Nr. 284 Zweites Blatt Donnerstag den 4. December 1884 Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. „ , „ _ .. g. . Mrei- vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringeri ichn, Msee»« r Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Mont«g-. Lurch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. protoM der GeAeralverfammlung des landwirthfchaftliehen Bezirksvereins Gießen vom 28. August 1884 zu Grünberg. Der Director des Vereins theilt bei Eröffnung brr ungewöhnlich stark besuchten Versammlung zunächst mit, daß der Präsident der landwtrthsckaftltcben Centralstelle, Herr Mlntstertalrath Dr. Jaup, der Präftdent deS landwirthschaftlichm Prooinzialververeins Herr Adalbert o. Nsrdeck, Freiherr zur Rabenau, und der (Seneralsecretär der landwirthschaftlichen Vereine des Gcoßhcrzozthums, Herr Oeconomierath Dr. Weidenhammer, heute wegen Unwohlseins, beziehungSwe.se anderwelter Verhinderung, hier nicht hätten erscheinen können und sich deshalb entschuldigt hätten. Hierauf berührt er die am Morgen desselben Tages statto.ehadte Prämiirung, welche der Verein zur Züchtung undVeredluna der reinen Vogelsberger Rtndoiehrasse gelegentlich des hiesigen Vtchmarktcs abgehalten hatte. Es sei Über Erwarten viel Vieh der Vogelsberger Raffe aufgetrieben worden, 29 Bullen, 33 Kühe und 177 Rinder, darunter recht schöne Exemplare. Mit besonderem Danke müsse erwähnt werden, daß die Sparkasse Grünberg welche so viele gemeinnützige Unternehmungen unterstütze, zu dieser Prämitruag 100 JL verwtlligt habe. Diese Thierschau beweise, daß man in hiesiger Gegend der Vogelsberger Rmdviehraffe hoben Werth beilege und daß man der Zucht dieses ViehschlogcS immer mehr Aufmerksamkeit schenke. Es erhält bterauf boS Wort zum angekünbiaten Vortraae über die Frage: Welche Bedeutung Haven Molkereigenossenschaften für den kleinen Mann 7 Gutsbesitzer Schiente vom Hardthofe: In der Ausschußsitzung des landw. ProoinzialoeretnS vor ca. 1 Jahr handelte eS sich um die Frage, ob die Molkereiausftellung tn München, die am 1. Ocioder d. I. stattfinden soll, von Seiten des landw. ProvtnztalveretnS mit Geldmitteln unterstützt werden solle oder nicht. In der lebhaften Debatte über diese Frage fiel auch die Acußerung — und diese schien vielfach Beifall zu finden: DaS Molkereiwesen hat nur Lwrck für die Großen, für den kleinen Mann hat es kein Juteresse. Untersuchen wir, ob diese Behauptung berechtigt ist. Die unrichtige Bezeichnung eines Unternehmens oder eines Gegenstandes erweckt oft Vorurthetle, die dann schwer zu beseitigen sind. Nichts z. B. hat der Einführung der Hülfsdünger mehr geschadet als die Bezeichnung derselben als „künstliche" Dünger. In der richtigeren Bezeichnung „Hülssdünger" liegt schon die Weisung, wie sie angewandt werden sollen, nämlich als Unterstützung, als Beihülfe zu dem im Stalle gewonnenen Dünger. „ „ _ . . So erweckt auch die Bezeichnung Dampfmolkerei falsche Vorstellungen bei den Landwtrthen. Sie denken, mit Dampf können nur große Herren arbeiten, der kleine Mann hat dazu weder Mittel, noch Material. Man sollte allein schon um diese falschen Vorstellungen zu vermeiden, bei der richtigeren Bezeichnung Sammelmolkerei oder Molkereigenossenschaft blctben. Aus dieser Bezeichnung findet auch der einfache Mann den Sinn heraus, daß es sich baium handelt, Milch zu sammeln, um sie so in großen Quantitäten zu verarbeiten. , , , e ,,, „ Wenn es sich also darum handelt, viel Milch -usammenzubringen, so heißt eS auch hier wie bei allen Sammlungen: jeder, auch der kleinste Beitrag ist willkommen. Somit ist also der kleine Mann nicht von der Sammelmolkerei ausgeschlossen und die Sammelmolkerei und Alles waS diese fördert, also auch das Ausstellungswesen, haben für den kleinen Landwirth dieselben Vorthetle, dasielbe Interesse wie für den Bewirth- fchafter eines großen Gutes. „ Nun wird mir freilich mancher der hier Anwesenden entgegnen wollen: Wozu brauchen wir Sammelmolkereten? Das biSchen vorhandene Milch verarbeitet meine Frau und die macht die beste Butter von der Welt und den besten Käse dazu. Das mag in einzelnen Fällen zugestanden sein. Eine recht tüchtige Hausfrau bringt das zuwege, wenn sie die nöthrge Zeit dazu hat. Im großen Ganzen ist es aber durchaus nicht der Fall. Ich glaube behaupten zu dürfen, daß im ganzen deutschen Reiche gerade in den kleinen landwirthschaftltchen Haushaltungen auch nur die ersten Vorbedingungen fehlen, um eine gute Butter zu produciren. Oder ist etwa beim Aufbau des Wohnhauses, wenige Ausnahmen abgerechnet, ein Raum vorgesehen, in dem bei angemessener Temperatur die Milch aufrahmt, in dem der Rahm aufbewahrt wird, in dem die Butter gewonnen werden soll? In den meisten Fällen steht die Milch im Sommer im Keller, wo daS Sauerkrautfaß, die eingelegten Käse und sonstige mehr oder weniger stark riechende Vorräthr aufbewahrt werden, im Wmter im Wohnzimmer. Der Ofen desselben muß die nöthige Temperatur auch für die Milch schaffen. Im Ofen wird aber auch gewöhnlich gekocht, im ungünstigen Falle steht auch noch das Ehebett in dem wohldurchwärmten Raume. In diesem Raume rahmt nun die Milch auf, der Rahm wird hier aufbewahrt, gesammelt und aus dem ausgesammelten Rahm in der Woche ein-, höchstens zweimal Butter gewonnen. . . r „ , , Daß diese Butter von Anfang nicht gut schmecken kann, daß sie unhaltbar, nach einigen Tagen ranzig ist, daß sie nur zu geringsten Preisen verkäuflich ist, bedarf keines Nachweises. , ,, . .. Durch eine solche Vrraibeitung der Milch wird sie nur gering vcrwerthet, die Folge davon ist, daß man, da ja doch nichts dabei herauskommt, auf die Fütterung und Haltung des Viehes nicht genug Werth legt, daß die Aufzucht und endlich der Futterbau lässig betrieben wird. Allen diesen Ucb-lständcn helfen gut geleitete Sammelmolkereien ab. Die Sammelmolkerei ist in einem entsprechend eingerichteten Gebäude unter- gebracht und sollte stets so gelegen sein, daß sie von den Landwtrthen, von deren Besitzungen die Milch gesammelt werden soll, mit den wenigsten Umständen leicht zu erreichen ist.^^ Sammelmolkerei liefern die Landwirthe die von gut genährten Kühen gewonnene Milch jcdm Tag im frischesten besten Zustande. Die gesammelte Milch wird auf eine bestimmte gleichmäßige Temperatur gebracht und im frischen Zustande durch die Centrifuge entrahmt. Der süße Rahm wird verbuttert und daraus süße Butter von gleichmäßigem Geschmack gewonnen. Die noch süße blaue M'lch dagegen, falls sie nicht weiter verkauft werden kann, wird zu Käse verarbeitet, der weitere Rückstand die Molke als Schweinefuiter verwerthet. Alle diese Arbeiten gehen in gut gelüfteten'sauber gehaltenen Räumen unter sachkundiger Lettungund mit Dampfbetrieb vor sich. Es werden mehrere taufend Liter Milch täglich verarbeitet. Die Vorzüge dieses Verfahrens bestehen aber vor Allem darin, daß vorzügliche Butter von gleichmäßigem Geschmack jahraus, jahrein gewonnen wird, daß mtt den Kaufleuten in den Städten feste Lteferungsverträge für längere Zeit auf bestimmte daS nicht, der Geschmack seiner Butt» wechselt, die Quantität ist zu gering und wechselt. Butter von fortwährend wechselndem Geschmack kann aber der Kaufmann in der Stadt nicht absetzen, so wenig wie er Kaffee abfetzen kann, der heute so und morgen anders schmeckt. Meine Herren, sie glauben vielleicht, ich hätte den Unterschied zwischen der Butter, wie sie tn landwirthschaftlichen Haushaltungen gewonnen wird und der Butter, wie sie btc gut geleitete Sammelmoltcrei herstellt, zu schroff markrrt. Um Sie vom Gegentbeil zu überzeugen, lese ich Ihnen hier die Handelsberichte eines Butter- und Käse Großhändlers In Berlin vor. (Werden verlesen.) Außerdem darf ich als wetteren Beweis onsübren die zunehmende Fabrikat'on der Kur.stbutt-r. Ed werden tn den großen Städten Deutschlands von oen Haushaltungen der kleinen Beamten, der Arbeiter rc. viele tausende Gentner Kunftdutter gegessen. Niemals würde sich diese so cingebürgert, so zahlreiche Abnehmer gefunden haben, wenn nicht die ächte Butter in d e Hände btefer kleinen Leute in einem ekel- crregenbtn Zustand käme. Diese Butter kommt schon ranzig cn b-n Kaufmann und dieser gibt die Butter wie sie ist in viertel und halben Pfunden cn den kleinen Kunden ab. Die Kunstbutter dagegen ist tadellos im Geschmack, holt sich lange genug und der kleine Mann zieht sie vor, weil sie nicht riecht, wenn er auch weiß, daß er ein Sammelsurium von Talg und sonstigen Fttten h nunterschlingt, statt aus Milch hergestellter Butter. Ich bezweifle nicht, daß es noch eine ganze Reihe von Wenn's und Aber'S zu erledigen gibt, z B. wird mir entgegnet werden können, wie soll der kleine Mann das kleine Quantum Milch tn die Sammelmolker-i liefern, die vielleicht slundenwe.t entfernt liegt? Wollte allerdings jeder Einzelne dte 5 bis 20 Liter M'lch in die Molkerei schaffen, so würde das sehr kostspieltg, aber wie man einen gemeinschaftlichen Kuhhirten oder Schweinehlrten haben kann, so kann man auch einen gemeinschaftlichen Milchfuhrmann haben, der frühmorgens durch's Torf fährt, die verschlossenen Milchkannen sammelt und in die Sammelmolkerei abliefert. Beiaßt sich nach Beschluß der Thrilnehmer, die Sammelmolkerei dam t, geeignete Kraflfuttermiltel hmzulegen und dieselben ä Conto der eingelieferten Mllch zum Selbstkostenpreis an ihre Mitglieder abzugeben, so brächte der Milchfuhtmann als Rückfracht Kiastfuttermittel ins Dorf. Dieser Erfolg, auch den kleinen Landwirth zur Fütterung von Kraftfutter zu veranlassen, scheint mir nur auf diesem Wege erreichbar zu sein. Nur wenn der kleine Landwirth von heute auf morgen sieht, daß daß angewandte Geld rasch in seine Hand zurückflictzt, nur dann tritt er aus der Zurückhaltung gegen daS Neue heraus. E n anderes Bedenken: Der kleine Landwirth sagt: Ich brauche meine Milch selbst, nur wenn ich einmal zu viel habe, nur dann mache ich etwas Butter zum Verkauf. Dies Verhältniß würde anders werden, sobald eine Sammelmolkerei da ist und baares Geld aud der Milch erlöst werden kann. Es würde in vielen Fällen kaum nöthig fein, den Viehstand zu vergrößern, durch sorgsamere und kräft'gere Fütterung allein könnte der Milchertrag so gehoben werden, daß eine Abgabe von Milch an die Sammelmolkerei, und seien es auch anfangs nur wenige Liter, möglich gemacht würde. Und ferner ist es denn durchaus nöthig oder nur rathfam, daß man die Butter und den Käse, die man esfen will selbst zubereitet, besorgt daS die Sammelmolkerei nicht besser? Der Schuhmacher macht seine Hosen auch nicht selbst, sondern überläßt daS dem geschickteren Schneider! Kann man nicht abgerahmte Milch, Butter. Käse im besten Zustande durch den Milchfuhrmann zurückbeziehen? Kanu man nicht auf demselben Wege Molke für die Schweine, abgerahmte Milch für die Kälber erhalten? Wie verwerthet sich die Milch in der Sammelmolkerei, was kann die Sammelmolkerei ihren Mitgliedern für das Liter guter Milch bezahlen? Man soll sich keine goldenen Berge vorrechnen, die Regsamkeit, das Streben nach Verbesserungen hat meiner Ansicht nach auch in der Landwirthschaft in den letzten Jahren sich besonders gezeigt und wird sich immer mehr zeigen. Damit wächst die Concurrenz und besonders im Molkereiwesen. Hat der kleine Landwirth bei dem bisherigen Verfahren die Milch mit 5—8 Pig. pr. ß ter verwerthet, ganz auönahmswe.fe auch wohl etwas höher, so ist die Sammelmolkerei heute in der Lage, ihm mindestens 9 Pfg. pr. Liter zu bieten, aber mit dem großen Vortheil, daß die Sammelmolkerei an jedem Tage im Jahre und jedes Quantum an Milch abnimmt, der Absatz an Milch zu 9 Pfg. würde niemals stocken und der Geldbetrag regelmäßig in die Hand de8 Landwirths fließen. Ist die Sammelmolkerei tn der Lage, blaue Milch zu verkamen, so stellt sich dadurch der Preis, den die Sammelmolkerei dem Landwirthe bezahlen kann, auch wohl höher, vielleicht aus 10 ober 11 Pfg. pr. Liter. ES ist natürltch sehr wesentlich, ob die Sammelmolkerei 9, 10 oder 11 Pfg. pr. Liter bezahlen kann. Aber auch der ziemlich niedrige Preis von 9 Pfg. sollte die Landwirthe nicht abschrccken, sich lebhaft für Sammelmolkereien zu interessiren, vorausgesetzt, daß sie nicht tn der Lage sind, dte Milch direct zu verkaufen. Ich betonte schon vorher d'.e sehr große Annehmlichkeit und den Vortheil, daß die Sammelmolkerei dem Landwirth täglich jedes Quantum Milch zu einem bestimmten Preise abnimmt. Dieser regelmäßige Zufluß von baarem Gelbe gibt der Wirthschaft auch detz kleinen Landwirths ein ganz anderes Gesicht. Hat er bisher kaum das tägliche Milchquantuw aus seiner Wirthschaft gekannt, so fängt er i-tzt an, sorgfältig zu messen: geben dte Kühe bet regelmäßiger, sorgfältiger und besserer Fütterung mehr Milch, so wird die Aufmerksamkeit verdoppelt, da cs ja sofort baares Geld etnbringt. Jetzt wird der Landwirth auch in der Auswahl des Futters bedächtiger; wollten früher die Kühe den zu hart gewordenen Klee nicht fressen, nun bann mochten sie's lassen, die Stallibür wurde zugemacht, um das Gebrüll nicht zu hören. Nun schädigt es aber den Geldbeutel sofort. Die Strafe für die Unachtsamkeit kommt schon am folgenden Tage und die Frage, wie schaffst du für deine Kühe regelmäßig gutes Milchfutter, damit der Geldzufluß regelmäßig bleibt, führt ihn dahin, im Futteranbau tn der Zusammensetzung der Futterratilwen achtsamer zu werden. Der gewonnene besiere Dünger aus dem Kuhstall wird zu Rathe gehalten, gut behandelt und tu erster Linie zur Erzeugung von Futtergewächsen aller Art verwendet. Ein wenn auch kleiner Theil beS für Mrlch eingehenden Geldes wird zur Beschaffung von Kraftfutter ausgegeben und mit Staunen wird der kleine Landwirlh schließlich merken, daß, trotzdem ber Futterbau dte Flache der körnertragenden Aecker gemindert hat, die Körnerernte nicht geringer geworden, tm Gegentheil zugenommen hat. .... £1 So wird der Einfluß sich gestalten, den die Sammelmolkercien auf die Wirthschaft deS kleinen Landwirths ausüben und Sie, meine Herren, werden mit mir einsehev, welche große Bedeutung Sammelmolkereien auch für den kleinen Landwirth haben. Nachdem der Dtrector für den anregenden Vortrag gedankt hatte, entsvmnt sich über denselben eine lebhafte Besprechung, aus welcher namentlich die Bemerkungen de« Directors der neuen Dampfmolkerei Gießen. Herrn Ereuz daselbst, -rw-bn«nSw°rth finb. Derselbe -ußerte ». A, daß d.e Gi-ß-ner Dawps- molker.I nach Ihrer groSatflgen Einrichtung sü- di- »«r6älln!fie »er Stadt Gießen, I nicht aber für den kletnen Mann eingerichtet sei- In Gießen solle iunSchst die M.lch in N.'tur uerwcrtlje! und nur das üör-sx Dl.ibend-! zu Bui.'« unb Käse «erarbeitet td- > D-r». ib.’cdji'e bsber nei gfljöfte it'Oiltag e.nc Sln.cßung znr B.lbuug ländlicher Sau m-lworlcreten sein! Sollim tiefe nicht wissen, wohin die Milch abzusitzen sei, so bitte er, sich mit der (Steuer Dampfmolkeret tn Verbindung zu setzen. Die Groß - In» buflnc werde den kleinen Mann nicht schädigen. Zum 2. Gegenstand der Tagesordnung übergehend, bemerkt Ueber die Hebung der Obstbaumzucht Bürgermeister Felvmana tn Lauter: K« kann unmöglich meine Aufgabe sein, heute daS alle? vorzubringen, waS zur Hebung der Obstbaamzucht erforderlich ist, und ist dieses auch schon in landwirtb- schasll'.chobstel- zum Handel mit Saatgut eine Anzahl Makler angeftellt unb deren Namen öffentlich bekannt gemacht hab?. Diese Makler könnten ohne Angabe von Gründen entlassen werden, waS namentlich geschehen würde, wenn in Erfahrung gebracht und erwiesen werde, daß or-.dereS Saat- gut unter dem Namen »P odsteier" von ihnen verschickt worden sei. Die Plombenzangen würden ihnen vom Verein zum Selbstkostenpreis geliefert, nach stattgehabter Entlaffung aber ohne Vergütung entzogen. Diese Makler seien weiter verpflichtet, ordnungsmäßige Haudel-bücher zu führen, worin sie das sämmtliche angekaufte und verkaufte Saatgut eintragen und diese Bücher einer vom landwirthschaftl'chen Verein gewählten unparteiischen Persönlichkeit, welche unverbrüchliches Schweigen drillen Per- sonen gegenüber zu beobachten habe, zur Einsicht oorzulegen. Unter obrigkeitlicher Controle stehe der Prodsteler Saatkornhandel Nicht. Nach Ansicht deS Directors möchten diese für einen größeren Bezirk getroffenen Bestimmungen für einen Saatenmaikt für Grünberg und Umgebung mcht empsehlenswerth sein. Bürgermeister-,Prächt von Grünberg spricht sich dahin aus, daß der Markt auSzuschreiben sei. Zur Prüfung der aufg-fahrenen Frucht möchte vom Seren» eine Commission zu ernennen sein. W-r sich Unterschleif zu Schulden kommen laffe, sei abzuweisen. Ein geeigneter Marktplatz sei hier vorhanden. Auch die nöthige Bedienungsmannschaft fei da. Proben von Saaisrucht könnten der Commission auch schon vor dem Markte zur Prüfung mitgetheiU werden. Auf diese Weise werde fremden Käufern Sicherheit geboten- Kaufmann A. Katz von Gießen glaubt, daß die Bestellung einer controltrenbeu Commission nachtheilig auf den Markt wirken werde. Der Markt müsse so frei wie möglich fein. Gegen Betrug schütze das Strafgesetzbuch, welches etntretenben Falles in Anwendung zu bringen sei, Nach seiner zwanzigjährigen Erfahrung eigne sich Grünberg zu einem Soatenmarkl. Es werde hier gute Saatfrucht geliefert. Der Markt sei nur auszuschreiben. Verkäufer und Käufer würden sich einfinden. Kommerrath Weber schließt sich der Ansicht an, daß der Markt frei sein müsse. Wer keine gute Waarc habe, werde nichts verdienen. Man könne sich den Markt in dreierlei Weise benfcw, als einseitigen Markt der Landwirth-, ober als einen Markt durch Makler, oder als eine Combination von Beiden. Es seien in GcÜnberg zwei Märkte, je einer im Frühjahr unb im Herbste, ausschließlich für Saatgut, abzuhaLtrn. Die Mitwirkung von Maklern möchte empfehlenswerth sein. Pachter v. Oven auS Hungen hält die Vorlage einer Bescheinigung über die Hrrkunll der Frucht für zweckmäßig. Gutsbesitzer Scklenke spricht sich dahin auS, daß zur AuSkunftseriheilung für die fremden Käufer eine Anzahl Vertrauensmänner vom Vereine gewählt werden möchte. Die Versammlung ist mit letzterer Ansicht einverstanden und wählt zu Der- trauenSmäanern die Herren Bürgermeister Faulst ich von WeiterShain, O-conom Güngerich von Merlau, Müller Keil von Grünberg, Bürgermeister Schillinger von Queckborn und Müller Zimmer von Lauter. Weiter soll eine Marktordnung durch eine geeignete Commission festgestellt werden. Zur Frage, ob eine SaatreinigungSmaschine (Trieur) vom Vereine angesch cfft werden solle, vertheidtgt v. Oven die Nützlichkeit einer solch-n Maschine, Frucht, welche de» Anscheine nach sehr gut sei, könne doch noch Unkrautsamen rc. enthalten. Nach dem Gebrauche der Maschine könne da« Saatgut der schärfsten Controle unterworfen werden. Der hier in der letzten Versammlung oorgezeigte Trieur sei aber zu klein gewesen. Kaufmann Buch auS Hungen erwidert, daß er zunächst nur überhaupt eine solche Maschine habe veranschaulichen wollen. Er könne auch fslche von anberen leistungsfähigeres Systemen liefern. Die Versammlung ist der Ansicht, die Beschlußfassung über die Frage «ege» Anschaffung einer solchen Maschine biS zu einem sich ergebenden Bedürsnifle aukzusitzen. An Stelle der abgegangenen Mitglieder des VeretnS-AuS- schusses werden fabann noch v. Oven in Hungen und Feldmann von Lauter gewählt. Zu» Schluffe werden noch die an den Bezirksverein gelangten SinlSuse, namentlich Offerten mauuichsacher Art, der Versammlung zur Einsicht vorgelegt- Ser Director: Nover. Politische Ueberficht. Gießen, 3. December. Von der Budget-Commission ist am Samstag der Etat des Reichstages bewilligt worden, welcher auch die herkömmliche Summe von 48,000 «X Vergütung an die Privat-Eisenbahnen für Benutzung durch die Reichstags-Mitglieder einschließt. Es bleibt jetzt abzuwarten, ob im Reichstags- Plenum eine Verhandlung über Gebrauch und Mißbrauch Der Eisenbahn-Freikarten herausgefordert wird. Eine ammirte Debatte entspann sich in der Leuaunten Sitzung über die geforderte Summe von 150,000 ak Zwecks Unter* Nützung der auf die Erschließung Central-Afrikas gerichteten wissenschaftlichen Bestrebungen. Das Centrum hatte durch den Abg. v. Franckenstein beantragt, davon 50,000 dl. zu streichen; trotzdem daß von den Abgg. v. Benda und v. Bunsen die Gewährung der vollen Summe lebhaft befürwortet und die hier vorgefchlagene Ausgabe als eine productive bezeichnet wurde, erfolgte schließlich die Annahme des Franckenstein'schen Antrages. Der Antrag Windthorst auf Beseitigung des Expatriirungs-Gesetzes den der Bundesrath jüngst abgclehnt hat, wird im Reichstage demnächst wieder zur Debatte kommen; es ist zweifellos, daß dort wieder eine große Mehrheit dafür stimmen wird. Gespannt darf man in Anbetracht des' gegenwärtigen Verhältniffes zwischen dem Kanzler und dem Centrum auf die Haltung der Con- servativen fein. Es wird, rote sich die „Nat.-Ztg." schreiben läßt, bestätigt, daß die Ablehnung des Antrages tm BundeSrathe auf eine besonders nachdrückliche Befürwortung Preußens erfolgt ist, welches erklärte, dies Gesetz noch nicht misten zu können. In gouvernementalen Blättern wird es als „auffällig" bezeichnet, daß Herr von Schorlemer - Alst, das bekannte Centrums-Mitglied, der in den preußischen Staatsrath berufen war, sich von den Verhandlungen desselben ferngehalten habe. Die Special-Commission der afrikanischen Conferenz hat am Samstag ihre Aufgabe gelöst. Das von Deutschland der Conferenz unterbreitete prejet de döclaration erhielt diejenigen redactionellen Abänderungen, welche von verschiedenen Bevollmächtigten in der letzten Plenarsitzung der Gon* seren; gewünscht wurden. Ebenso wurden die Beschlüste der Commission endgültig nach den Wünschen der Plenums formulirt. In Bezug auf die Definition des Begriffes „Handelsfreiheit" wurde festgestellt, daß nur solche Taxen von den Importen erhoben werden dürfen, welche für die Bedürfnisse der Administration erforderlich sind; die Taren für auswärtige Maaren u. s. w. dürfen keinesfalls diejenigen überschreiten, welche für dieselben Producte des Inlandes erhoben werden. Herr Stanley gab in der Commission interessante Ausschlüffe über die religiösen Verhältniste der Congo-Länder, sowie über die Fortschritte, welche die Kulturarbeit seit der Erschließung des Kongo gemacht hat. Die Wiener Blätter widmen dem verstorbenen Bischof von Linz, Rudigier, ehrende Nachrufe unter Anerkennung seines festen mannhaften Charakters. Noch ein paar Tage vor seinem Tode sandte der Bischof einen Boten an den Bürgermeister von Linz, Dr. Wieser, und ließ ihn bitten, die Linzer Friedhof-Frage im Sinne der katholischen Kirche zu lösen. Kondolenz-Telegramme sind von verschiedenen Seiten eingelaufen, u. A. von der Gräfin Chambord. Die Journale erinnern daran, daß der Bischof Rudigier wegen eines im Jahre «iM etjitW*w Anberg Ö§?*S to13'2'«^ M Wtnortci S“*w «'Mltl Ifc ÖQ6 ncmtntiid) 3B Qtiberes Saab JBJ st°ttgth°bter ”elter D«PRid)ttL ^angekauste unb ^k'lichen «erein “ 8«n drill«, $et. ’Ul vbrtgkriillchik ge. ö umßtbung nicht '' daß brr Markt Dom $trtm eine kommen lafje, ftt ? d»e nöthlge Bc, misfion auch schon ise werbe jremben utr controHrrobtn e so frei wie mig- den Falle« in Av- gne sich Grünberz Ext Markt sei nur rkt ftei sein müsse, sich den Markt In als einen Markt in Grüaberg Mt atgut, a^ohaüen. ’lnlfliinß Qbn ble stsertheilüvL für gewW werde« > wW Btt» kW«. Oiconom ,« Sdjtlltnatt Mission sestgesiellt !angeschrsst werden frucht, welche de« zalten. Nach dm ittolt unterworfen ir fei aber »u klein nur überhaunt eine »lche von aidereie • die Me ürfnlfiefByW; V-reinS-Aor' „ann von 8«“,r (langten cht lotgtW' jr: aber my Sl,a' tzs sZr 16 °°»»tau,. sojiiere«! 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In der Schweiz zieht der Tessiner Handel noch immer seine Kreise, wenngleich die Tessiner KantonS'Regierung dem Bundesrathe gegenüber paler peecavi gemacht hat. In seiner am 26. v. Mts. abgehaltcnen Sitzung genehmigte der Große Rath des Kantons Tessin, in welchem der Ultramonta- nismus die Oberhand hat, mit 70 gegen 20 Stimmen bankend das Vorgehen der Negierung. Das Comitö des englischen Unterhauses bat die Vorlage wegen Reform des Oberhauses"'in der Specialdebatte angenommen. An der Zustimmung auch des Plenums zu dieser wichtigen Vorlage ist sonach kaum zu zweifeln. Die aus Konstantinopel einlaufenden Berichte über das Befinden des an einem typhösen Fieber erkrankten deutschen Botschafters v. Radowitz lauten durchaus befriedigend. Der Verlauf der Krankheit ist ein normaler, das Fieber nimmt ab. Kaffee, Zucker, Thee, Chucalade und alle übrigen Colonialwaaren für den Hausbedarf empfiehlt erstere von Mk. 1.20—3.50 pr. Pfund, halte ich bestens empfohlen. Hmil Fischbach. 1867 erlassenen Hirtenbriefes von den Geschworenen für schuldig erkannt und vvm Gerichtshöfe wegen Störung der öffentlichen Ruhe zu zwei Wochen Kerkers verurtheilt wurde. Vom Kaiser wurde ihm damals die Strafe im Gnaden« «ege erlassen. Die französische Regierung hat beschlossen, den Eingangszoll für Getreide um 2 Frcs. zu erhöhen, so daß derselbe nunmehr 2 Frc«. 60 Cent, betrügt. Die Agrarier halten jedoch diesen Satz für absolut ungenügend. 'Dem italienischen Königspaare ist bei seiner jüngst erfolgten Rückkehr von der Rundreise, die es im Lande unternommen, nach der Hauptstadt Rom ein begeisterter Empfang zu Theil geworden. Die „Polit. Corresp." läßt sich hierüber von ihrem römischen Correspondenten schreiben: „Der Bahnhof, die Zugänge zu demselben, die vor dem Bahnhose gelegene große Piazza bei Termini, die zum königlichen Palaste führende lange und breite Straße und der herrliche Quirinalplatz selbst waren von einer Kopf an Kopf gedrängten Menschenmenge besetzt, so daß die Zahl der der Ankunft des Königs Harren- den mit Hunderttausend nicht übertrieben angegeben sein dürfte. Die Spitzen der Behöroen, über 50 Vereine, eine Unzahl privater Gesellschaften mit Fahnen, Standarten und anderen Emblemen hatten sich zum Empfange eingefunden und das Ganze bot ein wahrhaft festliches Bild. Ein betäubender Jubel erhob sich, als die königliche Equipage sichtbar wurde, und vflanzte sich auf der ganzen Strecke vom Bahnhose bis zum Quirinal fort. Der königliche Wagen konnte blos im Schritte fahren und mußte sich mühsam durch die jubelnde Menge V ersteigerungen aller Art insbesondere von Mobiliar, Waaren u. dgl., werden von mir unter Zusicherung der gewissenhaftesten und prontptesten Ausführung übernommen; auch bin ich bereit, einzelne Gegenstände für die von mir zeitweise veranstalteten Versteigerungen in Commission zu nebmen. Gefällige Aufträge beliebe man mir mündlich oder schriftlich zuzuweisen. 7994 Emil Elschbach» > Gen 6 ve von empfehlen in großer Auswahl, sowie eine Parthie Nester. Bestellungen für Taschentücher beliebe man bis zum 1. December M. Weiner, «ck« der Wetter- und Marktstraß«. Moitsfirende Rheinweine aus drr Fabrik der Herren Gebr. 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Samstag „ 17. „ n Die Interessenten werden daher aufg-- fordert, die Zahlungen an diesen Tagen in Empfang zu nehmen und hierzu durch Vorzeigung der Schuldscheine sich zu le- gitimiren. Die Herren Bürgermeister werden ersucht, dieses in ihren Gemeinden auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen. Gießen, am 27. November 1884. Der Rechner der Spar- und Leihkasse. Kehr. Iettgeöotenes. Bettfedern und Daunen, Barchent, Drell und Federleinen offerirt billigst C. Stückrath, Möbelfabrik, 7899 Wallthorstraße 21._______ © =$ er j=> g en :c6 rr <-> /=> CD -*s> C O) -SC o W —H = « <«K S LS 5 . OB a 7375 Marktstraße 32. Königsberger Thee - Compagnie Berlin. 7679 Russische Mischungen. Alleinige Niederlage in Gießen bei Herrn S. Elsoffer. Redactton: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietschs in Gießen. fei «'Jin b»'®.rof «inj V'°Mi ’ Sc«’ en bi DerRei M Seit)* hmpter-Sut man in den M daß »»* vorigen Reichste in ihren ClW und O Angra Pequena .liche UntecW von 15 Jahrei .oehmignng des Üeten Zahlung Debatte wurd einem kurzen gesuchte des inzwischen aus einer Urnünde schlieblich dies aus. Die me missionS'Beral Grad, Dorrn zuheben ist, di mit dem Ben zur Zeit der1 auch Herr W er sich zugleich ausgeM f;at allem Nötigen betet schädigen Dampsn-Subo wideyprach bi Stephan einze -teilen Gegne^ sinniger Seite die Vorlage t Woemann'sck Führungen bei könne die pe(| gierung noch berge: nachhe Schließlich w Wirchschast u vorhandene T sein, an dersel Politik Schuld die Diskussion hieraus der Ci Verhandlung freisinnige Pa Dampfer, Sub endliche,8u|ia: Aaste smd. Ä aus i Aushebung des . .Die Co ? welcher ^Neit ?Wagtnen ut f Ötatnmes, bel. ta« *■ Di- »"""»ieienige tue t Un< ®et J“ 9ne N<