Erscheint täglich mit «nSnahme des Montag-. Bureau: Schulstraße 7. Bericht erstatten. Dr. Boekmann. Bt w5 Gießen.__ Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerloha. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. ei wäre möglich, daß Frankreich einwilligen werde, die geforderte Entschädigung«- summe herabzusetzen, al« Gegenleistung für gewisse Vortheile, die Chma m dem Handelsvertrag gewähren werde. — In Anam haben die Franzosen unmittelbar nach der am Sonntag erfolgten Krönung des neuen Herrschers dieses Lan- des die Citadelle der Hauptstadt Hub besetzt, was eine entschiedene Sicherung ihrer militärischen Position in Anam bedeutet. Die Vorbereitungen der englischen Regierung für die Nil- Campagne nehmen ihren raschen Fortgang. In Kairo sind bereits drei eng- lisch« Bataillone Infanterie, eine englische Schwadron (Husaren) und eine Abtheilunq berittener englischer Infanterie marschbereit und warten nur aus das Eintreffen der zu ihrer Beförderung bestellten Nll-Boote. Mittlerweile sind auch von General Gordon wieder Nachrichten auf dem Wege über Dongola eingctroffen, welche besagen, daß in Khartum Alles gut stehe und in denen sich der General nach dem Stande der Dinge in Dongola erkundigt. Wenn Gordon noch Zeit hat, sich um die übrigen Garnisonen zu kümmern, so scheint seine Lage allerdings keine so sehr bedrohliche zu fern und es ist daher die Aussicht vorhanden, daß die zu seiner Befreiung bestimmte Expedition ihren Zweck erreichen wird — In Alexandrien sand am Samstag von etwa 8000 Personen eine Kundgebung in Sachen der Entschädigungs-Ansprüche bezüglich des Bom- bardements von Alexandrien statt. Der anwesende Gouverneur versprach alle» Mögliche — ob die» aber von der englischen Regierung zugestanden wer- den wirb# _ , r . . .. _ r., Der italienische osficiöse Telegraph wird ferne täglichen Cholera-Depeschen wohl noch einige Zeit weiter versenden muffen. Anscheinend wett die Cholera«Epidemie von bem nördlichen nach dem Mittlern Flalien vor, während sie sich zugleich in den von ihr zuerst ergriffenen italienischen Provinzen noch behauptet. . , r r. . „ In Belgien zieht die Bewegung gegen das neue Schulgesetz des klerikalen Cabinets Malou immer weitere Kreise. Am Montag fand in Brüssel eine Versammlung der liberalen Vereinigung statt, in welcher beschlossen wurde, sofort den Kammern einen Protest gegen das neue Schulgesetz zugehen zu lassen. Sollte dasselbe von der Repräsentantenkammer bewilligt werden, so will die liberale Vereinigung Vertreter der liberalen Partei des ganzen Landes nach Brüssel berufen, um den König zu ersuchen, dem Gesetz die Sanctton nicht zu ertheilen. Diese Versammlung der Liberalen würde am 3t. August stattftnden. Ob aber König Leopold diesem Gesuch willfahrten wird, ist sehr zweifelhaft. In der Republik Mexiko ist wiedereinmal eine Verschwörung gegen den derzeitigen Präsidenten, General Diaz, entdeckt worden. JBier Theilnehmer an der Verschwörung, unter ihnen die Generäle Ramirez und Mepa, sind auf Befehl des Präsidenten erschossen worden — ein summarisches Verfahren, wie es eben nur durch die Zustände in solchen Ländern gerechtfertigt werden kann. diniiilt Lotz 5 obte. igust 1884. xchveider, t OrtÄ-höM «" >k uttb I°hm» » MW J“ $r$i i Gehrke °'0 Telegraphische Depesche«. LSolsf's telrgr. Gorrespo«derrr-»vrea«. BreSlau. 20. August. Der Director der Kunstsammlungen des hiess- gen Museums der bildenden Künste, Berg, ist in Folge eines Lungenschlages gestorbm^n 20 August. Die „Rheinisch-Westfälische Zeitung" läßt sich aus Hamburg melden, der deutsche Generalconsul Dr. Nachtigal sei auf den Wörmann'schen Besitzungen südlich vom Congo angelangt und habe auf denselben die deutsche Flagge aufziehen lassen. Die Firma Wörmann habe voryer mit bett das Hinterland beherrschenden Häuptlingen Vertrage abgeschlossen, durch Sosrath, Professor der Rechte, Sr‘ ^Wien,'^20^ August. Die „Wiener Ztg." pubiicirt eine Ministerial- Verordnung, wodurch das Verbot der Ein- und Durchfuhr von Hadern, Lumpen, alten Kleidern, Wäsche und Bettzeug auf Italien ausgedehnt wird. Basel, 20. August. Der Verleger der „Freiheit", Pfau, wurde wegen Verbreitung eines anarchistischen Aufrufs anläßlich der Hinrichtung Stellmacher» °"^Paris, 20. August. Die Abendzeitungen meldens Li-Fong-Pao habe morgen eine letzte Unterredung mit Ferry, der 'hm die Erllfchsießungen der französischen Regierung mittheilen werde. Letztere fei entlW®n- “n "5 80-Millionen-Entfchädigung festzuhalten; dieselbe könne durch Erhebung von Zöllen entrichtet werden, welche Frankreich an gewissen Punk en überlassen wu den. Es werde eine zweitägige Fristbewilligt, wahrend bei b« chinesischen Regierung zu erwarten sei. Im Weigerungsfälle we.d, Cou t, politische Ueberficht. Gießen, 21. August. Wieder einmal sind Gerüchte über eine mögliche Zusammenkunft zwischen Kaiser Wilhelm und dem russischen Herrscher anläßlich der Manöver in Russisch-Polen im Umlauf. In Berliner Hoftrelsen weist man diese Möglichkeit zwar keineswegs von ber Hanb, betont aber, baß Bestimmtes hierüber noch nicht festgesetzt und daß auch die Frage noch unentschieden fei, ob cie immerhin beschwerliche Reise nach der russischen Grenze in Hinblick aus die bevorstehenden Manöver-Anstrengungen am Rhein für den greisen Monarchen rathsam sei. Jedenfalls wird Kaiser Wilhelm das gegenwärtige herrliche Som- merwetter noch für die nächste Zeit in Schloß und Park Babelsberg gemeßen, wo er fast täglich Spaziergänge oder Parksahrten unternimmt und sogar noch nu B"edeu?sarnkeit des Besucher des Grasen Kalnoky beim Fürsten Bismarck in Varzin erhellt schon au« der längeren Dauer, welche die Conserenz, wohl entgegen den ursprünglichen Dispositionen Kalnoky S, beider Staatsmänner genommen hat. Denn erst amjDienStag Nachmittag hat Kalnoky Varzin verlassen und sich auf dem Weg über Berlin nach Wien zuruck begeben. In die Zeit der Anwesenheit desselben in Varzin »st demnach gerade die Geburtstagsfeier des österreichischen Monarchen (18. August) gefallen und diesen äußerlichen Anlaß hat Kaiser Wilhelm benutzt, um abermals der Freund- schäft zwischen ihm und Kaiser Franz Josef in herzlichen Worten zu gedenken. Cs geschah bieS bei bem zur Feier bes Geburtstages bes Kaisers von Oesterreich am Montag auf Schloß Babelsberg stattgefunbenen Galabmer, auf welchem ber Kaiser den Toast aus seinen erlauchten Freunb unb Verbündeten ausbrachte, wobei biß Musik die österreichische Nationalhymne intonirte. Im Uebngen macht sich in der Presse gegenüber den muthmaßlichen Ergebnissen der Varzmer Zu- sammenkunst eine „abwartende Tendenz" bemerklich und da in der That vor» läufig nur geringe Anhaltspunkte zu einer positiven Beurtheilung der Zusammen- kunst zwischen dem Fürsten Bismarck unv dem Grafen Kalnoky vorliegen, so irird man eben den Hervortritt der Folgen derselben abwarten muffen „ Von den inneren Angelegenheiten ist die „Affaire Schlozer wieder in den Hintergrund getreten, nachdem mit dem eigentümlichen Dementi der Nordd. Allg. Ztg." in der Angelegenheit der kirchenpolitischen Verhanb- lunaen biß Sachß für die preuß. Regierung und speciell für Herrn v. Schlozer erledigt sein dürfte. Darüber, ob derselbe auf seinen römischen Posten zurück« kehren wird, sind die Meinungen noch sehr getheilt; wahrscheinlich ist es, daß man in Berlin oen Ausgang ber Reichstagswahlen abwarten will und daß dann -erst die Entscheidung über obige Frage getroffen werden wird - Am Montag beging in Würzburg der commandirende General des 2. bayerischen Armee- Corps, General der Infanterie v. Orff, sein 50jähriges Dienstjubiläum. Unsere deutschen Stammesgenossen in einer der entlegensten Marken Oesterreichs, die siebenbürger Sachsen, feiern in Dieser Woche em großes Nationalsest: Die Erinnerung an die vor 700 Zähren erfolgte Einwanderung ihrer Vorfahren in Den Mittelpunkt der mannigfaltigen Festlichkeiten, die aus diesem Anlaß aus dem Programm stehen, bildet Hermannstadt, die Hauptstadt des siebenburgischen Sachsenlandes, wo sich die verschiedensten Gesellschaftskreise zur würdigen Begehung des Jubiläums vereinigt haben. Die Thatsache, daß durch die Gin« wanderer vom Niederrhein und aus Dem heutigen OstfrieSland — deren ^cacy- kornrnen die heutigen siebenbürger Sachsen unzweifelhaft sind deutsche Cultur und Gesittung, deutsche Sprache und deutsches Wesen in das entlegene Gebiet zwischen den östlichen Karpathen und den transsylvanifchen Alpen getragen wurde, sichert dem Feste die Theilnahme auch Der Deutschen „draußen im "eiche , um so mehr, als die siebenbürger Sachsen gerade heutzutage die unerschrockenen Bannerträger gegenüber dem Vordringen des Magyarenthums sind. In Frankreich ist die parlamentarische Campagne durch die Session der Generalräthe abgelöst worden, deren Eröffnung am Montag ohne jeden Zwischenfall erfolgt ist. Die Generalräthe werden aber voraussichtlich nur kurze Zeit versammelt sein und bleibt daher jenseits der Vogesen das Hauptinteresse den Vorgängen in Ostasien zugewendet. Die allarmirenden Meldungen der „Times" über eine angebliche Kriegserklärung Chinas an Frank- reich woran in Paris ohnedies Niemand glaubte, werden jetzt selbst von englischer' Seite als unglaubwürdig bezeichnet und ist es offenbar, daß sich das Cityblatt hiermit hat einen großen Bären aufbinden lassen. Auch glaubt die „ßiberte" zu wissen, daß die Verhandlungen zwischen Patenotre und den Ver- Icetern der chinesischen Regierung in Shanghai fortbauern und trügen die letzten Roten Patenotre's einen etwas entschiedeneren Charakter. Die „ßiberte meint, Betreffend: Die Förderung des Obstbaues. _ Gießen, den 19. August 1884. Das Großherzogliche Krersamt Gießen an die <Ärokber,sqlichen Bürqermeistereien des Kreises. Diejenigen Großherzoglichen Bürgermeistereien, welche unsere Auflage vom 23. Juli l. I. noch nicht erledigt haben, wollen schleunigst über das V-rlangt- b-z kN ÄH Anzeige«. lmden.in den G von einem hiesig« eb. d. Bl. tlchung. kath. Kirche wirb chen, Mil diesck lugust 1884. H. Km-. kÄnßr.17 TSV:, li' October» -^derstraße l> [ । UnungsrSumen : ■ Win Dom 1, Cp tnen. lt^Rechtsanivalt. 0 Laden mitLogij ttW* «VS*: MM ■Ur: 19», Freitag den 22. August 188L Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. beordert, das Arsenal von Foutchou und andere Punkte wegzunehmen. Mehrere Schiffe gingen demnächst zur Verstärkung des französischen Geschwaders nach den chinestschen Gewässern ab. — In den letzten 24 Stunden sind in Marseille 8, in Toulon 1, in Herault 2, in Gard 3, in Aude 7, in den Ost-Pyrenäen 15 Cholera-Todes- säüe vorgekommen. London, 20. Aug. Die „St. James Gazette" bringt einen längeren Artikel, in welchem sie sich über die Politik, die das Cabinet Gladstone vom Rücktritt des Cabinets Beaconsfield an Deutschland gegenüber beobachtet habe, entschieden mißbilligend ausspricht. Die „Pall Mall Gazette" sagt in einem dasselbe Thema behandelnden Artikel, es sei in keiner Weise wahrscheinlich, daß Deutschland und England die augenblicklichen Differenzen zu einer dauernden Erkaltung unter den beiden Ländern werden laffen könnten; der Fundamental-Grundsatz der auswärtigen Politik Englands sei und müsse bleiben: die Freundschaft mit Deutschland ; über dem Eingang zum auswärtigen Amte müßten die Worte: Sine Germania nulla salus! eingegraben werden. London, 20. August. Die „Times" bringt einen Artikel über das Verhältniß zwischen Deutschland und England, in welchem sie die von der englischen Regierung in der Angra-Pequena-Angelegenheit Deutschland gegenüber beobachtete Haltung mißbilligt und hinzufügt, Afrika sei groß genug, um Spielraum für friedliche Unternehmungen Deutschlands wie Englands zu bieten. Die Bestrebungen Deutschlands, an der Südwestküste Afrikas Märkte für sich zu eröffnen oder Colonien zu gründen, könnten die Engländer ohne Eifersucht betrachten. Die „Times" gibt schließlich dem Vertrauen auf die Fortdauer der guten Beziehungen zwischen England und Deutschland Ausdruck. Rom, 20. August. Gestern ist in Bergamo eine Person an der Cholera gestorben, in der gleichnamigen Provinz kamen 8 Erkrankung^- und 3 Todesfälle vor. In der Provinz Cuneo ist 1 Cholera-Todesfall, in der Provinz Genua 1 Erkrankungsfall, in der Provinz Massa e Carrara 3 Erkrankungsfälle, in der Provinz Parma 1 Todesfall vorgekommen. — Die Quarantäne auf Sicilien, Sardinien und die angrenzenden Inseln für Provenienzen von dem italienischen Festlande ist von 10 auf 21 Tage erhöht worden. Warschau, 20. August. Dem Petersburger Grenadier-Regiment, welches anläßlich seines Regimentsfestes seinem Allerhöchsten Chef, Seiner Majestät dem Kaiser Wilhelm, seine Huldigung telegraphisch dargebracht hatte, ist folgende telegraphische Erwiderung zugegangen: „Ich danke für das freundliche Telegramm und wünsche dem Regiment Glück zu dem heutigen Tage, welcher ein Ruhmestag ist für die preußische Armee und die Erinnerung wachruft an die Waffenthaten, welche 1813 und 1814 den Grund zu der Waffenbrüderschaft zwischen der preußischen und russischen Armee gelegt haben." Konstantinopel, 20. August. Der von Triest kommende Lloyddampfer „Saturno" hatte mit dem Marseiller Dampfer „Galatz" am 18. ds. Nachts einen Zusammenstoß, ist aber, nur unerheblich beschädigt, hier eingetroffen. L o k a l e Gießen, 21. August. Nr. 2 der Nachrichten von der hessischen Lutherstiftung enthalt folgende Mitthetlungen: Großh. Oberconfistor um hat unterm 18. März d.J. im Einvernehmen mit dem Landrs-Synodalausschutz die Mitglieder der evangelischen Landessynode, Rechtsanwalt Dr. Dornseiff, Professor Dr. Stade, Professor Dr. Thaer, sämmtltch zu Gießen, Deean Dr. Strack zu Lang-Göns, sowie Oderconsistoriolrath Superintendent Dr. Habicht zu Darmstadt aufgefordert, als provisorischer Vorstand dte Verwaltung der Lutherstiftung zu übernehmen. In Folge dieser Aufforderung find die Genannten am 29.Märzd.J zusawmen- getretcn, haben Professor Dr. Stade zum Vorsitzenden, Rechtsanwalt Dr. Dorn setff zum Secretär erwählt, Rechner H. Döring zum provisorischen Rechner der Stiftung ernannt. Sie haben weiter beschlossen, Allen, welche sich um dte Lutherstiftung durch Sammlungen und Gaben verdient gemacht haben, in Sonderheit den ComttäS zu banfcn und dieselben zu bitten, de« Vorstand durch Fortsetzung dieser Thättgkett auch fernerhin zu unterstützen. In Ausführung dieses Beschlusses haben sie tu die „Darmstädter Zeitung" vom 6. Ma« d. I. eine herzliche Danksagung etngerückt. Um den gesetzlichen Vorschriften, die Deposition von StiftuagScapitalien betr., zu genügen, wurde beschlossen, Großh. Prooinztaldtrectton zu Gießen zu bitten, die erworbenen Staatspaptere ins Depositum zu übernehmen. Großh. Provmztaldtrection hat dieser Bitte genetgtest gewillfahrt und es sind hierauf am 19. April dte bis dahin angeschafften StaatSpapiece tm Nominalbeträge von 13 357,14 bet derselben depouüt worden- Bezüglich der Zuwendungen, welche dte Hessische Lutherstiftung bis 13. Juni er. erhalten hat, wird bemerkt, daß diese dte Summe von 19 402,42 JL erreicht haben. Indem der Vorstand hiervon Kenntntß gtbt und für dtese Bewilligungen nochmals herzlichst dankt, ersucht er zugleich hierdurch Alle, welchen dte Kräftigung unserer eoangeltschen Kirche und das Gedeihen theologischer Studien am Herzen liegt, um wettere freundliche Förderung der Hessischen Lutherstiftung. Freilich ist jetzt, wohl unleugbar tm Zusammenhänge mit dem erfreulichen Umschwünge, welcher sich in der öffentlichen Meinung zu Gunsten einer gerechteren Würdigung der Bedeutung der Kirche und ihres Einflusses auf dte Gesunderhaltung des öffentlichen Lebens zu vollziehen beginnt, der Zugang zu den theologischen Studien wieder größer geworden. Auf der Landesuniversitüt studtren in diesem Semester 92 Jünglinge, darunter 73 Hessen, evangelische Theologie. Mittel zur Unterstützung der Bedürftigen unter diesen sind wohl vorhanden; aber mit der nun wenigstens m Aussicht stehendkn allmälichen Beseitigung der Vacanzen müssen dtese Mittel sich verringern. ES gilt daher, rechtzeitig für Ersatz zu sorgen und daS abermalige Eintreten eines Nothftandes zu verhüten. Und Mittel, um besondere Tüchtigkeit auszuzetchnen und hierdurch dte Gesammthett anzuspornen, ihre Ziele weiter hinaus zu stecken, sind auch jetzt kaum vorhanden. Von welcher Bedeutung aber für eine gleichmäßige Heranziehung theologischen Nachwuchses, wie für eine gedeihliche und gleichmäßige Pflege eines den Leidenschaften des TageS entrückten und sich tn bte bleibenden Aufgaben dec Ltrche und Theologie vertiefenden theologischen Studiums ein geordnetes Sttpendten- wesen ist, zeigt das Beispiel anderer deutscher Landeskirchen, z. B. besonders deutlich das der württembergischen. , Als voriges Jahr die Hochschule Zürich ihr fünfzigjähriges Jubelfest feierte, saug Gottfried Keller in seiner Festcantate: Kein fürstlicher Retchthum, Kein Erbe der Väter Erhält uns die Schule; Auf schwankem Gesetze, Sie sicht in dem Aether Des täglichen Willens, Des täglichen Opfers Des Volkes gebaut. Die hessische Hochschule verfügt über ein Erbe der Väter. In Sonderheit vcr- dankt sie der Hochherzigkeit und Energie ihres fürstlichen Stifters, Philipps des Groß- müthigen, Stiftungen, welche ihr und dem Hessenlande durch Jahrhunderte hindurch S-g-n gebracht haberr Aber dem Bedürsn,sie unserer Tag- genügt dies nicht mehr. E-rg-n wir rür die B-dürsmffc unserer Zelt, wie die Vorsabren für die Bedürfnis,- Ihrer Z-it g'sorgt haben und bleiben mir hinter diesen nicht an Opferwtlligkeit zurück Wie aber konnten wir dies würdiger thun, als indem wir unser Werk dem -Angedenken tiuth-rs widmen, dem unser Volk seine religiöse Erneuerung verdankt und tn dessen religiösen Gedanken sich unsere Theologen, das walte Gott tn Gnaden immer mehr versenken mögen. ' Gießen, 21. August. Der Bau und dte innere maschinelle Einricktuna der . Dampf-Molkerei an der hiesigen West-Anlage schreitet jetzt der Vollesg entgegen, sodaß, wie wir erfahren, der Betrieb tn ca. 4 Wochen beginnen wird. 8 Bei der Wichtigkeit, welche eine solche Molkerei für die Bewohner unserer Stadt und Umgegend hat, dürfte es von allgemeinem Interesse sein, durch dte nachstehende Mttthetlung etwas Näheres darüber zu erfahren. Während man noch bis vor ca. 10 Jahren der Mtlchwirthschast in Deutschland eine sehr untergeordnete Bedeutung beilegte, hat dieselbe feit dieser Zeit einen Aufschwung erfahren, wie man ihn vorher nie geahnt hatte, der in allen Ländern, in welchen dieser Zweig der Landwirthschaft nur eintgermaßen Bedeutung hat, sich bereits von den segensreichsten Folgen erwiesen hat. Zur Reform des Molkeretweseos, wie diese sich in unserer Gegenwart vollzieht trug vor Allem der Umstand bei, daß dte Wissenschaft dte Milch und ihre Produtte in neuerer Zett in daS Gebiet ihrer Forschungen zog und daß eS in Verbindung mit ihr, der Technik, in ihrem rastlosen Eifer gelungen ist, Vervollkommnungen tm Molkereibetrieb herbeizuführen, durch welche dessen jetziger Höhepunkt erreicht werden konnte. Hauptsächlich ist dteS der Erfindung der Mtlch-Centrifuge durch den deutschen Ingenieur Lefeld zu danken. Mittelst einer solchen Centrifuge, welche durch Dawpfkraft in Bewegung gesetzt wird und in einer Minute 6000 Umdrehungen macht werden in einer Stunde 300 Liter Milch entrahmt und gereinigt, so daß Rahm und Magermilch völlig süß erhalten bleiben. In diesem letzteres Umstand beruht einer der wesentlichsten Vorzüge dieses Verfahrens, denn während bei dem althergebrachten AufrahmungS-Verfahcen die Milch einen bis mehrere Tage stehen muß und dabei gewöhnlich sauer wird, saurer Rahm sowie saure Magermilch aber auch nur sauere, schlechte Products liefern können, von welchen die Magermilch außer zur Fabrikat on germgwerthiger Handkäse kaum noch eine andere Verwerthung als zur Schwetnefüiterung finden kann, liefert der cevtri- fuflirte Rahm eine vollkommen reinschmeckende süße Butter und ist die ebenso süße frische Magermilch zum Trinken, Kochen und Backen, überhaupt zu allen Zwecken wie die Vollmilch vorzüglich zu verwenden. Gerade auf die Süßerhaltung der Magermilch muß tm Interesse der Volkswirihschaft ein hohes Gewicht gelegt werden, umsomehr als dieselbe für den sehr billigen Preis von nur 8 Pfg. daS Liter von den Molkereien verkauft wird. Wenn auch für Säuglinge die ganze, also nicht entrahmte Vollmilch, durch kein anderes Nahrungsmittel ersetzt werden kann, so ist doch nachgewresen, daß für Kinder im Alter von einem Jahr und darüber, sowie für jeden Erwachsenen die Magermilch das vorzüglichste und zugleich allerbilligft e Nahrungsmittel ist und durch ihren reichen Gehalt an Etweißftoffen und Milchzucker diese werthvollen Ernährungsstoffe dem menschlichen Körper in der am leichtesten verdaulichen und bekömmlichsten Form zugeführt werden können. Eire ausführlichere Erörterung hierüber würde hier zu weit führen; es wird dieser eine Hinweis schon genügen, um daraus zu ersehen, daß die Fortfchritte im Molkereiwesen nicht allein den Landwtrthen zum Vortheil gereichen, sondern auch in gleichem Maße dem Volkswohl zu dienen bestimmt sind. Namentlich sind es die städtischen Molkereien, die bereits in den meisten größeren Städten bestehen und deren fortgesetzt immer mehr errichtet werden, welche sich dieser Aufgabe in der an, erkenvenSwerthesten Weise unterziehen. Die Leitung solcher Molkereien durch fachvertraute Dirigenten, die Vollkommenheit in der Einrichtung mit den besten Hülfs- mitteln der Technik, die exacte und gewissenhafte Handhabung, die musterhafte Ordnung und Reinlichkeit, die Zuführung der Milch in sauberen, verschlossenen Wagen, welche eine Fälschung der Milch durch die Transporteure unmöglich macht und zugleich durch ihre sachgemäße Einrichtung die Milch vor den verderblichen Einflüssen der Sonne schützt, leisten dem confumtrenben Publikum die denkbarsten Garantien, diese für die menschliche Ernährung unentbehrlichen Produtte in der reinsten und unoer» fälschtesten Form und dennoch zu nicht höheren Preisen als bisher zu erhalten. Bei der Anlage der hiesigen Molkerei ist der Verkauf und die Verarbeitung bis zu einem täglichen Milchquantum von 6000 Liter in Aussicht genommen. Derjenige Thett Milch, welcher nicht als Vollmilch zum Verkauf gelangt, wird mittelst zwei Lefeldff'chen Centrifugen entrahmt, der Rahm wird zu Süßrahmbutter verarbeitet und zwar in einem durch Dampfkraft betriebenen Butterfaß, welches in ca. einer halben Stunde einen Gentner Butter herstellt, die mittelst Knetmaschine, welche ebenfalls durch Dampfkraft betrieben wird, geknetet wird, so daß keine Hand mit der Butter in Berührung kommt. Die völlig frische süße Magermilch gelangt theils als solche zum directen Verkauf und wird anderntheilS zu Käse verarbeitet, welcher in einem durch Dampf erwärmten Kessel, der jedesmal für 1000 Liter Milch ausreicht, bereitet wird. Gießen mußte als ein besonders geeigneter Ort zur Errichtung einer Dampf- Molkerei betrachtet werden, elnestbeils weil unsere Stadt als Knotenpunkt mehrerer Eisenbahnen eine rasche und billige Verbindung nach allen Richtungen besitzt, daher eine vorzügliche Centralstelle bildet, nach welcher die Milch in beliebiger Menge leicht zu beschaffen ist, anderntheils weil die nahe und bequeme Verbindung mit einer Anzahl großer Städte und Badeorte stets reichen und lohnenden Absatz für gute Molkerei- producte gewährt, soweit letztere den hiesigen Bedarf übersteigen. Es kann nicht bezweifelt werden, daß ebenso wie in allen anderen Städten, auch die hiesige Molkerei als ein zeitgemäßes nützliches Institut sich rasch der Gunst des Publikums erfreuen wird. Gießen, 21. August. Der Turnverein tn Lich begeht nächsten Sonntag das schöne Fest der Einweihung feiner neuerbauten Turnhalle. Programm: Morgens 5 Uhr Tagcsreveille, 9—1 Uhr Empfang der auswärtigen Vereine, Nachmittags V23 Uhr Festzug, Ueberreichung des Schlüssels zur Turnhalle von Seiten des Bautechnikers an den Vereinspräfidenten, Vortrag eines FestgrußeS, Festlied, Festrede, Weiheatt, Wettturnen und Concert, Preisvertheilung und Festball. vermischtes. Wiesbaden, 20. August. [£urnfeft] Im weiteren Verlaus des gestrigen Preissechtens ergab sich, daß bei Fleuret 33, bei Säbel und Schläger je 18 zu dem engeren Wettkampfe zugelassen wurden. Hartnäckig wurde gefochten und war es den verschiedenen Siegern nicht leicht geworden. Mancher Hieb fiel in der Hitze des Gefechts, welcher deutliche Spuren zurückließ, was aber die Betreffenden nicht abhielt, weiter um den Sieg zu ringen. Gegen 3 Uhr war das Preisfechten beendet, welcher in Folge eines sog. Platzregen- auf eine Stunde unterbrochen werden mußte. Um 6 Uhr hatten die Preisrichter ihre nicht leichte Arbeit beendet und wurde die Preis- vertheilung durch Herrn Turnlehrer Heidecker vorgenommen, welche folgendes Resultat hatte: Fleuret: 1. Preis A. Riehl, T.-V. Wiesbaden und A. Kobbe, T.-V- WieS» baden, 2. Preis Ph. Thomas, Mainz, 3. Preis E. Kühnly, Darmstadt, 4. Preis Eifinger, Mainz, 5. Preis Brumhardt, Wiesbaden, T.-V., 6. Preis Schwenk, Mainz, 7. Preis Leist und Sauerwein, Darmstadt, 8. Preis Zimmer, Wiesbaden, 9. Preis Finger, Darmstadt, 10. Preis Hartmann, Wiesbaden, und Willins, Mainz, 12. Preis Momberger, Wiesbaden, 13. Preis Appenheimer, Mainz, 14. Preis Wolf, Wiesbaden, 15. Preis Jung, Offenbach, 16. Preis Klug, Mainz, 17. Preis Langsdorf, Darmstadt. 18. Preis Bachert, Fr. Kobbe und Wanger, Wiesbaden, 19. Preis Stappert, Mainz, 20. Preis Feber, Frankfurt, und Haas, Wiesbaden, 21. Preis Stahl, Wiesbaden, 22. Preis Rossel, Biebrich, Ellenberger, Wiesbaden, und Sevenich, Mainz. — Säbel: 1. Preis Blecker, Frankfurt, 2. Preis Georg Lutz, Darmstadt, 3. Preis Emil Sauer- wein, Darmstadt, 4. Preis Geh, Offenbach, 5. Preis Schalbach, Mainz, 6. Preis Kühnly, Darmstadt, 7. Preis Frank, Darmstadt, 8. Preis Treusch, Offenbach, 9. Preis Thomas, Mainz, und Riehl, T -D. Wiesbaden, 10. Preis Feber, Frankfurt T-F.-C-, und Jung, Offenbach, 11. Preis Langsdorf, Darmstadt, 12. Preis Wilhelm Sternitzki, Wiesbaden, T--G.« 13. Preis I. Brumhardt. Wiesbaden. — Schläger: 1. Preis H- Geh, Offenbach, 2. Preis Kobbe, T.-V. Wiesbaden, 3. Preis Sternitzky, T -G- Wiesbaden, 4. Preis Rüttchen. Herrn., T.-V- Wiesbaden, 5. Preis Casp. Thomas, Mainz, 6 Preis Blecker, Frankfurt. Trotz dem nicht gerade heitern Wetter hatte sich gegen Mittag wieder eine ungeheure M'Nschenmasse eingefunden, welche dem allerdings seltenen Schouspiel des Ochsenbratens beiwohnen wollte. Mehr denn 3000 Menschen verschafften sich vermöge ihrer 20 H den Eintritt in die mysteriösen Räumlichkeiten, wo der „Riesenockse" schmorte und wurde auf diese Weise seitens der Metzger eine Einnahme von nahezu 650 JL erzielt. Gegen 6 Uhr war der Braten so weit gediehen daß an eine Austheilung pr. Portion 80 $ in der Festhalle gedacht werden konnte und so wurde denn der colossale Braten unter den Klängen der Musik und Begleitung der Metzger, sowie einer ungeheuren Menschenmasse tranSportirt. In kurzer Zeit soll denn auch derselbe aufgezehrt gewesen sein, was allerdings bei der Menschenmasse, welche sich in der Fest- Halle befand, nicht zu verwundern gewesen. Ca. 800 Portionen wurden von demselben verabreicht. ÄS M dw .^ertb bt rsA 1,5 $rl” öÄ Mw 8.-SZ fl[M der Meri S blt Situativ^ fid; die SeideneiMt lang unbewegt da, ginb die Herren bis M unb fernen b-ite keine Ah gNfi von der S 10 Smdm lang pu - PartS 6 großen Over hat bei w btr kleinen Rolb Lichens so vortres Gläsern nicht zu er mpener Theater er der einzige sarbigr < - Ein tx\t EarEag Nacht er friert, wöbet der V buraer Gegend, der tn Begleitung e'nei die Bahn nach Wü oder in der Dunkel bei Brühl In dm Pferd ertranken, w The'lnahme an dies Die Viruen Freitag den Nachmittc an Ort und Stelle Gießen, den 20. GroßherzoglchM Kel Beigeoi , „ Bmittag M Ms iw @ Mtnjeichmtln eit IWeMr) mb (Win) oerfleigei /»'s a/Sba., bt ®r* DBerförfli 2tue - Uri Heller« «*)it . H. p 0409 *• |l*n 5 Mn yss. Ä'Kr ?w»"nS- Von IÄ *Ä ; »M»",*. r mttb f",bie »1: - Hefen stzr ■'4ä'4 ^«*■7 ,feä*>4 «JO " flOrt flJf!' U'Sjrf sKsS lo^n 8 Ä.M« «Ä , JJ* "^der Imäitt ta ÄU'4 ihr. 1 ^kömwlfchsten öoiü »Hl fübttn; es whl ?® d e ForWtite fa J{n, fonotrn auch r ^MAlich sind t8fe LtSdten bestehen Dt tn der ot Jcolreieien durch s-h wtt den besten M||= temsterhasteOrdvu^ ^offenen Wogii Such macht und zuM mEtnstüsten der 6ow itanlten, diese für h nsten und unotti 1 Preisen nl8 blSfk ib die Verarbeitung K n Ausficht fitnomm: if gelangt, wird mW ßrahmbutter verardeii elches in ca. einer Haiti! welche ebenfalls dwi mit der Butter In K : tljtllS alt solche in: lcher in etro M bweiht nv cichwng einer Daar Knotenpunkt mehmr Achtungen bkfiht, W beliebiger Menge leit! ndung mit einer Anzei atz für gute Molkm t. n anderen Städten, ar: ich rasch der Gunst M nächsten Sonntag s gramm: Morgens 5 L Nachmittags ‘/^ U* ktten des BautechM ted, Festrede, Weihe-: 1, Verlauf deS M Schläger i< l8 J itl in der äffenden *€ zsrchieei beendet," t °«d ->mde°i' L -eiche /K 8L j.N Darmstadt, *■ L Peel? % 'ä 5 . Wiesbaden, , ll'ins, Main), ^ ^ SrZ Ä Stof I’i'5 pSx« ’-r Äte1. Um einen Begriff zu bekommen von der ConsumtionsfLHIgkeit unserer Turner, wird unS mttgUhetlt, daß „unter den Erchen* während der drei Festtage allein circa 12 000 Flaschen Wein getrunken worden sind. Wie viel Rotbwein und wieviel Schoppen B er müssen da erst verzapft worben fein? Wie wir hören, wären rS nicht weniger als 400 Hrctolfter. — Die Königin Victoria, so schreibt die englische Wochenschrift „Truth*, besitzt ein ungeheures Vermögen. DaS Gut OSborne ist jetzt wenigsten« 5mal so viel werth, als zur Zett, da es vor 40 Jahren von der Königin und dem Prinzen Albert gekauft wurde. Da« Besitzthum der Königin in Salmoral dehnt sich über 30 000 Morgen aus. Claremont wurde der Königm 1866 zum lebenslänglichen Nießbrauch überwiesen, aber vor drei Jahren erwarb die Königin daS Etgenthum käuflich für 78,000 Pfd. St. Der MarktDertb der Besitzung dürfte sich nicht viel unter 150,000 Pfd. St. bewegen. Die Königin besitzt auch einiges Etgenthum in Koburg und die Prinzessin Hohenlohe (tbre Stiefschwester > vermochte ihr die Villa Hohenlohe in Baden, eines der besten Häuser in dem Orte. Was bas Personaloermögen betrifft, so hinterließ Mr. Nield der König n über 500,000 Pfd. St. und oas vom Prinz Gemahl hinterlassene Vermögen soll sich auf nahezu 600,000 Pfd. St. bez ffert haben, allein die Bestimmungen seines T'stom nts sind streng geheim gehalten worden. Die Königin muß auch eine riesige Summe au« ihrer Cwilltste, die stets sehr gut verwaltet worden, grspart haben. Seit dem Tode des Prinzen Albert ist die allgemeine Verwaltung der Privatangelegenheiten der Königin dem Lord Sydney, der ctn tüchtiger Geschäftsmann ist, anvertraut worden. — sAuch ein Zweikampfs In Toulouse war der Advokat Cazeneuve mit einem Gutsbesitzer in Streit geraten, so daß em Zweikampf unausweichlich schien. Der des Fecht.ns völlig unkundige Advokat beschließt, sich zu stellen und gebt TagS zuvor zum ortSangesessenen Fechtmeister, sich RathS zu erholen. „Sie besitzen einen kräftigen Arm*, sagte dieser: „was Sie zu thun baden, ist, Ihren Degen still-und stets mit her Spitze auf des Gegners Auge gerichtet vor sich hinzuhalten, bis dieser sich auf Sie stürzt und sich unfehlbar selbst aufspießen wird.* Der Advokat verläßt die Scene, um aus alle Fälle tein Testament zu machen. Eine Stunde später erscheint auch der gleichfalls der Waffensührung unkundige Gutsherr bet demselben Fechtmeister, worauf dieser, die Situation erschauend, ihm den gleichen Rath gibt. So tnftrutrt pflanzen sich die Beiden einander gegenüber auf. Sie stehen zwei, drei, fünf, sieben Minuten lang unbeweglich da, bis ibre Arme endlich den Dienst versagen. »Der Ehre ist genügt. Sind die Herren befriedigt?- sagt mit ernster Miene einer der ©ccunbanten. Sie rucken und entfernen sich aufathmend mit ihren Wundärzten, Alle noch starr vor Staunen. „Ich hatte keine Ahnung*, stöhnte der Advokat, sich den reichlich hervorbrechenden Schweiß von der Stirne trocknend, „daß das Fechten so schwer ist. Ich will lieber 10 Stunden lang platdoyiren, al« noch einmal 10 Minuten lang fechten * — Parts besitzt feit wenigen Tagen einen farbigen Tenoristen. In der großen Oper hat bei der letzten „Tell"-Vorstellung ein junger Mulatte Namens Riva in der kleinen Rolle des F'fcherS Ruodi mit Erfolg debütirt. Der Debütant war übrigens so vortrefflich geschminkt, daß seine Hautfarbe selbst mit den schärfsten Gläsern nicht zu erkennen war. Der Mulatten - Tenorist gehörte früher dem Antwerpener Theater an und hat dort u. A. auch den „Faust" gesungen. Er dürfte wohl der einzige farbige Sänger sein, der an einer europäischen Opernbühne wirkt. — Ein erschütternder Unglücksfall hat sich in Schwetzingen bet Mannheim SamStag Nacht ereignet. ES wurde dort im Gasthof „zum Hirsch" eine Hochzeit gefeiert, wobei der Vater deS Bräutigams, ein protestantischer Geistlicher auS der Würz- buraer Gegend, den TcauungSact vollzog. Noch am gleichen Abend wollte der Pfarrer in Begleitung e'ncS andern Herrn und dreier Damen zurück nach Heidelberg, um dort die Bahn nach Würzburg zu benutzen Set es nun, daß der Kutscher betrunken war ober in der Dunkelheit dir Richtung nach Heidelberg verfehlte, kurzum, er fuhr direkt bei Brühl in den Rhein. Der ölte Pfarrer, sein Begleiter, ber Kutscher und daS Pferd ertranken, während es den drei Damen gelang, sich an's Land zu retten. Die The'lnahme an diesem entsetzlichen Unglück ist eine allgemeine. — Die älteste und größte Zündhölzchen-Fabrik in der Welt ist jene zu York- spina in Schweden. Sie wurde vor 100 Jahren errichtet, und man kann daselbst eine vollkommene Sammlung der Streichzündhölzchen sehen, wie sie Anfangs des Jahrhunderts bei ihrem ersten Erscheinen diS jetzt gemacht worden sind. Das Holz, auS welchem man sie gegenwärtig borlfelbft fadrictrt, kommt auS benachbarten Forsten, welche in fünf Abthetlungen emgetheilt sind und in forstmäßigem Betriebe stehen. Die Fabrik steht an einem See und hat mit andern Wasserstraßen bequeme CanalSver- dtndungen. Millionen von Zündhölzchen werden in dieser Fabrik täglich angefertigt, und wie groß der Verbrauch ist, davon kann man sich einen Begriff machen, wenn man annimmt, daß in den Vereinigten Staaten allein täglich wenigstens 280,000,000 Zündhölzchen verbrannt werden. Eingesandt. TreiS a. d. Lumda, 18. August. Nachdem schon seit Jahren der Bau eine« Schuthausks geplant und die Platzfrage die verschiedenen zuständigen Behörden beschäftigte und die Bevölkerung in Aufregung erhielt, soll nunmehr, wie wir au8 Inserat Nr. 5297 dieses geschätzten BlatteS entnehmen, das Schulbaus an den denkbar unschicklichsten Platz im ganzen Dorfe gebaut werden. ES ist dies In einer Seitengasse, dicht an dem durch Ueberfluthung zeitweise recht unangenchm werdenden Lumdaflusse und an einer sehr freauenten Brücke, die Jahr ein Jahr aus mit Fuhrwerk stark pafftet werden muß, weil mindestens 3/< der Gemarkung an Ft Id und Wald jenseits dieser Brücke liegt. Dieser Platz ist auch in gesundheitlicher Beziehung höchst ungeeignet, abgesehen noch davon, daß wegen der durch die Fuhrwerke rc. hervorgerufcnen Umuhcn die Lehrer mit Erfolg nicht unterrichten und die Schüler dem Unterricht mit Aufmerksamkeit nicht folgen können. Ferner ist zu bedenken, daß durch einen Dau unmittelbar am Wasser bie Baukosten sich nicht unwesentlich erhöhen müssen. Man wundert sich, daß diese Bedenken der Aufmerksamkeit ber zustänbigen Behörben entgangen sein sollten und wäre sehr dankbar, wenn durch dieselben nicht allein der Bevölkerung des Ortes selbst, sondern auch in weiteren Kreisen in dieser so wichtigen Angelegenheit eine Aufklärung gegeben würde. Handel und Verkehr. Limburg, 20. August. Rother Weizen X 15.05, weißer Weizen X 00.00, Korn X 11.70, Gerste X 8.90, Hafer X 7.1o, Erbsen X —, Kartoffeln X —. Frankfurt, 20. August. Auf dem heutigen Markt kostete der Gentner Heu X 2.80—3.00, Stroh X 1.80—2.00, Eier das Hundert X 490—6.00, Butter 1. Qualität X 1.00, 2. Qualität X< 1.30, Kartoffeln (neue) per Centner X 2.50—3.50, Kohlrabi 3—5 H pr. St-, Erbsen 100 Kg. 12.00—16.0J X, Rothkrant pr. St. 20—30 H, Poularden X 0—0, Huhn 1.50—2.20, 1 Ente X 3.00—4.00, 1 Taube 60—00 A, Hahn X 1.70—2.00, Gans X 4—0.00, Welsche X 7-12.— Zur gest. Beachtung. Schriftliche Anfragen wegen Auskunftsert-eilung über Inserate je. können wfc nur bann beantworten, wenn denselben eine Freimarke für bie Rückantwort beigelegl ist. Heber Inserate bezüglich deren Offerten einzureichen sind, ist die ^5pp-bition zu keinerlei Auskumtsertheilungen befugt. Cffericnbri^e sind — soweit keine bestimmten apafntbi'innrv 9(bivodnmcien $etn*£f?n wurden — in ber f^TpeblMoTi ab>ubaten Temperatur am 21 August (Mittags zwischen 11 und 12 Uhr). Wasserwärme der Lahn 16° R. — Luftwärme 14,/3° R. im Schatten. Rübsameo. Allgemeiner Anzeiger. Die Birnen von den Bäumen am Krosdorserweg sollen Freitag den 22. d. Mts., Nachmittags 5 Uhr, an Ort und Stelle versteigert werden. Gießen, den 20. August 1884. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Keller, 5463 Beigeordneter. Lamstag den 23. d. Mts., Vormittags 10 Uhr, soll auf dem Geschäftszimmer des Unterzeichneten ein Jagdgcwehr (Vorderlader) und ein Jagdhund (Hündin) versteigert werden. Treis a/Lda., den 20. August 1884. Großh. Obersörsterei Treis a/Lda. A mendt. 5456 Möbel-Versteigerung. Donnerstag den 28. August, Nachmittags 2 Uhr, werben in dem Rechtsanwalt Krast'schen Hause, Westanlage 3, parterre, gut- gehaltene Möbel, als: Sopha, Stühle, Kommoden, ein- und zmeithürige Kleider- schräute, ein nicht sehr großer eichener Küchenschrank mit Glasaufsatz, Tische, wobei zwei runde, Betten, Sessel, Bütten, ein fast neuer Fliegcnschrank u. s. w. gegen Baarzahlung versteigert. 5460 Hoffmann, Ortsgerichtsmann. Bekanntmachung. Darmstädter Gerbstpferdemarkt 18$V Den Vertrieb unserer Loose, welcher im Grotzherzogthum Heffen, Groß- herzogthum Baden, Frankfurt und Hanau (Hessen-Nassau) rc. gestattet ist — haben wir dem Herrn Moritz Strauß junior in Mainz in alleinigem Generaldebit wieder übertragen. — Bestellungen auf Loose beliebe man direkt an denselben zu richten, woselbst Wiederverkäufer die näheren Bedingungen erfahren. Darmstadt, im August 1884. Darmstädter Pferdemarkt'Verein. Jetlgeöotcnes. Neue Heller Linsen empfiehlt 5473 __________£>. IN soffer. Gebrannt. Kaffee reinschmeckend, pr. 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Es wird höflichst gebeten, falls derselbe von Jemand in hiesiger Gegend gesehen wird, dem Großherzogi. Polizeiamt zu Gießen alsbald Anzeige zugehen zu lassem____________________ 5465 Für ein junges gewandtes Fräulein, das bereits in einem Weißwaaren- geschäft thätig war und das auch das Kleidermachen gründlich versteht, wird in einem hiesigen Ladengeschäft, einerlei welcher Branche, bei bescheidenen Ansprüchen für sofort eine Stelle ge- sncht. Persönliche Vorstellung kann erfolgen. Offerten unter L. Nr. 1 befördert die Exped. d. Bl-__ 36S" Gratis Z vers. Anweis. Nett. v. Trunksucht ohne Wiss. W. O. Falkenberg in Reinickendorf. Tüchtige Schneider, mit Zeugnissen ihrer Ortsbehorde versehen, finden dauernde und lohnende Beschäftigung in der Herrenkleider - Fabrik von Jacob Kopp Söhne zu Frankfurt a. M. 5442 Koch»«, welche auch Hausarbeit mit übernimmt, wird alsbald, sowie Mädchen fürKüchen- und Hausarbeit werden sofort zu miethen gesucht. 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