m. 99 Zweiter Blatt (63. Jahrgang Erscheint lagckch mit Ausnahme des Sonntags. Die „«iehenrr Zamilienblätler" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beiqelegt, das „Kreisfclott für den Kreis Eiehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit» fraget»" erscheinen monatlich zweimal. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhefte« Dienstag, 29. April M3 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäls - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: e^as>51. Redaktion: ^^112. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen. Die wchroorlage im vudgetaurschuff. :s: Berlin, 28. April. Der Budgetausschuß des Reichstags begann beute mit der Beratung der Wehrvorlage. Der Vorsitzende Dr. Spahn schlug vor, zwei Lesungen vorzunehmen, und zwar zunächst je die erste Lesung der Wehr- und dann der Deckunasvorlage und dann erst die zweite Lesung. Gegen den sofortigen Beschluß zweier Lesungen wurden von nationalliberaler Seite Bedenken erhoben, denen sich ein Vvlksparteiliches Mitglied anschloß. Wenn das Ergebnis der ersten Lesung vorliege, könne man sich immer noch zu einer zweiten Lesung entschließen. Insbesondere sei auch eine Festlegung der Reihenfolge der Lesungen im jetzigen Augenblick unzweckmäßig. Auch die Sozialdemokratie äußerte sich gegen eine Bindung im jetzigen Augenblick. Dagegen unterstützt ein konservatives Mitglied den Vorschlag des Vorsitzenden. Tie Erörterung spitzte sich schließlich auf die Frage zu, ob die Beratung der Teckungsvorlagen zwischen der ersten und zweiten Lesung der Wehrvorlage vorgeiwmmen werden soll. Tas Zentrum- erklärte, daß diese Verbindung notwendig sei, denn es handle sich um die entscheidende Frage: keine Ausgabe ohne Deckung, also auch die Wehrvorlage nicht ohne Deckung. Der Kriegsminister erklärte, daß die verbündeten Regierungen den größten Wert darauf legen, daß die Verabschiedung des Gesetzes bis Juni ermöglicht werde, damit die Durchführung bis zum 1. Oktober möglich sei. Ein nationalliberales und ein volksparteiliches Mitglied wandten sich wiederholt gegen die von Zentrumisiseite der Sache sofort beigelegte politische Seite der Geschäftsordnungssrage. Um nicht gleich zu Beginn diese politischen Auseinandersetzungen zu bekommen, sei es doch gerade zweckmäßig, die Beschlußfassung auszusetzen. Schließlich wurden zwei Lesungen in Aussicht genommen; ein eigentlicher Beschluß wurde aber nicht gefaßt. Offen blecht die wichtige Frage der Reihenfolge der Lesungen. Zu Beginn der sachlichen Beratung gab der Berichterstatter Gans Edler 5) e r r zu Pntlitz einen Ueberblick über die Wehrvorlage. Nach längerer Geschäftsordnungsbebatte wird beschlossen, die Hauptaussprache zu gliedern nach den GesickchSPunkten: 1. Ist die Vermehrung der Rekrurerrzahl notwendig, 2. ist sie mö^ich und 3. wie, in welcher Organisation soll sie nutzbar gemacht werden? Der Mitberichterstatter Abg. Erzberger hob die Notwendigkeit hervor, die Grenzorganisatwnen zu erhöhen. Gegen die neuen Bataillone werde sich nichts einwenden lassen. Anders liege es jedoch mit den geforderten neuen Kavallerieregimentern. Was die Möglkchkeit der Steigerung der Relrutenzahl anlangt, so äußerte der Abg. Erzberger Bedenken. Nach den bisherigen Äushebungsbestimmuilgen standen nur 23 000 Mann mehr zur Verfügung, so daß also 40 000 Wann fehlen würden. Ein Herabgehen in den körperlichen -Ansprüchen wäre bedenklich. Ein sozialdemokratisches Mitglied suchte nachzuweisen, daß die auswärtige Lage die Heeresvorlage in keiner Weise rechtfertige, und befürwortete eine Verkürzung der Dienstzeit. Der K r i e g s m i n i st e r verwies bezüglich der auswärtigen Lage auf die vertraulichen ErUärungen des Reichskanzlers. Eine Stärkung der an den Grenzen stehenden Organisationen "ici notwendig. Er lege, nicht den größten Wert auf die Ziffer, aber ganz beiseite lassen könne man die Ziffern mäßige U e b erlege nh eit Frankreichs und Rußlands auch nicht. Run sei der Moment gekommen, wo man das Verhältnis vrcht mehr weiter ungünstig bestehen lassen könne. Jede Verstärkung des Mannschastsstandes bedeute eine Erleichterung der Mobilmachung. Von Neuförmationen habe man Abstand genommen, weil dazu ungleich mehr Offiziere und ungleich mehr Material benötigt werde, die Kosten würden sich also hierdurch ganz erheblich steigern. Der jetzt beschrittene Weg führe am schnellsten, am sichersten und am billigsten zur Verbesserung und Vemrehrung des Heeres. Der Hinweis auf die Leistung bulgarischer Truppen mit kurzer Dienstzeit sei hinfällig, denn diesen Truppen standen vielfach Rekruten gegenüber. Ein volksparteiliches Mitglied begründet einige Entschließungen. Ter Reichskanzler soll u. a. ersucht werden, dahin zu wirken, daß endlich die zugesagten Ersparnisse auf anderen Militärischen Gebieten gemacht werden. Weiter wird gefordert: Beibehaltung der rücksichtsvollen Anwendung der Bestimmungen über Befreiung vom aktiven Heeresdienst infolge bürgerlicher Verhältnisse, Bekämpfung der Soldatennrißhandlungen und Reform des, militärischen Beschwerderechts, sowie eine Revision des ehrengerichtlichen Verfahrens gegen Offiziere. In der Gesamtbeurtei- hmg erkannte der freisinnige Vertreter an, daß die Verbesserung der Mobilmachung notwendig sei durch Verstärkung des Mann- sckmftsbestandes. Tiefer Weg sei der Bildung von neuen Codres vorzuziehen. Wesentlich sei eine Antwort auf die Frage, ob die Vermehrung ohne Verringerung der Tüchtigkeit der Mannschaften sich durchführen lasse. In weiten Offizierkreisen hege 'm an auch die größten Befürchtungen hinsichtlich der Führung der Riesenarmeen der Zukunft. Generalleutnant Wandel trat in eingehenden Ausführungen der Besorgnis entgegen, als ob die geforderten Rekruten nicht aufgebracht werden könnten. Ter K r i e g s m i n i st e r erklärte gegenüber dem volksparteilichen Redner, daß in der Tat die Schwierigkeiten bei der Führung der großen Armeen außerordentlich wachsen. Es sei aber zu berücksichtigen, daß durch ftramlme Einteilung und Dezentralisation doch die Führung erleichtert werde. Ein polnisches Mitglied bemühte sich, die russische Gefahr kleiner hin- zu stell en; in der russischen Armee herrschten vielfach fürchterliche Zustände. Tie Sozialdemokraten stießen ins gleiche Horn imb suchten wiederum das Milizsystem zu verteidigen, und zwar auf Grund der Siege des preußischen Heeres im1 Jahre 1813, das nur milizähnlich gewesen sei gegenüber der französischen Amiee. Auch Beitritten sie die Angaben des Generals Wandel über die Tauglichkeit. Demgegenüber gab ein national- liberales Mitglied seiner Befriedigung darüber Ausdruck, daß nach den bisherigen Musterungsergebnissen Deutschland in der Lage ist, auch weiterhin die m-forderliche Zahl von tauglichen Rekruten auszubriugen. Die Verhältnisse in der russischen Armee seien ja allgemein bekannt, aber soweit diese für Deutschland günstig seien, seien sie schon berücksichtigt bei der ganzen Begründung der Vorlage. Die Einschätzung der französischen Atzm'ee von 1813 durch die Sozialdemokratie sei durchaus falsch. Jin großen und ganzen handelte es sich um1 eine Rekrutenarmee, mit der nur ein Genie wie Napoleon etwas anfangen konnte. Tie Truppen hätten vielfach keine Geschütze, der Kaiser selbst habe wiederholt von seinen „Coiiscribierten", seinen „Kindern" usw. geredet. Aehnlich wie mit den französischen Truppen war es mit den Truppen der Rheinbundsstirsten. Auch ein Zentrumsmitalied trat den Versuchen, die russische Armee als nicht aktionsfähig hinzustellen, entgegen. Zum Schluß der heutigen Sitzung Wurde der Wünsch! ausgesprochen. daß bei den weiteren Verhandlungen eine Vertretung des Auswärtigen Amtes und des Reichskanzlers anwesend ist. Preußischer Herrenhaus. Berlin, 28. April. Das Herrenhaus trat heute in die Beratung des Voranschlags ein. Beim Voranschlag des Finanzministeriums konnte der Finanzminister Dr. L e n tz e den Wünschen der Altpensionäre auf Erhöhung ihrer Bezüge Erfüllung nicht in Aussicht stellen. Die Sache soll zwar noch eingehend geprüft werden, aber er kann vorläufig nicht zusagen, daß man dem Beschluß des andern Hauses (Gewährung von Teuerungszulagen in Form einer Kinderzulcrge) beitreten werde. , Das Haus erledigte dann in rascher Aufeinanderfolge die Voranschläge der direkten Steuern, der Landwirtschaft, des Abgeordnetenhauses usw. Beim Voranschlag, der Allgemeinen Finanzverwaltung konnte Graf Yorck zu Wartenburg seine Ungeduld nicht bemeistern, Deutschland bald einmal seine Stellung in Europa mit dem Schwert verteidigen zu sehen. Der Herr Gras glänzte weithin durch die Entdeckung, daß der Vater des "Wehrbeitragsgedankens Servius Tullius ist, dem er ein Denkmal in Berlin wünscht. Dann kam der Redner auf die 'Deckung der dauernden Ausgaben zu sprechen und leitete damit eine Steuererörterung ein, die das Haus noch längere Zeit beschäftigte. Preußischer Abgeordnetenhaus. B e r l i n, 28. Ätztril. Heute wurde Zunächst der Gesetzentwurf, betreffend Umlegung von Grundstücken in Griesheim a. M. von der Tagesordnung äbgesetzt. Bei dem Gesetzentwurf, betreffend die Abänderung des E i s e n b a h n g e s e tz e s von 1838 regte der Minister wiederholt an, von der Durchberatung des Gesetzes abMsehen. Der Abg. Dr. Friedberg (Natl.) stellte einen demtent- sprechenden Antrag, der aber abgelehnt wurde. Darauf wuvde die Novelle in dritten Lesung angenommen. Es folgte das Eisenbahnanleihegesetz in zweiter Beratung. Zur Erweiterung, Vervollständigung und besseren Ausrüstung des Staatseisenbahnnetzes, sowie zur Beteiligung des Staates an Kleinbahnen werden 541 Millionen gefordert. Der Budgetausschuß hat an dem' Entwurf nichts geändert. Der Gesetzentwurf wurde nach kurzer Besprechung unverändert angenommen. Und dann zogen Bittschriften heran, im ganzen waren es ihrer 88, die den Bau neuer Bahnen, den Ausbau von Nebenbahnen, Bahnverlängerungen, Errichtung von Haltepunkten usw. als unerläßliche Notwendigkeiten forderten. Es marschierten da Gegenden und Ortschaften auf, die auch dem' geographie- kundigsten Gemüt mitunter als sogenanntes Novum erschienen. Natürlich schenkten sich die meisten Abgeordneten, die mehr oder weniger rührendere Schilderungen der Notlagen, in denen sich no chso viele «Orte unseres Vaterlandes infolge fehlender oder mangelhafter Bahnverbindungen be- ftnden sollen, so daß das Haus zeitweilig eine gähnende Leere aufwies. Die Nieder-Modauer Genossenschaftskrise. bs. Darmstadt, 28. ApriN Die heute fortgeführte Zeugenvernehmung im Nieder-Modauer Prozeß brachte keine neuen Gesichtspunkte. Ein Zeuge, Adam Gruß, Straßenwärter aus Frankenhaüsen, hat einmal von Beck 100 Mark bei einer Auszahlung zu viel erhalten, die er zurückerstattete. Zeuge Kreisrat Wagner von Dieburg war bei der stürmischen Generalversammlung am 16. Dezember 1911 zugegen. Als Ursache der Erregung sieht der Zeuge die Abtretung der beiden Schuldurkunden (275 000 und 52 000 Mar0 an die Landwirtschaftliche Genossenschaftsbank an. Der Zeuge hat getan, was er tun konnte, um eine Einigung zu erzielen. Es fiel ihm auf. daß die Bank sich zur Hergabe von 1 Mill. -Mark entschloß, die zur Auszahlung an die drängenden Spareinleger benutzt werden sollte. Er schildert dann, wie der Zusammenbruch der Kasse in seinem Verwaltungsbezirk sich unheilvoll bemerkbar mache. Längere Zeit nimmt die Vernehmung des Zeugen Geh. Justizrat Kleinschmidt in Anspruch, der Rechtsbeistand der Landw. Genossenschafts-Bank war. Er wird im einzelnen über die vor- genommenen Beglaubigungen, Urkunden, Zessionen usw. befragt, lieber die inneren Angelegenheiten der Bank weiß der Zeuge aber keine Auskunft zu geben. Seine Tätigkeit erstreckte sich nur auf die formale Prüfung der Urkunden. Im März 1908 erhielt der Zeuge von der Bank den Auftrag, alles zu tun, um von der Kasse weitere Sicherheiten durch Hppothekeneinträge usw. zu erwirken. Sonst sei zu befürchten, daß die Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder, wenn sie die verworrenen Zustände kennen lernten, ihr Vermögen dem Zugriff entziehen könnten. Geh. Rat KleinsckMidt stellt dem Angeklagten Ihrig das Zeugnis eines arbeitsamen und tüchtigen Menschen aus. Der nächste Zeuge, Rechtsanwalt Dr. Guckenhcim-Offenbach hat sich gleichfalls an der stürmischen Sitzung beteiligt. Nach der Ansicht des Zeugen waren die von Ihrig gemachten Sanierungsvorschläge brauchbar. Ein anderer Zeuge, Dr. Fitting, trat am 30. November bei der Landw. Genossenschafts-Bank ein. Er wurde mit den Sanierungsarbeiten von Nieder-Modau betraut. Da es ihm aber an der ausreichenden Erfahrung gefehlt habe, konnte er einschneidende Maßnahmen nicht treffen. Er behauptet auch, dem Rechner Neff Anweisung gegeben zu haben, weitere Die Eröffnung der Berliner Zezessions-Aurftellung. Ans Berlin wird uns geschrieben: Die jüngste Ausstellung der Berliner Sezession, die am Sonnabend eröffnet wurde, bedeutet eine gute künstlerische Tat. Mit erfreu! idjer Entschlossenheit hat die neue Leitung ihre Aufgabe angegriffen. Eine neue Unruhe ist über das Reich der Künste gekommen, um neue Probleme hat ein heißes Ringen begonnen, und mannigfach sind die Wege, auf denen Man zu ihrer Lösung gelangen will. Davon mußte die Sezession Kunde geben, sie durste sich nicht in satter Ruhe mit den: Erreichten begnügen. Daß sie die Stürmer und Tränger in ihre Ausstellung ein bezog, war ihre .Pflicht: daß sie durch sorgsame Auswahl die Ziele in ein helleres Licht rückte und 'so zur Läuterung der gährenden Kräfte mitwirkt, ist ihr Verdienst. Man kann ihr feinen Vorwurf daraus Machen, daß sie um dieses Zieles willen eine Anzahl Künstler, die sonst in diesen Ausstellungsräumen vertreten waren, ausschloß. Es mag hart gegen einzelne erscheinen, aber ging nicht in früheren Jahren stets die Klage, es wären zu viel Mitläufer da, die das Niveau herabdrückten? Ob die Aussonderung in allen Fällen gerecht war, wird kaum' zu entscheiden sein: Ansicht steht 'hier gegen Ansicht. Aber die Absicht bleibt zu loben. Nur auf diesem Wege kann die Sezession . weiter der Entwicklung der Kunst dienen. Im Vorwort des Katalogs wird resigniert davon gesprochen, daß die Ausstellung vielleicht nur für den Künstler sei. , Der Künstler soll sich mit den neuen Problemen auseinandersetzen. lieber die Zufälligkeiten einer Ausstellung - hinaus wird hier mit überlegter Anordnung ein Ueberblick geboten, der tron Ausgangspunkten der modernen Malerei, die heute schon klassische Geltung haben, bis zu ihren neuesten Ansätzen führt. Klare Gliederung zeichnet die Ausstellung aics, wie sie auxfy in einem geschmackvoll erneuten Rahmen, in übersichtlicher gestalteten Räumen mit ferner abgestimMten Farbentimen der Wände vorgefiihrt wird. Ter Besucher, der dem' sehr praktisch angeordneten Katalog folgt, wird von reifen und anerkannten Leistungen mit einigen vorbereitenden Zwischenspielen hinüber geführt in das Reich, des Neuen und Problematischen. Die jrtoci ^Entwicklungsrei Heu der deutschen und der franz ö- sischen Malerei laufen nebeneinander her. Von Renoir bis zu Matisse geht die Linie, von L a i b l bis zu Pechstein. Cezanne und v. Gogh geben den Ton an, der heute so kräftig weiter schwingt. Von beiden sieht män Landschaften und Sttlleben von reifer Schönheit, von Gesamte auch eine überraschende Nachtszene „Ter Mord" von düsterer Wucht. Und als „Kunst, die schon über den Kämpfen der Zeit steht", wirken auch die Sammlungen von Liebermann und T r ü b n c r, die beide den steten Aufschwung von ihren Anfängen bis zu ihrer Gegemvart veranschaulichen. Slevogl zeigt Stilleben von feinster Delikatesse der Farbe, Corinth tritt diesmal zurück. Max B e ckmcin n hat neben der „Sensation" in der Ausstellung dein „Untergang der Titanic", einem Riesenbild, das trotz erstaunlicher Mcklerei int einzelnen die Größe der Tragik, in der das Ereignis vor unserer Phantasie steht, nicht erreicht, das Gruppeu- bud einer Familie gesandt, das von wundervoller Geschlosseitheit lM Ton und in der Komposition ist. i$m „Retter am Meer" von Berneis hat einen großen Zug. Von bett Brandenburg und Baluschek, von den zarten Winterstimmungen aus St. Moritz von Kurt Hermann, von Heinrich mtb Ullrich Hübner, der einen neuen lockeren Farbenauftrag zeigt, und all den andern beivährten Mitstretterit der Sezession wendet sich das Interesse zu bemJ Saal der Jungen, der auf den erften Anblick wild genug erscheint und doch viel ernstes Streben enthüllt. Auch schon gutes Können: Max Pech steins Still- leben sind nicht nur bloße Ansätze, hier hat eine neue Farben - harmonik bereits eine zwingende Lösung geformt. Von der Jugend wird nach ausftihrlicher zu sprechen sein. Für die Plastik ist ein neuer Rautst gewonnen. Aus dem Hauptsaal öffnet sich durch! große Rundbogen ein reizvoller Ausblick auf den dahinter gelegenen Längsraum, dessen tiefblaue Wände einen wirkungsvollen Hintergrund abgeben für die Werke der Plastik imb das großzügige dekorative Gemälde „Ter Tanz" von Matisse, dessen starken Farbendreiklang und Linienrhythmus schlagkräftig wirken. Es sind nur wenige Werke der Plastik, aber auch hier zeigt sich neues Leben. Barlachs Holzskiilpturen sind außerordentlich: daneben stehen neue Tierplastiken Gauls und der seine Römerkopf Van de Veldes von Kolbe. * Deutscher Einfluß aus die englische Erziehung. In diesen Tagen, in denen ein gewisser Ausgleich des politischen Gegensatzes zwischen Teutschland und England unverkennbar ist, wird eine Veröffentlichung, die sich eines besseren gegenseitigen Verständnisses zwischen beiden Ländern zur Llus- gabe macht, ein besonderes Interesse finden. Die fünf Vorlesungen, die von den hervorragenden engliWn Universitätslehrern I. H. Rose, E. C. K. Conner, M. E. Sadler und C. H. Herford über die politische und volkswirtschaftliche Gescknchte, über die Erziehung, den Geist und die Literatur Deutschlands im vorigen Jalirhundert, an der Universität Manchester gehalten tvurden und die bereits bei ihrer Veröffentlichung mit einem Geleitwort von Viscount H al dan e in England ein leb - Haftes Echo wackten, liegen .jetzt in deutsche llcbertragung von Karl Breul vor („Deutschland im neunzehnten Jahrhundert", Berlm, Karl Siegismund). Mr l>eben aus dem reichen Inhalt einen Abschnitt aus dem BÄtrag Prof. Sadlers, des bedeutendsten Pädagog-en Großbritanniens hervor, der von item1 deutschen Einfluß auf die englische Erziehung handelt. Der Erfolg des preußischen Heeres in dem Kriege mit Oesterreich mii Jahre 1866 lenkte die Aufmerkfamkett auf den mckttärischen Wert der Jntelligeiy unb Disziplin, welche durch die sorgfältig durchgeftihrte Organisation der vom' Staate imtersttitzteir Schulen durchs das , ganze, deutsche Volk verbreitet worden ivaren. Der auf diese Weise auf das Publikum gemachte Eindruck war ein Faktor, welcher im Jahre 1870 zur Turchbringung des Gesetzes über das Volksschulwesen führte und int Jahre 1876 »u, der darauf folgenden Annahme des Gnutdsatzes der allge- mevnen Schulpflicht. Von allen ausländischen Einftüssen auf die englischen Gedanken über Erziehung in den letzten vierzig Jahren ist so, mit Ausnahme der amerikanischen, der deutsche Einfluß der am meisten bildende und am tiefsten eindringende gewesen. Er hat iftie Stiife unserer Erziehung, vorn' Kindergarten bis zur Unwersität, berührt, Fröbel und seinen Nachfolgern verdanken wir hauptsächlich die sanftere und natürlichere Erziehung kleiner Kinder. Tie amtliche Definition des Zweckes der Volksschule, wie sie letzt in der Sammlung der Verordimngen des englischen Unterrichtsministeriums gedruckt ist, trägt den Stempel der Ideen Fichtes imd Herbarts. Schulhygiene und die ärztliche Inspektion der Schulkinder verdankt deutscheni Muster und deutscher Untersuchung viel. Viele der Verbesserungen in den Methoden des neusprachlichen Unterrichts lassen sickl auf die Arbeit Professor Vistors in Marburg unb seiner Mitarbeiter zurückführen. Der neue Begriff ber Fortbildungsschule, bic zugleich technisch imö humaniltisch, in unmittelbarer Beziehung zur Industrie, aber doch mit weitem bürgerlichen Zweck organisiert ist, ist hauptsächlich aus deutschen Quellen, und besonders anS den Arbeiten Tr. Kerschensteiners in München, abgeleitet. 9Iud) wird gewiß feiner, der die Geschichte der englischen Erziehung ttU neunzehnten Jahrhundert zu schreiben hat, verfehlen, auf den weitreichende Einfluß vieler unserer Mitbürger und Mitbürgerinnen deut- scher Geburt und Mkmtst Hinweisen, welche in ihr ent eigenen Kreise ober im großen Leben der Nation den Fortschritt neuer erziehlicher Ideen und Eilirichtungen gefördert haben Jeder der sich in England mit Erziehungsfragen beschäftigt, ist für das was er aus deutschen Schrifteii und deutschem^ Beispiel gelernt bat, zu Dank verpflichtet. Berlin, Jena, Marburg, Fiunk- W , M und München hüben alle in lwhem Grade die erziehliche Gedanlenwelt unseres Vaterlandes beeinflußt In drei BezielMngen ist der deutsche Einfluß im' englischen Erziehung^' wesen wahrend der letzten siebzig Jahre ganz besonders stark gewesen. Erstens hat er den Gedanken unterstützt, daß der Staat an der Regelung aller Grade ber Nationalerziehung sich ioirksam beteiligen muß. Ferner hat er das wissenschaftliche Studium osophie der Erziehung und der Lehrmiethoden auf das höchste angefeuert. Und endlich lyat er dazu ntitgeholfen, eine allgemeinere Annahme der Ansicht duvchtzusetzen, daß der Staat den materiellen Wohlstand der Nation durch snstematische Föiderunst der gelehrten und technischen Erziehung sowie systematisckZer wis- senschaftlichier Forschung vermehreii kann. Zahlungen nicht mehr zu machen. Der wiederaufgerufene Zeuge Neff ftertt dies in Mrede. Die Sitzung schließt um 12'° Uhr. Morgen sollen Teilte Zeugen vernommen werden, da die einzelnen Urkundenfälschungen festgestellt werden sollen. Vie Tätigkeit der Mitteldeutschen Arbeitsnachweis verbandes im März. Von den 26 Arbeitsnack-veisen des MittelderUschen Arbeit^ nachweisverbandes, die int Mar^ 1913 an das Stal. Amt berichteten (gegen 18 im März 1912) tourben 1)405 (6527) männliche und 4952 (4325) weibliche Personen vermittelt, zusammen 11357 (10 852)., Hiervon entfallen auf Alzey 8 (—), Aschaffenburg 50 (—), Bebra 48 (—), Bingen 99 (97), Butzbach 12 (—), Kassel 1162 (1039), Darmstadt 370 (272), Dieburg 14 (—), 'Frankfurt 5164 (5125), Friedberg 72 (108), Gernsheim (4), Gießen 122 (131), Groß-Karben 28 (—), Hanau a M 43 (45), Herborn 17 (16), Kreuznach 106 (68), Mamz 10o6 (1234), Marburg 17 (4), Offenbach a. M. 262 (324), Wellburg 40 (35), Wetzlar 62 (41),. Wiesbaden '2145 (1728), Wttzen- hausen 4 (—), und Wovms 444 (461). Nach Berufsgruppeu wurden ermittelt in den männlichen Abteilungen: Landwirtschaft 720 (gegen 604 im! März 1912), Metall- äewerbe 538 (835), Holzgewerbe 406 (437), Industrie der Nah- rungs- und Gemißmittcl 86 (101), Bekleidungs- und Reinigungsgewerbe 307 (360), Baugewerbe 594 (704), Masännisten, Hetzer und Fabrikarbeiter 155 (103), Gast- und Schanlwirtschastsgewerbe 965 (783), sonstige Lohnarbeit und himsliche Dienste 2273 (2217). In den weibliäwn Mteilungen: Gelernte und ungelernte Arbeiterinnen in Fabrilbetrieben 65 (58), Belleidungs- utrd Rcr- nigungsgeiverbe 47 (30), Gast- und Scl-ankwirtschaftsgewerbe 411 (400), sonstige Lohnarbeit utrd häusliche Dienste 4379 (3804). Von den an den Mitteldeutschen Arbeitsnachweisverband berichteten nichtöffentlichen Arbeitsnachweisen tvurden iM März im ganzen 1233 Stellen b ermittelt gegen 958 im März 1912. Von diesen 1233 Stellen entfallen auf Jmmngsarbeftsnackstvei.se 323, auf Arbeitnehmerttachweise 343, auf paritätische Arbeitsnachweise 154 und cuts Vereinsarbeitsnachweise 413. Von den 13 an den Mitteldeutschen Arbeitsnachweisverband berichtenden größeren Ortskrankenkassen war der Bestand am 1. April: 294145 (gegen 287 090 ans 1. April 1912); darunter waren 186 736 (178 110) versicherungspflichtige männliche Mitglieder, 74 450 (79 127) versicherungspflichtige weibliche Mitglieder, 10 887 (9792) freiwillige männliche Mitglieder und 22 072 . (20 061) freiwillige weibliche Mitglieder. Ans Stadt sind Land» Gießen, 29. April 1913. ** Reich s verein liberaler Angestellter und Arbeiter. Man schreibt uns: Am Samstag, 26. b. Mts., fand im „Schipkapaß'" die Gründungsversamm-- lung der Ortsgruppe Gießen des Reichsvereins liberaler Angestellten und Arbeiter statt. Unter Anwesenheit des 1. Vorsitzenden des Vereins der Fortschr. Vvllspartei Herrn Geh. Justizrat Metz erteilte der Versammlungsleiter Herr Stey nach der Begrüßung Herrn Zorn das Wort. Zorn sprach 3,4 Stunden über die allgemeine politische Entwicklung der letzten Jahre, besonders über die Finmtzreform, neue Wehrvorlage und Steuervertzältnisse. Weiter über Zwecke und Ziele des zu gründenden Vereins und über die Schulpolitik. Als einen der größten Feinde des werktätigen Volkes und des lleinen Landwirts nannte er den Großgrundbesitz und bewies an der Hand von Viaterial, wie schädlich dieser auf das geringere Volk einwirkt. Mit denr Aufruf an alle, an dem Kampfe für das Wohl und die Freiheit des Volkes und der Forderung der Nation mitzuarbeiten, schloß er unter lebhaftem Beifall. Hierauf sagte Herr Geh. Justizrat Metz die tatkräftige Unterstützung der Volksparbei zu. Herr cand. Fritz Salomon sagte als Akademiker tatkräftige Unterstützung des Vereins zu. Nachdem cand. Phil. Arnoll) unter starkem Beifall die seit- herige Tätigkeit des Vereins, vor ollem seiner Begründer, besprochen hatte, ergriff Landtagsahgeordneter Urstadt das Wort. Er besprach seine frühere Stellung zu dem Verein und betonte dann die Notweridigkeit der Gründung. Bei der sich anschließenden Vorstands Wahl wurden einstimmig folgende Herren gewählt: K. Zorn 1. Vors., Wagens. Stey 2. Vors., Schmalz zum Schriftf., K. Peter zum Kassierer nrtb die Herren Pfeiffer, Appel, Geiz und Adam zu Beisitzern. Als Vertrauensmänner wurden die Herrn Reitz, Losch, Ruhl und Schmidt gewählt. Es wurde ferner beschlossen, am 22. Mai eine große öffentliche Versammlung abzuhalten, in der Reichstagskandidat Erkelenz, Professor Urstadt und voraussichtlich Pfarrer Korell sprechen werden. ** Die ärztliche Beratungsstelle für Epileptische in Nieder-Ramstad t war 1912 von 15 Kranken, in Anspruch genommen, von denen 14 aus .Hessen und zwar aus Starkenburg, und einer aus dem Großhe zog'um B den stammten. Auch im laufenden Jahre soll Die Beratungsstelle beibehalten werden. Die Beratung ist für Unbemittelte unentgeltlich und wird abgehalten an jedem ersten Montag im Monat in der Anstalt für Epilep- tische in Nieder-Ramftadt, an deren ärztlichen Leiter, Dr. Heid, man sich wegen näherer Auskunft wenden wolle. "Die von dem „Schutzverein für Nieder - Modau" cingeleitcte Hilfstätigkeit hat, wie uns geschrieben wird, in den Kreisen der Spareinleger des Niedcr- Modauer Kreditvereins lebhaften Anklang gesunden. Obwohl die Durchführung der Hilfstätigkeit seit kurzem begonnen hat, hat schon die überwiegende Mehrheit der Spareinleger mit Einlagen von über einer Million Diack von dem Angebot des Schutzvereins Gebrauch gemacht und ihre Einlagen auf den Schutzverein übertragen. Der Schutzverein zahlt alsbald 50 Prozent für jede Einlage aus und hat bereits über 5 00 000 Mark in bar an die Spareinleger aus bezahlt. Außerdem erhält jeder Spaceinleger noch einen Gutschein für die bei der Durchführung der Hilfe des Schutzvereins sich ergebende weitere Quote. Wegen des starken Andrangs ist die Frist zur Anmeldung der Forderungen bei dem Schutzverein und zur Auszahlung bis zum 5. Mai verlängert worden, so daß alle Spareinleger, denen das Angebot des Schutzvereins bis jetzt zugegangen ist, ihre Forderungen noch bis längstens 5. Mai bei dem Schutzverein zur Uebernahme anmelden können. ** Die UmgehungOffenvachs. Die „Darmst. Ztg." schreibt: Die „Offenb. Ztg." bringt in ihrer Nummer 95 vom 24. l. M. einen Artikel „Die Umgehung Offenbachs", in dem heftige Vorjvürse gegen die Eisenbahnverwaltung erhoben werden. Am Schlüsse wird die Hoffnung ausgesprochen, daß sich die hessische Regierung Genugtuung wegen der Art und Weise zu verschaffen wissen werde, mit der sich die Eisenbahnverwal - tung „über jedes Recht ', über alle Verhandlungen und über jede Verständigung" hinausgesetzt habe, wenn nach dem ab 1. Mai gültigen Fahrplan bestimmte Züge statt über Offenbach über Frankfurt-Ost geführt würden. Wir sind ermächtigt, festzustelleu, daß die Eisenbahnverwaltung sich zu ihrem Vorgehen nach den Ergebnissen der Verhandlungen für berechtigt erachten durste. In diesen war in einem Zeitpunkt, in dem Der Druck de? endgültigen Fahrplans nicht wellcr aufgehalten werden tonnte, über die von der Eisenbahnverwaltung in .Aussicht gestellten Umleitungen eine Verständigung erzielt worden, deren einzelne und in dein fraglichen Artikel teils richtig, teils falsch und unvollständig wiedergegebenen Punkte noch näherer Feststellung bedurften. Die weiteren Rücksprachen über die noch schwebenden allgemeinen Fragen sind gestern nachmittag und abend in Offenbach und pwanksutt beendet worden, die Einzelsragen sollen in direkten, am Montag beginnenden Verhandlungen zwischen der Eisenbahndirektion Frankfurt und den Vertretern der Offenbacher Interessen erledigt werden. Die Auslassungen des fraglichen Artikels stehen hiernach mit den Tatsachen nicht in Einklang und entsprechen nicht dem augenblicklichen Stand der Angelegenheit, sie können vielmehr, zumal in ihrer Maßlosigkeit, der Sache nur schaden. Landkreis Gießen. X Treis p. Lda., 28. April. Der Geflügelzüch-- terveweinAllendorfund Umgebung hielt gestern nachmittag bei Gastwirt Wil 1 eine Wanderversamm- l u n g ab. Sie brachte außer der DLrichterstattung des Vorsitzenden, Ranft-Allendorf, über die tags vorher in Gießen abgehaltene Ausschußfttzung des Verbandes Oberhiffs. Geflügelzuchtvereine eine eingehende Besprechung über die vom 15. bis 17. November in Allendorf abzuhaltende Be- zirksausstellung, mit 'ber eine Verlosung von Geflügel und Zucht'gerätsllsaften verbunden werden soll. Zur Ausstellung wird nur selbftgezüchtetes Geflügel zugelassen. Es wurde auch über 'das, nur nvchj in einer Gemeinde des Vereinsbezirks und 'zwar in der hiesigen, alljährlich zweimal von der Ortspvlizeibchörde angeordnete Einsperren der Tauben £iir Saatzeit gesprochen und allgemein anerkannt,, daß dieses Einhalten der Tierchen nicht mehr zeitgemäß ist, weil es nicht nur eine Tierquälerei darstellt, der die meisten Jungtiere zum Opfer fort eit, sondern auch der Landwirtschaft direkt schadet. Die nächste Sitzung wird anfangs Juli in Climbach stattfinden. Kreis Büdingen. □ Büdingen, 27. April. Im Dauernheimer Gemeindewald, südlich von Blofeld in 20 Minuten zu erreichen, liegt eine altgermanische Gerichtsstätie, im Volks- mund „der wilden Frau Gestühls". Eine viersitzige Steinbank mit eingehauenen Sitzen, mehrere Bruchstücke von Einzelsitzen umgaben bis vor einigen Jahren noch einen steinernen Tisch in Altarform. Der eine Steinsitz trägt die Jahreszahl 1438. Die Forstbehörde hatte in früheren Jahren den Platz schön Herrichten lassen, eine längere Fichtenallee führte den Wanderer nach der Gerichtsstätte. Im Sommer 1912 wurde die Fichtenallee dürre und der schöne Ausflugsort geht, wenn nicht Abhilfe geschieht, in Gesträuch und Wildnis unter. -k. Kohden, 26. April. Unser langjähriger Beigeordneter Konr. Ludw. Rühl ist auf sein Nachsuchen durch das Kreisamt Büdingen von seinem Amte entbunden worden. Die Neuwahl seines Nachfolgers wird voraussichtlich anfangs Juni erfolgen. Kreis Lauterbach. X Schlitz, 28. April. Die hiesige Molkerei- Genossenschaft, die sich schon seit längerer Zeit in schwieriger Lage befand, hat in ihrer Generalversammlung am Samstag nach heftiger Aussprache die Auflösung beschlossen. Mancherlei Gründe haben den Rückgang des Molkereibetriebes, der in früheren Jahren sich durchaus rentabel gestaltete, herbeigeführt; namentlich war eS der Umstand, daß die größeren Bauern, obwohl sie Mitglieder der Genossenschaft waren, in den letzten Jahren die Mtlchlieferung großenteils gänzlich einstellten, weil sie sich, veranlaßt durch die Höhe der Fleischpreise, durchweg auf die Mastviehzucht verlegten. Statt 6- bis 8000 Liter, die täglich in der Molkerei hätten verarbeitet werden können, wurden so in der letzten Zeit nur ca. 300 Liter geliefert. Seit gestern hat die Genossenschaft den Betrieb bereits eingestellt und läßt den Mikchwagen in der Stadt nicht mehr verkehren. Jedes Mitglied j>er Genossenschaft hat vorläufig 300 Mk. und außerdem noch 50 Mk. Geschäftsanteil zu zahlen. Es ist außerordentlich bedauerlich — namentlich im Interesse zahlreicher kleinerer Bauern, die auf diese Art ihr Geld verlieren — daß es so weit kommen mußte. Kreis Friedberg. B. Friedberg, 28. April. Unsere Friedhofskapelle ist jetzt abgebrochen. In den ersten Tagen beginnen die Maurerarbeiten für das Krematorium, die Kapelle und die Leichenhalle. Zur Verfügung stehen 30000 Mk. — Gestern nachmittag stürzte am Usaberg ein Radfahrer so unglücklich, daß er blutüberströmt liegen blieb. Der herbeigerufene Arzt ordnete seine Ueberführung ins Krankenhaus an. — Bad-Nauheim, 28. April. Fran Cornelius Vanderbilt auS New 4)ork ist im Hotel Kaiserhof zur Kur eingetroffen. Bald darauf erhielt sie den Besuch der Erbprinzessin von Sachsen-Meiningen, die mit ihr zu mittag speiste. h. Nieder- Esch bach, 28. April. Schuhmachermeister Johannes Becker feierte gestern mit seiner Ehefrau das goldene Hochzeitsfest. r. Reichelsheim, 28. April. Die Gesellenprüfung des Ottsgewerbevereins fand ihren Abschluß. Den 7 bestandenen Prüflingen wurden von dem Vorsitzenden Metzgermeister Sprengel die Gesellenbriefe überreicht. Hauptlehrer Höhn von Nidda richtete an die Junggesellen kernige Motte. Hierauf folgte ein Vortrag von Gewerbelehrer Endres von Nidda über „Elektrisches Licht und Kraft und seine Anwendung in Gewerbe und Landwirtschaft". Pfarrer Vogel von hier gab seiner Freude über die Feier Ausdruck, die beweise, daß die Bedeutung der Gesellen- und Meisterprüfung vvin Handwerk immer mehr erfannt werde. Starkenburg und Rheinhessen. m. Offenbach, 28. April. In der Bahnhofsfrage fand haute in Frankfurt unter dem Vorsitz des Präsidenten Reuleaux eine Besprechung statt, in der» die Kompensattonsvvrschläge Offenback)s eingehend erörtert wurden. In den meisten Punkten wurde eine Einigung erzielt. So will die Eisenbahnverwallung ein würdiges Bahnhof-Entpfangsgebäude errichten und im Hafen cihe Güterabfertigung einrichten. Auch die Unterführung der Kaiserstraße soll mit einem entsprechenden Zuschuß der Stadt durchgesührt werden. Den weiteren Wünschen der Stadt, die in den nächsten Tagen ihre endgültige Erledigung erfahren werden, steht die Eisenbahnverwaltung ebenfalls sympathisch gegenüber. — Tie S ch w e i n e m e tz g e r° Innung hat gegen die Maßnahme des städttschen Teuerungsausschusses, der von den Schweinemetzgern eine Herabsetzung der Fleischpreise forderte, da andernfalls die Einfuhr und der Verkauf des Auslandfleisches wieder ausgenommen werden müsse, Stellung genommen und beschlossen, mit Wirkung vom 1. Mai einen Preisfestsetzungsausschuß einzusetzen, der jeden Monat eine Abänderung der Verkaufspreise vorzunehmen hat, damit den Schwan kungen der Schweineprekfe schnell nachgegeven werden remr. — Die Bluttat, die in der Nacht zum 18. April in der Mathilden strafte verübt wurde, ist jetzt aufgeklärt. Täter ist der vielfach vorbestrafte Dachdecker Karl Will mann aus Erbach, der vor einigen Tagen wegen unsittlicher Handlungen festgenommen wurde. Willmann wurde von der gestochenen Schneiderin mit aller Desttmmtheit als der Täter bezeichnet. W. ist ein gefährlicher Mensch, der früher schon aus der Butzbacher Strafanstalt und aus einer Jrren- anfialt aus geb rochen ist. Obwohl er die Tat in Abrede stellte, wurde er überführt. Auch bei der Angabe seines Alibis verwickelte er sich in Widersprüche. Kreis Wetzlar. — Wetzlar, 27. April. In körperlicher und geistiger Frische feierte am Samstag Dr. Ernst Lei'tz sen., der Begründer der Optischen Werke seines Namens, seinen siebzigsten Gebnttstag. Mit unermüdlicheln Fleiß und weitschauendem Blick hat er in einem Zeitraum von 40 Jahren seine Fabrik aus kleinen Anfängen zu der Höhe einer Weltfirma einpor- gebracht. AuS seinen Werkstätten, in denen an tausend Angestellte beschäftigt sind, ging vor einiger Zeit das hundert- undfünfziqtausendste Mikroskop hervor; die Unwersität Marblwg hat ihm vor einigen Jahren für seine der naturwissenschaftlichen Forschung zugute kommenden Leistungen die Würde eines Ehrendoktors verliehen. Als Mann von liebenswürdiger, bescheidener Einfachheit des Charakters und nie versagender Bereitwilligkeit, auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge und allgemeinen Wohlfahrt sich in wirksamer Weise zu betätigen, darf Herr Dr. Leitz an seinem Ehrentage der höchsten Anerkennung der Bürgerschaft unserer Stadt sich erfreuen. Ihr gehötte er, was am heutigen Tage gewiß von besonderem Interesse ist, gerade in diesem Monat 50 Jahre lang an — im April 1863 ist er nach Wetzlar gekommen — und ihn nennt sie mit freudigem Stolze den Ihrigen als einen Mann, der den Namen unserer Stadt durch die Erzeugnisse seines Hauses ehrenvoll in die Welt hinausgetragen hat. Die Feier des Geburtstages fand, n. d. „Wetzl. Anz.", im engsten Familienkreise statt. O Dutenhofen, 28. April. Unser Turnverein feiert am 20. und 21.Juli sein Fahnenweihfest. Gleichzeitig findet ein Musterriegenturnen statt, wozu die Genehmigung vom GauauSschliß erteilt ist. vereinrnachrisjten. ** Der !T Vang. Arbeiterverein veranstaltet ant Him- ■ m'elfahttstag einen ^lusslug, bei dem abgekocht werden soll. Tie Wandenulg geht von Großen-Buseck nach Älllendorf oder Londorf. Der Rückweg erfolgt, über Staufenberg und Lollar. = Taubringen, 28. April. Der Turnverein T aub rin gen unternahm' am Sonntag den 27. Apttl einen ’ Turn gang. Es ging über Alten-Buseck, Großen-Buseck, Reiskirchen und Lürdenftruth, wo es den ersten Aufentl)alt gab. Dann wurde der Marsch nach Queckborn fottgesctzt, wo das Wasserwerk besichtigt wurde. Unt 2 Uhr ging es nach Grünberg, wo der Turnverein die Wanderer herzlich empfing. Nach kurzem Zu- samtn-ensein wurde mit der Bahn heimgefahren. — La n g-G öns, 28. April. Der G e i a n g v e t c i n „F r o h- sinn" veranstaltet amHimmelsahrtstag einen Ausflug nach der Sa alb urg. 1. Nidda, 27. April. Im Gambrinussaale sand heute eilt großes K o n k u r r e n zs i n g e n der S ä n g e r v e r e i n i g u n g ■ Nidda - W elterau statt, an dem sich 11 Vereine aus Schotten, Nidda, Bingenheim, Bellmutb, Fauerbach, Wallernhanscu, Eichelsdors, Geiß-Nidda, Ecbzell lind Naustadt mit etwa 350 ©ängerp b» ■ teiligten. Ter von jebent Verein vorgetragene Preischor, das Volkslied »Die zwei Königskinder" von A. Neff, op. 59, wurde durchweg gut gesungen, außerdem trug noch jeder Verein einen selbstgewählten Ehor vor. Preisrichter waren Lehrer A. Neff aus Psungstadt und die Alusikdirektoren Langen aus Tiaing und Schlosser aus Wiesbaden. Tie Vreisverteillmg imb Tiplomüberreichung sand um 7 Uhr statt. Den ersten Preis erhielt der Gesangverein Orpheus - Geiß-9iidda, den zweiten Preis der S ä n g e r k r a n z- 9lidda und den dritten Preis E i n t r a ch t - Wallernhauien. n. Offenbach, 27. April. Bei sehr zahlreickier Beteiligung feierte der Zweigverein vom Vogelsberger Höhe u- ; klub sein 4. Stiftungsfest, das als „Körnerfeier" begangen rvurde. Lieder des Freiheitsdichters wurden durch den gemischten Chor, das Männerguartett, in Einzelgesüngen sowie in gemeinsamen Liedern geboten. Körners Einakter „Deutsche Treue" wurde < prächtig dargestellt und die schönsten Köruerschen Gedichte im Rahmen eines von P. Fuchs verfaßten Volksstückes „Frühlings- ■' j Ahnen" geboten. Universitäts-Nachrichten. —- Der Privelldozent Dr. Lndwig Mecking in Göttingen hat einen Ruf als ordentlicher Professor der Geographie an die Universität Kiel erhalten und angenommen. Er wird dort Nachfolger von Prof. Sck)ultze. — Der a. o. Professor Dr. phil. Johann Plenfge in Leipzig hat den Ruf auf den Lehrstuhl der ^Nattonal- ökonomie an der Universität Münster i. W. als Ordinarius und Nachfolger des verstorbenen Professors M. von Heckel angenommen. — Der a. o. Professor Dr. jur. Hans Gmelin in Freiburg hat einen Ruf als Extraordinarius für öffentliches Recht an die Universität Kiel als Nachfolger von Prof. E. Kaufmann erhalten. Sport. w. Londorf, 27. April. Ter Radfahrerbund Ober» Hessen, dem jetzt 15 Vereine angehören, unternahm gestern seine 1. Vundesfahrt hierher. In Großen-Buseck trafen sich die Vereint und fuhren dann gefchlossen über Alten-Buseck—Taubringen usw nach Londorf; hier kanten die Fahrer im Vereinslokal des Rad kahrer-Vereins Rabenau, Loridorf, au. Lnftychisicrhvt. Prinz Heinrich und die hessische Geistlichkeit. Friedberg, 28. April. Die hier abgehaltene Haupt Versammlung pes hessischen Pfarrervereius hatte an den Prinzen Heinrich eine Eingabe gerichtet, in dem sie diesen auf die Störung nnd Entheiligung des Pfingsffeftes durch den Ueberlandflug hinwies und ihn bat, alle erforder lichen Schritte zur Vermeidung dieser Störung einzuleiten. Der Prinz hat das Gesuch jetzt abschläglich beschieden unk dazu bemerkt, daß wegen der Kürze oer Zeit in diesen^ Jahr eine 'Piwgoammänderung nicht mehr vorgenommen werden könne, außerdem aber erfolge der Flug über Hesser1 und die Landung in Gießen so früh, daß mit der Kirchen zeit die Gefahr einer Kollision nicht vorhanden sei. GerichtssaaL. Kriegsminister contra Oberst a. D. Gädke. ~ Berlin, 28. April. Vor der ersten Strafkammer des Landgerichts Berlin I halb sich heute der bekannte ftühere Obürst Richard Gädke (Berlin-. Steglitz, .wegen Beleidigung der preußischen mili türischen Ehrengerichte zu verantworten. Ter Strai- autrag war vom preußischen Kricgsminister gestellt worden, un1 zwar auf Grund eines Attvkcls im „Kleinen Journal", der di UL daß man fg n( Sn delikaten - außerdem m E Lidb-M -d-- erunletge!» gerimte iickE Institution kann st tafln Männer kei selbst entschieden in den Kram patzt rates berufen, |o I Sache." . Auf Befragen den ütfrimmircten Dr Staatsar Angeklagten eme tzaft, sänne Publi preußischen Kriege Nach dtva ,ha! das Urteil, das s eventuell 30 Tage im „Kleinen ;W geklagten wurde i zugleich aber ausg« nicht straflos bie Intelligenz des A trachtet, daß er rii Mafiung des frag durchdrungen war, lich schlecht sei. Ae $un §ebr oft wirt ihre Zeinde, also durch Vererbung ums Tafem erwe zeige". Es steht niemals mit dem inmmentreffen m als ihren Feind t die Möwen und t dem lNeiischen bii bekümmert den Le ft. Ti.; mit TMco aQ( psfis1 Ä fejjei, Ä Äerten ^Üjuiieijc - fhcil. y n, V» "g tiin gl ,,che" Tlirnverrin hfest. Gleich- . wozu die Ge- chaliet m him- rabtn soll. Tie M oder Lvndors. lor. Turnverein 27. Avril einenE ken-BuikS, Reis- ithcll gab. Tann ) das Äassmverk rünbcrg, roo bet kurzem Zu- * rrlH $ 6- .. I op. öS, wurde '5cr 1! crcin einen ehret A. Neff an- L lomj und cdiloiiei ivlmüberreichimi! U, Der Gesangverein K: angerkrltnj' । • llemhauien. •iMictätr Wf { E:ger höhen-IA cneitr" begangen || -j) w geiniMn 13 ‘fnsic in gemein- |IH iL Treue" wurde, ■frn Gedichte ifflej üfc „Mings- 1 r unb geistig .Sen-, bet $e= ""'Wiienbea 8«brit empor, " lausend An- lbQS hundert- ?5tMarbnrg 'lurwisseiischgst, en ^e Würde 'ebenSmürdiqer, ^versagende! ? 6ürjorge und ,c Zu betätigen, c höchsten Än- etirtuen. Ihr von besonderem )tc lang an — n - unb ihn l? einen Mann, rpignisse seines hat. Dir Feier lA im engsten isMil- 1 Vfviitc au ... n- Y in dnn,>" 1 I • fid M'r 1 m” 11 fei. fing in Got'r - ■ iLrosessar der, s -n unb E', - Äbultze. i hcmn?Wi < hfr ^atwna!' S ®*| „8 ßtnrli«™ J \riu3 sitr °ffal' i 1 AchM wn. rerb^iei"' | rnahm 9e vereint J S- irupt „’Sin deutscher Thronfolgen änb die ^yren- irerrchte". Wege> desselben Artikels ist bereits der verantwortliche Redakteur des „Kleinen Journals", Karl Noack am 19. Nov. 1912 von der vierten Strafkammer desselbetr Gerichts zu 300 Mk. Geldstrafe rechtskräftig verurteilt worden. Den Vorsitz im Gerichtshöfe führt Landgerichtsdirektor Baumgarten , die Verteidigung des Angeklagten hat Rechtsanwalt Dr. Halpert (Berlin) übernommen. Der Vorsitzende bringt den inkriminierten .Artikel zur Verlesung. In diesem heißt es unter anderem: „Tas eigenartige Verhältnis des Prinzen Sizzo von Leuchtenberg, des Thronfolgers in beiden Schwarzburg, zu dem regierenden Fürsten, hat in den letzten Tagen die Presse beschäftigt. Im wesentlichen sind diese kleinen Familienscherze für uns andere ja ziemlich gleichgültig; es geht dort zu wie eben anderswo auch, und Menschen bleiben Menschen, ob sie auf einem Thron oder einem Holzschemel "sitzen. Lider hierbei kommt auch zur Sprache, daß man sogar einen Ehrenrat mit dem Verhalten des Thronfolgers in einem bestiinMten Falle befaßt hat. Daß dieser Ehrenrat sich auf die Seite des Prinzen gestellt habe und sein Gutachten, angeblich vom Kaiser bestätigt worden sei, wird nun triumphierend als Beweis seines tadellosen Lebenswandels und gegen das Verhalten des Schwarzburger Hofes ausgebeutet. . . . Tas Gutachten eines Ehrenrats beweist gar nichts, weder für noch gegen; es ist einfach der Bescheid eines beliebigen Vorgesetzten, der gerade in diesem delikaten Falle natürlich mehr diplomatische als andere Rücksichten walten lassen mußte. Aber die Ehrengerichte sind außerdem in unserer Zeit so oft in der schmäht i chsten Weile gemißbrau ch t worden, daß ihre Gutachten an s i ch jedes moralischen Wertes entbehren. Es sind nicht ganz selten Fälle zur öffentlichen Kenntnis gelangt, wo nur ganz heruntergekommene Trottel auf die Seite der Elwen- gerichtc und gegen die Verurteilten sich gestellt haben. ■ Eine solche Institution kann für die ehrenhafte Masse unabhängiger und ehrenhafter Männer keine autoritative Bedeutung beanspruchen. Wenn selbst entschieden liberale Zeitungen gelegentlich, wenn es ihnen in den Kram paßt, sich auf das Urteil eines militärischen Ehren- rates berufen, so stellen sie sich in den Dienst einer sehr schlechten Sache." Aüf Befragen durch den Vorsitzenden gibt der Angeklagte zn, den inkriminicrten Artikel verfaßt zu Mab en. Der Staatsanwalt beantragte nach einem Resume gegen den Angeklagten eine Geldstrafe von 500 Mark, eventuell 50 Tage Hast, sowie Publikationsbefugnis iM „Kleinen Journal" für den Preußischen Kriegsminister. Nach etwa.halbstündiger Beratung verkündete der Vorsitzende das Urteil, das gegen Gädkc aus 300 Mark Geldstrafe, eventuell 30 Tage Haft und Zuerkennung der Publitationsbefugnis im' „Kleinen Journal" für den Kriegsminister lautete. Dem Angeklagten wurde der Schrttz des § 193 des StrGB. zugebilligt, zugleich aber ausgesprochen, paß die beleidigende Form des Artikels nicht straflos bleiben könne. Ws strafekschwerend wurde die Intelligenz des Angeklagten, als strafmildernd der Umstand betrachtet, daß er einschlägig noch nicht vorbestraft ist und er bei der Abfassung des fraglichen Artikels von der subjektiven Ueberzengung durchdrungen war, daß die Institution der Ehrengerichte tatsäcl)- lich schlecht sei. Die Furcht der Tiere vor den Menschen. Sehr oft wird die Frage aufgeworfen, ob die Tiere instinktiv ihre Feinde, also auch die Menschen, als solche kennen, d. h. ob sic durch Vererbung von Eigenschaften, die ihre Voreltern im Kampf »uns Tasein erwarten, ganz unbewußt vor den Menschen Furcht zeigen. Es steht außer allem Zweifel, daß Tiere, deren Vorfahren niemals mit dem Menschen in Berührung kamen, beim ersten Zusammentreffen mit ihm durchaus keine Furcht zeigen, ihn also nicht als ihren Feind erkennen. Wie uns Nansen berichtet hat, kannten die Möwen und andere Tiere des höchsten Nordens die Sehen vor dem Menschen durchaus nicht; die Vögel setzten sich ganz unbekümmert den Leuten auf Kopf und Arme und ebenso erzählen dir- Är?S7,cher der Äebiete des Sudels, daß die N.csenvinguine ohne jede Furcht an die Menschen heronkommen, sie neugierig und erstaunt betrachten und sie mit ihren Schnäbeln befühlen. Ebenso gehen die Robben und See-Elesanten den Menschen durchaus nicht aus dem Wege, sondern lassen sie ruhig an sich heranlreten, sie kennen den Menschen, den grimmigsten Feind aller Tiere nicht und konnten auch die Furcht vor ihm von ihren Vorfahren nicht ererbt haben. Das gleiche Verhalten zeigen auch ganz junge, eben geborene Tiere den Menschen gegenüber. Junge Küchlein, sowie andere, dem Nest entnommene Vögel haben durchaus keine Furcht vor dem Menschen, ebensowenig wie ein ganz junges Häschen oder ein Rehkitzchen. Es ist oft vorgekommcn, daß ein Rehkitzchen sich nicht nur ohne Scheu berühren ließ, sondern auch dem Menschen, der sich mit ihm abgegeben hatte, folgte oder zu folgen versuchte. Und doch ist das Verhalten dieser jungen Tiere im Grunde ganz anders, als das der zuerst erwähnten. Cie haben sicherlich die Furcht vor dem Menschen geerbt, aber diese Vererbung ist gewissermaßen noch nicht zum Bewußtsein gekommen, sie ist in den ersten Lebenstagen noch latent, tritt aber sehr bald in die Erscheinung. Tenn wenn die jungen Tiere nur etwas älter geworden sind, manchmal nur wenige Tage, dann zeigen sie immer vor dem Menschen Fnrcht, selbst wenn sie noch nie mit ihm zu- sammcnqetroffen sind. Tas junge Tier ergreift dann genau wie das alte vor dem Menschen die Flucht oder sucht sich zu verbergen, ohne daß ein Warnungsrus der Eltern es dazu aufzufordern braucht. Es muß also hier eine Vererbung in gewissem Sinne vorliegen. Ein sehr nettes Beispiel dieser Furchtvererbung konnten die Mitglieder der deutschen Tiessee-Expedition Valdivia im Jahre 1899 auf den Kergueleninseln feststellen; aus diesen einsamen Inseln waren im Jahre 1874 durch die Expedition der .Gazelle" wilde Kaninchen ausgesetzt worden. Während der ganzen Zeit von 25 Jahren halte kein Mensch mehr die Kerguelen betreten und als im Jahre 1899 die ersten Menschen wieder dort erschienen, zeigte keins der einheimischen Tiere irgend welche Scheu vor ihnen, nur die Wildkaninchen, die sich ganz bedeutend vermehrt hatten, flüchteten beim ersten Anblick des Menschen Hals über Kops in ihre Baue, sie waren gerade so scheu wie bei uns. Tie Furcht vor dem Menschen mußte sich also durch die zahlreichen Generationen der 25 Jahre vererbt haben, denn von den Kaninchen selbst hatte noch nie eins einen Menschen kennen gelernt und andere Feinde hatten sie auf den Inseln überhaupt nicht. Die Furcht vor dem Menschen ist also durchaus nickst ursprünglich in den Tieren vorhanden gewesen, denn die Tiere, von denen weder ihre Porsahren, noch sie selbst jemals den Menschen kennen gelernt haben, zeigen keine Scheu vor ihm, das tim nur die Tiere, deren Ahnen durch eine lange Reihe von Generationen in dem Menschen ihren furchtbarsten Feind erkannt haben und die diese Furcht als unbedingte Tasemsnotwendigkeit aus ihre Nachkommen vererbt haben. Vermischtes. ** Glückspiel. In dem in den Familienblättern gebrachten Artikel „lieber das Glückspiel" wurde gesagt, daß dft Spielbanken trotz ihrer ungeheuren Ausgaben ausgezeichnete Geschäfte machen. Für das Jahr 1912 wurden von der Spielbank in Monte Carlo 19 Millionen Dividenden ausgez-ahlt. Hieraus läßt sich ermessen, welche riesigen Summen umgesctzt und welche hohen Summen von der Gesamtzahl der Spieler an die Bank verloren worden sein müssen. Die Dummen werden eben nicht alle. .* * Der „Imperato r" ist am Sonntag von seiner Probefahrt wohlbehalten zurückgekehrt, er liegt wieder an der Landungsstelle in Altenbruch. Die vorgestrigen Probefahrten ergaben in Bezug auf Manövrierfähigkeit und Geschwindigkeir des Schiffes durchaus befriedigende Resultate, jedoch stellte bei Beendigung der letzten Fahrt sich heraus, daß zwei Saget- einer Turbine heiß gelaufen waren. Infolgedessen war es nötig, die Turbine wieder zu öffnen und beide Lager, herauszunehmen. Die technischen Probefahrten werden baljer erst am 15. Mai fortgesetzt werden können, während die amtliche Probefahrt und Krcmprinzenfahrt erst in der zweiten Hälfte des Mai stattfinden Tann. * Ein Automobilomnibus der Motoromnibuslinie Chemnitz—Annaberg verunglückte in der Nacht zum Montag gegen 12Vs Uhr unweit der Besenschänke bei Burkardtsdorf. Von den 27 Insassen wurden 25 verletzt, darunter mehrere schwer. Die Schwerverletzten wurden nach dem Chemnitzer Krankenhaus gebracht. Der Unfall entstand dadurch, das der Chauffeur bei einem Versagen des Motors ab stieg und wahrscheinlich die Bremsen abzu stell en versäumte, so daß der schwere Wagen den abschüssigen Berg zurückrollte, um stürzte und völlig zertrümmert wurde. * In G ü uzburg in Württemberg, einer Stadt von 6000 Einwohnern, wurde im Jahre 1913 noch keine einzige Ehe geschlossen. — Ja, die 13 ist eine Unglückszahl. Ta traut man in Günzburg nicht. — Auch brachte das Jahr viel kalte Witterung mit, da muß man im Freien vorsichtig sein. — Hoffentlich schneidet sich in Günzburg niemand: die Günzburger lassen sich in diesem Jahre nicht verbinden. * Herr Schneider. In Halle a. d. S. hörte ich folgende Unterhaltung zwischen einem älteren, feudal aussehenden Herrn, der von seinem Neffen, einem Studenten, zur Bahn begleitet wurde. Der Freund des Neffen — Fuchs der Verbindung mit Namen Schneider — hatte sich bei der Verabschiedung diskret etwas zurückgezogen. Aelterer Herr: „Du, sag' mal, heißt der FuckM nur Schneider?" — Neffe: „Ja." — Aelterer Herr: „Nur Schneider??" — Neffe: „Ja, Onkel." — Aelterer Herr: „Na, immerhin, wenn der Kerl besoffen ist, dann ist er ganz nett!" („Simpl.") * Der unzeitgemäße Tod. Der Schüler der vierten Ghmirasialklasse Maier war gestorben. Der Professor machte der Klasse davon in folgender Weise Mitteilung: „Euer Mitschüler Maier ist gestern gestorben. Er hat in den beiden letzten lateinischen Sckiulaufgaben Not e4 erhalten. Ich glaubte, er werde sich verbessern; nun ist durch seinen Tod diese Hoffnung zuschanden geworden." („Simpl.") T ie Ausstellung „Das Kind". Tie in den Berliner Zoohallen gegenwärtig stattsindende Ausstellung „Tas Kind in seiner körperlichen und geistigen Entwicklung" bietet in glücklicher Vereinigung überaus zahlreiche Sehmswürdigkeiten. Ganz besonders fällt durch eine wirklich vornehme Gediegenheit ein in zartem Hell- und Tunke!grün gehaltener «Eckpavillon auf. In diesem, von berufener Künstlerhand geschaffenen, architektonisch prächtig durch geführten Aufbau laden bequeme Korbmöbel zum Genuß eines Täßchens „Kornfranck", das gratis von Tanten- Hand verabreicht wird, ein. Aus bent kräftigen deutschen Vrot- korn, dem Roggen hergcstellt, — ein reines Naturprodukt in vollstem Sinne des Wortes — ist Kornfranck das gegebene Kind er- getränt Tie Ausstellung „Das Kind", deren Reinertrag dem Berliner Verein vom Roten Kreuz zerfällt, findet am 14. Mai ihr (Snbe.x59/4. ferner Lebensmot (hrch ISioson! Seit 5 Jahren litt ich an hochgradiger Blutarmut und Nervenschwäche. Verschiedene angewandte Stärkungsmittel versagten. Erft Ihr wunderbares Bioson brachte mir den gewünschten Erfolg und gab mir meinen Lebensmut zurück. Gustav Georg Günther, Leipzig, Harkortstr. 13. Unterschrift beglaubigt: 31. 1. 13, Dr. Wachtel, Kgl. Notar. 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Auf Wunsch wird das Holz von Forstwart Eichenauer, Neinhardshain, vorgezetgt. Grünberg, den 25. April 1913. B29,« ________Großherzogliche Oberförsterei Grünberg._______ Bekanntmachung Bon dem Anlcheu von 1892 sind die" Schuldverschreibungen Nr. 47, 83 und 94 und von dem Anlehen von 1897 ist die Schuldverschreibung Nr. 23 zur Rückzahlung am 1. Juli d. I. ausgelost worden. pW/ Gießen, den 26. April 1913. Der Vorstand der israel. Religionsgcmeinde Gießen. • S. He iche lheim. fccisacta aller Irl DiüVilVUVUVUUiWl Ml dleBrühlsche Unlv.-Driiokertii Amtliche Bekanntmachungen der Stadt Gießen. Wir suchen für ein 17jäbrigcS Mädchen alsbald leichte Stellung. Auskunft erteilt das Armenamt, Afterweg 9.______________________________________ ES wird darauf hingewiefen, daß nach § 4 der Lokal- Pvlizei-Bcrvrdnung vorn 6. ^nli 1S88 Akarkisen so bc festigt sein müssen, daß ihr tiefster Punkt mindestens 2,25 m über dem Niveau der S t ratze liegt. Markisen, welche dieser Bestinunnng nicht etnsprechew ytipyett wieber enlsernt werden (ß,e/41 brennabor f er A' fIC irr tu vö da fü: an Da -Wei £Z*' Zenkunis und Enthaltungen t Ter Etat i spricht sich Hammclsptu' bleibt also bi Beim. 2 fchtvcrde des daß hei einer, , ^ialdemotrati W beteilig ' Die Becha inung iibct den Basserm.ni Wiederher' die Militär M Begründet ein nafimc des Z Besoldungszui WicdcchcrzHt Mir ist: Wflfborfcif c ^gefordert hj ^soviel, das £ Sw § nicht L KkiM de 5 fache besä mir keine Aa,r Der R klrtitel in der eine daß., m de- M finden ij Justiz, die wnztcr bck. Zeitung" jrg enthalten ist Staatssekret, fordern wer Blattes eine ^fahren eir °es Reichssns SiÄ* L>L 5 JÄ" &WIn k-te"$0 Zungen bet < ui yne mitteir. der Op:‘™111 'n Of ,Anz--p DLC gt(jjblatt f“ fragt" er. Ml 161- € Sm Tische Präsident 16 MuKn. Bor Eint' Westarp v” sttzung von e> das mit einem 25 Proz- a.rbs eine Geie^ aenann!. t baden, in dem den Preis -'N' zu erhöhen. I anderen M'tgl' und ich ang-ve von unserer ' worden. Die schast bezogen des Kalenders daher nur als oder mittelbar satzungsgemas) Begründung. —---- Gute u. billige Lebensmittel 2 Pfd.- I Pfd.- Erbsen, gelbe große Pfd. 2V, 24 Pfg. Pfd. 45 Pfg. Linsen, neue Pfd. 17, 20 18 Pfg. Reis, Bruch 15, mittel rein, lose Pfd. 58, in Tafeln 60 Qualität 1-Pfd.-Pak.L0Pfg., r/2-Pfd.-Pak. 15 Telephon 186 ^alltoritrahe 24 große Pfd. 24, extra große Pfd. 30 Bohnen, kl. 20 Pfg., große Pfd. 22 30 15 kahnliokltratze 26 kuäwigltrahe 20 Tafelreis . . , Gries, Weizen Hartgries, gelb, fein Gerste, grob mittel Pfd. 20, fein Haserslocken la. Magnet-Oats, erstkl. Limburger Käse Edamer Käse Schweizerkäse, vollsaft. Pr. holst. Zervelatwurst Weich, braunsch. Mettwurst geräuch. braunschw. Rotwurst Dörrfleisch Speck Kokosnutzbutter, garantiert 100 124 150 130 70 110 105 Pfg- n 11 125 43 28 70 75 42 do. mittelstark I. Erbsen m. Karotten i. Würfel Karotten in Würfel Mirabellen, rheinische do. Metzer Pflaumen, süß mit Stein Dose 23 22 25 29 35 40 60 65 50 68 27 19 40 43 26 Schnittbohnen, junge Brechbohncn, junge OZcmüfe-Erbsen Erbfen, junge ,, mittelfein „ feine II Stangenspargel do. 50/60er Stangen Schnittspargel,dünn m. 30 30 38 44 54 70 HO 120 Köpf. 95 Kornkaffee, lose Pfund S-F Kornkaffee, kandiert, I-Pfund-Paket V»* I! Pfd. 19 . . 24 Pfd. 20 Pfd. 23 Pfd. 17 Pfd. 24 Pfd. 24 Mixed-Pickles, Essiggurken ir Sc»fa«rkcn,Silbcrz>vicbeln Pfg- Zwetschen-Latwerg mitAepfel Pfd. 26 5Pfd-Eimerl30, I0Pfd.-Eimer250 Ringäpfel, prima amerik. Pfund 42 Pfirsiche, kaliforn., getrocknet 50 do. Viktoria, m. Schale 18 S-F Kaffee naturell geröstet, Pfund von Mk. 1.30 an. Ausgiebige, wohlschmeckende Mischungen, Pfund 1.50 und 1.60. Tafelbutter, feinste, Piund 134 Pfg. S-F Bouillon-Suppenwürfel, 4 Stück 10 Pfg., 10 Stück in Dose 30 Pfg. Giessen Schade Füllgrabe --------- —------------------—— Telephonische Aufträge werden prompt und sorgfältig erledigt. — ChauHearschule Bingen a. Rh. Staatsaufs. 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