L88L ießener Anzeiger Amts- und Anzeigtblatt für den Kreis Gießen. Nr. 302 Zweites Blatt Donnerstag den 25. December Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerloh» Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 W Erscheint tätlich mit Aufnahme des Montag« Vtereanr Schulstraße 7. Der Hochvrrrathrproceß in Leipzig. Ein trübe« und trostlose« Bild menschlicher Verirrung ist e«, da« unseren »liefen in der Vorwoche durch die vor dem Reichsgericht in Leipzig gepflogenen ver- Handlungen entrollt wurde und welches soeben durch den Urtheilsspruch beß oberste« deutschen Gerichtshof« seinen sühnenden Abschluß gefunden hat. Der nationale Festlaa an welchem als Merkzeichen der nationalen Einigung und zur Erinnerung an die stur'mbeweate Epoche de« letzten Decennium« die glanzvolle Einweihung de« Denkmal« aus dem Niederwalde stalifand, sollte einigen verbrecherischen Tollköpfen die Gelegenbeit bieten, unsägliche« Elenb und tiefste Trauer über baS ganze vaterlanb zu verbreiten. Fast wäre man versucht, die Menschen, in beren Hirn sich ein so ruchloser Man festfetzen konnte, für wahnsinnig zu halten, wenn nicht bie sm Samstag in Ävz'g zu Ende geführten Verhandlungen io erschreckender Deutlichkeit dargethau hätten, wie weit verbrecherischer Wahnwitz sich versteigen kann. Nur tropfenweise sinb vor wenig Monaten bie ersten Enthüllungen über da« atplatite Attentat ber anarchistischen Mörderbande die jetzt vor demi Schaffst steht, in die OiffenUichkeit gedrungen und man fragte sich zweifelnd, ob wirklich einige Crea- turen Gotte«, denen in bie Seele ein Strahl de« Himmelslichts, ber Vernunft, gesenkt worben, so tief sinken konnten, um kalten BluteS ein so gigantische« Verbrechen au«. mhecken. Erst bie verhanblungen vor bem Reichsgericht haben ben Schleier von dem ruchlosen Morbanschlage auf bem Niederwalde gehoben, und die eigenen Zugeständnisse ReinSdorff's mußten die letzten Zweifel zerstreuen. Mag man immerhin einzelne Momente, wie verwahrloste Erziehung, verdüsterte Jugend, Verhärtung des Herzens durch Unglücksfälle, Rachsucht und andere Einwirkungen als mildernde Beweggründe anführen, so schwächen diese doch nicht« ander Ungeheuerlichkeit des beabsichtigten Attentat«. Auch bas Rette. der anarchischen Gesinnungen. welche für baS Elenb von Millionm an der glücklichen Minderheit Rache iikbmen will, vermag an dem verbrechen nicht« zu ändern. ' 9 Die grauenhaften Attentate, von denen wir andere Länder in Europa heimgesuchi saben hielten wir bet un« für unmöglich und jetzt stellt sich plötzlich heraus, daß da« Auswuchern anarchistischer Doktrinen bei uns etn verbrechen tu -eiligen tm Begriff stand, welches die Mordanfchlüge russischer Nihilisten und irischer Fenier weit in ©ölten fteflt MWnu|| w ( „elche wir dem Leipziger HvchverraihS- proeesie entnehmen. Wir sehen den halbgebildeten, geistig verlotterten ReinSdorf, von anarchistischen Ideen vergiftet, ein Attentat gegen die edelsten und größten Geister der deutschen Nation aukfpinnen und, selbst zu feige zur Ausführung, sucht und findet er bülfSbereite Gesinnungsgenossen, welche das Vorhaben aufnehmen. Die Art und Weise in der Küchler und Rupsch sich während der Proceßverhand ungen durch gegenseitige Beschuldigungen zu entlasten suchten, ist bezeichnend genug für die ganze Denk- weise d^er anorchistffchen uamittelbare Walten der Vorsehung da« furchtbare Attentat gegen den deutschen Kaiser vereitelt worben, gaben biese corruptm Ele- mente ihre Mordgedanken nicht auf, sondern versuchten ein neue« Dynamitoerbrechen in Elberfeld nach eigenem Zugeständnis aus reiner Mordlust, damit es einmal kaall?. Auch die politischen Anschauungen, welche die ongeklagten Verbrecher vor Gerichtsbofe entwickelten, sind nicht« als unverstandene Phrasen, lediglich er sonnen, um das Attentat mit dem Schutzmantel des politischen Verbrecherthums zu umkletdev. ßUc ßaat§erba!hnben und vaterlandsliebenden Pa:ttten dem Hoch - «M-rnthpntrcJie al6 ernfte Mahnung entnehmen möchten, das ist die Erkenntniß, wi- Z g W, üb« hw°-g durch rrustr V°IkS-r,I°huug d-r Giftpflanze drS Anarchismus dm Boden zu entziehen. II JII ' ■■■■■■■■—»««Wgi I II _■■■ -iwgg diesen nicht benutzt werden konnten, an den Hotelportier Hingst in Halle zur Veräußerung an die Reisenden gegeben hatte. Diese Manipulation war bei einer Billet- reoiflon in Halle zur Kenntniß der Behörde gekommen. Der Angeklagte war deshalb vom Schöffengerichte zu 6 Wochen Gefängniß vrruriheilt worden und die fünfte Strafkammer hiesigen Landgerichts I hatte die dagegen eingelegte Berufung verworfen. Zn der RevistonSinstanz vor dem Kammergericht führte ber vertheidiger Rechtsanwalt Dr. E. Friedmann aus, daß eine bloße Instruction ber Bahnverwaltungen dem gekauften Retourbillett nicht seinen Charakter al« JnhaberauSwei« rauben könne. Set dies aber nicht zu bestreiten, so habe jeder Inhaber eimS noch gültigen RetourdtlleiS auch da« Recht, daffelbe zu veräußern und ber Erwerber habe einen civilrechtlichen Anspruch auf Beförderung mit der Eisenbahn. Da« Kammergericht schlsß sich dieser Auffassung an, hob da« angefochtene Urtheil auf und wies die Sache an die zweite Instanz zurück, welche nun noch zu prüfen bat, ob etwa baß verbot ber Ueberiragung ber Eisenbahn-Retourbillet« an brüte Personen in einem mit Gesetzeskraft erlassenen Reglement publicirt ist. S ch l e 11 ft a b t, 19. Deccmber. Die .Els. Nachr." berichten über etn scheußliche« verbrechen. Der hier wohnhafte und verheirathete Johann Krieg, Baier von 3 Kindern, hatte den teuflischen Plan gefaßt, seine Kinder au9 der Welt zu schaffen. Unter dem Vorwande, mit seinen Kindern ■ Sultaninen la. o,ao „ „ Zimmet, fst. (£ei)loii .. 3,20 „ „ Meilen Mehl I.*) 0,19 „ „ „ „ II.*) 0.16 „ „ •) Garantie für gntbackend, Ammonium 1 Citronen billigst UaniUe 1 empfiehlt 8202 S. EiaofEer. Bettwerk UN- billige Zedern empstehlt Louis Rothenberger, 8452 Neuenweg 22. CO MM! Meinen 3 Firmen ver Garantie Grosses ir goldnen un< Tasche’ Wie Da Renn 14-karr., t( Silbern' von Ml Vkgulslor Schwarzw; Ke Gold, Silber, Stahl, Ledi Ä A Polster- Polirte BüfTi „ Pate „ Bücl „ Zwe Abgepasste Scaisij Jeder Ta, Prat Otto Schaaf, Srltcrswkg 25. MM Ausverkauf, xmn.ms. Pianinos. ise) 2,50 u. ii 9Leelle Handlung. Bijouterien. iel d Kirsch 0,80 8338 • 130 Clm. breit Mark 5.50 J.G.D. 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Unsere inaktiven Mitglieder werden gebeten, ihre Karten bei Herrn Buchhändler Ferber in Empfang zu nehmen. Freiwillige Beiträge zur Deckung der Kosten bitten wir in die an den Kirchthüren bereitstehenden Büchsen einzulegen. 8451 Der Vorstand Bauer scher Gesangverein. AbendultttrlMung am zweiten Weihnachtsfeiertage im „Prinz Carl". Anfang Vz8 Uhr. 8403 Der Vorstand. Achmer Züherkranz. Ft Stiftungsfest | am 3. Weihmchtsskirrtage im Saale des „Prin; Carl". Bürger - Club. Sonnlag, den 28. Decernber: Abend-Unterhaltung mit Weihnachtsbescheerung in Wenzel’s Saalbau. Die zur Bescheerung bestimmten Gegenstände wollen die Mitglieder wohlverpackt von Sonntag Nachmittag 1 bis 5 Uhr im Hause des Herrn Anton P.etri abgeben. 8410 Der Dorstand. Blicker- Ball am 31. Decernber 1884 (Sylvesternacht) im Saale des „Prinz Carl" Anfang 7‘/2 Uhr. 8406____Der Vorstand._____ Gesellschaft Heiterkeit. Am 2. Weihnachtsfeiertage Tan^unterhaitungmitChnstbtslheerung im Saale des Hotel Einhorn. Anfang ’71/2 Uhr. Der Vorstand. NB. Damen ohne Karte haben keinen Zutritt. 8266 Gin Haus umgeben von schönen Gärten in freier Lage, in der Nahe des Bahnhofes, mit allen Bequemlichkeiten, zu vermiethen und alsbald beziehbar. Auf Wunsch können Stallung, Aecker und Wiesen mit verpachtet werden. Die Exped. d. Bl. sagt wo. 7777 1220 Schulstraße 10 Laden mit Logis zu vermiethen. 8250 Der seither von Herrn Wol.f Katz bewohnte Laden mit Logt- ist pr. 1. April 1885 anderweitig au vermiethen, L. Textor, im Darmstädter Haus. vermischte Anzeigen. 8443 Eine kl. ruhige Familie sucht für Ende März f. I. ein Logis von 5 Zimmern und 1 Cabinet eocnt. 4 Zimmern und 2 Cabinetten in der Grünberger- oder Lud- wigsstraße oder in deren Nähe. Offerten bei der Exped. d. Bl. einzureichen. Am 27. Decewber 1881 (3. Weihnachtsfeiertag) AbendS 8 Uhr: Frier ins 23Mrigrn Slifkllngsfrllcs im Vereinslocal (Cafö Ebel). Festesten (Couvert incl. Wein JL 2.—) Alle Mitglieder, sowie Freunde der Kunst werden freundlichst eingeladen. 8471 JDer Voran«nd. 8345 Ein tüchtiger Müllerburschc findet dauernde Stellung bei A. Wächtler, Dillenburg. Einem verehrten Publikum zur ge- Migen Nachricht, daß ich in meiner altdeutschen Weinstube auch einen Ausschank von Bier errichtet habe. Ich empfehle im Glas: Exportbier auS der Gießener Aetien-Brauerei, Exportbier ans der Brauerei Dinding in Frankfurt a/M. in vorzüglicher Qualität; in Flaschen über die Straße ä 23 Pfg. Fh. Bauer, zur altdeutschen Weinstube 7829 Bahnhofstraße 57. Die Anfertigung von Steppdecke» übernehme in schönster Ausführung zu billigen Preisen. Herrn. Ang. Müller^ 3278 Seltersweg. Ankauf von Lumpen, Knochen, Papier und alten Akten. Louis Rothenberger, 1791 Neuenweg 22 Nedactisn: A. Scheyda. - Druck und Verlag der Brühl'säen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.