“S mein lp. ter isse 27, 6162 Alr. 223 Mittwoch den 24. September 188L Amts- und Anzergeblatt für den Kreis Gießen. -chu,str°«. 7. erf^nt mit Wm. M M-ftogs. » JffgU SSM SW Amtlicher Hlieil. Bekanntmachung. Der Verein zur Züchtung und Veredlung der reinen Vogelsberger Rindviehraffe wird Samstag den 27. September L I. zu Lang-Göns eine Anzahl von Prämien im Gefawmtbetrage von 800 Mark, darunter im Einzelnen mehrere aus Staatsmitteln zu je 60 Mark, an Eigenthümer von besonders schönem Vieh der genannten Raffe vertheilen. Diejenigen, welche Prämien von 30 Mark und mehr erhalten, verpflichten sich durch deren Annahme, bem genannten Vereine beizutreten und demgemäß das prämiirte Thier zur Nachzucht zu verwenden. t , . . Die Preisbewerbung ist an keinen bestimmten Wohnort und keine bestimmte Staatsangehörigkeit gebunden. Die Musterung des Viehs beginnt um 8 Uhr Vormittags auf dem Marktplatze zu Lang-Göns. . An demselben Tage Nachmittags 2 Uhr findet eine Generalversammlung deS genannten Vereins statt, tit welcher die Rechnung, das Stammregister, Mitgliederverzeichniß rc. vorgelegt und über die fernere Vereinsthätigkeit verhandelt werden soll. Alle Mitglieder dieses Vereins werden zu der Generalversammlung und alle Eigenthümer von preiswürdigem Vieh Vogelsberger Raffe zu dieser Prämiirung hiermit eingeladen. Gießen, am 18. September 1884. Der Vereins-Präsident: R o v e r, Kreisaffeffor. ~ Betreffend: Gang des Dekanatsboten. Lang-Göns, den 23. September 1884. An sämmtliche Pfarrämter des Dekanats Gießen. Der Dekanatsbote geht diesmal den 2 9. und 3 0. September. vr. Strack, Dekan.____________________________ _______________ ethMM. Ammer zu vei- r- Dich«, Sonnenstr.j ilirtes Zimmer mit fr; chlossenem Corridor j. tzenstein, Marktplatz. ilirtes Zimmer zu otr Wallthorstraße 59. wbl. Zimmer vermiethe nsion Zertling, Weserstr. 3? te Knzeizea. nung üött 4—5 3iittincn ijrfter Lang Wwc.^ Maurer und idlanger eschäftigung gegen hohe» :au zirkel, = Uiachek peKnenfM KJöchinWtgutrn Politische Ueberficht. Gießen, 23. September. Die Kaisertage von Skierniewice sind nun zwar vorüber, aber ihre ^Nachwirkungen aus die politische Diskussion lasten sich noch immer an den zahlreichen Commentaren erkennen, welche die Preste fortgesetzt dem welthistorischen Ereigniste widmet, das sich in dem kleinen polnischen Landstädtchen abge- spielt hat. Jetzt tritt besonders die Frage nach dem Ergebnisse der Kaiser- Zusammenkunst hervor und da läßt sich schon aus deren äußerlichem Charakter ein Schluß aus das Resultat der Berathungen ziehen, welche im Schlosse von Skierniewice zwischen den drei Kaisern und ihren ersten Ministern gepflogen worden sind. Das Zusammensein der Monarchen war in jeder Beziehung von Anfang bis Ende so herzlich und freundschaftlich, daß sich schon hieraus die volle Üebereinstimmung über die gemeinsamen Ziele ergiebt; nach welcher Richtung hin dieselben aber zu suchen sind, dies geht aus einer Auslastung hervor, die das „Journal de St. Petersbourg" der Monarchen-Entrcvue von Skierniewice widmet. Das hochosficiöse Blatt erklärt, daß an die Stelle der isolirten Action die Grundsätze der Einigkeit, der Versöhnung und der Beruhigung treten, nach welchem fortan alle gegenwärtigen und zukünftigen Fragen behandelt werden sollen. Der Friede sei vollkommen und wirksam gesichert für die beteiligten Mächte wie für das übrige Europa. Eine richtige Würdigung der Thatsachen werde die politische, sociale und öconomische Situation Europas günstig beein- «flussen und die Unsicherheit von heute auf morgen beseitigen. Die Sicherheit beruhe nicht aus abstracten und zufälligen Theorien, sondern aus der praktischen Üebereinstimmung der Interessen, welche eine dauernde Einigung herbeiführen müste. — Das russische Kaiserpaar gedenkt am 23. September von Skierniewice nach seiner Sommer-Residenz Peterhof zurückzukehren. Seit Donnerstag weilt Kaiser Wilhelm wieder am Rhein, um den Manövern des 7. und 8. Armee-Corps mit beizuwohnen, soweit dies in den getroffenen Dispositionen liegt. An dem genannten Tage gab die Stadt Düsseldorf dem Kaiser ein bis in alle Einzelheiten aus's Höchste gelungenes Fest, welchem der hohe Herr bis zum Schluffe beiwohnte und wofür er dem Landtagsmarschall Fürsten zu Wied und dem Ober-Bürgermeister Becker seinen Dank aussprach. Am Freitag nahm ver Kaiser die Parade über das 7. Armee- CorpS ab. Der Tag der Reichs tags wähl ist auf den 28. October festgesetzt worden. In der Reichshauptstadt erzeugt die Wahlbewegung schon ziemlich starke Wellen und die Auseinandersetzungen zwischen Conservativen, Fortschrittlern und Socialdemokraten in den öffentlichen Versammlungen nehmen bereits einen recht erregten Charakter an. — Die parlamentarischen Sommer-Ferien sind am ersten für den Bundesrath zu Ende gegangen, welcher am vorigen Donnerstag wieder eine Sitzung abgehalten hat. Aus derselben ist als bemer- kenswerthester Beschluß die Annahme der Anträge Preußens, resp. Hamburgs, hervorzuheben, welche die Verlängerung des über Berlin und Hamburg nebst Umgebung verhängten kleinen Belagerungs-Zustandes bezwecken. Auch der Zusammentritt des preußischen StaatSrathes scheint in naher Zeit bevorzustehen; es heißt, daß Fürst Bismarck die Dispositionen für die Einberufung des StaatSrathes und die demselben zu machenden Vorlagen selbst treffen wird. Nach einer Mittheilung der „Neuen Reichs-Correspondenz" hat der Kronprinz als Vorsitzender des StaatSrathes die Minister aufgefordert, den zum Staatssecretär des StaatSrathes ernannten Herrn v. Möller in Berücksichtigung des Umfanges und der Bedeutung seiner Arbeiten beim Staatsrathe von seinen bisherigen Functionen als Unterstaatssecretär im Handels-Ministerium zu entbinden. Die Bremer Bürgerschaft hat den Senat ermächtigt, im Bun- desrathe den Antrag aus den Zollanschluß Bremens zu stellen. Für Oesterreich-Ungarn bedeutet die am Samstag erfolgte Eröff- 'rung der Arlberg-Bahn, welcher auch Kaiser Franz Josef beiwohnte, eine neue Epoche der wirthschaftlichen Entwickelung und wird Oesterreich-Ungarn durch die Arlberg-Bahn, namentlich an den Küsten befc Mittelmeeres, ein neues Absatzgebiet für seine Producte finden. Am Sonntag hat Kaiser Franz Joses dem großh. badischen Paare auf Mainau und dem württembergischen Königs- Paare in Friedrichshafen den projectirten Besuch abgestattet. Vor seiner Abreise nach Tyrol stattete der Kaiser den zur Zeit wieder in Wien weilenden griechischen Majestäten einen längeren Besuch ab; auch der Minister des Auswärtigen, Graf Kalnoky, wurde am Freitag vom König von Griechenland em- sangen und verweilte beinahe eine Stunde bei demselben, welche Thatsache in den Wiener politischen Kreisen sehr bemerkt wird. Die französisch-chinesische Streit-Asfaire scheint allmälig in das Stadium der Versumpfung zu treten. Wenigstens hört man schon seit längerer Zeit nichts mehr von nennenswerthen Actionen auf dem chinesischen „Kriegsschauplätze" und allerdings sind solche vor Ankunft der dem Admiral Courbet zugesandten Verstärkungen kaum zu erwarten. Was die jüngst gemeldete GesechtS-Affaire am Kinpai-Paffe anbelangt, so reducirt sich dieselbe auf die Beschießung eines französischen Kriegsschiffes durch chinesische Strandbatterien. Inzwischen tauchen Gerüchte auf, daß eine Vermittelung zwischen Frankreich und China im Werke sei, und zwar wird Deutschland als diejenige Macht bezeichnet, welche in Peking anscheinend nicht ohne Erfolg dahin wirke, die dortigen Staatsmänner einer friedlichen Verständigung mit Frankreich geneigter zu machen. Inwieweit diese Gerüchte den thatsächlichen Verhältnissen entsprechen, muß vorläufig abgewartet werden. Aus Italien liegen nur die stereotypen Choleraberichte vor, welche leider erkennen lassen, daß die furchtbare Seuche nur wenig abgenommen hat. Speciell in Neapel sterben täglich 200 bis 300 Menschen an der Cholera und auch in Rom scheint dieselbe nunmehr ihren Einzug gehalten zu haben, da aus dieser Stadt mehrere „choleraverdächtige" Fälle gemeldet werden. Glücklicher Weise hat die mehrtägige Anwesenheit König Humberts in Neapel den tief gesunkenen Muth der dortigen Bevölkerung wieder gehoben und hat außerdem das opsermuthige Verhalten des Königs noch zur Folge gehabt, daß hierdurch dem dynastischen Gefühl des italienischen Volkes ein mächtrger Aufschwung verliehen worden ist, wovon fast jeder Tag neue Beweise bringt. Die egyptische Finanz-Misere ist jetzt an einem Punkte angelangt, welcher die Ergreifung außerordentlicher Maßregeln zu einer zwingenden Noth- wendigkeit macht. Eine solche Maßregel stellt der Beschluß des egyptischen Ministerraths dar, die für die öffentliche Schuld bestimmten Einkünfte nicht mehr an die Staatsschuldenkaffe, sondern an das Finanzministerium abzuführen. Ebenso sollen die Einkünfte aus den Verwaltungen der Eisenbahnen, Telegraphen, Zölle und der Hafengebühren Alexandriens dem Finanzministerium überwiesen werden. In den Kreisen der Inhaber egyptischer Bonds herrscht über diese Beschlüsse große Verstimmung. Aeutschlaud. Darrnstadt, 21. September. Das Grobherzogliche Regierungsblatt Nr. 29 enthält: L Gesetz, die Erbschasts- und Schenkungssteuer betreffend. Hesterreich. Pest, 21. September. Ja Agram Ist der kleine Belagerungszustand publicirt worden, weil Bürger, welche für die Rrgierungscandtdaten gestimmt hatten, insulttrt wurden. DaS Organ Staicevic's, „Sloboda", ist unterdrückt worden, der Redacteur desselben wurde verhaftet- — Nach Zengg sind wegen Ruhestörungen ein Regierungscommissar uud Militär- abtheilungen entsendet worden. Telegraphisch; Depescheu. Wolff'» telrgr. Gorrespovdem-Bureorr. Brühl, 22. September. Zu dem gestern Nachmittag bet Ihren Majestäten dem Kaiser und der Kaiserin stattgehaoten Diner hatten öte fremden Offiziere Einladung erhalten- Abends 8 Uhr war bei den Majestäten Theegesellschaft. Heute früh 9 Uhr begab sich Se. Majestät des Kaiser mittelst Exlrazuges nach Derkum und von da zu Wagen nach Lommersum, wo um 10 Uyc Die Parade des 8. ArmeecorpS stattfindet. Köln, 22. September. Die bet Euskirchen heute stattgehabte Parade deS 8. Armeecorps nahm einen überaus glänzenden Verkauf, se. Majestät der Kaiser stieg bet der Ankunft auf dem Paradefeld zu Pferde unb ritt, von Ihrer Majestät der Kaiserin, Ihren K. K. Hoheiten dem Kronprinzen, der Frau Kronprinzessin, allen anderen Fürstlichkeiten und einer glänzenden Suite gefolgt, zunächst die Front der in zwei Treffen ausgestellten Truppen ab, hierauf erfolgte der Vorbeimarsch der letzteren, wobei Se. Majestät unter stürmischen jubelnden Zurufen der versammelten Zuschauermassen daS 4. (Sarde-Grenadier-Reg'ment Königin und sodann daS KönigS-Husaren- Rsgiment Nr. 7 vor Ihrer Majestät der Kaiserin vorüberführte. Ihre Majestät die Kaiserin wobnte der Parade tn einem sechsspännigen Wage« bet und hatte vet ihrer Ankunft zunächst das 4. Garde-Grenadier-Regiment, dessen Chef Allerhöchstdi s-lbe ist, begrüßt. Ihre K. K. Hoheit die Frau Kronprinzessin folgte der Parade zu Pferde. Am Schluß der Parade besichtigte Se. Majestät der Kaiser die Krt'geroereine, welche sich in nroger Anzahl auf gestellt hatten. Berlin, 22. September. Der „Reichs-Anz." veröffentlicht einen Erlaß des Ministers des Innern, wonach die Auslegung der'Wählerlisten sür die Neichstagswahl aus den 30. September festgesetzt wird. — Fürst Bismarck ist mit seinem Sohne, dem Grasen Wilhelm Bismarck, Nachmittags 3 Uhr 40 Min. noch Friedrichsruhe abgereist. Paris, 22. September. Das „Börsenblatt" veröffentlicht ein Telegramm von Leffeps, in welchem dieser erklärt, daß er Anfangs nächsten Jahres nach Panama zu gehen beabsichtige, um eine Section des Kanals, welcher die beiden Oceane verbinden solle, zu inauguriren. — In den letzten 24 Stunden starben in dem Departement der Ost- Pyrenäen 6 Personen, in Toulouse eine Person an der Cholera. Madrid, 22. September. In den inficirten Ortschaften kamen in den letzten 24 Stunden 9 Cholera-Todessülle vor, darunter einer in der Nähe von Madrid. London, 22. September. Gras Herbert Bismarck ist heute früh hier eingetroffen und nach Schottland weitergereist. — Der „Times" wird aus Shanghai von heute gemeldet, die Vlockirung der Woosungbarre werde lebhaft betrieben, doch solle die Paffage für neutrale Schiffe offen gehalten werden. — Wie das „Neuter'sche Bureau" erfährt, hätte Generäl Wolseley auf telegraphischem Wege empfohlen, die nach Egypten beorderten beiden Bataillone Infanterie nicht abzusenden und vorläufig jede Truppenverschiffung aus England nach Egypten zu verschieben. — Wie dasselbe Bureau weiter vernimmt, dürfte in Folge der günstigen Nachrichten aus Khartum der Umfang der Nil-Expe- dition reducirt und die Expedition in eine Art fliegenden Corps verwandelt werden. Bern, 22. September. Gestern Nachmittag entgleiste auf der Brücke btt Morteau (Station der Lutte Morteau-Locle) ein Personenzug, welcher aus 19 Personenwagen bestand. Der erste derselben fiel über einen 4 Meter hohen Damm, ein zweiter drang theilweise in einen voraufgehenden ein. Eine Dome blieb sofort todt. Außerdem wurde 1 Reisender schwer und 7 Personen leicht verwundet. Rom, 22. September. Choleraberickt. Es kamen vor: In Aqulla 2 Er- kcankungm und 2 Todesfälle, in Avellino 1 Erkrankung, 2 Todesfälle, tn Benevento 1 Erkrankung, in Bergamo 18 Erkrankungen, 11 Todesfälle, in Brescia 2 Erkrankungen, 1 Todesfall, tn Cremona 1 Erkrankung, 4 Todesfälle, in Cuneo 14 Erkrankungen und ebenso viel Todesfälle, in Ferrara 3 Erkrankungen, 2 Todesfälle, in Genua 29 Erkrankungen, 9 Todesfälle, davon in Sp'zzia 16 Erkrankungen, 7 Todesfälle, in Modena 1 Erkrankung, in Neapel 362 Eikrankungen, 194 Todesfälle, davon in der Stadt Neapel 305 Erkrankungen, 161 Todesfälle, in Parma 3 Erkrankungen und ebenso viel Todesfälle, tn Reggio nell' Emilia 3 Erkrankungen, 1 Todesfall, in Rovigno 1 Er» krankuna, 3 Todesfälle unb in Salerno 2 Erkrankungen. Rom, 22. September. Dem „Fanfulla" zufolge wäre zur Errichtung des vom Papste in Aussicht genommenen Cholerahospitals die Caftrne der päpstlichen Gensdarmen bestimmt, die noch im Weichbtlde des Vatikans gelegen ist. — Das Journal „Economista" bestreitet, daß die Berathung des Gesches über die Eisenbahnconventionen vertagt werden würde. Die Mitglieder der betreffenden Commission hätten den ersten Theil ihrer Arbeiten nahezu vollendet, die Commission könne daher schon tn einigen Wochen zur Feststellung des Berichts einberufen werden- Brüssel, 22. September. Ein an den Straßenecken angeschlagener Erlaß des Bürgermeisters sagt, e8 sei die Pflicht eines jeden guten Bürgers, dem Schulgesetze Folge zu leisten. Kundgebungen in drn Straßen würden bei öffentlichen Frieden gefährden und seien deshalb bis auf Weiteres untersagt. Die bevorstehenden Communol- wahlen böten legale Waffen zur Bekämpfung des Gesetzes, das den Unterricht gefährde. Die Bürger werden schließlich aufgefordert, die Ordnung aufrecht zu erhalten, alle größeren Menschenansammlungen, durch welche die Ruhe gesiö.t werden könnte, würden zerstreut werden- Kairo, 22 September. Ein Telegramm des französischen Consuls in Khartum bestätigt die Aufhebung der Belagerung von Khartum und meldet, daß die Umgegend von Den Aufständischen befreit sei; die Verproviontirung des Platzes fei verhältniß- mäßig leicht. Der französische Consul wird Stewart und Power nach Donaola begleiten. Außerordentliche Generalversammlung des Deutschen Colonialvereins. m „ Eisenach, 21. September. Eine stattlichere Versammlung als die heutige Generalvel,ammlung des Deutschen Colonialvereins hat das freundliche Eisenach lange nicht gesehen. AuS allen Theflen Deutschlands hatten sich Mitglieder des Vereins, sowie Freunde der colonialen Bewegung hier vereinigt, wobl über 800 an der Zahl und freundlicher Flaggenschmuck b-grüßte die auswärtigen Gäste. Die meisten Zwetgoereine und Sectionen waren durch Delegirte vertreten. Unter den kmvorragenden Persönlichkeiten nennen wir außer den Leitern des ColonialvereinS Fürst Hohenlohe - Langenburg und Oberbürgermeister Dr. Miquel-Frankfurt a. M, den Grafen Frankenberg-Tillowitz, Dr. Hammacher und Drof. v. Cuny (von der Abtheilung Berlin), Geh. Rath Erwin Naße (Bonn), Prof. Herrn. Wagner (Göttingen), v. Bennigsen, F. A- Lüdentz (Bremen), Ad. Wörmann (Hamburg), Jantzen und Thormählen (Hamburg), Brohm von der Firma Wölber und Brohm (Besitzer der Faktorei tn Bageido), Jakob Ablers (Deutsche Plantsgen- gesellschast), Dr. Franz PauluS (Vertreter der Deutschen Colonien in Syrien), Prof. RohlfS, Contreadmiral Bätsch u. f. w. Außerdem wohnte die Großherzogin von Sachsen mit dem Erbgroßherzog und der Prinzessin Elisabeth, sowie Staatsminister v. Stichling den Verhandlungen von Anfang bis zu Ende bei. Der Großherzoz welchen Berufsgeschäfte von Eisenach femhiellen, ließ durch den LandgerichtSpräsidentm AppeliuS der Versammlung seine lebhafte Sympathie mit den Bestrebungen des ColonialvereinS ausdrücken. In seiner Eröffnungsrede erörterte der Vorsitzende Fürst Hohenlohe-Langenburg die Gründe, welche den Vorstand zur Einberufung dieser außerordenlltchen Generalversammlung geführt. Es handle sich darum, bte Zustimmung deS Vereins zu den (Srflärungen emzuholen, welche seitens deS Vorstandes an den Reichskanzler ergangen sind, sowie um Darlegung der Aufgaben, welche dem Verein angesichts der überraschenden Wendung der Colonialfrage erwachsen. Die Retchsregierung, welche den Bestrebungen des Vereins anfangs etwoS kühl gegenüberstand, habe jetzt selbst die Bahnen einer praktischen Colonialpolitrk beschritten und Fürst Bismarck habe in seiner bedeutsamen Rede das Programm des Colonialoereins gewtffermaßen fancttontit. DaS Verständniß für diese neuen Bahnen fei tief in'S Volk gedrungen, aber eS fei auch zu befürchten, daß nun ein gewisses Colonialfieber sich einstellen und durch speculat.ve Köpfe auszebeuttt, zu bedenklichen Unternehmungen führen könne. Dem gegenüber müsse der Verein Kritik üben unb zur Vo.sicht mahnen, denn auch hier heißt eS: Erst wäg's, bann wog'S. Der Vorsitzende legte sodann der Versammlung nachstehende Resolutionen vor: 1) Die Gcneralversammluna deS Deutschen ColonialvereinS, die früheren an den Kanzler deS Deutschen Reichs gerichteten Erklärungen des Präsid'umS billigend, begrüßt mit großer Genugthuung die im Namen deS Deutschen Kaisers zum Schutz und zur Sicherung deutscher Niederlaffungen tn West- Asrtka ergriffenen Maßregeln. Sie erkennt darin mit lebhafter Freude da« Eintreten Deutschlands tn die Reihe der colontsatorische Ziele verfolgenden Völker und spricht die zuversichtliche Erwartung aus, daß dre RcichSregierung bei ihrem weiteren thatkrästigen Vorgehen auf die volle Unterstützung der Nation rechnen kann. 2) Die Generalversammlung des Deutschen ColonialvereinS hält regelmäßige und schnelle Dampsschiffoerbindungen der deutschen Seehäfen mit überseeischen Ländern für em unerläßliches Mittel, den deutschen Ausfuhrhandel zu fördern unb den deutschen Antheil am Welthandel zu mehren. Sie erwartet von denselben eine wesentliche Hebung des Ansehens der Deutschen Flagge und eine innigere Verbindung der Deutschen in überseeischen Ländern mit dem Mutterlande. In Fällen, wo solche Dampfschiffslinien ohne öffentliche Unterstützung zur Zeit nicht tn einem den deutschen Interessen entsprechenden Maße eingerichtet werben können, hält die Generalversammlung geeignete Subventionen derselben aus Reichsmitteln für geboten. Die Generalversammlung bedauert dcßhalb lebhaft, daß der Gesetzentwurf der D^bünbeten Regierungen, betreffend die Subvention einer Dampferlmie nach Ost-Asien unb Australien, in ber letzten Session beS Reichstags nicht zur endgültigen Erledigung gekommen ist, gibt sich aber der zuversichtlichen Hoffnung hin, daß eine erneute Vorlage allseitige Zustimmung und Annahme finden wird. Zur ersten Resolution spricht zunächst Missionsdirector Dr. Fabri (GodeSbcra). Ausgehend von ber Thatsache, daß die coloniale Bewegung tn Deutschland ihrem Ursprung und ihrer Tendenz nach keinen polnischen, sondern einen wlrthschafUichea Charakter habe, gibt er einen gesch ichtltchen Ueberbück über die colonialpolttischen Vorgänge deS letzten halben Jahres und weift nach, wie der Reichskanzler auch hierin mit der ihm eigenen Thatkraft verfahren sei. Die Erwerbungen an ber Brafraküste bezeichnet er hierbei als Cultivationsländer, diejenigen tn Lüderitzland dagegen als Bergwerkscolonien. Was die politische Gestaltung der neuen Colonien anlange, so könnten sie ent» weder unter die unmittelbare Verwaltung des Reichs genommen ober, waS wahrscheinlicher unb für den Anfang auch weniger Kosten mache, einigen großen kapitalkräftigen Compagnien nach dem Vorbilde der Borneogesellschaft zur Verwaltung überleben werden. Zum Schluß bttiet der Redner, die hochwichtige Auswanderungsfrage durch bte colonialpolttischen Erwägungen nicht in den Hintergrund drängen zu lassen. Von lebhaftem Beifall begrüßt, betritt hieraus Kaufmann Adolf Wörmann (von der Hamburger Firma Carl Wörmann) die Rednerbühne. Er erinnert daran, daß der Deutsche im Auslände früher vielleicht angesehen für seine Person, aber macht- und schutzlos gewesen sei und statt für daS eigene Volk, für fremde Nationen gearbeitet habe. Das sei jetzt andcrS geworden; wenigstens fei der Anfang dazu gemacht, daß der Deutsche draußen auch deutschen Boden finde, daß seine Arbeit auch dem Heimaih- lanb zu Gute komme. Man habe freilich den Besitzergreifungen an ber Westküste Afrikas alle Bedeutung absprechen wollen, weil daS Klima ungesund unb ein Handel mit dm Negern, die zu wenig Bedürfnisse hätten, nicht vorhanden sei. Aber die bisherigen Erfahrungen z-rgten gerade, wie entwicklungsfähig der Handel tn jenen Gegenden ist. Im Jahre 1858 brachten die Neger die ersten Palmkerne auf den Markt, heute ist der Verkehr tn diesem Artikel auf 125,000 Tons gestiegen. Zu Palmöl unb Palm- fernen haben sich Gummi elafttcum, Farbhölzer, Muskatnüsse unb andere Ausfuhr- gegenstände gescllt. Entsprechend der Ausdehnung des Handtts in Afrika wächst aber auch das Absatzgebiet für deutsche Waare. Anfangs Der 70er Jahre belief sich der durchschnittliche Schiffsverkehr zwischen Hamburg unb ber tropischen Westküste Afrikas auf jährlich 3300 Tons, im Jahre 1880 schon auf 35,000 Tons, 1883 auf 46,700 Tons. AllerbingS ist bas KUma für Europäer ungesund, aber nicht ungesunder wie z. B. an ber Küste von Java, welches doch für Holland von so wesentlicher Bedeutung geworden ist. Zur Einwanderung wird sich daher daS neu erworbene Kamerunland nicht eignen, dagegen seines fruchrbaren Bodens wegen trefflich zum Plantagenbau. Die Arbeitskräfte dafür können die eingeborenen Neger liefern, welche mit bet Zeit ebenso gute Arbeiter sein werben, wie einst bte gleichfalls aus Afrika geholten Sclavcn Amerikas ober wie noch jetzt die Neger von Liberia. Bei den Plantagen darf auf raschen Ertrag nicht gerechnet werden; die der Firma Wörmann gehörige Plantage tn Gabun besteht seit sechs Jahren, ohne einen Ertrag zu liefern, aber mit ber Zeit wird auch sie ebenso lohnenb werden wie die Plantagen in Brasilien, auf Ceylon und Java. Unb eine Wirkung dieser Plantagen hat sich jetzt schon gezttgt: die Neger siedelten sich ringS um dieselbe an unb begannen ebenfalls den Boden zu bebauen. So eröffnet sich dem deutschen Handel und den Erzeugniffm der deutschen Industrie durch die E>Werbungen an Afrikas Westküste ein zukunftsreiches Feld unb es ist mit Freuden zu begrüßen, daß auch Deutschland nunmehr mitarbeitet an der großen Ausgabe, den schwarzen Erdtheil zu erschließen. Auch der folgende Redner, Kaufmann Lüderitz (Bremen) wird mit lebhaftestem Beifall b grüßt. Er führt au6, daß ihm bet seinen Erwerbungen an ber Bucht von Angra Pequena nicht dieselben Erfahrungcn zur Se'te fUnben wie den Hamburger Firmen an der Tropenküste. DaS jetzige Lüderitzland sei noch völlig unbekannt und die erste Ausgabe fet, dasselbe näher zu erforschen. Zu diesem Behuse habe et zwei Expeditionen ausgerüstet und hoffe binnen Jahresfrist greifbare Resultate vorlegen zu können. Zweifellos sei ber giofte Metallreichtbum des Lmdrs. Effen, Kups.-r und Silber findet man in mächtigen Lagern, das Klima ist gesund unb ber Boren fruchtbar; was eine Colonisation hindert, ist zunächst nur bte Wossi-rarmuth b*§ Landes, doch befinden sich z- B. allein auf dem Wege von Angra nach Bethanien 11 Quellen ' unb es ist mit Sicherheit zu erwart-n, daß die jetzt bevorstehenden Bohrungen auf Wasser günstigen Erfolg haben. Die Debatte wird geschlossen und Resolution 1 einstimmig angenommen, nachdem ber Präsident zuvor ben beiden Pionieren bcS Dentschthums auf afrikanischem Boden gebankt unb bte Versammlung sich thnrn zu Ehren von den S tzen erhoben hatte. Die zweite Resolution wirb von Geh Rea.-Rath Naße (Bonn) begründet. Nach ber Umgestaltung, welche bte wtrthschaitliche Product on durch die Dampfmaschine und zahlreiche andere technische Forischritte erfahren hat, übt jetzt die räumliche Ausdehnung auf die wirthschaftliche Entwicklung der Culturvölker den größten Einfluß aus. Deutschland kann sich diese Entwicklung dienstbar machen durch bte Mehrung seines Exports, durch Theilnahme am Welthandel unb durch Besitzergreifung herrenloser Gebiete; eS hat aber dabei mit mehr Schwierigkeiten zu kämpfen als andere Länder und diese Schwicrigkeiten werden erhöht durch den Mangel birecter Dampferlinien. Welchen Einfluß rasche und regelmäßige Dampsschiffahrtsoerbindungen auf die Entwicklung deS Handels ausüben, weist der Redner aus verschiedenen Consular- berichten nach und erinnert daran, daß Engländer und Franzosen stets zur ftsailichen Unterstützung solcher Cinten bereit gewesen, wie man denn auch in Deutschland bet der Frage einer Subventionirung von Eisenbahnlinien, z- B- der Gotihardbahn, nicht cdt E des. , > s'S git«-.** ßn'ch «.MM 9#g$g. ES SW SS-» srs. namentlich auch tn MerNaiiouaM tnebr und wehr her Dinge, welche uns haben- Wir sind i brdari «6 eben gen der oorgeschlagener ssalonialoerein hat können wir in em dazu Haden- Den lafien Sie uns di " Der Anvw Oberbürgei htutt tn so reiche überall bte lieber; ColonialvereinS e Nach dem i/24 Uhr geschloff' •nehmet vorstelbn deutschen Colonial Nus die Sei Meinschastiiches! aus drn Kaiser, M Rede aus die Pion! aut Bmatd enti Slittiood) flirten ß Ä, z Der practW Niederkleen als mühle, Flur II. 5 markung Gießet der Hypothekurl An;er Eheleut S.K(ltzensteii Kautionshypothe! 10000 *4, ivch 3 und 4 der Gen und unter dein: Hypotheken^ m, beantragt. § wird aufae Ml auf 19 Vornüttl 9.“1*, * -rflarunj btt U btn ra. . I asKrf L-Z's d-d- $Ä< bu ’««ha? iiagt's ■; "rKr: ***«*t; ftfc« lenbeMÄerta a« fia‘ ÄMft'. äL-L DZ b! w mniec.”’ -..ÄAL Sä 0nete Subotnllontn Z Davpfrkl'ntr eJ ÄHtttflgl riich» ber iUDetfidjtBijen ,Un0 und Avvahm {Jübri (SobeSbcro). i ulschland tbrem Uri rn wirthsch^lichev 'ntalpoütlschen Aor, IM ovch hierin mit der BiafrakDr be- d dagegen alS Berg« so könnten sie tnb )er, wa3 wahrstzrtv- o6en lopltoKriiliflen . maltung flbtrlcfjm ' inderunßssrage dürren zu lassen. W Wörmann (non nett daran, daß ber r, ober macht- unb Nationen MibE dM Matzt, bah nutz bim hetwath- n an btt WefiW inb und ein handel i sei. Aber die bl?- el in jenen Gegenden dm Markt, heute ist Palmöl und Paliv- und andere Audsuhr- n Afrika u-öchst aber Zähre belief sich der len Westküste Afrika« Z83 auf 46,700 W efunber wie z. L. an Bedeutung geworden runland nicht eignen, nbou. Die Arbeit«- ' ber Zett ebenso gute :n Sclaocn Amerikas < rf auf iM" ®*‘l cae in Gabun bestehl olrb «ut fi- nb 3«w- Unb,|M ’beltenMt™««® 50 iriffml fi» l® iri dl- btn 1« b-g-"ß«'b 31 [tunrjen Srbffe« (lb Bit l-bi-ft-ß« „an ber SS»M «»» wie bi« 6«®baIi^ ess* Ä , äpnten t.1-® SftsSS »äS? t't* * il (sw^ S» SrtWWÄ* -tz! s-iB rb£ö Ä? fi tw\®WP Äl Wtedenekl S'S .ufirtrljböö11' ^dankerfüllt für daS enlfeSIoffene nnb erfolgreiche Dorgehen auf dem Gebiete der Colorttalpolttik ihre ehrfurchtsvollen Grüße.- Von Seiten der Frau Großherzogm traf als Erwiderung auf den ihr nach ber Wartburg mttgethetlten Trinkfpruch deS Herrn Oberbürgermeisters Dr. Miquel wührcnd der Tafel noch folgenbeS Telegramm ein: ,3m Namen beS GroßhrrzogS, wie im Meinigen, banke Ich der Vereinigung und spreche Ich derselben unsere wärmsten Wünsche für die gebethltche Entwicklung Ihrer Bestrebungen auS. Sophie.* Lokales. Kietzen, 23. September. Tagesordnung für die Stadtverordneten-Sitzung am Donnerstag den 25. September 1884, Nachmittags 4 Uhr. 1. SDdö dteSjährtge Jugenvfrst bdr. 2. Gesuch des MüblenblfitzerS Ferdinand Burk um käufliche Ueberlassavg städtischen GelündeS. 3. Gesuch des Bierbrauers Christian Lony um Erlaubniß zur Anlegung einer Ueberfahrt. 4 Gesuch der Dampfmolkerei Gießen um Erlaubniß zur Pflasterung einer Uederfahrt. 5. Ausbau der Wcstanlage. 6 Reparatur de« städttsch«n Pflasters. 7. Beschaffung von Jsolirräurnen. Kietzen, 23 September. SchwurgerichtSverhandlung am22 September gegen Hernrrch Müller von Nastätten wegen Verbrechens gegen die Sttiltchkett. Die Geschworenen r.tonnten den Angeklagten für schuldig und wurde derselbe demgemäß in eine Gtfängrvßstrafe von 6 Monaten, abzüglich 1 Monat Untersuchungshaft, verurtbe'lt. _______________________ tange nach ber Rentabilität gefragt habe. Wohl aber zeige d°« Beispiel ber @tfen= fi* ber Verkehr durch sie gehoben und vermehrt habe. Von einer Cer; unbVrbeffcrunfl der Dampferlinien seien ähnliche Vortheile zu erwarte^ ?an ab0efeben bä°on, daß da« SSnfeben der Deutschen Flagge im Au-lande dadurch aebob-n und bet den Deutschen In überseeischen Ländern da« Gefühl der Zusammen- aebödatett mit dem Mutterlande wach erhalten oerbe. . ® (fonful Annecke (Berlm) weist an einem umfassenden Zahlenmaterial näher nach, fS andrer^©taat/n namintltd) fettend Englands und Frankreichs zur Unter- w und welche Borihetle diese Linien dem Handel jener ^er gebracht ^bt£ bnrtn 3- 3- Meter (Bremen) die Bedeutung der „„„ N-a^run? tm fieldbltage e'ngebrachten Vorlage betr. Unterstützung einer D-m° eritnte° nach Ostasien und Australien näher erörtert und Ihr Scheitern ?eklÄ hattet wird die DrScussioa geschloffen und auch Resolution II einstimmig angenommen. (Marburg) begründet hierauf folgenden Antrag: ,Die General- n-riammluna' des Deutschen ColonialoereinS wolle beschließen, die Thättykcit und Ne M VlretnS nach der praktischen Sette hin zu «wettern insbesondere durch Er iLMna eine! auS erprobten, sich ausschließlich dieser Tätigkeit wtbmenben Kräften aebtldeten Canzlet als einer allgemeinen, ohne Entgelt Jedermann zugänq- Uchen^Vorder?,?ungS- und Auskunstsstelle für private überseetsche Unternehmungen Deutscher.^,^^ Dichtung einer solchen Canzlei hofft der Antragsteller vom ^^^^^EcVor^Fest ^(BreS?au) schlägt vor, biden Antrag sttner weitgehenden Be- hnlhlna wegen dem Vorstände zur vorigen Prüfung zu überweisen, damit derselbe auf öte Tagesordnung der nächsten Generaloersammlung gesetzt werden könne. Oberbürgrrmetster Dr. Mquel (Frankfurt) mit lautem Beifall empfangen: Koweit eS mir mein leidender Gesundheitszustand gestaltet, möchte ich mir ein paar Worte zu diesem Antrag erlauben. Wir wollen nicht scldst überseeische Unternehmungen begründen, wohl aber zweckmäßig auSgedachte und wohl fundirte Protecte dieser AN durch unsere Prüfung und moralische Unterstützung fördern. Dabei stogen wir vielfach auf den Mangel einer genügenden Instruction bei unS selbst, und eS unterliegt deshalb keinem Zweifel, daß ein Institut, wie die hier vorgeschlagene Canzlet für dm Deutschen Colonialoerein bei der weiteren Entwicklung derselben zur Nothwendipkett werden muß, Man braucht ja heute schon nickt mehr die Nothwendigkeit deS Eintretens DeuffchlandS in die Reihe der colonialen Völker zu betonen. In dieser Beziehung die öffentliche Meinung genügend geklärt. Das fast übereifrige Vorgehen der anderen Nationen, das entschlossene Nachfolgen unserer eigenen Regierung, die wachsende ^Übervölkerung namentlich auch in den oberen und gebildeten Volksschichten, die Nothwendigkett, die unserer Nationalität täglich verloren gehenden Deutschen fester an unS ju knüpfen, der mehr und mehr heruntergehende Zinsfuß, die wachsende Kapitalkrast, das alleS sind Dinge, welche unserem Volke die Nothwendiokett einer Eolontalpolitik klar gemacht haben. Wir sind schon nicht mehr beim Ob? sondern beim Wie und Wo und dazu bedarf eü eben genauer Instruction. Daraus, daß der deutsche Reichstag die Mittel zu ber vorgeschlagenen Institution bewilligen wird, dürfen wir unS nicht^v-rlaffen. Der Colontalverein hat eS jetzt auf 6000 Mitglieder gebracht; wenn l-der daS Sein ge thut, können wir in ein paar Jahren 20000 fein und werden dann auch selbst die M.ttcl dazu haben. Denn aus eigener Kraft wollen wir uns helfen; mit diesem Entschluß lasten Sie unS diesen Saal verlosten (Bravo). Der Antrag Fischer wird hierauf dem Präsidium überwiesen. Oberbürgermeister Groß (Pforzheim) hofft, daß die versammelten Delegirten die beute in so reichem Maße empfangenen Anregungen in ihre Vereine hineintragen und überall die Uebcrzeugung wecken mögen, daß das Eintreten für die Sache des deutschen ^'°"'^7'bem'üb° ich!n"^?n?e Ä« Präs.b.um wirb He Bersummlung gegen 1/.4 Ubr geschlossen. Die Frau Großherzogin ließ sich nach Sckluß verschiedene TbeiU nehmer vorstellkn und erklärte bet dieser Gelegenhett ebenfalls ihren Beitritt zum ^euts^Auf^dtt Vaerbandlungen folgte gleichfalls im Saale der^Erholung um 5 Uhr ein gemeinschaftliches Mahl zu 200 Gedecken. Bei demselben sprachen u. a Fürst Hohenlohe auf den Kaiser. Miquel auf den Großherzog von Sachsen, v. Bennigsen tt, alanzender Rede aus die Pioniere deutscher Colontalpoltttk. Im Abschluß an e n Hock WormannS auf Bismarck entsandte die Versammlung telegraphisch dem deutschen Reichskanzler Vermischte-. Marburg, 22. September. DaS Richter-Collegium von Gießen stattete gestern Nachmittcg feinen husigen Collegen einen Besuch ab. Nach einer cingehend n Besichtigung des Schlosst fanb in Bückmg's Garten eine gksclllge Vercintgung statt, nach welcher Abends die Rückcetse der Gießener Herren erfolgte. Marburg, 22 September. Gestern Abend gegen 10 Uhr fand am Steinweg eine nicht unbedeutende ScklSgerd zwischen Bauernburschen und hiesigen Bauarbeitern statt, bet welcher auch das M ff er in Anwendung gebracht und einer der letzter en derartig gestochen wurde, daß er von seinen Kameraden in die Klinik getragen werden mußte. Hanbei und Verkehr. Gießen, den 23. (Bcptbr. Auf dem heutigen Markt Mete: Butter per Pfund X 1.08-l.t'i, Hühnereier pr. Stück 6—0 Käse St. 5—8 4,„ Käsematte 3—0 H, Erbsen pr. toter 20 ^>, Linsen 30 H, Tauben per Paar 0,40—0,60 Hühner per etücf Ji. 0.90-1.50, Hahnen pr. Stück 0.60—1.00, Enten per Stück 1.10—1.59, Gänse per Stück JL 4.00—o.OO, Welsche JL 0.00—0.00, Ochsenfleisch per Pfund 68—70 Kuh- und sfiindfleifch 56—60 H, Schweinefleisch 52—60 Hammelfleiich 60—70 Kalbfleisch 50—54 Kartoffeln per 100 Kilo JL 3.50—4.00, Milch per Liter 12—16^, Zwiebeln per Etr. JL 4.00-0.00, Weißkraut pr. Stück 5—10 Frankfurt, 22. Ceptbr. (Getreide-Preise.) Weizen eff. hiesiger und Wetteraner JL 171«, fremder JL 17, Roggen eff. hief. JL 15