Mr. 129* Freitag den 6. Juni 188L Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigedlait für dm Kreis Gießen. r Gchulstraße 7. Erscheint tZMch mit Ausnahme deS Monta-S. Prei- vie^teljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. 1 ® Durch bte Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf Amtlicher Aß § il. Betreffend: Den Gebrauch des Doppeljoches. Gießen, am 4. Juni 1884. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. Wir erinnern Sie, soweit Sie noch im Rückstände sind, an Erledigung der Verfügung vom 16. Mai 1884 binnen acht Tagen. __Dr. Boekmann. Nr. 15 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 29. Mai 1884, enthält: (Nr. 1542.) Gesetz, betreffend die zur Erforschung der Cholera nach Aegypten und Ostindien entsandte wissenschaftliche Commission. Vom 27. Mai 1834. (Nr. 1543.) Bekanntmachung, betreffend den Verkehr mit Erzeugnissen und Geräthschaften des Weinbaues in den deutsch-französischen Grenzbezirken. Vom 24. Mai 1884. (Nr. 1544.) Bekanntmachung, betreffend die Einfuhr von Pflanzen und sonstigen Gegenständen des Gartenbaues. Vom 26. Mai 1884. Gießen, am 4. Juni 1884. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Boekmann. Politische Ueberskcht. Gießen, 5. Juni. In den Annalen des deutschen Reichstages wird der kommende Montag als Tag der feierlichen Grundsteinlegung zum neuen Neichstagsgebäude eine besonders bedeutsame Stelle einnehmen. Freilich dürste sich die Feier nicht in dem weiten Rahmen vollziehen, wie ursprünglich gemeldet wurde, namentlich verlautet von officiöser Seite noch nicht das Geringste über die projectirte Theil- nahme mehrerer Bundessürsten und ebensowenig findet das Gerücht, daß der Kaiser selbst das Wort zu einer Ansprache an die Versammlung nehmen werde, Bestätigung; trotzdem verleiht schon die Anwesenheit des Kaisers und seiner nächsten Rathgeber, an ihrer Spitze der Reichskanzler Fürst Bismarck, der herannahenden Feier einen besonders bedeutungsvollen Charakter. Der neueste „Reichsanzeiger" veröffentlicht das definitive Programm zur Feier bei der Grundsteinlegung und bringen wir solches unter den telegraphischen Nachrichten. Am nächsten Tage, also am 10. Juni, nehmen die Plenarverhandlungen des Reichstages wieder ihren Fortgang und wird sich das Plenum an diesem Tage mit den bekannten Anträgen der Conservativen bezüglich der Gewerbeordnung und dem kirchenpolitischen Antrag- des Abg. Dr. Windt- horst beschäftigen; die zweite Lesung der Unfallversicherungs-Vorlage soll erst in nächster Woche beginnen. Die durch kaiserliches Patent angeordnete Auflösung von neun Einzel-Landtagen Cisleithaniens wird in den betr. Kronländern vas Signal zu einer jedenfalls sehr lebhaften Wahlbewegung geben. Ein besonderes Interesse dürsten die Neuwahlen zum mährischen Landtage beanspruchen, da hier wie in Böhmen die nationalen Gegensätze zwischen Deutschen und Czechen mit in's Spiel kommen. Nachdem letztere durch allerhand „Praktiken" bereits in der Prager Landstube die entschiedene Majorität erlangt haben, soll dies nun auch bezüglich des mährischen Landtages geschehen und die prononcirt czechenfreund- Ziche Haltung des Statthalters von Mähren, Grafen Schönborn, wird den Czechen in diesem Kronlande bei dem Wahlkampfe ohne Zweifel sehr zu Statten kommen. Hoffentlich werden aber die Deutschen in Mähren ihre Position trotz der Ungunst der Verhältnisse zu behaupten wissen. Der französische Minister des Innern, Herr Waldeck-Rousseau, hat die parlamentarische Pfingstpause zu einer öffentlichen Kundgebung über die innere Politik benutzt. Den äußerlichen Anlaß hierzu bot ein ihm am Pfingst- Sonntag zu Amiens gegebenes Banket, auf welchem Waldeck-Rousseau in einer Längeren Rede darauf hinwies, daß die Politik des Cabinets den Gefühlen und Wünschen des Landes entspreche, bei den Municipalrathswahlen seien die Gegner der Negierung, insbesondere die Intransigenten, allenthalben unterlegen. Der Minister erwähnte auch die Verfassungs-Revision, wies nach, daß dieselbe nur eine beschränkte sein dürfe und schloß mit einem Toast auf die Erfolge Frankreichs in Tongking. Am gleichen Tage hielt auch der frühere Finanzminister unter Freycinet, Löon Say, in Rambouillet eine Rede, die ihre Spitze aber gegen das Cabinet Ferry richtete und namentlich das Mißverhältniß zwischen der zu starken Belastung des Budgets und der Militärlast betonte. Auch äußerte sich Say mißfällig über die Recrutirungs-Vorlage und meinte, daß die hierdurch angestrebte Gleichheit der Militärdienstpflicht gegenüber bedenkliche Folgen haben würde. Nach längerer Pause kommt aus Irland wieder die Kunde von einem Agrarverbrechen. Bei Millstreet in der Grafschaft Cork wurde der Pächter eines kleinen Landgutes in seinem Hause erschossen, zwei andere in dem Hause anwesende Personen wurden schwer verwundet. Die Mörder sollen der berüchtigten Mondschein-Bande angehören, die ja schon so viele Unthaten auf dem Kerbholz hat. In Genf hat am Pfingstmontag die feierliche Enthüllung des Denkmals stattgefunden, welches hier dem aus dem Sonderbundskriege her bekannten General Dufour errichtet worden ist. Die Festreden hielten Oberst Aubert, der Genfer Bürgermeister Empeyta, der Bundespräsident Welti und der Regierungsrath Geward. Die Kantone, welche dem ehemaligen Sonder- Lunde angehörten, waren nicht vertreten, was wohl auch schwerlich erwartet worden war. Zwischen Serbien und Bulgarien sind in Folge des Einfalles ferbischer, in Bulgarien angesiedelter Emigranten-Banden in serbisches Gebiet ernste Mißhelligkeiten ausgebrochen. Die serbische Regierung hat in Folge dessen beim bulgarischen Cabinet reclamirt, welches seinerseits gegen den serbischen Grenzwachtposten bei Bregova protestirte und drohte, denselben mit Waffengewalt aufzuheben. Daraufhin ist der Präfekt von Bregova von der Regierung in Belgrad angewiesen worden, den Posten keinenfalls einzuziehen und zugleich hat der diplomatische Vertreter Serbiens in Sofia Auftrag erhalten, von der bulgarischen Regierung entschieden eine Antwort wegen der Einfälle der Banden zu verlangen und im Weigerungsfälle mit seiner gelammten Kanzlei Sofia zu verlassen. — Der auf der Insel Candia zwischen Christen und Muselmanen ausgebrochene Zwist wegen der Vakuf-Frage nimmt einen bedenklichen Charakter an. Die christlichen Deputirten zur Generalversammlung haben die Forderung der türkischen Negierung, wonach für die ausschließliche Unterhaltung der Moscheen eine jährliche Summe von 5000 Pfund zu zahlen sei, abgelehnt und erklärt, daß sie weder die Vakufsteuer, noch einen andern Zehnten zahlen würden. Es verlautet, daß der Generalgouverneur von Candia wegen dieser Vorgänge seine Entlassung eingereicht habe. In New-Aork dauern die Verhaftungen der Vorstände der jüngst fallirten Banken fort. Am Sonntag wurden der Präsident und der Kassirer der Pennbank verhaftet, doch ließ die Behörde den Letzteren gegen Kaution schließlich wieder frei. Der egyptische Telegraph bringt wieder einmal recht widerspruchsvolle Nachrichten. Der englischen Negierung wurde unter dem 1. Juni aus Suakim telegraphirt, daß von Berber abgesandte Boten in Suakim mit der Meldung von der Uebergabe der erstgenannten Stadt an die Rebellen eingetroffen seien. Dagegen meldet ein dem „Daily Telegraph" am 2. Juni zuge- aangenes Telegramm, daß die Belagerung von Berber aufgehoben sei und daß sich auch Gordon mit Erfolg in Khartum behaupte. Die Nachrichten über Berber widersprechen sich also direct und ist daher eine nähere Aufklärung abzuwarten. Ferner meldet eine Depesche der „Agence Havas" aus Suakim, daß die Aufständischen in der Nacht vom Sonntag zum Montag einen allgemeinen Angriff auf Suakim gemacht hätten, aber durch das Feuer der die Stadt um» gebenden Forts zurückgeschlagen worden seien. — Eine in Kairo eingegangene Depesche des Gouverneurs von Dongola dementirt die Nachricht von dem Falle Berbers und bestätigt, daß General Gordon den Kampf gegen die Aufständischen mit gutem Erfolge fortsetze. Darmstadt, 4. Juni. Se. Königl. Hoheit der Großherzog empfingen heute den Generalmajor Frhrn. Röder v. Diersburg und den Obermedicinalrath Uloth, sowie Lord Cadogan und Mr. Cunningham Grace von der Königlich Großbritannischen Gesandtschaft; zum Vortrag den Ministerial-Präsidenten Finger. — Se. Königl. Hoheit der Prinz von Wales ist heute Vormittag zu eintägigem Besuch des Großh. Hofes hier eingetroffen. —1. Darmstadt, 5. Juni. (Zweite Kammer der Landftände.j Für Dienstag den 10. ds. Mts. ist folgende Tagesordnung festgesetzt. Vormittags 9 Uhr geheime Sitzung. Vormittags von 10 Uhr an öffentliche Sitzung und zwar: I. Verkündigung neuer Einläufe. II. BerichtSanzeigen. HI. Mündliche Berichterstattung, event. Berathung über: a. die im 3. Wahlbezirk der Provinz Oberhessen (Butzbach-Bad-Nau- h:im) in Folge der Beförderung des Großh. Oberförsters Dittmar zum Forstmeister erforderlich gewordene Neuwahl eines Landtags- Abgeordneten; b. die in Folge Mandatsniederlegung des Abgeordneten Han st ein für den 4. Wahlbezirk der Provinz Oberhessen (Gießen, Land) erforderlich gewordene Neuwahl eines Lsndtagkabgeordneten; IV. Berathung der Interpellationen: 1. des Abgeordneten L a utz, die FahrbilletS bei der Hess. LudwigSbahrr betr. (Beil. Nr. 295) 2. der Abgeordneten Schaum, Ellenberger und Haas, die Baumpflanzungen an den Staatsstraßen, insbesondere an der Staatsstraße von Büdingen bis zur LandeSgrenze vor Lieblos betreffend (Beil. Nr. 285); 3. des Abgeordneten Grünewald, betreffend die Unterschlagungen beS Gerichtsvollziehers Schwarz zu Alsfeld (Beil. Nr. 283); 4. des Abgeordneten Reinhart, die Erhaltung der Baudenkmäler des Landes betreffend (Beil. Nr. 300). v. Berathung über: Beil. Nr. 1. die Bitte mehrerer Civilbeamten wegen nochmaliger Eröffnung der 324 in den Bekanntmachungen vom 4. December 1874 bezüglich der Berechnung der Dienstzeit der nach dem Edtct vom 12. April 1820 penfionsberechttgten Ctostbeamtrn vorbesttmmten Fristen; 323 2. die Beschwerde der Industriellen und Bewohner der Gemeinde Mombach wegen Erhebung von Werftgebühren in dem Floßhafen der Stadt Mainz; 296 3. den Antrag der Abgeordneten Haas und Mö Hing er, Aufnahme (mündlicher Be- eines um 2000 > oberen Betrags für den Gehalt des Vorstehers der richt, Prot. 65, landwirtschaftlichen Versuchsstation m das Staatsbudget für 1885/88 Sette 3) betreffend; 322 4. daS Gesuch der Großh. Bürgermeisterei Friedberg, die Verwilligung von Geldmitteln zur Bestreitung der Kosten für die Ausfertigung der Eigenthumsmkundcn nach vollzogener Zusammenlegung der Grundstücke in dortiger Gemarkung betreffend; 49.321 5. den Antrag des Abgeordneten Mölltnger, das Landstreicherwesen betreffend. ©erlitt, 1. Juni. Dem Bundesrathe find die vom königlich vreußischen, bezw. von dem königlich bayerischen Krtegsmintsterium aufgestellten Uebersichten der Resultate deS Ersotzgeschäfts pro 1883 zugegangen. Danach werden in den Bezirken des 1. bis einschließlich 15. ArmeecorpS in den alphabetischen und Restanten - Listen geführt 1,181,016 Mann. Davon find unermittelt 33,818; ohne Entschuldigung ausgeblieben 103,251, anderwärts gestellungspfl'chttg geworden 250,017, zurückgestellt 438,845, ausgeschlossen 1210, ausgemustert 57,976, der Ersatzreserve I. überwiesen 88,643, der Ersatz« reserve II. überwiesen 50,620, der Seewehr 11. überwiesen 311, ausgehoben 124,125, überzählig geblieben 13,577. freiwillig etngetreten 18,623. Von den ausgehobenen kamen Dienst mit der Waffe 118,508, zum Dienst ohne Waffe 3410, für die Flotte auS der Landbevölkerung 755, aus der seemännischen Bevölkerung 1452, wegen unerlaubter Auswanderung wurden verurtheilt aus der Landbevölkerung 14,367, aus der seemännischen Bevölkerung 335, noch in der Untersuchung befindlich sind von der Landbevölkerung 13,844, von der seemännischen Bevölkerung 334 Mann. — Durch eine Eingabe der Handelskammer zu Minden an das ReichSkanzler- amt, der sich ohne Frage mehrere ähnliche andere Handelskammern angeschlossen haben, ist eine Frage zu amtlicher Behandlung gelangt, die in der Geschäftswelt seit Jahrm lebhaft besprochen wird und in welcher unbedingt Wandel geschaffen werden muß — das ist die Frage des öffentlichen staatlichen Submissionsverfahrens. AlS die Haupt- übelfiände bei den jetzigen Gepflogenheiten bezeichnet die Eingabe der Subjectimtät bet der Zuschlagsertheilung, die meist von nicht fachkundigen Decernenten abhängt und die fast absolute Bevorzugung des Mtndestfordernden. Eine größere Objecttvität bei der Zuschlagsertheilung hält die Mindener Handelskammer für erreichbar durch Errichtung von den Handelskammern attachtrten Gewerbe - Abtbetlungen. Diese Gewerbe-Ab- thellungen wären aus der Gewerbe - Commission der Handelskammer, aus Vertretern gewerblicher Vereinigungen und andern, durch die Handelskammer zu berufenden selbstständigen Gewerbetreibenden zu bilden. Eine aus der Mitte solcher Abtheilungen gewählte ständige Commission müßte den Behörden gutachtlich zur Seite stehen und gegen die Anschauungsweise nicht technischer Decernente« ein Gleichgewicht ouSzuüben im Stande sein. Es gilt dies namentlich bet der Feststellung ortsüblicher Preise, welche bei der Zuschlagsertheilung als Norm zu dienen haben, sowie für die Beurtheilung der Qualität bet etnzureichenden Proben von Matertalien. Heber die Bevorzugung der Mtndestfordernden sagt die Eingabe an daS RetchSkanzleramt zutreffend: »ES läßt sich nicht in Abrede stellen, daß die etnsettige Bevorzugung des Mtndestfordernden den Hauptübelstand des gegenwärtigen SubmtsfionSverfahrens bildet- Dadurch wird der leidige Satz »Billig unb schlecht" zur Wahrheit unb es findet eine schädliche Rückwirkung auf die Ausführung deS Unternehmens wie auf ben ehrenwerthen Character deS Unternehmers statt- Der Umstand contrastirt auch mit den höchst amzuerkennenden Bestrebungen der StaatSregierung — ,be* Mb eiterst ande hoffen zu wollen" — indem daS niedrigste Gebot sich im billigsten Material und in den niedrigsten ArbrttSlöhnen zu erholen hat. Nach Möglichkeit muß der Mindestfordernde «nSgefchlosftn und Demjenigen der Zuschlag ertheilt »erden, welcher sich den von der Gewerbe-Commission alS ortsüblich festgesetzten Preise» am meisten nähert." Auch ist eS auf einzelnen gewerblichen Gebieten seh, wenig am Platz, Arbeiten, die alljährlich wieder kehren, jedes Jahr wieder zu verdingen, statt im Voraus auf eine größere Zahl von Jahren. Wenn ein Unternehmer weiß, daß Neueinrichtungen, die er oorntmmt, fünf Jahre lang Zeit hätten, sich rentabel zu machen, so kann er unbeschadet der Solidität der Arbeit btUig liefern, wenn er diese Einrichtungen trifft; muß er aber besorgen, daß tm nächsten Jahre ein Concnrrent, der ja dann feinen niedrigsten Pre.« kennt, ihn unterbietet, well er eine Möglichkeit herauSgeklügelt hat, auf Kosten entweder der Güte der Arbeit und deS Materials ober burch Hintergehung der nicht fachmännischen Decernenten,. die früheren Lieferer zu unterbieten, so hört geradezu die Möglichkeit solider Ardett auf und das Handwerk wird von StaatSwegeu systematisch zum Pfuschen und zum Betrügen, eS wird, waS noch schlimmer, zum Herstellen unsolider gleißnerischer Schund- waare erzogen. Die Klagen über daS jetzige staatliche BergebungSwesen sind so allgemein in allen gewerblichen Kreisen verbreitet, daß eS wahrscheinlich nur der Anregung bedurft hat, um mindestens in dm angegebenen Punkten Bbhülfe herbeizuführen. Es ist zu erwarten, daß sich die meisten Handelskammern dem Vorgehen der Mindener aittckstießen werden. (K Z.) Telegraphische Depesche«. »olff's telegr. Lorresporrderrz-Bttrearr» Berlin, 4. Juni. Die Kaiserin von Rußland traf heute 12 Uhr Mittags hier ! - SP? roSrl>e öott Sr. Majestät dem Kaiser, sämmtlichen hier anwesenden Prinzen des Königlichen Hauses, der Frau Kronprtnzesfin, der Prinzessin Victoria, der Frau Erbprtnzesstn von Meiningen, dem Prinzen August von Württemberg und dem Prinzen Moritz von Sachsen-Altenburg auf dem Central-Bahnhofe, Friedrichstraße, empfangen und herzlichst begrüßt. Nachdem Se.Maj. der Kaiser die Kaiserin von Rußland in den Königlichen Wartesalon geführt und hier die Vorstellung be« beiderseitigen Gefolge« nWfunben hatte, fuhr die Czarewna mit der Frau Kronprinzessin und der Großfürstin Xenia in einem Hof-Galawagen nach dem Russischen Botschafts - Hotel, wohm der Kaiser die Prinzen und Prinzessinnen folgten. Auf dem Wege vom Bahnhof zum BotschaftS-Hotel wurden die Czarewna und der Kaiser von der zahllos herbeigeströmten Menschmmenge mit entbusiastischen Hochrufen empfangen. In dem russischen Bot- wurde die Czarewna von der Frau Großherzogin von Baden im Namen Ihrer Majestät der Kaiserin, sowie von den nicht auf dem Bahnhof anwesend gewesenen Prinzessinnen empfangen. - Seine Majestät der Kaiser und die Prinzen trugen die Uniform ihrer russischen Regimenter mit russischem OrdenSbande. m ber tn ^m „Reichsanzeiger" veröffentlichten „Ordnung der Feier der Gruvdste^legung für das ReichStagSgebäude am 9. Juni 1884, Mittags 12 Uhr-, verliest der Reichskanzler die für den Grundstein bestimmte Urkunde. In den Grundstein werden versenkt: Der Erlaß „an daS deutsche Volk", gegeben im Hauptquartier ^^sallles den 17. Januar 1871, betreffend die Erneuerung der deutschen Kaiserwürde, C» & !oo?n0 des deutschen Reiches, — das Handbuch des deutschen Reiches auf das Jahr 1884 - die Baugeschtchte deS Reichstagsgebäudes, - Pläne der Stadt Berlin und ihres Weichbildes, - und ein vollständiger Satz der Reichsmünzen, zu- fammengestellt aus Prägungen aller deutschen Münzstätten. Der bayerische stimm- führende Bevollmächtigte zum Bundesrath überreicht Sr. Majestät dem Kaiser unter einer Ansprache die Kelle, mit welcher Allerböchstderselbe Mörtel aus den Grundstein wirft. Hierauf überreicht der Präsident des Reichstags ebenfalls mit einer Ansvrache Welchem Se. Majestät der Kaiser die drei Hammerschläge vollzieht. Nach Allerhöchstdemselben führen Hammerschläge Ihre Majestät die Kaiserin, ber Äroö; Baden, die Prinzen und Prinzessinnen deS Königlichen Hauses, der Reichskanzler, die Generalfeldmarschälle, die dazu befohlenen «omwandirenden Generale, die Ritter des Schwarzen Ablerordens, die Bevollmächtiaten der Präsident, die Vicepräsidenten, Schriftführer und Quästoren des Reichstags, die preußischen Minister, die Chefs der Retchsämter, die Mitglieder der Baucommission und die beiden Architekten. Nach dem Gesang des Domchors folgt ber ^.bespruch des OberhofpredigerS Dn Kogel, worauf zwei Verse deS LiedeS ^Nun rsuktt Alle Gott" gesungen werden. Mtt einem Hoch auf den Kaiser, welches von dem Präsidenten des Reichstags ausgebracht wird und wobei die Versammlung „Heil Dix im Siegerkranz" anstimmt, schließt die Feier. — Im Lause des heutigen Nachmittags empfing die Kaiserin von Rußland den Besuch Sr. Majestät des Kaisers, der Kronprinzessin, ber Großherzogin von Baden, sowie der übrigen Prinzessinnen des Königlichen Hauses. Nachmittags 4 Uhr fand zu Ehren der Kaiserin von Rußland bei Sr. Maj. dem Kaiser ein Galadiner statt, an welchem die Großfürstin Katharina, die Herzogin Helene, der Prinz Waldemar von Dänemark, die Mitglieder des Königlichen Hauses und die Mitglieder der russischen Botschaft theilnahmen. — Wie der „Reichsanzeiger« meldet, werben an ber Feier der Grundsteinlegung zum Reichstagsgebäude auf Befehl Seiner Majstät des Kaisers auch sämmtllche Generale und Regiments-Commandeure des Gardecovs theilnehmen. Rumpenheim, 4. Juni. Die Prinzessin von Wales ist mit ihren Kindern heute Nachmittag nach Wiesbaden abgereist. Wiesbaden, 4. Juni. Der König und die Königin von Dänemark und die Prinzessin von Wales nebst ihren Töchtern sind heute Nachmittag zn. längerein Kurgebrauche hier eingetroffen. Kaiserslautern, 4. Juni. Die Nähmaschinen-Fabrik von KöniK und Comp. ist heute nach Mitternacht vollständig niedergebrannt, die gegenüberliegende Pfaff'fche Nähmaschinen-Fabrik konnte nur mit größter Mühe gehalten werden. König's Fabrik war die jüngste der hiesigen Nähmaschinen-Fabriken, beschäftigte gegen 240 Arbeiter und lieferte 40 Maschinen täglich; sie war versichert bei dem „Phönix" und der Leipziger Gesellschaft. Der Brand brach nach Mitternacht im Maschinenhaus und am Dachfirst des Hauptbaues aus. Großer Wassermangel verhinderte die Rettung der beiden ersten Stockwerke. Gegenwärtig brennt das Erdgeschoß aus. Bremen, 4. Juni. Der Postdampfer „Frisia" der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actiengesellschaft, welcher heute Morgen Lizard passirte, berichtet, er habe den Norddeutschen Lloyddampfer „Main" gestern Mittag aus 49,50 nördlicher Breite und 11,33 westlicher Länge mit gebrochenem Schaft gesprochen; an Bord des „Main" sei Alles wohl, es sei Ordre nach Falmouth gegeben, einen Schleppdampfer nach dem „Main" abzusenden. Pesth, 4. Juni. Durch die Uebereinstimmung der Thatnmstände mit dem vom Anarchisten Fried abgelegten Geständnisse ist nunmehr sestgestellt, daß Fried bei dem Eisert'schen Raubmorde als Aufpasser fungirt hat. Als die eigentlichen Thäter werden die Anarchisten Kammerer und Stellmacher von Fried bezeichnet. Der Plan zu dem Elsert'schen Raubmord ist in Pesth gefaßt worden, wohin Fried auch einen Theil der geraubten Wertpapiere gebracht hat. — Der Anarchist Scheffler ist in dem gegen ihn geführten Preßproceffe für schuldig erklärt und zu einer Gefängnißstrafe von 21 Monaten, sowie zu einer Geldbuße von 1100 Fl. und in die Kosten vemrtheilt worden. Scheffler hat die Nichtigkeitsbeschwerde angemeldet. Klauserrburg, 4. Juni. In Gyergyoalfalu ist es zwischen den Parteien zu Schlägereien gekommen. Die einschreiiende Gensd'armerie wurde mit Steinwürfen empfangen und angegriffen; zwei Gensd'armen wurden schwer verletzt, 8 Personen niedergeschoffen. Eine Untersuchung ist eingelettet. LonDorr, 4. Juni. Gestern ist zwischen Salisbury und Winborne ein Eisenbahnzug theilweise den Damm hinabgefallen, wobei 4 Passagiere getödtet und 25 verwundet wurden, von den Letzteren 6 bis 8 schwere. Pvrt Smd, 4. Juni.. Heute Morgen wurden auf dem englischen Aviso „Iris" 250 Mann engelische Marine-Infanterie eingeschifft, um sich sofort nach Suakim zu begeben. Lokales. Gießen, 5. Juni. [® leiberg.J Samstag dm 31. Wai war im großen Saale auf tz,en d7m Vn.' ro,c x'eä 6ier d-r Fall ist; baß die Weide um fast die HälsN M dankem ° Terrain« erweitert wurde, ist ebenfalls den Bemühungen dieser MSaner ra.ib.Ä, ne.“äW 6e?f6 i'dem Freunde des Unternehmens Vergnügen, in diesem ^UM, g-würzt mit gesunder erfrischender WaldeSIuft/eineu ausgiebigen ft« tUnb nOtl ösischm, italienischen, spanischen u. russischen Geschäfts- und Umgangssprache. Eine neue Methode, in 3 Monaten eine Sprache sprechen, schreiben und . lesen zu lernen. Zum Selbstunterricht von Dr. Richard S. Rosenthal. Englisch — Französisch — Spanisch complet in je 15 Lectüme« ä 1 eX — Italienisch und Russisch complet in je 20 Lectionen ä 1