Nr. 171. Freitag den 25. Juli 1881 Gießener Anzeiger Amts- und Anzcigeblatt für den Kreis Gießen. Brrrea« r Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. PveiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brinqerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Amtlicher Hheil. Betreffend: Die Förderung des Obstbaues. Gießen, den 23. IM 1884. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzoglicherr Bürgermeistereien des Kreises. Wir sehen längstens bis zum 15. August I. I. Ihrem Bericht darüber entgegen: 1) ob in Ihren Gemarkungen Gemeinde- oder Privatbaumschrrlen bestehen, fowie bejahenden Falls, welchen ungefähren Flächengehalt sie haben und wie viele Bäumchen etwa jährlich daraus abgegeben werden können; 2) ob Ihre Gemeinden oder Angehörigen derselben sich an einem von dem landwirthschafllichen Bezirksverein für diesen Herbst in Aussicht genommenen gemeinschaftlichen Bezug von Obstbäuwen betheiligen wollen, und eventuell wie viele Stämmchen alsdann, sowie von welchen Obstarten bestellt werden. Bemerkt wird dazu, daß diese Bäume zum Einkaufspreis abgegeben, daß also die Kosten des Bezuges anderweitig gedeckt werden sollen., t Dr. Boek mann._____________________ Betreffend: Sicherung der Kirchen- und Pfarrbesoldungs-Kapitalien. Gießen, am 22. Juli 1884. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die evangelischen Kirchenvorstände des Kreises. Das in rubr. Betreffe erschienene Amtsblatt Großherzoglichen Oberconsistoriums Nr. XVII vom 11. er. lassen wir Ihnen zur genauen Beachtung durch die Post zugehen und beauftragen Sie, die Kirchenrechner von dem Inhalte derselben in Kenntniß zu setzen. Dr. Boekmann. Politische Ueberstcht. Gießen, 24. Juli. Der Kaiser erfreut sich in Gastein unausgesetzt des besten Wohlbefindens trotz der kühlen Witterung, welche dort während der letzten Tage herrschte. Am Sonntag gab es in Gastein sogar Schneefall, weshalb auch die gewohnte Promenade des Kaisers an diesem Tage unterblieb. Die „saison morte“ ist nunmehr vollständig in unsere innere Politik eingezogen und einzig aus dem Mangel an paffendem Stoff kann man es sich erklären, wenn immer noch die Mähr von der liberalen „Kanzler-Verschwörung" hie und da in den Spalten der Zeitungen wieder auftaucht. Auch der Eifer, mit welchem die „Nordd. Allg. Ztg." sich immer wieder an der „Karlsr. Ztg.", dem amtlichen Organe der badischen Regierung, zu reiben sucht — wegen des bekannten Artikels desselben gegen den adeligen Großgrundbesitz — dürfte auf den Mangel an geeigneterem Stoff zurückzusühren sein. Unter diesen Umständen zieht das große nationale Fest, welches gegenwärtig in Leipzigs Mauern gefeiert wird, das achte deutsche Bundesschießen, die Aufmerksamkeit in erhöhtem Maße auf sich. Das schöne Fest, welches nicht nur Tausende von „Schützenbrüdern" aus allen Gauen Deutschlands und auch aus dem stammverwandten Oesterreich, sondern auch zahllose Schaulustige, zum Theil aus weiter Ferne, nach Leipzig geführt hat, ist bis jetzt in der gelungensten Weise verlausen und hat der großartige Festzug am Sonntag nicht nur bei seinen Teilnehmern, sondern auch bei der nach Zehntausenden zählenden Zuschauermenge einen mächtigen uno nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Einen erhebenden Moment während des Festzuges bildete die begeisterte Ovation, welche die Schützen dem König Albert vor dessen Palais darbrachten. Die Reden, welche auf dem Augustus- platze gelegentlich der Uebergabe des Bundes-Banners Seitens der Vertreter der Stadt München an die Stadt Leipzig, sowie am Sonntag Abend auf dem Festbanket in der Festhalle gehalten wurden, waren sämmtlich von ächt nationalem Geiste durchweht und legten Zeugniß davon ab, wie sehr auch noch in unserer Zeit derartige Feste dazu dienen, den patriotischen Sinn zu wecken und zu pflegen. — Am Montag bildete in dem Bundesschießen das „Fischerstechen", das einzige noch erhaltene Volks- und Handwerkersest Leipzigs, eine bemerkens- werthe Episode. Die originelle Feier wurde durch die Anwesenheit König Alberts ausgezeichnet, welcher auch den Festplatz wiederholt mit seinem Besuche beehrte, hierbei überall von den Volksmassen stürmisch begrüßt. In dem märkischen Städtchen Freienwalde a. O. wurde am Montag die 200jährige Gedenkfeier der Eröffnung des dortigen Gesundbrunnens durch den Großen Kurfürsten im Beisein des deutschen Kronprinzen und des Prinzen Heinrich von Preußen festlich begangen. An demselben Tage begannen in Frankfurt a. M. die Verhandlungen des deutschen Handwerkertages. Bezüglich des Standes der Cholera-Gefahr im Süden Frankreichs ist zu constatiren, daß Toulon und Marseille zwar noch immer die Hauptherde der Epidemie bilden, daß aber auch in anderen Städten der Provence, wie Arles, Nimes, Pierresen, Hyöres u. s. w. fortgesetzt vereinzelte Cholera-Todesfälle vorkommen. Auch in Paris selbst sind schon zwei Cholera- Todesfälle registrirt worden, welche ofsiciell aber als cholera nostras erklärt werden. In Wien sollten ebenfalls drei Erkrankungen an cholera nostras vorgekommen sein, darunter zwei mit tödtlichem Ausgange; es stellt sich jetzt jedoch heraus, daß die betr. Personen an Hitzschlag und Sonnenstich gestorben sind. Von Marseille scheint die Cholera bereits nach den englischen Gewässern verschleppt zu sein. Auf dem englischen Dampfer „Saint Dustan", welcher, von Bombay nach Liverpool bestimmt, in Marseille anlegte, starben während der Fahrt von Marseille nach Liverpool zwei Matrosen an der Cholera und wurde deshalb der Dampfer sofort nach seiner Ankunft in Liverpool unter Quarantäne gestellt. Die Verfassungs-Revision in Frankreich droht für dieses Jahr in's Wasser zu fallen. Die Senats-Commission zur Vorberathung des Revisions-Entwurses hat denselben erheblich modificirt, hauptsächlich lehnen es die Beschlüsse der Commission ab, die finanziellen Befugnisse des Senats einer Revision zu unterziehen. Nimmt das Plenum Des Senats die Beschlüsse seiner Commission an, so geht die Revisions-Vorlage wieder an die Deputirtenkammer zurück; da es aber sehr zweifelhaft erscheint, ob die Kammer der Vorlage in der Gestalt, welche ihr der Senat gegeben hat, zustimmen wird, so kann man sich immerhin auf das Scheitern der Verfassungs-Revision gefaßt machen. — Die Reise des Herzogs von Chartres nach Toulon und Marseille, die derselbe gewacht hatte, um die von ihm für die Cholerakranken gespendeten 50,000 Frcs. persönlich dem Präsecten von Marseille zu übergeben, wird von einem Theile der Pariser radikalen Blätter heftig angeseindet und als ein Versuch der Orleans bezeichnet, die Epidemie politisch zu verwerthen. Die in England gegen das Oberhaus wegen dessen ablehnender Haltung in Sachen der Wahlreform-Frage hervorgerufene Bewegung nimmt immer gewaltigere Dimensionen an. Am Montag hat im Hydepark zu London eine großartige Demonstration gegen das Oberhaus stattgefunden. An der imposanten Versammlung nahmen die radikalen Clubs, zahlreiche liberale Vereine, die Mitglieder der 239 Dörfer und Städte umfassenden Kent- und Sussex- Landarbeiter-Vereinigung und andere Arbeiter-Verbände aus allen Theilen des Landes Theil. Die Zahl der Theilnehmer an der Kundgebung wird auf 50- bis 70,000 geschätzt. Der Präsident des ital. Senats, Tecchio, hat seine Entlassung gegeben und dieselbe mit Gesundheits- und Altersrücksichten motivirt. Die eigentlichen Gründe für seine Demission müssen aber wohl in seiner bekannten anti-österreichischen Ansprache gesucht werden, welche Tecchio anläßlich des Todes des italienischen Dichters Prati, eines geborenen Süd,Tyrolers, gehalten hatte. Die Rede erregte in Oesterreich großes Aergerniß und man daher kaum irren, wenn man annimmt, daß Tecchio mit seinem Demissionsgesuche einem Wink der italienischen Regierung gefolgt ist, wenngleich Ministerpräsident de Pretis Tecchio pro forma ersucht hat, das Präsidium weiterzusühren. Der Besuch des russischen Kaisers in Warschau steht nunmehr trotz aller Attentats-Gerüchte fest. Es wird ganz bestimmt aus Warschau gemeldet, daß dieser Besuch im August erfolgen werde. Die Vorbereitungen seien im vollsten Gange und eine Militärbewachung von 13,000 Mann für den Bahnkörper von Petersburg nach Warschau designirt. Auch heißt es, daß alle Russen, die sich nicht legitimiren könnten, vor Ankunst Kaiser Alexanders aus Warschau ausgewiesen werden sollten. Obwohl der Mudir oon Dongola sich als Verräther demaskirt hat, scheint er seltsamer Weise noch in osficiellen Beziehungen zu der Regierung in Kairo zu stehen. Wenigstens ist dieselbe von dem Mudir benachrichtigt worden, daß er ein Schreiben Gordon's empfangen habe. In demselben berichte Gordon, daß Khartum und Senaar unbeschädigt seien, verlange aber Verstärkungen, da er nur noch über 800 Mann Truppen verfüge. Der diplomatische Feldzug zwischen Frankreich und China dreht sich jetzt, nachdem China eingewilligt hat, seine Truppen aus Tongking innerhalb eines Monats ganz zurückzuziehen, nur noch um die Entschädigungs- Frage. Dem Vernehmen nach verlangt Frankreich für die Affaire von Lang- son das Sümmchen von 100 Mill. Frcs. und hat Admiral Courbet Ordre, mit seinem Geschwader einstweilen vor Foutchou, dem Kriegshasen der Chinesen, liegen zu bleiben.___ Darmstadt, 23. Juli. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: , , . ~ Am 9. Juli den Secretariats-Assistenten bei der Centralstelle für die Gewerbe und den Landes-Gewerbeverein, Wilh. Möser, zum Fabrik-Jnspector für das Großherzogthum Hessen zu ernennen. Darmstadt, 23. Juli. Se. König!. Hoheit der Großherzog, sowie O-3- K. Gr. H.H. der Erbgroßherzog und die Prinzessinnen Irene und Alir lind heute Vormittag 8 Uhr 48 Min. in erwünschtem Wohlbefinden dahier ein- getroffen und am Bahnhofe von Sr. Großh. Hoheit dem Prinzen Heinrich empfangen worden. Die Herrschaften, in deren Gefolge sich Miß Jackson Hoff jägermeister v. Werner und Herr Muther befanden, begaben sich sofort nack dem Neuen Palais. 1 Hier empfingen Se. Königl. Hoheit der Großherzog von 10 Uhr an- den Generalmajor und Commanoanten der Residenz Freiherrn Röder v Diers^ bürg, den Geb. Staatsrath und Großh. Gesandten in Berlin Dr. Reidtbardt den Dwlsions-Audlteur Justizrath Lotheißen; di- Ministerial.Präsidenten Finger und Schleiermacher, den Geh. Cabinetsrath Dc. Becker. ° 9 Im Lause de« heutigen Nachmittags begiebt sich die Großherzoqliche ^annlie zu Wagen nach Jagd>chloß Wolfsgarten, wohin das Großherzoqliche Hoflager für die nächste Zeit verlegt wird. Das Gefolge bilden Miß Jackson Generaladzutant Hofmarschall v. Westerweller und Herr Muther. Telegraphische Depesche«. Wolff'- ültgt* Eorresporrdem-BULeors» oetretei^^V^önen ffletter'etneTsngere ^rome^abe^ waren e?ernBreufiif*e b?8n&ärtl®n8,1».' Krauß'gelkben!°°^^ *“ °^-'chifch-ungarischen Ministerium m “ ,^cr Äatfer wohnte heute Abend einer größeren ©olr6 in der Villa hea ®rflfcn Lehndorff bei. Gegen Ende des Monats trifft der Erzherzog Albrecht hier &“n AÜfÄtt.iU bifU*en- ®£r Erzh-c-°g nimmt m bet Potsdom, 23 Juli. Ihre K. K. Hoheit der Kronprinz und die förßnnrfni»fftn na«VÄb‘w8eneten£n $rinaeff'n"Kn $lctorla- Sophie unb Margarethe ble R-si- Elberfeld , 23. Juli. In der gestern Abend hi-r stattgehabten Der- der uatwnalltberalen und der freiconservativen Parte: ist, wie die „Elberf Ztg. meldet, der Missions-Jnspector Fabri einstimmig zum Reichstags- Candldaten ernannt worden. . ~ 23. Juli Von gestern Vbend bis heute früh 10 Uhr starben in Toulon lo, m Marseille 30 Personen an der Cholera i, ssTtoS.Si?6 ”e,i5 s*6 « » ™"f»8 - - *-« , t4.r Pektt,m23L ^u[i! in Biel abgehaltene große Volksversammlung beschloß, den Bundesrath um das Verbot der Salutist-N'V-rsammlungen und um die Ausweisung ausländischer Salutisten-Officiere zu ersuchen. 9 , . . 8'm2L 3u!l-- ^ad) einer Meldung aus Karunna von gestern hat der spanische Postdampser „Gffon" mit dem englischen Dampfer „Laxham" kollldirt. Beide ®ampfet sanken. Durch den spanischen Dampfer „Santo SÄ «Urnen «° d°ss°g'°re des „Gijon' und 11 Mann von der Mann, schäft des „Laxham nach Korunna gebracht. Rom, 23. Juli. Das amtliche Blatt veröffentlicht das königl. Dekret wodurch aaf?SEig? ?tn6ö6t wbfrb8anbPt0DCnlCnil” °“8 ber @d,aet9 unb auS Srankre'ich von 5 ,n Neapel, 23. Juli. In Focio auf Ischia wurde heute Mittag um 12 llfir 40 Minuten ein heftiger Erdstoß mit starkem unterirdischem Rollen oersvürt (5a X? Schaden verursacht, aber ein großer Schrecken bemächttgte sich der Be- Oberst Becker ^C°" manbeur"beS ^ Pommerschm firn3ft WS?' Ifi ®ett durch Kaiserliche Cadinetsordre vom 18 b V jnm Brigade (Posen) befördert worden HerrObers!Becke?mn? b^.?^0 ^°v°"krte. Stabsofficter im 2. Großh. Hess. Drag^-Regt? Nr 94 «on^n aTä“ «1 /tatsmäßiger mcmdeur im Jahre 1876° nach Diedenho^vesetztwurde Eristur^L^«'Com- von den im Jahre 1871 In die preußische Armek üb^nommmm UsiUn 'AfiL' der eine höhere TruppenbefeblShaberstelle inne hatte. Die vielen Freunde und Bekannten, die Herr Oberst Becker hier besitzt, werden sicherlich mit Freuden vou diesem neuen Avancement desselben Kenntniß nehmen. Oberst Beck?r ist, wie wir noch b(n\” 9?^" «0080, et» geborener Oberhcsse, Sohn des vor Kurzem verstorbenen Rendanten Becker mkb in 15 S8W«ZW Sachsen und Anhalt, 7 Gaue, 91 Vereine und 7409 w t£LCkCr-1 SÄ“ »WÄ1 .«äää,2?! «KMSMr ä rhein bestehend aus Baden, bet banS $fah unb 10) *re? ^ber- und 11,670 Mitglieder - 11) ffrei« SmE l2 Gaue, 132 Vereine 121 Vereine und 11,755 ^itpnebH?^12)12 Gaue, aegend, 17 Gaue, 184 Vereine unb 18 039 wnrn ^^^nd die Entmündigung der aefdikbenetr Hatzfeld-Trachenburg auf Waldschloß Eharlotte Engelberge Louise, geb. Grästn Berschwenberin zu erklären^^und^ M, beschließt bas Gerich ' sie eine Der Antrag soll^' hauptsSchltch fahrens ihr zur Last zu lege^ Die Frau Gräfin soll tn ca 4 ber Herzogin von ©agan ausaeben verbraucht haben. ' ’ ^Q^rcn b^ tefpectable Sümmchen von 360,000 jL — In Hamm auf ber ,9Beftf. Union* explodtrte beim Abdämpfen ein Puddelofen. Die IVa Zoll starken Eisenplatten deS Ofens wurden total zertrümmert, flogen umher und suchten einen AuSweg durch das Dach, da« fast vollständig bcmolttt wurde. Der entstehende Brand konnte zum Glück rasch gelöscht werden. Leider sind auch Menschen verunglückt. Ein Puddler, Vater von 8 Kindern, wurde so schwer verletzt, daß er nach kurzer Zeit starb; ein Arbeiter, der schwer verwundet ist, dürfte mit dem Leben davonkvmmen; em dr.tter Arbeiter ist minder schwer verletzr. Laudwirthschaftliches. Die Ernte. Die schöne gesegnete Zeit der Ernte ist da und auf den Feldern dehnt sich daS Meer der goldenen Aehren. Es gibt kaum einen schöneren Anblick als eine gute Ernte. Die in Silberweiß schimmernden Roggen- und Gerftenähren, die in Goldgelb funkelnden Weizenähren fallen in dichten Reihen zu Boden unter der Sichel und Sense, denen die moderne Mähmaschine mit Erfolg Concurrenz zu machen sucht- Das lustige Landvolk geht zur Ernte wie zu einem Feste. Auf unsere Bauernschaft paßt nicht, waS Labruyere von der französischen Bauernschaft deö .großen Jahrhunderts* schrieb: .Man sieht auf den Feldern eine Art wilder Thiere, Männchen und Weibchen, schwarze, bletgraue, sonnenverbrannte; eS ist, als hätten sie auch artikulirte Laute und, wenn sie sich aufrichten, als zeigten sie ein menschliches Gesicht — wahrhaftig, es sind Menschen.* ES gibt in Europa kein lntelltgenteres und wohlhabenderes Bauernvolk als die deutsche Bauernschaft. Und wenn die Ernte gut ist, dann ändert sich daS ganze Aussehen des Lande«. Eine reichliche Ernte wirkt auf das Land, wie der gute, warme Regen auf den dürren Acker. Sie belebt, stählt, kräftigt Alles. Sie bringt die Industrie, den Handel in Schwung, sie muntert dm Unternehmungsgeist auf. Sie schüttet daS Füllhorn auf alle Schichten der Gesellschaft auS. Sie durchdringt gleich dem gesunden, mächtigen Bluikreisumlaufe alle Theile unseres gesellschaftlichen Organismus. Deutschland ist noch immer überwiegend ein Agrtkulturftaat. Mit Ackerbau befaßt sich bet uns noch immer ein überaus hoher Procentsatz der Gesammtbevölkerung und aus dieser Thatsache allein ergibt sich, von welch eminenter Bedeutung eine gute Ernte für den inneren Wohlstand, für daS Gedeihen der Gesellschaft ist. Und die diesjährige Ernte verspricht eine sehr gute Mittelernte zu werden. Ja, jetzt schwebt uns nicht mehr die bloße Hoffnung vor, sondern zum Theile die erfreuliche Wahrheit. Die begonnene Ernte weist an vielen Punkten unseres Landes ein reiches Ergebniß auf, namentlrch in Süddeutschland; von einer mittelmäßigen Ernte kann nur in jenen Dtstrtcien die Rede sein, in welchen Elementarschläge, die Dürre tm Mat, Wasser und Hagel die Hoffnungen der Landwtrthe heruntergedrückt haben. Ueber- wtegend aber ist in allen Thetlen unseres Landes die gute Mtttelernte; in den Herbstsaaten ist an vielen Orten die Ernte eine reichliche, so daß unser Wetzen-, Roggen- und Rübsenertrag durchschnittlich als ein sehr guter mittlerer bezeichnet werden kann. Von den Frühjahrssaaten sind die Getreidearten, die Gerste, der FrühjahrSwetzen rc. schwächer; die Dürre tm Mat hat ihnen viel geschadet; um so rnehß hat der Regen im Juni und in diesem Monate die Kartoffeln, die Futter- und Gartenpflanzen ge- beffert. Diese bieten bet fernerer günstiger Witterung gleichfalls Aussicht auf ein reiches Erträgniß, daS feinen Segen allenthalben im Lande ausstreuen und belebend auf Handel und Industrie einwirken wird. Handel und Verkehr. , „ Gießen, 22. Juli. Der heutige V'ehmarkt war fast nur mit jungem und gut gehaltenem Vieh befahren. Es waren aufgetrieben: 1287 Stück Rindvieh und 352 Stück Schweine. Der Handel war lebhaft, jedoch war in den Preisen eine Aenderung nicht eingetreten. 0 Nächster Markt Dienstag dm 5. und Mittwoch den 6. August d.J., am letzteren Tage auch Krämermarkt. ö ™r|L' 2r3' Auli. Rother Weizen X 16.90, weißer Weizen X 00.00, Korn X 14.00, Gerste X 9.o0, Hafer X 8.75, Erbsen X —, Kartoffeln X —. „ ^Frankfurt, 23. Juli. Auf dem heutigen Markt kostete der Centner Heu ^^0l7?.00' Stroh x 2.40-2.50, Eier das Hundert X 4 60—5.00, Butter « 1-00, 2. Qualität X 1.30, Kartoffeln (neue) per Centner X 2.75—3.50, Kohlrabi 4-6 H pr. St-, Erbsen 100 Kg. 12.00—18.00 X, Rothkraut pr. St. 30—40 Poularden X 0—0, Huhn^L 1.50—2.20, 1 Ente X 3.00—4.00, 1 Taube 60—00 4, Habn X 1.70—2.00, Gans X 4—0.00, Welsche X 7—12.— Literarische-. Verlage von W lhelm Rommel in Frankfurt a. M. ist Jahrgang 1884 vo" O Hübner's statistischer Tafel aller Länder der Erde soeben erschimen Die« allgemein bekannte und mit Recht beliebte WerkLen enthält Größe, Regierungs. form, Staatsoberhaupt, Bevölkerung, Ausgaben, Schulden, Papiergeld und Banknoteu- umlaus, stehendes Heer, Kriegs- und Handelsflotte, Ein- und Ausfuhr, Zolletnnahmm, Haupterzeugnisse Münze und deren Werth, Gewicht, Ellenmaß, Hohlmaß für Wein und G-treide Effenbabnen, Telegraphen, Hauptstädte und die wichtigsten Orte (mit rÄM a5er ^nder der Erde. Es hat diesmal eine vollständige Umarbeitung und beträchtliche Erweiterung durch eine auf diesem Geb'et de« Wissens hervorragmde Persönlichkeit, den Professor für StaatSrecht und Statistik Dr. Fr. von Juraschek, erfahren, so daß die Tafel nunmehr auch weitergehenden Ansprüchen genügen dürste. Preis nur 50 Psg. Gleichzeitig ist in demselben Verlage auch eine Taschenausgabe in Buchform mit doppeltem Inhalte erwähnter Tafel erschienen zum Preise von 1 X eleg. gebd. 731) Heber die Hähe der Kosten, welche die Einrtickeng einer Anzeige In eine oder mehre Zeitungen verursacht, wird man sieh niemals enttäuscht sehen, wenn man von der Annoncen - Expedition von >2 AASEZVSTEIJV A VOGLER in Frankfurt a. M. (Karlsruhe, Stuttgart oder München) zuvor Auskunft einfordert, die itnch hiasichta der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blätter auf Grund reicher ^rfahrnnren und gründlicher Beobachtungen zuverlässigen Rath ertheilt Sonntaft den 27. Juli, Vormittags 11 Uhr, findet in der Stadtkirche Altkatholiseher Gottesdienst statt. — (Mainzer Kirchenbaulotterie.) Anerkannt dürfte es wohl werden, daß der Vorstand, weil viele Interessenten noch nicht ihre Erneuerungen zur vierten Klasse bezogen, die Schlußziehung auf den 24. September verlegte. — Temperatur am 24, Juli (Mittags zwischen 11 und 12 Uhr). Wasserwarme der Lahn 170 R. — Luftwärme 18Va0 R. im Schatten. Rübs amen. □n B-MBBMxm nwjöras Allgemeiner Anzeiger. Montag den 28. I. Mts., von Vormittags 9 Uhr an, sollen im alten Rathhause versteigert werden: X. Maurerarbeit, veranschl. zu 263,68 Zimmerarbeit, „ „ 46,00 Schlofferarbeit, „ „ 35,00 Weißbinderarbeit, „ „ 103,62 Pflästererarbeit, „ „ 772,71 Gießen, am 24. Juli 1884. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. 4931 A. Bramm. Arbeits- Versteigerung. Montag den 28. Juli L I., Nachmittags 3 Uhr, sollen aus hiesigem Nathhause nach- oerzeichnete Arbeiten öffentlich in Accord gegeben werden: Caussirung eines Weges am Eichweg: Steinfahren, veranschl. zu 165 X. Steinsetzen, „ „ 14 „ Chaussirungsarbeiten „ 168 „ Ueberkiesung „ „12 „ Mainzlar, am 23. Juli 1884. Großh. Bürgermeisterei Mainzlar. Vogel._______4925 Nächsten Freitag den 25. Juli d. I. werde ich gegen Baarzahlung versteigern: a- Vormittags 9 Uhr in der Flett'schen Hofratthe zu Gießen: 2 Kleiderschränke, I Sopha, 2 Comoden, i ^Spiegel, 2 Oelbilder, 3 Vogelkasige, 1 broncirte Figur, 1 ganz neues vollständiges Bett, bestehend in tannener Bettstelle, Sprungfedermatratze. Deckbett und 2 Kissen, 1 neuer Waschtisch, 1 ditto Nachttisch, — d. Nachmittags 2 Uhr auf meinem Bureau (Bahnhofstraße 5) hier 5 Bände Brockhaus Conversations- lexikon, 6 Bände Brehm's Thierleben (— 3 Bände Vögel, 3 Bände Säuge- thiere —), — Beides neu —. Beide Versteigerungen finden bestimmt statt. Gießen, den 22. Juli 1884. - I«, eir*«»s4" an Nach A StiWtMm dtr welche wit dm! iMftaab W " Bei bie| Kchendm ist,' Nach ® Gieß«, mit Sui Sie wo msenden. Bekam»tmach«ng 4926 Für Auswanderer! Ä Elsoffer. 4916 4920 wozu freundlichst einladet Der Vorstand Carl Köhler, Schreinermeister. Redaktion: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'sLen Druckerei (Fr. CHr. Pietsch) in Gießen. Hoflieferant, zeigt an 4713 Berlin, flegr. 1837. Bonn flegr. 1837. 4868 Zum 7. October wird ein älteres erfahrenes Mädchen oder Wittwe, am liebsten vom Lande, zu drei Kindern gesucht. - Zu erfragen Alice-Straße 11, 1 Treppe. zu verlegen. Mainz, 22. Juli 1884. 4934 Einen Schreinergesellen sucht Reinh. Wagner, Marklstr. 8. L. Süß, Frucht- und Mehlhandlung. Bahnhofstraße 60. Mainzer Kirchenbaulotterie. Nach uns gewordener Mittheilung sind noch viele Interessenten mit der Erneuerung ihrer Loose zur vierten Klaffe im Rückstände. Dies veranlaßt uns, die Haupt- und Schlußziehung auf den kommenden 24. September am Kirchenplatz, C- W. Dietz Nachfolger. Der Vorstand. Für denselben: Dr. Moufang. Gesucht ein tüchtiger Pferveknecht von MerMifchte Anzeigen. 4923 Kräftiges, reinliches Dienstmädchen gesucht. Marktstraße 34. Zu verkaufen eine Scheuer mit Stallungen und Hof. , Näheres in der Exped. ds. 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