m. 42 Ter #>iaupHd)ri'tleitcr: Auq. Goetz Verautivorllich für Politik: 2luq. Äoey. für den übrigenTeil: Dr. Remhold Ze uz; für den Auzsi^euteil: v. Beck; fäm111d) in Gießen der gaben bei- „Schlesischen Zeitung", auf die sich die veutsche Nationatversammlnng. 10. Sitzung am Dienstag, den 18. Februar. Auf der Tagesordnung dec Dienstag-Sitzung der Nationalversammlung sieht die Interpellation Dr. Heinze u. Gen: (Deutsche Vollspartei'' betr. Verlängerung des Wasfenstillstandsablommens und die von der Wassenstillstaubskommission gepflogenen Verhandlungen über die Auslieferung ber deutschen Handelsflotte und über die Kühlen- und Erzfragen. Der Abg. Dr. Voegler (Deutsche Volkspartei) begründet im Namen seiner Fraktion in langer Rede die Interpellation. Er rührt aus, rote die Entente es immer mehr darauf anlege. Deutschland wirtschaftlich zugrunde zu richten. Er »reift Erzbergcc int einzelnen scharf an und will ihm die Verantwortung für die unglücklichen Abeinmal der Augenblick kommen würde, wo wir Nein sagen müßten, — daß indessen heute dieser Augenblick noch nicht gekommen fei. Wir gehen bangen Tagen entgegen. Wir wissens daß der neue endgültige Waffen- stiüstandsvertrag zu dem Schweren noch Schwereres von uns fordern soll. Wird dann der Augenblick gekommen sein . • .? Es sind nur noch wenige Tage bis zur Entscheidung. Darum soll man jetzt alles Parteigezänk und alle persönliche Reizbarkeit zurückstellen. Vergangenheit etwas lüftete und an Versprechungen und Ankündigungen der Regierungsvertrcter erinnerte. Der Ministerpräsident Sche id e man n hatte aber wiederum recht, wenn er entgegnete, er halte seine Auffassung von früher her aufrecht, daß von Frieden und gar von entschadigungStiffiem Frieden keine Rede gewesen. Das Wort „Friede" ist überhaupt nicht gefallen. Im übrigen hat mich General von Winter- seldt soeben telephonisch ermäckftigt vor bett Lin Lag scharfer Auseinander- fehung. Es ist erklärlich und von Nutzen, wenn aus dem Volk heraus gegen so schwere Waffen stillstandsbedingungen, wie sie uns der Feind auserlegt hat, scharf protestiert wird, und die Männer auf der Negierungsbank sollten auch mit einer Opposition im Parlament, die, wenn sie in maßvollen Grenzen sich bcivegt, bit vaterländische Sache stärken kann, nicht zu scharf ins Gericht gehen. Welckien Ruhm kann es bringen, wenn die ministeriellen Vertreter der Mehrheit die Sprecher der Minderheit mit rein parteipolitischer Schärfe zausen und zurückstoßcn! Freilich, .Herr Dr. Vögler, der die gestrige Interpellation über die Waffenstillstands-Verhandlungen begründete, war etwas einseitig von industriellen Jnter- essenvertvetcrn mit Zorn geladen worden, uitf) er überschlug selbst die Stränge einer gerade in diesen Zeiten gemeinsamer Not gebotenen Vorsicht. Wir haben gestern dem Minister Erzberger das Zeugnis ausgestellt, daß er sich .edlich geplagt hat, und doch sind auch wir keineswegs mit allem einverstanden, was er tut. Eine ähnliche Auffassung klang sogar oucch die Ausführungen des sozialdcmokrati- schen Sprechers, des Abg. Müller-Breslau. Und wenn auch der „Minister" Erzberger dem auswärtigen Amt nicht „unterstellt" werden kann, so kann doch, wie' es jetzt in hier neuen Meldung angekündigt wird, bei den Waf'enftillstandsvcrhandlungcn Graf Brockdorff-Rantzau die Oberleitung haben. Trotzdem Erzberger gestern einen parlamentarischen Erfolg daoongetragen hat, halten wir ihn nicht für den geborenen Lenker der Geschicke des deutschen Volkes. Dazu ist er zu sehr Heißsporn, zu sehr Effektmacher, 'in zu heftiger Parteipolitiker. Viel besser hätte es ihm gestern angestanden, wenn er, statt alte Parteizänkercien wieder aufzukochen und das große Mehrheitsschwert zu erheben, mit etwas mehr selbstloser Zurückhaltung die politisch-sachliche Seite der Anfrage und ihre Wirkung auf die Interessen des deutschen Volkes im Auge behalten hätte. In dieser Beziehung ist gestern fast von allen Seiten gesündigt worden. Wir brauchen diese fortgesetzten Streitereien über die Kriegsschuld und die Schuld der Kriegsver- (ängerung nicht mehr. Wichtig aber ist die Hervorhebung, daß der Feind nicht mit uns machen kann was er will, daß unsere Fügsamkeit eine Grenze hat. Man konnte es dem /7lb geordneten Gräfe von der deutsch- nationalen Partei nicht verübeln, lvenn er in dieser Beziehung den Vorhang abgeschlossen werden müßte. Die „Frankfurts Zeitung" sagt, Erzberger habe nur bewiesen, daß er nichts Besseres vermocht habe, weil er keine Sachverständigen heranzieht imb in seiner Selbstüberzeugung mehrt, daß niemand es besser machen tonne als er. (Sehr gut.) Sie sagt weiter, die Abberufung des,Herrn Erzberger sei die einzige Möglichkeit, den Schaden wieder gut zu machen, den.er damit angerichtet habe, daß er die Folgen einer Ablehnung her feindlichen Bedingungen in den schwärzesten Farben malte. (Sehr richtig fieber Deutsckwn Volkspartei.) Herr Erzberger ist doch nach Svaa gefahren unb jetzt ist er wieder da, (Heiterkeit) und hat Vereinbarungen miigc- bracht, die der Regierung wirklich schwere Stunden bereiten mußten. Vielleicht mußten sie cmgenom- men werden, aber diese Abmachungen sind das Schlußlied in £er Kette, die der Rcicksminister Erzberger in den monatelangen Verhandlungen um das deutsche Volk gelegt bat, (Beifall bei der Deutschen Volksparwi, Unruhe im Zentrum), bei Kette, bie bas deutsche Volk erwürg-en wird. (Unruhe unb Rufe im Zentrum:. Unerhört!) Der Ministerpräsident verlangt, daß wir den Arm zur Arbeit ftei bclbinlncn. Sie, Herr Reickis Minister Erzberger, hohen diesen Arm in Fesseln geschlagen. (Beifall bei der Deutschen Volkspartei und Unruhe im Zentrum). Gegen Sie S>err Reichsminister Erzberger, erbeben wir schwere Vorwürfe. Wir loerfcn Ihnen vor, daß Sie in wichtigen Lebensfragen der Nation (Große Unruhe im Zentrum > niemals Sackrver- ständige zu Rate gezogen haben. Wir werfen Ihnen vor, (Die folgenden Ausführungen des Redners gehen unter den lärmenden Kundgebungen des Bcnirumö, aus dessen Reihen fortgesetzt gerufen wird: 'Unerhört Schluß, Schluß! verloren Von anderen Rednern wird gerufen: Krin Schluß Dr. Heinze ruft: Das ist in bent neuen Deutschland bie Redefreih it!, rvorauf sich die Sturmszenen wiederholen. Nachdem ddr Lärm minutenlang an* gedauert bat, erklärt Präsident Fcl/renbach: Ick) habe festzustellen, daß Ihre persönlichen Angriffe den Entrnstilusgsdurm entfesselt haben. (Unruhe recksts und Rufe: Neuling!, Nun bitte ich aber das hohe Haus, den übrigen Ausführungen zuzu- hören. Ich bedauere, daß der PräsDent meine letzten Ausfüllungen als persönliche bezeichnet Ich habe daniit nur die Schlußfolgerungen aus meinen sachlichen Feststellungen gezogen. (Unruhe bei der Mehrl-eit.) Zur Seantroortnng uer Interpellation erhält das Wort Reichstagsminister Erzberger: Die Rede des Interpellanten hätte sich statt an mich an Marschall Fach richten müssen. (Lebhafte Zustimmung.» Die föeariinbung erfolg*e mit einer Oberflächlichkeit und Änchtfertigkeit, (Große Unruhe rechts, lebhafte Zustrmnnmg bei der MelL- beit) wie ich sie bisher nicht kennengelernt habe. Anklagen schioerster Art wurde-, aus völliger Un- kennttiis und auf einer unerhörten Verschiebung der wirklichen Vorgänge at!’gebaut. (Hört, hört bei der Mehret, Große Unruhe rechts.) Der Vorredner meinte, die letzte Verlängerung, drs Wafstmstrllstandes habe ilM die Augen geöffnet. Uns finb die Augen längst gcöifret, seitdem gerade die Gruppe der beittijen Interpellanten mit ihrer Politik den Niedergang unseres Vaterlandes fier» beigeführt hat. (Stürmisch? Zustimmimg bei dcr Mehrheit, großer Lärm vocksts.) Meine ganze Amtstätigkeit mar, daß ich Tag für Tag Sachverständige gehört habe. Erne Denkschrift üfer die bisherigen Verhandlungen der Wasfenstillstands- kornmission ist nahezu fertig unb wird dem Hau e zugehen. Die Verhaiwkungen in Luxemburg Haie ich garnicht geführt, sondern ber Leiter des Reichs- nnrtschastsamtes. Seine Sachverständigen ivaren der Reick)ssohlenÜommi sar ein führendes Miglied der linksrheinischen Textilmdustrre und ber Berater der Eisen- und Erz fragen im Demobil- machungsamt. Die Termine nxtrben vom Gegner einseitig festgesetzt unb die schecktten Verkehrsver- hältnisse macksten biÄveilen das rechtzeitige Erscheinen unmöglich. lieber das Schisfabrtsabkom- men lwbeit eingehende ^Besprechungen mit Schifs- fahrtskreiseu ftattgefunben. Dir gegenteilige Behauptung ist eine unerhörte Anmaßung. Jnsge- fanrt waren in Trier 30 Sachverftändi e anwesend, nur Herr Hugo Stinnes fehlte. (Hei:erkeit.) Eine Unterstellung der Wasfe-.lßillftandskommis ton unter das Mswärtige Amt juirb picht beabsick)- tp,t. Jede? Minister ist ber Nationalversammlung verantwortlich, und daher kann nicht ein Minister einem anderen verantwortlich sein. Lesen Sie die Verfassung durch, ehe Sie solche überflüssigen Fragen stellen. (Sehr gut bei der Mehrheit, Unruhe rechts.» Eine Anfrage, bk von meinem alten lieben Freimd, dem Abgeordneten von Gräfe tHeiterkeit gestellt ist, stützt ^'ich auf einen Artikel der „Schics. Zta." vom 2o. Januar 1919, in dem behauptet ist, daß bei den ersten Verlwnd- langen ber deutschen WasfcnstillstandsÜommis üm die Entente zu einem entschädiguu gslvsen Frieden bereit gewesen fei, daß aber nach Ausbruch bet Rcvolutini Fock) erklärt babe, dieses nette Faktum ändere die Lage. Deutschland sei erledigt, die früheren Angebote hinfällig. Da eine amtiidtc St 'llungnahme gegen diese Darstellung bis hnte nicht erfolgt sei, werbe an bie Reichsregierung die Frage gerichtet, ob sie sie bestätige oder eine authentische Darstelftmg ber -Vorgänge am 7. November 1918 und den folgenden Tagen zu geben bereit ist. An diesem ganzen Artikel ist nur das eine wahr, baß wir am 7. November 1918 die deutsche Front verlassen haben. (Hei er feit. । Alls andere ist Dichtung. In den Vertändlungen ist kommen zuschieben. Er fragt Erzberger wiederholt, woher er das Recht nehme, ohne Hinzuziehung von Sachverstänbigen über so schiver-- wiegende Fragen, wie die Auslieferung ber Handelsflotte usw. zu entscheiben. Obwohl von Sachverständigen aufs schärfste Protest erhoben loorbcn ivar, bat Herr Er'.berger das Schifsahrtsabkommen unterschrieben. Ich frage lviedernm: Wer gab Ihnen das Recht dazu? Marschall Foch war anfangs bereit, mit Sachverständigen zu verhandeln. Nur bi' unglaubliche Führung ber Ber- iciu> ivi«» KKWvimw uiuuu/h»*. «y*. vv« hanblnngen auf deutscher Seite brachte ihn zu Nationalversammlung zu erllären, daß bte^Ander Forderung, baß unter allen Umitänben sckplell (, ' 7"'. 2 “ Anfrage v. Gräfe stützt, von A—Z erfunden seien I Gegen meinen Willen und ohne baß ich vorher 1 befragt worben bin, war ben Verhanbllmgen j nach Spaa Herr Hugo Stinnes entsandt worben. \ 3d) habe seine Abberufung burchgesetzt unb ich, vertrete sie, weil ich unseren Feinden als Sach- •; öciftänbigcn nicht .einen Herrn anbieten konnte. , der an ber Ausbeutung Belgiens so hervorragend beteiligt gewesen ist, wie Herr Hugo Schures, unb ber vor allen Singen bie haupttreibend^ Kraft gewesen ist, bei ber Verschleppung ber bclgr- ichen Arbeitslosen, bie so ungeheuer viel böses Blut gemacht hat. Es ist nicht wahr, baß ba!> Schiffahrtsabkommen von ber Wafsenstillstands- lommiifion zu trennen war. Daß bie Sachverstänbigen nicht rechtzeitig zur Stelle waren, hat niemanb mehr bedauert als ich. Wir konnten aber den Wa''e>nftllckafthdicn Inhalts, geschäftliche Drucksachen und Warenproben, sowie sämtliche Briese an und von Be- bürbat. Tie zugclassenen Sprachen sind deutsch ober französisch. Die Briefe und Postürrien müssen bi-2 volle deutliche Adresse des Absenders tragen oivie den handschristlich bescheinigten Vermerk: Handelskorrespondenz. Tie Veri'cndung von Zci- tungen unb Zeitschriften ist strengstens verboten. *• Deutsche Soldaten aus der Schweiz? Für die aus der Schweiz nach Deutschland gekommenen Soldaten, die nun zu ihren dortigen Familien zurückkehren wollen, sind mit dem ersten Februar neue Verordnungen für die Einreise getroffen worden. - Ein ausführliches Merkblatt, das Aufschluß über die Formalitäten gibt, ist erhältlich durch die Ab- ertigungsstelle des General-Kommandos 14 A.-K. in Singen a. H. ♦♦ Die 4Millionen Gießener Stadtanleihe hatte eine so außerordentliche Nachfrage zu verzeichnen, daß die Anteile bereits ausverkauft sind. *” Unsinnige Gerüchte werden wieder einmal in Gießen ausgestreut, die vermutlich mit irgend einer verborgenen Spekulationsabsicht Zusammenhängen. Es wird behauptet, das Lebensmittelamt gebe in Erwartung einer in ben nächsten Tagen erfolgenden Besetzung der Stadt durch die Amerikaner schleunigst seine Vorräte aus, damit sie den Besatzungstruppen nicht in die Hände fielen. Das Gerücht entbehrt selbstverständlich jeglicher Unterlage und wird nur von Interessenten in Umlauf gesetz sein, um ihnen das Abstößen zurückgehaltc- ner Lebensmittel zu Wucherpreisen zu ermöglichen. ♦* Frauenversammlung. Der Allgemeine Deutsche Frauenvcrein und der Verein für Frauenstimmrecht veranstalteten gestern abend im großen Hörsaal der Universität eine Frauenversammlung. Fn einer kurzen Begrüßungsrede wies zunächst die Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Franenvereins, Frau Naumann, daran hin, daß die beiden Vereine sich zusammenge- schlossen hätten, um den Frauen aller Stände durch Vorträge verschiedenster Art politische Belehrung und durch gegenseitige Aussprache glcich- zcttig eine gewisse rednerische Schulung zuteil werden zu lassen, ohne dabei einer bestimmten Partei das Wort reden zu »vollen. Sie bedauere daher umsomehr, daß sich nur ein so kleiner? Kreis von Zuhörerinmm eingesunden habe. Alsdann ergriff Frau V oj t das Dort und suchte eine möglichst objektive Darstellung der bisherigen Tätigkeit der Nationalversammlung an Hand der erschienenen Presseberichte zu geben, indem sic die wichttgstcn Reden naher beleuchtete und die leitenden Gesichtspunkte in klarer und anschaulicher Weife zur Darstellung brachte. Daran anschließend schilderte die Rednerin turn Eindruck, den diese historischen Tagungen der letzten Tage hinterlassen hätten: Der einheitliche Wille zum Ausbau des deutschen Rcichsstaates, zunehmende rechtliche Konsolidierung, eine wohltuende Offenheit inüt Sachlichkeit seien einige erftculiche Momente iw der Zeit unserer nationalen Trauer. Frau Naumann übertrug Frau Bousset die Leitung der nachfolgenden Debatte, in der Anhängerinnen vcrschiedener Porteirichtungen zum Wort kamen und ihre Ansichten vertraten. Leider ist cs nicht möglich, auf die längeren und interessanten Ausführungen verschiedener Rednerinnen hier einzu- gchen. Nach einem kurzen Schlußwort von Frau Vogt beschloß Frau B o u s s e t die Versammlung. Ter Allgemeine Verein für Armen- unb Krankenpflege läßt in der ruichslrn Zeit die Mitglieoerbciträgc für das Fahr 1919 einfammeln Das gibt bem Vorstand des Vereins Anlaß, an die Ein wohnerschaft der Stadt Die dringende und herzliche Ditte zu richten, den Verein in seinen wohltätigen Bestrebungen und Un- tcrnehmuiigrn: Krankenfürsorge, Säuglings- fürfoTac, Volksküche, Krippe, Flewährung von Unterstützungen an kurbedürftige arme Kinder, ebenso zu den Ausbiloutigskoslen bedürf- rifle Kinder, Beschaffung von H-rizimaterial und Mich urMi iderb-mittelte,-iefer^i'g vvnH i - u Kräftigungsmitteln für undemittc te \t tarne usw. durch C*[bfpcnocn„ Mitgliederbeiträge, Alt unterstützen. Die an den Verein gestellten Anforderungen sind, namentlich auch durch die lange "Lauer des Krieges, immer größer geworden Es ivird deshalb dringend gebeten, dem Verein recht reichlich Mittel zuzuwenden Aber auch die kleinste (Mcbc ist herzlich will kommen. Die Verwendung der Pcittel des Vereins wird allfLbrlich in der Hauptver scnnmlung rechnungsmäßig nadjge.m ien unb untersteht einer genauen lährllchen Revision. Die Fursorgetätigkeit des Vereins kommt! allen Bedürftigen der Stadt ohne Mcksicht auf ihr Bekenntnis zugute, sic wird geübt in Verbindung mit dem städttschen Armenamt und entlastet die öffentliche Armenfürsorge ganz wesentlich. -Besitzwechsel. Möbelhändler August Os- mann kaufte von der Firma Baruch Strauß in Mar« I bürg deren Haus Plocksttaße 14 für 30000 Mark. I Landkreis Gittzen. = Inheiden, 15. Fcbr. Dem Frankfurter Berwaltungsbcricht zufolge lieferte das hiesige Wasserwerk im Rechnungsjahr 1916 an die Stadt Frankfurt 7 230 9 X) Kubikmeter Trinkwas er gegen 7 322 400 Kubikmeter im Jahre 1915. Die übrigen Vogelsberger Quellwassergebiete cinschlwß- lich der Spesiartstationen lieferten 1916 i» 48b OCX) Kubikmeter Waf er gegen 5 308 700 Üuß.fmcter m 1915 nach Frankfurt Me genannten Verioraungs- gebicte tiefer leit rund die Hälfte der 1916 in Frmik- urt verbrauchten Trinkwassermenge (28128 760 Stubihnetcr . -m. Watzenborn-Steinberg, 19. Febr. Gestern abend ereignete sich auf der Station Schiffenberg bei der Einfahrt des 9-Uhr-Iuges ein tödlicher Unglücksfall. Der mit diesem Zug von Gießen kommende Arbeiter Ludwig Babel aus Watzenborn wollte, da dieser Zug auf der Station nicht hält, wahrend der Fahrt abspringen. Er geriet hierbei unter die Räder wobei ihm beide Beine und ein Arm abgefahren wurden. Rach wenigen Minuten trat der Tod ein. Der Verunglückte war 52 Jahre alt, 30 Jahre in der Oberhessischen (Eifen. bahn-Werkstätte in Gießen tätig, und Vater von 8 Kindern Er hatte sich erst vor kurzem zum zweiten Mal verheiratet und in Gießen, Schiffen- berger Weg, ein Haus gekauft, das er in nächster Zeit beziehen wollte. Kreis Büdingen. <£ Ortenberg, 15. Februar. Nachdem unsere 3. Sch ul st eile nach langer Kriegspause endlich zur allgemeinen Iuftiedenheit wieder beseht war, ist sie jetzt schon wieder über 14 Tage verwaist. Der 9n- Haber, Lehrer Werner, will an der Universität Frankfurt weiter studieren. Kreis Schotten. e. Schotten, 16. Febr. Nachdem zu Beginn des Winters für Fuchsfelle der Preis von 18-25MK bezahlt worden war, stiegen die Pelze innerhalb kurzer I Zeit auf 40-50 Mk., und in den letzten Wochen wurde sogar wieder der Bettag von 80-100 Mk. für ein Fell angelegt. Also auch in dieser Hinsicht ist von einem Abbau der Preise infolge Beendigung des Krieges noch nichts zu verspüren. Streik Wetzlar. — Wetzlar, 17. Febr. Für acht Gemeinden des I Hinterlandes plant ein Unternehmer die Anlage einer Ueberlandzentrale für elekttisches.Licht und elektrische Kraft. Das Werk soll seinen Sih in der Nähe I von Altenkirchen haben. wa. Wetzlar, 18. Febr. 3m Kriegsgefangenenlager sind zwei Fälle von Fleckfieber festgestellt: die nötigen Schutzmaßregeln sind getroffen, um die Weiterverbreitung zu verhindern. Das Lager ist gesperrt. Hessen-Nassau. X Bad Orb, 17. Febr 3n der Sitzung der Stadtverordneten wurde zur Sprache gebracht, daß augenblicklich in der Stadt Orb mehrere Listen zirkulieren, welche der Wiedervereinigung des ehemaligen Verwaltungsbezirkes Orb mit Bayern das Wort reden. 3n der Versammlung war man einmütig der Ansicht, daß Bestrebungen, welche zur Zeit den Uebergang von Orb an einen anderen Staat befürworten, nicht zu billigen sind. Auch der Gedanke, Anschluß an den Freistaat Groß-Hessen zu suchen, scheine unzweckmäßig zu sein. — Frankfurt a. M., 18. Febr. Die Gasgesellschaft erhöhte den Preis für das Kubikmeter (Bas von 25 auf 36 Pf. Sie begründete die Erhöhung mit den hohen Kohlenpreisen, den steigenden Löhnen und Teuerungszulagen, die bisher einen Mehr, aufwand von 7 Millionen Mark erforderten. — Kiedrich, 18. Febr. Aus der katholischen Pfarrkirche wurden durch Einbruch eine Anzahl wertvoller Kirchengeräte gestohlen, darunter auch sein kostbares großes goldenes Kreuz, das nur einmal im Jahr, am St. Dalenttnstag, ausgestellt wird. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantlovrtung.) Kohlknnot und ttohlcnvergeubung. Seit Freitag den 14. Februar brennen in Heuchelheim die elektrischen Straßenlampen Tag und Nacht ununterbrochen. Wie läßt sich diese Lichtver- schwendung mit der jetzigen Kohlenknappheit verein- baren? Letzte Nachrichten. Der neue Entwurf der ReichSverfasiang. Weimar, 18. Febr. Der neue Entwurf der endgültigen Reichsverfassung liegt nunmehr fertig vor. Er hat gestern das R e i ch s k a b i n e t t beschäftigt und dort völlige Einstimmigkeit gefunden. Heule nachmittag wird die Vorlage dem Staatenausschuß unterbreitet werden, und es ist anzimehmen, daß sie Ende der Woche die Nationalversammlung beschäftigen wird. Im allgemeinen istderGrundgcdankedes ursprünglichen Entwurfs des Staatssekretärs Dr. Prcußgewahrt worden. Ter Minister des Innern ist dabei auch, wie er heute in einer Besprechung erklärte, mit dem Gang der Dinge durchaus jufricben. Ter Dersassungsentwurf zerfällt ht 109 Paragraphen and bis am zwei oder drei Punkte ist eine Verständigung erzielt worden: über die strittigen Punkte wird also die Nationalversammlung zu ent- icheidcn haben. Es handelt sich babet um die Möglichkeit der Abruudungder vorhandenen Staatengebilde und die Abgrenzung de« ikvmpetcnzen zwischen R e i ch s r a t unb Reichs- t a g. Es ist die Möglichkeit gegeben, daß stch die Gliederstaalen durch Vereinbarung mit ihren Nach- barn ab runden können und es fragt sich nur, ob km Falle des Sckxmerns dieser Verhandlungen und der Reichsvermittlung die Nationalversammlung endgültig entscheiden soll. An die Stelle deS Staatenhauses soll der Reichsrat treten, der in gewissen Dingen dem alten Bundesrat ähnelt: ein Unterschied beftcht darin, daß die Bevölkerungs- jabl für die Vertretung im Rrichsrat ausschlag- gevend sein soll. (F. Z.) Dir Diätenvorlagr Weimar, 18. Febr. Die Diätenvorlag- ist der Nationalversammlung zugegangen Darnad) er. halten die Mitglieder der Nattonalversamrnlung für die Dau?r der Tagung, sowie 8 Tage nach Schluß frti» Fahrt auf den deutschen Bahnen und vom 1. Fed.-uar 19T9 ad eine Aufwandsent chadigung opb 1000 Mark monatlich, die am OTcr.atscrften Im Voraus zu zahlen ist. Die Ausschußmitglieder, die ht den Pausen der Vollsitzungen arbeiten, erhalten außer der Aufwandsentschädigung ein Tagegeld von 20 Mk. für jeden Tag ihrer durch das Sitzungsprotokoll de» Ausjchuffcs nachgewiesenen Anwesenheit. Für j ben Tag, an dem ein Mitglied der Nationalversammlung der Vollsitzung fcmgcblitben ist, werden 30 Mk. abgezogen. Die Vorlage schließt sich im übrigen den Vorschriften des Diätengesetzes für den Reichstag an, nur soll die Pflicht der Abgeordneten ihre Anwesen^ heit nachzuweisen, in einer Form erfolgen, die br Würde der Versammlung entspricht. .Qunbgebnnfltn im Reiche. Berlin, 18. Febr. r Stoatenousf^uß bt> chwaiz-rol.golden« [ationalfarbe «ingefühn mW L.-M in kl. r. (MB.) Im Bev ArbciterratFran! sozialisten die Gr olge der neuen Tai Antrag auf Wei reihen. AM' r der U.S.P«' iilglreder des m t9 begeben, um der ntcr allen Umstar mlenral Schröder handeln in der,ge »I Situation. Gs |oi i mit der soziale n werden. Dre es nicht gelinge, m er einMirken, vc -rordentlich verhäng- . das gesamte Prost ;L^rWcw Mrnberger Borsalst ÄSS rür die eine oder an M ;£ ;n Dürnberg n® hie wit «W* lg^'O jX, ijigcbtH' Leute io me" ’ücn fomwt -sKs nde.Lmt.D°^ ’iÄ£j9t s£g? * tm Übri ?' r den r« r-L- Rtiihk 5s*äi Kss ZL'S g» Wcbnen. tzs Kan • und ««£ ^brr ÄuidwiNt. Generalüer- rr Landwirte Mmmen, in bete« vltte M die Re'- £1! Mld etblidt biedlefürDeuG Erwirb aber an «Reiches, ins- sledens auch unter sungsmäßigen Re- Memilarbei- . Wirtschaftslebens ichleunige Abbau oft. erforderlich, l9 die Ernährung che Pwduktion zur oangswirtschaft be- tion fördern. De: langt die sofortige efangenen. Elsah- 'stbestimmungsrechl rt werden. Die Abtes an Frankreich ger Rohstoffe be- *Aürf**i i »-> 'Ätg16.^ < - ****;#»■*. - >Bm 3“LrikantI,d>Lp' Dd Vtefid) S»" i $ii wnnbkrstMt Meirteier btt Smi Gilihab Amrs. Roman von H. A. Adams. 'Rmbbni* verboten. Fortsetzung 65 „9tem, ich liebe dich nicht, Sibyl. O vergib mir, aber ich tarnt nicht. Ich- habe versucht, es dich nicht merken zu 1 affen, deinetwegen, deinetwegen. Herr Jones hat mich dazu überredet. Aber jetzt acht es nicht fo weiter. Du willst doch nicht, daß ich dich weiter betrüge, Sibyl? Das willst du doch nichts „Du liebst mich nicht mehr!" Das Mäd- djen stcnrd aufgerichiet, stolz aufgerichtet stand sie da. ,^Jch bin froh, daß ich es nocl) zu rechter Zeit erfahren habe. Ich hätte mich tonst — immer weiter betrogen. Und mir ist, als ob ich es die ganze Zeit über ge- nmßt hätte, 'jfber ich wollte es nicht glauben — mein Herz wehrte sich dagegen. Aber jetzt weiß ich es und jetzt kann ich mutig fein wie du." „Was konnte ich tun, Sibyl?" murmelte der junge Mann in seiner Not, „was formte ich tun, als es weiter führen?'" «Sdynetl, wie der Stoß einer Schlange, kam dec Ruf des Mädchens: „Du liebst eure andre!" „Ja, ich liebe eine andre." „llnd wie . ft« hWnsrT ,F), feit einem Monat."" „Seit einem ganzen Monat?"" Es war beinahe zu viel für fit, obgleich sie sich wie sie glaubte, auf alles gefaßt gemacht hatte. „Also ist alles diese ganzen letzten drei Wochen über nur Täuschung gewesen ? O Horace, wie fonntest du das tun?" „Ich tat es deinetwegen. Herr Jones sagte, es fei das einzige, was zu tun übrigbleibe. Er sagte, es würde dich täten, wenn du es merktest." „Alles kam also von chm, meinem Ritter (Nalahad?" Sinnend sagte sie es; dann mit einem Schluchzen des Zornes: „Er hält mich für ein Kind!" „Er dachte nur an dein Glück," widersprach der Mann. „Ja, ja!" Ungeduldig räumte Sibyl diese Möglichkeit ein. So eittließ sie chn beim völlig und endgültig mit dem Seufzer: „Er hat mich geliebt! Ich sehe es nun. Er wenigstens hat mich geliebt" Aber das Wort „ittebe" brachte sie plötzlich zu sich selbst und ihren jammervollen llwten zurück. „Aber du? Du liebst sie, liebst sie wirklich — das andre Mädchen?"" „Ich liebe sie,"' sagte Horace mit ernster Aufrichtigkeit. „Ah!" Es war der letzte Ruf eines brechenden -«Mn». llnervittttch klar und deutlich tarn et daher tm Rauschen des Südwindes Ernten Dugenbluk stand das Mädchen aufrecht, dairn stl)wcrnkte sie, fast unmcrHid). Horace streckte den Arm aus, um sie aufzufangen. Aber sie nahm sich mit äußerster Anstrengung zusammen und streckte ihm abwehrend chren schmächtigen Arm entgegen. „Nicht du! Nicht du?" flüsterte sie. Und während er so zurückgetviesen da- stand, ersäzauerte sie, wie ein Waldbaum unter dem lebten Hiebe der Axt erschauert, ehe er fällt. Wie ein gejagtes Tier warf sie chve erschrockenen Blicke umher. Galahad Jones stand an ihrer Seite. „Ah! Mein Ritter! Mein wahrer Ritter! Mein Ritter Galahad!" Hier war ihr Hafen, chr Ruheport. Hier war der vor allem Kummer und allen Schrecken des Lebens geschützte Zufluchtsort. In feine Arme flüchtete sie sich jetzt am Ende voller Dank, in seinen Armen Der- flackerte ihr Leben. Galahad fdjaute empor von dem toten Gesicht, beim viele Menschen standen um sie her. Er meinte den Fleischer zu erkennen, und ohne daß er sich darüber verwunoert hätte, auch die Gestalten Ems und Käthics. Und von der andern Seite der Laube waren zwei Mämier mit blaffen Gesichtern auf getaucht, und immer noch ohne Erstaunen erkannte Galahad Sibyls Batet. Der andre Mann schaute scharf in vab Angesicht der zarten Last in seinen Armen, berührte sie mit sachverständiger Hand und wandte sich dann an den Va.er. „Ja, es ist vorbei,'" erklärte er ertrsthasi. „Nein, nein, Doktor! Sie ist nur ohn- mächtig," flehte der geschlagene Mann l>off- nungslos. „Nein. Das Ende ist gekommen. Es mußte kommen. Ich wundere mich, warum es nicht fdyon vor einer Woche kam." Sie legten des Mädchens schmächtige kleine Hülle auf das Gras unter dem Sternenhimmel. Ein Diener war mit einer Laterne aus dem Hause gekommen. Der Doktor erledigte seine kurze, nutzlose Untersuchung und stand bann sästveigend auf. „Es war ihre einzige Aussicht," sagte er endlich, denn es war eine erwartungsvollc Stille über die ganze kleine Gruppe erschrockener Zuschauer gefommen. Der Arzt wandte sich an Herrn Bvach: „Sie sind nicht zu tadeln. Es war eine letzte Möglichkeit, und wenn sie nicht versucht worden wäre, würde das Ende genau fo gekommen sein — in der Tat, es würde früher gekommen jein."' „Aber sie hat mir alles gesagt, sie beichtete mir an diesem Nachmittage, und ich gab nach — und nun ist es doch zu spät." (Schluß folgt.) Dentschnationaler Handlnngsgehilfen-Verband Ortsgruppe Gießen Donnerstag, 20.rssebr.,abends7Uhr t. Wintergarten deS Cast Amcnd: Geffentliche Versammlung. $ortri8 des ßmoril. £Min, Wch'urt'M. über das Thema: „3ei!sragen der kaufmännischen Ange- stellien in handel und Industrie." 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