Nr. IMS Sanistag den 28. Juni 1SS1 E-,1Geint mit Ausnahme be» MonSsgA. VW»saUr Schulstraße 7. PreLK viei-teljährlich 2 Mark 20 Pf. mit BringerkohL Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Kf. A! AwLticher HHeiL. Betreffend: Die Errichtung von Arbeiter-Colonieen. Gießen, den 26. Juni 1884. Das GroßherZogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. In Auftrag Großherzoglichen Ministeriums benachrichtigen wir Sie, daß von dem Centralvorstand der Deutschen Arbeiter-Colonieen ein Korrespondenzblatt, genannt: „Die Arbeiter-Colonie", in monatlichen Heften herausgegeben wird, welches im Jahresabonnement 1 50 durch Agenten bezogen 1 25 H, kostet. Das Blatt ist bestimmt, die Interessen der Deutschen Arbeiter-Colonieen und Naturalverpstegungs-Stationen zu fördern. ___________________________________________________Dr. Boekmann.__ Bekanntmachung. Betreffend: Die Abhaltung des Schützenfestes vom 28., 29., 30 Juni und 1. Juli 1884 in Gießen. Während der Schützensesttage am 28., 29., 30. Juni und 1. Juli l. I. ist der Feldweg von der Licherstraße zur Grünbergerstraße insofern für Fuhrwerk und Reiter gesperrt, als dieser Feldweg bis auf einen für Fußgänger .frei bleibenden schmalen Pfad zu dem Festplatz zugezogen worden ist, so daß ein Fahren und Reiten an der fraglichen Stelle nicht stattfinden kann. Gießen, den 27. Juni 1884. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. ______________________________Fresenius._____________________ Politische »eberficht. GLeßen, 27. Juni. Die Colonialfrage für das deutsche Reich, welche schon längere Zeit auf der politischen Tagesordnung steht, ist in der Montags-Sitzung der Budget-Commission des Reichstages Gegenstand eingehender Erörterungen gewesen, denen der Umstand, daß der mitanwesende Reichskanzler das Wort ergriff und zum ersten Male in einer parlamentarischen Versammlung klar die Ziele seiner überseeischen Politik darlegte, eine ganz besondere Bedeutung verleiht. Es handelte sich um die weitere Berathung der vom Plenum nach der ersten Lesung an die Budget-Commission überwiesenen Dampfer-Subventions- Vorlage und richtete hierbei der Abg. Hammacher an den Kanzler die Bitte, womöglich über die Frage der gesammten Colonialpolitik der Reichsregierung Aufschluß zu geben. Der leitende Staatsmann hat dieser Bitte in bereitwilligster Weise entsprochen und die Ziele der deutschen Colonialpolitik dargelegt, welche darin gipfeln, daß das Reich sich in keine ungewiffen und kostspieligen Colonial-Unternehmungen im großen Style stürzen werde, wohl aber geneigt sei, kaufmännischen Privat-Unternehmungen in transoceanischen Gebieten vollsten Schutz und Unterstützung zuzumenden. Dem deutschen Unternehmungsgeiste, welcher im Auslande neue Ansiedelungen betreibt, müsse dort, wo bisher sich keine fremde Macht festgesetzt habe, die wünschenswerthe und nothwenvige Protection des Vaterlandes zu Theil werden. In diesem Sinne sei auch die Angra- Pequena-Frage behandelt worden. Ueber den Ausgang dieser Angelegenheit machte Fürst Bismarck die erfreuliche Mittheilung, daß England nunmehr eingewilligt habe, daß die Lüderitzffchen Erwerbungen in Angra - Pequena unter deutschen Schutz gestellt worden sind. Aus den ferneren Aeußerungen des Reichskanzlers ging noch hervor, daß er auf das Zustandekommen der Dampfer- Subventions-Vorlage nach wie vor großen Werth legt und daß deren Ablehnung Seitens des Reichstages seine (des Kanzlers) weiteren Entschließungen in der Colonialfrage bedenklich beeinflussen würde. Nach dem entschiedenen Eintreten des Reichskanzlers für obige Vorlage steht zu erwarten, daß diese dem Plenum von der Commission zur Annahme empfohlen werden wird und eine bejahende Entscheidung des Parlaments würde die Colonialsrage um einen großen Schritt ihrer vom Fürsten Bismarck angedeuteten Lösung entgegenführen. Seitdem der Reichstag das Unfallversicherungs-Gesetz in zweiter Lesung angenommen hat, arbeitet er mit Hochdruck. Zur Erledigung der zweiten Lesung der Actiengesetz-Novelle brauchte er nur die Sitzung vom Montag und wurde in derselben die Vorlage in allen Stücken in der von der Commission beantragten Fassung angenommen. In ebenso prompter Weise führte er am Dienstag die zweite Lesung des Militär- und Marine-Relicten- Gesetzes durch, welches gleichfalls nach den Commissions-Anträgen genehmigt wurde. Das Haus erledigte hieraus noch einige Petitionen und erklärte schließlich noch die Wahl des Abg. Leuschner im 17. sächsischen Wahlkreise wegen vielfacher Wahlbeeinflussungen für ungültig. Auf dem Gebiete der hohen Politik herrschen die Erklärungen, welche von den Negierungen am Montag in den Parlamenten von Paris und London über vas englisch-französische Abkommen und den Stand der Conferenz- srage abgegeben worden sind, unbedingt vor. In reichster Fülle fließen die Mittheilungen über das westmächtliche Präliminar-Abkommen wegen Egyptens und namentlich berichtet der Telegraph über die Debatten in beiden Häusern des englischen Parlamentes bezüglich dieses Gegenstandes in ausführlichster Weise. Ueber die hauptsächlichsten Bestimmungen der Convention machte der Premier Gladstone folgende Mittheilungen im Unterhause, welche sich im Wesentlichen mit denen, die Lord Granville im Oberhause und Ministerpräsident Ferry in der französischen Deputirtenkammer machte, decken: Die englische Regierung verpflichtet sich, am 1. Januar 1888 die militärische Occupation Egyptens auf- zuheben, falls die Mächte alsdann erklären, daß aus dem Rückzüge der englischen Truppen keine Gefahren für die Ordnung und den Frieden in Egypten mehr erwachsen. Die General-Controle der egyptischen Finanzen iß abgeschafft und wird dafür eine internationale Schulden-Commission mit erweiterten Befugnissen und einem Engländer als Vorsitzenden eingesetzt. Endlich verpflichtet sich die englische Regierung, die Neutralisirung Egyptens und des Suezkanals vorzubereiten. Ferner erklärte Mr. Gladstone, die erste Conferenz-Sitzung würde kommenden Samstag stattsinden und würden bis dahin die weiteren Detalls des Finanzprojectes, mit welchem sich die Conserenz lediglich beschäftigen würde, den Mächten zugegangen sein. Sobald die Conferenz einen Beschluß gefaßt habe, solle derselbe dem Parlamente vorgelegt werden; falls aber letzteres diesen Beschluß nicht billigen sollte, würde die Regierung unverweilt zurücktreten. Nun, dies strebt ja die Opposition in beiden Häusern des englischen Parlamentes aus allen Kräften an und es darf darum nicht überraschen, daß die oppositionellen Führer, Northcote, Salisbury u. s. w., das Arrangement bereits in heftigster Weise angegriffen haben und verlautet auch schon von einem in Vorbereitung befindlichen Tadelsantrage der Conservativen gegen das Cabinet Gladstone. Wenn so dem letzteren das Abkommen mit Frankreich voraussichtlich noch heftige parlamentarische Stürme zuziehen wird, so hat dagegen die französische Deputirtenkammer die betr. Erklärungen Ferry's mit einer gewissen Reserve, jedoch gerade nicht ungünstig, ausgenommen. Es wurde dem Ministerpräsidenten bei verschiedenen Stellen sogar der Beifall der Kammer zu Theil und dies charakterisirt die Stimmung der maßgebenden republikanischen Fraktionen in der egyptischen Angelegenheit zur Genüge. —- Ein unheimlicher Gast hat sich im Süden Frankreichs, in Toulon, eingestellt — die Cholera. Dieselbe ist hier in den Marine-Hospitälern ausgetreten und obwohl osficielle Berichte besagen, daß man es nicht mit der echten, asiatischen, sondern nur mit der sporadischen Cholera zu thun habe, so haben sie doch nicht verhindern können, daß in Toulon vollständige Panik herrscht. Bis Dienstag Abend waren 6 Todesfälle an Cholera officiell bekannt. In der italienischen Deputirtenkammer ist am Dienstag die Generaldebatte über das Budget des Innern zu Ende geführt worden, nachdem dieselbe überaus heftige Angriffe der Opposition gegen den Minißerpräsidenten de Pretis wegen dessen innerer Politik zu Tage gefördert hatte. Von den regierungsfreundlichen Deputirten Mordini und Minghetti wurde daher am Schluß der Debatte ein Vertrauensvotum für de Pretis beantragt, das aber nicht zu Stande kam, da die „Pentarchisten" und die radikalen Abgeordneten die Sitzung verließen und somit das Haus beschlußunfähig machten. Am Mittwoch sollte die Abstimmung wiederholt werden. In Norwegen thürmen sich der Neubildung des Cabinets immer neue Hindernisse entgegen. Professor Broch, welcher vom König mit der Lösung dieser Aufgabe betraut worden war, hat sich außer Stande gesehen, ein der Linken angenehmes Ministerium zu bilden und ist darum von dieser Aufgabe zurückgetreten. Es ist nun der Storthings-Präsident Sverdrup vom König ersucht worden, ihn in der Cabinetsblldung zu unterstützen. Sverdrup wird aber sein Ministerium jedenfalls nur aus den Reihen der Radikalen entnehmen und ob es in dieser einseitigen Zusammensetzung von dem Monarchen gutgeheißen werden wird, ist wiederum sehr fraglich. Deutschland« —I. Darmstadt, 26. Juni. sZweite Kammer der ßanbßanbe.] Nach Eröffnung der heutigen Sitzung machte der Präsident der Kammer Miltheilung von einem Edict Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs, welches den Schluß des diesjährigen Landtags auf morgen, Freitag den 27. Juni, Mittags 12 Uhr, festsetzt. Man schritt hierauf zur Berathung des Antrags des Abgeordneten El len berg er, die Vorlage eines Gesetzes über die Ablösung der auf Waldungen haftenden Berechtigungen betr.. Nachdem Ellenberger nochmals in längerer Rede seinen Antrag motioirt hatte, wurde der Ausschußantrag einstimmig angenommen, der, wie schon neulich be- richtet, dahin woöe Großherzogliche Regierung ersuchen, baldmöglichst einen die neuere Adlösungsgesetzgebung berücksichtigenden Gesetzesentwurf, die Ablösung der auf Waldungen haftenden Berechtigungen betreffend, an die Stände gelangen zu lassen." Folgende Interpellationen wurden noch beartwortet: 1) Die Interpellation des Abgeordneten Maurer, das C vildiener-Wittwen- Jnstttut betreffend. Der Abgeordnete Schröder hatte den Antrag gestellt, den Ständen eine Gesetzesvorlage zu machen, welche das Cioildtener-Wittwcn-Jnstttut neu regele. Auf die Mittheilung der Regierung hin, daß sie schon fett längerer Zeit mit den Vorarbeiten zur Prüfung dieser Frage sich befaßt habe, wurde von beiden Kammern der Stände beschlossen, den Antrag des Abg. Schröder für erledigt zu erklären. Abg. Maurer stellte nun an Großh. Staatsregierung die Anfrage: Wie weit die zugesagten Vorarbeiten gediehen seien und ob die entsprechende Gesetzesvorlage nunmehr erwartet werden könne. Diese Interpellation wurde für erledigt erklärt, nachdem die Regierung eine Regelung der Sache für nächsten Landtag zugesagt hatte. 2) Die Interpellation des Abgeordneten Lautz, betreffend die Verlegung des Knotenpunktes der Hessischen Ludwigsbahu-Station WiebelSbach-Heubach nach Groß-Umstadt. Se. Exc. Mtntsterialpräsident Schleiermacher antwortet Namens der Re- glemng, daß dieselbe den Antrag nicht unterstützen könne, da die Verlegung dieser Station einerseits sehr große Kosten (ca. 480,000 vM) mit sich bringen würde, andererseits aber auch verschiedene Gemeinden allzu große Entfernungen von der Station er- bielten. Abg. Lautz spricht sich nochmals für Verlegung aus, worin er von dem Abg. Osann unterstützt wird, und richtet schließlich an die Regierung die dringende Bitte, die Sache nochmals in Erwägung zu ziehen. 3) Die Interpellation des Abg. Metz über den Stand der Vorarbeiten wegen Erhöhung und Verstärkung der hessischen Rhetndämme und sonstigen Uferschutzbauten. Don der Regierung wurde geantwortet, daß die Commission von auswärtigen Technikern noch nicht zusammengetreten sei, daß jedoch das Material für dieselbe bereit liege und im nächsten Landtag bestimmt eine Gesetzesvorlage gemacht würde. Die Sache wurde damit für erledigt erklärt. 4) Interpellation des Abg. Wasserburg, betr. Verletzung drS Wahlgeheim- niffeS durch eins richterliche Behörde. Ministerialpräsideut Finger erklärt, daß er nicht im Stande fei, Über den Verlauf der Sache etwas Genaues anzugeben. Im Uebrigen könne die Regierung eine richterliche Entscheidung nicht antasten. Die Parteien hätten an höhere Gerichte appelltren sollen. Rach längerer Debatte,' an der sich die Abgeordneten Wasserburg, Frank gegen den Abgeordnetm Osann bethetltgten, wurde die Jntr.pellation für erledigt erklärt. Letzte Sitzung des diesjährigen Landtags Freitag dm 27. Juni. Krarrkreich. Paris, 25. Juni Eine Mittheilung des Handelsministers, nach welcher heute 2 Cholera-Todesfälle in Toulon vorgekommen sind, besagt, daß alle Aerzte übereinstimmend der Meinung sind, die Cholera sei nur sporadischer Natur. Der allgemeine Gesundheitszustand in Marseille und in dem ganzen benachbarten Gebiet sei nach wie vor ein günstiger. — Rach weiteren Meldungen aus Toulon sind im Laufe des Nachmittags noch 3 Cholera-Todesfälle vorgekommen, so daß sich die Zahl der am heutigen Tage an der Cholera verstorbenen Personen auf 5 stellt. Neuerdings choleraverdächttg erkrankte Personen sind in das Cwil-Hosptlal heute nicht elngebracht wordcn. Die Bevölkerung zeigt sich wieder beruhigt. Rußland. Odessa, 25. Juni. Der in seiner Wohnung tobt aufgefundene Adjutant der GenSdarmerte-Verwaltung, Capttän Gidscheu, ist, wie die Untersuchung ergeben hat, von seinem Diener zum Zwecke der Beraubung ermordet worden. Nischrri-Nowgorod, 25. Juni. Bei den am 19. (7) d. M. Hierselbst stattgehabten Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung sind 8 Personen um's Leben gekommen und 9, daruntrr 5 lebensgefährlich, verwundet. Weitere Ruhestörungen sind hier nicht vorgekommen. Zur Untersuchung der Vorfälle 'st der Prokurator des AppellationSgerrchtshofs zu Moskau, Murawsiff, hier etngetroffen. — Eine Publikation des Gouverneurs im heutigen Tageblatt macht gegenüber den hier verbreiteten Gerüchten, daß in Kunawino wohnende Juden ein Christenmädchen geschlachtet hätten, bekannt, daß, wie die strenge Untersuchung über die Vorgänge am 19. (7.) dss. Mts. ergeben habe, diese Gerüchte lediglich auf Erfindung beruhten. Trlegra-Hischr Depesche«. Wolff'- teles«. Eorresvorrdem-WrrLeatt. Berlin, 26. Juni. In der heutigen Sitzung des Reichstages wurden bei Gelegenheit der Berathung des Handelsvertrages mit Corea die Dampfersubventionsund Colonialfragen in eingehendster Weise berührt. Hierbei betonten dre Conseroattven und Nationalltberalen den unmittelbaren Zusammenhang dieser Fragen und traten für das Zustandekommen der Dampfersubventron ein, während das Centrum und die Freisinnigen in Rücksicht auf die erheblichen finanziellen Anforderungcn eine vorherige sorgsame Prüfung — die in dieser Session jedoch nicht mehr möglich sei - forderten. Fürst Bismarck wies den Vorwurf zurück, als ob die Vorlage durch ihn verzögert sei und bedauerte, daß ein Theil des Hauses ihm nicht das nöthige Vertrauen entgegenbringe. Indem er auf seine jüngsten Erklärungen zurückkam, wiederholte er, daß es sich um eine Colontalpolittk durch Reichszuschuß und Reichsschutz, aber nicht um utopische Ideen, — nicht um die Gründung neuer Provinzen handle. Wenn Deutsche im Auslande von dem Reiche Schutz verlangten, dann könnte er denselben nicht versagen, eine solche Bankerotterklärung könnte er nicht abgeben. Die späte Einbringung der Vorlage sei zu erklären durch die ausgedehnten Verhandlungen mit dem befreundeten England wegen Angra Pequena. Der Reichskanzler bedauerte sodann, daß sein Gesundheitszustand es ihm nicht gestatte, die Mittheilungen soweit auszudehnen, wie er es gerne möchte und bedielt es sich vor. in der nächsten Session auf die Vorlage zurückzukommen. — Der Abgeordnete Richter äußerte, daß durch die heutigen Verhandlungen, bet welchen die von dem Fürsten Bismarck abgegebenen Erklärungen viele Befürchtungen zerstreut hätten, die ganze Situation wesentlich zum Vortheil der Subventionß- vorlage geklärt würde. — Hierauf ergriff Fürst Bismarck von Neuem das Wort- Es freue ihn ungemein, daß der Abgeordnete Richier jetzt der Vorlage viel näher stehe; fahren Sie nur so fort!" (Heiterkeit.) Wenn die Regierung sich in fünf Minuten über die allerwichtigsten Amendements schlüssig machen müßte, so könnt-n sich doch die Commission und das Plenum in vier Wochen über die Regierungsvorlage schlüssig machen. Die subventtontrten Postdampfer würden die Auswanderung nicht fördern Wenn die Auswanderungslustigen Export und Schutzzoll batten, würdm sie im Lande bleiben. Was die in der Commission erwähnte Festung Metz betreffe, so habe er (der Reichskanzler) sie nur in der Antwort auf eine Bemerkung des Abgeordneten Bamberger erwähnt. Uebr'gens habe man früher lange geglaubt, daß ein zweiter französischer Krieg ausbrechen werde. „Die Neigung hierzu war überall vorhanden, trotzdcm müssen Sie mir das Zeugniß ausstellen, daß ich es nicht dazu habe kommen lasten." Seit vierzehn Jahren habe Frankreich durch mehrere Regierungen hindurch Deutschland Vertrauen bewahrt, und unsere Beziehungen zu der französischen Regierung seien so vertrauttch und freundttch, wie zu der irgend eines anderen Landes. Es herrsche e n volles Vertrauen auf Gegenseitigkeit und Ehrlichkeit. Der Kanzler freue sich, diese Thatsachen bei dieser Gelegenheit hsrvorheben zu können. Nachdem die erste Lesung geschlossen war, wurde sofort in die zweite eingetreten, wobei der Handelsvertrag mit Corea debattelos zur Annahme gelangte. Die nächste Sitzung findet morgen statt. Beuthen, 26. Juni. Die Beuthner Feuerwehr wurde zur Hülfe nach Schwientochlowitz allarmirt. Sämmtliche verschüttete Bergleute sollen noch am Leben sein ; 10 sind bereits herausgesördert. , Breslau, 2£ Juni. Wie die Bresl. Ztg." meldet, sind acht von den in der Grube „Deutschland" Verschütteten lebend heraufgebracht worden und ist Hoffnung vorhanden, daß noch mehrere gerettet werden m nunmehriger Feststellung beträgt die Zahl der in der Grube „Deutschland" verschütteten Bergleute 42. ParrS, 26. Juni. Nach den letzten Berichten aus Toulon find daselbst gestern Abend noch zwei Todesfälle an Cholera eingetreten, so daß fich die Ge- sammtzahl der gestrigen Todesfälle auf 7 beläuft. — Nach hier eingegangener Meldung aus Hanoi vom 23. Juni hat eine Verletzung dcs mit China am 11. Mai abgeschlossenen Vertrages stattgefunden. Obgleich von Seiten der chinesischen Regierung die Räumung von Langson angemeldet worden war, wurde die französische Garnison am 23. Juni auf dem Marsche von etwa 4000 regulären chinesischen Truppen, welche verschanzt waren und Artillerie bei sich hatten, angegriffen. Die französischen Truppen verloren 7 Todte und 42 Verwundete. Negrier ist mit Verstärkungen nach Langson abgegangen. — Eine an den Marineminister gerichtete Depesche vom 25. ds. bestätigt, daß eine Colonne von 700 Mann, darunter 300 tongkingnesische Hülfstruppen, als dieselben Langson besetzen wollten, in einem Defilv von 4000 Mann regulärer chinesischer Truppen angegriffen wurden. Die Colonne behauptete ihre Positionen und zwang den Feind zum Rückzüge. — Der Ministerrath hat anläßlich des Gefechtes von Langson den General Millot telegraphisch angewiesen, die Rücksendung von Truppen aus Tong- king nach Frankreich einzustellen. Admiral Courbet, welcher sich gegenwärtig in der Vai von Along befindet, erhielt gleichzeitig Befehl, sich mit der Flotten- Abtheilung unter Admiral Lespes zu vereinigen. Admiral Courbet soll sich mit dem Gesandten Patenotre wegen der zu treffenden Maßregeln verständigen. 26. Juni. Depvtirtenkammer. Auf eine Anfrage Rouvier's erklärte der Handelsminister, er habe bisher zwei Berichte aus Toulon erhalten. Die Zahl der an der Cholera Erkrankten fei wenig erheblich, obwohl die Krankheit bereits vor zwölf Tagen zum ersten Male aufgetreten fei, die Krankheit habe also keinen stark um sich greifenden Charakter. Durch Reisende fei die Krankheit nicht verbreitet worden. Uebrigens hätten die Aerzte sich wiederholt dahin ausgesprochen, daß es sich um eine sporadische, nicht um die asiatische Cholera handele. Es seien alle Maßregeln getroffen worden, um eine Ausdehnung der Epidemie zu verhindern. Die Regierung habe niemals gezaudert, wenn es sich darum handelte, daS Land gegen die Mahr einer ansteckenden Krankheit von außerhalb zu schützen. Sollten außergewöhnliche Maßregeln nothwendig werden, so würden sie ohne Verzug ergriffen werden. — Der Conseilp resident Ferry erwiderte Tenot, der Gesandte Patenotre sei angewiesen worden, sich sofort nach Peking zu begeben, um wegen der Vorgänge bet Langson Ge- nugthuung zu verlangen; gleichzeitig habe Admiral Courbet den Befehl erhalten, mit zwei Geschwadern nordwärts zu gehen, um Patmotre zu unterstützen. Rom, 26. Juni. Die italienische Postverwaltung ist davon verständigt worden, daß der postalische Packetverkehr von Frankreich nach Italien bis auf Weiteres eingestellt ist; von Frankreich kommende Correspondenzen werden an der Grenze desinficirt. Konstantinopel, 26. Juni. Die Provenienzen aus Toulon haben sich einer regelmäßigen Quarantäne zu unterwerfen und müssen sich zu diesem Behufe ausschließlich nach Smyrna, Beiruth oder Tripolis begeben. Lokale». __ _ Gießen, 27. Juni. Nachdem in den letzten Tagen und zwar vom 9. bis 23. dS. zur Nachtzeit m hiesiger Stadt nicht weniger denn 36 Laternenscheiben zertrümmert worden, wurde in der Nacht vom 23. zum 24. ein Jünger der Wlssenschast dabei betroffen, wie er am Oswaldsgarten so lange an einem Laternenpfahl rüttelte, bis die Scheiben herausfielen und selbstredend zerbrachen. Außer diesem Zertrümmern von Scheiben sind in fragl. Zeit eine Menge von Beschädigungen an Wohnhäusern, Ausmachen von Laternen und zwar straßenweise, vorgekommen. Am tollsten war wohl die Nacht vom 23. zum 24., wo z. B. in den Neuen Säuen sehr grave Zerstörungen am Photograph Orth'schen Hause, wo das Firmenschild mit den Kloben herunter» gerissen und die neue Verschalung zerrissen, ferner der AuShängekaften der Photograph Wode Wrttwe vollständig zertrümmert und die in demselben befindlichen Photographien mitgenommen' wurden. Die Urhebers letzterer. Zerstörungen scheinen in der Nacht vom 25. zum 26. bet einem weiteren Demolirungsversuch am Orth'schen Hause ertappt worden zu fein. — Am Samstag den 21. ds. hat ein 9jähr?ger Schuljunge einen 7jährigen Mitschüler derart mißhandelt, auf den Boden geworfen, mit einem Stück Holz geboxt und mit einem Stein auf den Kopf geschlagen, daß das arme Kind heute Nacht unter gräßlichen Schmerzen gestorben ist. — Gieße«, 27. Juni. Die Tyroler Sängergesellschast Ludwig Rainer (sen.), die uns am 24. d. M. ergötzte, hat im Kurgarten von Wiesbaden an den darauf folgenden Tagen zwei Coucerte gegeben. Die Leistungen der Gesellschaft, berichtet die „Wiesbadener Zeitung", waren vorzüglich und ernteten bei den äußerst zahlreich erschienenen Gästen stürmischen Beifall. Kirchliche Anzeigen der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde. Gottesdienst. Samstag, den 28. Juni- Nachmittags 2 Uhr: Beichte, Pfarrer Dingeldey. 3. Sonntag nach Trinitatis, den 29. Juni. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Vormittags 9^2 Uhr: Pfarrer Schlosser. , Feier des heiligen Abendmahls. Kinderklrche, Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Schlosser. Abend 8 Uhr in der Kleinkinderschule Bibelstunde, Apoftclgesch. Kap. 11, von Vers 19 an. _ , r Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 29. Juni bis 5. Juli besorgt: Pfarrer Schlosser.,, Am nächsten Mittwoch, den 2. Juli, feiert der Hessische Ha uptver- ern der Gustav-Adolfs-Stiftung sein Jahresfest hier tu Gießen. Der Fest- gottesdienst beginnt, um 10 Uhr; in demselben wird nach der Festpredigt der Vereins- prasident die Gemeinde begrüßen, dann wird der Jahresbericht verlesen, und zuletzt werden 3 Abgeordnete der benachbarten Hauptvereine kurze Ansprachen halten; weitere Verhandlungen finden nicht statt, der Gottesdienst wird baruni nicht allzulange dauern, und es wird, gewiß den meisten Besuchern desselben möglich sein, bis zu Ende auszuhalten. Diejenigen, die vor Schluß desselben weggehen müssen, werden gebeten, während der, Gesänge, nicht während der Ansprachen, die Kirche zu verlassen. Die Gottesdienst-Ordnung, nebst Liedern, ist beim Eintritt in die Kirche zu haben, kann aber auch jetzt schon bei Herrn Kirchendiener Knoll abgeholt werden. Die Emporbühnen und die hintere Hälfte des Schiffs der Kirche werden von halb 10 Uhr an allen Besuchern des Gottesdienstes geöffnet sein, die anderen Plätze bleiben den Theilnehmern am Festzuge vorbehalten. Die Gemeinde wird freundlichst gebeten, durch recht zahlreiche Betheiligung am Gottesdienst, auch am Festzuge, die Feier unseres Festes zu fördern und sich selbst den Segen desselben zu gewinnen. Katholische Gemeinde. 4. Sonntag nach Pfingsten. (Fest der Apostelfürstcn Petrus und Paulus.) Von 6 Uhr an: Beichte. Um 7 Uhr: Frühmesse und Austheilung der hl. Commu- mon. VzlO Uhr: Hochamt und Festpredigt. 2 Uhr: Andacht. Gottesdienst in der Iynagoge. _ Uhr, Samstag Morgen 8 Uhr, Samstag Mittag 4 Uhr, Samstag Abend 910 Uhr. Vermischtes. Darmstadt, 25 Juni. Nach zweitägiger interessanter Verhandlung, die zum The'.! unter Ausschluß der Ocffentlrchkeit stattfand, bar das Schwurgericht gestern Abend über Friedrich Kaffenberger von Neumühle bei Roßdorf als Mörder der Katharine Bauer von Gunderr,Hausen im Sinne des § 178 R.-S.-G. (durch Nothzucht heroorgerufener Tod) sein U'.thetl gefällt. Dasselbe lautet auf lebenslängliche Zuchthausstrafe, wie der Staatsanwalt beantragt hatte, nachdem die Geschworenen die Frage der vollendeten Nothzucht, gemäß § 178, bejaht hatten. Kaffenberger erschien durch das Erkenntuiß gänzlich vernichtet; er hatte sich noch durch Vorschützung zeitweiliger Geistesstörung vergeblich zu retten versucht. Bezüglich der Katharina Bauer haben btt Sachverständigen conftattrt, daß der Tod zwar nicht durch Erdrosseln, aber durch Erstickung herbeigeführt worden sei, indem Kaffenberger, der übrigens nach Lage der Sache eine große Gewalt gegen sein Opfer aufgewendet haben müsse, wahrscheinlich dem durch die lange Verfolgung erschöpften Mädchen mit der Hand den Mund zu- <111II B——■ wehr?wmden fd" am schreien zu verhindern, wodurch der Lust der Zutritt ver- . Juni. Durch Art. 69 unseres Schulgesetzes ist eine Vertretung ^.^Ehrerndem Schulvolftend in der Weise angeordnet, daß der dienstülteste Lehrer Mitglied dieser Behörde ist, roenn mcht besondere Oberlehrer anaestellt sind Die Frage der Vertretung tm Schulvorstand, wenn der btenftfiltefte ßebrer aufier nnn fen Ahütte beigegeben ist, wurde vom Großh. Ministerium daß in diesem Falle auch die Functionen des betreffenden Lehrers tm Schulvorstand aufhoren und von dem nächst-dienstältesten Lehrer wabrzu- nehmen sind. v 0 Wafferwärme der Lahn. Am 27. Juni, zwischen 11 und 12 Uhr Mittags: 16V? R. — Lustwänne 20» R. _ ___Rübsamen. Aussordrrung. Ich fordere Diejenigen, welche an den Nachlaß des am 19. Januar cur. Hierselbst verstorbenen Aerztlichen Assistenten Herrn Emil Bonnes aus Dülken eine berechtigte, nicht verjährbare Forderung zu machen haben, auf, solche an mich oder an das Königliche Amtsgericht zu Neuwied bis zum 15. Juli cur. einzureichen, da spätere Anmeldungen nicht mehr berücksichtigt werden. Bendorf a/Rhein, den 20. Juni 1884. Der Pfleger des Nachlaßes: Dr. Colmant. 4329 Heugras- Versteigerung bei der Stadt Mendorf a. d. Lumda. Montag den 30. Juni l. I., Vormittags 8 Uhr anfangend soll das Heugras von den städtischen Wiesen, ca. 40 Morgen, versteigert werden. Zusammenkunft am Unterthor. Mendorf a. d. Lda., 26. Juni 1884. "Gr. Bürgermeisterei Allendorf a. d. Lda. Bieber. 4326 Samstag den 2. August, Vormittags 11 Uhr, soll auf dahiesigem Ortsgericht die Hof- raithe des Weißbinder Karl Euler II. Flur 1 1249 169 Meter Hofraithe in der Neustadt, Flur 1/1250 94 Meter Grabgarten daselbst Meistbietend versteigert werden. Gießen, den 27. Juni 1884. Großh. Ortsgericht. 4332 ____________Müller. Samstag den 5. Juli, Vormittags 11 Uhr, sollen auf dahiesigem Ortsgericht die Immobilien des Johannes Weber II. dahier Flur XXXIV/581aG/10 94) Mtr. Hof- r-n-q, 231 / raitbe am 5Jo /10 119) Schießhaus, „ XXXIV/595 7/io 226 Mtr. Hofraithe Garten daselbst, „ XXXX'256 838 Mtr. Acker im Gart- feld in der Schwarzlach links, „ XXXX/256a 188 Mtr. Acker daselbst, meistbietend versteigert werden. Gießen, den 12. Juni 1884. Großherzogliches Ortsgericht. 4047 Müller. Freitag den 18. Juli, Vormittags 11 Uhr, soll auf dahiesigem Ortsgericht die Hofraithe des Bernhard Dechevt dahier Flur 1/360 44 Mtr. Hofraithe im Tiefenweg, meistbietend versteigert' werden. Gießen, den 12. Juni 1884. Großberzogliches Ortsaericht. 4048 Müller. ‘ Ieikgeöoienes. 200 Bohnenstangen abzuge ben. (4348) Engelapotheke. Rohe und gebrannte Kaffee’s in besten Qualitäten und zu billigsten Preisen empfiehlt W. Th. Wittlich, 4193 Marktstraße 32. Allgemeiner Anzeiger. BekewnLwaHlmg. Die beiden ersten Ziele der Communalsteuer pro 1884/85 können in den nächsten 8 Tagen an den Zahltagen: DienStag, Donnerstag und Samstag noch ohne Kosten zur hiesigen Stadtkaffe bezahlt werden. Gießen, den 27. Juni 1884. Der Stadt-Rentmeister. I. 25.: ______________ H. Enders._________________ 4328 BekanNtwachung. Die nächste Steuererhebung für Gießen findet vom 1. bis incl. 19. k. Mts. (Vor- und Nachmittags) statt, wobei die Vrandversicherungs- beiträge miterhoben werden. Steuererlässe sind persönlich in Empfang zu nehmen und zu quittiren. ______________________Großherzogliche Districts-Einnehmerei Gießen L Pfennig-SparkaM Die Einleger werden aufgesordert, SamStag den 28. Juni l. I. die Sparkaffenscheine zum Zwecke der Einlage der Pfennigspargelder in die Sparkaffe dahier an die Pfennigsparkasse-Erheber abzugeben. Gießen, den 26. Juni 1884. DaS (Kuratorium. Gustav-Adolss-Iest in Gießen. Diejenigen Herren und Damen, denen etwa die Einschreibliste zur Betheiligung an dem gemeinsamen Mittagessen bei unserem Gustav-Adolfs-Fest am nächsten Mittwoch den 2. Juli nicht zugekommen sein sollte, und alle, die sonst noch wünschen, sich an dem Festessen zu betheiligen, können bis zum nächsten Montag Mittag Karten zum Festeffen in Empfang nehmen bei Herrn Kirchendiener Knoll, auch bei Herrn Kreisamtsgehilfen Döring und Pfarrer Dr. Raumann. Gießen, den 27. Juni 1884. 4344_________________Das Gustav - Adolfs - Fest - Counts. Gustav-Adolfs-Fest in Gießen. Den Festgästen zur Nachricht: Die Direction "der Oberhesfischen Eisenbahnen hat freundlichst genehmigt, daß die am !♦ Juli d. I. nach Gießen gelösten Retourbillets auch noch am 3. Juli zur Rückfahrt Giltigkeit haben. An die Direction der Main-Weser Bahn haben wir eine ähnliche Bitte gerichtet, die Antwort ist aber noch nicht eingetroffen. Wer Gebrauch von genannter Bewilligung machen will, wolle sich während des Festes an Pfarrer Dr. Naumann in Gießen wenden. Gießen, 26. Juni 1884. 4345 DagGustsv-Adolfg-Ftst-Comile. Flössholz geschnitten und in allen Dimensionen, per Cub.-Meter 20.—, nicht geflößtes Holz per Cub.-Meter „ 35.—, empfiehlt die Holzhandlung I Zu der am I. JE a. c. stattfindenden Gewinnziehung der Kurhessischen Thle. Lv-Serien-Loose | (nicht zu verwechseln mit halben sog. 20 Thlr.-Loosen) ' Hauptgewinne X 96,000, 24,000, 12,000 rc. re-, niedrigster Gewinn H «k 240, erlassen wir Ganze Originalloose ä 440, Halbe ä jt. 220 H und nach Verkürzung des niedrigsten Gewinnes von Thlr. 80, Ganze Loose ffl a x 200, Halbe ä x 100, Viertel ä x 50, Zehntel ä x 20 und I g* zwanzigstel Antheile ä x 10. 4245 H Moritz Stiebefl Sohne, Bankgeschäft in Frankfurt a/M. Vorzügliches Bayerisches Mer i m Zapf. 4337 Stadt Mainz. 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