Str. IM» Freitag den 20. Juni 1884 Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Schulfiraße 7. Erscheint LLglich mit Ausnahme des Montag-. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlvhn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Amtlicher Hheil. Betreffend: DaS Ober - Ersatz - Geschäft für 1884. Bekanntmachung. Das Ober-Ersatz-Geschäft für 1884 wird im Kreise Gießen Montag den 7. Juli, im Nathhause zu Lich, Vormittags %9 Uhr, Dienstag den 8. Juli, in dem alten Rathhause zu Gießen, Vormittags ya8 Uhr, Mittwoch den 9. Juli, daselbst, Vormittags 4/28 Uhr, Donnerstag den 10. Juli, im Gasthaus „Zum Rappen" zu Grünberg, Vormittags V28 Uhr, stattfinden. Es haben sich nach Maßgabe der besonders ergehenden Vorladungen an den genannten Tagen vor der Großherzoglichen Ober-Ersatz-Commission im Bezirk der 49. Infanterie-Brigade in sämmtlicheu ÄushebungSorten zu gestellen: a. die für dauernd untauglich befundenen Militärpflichtigen / r k r r, , . , . , n b. die zur Ersatz-Reserve II. Klaffe in Vorschlag gebrachten Mlitärpflichtigen \ ^oroeit ^selben noch eme besondere Ladung zugeht; o. die zur Ersatz-Reserve I. Klaffe in Vorschlag gebrachten Militärpflichtigen; d. die von der Ersatz-Commission als tauglich und einstellungsfähig erkannten Militärpflichtigen, einschließlich derjenigen aus früheren Jahrgängen; e. die von den Truppenthellen zur Disposition der Ersatz-Behörden entlassenen Soldaten; f. die von den Truppentheilen abgewiesenen einjährig Freiwilligen. Den Großherzoglichen Bürgermeistereien werden besondere Ladungen für die Militärpflichtigen k. H. zugehen, welche den Betreffenden unverzüglich zuzustellen sind. Der Bollzug der Ladungen ifi innerhalb 8 Tage« anzuzeigen. Die Militärpflichtigen find außerdem anzuweifen, ihre Loofungsfcheine mit zur Stelle zu bringen. Die zur Beurtheilung von Mkeclamationen in Betracht kommenden Personen haben ebenfalls zu erscheinen. Sollte eine Ladung nicht vollzogen werden können, so ist der Grund hiervon berichtlich anzuzeigen und ist, wenn rin Militärpflichtiger von feinem bisherigen Wohnorte weggezogeu ist, zugleich anzugeben, wohin derselbe verzogen ist. /Die Großherzoglichen Bürgermeister haben bei dem Ober-Ersatzgeschäfte selbst anwesend zu sein und sich darum zu bemühen, daß die Militärpflichtigen rechtzeitig zur Stelle sind. Gießen, am 12. Juni 1884. Der Civil-Vorfitzende der Großherzoglichen Ersatz-Commission des Kreises Gießen. Dr. Hoffmann, Regierungsrath. gBHMWWM* IMIBMMMM——M———M—SB—I I li HMIIIWH Politische Ueberstcht. Gießen, 19. Juni. Die Berichte über den Fortgang der Brunnenkur des Kaisers in Bad Ems lauten fortgesetzt befriedigend und steht auch diesmal ein günstiger Erfolg der Kur mit Sicherheit zu erwarten. Die Verhandlungen des Reichstages über die Dampferlinien- Subventions-Vorlage haben nicht die sofortige Annahme derselben, sondern vorerst ihre Ueberweisung an die Budget-Commission zur Folge gehabt. Es ist mehr als zweifelhaft, ob die Vorlage aus dem Schooße der Commission nochmals an das Plenum gelangen wird, wenigstens was die gegenwärtige Session anbelangt, da ja nicht einmal die neuen Steuer-Vorlagen erledigt werden dürften. Doch bleibt die Hoffnung nicht ausgeschlossen, daß die Subventions- Vorlage — wenn vielleicht auch äußerlich in etwas veränderter Form —* dem nächsten Reichstage wieder zugehen wird und da sich von den größeren Parteien nur die deutsch-freisinnige Partei als principielle Gegnerin der Vorlage bekannt hat(, so ist an ihrer schließlichen Annahme kaum zu zweifeln. — Am Montag trat der Reichstag in die zweite Lesung des Staats- und Hauptstückes der ganzen Session, der Unfallversicherungs-Vorlage, ein. Vor Beginn der Bedachung erklärte Präsident v. Levetzow auf eine Anfrage des Abg. Richter seine Bereitwilligkeit, den Senioren-Convent des Hauses zusammentreten z« lassen, um über die Dauer der Session Beschluß zu fassen. Zu § 1 der Vorlage, welcher allgemeine Bestimmungen über den Umfang Der Versicherung enthält, lagen aus dem Hause verschiedene, sehr in's SpecieUe gehende Anträge vor, von denen der Antrag Buhl, auch Die Schornsteinfeger in das Gesetz einzureihen, sich noch in den engsten Grenzen hielt. Außerdem war von dem deutsch-freisinnigen Abg. Dr. Barth der Antrag seiner Partei, die in land- und forsiwirthschaftlichen Rebenbetrieben beschäftigten Arbeiter mit unter das Gesetz fallen zu lassen, wieder ausgenommen worden. Die sich hieran knüpfende Debatte bot nichts absolut Neues dar, wie es bei einer Materie, wie die Unfallversicherung, die schon zu wiederholten Malen nach den verschiedensten Seiten hin erörtert und beleuchtet worden ist, auch kaum anders möglich sein kann, und legten die Redner der einzelnen Parteien kurz noch einmal ihren Standpunkt zu der in Rede stehenden Vorlage dar. Von Seiten der Regierung ergriff Staatssecretär v. Bötticher das Wort, um sich gegen alle aus Ausdehnung der versicherungspflichtigen Gewerbe gerichteten Anträge zu 8 1 M erklären, da der Regierungs- Entwurf nur die dringendsten Bedürfnisse befriedigen sollte und sei im Uebrigen die Regierung bezüglich der Ausdehnung der Unfallversicherung so weit gegangen wie nur irgend eine Partei. Dagegen betonte Herr v. Bötticher die Bereitwilligkeit Der Regierung, bezüglich der Schornsteinfeger eine Concession zu machen. Während der Rede Bötticher's war auch der Reichskanzler kurze Zeit im Saale erschienen, ohne jedoch sich an der Debatte zu betheiligen. Bei der Abstimmung wurde zunächst der von socialdemokratischer Seite vorliegende Antrag, wonach die Versicherung auf alle gegen Lohn beschäftigten Arbeiter auszudehnen ist, abgelehnt und dasselbe Schicksal widerfuhr dem schon erwähnten Antrag Barth; sodann wurde § 1 mit dem Antrag Buhl, durch welchen also der Kreis der zu Versichernden durch die Schornsteinfeger erweitert wird, mit den Stimmen der Conservativen, des Centrums, der Nationalliberalen und der Volkspartei ange- rrommen, Die §§ 2 (Versicherungspflicht bei Betriebsbeamten) und Z (Ermittelung des Jahres-Arbeitsverdienstes) fanden unter Ablehnung aller hierzu gestellten Amendements den Commissions-Anrrägen gemäß die Zustimmung des Hauses. Zu erwähnen i)t noch, daß dem Reichstage die Zuckersteuer-Vorlage und die Zolltarif-Novelle zugegangen sind. Die Berufungen zum preußischen Staatsrath sind nunmehr osficiell erfolgt. (Siehe unter Berlin.) In Nürnberg hat am Sonntag ein Parteitag der National- liberalen aus dem rechtsrheinischen Bayern stattgefunden, in welchem die Bildung einer selbstständigen nationalliberalen rechtsrheinischen Landespartei unter Anlehnung an oas Heidelberger Programm beschlossen wurde. Die Reichstagswahlen in Ungarn vollziehen sich im Gegensätze zu den blutigen Excessen der ihnen vorangegangenen Agitations-Periode in merkwürdiger Ruhe, wozu das an zahlreichen Orten stationirte Mllitär allerdings das ©einige mit beitragen mag. Von den bis Montag Abend bekannt gewordenen 326 Wahlen fielen 182 auf Liberale, öl aus Candidaten der gemäßigten Opposition, 57 auf Unabhängige (Radikale), 12 auf Nationale, 14 auf Antisemiten und 10 auf „Wilde." Nach den bisherigen Resultaten hat allerdings die liberale oder Regierungspartei einige Sitze verloren, was aber nichts an dem Umstande verhindert, daß sie auch im neuen Reichstage die Mehrheit haben wird, zumal da auch die noch ausstehenden 88 Wahlen größtentheils zu ihren Gunsten ausfallen dürften. Die englische Regierung hat am Montag in beiden Häusern des Parlaments die verheißenen Mittheilungen über den Stand des Abkommens mit Frankreich gemacht, die indessen ziemlich dürftiger Natur sind. Die bezügliche gleichlautende Erklärung, welche im Unterhause von Gladstone selber, im Oberhause vom Staatssecretär für Indien, Earl of Kimberley, abgegeben wurde, bestätigt nur, daß mit Frankreich ein Abkommen getroffen worden ist, über welches aber die Regierung dem Parlamente nicht eher Millheilungen machen könne, als bis die übrigen Mächte Gelegenheit gehabt hätten, das Arrangement zu erwägen. Diese Zurückhaltung erscheint eben auch nur als eine der vielen Eigenthümlichkeiten der Gladstone'schen Politik, denn der Inhalt der englisch- französischen Convention ist ja längst ein offenes Geheimniß und erst jetzt wieder veröffentlichen die „Daily News" die Hauptpunkte des Abkommens wegen Egyptens, von denen die Bestimmung, daß die englischen Truppen vorläufig bis zum 1. Januar 1888 in Egypten bleiben, sollen, ebensalls schon allgemein bekannt war. Im Uebrigen bestätigte die Regierung im Unterhause inbirect die Nachricht vom Falle Berbers, ohne hinzuzufügen, was nun geschehen soll, wahrscheinlich werß das Mr. Gladstone selber picht. Die Geburt des neuen klerikalen Cabinets Malou in Belgien geht unter großen Wehen vor sich. Zum dritten ober vierten Male ist die von ben Brüsseler Blättern gemelbete Ministerliste roieber abgeänbert worben unb lohnt es sich fast gar nicht, auf diese fortwährenden Variationen näher einzugehen. Die Meldung, daß das Unterrichtsministerium aufgehoben werden solle, bestätigt sich und wird demnach in Belgien die Schule künftig wieder ganz der klerikalen Partei in die Hände gegeben fein. Der serbisch-bulgarische Conslict wird nun hoffentlich durch bie Vermittelung der Großmächte seine baldige Beilegung erfahren. Die Cabinete von Berlin, Wien und St. Petersburg haben zu diesem Zweck ihre guten Dienste in Belgrad angeboten, Die serbische Regierung hat dieses Anerbieten dankens. acceptirt und auch Bulgarien wird wohl so klug sein, den Mächten gegenüber nicht den Halsstarrigen zu spielen. Die Sudan-Rebellion schreitet unaufhaltsam gegen Norden, gegen das eigentliche Egypten, vor. Nach Berber kommt nun Dongola an die Reihe und sind von Berber aus bereits 35,000 Mann Insurgenten nach Dongola auf dem Marsch. Darmstadt, 17. Juni. Der Großherzog hat sich heute mit Familie nach Peterhof zurückbegeben. Die Abreise nach Deutschland wird am Samstag erfolgen. Die Prinzessin Karl und die Prinzen Heinrich und Wilhelm sind von hrer nach Schloß Fischbach (Schlesien) abgereist, wohin auch der Großherzog kommen wird. Berlin, 16. Juni. Zu Mitgliedern des Staatsraths sind ernannt: Ober- präsident a. D. Graf Arnim - Bottzenburg, Geh. Commerzienrath Baare tn Bochum, Oberbürgermeister Dr. Becker in Köln, Landesdirector v. Bennigsen, Regierungspräsident Frhr. v. Berlepsch, Mintstertaldirector Dr. v. Bojanowskt, Commerctenrath v. Born in Dortmund, Mintstertaldirector Brefeld, Generalsupertntendent Dr. Brückner, Staatssecretär v. Burchard, Generaldtrector Burghart, Unterstaatssecretär Dr. Busch, Chef der Admiralität General v. Caprivi, Wirkt. Geh. Rath Dr. o. Dechen tn Bonn, Re tchsbankpräsident v. Dechend, Amtsrath Dtetze tn Barby, Landforstmetster Donner, Graf v. Frankenberg-Ludwtgsdorf auf Ttllowttz, Präsident deS OberlandeSculturgerichts Glatz'l, Professor Dr. Gnetst, Präsident Dr. v. Gotzler tn Königsberg, Generalmajor v. Hönisch, Oberstaatsanwalt Hamm in Köln, Amtshauptmann Frhr. v. Hammerstein, General Lieutenant v. Harttott, OberlandgertchtSpräfident Exc. Hstmsoeth in Köln, Kammerherr v. Helldorff, Graf Henckel v. Donnersmarck, Präsident Dr. Hermes, Unter ftaatSfccretär Herrfurth, Regierungspräsident v. Heyden, Geh. Regterungsrath Dr. Koch in Berlin, Oberhofpredtger Dr. Kögel, der Präsident des Abgeordnetenhauses v. Köller, der Bischof von Fulda Dr. Kopp, Bischof von Ermland Dr. Krementz, Landesdtrector v. Levetzow, Geh. Bergrath Leuschner tn EiSleben, LegationSrath Graf zu Limburg-Sttrum, Unterstaatssecretär LucanuS, Regierungspräsident Frhr. v. Massenbach, Unterstaasssecretär Metnecke, Geh. Justtzrath Dr. Mejer tn Göttingen, Geh. Com- merzienrath Mevissen in Köln, Präsident des Kammergertchts Meyer, Mintsterial- dtrector Dr. Michelly, Frhr. v. Mtnnigerode zu Rosfiten, Oberbürgermeister Dr. Miquel in Frankfurt am Main, Unterstaatssecretär Dr. v. Möller, Conststortalpräfident Dr. Mommsen, Unterstaatssecretär Nebe-Pflugstädt, Geh. Commerzienrath de Neufvtlle tn Frankfurt a. M., General - Audtteur Wirk!. Geh. Ober - Justtzrath Oehlschläger, Wirkt. Geh. Rath Dr. Pape, Präsident Persius, Herzog v. Rattbor, Präsident Rötger, StaatSsecretär Dr. v. Schelling, Professor Dr. Schmoller, Mtnistertal- und Ober- Baudtrector Schneider, Frhr. Dr. v. Schorlemer-Alst, Mintstertaldirector Schultz, Geh. Commerztenrath Schwartzkoff in Berlin, Oberstaatsanwalt Stellmacher in Celle, StaatSsecretär Dr. Stephan, Regierungspräsident Studt, Generalquartiermetster Generallieutenant Graf v. Waldersee, Commerzienrath Dr. Websky in Wüstewaltersdorf, Landrath a. D. v. Wtlamowttz - Möllendorf, Regierungspräsident Graf v. Zedlitz- Tiützschler, Graf v. Ziethen-Schwerin auf Wustrau. Telegraphische Depesche«. Wolffs UUfct* Cor^efpondenr-Brrrsa«. Berlin, 18. Juni. Der „Reichs-Anz." enthält die Königlichen Erlasse, betr. die Ernennung Sr. K. K. Hoheit des Kronprinzen zum Präsidenten und des Fürsten Bismarck zum Vicepräsidenten des Staatsrathes, sowie betr. die Genehmigung des Regulativs für die Verhandlungen des Staatsrathes, und endlich das Verzeichniß der Mitglieder des Staatsrathes. Berlin, 18.Juni. Die RechnungScommisfion deS Reichstags berieth am letzten Freitag, den 13. ds., die an dieselbe zurückverwteseueu Rechnungssacheu. Die Abgg. Horn (Centrum) und v. Pilgrim (Reichspartei) traten hierbei für die volle Aufrechterhaltung des Commissionsbeschlusses ein, während die Abgg. o. Schtrmeister und Münch den von den Abgg. Rickert und Richter in der Plenarsitzung eingenommenen Standpunkt vertheldigten. Der Abg. Hammacher beantragt, die Dechargirung aufrecht zu erhalten, jedoch gleichzeitig den Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstag einen Gesetzentwurf, betr. die Verwaltung der Einnahmen und Ausgaben des Reichs, vorzulegen. Die Abstimmung wird morgen stattsinden. — Die „Äreua - Zeitung" schreibt: Die Unterredung des Fürsten Bismarck mit dem Vorsteher deS Aeltesten - Collegiums der Berliner Kaufmannschaft, Geh. Com- merzienrath Mendelssohn, „daß Fürst Bismarck erklärt hat, man werde alle Schritte, die eine Benachtheiligung deS Handels herbeizuführen geeignet seien, möglichst vermeiden", kann als richtig angenommen werden, wie ja auch die vom Bundesrath beschlossenen Abänderungen des Entwurfs diese Tendenz deutlich kennzeichne. Außerdem aber verlautet, daß der Reichskanzler nicht umhin konnte, Herrn Mendelssohn seine Unzufriedenheit auszudrücken über das Gesammtverhalten der von ihm vertretenen Körperschaft, welche sich gegen alle finanziellen und wirthschaftlichen Pläne der Regierung bisher durchaus feindselig verhalten habe." — Der Reichstag setzte heute die zweite Berathung deS Unfallversicherungs- Gesetzes fort. Hierbei erklärte der Staatssekretär v. Bötticher bezüglich der beantragten Zulassung von Privatversicherungs-Gesellschasten, daß diese Frage bereits oft und viel bis fuhrt sei; der Hauptgrund gegen die Zulassung sei der. daß die Privatgesellschaften, namentlich einem umfassenden Unglück gegenüber, bei welchem Hunderte verunglückten, nicht genügende Garantie für die Befriedigung der Arbeiter gewähren. Auch nach dem Inkrafttreten deS Gesetzes werde den Gesellschaften - wie einzelne Gesellschaften eS ja selbst anerkannt hätten - noch ein ausreichendes Feld der Thättgkeit verbleiben. — Nach einer sechsstündigen Debatte, während welcher der Staatssecretär v. Bötticher noch wiederholt für die Vorlage eintrat, wurde der $ 9 endlich in der Commissions- sassuug, aber modificirt durch den Antrag deS Abg. v. Maltzahn-Gültz, welcher den Paragraph materiell nicht ändert, sondern demselben nur eine correctere Fassung gibt, angenommen. — Fortsetzung morgen. Straßburg, 18. Juni. Die „Elsaß-Lothr. Ztg." veröffentlicht einen Erlaß des Statthalters, d. d. Karlsbad den 16. Juni, in welchem die Ausweisung zweier Socialdemokraten, des Schuhmachers Dietrich Schmitz und des Malergehülfen August Karl Dieber aus den Reichslanden, sowie die Auflösung der in Straßburg bestehenden örtlichen Verwaltungsstelle der Central-Kranken- und Sterbekaffe der Schuhmacher und verwandten Berufsgenoffen Deutschlands, eingeschriebene Hülfskaffe in Hamburg, auf Grund des sog. Dictatur-Paraqraphen verfügt wird. Stockholm, 18. Juni. Die Kronprinzessin ist vergangene Nacht von entern Sohne entbunden worden. Paris, 18. Juni. Die „Republique sranyaise" will wissen, Frankreich und England würden etwaigen Abmachungen bezüglich der Neutralisirung des Suezkanals die Depesche Lord Granvilles vsm 3. Januar 1883 zu Grunde legen. —. Der „Agence Havas" zufolge hätte der portugiesische Gesandte in Paris in einer Unterredung mit einem Berichterstatter erklärt, daß Portugal geneigt sei, in der Cougosrage wichtige Concessionen zu machen. Die portugiesische Regierung werde vorschlagen, der Congo-Commission einen internationalen Charakter zu geben und zu derselben alle Nationen zuzulassen, welche in Centralafrika und Südafrika Interessen haben. Zum Vorbild solle die Donau- Commission genommen werden. Der Gesandte habe ferner erklärt, Portugal beabsichtige keineswegs eine Ausdehnung seines Gebietes, sondern nur die Aufrechterhaltung seiner Rechte. — Das „Journal officiel" veröffentlicht die Ernennung des Oberst- Lieutenant Beyard zum Ministerpräsidenten Frankreichs in Huö. V.et^sburg, 18. Juni. Großfürst Sergius und Gemahlin empfingen gestern die Gratulationen des diplomatischen Corps. Bei dem deutschon Botschafter, Generallieutenant v. Schweinitz, findet morgen zu Ehren des Großherzogs von Hessen ein Galadiner statt. — Prinz Alexander von Oldenburg ist von dem Commanoo der ersten Garde-Jnfanterie-Division, unter Belassung in seiner Stellung als General- Adjutant und ä la suite des Preobraschenskyschen Garde-Regiments enthoben worden. TißiS, 18. Juni. Wie die Zeitung „Kawkas" meldet, hat in der Nacht zum 1. Juni auf der Insel Kischen, im persischen Meerbusen, ein Erdbeben stattgefunden, wobei gegen 12 Dörfer zerstört, ca. 200 Personen getödtet und zahlreiche andere Personen verwundet wurden. Alexandrien, 18. Juni. Nach telegraphischen Berichten aus Suakinr ist diese Nacht ein erneuter Angriff auf die Stadt gemacht, aber von den Forts, zurückgewiesen worden. Lokales. Gießen, 19. Juni. Schwurgerichts Verhandlung am 18. Juni l. SL gegen KaSpar Schepp II. von Saasen wegen Meineids. Derselbe war beschuldigt: daß er vor einer zur Abnahme von Eiden zuständigen Behörde, nämlich bem Kreisausschusse des Kreises Gießen am 15. März 1884 tn der Sache betreffend: Reclamation des Wilhelm Herzberger von Saasen gegen die Bürgermeisterwahl vom 15. Februar 1884, wissentlich ein falsches Zeugniß mit einem Eide bekräftigt habe. 3 B Die Geschworenen sprachen indessen das „Nichtschuldig" aus, worauf Schepp von Strafe und Kosten freigesprochen wurde. Gießen, 19. Juni. Eine heute Nacht abgehaltene Razzia in den Backsteinkauten wurde von Erfolg begleitet, indem einige verdächtige Personen verhaftet wurden, darunter eine, welche schon längere Zeit vom Gericht gesucht wurde. a , 71 Ein heute Nacht um 12 Uhr auSgebrochmer Kaminbrand in der Waltthor- straße hätte leicht größeres Feuer entstehen lassen können, wenn nicht vorübergehende Personen die Hausbewohner aufmerksam gemacht hätten. „ — Vorgestern wurde im Heuchelheimer Walde ein 3jähriges Wildschwein. (Keiler) geschossen. Dafielbe hat em Gewicht von 115 Pfund. Es dürfte jedenfalls die Jagdfreunde das hier seltene Vorkommen dieses Thieres interesfiren. ~ BerM i s ch t e S. Mainz, 17. Juni. Der neu ernannte Director der hiesigen Realschule, Herr Sold an, wurde heute Morgen um 8 Uhr in dem Turnsaal, der für diesen festlichen Act prächtig geschmückt war, durch Herrn Geh. Oberschulraih Becker von Darmstadt in sein Amt eingewiesen. Außer den Lehrern und Schülern der Anstalt waren anwesend die Herren: Oberbürgermeister Dr. Du Mont, Beigeordneter Dr. Oechsner, Stadtverordneter und Präsident der Handelskammer Commerzienrath St. K. Michel Stadtverordneter und Director W. Bömper, Gymnasialdtrector Professor Menge und Generalreceptor Schmidt. Nach einem von dem Schulchor recht gut oorgetragenen Liede verlas Herr Geh. Oberschulrath Becker das Allerhöchste Decret, wonach Herr Soldan zum Dtrector der Großh. Realschule ernannt wurde, und knüpfte daran einige kurze, aber inhaltrciche Wotte, worin er besonders daS seitherige Wirken des neuen Directors als Begründers und Leiters der Realschule tn Groß-Umstadt und später als Dirigent der Gießener Realschule, die er erweitert und gefördert habe, hervorhob. Ueberall habe er sich die Liebe seiner Schüler, das Vertrauen seiner Lehrer und die Hochachtung der Bürgerschaft erworben, so daß sein Scheiden überall schmerzlich em- pfuvden worden sei. Herr Director Soldan wandte sich hierauf in warmen herzlichen. Worten an Herrn Geh. Oberschvlrath Becker, ihm für daS Vertrauen der obersten Schulbehörde Dank sagend, dann an die Lehrer und Schüler und die Vertreter der Stadt. Nachdem der Senior des RealschulcollegiumS, Herr Kölsch, den neuen Dtrector im Namen der Lehrer und Schüler willkommen geheißen, ergriff Herr Oberbürgermeister Dr. Du Mont das Wort, um in trefflichen Worten dies tm Namen der Stadt Mainr zu thun. Mit einem vaterländischen Chor schloß die schöne Feier, die in ihrem ganzen Verlauf einen tiefen Eindruck bei allen Anwesenden zurückließ. Groß-Umstadt, 15.Juni. Ein schweres Gewitter, von Osten kommend (hier zu Land Main-Gewitter genannt), zog gestern Mittag gegen 6 Uhr über hiesige Stadt. Der Blitz schlug zweimal ein, in daS Haus des F. Fischer, Metzger, und in das Haus der Frau Kaufmann Jttmann Wittwe; an dem ersteren sieht man die Spuren an einem Balken, an welchem der Blitz hernieder in den benachbarten Hof des Malers Heil fuhr, in dem letzteren schlug der Blitz durch oas Dach in das Studirzimmer des Herrn Realschuldirectors Nodnagel, wandte sich dann seitwärts, durchfuhr den Aborts das eifetne Rohr durchschlagend, dm Weg bann in's Freie nehmend. In beidm Fällen zündtte glücklicherweise der Blitz nicht, dagegen ist Herr Director Nodnagel nur durch einen Zufall großer Lebensgefahr entgangen. Herr Nodnagel hatte nämlich anläßlich seines Wegzugs nach Gießen gerade den betreffmden Mittag bestimmt, die tm Studir- jimmer befindlichen Bücher zu packen, wurde daran ober durch einen Besuch verhindert, mit bem er eben, als efi in sein Zimmer eingefchlagen, einen Spaziergang im Freien machte. Mineralien unb andere Gegenstände fand man tm Zimmer umher geworfen; wären also Menschen darin gewesen, so wüßte man nickt, ob sie mit dem Leben davongekommen. Zu Ehren des Herrn Realschuldirectors Nodnagel v-rsammelien sich am verflossenen Freitag Abend die Mitglieder des evangelischen Kirchengesangvereins tm „Rheinischen Hos" dahier, um dem Scheidenden noch einige angenehme Stunden zu bereiten. Unter der Direktion des Herm Reallehrers Ramge wurde eine Reihe aus- gewählter Lieder in vortrefflicher Weise vorgetragen, die um so erwähnenSwerther sind, als der Verein bekanntlich noch ein junges, beiläufig bemerkt, dem Herrn Nodnagel zu verdankendes Dasein hat — unb im Uebrtgen der Abend in gehobener Stimmung verbracht. Noch zu erwähnm sind die Vortrage eines Knabenchors (Schüler der Realschule), die sich allgemeiner Anerkennung zu erfreuen hatten, namentlich als ein eigens für diesen letzten Abend deS Hierseins des Herrn DireciorS gedichtetes AbschiedSlied von denselben gesungen wurde. Herr Director Nodnagel banfte in bewegten Worten für bie ihm hier so vielfälttg unb auch am heutigen Abenb bewiesenen Freundlichkeiten unb toastete auf bas Weiterblüben bes Kirchengefangvereins. WormS, 16. Junt. Heute früh zwischen 6 unb 7 Uhr würbe bie Umdeckung deS AndreasthurmeS durch Aufsteckm bcS Hahns vollendet. Herr Dachdecker Oster- rttter, der die Arbeit auSführte, verband damit eine zwar etwas waghalsige, aber um so seltenere Feier. Er nahm feine 4 Söhne im Alter von 4—13 Jahren mit auf den Thurm und ließ sich dort mit seiner Familie von Herrn Hofphotograph Schummev aufnehmen. Herr Osterrttter selbst hatte dabei neben dem Hahn stehend seinen 4jährigen Knaben auf dem Arme. — Aus der Niederwald-Zahnradbahn sollte, wie tm gestrigen Blatte berichtet, Gefahr eines Zusammenstoßes zweier Züge vorhanden gewesen sein. Das „Fr. y erhielt nun von der Betriebsdirection jener Bahn folgende Richtigstellung: Die Züge haben die polizeilich vorgeschriebene Distanz von 100 Metern nicht überschritten. Umsteigen von Passagieren ist nicht erfolgt unb eine Gefahr irgenb welcher Art war gänzlich ausgeschlossen, ba selbst auf ber stärksten Steigung bie Züge auf bref Meter Distanz festgestellt werben können. Auch von anderer Seite wird mitgetheilt. daß ber in Rebe stehenbe Vorfall tenbenziöS entstellt worben unb jede Gefahr gänzlich ausgeschlossen gewesen sei. — (Sparsam.) Eine KaufmannSfrau, welche tm Besitz eines weiblichen Zwillingspaares und einer älteren Tochter ist, ward kürzlich von einem Bewerber um bie Hanb einer ber Zwillingstöchter angegangen. Sie wies jeboch ben Liebhaber mit den Worten ab: „Nein, bis bie Netteste nicht weg ist, reiße ich bie Zwillinge nicht an." Karlsruhe, 15. Juni. Die „Bad. L.-Ztg." erzählt einen trostlosen Fall von Berurtheilung eines Unschuldigen. Er betrifft den jungen Musiker August Stadher von Karlsruhe, der auf die anscheinend zutreffende Aussage eines 11jährigen Mädchens wegen eines StttenverbrechenS zu einer Zuchthausstrafe von 1 Jahr und 3 Monaten verurtheilt worden war. Erst in der Christenlehre erkannte das Mädchen, das allem Anschein nach den Verdacht von sich selbst hatte ablenken wollen, die ganze Größe seiner Verschuldung. Allein jetzt war eS zu spät, der Unglückliche war inzwischen nach Verbüßung des größeren TheilS seiner Strafe im Zuchthaus gestorben. Die vom Fabrik-Marke} 3« u HND MM Wildschwein iu lebenfons dein Sache !PM die Zeugvttz töuf Schepn Wrinkautea en' darunter mmenb (hier ziesige Stadt, in das HM e Spuren an des Malers irzimmer des jr den Abort, beiden Fällen id nur durch dich anlählich \i im Studir- ch verhindert, mg im Freien her geworfen; Leben davon- lfchule, Herr en festliche Darmstadt waren am Ci Dechsner, 11 ®. Michel, Menge und 'orgetrageum wonach Hnr daran einige en des neuen ib später als !, hervorhob. hrer unb die Merzlich em- ien herzlichem, der obersten Vertrettt der atn Director erWallthor- Eergehekip? sich am ver- vgvereins im i Stunden zu ie Reihe ous- Sroerther sind, tm Nodnoger er Sttuimung litt btt Real- js ein eigens Abschiedslted dien Worten Mdlichkeitrn ie Umdeckung adecker Ostett siae, aber um It mlt auf vh Säummer & W* Jlatte bniiiif; D«S fts>', «■“ g. MB au®9 a t** iöjlM1116 fSi«> n1 < j iHio bt@# 10a1’.n,lf4tn h tN- * löBgers ft '*« 18 «Utzm '^Nt '°ben sich, ""d zG. lbt»M H. MESTLE'S KINDERMEHL 15jähriger Erfolg» — [5proc. hypothekarische Anleihe der BuderuS'schen Eisen- werke.j Am 20. d. M. findet die Subscriptton auf 2 Millionen ver obigen Anleihe zum Comse von lOO^pGt. statt. Die Obligationen lauten auf Jü 1000, JL 500 und 200 und sind mit 5pCt- verzinslich. Die Tilgung erfolgt durch jährliche AuS- loofung zu 102 pCt. und muß am 1. April 1914 beendet fein. Vom 1. April 1889 an ist dic Gesellschaft berechtigt, die Rückzahlungsraten zu verstärken oder die Anleihe «ach vorangegangener dreimonatlicher Kündigung ganz zmückzuzahlen. Ueber die Hypothezirung der Anleihe gibt der Prospect Auskunft. Der Tsxwerth der gegen die Anleihe verpfändeten Objecte repräsentirt nach dem Prospect den dreifachen Betrag der Anleihe. — Vom Kaiser!. Postamt wird uns die Mittheilung, daß ein Verzeichntß gleichnamiger und ähnlich lautender Postorte zum Preise von 10 Pfg. bei allen Postanstalten zu haben ist. Proceß zu führen und seinem dortigen Anwälte einen Gerichtskostenvorschuß von 14 Jt. etngesandt. Nachdem der Proceß zu Gunsten des Klägers entschieden war, wurde drr Letztere von dem Berliner Amtsgerichte benachrichtigt, daß er zu den Gerichtsrosten noch 20 Pfennige nachzuzahlen habe. Die Schreibgebühr für diese Benachrichtigung war dabn auf 40 Pfg. berechnet. Um nicht wegen der Letzteren eine Mahnung zu erhalten, sandte der Kläger mittelst Postanwnsung (h 20 Pfg.) die begehrten 20 Pfg. nebst der Schreibgebühr von 40 Pfg. nach Berlin. Gewiß ein sehr billiges Gerichtsverfahren ' Friedberg. Daß eine ganze Familie täglich gratis per Eisenbahn fährt, dürste p/tit ost vorkommen. Die Beamten der Bahn wußten dies nicht allein, sondern unterstützten diese Btlletdefraudatton noch obendrein, trotz der Dtrectton in Hannover und Minister Maybach in Berlin. Madame Bachstelze hatte sich nämlich die Achsenkapsel eines zwischen hier und Bruchenbrücken täglich laufenden Materialwagens als geeigneten Platz zur Placirung ihrer Nachkommenschaft ausersehcn, wurde darin von Setten ihres Gemahls getreulich unterstützt und hatte auch bereits die Freude erlebt, em kleines Bachstelzenbaby zirpen zu hören, als eine böse Fee aus dem Geschlechte der Katzen die Familienfreude leider störte und dem Gratisfahren ein jähes Ende bereitete. Wafferwärrue der Lahn. Am 19. Juni, zwischen 11 und 12 Uhr Mittag: 13° R. - Luftwärme 10W R. Rübsamen. 73$) Ueber die H5he der Kosten, welche die Einrtfoknng einer Anzeige In eine oder mehre Zeitungen verursacht, wird man eich niemals enttäuscht sehen, wenn mau von der Annoncen - Expedition -von MAASä&föSTJEBLN ie. Frankfurt a. M. (Karlsruhe, Stuttgart oder München) zuvor Auskunft einfordert, die auch hineichta der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blätter auf Grund reichet Erfahrungen und gründlicher Beobachtungen zuverlässigen Bath ertheilt Landgericht nachträglich ausgesprochene Freisprechung wurde nur noch einem Tobten zu Thetl. — sUniversitätsnotizen j Au8 Marburg, den 17. Juni, wird geschrieben: Kaum hat sich das Grab über den einen der drei hiesigen mineralogischen Docenten, Dr. Moesta, geschlossen und schon wieder hat der Tod in ihnen eine neue Lücke gerissen. Im besten Mannesalter, tm 36. Lebensjahre, tft heute Morgen der ordentliche Professor der Mineralogie, Dr. Friedrich Klocke, einer schweren Nervenkrankheit erlegen. Der Name des Verstorbenen hat einen guten Klang in der wiffenschaftltchen Welt und die glanzenden Erfolge feiner wisienschaftlichen Forschungen schienen ihm noch eine große Laufbahn zu prophezeien. Klocke halte feine akademische Laufbahn als Docent m Heidelberg begonnen und war erst vor drei Jahren, Wintersemester 1881, von Freiburg t. Br. nach Marburg berufen worden. Wir haben hier nunmehr nur noch einen Lehrer der Mineralogie, den greifen Professor Dr. Dunker; wie wir hören, soll aber Aussicht dafür sein, noch in diesem Semester einen Prioatdocenten für Mineralogie für die hiesige Umversilät zu erwerben. Stadtkyll, 15. Juni. Heute Nacht gegen 3 Uhr wurde unser Ort von einem starken Brande heimgesucht. Infolge des herrschenden starken Nordostwindes standen in kürzester Zeit 15 Wohnhäuser, 13 Scheunen und 19 Ställe in Flammen und trotz der eifrigsten Abwehr unserer freiwilligen Feuerwehr brannten 5 Wohnhäuser, 8 Scheunen, 15 Ställe ganz nieder, 10 Wohnhäuser mit 5 Scheunen und 4 Ställe find mehr oder minder stark befchäoigt. Die Gebäulichkeiten sind zwar alle versichert, doch drei zu kaum nennenswerthen Beträgen und auch die übrigen nur sehr gering. Die Familienmitglieder der ganz ntebergebrannten Gebäude haben kaum das nackte Leben retten können; ihre Habe ist meist verbrannt. Wenn man bedenkt, daß die Betroffenen ausschließlich arme Ackersleute und Taglöhner sind, welche in den letzten 10 Jahren mit Nothverbältnissen aller Art in hiesigem Eifelorte zu kämpfen hatten, zudem noch ihre in 1883 vom Kreise beschafften Saatfrüchte nur zur Hälfte bezahlt, so ist es leicht begreiflich, wenn dieselben zum Wiederaufbau ihrer Gebäude auch an die Mildthärigkeit und das gute Herz guithätiger Menschen angewiesen sind. Gaben nimmt zur Vertheilung gern entgegen das Bürgermeisteramt Stadtkyll. — (DaS Volk in Waffen.j AuS Altdna wird gemeldet: Zur Zeit iß, wie mit- githeilt, eine große Anzahl Reservisten zu einer zwölftägigen Uedung eingezogen. Hierbei ist diesmal hier der merkwürdige Fall eingetreten, daß der Chef einer bekannten hiesigen Manufacturwaaren-Firma, ein früherer Emjährig-Freiwilliger, die Dienstzeit als „Gemeiner" absolvirt, während sein Hausknecht, der es zum Corpora! gebracht und nach Schiller auf der Stufe zur höchsten Macht steht, als Unteroffizier seinen Prinzipal die Süßigkeiten des Detail-Exercierens kosten läßt und einer seiner Reisenden sogar das Portepee trägt. Der Prtnzipal muß also vpr dem Hausknecht und dem Reisenden vorschriftsmäßig salutiren. Offenbach, 16. Juni. Ein entsetzliches Unglück ereignete sich am Samstag Abend in der Gustao-Adolfstraße. Dort stieg ein 4jährige8 Kind, während die Eltcnr abwesend waren und glaubten, ihr Kind schliefe längst, auf einen Tisch deS in der Mansarde liegenden Zimmers, legte sich zum Fenster hmaus, bekam das Uebergewicht und stürzte auf die Straße. Dort fand man das unglückliche Kind schwer verletzt. Die eiligst herbeigerufene ärztliche Hülfe constatirte außer schweren inneren Verletzungen einen Armbruch, sowie eine schwere Schädelbeschädigung. Ob eS gelingen wird, das Kind zu retten, muß abgewartet werden. Der traurige Vorfall mahnt jedoch nach jeder Richtung zur Vorsicht; man soll bei so kleinen Kindern, wenn e8 irgend möglich, vermeiden, dieselben allein zu lassen. — (Regatta in Metz.) Die für den 20. Juli in Metz in Aussicht genommene Regatta verspricht einen glänzenden Ve lauf nehmen zu wollen. In entgegenkommendster Weise bat der Statthalter v. Manteuffel dem Metzer Ruderclub die Summe von 3000 «X überwiesen; diesem Beispiele ist der Metzer Gemeinderath gefolgt, indem er einen Zuschuß von 300 X bewilligt hat. ES hat dies um so mehr überrascht, als die Regatta ein von dem deutschen Ruderclub arrangirtes Fest ist und der Gemeinderath, mit Ausnahme von vier Mitgliedern, aus lauter Einheimischen besteht und alles, was deutsch ist oder von Deutschen ausging, bisher princlpiell ablehnte. Es sei Übrigens erwähnt, daß das Verhältniß zwischen dem deutschen und dem französischen Ruderclub in Metz ein freundnachbarliches ist. Letzterer, dem eigentlichen Sport nicht huldigend, wird sich an der Regatta nicht betheiligen, wohl aber ist von Paris aus die Anfrage ergangen, ob das Rennen international sei und da dies bejaht wurde, ist es möglich, daß wir die Pariser Ruderer m t in die Schranken treten sehen. Ebenso tft eS nicht unwahrscheinlich, daß der Ruderclub von Nancy sich an der Regatta beteiligt. Frankfurt, 13. Juni- Eine drastische Jllustratton zu unserem GerichtSkosten- pefeke bietet der nachfolgende Vorgang. Ein hiesiger Einwohner hatte in Berlin einen Handel und Verkehr. _,n Gießen, 17. Juni. Der heutige Viehmarkt war mit 1575 Stück Rindvieh und 719 Stück Schweinen befahren. Die Preise bei Schlachtvieh aller Art standen denen der vorhergehenden Märkte gleich, dagegen war Zucht- und Arbeitsvieh mehr gesucht, der Handel lebhaft unv die Preise höher, eS zeigte sich am Tage vor dem Markte schon große Kauflust und wuroen an demselben schon viele Käufe abgeschloffen. Nächster Markt Dienstag den 8. und Mittwoch den 9. Juli d. I., am letzteren Tage auch Krämermarkt, sogen. Kirschenmarkt. Das Ablesen der Krämerstände findet Morgens 7 Uhr statt. Limburg, 18. Ium. Nother Weizen JL 16.95, weißer Weizen JL. 16.80, Korn JL 12.75, Gerste 9.60, Hafer 8.40, Erbsen «X —, Kartoffeln —. Frankfurt, 18. Juni. Auf dem heutigen Markt kostete der Centner Heu 3.00—3.40, Stroh 2.90—3.15, Eier das Hundert «X 460—5.00, Butter 1. Qualität JL 1.00, 2. Qualität 1.10, Kartoffeln per Centner JL 2.00—2.25, Kohlrabi 8-0 H pr. St, Erbsen 100 Kg. 19.50—27.50 Rothkraut pr. St. 00—00 H, Poularden JL 0—0. Huhn 1.50—2.20, 1 Ente «X 3.00—4.00, 1 Taube 60—00 X Hahn JL 1.70—2.00, Gans 0—0.00, Welsche J4 7-12.— 21 Auszeichnungen, Zahlreiche ZEUGNISSE der ersten medicinischen Autoritäten. Vollständiges Nahrungsmittel für kleine Kinder. worunter 8 Ehrendiplome und 8 Gold. Medaillen. Ersatz bei Mangel an Muttermilch, erleichtert das Entwöhnen, leicht und vollständig verdaulich. Zum Schutz gegen die zahlreichen Nachahmungen führt jede Büchse die Unterschrift des Erfinders Henri Verkauf in allen Apotheken und Drog uen-Handlungen. 119 Ebel. 4177 4191 Großh. Gerichtsvollzieher. Marktstraße 32. 4180 Bekanntmachung. Die am 6. Juni L I. im Distriet Eibschenhain abgehaltene Holzversteigerung ist genehmigt und können die Abfuhrscheine von Samstag den 21. I. Mts. ab bei der Freiherrl. Rentei zu Londorf in Empfang genommen werden. Papiermühle, Post Londorf, am 17. Juni 1884. Freiherrliche Oberförsterei Rabenau. Freitag den 20. Inni l. I., Nachmittags 2 Uhr, werden in der Flett' scheu Hofraithe dahier verschiedene Mobiliargeaenstände öffentlich meistbietend gegen Baarzahlung versteigert, als: Kleiderschränke, Tische, Sopha's, Nähmaschinen, Bilder, Betten, Uhren, Spiegel rc., ferner: 1 Pferd, 1 Schleudermaschine. Gießen, den 19. Juni 1884. Bühner, IeikgeSotenes. Feinsten Havanna- empfiehlt billigst W. Th. Wittlich, Gin Haus mit großer Werkstatt und Nebengebäuden nebst Hofraum ist zu . li 8**» K -»45; Die kath. Kirchenuhr, welche seit ihrem Bestehen (1852) noch nicht auseinander genommen worden ist, soll jetzt gründlich gereinigt werden. Ich suche Jemand, der mit solcher Uhr, welche Lepaute'schen Gang mit springender Minute hat, umgehen kann. Vergütung 100 JL event. auch mehr. Näheres bei H* Krug, Gießen. Geschäfts-Verlegung. Hiermit die ergebene Anzeige, dass ich nunmehr noch 21 Wallthorstmsss 21 ein Ladengeschäft meines reichhaltigen Hobel-Lagers errichtet habe, welches ich bei geschmackvollster Auswahl und billigsten Preisen hiermit bestens empfohlen halte. Hochachtungsvoll Todes-Anzeige. Verwandten und Bekannten die schmerzliche Nachricht, daß es Gott dem Allmächtigen gefallen hat, unseren lieben unvergeßlichen Gatten, Vater, Schwiegervater und Großvater Bäckermeister Jakob Wogt heute Nacht 3 Uhr in ein besseres Jenseits abzurufen. Um stille Theilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Gießen, den 19. Juni 1884. Die Beerdigung findet Samstag den 21. Juni, Nachmittags 5 Uhr, vom Sterbehause aus (Wallthorstraße 51) statt. 4187 500 Wb werden gegen sehr gute c Sicherheit zu leihen gesucht. Näheres in der Exp. d. Bl. 4173 1475 Ein Logis zu vermiethen bei F. Fürst Wwe-, Neustadt 11. mit angrenzender Stube, sehr gut. Keller und Logis, sowie Laden mit Logis pr. sofort zu vermiethen. Ludwig Lang, ^51 Marktstr. (Wetterg. 5). UlUchatm-Mtrakt zum Färben blonder, rother und grauer Kops- und Barthaare aus der königl. daher. Hosparfümerie- Fabrik von C. D. Wunderlich, prämiirt Nürnberg (gegründet 1845). Rein vegetabilisch, ohne jede metallische Beimischung, garantirt unschädlich. Dr. Orfila’s Nussöl, zur Stärkung und Wachsthum des Haares und zum Dunkeln derselben; zugleich ein feines Haarbl. Beide ä 70 bei Herrn Heinr. Wallach, 4179 Markt. Hierdurch nehme ich die gegen den Polizeidiener Wilhelm Fink von Annerod am 29. April 1884 in der Wirthschaft „Zur Krone" daselbst ausqesagten Beleidigungen als unwahr zurück. Gießen, am 14. Juni 1884. MrmWungm. 4188 Eine neu hergcrichtete Wohnung mit abgeschloss. Corridor zu vermiethen. ___I» Kaan jr., Kreuz. 4189 Eine große Scheuer' zu ver- miethem___________Kreuz 10. _ 4181 Der mittlere Stock — 5 Zimmer nebst Zubehör — pr. 1. October oder früher zu vermiethen. ______I. Stein, Architekt. 4185 Die Bel-Etage in meinem Neubau, Ecke derAlice- und Lud- wigstraße, ist auf den 1. October zu vermiethen. ___C. Koch, iöflnunternehmer. 3963 Ein Familien-Logis zu vermiethen. __________Seltersweg 21. 4154 Die Familienwohnung in den Mansarden meines Hauses zu vermiethen. ___Dr. Dornseiff, Schulstr. 10. 4153 Eine Wohnung zu vermiethen. ________Marktstraße bei M. Weiner, 4136 Ein freundl. möbl. Zimmer per sofort zu vermiethen, auf Verlangen mit Kost.___Geisel, Neuenweg 62. 4023 Ein Logis zu vermiethen bei ___S. Elsoffer, Marktstraße. 4011 Sandgasse 27 eine Stube zu ver- miethen. Näheres_______Neuenweg 40. 3803 Das seither von Herrn Rechtsanwalt Dr. Muhl bewohnte Logis, Süd- Slnlage 9, Bel-Etage, ist zu vermiethen und per Oktober zu beziehen. Adolf Zintzer. 3897 Laden mit Logis pr. sofort zu vermiethen. Isaac Strauß, Wallthorstraße 15. 4. Heichelheim, flemerbebank zu fließen (eingetragene Genossenschaft). Die Mitglieder der Gewerbebank zu Gießen, e. G., werden zu der Montag den 23. Juni c., Abends 8 Uhr im großen Saale des Cafe Le»» dahier abzuhaltenden 25. oitiiil. General-VersammlHDg ganz ergebenst eingeladeu. Tages-Ordnung^ 1. Erstattung des Geschäftsberichts pro 1883. 2. Ersatzwahl der ausscheidenden Mitglieder des Aufsichtsrathes. (Siehe S 11 des Statuts und am Schluffe des gedruckten Geschäftsberichts) 3. Beschlußfassung/ über die Genehmigung der Jahres-Rechnung und über die dem Vorstande und Aufsichtsrathe zu ertheitende Decharge. 4. Vertheilung des Reingewinnes. 5. Ausschluß einiger Mitglieder. 6. Vergütung von Zinsen an einen Bürgen, dessen Einlage-Capital zur Tilgung einer Bürgschuld herangezogen wurde. Der Rechenschafts-Bericht pro 1883 liegt der Nr. 141 dss. Blattes bei Gießen, den 18. Juni 1884.