzte sich der Festzug von der bisherigen Universität nach dem neuen allgemeinen Kollegiengebäude in Bewegung. Der Werheact, der im Lichthofe desselben vollzogen wurde, wurde durch eine Festcantate eingelcitet. Hierauf hielt der Rector Sohm eine Rede, welche mit dem Wahlspruchc „Literis et patriae“ schloß. Das Ende der Feier bildete die Publikation der Ernennungen zum Ehrcn- doctor und zwar des Kurators der Universität, Ledderhose, des Landesausschußpräsidenten Schlumberger und des Architekten Professor Warth. Straßburg, 27. Qctobcr. Bet der Festtasel in der Aula deS neuen Collegien- flebaubto, on welcher 176 Personen Thetl nahmen, brachte der Rector der Universität, Professor Sohm, dem Kaiser ein Hoch, der Statthalter von Manteuffel toastete auf dte Universität und Elsaß-Lothringen, Professor von Recklinghausen auf den Statthalter, Professor Baumgarten auf Bismarck; weitere Toaste galten der philosophischen Fakultät, den deutschen Studenten, der Stadt Straßburg rc. Während der Tafel wurden Telegramme vn Seine Majestät den Kaiser und den Reichskanzler abge- sandt. Rach Aufhebung der Tafel wurde das Collegtengebäude und der Universitäts» platz bengalisch beleuchtet und auf dem gegenüberliegenden Ufer der Jll ein F.uerwerk abgebrannt. Ludwigshafen, 27. October. Gestern kam es hier anläßlich einer Wahlversammlung zu einem Auflaus und zu Ausschreitungen. Durch von Ger- mersheim und Landau herbeigezogenes Militär wurde die Ruhe wiederhergestellt. Wien, 27. October. Wie der „Polit. Corrsp." unter dem heutigen Datum telegraphirt wird, sind unter der albanesischen Bevölkerung in Beles Ruhestörungen vorgekommen; es wurden drei Dörfer geplündert und angezündet und die Bewohner niedergemetzelt. Brüssel, 27. October. Der hiesige Communalrath hat eine aus Aushebung des Schulgesetzes gerichtete Resolution beschlossen. Motivirt wird dieselbe durch den Hinweis, daß die Communalwahlen die klerikale Politik verur- theilt und daß die zu den Communalwahlen Berechtigten den Protest des Com- promisseS der Gemeinden auf das Entschiedenste ratlficirt hätten, es sei daher eine dringende Rothwendigkeit, den durch die Ausführung des neuen Schulgesetzes hervorgerusenen Agitationen ein Ziel zu setzen. Äntwerpen, 27. October. Der hiesige Communalrath sprach sich ebenfalls für die Aushebung des neuen Schulgesetzes aus. Moskau, 27. October. Gestern sand die Eröffnung des deutschen Theaters statt, welches nach der Einäscherung der Solodownikow'schen Paffage in einem Hause am Karetnyi-Riad eingerichtet morden. Nachdem die National- Hymne gespielt und ein Prolog gesprochen, wurden dem Director Salz, Brod und drei Kränze überreicht mit der Inschrift: Bon Freunden des deutschen Theaters. London, 27. October. Gestern Nachmittag fand im Hyde - Park eine von etwa 100,000 Personen besuchte Kundgebung gegen das Oberhaus statt; e8 wurde eine Resolution angenommen, welche das Oberhaus für überflüssig und sogar für gefährlich erklärt und die Aufhebung desselben verlangt. Die Versammlung verlief durchaus ruhig; die Menge, dte an derselben thetlgenommen hatte, ging ohne jede Unordnung auseinander. Kopenhagen, 28. October. (Privat-Depesche). Das von Kiel nach dem mittelländischen Meer bestimmte deutsche Kriegsschiff „Undine" ist bei Agger auf den Strand gerathen. Die eifrig betriebenen Rettungsarbeiten sind, was die Mannschaft betrifft, völlig geglückt; nur zwei Personen werden vermißt. Weitere Details noch fehlend. (Die „Undine" ist das Uebungsschiff für junge Seeleute, die sog. Schiffsjungenbrigg.) Univerfitäts- Chronik. — Professor Dr. Schwenninger hat vor einigen Tagen denMmtseid in die Hände deS Berliner UntversttätS-RectorS abgelegt. In dem im ^Staats-Anzeiger" veröffentlichten, jedenfalls von der Berliner UniversttSisbehörde ausgehenden amtlichen Berichte über die Rectorats-Uebergabe ist übrigens Schwenntnger's Ernennung einfach neben den andern gleichartigen Ernennungen mitgethetlt, während in Wirklichkeit Prof. Kirchhoff dte an dieser Stelle gemeldeten Worte gebraucht hat, aus denen mindestens hervorgeht, daß die Ernennung Schwenntnger's ohne Zuziehung der Fakultät erfolgt ist, weil sonst dte Worte nicht zu erklären waren, „daß der Minister sich zu jener Ernennung veranlaßt gesehen hat". — Für den durch Professor Bisping's Tod erledigten Lehrstuhl für neutesta- mentliche Exegese an der theologischen Fakultät zu Münster ist Dr. Heinrich Brill, RellgtonStehrer am Gymnasium zu Düren, in Aussicht genommen. — Dieser Tage fand tn Münster die feierliche Einführung drs neuen Rectors Professor Dr. Körting statt. — Dem Prtvatdocenien Dr. Grawitz tn Berlin, Assistent des dortigen vatho- logischen Instituts, ist dte Stellvertretung deS erkrankten Professors Grohe tn Greifs- wald übertragen worden. ______________________________________________________ Lokales. Gießen, 28. October. Tagesordnung für die Stadtverordneten-Sttzung am Donnerstag den 30. October 1884, Nachmittags 4 Uhr. 1. Anschaffung des Holzsamens für dte städtischen Waldungen. 2. Uebertragung der städtischen Armenpraxis an das akademische Hospital. 3. Neubau von Kliniken. 4. Ausführung deS Gesetzes über die Krankenversicherung der Arbeiter. 5. Errichtung von Militär-Lazarethen. 6. Die sogen. Wodestraße. 7. Gesuch deS EtSoereins Gießen um Erlaubniß zur Aufstellung einer Bude. 8. Gesuch der Gebrüder Kauffmann um Erlaubniß zur Anlegung einer gepflasterten Rinne nach der Wieseck. 9. Anlagen auf den Wieseckböschungen. 10. Ausbau der Ostanlage. 11. Ausbau der Ludwigstraße. 12. Straßenbeleuchtung. 13. Den Fluthgraben in der Sonnenstraße betr. 14. Pflasterung eines Theils der Wetzst'ingasse. 15. Gesundheitszustand der Stadt Gießen. 16. Altkatbolischer Religionsunterricht. 17. Wörl's Reisehandbücher. Gießen, 28. October. Gestern Nachmittag wurde eine hiesige Frau von einem Fuhrmann aus Lick, welcher im scharfen Trabe vom Kreuzplatz um die Ecke nach dem Neuenweg fuhr, überfahren. Einige unbedeutende Verletzungen hat die Frau davongetragen. Vermischtes. — Nach den statistischen Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen-und Stahlindustrieller belief sich die Roheisenproduction des deutschen Reichs (einschließlich Luxemburgs) im Monat September 1884 auf 294330 Tonnen, darunter 165 428 Tonnen Puddelroheisen, 11033 Tonnen Spiegeletsen, 37 200 Tonnen Beffemerroheisen, 44 641 Tonnen Thomasroheisen und 32928 Tonnen Gießereiroheisen. Die Production im September 1883 betrug 278 486 Tonnen. Vom 1. Januar bis 30. September 1884 wurden producirt 2 678 953 Tonnen gegen 2 514 358 Tonnen im Vorjahre. — (Vacante Stellen für Militäranwacter im Bereiche des 11. Armee-Corps.) Strecke Cassel-Frankfurt (Main) bezw. Friedberg-Hanau, Eisenbahn-Betriebsamr (Matn-Weser-Bahn) zu Cassel, 5 Stationsaspiranten, Anfangs je 75 X pro Monat, steigend. Daselbst Rangtrmeisterdiätar, 67,50 X pro Monat, steigend. Brügge (Westfalen), Postamt, Landbriefträger, 540 Gehalt und 60 Wohnungsgeldzuschuß jährlich. Großenritte, Postagentur, Posthilfsbote tm Landbriefträgerdienst, 1 X Tagegeld. Jma, Amtsgericht, dritter Diener, 800 X Gehalt jährlich, steigend. Limburg (Lahn), Bürgermeisteramt, Polizeidiener, 900 X Gehalt jährlich, freie Wohnung und Uniformslücke, Gehalt steigend bis 1200 X Offenbach (Main), Postamt, Postpacket- träger, 750 X Gehalt und 180 X Wohnungsgeldzuschuß jährlich. Orb, Magistrat, dritter Förster, 547% X Gehalt jährlich, nach 3 Jahren entsprechende Aufbesserung. Saalfeld (Saale), Postamt, Postschaffner, 800 X Gehalt und 72 X Wohnungsgeldzuschuß jährlich. Urberach, Postagentur, Landdriefträger, 500 X Gehalt und 60 x Wohnungsgeldzuschuß jährlich. Wiesbaden, Bürgermeisterei, 2 Waldprornenaden,Aufseher, welche in den 4 Wintermonaten zur Verstärkung ber Nachtwache dienen sollen, je 900 X Gehalt jährlich und Dienstkleidung. Eingesandt. — Von Herrn Rechtsanwalt Jo eckel in Friedberg erhalten wir nachstehende Zuschrift: „Sie haben aus der „Frankfurter Zeitung" eine den Collegen Brentano und mich betreffende Correspondenz aus Drlbel abgedruckt, welche nachstehender Bes richtigung bedarf. Herr Brentano hatte als Vertreter des Beklagten gegen die von mir vertretene Klage Einreden geltend gemacht, die sich auf IhatsSchttche Behauptungen stützten, über deren Wahrheit oder Unwahrheit ich mich wegen mangelnder Kenntniß derselben nicht erklären konnte. Ich stellte daher den Antrag, einen anderen Verhandlungstermin zu bestimmen, aber den Gegner in die Kosten des Termins zu verurtheilen, weil er mir seine Einreden vor dem Termin nicht mitgethetlt und mir dadurch unmöglich gemacht habe, vor dem Termine Instruction über solche einzuholen. Heber diesen Antrag wmde verhandelt, das Gericht setzte die Entscheidung über denselben auS und beschloß, solche in 8 Tagen zu verkündigen. Die Politik ist bet dieser Verhandlung mit keiner Silbe gestreift worden, ebenso» wenig hat das Gericht den Termin verschoben, noch hat dasselbe uns Anwälte in die Kosten oerurtbetlt. Ich ersuche Sie, dtrse Berichtigung in Ihr Blatt aufzunehmen. Hochachtungsvoll H. Joeckel, Rechtsanwalt. Vergangenen Sonntag Abend hatten wir Gelegenheit, einige recht amüsante und genußreiche Stunden zu verleben, die sicher Allen, denen es gegönnt war, der vom Verein „Fröhlichkeit" m dem festlich decorirten Saale des Hotel Einhorn begangenen 3. Stiftungsfeier beizuwohnen, noch lange im Gedächtniß bleiben werden. Schon die zahlreiche Theilnahme der eingeladenen Gäste zeugte von der Beliebtheit deS Vereins. Man hat es hier nicht mit einem Vereine zu thun, der seine Vergnügen auf der Kneipe sucht, sondern mit einem Vereine, welcher bestrebt ist, echte brüderliche Freundschaft und Geselligkeit zu fördern und wo es gilt, auch etwas zu bieten versteht. Die von einigen Mitgliedern, sowie Damen deS Verein« mit achtungs- werther Sicherheit zur Aufführung gebrachten Stücke ernteten reichen Beifall. Besonders aber sei noch der lebenden Bilder gedacht, welche den Arrangeuren alle Ehre machten und fast unendliches Bravo hervorriefen. Nach Beendigung de« CorcertprogrammS hielt das Tanzvergnügen Mitglieder und Gäste bis zur frühen Morgenstunde zusammen. Möge dieser Verein immer wachsen und blühen und noch viele ähnliche Feste in so fröhlicher Weise feiern. Viele Gönner des Vereins. Theater. Gießen, 28. October. Nach der außerordentlich beifälligen Aufnahme, die „der Probepfeil" bet unserem kunstsinnigen Publikum sand, wird uns morgen wieder eine Novität vorgeführt, die f. Z. noch größeres Aufsehen gemacht hat. „Cyprtenne" oder wie der französische Titel lautet: „Di verpons!“ behandelt, wie letzterer schon andeutet, dieEhescheidungs- fraae, aber nicht in tragischer, sondern in durchaus luftiger Weise und in so liebenswürdigem Gewände, daß man das aufrichtigste Vergnügen empfindet, abgesehen davon, daß uns diese allerliebsten Drolerien, mit denen baß Stück wie absichtslos ausgeschmückt ist, stellenweise das herzlichste Lachen abgewinnen. Die Hauptrollen werden vertreten durch Fräulein v. Jagernann (Titelrolle), die Herren Halm, Herrmann, Schwarz u. s. w. Auf die Aufführung der „Cyprtenne" dürfen wir mit Recht gespannt sein. Schiffsnachrichten. Bremen, 27. October. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Habsburg, Capt. Fr. Pfeiffer, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 11. October von Bremen und am 14. October von Southampton abgegangen war, ist am 25. October wohlbehalten in Newyork angekommen. Bremen, 27. October. (Per transatlantischen Telegraph.j Der Postdampfer Ohio, Capt. H. Richter, vom Norddeutschen Lloyd tn Bremen, welcher am 4. October von Bremen abgegangen war, ist heute wohlbehalten in Galvtston angekommen. Handel und Verkehr. Gießen, den28.October. Auf dem heuttgen Markt Mete Butter per Pfund X 1.00—1.05, Hühnereier pr. Stück 7—0 Käse St. 4—9 Zt/ Kasematte 2-3 H, Erbsen pr- Liter 20 H, Linsen 26 Tauben per Paar 0,45—0,50 H, Hühner per Stück X 0.90—1.20, Hahnen pr. Stück X 0.60—1.00, Enten per Stück X 130-1.50, Gänse per Pfund 42—54 H, Welsche X 0.00—0.00, Ochsenfleisch per Pfund 68—70 H, Kuh- und Nindfleijch 56—60 H, Schweinefleisch 54—60 Hammelfleisch 60-70 H, Kalbfleisch 56-60 «A, Kartoffeln per 100 Kilo X 3.00—4.50, Milch per Liter 12—16 4, Zwiebeln per Ctr. X 4.00-5.00, Weißkraut pr. Stück 4-9 Frankfurt, 27.October. (Getreide-Preise.) Weizen eff. hiesiger und Wctterauer X 17—1'«, fremder X 17, Roggen eff. hies. X löVz—* 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11/«, fremd- X 15* 2 —1531»> Gerste eff. hies. u. Wetterauer X 17V2—I8V2, fremde X 18—19'/r, Hafer eff. hies. X 138/4—14, fremder X 133/«—14’/2. — Rüböl eff. ohne Faß hies. in Parthien von 50 Ctr. X 30. Branntwein eff. ohne Faß X 42. Frankfurt, 27. October. Der heutige Viehmarkt war stark befahren. Angetrieben waren 380 Ochsen, ca. 22 Bullen, ca. 305 Kühe und Rinder, ca. 174 Kälber. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. X 68-70, 2. Qual. X 63—65, Kühe und Rinder l.Qual. X 59 —62, 2. Qual. X 42—52, Kälber 1. Qual. 65-68, 2. Qual. X 60—00 per 100 Pfund Schlachtgewicht. "'“toi scher istzr L'Ä*1"*! I‘<5 Y» ,b8it>i ' ffi ?liW 3? ■®«5nan#8(.tlhW ’s'tbtenft ■fa Lr-LH * otr «achstehch fr ®rentano oci klachstehevder & M die M mir % «Behauptungen fiütieD ober Äenntntfe dnsklb» rr» Von Brikett’» der Braunkohlengrube und Vrikett- fabrik Friedrich halte ich stets Lager und werden dieselben in jedem beliebigen Quantum zu reellem Preise ins Haus geliefert. 7016 August Kröll. Kohlenkasten, Kohlenlöffel, Kohleneimer, Kochgeschirre, roh unv emaillirt, empfiehlt billigst Wilhelm Seibert, 6588_________Marktstraße.__________ 6938 Eine fast neue Strickmaschine ist sehr billig zu verkaufen. Näheres bei Frau Eichenberg, Seltersweg 2. ßegeumantel für Damen K Kinder in den neuesten FayonS und in größter Auswahl offerirt billigst F. Helberg, 5778 Kirchenplatz. Deutscher Hof. | Kitsinger $ Essportbier A aus der Brauerei von K Th. Ehemann. 6905 * empfiehlt MM Wmterbedarf -rX Braunkohlenbriketts ab Werk su 50 Ffg. pr. Gentner. 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Generalversammlung 7123 7124 Mittwoch den 99. October, Abend* G Uhr9 tm Cafe Ebel. Tagesordnung: 1) Bericht über das vorherige Vereinsjahr. 2) Nechnungsablage. 3) Vorstandswahl. Der Vorstand. Akademischer Gesangverein, ß Freitag den 31. October er., Abends 8 Uhr, gemeinschaftlicher Beginn der Proben zu „Judas Maccabäus“ von G. F. Händel. Anmeldungen neuer Mitglieder nimmt der akademische Musikdirektor an den Probe-Abenden in der kleinen Aula entgegen.Der Vorstand. Sonnenstrasse W Ml Sonnenstrasse 25 JHL Jr HOF 25 empfiehlt für die Wintersaison: Kaputzen, Tücher, Westen, TricottaiUen, Müffchen, Kragen, Boas, Kinder-Kleidchen und -Jäckchen, Beinlängen und Strümpfe, Gramaschen, ‘Unterhosen und -Jacken, Stoff-, "Wildleder- und G-lace-IH^andschnhe, letztere in schwarz und farbig für B^k. 1.50 in schöner Qualität, Cor- setten, Schürzen und Krausen»6577 In der elegant gebauten Bude lllir ällf auf dem Oswald - Garten. lvkNlgt Tägt. Döllens weltberühmte mechanische Kunstausstellung Reise um die Welt in drei Serien eingetheilt- Serie 1 mit 50 Ansichten ist ausgestellt und enthält: „Die prachtvolle Reise durch Italien", „Savoyen", „Montblance-Besteigung", „Schweiz" und „Frankreich". Sämmtliche Ansichten sind auf Glas photographirt und so plastisch, der Natur treu ausgenommen, daß sich der Besucher an Ärl und Stelle versetzt glaubt; auch werden dieselben dem Beschauer mittelst eines Rotationsapparates oorgeführt und braucht man dabei den Platz nicht zu wechseln. Bitte dieses Geschäft nicht mit einem Panorama zu verwechseln, indem dies das einzige in dieser Construction in ganz Deutschland ist. Die Ausstellung ist täglich geöffnet von Vormittags 10 Nhr bis Abends 10 Uhr. Eintrittspreis ä Person 30 Familienkarten für 4 Personen 1 X. Abonnementskarten für 2 Serien ä Person 50 H. Kinder 15 4. 7023 Zu zahlreichem Besuche ladet ein ». DBlSe. Louis Braubaeh^ Dampffsrberei und chem. 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