Kr. 53 Zweites Blatt Sonntag den 2. März 1S84L Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Erscheint mit Ausnahme des MontagS. Bureau r Schulstrahe 7. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Dringerlohn. Durch die Pc>st bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Wochenschau. Gießen, 1. März. „Blut ist ein ganz besonderer Saft" — und es müssen schon ganz ausnahmsweise energische Gewalten thätig sein, um die Adhäsionskrast dieses Bindemittels zu überwinden. Die deutsch-russische Waffenbrüderschaft ist eine ans den blutgetränkten Stätten gemeinsam geschlagener Schlachten erwachsene Tradition, deren innere Solidität und Zähigkeit dem nagenden Zahne der ßeit, sowie den absichtlichen Zerstörungsversuchen, die veriodisch von den deutschfeindlichen Elementen jenseits der russischen Grenze in Scene gesetzt wurden, bis heute siegreich Trotz geboten hat und dies, nach dem Wunsche aller einsichtsvollen, um das wahre Beste ihrer resp. Länder besorgten Deutschen und Russen auch fernerhin thun soll. Wenn die deutsch-russische Freundschaft im Laufe des letzten Jahrzehnts Anfechtungen ausgesetzt war, so sind dieselben doch nur vorübergehender Natur gewesen, und kann man heute das Verhältniß zwischen den benachbarten Höfen und Cabineten als ein solches bezeichnen, welches jeden Zweifel an der Aufrichtigkeit desselben ausschließt. Die Entsendung einer Glückwunsch-Deputation des russischen Heeres anläßlich des 70jährigen Gedenktages der Georgsritterschaft Kaiser Wilhelms, sowie der telegraphisch mitgetheilte Sympathie-Artikel der St. Petersburger russischen Zeitung bilden Symptome, die in unwiderleglicher Weise zu Gunsten der Unantastbarkeit des traditionellen deutsch-russischen Freundschaflsbundes denionstriren und deren Werth einen ganz besonderen Zuwachs dadurch erhält, daß man sich an der Newa desinitiv und loyal mit dem Faktum der mitteleuropäischen Friedens-Allianz ausgesöhnt hat. So erklärt es sich, wenn auch die Wiener Politiker mit voller rückhaltloser Befriedigung auf die Neubelebung der deutsch-russischen Waffenbrüderschaft blicken, und nicht besorgen, daß die Grundlagen des eigenen Schutz- und Trutz- Bündniffes mit Deutschland dadurch im Geringsten alterirt werden könnten. Einer gleichen Auffassung versehen sich die Wiener maßgebenden Kreise von italienischer Seite, ja sie geben sich, wie „W. T. B." andeutet, sogar der Zuversicht hin, daß auch Frankreich die neueste Evolution der russischen Politik goutiren dürste. Die Reichstags-Session steht vor der Thür und in Anbetracht dessen beeilt sich der Bundeörath in anerkennenswerther Weise, die ihn beschäftigenden Vorlagen möglichst unter Dach und Fach zu bringen. Man betrachtet es als gewiß, daß der Reichstag bei seinem Zusammentritte am Donnerstag das Unfallversicherungs-Gesetz, das Actien-Reformgesetz und die Novelle zu dem Gesetz über die eingeschriebenen Hülfskaffen vorfinden wird, da der Bundesrath bis dahin die genannten Vorlagen jedenfalls erledigt hat. Von andern Vorlagen werden dem Reichstage, soweit bis jetzt bekannt, die Elbschiff- sahrt-Acte, das Militär-Relictengesetz, die Abänderung des Pensions-Gesetzes und der Marine-Nachtragsetat (18 Millionen für Torpedozwecke) zugehen. Was das preußische Abgeordnetenhaus anbelangt, so wird dasselbe wohl noch den März hindurch mit dem Reichstage zusammentagen müssen, es hat namentlich mit den Debatten über den Cultusetat so viel kostbare Zeit verloren, daß es dieselbe nicht mehr einholen kann. — Die Verhandlungen des Hauses in dieser Woche waren von keinerlei besonders hervorzuhebenden Zwi- schensällen oder interessanten Momenten begleitet. Am Dienstag beschäftigte sich das Haus außer mit verschiedenen kleineren Gegenständen mit der ersten Be- rathung des Communalsteuer-Nothgesetzes, welches schließlich einer Commission von 25 Mitgliedern überwiesen wurde. Am Mittwoch, als einem Schwerinstage, erledigte das Haus Anträge aus seiner Mitte, sowie eine Reihe Petitionen, und am Donnerstag wurde es durch den Nachtragsetat und Wahlprüfungen in Anspruch genommen. Am Freitag und Samstag sollten nach den bisherigen Dispositionen keine Plenarsitzungen stattfinden. Von sonstigen Wochenbegebenheiten aus dem Reiche sind zu erwähnen: Die Verlobung der Prinzessin Elisabeth, zweiten Tochter des Großherzogs von Hessen, mit dem Großfürsten Sergius von Rußland; die mit großer Majorität erfolgte Wahl des Freiherrn v. Ungern - Sternberg (cons.) zum Reichstags-Abgeordneten für Bielefeld-Wiedenbrück und das Ableben des sächsischen Staatsministers a. D., v. Friesen in Dresden, eines um sein Land hochverdienten Beamten. Der Bestattung seiner sterblichen Hülle, die am Mittwoch aus dem Dresdener Trinitatis-Kirchhofe erfolgte, wohnte ein außerordentlich glänzendes und zahlreiches Trauergefolge bei; zu der vorhergegangenen Einsegnung war auch der König erschienen. Die Sorge der französischen Regierung wird gegenwärtig durch die immer weitere Kreise ziehende Arbeiterbewegung mehr und mehr in Anspruch genommen. Die Zahl der im Nord-Departement, in Lille, Anzin rc. strikenden Arbeiter der dortigen großen Kohlengruben vermehrt sich fast täglich und wird für Anzin allein auf ca. 10,000 veranschlagt, auch in dem bedeutendsten Jndustrieplatze des Loire-Departements, in St. Etienne, wächst die Zahl der beschäftigungslosen Arbeiter in bedenklicher Weise. Von Ruhestörungen hat zwar noch nichts verlautet, die Stimmung der Arbeiter wird aber als eine sehr drohende geschildert und diejenigen von St. Etienne sollen ihre Brüder im Norden virect aufgefordert haben, sich zu erheben, wenn ihren Forderungen nicht nachgegeben wird. Der Gemeinderath von St. Etienne hat 50,000 Frcs. für die beschäftigungslosen Arbeiter votirt, mit solchen spontanen Maßregeln wird aber die Bewegung schwerlich eingedämmt werden. Mitten in die Aufregung hinein, welche die egyptischen Wirren allmälig in England erzeugt haben, fällt das Gerücht von einem neuen geplanten fenischen Verbrechen. Wenigstens schreibt die öffentliche Meinung die aus dem Londoner Victorra-Bahnhofe stattgefundene Explosion den Feniern zu, was ziemlich wahrscheinlich klingt, da ja die fmische Zerstörungswuth ihr Hauptaugenmerk mit auf Die Vernichtung der öffentlichen Gebäude der englischen Hauptstadt gerichtet hat. Ganz aufgeklärt ist übrigens der Vorgang noch nicht und auch über die Explosionsmasse herrschen noch verschiedene Meinungen. Auf der einen Seite spricht man von einer Dynamit-Explosion, neuere Untersuchungen scheinen jedoch ein noch gefährlicheres Sprengmaterial ergeben zu haben. In der Mittwochs-Sitzung des Unterhauses erwiederte der Staatssecretär des Innern, Harcourt, auf eine Anfrage Talbot's, es sei unzweifelhaft, daß die Explosion auf dem Victoria-Bahnhofe durch eine Mischung von Nitroglycerin herbeigeführt worden sei. Das Reichsgericht zu Christiania hat in dieser Woche sein erstes Urtheil in dem Processe gegen das norwegische Staats Ministerium gefällt. Am Mittwoch wurde Selmer, der Präsident des Staatsrathes, zur Amtsentsetzung und Zahlung von Proceßkosten im Betrage von 18,225'/r Kronen verurtheilt. Von dieser Suinme sollen die 3 öffentlichen Ankläger 15,000 Kronen erhalten. Die Schweine fleisch frage wird wohl demnächst das amerikanische Repräsentantenhaus wieder beschäftigen. Die mit der Untersuchung der amerikanischen Fleischwaarenindustrie beauftragt gewesene Commission hat jetzt dem Präsidenten Arthur ihren Bericht erstattet. Sie findet natürlich, daß das amerikanische Schweinefleisch ganz gut sei, der Speck sei sogar besser als der französische oder deutsche und Trichinen seien nur „ausnahmsweise" vorhanden. Wahrscheinlich kommen die Trichinen, die man trotzdem so zahlreich im amerikanischen Schweinefleisch findet, während des Transports über die See hinein. Die Lage der Engländer in und bei Suakim gestaltet sich immer kritischer, da die eigeborenen Truppen sich offen einer Theilnahme an dem Marsche gegen Osman Digma widersetzen und auch die Bevölkerung von Suakim zeigt einen durchaus feindseligen Geist gegen die Engländer. Üeber- dies ist die Zahl der in Suakim zurückgebliebenen englischen Truppen nach Abzug der gegen Osman Digma auf dem Marsche befindlichen Colonne eine sehr geringe geworden und bei der drohenden Haltung der eingeborenen Truppen und der Bevölkerung ist die Lage der englischen Besatzung in der That eine sehr gefährdete. Was die Thätigkeit General Gordon's anbelangt, so scheint es demselben gelungen zu sein, die Vorbereitungen für den Rückzug der Sudangarnisonen zu beenden. Von Kairo aus wird Giegler Pascha nächsten Montag nilaufwärts gehen, um diesen Rückzug, welcher zunächst die Garnisonen von Korosko und den Orten unterhalb Koroskos umfaßt, zu überwachen. Vermischtes. Mainz, 27. Februar. Welch ungeheurer Verkehr am Fastnacht-Montag auf der Ludwigsbahn herrschte, geht daraus hervor, dah an diesem Tage auf fämmtltdjen Strecken der Ludwigsbahn nach Mainz und zurück 25,000 Personen befördert wurden. Eine so hohe Anzahl wurde an einem Tage seit dem Bestehen der Bahn noch nicht brsördert. — Die Einnahme des Mainzer Carnevalvereins an den beiden Maskenböllen in der Stadihalle betrug über 16,000 JL. — Ein farbenreiches Bild bot heute Morgen der Transport der Arrestanten durch die Straßen der ©tatet, denn cs befanden sich dabet Masken aller Art, darunter auch ein Mohr. Weisenheim a. S. ES ereignete sich dahier ein trauriger Unglücksfall. Die Eheleute Hartkorn hatten ein zweijähriges krankes Kind, welches nach ärztlicher Anordnung gebadet werde-, sollte. Die Mutter beieiteie zu diesem Zwecke heiße« Wasser in einer Kanne auf dem Ofen. Während einer kurzen Abwesenvctt der MMter ging das vierjährige Kind derselben Eheleute an den Ofen, goß das Wasser aus der Kanne in einen Kübel und setzte das zweijährige Kind in das kochende Wasser. Der arme Wurm verbrannte am ganzen LA*nMitUfrhrhen' ♦Fmt" 6et ber Grundsteinlegung in der Thal sich ail? anfangen thut, sich erheben zu thun. Der Z^ndstetnsmuch wird daher wohl geheißen haben; „Wo jüngst noch Wälle und Gräben, ^.e ®£funb6eit iu mehren. Der Krankheit zu wehren, Schmutz zum Trutze Die tm Zuge als fertig dar- gestellte Badeanstalt bunte sich aber wohl die Lesart „thut" sckon erlauben. £>ie Häufigen Klagen über die Erfolglosigkeit einer Annonce und das dafür weggeworfenc Geld wurden verstummen, wenn man von Haasenstein & Bögler in Frankfurt (Mam) über die Form, den Z^halt und die geeignüen Zeitungen zuvor fachmanmschen Rath ernholen möchte. 962 Di- W3L Achseilflei Kecken, ■ * s Das 6. 3 8 Tagen an den Aasten bezahlt« Gießen, bei tzch-Kl Dienstag den uon Sotiirittd werben in hiesige Distrikt StockMl 31 Nchen-Stäni 1150 Melreissta 92 Rm. Buchen 88 „ Eichen- 112 II I! 8630 Eichen- und versteigert. Zusmmenkunst Groß-Linden, Großh. 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F, Mller, Ichkii SÄ'» 1125 Di Ra •fcÄ, '■un‘'*;,« sofort hält sich die ' m-t meiner Mutter." »Haben Sie Herz?^ 'annst Du auch ohne vielleicht bie jwtltt ' Wann wirft Mr’$ bin vier munteren ianne, ber zum Beides Skats offenbart. >enzän trübt, bann tb wieder etngezogen, ßtnb nennentzwerthen Sowohl bk Gruppen rf chre prächtige Aus- :c Bewunderung der in Bolksmengm aus sssb ldetru einen Geschmack crs im Hinblick aus die -affen war, alles Lob irischen Zubel erregten ersten Costüme zu Tage das Hohenstausenbad, onservatorium, dessen ) vorzüglich gelungen )ie reichen Wagm d» j cheln und der Jim | mtgen, in deren Me rfalls ganz besovdeln d:s Prinzen und - die schmucken F« t jedem re'cht aller, die bei " bki der Herstellung l d-°dikSmM-2 jg Auge (rfrt«ij*: iltete M.WfS -ein und auch s«’»*S ich jchön ouSgest^" wurde nJtw/«[ö|ia Sa«-*!! Ä- *hS fiS®* rAs (r6ÄuU‘blfä Ä-gS SJ»*2Sä SÄf''1" ftU' ‘i Allgemeiner Anzeiger. Bekanntmachung. Die Lieferung des für das BürgerhoSpital in der Zeit vom 1. April d. I. bis 31. März n. I. erforderlich werdenden Bedarfs an Ochsenfleisch, Schweinefleisch, Schweine- und Nierenfett, Wurst, Brod, Wecken, Kuchen, Mehl, Milch, Bohnen, Erbsen und Linsen, sowie die Fertigung der Särge für die auf Kosten der Armenkaffe beerdigt werdenden Personen soll auf dem Submissionswege vergeben werden. Offerten sind bei Herrn Armenkafferechner Laub er, bei welchem die Lieferungsbedingungen eingefehen werden können, bis zum 14. März verschlossen einzureichen. Gießen, am 29. Februar 1884. Die Armen-Deputation der Stadt Gießen. A. Bramm. Bekanntmachung. Das 6. Ziel Communalsteuer pro 1883/84 kann innerhalb 8 Tagen an den Zahltagen: Dienstag, Donnerstag und Samstag, noch ohne Kosten bezahlt werden. Gießen, den 28. Februar 1884. Der Stadt-Rentmeister: Enders. 1397 Holz-Versteigerung. Dienstag den 4. März l. I., von Vormittags 9 Uhr an, werden in hiesigem Gemeinde-Wald, Distrikt Stockschlag und Rotherde: 31 Eichen-Stämme mit 14,58 Fstin., 1150 Nadelreisstangen „ 4,28 „ 92 Rm. Buchen- und Eichen-Scheit, 88 „ Eichen-Knüppel, 112 „ „ Stöcke und 8630 Eichen- und Nadel-Wellen versteigert. Zusammenkunft beim Bergwerk. Groß-Linden, am 27. Febr. 1884. Großh. Bürgermeisterei Groß-Linden. Leun. 1393 Donnerstag den 6. Mär), Nachmittags 2 Uhr, sollen auf dahiesigem Ortsgericht die Immobilien der Balthasar Schmidt II Crben: Flur Mtr- 1/424 75 Hofraum, Scheuer in der Judengasse, 11/85 1637 Acker, Laagärten, tzößt auf die Bleichen VH/214 1112 Acker auf der großen Weid, xxv/lll u. 112 2200 Acker aus derWarthe XXVII/122u.l24 2612 Wiese in der Ste- fansmark, XXVII/138 988 Acker daselbst, XX1X/33 u. 34 ' 2394 Acker auf der Weißerde, Leihgesterner Weg, XXX/49 1988 Acker am Ahelbusch, XXXI/12 1950 Acker am Grüninger Pfad, XXXI/100 1025 Acker am Sand- kauterwea, Grtt- ninger Pfad, XXXII/137* 2238 Wiese auf der Leise- Heid, XXXIH/135 575 Acker am Nahrungsberg freiwillig meistbietend versteigert werden. Gießett, den 18. Februar 1884. 1170 I. A.: Müller. Ortsgerichtsmann. Ieikgekoienes. Flügel, Harmoniums, rianiuos 2oMar^mon^uTraa^ “v nng ohne Anzahlung. Magazin vereinigter Berliner Pianofort e- 335) Fabriken. Berlin, Leipzigerstr. 30. * Migräne-Stift (Nerven-Crystall). Gesetzlich deponirt Nr. 4638. 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