Nr. 131 Donnerstag den 12. Juni 1881 Gießen« Anzeig« Amts- md AkzeiMrtt für den Kreis Gießen. BteeMWt Sch»!straß« 7. Erschsmt tägtt«, mit Auinahm« d-z M«nta«s. PrM vieritljührlich 2 Mark 2V Sßf. mit »ringeriote, 1 p ' B Durch bte Post bezogen vrerteljährlich 2 Mar? 50 Pf. Kwllicher Pheit. Betreffend: DaS Ober-Ersatz-Geschäft für 1884. Bekanntmachung. Das Ober-Ersatz-Geschäft für 1884 wird im Kreise Gießen Montag den 7. Juli, im Rathhause zu Lich, Vormittags V29 Uhr, Dienstag den 8. Juli, in dem alten Nathhause zu Gießen, Vormittags V28 Uhr, Mittwoch den 0. Juli, daselbst, Vormittags V28 Uhr, Donnerstag den 10. Juli, im Gasthaus „Zum Rappen" zu Grünberg, Vormittags V28 Uhr, stattfinden. Es haben sich nach Maßgabe der besonders ergehenden Vorladungen an den genannten Tagen vor der Großherzoglichen Ober-Ersatz-Commission im Bezirk der 49. Infanterie-Brigade in sämmtlichen ÄushebungSorten zu gestellen: t L L hm«, i-* --- w" “»«**=■ c. die zur Ersatz-Reserve I. Klasse in Vorschlag gebrachten Militärpflichtigen; d. die von der Ersatz-Commission als tauglich und einstellungsfähig erkannten Militärpflichtigen, einschließlich derjenigen aus früheren Jahrgängen; e. die von den Truppentheilen zur Disposition der Ersatz-Behörden entlassenen Soldaten; f. die von den Truppentheilen abgewiesenen einjährig Freiwilligen. Den Großherzoglichen Bürgermeistereien werden besondere Ladungen für die Militärpflichtigen f. H. zugehen, welche den.Betreffenden unverzüglich zuzustellen sind. Der Vollzug der Ladungen ist innerhalb 8 Tagen anzuzeigen. Die Militärpflichtigen find außerdem anzuweiseu, ihre Loosungsscheine mit zur Stelle zu bringen. Die zur Beurtheilung von Reklamationen in Betracht kommenden Personen haben ebenfalls zu erscheinen. Sollte eine Ladung nicht vollzogen werden können, so ist der Grund hiervon berichtlich anzuzeigen und ist, wenn ein Militärpflichtiger von seinem bisherigen Wohnorte weggezogen ist, zugleich anzugeben, wohin derselbe verzogen ist. Die Großherzoglichen Bürgermeister haben bei dem Ober-Ersatzgeschäste selbst anwesend zu sein und sich darum zu bemühen, daß die Militärpflichtigen rechtzeitig zur Stelle sind. Gießen, am 12. Juni 1884. Der Civil-Vorsitzende der Großherzoglichen Ersatz-Commission des Kreises Gießen. Dr. Hoffmann, Regierungsrath. Politische Ueberstcht. Gießen, 11. Juni. Die Grundsteinlegung zum neuen Reichstags-Gebäude, welche am Montag in Berlin unter entsprechenden Feierlichkeiten vor sich ging, ist mit einem geschichtlich denkwürdigen Datum auf das Innigste verknüpft. Am 9. Juni 1871 unterzeichnete Kaiser Wilhelm das Gesetz, welches die Verewigung Elsaß-Lothringens mit dem deutschen Reiche aussprach. Die Wiedergewinnung dieser Provinzen, hieß es in der betr. Denkschrift, sei das erhebende sichtbare Ereigniß der gemeinsamen kriegerischen Action, durch welche Deutschland in Abwehr des französischen Angriffes aus seine Unabhängigkeit seine Einheit und Größe wiedergewonnen habe; jene Länder seien der Siegespreis der Kämpfe, in welchen alle deutschen Stämme mit- und nebeneinander geblutet hätten; sie seien das äußere Pfand der Einheit des deutschen Reiches, mit vereinter Kraft errungen, mit vereinter Kraft zu vertheidigen. Dreizehn Jahre sind seit diesem bedeutungsvollen Tage verfloffen und in diesem Zeitraum ist dem äußerlichen Aufbau des deutschen Reiches der innere Ausbau gefolgt und wenn auch diese Periode nicht ohne große parlamentarische Kämpfe vorüber- gegangen ist und außerdem dieser Ausbau noch keinesfalls seinen Abschluß erreicht hat, so ist innerhalb dieses Zeitraumes doch schon Bedeutendes erreicht worden. Mit Recht hat sich daher die Grundsteinlegung zu dem neuen Gebäude, in welchem dereinst das oberste Parlament seine Thätigkeit ausüben wird, in dem Rahmen einer auch äußerlich eindrucksvollen und würdigen Feier vollzogen und je größer die Schwierigkeiten gewesen sind, welche dem Bau des neuen Parlaments-Gebäudes in mannigfacher Beziehung entgegentraten, um so freudiger begrüßen wir es, daß es gelungen ist, alle diese Schwierigkeiten zu beseitigen. Unser greiser Kaiser selbst hat die ersten Hammerschläge zu dem Grundsteine des neuen Gebäudes gethan und diese symbolische Handlung giebt nach einer großen und bewegten Zeit einer neuen Epoche für das deutsche Reich die rechte Weihe. Und diese feierliche Handlung, sie vollzog sich unter dem Eindrücke jener glänzenden Erfolge, welche die deutsche Politik seit der Gründung des neuen Reiches vornehmlich nach Außen bis aus den heutigen Tag aufzuweisen gehabt hat, denn keinen Erdenwinkel giebt es, auf welchem sich der Einfluß Deutschlands nicht geltend machte; bis hinunter nach Südafrika erstreckt sich derselbe und recht bezeichnend für diese Machtentwickelung ist es, daß dem Feste der Grundsteinlegung die Abgesandten der Transvaal-Republik beiwohnten, welche nach Berlin gekommen sind, um mit dem deutschen Reiche einen Handelsvertrag abzuschließen. Mögen die parlamentarischen Vertreter unseres Volkes dieser Bedeutung Deutschlands und seiner Politik für den gesammten Erdkreis stets eingedenk sein und die kleinlichen Partei-Jntereffen, welche immer und immer wieder störend in die gedeihliche Entwickelung unseres Vaterlandes eingreifen, hintenan setzen — es wird dann auch die parlamentarische Arbeit noch schönere und segensreichere Früchte zeitigen. Der Reichstag hat am Dienstag seine Verhandlungen zunächst mit der Berathung des conservativen Antrages auf Abänderung des § lOOe (Innungen) der Gewerbeordnung wieder ausgenommen. Der Antrag gipselt br.rin, daß Innungen, welche in der Lehrlingsfrage praktische Erfolge zu verzeichnen haben, befugt sein sollen, solchen Meistern, welche der Innung nicht angehören, das Halten von Lehrlingen von einem gewissen Zeitpunkte an zu I untersagen. Ein ähnlicher Antrag war im Reichstage schon früher einmal ein* ! gebracht, aber ab gelehnt worden und dies,-wie uns dünkt, mit Recht, da derselbe bedenkliche Consequenzen nach sich ziehen müßte; leider ist der jetzige Antrag in der gestrigen Sitzung mit 157 gegen 144 Stimmen angenommen worden. Der am Sonntag in Karlsruhe abgehaltene badische nationalliberale Parteitag war von mehr als 3000 Theilnehmern besucht und hat eine von Kiefer und Eckhardt (Mannheim) begründete Resolution, welche die volle Zustimmung der badischen Nationalliberalen zu den in Heidelberg und Berlin be- schloffenen Resolutionen ausspricht, einstimmig angenommen. Der kroatische Landtag, welcher erst in voriger Woche zusammengetreten ist, hat bereits wiever eine jener Scandalscenen gezeitigt, welche gerade in der Agramer Landstube keine seltenen Erscheinungen sind. Wie üblich, ging der Scandal auch diesmal von der unter Führung des Abg. Starcevic stehenden radikalen Partei aus und hatte sogar eine Forderung des Abg. Starcevic von Seiten des der Regierungspartei angehörigen Abg. Josipovic zur Folge. Ein Duell sand indeß nicht statt, da Starcevic erklärte, daß er nicht die Absicht gehabt habe, die Majorität zu beleidigen und daß er bereit sei, Abbitte zu leisten. Die erregten Verhandlungen der sranzösischen Deputirtenkammer über die Verwaltung Korsikas haben am Samstag mit der Annahme der vom Conseilpräsidenten Ferry verlangten einfachen Tagesordnung geendet. Herr Ferry hat sonach den Angriff, welchen die vereinigten Gruppen der Radikalen und Monarchisten gegen ihn unternahmen, abgewiesen, aber allzuglänzend ist dieser Erfolg nicht. Die Kammer-Verhandlungen haben dargethan, daß in der korsikanischen Verwaltung Manches faul ist und dieser Eindruck ist auch durch die ministeriellen Erklärungen nicht abgeschwächt worden. Wenn trotzdem die Kammer-Majorität der Regierung ihr Vertrauen ausgedrückt hat, so ist das eben ein Beweis, wie feste Wurzeln das gegenwärtige französische Ministerium auch auf dem schwankenden parlamentarischen Boden gefaßt hat und dies liegt in der erfolgreichen auswärtigen Politik Ferry's begründet. Dieselbe feiert soeben einen neuen Triumph, denn nach übereinstimmenden Meldungen aus Paris und London ist nunmehr in der Conferenzsrage ein Einverständniß zwischen Frankreich und England erzielt worden. Dem Vernehmen nach basirt dasselbe auf einer Fixirung der Dauer der englischen Occupation in Epypten und der Annahme einer internationalen Finanzcontrole, was also die Annahme der französischen Forderungen Seitens Englands bedeutet. Die diplomatische Action, welche die englische Regierung beim König Johannes von Abyssinien eingeleitet hatte, um denselben zu einer Diversion zu Gunsten der egyptischen Garnisonen im Sudan zu bewegen, scheint voltständig gescheitert zu sein. Admiral Hewett, welcher mit dieser Mission beauftragt war, soll von dem abysstnischen Herrscher gar nicht vorgelassen worden sein. Wie das in Kairo erscheinende Journal: „Der egyptische Bosporus" meldet, hat König Johannes erklärt, er müsse es bestimmt ablehnen, den Garnisonen im Sudan durch seine Truppen Hülfe zu bringen.und ebensowenig könne er den Durchmarsch englischer Truppen durch abyssiuisches Gebiet gestatten. Das ist ein empfindlicher Schlag für die Gladstone'sche Politik, um so empfindlicher, als gerade jetzt osficielle Meldungen aus Suakim besagen, daß sich Berber den Aufständischen ergeben habe. Ein Theil der egyptischen Garnison sei hierbei vom Feinde niedergemacht worden, der andere zum Feinde übergegangen. Man kann hiernach beurtheilen, welchen Werth die schönfärberischen Berichte haben, welche der Gouverneur von Dongola noch jüngst über die Lage von Khartum und Berber in die Welt sandte. Vielleicht wird der Fall von Berber dazu beitragen, das Project einer Verwendung türkischer Truppen im Sudan zu verwirklichen. In dieser Beziehung wird jetzt bekannt, daß Lord Granville, der englische Minister des Auswärtigen, an die Pforte eine Note gerichtet hat, in welcher die Türkei aufgefordert wird, die egyptischen Häfen, speciell diejenigen des Rothen Meeres, und den Sudan mit ihren Truppen zu besetzen. Lord Granville soll sich bei dieser Aufforoerung auf die Souveränetätsrechte des Sultans über Egypten gestützt und erklärt haben, daß der Sudan für Egypten keine Wichtigkeit habe. Eine Antwort der Pforte ist in London noch nicht eingetroffen. Mit Stimm en-Mehrheit hat die republikanische Convention in Chicago den Senator Blaine als den Candidaten der republikanischen Partei bei den nächsten Präsidentschafts-Wahlen in der nordamerikanischen Union pro* klamirt. Die Versammlung hat sich über die Candidatur Vlaine'ä allerdings erst nach langen Verhandlungen und verschiedenen Wahlgängen einigen können, denn im Ganzen waren für den Poften des Präsidenten 6 Candidaten vorgeschlagen und merkwürdige Jntriguen sollen sich bei dem Wahlacte abgespielt haben. Darmstadt, 9. Juni. Der Gesetzgebungs-Ausschuß zweiter Kammer beantragt gegenüber dem avlehnenden Votum der ersten Kammer auf dem früheren Beschluß wegen erschöpfender Revision unserer Jagdgcsetzgebung zu beharren. —1 Darmstadt, 10. Juni. sZwette Kammer der Landstände.j Nach Eröffnung der heutigen Sitzung setzte der Präsident die 2. Kammer durch Verlesung eines Großh. Schreibens offictell von dem Mintsterwechs.l tn Kenntntß, worauf Mtmstertal- präsident Finger mit auödrückl chrr Ermächtigung Sr. König!. Hoheit des Groß- Herzogs die Erklärung abgab, baß die Geschäfte des Landes tn dems-lden Geiste und Sinne, wie schon feit beinahe zwölf Jahren, weiter fortgeführt würben, da Seine Königliche Hoheit der festen Ueberzeugung sei, daß diese Art und Weste der Geschäftsführung dem Lande nur zum VortheU gereiche. Diese Erklärung wurde mit lebhaftem Beifall begrüßt. Nachdem die Wahlen des Forstmeisters Dtttmar für den 3. Wahlbezirk der Provinz Oberhessen und des Abgeordneten Hanftetn für den 5. Wahlbezirk für gültig erklärt worden waren, wurden die Interpellationen des Abgeordneten Lautz, betr. die Fahrbtllets bet ber Hessischen Lndwigsbahn, und der Abgeordneten Schaum, Ellenberger und Haas, betr. die Baumpsianzungen an den Staatsstraßen, insbesondere an der Staatsstraße von Büstngen bis zur Landesgrenze vor Lieblos tn günstigem Sinne von der Regierung beantwortet. Auch bet der Interpellation des Abgeordneten Grünewald, betr. die Unterschlagungen des Gerichtsvollziehers Schwarz,zu Alsfeld, stellt Großh. Regierung Abhülfs tn Aussicht bet Anwendung mehrerer näher angegebenen Mittel, glaubt aber, daß außerdem eine größere Vorsicht Seitens der Auftraggeber geboten erscheine, worauf noch Abgeordneter Grünewald sich für Stellung einer Cautton von über 600 JL und für eine bessere Auswahl der Personen, ev. durch Erhöhung der Anforderungen für das Examen ausspricht. Weiter wurde noch eine Interpellation des Abgeordneten Reinhart, die Erhaltung der Baudenkmäler des Landes betr., durch Herrn Regterungscommrssär Weder drantwottet und tn dieser Antwort heroorgehoben, daß die Regierung demnächst tn reist che Erwägung ziehen werde, ob und inwiefern die Erhaltung und Unterhaltung von Baudenkmälern durch Gesetz zu regeln sei. Bezüglich des Berichts des 3. Ausschusses über die Bitte mehr-rer Civilbeawten wegen nochmaliger Eröffnung der in den Bekanntmachungen vom 4. D-cembrr 1874 bezüglich der Berechnung der Dienstzeit der nach dem Edict vom 12. April 1820 vensionsberechtigten Ctvtlbeamten vorbestimmten Fristen wurde ohne Debatte der Ausschußantrag angenommen, dahin gehend: Hohe Kammer wolle beschließen, Großh. Regierung zu eisuchm, die in dem Gesetz vom 12. November 1874, Art. 12, vorge- schriebenen Präklusivfristen nochmals auf drei Monate zu eröffnen. Bet Berathung über die Beschwerde der Jndustrtellrn und Bewohner der Gemeinde Mombach wegen Erhebung von Werftgebühren tn dem Floßhafen der Stadt Mainz, theilt Ministerialrath Lotheisen im Auftrag der Regierung mit, daß die Regierung deßhalb nicht schon in die Sache eingegriffen habe, da die Stadt Mainz behaupte, ctvilrechtlich zur Erhebung dieser Gebühren berechtigt zu sein; eS sei aber für die Gemeinde Mombach ein Leichtes, vor den Gerichten ihr Recht zu verfechten. Von Seiten des Abgeordneten Küchler wurde nun der Antrag gestellt: »Hohe Kammer wolle beschließen, Großh. Regierung zu ersuchen, auf Grund des Art. 195 der Städteordnung zunächst auf dem Verwaltungsweg über die Zulässigkeit dieser Werftgebühren zu entscheiden", und fiel in Folge der einstimmigen Annahme dieses Antrags der diesbezügliche Ausschußantrag weg. Der Antrag der Abgeordneten Mö Hing er und Haas, Aufnahme eines um 2000 höheren Betrags für den Gehalt des Vorstehers der landwtrthschaftlichen Versuchsstation in das nächste Staatsbudget betr., ferner das G such der Großh. Bürgermeisterei Friedberg, die Verwilligung von Geldmitteln zur Bestreitung der Kosten für die Ausfertigung der Etgenthumsurkunden nach vollzogener Zusammenlegung der Grundstücke tn dortiger Gemarkung betr., wurde für erledigt erklärt. Ebenso wurde der Antrag Mölltnger, das Landstreicherwesen betr., durch Annahme des Ausschußantrags erledigt und somit Großherzogl. Regierung ersucht, tn ihren auf Verminderung des Vagavtenthums gerichteten Bestrebungen wirksamst fortzufahren. Nächste Sitzung Mittwoch den 11. Mai. Darmstadt, 10. Juist. Die „Darmst. Zig." schreibt: In der heutigen vertraulichen S'tzung her 2. Kammer der Stände wurde, gutem Vernehmen zufolge, von dem Vorsitzenden des Staatsministeriums ein an diesen gerichtetes Schretben Seiner König!. Hoheit deS Großherzogs zur Kenntniß der Kammer gebracht. In diesem Schreiben ist die Veranlassung zu dem Rücktritt des Staatsministers Frhrn. v. Starck berührt, der Entschluß Sr. König!. Hoheit des Großherzogs, daß die politischen Geschäfte in dem seitherigen Sinne und Geiste fortgeführt werden sollen, kundgegeben und die Mittheilung enthalten, daß es der feste Wille Sr. König!. Hoheit des Großherzogs sei, so bald als möglich die gerichtliche Scheidung der von Allerhöcbstoemsilben geschlossenen, thatsächlich bereits getrennten Ehe herbetzusühren. Eine wettere Verhandlung über den Gegenstand dieser Mittheilung fand nicht statt. Telegraphische Depesche«. Wolst'S telrgr. Gorrespo»dsm-B«rea«. Berlin, 10. Juni. Seine Majestät der Kaiser conferirte heute Nachmittag mit dem Chef der Admiralität, Generallteutenant v. Caprivi und folgte demnächst einer Einladung des Fürsten Reichskanzlers zum Diner. — Heute Mittag fand der Festzug der hiesigen Schuhmacherinnung aus Anlaß de« sechshundertjährtgen Jubiläums dieser Innung statt und nahm einen überaus glänzenden Verlauf. In dem über 8000 Personen zählenden Zuge befanden sich gegen 40 andere Innungen und viele auswärtige Deputationen mit Bannern, Fahnen und Enblemen, — alle Theilnehmer waren in festlichem Anzuge und mit Kornblumen geschmückt erschienen. Die einzelnen Abtheilungen wurden von Musikcorps und Marschällen mit Stäben begleitet. Der Vereinsoorstand der Altmeister erschien in Wagen, von Ehrenjungfrauen umgeben. Ganz vortrefflich gelungen war der historische Theil des Zuges, welcher die Entwicklung des Schuhmachergewerks von 1284 an darstellte. Als der Zug, der seinen Weg die Linden entlang und durch die Wilhelmsstraße nahm, an dem Kaiserlichen Palais vorüberkam, erschienen Seine Majestät der Kaiser und Se. K. K. Hoheit der Kronprinz auf dem Balkon, um den Zug an sich vorüber- zieheu zu lasten. Nicht enden wollende Hochs ertönten zur Begrüßung des Kaisers und des Kronprinzen, alle Fahnen und Banner senkten sich und die Musikcorps spielten die Nationalhymne. Auch Fürst Bismarck, der mit seiner Familie bei dem Vorbei- vassiren des Zuges an die Fenster seines Palais trat, wurde mit stürmischem Jubel begrüßt. — Die Commission für die Berathung des Actiengesetzes hat in zweiter Lesung unverändert die Bestimmung angenommen, daß Actien auf Namen auf mindestens 10U0 Jt. und solche auf Inhaber auf mindestens 5000 JL lauten müssen. Die drei Anträge: den Minimalbetrag beider Arten Actien auf 1000 JL festzusctzen, — die Beschränkung des Minimalsatzes auf 200 JL für Actien von gemeinnützigen Unternehmungen zu streichen, — das Erforderniß der Genehmigung seitens des Reichskanzlers zu beseitigen, wenn im Falle eines örtlichen Bedürfnisses Actien unter 1000 JL zugelassen werden, — wurden abgelehnt. - Die Commission für das Unfallgesctz hat mit der Verlesung deS von dem Abgeordneten Freiherrn v. Hertling ausgestellten Berichts begonnen. — Der Reichstag trat heute zu der ersten Sitzung nach Pfingsten zusammen. Als erster Gegenstand der Tagesordnung kam zunächst der von dem Abgeordneten Ackermann gestellte Antrag, betreffend die Abänderung der Gewerbeordnung, zur Berathung. Der genannte Abgeordnete begründete seinen Antrag, welcher das Handwerk consolidiren wolle, damit dasselbe den Kampf gegen das Großkapital aufnehmen könne; es handle sich hierbei nicht um Wiederherstellung des mittelalterlichen Zunftzwangs, sondern darum, für freie Organisationen und corporative Verbände Raum zu schaffen. — Der Abgeordnete Meyer (Jena) sprach gegen den Antrag, der nicht die allgemeine« Standesintercssen fördere, sondern lediglich den Jnnungsmttgliedern gewisse Standes- interessen sichern wolle. Ueberdies schwebe der Antrag ja tn der Luft, weil das Verbot des Haltens von Lehrlingen leicht zu umgehen sei. — Nach dem Abgeordneten Meyer erhoben sich die Abgeordneten Majunke und Lohren für den Antrag, während der Abgeordnete Baumbach ebenfalls gegen denselben sprach. Demnächst erklärte der Bundes- commissar, Geheimer Rath Lohmann, daß die Regierung noch keine Stellung zu dem Anttage genommen habe, für dieselbe aber auch keine Veranlassung oorliege, von dem in der Vorlage von 1881 eingenommenen Standpunkte abzugehen. — Nachdem alsdann noch der Abgeordnete Retter gegen den Antrag und die Abgeordneten v. Kleift-Rctzow und Windthorst für denselben gesprochen hatten, wurde der Antrag in erster und darauf auch in zweiter Lesung bet namentlicher Abstimmung mit 157 gegen 144 Stimmen angenommen. — Morgen wi:d der Reichstag über den Antrag des Abgeordneten Windthorst, betreffend die Aufhebung des Gesetzes über die Verhinderung der unbefugten Ausübung von Kirckcnämtern, berathen. Berlin, 10. Juni. Unter dem Vorsitz des Staatsministers v. Bötticher wurde sm 9. Juni eine Plenarsitzung des Bundetzraths abgehalten. Der Großh. hessische Mtnisterprgsident Finger ist zum Hauptbevollmächtigten für Hessen ernannt worden. Von ber Vorlage, betreffend die Uebersichten der Ergebnisse des HeereS-Ergänzungs- Geschäfts für das Jahr 1883, nahm die Versammlung Kenntniß. Den zuständigen Ausschüssen wurden zur Vorderathung überwiesen: Die Vorlage, betreffend die Besitzung einer Senats-Präsidenten- und einer Raths-Stelle bet dem Reichsgericht, sowie die Gesetzentwürfe wegen Abänderung deS § 802 der Ctvilproceßordnung und wegen Beschaffung eines TtmstgebSudes für das Generalconsulat in Shanghai. Dem Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Einziehung der mit dem Datum vom 11. Juli 1874 ausgeferttgten Reichskassenscheine, ertheilte die Versammlung die Zusttmmuna. Ablehnend beschteden wurde eine Eingabe, betreffend Erhöhung des Wittwen- und Waisengeldes, sowie ein gegen die Versetzung in den Ruhestand und gegen die Berechtigung des Ruhegehalts erhobenes Rekursgesuch. Nachdem für die Beratungen im Reichstage mehrere Commiffarien gewählt worden waren, faßte die Versammlung schließ! ch Beschluß über die geschäftliche Behandlung zahlreicher Eingaben von Privaten. Berlin- 10. Juni. Den „Berl. Polit. Nachr." zufolge ordneten die Minister des Handels, der Arbeiten und der Landwirthschaft zur Berathung wichtiger gewerblicher Angelegenheiten eines Bezirks, die Abhaltung von Con- ferenzen der Negierungs-Präsidenten mit Vertretern der Landwirthschaft, des Handwerks, der Industrie und des Handels. Die Conserenzen sollen nach Bedarf in der Regel vierteljährlich stattfinden. Die Mitglieder der Conferenzen werden von den landwirthschaftlichen Provinzial-Vereinen, den Jnnungsverbänden, den Handelskammern, sowie anderen durch die Minister zu bezeichnenden Cor- porationen auf 3 Jahre gewählt. Einzelne Personen können von diesen auch direct berufen werden. — Die Transvaal-Deputation machte Nachmittags Bismarck und den activen Ministern Abschiedsbesuche. Die Deputation reiste, vom Geh. Legations- rath Kusserow zum Bahnhofe geleitet, Abends nach Amsterdam ab. — Die Großherzogin von Baden ist heute Abend nach Karlsruhe abgereist. Wien, 10. Juni. Proceß gegen den Anarchisten Stellmacher. Der Angeklagte wurde in allen Punkten der Anklage für schuldig erkannt und zum Tode verurtheilt. London, 10. Juni. Unterhaus. Der Unterstaatssecretär des Auswärtigen, Fitzmaurice, erklärte in Beantwortung verschiedener Anfragen, die Regierung habe dem Vorschläge der Pforte, Crestowitch zum Generalgouverneur von Ostrumelien zu ernennen, zugestimmt. Der amerikanischen Regierung seien von Seiten des englischen Cabinets Vorstellungen in Betreff der Dynamit- Verschwörungen gemacht worden. Admiral Hewett habe berichtet, daß er am 27. Mai eine Unterredung mit dem Könige von Abyssinien gehabt habe, die sehr befriedigend gewesen sei und daß er beabsichtige, am 1. Juni die Rückreise anzutreten. Der Premier Gladstone erklärte, daß die Gerüchte, die englische Negierung habe der Türkei vorgeschlagen, Truppen nach Egypten oder nach dem Sudan zu senden, unbegründet seien. (Beifall). Die Regierung habe mit der Türkei in Betreff der bereits in dem veröffentlichen Blaubuche erwähnten Frage, nämlich wegen gewisser Häsen des Rothen Meeres, Unter* Handlungen gepflogen, doch hätten dieselben keine Fortschritte gemacht.__________ Lokales. G. Gießen, 11. Juni (Sterblichkeit in Gießen.) Die Sterblichkeit in unserer Stadt war während der Woche vom 1. bis 7. Juni wieder eine etwas erhöhte. Es ereigneten sich im Ganzen 12 Todesfälle, davon 7 bei Kindern, 5 bei erwachsenen Personen. 3 Kinder befanden sich noch im ersten Lebensjahre und ftaib eins vavon kurz nach der Geburt an allgemeiner Schwäche, ein anderes an Bronchienentzündung, eins an Krämpfen. Von 4 schon älteren Kindern starben 2 an Bronchienentzündung, eins an Krämpfen, eins an Nierenentzündung. Bet den Erwachsenen war Todesursache: Lungenschwindsucht zweimal, Lungenentzündung, Knochenfraß, Altersschwäche je einmal. Gießen, 11. Juni. Wie vor einiger Zeit in diesem Blatte schon mitgetheilt, findet baö diesjährige volksthümliche Wettturnen des Gaues Hessen mit seiner Jugendlust, seinen Spielen und Wettkämpfen am 15. Juni er. auf der schönen und geschichtlich interessanten Burg Münzenberg bei Butzbach statt. Auf denn, Ihr frischen fröhlichen Turngenossen, kommt ausgerüstet mH edlem Wetteifer und zeigt, daß Ihr im langen Winter nicht müßig gewesen seid die Kraft der Arme und Beine, sowie die Tüchtigkeit des ganzen Leibes zu erproben! Aus dieser stolzen Burg gilt es nächsten Sonntag zu beweisen, daß Ihr unermüdlich seid in dem Streben, Eure Leiber auszubilden, um auch im Stande zu sein, in allen vorkommenden Fällen des menschlichen Lebens als ächte deutsche Männer Eure Pflichten erfüllen zu können. Hoffend daß Jup'ter Pluvius auch Einsehen habe, möge ein frischer Hauch von Jugendlust unser Fest durchdringen und die Anwesenheit vieler Turnfreunde bemfelbtn den Glanz ächter Volksthümlichkeit verleihen. Ein einfaches gemeinschaftliches Mittagessen ä Couvert 1 JL, ist Nachmittags IVs Uhr bei Wirth Jäger in Münzenberg vorgesehen. Der Gießener Turnverein wird sich in der Turnhalle versammeln und Morgens präcis 5 Uhr abmarschiren. — Die Wettturner fahren per Bahn 632 Morgens nach Butzbach, von da zu Fuß nach Münzenberg. Vermischtes. Ems, 7. Juni. Auf der am 29. Juni hier stattfindenden Kaiserregatta werden vier Rennm abgehalten werden. Dazu haben sich gemeldet im Skiff für Juniors die Rudergesellschaft Germania, die Rudergesellschaft Oberrad, der Frankfurter Ruderverein; I tm vierrudrigen Outrtgged-Raceboote beim Start um den Katserpreis der Berliner Ruder-Club, die Coblenzer Rudergefellschaft, dte Frankfurter Rudergesellschaft Sachsen, Hausen und dte Rudergesellschaft Germania; im vterrudrtgen Dollenboote der Berliner Ruder-Club, der Coblenzer Ruder-Club, bte Gießener Rudergefellschaft und der Wetzlarer Ruder-Club, und ferner im vterrudrtgen Dollenboote für Juniors die Düsseldorfer Rudergefellschaft, die Frankfurter Rudergefellschaft Sachsenhausen und die Frankfurter Rudergefellschaft Germania. Die vorgesehenen Skiffrennen für Seniors und Rennen für zwerrudrige Dollenboote fallen aus, weil nicht genügend Nennungen vorliegen. Für sämmtliche oben angegebene Rennen finden Versuchsrennen statt. (HypothckeiicommlssLre :c.) haben, nach einem U-thell de« R-lchSgerichtS, I CwIIsenatS nom 16 Ap-1l b. 5, Im GUIungSberetch sowohl des An ' n'U«?fln^'t6t?r alS beS Gemeinen Rechts nur dann einen Anspruch aus Mäkiergebühr (Proolsioni, wenn baä vom MSkl-r zu vermittelnde Geschäft zu Stande gekommen ist. Es b-dars daher bet Ertheilung eines VermittlunaSaustraaS ^5,tler telnÄasU«r?Ä£tI Abmachung, daß die Provision nur sürd-nFall des Zustandekommens des GeschSsts zugesichert werde, vielmehr ist diese Bebinguno K* ÄS ■S!r«Ä g-w-rbsmäblg Mäkl-rgeschäjt- treibenden Person -rth-ilt ro.kb/ “f® selbstverständlich überall da als gestellt anzusehen, wo nichts anderes ver- ^-rner ist bet MSklervertrSgen, wenn dte Vertragschließenden nicht aus- druckltch darüber verabredet haben, nach der Natur des Geschäfts als verabredet anzusehen daß dem Auftraggeber der Widerruf des Auftrags fretsteht. Dieser Widerruf kann ausdrücklich oder durch concludente Handlung^ (durch rrustande- brtngen des Geschäfts durch eigene Thätlgk.it oder durch einen anderen Commissionär) vl T UlQvH, , .Ein Kauf von Sachen deS Schuldners in der Absicht, eine Forderung zu sichern weil sich in der Form der Pfandbestellung die Sicherung nicht oder unter Schwierig! £ c$ieIen ist dieses Beweggrundes wegen, nach einem Urtheil des Reichsgerichts V. Civilsenats, vom 19. April d. I., nicht ohne Weiteres als Simulation zu betrachten und anfechtbar. (R.-A-) München, 6. Juni. Im Starnberger See hat man gestern die Leichen zweier lungen Leute von hier, eines Liebespaares, das sich offenbar selbst den Tod gegeben aufgefunden. Der 21jährige junge Mann ist der Sohn eines hiesiges Bankiers, das lunge Mädchen war in dem Banktergeschäft als Comptoirtftin angestellt, die Eltern des jungen Mannes wollten das Liebesverhältniß zwischen Beiden nicht dulden das Mädchen wurde aus seiner Stelle entlassen, das Liebespaar reiste nach Tutzing und suchte und fand den Tod im See. Jetzt, nachdem das Unglück geschehen, ist der Schmerz der Eltern natürlich groß. - Wie das „Amberger Tagbl." meldet, wurde am 2. d. M- der Kontgl. Forftgehilfe Chr. Pürner, ein braver, pflichtgetreuer Mann, im Walde bet Mitterteich von Wilderern erschossen. - In Geisenfeld stach am nämlichen Tage ein GürtlerSsobn einen Dienstkneckt am Fuße der Mariensäulr ohne alle Veranlassung mit dem „im Griff fiststehenden Messer" derart in die linke Brust, daß derselbe binnen wenigen Minuten eine Leiche war. — Wie der Barmer „St. berichtet, wollten am zweiten Pfingsttage Nachmittags mehrere Knaben bo t ein Probeaufhängen machen. Der<13 Jahre alte Sohn eines Händlers aus der Tannenstrahe machte den Versuch zuerst: derselbe sollte aber böser Ernst werden, denn als die andern nachsahen, war er schon tobt. Bremen, 7. Juni. Der Lloyddampfer „Main" ist in Falmouth eingebracht worden. An Bord befindet sich alles wohl. — An Bord des soeben von New-York in Southampton angelangten Lloyddampfers Eider hat während der Uebe. fahrt auf hoher See am 4 ds. ein Concert stattgesunden, daß der hiesigen „deutschen SeemannSkaffe" gegen 2000 eingetragen hat. Der „Weser-Ztg" geht darüber folgende Nachricht zu: Die Concertgeberin war Niemand anders als Minnie Hauck, unterstützt von dem deutschen Consul in Boston Srb. Schl finger, dem berühmten amerikanischen Krösus Astor und anderen Dilettanten. Das Programm enthielt Nummern aus „Lohengrm", „Carmen" und „Don Juan", trotz des ewigen Schwankens des Dampfers aufs Prächtigste vorgetragen von der berühmten Sängerin; ferner P ano- und Orchefter- vorträge, letztere gespielt von dem neun Mann starken Schiffsorchester; Consul Schlesinger trug einige seiner eigenen Compositionen, ein Herr Pollitz aus Frankfurt eintge Schubrrt'sche und Schumann'sche Lieder vor. Minnie Hauck erhielt vom Offiziercorps der Etdsr ein prachtvolles, aus Hol; äußerst kunstfertig geschnitztes Bouquet. — (Ein bestrafter Geizhals.j In einer etliche Stunden von Wien gelegenen Stadt hatte sich ein neuer Bürger niedergelassen, von dem man wissen wollte, daß er sein anscheinend nicht unbedeutendes Vermögen durch eine Geschäftspraxis erworben habe, bte seit Erlaß des neuen Wuchergesetzes leicht mit dem Staatsanwalt inCorisfict bringen kann. Daß Herr L. sein erworbenes Gut sorgsam hütete, unterlag keinem Zweifel. Er wog den Kreuzer zehnmal in der Hand, bevor er mit ihm selbst eine nothwendige Ausgabe bestritt. Er wohnte allein, lebte kümmerlich und hatte nur eine Passion: sein Geld zu zählen und es dann wieder sorgfältig in seiner Wertheimischen zu verschließen. Am ersten Pfingstfeiertag hatte er sich einmal wieder an seinen Goldfüchsen sattgesehcn und bei Revision der verschiedenen Fächer ganz wider seine Gewohnheit den Kassenschlüssel in die Kasse filbff gelegt. Als sich die wohlgezählten Häupter seiner Lieben wieder in ihren Fäch-rn befanden, erschreckte ihn der Ton der Hausschelle und in unwillkürlicher Besorgniß um dte Sicherheit seines Geldes warf er die Kassenihür zu. Der Besuch hatte keine Bedeutung und war bald abgefertigt. Nun erst bemerkte unser Harpagon, daß dte einbruchssichere Kasse auch gegen ihn gesichert war; alles Rütteln und Schütteln half nichts, der Mechanismus bewährte sich vollständig. Zum Unglück hatte er noch am selben Tage eine größere Zahlung zu leisten und so mußte er sich denn entschließen, den einzigen an Ort und Selle befindlichen „einbruchsicheren Kassenfabrikanten" holen zu lassen. Diesem gelang es auch wirklich nach langen Versuchen, die Kasse zu öffnen, worüber der Geizhals so ftoh wurde, daß er dem Meister 1 fl als Entlohnung geben wollte. Wie groß aber war fein Entsetzen, als der Mann, mit dieser splendiden Gabe keineswegs zufrieden, seine Forderung auf 5 fl. stellte. „Nein, das ist zu viel", rief er empört, „das zahle ich nicht!" — „Auch gut," erwiderte der Schlaffer — und Krach! war die Kasienthür wieder ins Schloß gefallen. Was nun? Dte Zahlung mußte am selben Tage noch geleistet werden und so sah er sich denn gezwungen, persönlich zum Meister hinzugehen, um ihn zu versöhnen und zum nochmaligen Oeffnen des Einbruchsicheren zu bewegen. „Sie sollen meinetwegen die 5 fl. haben, wiewohl es wirklich viel Geld ist," so schloß er wehmüthia seine Rede. — „Sie irren, bester Herr," antwortete der Meister, „ich verlangte 15 fl. und soll ich es nochmals machen, muß ich mindestens 25 fl. fordern- Für das Schließen der Kasse beanspruche ich nichts," fügte er ironisch bei. Was blieb dem GetzhalS übrig; alles Feilschen half nicht. Aus Wien einen Fachmann zu holen, wäre vielleicht noch kostspieliger gewesen und so mußte er sich dazu bequemen, 15 fl. aus der wieder geöffneten Kasse dem klugen Kassenfabrikanten zu bezahlen. Zur gest. Beachtung» Schriftliche Anfragen wegen Auskunftsertheflung über Inserate rc. können mfc nur dann beantworten, wenn denselben eine Freimarke für die Rückantwort beigelegt ist. Heber Inserate bezüglich deren Offerten einzureichen sind, ist bte bi&on >u keinerlei Auskunftsertheilungen befugt Offertenbrief-e sind —. soweit keine bestimmten acnenfbeiTin-’ir Abmachungen aelroffen wurden — in der Ervedition obinhnlen Wafferwärrrre der Lahn. Am 11. Juni, zwischen 11 uno 12 Uhr Mittags: IW R- — Lnstwärme 10° R- Rübsamen. n„ TT P.rac?'^rzt in Frankfurt a.M.,’früher Assist. Ur. mcd. II. (jCHSClL ?p,°ord’&P?rie- heilt rasch, ffnindLu. 2142 / ohne grosse Kosten alle Nerven-, Frauen-, Haut- u. Geschlechtskrankheiten (Syphilis) nach eigener Methode. Sprechstunden 10—1 und 3—5. Stiftstrisse 22 I. Auswärts brieflich. — Der 9. (Mittelrhein) Kreis der Deutschen Turnerschaft feiert sein diesjähriges Kreisfeft im August in der alten Bäderstadt Wiesbaden. Bereits 1870 hatte Wiesbaden das Kreisfest einmal übernommen, damals bereitete jedoch der Kriegsläcm allem Festeifer ein jähes Ende. Dafür verspricht das jetzige Fest ein um so großartigeres zu Werden. Der Mtttelrhetnkcets umfaßt das Großherzogtbum Hessen, Oldenburg-Birkenfeld, die Provinz Hessen-Nassau und Thetle der pr. Rheinprovtnz, des Königreichs Bayern und Elsaß-Lothr ngens, überhaupt die Landstriche zwischen den Städten Aschaffenburg, Worms, Kreuznach, Saargemünd, Trier, Linz, Dillenburg, Gießen, Friedberg und Hanau. In der Mitte derselben liegt der weltbekannte Festort, welcher nicht nur durch seine Heilquellen berühmt ist, sondern auch zu den schönsten und freundlichsten Städten Deutschlands zählt, am Fuße des bewaldeten Taunus in prächtiger Umgebung. Etwa eine Viertelstunde hinter der Stadt befindet sich der Festplotz, inmitten eines herrlichen Waldes altehrwürdiger Eichen, von welchen er den Namen „Unter den Eichen" führt. Schon seit Jahren dient er zur Abhaltung großer Volksfeste. Die Vorbereitungen zum Fest sind seit Monaten tm Gange; dm Vorsitz im Centralausschuß führt der erste Bürgermeister, Herr Dr. v. Jbell. Daß die Be- thetligung der Bürgerschaft eine ganz außerordentliche ist, beweist der Umstand, daß Innerhalb zehn Tagen ein Garantiefond von 40,000 JL gezeichnet wurde. Wir werden nicht verfehlen, über den Fortgang der Vorbereitungen zum Feste wettere Mttthkilungen zu machen. — [15. Mittelrhetnisches Turnfest in Wiesbadens Wir können dte erfreu liche Mitlhnlung machen, daß die Thätigkett des Ftnanzautzichusses bis jetzt eine sehr erfolgreiche gewesen ist. Nach einer vorläufigen Zusammenstellung haben dte Zeichnungen jür den Garantiefonds bereits die Höhe von nahezu 40,000 JL erreicht, worumer Beiträge Einzelner von 1000 und 500 D w <1 w 8 s r bi bi e m« Blitsttbieiler-Anlagen werden billigst ausgeführt unter Garantie für theoretisch und technisch richtige Construction und vorzügliche Leitungsfähigkeit von der 399(fc Mechanischen LSerkftätie Herrn* Süss, Marburg. Die Stelle eines Bezirksbauaufsehers mit dem Sitz in Gießen soll umgehend mit einem Techniker neu besetzt werden, welcher neben gründlicher Erfahrung im Hochbau auch im Straßenbau theoretische und practische Kenntnisse besitzt; mit der Stelle ist ein fester Gehalt von 1400 «X und (für Feuervisitationen 2c.) ein Neben- einkommen von rund 200 «X verbunden. Bewerber wollen ihre Meldungen unter Angabe ihrer seitherigen Thätig- keit unö Anschluß von Zeugnissen über dieselbe bis längstens 18, fr, M. hierher einsenden. Gießen, am 7. Juni 1884. Der Kreisausschuß des Kreises Gießen. Dr. Bookman n. 3928 Die Arbeiten und Lieferungen zur Herstellung eines StallgebäudeS auf Bahnhof Lollar sollen in öffentlicher Submission vergeben werden. Termin 4004 Freitag den 20. Juni er., Vormittags 11 Uhr. Submissionsbedingungen rc. sind zum Preise von 1 zu beziehen. Marburg, am 6. Juni 1884. Kgl. Eisenbahn-Bauinspectiou. Heugrasversteigerung bei der Stadt Gießen. Montag den 16. Juni und DienStag den 17. Juni, jedesmal von Vormittags 9 Uhr an, soll das Heugras von den städtischen Wiesen versteigert werden, und zwar: Montag den 16. Juni von den Wiesen vor der Neustadt, am Neueuwegerthor, am Fürstenbrunnen, im Wieseckthal und im Heegstrauch. DienStag den 17. Juni von den Ochsenwiesen, den Wiesen im vorderen und Hinteren Stolzenmorgen und am Altentisch. Die Zusammenkunft ist Montag den 16. Juni am Neustädter Thor und Dienstag den 17. Juni in den Ochsenwiesen. Die Großh. Bürgermeistereien der umliegenden Orte werden ersucht, dies in ihren Gemeinden bekannt machen zu lassen. Gießen, den 7. Juni 1884. Großh. Bürqeriüeisterei Gießen. A. Vramm. 3929 Heugras- Versteigerung. Freitag den 1K d. M., von Morgens 10 Uhr an, soll das HeugraS von den hiesigen Gemeindewiesen an Ort und Stelle versteigert werden. Der Anfang ist auf der Weidwiese zu Erbach. Garbenteich, am 9. Juni 1884. Großh. Bürgermeisterei Garbenteich. Schwarz. 3965 Mittwoch den 48. Juni, Morgens 9 Uhr, soll das HeugraS von den Wiesen der Herren I. H. Busch Erben, „ „ Gg. Ehr. Spruck Erben, „ „ Karl Löber Erben, „ „ L. Labroiffe Erben, „ „ Daniel Ebel Erben, des Herrn vi-. Melchior,Frankfurt a/M. „ „ Dr. Vogt, Allendsrf, „ „ Fritz Schwan, Wetzlar, ,, „ Christian Jughard, und von den meinigen und noch verschiedenen anderen meistbietend versteigert werden. Vormittags 9 Uhr ist der Anfang mit Neuenweger Thor, Nachmittags 2 Uhr an der Bleichstraße bei dem Hause des Herrn Rechtsanwalt Steinberger. Gießen, den 12. Juni 1884. 4001 Müller. Heugras- V ersteigerung. Freitag den 13 Juni, Vormittags gegen 11 Uhr, sollen nahe der Stadt ca. 6 Morgen Wiesen, abtheilungsweise, unmittelbar nach der Versteigerung der herrschaftlichen Wiesen, versteigert werden. Lich, den 10. Juni 1884. 3991 Weder, Apotheker. Ieikgeöotenes. DickwurWanM circa 50 Tausend Stück, im Felde gezogen, werden abgegeben. 4002____________Oeconom Helfrich. Gut erhalt. Küchrnschrank m. 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Gartenstraße 27. MesMischLe Anzeigen. Der Aufforderung Großh. Bürgermeisterei dahier, die Abfuhr des ersteigerten Holzes in der gesetzten Frist zu bewerkstelligen, kämen die Steigerer gerne nach, wenn sie nicht Gefahr liefen, bei dem Zustande der hier in Frage kommenden Schneisen mit dem Thierschutzverein in Conflict zu ge- rathen; es wäre dringend wünschens- werth und wären die Steigerer dankbar dafür, wenn bei dem andauernden Negenwetter hier vorher Abhülfe geschafft würde. Im Interesse der Steigerer: 3999 Martin Lenz. Bon Ocean zu Ocean. Eine Schilderung des Weltmeeres und seines Lebens. Von A. v. Schweiger-Lerchenfeld. Mit 200 Illustrationen. Mit 12 Aarbelldruckbitdcrn, 15 colorirten Karten und 30 Planen im Tert. Erscheint in genau 30 Lieferungen ä 30 Kr. — 60 H — 80 Cts. — 36 Kop. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. " — Prospecte gratis. Seinem Programme gemäß wird das Werk in nachfolgende Hauptabtheilungen zerfallen: 1- Das Meer (Physik des Meeres), 2. Die Oceane (Küsten und Inseln, Topographie der Oceane), 3. Die Organismen im Meere (Pflanzen- und Thierleben). 4. Das Leben auf dem Meere (Ethnographie, Fischer- und Schifferleben), o. Dck Meer im Kulturleben (Kosmogonie, Geschichte und Sage, Handel und Seereisen, die Poesie des Meeres). A. Hartleben’s Verlag in Wien, I. Wallfischgasse I. Seerosen (Nymphea alba) empfiehlt Car! Berber» 4008 Lmdenplatz» Wenzels Garten. Donnerstag den 12. Juni 1884: !• Abonnemente - Coaicert« Anfang 7 Uhr. Entree 50 Pf. tiESSE" Bei ungünstiger Witterung im Saale. Die Liste liegt an der Kaffe offen. 3985 Krausse, Capellmeister. Auswanderer nach Amerika durch die in nach New-Iork fahrenden Dampfer des Norddeutschen Lloyd über Bremen, sowie den billigeren Post-Dampfern über Hamburg, Antwerpen, Rotterdam und Liverpool befördert zu gleichen Preisen, wie an den Hafenplätzen 1240 Chr. WalBeuifeSse Maschinenstrickem von C Pietsch «. 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Arbeit gesucht für: Handarbeit, Laufdienst. Ph. Jung, Ludwigsplatz 13, 69 Bezirksoorsteher. 13/6. 8 Nhr. Mahl. 4Oßo 13/6. 9 Ahr. Ball II. Gr. Geld - EourS, 20-Francs-Stücke . . . do. in Va . Englische Souoereigns Russische Imperiales . . Ducaten ...... Dollars in Gold . . . 16 24-00 16 23—00 20 40-00 16 76-00 9 65-00 4 21-00 Redaction: A- Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'fchen Druckerei (Fr. ffbr. Pietsch) in Gießen. Die heutige Nummer enthalt 1 Blatt u. 1 Beilage.