W m. ZHS jAse« mgto W Sehen her *>.«: *t unb m», '?Mgt W« „8 ”e,Rtet, ka X** Üii «taut gegangen fa jettet herrlitz ! M* * »‘ä bleibendes KH Stabt Gießm M ies3eir«)en Ws t etabt einen fleinen daß am näW rt 6f in Hanau du N ist der DM loet. esGießenerH beordern. osestor. Dr.Gam, Rector der Landes cker, WM WM*# 'tonen | ml cienie) ff »thode. v dass ich unter | für Giessen und 8 •dinen in weiss 4 lerhaupt wieder a tüfträge bestens icr, s toff-Geschäft, S b.6i6«enSN* n SJtanj, * «• * ist trioh«, # ’g'tÄ tädlM «* “ »Ä Lehrling«' jenntilM fl mit «'S yi* hofier. Ph-5*”^ LM $•58» Mr. 108, Freitag dm 9. Mai 188L Amts- Md AKzergMatt für den Kreis Gießen. r Schulstraße 7. EriLeint t^ßkich mit Ausnahme MsntatzK. ?jährlich 2 Mark 20 Pf. mltJBrtngeth^Ti. ♦ v^mhuup» » 7 u Durch bie Post bezogen vtertellährlrch 2 Mark 50 Pf. Politische Ueberstcht. Gießen- 8. Mai. Die neuerbings courfirenben Gerüchte über einen bevorstehenden Besuch des russischen Kaisers in Berlin werden von der „Nordd. Allg. Zeitung" halb und halb dementirt. Das officiöse Blatt meint, daß keinerlei Anzeichen vorlägen, die aus die Absicht des russischen Kaisers schließen ließen, dem Kaiser Wilhelm einen Besuch auf deutschem Boden abzustatten, nachdem des deutschen Kaisers letzter Besuch in Rußland durch die Zusammenkunft in Danzig erwidert worden sei. Die diesbezüglichen Nachrichten sollten vermuthlich nur zu Börsenzwecken dienen, gerade wie dies bei dem vorjährigen Besuch Kaiser Alexander's in Kopenhagen der Fall gewesen sei. Der für den 8. Mai festgesetzt gewesene allgemeine nationalliberale Parteitag in Berlin ist bis aus den 18. Mai verschoben worden. ES werden verschiedene Gründe für diese Verzögerung angegeben, so die plötzliche Erkrankung des Herrn Dr. Miquel, welcher dem Parteitag präsidiren sollte, an einem Lungen-Catarrh; ferner heißt es, daß auch Herr v. Bennigsen momentan verhindert sei, dec Versammlung beizuwohnen. Letztere Meldung ist etwas ausfällig, da doch erst vor Kurzem ganz bestimmt versichert wurde, daß der ehemalige Führer der nationalliberalen Partei entschlossen sei, dem Berliner Parteitag fernzubleiben. Das preußische Abgeordnetenhaus hat die in den Plenar- Verhandlungen des Reichstages eingetretene mehrtägige Pause zu einer möglichst raschen Förderung seiner Geschäfte benutzt. Am Montag genehmigte das Haus in zweiter Lesung den Gesetzentwurf, betr. den weiteren Erwerb von Eisenbahnen stir den Staat, nach kurzer Debatte unverändert nach den Commissions-Vorschlägen. Hierauf wurde auch in zweiter Berathung der Rest des Noth- Csmmunalsteuer-Gesetzes meist in der von der Commission für die einzelnen Paragraphen vorgeschlagenen Fassung angenommen; nach § 13 tritt das Gesetz om 1. April 1885 in Kraft. Der württembergische Landtag ist am Dienstag geschlossen worden. In der vorletzten Sitzung hatte noch eine eingehende Diseussion über die Lage der Landwirthschaft stattgefunden und war hierbei von verschiedenen Seiten das Verlangen nach einer Erhöhung der GetreideMe ausgedrückt worden, woraus Staatsminister v. Hölder erwiderte, die Frage liege bereits den zuständigen Reichsorganen vor. Die Verhandlungen des österreichischen Abgeordneten- hauses sind seit einigen Tagen ausschließlich der Nordbahn-Frage gewidmet. Das Privilegium der Nordbahn läuft in zwei Jahren ab und hat nun die Regierung mit derselben einen neuen Vertrag abgeschlossen, der dem Abgeordnetenhause zur Zeit eben vorliegt. Die betr. Vorlage stößt fast allseitig auf Widerspruch, einerseits findet man bie festgesetzten Personentarife zu hoch, ander- seits verlangt man die sofortige Verstaatlichung der Bahn. Die Angelegenheit erregt nicht nur in parlamentarischen, sondern auch in weiteren Kreisen lebhaftes Interesse. Die französischen Parteien haben ihre Stärke in den am Sonntag startgefundenen Gemeinderathswahlen wieder einmal mit einander gemessen. Ein definitives Urtheil über den Ausfall oiefer Wahlen wird indessen erst nach Vollzug der zahlreichen sich nöthig machenden Stichwahlen, von denen allein aus Paris 32 kommen, möglich sein, doch läßt sich jetzt schon eonstatiren, daß im Allgemeinen bie gemäßigten Republikaner gegenüber den Rabikalen und Intransigenten un Vortheil geblieben finb. Bemerkenswerth ist auch, daß die Conser- Mtioen in der Provinz an mehreren Orten den Sieg errangen, wo sie früher den Kampf ganz aufgegeben hatten, doch dürfte es voreilig sein, hreraus sofort einen Schluß aus die Erstarkung des monarchistischen Gedankens in Frankreich zu ziehen. Was die Neuwahlen zum Pariser Gemeinderath anbelangt, so haben dieselben allerdings den gemäßigten Republikanern eine Niederlage gebracht. Es wurden 24 Autonomisten ober Intransigenten gewählt, ferner 4 Candidaten, die sich' unabhängig nennen, aber ebenfalls das radikale Programm aceeptirt haben; daneben wurden noch 7 Conservative und 16 Opportunisten (Anhänger der Regierung) gewählt. Da in dem früheren Gemeinderathe von Paris 40 Mitglieder der gemäßigt - republikanischen Partei saßen, so hat letztere einen Verlust von 24 Sitzen zu verzeichnen und die nächsten Sonntag stattfindenden Stichwahlen werben diese Differenz nicht ausgleichen. — Der diplomatische Verkehr der französischen Republik mit Marokko ist abgebrochen, da der Sultan von Marokko die französischerseits verlangte Absetzung des Gouverneurs von Wazan abge- lehnt hat. Das Conferenz-Projeet hat seit der Uebergabe der französischen Antwort aus die englische Einladung noch keine besonderen Fortschritte gemacht. Ehe die Conferenz überhaupt zusammentreten kann, müssen zuvor die von Frankreich geforderten Pourparlers mit England über die Details des Conferenz- ?rogrammes stattfinden und es ist gegenwärtig noch nicht bekannt, ob und wie weit das Cabinet von St. James gesonnen ist, dieser Forderung Frankreichs zu entsprechen. Mittlerweile droht Herrn Gladstone wegen seiner egyptischen Politik ein neuer parlamentarischer Sturm. Kommenden Montag wird im Nerhause die Diseussion über den von dem Deputirten Hicks-Beach angekün- digten Antrag stattfinden, der Regierung das Bedauern des Parlamentes über bie Preisgebung Gordon's auszudrücken; die Conservativen sind eifrigst bemüht, m die Annahme des Antrages, die eine empfindliche Schlappe für das englische toinet bedeuten würde, Stimmung zu machen. Es ist zwar nicht wahrscheinlich, daß bie liberale Partei ben Premier im Stich lassen wird, aber schon bie Thatsache, baß bie Diseussion bie im Lande herrschende Verstimmung über die egyptische Politik der Regierung wieder einmal zum Ausdruck bringen wird, dürste für Mr. Gladstone recht unangenehm sein. In Spanien dauern die Verhaftungen der Anhänger Zo- rilla's fort. In Algesiras wurden drei Ossieiere und in San Raque, oer spanischen Zollstation in Gibraltar, zwei höhere Zollbeamte festgenommen, in deren Besitz sich revolutionäre Schriftstücke mit der Unterschrift Zorilla^S vor- fanden. Die Untersuchung über die große Eisenbahn-Katastrophe auf der Alcudia- Brücke dauert fort, doch hat sie noch keine directen Beweise eines Eisenbahnverbrechens ergeben. Der Entschluß der chinesischen Regierung, die diplomatischen Verhandlungen mit Frankreich wegen Tongking wieder aufzunehmen, kann als ein Symptom dafür aufgesaßt werden, daß sich in den Pekinger Regierungskreisen wieder friedlichere Anschauungen Bahn gebrochen haben. Bekanntlich hat Li-Fong-Pao bie neuen Verhanblungen in Paris eröffnet, inbeffen ist derselbe keineswegs zum definitiven Nachfolger Marquis Tseng's bestimmt, sondern er führt die Unterhandlungen nur -interimistisch. Zum wirklichen Gesandten Chinas in Paris ist, wie jetzt erst bekannt wird, Chou-Tsing-Tchou ernannt worben, über besten bisherige Functionen in China indessen noch nichts Näheres bekannt ist. Aus Egypten sind in den letzten Tagen wieder Nachrichten von Gorbon eingegangen. Eine Depesche Gordon's an Varing beklagt bie Nicht- absenbung von Truppen nach Berber unb erklärt, Gordon werbe, wenn er Khartum nicht halten könne, nach dem Aequator retiriren und der Regierung die Schande für bie Preisgebung der Garnison im Sudan überlasten. Die Negierung werde mit großen Schwierigkeiten den Mahdi unterdrücken muffen, wenn sie den Frieden in Egypten erhalten wolle. DarmAadt, 6. Mai. Aus Veranlassung seiner Vermählung sind Sr. Dur^l. dem Prinzen Ludwig von Battenberg nachbemerkle Orden verliehen worben: von Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog: ber Großherzoglich Hessische Orden vom Goldnen Löwen mit der Kette; von Ihrer Maj. ber Königin von Großbritannien: die Commanbeur-Jnsignien des Bath-Ordens; von Sr. Maj. dem König von Württemberg: das Großkreuz des Königl. Hausordens der Krone und von Sr. Hoheit dem Herzog von Sachsen-Coburg: bas Großkreuz des Ernestinischen Hausordens. Darmstadt, 7. Mai. Se. Königs. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 6. Mai, der am 24. April 1884 durch bie Stabtvcrorbneten zu Darmstadt erfolgten Wiedererwählung des bisherigen Bürgermeisterei-Beigeordneten, Commerzienraths Gustav Hickler, zum Bürgermeisterei-Beigeordneten ber Haupt- und Residenzstadt Darmstadt die Bestätigung zu ertheilen. Darmstadt, 8. Mai. Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 8 enthält: Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und ber Justiz, die Ausdehnung ber über das Pfanbrecht und andere Vorzugsrechte ber Gläubiger in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen bestehenden Gesetze auf die durch den Friedensvertrag vom 3. September 1866 erworbenen Gebietstheile betr. Nachdem die durch den Friedensvertrag vom 3. September 1866 erworbenen vormals kurhessischen Orte Ruhlkirchen und Ohmes in Gemäßheit des Gesetzes vom 27. März 1869 mit legalisirten Grundbüchern versehen sind und nachdem bie Revision der Hypothekenbücher dieser Orte vollendet ist, insbesondere die verpfändeten Liegenschaften mit deren in den Grundbüchern angegebenen neuen Kennziffern in den Hypothekenbüchern eingetragen sind, wird auf Grund des Art. 2 des Gesetzes, die Ausdehnung ber über bas Pfanbrecht und andere Vorzugsrechte der Gläubiger in ben Provinzen Starkenburg und Oberheffen bestehenden Gesetze auf die durch den Friedensvertrag vorn 3. September 1866 erworbenen Gebietstheile betreffend, vom 31. März 1869 (Reg.-Bl. Nr. 11 vom 14. April 1869) von ber unterzeichneten Stelle bekannt gemacht, daß die im Art. 1 des erwähnten Gesetzes aufgeführten Gesetze, nämlich: 1) bie Gesetze vom 15. September 1858 über das Pfandrecht und über die Rangordnung ber Gläubiger; 2) bas Gesetz vom 19. Januar 1859 über das Verfahren der Hypo- thekenbehörben; 3) das Gesetz vom 19. Januar 1859, betr. die Einführung ber unter Ziffer 1 und 2 bezeichneten Gesetze, und 4) das Gesetz vom 8. März 1864, bie Einschreibung ber den minderjährigen ober entmündigten Kindern an den Gütern ihrer Eltern zustehen- den gesetzlichen Hypotheken betreffend, mit ihren durch bie Reichs- und Landesgesetzgebung, insbesondere durch die Civilproceßordnung (§ 709 und 810), die Concursordnung (§§ 39 ff.), das Einführungsgesetz zur Concursordnung (§§ 13—15) und das Hessische Ausführungsgesetz zur Civilproceßordnung und Concursordnung (Art. 6, Art. 36 Absatz 1, Art. 39—48 und Art. 49 ff), bewirkten Abänderungen nunmehr bezüglich der oben bezeichneten Orte Ruhlkirchen und Ohmes am 1. Juni 1884 mit allen gesetzlichen Wirkungen in Kraft treten sollen. Berlin, 7. Mai. Soeben hat der Abgeordnete Wtndthorst, unterstützt vom ganzen Centrum, folgenden Antrag zur zweiten Berathung des Socialistengesetzes ein- gebracht: »Der Reichstag wolle beschließen: In Erwägung, daß die eigenen Mittel von Reich und Staat nicht ausreichen, um die gemeingefährlichen Bestrebungen der Socisldemokratie in ihren eigentlichen Grundursachen zu treffen, vielmehr die Wurzel dieses Uebels nur dadurch ausgerottet werben kann, daß die Religion m das Herz des deutschen Volkes wieder wetter und tiefer eingepflanzt und darin zu frischer Lebenskraft entfaltet wird, den Bundesrath zu ersuchen, soweit seine Competenz reicht, dahin zu wirken, daß überall die Hemmnisse beseitigt werden, welche die verschiedenen ReltgtonS- aemeinschaften in der freien und ungeschmälerten und nur so gesegneten Wirksamkeit für Fortpflanzung und Förderung christlichen Glaubens und Lebens im deutschen Volke noch hindern oder beengen." (g. Z) Telegraphische Depeschen. Wolff'S teLegs. Esress-sstdrm-DWreÄK. NstSdam, 7. Mai. Der Prinz von Wales ist heute Vormittag kurz nach 10 Uhr auf der Wildparkstation etngetroffen und daselbst von Ihrer Ä. K. Hoheit der Frau Kronprinzessin nebst Töchtern, der Prinzessin Christian zu Schleswig-Holstein und Ihrer K. Hoheit der Erbprinzessin von Meiningen empfangen und begrüßt worden. Der Vrtnz trug preußische Uniform. Sämmtliche Herrschaften begaben sich zu Fuß nach dem Neuen Palais, wo Seine K. Hohert Prinz Wilhelm nebst Gemahlin und Prinzessin Karoline Mathilde zu SchleSw,g-Holstetn den hohen Gast begrüßte». — Seine Majestät der Kaiser ist soeben hier etngetroffcn und hat sich alsbald nach dem Neuen Palais begeben, um daselbst bei dm kronpttnzlichen Herrschaften mit dem Primm von Wales, dem Prinzen und der Prinzessin Christian zu Schleswig- Holstein Ihren K- Hoheiten dem Prinzen und drr Prinzessin Wilhelm, dem Prmzrn Leopold und der Erdprinzessin von Meiningen das Dejeuner einzunehmen. Newuork, 7. Mai. Der Dampfer „Stat? of Nevada" von der State.Ltne ist am 5 bs. Mts., Abends, stark beschädigt in St- Johns (Neufundland) eingetroffen, derselbe hat am 3- ds. MtS. mit dem Dampfer der Wllson-Ltne „Romano" aus Hüll einen äusamwenstoß gehabt. Der „Romano" sank, seine Mannschaftten und Passagiere aber wurden gerettet und zugleich mit den Passagieren des „State of Nrvada" von dem nach tooöte gehenden Dampfer „Saint Laurent" aufgenommen. _ Der Dampfer „Titania" von Glasgow passirte heute Vormittag Father Point. Derselbe hat 24 Personen von dem Dampfer „St-tte of Florida" an Bord, welcher in Folge Husammtnsioßes mit einer Barke auf hoher See unUtßegangen sein soll. Der Copttän der „Tttem'a" sagt aus, daß von 167 Personen, welche sich an Bord des State of Florida" befanden, nur 44 gerettet fttm. Die Dark- habe eine Besatzung von 15 Mann gehnbr, von denen nur der Cap tun und zwei Mann gerettet wordm seien. Die Geretteten werden wohrschetttt.ch in Quebec gelandet 0)61 ^Paris, 7. Mal. Der Präsident G-evy empfing gestern den Botschafter Fürsten Hohenlohe, welcher heute nach Deutschland ab-ureiftn gedenkt. — Gestern fand in der Torpedoschule zu Boyardvtlle, nahe bei Rochefort, eine Explosion statt, wobei mehrere Personen verwundet wurden. Rom, 7. Mai. Der „Dtritto" bespricht die Einladung zur Conftrenz üoer dir eaypt.schen Fmanzang legenheiten, äußert sich befriedigt über die Jrttttat-ve, welche England in dieser Sacke ergriff'» Hobe und meint, die italienische Regierung müsse dahm wirkm, Italien auf der Conferen; den Platz zu sichern, der einer jungen, aber ihre Interessen vorsichtig wahrenden Nation zukomme. _ — Die bereits gemeldete Note des CardinaftStaalss ccetars Jaccbmi in Beirrff der Propaganda dkttirt vom 30. April und ist am 2. Mat an die päpstlichen Nuntien abgesendet worden. — Der Pavst empfing heut: dm Bischof Stroßmoyrr in Privatoudienz. Windsor, 7. Mat. Die Königin Victoria, die Prinzessin Beatrice, der Groß- berroa. sowie die Prinzessin Elifavtth von Hessen sind hier cmnetroffen. __________ ______U-UIHIUMIIIIW» HUB—!■ ■Illi.....HIIHMIIIBI II IIIIWI—W Die That eines großen Mohlthäters als ein beachtenswerthcr Uersnch ;ur Lösung der socialen Krage. In fsst allen helvorragrnden Culturländern beschäftigt man sich mit der Hebung dir socialen Verhältnisse, und Regierungen und Parlamente widmen «-nrn großen Thetl ihrer Arbeit dec soc'alen Frage. Da es aber wahrscheinlich klingt, daß die soc'ale Frage, d. h. der gesammte Fortschritt des Menschengeschlechts in wiMch-Micher.. sittlicher und geistiger Richtung überhaupt als die Frage der ganz n Menschheit aufgefaßt werden muß, so hat es wenig praktischen Werth, sich auf dem Gebiete der Politik für die socialen Angelegenheiten stark und einseitig zu erhitzen, denn nur ein Theil und noch dazu der kleinste der socialen Frage kann durch den Staat und b:e Gesellschaft gelöst werden, wenn den einzelnen Menschen ihre freie sittliche Bestimmung nicht genommen werden soll- Schutz, Brod, Arbeit und Unterricht kann der Einzelne vom Staate und der Gesellschaft beanspruchen, aber für ein Mehr auf dem Grbicte der Bildung, der Rangstellung und der Genüsse müssen bann die Leistungen der einzelnen Menschen selbst sorgen, das verlangt die Würde, die Freiheit und Gerechtigkeit. Halten wir nun diese Begrenzung der socialen Frage fest, so bleibt sie im Leben des Einzelnen wie ganzer Völker nur eine Pflicht der Humanität, die Unglücklichen und Nothletdenden helfen und Verirrte auf den rechten Weg bringen soll. Da nun weiter e8 in keinem Gemeinwesen an Personen fthlt, welche sich würdigen Armen, Unglücklichen und Elenden oder auch Verirrten stets annehmen würden, wenn nur immer die genügenden Mittel vorhanden wären, so ist wiederum in letzter Lutte die sociale Frage eine Geldfrage. Ein hochherziger Bürger der Stadt Leipzig, der kürzlich verstorbene Buchhändler Karl Tauchnitz, hat nun ollen edeldenkmden Menschen gezeigt, was Viele von ihnen, sei es im Großem ftt es im Kleinen, zur Lösung der socialen Frage berstsurrn könnten. Der edle Tauchnitz hat nach Abzug einiger Legate für seine Verwandten, Freunde und treue Diener sein ganzes, mehr ols vier Millionen Mark betragendes Vermögen der Stadt Leipzig mit drei Bedingungen vermacht, die den Verewigten in die Reihe der besten Menschen stellen. Die drei Bedingungen lauten, daß die Zinsen der gewaltigen Erbschaft nur für wohlthatige Zwecke verwandt werden sollen, daß der zehnte Theil der Zinsen zweihundert Jahre lang zum Kapital geschlagen werden mutz und daß das Ver, mächtniß und die Stiftung nicht einmal den Namen Tauchnitz tragen darf. Ermißt aus diesen Bestimmungen schon sofort Jedermann die Seelengröße des Verstorbenen, so haben doch die meisten keine richtige Vorstellung, was der verew'gte Tauchnitz für eine Weisheit durch die Bestimmung offenbart hüt, daß der zehnte Theil der Zinsen seines Vermächrnisses zweihundert Jahre lang zum Kapital geschlagen werden soll. Dadurch wächst das Kapital auf mehr als eine Milliarde und bringt jährlich mindestens 40 Millionen Zinsen. Nimmt man nun auch an, daß sich die Einwohnerschaft Leipzigs in zweihundert Jahren vervierfache und der Werth des Geldes um 50 Procent sinke, so bleibt trotzdem der Stadtgemeinde Leipzigs aus der Tauchnitzftiftung eine solche bedeutende Geldauelle, daß sie wahrscheinlich die Bedürfnisse aller Wohlthättgkeits- und Wohlfuhrlszwecke decken wird und die späteren Generationen der Leipziger Bürgerschaft nur noch für Verschönerungen, Künste und Wissenschaiten Steuern zu zahlen brauchen. Was würden danach reiche und wohlhabende Leute, deren es doch in allen Orten gibt für die Lösung der socialen Frage nicht alles zu rhun vermögen, wenn sie sich an b:m großen Wohlthäter Tauchnitz ein Beispiel nähmen.____________________ ______________________________ Lokales. Gießen, 8. Mai. Seit ungefähr 3 bis 4 Tagen hat sich eine Nachtigall indem Birkenwäldchen des «ach der Stadt zu gerichteten Theils des Philosophmwaloes niedergelassen und läßt allabendlich bis in die tiefe Nacht ihr Helles, munteres Lced erschallen. Hoffentlich bleibt sie uns den Sommer durch erhalten und möge sie vor den Raubvögeln bewahrt blttben. Gießen, 8. Mat. sMusikalisckes.st Wir wollen nicht versäumen, unsere rnusikliebenden Leser auf das nächsten Samstag den 10. Mai in Wenzel's Saalbau stattfindende Concert nochmals aufmerksam zu machen. Ueber das Auftreten des Violinisten Herrn Hans SÄuster in anderen Städten können wir folgende Berichte noch erwähnen. Die „N. Franks. Presse" bespricht ein Concert im Theatersaale in Offenbach wie folgt: „Verherrlicht wurde der Abend durch die Mitwirkung eines gern gesehenen Gastes, des Kammermusikers Herrn Hans Schuster. Herr Schuster, bei seinem Auftreten mit herzlichem Applaus empfangen, entzückte durch den brillanten Bvrttag einer Norma-Fantaste. Die Sicherheit, mit der dieser junge Künstler den Bogm führt, der warme, zum Herzen sprechende Ton, verbunden mit einer vorzüglichen Technik, sichern Herrn Schuster eine schöne Zukunft." Die „Karlör. Nachrichten" besprechen das Aufireten in einem Cäcilien-Verems-Concerte folgendermaßen: .Hatte Herr Schuster bereits durch die vorzügliche Ausführung der ersten Stimme in Beethooen's Strekchquintett in C-dur und in Kiel's Stretchquartett-Walzer die beifällige Aufmerksamkeit des Publikums auf sich gelenkt, so war dies noch mehr in den Vislwsolt der Fall. Weicher, edler Ton vereinigen sich in seinem Spiele mit warm empfundenem, geschmeckooll nuanc-rtem Vortrage auf die anziehendste Weise." — Gestern Nachmittag schwebten zwei junge Leute in Gefahr, in der Lahn zu ertrinken. Zwei Gymnasiasten vergnügten sich mit Bootfahren, geriethen jedoch hierbei in die Strömung am Wehr und sausten über dasselbe, wobei sie aus dem Boot geschleudert wurden. Ihrer Geistesgegenwart gelang es jedoch, sich bei dem eben hohen Wafferstand schwimmend nach dem Ufer zu retten. V erwischte».^ Mainz, 5 Mai. Nachdem sich nunmehr die verlangte Anzahl der Theilnehmer gefunden, ist heute Morgen von der Oberpostbehörde die Genehmlgung zur Telephon» anlage zwischen hier und Frankfurt a. M bei der hiesigen Poftoerwaltung eingetroffen. Wie wir hören, soll mit her Ausführung der Anlage sofort begonnen werden. BenSheim, 4. Mai. Im „Deutschen Hause" dahier fand heute der Verbands- iag der hessischen Krtcgervercine, welche dem Kriegerverband „Hassia" angehören, statt. Die auf der Tagesordnung stehenden Gegenstände wurden von der sehr zahlreichen Versammlung nach den Vorschlägen des Vorstandes genehmigt. Zum nächstjährigen Vorort ward Worms mit großer Majorttät gewählt, Bingen, welches sich um die Vor- ortschafi ebenfalls beworben hatte, unterleg. Frankfurt a. M., 5. Mai. Am Freitag Abend wurden mittelst einer neuen Maschine die Buceaus deS Hauptpostgebäudes electrisch beleuchtet. Die städtische Äau- deputatton und mehrere Mitglieder des Magistrats wohnten dem Cxpertmentt, welches sehr gut aussiel, bei. Bekanntlich besteht die Absicht, durch die Edison.Gesellschaft di, electnsche Beleuchtung tm Schauspielhaus einführen zu lassen. — Gestern Abend kurz vor Beginn der Vorstellung Jm Opernhaus ereignete sich ein bedauerlicher Unfall. Der Berufsfeuerwehrmann H., Vater von 6 Kindern, mV beauftragt, einen erst eingetvetenen Feuerwehrmann zu instruiren, d. h. ihm die Einrichiung und Lage der Hydranten, Regcngösse rc. zu zeigen. Im Begriff, sich um- zudrehcn, glitt er auf der ersten Maschinengallerie unter der Bühne aus und stürzte vor de» Augen des Kameraden rückwärts in die Tiefe bis zur Sohle des Opernhauses. Man eilte dem Unglücklichen sofort zur Hülfe, hob ihn auf und trug ihn zur Feuerwache. Der herbeigeeilte Theaterarzt konstatirtr zwar verfchtedeve schmerzhafte Con- tuRonen, j-doch keinen Knochenbruch. Dem glücklichen Zufall, daß der Mann sich in den Seilen mehrmals fisg und ftinen starkt der Oeffentlickktit vermeidet. Man genießt von der Höhe, auf der fein Palast liegt, die prachtvollste Fernsicht über den Bosporus, Marmarameer und das riesige Häusergewirre der großen Stadt, aber man sieht Z)!ldiz'Kiosk selbst nur von «iaer einzigen Stelle, wenn man im Bosporus nächst dem Tschtragan-Palaft, dem mutbmaßlichen Aufenthalte Murad's vorübersährt. Ntldiz-Kiosk soll nickt gesehen und von keinem Fremden betreten werden. Ueber die Sorgfalt, mit der das Gcheimniß des kafferlichen Palastes gehütet wird, gibt am besten folgende Thcttsachs Aufschluß: Vor einiger Zeit beabsichtigte drr ..Lloyd", auf seinen Schiffen eUktrisches Licht einzuführen, um damit Landungspunkte oder das Meer zu beleuchten. Man stellte im Hafen von Konstantinopel im Beisein einer Anzahl geladener Gäste Versuche an und der unglückselige Ingenieur glaubte dem Padischah eine besondere Ucberraschung zu bieten, w-nn er mit dem Refleclor auch d^n Kiosk taghell beleuchten würde. Das Experiment gelang ausgezeichnet, aber eine Halde Stunde später langtr: eine berittene Ordonnanz auf keuchendem Pferde in Galata an und brachte die strenge Weisung, sofort jeden weiteren Versuch mit dem elektrischen Lichte einzustellen. Das Dunkel von Dildiz-Kiosk darf nicht oufgrhellt werden. Nie zeigt sich Abdul Hamid scinem Volke und nur am Freitag beim Selaml k ist er für einige Secunden den wenigen Personen sichtbar, die hinter dem siebenfachen Quarr 4, das die verläßlichsten Truppen rings um die betrtffer.de Moschee Hilden, Zugang und Platz finden. In welcher Moschee der Sultan sein Gebet verrichten wird, bleibt immer bis zum letzten Tage ein Geheimniß, und oft wenige Stunden vor der feierlichen Ceremonie, wie dies während der Anwesenheit des österreichischen Kronprinzen der Fall war, erfolgt die Ordre, daß der ©elcmlit in einer anderen Moschee als in der bereits bestimmten staitfinden werde. Abdul Aziz ritt in Begleitung der Prinzen und Würdenträger auf emetn weiten Wege, auf dem ibn Hunderttausende sehen konnten, zur Moschee und der Selamlik war damals ein soll- ständiges Volksfest. Der Verkehr mit dem Beherrscher der Türkei ist unter solchen Umständen ein sehr schwieriger und tn den verschiedenen Botschaftshotels weiß man absonderliche Dinge von diesem V-rkchre zu erzählen. Das Mchttauen, von bem der PadisLah erfüllt ist, erstreckt sich nicht blos auf Fremde oder das niedere Volk^ auch die höchsten Würder-träger des Palastes müssen dasselbe ruhig ertragen. Einen interessanten Beleg theilt mir ein Gewährsmann mit, desftn Glaubwürdigkeit ke-nen Zweifel zuläßt. Das österreichische Kronprinzenpaar erhielt j-dm Tag Geschenke vom Sultan übersendet. Dieselben wurden von Paschas, zuwettm sogar persönlich von den Ministern überbracht. Jedes Geschenk, welchen Umfang es auch hatte, war in giüner Seide verpackt und die Umhüllung war mit seidenen Schnüren zugebunden, deren Enden der Sultan eigenhändig mit seinem Stege! geschloffen hatte. Der Kronprinz mußte selbst das Siegel lösen und der betreffende Groß Würdenträger entfernte sich nicht eher, als bis Se. Kaiserliche Hoheit durch feine Unterschrift den richtigen Empfang bestätigt hatte. Ich habe in Konstantinoprl vor 15 Jahren einige Zett Betmeilt und damals schon sprelte die GLldcalamiiät eine große Rolle. Heute bat man sich an die Permanenz dieses Uebels gewöhnt und betrachtet es w'e eine Krankheit, für die es keine Heilung, kaum mehr eine Linderung gibt. Klingt es für einen Europäer nicht wie e ne Fabel, wenn die türkischen Journale mit hervorragender Schrift anfünbißen, es werde am 1. Mai den Beamten in Konstantinopel das Gehalt für den Februar ausgezahlt werden? — Ausgezablt? Das ist zweideutig. Man bezahlt das Grhaltin Papiergeld, das kaum die Hälfte des Werthes hat, den es reprafenttren soll. Das Elend der unteren Klassen spottet jeder Beschreibung. Gebettelt wurde in den Straßen von Konstantinopel immer, aber jetzt ist der Bettel geradezu widerlich. Halb entblößte, erschreckend ausseüende Gestalten, die oft nur mtt einem zerrissenen Mantel notdürftig bekleidet sind, trifft man selbst in der Grande Rue de Pera und in der Strahe, die zur österreichischen Botschaft hinabführt, lagern die blinden Greift, die Frauen mit halbverhungerten Kindern dutzendweise mitten im Kehricht und heischen Almoftn. Wehe dem Europäer, der sich oerleiüen laßt, ein Paar Paras den Kindern Hinzuwersen, cr ist verloren; eine ganze Rotte zerlumpter Buben, junger Mädchen und alter Weiber bängi sich an seine Fersen, zerrt an seinen Kleidern, faßt seine Hände - er wirb die Bösen, die er gerufen, nicht mehr los, wenn er richt mit bem Stocke dreinsährt ober in fein Hotel flüchtet. (Press-'.) Schweisweiler, Ende April. Die verrückteste Duellpeschickie, nur leider wii traurigem Ausgang, ist hier passirt. Zwei in den hiesigen Steinbrüchen beschäftigt- Arbeiter kamen überein, daß der Morgenimbiß, bestehend in einem halben Schoppen Feuerwasser, abwechselnd heute von dem Einen, morgen von dem Andern zu bezahlen sei. Wie gesagt, so gethan. Das erste Frühstück war eingenommen, doch als am andern Morgen der Associe seinen Halben bezahlen sollte, weigerte er sich so energism daß sich fein Partner durch heftige Steuerungen Lust wachen mußte, und schlietzlm kam es zwischm den beiden Steinhauern zur „Forderung" auf Pistolen, ße'ber mar nur eine Pistole vorhanden; dessen ungeachtet wurde die Schrittzahl auf 60 Gange abgemessen und der Eine schoß drei Schüsse ab, ohne zu treffen. Hierauf holte sick her andere Duellant, der bisher im Feuer gestanden war, von seinem Gegner: v« Waffe und traf denselben mit dem ersten Schüsse so unglücklich, datz an dem AU> 3*11 s'ii* SiW fiallc Lfeat rD^r ,'Sssg 5ÄS sSjsjy Siib« MWer.de Her! der neuen Schul Schillerstrche soll Niion vergeben r Maurerarbeit Steinhauerar Schlofferarbei Weißdiuderar Die Offerten längstens Donnerstag d Vormittag dem städtischen NW-Z. ein,jure W in den übliche ei'Hlägigen Voran ** 6t« b«u2^ni* «s bei MiÄ.i ’l s£ »Ä! ®efa, am 8. $ MWich-Bim A. Br »ff - So W- ifanen »«f M 6“ ediw U'Wtn b'lvet c'lii gegmwart in W hlos die naturgemäß oberen W11'*, ?gr WertS lassen, baß stMtl ersorberm öl,M d-n bagesrn b fdt erbööen eoer niblid) die Aufaerkst » Und bet allen gefShrliS" Spie Seilhüpfen Folgendes die Thai eine serfchll Viele ärjtW gesundhMördnM oben angesöhrten diese turnerische Utbt Wer zu viel Wollte man deshalb thöltcht. Nicht miud 6 Notz die dk-WsAt».,, ,i> k 3e' mo5ti r1i,0ttt»' f war damals em boip Türkei ist unter sock ilschafishotels weiß S« illchtrauen, von beai» das niedere M wi ertragen. @incn 2 Würdigkeit keinen Zoes » Tag Geschenke U sogar petsönlich von ich hotte, war in ß. ürm lugebunden, L. Der W iträaer entfernte sich einige M« «3g an beAt -s tntf ffl< LSZtz en und auer^dse *ÄÄ »sZs«i»®ä« i des v do-h Sä' zS>-,S Zchliiizu^gut die Ä'-1’ kommen des Jüngeren gezweifelt wird. Der die unglückselige Thal vollbracht, ist bereits verhaftet. — (Zwei russische Fürsten.) Vor dem Gericht in Tiflis führen Fürst Bagration- Mukranskt und Fürst Sumbatoff einen Cwtlproceß gegen einander. Während das Gericht die Verlesung der ActenstÜcke deS ProccssrS vornehmen ließ, hörte man in dem Vorzimmer Schüsse fallen. Das Publikum eilte dort hin und man fand den Fürsten Bagratto«, der, am Gesicht und an drr Achsel verwundet, heftig blutete. Bagration hatte indessen noch Kraft, sich in das Zimmer der Boten zu schleppen, wo ihm der Verband angelegt wurde. Gleichzeitig sah man den jungen Fürsten Sumbatoff tu das Zimmcr der Vermrssungscommission. einen Revolver tn der Hand, bringen. Die Personen, welche dem Vorfall beiwohnten, versicherten, daß Sumbatoff fortwährend nach dem Kopfe gezielt hat. Nach den zwei ersten Schüssen schleuderte Fürst Bagratton den Fürsten Sumbatoff mit emem hfifttgen Faustschlag zur Erde; im gleichen Augenblick wurde er jedoch durch zwei Schüsse tm Rücken verwundet. Der Zustand Bagrations gibt keinen Anlaß zu Besorgnissm. Fürst Sumbatoff wurde alsbald arrettrt; er erklärte, er werde die Ursachen des Vorganges nur vor seinem Richter mittheilen. Das Ereigniß har, rote leicht eillär-ltch, tn Tifl S große Sensation gemacht und man bringt die verschiedensten CombMationen herbei, um es zu erklären. Eingesandt. Gießen, 7. Mai. Manche Aerzte halten daS sehr übliche Seilhüpfen der Mädchen al5 unbedingt verwerflich, weil gesundheitsschädlich, da es häufig Verrenkungen, Knochevbrüche, Verletzungen der inneren Organe und noch fifibcte KrankheltSerschet«ungen zur Folge habe. — So lauten die Urtheüe in der Presse. Obgleich diesÜben nur vereinzelt auf- Irden, so muß ihnen aber dennoch entgegengetreten werden. DoT Seilhüpfen mag, im Uebermaß betrieben, auf den Organismus deS Körpers, wie jede andere Ueberanstrrngung, schädlich Wicken. Es wnd auch bann schädlich wirken, wenn dasselbe nicht tn der richtigen Weise ausgeführt wird. Wer Seil hüpft, darf nur mit den Fußspitzen aufhüpfin, niemals aber auf ganzer Fußsohle oder gar nut den Fersen. Das Seilhüpfen tm langen und kurzen Schwungseil mit seinen allseitigen Übungen bilöet einen Hünptthett der turnerischen Uedungen für Mädchen. Es wird dadurch Gewandtheit, Anmuth, Geduld, Festigkett im Handeln und namer.llich GeisteL- flegvnwart in hohem Gcade erzielt. GutS Muts hat wirderholt betont: „Es lst nicht ^los die naturgemäße Bewegung deS ganzen Körpers, sowie besonders der unteren und oberen Glieder, wodurch die Uebungsformeu des Seilhüpfins wirksam werben, sondern ihr Werth beruht vorzüglich baraaf, dass sie sich mit trdfl-chem Anstande LuSsühren lassen, daß sie nicht bloS Schnelligkeit, sondern scharf abgemessene Schnelligkeit und Gewandtheit erfordern, daß sie auf strenge Halturig deS Zettmstzes dringen ober augm- irlicklich den dagegen begangenen Fehler strafen, daß sie den Blick schärfen, die Dreistigkeit erhöhen und eben dadurch für nicht seltene Fälle des Lebens adrichten, daß sie endlich die Aufmerksamkeit und das sinnliche Beobachtungsvermögen mit Strenge fesseln. Und bet allen diesen Vorthellen sind sie weder gewaltsam, noch im Mindesten S efährltch." Spieß, der eigentliche Gründer des Mädcheumrmns, sagt über baS Seilhüpfen Folgendes: „Wer handelt, muß den rechten Augenblick erfassen, weil sonst btc Thal eine verfehlte ift.^ Viele ärztliche Autoritäten empfehlen deshalb mit Recht das Seilhüpfen als Sesundheitsförderlich. Wcnn cs hier und da vorkommt, daß ba§ Seilhüpfen aus den oben angeführten Gründen nachtheilige Folgen nach sich z'kht, so kann man doch nicht liefe turnerische Hebung al§ gesundheitsschädlich bezeichnen. Wer zu viel ißt und trinkt, wird leicht krank und wenn eS das Veste wäre. Wollte man deshalb das Essen und Trinken überhaupt verbieten, so wäre dies gewiß thörtcht. Nicht minder thörtcht wäre cs, wenn man das Seilhüpfeu verbieten wollte. Z1 — H"lte Nachmittag ftd in der Bahnhofstraße vor dem Plant',chen Hause ein mit Latten beladener Wagen tn Folge des mangelhaften Gossenpflasters um und bedeckte mit seiner Ladung bas ganze Trottoir. Ein großes Glück war es, daß sich zufällig keine Menschen auf dem Trottoir befanden, denn ein Jeder wäre sofort zermalmt worden. ( , Beim Ausweichen der Fuhrwerke auf der schmalen Straße passirt es regelmäßig, aß d.e Hirtertbelle der Wagen in Folge des abschüssigen Goffenpflasters abgleiien und die Passanten auf dem schmalen Trottorr hierdurch oder durch herunterfallende KolliS rc. in Gefahr schweben, verletzt zu werden. Es wäre wünschenswerth, wenn die Behörde von dem erwähnten MIKstsnd an Ort und Stelle Einsicht nähme und für rascheste Abhülfe sorgen wollte. H«ndeL $wD BeEeh?. „ yAraEurt, 7. Mai. Auf dem heutigen Markt kostete der C.'ntner Heu 3.80, Stroh X 3.OO—3.3O, Eier das Hundert x 430—5.70 Butter V 5ua !i(1* 0.90, 2. Qualität X 1.00, Kartoffeln per Eentner x 2 00—2 *>5 Kohlrabi 30 -35 4 pr. St, Erbsen 100 Kg. 19.50—27.50 X, Rothkraut pr. St ()0—00 V Poularden X 0-0, Huhn^L 1.50-2.20, 1 Ente X 3.00-4.00, 1 Taube' 60-0) Hahn X 1.70—2.00, Gans X 0—0.00, Welsche X 7-12.— „ Mai. Rother Weizen X. 16.95, weißer Weizen X 0000 Korn X 12.30, Gerste X 10.30, Hafer X 8.40, Erbsen X —, Kartoffeln X —. ' m a Berlin, 1. Mai. Nmerer amtlicher Benachrichtigung zufolge unterliegen mit Postwerthzeichen unzureichend franFnte Briefe aus Oesterreich-Ungarn der Tore für unftanklrte Brieft, jedoch ul-ter Anrechnung des Werrhes der vrrwendeten Poftwe-tb- retchen. Eine Abrundung des ErgänzunosportoS auf einen durch fünf thcilba'-en Betrag findet nicht statt, f^ür uazurerchrnd fronklrte Drucksachen oder Waarenproben wird dem Empfänger ter doppelte Betrog des fthlenden Po'totheils angerechnet, wöbet Bruchtheile einer Mark r-öt^gcnsalls auf eine durch fünf theilbare Pfennigsumme auf» wart? abgerundet werben. Bet Ermittlung des Werths der auf Brrefpostgegenstaaden nerrotnbeten Posiwkribzeichen. beziehentlich bet Berechnuna des fehlenden Portothetls ist 1 Kreuzer österreichischer Währung mit 2 Pfg. Reichswahrung zu rechnen. So ist beispielsweise eine m't 2 statt 5 Kreuzer srankirte Drucksache mit 15 Psg., c»n mit 2 statt mit 5 Kreuzer franfirter aewöbnlicker Brief aus Oesterreich Ungarn bei der Grenz-Eingangspostonstalt ir.ir 16 Pfg. in Ansatz zu bringen. Bei unzureichend^ Nankilten Fahrpoftfendungen ans Ocsterr,ich Ungmn hat die Berechnung des N^Ä- schußportos in der Meile stattzufindrn, baß von dem in der MarkLahrung nach der Taxe für franftrte ©enbun^m sich er^ebenben Pottobefrage der Werth des vom Ab- smder gezahlten Francos in Abzug gebracht roitb. Bei Ermittlung dieses Werthes sind 3 Kr. ofierr. gleich 5 Psg. NttLSwäh'-ung zu rechnen und bei dem Ansätze des Nach- schußpyrtos Bruchibette einer Ma^k x ötb;aenfaß§ auf ?tne durch fünf tbetlbnre Vfennig- fumme aufwärts abziinmben. Hiernach ist beisptelswe-se für e'n Packet aus Wien nach Berlin tm G°wtchtt. von 4 Kg., wclchrtz statt mit 30 nur mit 25 Kr. frantrf ist, nach Abrechnung von 25 Kr. ober 412'3 Psg von dem Porto von 50 Pfg. das Nachschußporto mit 10 Psg. in Ansatz zu bringen. B geff. BeachtNKA» Schriftliche Arifragen wegen AluMnftsertheilung über Inserate ic. können »k nur dann beantworte, wenn denfflben eine Freimarke für die Nnckal.twort beigelegt o? U^ber Inserate bezüglich deren Offerten einzureichen sind, ist die Exp ditron m kernerlel Auskunstsertheilungen beiugt. Offertenbriese find — soweit keine bestimmten ot'flcntheihaev Abmachunaen getroffen wurden — in der Ervedition c-brndolen Allg§MeinZT Anzeiger. SUhmisiorr. Nachstehende Herstellungsarbeiten an Ut neuen Schulhofraithe in der Schillerstraße sollen mittelst Sub- Anfsion vergeben werden, und Zwar: veranschl. zu Maurerarbeit 65,47 X. Steinhauerarbeit 179,92 „ Schlosserarbeit 93,50 „ Weißbülderarbeit 4414,48 „ Die Offerten hierfür sind bis längstens Donne«stag den 15.1. Mts., Vormittags 11 Uhr, auf dem städtischen Baubureau, Gar- lenstraffe 2, einzureichen, woselbst vorher in den üblichen Amtsstunden die einschlägigen Voranschläge und Ueber- riahmsbedingungen zur Einsicht offen liegen. Gießen, am 8. Mai 1884. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. J 3295 A. Vram m. Versteigerursg VE Gr^s, Grde, uNd Äbgestorberrers Atleebäumerr. Die diesjährigen Grasnutzungen an den Grüben und Böschungen der nnchbeuannten Straßen sollen in den dabei bemerkten Terminen an Ort und Stelle verpachtet, und vorhandene ^rde und einzelne abgestorbeneÄllee- Lräume versteigert werden, und zwar: 1) Samstag den 10. Mm ans der Straße von Gießen nach Nodheim, Anfang Morgens 8 Uhr jenseits der Lahnbrücke. 2) Samstag den 10. Mai auf der Straße von Gießen bis Klein-Linden und von Klein- Linden nach Dutenhofen zu, An- fülng Mittags 2 Uhr bei der Veteri- näranstalt- 3) Montag den 12. Mai auf der Straße von Klein-Linden bis Butzbach und von Pohl-Göns gegen Niederkleen, Anfang Morgens 8 Uhr bei Klein-Linden. 4) MiUwoch den 14. Mai auf der Straße von Gießen na^ Marburg, Anfang Morgens 8 Uhr vor dem Wallthor. 5) Freitag den 16. Mai aus der Straße von Gießen über Lich nach Langsdorf, Anfang Ältorgens 8 Uhr in der Nähe des Gießener Friedhofes. 6) Montag den 19. Mai auf der Straße von Lich gegen den H e s s e n b r ü ck e r Ha in mer, Anfang Morgens 9 Uhr bei dem Fried- Hofe zu Lich. 7) Mittwoch den 21. Mai auf der Straße von Lich bis Hof- Gill, Anfang Morgens 9 Uhr bei dem Eisenbahnviadukt. 8) Samstag den 24. Mai auf der Straße von Gießen über Reiskirchen, Anfang Morgens 8 Uhr in der Nähe des Schützenhofes. Die resp. Großh. Bürgermeistereien werden ersucht, diese Versteigerungen im Interesse ihrer Gemeinden besonders befaimt machen zu lassen. Gießen, den 7. Mai 1884. Großh. Kreisbauamt Gießen. Walter. 3265 Freitag den 9. Mai, Otachmittags 2 Uhr, fallen im Weinsaal, Bcchulwfstraße, eine große Parthie D^men-KLelSLr- ftoffc aller Art, in ganzen Stücken, at>= gepatzte Kleider, Reste, Manilla- u. Govelin-Tischdecken, weiße Gar- -inen-3Lefte rc. versteigert werden. Gleichzeitig 2 gute Kommoden, 1 So- pha, tannene Waschtische. on,o Im Auftrag: 0-^0 Müller, Ortsgerichtsmann. 3236 Ein gebr. Velociped, Höhe 1,35 Mir., ist billig zu verkaufen. Schlosser Flett, Teuselslustgärtchen 22. Freitag den 9. Mai, Vormittags 9 Uhr, soll in dem Hause des Metzger Schuster, Wettergasse dahier, eine frisch abgeschlachtete streitige Ochscnhant meistbietend versteigert werden. Gießen, den 8 Mai 1884. 3289 Müller, OrtsgerichtSmann. JeilgeZsismes. Der anerkannt beste uitschädlichste Tages- u- Abendpuder ist Ri ch. Gründe r's weltberühmter I Schwanenpuörr, hastet vollkommen unsichtbar, und -•$> *$• gießt der Haut ein zartes, rosiges, jugcndl. u. natürl. Colorit- Depot bei 6g. Petri Wwe. J. H. .Fuhr 25 Sonnenstrasse 25 empfiehlt in großer Auswahl Sommer-HandschlchZ in fils de cos und Seide in alten Farben, Glace-Handschuhe 2knöpfig, schwarz u. farbig für M. L50, Kinder- und Damenflrümpf^ weiß und farbig, 3226 Soekea®. GmgLMachte grüne SchnLLtbohnen (hochfein) in allen Packungen empfiehlt Lonis Scharmann Kr., 3296 _____ ___Schloßgasse.__ Ein Acker mit Klee' zu verkaufen. Näheres bei 3283 I. Horvmanir, Mäusburg. Sümnrtiiche Specialiläten waaren--Branche empfiehlt und versendet E. Kroening, Magdeburg, Vertreter der renommir- testen G- Fabriken des In- und Arwlandes. Neueste ^Preiscourante stehen brieflich gegen Beifügung des Portos von 10 oder 20 r$i gratis zur Verfügung. 3291 Hassia-Loose (Ziehung d. 15. Mai) ä X 1, Ealsclrr Pftrdcmarkt-Loose (Ziehung d. 28. 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Vermietßungen. 8282 Das seither von Herrn Realschuldirector Sold an bewohnte Logis tft durch dessen Versetzung alsbald wieder zu vermiethen. , n nrY Gefchw. GaquoiN, Gartenstr. 27 3286 Möblirtes Zimmer Ende d- M- ab zu vermiethen. Bahnhofstraße^.^ " 3290 Ein' kleines Logis und einzelne Stube zu vermiethen bei Batth. Malkomestns,Neustadt 3c>. 3293 Zwei ineinandergehende Zimmer zu vermiethen, beziehbar Mitte Juni- Wetz stein g ass e 25. 1014 EineWohnung im mittleren Stock, 4 Zimmer mit Zubehör, zu vermiethen. Helm, Bismarckstr. ~28Ö8 Ein Familienlogis, sowie ein gut möblirtes Zimmer sofort zu vermiethen. Feldschlößchen. 3145 Ein Familienlogis zu vermieden. ______________Seltersweg 21. "3174 Der 2. Stock zu vermiethen. Jakob Balser, Grünbergerstraße. VereinsBmnk in Berlin. Actien-Sesellschaft. Grund-Capital: 30 Millionen Mark, emlttirtes volleinbezahltes Capital: 6 Millionen Mark. Wir übernehmen die Besorgung des An- und Verkaufs börsengängiger Werthpapiere zu de« Coursen der Berliner Börse, sowie sonstiger bank- und börsengeschäftlichen L)rdres^ insbesondere auch die Ausführung von Börfen-Zeitgeschäften zu couranten Bedingungen; es beträgt die in Ansatz gebrachte. Provision ausschliesslich em Zehnte' Procent. Die Einziehung von Zinscoupons, Dividendenscheinen und auSge- looften Stücken, sowie die Controls der Verloosungen, die Einholung neuer CouponSbogen wird unseren Kunden kostenfrei unter Berechnung der eventuellen Porto-Auslage besorgt; — Verwerthung der in fremder Münze zahlbaren Coupons bereits einige Zeit vor Verfall zum jeweiligen Börsen-Course. Lomvard-Darleüne gewähren wir auf börsengängige Werthpapiere je nach Maschmenstnckerei von C. Pietsch «. Lieferung von weitzen u. farbige« baumwollenen Damenstrümpfen in allen Fa?ons und Größen, je nach Bestellung (M. Haufchild Estremad- von den gröbsten bis zu den feinsten Nummern). 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