Nr. 100 Der «lehrner Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. — Beilagen: viermal wöchentlich SiehenerZamilienblätter- zweimal wöchentl.Nreis- dlattsür den Urei5 Stehen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl- Land- wirlschastliche Zeitfragen Fer»ifprcch - Anschlüße: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen: Auzciger Gießen. Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. Erstes Blatt (65. Jahrgang Mittwoch, 50. April M3 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Gberhessen Rotatronsüruck und Verlag der Vrühl'schen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion. Expedition und Druckerei: Zchulstratze 7. Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a. Bezugspreis: monatlich75Ps., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- il Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Alk. 2.— viertel- jährl. ausschl. Bestettg. Zeilenpreis: lokal 15Pf., auswärts 20 Mennig. Chefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; für „Feuilleton", „Vermischtes" und „Gerichtssaal": K. Neurath; für „Stadt und Land": E.Heß; für den Anzeigenteil: H. Beck. Die heutige Nummer umfaßt 14 Seiten. Dar hessische landwirtschaftliche Eenojsenschastrwesen. Da es für die Beteiligten von Wert sein wird, nach der Krisis im hessischen landwirtschaftlichen Genossenschaftswesen das Urteil und den Rat erfahrener Sachverständigen zu hören, haben wir uns an Herrn Prof. D r. C.r ü g e r, den Amvalt des all gern. Verbandes der auf Selbsthilfe be- ruhercken deutschen Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaft teil, gewandt, mit der Bitte, sich über die Lage äußern zu wollen. Pvof. Dr. Crüger ist unserer Bitte nachgekoni- ntra und hat uns folgenden Aufsatz eingereicht: Die Redaktion hat mich aufgefordert, mich zu der Lage des Genossenschaftswesens im Großherzogtum Hessen zu äußern. Nach reiflichem Ueberlegen entspreche ich diesem Wunsche. Diese lieber* legung hat darin ihren Grund, daß es das unter der Leitung des Reichsverbandes der deutschen landwirtschaftlichen Genossen- schrften stehende landwirtschaftliche Genossenschaftswesen ist, das von .einigen schweren Schicksalsschlägen getroffen ist. Wer sich mit dem Genossenschaftswesen näher beschäftigt hat, weiß, daß ich oftmals darauf hingewiesen habe, daß in dem Ausbau des landwirtsckxrftlichen Genossenschaftswesens Fehler gemacht 1 werben, die ihre schlimmen Folgen haben müssen. Diese Tatsache braucht nun aber gewiß nicht mein Urteil zu beeinflussen. Tie nachstehenden Ausführungen entstomimen dem dringenden Wunsche, einer wirklichen Gefährdung des Genossenschaftswesens entgegen» zuwirken. Das landwirtschaftliche Genossenschaftswesen int Großherzogtum Hessen ist von einzelnen schweren Zusammenbrüchen von Genossenschaften heimgesucht. SckMerer vielleicht noch als diese Vorgänge wirkt, daß die Zentralstellen, die für den Geldverkehr geschaffen sind, sich nicht halten können und daß gegen einzelne in diesen Zentralstellen tätige Personen der Vorwurf gerichtet wird, daß sie sich ernster Verfehlungen in der Verwaltung ihres Amtes schuldig gemacht haben. Dadurch ist das Vertrauen ins Wanken geraten. Und damit ist die eigentliche Krisis cingetrelen. An der Üeberwindung dieser, und zwar im Interesse des gesamten ('Genossenschaftswesens im Großherzogtum Hessen und all der vielen Tausend 'Existenzen, die mit diesem Genossenschaftswesen in engster wirtschaftlicher B^iehung stehen, möchte ich Mitwirken. Uno hierzu halte ich mich in meiner Stellung als Anwalt des Allgemeinen deutschen Genossenschaftsverbandes für berufen, weit diesem Verbände eine Anzahl bedeutender Kreditgenossenschaften im Groß- Herzogtum angehören. In diesem Augenblick handelt es sich nicht um Systemunterschiede, sondern allein um die Frage: Was ist unter den gegebenen Verhältnissen zu tun? Das, was in Darmstadt sich zugetragen, hat auf weite Kreise wie eine Ueberraschung gewirkt. Für den Fachmann war die Ueberraschung nicht so groft,_ wenn ich auch zugebe, daß Wohl nur die ganz Eingeweihten wußten, in welche bedrohliche Sage die beiden Darmstädter landwirtschaftlichen Kreditinstitute geraten waren.. Was wir dort verschwinden sehen, sind — Kartenhäuser. Leichtfertigkeit und Vertrauensseligkeit werben wohl Begleiterscheinungen im wirtschaftlichen Leben sein und bleiben, solange die Welt besteht. Einen absoluten Schutz gegen solche Auswüchse und ihre schwerwiegenden Folgen gibt eö nicht. Die Vorgänge in Nieder-Modau, Obermockstadt, Darmstadt ('bei der Reichsgenossenschaftsbank und der landwirtschaftlichen Genossenschaftsbank» und an einzelnen anderen Orten sind gewiß aufs tiefste zu beklagen. Mancher Landwirt und Kleingewerbetreibende hat fein Geld ver- loren — und doch brauchen weitere Kreise deswegen nicht in Unruhe versetzt zu werden. Nichts wäre verfehlter, als wenn jetzt etwa ein Mißtrauen gegenüber den Genossenschaften als solche und der genossenschaftlichen Arbeit Platz griffe. Tie Form der Genossenschaft ist vollkommen unschuldig an jenen Vorgängen. Auch di e unbeschränkte Haftpflicht, a l s solche hat noch nie das Mitglied einer Genossenschaft ruiniert. Schl e cht e Geschäftsführung und Mißbrauch des Vertrauens sind es vielmehr gewesen, die solche Folgen gehabt. Nicht die unbeschränkte Haftpflicht ist für Nieder-Modau und im Odenwald verhängnisvoll geworden, sondern die unerhörte Mißwirtschaft in der Geschäftsführung, mangelnde Kontrolle und Vertrauensseligkeit. Gewiß Packt die Menschen, die Eisenbahnfahrten Machen müssen, eine gewisse Unruhe, wenn sich zufällig Unglücksfälle häufen. Und doch vertrauen sie sich wieder der Eisenbahn au, in der Erwartung, daß aus den Unglücksfällen gelernt und der Betrieb um so vorsichtiger gehandhabt werden wird. So liegt cs auch bei den Genossenschaften. Tie Genossenschaft und insbesondere die Kreditgenossenschaft, siei st heute imwirtschaftlichen Verkehr, für das geschäftliche Leben des Mittel- standes in Stadt und Land unentbehrlich. Sie muß in Betrieb bleiben, oder es gäbe einen allgemeinen wirtsäsaftlichen Verfall. Aber aus Vorgängen, wie den erwähnten, ist die entsprechende Nutzanwendung zu ziehen. An SicherungsMaßregeln fehlt es bei keiner (Genossenschaft — sie werden aber zuweilen nicht genügend gehandhabt. Die Mitglieder der Genossenschaft müssen sich um die Geschäfte ihrer Genossenschaft mehr als bisher kümmern. Solange nichts Passiert, pflegen die Generalversammlungen außerordentlich schlecht besucht zu fein. UM die wichtigsten Wahlen kümmern sich die Mitglieder nicht; für den Geschäfts- bericht der Genossenschaft interessieren sich nur die allerwenigsten Mitglieder, und von dem Revisionsbericht, der vom Aufsichtsrat der Generalversammlung vorzulegen ist auf Grund der von dem Verbandsrevisor vollzogenen Revision nimmt kaum ein Mitglied Kenntnis! So sind vielfach die Mitglieder. Und diese Vertrauensseligkeit der Mitglieder findet zuweilen ihr Spiegelbild in der Vertrauensseligkeit des Aufsichtsrates. Es kann ganz gewiß behauptet werden, daß dort, wo Mitglieder und Aufsichtsrat ihre Schuldigkeit tun, selbst die unbefchränkteHaftpflichtderMitgliedernurihre segensreichen Wirkungen zeigt. Nieder-Modau ist als eine Katastrophe iM Genossenschaftswesen zu betrachten. Sie ist auf die hier ernxifyrrten Ursachen, wenigstens zum größten Teil, zurückzuführen. Wie der Wiederholung in anderen Orten entgegengewirkr werden kann, ergibt sich daraus ganz von selbst: die Mitglieder sollen die Genossen- fdjaft als ihr Unternehmen betrachten und sich um Wahlen, Geschäftsbericht, Revisionsbericht usw. bekümmern! Aber etwas anderes lehrt uns noch Nieder-Modau und noch eine weitere Lehre haben mir zu entnehmen den Vorgängen bei der Reichsgenossenschaftsbank und der landwirtsäiaftlicken Genossenschaftsbank. (Zs zeigen sich hier die Gefahren, die sich ergeben aus einer Verkettung d e r Genossenschaften “ntp-'rinanbn-. Dann haben die Mitglieder nicht nur sür die Mrtzwirtschaft der eigenen Verwaltung zu leiden — sondern auch "och für die Mißwirtschaft der Verwaltungen bei anderen Ge- noisteNschaften. Und weiter: Nicht viel weniger bedenklich wie die Verkettung von Genossenschaften auf Gedeih und Verderb ist es, wenn die .......................... Kreditgewährung seitens der Zentralbank davon abhängig gemacht wird, daß die kreditnehmende Genossenschaft Aktien der Zentralbank erwirbt. Ist dies der Fall, und die Zentralbank gerät in Scljwierigkeiten, so verlieren die von ihr abhängigen Genossenschaften nicht nur den Kreditgeber, sondern werben auch noch in das wirtschaftliche Schicksal des Kreditgebers mit hineingezogen. Worauf sollen nun aber vor allem die Mitglieder der Kreditgenoffenschaft achten? Sie sollen sich um die Festsetzung der Kredit grenze bekümmern: sie sollen dafür sorgen, daß in der Kreditgewährung die Verwaltung nicht hinausgeht über die eigene Leistungsfähigkeit der Ge- nossensck.iaft. Tie Kreditgenossensck-aft soll im genossenschaftlichen Rahmen bleiben! 'Es ist vom menschlichen Standpunkt aus zu erklären, daß bei der recht schnellen Folge von Unglücksfällen sich sowohl der übrigen Genosfensck/aften wie deren Mitglieder vielleicht auch hier und da der Gläubiger eine starke Unruhe bemächtigt hat. Und doch ist gerade unter solchen Verhältnissen Ruhe und klarer Blick VorbkÄingung für eine gesicherte Ordnung. Bricht im Theater Feuer aus und das Publikum verhält sich ruhig, so kann auch der Letzte ungefährdet das Theater verlassen. Panik kostet vielen das Leben. So auch im wirtschaftlichen Betrieb. Ein schönes Bild hat sich in den letzten Monaten im Großherzogtum Hessen geboten, als Genossenschaften ohne Rücksicht auf System oder sonst was sich unter Leitung des Direktors der Darmstädter Volksbank e. G. m. b. H., Herrn Stein, zu- sammeufanüen, um einen Schutzverein für Nieder-Modau ins Leben zu rufen. Unerklärlicherweise scheint man nicht überall gleich die ehrlich? Absicht der an diesem Werk beteiligten Schulze-Telitzsckwn Genossenschaften voll verstanden zu haben. IM übrigen hat sich auch hier gezeigt: selbst ist ber Mann. Solange man bei diesem Schutzverein auf fremde Unterstützung und Hilfe wartete, kam man nicht von der Stelle. Als man bann aber im Vertrauen auf die eigene Kraft zugriff, war der Erfolg ejn glänzender. (S^xm heute stehl fest, daß der Schutzverein in hervorragender Weise feine Ausgabe erfüllt. Man laun m. E. das, was sich jetzt im Großherzogtum Hessen bei den landwirtschaftlichen Genossenschaften zugetragen hat, nicht ausschließlich als Unglücksfall betrachten. Diese Unglücksfalle haben vielnrehr Mängel eines Systems klargelegt. Hier ist natürlich nicht der Raum, näher daraus einzugehen, zumal ich au-df nicht das Wort ergriffen habe, um hier genossenschaftliche Probleme zu erörtern, sondern um zu der Frage Stellung zu nehmen: was hat unter den gegebenen Verhältnissen zu geschehen? Und da wollte ich daraus aufmerksam mack-en, daß Mitglieder der Genossenschaft und der Gläubiger, die die guten Jahre gemeinschaftlich durchlebt, nun auch weiter Zusammenhalten müssen. Man hüte sich vor alten Ucbcrtreibungen. Tie Genossenschaft ist ein eigenartiges Wirtschaftsgebilde. Tie richtig organisierte und gutgeleitete Genossenschaft wirkt überaus segensreich. Sie ist, wie bereits l-ervorgehoben, unter den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen unentbehrlich. Die Kreditgenossenschaft kann durch kein Kreditinstitut in anderer Form ersetzt werden. 'Das liegt in ihrer Natur und in ihrer Eigenart. Wer Geld ausleiht, läuft immer natürlich ein gewisses Risiko. Tas Risiko bei der Genoffenfck»ft ist eher geringer denn größer, wie bei einem anderen geschäftlichen Unternehmen. Wollten aber die überklugen Mitglieder der Genossenschaft in solcher Zeit wie der jetzigen, sich in Sicherheit bringen durch Kündigung der Mitgliedschaft, wollten Gläubiger ihre Zt-gar nickst gefährdeten Forderungen retten wollen, indem sie Spareinlagen und Depositen kündigen und zurückziehen, so Die Weltausstellung in Gent. Brüssel, 27. April. Es hat ja wohl mich keine Weltausstellung gegeben, die am Eröffnungstage fertig war, aber so unfertig wie die Genter sfftis- stellung dürfte wohl doch noch keine gelvefcn sein. Tas mgg zmN Teil an dem großen Streik liegen, der Belgiens Wirtschaftsleben erschüttert hat, aber es müssen auch Organisationsfehler vothanden sein, denn schon im1 Oktober waren die Ausstellungshallen im.Rohbau fertig, und fein allzu gestrenger Winter hat den Fortgang der Arbeiten gestört. Fertig war nur die große BluMenausstellung, die fogernannten Genter Floralien, die aber eigentlich nur sehr wenig mit der Weltausstellung zu tun haben, denn sie werden seit einem! Jahrhundert und wohl noch länger alle fünf Jahre veranstaltet und waren in diesen Tagen wieder fällig. Fertig ist ferner das Cougo-Museum und das herrliche Stadtviertel Alt-Flandern, eine Stätte, ganz dazu angetan, um an lauen Sommerabenden eine Stunde zu erträumen, um sich in die Glanzepoche niederländischer Kunst zurückzuversetzen. Tie Blumenausstellung ist wohl die umfangreichste, die je gezeigt wurde. Die große Halle allein umfaßt 11000 Quadratmeter, das Palm en Haus 6000 und das Gewächshaus für Tropenpflanzen 3000 Quadratmeter. Tie Anordnung ist überaus wirkungsvoll, man könnte fast sagen, theatralisch geschickt. Zehn Tage wird diese BluMenausstellung bestehen bleiben, und sie wird im Herbst noch zweimal durch, andere Blumen- und Früchteausstellungen ergänzt werden; besonders ist eine große Ehrysanthemenausstellung geplant. Die Ainordnung der internationalen Hallen ist sehr übersichtlich und praktisch, da jedes große Land getrennt untergebracht jft. Die größte Ausdehnung Hit natürlich die belgische Abteilung (41000 Quadratmeter), dann folgt Frankreich mit 40 000, England mit 17 000, D e u t f ch land mit 12 000, (Sanaba mit 5000, Hollcchd mit 3000, Italien mit 2500 und Persien mit 1200. In einer internationalen SamMelhalle finden sich bann noch etwa 12 Staaten bereinigt, barunter Oesterreich, Rußland, Dänemark, Japan,' Chile, Brasilien, Argentinien und Kalifornien. Frankreich macht die größten .Anstrengungen, es hat sogar wieder einen Pavillon der Stadt Paris geschaffen und wird diesmal ganz besonders stark durch feine schwere Industrie vertreten fein. England beschränkt sich auf zwei Artikel, auf die Keramik und d-e Textilindustrie; so trägt es deut Milien der Ausstellung Rechnung und .zeigt in der Hauptsache Maschinen für die Texti ü industrie, also für Spinnerei und Weberei, einen großen Teil davon sogar rin Betrieb. Tie deutsche, nicht amtliche Abteilung, die unter Leitung v!on Professor H. Becker aus Frankfilrt a. M steht, zeigt eine gewisse Zurückhaltung, die vom wirtschaftlichen Standpunkt zu bedauern ist; denn die riesigen Anstrengungen der französifchen und englischen Ausstellung in Gent sind die logische Konsequenz der Brüsseler Weltausstellung unb des Erfolges seiner deutschen Abteilung. Auch Raumkunst wird Deutschland diesmal wieder sehen lassen und damit einen lücht sehr großen, aber gut gewählten Kunstsalon verbinden. Italien bietet hauptsächlich Kunstgegen- ftänbe, (Sanaba seine Naturprodukte, Persien seine Teppiche. ^.er Landwirtschaft wird, der Bedeutung Flanderns entsprcchmb, eme besondere Beachtung geschenkt. Man errichtet ein modernes Bauernd o r f mit 22 Gehöften und zeigt dort Musterbetriebe für Bauernwirtschaften von 5, 15 und 40 Hektar Umfang. ,,2o wird sich in etwa drei bis vier Wochen die Weltausstellung in Gent dem Besucher darstellen, als ein großzügiges Unternehmen, das vielleicht nur den einen Nachteil hat, daß es b-on einer Provinzstadt unternommen wurde, die nicht gerade an der großen Heeresstraße liegt. Das Ganze aber stellt sich in einem an;prechenden künstlerischen Rahmen bar, tote es die Stadt Gent ihrer historischen und künstlerischen Vergangenheit schuldig war. I. W. Hexenfeuer und ivalpuraisabend. Als Nachwirkung des mittelalterlichen Hexenaberglaubens sin- ben wir noch mancherlei Bräuche, die sich namentlich in ber Be- bouerung entlegener Lanbstriche erhalten haben. Dazu gehören bie Hexenfeuer in der Walpurgisnacht, die noch in Thüringen, im Vogtlande, im Erzgebirge und in Böhmen abgebrannt werden. Schon ein und zwei Wochen bar dem Walpurgisabend gehen die größeren Schuljungen bon Haus zu Haus, um Brennmaterialien für t)ie Hexenfeuer einzusammeln. Alte Besenstiele und Sck>euer- burflen, zusammengefallcne Holzfässer, Sägespäne und Hobelspäne, Baumwurzeln, ausrangierte Wirtjchastsgegenstäiide, alte unbrauchbar gewordene Dachschindeln und andere brennbare Gegenstände: ccklcs wird bon den Jungen zur Verwendung bei den Hexenseuern am Walpurgisabend angesammelt. Kommt der Walpurgisabend heran, so ziehen die Jungen mit ihrem Brennmaterial auf den Verg, auf dem gewöhnlich die Hexeiiseuer abgebrannt werden. Dann werden an den berschiedensten Stellen auf der Spitze des Berges Holzstöße ausgeschichtet, und wenn dann die TunkeLheit hereinbricht, leuchten bald überall die Feuer empor. Neben den Schuljungen stellen sich auch noch junge Burschen ein. Auch diese bringen noch Brennmaterialien mit, die auf die Holzstöße geworfen werden. Ein besonderes Fest ist es, wenn ein altes Teerfaß verbrannt werden kann: denn mit einem solchen alten Holzgefäß läßt sich ein weithin sichtbares Feuer anmachen. Die jungen Burschen begnügen sich aber nicht damit, Holzstöße anznbrennen, sie bringen auch alte Besenstümpfe und Reisigbündel mit, die vorher mit Teer getränkt sind: die Besenstümpfe und Reisigbündel dienen als Fackeln, die eine Zeitlang rundum gedreht und sckstießlich in die Luft geschleudert werden. Dieses Umdrehen und l’luftocrfen von brennenden Fackeln ist auch noch ein Ueberbleibsel aus früheren Jahrhunderten. Da die Hexen nach dem mittelalterlichen Volksglauben in der Walpurgisnacht in der Luft auf- und abreiten sollten, so glaubte man, daß durch das Hin- und Herschwenken und Aufwerfen von Fackeln der Chor der Hexen vertrieben werden könne. In Böhmen und im Vogtlande sind oft von einer Anhöhe aus Dutzende von solchen Hexenfeuern zu sehen. Während die Feuer auf einer Anhöhe langsam ocrgiimmen, leuchten sie auf einer anderen Anhöhe erst in voller Glut aus. Sind die Feuer niedergebraunt, so üben sich die jungen Burschen noch am Hexen- sprung. Dieser besteht in dem kreuznuifen Ueberspringen der verglimmenden Feuer. Erst nach diesem Ueberspringen, der Feuer sind dw Beteiligten gegen die Hexen gefeit. — Professor Erich Schmidt in Berlin wird infolge seines Gesundheitszustandes im SomMersemester keine Vorlesungen halten. Professor Schmidt leidet an Atinungsbefchwer- den, und er soll sich nach Verordnung des Arztes während der nächsten drei bis vier Wock>en von jeder Arbeit und Anstrengung fernhalten. Nach dieser Zeit wird der Kranke zur bollständigen Wiederherstellung seiner Gesundheit ein Bad auffuchen. Als sein Vertreter wird Professor Roethe über Romantik lesen. 'Dazu wird dem B. T. geschrieben: „Bei oberftächlichem^ Zusehen scheint alles geregelt, und die Studenten, in deren Plan ein Einarbeiten' in die romantische Literatur lag, scheinen zu diesem Ziel and)! bei der neuen Gestaltung des Vorleseplanes gelangen zu können. Tie Frage bleibt nur, wie es den studierenden Damen ergeben wird, die bei Erich Schmidt zu hören beabsichtigten. Wird Herr Roethe, als Vertreter seines erkrankten Kollegen, sie zulafsen, oder wird er auf dem ihm unbegreiflicherweise zugebilligten Recht belieben, sie bon seinen Vorlesungen auszuschließen? Ties ist ein Punkt, der wohl Beachtung verdient, wenn man bedenkt, daß bor den ernsthaft und systematisch arbeitenden ^Studentinnen unerwartet ein Hindernis sich auftut, mit hem zu rechnen sie vorher nicht in der Sage toarcu, und es bleibt abzuwarten, wie diese Dinge sich gestalten werden/'' —_Arno o f 5 e lt $ 5 0. Geburtstag. DeM Dichter Arno Holz ist zu seinem' 50. Geburtstage von der Vereinigung ostpreußischer Kiinstler und Kunstsreunde in Berlin eine künstlerisch ausgestattete Wresse überreicht toortht. Der Magistrat der Heimatstadt von .Arno Holz, Rastendurg, sandte ein langes Glückw uns chschr ei den und als Geburtstagsgeschenk tausend Mark. Im Rasteiiburger Gymiiasium, dessen Bänke der Jubilar einst gedrückt, sand eine Feier statt, von der Arno Holz durch eilt Glückwunschtelegramm benachrichtigt wurde. Tie Gemeinschast für Kultur in New Bork befindet sich ebenfalls unter den 'Gratu- lauteii. Sie spricht in ihrem' Glückwunsch die Hoffnung auf ein Wiedersehen in Amerika ans. Arno Holz will nämlich im Januar nächsten Jahres eine Tournee durch Nordamerika unternehmen. — Deutsche Konzerte in It alien. Aus Berlin wird uns geschrieben: Unmittelbar nach Schluß des letzten Dmzertes des Back>-Beethoven-BraHms-Festes begaben sich die Mitglieder des Phil harmonischen Orchesters eUigm Schrittes nach bem Anhalter Bahnhof, um den Sonderzug zu bestechen, in dem Idjon die Singakademie in ber Stärke von 275 'Mitgliedern harrte, um bie grosst Jtalienfahrt anzutreten. Die dentsck« Mustk wird in Mailand, Bologna unb Turin zu Gehör gebracht werden. Die Smgakademie veranstaltet je zwei' Konzerte, das ^.eutiche Requiem voll Brahms unb die Johannes-Passion, am ■T1,1 yrnb 'NM zweiten Abend die Matthäus-Passion von Bach. Im ge>cklossenen Rahmen des ganzen Kunstwerkes wurde ein Bach-Werk bisher wohl niemals in Italien dargestellt, yluch die Stadt Rom wollte sich beteiligen, iiich es waren wich bereits 20 000 Franks alv Garaiitiesonds gesichert, aber die Verhandlunmn führten nicht num Abschluß, da die römischen Konzerte im April stattfinden mußten, und das Philharmonische Orchester zu dieser Zeit nicht pon Berlin fortkommen tonnte. treiben Tie selbstverständlich ein überaus ge- w a g t eZ Spi el, denn das gibt leicht jene Folgen, die sich zeigen inr Fall des Ausbruches einer Panik. Es gibt kein geschäftliches Gesellschastsunternehmen, bet dem der einzelne einen so schwerwiegenden Einfluß hat wie bei der Genossenschaft. Mögen die Mitglieder der Genossenschaft sich nm ihre Genossenschaft lünrnrern, mögen sie in die General- versammlnngen gehen und dort Rede und Antwort fordern. Mögen sie sich erkundigen nach den Grundsätzen für die Kreditgewährung. And mSgen die Mitglieder der Genossenschaft dann werter dafür sorgen, daß in den Aufsichtsrat Männer gewählt werden, die ifür ihr Amt das nötige Verständnis mitbringen. Mögen .endlich die Mitglieder sich ihrer Rechte erinnern, wenn es gilt, die SorslLndsposten M besetzen. Wenn in diesem Zinne sich die Mitglieder betätigen — und das wirL> jckenfalls in den nächsten Jahren der Fall sein — dann wird das, was wir jetzt rnti Großtzerzogtum Hessen erlebt haben, das Gute zur Folge haben, daß man an anderen Orten im vMen Umfange seine Schuldigkeit tut. Ts war ein teures Lehrgeld, aber es war dann ein Lehrgeld, das nicht ganz nutzlos verausgabt ist, wenn nur die anderen Genossenschaften für die .Schutzmäßregeln sorgen, die weitere Rieder-Modaus ausschließen. So sehe ich zur Zeit die Verhältnisse im' Großherzogtum Hessen an. Mitgliedern wie Gläubigern der Genossenschaften itnb deren Verwaltungen ist zu empfehlen, keinen Augenblick die Ruhe zu verlieren. Rur dann wird es gelingen, der Schwierigkeiten Herr zu werden und die vorhandenen Kreditgenossenschaften in der Erfüllung ihrer wichtigen geschästlichen Aufgaben zu erhalten. Dies aber trifft den Lebensnerv des Mittelstandes nrt Großherzvg- timt Hessen. Ein jeder ist daran interessiert, daß das Vertrauen zu den Genossenschaften durch die traurigen Vorgänge an einzelnen Stellen nicht erschüttertwird. Gewiß sind Verluste eingetreten imb einzelne Gebiete sind schwer heimgesuchf. Wer aber daraus den Schluß ziehen wollte, daß auch allen anderen Genosienschaften nun Mißtrauen entgegeitzubringen ist, der läßt doch allzusehr den klaren Blick vermissen. Nichts wäre verfehlter als aus den Vorgängen einen Schluß aus die Allgemeinheit zu ziehen. Trotz Ober-Mockstadt, Rieder-Modau und einzelnen anderen Orten — das Genossenschaftswesen inr Großherzogtum Hessen ist in seinem Kern gesund. Von diesem' Gesichtspunkt aus hat der einzelne zu handeln und seiner Genossenschaft gegenüber, sei es als Mitglied oder Gläubiger, sich zu verhalten. Er mag prüfen und Aufklärung verlangen, aber er soll sich in seinenr unb der Allgemeinheit Interesse davor hüten. Mißtrauen walten zu lassen, wo auch, nicht die geringste Veranlassung dazu vorliegt. Andernfalls schädigt er sich selbst, wenn and? der Schaden schließlich nur auf Umwegen ihn trifft. Neber die Frage des Systems braucht heute nicht verhandelt zu werden. Es ist auch nicht.die Presse der Ort, an dem derartige schwierige Fragen zur Lösung gebracht werden können. Dr. Hans Crüger, Anwalt des AllgemÄnen Verbandes der auf Selbsthilfe beruhenden deutschen Erwerbs- und Wirtschastsgenofsenschaften e. V. Ein Vorgehen öes Dreibundes. Auch heute sind die Meldungen über das Ergebnis der letzten Botschafterberatung noch nicht klarer geworden. Rur das eine steht fest, daß der Dreibund besondere Schritte vorbereitet, und wenn das Reuter-Bureau davon spricht, daß eine Mehrheit der Großmächte gegen Kriegs- maftwgVln wider Montenegro sei, so ist damit nichts gesagt, denn feder Tag kann die Stimmung ändern. Und heute scheint der Widerstand Montenegros, das sich der direkten Unterstützung Serbiens erfreut, unbelehrsamer denn je. Was anders als Waffengewalt wird König Nikita wohl zum Nachgeben zwingen? Paris, 29. April. Das „Journal des Debats" meldet: Die B ots cha ft er der Dreibundmächte unternahmen gestern in Paris und bei den beiden anderen Regierungen der Tripel-'Entente einen Schritt, indem sie mit Nachdruck auf den von Oesterreich-Ungarn betonten Willen hinwiesen, den Zwischenfall von Skutari, welcher für die Großmächte beleidigend sei, möglichst rasch zu erledigen. Falls König Nikolaus ^er am Sonntag bekannt- gegebenen Aufforderung nicht Folge leisten sollte, müßte ihm ein regelrechtes Ultimatunt übersandt werden, welches nur eine ganz kurze Frist stellen würde. Hierauf würde nichts anderes übrig bleiben, als zu Durchführungsmitteln zu greifen. Oesterreich-Ungarn würde, falls ihm die übrigen Mächte keinen Beistand leisten würden, diese bewaffnete Demonstration allein unternehmen. — Die rusfischen Botschafter unternahmen überall eine Demarche, welche eine Antwort auf den Schritt ihrer österreichisch-ungarischen Kollegen bildet. Sie erklärten, daß Rußland, nachdem es die in Cetinje über- reichte Rote mituntcrschrieben hätte, nach wie vor den Montenegrinern Skutari verweigere, daß es aber der Ansicht sei, daß jede militärische Aktion verfrüht wäre und daß Ueberredung genügen würde, um König Nikolaus zum Nachgeben zu bestimmen. Wenn jedoch die Mächte glauven, daß eine militärische Aktion notwendig sei, würde sich Rußland derselben in effektiver Weise nicht anschließen können. Die Wiener „Reichspost" schreibt: Die nächsten Tage tverden eine entscheidende Wendung in der Sku- tari frage bringen müssten. Mit großer Befriedigung wird in Men darauf hingewiesen, daß das diplomatische Vorgehen Oesterreichs namentlich durch den deutschen Bundesgenossen eine warme und energische Unterstützung erfährt, ein Beweis von Solidarität, der gewiß in der ganzen Welt einen großen Eindruck Hervorrufen wird. Die Wiener Blätter sind durch die Nachrichten von der Vertagung der Botschaftervereinigung auf Donnerstag sehr überrascht worden. Im übrigen wird bemerkt, daß die bisher vorliegenden Meldungen aus London noch kein klares Bild von dem Verlauf der Sitzung geben. Nach einer Information, die dem Reuter-Bureau zugegangen ist, hat sich bei den Besprechungen der Botschafter ergeben, daiß die Mehrheit der Großmächte nicht geneigt ist, kriegerische Maßnahmen gegen Montenegro zu ergreifen. Man ist sich darüber klar, daß es notwendig sein wird, irgendwelche Maßregeln zu ergreifen, falls Montenegro nicht in befriedigender Weise auf Äe Kollektivnote der Mächte antwortet. Aber man sagt sich, daß man noch die Antwort auf diese Note abwarten muß. Inzwischen aber würden die Botschafter in London wahrscheinlich vyr ihrer nächsten Zusammenkunft Kenntnis von den bei ihren Regierungen herrschenden Au- sichten über die letzten Phasen der Lage haben. Oesterreich habe bei der Forderung einer Entschließung über diesen Punkt nicht deutlich gesagt, was es zu tun Vorschläge. Es habe auch kein Datum für die Antwort festgesetzt. Sei dem wie ihm wolle, jeder Akt, welcher die beiden Mächtegruppen -etwa in ^entgegengesetzte L«ger stellen könnte, würde sehr zu bedauern sein. Die „Neue Wiener Abeirdzeitung" schreibt: Bekanntlich behielt sich Oesterreich-Ungarn freie Hand vor für den Fall, daß die Botschafter-Vereinigung nicht die Anträge Oesterreich-Uugarns genehmigen sollte. Der Fall ist jetzt eingetreten, nachdem in der gestrigen Botschafter-Bereinigung in London eine Einigung nicht erfolgte. Diese Fest- tellung kennzeichnet die Situation. Gegenwärtig findet ein reger Meinungsaustausch zwischen Men und Rom statt. Dre „Wiener Allgemeine Zeitung" schreibt: In der am Donnerstag stattfindenden Sitzung der Botschafter- Vereinigung in London wird es sich entscheiden, ob und welche Mächte an den von Oesterreich-Ungarn eventuell, nämlich für den Fall, daß der König von Montengro nicht unbedingt nach gibt, zu unternehmenden Zwangsmaßregeln teil nehmen. Rom, 30. April. An gut unterrichteter Stelle meint ntmt, es werde zu keiner Aktion Oesterreichs kommen, da die Botschafter-Reunion Oesterreich am Donnerstag eine so eklatante Genugtuung verschaffen werde, daß Oesterreichs Prestige durch die Skutari-Asfäre überhaupt nicht mehr berührt werde. König Rikita macht sich in Skutari häuslich. Das Berliner „Tageblatt" meldet aus Wien:, König Nikolaus erläßt eine Proklamation an die Be- völkerungSkutaris, worin dieser volle religiöse und rersönliche Freiheit zugesichert und erklärt wird, daß Skutari in den definitiven Besitz Montenegros übergehe. — Die montenegrinischen Behörden verboten die Aus- chiffung von Sanitätsmaterial und Lebensmitteln für die Bevölkerung von Skutari aus zwei in Cattaro seit einiger Zeit liegenden Llohdschiffen und einem' italienischen Damp- er. Skutari sei mit allem nötigen versorgt. Wien, 30. April. Nach Belgrader Meldungen aus Cetinje kann Montenegro unter allen Umständen auf die serbische Unterstützung rechnen. Der Montenegrinische Ministerpräsident erklärte, man werde Skutari den Montengrinern nur mit Gewalt nehmen können. Zwischen beirr König von Serbien und dem König von Montengro hat ein Depeschenwechsel stattgefunden. Eine Volkszählung in Saloniki. Athen, 29. April. AM 12. Mai wird in Saloniki eine allgemeine Volkszählung vorgenommen, die sämtliche Rassen und Religionen umfaßt. Die Behörden von Saloniki fordern die Bevölkerung auf, bei der Volkszählung genaue Angaben zu machen, da es sich nicht um eine militärische ober politische Kontribution, ondern lediglich uM statistische Zwecke handele. Die Pforte und das Vorgehen Essad Paschas. Konstantinopel, 29. April. Amtliche der Pforte nahestehende Kreise ertläreti, keine Kenntnis von dem Schritt Essad Paschas zu haben, den sie offen mißbilligten. Die Pforte richtete an ihre Botschafter ein Zirkularschreiben, in dem' sie in aller Form die Gerüchte dementiert, daß Essad Pascha in Uebereiensümmung mit der türkischen Regierung gehandelt habe und erklärt, sie tadele das Vorgehen lebhaft. — Eine Gruppe italienischer Banken unter Führung der Societa Commerziale del Oriente streckte der türkischen Regierung acht Millionen Franken gegen den Schatzbvnds vor. Das Programm des internationalen Finanzausschusses. Eine Note der Agenee .Havas bringt in großen Zügen ms Programm des internationalen Finanzausschusses, der in Paris am 15. Mai zusammentreten wird. Erstens wird der Ausschuß den Teil der ottomanischen Staatsschuld festsetzen, der zu Lasten der abgetretenen Gebiete verbleiben wird und dessen Schuldendienst sichergestellt werden soll entweder durch Jahresraten, die, wie -rüher, aus den Einkünften dieser Gebiete erhoben werden ollen, oder durch garantierte Kapitalsabzahlungen. Zweitens wird der Ausschuß die Bedingungen und die rechtlichen Modalitäten genau festlegen, nach denen die Balkan-- 'taaten in die Rechte wie Pfttchten und Verpflichtungen der Türkei gegenüber Dritten, die Inhaber von Kontratten oder Konzessionen in den abgetretenen Gebieten sind, einzutreten haben. Endlich wird der Ausschuß Ansprüche pekuniärer Ordnung prüfen, welche die Kriegführenden als Kriegsentschädigung glauben geltend machen zu müssen. Deutsches Reich. Eine Konferenz. der bundesstaatlichen Finanz Minister. In der ersten Woche nach Pfingsten findet in Berlin eine Konferenz der Finanzmin ister der Bundes- st a a t e n statt. Der Landesverband der deutsch-sozialen Partei für Hessen und Hessen-Nassau hielt unter dem Vorsitz des Reichstagsabgeordneten Dr. Werner (Butzbach) seine Hauptversammlung in Frankfurt ab. Aus den neunstündigen Verhandlungen sei hervorgehoben, daß man die Errichtung einer eigenen Geschäfts stelle mit dem Sitz in Frankfurt plant, um die sich ständig steigernde Arbeit bewältigen zu können. Braunschweig und Lüneburg. Wie der „Lvkalanzeiger" von zuständiger Stelle erfährt, entbehren die abermaligen Gerüchte von einer in Aussicht genommenen Angliederung des Regierungsbezirks Lüneburg an das Herzogtum Braunschweig und dessen Erweiterung zu einem Grvßherzogtum vollkommen der Grundlage. Verstärkter Vogelschutz. Der Bittschriftenausschuß des Reichs tags hatte sich, mit Bittschriften betreffend das V oge l s chu tz g e s e tz beschäftigt. In den Bittschriften wird eine Verschärfung des Vogelschutzgesetzes befürwortet, da eine Reihe von Vogelarten der fast völligen Ausrottung nahe sei. Es handelt sich hier hauptsächlich um Mövchen und Kiebitze. Namentlich die sinnlose Jagd auf Möven bei Hamburg bedürfe dringend der Abhilfe. Von der Regierung wurde ausgeführt, daß diese Abhilfe hauptsächlich durch die Landesgesetzgebung erreicht werden könne. Die Reichsleitung begttiße alle Anregungen zu einem Schutze der heimischen Vogelwelt. Der Ausschuß sprach sich für einen verstärkten Vogelschutz aus und war der Ansicht, daß das rein sportliche Üm- bringen von Seevögeln ein höchst beklagenswertes Ucbcl sei. Man verkannte nicht, daß das Reichsvogelschutzgesetz und die Jagdgesetzgebung der Einzelstaateu teilweise einander widersprechen und daß insbesondere die einzelstaatliche Jagdgesetz- gebung einem wirksamen Vogelschutz entgegensteht. Der Ausschuß überwies die Anträge dem Reichskanzler zur Erwägung mit dem Ersuchen, bei den Einzelstaaten um eine Abänderung der Jagdschutzgesetzgebung im Sinne eines Derftärften Vogäschutzgesetzes vorstellig zu werden. Ausland In der portugiesischen Kammer gab der Ministerpräsident folgende Erklärung ab: Die Regierung kannte alle Anstifter der Bewegung und ihre Pläne. Sie hätte einschreiten können, bevor irgend eine Handlung gesck>ah, aber sie tat es nicht, damit jedermann die vcr- brecherffchen, dem Vaterland und der Republik feindlichen Absichten Klar sehen tonnte. Die Regierung hoffte, daß die Agitatoren eine angreifende Haltung einnehmen würden, um energische Maßnahmen zu rechtfertigen, aber sie zeigten sich vollständig felge. Alle mktttärischen und polizekivhen Organe arbeiteten in patttotischer Weise mit der Regierung zusammen. Die Regierung erstickte den Herd der Bewegung und ordnete an, daß das Prozeßverfahren eröffnet wird. Die Kammer nahm einstimmig eine Tagesordnung an, worin der Regierung ihr Vertrauen ausgesprochen wird. Aus Stabt und Land. Gießen, 30. April 1913. Christi Himmelfahrt. Auf einem abendlichen Spaziergänge von Traisa nach Darmstadt soll der fromme, tief innerliche Matthias Claudius, der im1 .Jahre 1776 zu Dftrmstadt Oberlandes- lvmmissarius war, dias schöne Abendlied gedichtet haben, das mit den Worten beginnt: Der Mond ist aufgegvngen. Er sagt darin, daß der Mond nur halb zu sehen sei und daß doch niemand daran zweifle, daß er rund und schön sei, daran schließt er die Bemerkung: So sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen, weil unsre Augen sie nicht sehen. Man denkt an dieses Wort, wenn man liest, was Ernst Haeckel über den Himmel der Christen sagt. Die bewunderungswürdigen Fortschritte der Naturwissenschaft, der Astronomie und der Kosmologie, so meint er, haben dargetan, daß es keinen Himmel und kein Jenseits gibt. Die Astrophysik hat gelehrt, daß da, wo man sich früher den Wohnort der Seligen dachte, der unendlichie Raum mit .schwingendem Aether erfüllt ist und daß sich in ihm Millionen von Weltkörpern, alle im ewigen Werden und Vergehen begriffen, umhertreiben. Nur kurze Zeit genießt der Mensch das Diesseitsglück, das einzige Gurck, das es gibt, um dann spurlos dahinzusinken. Es ist nicht zu bezweifeln, daß Haeckel die mannigfachen Naturvorgärrge nrit scharfer Beobachtungsgabe ersaßt, auch hat er etwas vom Dichter oder vom Philosophen an sich«, insofern er Idas, was er in der Natur sieht, kunstvoll zu ein ent Weltbilde «zu vereinigen sucht. Mer dieser scharf lbeobachtende Mann hat dafür kein Auge, daß das Menschen- ,gemüt sich niemals mit der Religion zufrieden gibt, die bie sogenannten „Monisten" lehren, indem sie die Grenzen Zwischen Naturerkenntnis und religiösem Glauben verwischen. Die Besten und Reinsten unter dem^ Menschen- igefchlechte finden niemals daran Genüge, daß sie nur nach ■fern trachten, das, itrie Paulus sagt, auf Erden ist, sondern sie streben nach einem überweltlichen Ziele, sie ttachten nach dem, das droben ist, indem sie an sich selbst arbeiten, um weiser, besser und frömmer zu werden, stark in Selbstverleugnung und lGottverttauen, reich an Liebe und Frieden. Tief auch ist ihnen in das Herz geprägt, daß das Diesseitsglück der Seele keine volle Besrredigung gibt, sie sehnen sich nach einer besseren Welt und sprechen oft mit Friedrich Rückert: „Mich fasset ein Verlangen, daß ich zu dieser Frist hinauf nicht kann gelangen, wo meine Heimat ist." Vollends dafür hat der große Naturforscher kein Auge, daß in.Jesus der Menschheit das überweltliche Ziel und die überweltliche Seligkeit gegeben ist. Jesu Reich war, wie er selbst gesagt hat, nicht von dieser Wett; aus jedenr Wort, das er geredet, aus jeder Tat, die er getan hat, aus seiner ganzen Erscheinung ragt eine ewige, unvergängliche Welt herein in das arme Er den leben, das er geführt hat in einem Lande, das arm war an Kultur, dessen DcvEcrung unter schwerem^ politischen Drucke stand. Jesus starb ohne Zagen, weil er tvußte, daß der Tod ■ ihn nicht von feinem1 l-vmrnlischen Vater trennen werde, er starb in der Gewißheit, daß die Gem^einschaft mit den Seinen in «einer Welt fortbestehe, die er zwar nie mit sinnlichen Farben ausgemLlt hat, die ihm aber eine Wett der Vvttendung und des Friedens war. Die Denkenden unter denen, die von ihm erfaßt sind, erkennen fteudig die Fortschritte der Naturwissenschaft an, sind sich abtt auch darüber ttar, daß alle naturwissenschaftliche Erkenntnis nicht imstande ist, ihre auf Jesus gegründete Glaubens- Überzeugung zu erschüttern und ihnen das Recht zu nehmen, von dem Himmel, der Welt Gottes, zu reden, in die Jesus nach seinem Kveuzestode eingegangen ist und der die Gläubigen als ihrer nnchven Heimat entgegensehen, ohne zu vergessen, .daß ihr Herr und Meister gesagt hat, daß wir wir len sotten, so lange es Dag ist, weil für jeden Erdgeborenen die Nacht kommt, da er im Lichte dieser Sonne nicht mehr wirken kann. * H. B. ** Tageskalender Biograph-Lichtspiele: Tag-, sich Vorstellung. BakofsKammer-Lichtsviele: Täglich Vorstellung. Lichtspielhaus: Täglich Vorstellung. * •• Ordensangelegenheit. Der Großherzog hat dem Reichsgerichtsrat Dr. Schmidt in Leipzig die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von dem König von Preußen verliehenen Roten Adlerordens 3. Klasse mit der Schleife erteilt. Generalkonsul von Panama. Der zum Generalkonsul der Republik Panama in Hamburg ernannte Herr Federico Boyd jr., dem das ReichSerequatur erteilt wurde, ist zur Ausüblmg konsularischer Dienstverrichtungen in Hesien zugelassen worden. "Hessische Schla chtungs stati stik. Rach der amtlichen Statistik über die Schlachtvieh- und Fleischbeschau wurden im Januar, Februar und März 1913 bezw. (1912) geschlachtet: 579 (570) Pferde, 4761 (4509) Ochsen, 328 (320) Bullen, 9641 (11 004) Kühe, 7329 (6663) Jungrinder über 3 Monate alt, 16 567 (19 250) Kälber bis 3 Monate alt, 82 750 (92 854) Schweine, 2418 (2705) Schafe und 8764 (7687) Ziegen. Landkreis Gießen. b. Wieseck, 29. April. In der Geineinderats- sitz un g waren anwesend: Bürgermeister Schomber und die Gemeinderatsmitgtteder Weller, Luh, Deibel, Vogelhöfer, Oßwald, Deibel und Becker. Wegen der Baufluchtlinie A. S. an der Kreisstraße Wieseck—Alten-Buseck wurde be» schlossen, daß sie wie in dem Plane leicht eingezeichnet ist, genehmigt wird. Ferner wurde beschlossen, ein Jugend- fest zu feieru. Aks Festtag wurde der 20. Juli vorgesehen. Ein Ausschuß, bestehend aus den Gemeinderatsmitgttedern Luh, Deibel und Wacker, wurde mit den Vorarbeiten zu dem Fest beauftragt. Tie Versicherung der Gemeindeeinnehmerei gegen Einbruch und Diebstahl wurde genehmigt. Zur Gesundheitspflege der Jugend wurde beschlossei^, einen öffentlicheu Spielplatz an- zulegen und zwar auf dem Riede, jedoch soll seine Lage durch einen Ausschuß, bestehend aus den Gemeinderäten Luh, Fr. Deibel und L. Deibel, eingesehen und bestimmt werden. Sodann fanden die vorgelegten Rechnungen über nachträgliche Arbeiten ihre Genehmigung. Das Gesuch des Leyrers Döll um Erhöhung seiner Wohnungsmiete wurde insoiveit genehmigt, daß sich die Gemeinde bereit erklärt, die Hälstr «b9*T tiWy gesamt rm. Dar» hoi heute die St crlassen, der an« da Landstraße z«r buch ein sechs bewältigte, schwarzen Schm» eine gesetzte mi grauen zerrissene« Filzhut mit zerr« w. Frar I. Adler jun. schild, feiert >norg Sie Firma, die s Deutschlands enh teilung für Eise» in Berlin, DH München und h« Zürich. tu. Sab 'S traf bis Fürsten Hausen mit G Der ij In die intern Neichsabtei Gor' figen schössengm des Psarrns Dr $ie Differenzen gliedern haben \6 Aeklagcen wird j den er mit einen solle sich nicht s, Verhandlung km den Pfarrer so als gemeiner K blamiert sä 2Be de» Pfarrer einem anderen j Wegen dieser Aon M Wft vbfcn W, wm K mechtsanM y müagimg von «auienhagen b unter Beweis: me Pfarrwohni Mirttaworfanb £» nicht geneh hat, nachts z o unb Kindermehl PHOTO ARTIKEL FM-u. Seefische Geschwister Leo Schokoladen-Haus :: Bahnhofstr. 23 Vorteilhaft ^»gefegt! Garanlierl reiner Kakao ~ per Pfd. 80, 100, 130, 160, 200 Pf, Gnl. ree kk-ttlotft in Vi-BIock 68 Pf., ’/rU.Vr Pfd-Block 20 u. 16 Pf. B C Seideibatist doppelt breit für Binsen, Kleider, Meter Mk. 1.00 A. Salomon & Cie. M 1913. Tögliih in der Seilerei 12847 2802 empfiehlt 2981 KmgMn'.LiWr.S I'rima Apfelwein aö<8, Bicrgroßhandluua. Tel. 83. > Phil. Gan^, Tammttr.31. Sämtlich. Platten Films licht- emplindl. Papiere stets .'. frisch Parkettwachs Stahlspäne empfiehlt Wilh. Itebhuth Rodhcimcr Straße 38. Wetteraussichten in Dessen für Donnerstag, den 1. Mai 1913: Wechjelnd bewölkt, ivorm; Gemilterneigung. und Rollseile Die Rüstitricke aus russischen Hanf besitzen nur 50%, d. h. bei 9 mm Stärke nur 245 kg höchste Bruchfestigkeit, während solche aus badischen Kernhanf schon 480 kg aus- halien. Grundsätzlich stelle ich solche nur aus letzterem her. Durch Massenherstellung und ständigem Lager bin ich in der Lage, sie im Preise der russischen minderwertigen Ware gleichzustellen.Zerreiß- proben beider liegen bei mir Attr Einsicht offen. Nur echt I. M. Schulhof Telephon 119. — Prompter Versand nach auSivärls. [45 Garantiert prima Qualitäten Spezial- Preislagen 1.50, 2.— 2.50, 3.-, 3.50, 4___ ,ttS6J Enorme Auswahl. Letzte Hocbridikn» .Eisenbahnunfall. Paris, 30. April. Wie aus Rodez (Departement AvLhroni gemeldet wird, ereignete sich bei Sevckrac ein schwerer Eisenbahn- nnfall. Mehrere Reisende sollen getötet, an 20 Personen verwundet worden sein. Vorschläge der mazedonischen Bulgaren. Köln, 30. April. (Priv -Tel.). Die ,Mln. Ztg/' meldet aus Sofia, .daß die mazedonischen Bulgaren eine lebhafte Tätigkeit entfalten. Denrnächst soll eine große Versammlung stattfinden, in der gegen die Schreckensherrschaft der serbischen und griechischen Behörden Einspruch erhoben toerben soll. Ferner wurde die Ausarbeitung einer Denkschrift beschlossen, die der russischen Regierung überreicht werden soll. Rußland soll bei der Verteilung Mazedoniens unter die Verbündeten Schiedsrichter sein. Man will verlangen, daß der bulgarische Teil Mazedoniens auch Mazedonien zufällt. Universitäts-Nachrichten. bk. Der Chirurg Geheimrat Prof. Dr. Edmund Leser in Frankfurt a. M. begeht am 1. Mai feinen 60. Geburtstag. Er war von 1884 bis 1908 Mitglied des Lehrkörpers der Universität Der streitbare Pfarrer von Corvey. O Höxter, 29. .April. In die unerquicklichen seelsorgerischen Verhältnisse der alten Reichsabtei Corvey leuchtete eine Verhandlung vor dem hiesigen Schöffengericht hinein, das in einer Privatbeleidigungssache des Pfarrers Dr. Hille gegen dessen Küster Risse, verhandelte. Die Differenzen zwischen dem Pfarrer und seinen Gemeindemitgliedern haben schon verschiÄ>entlich die Gerichte beschäftigt. Dem Beklagten wird zur Last gelegt, daß er lnz einem Sühnetermin, den er mit einem gewissen Göpert hatte, gesagt haben soll, dieser solle fid; nicht so für den Pfarrer ereifern, wenn die Sache zur Verhandlung käme, würde er, Risse, noch mehr aufdecken und den Pfarrer so in ben Schmach ziehen, daß er vor aller Welt als gemeiner Gassenhauer dastände und vor der Qesfentlichkeit blamiert sei. Weiter soll der Küster Risse gesagt haben, er könne den Pfarrer wegen Unterschlagung belangen, dieser habe auch einem anderen Priester ein Paar Manschettenknöpse gestohlen. Wegen dieser Aeußerung hat Tr. Hille Klage erhoben, außerdem noch wegen tätlicher Beleidigung, da der Küster chn in der Sakristei gestoßen haben soll. Tie letztere Straftat bestreitet der Betlagte, während er für seine Aeußerungen den Wahrheitsbeweis führen will. Uebet den Umfang des Wahrheitsbeweises erklärt Rechtsanwalt Franck folgendes: Ter Kläger hat sich der Unterschlagung von Kirchengeldern in seiner früheren Stellung in Laufenhagen bei Unna schuldig gemacht. Wir stellen folgendes unter Beweis: Ter Kläger hat, als er nach Bausenhagen kam, die Pfarrwohnung als reparaturbedürftig angesehen und hat dem Kirchenvorstand davon Mitteilung gemacht. Die Reparaturen wurden nicht genehmigt, trotzdem hat sie der Kläger ausführen lassen. Er hat, nachdem er im Juli 1906 seine Stelle angetreten hatte. Spielhöschen aus gestreift.Waschstoff, sehr solid und praktisch, %Secn 2.00.1.50,1.25, A. Salomon il Cie. chtfpiele: Täglich Vorstellung. <£crtd>i$5aaL Ein deutscher Student in Frankreich verurteilt. Stuttgart, 29. April. Die „Württemberger Zeitung" meldet aus Paris: Vor der 9. Strafkammer hatte sich heute der deutsche Student Karl Haag aus Stuttgart, der an der Pariser Universität immatrikuliert ist, zu verantworten. Dem Studenten wurde zur Last gelegt, in der Rächt vom 25. auf 26. April in einem Boulevard-Cafe beleidigende Worte über Frankreich ausgesprochen und dadurch Anlaß zu einer allgemeinen Prügelei gegeben zu haben. Besonders streng wurde ihm vorgehalten, daß er gesagt haben soll: Von euch niederträchtigen Franzosen stecke ich sechs auf mein Bajonett und röste sie lebendig. Trotzdem sich Haag mit Betrunkenheit entschuldigte, eine Tatsache, die auch von Augenzeugen bestätigt wurde, hielt es das Gericht für angemessen, ihn zu zwei Monaten Gefängnis und 105 Franks Geldstrafe zu verurteilen. Ä-Z vevrnrscbter. * Ern Kind im Müllkasten. Aus Berlin wird gemeldet: Auf dem Dose eines Hauses in der Bandel-Straße in Moabit fand man in einem Müllkasten in einer Tüte ein» gewirbelt ein neugeborenes, aber noch lebendes' Kind, das von einer yt demselben Hause wohnhaften.Schuhmacherfamilie vorläufig in Pflege genommen wurde. Rach den ärztlichen Feststellungen lag das Kind bereits feit gestern abend in dem Müllkasten. Es ist als ein Wunder zu betrachten, daß das Kind nicht erstickt oder durch die aus ihm' liegende heiße Asche verbrannt wurde. * Zwei Kinder kurz nacheinander überfahren. Aus Soest wird gemeldet: Bei der Einfahrt in die Stadt überfuhr ein Bonner Automobil einen vierjährigen Knaben. Die Insassen wollten nun das schwerverletzte Kind ins Krankenhaus bringen, auf dem Wege dorthin überfuhr das Automobil ein sechsjähriges Mädchen. Ter Knabe ist bereits gestorben, das Mädchen sclpvebt in Lebensgefahr. * ©in schweres Automobilunglück ereignete sich am Dienstag vormittag in Bred ach bei Saarbrücken. Erne Saarbrücker Taxameter-Auto-Droschke mit vier Arbeitern, die eine Vergnügungsfahrt machten, schlug um, da der Führer die Gewalt über die Steuerung verlor. Bon den vier Insassen wurde einer getötet, einer schwer verletzt. * Schwerer Unfall des Orientexpreß. Aus Passau wird gemeldet: Im Orientexpreßzuge, der abends 8V2 Uhr in Nürnberg eintreffen sollte und eine zweistündige Verspätung hatte, platzte aus unaufgeklärter Ursache der Kessel der Lokomotive. Heizer schwer verbrüht, Führer erheblich verletzt. * Er n n eu er Spr en g stoff. Professor d ' Ars onval in Paris teilte in einem Vortrag über flüssige Gase mit, daß es ihm gelungen sei, einen neuen Sprengstoff herzustellen, indem er Ruß mit flüssigem Gas durchtränkte. Die Sprengkraft dieses Stoffes, mit dem jüngst in einem Steinbruch Versuche vorgenommen seien, übertreffe die des Dynamits um das zehnfache. * Erdbeben. Aus Ottawa, 28. April, wird gemeldet: Heute abend 7.40 Uhr wurde im westlichen Quebeck am östlichen Ontario ein Erdbeben beobachtet. Cs wurde fast in ganz Quebeck verspürt. Das Teleskop des hiesigen Observatoriums wurde zerstört. Das Gerücht, daß das Observatorium selbst zerstört worden sei, ist falsch. Lackfarbe über Nacht trocknend, bester Fußboden Anstrich, 'h-kg B. Mk. 1.-, 1.20, 1.80 Uhu. Leinölfirnis, Sitkativ, Pinsel, Fußbodeu-Ocl, Pliologr. Ippnle Metall-Stative, Albums Mittel in weiß, farbig, gestr.l 9C zu 3.50 2.00 1.50 und I,Äd aso/4 1. Salomon i Cie. bis August 1906 aus dem Kirchenvermögen 4450 Mark abgehoben. Bis zu dieser Zeit waren aber überhaupt noch feine Zahlungen für die Reparaturen fällig. Er hat mit dem Gelde auch keine Zahlungen geleistet, sondern den größten Teil des Geldes zur Begleichung von alten Privatschulden verwandt. Der Kläger war stets verschuldet, als er von Bausenhagen fortging, waren ihm seine sämtlichen Möbel gepfändet, und zwar überwiegend für Weinsckmlden, aber auch für andere Sachen. Wir stellen ferner unter Beweis, daß der Kläger zu jener Zeit 4000 Mark nach Berlin für eigene Zwecke gesandt hat. Auch hat er einen Betrag von 500 Mark aus einem Holz verkauf nicht nachgewiesen. Ferner wird behauptet, daß der Kläger ans der Kirche Schmuckgegen- stänüe fortgenommen und nicht wieder zurückgegeben hat. Zeuge Landwirt KißMar (Bausenhagen) war Mitglied des Kirck-envorstandes und betilnbet, daß der Pfarrer etwa 10 OOO Mark des Kirchenvermlögens von der Sparkasse abgehoben habe. Ter Kird-envorstand verlangte RechnungsleguM, konnte aber keine bekomm en. Der Zeuge fuhr bann mit einem anderen Mitglied des Kirchenv0rstandes zum Bischof nach Paderborn und führte Beschwerde. Der Pfarrer legte bann auch Rechnung, aber nach Ansicht des Zeugen hat nicht alles gestimmt. Ter Zeuge erklärt weiter, daß der Pfarrer zur Vornahme von Reparaturen am PfarrHause die Genehmigung der Gemeindevertretung brauchte, bie habe er,aber nicht gehabt, die Abhebung der 10 000 Mk. von der Sparkasse sei also unbereckstigt gewesen. Bert.: Sah man die Sache so an, als ob er die Gelder für sich verwandte? Zeuge: Jawohl, diese Ansicht herrscht auch heute nodj allgemein. Zeuge Zimmermann Kaufe war ebenfalls Mitglied des Kirchenvorstandes in Bausenhagen. Er erklärt, daß die vonr Pfarrer veranlaßten Reparaturen ganz geringfügig waren, so daß unmöglich nahezu 11 000 Mk. dafür gebraucht werden konnten. Bert. Rechtsanwalt Franck: £>at der Pfarrer nicht einmal aus den Waldungen der Kirche Holz schlagen lassen und für 500 Mark verkauft, die er nicht verrechnete? Zeuge: Jawohl. Zeuge Pfarrer Salm ist als Nachfolger des Privatklägers nach Bausenhagen gekommen. i$r fand mehrfach die Ansicht vertreten, daß Pfarrer Hille mehr Kosten verrechnet hatte, als wirklich vor- handen waren. Während seiner Amtszeit seien Rechnungen über große Weinbestellungen des Privatklägers bei ihm eingelaufen. Er habe auch davon gehört, daß Schmuckgegenstände aus der Kirche verschwunden sein sollen. Privatl'läger Tr. Hille erklärt hierzu, daß er die Sachen an einen Gol barbeit er in Bochum' für 12 Mark verkauft habe. Tas Geld sei zürn' Schmuck des Hochaltars verlangt worden. Bert. Rechtscknwalt Franck stellt fest, de»ß fcer Pfarrer dieses Geld nicht verrechnet habe. Dr. H i l l e^erklärt hierzu, er habe abrechnen wollen, sein Nachfolger Salm sei aber nicht zu sprechen gewesen. Zeuge Pfarrer Salm bezeichnet dies als falsch. Zeuge Pfarrer Klugge (Hembsen) hat einmal bei Dr. Hille zwei wertvolle Manschettenknöpfe liegen lassen. Ter Zeuge mußte Dr. Hille mehrmals auffordern, ihm die Knöpfe zurückzuschicken: er hat sie erst nad} längerem Drängen zurückerhalten. Tas Urteil des Gerichtshofes lautete gegen den Küster Risse auf eine Geldstrafe von 150 Mark. Von der Anklage der tätlichen Beleidigung mürbe er freigesprochen. — In der Nrteilsbeqrünbung wurde ausgeführt, daß der Wahrheitsbeweis, der sehr streng geführt merben müsse, nicht erbracht worben sei. Ter Schutz des § 193 habe dem Beklagten nickst zugebilligt werben können, denn in einem schiedsgerichtlichen Termin hätten sich die Parteien zu einigen und nicht brüte Personen zu beleidigen. Fr. teerie Seltersweg 81 Tel. 1093 Bielefeld. Herrenwäsche Allein-Verkauf Krawatten Marke Gold-Globns a.Export-Äepfelwein in Flaschen u. Gebinden. [”•* Emil Schmal! Täglich frischen empfiehlt 2949 J. ÖCIingelhöfer Wettcrgasse 5 Tel. 707 ►en, in die W nb der die Wünschen, ohne Ai hat, fiir jeden Erd' htc dieser Svnnr H. B. Halle. — In Erlangen ist am 27. April der ordentliche Pra- sesfor der klassischen Philologie und der Gymnasialpädagogik an der dortigen Universität, Dr. Adolf Roemer, im 70. Lebensjahre gestorben. — Prosessor Dr. jur. Hans Gmelin in Frei- durg i. Br. hat den Ruf als außerordentlicher Prosessor für ofienb liches Recht an die Universität Kiel als Nachfolger dou Prosessor E. Kaufmann angenommen. — Geheimrat Universitätsprofessor Dr. Sigmund Ritter von Riezler in ifflün eben feiert am 2. Mai seinen 70. Geburtstag. Prosessor v. Riezler ist ein geborener Münchener. Sä I XI Sww I 1*1=1 unb I bl? w« I ; manche I T™" [te I GNtai faqt I = Siatunajfn, I ' meint er I ) 2tt Jenseits | ' '"» man sich I °er unendliche I Uw daß sich jn I Wn Werden I kurze M I t einzige Mch । MMnigfachen ?c erfaßt, auch fopden an sich, kunstvoll zu \ dieser scharf > das Menschen- ueden gibt, die sie die Grenzen Glauben ba> dem Menschen- iß sie mir nach «m ist, sondern sie trachten selbst arbeiten, iiarf in Zelbft- ^undFriÄen. daß das Dies- gung gibt, sie •' prechen oft mit gen, daß ich P j 0 meine Heimei i turforschcr fein $ verweltliche Ziel ■ ist. Jesu Reich x iefer Welt; aus L rt, irie er getan k eine ewige, um E Jr her leben, das U war an Kultur, ■ en Drucke stand, n , daß der lob K trennen werde, i;: ifefaft mit ben ' I yüat xivc miv oJöci eine M Die Denkenden Back- nnd Häufel - Pflüge in versch. Ausführungen empfiehlt [2825 M. Rosenthal, Liebigstr. 13. Fernsprecher 77. Tausendfach bewährte Nahrung bei: Brechdurchfall, Diarrhöe, ■Krankenkost Darmkatarrh, etc. n:Ennien freubi? find sich abe^ stiche Erkenntnis ndcte Glaubens , Recht zu nelM, ; Ä. 'M Ard rilNS. Ticbl1^ j ,ii leü^ rHib,j j des Steigerten MLetpreises tm Betrage von 24 Mk. z-u. zahlert. Drc^ Gesuche der Lehrer Weil unb Müller wurden ab gelehnt. Das Gesuch des Gemeindeeinnehaners Ludwig Möbus, seine Dicustkaulion von 10000 auf 7.500 Mk. herabzusetzeu, wurde gegen die Stimme des L. Deibel ge- neymrgt, du auch andere Rechner kaum die Hälfte zu stellen haben. iDie von Weller ausgesprochene Beleidigung gegen den Genreindercrt soll er durch einmalige Veröffentlichung im Gießener Anzeiger und in der Oberhess. Volkszeitung als unwahr zurücknehM-en. Andernfalls soll ein gerichtliches Berprhren gegen ihn eingelertet werden. Zum Schluß verl-as der Bürgermeister nock) ein Schreiben, in dem das Kreisamt denr in den Ruhestiarrd ,getretenen Gemeindeeinnehmer H. Lang für seine 29jährige überaus zuverlässige und tüchtige Führung der GemeindeLisse seinen besten Tank zum Ausdruck bringt. Auch vom gesamten Ortsvorstand wird Herrn Langs Tätigkeit allgemein anerkannt und dem Wunsche ^Ausdruck gegeben, daß ihm ein recht ruhiger und glücklicher Lebensabend im .Kreise seiner Familie und der gefantten Gemeinde beschiedan sein möge. Starkenburg und Rheinhessen. rm. Darmstadt, 29. April. Ein Ans schreib en hat heute die Staatsanwaltschaft gegen einen Unbekannten erlassen, der ani Sonntag Abend zwischen 8 und 9 Uhr aus der Landstraße zwischen Ober-Liebersbach und Mörlenbach ein sechsjährigeSMadchen überfiel undver- gcwaltigte. Nach der Beschreibung hat der Bursche schwarzen Schmirrbart und eben solches langes Kopfhaar, eine gesetzte mittelgroße Statur, 1,60 bis 1,65 m groß, grauen zerrissenen Anzug mit schwarzen Flicken, schwarzem Filzhut mit zerrissenem Band und gernfjenen Schuhen. Hessen-Nassau. W. Frankfurt a. M., 29. April. Die Firma I. Adler jun. hier, Inhaber Henry, Albert und Max Rothschild, feiert morgen ihr 50jährigeS Geschäftsjubiläum. Die Firma, die sich zu einer der bedeutendsten Schrot-Firmen DecitschlandS entwickelt und außerdem eine bedeutende 2lb- teilung für Eisenbahnbaccken eingerichtet hat, besitzt Filialen in Berlin, Düsseldorf, Duisburg, Dortmund, Leipzig und München und hat eigene Niederlassungen in Mailand und Zürich. w. B aL> Soden, 29. AMI. Heute morgen 6 Uhr traf vi-e Fürsten Witwe von Schwckrzburg-Sonders- huusen mit Gefolge von Italien Lommend- hier ein. Central - Drogerie ””1 Emil Karn. Schulstr. Sänttl. Rttd. z. Fabr.-Pr. unt. Gar. an Händler. Prosv. gratis. [02962] Krcnz 9 1. KlMn-Mgme tiebr. Michel Tel. 477. Walltorstr. 29. Runkelrüben-Samen En.xä. llaygras Italienisch. Raygras la. Brassamen Mischungen für Zier- und Bleichrasen sow. f. Wiesen Ferner Blumen - Stäbe. Rosenpfähle in Holz und Bambus, Etiketten ctc. empfiehlt WM, Pies» Samenhandlung 2703 Teleph. 403 Kirchstr. 13 in bekannter Qualität roro. prim KiW l it uni) sllcMstigeukcmse empfiehlt zu billigsten Tagespreisen 2839 W. Hantel Tel. 612. Neuen Baue 7. In Stadt M Land ist es bekannt, wer Herd und Oesen brnudjt sie nur beim Hauser kauft, denn er hat bekannterweise die größte Auswahl und 1818s billigsten Preise J.ELMäuser Neustadt56 Tcleplion660 Spezial-Ausstellung Rodbeimcr Straße 42. Prima naturreinen Apfelwein eigener Kelterei empfiehlt Ph. Sommerkorn, Bleiw- straße 10.(2339 Prima srifchgestochene Spargel iMig bie ti«* ■ .... Mch »leischbes^ L S"= ;■ '* Ti Bilder mit und ohne Nahmen AnraljUMgen in allen Preislagen BilMeito u. Glas auch kleine Posten billigst Helm Mill CHaaermeister Kanzleiberg 7 Telephon 575. v A M e Niqnn Cafe Ebel. Telephon 586 Inh. Karl Ohm Bürger ab en 9 Best bekanntes Speisehans • Dine^ cs„°°pers W Ab 1. Mai täglich: Konzert Tyroler-Kapelle Edelweiss Anfang 7*/, Uhr. 2984 Sonntags 31/» Uhr. Artillerie-Verein. Der Himmelfahrt-Ausflug findet wie folgt statt: v20/« Abfahrt 810 nach Wetzlar. Dann zu Fuh durchs Siebenmühlental—Honigmühle—Braunfels (2*/$ Stunden). Nachzügler l30 oder 3l! mit Sonntags- karre nach Braunfels. Treffvunkt: Brauerei Wahl. Der Vorstand. Ml! Himmelfahrt: Großes hunrpDgti Mr Ausflügler zu jeder Tageszeit Speisen und,Ke- tränkc vorrätig. Billigste Preise. — Für Vereine reservierte Säle. C3A.V m am Himmelfahrttag. Tanzmusik Himmelfahrttag: Tanzmusik im Freien. Bringe gleichzeitig für Ausflügler meinen beliebten Apfelwein in empfehlende Erinnerung. Es ladet ergebenst cm WilhelmWaaner, Gasthaus Germanin Grotzen-Buseck. 03587 Lollar Tanzmusik am Himmelfahrttage Zur schönen Aussicht wozu ergebenst einladet Karl Meister. 2978 Anfang nachmittags 4 Uhr. L V. Alg. I. Znstr. M. v»/. Philatelistenverein Giessen. Sitzungen jeden 1.u.3.Freitag im Monat abends 9 Uhr im Caf6 Ebel. Gäste willkommen. 2963 Die Abfahrt nach Bieber erfolgt nicht wie angekündigt, tiF* Mir, sond. schon 7" Uhr. v*0/«______Ter Vorstand. . StensgraßteB- Gesellschaft Giessen. Einladung zum Himmelfahrtausflug des Vereins von 1861 nachher Hcmgmhlc bei Wetzlar. Abfahrt 6"Uhrnach Butzbach v*°/4 Der Vorstand. Gieß. Sportverein v. 1900 Himmelfahrt-Tour Bntzbach-Solmsbachtal Abfahrt 641 Uhr norm. 103674 Am Himmelfahrttag: Gemeinschaftlicher Ausflug mit der Marburger Liedertafel nach dem Staufenberg. Abfahrt 2°7U6r nachmittags. v30/« Ter Vorstand. Gesangverein „Heiterkeit“. Am Himmelfahrt tage Tour über A!ba>tz, Wckerfcld nach Lmbch. Abmarsch 6'/, Uhr norm, icke Licher Straf?c. Für achzügler 1234 und 216 Uhr eSolmser Hof, Laubach,. v90/«] Der Vorstand. Amieitia. Himmclfahrttag Ausflug nach Annerod über Hochwart. Abmarsch mit Mmilie um 2Vo Uhr vom Ludivigsvlatz. Treffpunkt für Nachzügler Wirt Engelhard. 03659 Der Vorstand. Aus dem Wiesecker Gcmeindewald find tu. 2000 verschulte Fichtenpflanzen abzmleben. B30/* Wieseck, am 29. April 1913. Schomber, Bürgermeister. Mützer IrrhBfl i N MlieUßerHttrell-Anziige auf Teilzahlung. Wiaiitni» ftött '^32.- jetzig 26 _ B Anzahlung Jt 8.— g A Anzüge KX’Ä 38.-1 A Anzüge fiXfeS&f 36.-1 8 ttlitrtc* itatt 48. , jetzt