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den. Das umfangreiche Material verarbeitet Fürst Bismarck mit Hülfe seiner beiden Söhne, des Grasen Herbert, Gesandter im Haag, welcher in Varzin einen sechswöchenttichen Urlaub verlebt, und des Grafen Wilhelm, Geh. Regie- rungsrathes. In Berlin bearbeitet Graf Hatzfeldt, der Staatssecretär des Auswärtigen Amtes, die Schriftstücke.
Der mährische Landtag ist nunmehr wieder geschlossen worden, nachdem er ein ziemlich unbeachtetes Stillleben geführt hat. Einzig die viel- umstrittene Wahl des Statthalters Grasen Schönborn in Ungarisch-Hradisch, wo er von der czechischen Partei ausgestellt und unter verdächtigen Umständen gewählt worden war, lenkte die Aufmerksamkeit aus die Brünner Landstube. Die Linke hatte den Kampf gegen die Gültigkeit dieser Wahl mit großer Schneidig- teil ausgenommen und aller Wahrscheinlichkeit nach wäre dieser Kampf auch siegreich durchgeführt worden. Um so überraschender klingt die Nachricht, daß der Antrag des Wahlprüfungs-Ausschusses, die Angelegenheit des Grafen Schönborn dem Landes-Ausjchusse zur Berichterstattung in der nächsten Session zu überweisen, in der Schlußsitzung des Landtages auch von der Mitgliedern der Linken angenommen worden ist. Es bedeutet dies eine Verschleppung der Affaire, wie sie der Regierung und deren czechischen Freunden nur angenehm sein kann.
In Frankreich erscheint das Schicksal der Verfassungs-Revisions- Vorlage nach mancherlei sonderbaren Wandlungen, welche sie durchgemacht, jetzt doch als gesichert. Dem Vernehmen nach ist zwischen der Regierung und der Majorität der Deputirtenkammer bezüglich der Revision des Verfassungs-Artikels über die Budgetbefugniffe des Senats eine Übereinstimmung erzielt worden. Die Kanimer-Majoritüt will, um ein Einvernehmen mit dem Senat herzustellen, aus die Revision des Artikels 8 der Verfassung verzichten; da sie hiermit die Budgetbefugniffe des Senats in vollem Umfange respectiren würde, so hat letzterer keinen Grund mehr, seine Zustimmung zur Verfassungs-Revision zu verweigern und wird wohl in beiden Häusern des Parlaments in diesen Tagen die definitive Regelung dieser Angelegenheit erfolgen.
In diesen Tagen muß sich auch die Frage entscheiden, ob die Londoner Eonserenz weiter tagen oder aber resultatlos auseinandergehen soll. Schon von der am vergangenen Montag abgehaltenen Sitzung der Conferenz erwartete man diese Entscheidung, letztere ist indessen nochmals verschoben worden. Gladstone theilte hierüber in der am gleichen Tage abgehaltenen Sitzung des Unterhauses mit, daß in der betr. Conferenz-Sitzung ein wichtiger Punkt zur Erörterung gelangt sei, hinsichtlich dessen die Conserenz-Bevollmächtigten an ihre Regierungen zu reseriren gewünscht hätten und sprach die Hoffnung aus, daß die Antworten der Regierungen noch sür die auf Dienstag anberaumte Sitzung der Conferenz eintreffen würden. Bemerkenswerth für die reservirte Haltung Deutschlands aus der Conferenz ist die Mittheilung des „Observer", wonach Deutschland von England aufgefordert worden sei, seinen Einfluß geltend zu machen, um die feindliche Haltung der französischen Bevollmächtigten gegenüber den englischen Vorschlägen auf Zinsreduction der egyptischen Schuld zu modificiren. Deutschland habe aber ablehnend geantwortet, da ein solcher Schritt als Pressionsversuch ausgefaßt werden könne uno Deutschland kein Interesse habe, in dieser Frage Frankreich entgegenzutreten. — Dem Entrüstungs-Meeting im Londoner Hydepark ist am Sonntag eine noch größere gegen das Oberhaus zielende Demonstration in Manchester gefolgt. An derselben nahmen circa 80,000 Personen Theil, welche eine gegen das Oberhaus gerichtete Resolution einstimmig genehmigten.
Die Consequenz, mit welcher die italienische Regierung ihr Absperrungs-System anläßlich der Choleragefahr durchführt, droht Italien auch mit dem deutschen Reiche in diplomatische Weiterungen zu verwickeln. Dem Hamburger Dampfer „Olga" ist in Folge der Quarantäne-Verordnungen der italienischen Regierung die Landung in Catania (Sicilien) untersagt worden. Der Protest des Kapitäns und selbst die Verwendung des deutschen Botschafters in Rom sind wirkungslos geblieben und die Hamburger Rhederei-Firma Freitas u. Comp., welche die „Olga" gechartert hat, will sich nun an die Reichsregierung wegen Befürwortung einer von der italienischen Regierung zu zahlenden Entschädigung wenden.
Die Mission des bekannten Afrikareisenden Stanley, welche er als Leiter der internationalen afrikanischen Gesellschaft am Congo aus- geübt hat, ist zu Ende. Sein vierjähriger Contract mit der genannten Gesellschaft ist abgelausen, in Folge dessen Stanley seine Stelle niederlegte. Noch in dieser Woche wird Stanley in Plymouth erwartet, von wo aus er sich nach Ostende zum König von Belgien, dem Protector der afrikanischen Gesellschaft, begiebt, um demselben Bericht zu erstatten.
Die diplomatische Action der Mächte gegen die von der Pforte geplante Aufhebung der fremden Postämter in der Türkei hat ihren Anfang genommen. Die Botschafter Deutschlands, Frankreichs und Oesterreich-Ungarns in Konstantinopel haben gegen diesen formell protestirt und sind hierin von den Vertretern der übrigen Großmächte nachdrücklich unterstützt worden. Dieser Einmüthigkeit gegenüber wird wohl die Pforte die Ausführung der von ihr geplanten Maßregel auf unbestimmte Zeit verschieben.
Darmstadt, 30. Juli. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:
Am 25. Juli den ordentlichen Professor Dr. Thaer zum Rector der Landes-Universität für die Zeit vom 1. October 1884 bis dahin 1885 zu ernennen.
Darmstadt, 30. Juli. Das Großh. Regierungsblatt Nr. 17 enthält: Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, das Unfall- verflcherungsgesetz vom 6. Juli 1884 betreffend.
Zum Vollzug des oben bezeichneten Gesetzes wird auf Grund des § 109 desselben hiermit bestimmt:
§ 1. Die den höheren Verwaltungsbehörden zugewiesenen Verrichtungen werden im Falle des vierten und fünften Absatzes des § 11 des Gesetzes von den Großh. Provinzial-Directionen, im Uebrigen von den Großh. Kreisämtern wahrgenommen.
S 2. Die nach dem Gesetz den unteren Verwaltungsbehörden übertragenen Functionen sind von den Großh. Kreisämtern auszuüben.
S 3. Die in dem Gesetz den Ortspolizeibehörden zugewiesenen Verrichtungen liegen den Großh. Bürgermeistereien, bezw. den staatlich angestellten Großh. Localpolizeibeamten ob.
§ 4. Die in den §§ 11 Absatz 3, 35 Absatz 2, 82 Absatz 2 und 85 Absatz 2 des Gesetzes bezeichneten Strafen fließen in die Staatskasse.
Darmstadt, 28. Juli. Das Gsoßherzogliche Regierungsblatt Nr. 15 enthält daS Gesetz, die gleichmäßige Besteuerung der Gewerbe betreffend.
Ludwig IV. von Gottes Gnaden Großherzog von Heften und bet Rhein re. re.
Nachdem eine Revision der Gewerbsteuergesetzgebung sür zweckmäßig erachtet worden ist, haben Wir mit Zustimmung Unserer getreuen Stünde verordnet und verordnen hiermit wie folgt:
Art. 1. Jeder, der im Großherzogthum ein Gewerbe betreibt, mutz mit einem Patent versehen sein, worin die Art deS zu betreibenden Gewerbes genau bezeichnet ist, und unterliegt der Gewerbsteuer nach den Vorschriften dieses Gesetzes.
Art. 2. e Der Bestimmung im Art. 1 sind nicht unterworfen:
1) die öffentlichen Beamten und besoldeten Angestellten;
2) die Grunde■
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Paris, 29. Juli. Von heute Vormittag 10 Uhr bis heute Abend starken in Toulon 1, in Marseille 7 Personen an der Cholera.
Telegraphische Depeschen.
ESoly's UUfct» Tsrrespo«dem-B»rrau.
Bad Gastein, 30. Juli. Erzherzog Albrecht von Oesterreich ist heute früh in Begleitung seines HosmarschallS, Baron Piret, hier eingeti offen und in der Villa Meran abgestiegen. Gegen 10 Uhr stattete der Erzherzog, welcher die Uniform des zweiten ostpreußischen Grenadier-Regiments Nr. 3 angelegt hatte, Sr. Maj. dem Kaiser Wilhelm einen längeren Besuch ab, welchen der Kaiser kurz darauf in der Uniform seines österreichischen Regiments erwiederte.
— Zur Tafel bei Sr. Maj. dem Kaiser Wilhelm waren heute der Erzherzog Albrecht, Baron Piret, die Grasen Szapary, Zichy, Szechenyi, Samberg und der österreichische Ministerialrath Baron Kraus geladen. Vor dem Diner wurde eine gemeinschaftliche einstündige Promenade auf dem Kaiserwege unternommen. — Gestern hatte Se. Maj. der Kaiser die Ausfahrt ausgesetzt und den Thee um 9 Uhr beim Grafen Lehndorff eingenommen.
Berlin, 30. Juli. S. M Kbt. ,JlttS", 4 beschütz?, Commandaut Corvetten- Capitäv Rötger, Ift am 31. Mat (n Nagasaki eingetrvffen.
Triest, 30. Juli. Die Regierung hat die Gleichstellung der tunefischen Provenienzen mit denjenigen aus den französischen Mittelmeer-Häfen und den Häfen Algiers verfügt und für dieselben eine lOtägige und falls die Ueberfahrt nicht ohne Krankheitsfall verlaufen, eine LOtägige Beobachtungsfrist angeordnet.
Paris, 30. Juli. Der Ministerpräsident Ferry wtrd tu der Deputtrtevkamrner heute den Gesetzentwurf über die Revision der Verfassung in der gestern ton dem Senat beschlossenen Fassung vorlegen. In parlamentarischen Kreisen nimmt man an, daß der Entwurf in der Deputtrtenkammer heute oder morgen zur Annahme gelangen und der Congreß am Montag zusammentreten werde. Die BureauS würden dann am Montag eine Commission wählen.
— Der Ministerpräsident empfing heute den chinesischen Gesandten Lt-Fong- Pao. Wie die „Agence HavaS" glaubt, hätte Lt-Fong-Pao eine weitere Frist zur Be, antwortung der französischen Note verlangt. Die Bewilligung derselben sei aber abgelehnt worden. Die gegenwärtige Frist läuft am 1. August ab. Die Unterhandlungen in Shanghai zwischen dem französischen Gesandten Patenotre unb dem Bice, könig von Nanking dauern noch fort.
— Bon gestern Abend bis heute Vormittag 10 Uhr starben tn Marseille 13, in Toulon 10 Personen an der Cholera.
— Deputtrtenkammer. Ministerpräsident Ferry legte den Entwurf, betreffend die Revision der Verfassung, vor und beantragte für die Beratbung die Dringlichkeit. Der Bonaparttst Joltbots, sowie Lockroy von der äußersten L nken, machten geltend, die Kammer sei nicht der Ort, um über den Entwurf zu berathen, weil die Kammer und der Senat erklärt hätten, daß die VerfasiungSrevtsiou vor den Congreß gehöre, der Congreß habe also auch allein über die Punkte zu bestimmen, welche einer Revision unterzogen werden sollten. Ein in diesem Sinne von Lockroy gestellter Antrag wurde tndeß mit 273 gegen 224 Stimmen abgelehnt, hierauf wurde mit 314 gegen 48 Stimmen die Dringlichkeit beschlossen.
Alexandrien, 30. Juli. Ein Telegramm des Mudirs von Dongola meldet, es gehe das Gerücht, daß General Gordon der Stavt Berber sich wieder bemächtigt habe; er habe, um die Begründetheit des Gerüchts zu ermitteln, einen seiner Beamten nach Debbah geschickt-
Vermischte-.
Kronstadt, 29. Juli. Der dänische Dampfer .Dana" gerteth in der Nacht von Samötag auf Sonntag hier tn Brand, das Feuer wurde jedoch durch die rasche Hilfe deS Stettiner Dampfers „BreSlau" (Capttän Hahn) gelöscht, wodurch nicht allein die „Dana“ gerettet, sondern auch unabsehbares Unglück von sämmtltchen im Hafen liegenden Schiffen abgewendet wurde.
Rendel. In voriger Woche gebar eine Kuh deS Oeconomen Neuhard dahier ein Kalb, welches zwei Köpfe hat, im Uebrigen normal gebaut ist und lebt.
— In Spezia, zwischen Genua und Florenz, ist, wie die „Times" auS einer Privatmtttheilung erfährt, die Cholera anSgebrochen. Am 22. d. M. starben 2 oder 3 Personm an der Seuche, die, wie man glaubt, von einigen aus Toulon geflüchteten ttaltentschen Arsenalarbeitern etngeschleppt wurde-
— lieber den Zusammenstoß deS kubanischen Dampfer» Gijon und deS englischen Dampfers Laxham auf der Höhe von Cap Fintstere wtrd der Times auS Madrid uvterm 27. ds. gemeldet: Außer den 56 Personen, die vom Santo Domingo gerettet wurden, ist ein Boot mit 8 Matrosen unb 7 Passagieren tn MuroS an der galicischen Küste glücklich angekommen. Einschließlich der in GraveSend gelandeten 13 Schiffbrüchigen sind mithin von den 220 Personm, die sich, einer ungefähren Berechnung nach, an Bord beider Dampfer befanden, 84 gerettet worden. Man nimmt an, daß über 130 Menschenleben verloren gingen, da daS Gerücht, daß sich 90 Leute an Bord des zweiten und dritten BooteS befanden, sich jetzt als unbegründet erweist. AuS allm Berichtm erhellt, daß, obwohl der Capttän deS Gijon mtt dem Revolver tn der Hand leine Pflicht that, von dem Augenblick deS Zusammenstoßes an die größte Verwirrung und Unordnung an Bord herrschte. Ein Kampf umS Leben entspann sich zwischen den Paffagteren unb der Mannschaft, biS daS Schiff mit dem Bug zuerst uutergtng. DaS vorn Santo Domingo aufgenommene Boot war bis zum Wasserspiegel beladen und es wtrd behauptet, daß die Geretteten gezwungen waren. Gewalt zu brauchen, sogar mit Mestern, um die um das Boot herum mtt den Wellen ringenden Personm zu verhindern, daffelbe zu entern unb zum Sinken zu bringen. Die galicischen Behörden unb die Transatlantische Gesellschaft thaten alle» wa8 möglich war für die Geretteten, unter denen sich 11 Engländer befinden. Die Mannschaft deS Laxham zählte 27 Köpfe und der spanische Dampfer hatte 230 biS 250 Seelen an Bord.
— [Die Sahara all Gründung.) In Paris wurden, der „Dost. Zig." zufolge, der Journalist Meuter unb der Bankier Allemand wegen Schwindels zu mehrmonat- ltchem Kerker verurthetlt, weil fie eine Aktiengesellschaft zur Parzellirung der „etwas trockenen, doch fruchlbarcn* Sahara gegründet hatten. Man hatte ihnen thatsächlich 400,000 Francs, eingezahlt.
— [Die Brieftasche deS Herrn Schlumberger.) Man schreibt dem Sprudel au8 Karlsbad: Der eine Chef des WeliweinhauseS Schlumberger weilt jetzt in Karlsbad zur Kur unb nimmt, um da» Angenehme mit dem Nützlichen Hormon sch zu verbinden, neben so und so viel Bechern Sprudel auch so und so viel Tausender alS fälligen Tribut für gelieferten Vöslauer entgegen. Freitag den 25- d. fuhr Herr Schlumberger auf den Bahnhof, um sich von einem Feunde zu verabschieden, betrat aber in dem Momente ben Perron, alS ber Zug sich bereits tn Bewegung setzte; rasch griff er in den Rock und warf d-m Freunde die Cigarrentasche inS Coupö In die Stadt zurück- gekehrt, wollte sich Herr Schlumberger wieder mit Cigarren verproviantiren, war aber nicht wenig erschreckt, aI8 er, um zu zahlen, die Brieftasche herauSnehmen wollte unb die Cigarrentasche tn der Hand hatte. Die Brieftasche mtt 42,385 Gulden tn Banknoten war verschwunden. InS Hotel Anger zurückgekehrt, ermattete ihn dort ein Eisenbahnbedtenfteter mit der Brieftasche. Herr Schlumberger hatte tn der Eile anstatt der Cigarrentasche die Brieftasche tn daS Coups geschleudert, dieselbe war erber durchgeflogen und fand sich nach Abgang deS Zuge« auf den Schienen, wo sie ein Eisev- bshnbediensteter fand und ou8 der Adresse eineS tn ihr befindlichen Briefe« ben Eigen, thümer erutrte. Wenn die Etsenbahnbedienfteten tn der nächsten Zett aber nur BöSlauer anstatt „Flscherner Bier" trinken, so geschieht dteS nicht etwa aus Cholerafurcht — tn KarlSbald war ja noch nie die Cholera — sondern aus dem Privatkeller deS Herrn Schlumberger.
— Im Monat Juni sind, nach Miitheilung beS Bureau VeritaS, 58 Segelschiffe (23 mglische, 9 norwegische, 6 deutsche u- s. w) und 15 Dampfer (12 englische, 1 deutscher u. s. w.) verloren gegangen.
— Angesichts des dieSjähltgen heißen Sommer» dürftm einige Daten über die Hitze im Sommer früherer Jabrhunderte nicht ohne Jntereffe sein, welche die „Bonnrr Zeitung" einer vergleichen Ueberficht entnimmt. Im Jahre 627 nach Christi Geburt verstechten die Quellen und Menschen verschmachteten; 879 war e8 unmöglich tm Freien zu arbeiten, besonder» auf dem Felde, wer aush'elt, wurde entweder vom Schlage gerührt oder vom Sonnenstich befallen. Im Jahre 993 wurden die Nutzpflanzen auf dem Felde geröstet wie tn einem Backofen. DaS Jahr 1000 brachte besonder» Frankreich eine große Hitze, die Flüsse trockneten auS unb der Gestank der dadurch getödteten F.sche brachte die P--st. Bei der Hitze im Jahre 1014 verschwanden tn Elsaß und Lothringen Brunnen und Flüsse. 1132 trocknete der Rhein auS; 1152 rrretchte die Hitze einen solchen Grad, daß man Eier tm Sande kochen konnte. 1277 kamen vicle Menschen und Tb ere in Folge der großen H'tze um. Im Jahre 1303 warm Rhein und Donau trocknen Fuße» zu passirm; 1394 vertrocknete die Ernte, 1538 trocknete in Frankreich die Seine und Loire aus. 1556 war über ganz Europa eine große Dürre öhbreitet. 1615 vertrockneten in Frankreich unb selbst in der Schweiz die Brunnen und Teiche, nicht minder heiß waren die Jahrgänge 1646, 1678 unb 1701. Im Jahre 1715 regnete eS vom Monat März bi» October nicht ein einzige» Mal, ba» Getreide verbrannte, die Flüsse trockneten wieder auS. Die H'tze stieg bi» 38° R. unb in bewässerten Gärten blühten die Obstbäume zweimal. Außerordentlich groß war auch die Hitze in ben Jahren 1724, 1746, 1765 unb 1811. Wegen unnatürlicher Hitze wurden tm Sommer 1815 (ba» Thermometer zeigte 40° R.) die Theater geschlossen. Heiße Sommer verzeichneten weiter die Jahre 1830, 1832, 1835, 1850, 1856, 1861, 1864, 1865, 1868, 1869 und 1870.
— Die größte Ubr der Welt ist diejen'ge am Thurme de» Westminsterpalaste» in London. Die wer Zifferblätter der Uhr Haden 22 Fuß im Umfange und jede Minute rückt der Zeiger fast 7 Zoll weiter. Die Uhr geht 8Vi Tage, schlagt jedoch nur an 7Vs Tagen unb zeigt deshalb selbst an, wenn da» Aufziehen derselben vernachlässigt worden. Da» Aufziehm deS Schlagwerke» bauert 2 Stunden. Der Pendel ist 15 Fuß lang, die Räder sind von Gußeisen. Dir Stundenglocke hat eine Höhe von 8 Fuß und 9 Fuß im Durchmesser; sie wiegt fast 15 Tonnen (1 Tonne — 20 (Str.) unb ber Hammer allein wiegt über 400 Pfund. Die Glöcke schlägt die Viettelstunden unb die Stenographen tm Parlament regvliren nach ihr ihre Arbeit, indem bet jedem Schlage ein Stenograph von einem anderen abgelöst wird. Der Abgelöste zieht sich zurück, um die Notizen zu schreiben, welche er während ber 15 Minuten genommen hat.
Handel und Verkehr.
Limburg, 30. Juli. Rother Weizen X 17.00, weißer Weizen 00.00, Korn JC 12.00, Gerste JL 0.00, Hafer JL 8.60, Erbsen JL —, Kartoffeln JL —.
Frankfurt, 30. Juli. Auf dem heutigen Markt kostete der Centner Heu JL 2.50—3.00, Stroh JL. 1.80—2.50, Eier das Hundert JL 4 60—5.00, Butter 1. Qualität 1.05, 2. Qualität 1.30, Kartoffeln (neue) per Centner «X 2.75—3.50, Kohlrabi 4-5 H pr. St., Erbsen 100 Kg. 12.00—18.00 JL, Rothkrcmt pr. St. 25-40 H, Poularden JL 0—0, Huhn 1.50—2.20, 1 Ente JL 3.00—4.00, 1 Taube 60—00^, Hahn JL 1.70—2.00, Gans JL 4—0.00, Welsche JL 7—12.—
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Temperatur am 31. Juli (Mittags zwischen 11 und 12 Uhr).
Wasserwärme der Lahn 15° R* — Lustwärme 16° R. im Schatten. Rübsamen.
Allgemeiner Anzeiger.
Bekanntmachung.
Nach dem Ansschreiben Großh. Kreisamts Gießen vom 23. d. Mts. in Nr. 171 des „Gießener Anzeiger" ist von dem landwirthschaftlichen Bezirksverein für diesen Herbst ein gemeinschaftlicher Bezug von Obstbäumen in Aussicht genommen. Alle Grundbesitzer der hiesigen Gemarkung, welche sich hieran zu betheiligen beabsichtigen, wollen die Zahl der Bäumchen und die Obstarten, welche sie zu beziehen wünschen, bis zum 12. August c. aus unserm Bureau angeben.
Gießen, den 29. Juli 1884.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
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Jugendfest.
Das diesjährige Jugendfest wird am 1Z1. August tm Phi- lofophenwald abgehalten werden. Cs betheiligen fich an demselben die im schulpflichtigen Alter stehenden Schüler und Schülerinnen der städtischen Volksschulen, der höheren Mädchenschule und der Realschule. Schülern anderer Lehranstalten ist Gelegenheit gegeben, am Jugendfest theilzunehmen, wenn fte sich bis zum 4. August bei Herrn Lehrer Lehr anmelden. Die Angehörigen jüngerer oder körperlich schwacher, weniger selbstständiger Kinder bitten wir freundlichst, dafür sorgen zu wollen, daß Jemand während des Zuges und der Spiele in der Nähe bleibe, um sich nöthigenfalls ihrer Kinder anzunehmen. Dringend müssen wir aber wünschen, daß jedes Eingreifen in die Spiele oder das Betreten der Spielplätze von dazu Unberufenen unterbleiben möge.
Die Betheiligung wird voraussichtlich eine sehr große werden. Hiermit steigern fich aber auch die für das Fest aufzuwendenden Kosten in hohem Grade. Zur würdigen Begehung des Festes und zur Deckung der entstehenden Kosten richten wir deshalb an die geehrten Eltern und alle Freunde der Jugend die ebenso freundliche wie ergebene Bitte, uns mit ihrer Beihülfe, besonders durch Beiträge an Geld oder solchen Gegenständen, welche fich zu Preisen für die Jugend eignen, wohlwollend zu unterstützen.
Weiter sind wir zur Bestreitung der durch das Fest entstehenden bedeutenden Ausgaben — wozu die Kosten für die zu engagirende hiesige Regimentsmusik kommen — genöthigt, an den Zugängen zum Festplatze von den nicht zum Zuge gehörigen Festtheilnehmern ein Eintrittsgeld von 20 Pfg. zu erheben und dürfen wohl die bestimmte Hoffnung aussprechen, daß Jedermann den kleinen Beitrag gern entrichten und dadurch den mit Erhebung betrauten Herren ihr ohnedies schwieriges Amt erleichtern werde. Höhere Beiträge werden selbstverständlich dankend angenommen.
Junge Damen, die geneigt sind, als Spielordnerinnen mitzu- wirken, werden gebeten, fich bei einem der unterzeichneten Comito- mitglieder zu melden, am besten bei Herrn Lehrer Lehr.
Endlich werden Wirthe, die auf dem Festplatze am 14. August Wirtschaft betreiben wollen, ersucht, sich bei dem Comit^-Mitglied Herrn Stadtverordneten Hanstein bis längstens zum 6. August zu melden.
Ueber alle sonstigen auf das Fest bezughabenden Anordnungen wird einige Tage zuvor in dem „Gießener Anzeiger" das Nähere mitgetheilt werden.
Das Fest-Comite :
Barst, Bramnr, Büchner,
Stadtverordneter. Bürgermeister. Kreis> Schul-Jnspcctor.
Haustein, Georgi, Hornberger, Lehr,
Stadtverordneter. Stadtverordneter. Stadtverordneter. Lehrer.
Möser, Kranz, Schmuck, Spitz, Dr. Rodnagel,
Lehrer. Lehrer. Reallehrer. Lehrer. Realschul-Director.
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23. Jahrgang. Das Wintersemester beginnt am 1. November. — Programme und Auskunft zu erhalten durch die
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Ziehung unwiderr. 25. Septbr.8 1884. Gewinne i. W. von 9600 Loose ä Mk L— versendet die Gene-8 r* ral-Agentur 4624 M
n Dinkelmann, Worms, S q und alle Looseoerkäufer. » oQooaaaooiQaQoopaaö 5035 Im Darmstädter Haus wird ein braver und ehrlicher Junge als Hausbursche gesucht.
Reingehaltene Exemplare von Nr. 138 und 137 deC „Gießener Anzeiger" werden von der Expedition zurück- gekauft. __
5046 Ein braves Mädchen nach auswärts gesucht. Näheres bei __C. W. Nowack.
5039 Für einen jungen Mann, der seine Lehrzeit in einein Colonialwaaren- geschäste bestanden, ist eine Commisstelle, verbunden mit kleineren Reisen, offen. Offerten beliebe man in der Expedition ds. Blattes unter 6. 23 niederzulegen.
[Technicum Mittweida
V — Sachsen. — \”
a) Maschinen - Ingenieur-Schule b) Werkmeister - Schule.
— Vorunterricht frei. —
Geld - EourS.
20-Francs-Stücke . . . do. in tzz .
Englische Souvereigns
Russische Imperiales . .
Ducaten
Dollars in Gold . . .
X 4
16 24-00'
16 24—00
20 39-00
16 75-00
9 65-00
4 21-00
Redaction: A- Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.
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