Nr. 146. Donnerstag den 26. Juni 1884 nzerger Erscheint mit Ausnahme M MontagS. MWrSchAr Schulstraße 7. SM«« Prei- vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mar? 50 Pf. Politische UeLerficht. Gießen, 25. Juni. Der Reichstag hat am Samstag den Rest der Unsallverstcherung im Großen und Ganzen den Commissions-Anträgen gemäß genehmigt und somit das Gesetz in zweiter Lesung erledigt. Von dem gegenwärtigen Reichstage ist also durch die Annahme der Unfallversicherung die ihm von seinem Vorgänger hinter- lassene Ausgabe auf socialpolitischem Gebiete im vollsten Umfange gelöst worden und man kann dieses Resultat nur mit der höchsten Genugthuung begrüßen. Durch dasselbe erfüllt sich ein wesentlicher Theil der kaiserlichen Botschaft vom Jahre 1881 und wir dürfen uns der berechtigten Erwartung hingeben, daß das socialpolitische Programm der kaiserlichen Regierung auch bezüglich seiner Letzten Nummer, der Altersversorgung der Arbeiter, in Erfüllung gehen wird. Wenn neben der Unfallversicherung der Reichstag auch noch das Militär- Relictengesetz und die Novelle zum Actiengesetz erledigt — und hieran ist nicht im Mindesten mehr zu zweifeln — so wird die letzte Session der jetzigen Legislaturperiode qualitativ Resultate aufzuweisen haben, denen gegenüber diejenigen der früheren Sessionen zurücktreten und diese Thatsache wird hoffentlich auch den kommenden Reichstagswahlen ihre Signatur verleihen. Die parlamentarische Matinee beim Reichskanzler scheint denn doch einer gewissen politischen Bedeutung nicht zu entbehren, obwohl anfänglich das Gegentheil behauptet wurde. Weniger der Umstand, daß sich Fürst Bismarck bei dem „Frühschoppen" vom Freitag vorzugsweise mit den anwesenden Vertretern des Centrums, wie Herrn Windthorst und Herrn v. Schorlemer- Alst, unterhielt, als vielmehr die am Schluß der Matinöe zwischen dem Kanzler und den nationalliberalen Abgg. Gneist und Schläger stattgesundene Unterredung verleiht dem „Frühschoppen beim Reichskanzler" seinen politischen Charakter. Wie die „Nat.-Ztg." berichtet, ließ sich Fürst Bismarck zunächst über die Unterhandlungen mit Herrn v. Bennigsen wegen dessen Eintrittes in das preußische Ministerium aus: „Es sei dazumal (1878) nur ein Ministerium offen gewesen und das habe er Bennigsen angeboten. Forckenbeck's Ernennung zum Minister, welche 'die Liberalen vorgeschoben hätten, sei ihm unmöglich gewesen, der Kaiser sei nicht geneigt, mehr als einen Minister zu wechseln." Weiter brachte Fürst Bismarck die Frage der parlamentarischen Regierung zur Sprache und wies hierbei auf Belgien hin, wo das neue klerikale Cabinet die wichtigsten Veränderungen in den einzelnen Mmisterial-Ressorts vorgenommen habe, ohne die Kammern erst darum :3U fragen und Belgien sei doch das Muster eines parlamentarisch regierten Staates. Zum Schluß wies der Fürst auf die staatsrechtlichen Erörterungen Gneist's über diese Frage hin, mit denen seine Anschauungen ganz übereinstimmten. — Leider lassen diese Aeußerungen des Fürsten Bismarck nicht erkennen, warum es Herr v. Bennigsen abgelehnt hat, in das Ministerium ein- Mtreten, oder sollte Letzterer daraus bestanden haben, nur mit Herrn v. Forcken- beck zusammen in das Ministerium einzutreten? Das Reichsversicherungsamt wird aus dem Geh. Rath Bödiker, drei Räthen und 20 Subaltern-Beamten bestehen. Für die Unterbringung der Reichsbehörde ist bereits das in der Wilhelmstraße gegenüber dem Reichsamt des Innern gelegene Bleichröderssche Haus in Aussicht genommen. Aus Oesterreich-Ungarn sind in den letzten Tagen außer den 'Nachrichten über die Wahlen in Ungarn auch interessante Berichte über den Fortgang der Wahlvorbereitungen in denjenigen österreichischen Kronländern eingegangen, in denen Neuwahlen zu den Landtagen stattfinden werden. Besonders interessant wird sich diesen Berichten zufolge der Wahlkampf in Mähren gestalten, wo die czechisch - feudale Partei alle Hebel ansetzt, um die deutschliberale Majorität in der Brünner Landstube zu zersprengen. Nach den bisherigen Meldungen hat dieses Unternehmen allerdings keinerlei Ausficht auf Erfolg. Das „Journal des Däbats", welches man als ein Organ, in welchem sich die Anschauungen der gemäßigten politischen Kreise von Paris widerspiegeln, nicht unterschätzen darf, bringt eine höchst pessimistische Besprechung 'des englisch-französischen Abkommens betreffs Egyptens. Das Blatt commentirt dieses Einvernehmen dahin, daß die französische Negierung von England nur bedeutungslose und illusorische Concessionen erlangt habe und von der englischen Regierung bei den Verhandlungen genasführt worden sei. Englands Plan gehe aus die Reducirung der Zinsen der egypüschen Schuld, alle Regierungen seien hiervon bereits benachrichtigt. Das „Journal des D^bats" fordert sehr energisch, daß Ferry am Montag der Kammer rückhaltlos und unzweideutig erkläre, ob die französische Regierung die Diskussion einer solchen Zinsen-Redu- cirung zulaffen werde oder nicht, und ob also Frankreich bereit sei, den egypti- jchen Bankerott zu consecriren und seine Zustimmung dazu zu geben. Nach dem „Temps" würde Bligniöre oder Biron d'Ayrolles, ehedem der französisch- englischen Controls in Egypten attachirt, als finanzieller Beirath dem Botschafter Waddington, dem Vertreter Frankreichs auf der Conferenz, beigegeben werden. Die niederländische Successions-Frage ist durch das Ableben "des holländischen Thronfolgers, des Prinzen Alexander von Oranien, wieder in den Vordergrund der Interessen getreten. Der verstorbene Prinz entstammte der ersten Ehe König Wilhelm III. mit Königin Sophie, geborenen Prinzessin von Württemberg, und gingen auf ihn die Rechte und Titel seines älteren Bruders, des vor einigen Jahren gestorbenen Prinzen Wilhelm von Oranien, .Mer. Da nun in Holland das salische Gesetz gilt, demzufolge die Frauen die Dhron-Erbfolge beim Aussterben der directen männlichen Linie antreten, und Arankreich. Paris, 23. Juni. Unter den zwischen England und Frankreich über die egyp- tische Angelegenheit gewechselten Depeschen, welche Ferry heute den Kammern vorlegte, ist die hauptsächlichste Depesche die Waddingtons an Granville vom 17. Juni, worin Waddington den Empfang der englischen Note vom 16. Juni über die Ansichten Englands bestätigt und constatirt, daß England sich in dieser Note verpflichte, seine Truppen Anfangs 1888 aus Egypten zurückzuztehen, vorausgesetzt, daß die Mächte alsdann der Meinung sind, daß dte Räumung möglich, ohne den Frieden und die Ordnung in Egypten in Frage zu stellen. Waddington resumirt sodann den finanziellen Theil der englischen Note betreffs der Ausdehnung der Vollmachten der Schuldencommtssion, welche befugt sein soll, vom Budget für 1885 ab jeder Ausgabe ein Veto entgegenzusetzen, welche eine Vergrößerung des Budgets mit sich bringt. Die Commission soll von 1886 ab berathende Stimme bei der Aufstellung des Budgets haben. Nach der Räumung Egyptens von den englischen Truppen soll die Commission berechtigt sein, dte finanzielle Aufsicht so außzuüben, daß die regelmäßige und ungeschmälerte^Erhebung der Einnahmen gesichert ist; der Präsident der Commission soll ein Engländer sein. Waddington constatirt endlich, daß England in der Note vom 16. Juni Verpflichtung etngehe, den Mächten und der Pforte entweder während der englischen Ottupatton oder im Moment der Räumung vorzulegen: erstens den Entwurf bezüglich der Neutralisirung Egyptens gemäß der bet Belgien angewendeten Grundsätze; zweitens den Entwurf bezüglich deS Suezkanals gemäß der in Granville's Circularnote vom 3. Januar 1883 entwickelten Grundlagen. Waddington sagt weiter, daß Frankreich die Ankündigung dieser beiden Entwürfe mit Genugthuung entzegengenommen habe und davon Akt nahm. Frankreich accepttrte die verschiedenen in der Note vom 16. Juni enthaltenen Vorschläge, welche dte Ziele der englischen und französischen Verständigung darstellttn. Waddington hebt schließlich den Geist der Mäßigung und der freundschaftlichen Gesinnungen hervor, welche bet den Verhandlungen hervorgetreten seien und drückt dte Ueberzeugung aus, daß dte Verständigung dte England und Frankreich vereinigenden Bande noch enger knüpfen werde. Rußland. Petersburg, 23. Juni. Nach Berichten aus Nishny-Nowgorod sind daselbst am 19. (7.) ds. Mts-, Abends, Ausschreitungen des Pöbels gegen jüdische Einwohner. Prinz Alexander keine Nachkommenschaft hinterlassen hat, so hat die nächste Anwartschaft aus den holländischen Königsthron die Prinzessin Wilhelmine, die am 31. August 1880 geborene Tochter König Wilhelms aus dessen zweiter Ehe mit der Prinzessin Emma von Waldeck-Pyrmont. — Da der holländische Herrscher bereits ziemlich bei Jahren ist, so würde im Falle seines Ablebens während der Minderjährigkeit der Prinzessin natürlich eine Regentschaft eingesetzt werden müssen. Nach neuerlichen Berichten aus England schrumpft der Erfolg der Mission des Admirals Hewett beim König Johannes von Abyssinien bedenklich zusammen. Weder in dem Vertrage mit dem Negus, noch in dem Protokolle der ihm vorangegangenen Unterhandlungen ist von Entsendung einer abyssinischen Armee zum Entsätze der sudanesischen Garnisonen die Rede. Der König hat lediglich eingewilligt, den Rückzug der Besatzungen von Kaffala und Kalabat durch sein Gebiet zu erleichtern. Der von Hewett abgeschlossene Vertrag stellt die Beziehungen zwischen England und Abyssinien aus einen guten Fuß und schlichtet alte Grenzstreitigkeiten, weiter nichts. Mittlerweile soll die Stadt Ghia (?) an der abyssinisch - nubischen Grenze mit 6 Kanonen und 300 Mann Besatzung in die Hände der Aufständischen gefallen sein. Vielleicht ist es Gheri mit dem Fort Mahommed Ali, welches hart an der abyssinischen Grenze am Blauen Nil liegt. Bekanntlich soll nun die strategische Bahn Berber- Suakim doch in Angriff genommen werden. Zugleich taucht das Projekt einer Wüstenbahn Korosko-Abu-Hamid auf, welche ein Consortium von Ingenieuren in einem halben Jahre aussühren will. Sie haben angeblich 2000 „wohlbewaffnete" europäische Bahnarbeiter zu ihrer Verfügung. Das Repräsentantenhaus zu Washington hat eine Bill angenommen, welche die Einführung ausländischer Arbeiter, die zur Arbeit in den Vereinigten Staaten contractlich verpflichtet sind, verbietet. Der Zweck dieser Bill ist: die Einführung organisirter Gruppen ungarischer, polnischer, italienischer und anderer Arbeiter zu verhindern, durch deren Concurrenz die Löhne vermindert rmcdem Die Bill hat keinen Bezug auf Contracte mit gewerblichen Arbeitern, Schauspielern, Sängern und Vorlesern. Deutschland. Darmstadt, 24. Juni. Se. Königl. Hoheit der Großherzog und die jungen Herrschaften haben sich mit dem bereits mitgetheilten Gefolge von Posen aus nach Schloß Fischbach in Schlesien begeben. Freiin v. Grancy, Excellenz v. Westerweller und Oberstlieutenant v. Herff sind über Leipzig heute Vormittag 11 Uhr 20 Min. hierher zurückgekehrt. —1. Darmstadt, 24. Juni. fZweite Kammer der Sanbflanbe.] Für die Donnerstag den 26. Juni dss. Js. anberaumte Sitzung ist folgende Tagesordnung festgestellt: I. Verkündigung neuer Einläufe. II. Berichtsanzetgen und mündliche Berichterstattungen, ev. auch Berathung über dte betreffenden Gegenstände. III. Berathung über den Antrag des Abgeordneten El len berg er, dte Vorlage eines Gesetzes über dte Ablösung der auf Waldungen haftenden Berechtigungen betr. IV. Beantwortung folgender Interpellationen: 1. des Abgeordneten Maurer, das Civildtener-Wittwen-Jnstitut betreffend; 2. des Abgeordneten Lautz, dte Verlegung des Knotenpunktes der Hessischen Ludwtgsbahn-Statton Wtebelsbach-Heubach nach Groß-Umstadt betreffend; 3 des Abgeordneten Metz über den Stand der Vorarbeiten wegen Erhöhung und Verstärkung der hessischen Rheiudämme und sonstigen Uferschutzbauten. Mom, 24. Juni. Bei dem Strike der Schnitter in der Provinz Rovigs schritt das Militär ein. Einige Personen sind hierbei verwundet worden. Odeffa, 24. Juni. Der Adjutant der Gensd'armerie, Kapitän Gidscheu, wurde in seiner Wohnung mit durchschossener Schläfe und einer Dolchwunde in der Brust tobt aufgefunden. Wahrscheinlich liegt Selbstmord vor. Paris, 25. Juni. (Privat-Depesche.) Nach osficieller Meldung aus Toulon von 5 Uhr Nachmittags sind gestern bei der Civilbevölkerung ein einziger, im Marinehospital kein Choleratodesfall vorgekommen. Die neuen Fälle scheinen nicht schwer zu sein. vorgekommen. Gegen 8V2 Uhr Abends verbreitete sich in der Vorstadt Nunawino das Gerücht, Juden hätten ein Christenktnd entwendet und in die Synagoge gebracht. In Folge dieses Gerüchts fand eine Zusammenrottung des Pöbels vor der Synagoge statt. Die Polizei vermochte anfänglich nicht die Tumultuanten auSeinanderzutreiben und erbat Verstärkung. Bald darauf erschien der Gouverneur und befahl, daß von Seiten des Militärs, das sich in einem Lager außerhalb der Stadt befand, Hülse geleistet werde. Inzwischen hatte der Pöbelhaufen vorübergehende Juden überfallen und mißhandelt, war in die Synagoge eingedrungen und hatte die dort Anwesenden mißhandelt. Die Volksmasie war mittlerweile auf ca. 2000 Personen angewachsen; ein Theil derselben wendet sich gegen ein Haus, in welchem eine jüdische Familie wohnte und dewoltrte daffelbe, ebenso wie noch andere von Juden innegehabte Wohnungen. Die Insassen der letzteren flüchteten. Den vereinten Anstrengungen der Polizei, zweier Compagnien Infanterie und einer Sotnie Kosaken gelang es endlich gegen 10 Uhr die Ordnung wieder herzustellen. Einige Juden sollen getödtet und mehrere verwundet, außerdem 6 Häuser beschädigt worden sein. Ferner ist viel jüdisches Eigenthum zertrümmert und auf die Straße geworfen worben. Am folgenden Morgen traf ein ganzes Bataillon zur Verhütung einer Wiederholung der Unruhen ein. Den Mißhandelten ist von Se ien der Behörden Hülfe geleistet worden. Die Zahl der vorgenommenen Verhaftungen wird auf 150 angegeben. In Kunawino haben 10 bis 15 jüdische Familien gewohnt. Lokales. 0 Gießen, 25. Juni. (Sterblichkeit in Gießen.j Die Sterblichkeit war während der Woche vom 15. bis 21. Juni eine sehr geringe, es waren im Ganzen nur 4 Todesfälle zu verzeichnen. Ein Kind im zweiten Lebensjahre starb an Lungenentzündung, von drei erwachsenen Personen starb eine gleichfalls an Lungenentzünduna eine an Lungenschwindsucht, eine an Schlagfluß des Gehirns. . Gießen, 25. Juni. (Turnerisches.) Der Gießener Turnverein hieltkgestern Abend m s-inem Vereinslokal (Restauration H. Schnell) seinr tm Monat Juni statt- zustndende ordentliche Hauptversammlung ab. — Nachdem über die Vereinsthättgkeit in diesem Jahre ausführlich referirt und constatirt war, daß in jeder Beziehung nur Fortschritte zu verzeichnen stnd, ging man zum zweiten Punkt der Tagesordnung über, „Feier des 88jährigen Stiftungsfestes" und wurde beschlossen, dasselbe am 3. AuguL in Wenzels Garten abzuhalten und die benachbarten Turnvereine hierzu einzuladen, dem Programm ist vorläufig festgesetzt: Feftzug, Festrede, Turnen (Freiübungen, voirsthümliches Wcttturnen und Kürturnen), während des Turnens Gesang und Musik, letztere ausgeführt von der ganzen Capelle des 2. Hessischen Infanterie Regiments Nr. 116, unter Leitung des Capellmeifters Herrn Krausse, Pretsvertheilung, Abends Conc^t im Garten und Tanz im Saale. Jedenfalls steht noch sehr vielen Turnern und Turnfreunden das vor 2 Jahren in Wenzel's Garten abgehaltene Stiftungsfest in sehr guter Erinnerung und glauben wir deshalb auch diesmal den Mitgliedern und Freunden einen recht genußreichen Tag versprechen zu können. — Bei dem dritten Punkt der Tagesordnung: „Abhaliung von Gau- und Kreisfest" gibt der erste Sprecher die Einladungen zu genannten Festen bekannt. Elfteres wird am 13.—14. Juli er. in Homberg a. d. Ohm, letzteres vom 16.-18. August er. in Wiesbaden abgehalten. — Hierzu wird noch beschlopen, die Einladungen zu derartigen Festen nicht mehr durch Mitgliedern circuliren zu lassen, sondern alle Einladungen zu Verbandsfesten sollen durch Annonciren den Mitgliedern bekannt gemacht werden und die Eiaze-chnungslisten werden in der Turnhalle von 8-9 Uhr Abends aufgelegt- alle sonstigen Einladungen durch Bekanntmachen in der Turnhalle und Anschlägen am schwarzen Brett. Indem schließlich noch zu einem recht regen Turnbetrieb aufaeforderl und den Mitgliedern bekannt gegeben worden, daß die Turnhalle jeden Abend geöffnet an der Gesangsabtheilung eingeladen, wurde die Versammlung nach 11 Vr Uhr mit einem kräftigen „Gut Heil" geschlossen. 8 — Gießen, 25. Juni. Der Concert-Kalender dieses Sommers ist seit gestern um einen rechten Fest- und Gedenktag bereichert. Der Liederabend der Tyroler Concert-Sänger-Gesellschaft Ludwig Rainer aus Achensee hat ein Anrecht auf einen festen Platz in unserem Gedächtniß. Die intensive Wirkung, die sie erzielte, beruht nicht vorzugsweise auf der Gewalt, welche dem herrlichsten Instrumente, der Vereinigung ^^.^nschlichen Stimmen, zu eigen ist, es ist in erster Linie die Macht der künstlerischen Vollreifen Persönlichkeiten verbunden mit der verlässigsten Technik und feiner Nüancirung in Dynamik und Tempo. Das Programm, eine Auswahl von Gediegenem und Gutem, bot mannigfach wechselnde Stimmungsbilder, die die Sänger ZEt^ponirender Spannkraft und in stets stilgerechtem Vortrage entfalteten. Reicher Beifall lohnte auch die meisterlichen Vorträge auf der Streich- und Schlagzither und auf dem Holz- und Strohinstrument. Nach jedem Applaus ließen sich die liebens- würdigen Künstler noch zu einer Zugabe bereit finden. Der Saal des Wenzelffcherr Etablissements war dicht besetzt. m .. ~ Auf an uns gestelltes Ersuchen bemerken wir, mit Bezugnahme auf die gestrige Notiz im Anzeiger bett. Blumendtebstahl auf dem hiesigen Friedhöfe, daß die Handels- qartnerei von Herrn Carl Berger an der Grünbergerftrsße nicht im Mindesten bei dieser Affaire betheiltgt ist und kein Verdacht auf solche fallen kann. Telegraphische Depesche«. Wolff'S telegr. «orresporrdem-Wnrea«. Wiesbaden, 24. Juni. Der König und die Königin von Griechenland sind zum Kurgebrauch hier eingetroffen. Dieselben wurden am Bahnhofe von dem Könige und der Königin von Dänemark und von ihren Kindern empfangen. Berlin, 24. Juni. In dem Reichstag wurde heute das Militär-Reliktengesetz in 2. Lesung auf Grund des Commisstonsberichts berathen. Bet dem 8 1, welcher von der Verpflichtung zu W'ttwen- und Waisenkassen-Beiträgen handelt, beantragt der Abg. v. Gerlach die Wiederherstellung des von der Commission gestrichenen, die Befreiung von Beiträgen betreffenden § 2 der Regierungsvorlage. Der Abg. Frhr. v. Minnige- rode trat gleichfalls für die Wiederherstellung deS 8 2 ein, während der Abg. Baumbach die Officiere mit demselben Maß gemessen haben wollte wie die übrigen Reichsund Staatsbeamten. Durch den bayerischen Bevollmächtigten zum Bundesrath, v. RäS- feldt, wurde die Erklärung abgegeben, daß Bayern mit diesem Gesetze und seinen Grundlagen um so mehr einverstanden sei, als die Regelung des Reliktenwesens in Bayern gegenwärtig nur eine provisorische sei und eine Neuregelung der Zuschüsse für das bayerische Contivgent im Sinne dieser Vorlage schon lange beabsichtigt werde. Der Abg. Prinz Carolath sprach für die Commissionsfassung, ebenso auch der Abg. Windt- borst. Hierauf erklärt der Kriegsminister, Generallteutenavt Bronsart von Schellendorff, daß die Regierung mit den Beschlüssen der Commission bis auf einen Punkt einverstanden fei; sie müsse nämlich auf die Wiederherstellung des 8 2 der Regierungsvorlage dringen. Die Annahme der Commissionsfassung seitens des Bundesraths sei ausgeschlossen. DaS alleräußerste Entgegenkommen wäre die Annahme des von dem Abg. Frhrn. v. Minnigerode gestellten Vermittlungsantrags, nach welchem die unver- heiratheten Officiere 1 pCt. ihres Gehaltes als Wittwenkaffen-Beittag zahlen sollen, während die Commission die Zahlung von 3 pCt. verlangt. Bei der Abstimmung wurden die Anträge der Abgeordneten v. Gerlach und Frhrn. v. Minnigerode abgelehnt und dagegen die 88 2 und 3 in der Commissionsfassung angenommen. Ebenso gelangte auch der Rest des Gesetzes nach den Anträgen der Commission zur Annahme. Hierauf wurde noch eine Reihe von^Petitionen erledigt und die Wahl des Abg. Leuschner für ungültig erklärt. Nächste Sitzung morgen. Wien, 24. Juni. Wie die „Preffe" meldet, hat der Ministerpräsident Graf Taaffe die Mitglieder des obersten Sanitätsrathes zu einer Sitzung einberufen, an welcher wahrscheinlich auch hervorragende Kliniker Wiens Theil nehmen werden. Dem genannten Blatte zufolge dürfte es sich um die Berathung von Maßregeln handeln, welche anläßlich der in Toulon vorgekommenen angeblichen Cholerafälle zu ergreifen sind. Pari-, 24. Juni. Eine dem Marineministerium zugegangene Depesche aus Toulon meldet, daß seit Sonntag Abend in den Marine-Hospitälern kein weiterer Todesfall an der Cholera vorgekommen ist. Paris, 24. Juni. Der „Temps" hält den aus Marseille kommenden beunruhigenden Gerüchten gegenüber die Thatsache aufrecht, daß aus Toulon gestern nur 5 Cholera - Todesfälle, indeß 14 neue Erkrankungen gemeldet worden. Alle Informationen berechttgen zu der Hoffnung, daß die Epidemie localisirt bleiben werde. Der Bericht des Dr. Fouvel sagt ebenfalls, die Cholera in Toulon sei nur eine ^oradffche, wie die von 1883 in den Londoner Docks, und nur durch die ungünstigen Verhältnisse Toulons erzeugt. Es sind strenge Sicherhestsmaßregeln in Toulon getroffen. Sämmtliche Landtruppen und Marinemannschaften ToulonS sind in Feldlager vertheilt, auch in Marseille und anderen Orten sind Maßregeln gegen die Einschleppung der Cholera ergriffen. Alle Reisenden, die aus der Gegend von Toulon kommen, werden bei der Ankunft in Paris einer sanitären Untersuchung unterworfen. Der Gesundheitszustand in Marseille ist sehr gut, ein verdächtiger Fall bisher nicht gemeldet. Loudon, 24. Juni. (Unterhaus.) Fitzmaurice theilte mit, die Regierung verlangte telegraphisch Auskunft über die Cholera in Toulon. Dilke erklärte, daß die vorjährigen Vorsichtsmaßregeln gegen eine Einschleppung der Cholera fortbestehen. — Hartington theilte mit, das Gerücht von einer Niedermetzelung der Garnison in Berber sei unbestätigt. Gestern in Suakim angekommene Pilger, die Khartum vor 40, Berber vor 24 Tagen verlassen, berichten, Khartum sei in den Händen der Regierung. Dampfer träfen daselbst ein und Zeugen ab. Zwischen Berber und Khartum wären nur wenige Araber. Gladstone erwiderte auf verschiedene Anfragen, England konsultirte die Mächte über das englisch-französische Arrangement, die vollständigen Antworten ständen noch aus. Die Konferenz werde aber deshalb nicht verschoben, da sie nicht auf das Arrangement Bezug habe, sondern auf die egpptischen Finanzen, welche eme sofortige Behandlung erheischten. Gladstone versicherte von Neuem, daß dem Parlamente betreffs des Konferenzbeschlusses die volle Aktionsfreiheit bleibe. London, 24. Juni. Der diplomatische Schriftwechsel über die Con- ferenzfrage enthält eine Depesche Granville's an Lord Ampthill in Berlin vom Aer Datsche Geschäftsträger in London dem Lord Granville mrttheilte, die deutsche Regierung sei bereit, an der Conserenz Theil zu nehmen, wenn die übrigen Mächte ein Gleiches thun würden. Die österreichische Regierung habe ihre Theilnahme unter der Bedingung zugesagt, daß die Conferenz auf dle m der englischen Circularnote erwähnten Punkte beschränkt bleibe und die übrigen Machte die Conferenz ebenfalls acceptirten. ~ Die Führer der Opposition im Unterhause werden sich heute über ihre Haltung gegenüber dem englisch-französischen Abkommen schlüssig machen. Der „Standard will wissen, die Opposition werde einen Angriff aus die Politik der Regierung bezüglich Egyotens bis nach der Conferenz verschieben, alsdann aber einen Tadelsantrag einbringen. London - 24. Juni. Es Bedeutet, die Versammlung der conservativen Fübrcr "Bringung eines Tadelsvotums keine Entscheidung getroffen. Voraus- sichtlich findet noch eine andere Versammlung statt. 8 Tr ^orau0' bte Bill zum Schutz ber Mädchen gegen Verleituna zu unsittlichem Lebenswandel mit 101 gegen 45 Stimmen an. 0 0 Emung Vermischtes. .. f s “ EX. Mittelrheinisches Musikfest in Mainz.) Es wird uns in Bezugnahme aus dieses am 6^ 7. und 8. Juli d. I bevorstehende Fest Folgendes mitgetheilt: ™ Mtttelrheinischen Musikfeste wurden 1855 zwischen den Städten Darmstadt, Mannheim, Mainz und Wiesbaden vereinbart und sollten jedes zweite Jahr stattfinden. Aber mangelnde Räumlichkeiten, in Folge davon große Kosten und däusiges Deficit haben die Zeitzwischenräume etwas verlängert, so daß wir jcht nach 30 Jahren erst X- SNgrkommen stnd, das Mainz übernommen. Es wird gleichzeitig das fünfzigjährige Vestehen der Mainzer Liedertafel und die musikalische Einweihung der neuere Swdthalle gefeiert, weshalb der Mainzer Verein die größten Anstrengungen gemacht, das Fest fo würdig als möglich zu begehen. Außer den 400 Sangern von Mainz und den verbündeten Feststadten von Mannheim und Darmstadt find noch die Vereine von Wiesbaden, Offenbach Gießen und Bingen hinzugezogen, so daß ein vorzüglich geschulter Chor von über 1000 Sangern den bewährten Ruf der mittelrbeinischen Aufführungen aufrecht erhalten wird. Es kommt dazu ein Orchester von 150 Künstern, den besten Mittel- und Süddeutschlands, unterstützt von einer ganz neuen ^.stimmigen Orgel von der berühmten Firma W. Sauer in Frankfurt a. d. O. Was bic Solisten betrifft, so brauchen wir nur die Namen der Damen Frau Will von Wien, Fräulein Spieß von Wiesbaden und der Herren Götze von Köln und Staudt gl von Karlsruhe m nennen, um der wärmsten Anerkennung und Sympathie gewiß zu fein. Am ersten Tag des Festes, Sonntag den 6. Juli, kommt der „Messias", jenes wunderbar jugendfrische Werk des Handel'schen Genius, zur Aufführung, daS dieses Jahr fast von allen großen deutschen Musiksesten gewählt worden. Die Mitwirkung eines Knabenchores von 80 Stimmen, sowie zeitweilige Theilung des GesammtchoreS gibt zu sehr schönen Nüancirungen Veranlassung. Am 2. Tag wird als Gegensatz dazu ein allermodernstes Werk „Triumphlied von Brahms" gebracht: daS durchaus ooppelchorig, mit feinen reichen Verzierungen und herrlichen, lyrischen Schönheiten ? 5? großartiges Renaissance-Gebäude, gegenüber dem antiken Tempel des MessiaS dasteht. Der 23. Psalm von Schubert, sowie ein neues Werk von Lux, „Coriolan" dramatische Scene, schließen sich als andere Vocalwerke dem 2. Tage würdig an. Die Aufführung sämmtlicher Chorwerke ist, soweit man bis jetzt nach den Proben urtheilen kann, eine ganz vorzügliche. Von den Orchesterwerken will ich nur die L-äar-Symphonie von R. Schumann erwähnen, die von einem so ausgewählten Orchester gewiß aufs Würdigste vorgkttagen wird. Gegen die bisherigen Gewohnheiten der Mittelrheinischen Feste ist dem Programm am 3. Tage, Dienstag den 8. Juli, ein Künstler-Concert hinzugefügt, um den ausgezeichneten Solisten Gelegenheit zu geben, sich in ihren Glanz- Partien zu zeigen. 8 c J;xx2?a3A-Inun,bic gemeinschaftlichen Vergnügungen betrifft, die eine altgewohnte A^gte Eigenthümlichkeit der Mttelrheinischen Feste sind, so bestehen sie aus einem Abendfest in unserer herrlich gelegenen Anlage, am Vorabende des ersten Tages, Montag Abend ein Hallenfest, Dienstag großer Festball und vielleicht am Mittwoch eine Rheinfahrt nach dem Niederwald. Sie sehen cs ist für Genüsse aller Art gesorgt und wird gewiß der hcitere Frohstnn und die liebenswürdige L-bhastigk-st der Mainzer Bevölkerung Alles auf, Festtage"» Sim ^miUä} re$‘ Zahlreichen Gästen schöne und -rinnerungsreiche Mainz, 21. Juni Bei der Verbringung der Militärsträfling- zur Arbeit maSte einer d-rfelben in der Nähe des Albanusberges den Versuch, zu entfliehen. Der ^" Transport begleitend-G-sreite sandte dem Flüchtigen eine Kugel nach, di-demselben in die Wade drang; der Sträfling brach zusammen, erhob stch aber alsbald wieder “nb “e.iter-. ^unmehr schoß der Gefreite zum zwesten Male und die Kugel ging dem Flüchtling durch den Leib. Todtltch verletzt, wurde derselbe in das Militärlazareth bal« b£r“uf ""schied. Der Sträfling Hatt-Jin- Smonatliche Festungs» hast wegen Fahnenflucht zu verbüßen. (gr. Z.) “ Kasse!, 17. Juni. Man schreibt dem „Hann. Cour.": Ein eigenthümlicheS Mißgeschick widerfuhr m der vorgestrigen Vorstellung von „Robert und Bertram« unftrm beliebten Baßbuffo, Herrn Schulze, welcher den Gefüngntßwärter Strambach spielte. Infolge der drückenden Hitze löste sich die eine Spitze des aufgeklebten martialischen Schnurrbarts los, rutschte bei der nächsten Fermate, als der Sänger Athem holte, in den Schlund und blieb vor der Luftröhre hängen, so daß Herr Schulze einen förmlichen Erstickungsanfall bekam. Der Vorhang fiel selbstverständlich und die Aerzte stürzten auf die Bühne, während das Publikum in Aufregung und Angst peinlich verharrte. Der Patient mußte dann rasch einige Brodkugeln nehmen, mehrere Mas Wasser thaten das Uebrige und der vermaledeite Schnurrbart war hinuntergeschluckt, wenn es auch einige Anstrengungen kostete. Die ganze Operation hatte nur kurze Zeit erfordert, und da das Uebelbefinden rasch beseitigt war, nahm der beliebte Sänger mit dem ihm eigenen unverwüstlichen Humor seine Rolle wieder auf und führte sie ungestört durch, selbstverständlich mit besonders lebhaftem Beifalle ausgezeichnet. — In der Schweiz hat das Unwetter des 14. Juni arg gehaust. Die „Neue Züricher Zeitung" berichtet aus Andelftngen: „Es fielen nebst starkem Regenwetter eine Masse Hagelkörner bis zur Größe von Baumnüffen; der Ertrag der Felder, Weinberge rc. ist fast zur Häste vernichtet- Noch liegen die Schlossen in Haufen und es sieht aus, als ob Schnee gefallen wäre." Auch in St. Gallen tobte ein furchtbares Gewitter, die Straßen waren mit Schlossen bedeckt. Durch die großen Wassermassen wurden Balken fortgeschwemmt, ja, ein Knabe, der über die Straße springen wollte, wurde eine Strecke weit vom Wasser fortgerissen. Die von Appenzell kommende Post war beschneit und an andern Orten hatte man am folgenden Morgen einen starken Reif. Am 14 ds, Abends 6 Uhr, noch war es der Wassermasien wegen unmöglich, vom Bahnhof zur Post zu gelangen. Bern, 17. Juni. Vorige Woche, schreibt man dem hiesigen Stadtblatt, hat sich in Luzern ein Fall ereignet, der so eigenthümlich ist, daß man glauben könnte, er sei einem Sensationsroman entlehnt und doch beruht derselbe auf Wahrheit. Zwei be- freundcte Engländer, von denen der eine der englische Consul Brandt war, der seit 26 Jahren eine Villa am Vierwaldstättersee besitzt, feierten ihr Wiedersehen nach kurzer Trennung. In heiterster Stimmung gingen beide auseinander, Herr Brandt, um seine Wohnung, der Freund, um seinen Gasthof aufzusuchen. Dort angelangt, läßt er sich eine Tasse Kaffee auf sein Zimmer bringen und schickt sich an, es sich recht gemüthlich und bequem zu machen. Der K-llner bringt den Kaffee, der Engländer will die Taffe zum Munde führen, als er plötzlich von einem Herzschlage getroffen todt in den Sessel -mücksinkt- Sofort wird der Portier abgesandt, um Herrn Brandt die Trauernachricht von dem eben erfolgten jähen Hinscheiden des Freundes zu melden. Auf der Hälfte des Weges begegnet der Portier dem ihm bekannten Diener des Herrn Brandt und hat kaum angefangen, seine Botschaft auszurichten, als der Diener ihn mit den Worten unterbricht: „Mein Gott! auch ich komme zu Ihnen mit einer Trauernachricht, denn soeben ist Herr Brandt von einem Herzschlage betroffen todt zusammengesunken." Beide Freunde waren in der nämlichen Minute verschieden. — fDas elektrische Licht im Dienste der Armee.j Donnerstag Nacht sand bet dem Vergnügungslokal „Pichelsberge" im Grünewald bei Berlin ein höchst interessantes Manöver statt. Gegen 11 Uhr unternahm das Kaiser Franz-Garde-Grenadier-Regtment Nr- 2 eine Attaque auf einen mark rten Feind und kurz nach Beendigung des Gefechtes ging das hier zu Reserve-Uebungen befindliche 3. Corps der Sanitäts-Colonne vor, 3U recogrrosciren. Zu diesem Behufe kam zum ersten Male das ^ktrffche Lichtin Anwendung. Auf einem mit Pferden bespannten Wagen, ähnlich wie der Exttnkteur bei der Feuerwehr, befand sich der Motor zur elektrischen Beleuchtung und auf neun hohen Stangen waren Bogenlichtlampen angebracht, welche durch diesen Apparat gespeist werden konnten. Um diese Stangen nach beliebigen Richtungen transportlren zu können, wickelten sich Drähte, ähnlich wie Schläuche bei Spritzen, von einer Rolle ab, um den Lampen den elektrischen Strom zuzuführen. Der Erfolg war ein ungemein günstiger. Die Aerzte, Krankenwärter und -Träger, 318 an der SflpL konnten ganz deutlich die an den scheinbar Verwundeten, resp. Tobten anae- Meten auf Marken verzeichneten Blesiuren lesen und demnach den ihnen obliegenden Dienst verrichten. Dem militärischen Schauspiele wohnte trotz der vorgerückten Rett eine große Zuschauermenge bei und der Reflex des Lichtes auf der von 2§ald umsäumten Ebene machte einen imposanten Eindruck. Erst gegen 7 Uhr früh ruckten die Mannschaften über Wilmersdorf und Schöneberg in ihre Quartiere — Prinz Alexander von Holland, welcher am Samstag in Parts gestorben ist, war durch und durch ein Sonderling und diese Sonderheiten dürsten auch seinen Tod wesentlich beschleunigt haben, wenn er auch von Kindheit an sehr leidend und eS gewiß war, daß er kein hohes Alter erreichen würde. Der Prinz hielt in seinem Krankenzimmer 60 Papageien und der schlechte Geruch, den diese Thiere verbreiteten und die dadurch bewirkte Luftoergiftung war nach Ansicht der Aerzte die Ursache eines typhösen Fiebers, dem der Prinz vorschnell erlag. Verkäufe und Verpachtungen, Betheiligungen, Stcllen-Vakanzen re. werden am sichersten durch Annoncen in zweckentsprechenden Zeitungen zur Kenntniß der. bez. Reflektanten gebracht; die einlaufenden Offerten werden den Inserenten im Origlnal zugesandt. Nähere Auskunft ertheilt die Annoncen-Expedition von Rudolf A^^r-°Eurt a. M-, Noßmarkt Nr-3. Vertreter in Gießen: Heinrich Wallach, Marktplatz 8. 3975 Dr. med. H. Gensch, EÄÄaÄ 2U2 10—1 und 3—5. btiftßtrasse 22 I. Auswärts brieflich. 731) Heber die Höhe der Kosten, welche die Einrückung einer Anzeige fn eine oder mehre Zeitungen verursacht, wird man sich niemals enttäuscht sehen, wenn man von der Annoncen - Expedition von IS AAS SYSTEM VOQL.L8L in Frankfurt a. M. (Karlsruhe, Stuttgart oder München) zuvor Auskunft einfordert, die auch hinsichts der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blätter auf Grand reicher Erfahrungen und gründlicher Beobachtungen zuverlässigen Rath ertheilt Wafferwärme der Lahn. Am 25. Juni, zwischen 11 und 12 Uhr Mittags: W/a0 R. — Luftwärme 19° R. Rübsamen. Bekanntmachung. In dem Concurse über das Vermögen des Bäckers Johannes Rühl von Homberg a/Ohm, jetzt wohnhaft in Gießen, wird Termin zur Gläubiger-Versammlung, in welcher über Genehmigung einer stattgehabten freiwilligen Immobilien- Veräußerung beschlossen werden soll, bestimmt auf Montag den 14. Juli 1884, Vormittags 8 Uhr. Gießen, den 18. Juni 1884. Großherzogliches Amtsgericht. Veröffentlicht: Neidhart, ___________Gerichtsschreiber. 4296 Bersteigerungs- Anzerae. Donnerstag den 26. Juni, Nachmittags 2 Uhr, werden in der Nathhaushalle dahier 6 Körbe mit Gemüse versteigert. Gießen, am 25. Juni 1884. 4314 Moll, Marktmeister. Ieikgeöotenes. Für die bevorstehenden Festtage empfehle mehrere Sorten Kuchen, sowie Radankuchen u. Stollen in bekannter vorzüglicher Qualität täglich frisch in reichhaltiger Auswahl. August Guhr, 4298_______________Bahnhofstraße 12. Kamillen kauft 4295 ____Fritz Flimm. 4304 Das zu dem Nachlaß des Hofgerichtsadvocaten Psannmüller II. gehörige Mus mit Garte«, Südanlage 20, soll theilungshalber verkauft werden. Kaufliebhaber werden gebeten, sich an Oberlandesgerichtsrath mütter in Darmstadt zu wenden. Allgemeiner Anzeiger. H. Rübsamen Mäusburg 16 Giessen Musburg 16 empfiehlt als Specialität: Hemden für Herren und Knaben, Kragen und Manschetten, Chemissets, Taschentücher, Hemden-Ginsätze, wollene Hemden, Unterhosen und Unterjacken für Frühjahr und Sommer, Socken, Hosenträger, Giaev und Sommer-Handschuhe. Das Neueste in Shlipsen und Halsbinden, Sonnen« und Regenschirmen zu billigsten Preisen. 2219 Hemden nach Maß liefere in guten Stoffen und solider Arbeit. Doctor Bocrhave’s berühmtes Magenelixir empfehlen Emil Fischbach, C. G. Kleinhenn, H. Lind, Gg. Wilh. Weidig. __________Prospekte daselbst gratis._______2497 Gelegenheitskauf. Ich offerire einen Posten g ar anlir t waschachter Knabenanzüge zu 3, 4 u. 5 M pr. St., prima Cheviot- Herrenanzüge zu 24 u. 26 waschächte Herren Hofen 2, 3 u. 4 M pr. St., feine und feinste Lüstre-Herren-Sacke 31/2 u. 5 A rc. rc. Fr. Levy, Gießen. 6 Neustadt 6 Gießen. 4293(Frankfurter Waaren-Bazar.) nach New - Dork fahrenden Dampfer des durch die in aaen Ml 3 Auswanderer nach Amerika Norddeutschen Lloyd ti« Bremen, sowie den billigere« Post. Dampfern über Hamburg. Antwerpen, Rotterdam und Liverpool befördert zu gleichen Preisen, wie an den Hafenplätzen 1240 Clip. Wallenfels. VvWS Gartfetd - Ederstraße 8 und *■' Wallthorstraße 21. empfiehlt sein reichhaltiges Lager von Möbeln aller Art, als Salon-, Wohn-, Schlaf- u. 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Stock meines Vorderhauses, bestehend aus 6 Zimmern mit Zubehör, per 1. October, auch früher, zu vermiethen. Wilh. Seipp, Ludwigspl. 6. 3914 Durch Versetzung des Herrn Ober- postsecretärs Garthe ist der obere Stock meines Hauses, bestehend aus 5 Zimmern und Zubehör, anderweitig zu vermiethen. __________________Emil Fischbach. 3998 Logis, 7 Zimmer mit allem Zubehör, zu vermiethen. Gartenstraße 27. 4125 Eine Wohnung von 4 Zimmern mit allem Zubehör zu vermiethen. ____Chr. Schopbach. 4101 Ein kleines Logis und ein einzelnes Zimmer vermiethet ____Carl Euler II., Neustadt 52. 4161 In dem von mir erkauften (Petri'schen) Hause in der Alicenstraße ist parterre ein Familienlogis von 6 Piecen auf October zu vermiethen. Dr. Muhl. 4176 Ein Laden sofort zu vermiethen. ___Nenenweg 11. 1220 Schulstraße 10 Laden mit'Logis zu vermiethen.___ 2171 Die an Herrn A. Docter ver- mietheten Läden mit Wohnungsräumen rc. sind zusammen oder einzeln vom 1. 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Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Donnerstag Nachmittag 5 Uhr vom Sterbehause (Neuen Bäuen 2) aus statt. 4300 vielen Beweise herzlicher Theilnahme und überreiche beim Begräbniß unseres unvergeßlichen Sohnes und Max Barthel, Die Anfertigung von Steppdecken übernehme in schönster Ausführung zu billigen Preisen. Merm,* Attg* Müller^ 3278 Seltersweg. Ein Wort an Alle, welche AranzSslfch, Englisch, Italienisch, Spanisch ober Russisch wirklich WE» sprechen lernen wollen. Gratis und frauko zu beziehen durch die Rofeuthal'sche Verlagshandluug in L e i p z i g. Maschineristrickerei von C. Pietsch ». Lieferung von weitzen u. farbigen baumwollenen Damenstrümpfen in allen Fa?ons und Größen, je nach Bestellung (M. Hauschild Estremad. von den gröbsten bis zu den feinsten Nummern). Beinlüngen und Kinderstrümpfe, weiß und farbig (englische Länge), Herren- socken in allen Größen, in gebl. und ungebl. Baumwolle, sowie farbig, bis zu den feinsten Nummern. 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Engelcke. — Die katholisch-polnische Propaganda und der Gustav-Adolf-Verein in Ostpreußen. Von A- Tischer. — Die Festtage in Pompeji. Mit zwei Illustrationen. — Groß Friedrichsberg. Mit vier Illustrationen. Die Reform von Camellville. Von Kapitän Nemo. Mit Illustration. — Am Familientische: Umschau für Haus- und Landwirthschaft. Mit zwei Illustrationen. — Kalenderschwierigkeiten. — Zu unseren Bildern: Der alte Orientale von G. Flinck, und Nemesis von F. Hiddemann. — In unserer Spielecke. Mit zwei illustrierten Beilagen: Das hundertjährige Jubiläum der Erziehungsanstalt zu Schnepfenthal. Mit vier Ab- bildungen.______________ Ankauf von Lumpen, Knochen, Papier und alten Akten. Louis Rothenberger, 1791 Neuenweg 22. 4311 Ein Schreinergefelle erhält dauernde Arbeit bei H. Sack, Schreinermeifter. Ein tüchtiger Junge kann bei mir sofort in die Lehre treten. Aug. Werner, Korbmacher 4259 Löwengasse. 4211 Kopierpreffe zu kaufen gesucht. Von wem? sagt die Exped. d. 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I. bei Pfarrer Dr. Naumann in Gießen eine Karte zu bestellen, da sonst die Theilnahme an dem Essen nicht zugesichert werden kann. In Gießen selbst wird eine Einschreibliste für das Festessen herumgegeben. Auch Damen sind zu demselben eingeladen. Wer eine Privatwohnung wünscht, wolle dies auch bis zum 29. d. Mts. bei dem vorgenannten anzeigen. Gießen, den 20. Juni 1884. 4235 Das Gustav-Adolfs-Fest-Comite. 9t w. stets nach allen Gcgen- cgUlUlffH den placirt. Fahrg. 29, Frankfurt a/M. (3196) Treufch. Abonnements-Einladung auf die Berliner Gerichts-Zeitung Seit 10 Jahren bewährt! N Oberstabsarzt und Physikus Dr. G. Schmidt's Gehör-Oel. Das wegen seiner schnellen und gründlichen Beseitigung von temporärer Taubheit, Schwerhörigkeit, Ohrensausen, Ohrenflutz, Ohrenstechen und Ohrenkatarrh berühmte nnüber- troffene 4070 Gehör Oel vom Oberstabsarzt und Pbysikus Dr. G. Schmidt ist nur echt mit Schutzmarke. 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