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Betreffend: Das Reichsgesetz über die Krankenversicherung der Arbeiter. Gießen, am 7. März 1884. Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen an die GroßbsrzoglisÄen Bürgermeistereien des Kreises (mit Ausnahme von Gießen'). Wir bringen die Erledigung unseres Ausschreibens vom 19. December 1883 in Nr. 297 des Gießener Anzeigers wiederholt in Erinnerung. Wir bemerken nochmals, daß der Gemeinderath sich auch bestimmt darüber auszusprechen hat, ob der Versicherungszwang auf die im § 2 des Neichs- gesetzes von, 15. Juni 1883 bezeichneten Arbeiter, einschließlich der in den selbstständigen Gemarkungen befindlichen, ausgedehnt werden soll oder nicht. Bezüglich der Ausführung der Versicherung verweisen wir insbesondere auf § 13 des Reichsgesetzes und ist auch dieserhalb von dem Gemeinderathe Beschluß zu fassen. Dr. Boekmann. Wochenschau. Gießen, 8. Mürz. Das markanteste Ereigniß der Woche in der inner« Politik ist die am Donnerstag unter den üblichen Feierlichkeiten erfolgte Eröffnung des Äeichstages. Es ist eine ernste, bewegte Zeit, in welcher unser oberstes Parlament zu seiner letzten Session vor den allgemeinen Neuwahleit zusammen- tritt, überall sehen wir, wie geheime, aber desto gefährlichere Kräfte bemüht sind, den Boden, auf welchem unsere gesammtstaatliche und gesellschaftliche Ordnung basirt, zu unterwühlen und die Blassen für die utopistischen Ideen der modernen Umstürzler zu gewinnen. Auch in unferm deutschen Daterlande arbeiten ja schon seit Jahren die Pioniere des communistisch-socialistischen Zu- kunstsstaates durch Wort und Schrift mit leider nicht zu leugnendem Erfolge daran, die arbeitenden Klassen gegen die gejammten zur Zeit bestehenden Verhältnisse im wahrsten Sinne des Wortes aufzuhetzen, welcher Erkenntniß sich natürlich auch die Reichsregierung nicht verschlossen hat. Die fluchwürdigen Attentate auf die geheiligte Person unsers greisen Kaisers, welche man, nicht mit Unrecht, mit der socialistischen Agitation in Verbindung brachte, waren für die Regierung die Veranlassung zur Einbringung des Socialistengesetzes im Reichstage, um dieser Agitation wenigstens äußerlich möglichst einen Riegel vor- zuschieben. Die Zeitumstände sind indessen nicht darnach angethan, um dieses Gesetz nunmehr wieder außer Kraft treten zu lassen. In den nächsten Wochen wird daher die Regierung abermals an den eben zusammengetretenen Reichstag den Antrag stellen, das Socialistengesetz zu verlängern, und zwar bis zum 30. September 1886. Gleichzeitig hat aber die Regierung dem Parlamente durch die abermalige Vorlegung des Unfallversicherungsgesetzes ein Mittel in die Hand gegeben, einen weithin sichtbaren Anfang zur wirksamen Heilung der socialen Schäden zu machen und an dem Reichstag ist es nun, die Regierung zur Erreichung dieses Zieles thatkrästig zu unterstützen. — Die bei Eröffnung des Reichstages zur Verlesung gelangte Thronrede verweilt diesmal etwas ausführlicher, als es sonst wohl der Fall, bei dem Thema der auswärtigen Politik. Es erklärt sich dies indeß höchst ungezwungen und in einer jeden wahrhaften Freund des Vaterlandes wie des Friedens aufrichtig beglückenden Weise aus dem, so natürlichen, Wohlgefallen, mit welchem der Kaiser auf die außerordentliche Förderung blickt, die das Werk der Sicherung und Befestigung des europäischen Friedens seit dem letzten Beisammensein des Reichstages erfahren hat. Als hierfür hauptsächlich in Betracht kommende Momente zählt die Thronrede einmal die Kronprinzen-Reise des vergangenen Herbstes und dann das freundschaftliche Verhältniß Deutschlands zu den benachbarten Kaiserreichen auf. Wenn die Thronrede es vermeidet, die gegenwärtige Beschaffenheit der deutsch-russischen Beziehungen gesondert zu betonen, so liegt hierin für den Kenner der Verhältnisse nichts Befremdliches. Eher hätte das Gegentheil auffallen müssen, weil es gewissen Soupoons hätte ein Relief geben können, welche aus Anlaß der jüngsten russischen Zuvorkommenheiten gegen Deutschland eine Lockerung des deutschösterreichisch-ungarischen Bündnisses folgern wollten. Es versteht sich ganz von selbst, daß für derartige Conjectureu auch nicht der Schatten eines Anhalts- Punktes gegeben ist und also auch alle daraus gezogenen pessimistischen Con- sequenzen in ihr Nichts dahinsinken. Im Gegentheil kann gesagt werden, daß dasjenige politische System, welches in dem Bunde Deutschlands mit der habsburgischen Monarchie feine Verkörperung findet, heute unumschränkter herrscht als je; denn die Herstellung der deutsch-russischen Intimität verträgt absolut keine anvere Deutung, als die nunmehrige vorbehaltlose Anerkennung des eminent friedfertigen Grundgedankens der mitteleuropäischen Bündniß-Constellation auch Seitens der Politiker an der Newa. — So stellt sich denn dem wieder zusammengetreteiien Reichstag die internationale Situation in seltener Durchsichtigkeit und Einfachheit dar, und kann er sich den seiner harrenden social- politischen Aufgaben mit dem beruhigenden Bewußtsein hingeben, daß der äußere Friede auf nach menschlichem Ermessen völlig gesicherten Grundlagen ruht. Möchte er daraus die Kraft schöpfen, zur Sicherung des inneren Friedens das ©einige beizutragen. Die Fortschrittspartei und die liberale Vereinigung haben sich laut einer Erklärung in der „Nat.-Ztg." zu einer Partei verschmolzen, die den Namen „Deutsche freisinnige Partei" führen wird. Dem Vernehmen nach wird Herr v. Stauffenberg die Führung derselben übernehmen. Das preußische Abgeordnetenhaus hat mit der am Montag begonnenen und am Mittwoch beendigten dritten Lesung des Etats und des Etatsgesetzes seine dringendsten Arbeiten beendigt. Die einzelnen Positionen wurden sämmtlich genehmigt, obwohl sich bei einzelnen Posten namentliche Abstimmungen nöthig machten. Im Uebrigen trugen die dreitägigen Verhandlungen theilweise einen recht animirten Charakter, da in die Debatten verschiedene Fragen hineinspielten, die gerade nicht zu einer sachgemäßen Behandlung des Etats gehören, indessen ist man an diesen Umstand bei Etatsberathungen allmälig gewöhnt worden. Am Mittwoch wurde außerdem der Windthorst'sche Antrag auf Aufhebung des Sperrgesetzes mit 209 gegen 152 Stimmen abgelehnt. In der nächsten Sitzung am Dienstag, den 11. März, stehen die Landgüterordnung für Schlesien, die Secundärbahn-Vorlage und die Novelle zum Pensionsgesetz auf der Tagesordnung. Im österreichischen Kaiserstaate nehmen die anarchistischen Zuckungen noch fortgesetzt die Aufmerksamkeit der Regierung in Anspruch. Trotz der Ausnahme-Maßregeln scheinen die geheimen revolutionären Kräfte in Wien ihr Treiben fortzusetzen, wie die Verhaftung Kammerer's beweist, daneben greift die anarchistische Propaganda bereits nach Transleithanien hinüber. Verschiedene der Leiter der socialistischen Bewegung haben nach ihrer Ausweisung aus Wien ihr Hauptquartier in der ungarischen Hauptstadt aufgeschlagen und daß sie auch hier bereits wieder ihre geheime Thätigkeit ausgenommen haben, geht aus der Verhaftung des socialistischen Redacteurs Prager hervor. Selbst nach Kroatien hinein spinnen sich die Fäden der anarchistischen Verbrüderung, denn es sind in Agram verschiedene Personen verhaftet worden, die nachweislich in Verbindung mit den Pesther und den Schweizer Socialisten stehen. Vielleicht, daß diese Umstände die österreichische und die ungarische Regierung zu gemeinsamem Vorgehen gegen das anarchistische Treiben veranlassen. Aus Frankreich ist auch in dieser Woche nichts wesentlich Neues zu berichten. Die Kammerverhandlungen boten nichts Interessantes dar, der Kohlenarbeiter-Strike im Norden des Landes steht noch auf dem alten Fleck und daß am Montag in Paris wieder eine turbulente Anarchistenversammlung stattgefunden hat, ist jetzt eine in der französischen Hauptstadt fast alltägliche Erscheinung. Was die Operationen der Franzosen in Tongking anlangt, so nimmt der Vormarsch gegen Bacninh nunmehr seinen guten Fortgang, die Einnahme dieser Stadt selbst wird aber wohl noch etwas auf sich warten lassen. — Die gedrückte Stimmung, welche in England in Folge der neuerlichen Höllenmaschinen-Experimente der Fenier Platz gegriffen hatte, ist durch die Siegesnachricht von El Teb wieder eine lebhaftere geworden. Der Sieg Graham's über die aufständischen Araber hat offenbar den Siegesübermuth Osman Digma's herabgestimmt und zugleich das etwas verblaßte Prestige der englischen Waffen in Egypten wieder aufgefrischt. Trotzdem wird es in England einigen Unmuth erregen, daß General Graham seinen Erfolg nicht weiter ausnützt, sondern mit seinen sämmtlichen Truppen den Rückmarsch nach Suakim angetreten hat, indessen ist diese Maßregel nur zu billigen. Nach dem Abzüge der Truppen Graham's war in Suakim nur ein schwaches englisches Detachement zur Vertheidigung der Stadt neben einer Abteilung der unzuverlässigen egyptischen Truppen zurückgeblieben und da Osman Digma mit seiner ungeschwächten Hauptmacht nur wenige Dieilen von der Stadt lagert, so folgte General Graham nur einem Gebote militärischer Klugheit, indem er den gefährlichen Vormarsch in die nubischen Wüsteneien aufgab und sich auf seinen natürlichen Stützpunkt, Suakim, zurückzog. Vielleicht wird man demnächst das seltsame Schauspiel erleben, daß die siegreichen Engländer in Suakim von den geschlagenen Arabern belagert werden. Die Schweizer Bundesregierung beginnt .endlich auch den socialistischen Aposteln scharf auf die Finger zu passen. Zwei Hauptagitatoren der Berner Anarchisten, Kennel und Schulze, sind verhaftet worden, was hoffentlich auch auf die in Zürich und Genf domicilirten Anarchistenführer etwas ernüchternd einwirken wird. Deutschland. Darmstadt, 5. März. Großfürst Sergius und Prinzessin Elisabeth haben sich heute zum Besuch der Gräflichen Familie nach Schönberg begeben. — Zur V-rmählung Ihrer Grotzherzoglichen Hoheit der Prinzessin Victoria mit Sr. Durchlaucht dem Prinzen Ludwig von Battenberg werden bis jetzt bestimmt erwartet die Königin von England mit Prinzessin Beatrice, der Kronprinz und dir Kronprinzessin de« deutschen Reichs, der Erbprinz von Meiningen mit Gemahlin. Ob Seine Majestät der Kaiser der Feier anwohnen wird, ist noch nicht bekannt. — Dem Vernehmen nach findet die Vermählung Ihrer Großherzogl. Hoheit Prinzessin Elisabeth mit Seiner Kaiserlichen Hoheit dem Großsürsten Sergius tut Ü e> f a l e €. Gießen, 8. Marz- (Sitzung der Stadtverordneten vom 6- März.) Anwesend : Herr Bürgermeister Bramm, Herr Beigeordneter Heß, von Seiten der Stadtverordneten die Herren: Batst, Gail, Georgi, Dr. Gulsleisch, Hanstc»n, Homberger, Kauf, Lüdektng, Ad- Noll, Aug Noll, Scheel, Schopbach, Simon, Bogt und Wortmann. — Vor Eintritt in die Tages-Ordnung g'bt Herr Bürgermeister Bramm verschiedene Mttthetlungen, u. 21. über den Rechenschaftsbericht des Allgemeinen Vereins für Armen- und Krankenpflege, die Bestätigung des Fräulein Dingeldein als definitive Lehrerin rc. — Der Gemeinde-Voranschlag für das Etatsjahr 1884/85 wird der Finanz-Deputation überwie'en. — Der Voranschlag über die Bedürsn sse der städtischen Schulen für das Elatsjahr 1884/85 kommt zur Vorlage und werden die in demselben bezeichneten Ausgabeposten mit 895 genehmigt, desgl. die Anschaffung von Sptelgeräthen (Lederballen, Ziehseile, Reifen u. dergl) für diese Schulen im Gesammtbetrage von 100 X — Der aus der Uebersichl über die wirklichen Einnahmen und Ausgaben der Realschule im Etatsjahre 1882/83 sich ergebende, aus der Stadtkasse zu leistende Zuschuß im Betrage von 3545,05 X wirb bewilligt- — Der Antrag der Baudeputation auf Ausstellung weiterer fünf Brunnen wurde bereits in einer früheren Sitzung der Stadtverordneten verhandelt und hierbei die Ausstellung eines sechsten Brunnens in Erwägung gezogen. In heutiger Sitzung wird beschlossen, an folgenden Punkten wettere Brunnen ouszustellen: 1. am Kreuzungs- Punkte der Sicher und Grünberger Chaussee, 2 am Wallthor, am Fabrikant Schetdt'schen Hause, 3. an der Ecke der Alice- und Ludwigsstraße. Betreffs der 3 übrigen noch vorgesehenen Brunnen, als deren Standorte 1. die Ecke des Neuenwegs und der Neuenbäuen, resp, das Reuenwrgerthor, 2. dieNordanlagc, zwischen der Asterwegbrücke 3) Förderung der Volkswohlfahrt auf Grund der bestehenden Gesellschaftsordnung bei voller Wahrung der Gleichberechtigung und Selbstthätigkert des freien Vereiniaungswesens bei arbeitenben (Staffen; Eintreten für alle auf Hebung derselben rielenden Bestrebungen; Bekämpfung des Staatssocialisrnus, sonne bei auf Bevor- munduug und Fesselung des Erwerbs- und Verkehrslebens, der Gewerbefreihert und Freizügigkeit gerichteten Maßregeln. 4) Im Steuersystem Gerechtigkeit und Schonung der Volkskraft; Entlastung der nothwendigen Lebensbedürfnisse; keine Zoll- und Wirthfchaftspolitik rm Dienste von Sonderinteressen; keine Monopole; Gesetzgebung und wirksame Aussicht des Reiches im Eisenbahnwesen- „ , _ rc..r , 5) Erhaltung der vollen Wehrkraft des Volkes; volle Durchführung der allgemeinen Dienstpflicht bei möglichster Abkürzung der Dienstzeit; Feststellung derFricdenS- präsenzstärke innerhalb jeder Legislaturperiode. Dieses Alles zur Befestigung der Nationen und Einigung Deutschlands in Treue gegen den Kaiser iind auf dem verfassungsmäßigen Boden des Bundesstaates. England. London, 5. März. Dem Krlegsmimsterium ist eine vom 3. d. M. aus Tokar datirte Depesche G-nerol Grahams zugegangen, worin derselbe meldet, er habe >ie Garnison und die egyptischen Einwohner von Tokar nach -prinkitat geschickt, em Thefl seiner Truppen werde heute, der andere morgen dahin nachfolgen, er werde am 5 d.M. seine Streitkräfte bei Trtnkitat concentriren. In einer zweiten Depesche meldet General Graham, er sei Vormittags nach den südlich von Tokar gelegenen arabischen Ortschasten marschirt und hab- dort 2 verlassene Kanonen, eine große Anzahl Munition und gegen 1000 Gewehre aufgesunden. Die Ausständischen hätten sich tn's Gebirge gutfiefaexoaen« Alle Verwundeten habe er Tags vorher nach Trtnkitat geschickt« Eine dritte, der Regierung gestern Wend 10 Uhr zugegangene Depesche General Grahom's sagt, er befinde sich gegenwärtig auf dem Marsche von Tokar nach Trtnkitat. und der Allee am Fahrweg und 3 der Platz vor dem Bterau'schen Hause in her Neustadt ins Auge gefaßt sind, beschließt die Versammlung nochmalige Berathung in der Commission. Von Ausstellung eines Brunnens aus der Mäusburg wirb am Antrag der Commission wegen zu großer Nähe de« Brunnens auf dem Kreuzplmtze abgesehen. — Dem Anträge, den Vorarbeiter Herrn Rodewald aus rin weiteres Vierteljahr zu engagiren, wird zugestimmt. — Von der beantragten Anbringung von Trinkbechern an allen Brunnen wird mit Rücksicht aus di- gemachten Erfahrungen abgesehen und sollen nur an den Brunnen an den Ausgängen der Stadt (alfo Grünbergerstraße, Ludwigs- vlotz Bahnhofstraße, Neustadt und Wallthor) Trinkbecher angebracht werden. — Dem Gesuche des Vorstandes der Pfennigfparkasse um Ueberlassung eims Locals In dem Schulhause in der Schulstraße zum Zwecke der Entgegennahme von Einlagen an den Samstag-Abenden wird Genehmigung ertheilt- — Em aus der Confolidirung des Neustädter Feldes berrührender Kost-nbetrog von 180 X wird aus die Stadtkasse übernommen. — Die aus Anlaß Bcfchlussrs voriger Sitzung aus Bepflanzung de» Ludwigsplatzes mit Kugel-Akazien eingelavfenen Offerten aus Lieferung der erforderlichen Bäume werden der Baudeputation zur Auswahl überwiefen. — Gegen die an ihn ergangene Verfügung aus Versetzung seiner am Bahndämme am Viehmarktplatze gelegenen Veikaufsbude nach der Lahn hin hat Herr Metzger Löwenstein estr Gesuch um Bestehenlaffen fragt Bude an ihrem dermaligen Standorte gestellt. D>e Ver- sammluna spricht sich gegen dieses Gesuch aus. - Für R-nootrung der Thorhäuser am Wallthor werden die auf 1570 X veranschlagten Kosten bewilligt. - Dem Gesuch des Herrn Christoph RÜbsamen dabUr um Ueberlassung eines Kieslagerplatzes zwischen der Lobnbrücke und dem oberen W-Hr wird staitgegeben. - Betreffs der Festsetzung der Baufluchtlinie in der Erlengasse (veranlaßt durch -'n Gesuch des Herrn W Rudolph um Aufführung eines Neubaues an Stelle des Dietz'fchen Hauses und eines TheileS seines eigenen) soll die eben bestehende Baufluchtlinie beibehalten werden und betr. der Baufluchtlinie in der Bahnhofstraße aus Anlaß des Gesuches des Herrn Heinrich Schaff st aedt zur Erbauung eines Wohnhauses an Stelle des bestehenden soll Angabe derselben durch das Stadtbauamt erfolgen. Gießen, 7. März. Der 44. Turntag des Gaues Hessen findet nächsten Sonntag, den 9. März, Vormittags 10 Uhr, im kleinen Saale des Wenzel'schen GartenS dahier mit nachstehender Tagesordnung statt: 1. Aufnahme neuer Vereine, 2. Bericht des Gauvertreiers, 3. R-chnungsablsge, 4. Abänderung des §20 der Gausatzungen (Antrag Butzbach), 5. Festsitzung der Gaubeiträge für 1884, 6. Festsetzung der Gauturnfahrten, § 37, 7. Wegfall des § 23 und Einverleibung des Wortes Bezirksvorturnstunden in §29 (Antrag Alsfeld), 8. Beschwerde des Turnvereins Schotten, wegen the'lweiser Zahlungsverweigerung der statutenmäßig festgrsetzien Reisekosten aus der Gaukasse § 29 (Antrag Schotten), 9. welche Ausgaben erwachsin den Vereinen, Gauen und Kreisen aus dem Beschlüsse des letzten deutschen Tnrntags, betreffend die arzustrebende gesetzliche Dienstzeito-rkürzuvg für solche Wehrpflichtige, die eine turnerische Ausbildung besitzen (Antrag Friedberg), 10. die Vereine des Gaues Hessen sind durch den Gauausschuß zu ersuchen, demselben vor Ablauf dieses Jahres M>tiheilung darüber zu machen, welche Beträge von denselben in den Jahren 1881, 1882, 1883 für turnerische Zwecke aufgewandt worben sind, worin diese Auswendungen hauptsächlich bestanden haben und welchen Procentsatz der Vereinseinnahmen der betreffenden Jahre dieselben darstellen, 11. die Errichtung eines Grabdenkmals für den verstorbenen Dr. F. A- Wengenroth in Usingen- ______________________ SWonat Juni statt- DaS hohe Paar wird seinen dauernden Wohnsitz in Rußland 6. März. Die von der zweiten Kammer anläßlich der Mittheilung der Verlobung der Prinzessinnen Victoria und Elisabeth an Seine Königliche Hoheit ben Großherzog gerichtete und heute Nachmittag überreichte Aoriste hat folgenden 2B°rtla„@üre Königlich- Hoheit haben mittelst Allerhöchsten Erlasses vom 29. v. Mts. den Ständen des Großher-oglhums Nachricht von des Verlobung der ältesten Achter Eurer Königlichen Hoheit, der Prinzessin Victoria Elisabeth Mathilde Alberta Marte von Hessen und bei Rhein, Grobherzogliche Hoheit, mit seiner Durchlauckt dem Punzen Ludwig Alexander von Battenberg, ältester Sohn Seiner Großherzogltchen Hoh^t deS Prinzen Alexander von Hessen und bet Rhein, sowie der zweiten Tochter Eurer Königlichen Hoheit der Prinzessin Elisabeth Alexandra Louise Alice von Heven und bet Rhein, Großherzogliche Hoheit, mit Seiner Kaiserlichen Hoheit dem Großfürsten Sergius Alrrandrowttsch von Rußland zu ertheilen geruht. ,. „. a t _ .. 1 Die zweite Kammer, wie sie stets den Geschicken des gesiebten Fürstenhauses mit wärmster Thetlnahme gefolgt ist, hat von diesem für die GrohherzoglAe Familie und für das ganze Land so hocherfreulichen Ereignisses mit aufrichtigster Freude Kenntmß Genommen und säumt nicht, neben dem Danke für die ihr gewordene,^'ltheilung, Suter Königlichen Hoheit, wie auch Allerhöchst dessen Familie die tiefgefühltesten Glückwünsche hierzu dabei insbesondere den Wunsch und die frohe Hoffnung aus, daß der doppelte Ehebund, welchen die vielgeliebten Töchter Eurer Königlichen Hoheit die ibrer bebm weiblichen Tugenden im Lande allverehrten durchlauchtigsten Prinzessinnen Ntctoria und Elt abeth mit ihren hohen Verlobten zu schließen im Begriff stehen, wie kür LVe?mShtten selbst, so auch für Eure König.ehe Hoheit unb Allerhöchst besser. Familie zu einer unerschöpflichen Quelle des Glückes und der Freude sich ge- ftalUn Daß Rese Hoffnung in reichem Maße sich ersülle, basür erbittet die zweite Kammer ben ^Mög?En?e"Königliche Hoheit diese aus dem Herzen kommenben Glückwünsche der zweiten Kammer, welche bie erneute Versicherung lanbessürstlicher Hulb und ©nabe dankbar anerkennt, huldreich aufnebmer. , Un tiefster Ehrfurcht Eurer Königlichen Hoheit alleruntertharngst-treugehorsamste 10 zweite Kammer der Landstände. Kugler. Muhl. Hetnzerling. WolsSkehl. Berlin, 6. März. Die Fortschrittspartei und die Liberale Vereinigung des Reichstags beschlossen gestern Abend in gemeinsamer Sitzung, folgenden Aufruf an die Gesinnungsgenossen zu richten: Die parlamentarischen Fractronen der Deutschen Fortschrittspartei unterbreiten der Beschlußfassung der zuständigen Parteiorgane und Billigung der Gesinnungsgenoffen im Lande den Vorschlag, beide Fractionen zu einer Partei zu verbinden, welche den Namen „Deutsche freisinnige Partei fuhren soll. Wr svlgen hiermit dem Rufe, der von Tag zu Tag dringender aus allen Theilen Deutschlands an uns ergangen ist. Wir geben der eigenen Ueberzeugung hiermit Ausdruck, daß die Vertheidigung der liberalen Sache m der Gegenwart und die Wahrung ihrer Zukunft nur bewirkt werden kann, wenn wir die uns zu Gebot stehenven Kräfte einheitlich zusammenfassen. Wir haben uns vergegenwärtigt, daß beide Parteien in den wesentlichen Grundsätzen, welche die politische Arbeit der nächsten Zeit beherrschen müssen, sich in Übereinstimmung befinden. Wir stellten diese Übereinstimmungen m nachstehenden Einigungspunkten fest. Mit denselben glauben wir den Rahmen geschaffen ril haben, der, ohne von irgend einem Theile Opfer an grundsätzlichen Ueberzeugungen ru fordern, fest genug ist, um lähmende innere Meinungsverschiedenheiten auszuschließen, der aber gleichzeitig allen wahrhaft Liberalen den Zutritt offen halt uub ermöglicht. Hiernach rechnen wir auf die Zustimmung der Parteigenossen, denn nur ui der Einigkeit die wir anbahnen, sind wir den Angriffen gewachsen, die heute unsere gemeinsame Sache bedrohen. Rur sie entspricht den Anforderungen einer constitutionen ^utwicklung, welche eine wesentliche Bürgschaft für die Freiheit und Wohlfahrt des deutschen Voltes bildet. Die Einigungspunkte sind: r .. r . ... . 1) Entwickelung des wahrhaft eonstitutionellen Verfassungslebens m 6E)ui)ertem Zusammenwirken zwischen Regierung und Volksvertretung und durch gesetzliche ,Or- aanisation eines verantwortlichen Reichsministeriums, ^Abwehr aller Angriffe aus die Rechte der Volksvertretung, insbesondere Aufrechterhaltung der einjährigen Finanzperiode. der jährlichen Einnahmebewilligung und der Redefreiheit. , 2, Wahrung der Rechte des Volkes: die Erhaltung des geheimen, allgemeinen, directen Wahlrechts; Sicherung der Wahlfreiheit, insbesondere auch durch Bewilligung von Diäten; Preß-, Vcrsammliings- und Vereinsfreiheit ^gesetzliche Regelung des Verhältnisses zwischen dem Staat und ben Religionsgesellschaften unter gleichem Recht sur Wrrms, 4. März. Gestern Abend sand in der Dorn'Aschen Wirthschaft m der Rbetnstraße eine Besprechung behusS Gründung einer „Wasserwehr" statt. Aus Verarckossuna einiger hiesiger Bürger wurde schon vor einigen Tagen eine Liste in Circulation gesetzt und haben biß jetzt schon über 200 diesige Einwohner ihren Beitritt erklmt. Die zu gründende Wasserwehr foll eß sich zur Aufgabe stellen, bei eintretendem Hochwasser den bedrängten Bewohnern der vsn den FluthiN hrimgesuchten Stadttheile behufs Rettung von Hab und Gut zu Hülse zu eilen. Frankfurt, 4. März. Ein verworfener ffe'ner Bursche, etwa im Mec von 10 Jahren, gerietb gestern Mittag, als er aus der Schule kam, in der Säwurgafle mit einem andern Buben in Streit und stach dem armen Jungen kurzer Hand mit einem Messer in den Leid. Der Bengel floh sodann, wurde aber in der Borngasse ein- ntbolt und verhaftet- Frankfurt a. M., 4. März. Ein Bauer aus dem Gebirge kam gestern mit einem Einspänner zur ©labt, auf welchen crystallhelles E's geladen war. Er ließ fein Fuhrwerk unter Aufsicht am Bvckenheimer Thor zurück und ging in die Stadt, wo er für fein Eis stolz 90 H pro Ceotner forderte. Aber Niemand wollte ihm diesen Preis bezablen. Es kam die Mittagszeit heran, der Bauer speiste in einem Wirtbshause, trank ein paar Schoppen, nickte ein wenig und machte sich dann so gegen 3 Uhr mit dem Gedanken: Mein Eis werb ich doch noch los, auf den Weg zum Bockenheimer Thor. Leider machte er dort zu seinem Schrecken die Entdeckung, daß er sein Eis in bet Zwischenzeit los geworben war. Die liebe Sonne hatte eine wohlthuende Wärme entfaltet und das Eis bis auf einen kleinen Rest geschmolzen. — „Mit den Miethern bat man heutzutage seine liebe Roth", so klagte ein Hausbesitzer einem andern gegenüber, „da habe ich ein paar in meinem Hause wohnen, die kemen ZinS bezahlen und die ich doch nicht binausexpediren kann." — „Ich wende da ein sehr probates Mittel an" erwiderte der College. — „Das wäre?" — „Nun, ich lege den säumigen Zahlern einfach einen Schieserstein auf ihren Schornstein", war ble Antwort. „Wenn die Herrschaften Feuer machen wollen, qualmte dann fürchterlich und sie kriegen nicht einen Tannapsel in Brand. Weil sie mich nicht bezahlen, schämen sie sich aber, mich um Abhülse anzrigeh-n unb so beeilen sie sich, ein anderes Logis zu erhalten." Dieses köstliche Auskunftsmittel wendete der Vermiether sofort an und siehe da, er räucherte seine Leute richtig hinaus. — Sechzig Riesenschlangen sind am Freiiag aus Hir.ter-Jnbien im Berliner Aquarium eing'trvffen. Auf der 48tägigen Reife ist nicht eines b't Tbiere zu Grunde gegangen, vielmehr sehen sie sämmtlich prächtig erhalten aus. Die Thiere kamen in fünf mächtigen Kisten an, welche mit Flies ausgeschlagen und jede mit drei Wärmflaschen versehen waren. Als die Kisten geöffnet wurden, bot es einen grotesken Anblick, wie bie Köpfe der Thiere dichtgedrängt hervorschossen. Mit einem kühnen Grift packten sie die Wärt r alsdann einzeln im G-iftck, schoben sie in einen Sack unb spedirten sie bann von oben in den Scklangenkäfig. Eine wurde ungemüthltch und biß den Wärter in die Hand, so daß sich der ganz- Rachen addrückte. Im Käfig schossen sie nach der langen Hast beständig auf und nieder und besahen den Winkel Dann stürzten sie sich in die Wasserbehälter, die bald dick voll Schlangen lagen. Si- stellen ein Capital von 15,000 X bar. — Aus Ilfeld am Harz wird berichtet: In der Untersuchung, die gegen die drei muthmaßlichen Mörder des Forstlehrlings Beering au8 Rothchütte geführt wird, spielte sich folgende Scene ab. Der Schweißhund, welchen der Ermordete am Riemen geführt, war auf das dortig- Amtsgericht zur etwaigen R nicht be»M,M fich, ein anderes Cogt b „jcher lofott an unb f«? Mnttr^nbkn im bet SM« Lrs» (i®oäht» WM LES C,n ,pr ®cnit #1”Ji iM.,f 0[5mm» sfl« LVbd*1 ih M ÄJ •Ätobt °°N Tnnk2°^ B >Me PnV0?'11 a6|t »ttben b®le«= -'ne?Ä'~ De» ?°n tünlg«, n **e<8 k'rrtztz <«Ä en. _A°r itfotbtt: [e Qm $K,ble aa \“tnfteinÄ> 1 Mellt » oirung der nl. ft8 Billigt _$otNer '-V«Ä §Wr °LrL Mnotturnftunben ft ®'e«n tbeifodltt m” ,au§ der ®autüii( ■ff nhnw ' ®auei1 Md ff nb b e arjuftrebenbe turnerffche Ausbildung Ä5lIM?en @au: f ft d-rüber,u lz; M (fit tmnerischi JWiadM bestmder. fienben Jahre ble|elben MÄk.g.A. Wengenroth i i@«ewis husten, Catarrh, .Heiserkeit, «er,chlcimung, Hals- and Drustleiden, yom einfach. Catarrh bis znr Lungenschwrndincht. y Wir machen darauf aufmerksam'. - Außer zahlreichen Anerkennungen beptzen wir auch ein Dankschreiben bon Sr. Heikitzkert Pirbn ^es Xill. r OExtract » Flasche M. 1,1,75 und 2,50. Caramellcn » Beutel 30 und oO^ Zu haben in Gießen bei Gg. Wilh. Weidig. 10'-’ berg einer nachmaligen freiwilligen Versteigerung ausgesetzt werden und fall mit dem -lufchlag die Genehmigung ertheilt werden. Gießen, den 8. März 1884. Singer-System. Kich, den 6, März 1884. 1641 S Erinnerung an Giessen. 14 Neues Tanzalbum für 1884 8 von E. Faust. 1466 q Eine Sammlung von 12 der schönsten Originaltänze für Cla vier von den rt beliebtesten noch lebenden Tanz- M componisten. Preis: 2 Mk. — Zu ä haben bei Wilh. Rudolph in Giessen. 1652 I. A.: Müller. Orlsgerichtsmann. empfiehlt sein reichhaltiges Lager von Möbeln ftUet 2lrt, als , Wohn-, Schlaf- u. 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Den neu hinzutretenden Abonnenten wird die Zeitung von . jetzt bis Ende März c. gratis geliefert. Die Abonnenten unserer Agentur erhalten als Gratisbeilage ; den täglich erscheinenden „Stadt-An zeig er“, der alle interessanten Lokalberichte aus Frankfurt, Mainz, Mannheim, Darmstadt, Wiesbaden, Offenbach, Hanau, Giessen, Worms etc. etc. bringt. Inserate aller Art finden in dem grossen Leserkreise der „Frankfurter Zeitung“ im In- und Auslande die weiteste Verbreitung. Die achtspaltige Petitzeile wird mit 35 Pfennig berechnet. Giessen, im März 1884. Die Agentur der Frankfurter Zeitung. 1657 tSutius WFallach, Marktplatz Nr. 8. Der Börsenkälender pro 1884 wird den neu hinzutretenden j Abonnenten gratis nachgeliefert. Auswanderer nach Amerika durch die in nach New-York fahrenden Dampfer des Norddeutschen Msyd aber Bremen, sowie den billigeren Post-Dampfern über Hamburg, Antwerpen, Rotterdam und Liverpool befördert zu gleichen Preisen, wie an den Hafenplätzen 1240 Ohr» Wallenfels. 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