Sonntag den 24. Angnst Rr. 197 Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen BtütMMt Gchukstraße 7. 16 16 20 16 9 4 z* j,ade®' lüft , uvereigns periales • Sold _ 4 2P* 38-" 7^; 2P «rwaymen LvormunNicyeu V7. J . T;.*- kflr ronfh, Non der Ralk anb alb ins ei itt aus viqc*. cn* Ä^ÄT-ÄS"Ää -ä"ä-«*- «*— Gießen, 23. August. Die projectirte Zusammenkunft der Kaiser von Deutschland und Rußland, event. auch von Oesterreich, bildete neben der Var- riner Minister-Entrevue den Brennpunkt der politlschen DlScussion der Woche. Daß erstere entschieden geplant ist, geht aus mancherlei Anzeichen hervor am meisten aus den veränderten Dispositionen zu den Karler-Manovern am Rhem. Der Beginn derselben ist säst um eine Woche hinauSge choben worden und sucht man die bis jetzt noch geheim gehaltenen Grunde dafür darin, daß sür den Kaiser im September eine volle Woche zur freien Verfügung gewonnen werden ioll Da nun in diese Zeit die Manöver der russischen Truppen an der russisch- polnischen Grenze sallen, so liegt die Vermuthung nahe, daß für diese Zeit auch Die Begegnung zwischen den drei Kaisern geplant ist. Tag und Ort derselben sind indessen noch durchaus nicht fixirt und hängt das Weitere vorläufig von dem ärztlichen Gutachten darüber ab, ob der Gesundheitszustand Kaiser Wil- Helms in Anbetracht der mit den bevorstehenden Herbst-Manövern verbundenen Strapazen noch weitere Reiseanstrengungen für den greisen Monarchen gestatte. Wahrscheinlich werden schon die nächsten Tage Näheres über dre stgnalisirte Kaiser-Zusammenkunst bringen, bi« dahin wird man aber mit Combinationen und Conjecturen über dieses hochpolitische Ereigniß zurückhalten muffen. Daß übrigens die Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland vortreffliche sind, geht schon daraus hervor, daß Kaiser Wilhelm in seiner Erwiderung auf die ihm anläßlich des Regimentssestes seines Petersburger Grenadier-Regimentes telegraphisch dargebrachte Huldigung in bemerkenswerlher Werse aus die Waffen- thaien hm weist, welche 1813 und 1814 den Grund zu der Waffenbrüderschaft zwischen der preußischen und russischen Armee gelegt haben. Was nun die Varuner Zusammenkunft zwischen Fürst Bismarck und Graf Kalnoky anbelmigt, so labt sich zwar zwischen diesem Ereigniß und der signalnirten Monarchen- Begegnung kein thatsächlicher Zusammenhang Nachweisen, datz indessen dieses Project unmittelbar nach den Besprechungen der beiden Staatsmänner austaucht, ist wohl auch nicht ohne Bedeutung. Im Uebrigen verlautet fetzt von der Barriner Minister-Conserenz mit Bestimmtheit, daß auf derselben u. A. auch uoer gemeinsam zu ergreisende Maßregeln der europäischen Staaten gegen die anar- chistischen Gefahren eine Einigung erzielt worden und daß ferner Frage der Auszahlung der Entschädigung deutscher und österreichischer Staatsangehörlger für Verluste bei den Unruhen in Alexandrien zur angelegenllichen Erörterung gelangt ist. Es heißt, baß Deutschland und Oesterreich m Bezug hierauf be- stimmr formulirte Forderungen stellen würden. , . Aus dem Gebiete der hohen Politik ist aus dieser Woche eine Weitere wichtige Nachricht zu verzeichnen. Dieielbe betrifft die Einberufung einer Conferenz zur Regelung der Congo-Frage, doch soll auf ihr auch me eauptische Angelegenheit, und zwar in einem weiteren Sinne, als betreffs oer finanziellen Punkte, zur Sprache kommen. Es verlautet weiter, daß die Con- ferenz von Deutschland im kommenden Herbste nach Berlin einberufen werden solle "und würve Deutschland auf derselben natürlich auch präsidiren. Ein ferneres bedeutsames Anzeichen dafür, daß die Reichs- Legierung entschlossen ist, in energischer Weise ihre inaugurirte Colonial-Politik sortzusetzen, liegt in der Meldung, daß der deutsche Generalconsul Dr. Nachtigal auf der Wörmann'schen Besitzung südlich vom Congo angelangt sei und auf derselben habe die deutsche Flagge aushissen lassen. Die Firma Wörmann habe vorher mit den das Hinterland beherrschenden Häuptlingen Verträge abgeschlossen durch welche ihr alle Hoheitsrechte abgetreten seien. Gleichzeitig mit dieser von der „Rhein.-Wests. 3tg." in Essen gebrachten Nachricht macht der Hamb Corresp." die Müthellung, daß Dr. Nachtigal auf Kameruns und Bimdia welche Orte an der Küste von Guinea, also nördlich vom Congo, liegen, Lie deutsche Fahne entfaltet habe und dürften diese Orte wohl mit den oben «rwähnten Wörmann'schen Besitzungen identisch s-m. Endlich wußte noch em im'schm Ml! et tauft Ä ie, vielfach Rießlmg, KIM Len Ankauf besorgt Ech,Heppenheim a^, rere Spengler u. Arbeitti schüleroderGymnaM 'l'cke Ausnahme und M machung der Schularbem allehrer in Gießen. t der , darbeiter 6fl. St»'«*, ___£icbigßra6e_b£ tsvermitteluuS- gesucht für: * äu ”*bee"-er,anbIungen| welche zu Bern zwischen den schweizerischen Bevollmächtigten und dem päpstlichen Abgesandten FerratawegensR^elung schweizerischen Bisthumsverhältnisie gepflogen wordensind MS Stocken g° raihen, da Ferrata übertriebene Forderungen gestellt haü " ’ Balkanhalbinsel ist aus tuest- Woche als W nutgtaaungen unbfe u Haus 1 Mr Sage billig, b. $[.olli >e Auswahl in utftänjeti hleiertüll ’h. EUinger. m am 30. ds.Mom UMges verlause nci Gegenstände, u. A.: lalmaagen (10 Ctr.Tm ! ditto 5 Ctr. Tragkrah Geivichtsteine, 1 i, Werkbank mit Schrat eilen, Eisen, FarbemHi ngen Preisen. 5^ kchultze, Wallthor 53. Bekanntmachung. unterzeichnete Commando wenden. ^n Mchwe?v°n°Thatsachen, welche die Ueberzeugung von dem ursächlichen Zusammenhänge der Krankheit mit einer im Kriege von 1870,71 4) den Beweis der vorhandenen verminderten Erwerbsfähigkeit. Die Gesuche sind möglichst bald durch die Bezirksfeldwebel herzureichen. Gießen den 16. August 1884. Großherzogliches £an^roe^p9e^lrt8^(SommaTlt)0. B ü Frh. v. Röder, Oberst z. D. und Bezirks-Commandeur. ~--— ,, okfelbe durch Mannschaften des auf der Fahrt nach Angra P-guena begriffenen Kanonenboote» „Möwe" habe wegnehmen und durch die deutsche Flagge ersetzen lassen. Diese sensationelle Meldung ist jedoch bereit« amtlich dementirt worden und werden jedensalls die nächsten Tage die nothwendige Aufklärung über alle diese Aussehen erregenden Nachrichten bringen. Im österreichischen Kaiserstaate sanden m letzter Woche zwei nationale Feste von grundverschiedenem Charakter statt. Zu Krakau feierten Czechen und Polen ein großes Verbrüderungsfest, dessen, Tendenz sich offenbar qeqen das Deutschthum richtete und in Hermannstadt begingen und begehen noch die siebenbLger Sachsen die Feier ihrer 700jäMen Existenz in Siebenbürgen, ein Fest von grunddeutschem Charakter und Wesen. Während aber zu Hermannstadt die unverbrüchliche Zugehörigkeit des ftebenburger Sachsenlandes zum Gesammtreiche Oesterreich betont wurde, verherrlichte man zu Krakau in kaum verhüllter Weise das czechffch- polnische Zukunftsreich und dieser Unterschied ist für den Geist beider Feste hinlänglich kennzeichnend. Frankreich wird zur Zeit die allgemeine Ausmerkiamkeit fast ausschließlich durch den Streitfall mit China in Anspruch genommen. Die längsten Telearamme aus China lauten wieder einmal recht kriegerisch und scheint es sich zu bestätigen, daß chinesischerseits die Unterhandlungen mit den französischen Bevollmächtigten zu Schanghai über die Entschädigungsfrage abgebrochen worden sind und daß somit die Kriegspartei in Peking. wieder O erwaffer gewönne rickltiaer Erkenntniß dessen, baß nut bie energische Haltung ben Chi nesen Respect einzuflößen vermag, hat denn auch der französische Ministerpräsident Ferry dem chinesischen Gesandten Li-Fong-Pao am Donnerstag kategorisch erklärt daß wenn sich China nicht alsbald zur Zahlung der nunrmhr auf 80 Mill fttc« firirten Entschädigung bequeme, Admiral Courbet Foutchou und Len werd?. Beantwortung ist ChinaemlFrfft von ^wei Taaen aestellt worden und wenn nach Ablauf dieses Ultimatums reine Antwor? von der chinesischen Regierung eingelaufen ift wohl Befehl erhalten, ungesäumt seinen u-uen Instructionen gemäß zu hand ln. Fn Daris ist man freilich etwas spät zu der Einsicht gelangt, daß mit Thaten, nicht aber mit Worten, der zweideutigen chinesischen Diplomatie beigeEommen werben tann. jwifcben Deutschland und England ist in ten leilaiben Sol»«« «Mr» MB S-Mst»»d mchrs-ch ’S".»’"«- WÄÄg n GTnnra , Deauena - Angelegenheit gegenüber Deutschland scharf angegriffen wird und ^in welchem^das englische Weft^latt seine Landsleute schließlich darauf aufmerksam macht, daß für ihre colonialen Bestrebungen m Afrika noch genug GaMe""spÄn^sich in"ebeSÄ Ächiedenem Tone'W Gunsten eines ÄeSfiSÄ Deutschland in der auswärtigen Politik au». S^Mn bedeutsamen Kundgebungen der öffentlichen Meinung gegenüber wird Mr. Gladstone wohl wieder in seiner Haltung gegen Deutfchland ein« lenken muffen.^ Ucnif4e sßrcffe bilden die Cholera und das Räuberunwesen in Mittelitalien Gegenstände fortwährender Erörterungem Das eine wie das andere Uebel will sich nicht ausrotten lassen, die Herren Brig°nten nielleickt noch weniger als die Cholera; doch will fetzt bie Regierung Die größten Anstrengungen machen, um sowohl den Handwerk zu legen, als auch das Weiterschreiten der Cholera nach Mittelitalien --------- ' " ~ ' Preis vierteljLbrlich 2 Mar? LV Pf. mti Erscheint mit »vsnOhme des »snlags. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mart LV Pf. Zweites Blatt. Sonntag den 24. August 1881 ießener Anzeiger seinen Besuch in Belgrad nunmehr bestimmt für den 30. d. Ms. angemeldet hat. Die Anwesenheit des rumänischen Herrschers in der Hauptstadt Serbiens wird jedoch nur einen Tag währen. Die Lage im Sudan ist in der letzten Zeit unverändert geblieben; in Kairo werden die Vorbereitungen zu der englischen Expedition zur Be- fteiung Gordons rüstig fortgesetzt. Sauregurken-Blüthen. (Nachdruck verboten.) (Schluß.) Die große Mehrzahl von ihnen aber, die gleich nach der Geburt zu sterben pflegen, wandern in die anatomischen Museen und fristen dort ihr geisterhaftes Dasein tu konzentrirtem Spiritus, von den störenden Einflüssen der äußeren Welt sorgfältig abgeschlossen durch eine luftdichte Thiermembran. Die Medtctn spielt bei der Entenzucht des Hochsommers überhaupt eine sehr bedeutende Rolle. Ganz abgesehen von jenen Abnormitäten pflegt sie in den Monaten Juli und August den neugierigen ZeitungS - Berichterstattern mit den merkwürdigsten „Fällen" aufzuwarten, in denen der Arzt dann stets als Retter der Menschheit mit einem kleinen Heiligenschein um daS gelehrte Haupt in dem Vordergrund zu erscheinen pflegt. Um diese Zeit beginnt eS zu klirren und zu klappern von verschluckten Gabeln und silbernen Theelöffeln, dir sich unversehrt im Magen deS Patienten vorzufinden pflegen; die Nähnadeln beginnen ihre merkwürdigen Wanderungen durch den menschlichen Körper, man verschluckt sie ruhig und zieht sie nach einigen Wochen kaltblütig aus der rechten oder linken Wade wieder heraus. Besonder« findige Aerzte begnügen sich in der heißen Jahreszeit natürlich nicht mit derartigen alltäglichen Bagatellen und neuerdings scheint sich der „Ladestock im Gehirn" als besondere Specialttät einen festen Platz in der medicinischen ProxiS sichern zu wollen. Besagter Ladestock wird einem Soldaten von einem anderen in den Kopf geschossen, dringt mehrere Zoll tn’5 Gehirn ein und der rasch hrrbeigeholte Arzt hat dann weiter nicht« zu thun, al« den Schädel ein biSchen auseinander zu sägen, den voreiligen Ladeftock durch ein paar kräftige Hammerschläge au« feiner ungewöhnlichen Lage zu befreien und der Patient ist gerettet. Man sieht, die Sache ist eigentlich gar nicht so schwer. Die Gabel im Magen deS Italiener« Paolo Seoerie, die vor mehreren Jahren nicht nur im Innern de« Italiener«, sondern auch in der ganzen medicinischen Welt so großes Aufsehen machte, hat noch vor Kurzem in dem Löffel im Magen eine« französischen Kellners em Seiten- ftück gefunden, das nur noch auf da« von irgend einem Spanier, Deutschen oder Russen zu verschluckende Meffer wartet, damit auch in Betreff der verschluckten Eß- geräthe bas alte Sprüchwort: „Aller guten Dinge sind drei l" zu seiner Geltung komme. Außer den seltsamen Schicksalen de« Menschen widmet man bei sehr hohem Stande des Thermometer« auch den höchst merkwürdigen Eigenschaften einzelner Thiere die gebührende achtungsvolle Aufmerksamkeit. Die meisten Zeitungen haben natürlich nicht Raum genug, sich mit diesem unterhaltenden Sport das ganze Jahr zu beschäftigen; aber während der Hundstage erzählt jede« Blatt ganz gern einmal die Geschichte von der erstaunlichen Kraft der Ameise, die Lasten schleppt, deren Schwere mehr als daS Doppelte ihres eigenen Körpergewicht« beträgt. Oder es erscheinen Notizen folgender Art: „Appetit eine« Vogel«. Der Appetit eine« Vogels ist außerordentlich. Eine Drossel verzehrt auf einmal die größte Schnecke. Ein Mann würde in demselben Verhültniß eine ganze RindSkeule zum MittagSbrod essen. Auch daS Roth- kehlchen ist höchst gefräßig. Man hat ausgerechnet, daß, um ein Rothkehlchen bei normalem Gewicht zu erhallen, eine Menge thterischer Kost erforderlich ist, die einem 14 Fuß langen Regenwurm gleichkommt. N mmt man einen gewöhnlichen Menschen ttnb vergleicht man seine Masse mit der de« Rothkchlchens, so lägt sich berechnen, wie viel Nahrung er in 24 Stunden verbrauchen würde, wenn er in demselben Verhültniß wie der Vogel äße. Gesetzt, eine Wurst, 9 Zoll im Umfange, stellte den Regenwurm dar, so würde der Mensch 27 Fuß von solcher Wurst alle 24 Stunden verzehren. Die« ist besonders erwähnenSwerth, um die Thätigkeit zu beweisen, welche von tnseklcn- fressenden Vögeln entwickelt wird." Daran knüpft der geistreiche Redacteur bann etwa noch die Bemerkung, „daß die Sänger unter den Menschen doch mehr Werth auf das Trinken als auf da« Essen zu legen pflegen", und der Bildungsphilister lieft die Notiz deS Morgens beim Kaffee mit dem behaglichen Gefühl, wie hoch doch der Mensch über den Vögeln steht und wie gut e« für das Wirthschaftsbuch feiner Frau ist, baß er nicht täglich eine ganze RindSkeule zum Mittagessen zu verzehren braucht. Alljährlich erscheint auch die Geschichte von dem „merkwürdigen Kampf zwischen einer Schwalbe und einem Sperling" wieder, in welcher der Spatz stets als frecher Gassenjunge dargestellt ist, der sich allerlei dreiste Unverschämtheiten erlaubt, bis er von der tugendhaften Frau Schwalbe endlich gebührend gezüchtigt wird. DaS nennt man bann poetische Gerechtigkeit. In den letzten Jahren hat diese Geschichte noch folgende tragische Variante erhalten: Der Spatz, der nicht nur ein frecher und gefräßiger Bursche, sondern auch ein fauler Schlingel ist, läßt e« sich einfallen, in Abwesenheit des Schwalbenpaare« daS Nest zu okkupiren, das die braven Eheleute eben erst mit vieler Mühe fertig geklebt und gezimmert hatten. Als die Schwalben von einem kurzen Beutezug helmkehrten, finden sie den Eindringling breit und frech im Neste hingelagert. Ihn aus feiner festen Position gewaltsam zu vertreiben, ist natürlich nicht möglich. WaS thun? Eine Zeitlang sitzen sie zwitschernd und berathend neben einander auf dem Dachfirst, bann scheinen sie plötzlich einen genialen Gcbanken gefaßt zu haben. Die Frau Schwalbe setzt sich so dicht vor das Nest, daß der Spatz, der nichts Gutes ahnt, nicht die Flucht ergreifen kann; der Gatte aber fliegt fort und schleppt emsig Strohhälmchen und Federn und allerlei Baumaterial herbei, mit welchem nun Frau Schwalbe den Eingang des Neste« zu vermauern beginnt. Mit Todesangst sieht der Spatz diesem Beginnen zu, die Situation erinnert ihn lebhaft an die Ein- mauerungSfcene in Auber'S „Maurer und Schlosser", er sucht zu entflohen, e8 gelingt ihm nicht und die rächenden Schwalben vollenden rasch und ruhig ihre düstere Arbeit. Nach einigen Wochen finden bann Arbeiter die Leiche des Spatzes, dem eine tragische Schuld ein frühzeitiges Ende bereitete. Er starb al« Opfer seiner Frechheit. Noch weit klüger als die Sckwalben sind natürlich von jeher die Elephanten gewesen, von deren Witz und Geistesgegenwart alljährlich neue Beispiele erfunden werden. Heuer sind es zwei kleine Elephanten im zoologischen Garten zu St. Petersburg, auf denen die Enten gezüchtet werden. Heber einen luftigen Streich, den diese Dickhäuter, die sich demnächst auch als Velocipedisten, Klavier- und Tamburinspieler produciren werden, vor Kurzem begangen haben, berichtet ein Petersburger Blatt Folgende«: „Den beiden Nimmersatten Gesellen war e« ausgefallen, daß, sobald Jemand au« dem Publikum ihnen Brod ober Naschwerk reichen wollte, die Umstehenden auf ein an der Außenseite des Zwingers befindliches Schild mit der Aufschrift- »Nicht füttern I" wiefen, worauf der Thierfrcund von der beabsichtigten Fütterung Abstand nahm. Die beiden Elephanten sahen diesen Vorgängen immer verdrossener zu; endlich ging ihnen die Geduld völlig aus und sie machten sich daran, das verhängnißvolle Schild, welches sie um so manchen leckren Bissen gebracht, au« der Welt zu schaffen. Mit den Rüffeln suchten sie zuerst die das Schild haltenden Nägel zu entfernen und als da« nicht recht gelingen wollte, b gönnen sie da« Eisenblech an den Ecken mühsam aufzurollen. Auf diesem Wege brachten sie es auch recht west, aber doch nicht bis zur völligen Ausführung ihres Vorhabens, woran sie übrigen« nur durch daS Einschreiten des Wächters verhindert wurden. Aufgegeben haben die beiden Elephanten ihre Anschläge auf daS ihrem Grimm verfallene Schild keineswegs, denn in jedem Augenblick, wo sie sich unbewacht glauben, machen sie sich verstohlen auf'« Neue an die Arbeit.' Hoffentlich unterläßt man nicht, den klugen Thieren auch Eingang in die Petersburger Akademie der Wissenschaften zu gewähren. Neben bicftn periodisch immer wieder kehrenden Enten werden natürlich in jedem Jahre auch stets einige neue Geschichten erfunden, wie sie sich den aktuellen Verhältnissen gerade anpassen lassen. Diese Geschichten sind aber meist nur Geschöpfe eine« Sommers, entweder weil daS Interesse an ihnen mit den Tagesereignissen schwindet, denen sie ihren Ursprung verdanken, oder weil sie zwar nicht wahr, aber doch auch riebt gut erfunden sind. So lauft in diesem Jahre nicht nur die Meldung durch die Blätter, daß auf der demnächsttgen Weltausstellung in Nizza eine Taucherglocke fungire« werde, in der zum Mindesten ein Dutzend einen Ball abhalten und sonstige Bllottia treiben können, sondern e« wird auch gemeldet, daß sich „tu Frankreich" (wo? wird leider nicht gesagt) eine Gesellschaft „unter Leitung eines Abbe" gebildet, welche beabsichtigt — die Wagen des armen Königs Pharao, der — „und Roß und Reiter sah man niemals wieder" — mit Mann und Mau« damals im Rothen Meer ertrunken ist, nebst deren höchst wahrscheinlich recht respektablem Inhalt wieder an's Tageslicht zu fördern. Wie nämlich der kluge Herr auSgetüftelt zu haben glaubt, sind alle diese Schätze von einem Salzlager bedeckt und eS handelt sich zunächst „nur um die Kleinigkeit", gerade die Stelle zu finden, wo Bartel den Most verloren hat. Für diese famose Idee „soll" bereit« die erkleckliche Summe von 750,000 Frcs. zusammengebracht sein, welche jedenfalls ausreichen wird, den gläubigen Actionären eine Spritztour von Marseille nach Aden zu ermöglichen. Außerdem werden in der heißen Jahreszeit natürlich immer wieder die schlagendsten Beweise dafür beigebracht, daß „Freude tödten könne", daß sich Austern auf Bäumen züchten laffen und daß Gurkenbowle ein unfehlbares Mittel gegen die Cholera sei. Um die letztere Thatsache gründlich zu erhärten, wird stets noch da« Recept zu einer trefflichen Gurkenbowle veröffentlicht, das ich unfern Lesern hier auch gern mittheilen würde, wenn ich nicht genau wüßte, daß sie eS schon seit Jahren auswendig kennen, und wenn ich nicht fürchtete, daß der geehrte Leser auch dieses vortreffliche Recept hohnlachend als eine „Sauregurken-Blüthe" von sich weisen würde. Max Sch önau. Vermischte-. Lübeck, 18. August. Ein schreckliches Ereigniß, welchem drei Menschen zum Opfer fielen, trug sich heute Morgen in unserer Stadt zu. Einige Minuten nach 7 Uhr böite man in einer Straße zwei kurz aufeinander folgende Detonationen, gleichzeitig flogen Glasscherben, Holztheile und Mauerwerk aus einem Hause, in welchem sich ein Materialwaaren- und Droguen-Geschäft befand und unmittelbar darauf drang starker Rauch au« demselben. Aus der Thür des Hauses schleppte sich mühsam und jammernd ein blutüberströmter Mann, der von Hinzukommenden in ein benachbartes Haus getragen wurde. Die sofort herbeigeeilte Feuerwehr fand in dem Hause zwei gräßlich verstümmelte Leichen, den Laden selbst größtentheil« zerstört, die Zwischenwand nach der Hausflur zu durchgeschlagen, kurz ein gräßliches Bild der Verwüstung. Einen wahrhaft schauderhaften Anblick boten die beiden Leichen dar, welche als der Inhaber des Geschäfts und dessen Lehrling erkannt würben, sowie der Dritte, ein zufällig zu der Zeit im Laden anwesender Mann, einen Anblick, wie man ihn sonst nur auf dem Schlachtfelde neben einer, zerplatzten Granate antreffen kann. Dem Lehrling waren beide Arme weggeriffen (sie wurden erst später gefunden), sowie der Unterleib in eine unkenntliche Masse verwandelt. Der noch am Leben gebliebene war durch Stücke einer dicken Kruke an 9 bis 10 Stellen de« Körpers schwer verletzt, und mit solcher Wucht waren die Stücke aufgeschlagen, daß sie meistens tief in den Körper eindrangen; ein großes Stück hatte die linke Brustseite durchgeschlagen und die Lunge verletzt, andere hatten den Unterkiefer zerschmettert ober waren in den Kopf, die Oberschenkel und Arme gedrungen. Von den hinzugerufenen Aerzten dem Krankenhause überwiesen, starb der BeklagenSwerthe nach 2 Stunden. Außer diesen waren noch zwei Passanten durch herumfliegende Glasftücke erheblich verletzt. Der Luftdruck bei der Detonation war so stark, daß alle Fenster des gegenüberliegenden Hauses, sowie daumendicke Ladenscheiben in tausend Stücke splitterten. Nach Allem mußte dies Werk der Zerstörung durch Entzündung von Explosionsstoffen herbeigeführt worden sein, allein in welcher Weise die« geschehen ist, wird wohl nie genau zu ermitteln sein, weil denjenigen, welche Auskunft geben könnten, der Mund geschlossen ist; auch der erst später Gestorbene konnte nur angeben, daß er zufällig im Laden gewesen sei. Ein au5 dem Hause beförderter zerbrochener Glasballon, in welchem Aether gewesen, läßt verrnuthen, daß hiervon die Explosion ausging. Auch weisen die Verletzungen der drei Gestorbenen darauf bin, daß der Lehrling dem Explosionsorte am nächsten war, also vielleicht durch dessen Unvorsichtigkeit die Katastrophe herbeigeführt wurde. Zum Schlüsse darf nicht .unerwähnt bleiben, daß bereits vor 3 Jahren in demselben Hause im Keller eine Explosion stattfand, die aber glücklicherweise nicht von so schrecklichen Folgen begleitet war. (F- Z.) — (Ein arme« Kind ) Durch einen seltsamen Unglücksfall ist kürzlich eine in Alexisbad atn Harz weilende Berliner Familie in tiefe Trauer versetzt worden. Da« dreijährige Töchterchen der Familie war mit seiner Großmutter von Ballenstedt nach Alexisbad herübergekommen und in das dort befindliche Klösterltng'sche Hotel gegangen, woselbst im Saale gerade der Kronleuchter angeftech wurde. Hierbei muß der Kellner den Kronleuchter aus dem Schraubengewinde gedreht haben, denn derselbe fiel herunter und so unglücklich auf das nach den Flammen schauende kleine Mädchen, daß demselben das Gesicht in der Nähe der Schläfe tief aufgeschlitzt wurde und eine große klaffende Wunde entstand. Ein Arzt trennte die heruvterhängende Haut vom Gesicht ab und vernähte Wunde. Das Kind starb jedoch bereits am nächsten Tage. Vor seinem Tode batte es noch wiederholt, auf dem Krankenbett liegend, gesagt: „Bitte, bitte, liebe Großmama, laß doch den Kronleuchter hängen, ich will ja artig sein!" — Das arme Wesen batte in dem Wahne gelebt, die Großmama habe den Kronleuchter herunterfallen lassen, um es zu strafen. AeiUedotmes. Buchen-Scheitholz, sowie Tnnnen- Scheit- u. Knüppelholz ist zu ver- kaufen bei Jung, Holzhandlung in Klein-Linden. 5374 Bettfedcrn, Daunen nnd Roßhaare heftet Qualität, empfiehlt zu billigen Preisen 3277 Herrn. Äug. Müller, Leinen«, Wäsche-, und Bettwaaren- geschäst, Seltersweg. Allgemeiner Anzeiger. Bei der jetzigen geeignetsten Bezugszeit empfehle in Prima- Qualität Authrueit, 5488 mclirte und gewaschene Nuftkohlen Frankfurter Straße 67. Aug. G-abriel. MIRICH IM Hanteln SpeelalfabrKi für Dreschmaschinen für Hand-, Göpel- und Dampf-Betrieb. Göpel für 1 bis 4 Pferde. Locomobilen von iya bis 10 Pferdekräften. Futter- SChneidmaschinen verschiedenste Sorten, worunter neueste Patent-Maschine. 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Numismatikers , Herrn Geheimen Rath Dr. Wahlmann, habe ich das mir von demselben übergebene und von den Herren Gebrüder von Schenk in Heidelberg in den Handel gebrachte „Doppelt geschlemmte Silicium" einer qualitativen sowie quantitativen analystischen Prüfung unterzogen und dabei festgestellt, daß dieses Putzpulver in sinniger Weise durch mehrfachen Schlcmmprozeß aus Kryolith 3Na Fl. + Al Fl3 gewonnen und somit ein neu gefundenes Calcmmsilicat ist. 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Damals schufen fie eine h niie 6k wdtlldie \ Willen alt eiserne Es ist barui ment btm Lande t will und sicher wi diesen ultramonta1 geht ein steisinnii Romaniswus uni Literatur theilneh Aber auch schöne Antmeepen wo er auch rütfnn die Meisterseike Wappers, be Key alterltche Gassen, schrieb Conscience Franzosenthurn at die dem Volke do; Antwerpen watb tdums und von d M gemeinsamen I iand immer enger Gerade der •SM*** W i(e gennanif ‘‘Im unb IM,) Wil« «»««6er so 6«« !“?»IP» feinen fi b s-«d-r« |nkt(ff ft'” Ni-dZ S trafen ™ 5Qren' Damals ; **®ün1( 1 **•«5 Schlackensteine für Massiv- und Fachwerkbauten empfiehlt Albrecht Stein, 2153 Wetzlar und Gießen. Fritz Flimm 5370 in Gießen.______ Sellistgeferligte lsckirte Möbel «erden billig abgegeben. 2895 Fr. Weinhardt, Neustadt 55. ^5400 Geschäftsoeränderungshalber will Wendel* Carlen (Bötel Bellevue) Soaw.tag ÄS32. 24. August 1884: Grosses Abschieds-Concert Bl bringe (vom 20. Mai an). 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Kirchweihfest in WieseA? IlesSmiraäton Dniil. Sonntag den 24. und Montag den 23 August 1884 c,■ Ä*-. 24. „ P, 6" KJ3* 8"‘, 11 ' l1*’ a' 0) 7“ Ä R A 3,!< «61 qm, 11", 4 . Beilage ;u Ur. 197 des „Gießener Anzeiger". Flandern und Brabant, zwei deutsche Länder. (Schluß.) Dort spricht man sein uraltes vtämtscheS Deutsch nach wie vor. Brüssel bildet also keine Sprachgrenze, sondern jeder Schritt auf'S Land hinaus beweist, daß alle die französtrten Dorfnamen eine echte germanische Bevölkerung bergen. Was allein die Sache entstellt, da« ist der welsche Zopf, den nach dem Vorbllde der Potentaten des vorigen Jahrhunderts der belgische Hof in dem überwiegend niederdeutschen Lande immer noch nicht abwerfen mag, in der Meinung, es sei richtiger, französisch als national zu erscheinen, während da« erwachsende VolkSbewußtsetn den Widerspruch eines TageS recht unangenehm fühlbar machen könnte. In Deutschland aber sollte man endlich aufhören, diesem Hofe zu Liebe das alte einstige deutsche Land für eine französisch redende Gegend anzusehen, vielmehr wolle man die sprachlichen Anstrengungen der vlämsichen Literaten nur kräftig unterstützen und man wird sich bald genug ohne Französisch verständigen. Die Unterschiede zwischen VlämtngelN und Wallonen sind auf den ersten Blick erkennbar. Erstere erscheinen ganz deutsch, mit hellblondem oder flachSgelbem Haar, blauen Augen, weißer Gesichtsfarbe, letztere sind dunkler gefärbt mit schwarzen Augen und Haaren. Der Wallone ist rascher, aber schnell müde; der kleine gedrungene Vlämmger ist phlegmatisch, aber er dauert aus wie der Holländer. Der Erscheinung nach ist freilich der Wallone hübscher, flotter, weil der Vlämtnger leicht zu schwerfälliger Corpulenz neigt, waS den Frauen mit der Zett etwas unangenehm steht. In Brabant habe» sich die Rassen schon häufig vermischt, da dort die meisten Berührungspunkte liegen und dort hat sich auch ein Dialekt entwickelt, den anderswo weder die Vlämtnger noch dte Wallonen verstehen. Im Allgemeinen besteht aber gegen letztere eine lebhafte Abneigung und sehr bezeichnend sagt das vlämtsche Sprüchwort- „Was walsch tS, walsch iS." Bet den Wallonen herrscht eben eine gewisse Tücke vor, die sich sehr oft in mörderischen Angriffen auf Andere äußert, so daß es selbst tm Heere schwer ist, dte Elemente friedlich zusammenzuhalten. Die Regierung hat geglaubt, sie könne durch Einführung des Französischen tn Schule und Amt den Ausgleich herbetführen und natürlich sollte sich dem der deutsche Töffel ruhig fügen, trotz seiner Ueberzahl; aber dte germanische Art ließ sich hier, wo man mit ernstem Willen an ihr festhtelt, noch viel weniger verrathen, als tm Elsaß, wo sie jetzt auch langsam wieder zu Ehren und Geltung kommt. Der Vlämtnger hatte dazu noch eine große, stolze Vergangenheit, eine an Stegen, sogar über französische Könige, reiche Geschichte aus feiner alten Grafen- zeit und so mußte er sich eher noch fühlen können, als der Elsäffer, dessen Land tn Dutzende kleiner Reichöbrocken zersplittert gewesen war. Dte Wallonen als Vertreter des Gallterthums tmpontren auch nicht sehr und so kam es endlich doch -dahin, daß selbst der belgische Thronfolger den Titel eines Grafen von Flandern erhielt- Die Bewegung ist jetzt so lebendig, daß Belgien eine künftige Zertheilung fürchten müßte, wenn nicht Handel, Industrie, Bergbau und Schifffahrt überall so reich entwickelt wären und bas starke Bindeglied bildeten, welches schon tn feinem Entstehen beide Rassen umfaßte. Schon vor Jahrhunderten waren Gent, Brügge und Löwen reiche Fabrtkstädte, Antwerpen und Brüssel tüchtige Handelsemporten, wahrend Namur und Lüttich sich entwickelten; in Eintracht standen alle gegen die Macht der Fürsten im Felde und schützten ihre Rechte. Vom „bösen Blut von Lüttich" sprach der Burgunder Karl der Kühne, und von den „harten Köpfen von Flandern" Kaiser Karl V, den seine eigene GeburtSstadt Gent einst gefangen hielt. Muthtgcr haben deutsche Reichsstädte nirgends gegen AdelShochmuth gestritten, als eben dort im Niederlande. Damals fanden sie sich als Ganzes und lernten einander achten, als Ganzes schufen sie eine hohe vaterländische Blüthe der Kunst und Industrie, und die Kirche wie die weltliche Herrschaft achtete stets die Eigenarten des Völkchens, das auf seinem Willen mit eiserner Beharrlichkeit zu bestehen weiß. Es ist darum kein Akt großer Klugheit, wenn das jetzige ultramontane Regiment btm Lande die bereits tn ihrem Werthe erkannten Volksschulen wieder nehmen will und sicher wird eher ein Sturz des Cabinets erfolgen, als daß der Volkswille sich diesen ultramontanen Paragraphen fügte. Durch dte ganze moderne olamffche Literatur geht etn fretsinntger, ttefernster Zug, der bet seinem nationalen Emporstreben dem Romanismutz unmöglich behagen kann, und um so mehr sollte Deutschland an jener Literatur theilnehmen. Aber auch eine Reise durch Belgien lohnt sich sehr. Man besuche nur das große schöne Antwerpen, wo der geistige Blick so weit hinausfltegt nach fernen Gestaden und wo er auch rückwärts schauend sich vertiefen kann in dte große Vergangenheit Da sind die Meisterwerke eines Rubens, van Dyck rc. bewahrt, da lebten auch die neuen Meister Wappers, de Keyser rc.; da gibt es hohe prächtige Bauwerke und alte, dunkle, mittelalterliche Gassen, aus deren Winkeln noch die spanische Zeit zu lauern scheint- Da schrieb Conscience seine herrlichen Werke und van RySwik seine Satyren wider das Franzosenthum am Hofe und dort begründete man die kampfgerüstete vlämische Literatur, dte dem Volke von den stolzen Tagen des Strettes wider dte Fremdherrschaft erzählte. Antwerpen ward in Gestalt jener Ltteraturrepublik zu einer Hochburg des Germanen- tdums und von dort au6 ward dte Liebe zum Vaterlande, zur eigenen besonderen, wie zur gemeinsamen deutschen Art wieder belebt, so daß die geistige Anlehnung an Deutschland immer enger wird. Gerade der mächtige Widerspruch gegen die ultramontane Wtederbesettigung der Volksschule ist ein echt deutsches Zeichen und wir dürfen hoffen, daß in einem Jahrzehnt dte germanische Ueberzahl ebenso wie dte Schweizer in deutscher Mundart werden lesen und schreiben können. „ . , Brüssel ist ebenfalls heiter und lebensfroh, Löwen aber, das einst durch seine Tuchweber so berühmt war, sieht einsam aus und dte streng ultramontane Hochschule kann Ihm keinen freudigen Anstrich geben; Gent hingegen ist noch sehr gewerbflettztg; besonders interessant aber ist Brügge, einst, tm 13. Jahrhundert, der größte Handelsplatz tm Niederlande, wo Griechen, Italiener, Spanier sich mit den Kaufherren des Nordens trafen und alle Maaren Astens, selbst aus dem fernen China, zu finden waren. Damals hatte Brügge an 50,000 Häuser und 60 Kirchen, sogar das Recht 0 Noch immer sieht man dte Kaufhäuser der Genuesen, Florentiner, Portugiesen, Hanseaten. Oesterretcher und Engländer dort und dte prächtigen alten Gtldenhäuser mit ihrem Btlderschmuck und oft genug meint man, aus den weiten Hallen jener fernen A s i g e m i i n e ß lila ab Seifer - In («gen unter Garantie und bewährtester Construction, bei billigster Preisnotirung, liefert und stellt auf Carl Stoßer I., Ludwigsplatz- Theoretisch und technisch, richtige Herstellung und vorzügliche Leitungsfähiakeit kann durch viele Atteste nachgewiesen werden. 4241 Thüringer Kunstfärberei Königsee, Chemische Waschanstalt. Motto: „Das Beste im Bereiche des Möglichen." Zwölf neue hochmoderne Karben der Saison. Umfärben und Reinigen jeder Art Stoffe und Gegenstände der Kleidung, Möbels, Gardinen, Federn, Handschuhen rc. Neue Musterkarten und Vermittelung bei 5276 deschWe Heers, Neuenweg. Tage nicht entschwunden, als halte er dte ganze Stadt wie traumbefangen in einem Zauberschlafe oder Zauberbanne, unter dem sie nun recht still geworden. In diesem Monate wird der Bann sich scheinbar für kurze Stunden lösen, denn es werden in Brügge große historische Festlichkeiten stattfinden, wobei unter besonderem Aufwande am 24-, 26. und 28. August das Leben Karls des Guten, Grafen von Flandern in Gestalt eines FestzugeS und tn den getreuen CostÜmen des 12. Jahrhunderts vor- getührt werden wtrd. Die alten Straßen und die alten Trachten, das mag etn gar seltsames Bild geben. Zugleich findet der niederländ sche Spra chforscher-Congreß statt, an dem auch Claus Grothe Theil nimmt- Dieser Congreß ist der Sammelpunkt aller Freunde niederdeutschen Wesens, dte Vereinigung der Kampfer für germanische Art in Belgien, die heute noch vergeblich auf etn Echo aus dem großen Deutschland harrt. Wer weiß aber, ob nicht eines Tages von Aachen und Brüssel sich über Brügge und Ostende auch ein neuer Verkehrsweg für den Handel bahnen möchte, der di se etwas abseits gelegenen belgischen Städte wiederum beleben und mit freiem deutschen Hauche erfüllen kann- Daß eine solche Zett komme, daß dte getrennten Brüder sich in einem Geiste wiederfinden und daß Deutschland auch auf die Wacht an den Ardennen mit hohem Stolze blicken möge, daS walte Gott! ___________________________Dr. Fr. Müller. Vermischtes. — Aus Stettin wird bet „Ostseezettung" geschrieben: Ein bei einem hiesigen Kaufmann tn Dienst stehendes Mädchen wollte wegen eines Todesfalles in feiner Familie nach Hause reisen- Es wurde ihm gestattet unter der Bedingung, bet der Rückkehr durch amtliches Attest nachzuweisen, daß der in der Familie des Mädchen« Verstorbene nicht an einer ansteckenden Krankheit gestorben sei und daß in dem Orte überhaupt keine ansteckende Krankheit herrsche. Das Mädchen kam darauf mit folgendem Zeugmß des Standesbeamten zurück: „Es wird hiermit amtlich bescheinigt, daß in meinem Bezirke keine ansteckende Krankheit geherrscht hat. Der rc. rc. ist an feiner eigenen Krankheit gestorben." Parts, 15. August. In dem kleinen, bei Vintimille tn der Umgegend von Nizza gelegenen Orte Latte hat sich ganz Unerhörtes ereignet. In diesem Dorfe starb vor einigen Tagen ein angeblich an der Cholera erkrankter Mann. Die Furcht des Bauernoolkes war so groß, daß man, ohne den Besuch des Todtenbeschauers abzuwarten und dem Worte des Pfarrers vertrauend, welcher dem Sterbenden dte Sterbe- facramente verabreicht hatte, die Leiche in einen schnell fertiggefteüten Sarg legte und diesen dann in etn am Eingänge des Kirchhoff sich befindendes Loch warf, das früher als Kothgrube gedient hatte. Vier Tage später sah der Todtengräber, als er sich zu seiner Arbeit begab, einen ganz nackten Mann, der auf einem halb offenen Sarge saß. Es war dies angebl ch der an der Cholera Verstorbene, der au8 seiner Erstarrung erwacht war und genug Kraft gehabt hatte, um die Bretter seines Sarges zu zerbrechen. Die unheimliche Nachricht verbreitete sich schnell und die in Schrecken versetzte Bevölkerung wollte den Wiederauserftandencn mit Sensen vollends töbten und ihn in sein Giab zurückwerfen. Glücklicherweise legten sich einige entschlossene Männer ins Mittel und das scheußliche Verbrechen wurde nicht begangen. Der Arme wurde schließlich nach feiner Wohnung gebracht und starb nach kurzer Zeit, aber nicht an der Cholera, welche er nie gehabt, sondern an den Folgen seiner viertägigen Einsperrung. — Das Testament Heinrich Laube's wurde am 14. d. eröffnet. Daffelbe setzt Professor Hänel zum Universalerben ein, bedenkt dte Pflegetochter Laube's, Fräuletn Haas, mit 200,000 fl. und die übrigen Verwandten mit Legaten von 2—30,000 fl. Die Dienerschaft erhielt 200 fl. Weder ein Schriftsteller- noch ein Schauspielerfonds ist bedacht; von dem literarischen Nachlaß ist nichts erwähnt. — (Ein seiner Schneide.) In London starb am 5. d. der „erste Schneider der Welt", Isaak Moses. Derselbe hielt sich einen eigener „Dichter", der ihm die gereimten Inserate verfaßte. Moses empfing feine Clienten stets in höchster Gala, lud sie in fein Comptoir und servirte ihnen Champagner, Sherry, Austern rc. In den Nebensälen befanden sich eine Bibliothek, eine Sammlung ausgestopfter wilder Thtere und Gemäldesammlungen zur Z rstreuung der wartenden Kunden. Die königlichen Prinzen ließen Kränze und Blumen auf den Sarg ihres Leibschnetders legen- Moses hinterläßt mehrere Millionen Gulden- — Etn Börsenspeculart hatte fallirt, was thn aber nicht abhielt, noch während sein Concurs abgerotefdt wurde, täglich spazieren zu reiten- Darüber ärgerten sich seine Gläubiger natürlich furchtbar und eines Tages erschien im gelefenften Blatt der Stadt folgendes Epigramm: An Herrn M .... in Concurs. Mein Freund, du mußt nur recht verstehen, Was des Volkes Stimme spricht: Es kann der Mensch wohl Pleite gehen. Doch Pleite retten soll er nicht! Am andern Tage stellte Herr M- seine Spazierritte ein. — ^Salomonisches Unheil.) Vor einem Friedensrichter in Paris erscheint ein Ehepaar, um sich nach zehnjähriger Ehe scheiden zu lassen. — „Haben Sie Kinder?" fragt der Richter. — „Allerdings, mein Herr!" — „Wie viele?" — „Drei, zwei Jungen und ein Mädchen! Und das ist der Grund, weshalb wir zu Ihnen kommen. Madame will zwei Kinder behalten, ich aber auch!" — „Wollen Sie," fragte der Richter, „sich Beide mit meiner Entscheidung zufrieden geben?" — „Oui, Monsieur“, rufen Beide. — „Wohlan! Sie warten Beide, bis ein viertes Kind kommt! Dann hat Jedes von Ihnen zwei Kinder und ich werde bestimmen, wte sie verthetlt werden sollen!" Das Ehepaar fügt sich und der Richter hört nichts wieder von ihnen. Endlich, nach mehr als zwei Jahren, begegnet er dem Gatten- — „Eh bien! Monsieur! Wie steht es?" — „Ach, Herr Richter, von einer Trennung kann jetzt noch nicht die Rede sein!" — „Noch nicht?" — „Nein!" - „Weshalb?" — „Nun haben wir wieder fünf Kinder!" — „Also warten wir noch." meinte der Richter- — (Naive Logik.) Madame kommt vom Theater nach Hause und findet Minna in der Küche über einem Colportage-Roman sitzend und eifrigst lesend. Vor der bildungssüchtigen Küchenfee stehen zwet brennende Lichter. Madame ist natürlich empört Über diese Verschwendung und herrscht die tn die Lectüre Versunkene an: „Aber, Minna, ich glaube gar, du brennst zwet Lichter zum Romanlesen!" „Iwo, Madame", entgegnet ruhig das Mädchen, „bet is ja man een Licht! Ick habe bet eene bloß in -wee Stücken geschnitten!" t Anzeiger. Neuheiten in HerbstkteiderStoffen F. Helberg, Kirchenplatz [5383] offerirt billigst 1828 rothe & weisse Sanitäts- & Dessert-Weine. per Flasche per Flasche Priorato secco sup. 13. Ver- ♦ A. Docter 345 Burg Gleiberg. 5083 5~ tiiiiiiiniiiiiiiiiiiuiHllllllllllllllllU y iiiiiiuiiuimuuHiiiiuiiiiiii 5 zu den 3 5252 \ Nahe eine Viertel Million Mark. Ein Hauptgewinn v. Hunderttausend Mark. Mainzer Hirehenbauloose. h Haupt- und SehBuftsziebuns» Original - Vollloose M Haupt C5 Ziehung Mittwoch, 24. Septbr. bis einschliessl. 6. Octbr. 1884. 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