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Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 *)•'. Amtlicher Hheil. Bekanntmachung. Nach Verfügung Grobherzoglichen Ministeriums des Innern und det Justiz vom 12. l. M. ist die Jagd auf Feldhühner vom 20 d. M. an im ganzen Großherzogthum mit Ausnahme in den Kreisen Lauterbach, Alsfeld und Schotten eröffnet. Gießen, am 15. August 1884. Grobherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Boekmann. Politische Ueberflcht. Gießen, 15. August. Kaiser Wilhelm erfreut sich auch nach den Strapazen seiner nun beendigten diesjährigen Badereisen eines ganz außerordentlichen Wohlseins. Nach der täglichen Erledigung der Regierungsgeschäste und der gewohnten Vorträge, sowie der in den letzten Tagen mehrfach gewährten Audienzen sucht der hohe Herr zumeist Erholung auf Spaziergängen unter den herrlichen, reichen Schatten spendenden Bäumen des Parks auf dem Babelsberg. Wie es heißt, wird sich der Kaiser letzt erst über die eventuelle Annahme der an ihn ergangenen Einladungen zu größeren Festlichkeiten während der Manöver am Rhein definitiv entscheiden. Der am 21. October d. Js. stattfindenden Feier der Goldenen Hochzeit des Fürsten und der Fürstin von Hohenzollern, welche einen glänzenden Kreis gefürsteter Gäste in Sigmaringen versammeln wird, gedenkt der Kaiser bestimmt beizuwohnen. — Auch die Kaiserin residirt seit Dienstag in Babelsberg an der Seite ihres erlauchten Gemahls. Der deutsche Kronprinz kehrt in diesen Tagen aus England zurück, um als General-Jnspecteur der vierten Armee-Jnspection in Württemberg und Bayern Truppen-Besichtigungen abzuhalten, die kronprinzliche Familie wird dagegen noch einige Zeit in England verbleiben. Die Kaiser-Entrevue von Ischl wird anscheinend ihre Ergänzung durch die Zusammenkunft finden, welche dem Vernehmen nach doch noch zwischen dem Fürsten Bismarck und dem Grafen Kalnoky stattfinden soll. Entgegen bn Meldung der „Nat.-Ztg.", daß der Reichskanzler vorläufig Varzin nicht zu verlassen gedenke, weiß jetzt die „Post" zu berichten, daß die Begegnung zwischen ihm und dem Leiter der auswärtigen österreichischen Politik noch im Lause der nächsten Woche vor sich gehen soll, und zwar wird als Zusammenkunftsort Varzin genannt. Von osficiöser Seite liegt allerdings weder aus Berlin noch aus Wien bis jetzt eine Aeußerung über diese Angelegenheit vor. Die kirchenpolitische Srtuation ist durch die Aeußerungen, welche Herr v. Schlözer Über die Haltung der römischen Kurie in den Verhandlungen mit der preuß. Regierung gethan haben soll, wieder einmal in den Vordergrund des Tages-Interesses getreten. Bekanntlich hat der interimistische preußische Geschäftsträger beim Vatican, Gras Monts, dem KardinabStaatssecretär Jacobini gegenüber —- nach einer Meldung des amtlichen „Osservatore Romano" — den angeblichen Bericht des Correspondenten eines Hamburger Blattes über eine Unterredung mit Herrn v. Schlözer für „völlig unrichtig" erklärt. Trotzdem erhält sich in den Berliner politischen Kreisen die Auffassung, daß dieses Dementi nur eine durch die officiellen Beziehungen zwischen Preußen und dem Vatican gebotene Form ist, daß sich aber doch Herr v. Schlözer in einer Weise ausgesprochen habe, welche genugsam die Ergebnißlosigkeit seiner Mission beim Vatican kennzeichnet. Unter diesen Umständen dürften Diejenigen Recht behalten, welche behaupten, daß Herr v. Schlözer nicht wieder aus seinen Posten nach Rom zurückkehren werde und daß es überhaupt fraglich sei, ob derselbe je wieder definitiv besetzt werde. Die in jüngster Zeit zwischen Czechen und Magyaren sich bemerklich machenden Annäherungs-Versuche erfahren von dem „Pesther Lloyd" eine scharfe Verurtheilung. Das halbamtliche Organ des Cabinets Tisza pro- testirt energisch gegen eine ungarische Gemeinschaft mit dem Slavismus und prophezeit den Politikern in Prag, welche auf derlei Tendenzen speculiren, eine entschiedene Enttäuschung. In der That würden einem czechisch - magyarischen „Bündnisse" alle natürlichen Vorbedingungen fehlen und braucht man hierbei nur auf den Haß hinzuweisen, mit dem man in Ungarn Allem, was russisch heißt, entgegentritt, während die Zukunfts-Politiker an der Moldau so gern mit ihren „russischen Brüdern" liebäugeln. Der Berner Friedens-Congreß hat am vergangenen Samstag seine Verhandlungen beendigt. Dieselben sind im Allgemeinen ohne Mißklang verlaufen und nur der französische Antrag auf Neutralifirung Elsaß-Lothringens drohte die Harmonie zu stören, was man aber dadurch vermied, daß der Antrag gar nicht zur Diskussion zugelassen wurde. Im Uebrigen werden die Beschlüsse und Berathungen des Berner Congresses wohl nur „schätzbares Material" bleiben, denn an Verwirklichung der an sich ja nur zu billigenden Bestrebungen und Ideen seiner Teilnehmer ist unter den heutigen politischen Verhältnissen noch lange nicht zu denken. — Das Räuchern der in der Schweiz eintretenden Reisenden an der Grenze ist wieder eingestellt worden. Die Reise des russischen Kaiserpaares in das Innere des Reiches soll nun festbeschloffene Sache sein, allen Gerüchten über entdeckte nihilistische Verschwörungen und Attentate zum Trotz. Es heißt, daß sich die Majestäten zunächst nach Warschau begeben und von hier aus die Reise nach Moskau, Kostrowea und dem Lande der dänischen Kosaken fortsetzen würden- Als Zeitpunkt des Antritts der Reise wird der 24. August genannt. Die Bewegung anläßlich des an die Personen, welche durch das Bombardement in Alexandrien Schaden erlitten haben, zu leistenden Ersatzes nimmt größere Dimensionen an. In Kairo sand am Sonntag eine Versammlung der betreffenden Interessenten statt, in welcher beschlossen routoe, die Mächte um eine Kundgebung wegen endgiltiger Ordnung der Ersatzansprüche zu ersuchen. Da Deutschland und Oesterreich die Entschädigungsfrage erst zunächst bei der englischen Regierung in Erinnerung gebracht haben, so wird man in London die Regelung dieser Angelegenheit schwerlich mehr aus die lange Bank schieben können. Darmstadt, 13. Aug. Das Großh- Regierungsblatt Nr. 22 enthält: Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, die Aus» sührung des Gesetzes über die Anfertigung und Verzollung von Zündhölzern vom 13. Mai 1884 betreffend. Teiegcaphifche Depeschm. Wolff'S telegr. «orrespondeirz-Brrreau. Wien, 14. August. Das „Fremdenblatt" hebt bei einer Besprechung der Begegnung des Grafen Kalnoky und Fürsten Bismarck Folgendes hervor: Die Vereinigung der beiden großen Reiche diene ihren speciellen, sowie den allgemeinen europäischen Interessen und sei auf der Ächtung der fremden und auf der Behauptung der eigenen Rechte gegründet; sie wehre die Störung des Friedens ab und sei eifrig bemüht, alle Kräfte zu fördern, welche zum Schutze der Ruhe und Rechtsordnung der Continents zusammenwirken. Hieraus gehe hervor, daß weder Gras Kalnoky noch Fürst Bismarck active politische Zwecke für die Varziner Auseinandersetzungen in Aussicht nehmen konnten; es träte vielmehr in der Thätigkeit dieser beiden Staatsmänner gerade unverkennbar die Sorge um die Hintanhaltung von Actionen hervor, welche zu europäischen Verwickelungen führen könnten. Die Arbeit in Varzin werde dem Frieden dienen und gleichzeitig das Deutschland und Oesterreich-Ungarn verbindende Band noch fester schürzen, wozu es irgend welcher Abmachung nicht bedürfe. Die Ein- müthigkeit beider Minister und ihre gegenseitige rückhaltlose Offenheit seien wichtige Faktoren für die Fortführung des Friedenswerkes. Paris, 14. August. Präsident Grsvy hat sich heute früh nach dem Jura zurückbegeben, — Ende dieser Woche sollen sich 1500 algerische Schützen nach Tongking einschiffen, um die in dem dortigen Expeditions-Corps entstandenen Lücken auszufüllen. — Gegenüber den Berichterstattern verschiedener Blätter hat Stanley die Ansicht geäußert, daß die Freiheit des Congogebietes in Kurzem von allen Mächten anerkannt sein werde, wie dies bereits von den Vereinigten Staaten von Nordamerika geschehen sei und daß dieses Gebiet in gleicher Weise allen Nationen der Welt geöffnet sein werde. Der Congo würde eine Conföderation der eingeborenen Herrscher unter der Controls einer europäisch - amerikanischen Commission bilden. Er, Stanley, werde sich demnächst nach London begeben, um daselbst für seine Pläne zu wirken, gegen welche man sich in England allein ablehnend verhalte. Kasan, 14. August. Heute früh explodirte eine Pulverfabrik und setzte fünf angrenzende Gebauoe in Brand. Von den Arbeitern der Pulverfabrik haben zehn das Leben eingebüßt. Rom, 14. August. In den bereits inficirten fünf Provinzen kamen gestern 8 Cholerafälle vor, 4 Personen starben an Der Cholera. London, 14. August. In der Thronrede, mit welcher das Parlament vertagt wird, werden bie auswärtigen Beziehungen als sehr freundschaftliche bezeichnet. ES wird bedauert, daß die Anstrengungen erfolglos geblieben seien, welche von den zur Conferenz zusammengetreteoen Mächten gemacht wurden, um die Mittel zur Herstellung tes Gleichgewichts tn den Finanzen Egyptens zu finden, welche für die Wohlfahrt und die sichere Ordnung des Landes so wichtig sei. Weiter heißt eS: »Ich werde fortfahren, mit Gewissenhaftigkeit die Pflichten zu erfüllen, welche sich aus der Anwesenheit meiner Truppen im Nilthale ergeben, und hoffe, daß die besondere Mission, die ich nach diesem Lande zu senden beschlossen habe, mich materiell bet der Erwägung unterstützen wird, welche Rathschläge der egyptsichen Regierung zu ertheilen und welche darauf bezügliche Schritte zu thun sind". Es wird sodann die Verminderung der agrarischen Verbrechen tn Irland und die sichtliche Besserung der Lage deS irischen Volkes hervorgehoben und angeküntsigt, daß in der nächsten Zeit die Aufmerksamkeit der Gesetzgebung auf die wichtige Frage der Volksvertretung htngelenkt werden solle. Die Thronrede drückt die Befriedigung darüber aus, daß sowohl zahlreiche Anzeichen des Interesses des Volkes für diese Frage, als auch Beweise seiner loyalen Gesinnung gegen den Thron und der Achtung vor dem Gesetze zu verzeichnen seien. - Nach einer Meldung dkS »Reuter'lchen Bureaus" aus New - Yo^ hat Lieutenant Greely über die Angaben der.New-Aorker Times", nach welcher die lieber- lebenden der Expedition die Leichen ihrer Gefährten gegessen haben sollten, befragt, erklärt, daß, wenn solche Akte von Kannibalismus vorgekommen wären, sie nur ganz vereinzelt begangen sein könnten. Er wisse nichts von ähnlichen Handlungen. Greely habe zugegeben, daß er ein Mitglied der Expedition habe erschießen lassen, weil d^ Betreffende Lebensmittel entwendet gehabt habe. Dies seien aber gewöhnliche Lehens wittel gewesen, nicht Fleisch von Verstorbenen, wie die »New - York Times* behauptet habe. L pf a h * Gießen, 15. August. sJugendfest.j Mehr als ein Turn-, Gesang- ober Schützenfest ist dem Gießener sein Jugendfest an daö Herz gewachsen. Er kann und will ein Fest nicht missen, welches er von früher Jugend an gehegt und gepflegt hat. Was er alS Knave gefeiert unter R ü b s a m e n S Leitung, dem Vater der Jugendfeste, das will er auch seine Kinder mitfetern lassen und ist immer stolz, wenn ein Fest recht hübsch arrangirt und durchgeführt wird. Und daß letzteres der Fall war, muß Jeder bezeugen, welcher den Festzug durch die Stadt gesehen und dem frohen und munteren Spiele der Kleinen im Walde beigewohnt hat. Er muß stch sagen, daß das Comilö, spectell die Herren Lehrer, denen aller Dank gebührt, eineRiesenaufgabeglücklich gelöst haben. Ueber 2300 Kinder, wohlgeordnet und in Gruppen gethetlt, 6 Stunden lang zu führen, mit ihnen zu spielen und Jedem gerecht zu werden, dieses Ziel ist gestern wiederum erreicht worden. Punkt 1 Uhr bewegte stch der Festzug von Oswalds Garten durch die Marklstraße, Marktplatz, Schulstraße, Neuenbauen, Grünbergerstraße nach dem Phtlosophenwald. 2 Musikcorps, sowie das Tambour- und Pfetfercorps begleiteten den Zug, in welchem sich 25 Mädchen- und 29 Knabengruppen befanden. Im Walde angelangt, hielt nach Absingung eines Reigen Herr Lehrer Spitz eine zu Herzen gehende Ansprache an die Anwesenden. Der Wortlaut der Rede ist ungefähr folgender: „Wieder haben wir unsere Jugend unter dem grünen Blätterdache versammelt, damit sie im heiteren Spiel stch tummeln, den Kindern eine große Lust und Freude, dm Alten eine liebe Erinnerung an die Zeit, da auch ste Kinder waren und spielten. Ein Dreifaches ist es, was das Spiel hauptsächlich bezwecken soll, es soll den Körper kräftigen, den Geist erfrischen und die Liebe zur Eintracht wecken und fördern ES kräftigt und fördert nicht allein die physische Kraft und das Wachsthum, sondern auch die Gewandhett und Geschicklichkeit des Körpers und bringt diese Vortheile dem Kinde zum Bewußtsein. Aus dem Bewußtsein der zunehmenden Kraft entwickeln sich aber Muth und Entschlossenheit, Willenskraft und Ausdauer, Gehorsam gegen daS Gesetz. Was wäre wohl geeigneter, das Gemüth zu erheitern, als das Spiel. In geist- unb charakterbtldender Gemeinschaft erquickt und befriebigt es Herz unb Gemüth unb weckt Lebenslust und Lebensfreude. So laßt uns ein Geschlecht erziehen stark an Körper, frisch an Geist. Rur in einem gesunden Körper kann eine gesunde Seele wohnen. Wo mehrere zusammen spielen, da kommt das Spiel erst zu seiner vollen Geltung. Deshalb ist es besonders geeignet, die Liebe zur Eintracht zu erwecken, das Gefühl der Zusammengehörigkeit zu fördern. Durch das gemeinsame Spiel lernt das Kind die Wahrheit des Dichterwortes kennen: Immer strebe zum Ganzen und kannst du selber kein Ganzes werden, als bienendes Glied schließ an ein Ganzes dich an. Dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit, die Kinder sollen es mttnehmen in die Familie, In die Gemeinde, in den Staat. Wo eine größere Gemeinschaft bestehen soll, da muß Liebe und Eintracht die einzelnen Glieder beseelen. In der Eintracht liegt die Stärke eines Volks. Was das deutsche Volk vermag, wenn es treu zusammenhält, wir erkennen es, wenn wir daran denken, welche That es vollbrachte, als es in früher Zeit dem Cheruskerfürften gelungen war, deutsche Stämme zu vereinigen; wir haben es gesehen in letzter Zeit, als Volk und Fürsten sich um unfern Kaiser schaarten, den EroberungSgelüsten des alten Feindes zu wehren. Nicht nur war der Kampf für die Unfern eine ununterbrochene Kette von Siegen, brachte er uns doch auch als schönste Frucht die Wiedervereinigung der deutschen Brubrrstämme, als größte Errungenschaft bie Wieberaufrichtung des beutschm Kaiserreichs. So oft wir auch ber Wiebererstehung bes Kaiserreichs gedenken, ungesLwächt hallt in unseren Herzen ber Jubel wieber, Ktnber eines ungethetlten, mächtigen Vater- lanbes zu sein. Wahrlich! das beutsche Reich wird blühen unb gebeihen, so lange Volk und Fürsten treu zusammenhalten. Möge bas Banb ber Liebe und Eintracht, bas Volk und Fürsten verbindet, immer enger, immer mächtiger werden. Geben wir diesem Wunsche dadurch Ausdruck, daß wir auf unfern Kaiser, daß wir auf unfern Landesfürften ein Hoch ausbringen. Unser Kaiser Wilhelm, unser Großherzog Ludwig, sie sollen leben hoch! hoch! hoch! Hierauf wurde das Lied „Deutschland, Deutschland Über Alles" gesungen unb nun zogen die einzelnen Abtheilunaen auf ihre bestimmten Spielplätze, wo sich sodann ein Treiben entwickelte, wie es sich eben nur auf dem Jugendfeste entwickeln kann. Frohsinn, Heiterkeit und Wohlgefallen herrschte, bis gegen V26 Uhr ein hereinbrechendes überaus heftiges Gewitter dem Feste ein jähes Ende bereitete. Es regnete erst langsam, bann heftiger unb schließlich mit einer Vehemenz, als wäre eine erneute Sündfluth zu erwarten. Daß die Festesfreude durch solches unerwartete Er» eigniß gestört wurde, läßt sich in Anbetracht ber großen Anzahl Kinber wohl erwarten. Und boch möchten wir Hundert gegen Eins wetten, wollte man heute nach Überstandener Mühe und Angst Eltern und Kinder Über das fernere Abhalten des Jugend- festes abftimmen lassen, 99 pCt. würden dafür stimmen. — Zum Schluß können wir es uns nicht versagen, dem Comite des Jugendfestes und insbesondere den Arrangeuren des Festes, den Herren Lehrern, auch hier den herzlichsten Dank dafür außzusprechen. daß sie den Kindern und den Eltern derselben eine große Freude, wenn auch mit mühevoller Arbeit, bereitet haben. Ist das Fest zum Schluß auch durch daS Gewitter beeinträchtigt worden, so möge sie dies nicht entmutigen, im Jahre 1886 wiederum so frisch unb fröhlich an's Werk zu gehen, wie sie es dieser Tage gethan. Und damit Gott befohlen! Vermischte-. Friedberg, 13. August. Gestern starb plötzlich Geb. Kirchenrath Dr. theol. Schwabe. Derselbe hat 31 Jahre in unserer Stadt gelebt. Er war ein sehr beliebter Prediger unb Seelsorger und hat sich an beiden Semtnarien eine große Anzahl anhänglicher Schüler erworben. Zehn Jahre hat er das evangelische Prebigerseminar als Director geleitet. Sein Name ist unter den Theologen des evangelischen Deutschlands durch feine Arbeiten auf dem Gebiete ber praktischen Theologie weithin bekannt. Er war einer der fleißigsten Forscher und einer der gründlichsten Kenner deS evangelischen Kirchenliedes und ber Verfasser unseres Gesangbuchs, welches zu den besten gehört, bte bie evangelische Kirche Deutschlands besitzt. Er hat eingreifend auf die neueste Entwicklung ber evangelischen Kirche gewirkt. In den fünfziger Jahren, alS die Wogen der kirchlichen unb politischen Reaction hochgingen, hat er in Verbindung mit den besten Männern unserer Landeskirche die evangelische Conserenz gegründet und durch fein tapferes Vorgehen gegen alle Engherzigkeit, für die Freiheit und Selbstständigkeit der evangelischen Kirche mehr gethan, als vielleicht jetzt noch von vielen Seiten gesehen und erkannt wirb. Sein anregendes Vorgehen hat über die Grenzen unserer Landeskirche weit hinaus gewirkt unb bas Bestreben nach neuer Organisation derselben auf Grund deS GemeinbeprincipS mächtig geförbert. Für alle Zeiten bleibt Schwabens Name in ber Geschichte ber praktischen Theologie wie in ber Geschichte ber hessischen Landeskirche tief eingegraben. Er war ein Mann von hochherziger Gesinnung, auf welchen man das Götbe'fche Wort anroenben konnte: „Hinter ihm in wesenlosem Scheine lag, was uns Alle bänbigt, das Gemeine". Er war wohlwollenb unb fteunb- lid) gegen Alle, liebenswürdig gegen Reich unb Arm. Anspruchslos, hat er nie irdische Ehre und irdischen Gewinn gesucht, dagegen war er bereit, für Gott und Volk fein Bestes hinzugeben. Er zeichnete ßch durch eine glühende Vaterlandsliebe aus. Die Auferstehung des neuen deutschen Kaiserreichs hat thn um so tiefer ergriffen, als seine Jugenderinnerungen in die Empfindungen gleichsam eingetaucht waren, die das gebildete Deutschland in den Jahren 1806—1813 bewegten. Nie gehörte er einer Partei an. Dagegen hat er alle großen Bestrebungen, die auf das wahre Wohl des Volkes zielten, mochten sie von b?r Rechten ober Linken ausgehen, mit bem Einsatz feiner ganzen Persönlichkeit unterstützt. Tiefbewegt nehmen wir von dem edlen Manne Abschied unb sinb gewiß, baß sein Andenken unter uns noch lange im reichsten Segen fortleben unb fortwirken wirb. (£). A ) Worms, 9. August. In 3 Stunden 2 Minuten schwamm heute der Com- manbeur ber Militärschwimmschule zu Mannheim, Lieutenant v. Davans, vom 110. Infanterie-Regiment, von bort hierher — eine Leistung allerersten Ranges. Ein Sergeant unb ein Solbat in einem Kahne begleiteten für alle Fälle die Fahrt. Worms, 11. August. Ueber einen Mord, dessen Opfer am Freitag hier ge- ländet wurde, erfährt die „Pf. Z.": Nik. Netzer, 36 Jahre alt, Schneider von Waldsee, welcher im Verdachte stand, am letzten Dienstag seine 25 Jahre alte Ehefrau aus dem Wege geschafft zu haben und deshalb in Untersuchungshaft genommen wurde, hat heute vor dem kgl. Oberamtsrichter in Speier ein Geständniß dahin abgelegt, daß er am Dienstag mit seiner Frau den Rheindamm gegen Alttiff entlang gegangen und diese dort in den Rhein gestoßen habe. Sie sei noch einmal an die Oberfläche gekommen, allein er habe sie wiederholt hinuntergestoßen, worauf sie nicht mehr zum Vorschein gekommen sei. Heute Nachmittag war der kgl. Oberamtsrichter Schäfer von Speyer mit dem Mörder an Ort unb Stelle unb mürben bafelbft Blutspuren entbeeft, aus welchen zu schließen ist, baß Retzer feine Frau zuerst ermorbete ober boch stark miß- hanbelte unb bann in den Rhein warf. Rctzer ist feit einem Jahre mit ber Unglücklichen in zweiter Ehe verheiraihet unb sinb aus erster Ehe 6 kleine Kinder da, welche jetzt der Gemeinde Edenkoben, woselbst Retzer beheimathet ist, zur Last fallen. Mainz, 12. August. Die Ursache der Typhuserkrankung scheint jetzt endlich einigermaßen aufgeklärt worden zu sein. Der Brunnen tn dem Hause eines hiesigem Fabrikanten von künstlichem Selterswasser, au8 welchem dieser seinen Wafferbedarf deckte, soll die Ursache sein. Mehrere Personen, welche Wasser auS diesem Brunnen getrunken, erkrankten, ebenso wurden viele Personen, welche das mit Hilfe jenes Brunnens fabridrte Selterswaffer genossen, vom Typhus befallen. Der betreffende Fabrikant lieferte sein Selterswaffer auch in die Caserne, in welcher massenhafte Erkrankungen vorkamen, ebenso auch in ein hiesiges Restaurant, in dem mehrere Personen erkrankten, welche nachweislich von diesem künstlichen Selterswaffer getrunken hatten. Der betreffende Brunnen wurde sofort geschlossen unb ist damit hoffentlich weiteren Erkrankungen vorgebeugt. Marburg, 13. August. Bei dem Neubau der medicinischen Klinik stürzte heute ein Arbeiter so unglücklich, daß er in die chirurgische Klinik gebracht werden mußte. Wien, 11. August. Auf der Giselabahn überfuhr gestern Abend zwischen Werfen- und Sulzau ein Zug drei Ochsen und zwar mit solcher Heftigkeit, daß bas Speiserohr der Locomotioe gebrochen unb zwei Waggons au8 ben Schienen geschleubert worben waren. Der von Innsbruck gekommene Comierzug hatte in Folge der Verkehrsstörung fast eine Stunde in Werfen warten müssen. Die Ursache des Unfalles war folgende: In einem Nachmittags in Sulzau eingetroffenen Transportwagen waren von 16 Ochsen 4 zu Grunde gegangen, weshalb die übrigen auswaggonirt wurden. Während der Eigenthümer und dessen Knechte ihrer Verzweiflung über den Verlust Luft machten, verschwanden drei Thiere in dem abendlichen Dunkel unb rannten bis zum Profile 399, wo ste von der Maschine deS Wörgler Personenzuges erfaßt und zermalmt wurden. Pest, 10. August. Die jüngste Nacht gehört zu den schrecklichsten, die Pest je erlebt hat- Von 8 Uhr AbendS bis 7 Uhr früh wüthete fast ununterbrochen ein Ungewitter, Blitz und Donner wechselten fast unaufhörlich einander ab. Man wähnte sich mitten in ein Bombardement versetzt Dabei gingen stundenlang förmliche Wolkenbrüche nieder; bald erwiesen sich bie Canäle ungenügenb, bte ungeheuren Waffermaffew zu fassen unb von 10 Uhr angefangen, jagten einanber Melbungen von geborstenen Canälen bei ber Polizei, bie halb nicht genug Organe hatte, um die Feuerwehr mit Pumpen an bie bedrohten Stellen zu beordern. Ein schreckliches Bild der Verwüstung, so meldet ber „Fr. B.", bot heute Nachmittag noch bte Ofener Sette. In den breiten Gräben, bie zum Auffangen ber Bergwäffer bestimmt sinb, wälzten sich trübe Fluthen, die, stellenweise auStretend, die schönen Chausseen zum Theile tn Teiche verwandelten. In Ofen, Neustist unb Aliofen sehen manche Straßen rote Hochgebirgsschluchten au8- Die Straßenbahn mußte trotz ungeheuerer Anstrengungen ben Verkehr einstellm. Alle Etsenbahnzüge langten mit großer Verspätung ein. Die Bevölkerung besonders des rechten Ufers verbrachte die Nacht tn fürchterlicher Angst. In Neustift sind viele Häuser von herabstürzendem Gerolle zerstört, viele unter Wasser, gleichwohl ist ber Schaben an Privateigentum nicht bebeutenb, nur Commune und Straßenbahn haben größere Wieberherstellungskosten. — Aus ber Provinz langen nun ebenfalls nähere Details ein, welche der gestrige Wolkenbruch angeritbtet fjat. Am ärgsten mitgenommen wurde, ber ,,N. F. P." zufolge, die Strecke ber Oesterreichisch-Ungarifchen Staats- etsenbahn von Nagy-MaroS bis Waitzen. Alle an dieser Strecke liegenden Ortschaften litten mehr ober weniger durch das heftige Unwetter. Mehr als 70 Häuser wurden niebergerissen unb bereu Einrichtung von ben Wogen weggeschwemmt oder vom Stein- gerölle vernichtet. In Zebegeny fielen sieben Menschenleben den Fluthen zum Opfer. Etne kranke Frau und deren vier Kinder, ferner ein 15jähriger Knabe mit einem ihm anvertrauten Säugling kamen in den Wellen um. — Pasteur's Hundswuth-Expertmente sanden bte osficielle Zustimmung. Das „Journal offictel" veröffentlicht Den Bericht ber Commission, welche von bem Unter- richtsmtnister zur Prüfung ber von Pasteur erfunbenen Impfung gegen die Hunbsrouth eingesetzt worden war. Das Schriftstück besagt, baß alle von Pasteur angeführten Thatsachen sich durch angestellte Versuche vollkommen bestätigt haben; von 42 Hunden wurden 23 geimpft und diese mit ben restlichen 19 thetls birect von wüthenben Hunden gebissen, thetls burch Einimpfung des Virus toll gemacht. Die 23 geimpften Hunde biteben vollkommen gesund, indeß bei ben übrigen 19 bte Tollwuth in höherem ober geringerem Grade ausbrach. Pofen, 8. August. Gestern Nachmittag gelang es dem Löwen im hiesigen zoologischen Garten, während fein Käfig gereinigt wurde unb er inzwischen in ben Nachbarkäfig gesperrt wurde, aus dem letzteren, dessen Thür unvorsichtiger Weise offen geblieben war, auszubrechen. Die ungewohnte Freiheit schien dem Thier keineswegs zu behagen, denn nachdem es einige Augenblicke nach allen Seiten Umschau gehalten, schwang es sich mit einem mächtigen Satz auf den Ast eines Akazienbaumes, auf den es sich ängstlich niederbrückte. In Folge her starken Belastung brach der Ast indeß ab unb der Löwe stürzte hinunter, um gleich darauf von ben beherzt htnzugeeilten Wärtern mittels Schlingen gefangen und in seinen Käsig zurückgebracht zu werden. Die Gefahr war somit schnell unb glücklich beseitigt. 731) Ueber die H5he der Kosten, welche die Einrückung einer Anzeige in eine oder mehre Zeitungen verursacht, wird man sieh niemals enttäuscht sehen, wenn man von der Annoncen - Expedition von ÄlAASERJSTjElÄ- VOGUjISK in Frankfurt a. M. (Karlsruhe, Stuttgart oder München) zuvor Auskunft einfordert, die auch hinsiohts der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blätter auf Grund reichei Erfahrungen und gründlicher Beobachtungen zuverlässigen Bath erthellt Kirchliche Anzeigen der Stadt Gieften. Evangelische Gemeinde. Gottesdienst. 10. Sonntag nach Trinitatis, 17. August. Vormittags 8 Uhr: Candidat Knoll. Vormittags 9Vr Uhr: Pfarrer Dingeldey. Nach beiden Gottesdiensten Kollekte für die Werke der inneren Mission im Großherzogthum Hessen. Kinderkirche: fallt aus. Katechismuslehre für die Mädchen Vormittags 11 Uhr in der Kirche: Pfarrer Dingeldey. Abends 8 Uhr Bibelstunde in der Kleinkinderschule, Apoftelgesch. Kap. 13, von Vers 6 an, Pfarrer Dr. Naumann. Die Pfarrgeschäste in der Woche vom 17. bis 23. August besorgt Pfarrer Dingeldey. Katholische Gemeinde. 11. Sonntag nach Pfingsten. Von 6 Uhr an: Beichte. Um 7 Uhr: Frühmesse und Austheilung der bl. Commu-- nion. V2IO Uhr: Hochamt und Predigt. 2 Uhr: Sakramentalische Andacht. Gottesdienst in der Synagoge. Freitag Abend 6" Uhr, Samstag Morgen 8 Uhr, Samstag Mittag 4 Uhr, Samstag Abend 8* Uhr. Temperatur am 13, August (Mittags zwischen 11 und 12 Uhr). Wasserwärme der Lahn 17Va° R. — Luftwärme 17V? R. im Schatten. Rübsamen. „ä’b Ni AW* 11 ’»«n t;bn6«W । be* M «»’. "b" * V°dr°d,U"M«. «tahj*. °'l». "öchtk^d"» 'Wi»’ ,°US bieÄ ^Qti nba8 mit Ä** llm. 9)tr h Jen(8 1 welcher out, in \emQ enb^e ^USjSS^ LSZZ äSS ,UA„®Ä o rannten bis ,um e§ brfabt und zermalmt ^ckltchsten, btt P.st j, """erbrochen ein Un. °b. Man mShnte sich lNS förmliche holten» geheurenLLasiermasierr ngen Don gtborsteneu !® ,bte. ^uetmebr mit 5811b der Verwüstung, öfitt 3n den breiten M sich trübe Fluthen, u Teiche verwandelten. chgebirMchluchten ou6. Verkehr einstell,n. 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November 1883 ihre in Gemarkung Grünberg gelegenen Grundstücke Flur 1/161, 162, 163, 164, 215,7 denr Heinrich Obermann zu Angenrod wegen eines Darlehns von 7000 Mark und haben nunmehr, nachdem sie zustimmende Erklärung des Gläubigers beigebracht, Löschung des bezüglichen Hypothekeneintrags beantragt unter der Behauptung, das Darlehn sei überhaupt nicht hingegeben worden, die Hypothekurkunde aber in Verlust gerathen. Hiernach werden alle Diejenigen, welche AnsMche auü genannter Schuld- und Pfandverschreibung erheben, ausgefordert, solche binnen drei Monaten dahier anzumelden, andexn- salls die Löschung der Obligation erfolgt- Grünberg, den 13. August 1884. Groscherzogl. Amtsgericht Grünberg. Dr. Möbiu s. 5348 Montag den 8. September, Vormittags 10 Uhr, soll auf dahicsigem Ortsgericht die Hof- raithe des Heinrich Kappeler Flur XXVIII/128V10 469 Meter Hof- raithe auf dem Hegstrauch und Sandkauter Weg, „ xxvill/1287'io 856 Meter Grabgarten daselbst meistbietend versteigert werden. Gießen, den 2. August 1884. Großh. Ortsgericht. 5126 Müller. Neueste Damen- r. Haupt ist am 15 August von der Reise zurückgekehrt. 5346 Sänimtliche Rechnungen für das Jugendfeft bittet man bis spätestens am 16. d. M. elnzureichen. 5343 ___________________Das Comite. Heuchelheimer Kirchweihfest Sonntag den 17. und Montag den 18. Augufl. Einem verehelichen Publikum Gießens und Um aeqend zur Nachricht, daß ich für diese Tage die Wirthschaft des Herrn Kuder übernommen habe und findet an diesen Tagen Tanzbelustigung statt. Abends: bengalische Beleuchtung n. Feuerwerk (System Platte). Es ladet ergebenst ein Ph. Schneider 5344 ______________Zum Schützenhof. 5351 Ein guter Vorstehhund wird zu I 5352 Eine Schenkamme sucht Stelle faufen gesucht. Offerten bef. d. Exp. d. Bl- ■ Näheres in der Exped. d. Bl. 3995 Zwei gut rnöblirte Zimmer m vermiethen._________Louis Petr, III. , oFi? Im unteren Stock ein Logis" pr. I. October und ein einzelnes Zimmer pr. sofort zu vermiethen bei . ___G. 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