Nr. \ Der Eigener Anzeige, erscheint täglich, außer konntags. - Beilagen: -iebenerZamiliendlStter; KrtislIaU ffir den Kreis Stehen. Bezugspreis: monntl.'JJii 20 % Aufschlag. Hauptschriitleiter: Aug. Goeg. Verantwortlich für Polit'l : Atig. Goetz; für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Zenz; siir deii Anzeigenteil: H. Beck; sämtlich in Gießen. äxu General-Anzeiger für Gberheffen...... Ebert über die neue Regierung. Berlin, 31. Dez. (WB.) Ebert, einer der beiden Vorsitzenden der Reichsregiernng, 1 hatte die Freundlichkeit, einen Vertreter des i Wolff schen Bureaus zu enrpfangen und 1 äußerte sich ihm gegenüber folgendermaßen; i Mrt dem Hinzutritt meiner zwei Freunde i Noske und Wissel hat Deutschland zum ' ersten Male eine reine Parteiregrerung. Wir sind uns bewußt, was das bedeutet, sowohl nach der Seite der anderen Parteien als auch nach der Verantwortung unserer eigenen Partei gegenüber. Aber Sie werden aus fast allen Blättern ersehen haben, wie sympa- ' die Kabinettsbildung begriißt wurde. ! Das bedeutet natürlich keine Zustimmung zu unserem Parteiprogramm, wohl aber zu un» 1 serern Regierungsprogramm, welche । die Einheitlichkeit des Wollens und Handelns an die erste Stelle setzt. Damit wollen wir bis zur Nationalversammlung das Reich vor Erschütterungen bewahren. Tann 1 wirb die Abstimmung zeigen, ob die Mehrheit des Volkes eine andere Regierung wünscht oder hinter uns steht. Wir sind der lieber» heugung, daß nur eine Regierung, die in sich keinerlei Reibungen zu überwinden hat, also aus einem Holz geschnitzt ist, jetzt durchhelfen ckkann. Diese Regierung glauben wir zu sein. Dabei suhlen wir uns durchaus nicht als Ausschuß unserer Partei, sondern als Be- lluftragte des ganzen Volkes, eben* so wie wir keine Berliner Regierung sein wollen und formen, sondern eine deutsche. Es ist viel darüber geschrieben, ob und welcher Süddeittsche noch ins Kabinett zu berufen sei. Das erste, was ich noch in der Nacht tat, nachdem die Unabhängigen ihren Austritt erklärt hatten, war, daß ich an verschiedene Parteifreunde in Süddeutschland telegraphierte, um chre etwaige Bereitwilligkeit zum Eintritt in die Regierung festzustellen. ; Aber eine Erscheinung, unter der unsere ;ganze PchTteiorganisation leidet, zeigte sich auch hier: Fast alle führenden Männer sind schorc in irgenbeiner Meise an den Regie» rungsaeschäften beteiligt, so daß wir mit unseren Bemühungen bis jetzt noch keinen Erfolg hatten. Wir hoffen aber, daß es uns noch gelingen wird, tote überhaupt unser ganzes Bestreben sein wird, in engster Fühlung mit den deutschen Freistaaten die Reichs- Geschäfte zu führen, um auch durch diese Iftänbige Zusammenarbeit die Reichsei ritz ei t klar zum Ausdruck kommen zu lassen. Darin stimmen wir mit den Regierungen Süddeutschlands vollständig überein. Unsere nächste und dringendste Aufgabe wird sein, der Regierung einen Rückhalt in der neu zu schaffenden Volkswehr zu geben. Das wird sich hauptsächlich Staatssekretär N o s k e angelegen sein lassen. Scheidemanns Aufgabe wird sein, sich der Friedens- k o n f e r e n z zu widmen, welche diplomatischpolitisch vorzubereiten uns jetzt eine so vorzügliche Kraft wie der neue Staatssekretär >> r a f Rantzau zur Verfügung steht. Wis- . l hat dafür zu sorgen, daß das Schlagwort ',01t der sozialistischen Republik Deutschland vom Schlagwort zur Tat- -1 a cf) e werde, d.h., daß neben den politischen !Rechten auch die wirtschaftlichen und sozialen Anforderungen des arbeitenden Volks erfüllt I oerben. Ich selbst sehe meine vornehmste Uirfgabe in oer Vorbereitung derNa-- f;i ona lversammlung, von der für uns iloie drei wichtigsten Errungenschaften abhän- \m: Frieden, Freiheit und Brot! >Es muß mit allen Mittel« durch gesetzt werden, daß sowohl die Wählen wie nachher die Nationalversammlung selbst absolut ungestört und unbeeinflußt verlaufen können. Aber au$ der gewaltige Stoff, welcher der Beratung und Beschluß» saffttng unterliegen spll, muß gesichert werden, wenn es der Konstituante mit Erfolg gelingen soll, ihr Ziel zu erreichen: Die Der» 1 mssmtgsrechtliche Grundlage für die junge deutsche Republik zu schaffen. Mit diesem ; Willen und mit diesen Kräften gehen wir ins ■ neue Jahr! S- «tSsekretär Müller üE die Wirtschaftslage. Amsterdam, 31. Dez. (WTB.) Wie der Tefegraaf" ans London meldet, hatte der Sonderkorrespondent der ilchtional News" in Berlin eine Unterredung mit dem Staatstekretär dos Reichs- wnckschaftsamts Dr. Müller. Diefer^rklärte, das ganze Wirtschaftsleben befinde Mf mcgenblicklich ut einem chaotischen Zustande. Wgchhen davon, daß ohnehin schon ungenügende/V^engen an Sc» bensmitteln und Rohstoffen fü rtfie Versorgung der Bevölkerung vorhanden sind, /werden die Schwierigkeiten noch dadurch vergMert, das; Deutschland so viele Lokomotiven/imd EisenbahMvagen abluifern muß. Die Entente vergißt, welche kvloisa- läc Verluüe an Eisenbabchnaterürl Deutschlcrud m Rußland, Rumänien,' der Türkei und Oesterreich- Ungarn gehabt hat. Dazu kommt, daß das, ivas Deutschland noch besitzt, in einem derartigen Zustande ist, daß große Ausoefserimgen notwendig stnd. Eine weitere Schwieriglett für das SBüte schastsleben bildet die entsetzliche Steigerung der Preise für alte Artikel, nicht nur für Stab!, Eisen, Kcklpfer usw. ^sondern auch für Lebens mittel. Außerdem fordern die Arbetter noch Aufbesserungen ihrer jetzigen Löhne. Große Streiks fteben bevor. Durch die Forderungen der Arbeiter werden die Preise der Artikel vielleicht so hoch, daß Deutschland nicht mehr auf dem Weltmarkt konkurrieren fann, Jo daß der Export, von tv” 20 Prozent der deutschen Arbeiter früher tebr u, sich nicht wieder erholen können wird. Das Streben der deutschen Wirtschaftspolitik muß also in Zukunst darauf gerichtet fein, ^icht nur die Löhne, sondern auch sämtliche Preise für 9iohmareiial al er Art und für verarbeitete Produtte sowie Lebensmittel zu drücken. Nur wenn das geschieht, ist Deutschland noch imstande, sich wieder in die Höhe zu arbeiten und z. B. Schadenvergütuuaen zu bezahlen. Wenn Deuffchlano Elsaß-Lothringen verliert und die Einfuhr von Eisen aus Luxemburg und anderen .Ländern aikstöjrt, so entstehe dadurch für Deittschland der Ausfall v on u n ge f ä h r 2 8 Millionen Tonnen Eisenerzen. Deutschlmrd würde bann nur noch Roheisen für den eigenen Bedarf erzeugen kommen. Die andere große Gefahr für die Zukunft Deutschlands ist die 5k o ; - len frage. Wenn Frankreich auch das Saarbecken annektieren sollte, so würde Deutschland jährlich 10 Millionen Tonnen Kohlen verlieren. Wenn Frankreich Kohlen aus dem Saarbecken erhielte, würden die Franzofen vermutlich selbst rerfuriyit, Erze ans Elsaß-Lothringen zu verarbeiten. Das wird aber nicht gelingen, weil Frankreich im übrigen arm an Steinkohle ist. ,Es ioäre im Interesse beider Länder, wenn Frankreich, die Erze ans Elsaß-Lvlhringen Deutschland lieferte und diel es wiederum die nötigen .stöhlen' Frankreich v r- ischafste, das über einen viel besseren und reicheren! Erzbergbml in der NormmiAe verfügt. Durch eine solche Regelung wäre beiden Ländern geholfen. Eine andere Gefahr in der Kohlenstage find >,ie a n n e x i o,n i st i s ch e n Wünsche der Polen. lZu all diesen betrüblichen Aussichten kommt noch, daß Deutschland im Kriege fast alle Kmrden ver'or. Auf einigen Gebieten, wie z. B. auf dem Gebiet»' der Chemikalien, ist es im Augenblick noch i n - stande, zu konkurrieren. 9tber Deutschland will "r- becten. Wenn man ihm nur die Kohlendi senkte läßt imb die nötigen Rohmaterialien imb Lebensmittel verschafft, wird der fleißige, sparsame deutsche Arbetter zeigen, daß Deutschland gesonnen ist, allen Verpflichtungen nachzukommen Setzt man aber Deutschland nicht instand, für die Lieferung von F-abrikprodukten als Gegenleistung Rohstoffe zu erhalten, und nimmt man Deutschland einen Teil seiner Erze und die Kohlendistrikte, so müssen mindestens 20 Prozent der dentschen Bevölkerung auswandern oder verhungern. Deutschland wird selbst mit Hilfe vom Auslande lange Zett die größten finanziellen Schwierigkeiten haben. Der Krieg kostete Deutschlarid bis jetzt ohne die Kosten für Kriegsrenten 170 bis 180 Milliarden Mark. Dieser Betrag bildet, trenn man nur die privaten Vermögen in Betracht zieht, das Nationalvermögen Deutschlaachs. Wenn die Entente eine Schadenvergütung von Hunderten von Milliarden Mark verlangt, daun ist's mit Deutschland absolut ans. Auch unsere Kriegsanleilien müssen bezahlt werden, sonst fiirb wir ebenfalls zugrunde gerichtet. Wir lind imstande, die Zinsen für die Kriegsanleihen im Betrage von 5 Milliarden Mark pro Jahr zu bezahlen. Die bereits er» höhten Steuern liefern 21/2 Milliarden Mark, die Rüstungseinschränkungen sowie andere Ersparnisse werden uns sicher dazu befähigen. In einigen Tagen wird das ganze deutsche Heer demobilisiert fern. Wir werden dur chkommen, venn manunsinRubelebenläßt, uns Rohstoffe gibt, unfern Bergbau uns läßt und uns nicht ver- lnndert, Kunden zu gewinnen. Wir werden der Welt zeigen, daß wir in Zukunst nicht nur für uns selbst .sondern auch für das Wohl und zum Vorteil der ganzen Welt arbeiten wollen. Die preußischen Minister. Berlin, 31. Dez. (WTB.) Der preußfche Minister Ströbel erklärt zugleich im Auftrage von Dr. Breitscheidt, Hofer, Simon und Dr. Nosenfeld (Slöolf und Paul Hoffmann waren ihm nicht erreichbar) in einer Mitteilung an den Ientralrch daß sie durchaus auf dem Boden der Auffaffungm stehen, welche Barth, Dittmann und Haase zum Arstritt aus dem Rat der Volksbeauftragten veranlagt hätten und ersucht demnach, um eine Klärung ihrer Stellung als preußische Minister herbeizuführen un) über ihr weiteres Verbleiben im Amte schlüssig werden zu können, um eine Besprechung mit dem Ienttalrat herbeizuführen. Gegen den Bolschewismus. Berlin, 31. Dez. (WTB.) Die Vereinigung zur Bekämpfung des Bolschewismus zu Berlin, Schel- lingstraße 2, beabsichtigt, gegen terroristische Akte der deutschen Bolschewisten eine energische Gegenagitation zu entfalten. Sie bittet die Anhänger der Ordnung und Sicherheit um Uebermittlung des einschlägigen Materials, das auf Wunsch vertraulich behandelt wird. Die Vereinigung ist parteipolitisch völlig neu- trnl. Ohre einzige Aufgabe ist, an der Aiedereinfüh- rung geordneter Zustände mitzuarbeiten, gleichgültig unter welcher Regierung. Die Bedrohung im Osten. Polnischer Anmarsch aus Berlin? . Berlin, 31. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Das Kriegsministerium teilt mit: Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, entspricht die Nachricht, die während der gestrigen Vollsitzung der Groß-Berliner Sol- datenrüte allgemeine Beunruhigung erregt hat, daß 30000 Polen bereits auf Berlin anmarschieren und daß sie schon bei Deutschen ständen, glücklicherweise nicht den Tatsachen. Die Dinge haben zwar in Posen eine sehr bedenkliche Entwicklung angenommen und stad geeignet, jedes deutsche Herz mit bangster Sorge vor der Zukunft zu erfüllen Jedenfalls muß es völlig ausgeschlossen sein und bleiben, daß auch nur eine mittelbare Bedrohung Berlins durch polnische Streitkräfte zur Tatsache wird. Wie der Delegierte Krc-t 5 in der Sitzung der Soldatenräte sehr richtig ist der Grenzschutz Ost außerordentlich wichtig. Es fehlt aber noch an Mannschaften, es heißt also: „Freiwillige vor!" Gediente ausgebildete Soldaten, die zur Zeit beschäftigungslos sind, sollten sich zur Aufnahme als Freiwillige für Formationen des Grenzschutzes Ost melden. Die General- und Garni- son-Konimandos geben Auskunft über die Aufnahmebedingungen. Vor allem fehlt es auch an Aerzten und Sanitätspersonal. > Freiwillige für den Osten! Bad-Nauheim, 31. Dez. Das Generalkommando des 18. A. K. erläßt folgende Bekanntmachung: Nach Mitteilung des Kriegsministerinms ist die Lage im Osten derart, daß nur sofortiger Zufiuß von Freiwilligen Abhilfe schaffen kann. Das vaterländische Unterere erfordert es daher dringend, daß sich Freiwillige für den Grenzschutz Oft nicht nur in möglichst großer Zahl, sondern auch sofort bereit finden, um deutschen Boden gegen fremde Einfälle und Eroberungssucht zu schützen. Meldungen nehmen sämtliche im Bereich des Generalkommandos eingerichteten Werbestellen entgegen. Die Bedingungen für die Annahme sind günstig (Unteroffiziere und Mannschaften mobile Löhnung nach den Dienstgraden, mindestens 30 Mark monattich und mobile Verpflegung, außerdem 5 Mark tägliche Zulage und bei Verwendung außerhalb des Reiches eine besondere Treuprämie, für den ersten Monat 30 Mark, für jeden weiteren Monat um 5 Mark steigend bis zum Höchstsatz von 50 Mark, bei endgültiger Entlassung 50 Mark Entlassungsgeld, 15 Mark Marschgcld und ein Entlas- sungsanzug). Jeder, der in der Lage ist, diesem Ruf zu folgen, melde sich sofort, es kommt auf jeden einzelnen Mann an ' insbesondere denen, die vorübergehend keine Arbeit finden, bietet sich hiermit eine Gelegenheit zu vorläufiger guter Versorgung und zur Behebung der Arbeitslosigkeit. Wer sich selbst nicht stellen kann, werbe in seinem Kreise, damit unserer Ostmark ein eherner Schutzwall erstehe. Eile tut Not! * Der Anschluß Deutfch-OestcrreichS an das Deutsche Reich. Wien, 1. Jan. Eine amtliche Mitteilung besagt: Es besteht in Deutsch-Oesterreich völlige Uebereinstimmung darüber, daß es im Interesse unserer Volkswirtschaft ist, gemeinsam das Wirtschaftsgebietmitden anderen auf dem Boden Oesterreich-Ungarns entstandenen Nationalstaaten zu erhalten. Sollte Deutsch-Oesterreich ein ernster konkreter Vorschlag einer solchen Aterbindung mit den neuen Na i w ölst raten gemacht Treiben, so wird die deutsch-österreichische Regier rtmg selbstverständlich in Verhandlungen über diesen Gegenstand eintreten unb sie gewissenhaft und loyal mit dem Bestreben führen, zu einem positiven Ergebnis zu gelangen. Zu solchen Verhandlungen sind aber dieanderenNational- staaten nicht bereit. Dagegen sollen sich rrach Erörterungen in der Presse unsere Nachbarstaaten, zunächst die Südslawischen Nationalstaaten zu einer Föderation zusammenschließen, deren Spitze gegen Deutsch- Oe st erreich gerichtet wäre, und es soll dann Deutsch-Oesterreich gezwungen werden, dieser Föderation beizutreten, ohne daß ihm ein Einfluß auf den Inhalt des Bundes zugestanden würde. Bei dieser Sachlage ist es die Pflicht der deutsch-österreichischen Regierung, fäwohl unsere dLachbarstanten, als auch die anderen Mächte nickt im Unklaren darüber zu lassen, daß Deutsch-Oesterreich aus zwingenden fvirtschaftlichen Gründen nicht allein besteheu kann, und daß auch nicht jede Form des wirtschaftlichen Zusammenschlusses mit anderen Nachbarstaaten unseren Bedürfnissen entsprechen könne. Daher kann Teuffch-Oesterreich nur in einem Anschluß andas Deutsche Reich eine Sicherung seiner wirtschaftlichen und nationalen Zukunft suchen und finden. Es besteht kein G-rmtd, anzunehmen, daß die verbündeten Brächte und die Vereinigten Staaten über Teuffch-Oesterreich verfügen werden, ohne den Willen des deutsch-österreichischrn Volkes zu berücksichtigen. Wenn auch die Entfiheidung niete von unserem Willen allein abhängt, so wird sie doch durch unseren Willen mitbestimmt irerbai. Es liegt daher nicht im Interesse Tentsck>--Oesterreichs, die Aenßerungen des Wttlens unseres Volkes arideren Nationen gegenüber al^nschwächen. Oesterreichs Lebensmittelversorgung. Bern, 30. Dez. (WTB.) Sch:reiz. Dep.-Ag. jrxncte mittag begibt sich von hier aus eine Entente- lßommission, bestehend ans Vertretern der Verein. Staaten, Englcmds, Frankreichs und Italiens, insgesamt 14 Delegierte und deren Begleitung, zum Studium der Lebensmittelfrage Deutsch - Oesterreichs nach Wim. In dem gleick-en Zuge reifen auch einige Mitglieder der deuffckr-österreichischen. Delegation, die in der letzten Zeit mtt der Entente- Kommission Beratungen gepflogen hatten, nach Mien zurück^ Außer den vorzugsweise durch die Schweiz zu liefmünni Waggons mit Lebensmitteln aus fefavei» zerischen Beständen bewilligte die Entente.Kommission bis jetzt weitere 4000 Donnen Lelxmsmittel für Deutsch-Oesterreich, die von Italien in reit nächsten Tagen aufgekauft und über Innsbruck nach Wien befördert tueroeu sollen. (Eilte Rede Wilson;. Amsterdam, 1. Fanü> Nach einer Reutermel- dung ous Manchester sag^ Wilson in einer Rede folgendes: Jenes Gefühl, oas wir mit dem weihevollen Ausdruck „Freundschaft" bezeichnen, entsteht nicht nur aus Liebe, sondern auch aus gemeinsamen Intereffen. Bisher wurde die Welt von Jntereffen- gemeinschasten regiert, aber Interessen trennen die Menschen. Von dem Tage an, da von der sorgfältigen Anordnung der Intereffen abgewichen wird, beginnen die Eifersüchteleien. Es gibt nur eins, was die Volker aneinander fesseln kann, und das ist die gemeinsame Hingabe an das Recht. Kein anderer Gedanke als dieser, darf uns leiten. Die Vereinigten Staaten haben von Anbeginn ihrer Geschichte immer das Gefühl gehabt, daß sie sich von jeder (Einmengung in die europäische Politik fernhalten müssen. Sie sind auch jetzt nicht an der europäischen Politik interessiert, sondern an der auf das Recht gerichteten Gemeinschaft Amerikas und (Europas; denn sie wollen keiner Machtkombination beitreten, die nicht die Vereinigung aller ist. Die iß,reinigten Staaten sind nicht nur am europäischen, sondern auch am Weltfrieden interessiert. Deshalb scheint es mir, daß die eben vor uns liegende Regelung etwa- Schwierigeres zustande zu bringen hat, als je vorher versucht wurde, nämlich die wahre Uebereinstimmung der Geister und Ziele. Aber wenn diese Aufgabe auch schwer ist, so ist doch ein (Element vorhanden, das sie leicht.macht. Nie zuvor in der Geschichte bestand eine so strenge internationale Gewissenhaftigkeit wie jetzt. Es erhebt sich gerade jetzt in der Weitem lauter Ruf nach Menschlichkeit, und wer ihn nicht zu hören vermag, ist taub. Es be- steht jetzt ein großer Zusammenhang des gemeinsamen, Gewissens und ein Staatsmann, der ihm widerstrebt, würde eine sehr wenig beneidenswerte Stellung in der Weltgeschichte einnehmen. Ich rechne nicht darauf, daß jede Einzelheit der Abmachungen, die wtt an- streben wollen, in jeder Richtung befriedigend sein wird. Man braucht nur an irgendeine der Fragen der Abgrenzungen und der veränderten Souveränität zu b ent en und an die nationalen Bestrebungen, um mit ziemlicher Sicherheit sagen zu können, daß es keinen Menschen und auch keine Gruppe von Menschen gibt, die genau sagen können, wie diese Fragen geregelt werden müssen. Wer wenn wir schon nicht befriedigende Regelungen treffen, so müssen wir wenigstens darauf achten, daß sie durch die späteren Korrekturen immer befriedigender werden. Wir müssen deshalb für einen Mechanismus der Wiederherstellung sorgen, um einen Mechanismus des guten Willens und der Freundschaft zu haben. Wenn die Welt eine Gemeinde von Freunden bleiben soll, so muß sie über Mittel zur Freundschaft und zum beständigen .freundschaftlichen Verkehr verfügen, über die Mittel zu beständiger Wachsamkeit über das gemeinsame Interesse, und über eine einfache und dauernde Methode von Konferenzen, die es ermöglichen, die Schwierigkeiten dann in Angriff zu nehmen, wenn sie noch klein sind. Der gute Wille ist der Vorläufer des Handelns, und der Handel ist das große Freundschaftsinstrument der Welt. Ich wünsche, daß nicht nur Großbritannien und die Vereinigten Staaten, sondern auch Frankreich und Italien und die ganze Welt in die große Liga eintreten, daß w r uns zu allererst als Freunde der Menschheit erklären und uns vereinigen zur Aufrechterhaltung und zum Triumph des Rechts. Die Wahlen in England. London, 30. Dez. (WTB.) Havas. Bei den Wahlen in England wurden 366 Anhänger der Koalition gewählt, nämlich 270 Unionisten, 90 Liberale, 6 Arbeckerparteiler; unter den Gegnern der Koalition zählt man 21 Unionisten, 15 Liberale, 19 Arbeiter- parteiler und 18 Sinnfeiner London, 31. Dez. (WTB.) Havas. Nach der Plenarsitzung des Kriegskabinetts wurde Lloyd George vom König empfangen. AuS der französischen Kammer. Pa ris^ 30. Dez. (WTB.) Öavas. fficnmibd rertangt, daß die Kammer nur für einen statt für drei Monate Kvetüte betoillige. Fttnrn'Minister Klotz bekampite diesen Antrag unb stellte die Btrtrauens- sragc. Albert Thomas verlangte roit der Regierung die Wiederaufnahme der normalen parlamentarischen Methoden und die Becuttivortung der ge» stellten Fragen. Ministerpräsident Clemenceau antirortetc2 Die Regierung hat auf alle Fragen geantwortet, aber sie hat das Recht, ihre Grunde zu mahlen^ Die i chige Methode war nicht schlecht, da der Krieg zur allgemeinen Zufriedenheit bearbet wurde. Die Regierung hat dos Recht, unter den Intervttla- tunten auszuwählen. Es gibt solche, die unnütz sind, frirtb andere, die in dieser Periode des Leidens und der Angst gefährlich sind. Wir haben vom Parlament die Vertagung der Diskussion über gewisse I-ragen verlangt. Das Parlament hat inte das Vertrauen gtigt ■ und aus dem Lande ist uns nichts zug'komme? -as einer Klage oder Beschuldigung gleichkäme. Tie Opposition u imint ihre Tattn? wieder auf. Ich verlange von der Kammer, daß sie dieselbe zurückweist. Die Friedensfrage ist eine der schoiorigsten Fragen, die der Nation unter- breitet wurden. In toemgen Tagen wird sich tti Paris eine Konferenz von Politikern versammeln^ die das Schicksal der Nationen allvr Erdteile regeln wird. Frankreich befindet sich, fuhr Clemeueean frort, in einer besonders schwierigen Lage. Es ist das Land, das Deutschland am nächsten liegt. xäncdta ober hegt tvctt bc txm umetiro hat ttch Zeit ignunmnen, zu '.ms zu ßontmei. Englano in sofort itrnf den 9htf Asautths gekommen. Ich (ege Wert darauf, dies zu sagen. Lebhafter Beifall.) Es gibt ein altoS System, das sich heule ffortzusetzm scheint und dem auch ich treu bleiben will In dreiem Augenblick organisieren $üe Länder ihre Berteioigung in der Ab,ich:, gute Grenzm, Mstratgen uno alles zu haben, rvas ,ich unter den Begriff des Gleichgewichts der Kräfte stellen läßt. Tkiem System scheint das •Urteil gesprochen zu sein. Aber wenn ein folck-es -System vor d?m .ürieg: bStanjen hätte, wenn England, Frankreich, Am-rila und Italien überein- getonnten wären, zu sagen, daß, wer immer einen i*xi_ diesem Bund angreise, die gratze Welt rur- greise, txrmi hätte dieser ittrieg iiidji ausbrecken können. Dieses Bündnissystem, dem ich nickt ent» 5a>gen kann, toird mein Leitgedanke auf der Friedens tot serenz fein, wenn Ihr Vertrauen mich dorthin entsenden wiÄ>. Dievier Mächte, die •in diesem Krieg zusammengestanden haben «sollten nicht getrennt werden können. Ich werde alle Oper bringen, um das zu erreichen. Warum wollen Sie, daß nnr so deli» tote Fragen hier behandeln? Ich bin gezwungen, von Ihnen vollständige Teskretion z u verlangen. Ihr Vertrauen, das mich wälzend des ^eri^ges so geehrt hat, gewähren Sie es mir auch weiter wäl/rcnö des Friedens. Ich werde eine iirtcr- inationale Organisatron annehmen, über die übrr- gens noch keine Klarheit herrscht, mit besonderen Garantien für Frairkreich, und ganz besonders, wenn diese Garantien es Ermöglichen, die Auftoen- düngen für die militärischen Vorbereitungen verringern. Clemenceau fvrtfahreicd: Man sagt, man gebe einer neuen Gerechtigkeit entgegen. Ich bitte doch einmal über die We l t karte natfauhenfen. Die Völker haben sich seit aller Ewigkeit auseinandergestürzt. Es ist unmöglich, mit alten Steinen cm -reues Gebäude auszuführen nach dem Verfahren der alten Architektonik. Wenn Sie einen lneuen Geist in unsere alte Diplomatie bringen wollen, so bin ich mit Ihnen einverstanden. Clemenceau schließt mit der Erklärung: Wir tver- den uns alle Mühe geben, dem Lande so gut wie möglich zu dienen, wenn Sie uns Ihr Vertrauen schenken. Aber wenn Sie die Absicht haben, den Steuermann zu wechseln, so tun Sie das sofort, berat Sie i»erben nicht Zeit haben, es unterwegs zu tim! (Lebhafter Beifall.) Aus Stadt und Land. Gießen, 2. Ian. 1919. ** Ausschrei tunaen in der Neu- jahrsnacht. Das Polizeianrt teilt mit: „In der Neujahrsnacht schossen auf dem Kirchenplatz mehrere Soldaten mit scharfer Munition aus ihren Armeerevolvern. Da Passanten hierdurch in großer Gefahr schwebten, schritten Polizeibeanrte ein und nahmen einem Soldaten den Revolver ab Beim Entladen des Revolvers ging plötzlich ein Schuß los und die Kugel drang einem unbeteiligten Soldaten tn die Brust. Er wurde in den Fürstenhos getragen, wo bereits der Tod des Soldaten feftge» Mellt werden kortnte. Nun richtete sich die Wut der Soldaten und Zivilisten gegen den Schutzmann, der umringt und geschlagen wurde. Ein anderer Schutzmann, der seinem Kameraden helfen wollte, wurde ebenfalls geschlagen und erhielt einen Stich in den Mücken, so daß er in die Klinik verbracht werden mußte." Hierzu müssen wir bemerken, daß die Neujahrsschreßerei in Gießen ganz vllgemein zu einem Unfug gefährlichster Sorte ausgeartet war. Um Mitternacht war der Himmel ein Feuerwerk. Raketen und Leuchtkugeln, anscheinend von aus dem Felde heim- gekehrten Soldaten an Zivilpersonen abgegeben, stiegen in allen Stadtteilen hoch. War schon dies kein gefahrloses Spiel, so war das gleichzeitig einsetzende Schießen direkt lebensgefährlich, denn es wurde mit Armeerevolvern und Militärgewehren scharf geschoj- fen. An diesem unverantwortlichen „Sport" beteiligten sich vielfach auch Militärpersonen. Gegen einen derartigen Unfug, der sich nicht nur auf die Silvesternacht beschränkte, sondern seit dem Durchmarsch der Truppen jeden Tag bei einbrechend^r Dunkelheit ausgeübt wird, muß mit allen Mitteln eingeschritten werden. ** Die Unsicherheit auf der Straße nimmt auch in Gießen zu. Arn Neujahrstage abends gegen 7 Uhr wurde in der Süd-Anlage einer alteren Dame die Handtasche von einem Soldaten geraubt, der sich dann schleunigst entfernte und bisher nicht ermittelt werden konnte. * Diebstähle. 3n der Nacht zum 31. 12. 18 wurden aus dem Stall des Oehonomen Tost, Rod- Heimer Straße, 6 gelbe Rinder, und in der verfloßenen Nacht aus dem Lazarett in der Braugasse 8 (Enten, 4 weiße und 4 graue, entwendet. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die hiesige Kriminal- Polizei entgegen. ** DaS elektrische Licht versagte am Sylvesterabend wiederum, und zwar fast um die gleiche Zeit wie am Abend vorher. Glücklicherweise war die Unterbrechung nicht von sehr langer Dauer. Die Tatsache der sich stündig wiederholenden Maschiuendefekte muß ernstliche Besorgnis erregen und wir können ben in der letzten Stadtverordnetenversammlung geäußerten Wunsch nach einer sachverständigen Nachprüfung der Maschinen nur bringend unterstützen LU. BonderUniversität. Das Mi niftcrinm für das Bildungswesen bat den Privatdvzem an der Universität Gießen, Dr Max Ranther, zum außerordentlichen Professor ernannt *• Aus dem Stadttheaterbureau. (Es sei auch an dieser Stelle daraus hingewiesen, daß am nächsten Samstag Shakespeares .Kaufmann von Venedig" als 10. Fr. itag-Abonnement->.Vorstellung gegeben wird. - Da bei he: letzten Ausführung des diesjährigen Weihnachtsmärchens vielen Nachfragen nicht mehr Entsprochen werden konnte, so ist für den 12 Januar eine weitere 'Wiederholung des „K leinen Gerne- groß" angesetzt worden. * Zujammenschluß der beiden Bange- nossenschaftcn. 3m Interesse einer gesunden und gedeihlichen Fortentwicklung des gemeinnützigen Bau- wesens in Gießen sind nach Wegfall der Momente die einer früheren Verschmelzung hindernd im Wege jianben, die beiden hier oestehenden Daug^r-Lfl .,schoflen zwecks Zusammenschlusses miteinander in Verbindung 'getreten. Nachdem nunmehr über die Grundlagen der Vereinigung eine Verständigung erzielt worden ist, hat die „Gemeinnützige Baugenossenschaft E. G. m. b. H." in ihrer Jahres Versammlung vom 30. Dezember 1918 formell ihre Auflösung und die Übertragung ihres Vermögens auf die .Baugenossenschaft 1894“ beschloßen. Der Beschluß erfolgte einstimmig. (Es ist zu hoffen und zu wünschen, daß die genossenschaftliche Bautätigkeit dem herrschenden Mangel an Wohnungen, insbesondere für Wenigerbemittelte, bald Abhilfe schasst- ** Warnung. Tie Proisprüfongsstelle teilt mit: Tie Firma L. Schwenk, Menroth (Dill- kreish bietet ein Schmierseisen-Präparat zu 45 Mk. pro Kübel — 50 .(Kilogramm an. Da die Herstellung von Schmierseife mit Rücksiclst auf die Fett- kitapv"hett zur Zeit verboten ist, so handelt es sich hier allem Anschein nach um eilte bewußte Irreführung der Bevölkerung. Es wird vor Ankauf dieses wahrscheinlich weit über Werl verkauften Ersatzmittels öffentlich gewarnt. Weitere Schritte zur gesetzlichen Belangung des Anbieters sind eingeleitet. ** Der Bericht über die Stadtverordnetenversammlung mußte aus Platzmangel heute Zurückbleiben. •* Die kaufmännische Fachschule Gießen nimmt den Unterricht Donnerstag den 2. Januar zur bekannten Stunde wieder auf. **Der hiesigeVerein der Deutschen dem okra tischen Partei hält Freitag, 3. Januar, abends 81/4 Uhr, im Hotel „Fürstenhof" eine öffentliche Versammlung ab, in der die Herren Prof. D. Bousset und Prof. Michel über Trennung vonStaat und Kirche sprechen werden. Hierbei wird auch den Angehörigen anderer Parteien Gelegenheit zur Aussprache gegeben sein, namentlich solchen, die über die Stellung Deutschen demokratischen Partei zu der in Betracht kommenden Frage bisher vielleicht falsche Ansichten hegten. **DerVereinfürFrauenstimm- r ech t weist nochmals auf die Frauenversammlung hin, die heute abend 8 Uhr im Hotel Großher^og von Hessen stattfindet. Er will den politisch noch ungeschulten Frauen Gelegenheit geben, sich über die Ziele der einzelnen Parteien zu unterrichten, damit sie ich selbst ein Urteil bilden und danach wählen können. Herr Dr. H oni gm ann wird prechen. Es wird den Mädchen und Frauen )ringend geraten, die Versammlung zu beuchen. ** Die O r ts kr anke nkasse Gießen- Stad t hielt kürzlich im Postkeller dahier ihre diesjährige Ausschußsitzung ab. In Abwesenheit des Ausschußvorsitzcnden Kaufmann Strauß leitete Fabrikant Bindewald die Verba ttdlun gen. Nach dem Bericht des Vorsitzenden des Vorstandes Ad. Volz über den derzeitigen Stand der Kasse ist durch die Auszahlung von Kranken- und Sterbegeld an Kriegstellnehmer bzw. deren Hinterbliebene, sowie in letzter Zeit durch die zahlreichen Grippcerkrankungen eine schwere Belastung in finanzieller Hinficht emgetreten, die für die Folge noch stärker fein wird, insbesondere durch die Forderung der Aerzte auf Gewährung einer Teuerungszulage. Nach dem von Geschäftsführer Fourier erstatteten Rechenschaftsbericht wurden int Jahre 1917 an Beiträgen vereinnahmt 294 952 Mk., dagegen wurden n. a. ausgegeben für ärztliche Behandlung 48151 Mk., zahnärztliche Behandlung 6139 Mk., Krankenhaus behandlunq 27 100 Mk., Arznei und sonstige Heilmittel 35 260 Mark, Krankengeld 99 727 Mk., Wöchner in nen- und Sttllgeld 22 283 Mk., Hausgeld 1545 Mk., Sterbegeld 5045 Mk., Verwaltungskosten 47 293 Mark. In der folgenden Aussprache wurde darauf hinge wiesen, daß von vielen Arbeitgebern versäumt wurde, bei Lohnerhöhungen (insbesondere Teuerungszulagen) eine Ummeldung bei der Kasse zu bewirken. Gegen derartige Personen soll für die Folge streng vorgegangen werden. Im weiteren Verlauf der Venammlung erstattete Vorstandsmitglied H. Kirchner den Bericht der Neck»- rarngsprüfungskommission, worauf der Verwaltung durch die Versammlung Entlastung' erteilt wurde. Die seitherigen Mitglieder der Rechnungs- Prüfungskommission wurden iviedergewählt. ** Verwundete nunterricht und Beratungsstelle. Mit der Räumung der Lazarette ist die Tätigkeit des hiesigen Ausschusses ür Vernundeten-Unterricht und Beratung erschöpft. Da aber die vor 2l/s Jahren errichtete Berwu nd eten - Beratungstelle bisher auch bereits entlassene Krie.zsbe- chädigte beraten bat, wird diese Stelle ihre Tätigkeit nicht entstellen, soitdem in der für btefe Fragen zuständigen Kriegsbeschädigten- Fürsorge, Kirchstr. 16, aufgehen, so daß die zur Zell noch laufenden Angelegenheiten sonne kommende Fälle von dort bearbeitet werden. Ein Wechsel in der Person des Beraters tritt dadurch nicht ein. ** In der Aliceschule nimmt nach Entlassung der Bügellehrerin aus dem Hilfsdienst am 7. Januar wieder ein Kursus im Bügeln seinen Anfang. •• Freibank. Freitag, 3 Januar 1919, werden von 2-4 Uhr die Nm 1351-1450 beliefert. ** Freie Beförderung zur Arbeit auf dem Lande. Arberter und Ar- beiteritmen, die beschästigunaslos werden, werden bekanntlich frei abbeföroert. Der Minister der öffentlichen Arbeiten l-at jetzt die Eifenbahndirektionen zur Vermeidung von Zweifeln darauf aufmerksam gemacht, daß diese freie Beförderung nicht bloß nach dem rüderen Wohnort oder den bisherigen Ar- beitstellen erfolgen kann, sondern auch nach neuen Arbeitsstellen in der Landwirtschaft. Es ist dies durchaus erwünscht. Dasselbe gilt ür die Begleitpersonen der Arbeiter 00cr Arbeiterinnen. •• Ausfall von Pferdeversteigerungen. Auf Anordnung des Generalkommandos 18. Armeekorps werden Pferdeversteigerungen bis auf weiteres nicht mehr abgehalte n. Auch die ang<- zeigten Versteigerungen in Gießen für Freitag und Samstag fallen aus. Landkreis Gießen. 7 Klein. Linden, 1. Fan Der Unfug des Neujahrschießen s verursachte hier zwei schwere Unfälle. (Ein kleiner Junge verlor drei F i n» g e r der einen Hand. Ein halbwüchsiger Bursche wurde am Auge so schwer verletzt, daß es in der Universitätsklinik her ausgenommen werden mutzte. Düvinyrn. A Nidda, 31. Dez. Gestern abend wurde hier eine Dürgerwehr gegründet, die nötigen alls die bestehende Polizei und Nachtwache unterstützen und die Stadt vor Uebersällen raubender oder plündernder Horden schützen soll. Alle Männer vom 20.-50 Lebensjahr müssen sich an dieser Schutzeinrichtung beteiligen; ein Unterschied zwischen gedienten und ungedienten Leuten wird nicht gemacht. Wenn erforderlich, soll die Verpflichtung zur Wehr noch vom 18.-60. Lebensjahr erweitert werden. Gerichtsvollzieher Reuter von hier hat die Leitung der Bürgerwehr übernommen und gab eingehende Anweisungen über den Wache- und Hilfsdienst und die Einteilung der Mannschaften. Hessen-Nassau. mr. Frankfurt a. M., 31. Dez. Main, Kinzig und Nidda führen Hochwasser. Bei Vilbel ist die Nidda über die Ufer getreten, auch die Kinzig hat hinter Gelnhausen welle Strecken überschwemmt. = Frankfurt a. M., 1. Jan. Die Neujahrsnacht ist, abgesehen von der üblichen Massenabbrennung von Feuerwerksköi pern, sehr ruhig und ohne jede Ausschreitung verlaufen Wesentlich trug dazu die schon um 11 Uhr erfolgte Einstellung des Straßen» bahnoerkehrs bei. - Der 17jährige (Eugen Eilenburger wurde am Silvesterabend durch einen Feuer» werkskörper, der ihm von unbekannter Hand zuge» worfen wurde, im Gesicht schwer verletzt. CingetattM. (Für Form und Inhalt aller unter biefer Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Schutz des privaten Eigentumes. Heuchelheim, 31. Dez. 1918. Am 19. November 1918 ließen wir von einer auswärtigen Filialfabrik, die nur beste Handarbeits- sabrikate herstellt, einen Waggon Zigarren an unsere Adresse verladen. Die Zigarren hatten sich in längerer Zeit angesammelt, da uns kein Wagen gestellt werden konnte, und so wurden in dem großen Waggon über 800000 5tück in 163 Kisten verladen Der Waggon kam indessen am Bestimmungsort nicht an, wieoer- holte Anfragen waren erfolglos und die Güterabfertigung Gießen war schon der Meinung, daß der gesamte Waggon verschwunden sei. Am 27. Dezember erhielt nun die Güterabfertigung ein Telegramm ohne Unterschrift folgenden Inhalts: „Waggon 40594 Nürnberg mit Zigarren wurde hier vom Soldatenrat be- schlagnahmt und der Garnisonverwaltung für Intendantur 18. A.-K. ausgeliefert, die Zigarren sind bereits verkauft." Dieser Soldatenrat arbeitet doch zweifellos „großzügig", beschlagnahmt einfach die Wagenladung und sagt kurzerhand: die Zigarren sind bereits verkauft.' /Die Fabrikationspreise für diesen „Verkauf" zu kennen, war anscheinend nicht nötig und man darf den Schluß Ziehen, daß die Zigarren wohl „kameradschaftlich verteilt" worden sind, es handelt sich ja nur um das kleine Objekt von etwa 200000 Mk.I - - Der Handel, der um Ware so dringend verlegen ist, und die vielen Kriegsteilnehmer, deren Existenz geradezu vom Erhalt von Ware abhängt, mögen an diesem einen Fall ersehen, welchen Willkürlichkeiten man täglich ausgesetzt sein kann. Rinn & Eloos. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Süd-Anlage). Samstag, 4. Jan. Vorabd.: 4.30; nwrg.: 9.00: abds. 4.50 u 5 30 — 3fjccHtifd}e Neligionsgesellschaft. Sabbatfeier am 4. xvan. ^vertag abd.: 4.15; Samstag vorm.: 8.30: nachm.: 3 30; Sabbatausg.: 5.30. Wochcngottesd.: tnorg. 7.10, abM. 4.00. Letzte Nachrichten. Konrad Hönisch gegen Adolf Hoffmann. Berlin, 31. Dez. (WTB.) Konrad Dänisch erklärt in einem Au s tz des „Achtuhr-Ab ndllattez" über ben Knlturkamof: Es ist ein sch.oern- und verhängnisvoller Fehler gerade in diesem Augenblick, da trat sende der schwersten Probleme unver- Itxmben und keine unmittelbare Lösung erhalten, die Lage der Revolution dadurch zu erschsveren, daß man auch noch die heißumstrittene Frage der Trennung t>.m Staat und Kirche auftischte. Reckü« Haberischer Eigensinn, der stets ganz ge:viß das Gute will, aber ebenfo gewiß das Böse schafft, klein» bürgerliche Besckränktl-ett, die sich wunder wie revolutionär denkt, die gerne von Weltrevolution faselt, tatsächlich aber nicht über die Grenzen von Per. lin O. und Berlin N. hrnausztffehen vermag, mußte ausgercämet in diesem kritischen Augenblick mich iMxb die Kirchenftage als neuen Scheit in den lichterloh brennenden Holzstoß der ganzen Politik werfen. Auch Hänisch bält die Trennung von Staat und frirdje für notwendig, aber nickst unmittelbar nach der Revolution; sie ist ihm ein lieißes Eisen; denn im Gegensätze zu ihren leitenden Führern iW die große Masse der katholische,! und evangftischen Christen in der inneren Verbindung »cm Staat und Kirche nur ein heiliges Paladin nr. Ws F>lgen dieses verhängnisvollen Schrittes gibt Hanllck an: Unterstützung aller separatistisckzen Be» strebt mgen im Westen und Osten, enormes An» s-ckiwellm des Feldgeschreies: Los von Berlin, los von Preußen, los von dem Reich!, eine itngeheure Stärkulg des Zentrums, dessen WahlmiSsichten für die Natfonal Versammlung gewaltig gestiegen seien, andererseits wüchse die Geabr für die sozialdemokratische Wahlposition in allen katholisckren unb fogar ir manchen vollkommen evangelischen Bc, llrken. Dollen aber lxnde sozialdetttvkratischon Parteien vor der Sofortigen Trennung von Staat unb Kirch? nicksts wissen, so haben sie no>1» .Hönischs 9)i>ränrmi die volittsche P> licht, Mich in aller Oc-rmttl ckkeir jede Verantnvrttinq für diese unsäglich: politische Dummheit ruittr.oeg abzulehnen. Jmmerlmt sei inrenbert Schritt in der Rickttrag auf die kirchliche Trrratung iuxij t»r der dllttional txyrfammtung bereits jetz ausgeschlossen. Hönisch wttl seine Partei vor ben katbolisckvn Wöhlern unb von bvellm SVceifcn der emmgdikficn Wägerschaft toknt dem Verdacht reinigen, als habe sic die ihr burck die Revolution in die Hand gespielte MackN bemriu, um in Dingen des (tzcnnssens und bei Religionstbung andere hiermit zu vergewaltigen. I Mit dc4chn Vottvürien belxibm, töraic die deutsche Sozialdemokratie nicht in den Walstkamvi rieben Teslmlb setze er alle Rücksicksten ver'önlicher unb llXlogull r '??atur bei fette, um seine Pan ei gegni Aischulchgnrgen zu veNerdigem, ike sie nicht verdient. Er !imnst' tu per hüten, zu cem mckst weniger anfreilmtiXT. Kanro' als dem zähen Rlligen zwi- foxm Ebert und Barsth, zwischen Wels und Euch. harn, uv be höchsun kulturellen Wette auf dem Spiele Funu-en erklärte >?urnsch, nt e. c.r. ’ Lid an die äußerste Gren;e ger Nact»in > - tt ge>> gangen zu sein. x2lber böiier als ine V'iicku der Loyalitäl des einzelnen stehe ihm die Lopalllät der Sozialdemokratie dem beutitben Volke gegenüber. Tiefe Pflicht habe kein weiteres SckAoeigen geduldet. Der Rücktransport der denkschen Truppen im Lsten. Berlin, 1 Ian WTB. Die Deutsche W beut» lche Truppen erfolgt »eit 14 Tagen ein politisch bedeutsamer Notenwechsel ;wisck ii dem Clerfrm* manbo der Alliierten und der Teuttchen ÜSaffat* >tillNandskommission. Der AuFgangsptmkt diftes Rpiennvchwls ist eatc Metnun’ftnbe^ müssen ebenfalls hinter die deutschen Grenzen, ime sie am 1. August 1914 waren •»urütfgebcn 1 >'>ald die Alliierten im ter Berücksichtigung bet iraieren Lage dieser Gebiete den Augenbltck für ge- Ftrnimen erachten." Marschall Fvck hat nun h P^rJZvte ben Artikel 12 so ausgelegt, als ob bir deutschen Truppen solange in sttttstlrard bleiben müßten, als es die Entente für rich ig befinbet im erntereife der Bekam piung des ruf i ben Bolsche- »r^nus durch deutsches Militär Zugleich beklagt darüber, daß die deutschen Trupven iü Rußland tm Kanrpf gegen dre Bolschewisten nick' ürrng genug seien, ja daß sie geradezu den Bol'che wrsmus rn den von ihnen noch befetten russrschen to?bieten begünstigten unb unterstükten — Zu btefer Auffassmig stellte General v. Winterfeldt t* Entltehlmgsgeschichte des Artikels 12 gegenüber Ter ursprünglrche Wortlaut der Waffenstillstands^ bedingungen forderte die sofortige Zurückziehung der deuftchen Truppen von den besetzten russischen Gebieten: die deutschen Verttcter schlugen icbod) Vor, tm Jntere'se der Bewohner dieser Läi'der dte deutschen Truppen vorläufig dort zu belaffeu ferner wiederholte die Deutsche Waffenstillstands- tommtn'fon ihr Ersuchen, zum Rücktra.isport der deutschen Truppen aus der Ufraine (rund 250000 Mann) den Sernoeg freizugeben Nach der letzten Meldung rst die Bahn für den Abtransport aus Rftkolajew bereits in den Händen starker Bolsche- toiftcnbanbcn. Der Landweg ist völlig abgeschnitten, einen deutschen Bahnschutz gibt es nick^ mehr. Tie (seiabr wächst täglich, da mit den Sütgriffen über- machllger russycher revolutionärer strafte zu rech» «PL r ,c Kampfkraft der noch auf russischem v n? stehenden deutschen Truppen ist infolge der Abgabe von Waffen und Munittou an die Entente soune durch den Mangel 'rnd am Silvesterabend in den Ausstand getreten, nachdem die Besitzer ein Ultimatum oes Kellnerverbandes abgelehnt hatten. Tic Streiks im Ruhrgebiet. Oberhausen, 31. Dez WTB4 Die bie „Gute-Hoffnung Hütte" mitt eckt, haben die Ver- Ixmbtintgcn mit den Arbeilervertretem -,!i einer Derständigtmg geführt. Die Zustinimung derBclc i- schaften steht noch aus. Die Schächte Ub.rbaiifet, fttt die die Arbeit wieder ausgenommen iiwrlert war, haben ^mittlerweile die Arl^ett ' wieder still- Al'legt. Auf Schacht Bondern ist die Belcaschaft der Milla gsschicht verhindert worden, ent zu fahren. Amtlicher XciL Betr.: Tie Wahlen zur oeffaisun-iae.»enden Volkskammer der Republik Hessen. An den Oberbürgermeister ;n Mießeu und die Bürgermeistereien der Landgemeinden des Ureises. Infolge der Verlegung der Wahlen zur Boltz. kammer auf Sonnt ag den 26. Januar 1919 ändern sich folgende Termine: 1. Tie Ilebereinstintmuitg des für den Wal>l- vorstehcr befhmmten Erevivlars der Wählerliste mit dem Hauvteremplar und die statlgelul'te Äiü>- legung der Wähler!tste ist am 25 (nickt 18.) mutr 1919 naa, Eintrag der Worte „vom 21. De- -ember 1918 bis zum 28. Teeember 1918" zu bescheinigen. , 2. Tie Bekanntmachung, txx6 die Wahl am 26 (nicht 19 ^irtuiir 1919, von vormittags 10 11 br bis nachutittags 3 llhr, cr olge, Hal ratter Bftugunq der Namen der Wahi Vorsteher und ihrer Stellvertreter, der Abgrenzung der AbstiminuugS- bezirke spätestens am 17 'nicht 10. Januar 1919) stallzusinden. 3. Tas zweite Exemplar der Wählerliste bat der Bürgermeister da, n>oer felbit Wahlvorsteher ist, tum Iwecke der B-nutzung bei der Wahl an sich zu whmen, aitdcrnia.'ls l»t er es dem Wablpar- fieber am 25. Januar 1919 abends zuzufwllen. 4. Ter Wahlvorsteher hat den Prowkoll übrer nebst Beisitzern fträtestens am 23. (nicht 16.) Januar 1919 einzuladen. • >. Tas Wahltwotokoll ncbst efforderlichen An- Lagen muß spatrstevs am 28. (nicht 21 ) Iarau» 1919 bei uns etttlaus-m. Gießen, den 31. Dezember 1918. ' y ^T^aint Gießen. M iiekrftit Nkyteiek M Yen» CsIchS Zkllcs. Stanan von H. A. Adams. (Nachdruck verboten.) (43 Gortketz-ung.) ,/Varmn," fuhr die Stiimne fort, und es Botte sich eine große Mattigkeit in sie einge- ssch licken, „darum hat Vater mich verhindert, daß ich mit Horace zusammentraf, und ließ wich auch nicht schreiben. Er behielt auch alle Briefe, die Horace mir schrieb." „Aber hat Ihnen Horace gesagt, daß er ^schrieben habe??' „Natürlich," erwiderte sie mit einer Bestimmtheit, die Galahads Argwohn beschämte. Horace hatte sie dann eben angelogen, denn Galahad war überzeugt, daß der junge Mann nicht geschrieben hatte. „Der Doktor kam jeden Tag und untersuchte mein Blut," fuhr das Mädchen fort. „Er sah ernst und besorgt aus, obgleich er mich auszulacken versuchte darüber, daß ich vorgäbe, krank zu fein. Er war noch ein ganz junger Arzt, aber sehr geschickt. Vater sagte, er sei der beste Arzt in Svdney, und ich könne sicher fein, schnell gesund zu werden; dann könnten wir auf unsre lange Reise gehen. Aber währenddessen nahm jene Müdigkeit immer mehr zu. Natürlich kam mir niemals auch nur der leiseste Gedanke, daß es wirklich etwas Ernsthaftes fein könnte." *Unh es ist and) jetzt nur eine Vermutung?" „Rein, ich weiß es gewiß — entsetzlich gewiß. Denn eines Tages — es war gerade vor zwei Wochen — wartete der Doktor auf den Vaters bis er nach Hause kam, uno ich wußte, daß es sich um etwas wirklich Ernsthaftes handelte. Deshalb bekam ich Angst, als Vater mit ihm ins Arbeitszimmer ging. Ick lag im Bett, aber ich stand auf und schlich an die Tür des Arbeitszimmers. Sie stand halb offen, und ich horchte. Ich hatte mich längst entsetzt wegeii all der Heimlichketten Mischen ihnen und fühlte iraend etwas Furchtbares hinter all ihrem Lächeln und ihrerr beruhigenden Worten. Sie behandelten mich wie ein Kind, rode ein krau les Kind. Und ick hörte, was der Doktor meinem Vater mitteilte. „Es scheint, daß ich an einer seltsamen Krankheit leide, von der die Aerzte saft nichts wissen, außer, daß die Menschen daran sterben. Es ist eine Krankheit, die perniziöse Anämie genannt wird — nein, es ist feine Auszehrung! Und als er das Vater mitteilte, fühlte ich, daß er recht hatte. Es gibt feine Heilung dafür. Er wußte das ganz besttmmt und hielt es deshalb für das beste, es Vater beizeiten zu sagen. Nichts könne mich retten. Alle Hoffnung, die er geben konnte, war die Möglichkeit einer kleinen Kräftezunahme bei mir. Es ist irgeiid etivas mit dem Blute. Er sagte eine Menge über weiße Blutkörperchen. Das Blut wird dünner und dünner, die weißen Blutkörperchen im Blute )verben langsam verzehrt, bis der Kranke endlich sttrbr." „Ah!" flüsterte chr Zichörcr muvillkür- ltcy. ,^Fyr verletzter Finger, der nicht bluten wollte." „Ja," sagte das Mädchen, „das ist eines der untrüglichen Zeichen. .Der Doktor erwähnte es Vater gegenüber. Das Blltt ist so sehr verarmt, daß bei einer Verletzung des Fingers feines mehr fließt. Seit heute abend weiß ich, daß alles wahr ist; denn ich habe mich seither oft gesträubt, es zu glauben. Es gibt Zeiten, wo ich mich Wohler fühle; aber dies macht es zur Gewißheit." Sie schaute wieder ihren Finger an, mit einem so vom Irdischen losgelösten, unpersönlichen Gesichtsausdruck, daß der Mann in seinem Entsetzen beinahe laut hinausgeschrien hätte. „£>, ich weiß noch alles!" fuhr sie gelassen fort. „Jenes ganze feiertidje Geschäfts- gespräch im Arbeitszimmer. Es ist keine wirkliche Krankheit, nur Mattigfett und Schwäche, bis ... bis es zu Ende ist .... plötzlich Herzlähmung — ganz plötzlich . . . keinerlei Und als der Doktor zu Ende geredet hatte, sagte Vater nur mit entsetzlicher jüttze: ,W ie lange noch?" Und der Doktor sagte: /Drei Wvcherf. Dann gab es eine Pause. Ich bennnte, daß Vater versuchte, es zu fassen. Endlich sagte er: Lst es ganz gewiß?' Der Doktor erwiderte: ,Unbedingt gewiß. Ich feint weiter nichts mehr dabei tun. Drei Wachen allerhöchsiens. Es kann natürlich eher kommen, aber ich glaube es nicht.' Daun fragte Vater: ,Nichts kamt sie retten?* ,Nichts/ sagte der Doktor. Lch werde ehren andern Arzt zu Rate ziehen/ sagte der Vater. ,Erwird vielleicht —' Und der Doktor sagte ganz ruhig: ,Tun Sie das!' Und aus dieser Ruhe entnahm ich, daß es nutzlos sein würde. Und dann — Vater muß dem Doktor lange ins .Gesicht geschaut Haden, und ich hätte während dieses Schweigens laut aufschreien mögen — daun sagte Vater vor sich hin: ,Drei Wochen!.Und erst siebzehn! Armes Kind!* Ich weiß nicht, wie ich ins Bett zurück- gekommen 6in.'* „Aber der andere Arzt?*' fragte Galahad, blindlings sich an diesem Strohhalme fest- klammernd. „Er kam, aber ich wußte es vorher." Tas Mädchen sprach noch immer in derselben leblosen, entsetzlich eintönigen Weise. ,^Jch sah es an Vaters Gesicht, am Abend, nach- dem der Arzt dagewesen war, obtvohl Vater mit einem fröhlichen Lächeln in mein Zimmer fein. Aber er pflegte immer zu lächeln, toenn er hereinfem. Ich hörte feine Fußtritte draußen vor meiner Tür einen Augenblick stocken, ehe er klopfte. Er blieb wohl ein Weilchen stehen, um die Sorge aus seinem Gesicht zu wischen. Aber ich lachte immer über die Späße, die er machte. Ich mußtr das tun, ober er wäre argwöhnisch geworden, llfechdem er fortgegangen war, weinte ich. '(Fortsetzung .folgt) Ihre Verlobung beehren sich anzuzeigen Emmy Semmler Theodor Behning Gießen (Asterweg 16) Westfalen Neujahr 1919. ooeie STATT KARTEN I Die Verlobung Ihrer Tochter mit Herrn Ernst-Horst Harmening zeigen an Deuben, Dezember 1918. 44hv Kurt Orützner nnd Frau Meta geb. Lindner. Ich habe mich mit Friuleln «tud. jur. et rer. pol. Armgard Qrfltxaer, Tochter des Direktor* des Deutschen IndusrrierchutzvertMnde* Kart GriTaoer and Fraa Meta geb Lindner, verlobt. Ernst-Horst Harmening, cand. jur. Lisl Zteinheimer Theodor Engel geben ihre Verlobung bekannt Nürnberg Gießen .......... .rra Den Bürgern von Steinberg sprechen wir für die liebevolle Aufnahme und Sastfrcnndfchaft während unseres fast 4 wöchigen Nufmthaltes unferen berrUchsten Dante aus und wünschen ihnen ein frobes Neujahr. Nach den rauhen »ricgsjahren werden uns die schönen Cage in Steinberg immer in der bcRraerinnerung bleiben. Im Hamen der HIuimKoI. der I. Batterie fußart.»Regts. is homberg, Leutnant u. KolonncmKdr. .............. 012 Die 3. Batterie 5. Garde - Feldart.- Regts. spricht den Bewohnern von Langd für ihre liebevolle und gastfreie Aufnahme und den Damen für ihre liebenswürdige Unterhaltung nochmals ihren HERZLICHSTEN DANK aus 3. Batterie. 19n Mi Ftitio Giessen. (Staatlich anerkannte Unterrichtsanftalt). Der Nnterricht unserer Anstalt beginnt Donnerstag den 2. Januar zur bekannten Stunde. 39p Die ZchulkommUon. UW-MKiA ■ Mein. Bug. l@ (E- V.) Samstag:. den 4. de. Uta., abend» 8 Uhr gemütliches Zusammensein bei Mitglied Rahnefeld, „Pfälzer Hof“. 18 öer Vorstand Nehme ab 2. Januar meine Berufstätigkeit wieder auf. Dr. Rßinewald Facharzt für Ohren-, Nasen- und Halskrankheiten Gießen, Liebigstraße 32. Sprechstunden: Wochentäglich von 10-1 Uhr vormittags und 3-5 Uhr nachmittags. 26 Am Amtsgericht Braunfels kommt am 7. Januar Ivis vormittags 10 Ubr das Restaurant voehme größter Saal am Blatz, Kegelbahn, drohet Obst- u. 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Es werden stechen die Herren Prof. 0. Bousset und Prof. M über: 55D „Trennung von Staat und Kirche" Freie Aussprache. Frauen und Männer aller Stände sind herzlich eingeladen. Voiles-Versammlung am Sonntag den 5 Jan. 1919 nachm.SUhrin der Johanneskirche Trennung von Staat und Kirche Redner: Prof. D. Dr. Schian, Hanptlehrer Knauss, Frau Martha Sievers, Landgerichtsrat Schmäht, Pfarrer Bechtolsheimer. Alle erwachsenen evangelischen Gemeindemitglieder werden hierzu eingeladen. Oer evangelische Gesamtkirchenvorstand i. V.: Bechtolsheimer. Bahnhofstr. 14. _____________________i_____ Sa alle Formen alle Weiten Ohio Bemaschein Matt Herren- n"i" wi t h Kragen Trocken., kleingemacht. Holz empfiehlt 7 Schäfer, Licher Str. 9' OBa« bereitet ehemaligen DU- Dolkssch. f. PrLpa- randenanüalt vor? Schr. Anaeb.m. VreiS unt 09129 and. GeschästSst.deSG.A. Oeffentliche WShIkrmsWmImg Zrettag den 5. Jan. 1918,87. Uhr abend; im Ltadttheater. Redner: Oerr Eäteard M, Seliptil ierrMs«allScMier,Fri*fi. Wahlberechtigte Frauen und Männer aller Bekenntnisse sind eingeladen, die Katholiken dringend aufgefordert, zu erscheinen. Die Gießener Organisation der Zentrumspartei. hisch'Mtiritepyia Mitglieder und die Freunde und Freundinnen unserer Partei, welche geneigt sind, sich an der Werbearbeit zu beteiligen, bitten wir, sich zu melden bei Herrn G. Kling, Bülkiüjßrißt 2 oder in der Geschäftsstelle Hospiz ErnstLudwig, Wctzl.Wkg11 Televbou Nr. 888. 28D BsolsetaMeÄprti (Hessische Volkspartei). Unsere 13D Mälttlli^-tolarerlegll (Ernst Ludwigs-Hospiz) 1. Stock. Vft~ Fcrneprech-AnechlnB* Nr. 888. *VI Geschäftsxeit 8—12 vormittags, 3—7 nachmittags. Zuschneide-Lehranstalt Kaiser-Allee 14 a. 5)ie verschiedenen Kurse imMahnehmen, Musterzeichnen, Zuschnetden u. Ansertigen von SHeibern aller Art beginnen am 6. Januar. Anmeldungen nimmt jederzeit entgegen M] Lina Petri. Schwarz-Weiss-Lichtspiele Seltersweg 81 (37a Har noch bla Intel. 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Wlhtii liemLM in hit Wisißerci pksnA. Heil- und Pflegcaustalt Der verehrten Einwohnerschaft von Zausen b. Gießen danken wir für die überaus herzliche und freundliche Aufnahme, die uns während unseres fast dreiwöchigen Aufenthalts daselbst zuteil geworden ist. Besonders gilt unser Dank den vielen Familien, die alles aufgeboten hatten, uns eine frohe Weihnachtsfeier zu bereiten. Wir werden Hausen immer ein gutes Andenken bewahren. Die Ünterosf. und Mannschaften der 3. Saft. 8utz-Att.-Regts. 16. 036 vÄNZ-Untcrricht mein tlicsjäljrigcr Canzunterntgt beginnt am 1 3. Januar abends 8 Uhr. gefällige Anmeldungen werden täglich in meiner Wohnung, Wetzsteingasse 31, entgegengc» in Briefwechsel zu treten. Vermög, erwünscht. An« geböte unt. 09289 an den Giei;euer Anz. erbeten. Modi. Sißiütr mit Licht und Heizung z. 1. Febr. gesucht. Schrift. Angeb. unter 015 an den Siebener Anz. erb. Der Sächs. Licht-Meßtr. 115 Diener, Lt. d. R. und Führer. besonders den Bewohnern der Häuser 185 — 192qu, sagen wir für die freundl.Aufnahme undfür dieOpfer- willigkeit, die uns ein so schönes Weihnachtsfest bereitet hat, unseren allerherzlichsten Dank. Für das neue Jahr wünschen wir der Gemeinde Rodheim alles Gute. Die Zusammenkunft im Postkeller, Wagcngasse, findet statt: Freitag den 3. Jan., nicht den 2., wie irrtümlich in der Einladung angegeben. -yr- Mark I U Wochen'ohn elazL 2nuner,lm WcLmucti fail sämtl.Säuglingccheune Deutschlands, absolut ge» rucbloö, 12 St. M. 15.65 fr. Rachn., Schnuller 2'.' 7.2«) p. Dvd' o. vaarw., solange Borrat. Fraaz Eoiiexi, Dresden-A. 1, Polierstr.17. MitttWMhttr, gl Jahre alt, cu., Berm. 25000 Mk., sucht mit FrU die tüchtigeHaussrau ift zivecks fnntcrer alsbald gesucht. Kräftige, unbescholtene Leute, inögl. vom Lande, üb. 20 Jahre, wollen üch mit Zeugn. u. Lebens!, melden. Krtegs- bcschäd. bevorzugt. (17ß Direktion der Heil-u.Pflcaeanstalt Gießen. 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Giestcn , den 31. Dez. 1918. Die Beerdigung findet Freitag, den 3. Januar, nachmittags 3'/, Ubr, aus dem neuen Friedhof statt. 016 in- Biiil W v. AnUaultäten. Möbeln, ganzen Einrichtung, Alt» cücil sow. alten von mir geiührleu Artikeln. 38V Louis Rothenberger. Frau Haas, (20 Frankfurter Straste 59. Ein tüchtiges, solides Mädchen Eine gute Vogelsberger Fahrkuh steht zum Berkaus, omm ftiodbeim a. b. tT, 'Jir-lW. Ein Bild zu verkaufen. Glasmalerei lAliertumi Preis 500.— Mk. L1*-“ Zu erfragen in der Ge- schästsst. des (fliest. Anz. Waites* ofort gesucht , 228 ChjMiWKlmk. TodeS-Auzeige. Verwandten und Bekannten die traurige Mitteilung, dast es Gott dem Allmächtigen gefallen bat, unsere „hebe Mutter, Schwiegermutter, Grostmuuer, Lchweüer, Schwägerin n. Laute Frau Sophie Drolsbach ®wt., gcb. RkllsWg im Alter von 62 Jahren in die Ewigkeit abzurufen. 027 Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Karl Trol-bach, Familie Wilh. Drol»bach. Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften des | Stabes der III. Abteilung 5. Garde-Feld-Art.- | Regiments sprechen den Bewohnern von Steinheim ihren liebenswürdigen Quartierwirten aufrichtigsten Dank - j Verschiedenes! LcimMhiz. cicttc. giifialltttiöiidburriiii flldli Vertretung iöwtliä.äRÜaliiitisnä’ vilitttial.tißtr Häuser. Schriftl.Angeb.unterü2O an den Giest. An», erb. j Mcrlau.Po'tMücketHess.) werden geg. gut. Jahres- '/Au bm.IieuftiuäM. lohngesuftü-auch rtnige , von Frau Seidel, Taglohner. 09054 Ludwigsvlap. Curt Petry 60 Hof Albach bei Lich. Lütt. Pscrdelueiht für Landwirtschaft b. hob. Lohn gesucht. 142 Rich. Schlifer, Hungen lOberhessen). Arbeiter werden angenommen Vaialtwcrk Saasen 0,07« Will). Scheov. Klavier- Stimmen J 1 Reparieren Polieren in tadelloser Ausfuhr. ' Wilh.Rudolph. Planohandlnnir f Seiier*wcK 91. > Feraspr. 889. r Paletots billigsten Preisen abzugeben. Ferd. 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