Sonntag den 9. November 1SS4 Sr^chsnrt täHkich mit AuLvcchnre m3 M-nts-S. It Sch-lstrahe 7. MM erx«, Neuenweg. lauber vierteljährlich 2 SR ort 20 Pf. mit Bringerloh«^ Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Marl 60 Ps. n brr ZOn. je und Gegenstände der Frankfurt, 4. November. Als die Kaiserin Augusta vor etwa 10 Jahren durch Frankfurt reiste, kehrte sie in dem Hotel „Zur Westendhalle" ein. In der Nacht ihres Aufenthalte? wurde dem Restaurateur Werner, dem dermaligen Pächter deS Hause?, ein Knabe geboren- Ihre Majestät nahm an diesem Fomtlieneretgntß, das sich während ihrer Anwesenheit vollzog, den herzlichsten Antbeil und hob, vertreten durch ihre Oberhofmeisterin, den Kleinen über die Taufe. So oft die hohe Frau nach Frankfurt kam. erkundigte sie sich nach dem Wohlergehen ihres blondlockigen Pathen- kindcs- Drr kleine hoffnungsvolle Knabe ist verwichene Nacht gestorben. Ein roher Bube batte ihm Tags zuvor einen heftigen Tritt gegen den Unterleib versetzt und ist hierin die Ursache des Todes zu suchen. Die beklagmswerthcn Eltern haben erst kürzlich ein Kind an der Divbtheritis verloren- Berlin, 3. November. Die hohe Ehre, vor dem Kaiser sich produciren zu dürfen, wurde dem vielgenannten Gedankenleser Cumberland am Samstag Abmd zu Thetl. Fürst Radziwtll hatte den anlisvtrittsttschen Engländer anläßlich eines Geburtsfestes in seiner Familie veranstalteten Festlichkeit zu Gaste gebeten und der Kaiser l'eß sich alsbald nach seinem um 9 Uhr Abends erfolgenden Erscheinen den Gedankenleser mit dem hochpolitischen Namen vorstellen. Der Kaiser reichte Mr Cumberland die Hand und sagte ihm tu französischer Sprache, er habe schon sehr viel von Cumberland nben und Bekannten -chiviegerniutter und nben imTl.&to- 7415 erbliebertt«- °°-wber, A it, aus M srr. 263 zweites Blatt « KM'' UniverfitätS- Chronik. Greifswald, 4. November. Der Privat - Docent an hiesiger Universität, Dr. Wilhelm Holtz, ist zum außerordentlichen Professor ernannt worden. — Im Lehrerkörper der Universität Berlin sind während der Herbstferten er« hebltche Veränderungen etngetreten, so daß da« offictelle Vorlesung«-Verzeichntß, daS am Ende des SommersemesterS auSgegeben wurde, nicht unwesmtlich zu modifictren ist. Die ktrchengeschichtlichen Vorlesungen deS Professors Müller, die rechtSgeschicht- lichcn des Professors L-wts und die physiologischen Collegien undzUebungen des Pro- fcfsorS Kronccker fallen in Folge anderweitiger Berufung der genannten Docenten aus. Neu hinzukommen entgegen find folgende Verlesungen: 1) Geschichte der neueren Phllo- sophte; philosophische Uebunqen, Dr. v. Stein; 2) Römische Staatsalterthümer, Uebungen in der lateinischen Epigraphik Dr. Dessau; 3) Geschichte der altfranzosischeu Literatur; Uebungen zur altfranzösischen Grammatik, Dr. Schwan; 4) Anfangsgründe der chinesischen Grammatik, Mandschu-Grammatik, Dr. Gruben. 5) Koran-Commentar, arabische Grammatik, Dr. Jahn; 6) Pflanzenphysiologie Dr. Krabbe; 7) medtcintscheS DiSputatorium, Professor Zuelzer; 8) CursuS der Zahnhellkunde und der zahnärztlichen Technik der Professoren Miller, Paetsch und Sauer. Dr. Schwentnger hat bisher seine Vorlesungen nicht bekannt gemacht- Anstatt deS erkrankten Professors Gustav Kirchhoff wird Dr. Glau über die Theorie deS Magnetismus und der ElectricttSt lesen; außer Kirchhoff sehen sich veranlaßt, die angekündigtm Vorlesungen abzusagen: der Zoologe Fritsch, der durch dringende Arbeiten s ine Lebrthätigkett zu fistiren gezwungen ist und der im Interesse deS Reichs nach Persien entsandte Egyptologe Brugsch. Ueber die Besetzung des Lehrstuhls der experimentellen Physiologie, der durch Kronnecker'S Fortgang erledigt ist. schweben zur Zett noch Verhandlungen- — Aus dem Geheimen Civilkabinet deS Kaisers ist an den Rector der Unl- verstiät Straßburg folgendes Schreiben gelangt: „Berlin, den 28. Oktober 1884. Se. Majestät der Kaiser und König haben von dem Telegramm, in welchem Aller- höchstthm bet Gelegenheit der Einweihung der dortigen neuen UaioersitätS-Gebäude der Katser-WllhelmS-UntversitSt mit den versammelten Festgästen ihre Huldigung darbringt, mit Wohlgefallen Kenntniß genommen, ebenso wie Allerhöchstdieselbcn sich über das Telegramm der dortigen Studentenschaft gefreut haben- Se- Majestät lassen für diese Bez-ugung der Ehrfurcht unter der Versicherung b’r fortdauernden Huld freundlichst danken. Der Geh. Cabinetsrath Wirk!- Geh. Rath v. Wilmowskr." — Professor Gyldän in Upsala, der, wie wir kürzlich mittheilten, einen Ruf als ordentlicher Professor und Director der Sternwarte zu Göttingen angenommen hatte, wird auf dtrrcten Wunsch König OSkar's in seiner bisherigen Stellung verbleiben. König Oskar hat aus seiner P-1vatschatulle 15.000 Kronen hergegeben und Private haben 10,000 Kronen gesammelt, um die Akademie der Wissenschaften tn den Stand zu setzen, von P-osessor Gyldän astronomische Vorlesungen in Stockholm halten lassen zu können. Durch Vermittlung des schwedischen Ministeriums deS Aeußern ist Professor Gyldän's Berufung von dem preußischen Cultusministerium rückgängig gemacht worden. rt g, Aovetüvt |,|ehe |C **** filier. 0 Gießen, 8. November. Kaiser Wilhelm ist Anfangs dieser Woche von einem Unfall betroffen worden, indem er sich durch einen Fall im Zimmer eine leichte Quetschung der rechten Schulter zugezogen hat. Glücklicher Weife ist die Verletzung ohne weitere Folgen für den greisen Monarchen geblieben und erledigt er nach wie vor in gewohnter Weise die regelmäßigen Regierungsgefchäfte. Nur hat der Kaiser in Folge des Unfalls den Jagdausflug nach dem Harze, zu welchem er von dem regierenden Grasen von Stolberg - Wernigerode eingeladen worden war, aufgegeben. Die Wahlen zum Reichstage prägten, wenngleich der erste Wahlgang schon mehr als eine Woche hinter uns liegt, doch auch der zu Ende gegangenen Woche ihre Signatur auf. Alle Parteien waren bemüht, das Facit aus dem ersten Wahlgange zu ziehen und da stellt sich denn für fast alle Parteien bis jetzt gegenüber dem Besitzstand, den sie im vorigen Reichstage auszuweisen hatten, ein Manco heraus. Nur die Deutsch-Conservativen können schon -jetzt einen absoluten Gewinn von etwa einem Dutzend Sitzen verzeichnen und derselbe wird sich jedenfalls durch die Stichwahlen noch vergrößern. Die Stichwahlen — aus sie richten sich hoffend auch die Blicke der anderen Parteien und für manche derselben ist der Ausfall der 98 engeren Wahlen von größter Bedeutung, da es nur durch sie noch möglich ist, die Verluste, welche einzelne Parteien, wie die Deutsch-Freisinnigen und die Volkspartei, bei den ersten Wahlen erlitten haben, wenigstens einigermaßen auszugleichen. Die Verhandlungen des preußischen Staatsrathes, die unter der regen Theilnahme de» Kronprinzen raschen Fortgang nehmen, ferner die bevorstehende Reickstagssession und endlich auch die sich in immer bestimmteren Umrissen zeigende Congo-Conserenz machen es erklärlich, daß in allen Neichsämtern und den hiervon reffortirenden Abtheilungen eine rege Thätigkeit herrscht und welche auch die Aufmerksamkeit unseres leitenden Staatsmannes vollauf in Anspruch nimmt. Glücklicher Weise erfreut sich Fürst Bismarck gegenwärtig wieder des besten Wohlbefindens und kann er seinen verantwortungsreichen und mannigfachen Amtspflichten in vollem Umfange Genüge leisten. Die braunschweigische Thronfolge-Angelegenheit an und ■für sich ist jetzt vorläufig ad acta gelegt worden und kann man Deren weitere Entwickelung in aller Ruhe abwarten, nachdem Kaiser Wilhelm und sein^erster Rathgeber den Vertretern der provisorischen Regierung in Braunschweig wiederholt zugesichert haben, die braunschweigische Frage im Einklänge mit den Wünschen und Interessen des braunschweigischen Volkes lösen zu wollen. Im Uebrigen haben die von der „Nordd. Allg. Ztg." veröffentlichten Briefe, welche König Georg von Hannover nach der Katastrophe von 1866 in Sachen der „Wiederherstellung" seines Königreiches geschrieben, abermals zur Genüge gezeigt, wessen sich das Reich von den welfischen Bestrebungen zu versehen hat. Die Nachricht, ein deutsches Schiff, die Goelette „Karl August", sei auf der Fahrt von Hamburg nach Veracruz durch Dynamit in die Luft gesprengt worden, hat sich blS jetzt noch nicht bestätigt. Sie klingt überhaupt unwahrscheinlich, da ein Schiff gleichen Namens von Hamburg nach dem genannten mexikanischen Hasen nicht unterwegs ist. Den Brennpunkt des politischen Lebens in der habsburgischen Monarchie bilden zur Zeit die Delegations-Berathungen in Budapesth. Aus ihnen ist als besonders bemerkenöwerth die Dienstags-Sitzung des Budget- Ausschusses der österreichischen Delegationen hervorzuheben, in welcher Graf Kalnoky sich in eingehendster Weise über den Stand der auswärtigen Beziehungen des Kaiserstaates vernehmen ließ. Die Aeußerungen des Ministers sind eine erneute und markante Bekräftigung der allgemeinen Annahme, daß die Drei-Kaiser-Begegnung von Skierniewice als ein eminentes Friedenswerk zu betrachten sei, welches die volle Einmüthigkeit der drei Kaiser und ihrer Regierungen in dem Bestreben, den europäischen Frieden aufrecht zu erhalten, documentire. Speciell nahm Gras Kalnoky Veranlassung, das herzliche Ver- haltniß Oesterreich-Ungarns zu Deutschland zu betonen, dasselbe werde auch ferner die unverrückbare Basis für die gesammte auswärtige Politik Oesterreich- Ungarns bilden. Diesen so bedeutungsvollen Auslassungen gegenüber erscheint eö minder wichtig, daß Kalnoky auch das gute Freundschasts-Verhältniß Oesterreichs zu Italien erwähnte. Von Fragen allgemeineren Interesses berührte er noch die Angelegenheit der Orientbahnen, wobei Kalnoky die Verschleppungs- Politik der Pforte scharf angriff, und die Alexandrinische Entschädigungs-Frage, bezüglich welcher der Minister der Hoffnung Ausdruck gab, die Angelegenheit werde durch die Intervention Lord Northbrook's ihre Erledigung finden. In Frankreich beherrscht nach wie vor die chinesische Affaire die Situation. Daß dieselbe für das Ministerium ungemüthlich zu werden an- fängt, geht aus mancherlei Anzeichen hervor; spricht man doch in den Couloirs der französischen Deputirtenkammer allen Ernstes von der Ersetzung des Ministeriums Ferry durch ein Cabinet Brisson- Ob die Dinge wirklich bereits so weit gediehen sind, läßt sich zur Stunde noch nicht übersehen, jedenfalls hat aber der schneckenhaft langsame Fortgang der französischen Operationen Sin Ostasien selbst in den Kreisen der gemäßigten Republikaner eine für Ferry ungünstige Stimmung erzeugt und es ist noch sehr fraglich, ob dieselbe in Folge her neuerdings aus China gemeldeten Friedenssymptome wieder Umschlagen !' wird. Es wird nämlich aus Peking gemeldet, daß China die Insel Formosa auf 20 Jahre an Frankreich behufs Abschlusses des Friedens überlassen wolle, "d -°«nl»g, 9. «w.: t in» Vm- Ämg Sanger- unb MftFaM Müller imen, 3 Herrch ?onlltag4u.8Uhr. ntr6e frei. 7420 urrmMM okals nütK M zember. J 1 Koch I War). e, Chemische srage' ‘Ä Rn lefftn 1 “n «'ch •Veit11»" nur ichteuntn* Ws für welchen sich 21 Mandarinen ausgesprochen hätten; dem steht freilich die wiederum kriegerisch klingende Meldung gegenüber, daß an dem Kimpai- und Futscheu-Päffen Torpedos angelegt worden seien. Seinerseits scheint sich endlich das Cabinet Ferry zu einem thatkrästigen Vorgehen gegen China entschlossen zu haben, indem es mit der „Compagnie maritime" ein Abkommen wegen des Transportes von 5000 Mann nach Tongking getroffen hat. Im englischen Unterlaufe ist am Mittwoch die Adreßdebatte nach beinahe 14tägiger Dauer in der Hauptsache beendigt worden, indem das Haus die Adresse in zweiter Lesung mit 134 gegen 18 Stimmen angenommen hat. In der sich hieran knüpfenden Debatte über die Bill, betreffend die Armenpfleger in Irland, wurde der irische Abgeordnete O'Donnel, welchem wegen nicht zur Sache gehörigen Bemerkungen ein Ordnungsruf ertheilt worden war, dem sich O'Donnel nicht fügen wollte, aus der Sitzung ausgeschlossen. Die Nachrichten von dem Falte Khartums haben sich zwar nicht bestätigt, trotzdem hat sich unleugbar auf dem Schauplatze der Sudan- Rebellion ein abermaliger Umschwung zu Ungunsten Gordon'ö vollzogen. Der Mahdi hat offenbar seine Streitkräfte wieder bedeutend verstärkt und wird man darum wohl bald von neuen Angriffen des sudanesischen Jnsurgenten- sührers auf Khartum hören. In der nordamerikanischen Union sind am Dienstag die Würfel in dem langen Wahlkampfe anläßlich der Präsidentenwahl gefallen. Ob sie aber zu Gunsten des Demokraten Cleveland oder des Republikaners Blaine gefallen sind, darüber herrscht noch Ungewißheit, da die Wahlresultate aus den westlichen Staaten nur sehr langsam eingehen. Die Südstaaten haben zwar sämmtlich demokratisch gewühlt, aber Blaine hat dagegen in dem anscheinend den Ausschlag gebenden Staate Newyork eine Majorität von 10,000 Stimmen; bis jetzt schreiben sich die Blätter beider Parteien den Sieg zu. aebört und freue sich, denselben kennen zu lernen. Auf Wunsch Sr. Majestät gab dann Cumberland einige der frapprrenden Kunststücke zum Besten Vor den im Halbkreise vlac'rten Herrschaften - der Kaiser satz zwischen der Vrinzeß Radziwill und deren Tochter — stehend und hin und her wandelnd, führte Cumberland seine Pro- ducttonen aus. Ec ersuchte zunächst den Prinzen Battenberg, an eine im Saale anwesende Person zu denken und bezeichnete, nachdem er die Hand des Prinzen in Berührung mit seinem Kopfe gebracht, unverwellt die Prinzessin Hohenlohe als die Dame, an welche Prinz Battenberg gedacht. Dann „entdeckte" der englische Gedanken- l-ser der sich die Augen hatte verbinden lassen und in einem N-benraume unter Aussicht zweier Caval'ere aus der Umgebung des Kaisers des Zeichens zum Eintreten harrte, alsbald den Prinzen Tayllerand als denjenigen, der einer anwesenden von Cumberland gleichfalls ausfindig gemachten Dam; den Fächer ouS der Hand genommen hatte Als drittes wohlgelungenes Experiment folgte die Auffindung einer Stecknadel, die Graf Perponcher in die hintere Partie des Rockkragens des Grafen Hatzfeldt versteckt hatte. Nunmehr stellte der Kaiser an Cumberland die Frage, ob er im Stande set, auch Gedanken desjenigen zu lesen, der an Dinge, die außerhalb des Zimmers oder Hauses sich befinden, denke; Cumberland habe bocb. wie der Kaiser in Erfahrung gebracht, seiner Zeit errathen, daß der Kronprinz von O-sterreich an seinen schwarzen Hund und der Marauis of Lorne an ein Elenthter gedacht habe. Cumberland bejahte diese Frage und das interessante Experiment begann. Fürst Radz'w'll bezeichnete dem Kaiser nachdem Mr. Cumberland mit verbundenen Augen in ein Nebenzimmer geführt war, einen in einem entfernten Zimmer des Hauses auf dem Kaminsimse stehenden Gegenstand - einen kleinen Kandelaber - indem er den Punkt, an dem der Kandelaber stand, und das Zimmer genau aufschrieb und den Zettel dem Kaiser einhändtgte. Nach Kurzem brachte Cumberland aus dem bezeichneten dunkelen Zimmer den in Rede stehenden Kandelaber herbei, eine Leistung, die der greise Monarch mit lebhaften Ausdrücken der Verwunderung aufnahm. Des Wetteren wünschte der Kaiser, der vor mehreren Jahren die Productionen des „GetsterklopferS" Home gesehen, eine Aufklärung darüber. Diese angebliche Getsterarbeit, die Mr. Cumberland sofort gab, indem er die Zehen und andere Fußmuskelu als die Apparate bezeichnete, mittelst deren das räthsel- hafte Klopfen auSqeführt wird. _ , Das interessanteste Experiment, das Cumberland mit Sr. Majestät selbst aus. führen durfte, war das Zahlen-Errathen. Der Kaiser, der von Cumberland gebeten wmde, sich beider Handschuhe zu entledigen, concentrirte seine Gedanken auf eine Zahl, reichte Mr. Cumberland die rechte Hand und der letztere schrieb, während er die Rechte des Kaisers mit seiner Linken frsthielt, ohne Zaudern die Zahl 61 auf die Tafel. Der Kaiser erklärte sich für außerordentlich überrascht und sagte, er habe in der That an das Krönungsjahr 61 gedacht. Er dankte Mr. Cumberland mit gnädigem Händedruck und beauftragte später noch, als er die Soiree verließ, den Fürsten Radziwtll, dem Gedankenleser Cumberland nochmals seinen Dank auszusprechen Von der Fürstin Radziwtll erhielt Mr. Cumberland eine prächtige Busennadel als Andenken an die Soiree. — Die Schrecknisse deS Berufs der Löwenbändiger haben aufgehört, wenn die Erfindung Raupach's, eines nicht unbekannten Menageriebesitzers sich bewährt. Er hat Experimente mit einem elektrischen Apparat angestellt, welcher wie ein Stock geformt und etwa drei und einen halben Fuß lang ist und schildert den Effect bet der Anwendung desselben auf die verschiedenen Thiere wie folgt: Drei der Löwen, welche den elektrischen Schlag empfangen, gaben Zeichen deS höchsten Schreckens, begannen zu zittern und stießen dumpfe Laute aus; der Tiger verkroch sich in eine Ecke des KäfigS und schien betäubt, während der Bär erst nach wiederholten sehr starken Schlägen Zeichen einer unangenehmen Empfindung von sich gab. Erstaunlich aber wirkte die elektrische Kraft bet der Riesenschlange. Schon nach dem ersten Schlage wurde das 20 Fuß lange Thier vollständig gelähmt, blieb 6 Stunden lang regungslos und konnte erst nach 3 Tagen seine volle Beweglichkeit wieder erlangen. Der Elephant brach, als man mit dem elektrischen Stocke die Spitze seines Rüffels berührte, in furchtbare Wuth aus, so daß man fürchtete, er werde seine Ketten zerreißen. — Japan hat eine absolute Religionsfreiheit eingeführt. Die japanischen Blätter veröffentlichen ein Decret deS Mikado, datirt vom 11. August, in welchem erklärt wird, daß der Buddhismus und der SchtntocultuS von nun an aufgehört haben, Staatsreligion zu sein und vom Staate besoldet zu werden. Jedem Japanesen stehe eS frei, sich der Religion zuzuwenden, die ihm zusagt. Die buddhistischen, ebenso auch dir Schintopriester, werden sich von nun an ihr Oberhaupt selbst wählen, daS jedoch von der Regierung anerkannt werden muß, und ihren Unterhalt aus den Temvelein» fünften beziehen. Der Mikado, der b.tzher das Oberhaupt des Buddhismus in Japan war, hat somit freiwillig auf diese Würde Verzicyt gkleistet. — sEtn GenSdarm als Wahlplakat.j AuS München wird geschrieben: Sonntag Nachmittags (den 26. October) hat sich hier folgende heitere Wahlepisode ereignet. Die Socialdemokraten hatten, anstatt eigene Wahlprogramme an den Straßenecken anzuschlagen, ganz einfach kleine rothe, wohlgumm'rte Z ttcl, auf welchen „Wählet v. Vollmar" stand, auf die Wahlprogramme der andern Parteien befestigen lassen und zwar an der Stelle, auf welcher sich die Namen der vorgeschlagenen Candtdaten befinden. Die Polize organe erhielten alsbald Ordre, diese Zettel zu entfernen. Ganz vertieft tn diese Arbest, bemerkte nun ein GenSdarm nicht, daß ein hinter ihm stehender Eocialdemokcat einen derartigen ominöse» Zettel auf seine Patrontasche befestigte. Ahnungslos patroulltrte der Wächter des Gesetzes in den Straßen seines Rv!ers, gefolgt von einer erheiterten ansehnlichen Gesellschaft von Münchenern aller Alters, klassen. Erst nach längerer Zett machte ein Herr den Mann auf die Ursache der Br- lustigung aufmerksam, worauf der Gensdarm sofort seine Agitation für die Social- demokraten etnstellte. Schiffs nachrichten. Bremen, 6. November. (Per transatlantischen Telegraph.^ Der Postdampfer Salier, Capt. C. Wiegand, vom Norddeutschen Lloyd tn Bremen, welcher am 22. Ociober von Bremen abgegangen war, ist gestern wohlbehalten in Baltimore angekommen. Handel und Verkehr. — (Aufschrift der Postsendungen.^ Zur Sicherung schneller Beförderung und Bestellung der Postsendungen müssen auf denselben Empfänger und Bestimmungsort so genau bezeichnet sein, daß jeder Ungewißheit vorgebeugt wird. Dabet sind namentlich folgende Punkte zu beachten: 1. Bet Postsendungen nach größeren Orten ist tn der Aufschrift die Wohnung des Empfängers möglichst genau anzugrben. Buch ist es von Wichtigkeit, daß die Wohnungsangabe stets an derselben Stelle der Aufschrift, nämlich unten rechts, unmittelbar unter der Angabe des Bestimmungsortes, erfolge. 2. Auf den nach Berlin bestimmten Sendungen ist, außer der Wohnung des Empfängers, der Postbeztrk (O, N., NO. rc), tn welchem die Wohnung sich befindet, hinter der Ortsbezeichnung „Berlin" zu vermerken. 3. Gibt es mit dem Bestimmungsorte gleich oder ähnlich lautende Postorte, so ist dem Ortsnamen eine zusätzliche Bezeichnung beizufügen. Welche Zusätze für die Ortsnamen im Postverkehr als maßgebend anzusehen sind, ergibt sich aus dem „Ver- zeichntß gleichnamiger oder ähnlich lautender Postorte", das zum Preise von 10 Pfg. durch Vermittlung jeder ReichS-Postanstalt bezogen werden kann. 4. Wenn der im Reichs-Postgebiet belegene Bestimmungsort zwar mit einer Postanstalt versehen, dessenungeachtet aber nicht als allgemein bekannt anzunehmen ist, so empfiehlt es sich, die Lage des OrtS in der Aufschrift der Sendung noch deS Näheren zu bezeichnen. Zu derartigen Bezeichnungen eignet sich die Angabe des Staates und bei größeren Staaten deS politischen Bezirks (Provinz, Regierungsbezirk u. s. w.), in welchem der Bestimmungsort belegen ist, oder auch die Angabe von größeren Flüssen [(Ober), (Elbe), (Rhein), (Main) :c.J, oder von Gebirgen [(Harz), (Niesengebirge) rc> Nicht minder sind zusätzliche Bezeichnungen, wie (Thüringen), (Altmark), (Lausitz) rc. für den Zweck geeignet. 5. Auf Postsendungen nach Ortschaften ohne Postanstalt ist außer form eigentlichen Bestimmungsorte noch diejenige Poftanstalt anzugeben, von welcher auS die Bestellung der Sendung an den Empfänger bewirkt werden bez. die Abholung erfolgen soll. 6. Wenn der Bestimmungsort einer Sendung in einem fremden Postgebiete belegen und zu den weniger bekannten Orten zu rechnen ist, so ist außer dem Ortsnamen noch das betreffende Land bez. der Landestheil auf der Sendung anzugeben. Die Beachtung dieser Punkte wird zur Herbeiführung einer schleunigen lieber* kunft der Sendungen an die Empfänger wesentlich beitragen, und es liegt daher im eigenen Interesse der Absender, die Aufschriften der Sendungen hiernach genau anzufertigen. ___________________ Ikikgeöotenes. Als Tischwein empfehle einen rebirti Uatimucüi pr. Liter 70 Pfg. 6785 Friedrich Feo. Kuss. Caviar Elb-Caviar Z in besten Qualitäten empfiehlt Emil Fischbach.. Krsutsässer in allen Größen empfiehlt 7173 Fouis Fony. Holzwaarenlager u. Küferei. SfäiSer unübertrefflich, entzündet Steinkohlen, sowie jedes andere Feuerungsmaterial ohne Anwendung von Holz oder Papier sicher und schnell. 7022 EmSS Plstor« Bettfcdcr», Daunen nnd Roßhaare bester Qualität, empfiehlt zu billigen Preisen 3277 Herrn. Äug. Müller, Leinen-, Wäsche-, und Bettwaaren- geschäst, Seltersweg. Allgemeiner Anzeiger. MMum-Verfleigerung. Dienstag den 11. ITovbr., Vorm. von 10 Uhr an, werden in Oswalds Garten circa 3000 höchst. 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Da die Preise mit einem äußerst kleinen Nutzen calculirt sind, stellen sich dieselben mindcstenS eben fo billig wie andere Fabrikate. Die Anfertigung ganzer Ausstattungen in Leib- und Bettwäsche übernehme ich zu billigen Preisen in schönster Ausführung. 6995 Mit Hochachtung Henn. Aug» Müller» Seltersweg im Hause des Herrn Rechtsanwalt Labroisfe. 7151 Seltersweg, im Hause des Herrn Rechtsanwalt Labroiffe. Reparaturen und neu Ueberziehen der Schirme schnellstens und billigst. NB. Außerdem unterhalten wir eine Fabrik-Niederlage in Wachstuch, Ledcrtuch, Gummi-Betteinlagen «. Spindborden und empfchlen auch diese Artikel in reicher Auswahl zu billigsten Preisen. Hochachtungsvoll für Leo Friedberg's Nachfolger: Geschwister forsch. Geschäfts-Eröffnung. Die Mainzer Schirmfabrik Leo Friedberg’® Webfolger eröffnet mit heutigem Tage aus hiesigem Platze eine Filiale, und zwar Seltersweg, im Hause des Herrn Rechtsanwalt Labroifft. 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