Hreitag, 28. November 1913 Erstes Blatt 165. Jahrgang Ve, ngsvr is: ntonotiid)75'BU oiertel- jährlich Alk. 2.20; durch Abholo- il Zweigstellen monatlich 65 Bf.; durch die Post Mk.2.— viertel- jährL ausschl. Bestella. Zeilenpreis: lokal 15Pf^ auswärts 20 Pfennig. Cbefrebaftcur: A Goetz« Verantwortlich für den polit. Teil: Ang. Goetz; für .Feuilleton*, .Vermischtes* und.Gerichtssaal": Karl Neurath; für .Stadl und Land*: Nr. 280 Ter Elehener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöcl'entlich GiehenerZamilienblätter; zmeunak ivÖdiciitLKteis-- bllail sürden Krtis Siehen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Landwirtschaftliche Zeitfraaen »lerusorech-Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depefchcn: Anzeiger «icßcu. Annahme von Anzeigen bis vornüttags" v'uh^ Botfltionsöntd und Verlag der vriihl'schen Univ.-Vuch- und Steindruckerei H. Lange. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen 17 k Ä . ... ... . - Kurt Bendt; für den Redaktion, Lrpedition und Druckerei: Schulstrahe 7. Anzeigenteil: H. Beck. Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten. Das Millionendarlehen für die Zentralkasse der Hess, landw. Genossenschaften. Ucbcr die Regierungsvorlage, betr. die Hingabe eines Tarlehns von einer Million Mark an die Zentralkaffe der hessischen landwirtschaftlichen Genossenschaften und die dar- tibcr im Finanzausschuß der Ersten Kammer gepflogenen Verhandlungen in Verbindung mit dem Antrag D. Heyl- Wraf Stolberq-Roßla und Fürst Jsenburg-Birstein hat der Ansfchnßberichterstatter Geheime Kommerzienrat Tr. Strecker- Mainz einen ausführlichen schriftlichen Bericht erstattet, der mancherlei des Interessanten und Bemerkenswerten enthält. Er gibt zunächst einen kurzen allgemeinen Ueberblick über die Sachlage und betont dann, daß sich die Amendementsanträge des Finanzausschusses in zwei Richtungen bewegten. Ter Ausschuß erachtet erstens die Hingabe von einer Million Mark an die Zentralkasse zur Er- reichung der in der Vorlage in Aussicht genommenen Zwecke für nicht genügend. Die alte Kasse arbeitete mit einem Aktienkapital von 215 Millionen Mark und zuletzt mit etwa 500 000 Mark Reserven. Die neue Zentralkasse verfügt nach den letzten Monatsnachweifen nicht über ein derartiges Betriebstapital und sie ist deshalb in nicht unerheblichem Maße darauf angewiesen, die für die Genossenschaften erforderlichen Kredite auf dem Wege des WechselkreditS flüssig zu machen. Der Mangel an Aktienkapital erschwert aber auf die Dauer die Erfüllung der dem Genossenschaftswesen obliegenden wichtigen Ausgaben; auch besteht in vielen Genossenschaften der dringende Wunsch nach flüssigen Mitteln, die in laufender Rechnung gewährt werden tonnen. Deshalb glaubte der Ausschuß über die Regierungsvorlage hinaus noch weitere 2 Millionen Mark zur Verfn- gung stellen zu sollen und zwar in der Form eines tcifö kündbaren, teils unkündbaren Kredits. Wie der Ausschußbe richterstatter bemerkt, bedeutet dieser Vorschlag auf dem Gebiete des Genossenschaftswesens nichts Neues, denn es haben auch süddeutsche Staaten ihren Genossenschaften Staats- krcdite zu billigeiü Zinsfuß eingeräumt, so z. B. hat Würl- i ent berg im Jahre 1899 den Genossenschaften 1 Mill. Mark bewilligt unb neuerdings sind weitere Anforderungen von ihnen erhoben worden; die bayerische Zentral-Darlehnskaffe hat ebenfalls auf Ersuchen Staatsvorschüsse in Höhe von 4,1 Millionen Mark erhalten. Alle diese Kredite stehen den betreffenden Genossenschaften zu einem außerordentlich günstigen Zinsfuß, höchstens 3'/> Prozent, zur Verfügung. Wenn der Hess. Staat nunmehr in einer anerkanntermaßen furchtbaren Krisis den hessischen Genossenschaften Staatsmittel zur Verfügung stellen will, so gewährt er ihnen etwa denselben Vorzug, wie ihn die Genossenschaften in andern Staaten schon längst genießen. In Konsequenz dieser Krediteinräumung für die Genossenschaften hat dann zweitens der Ausschuß den in der Regierungsvorlage nur für die Zeit der Darlchnshingabc vorgesehenen Staatskommissar als eine dauernde Einrichtung in Aussicht genommen. Ter Bericht weist auch in dieser Richtung auf die Erfahrungen in Württemberg und Bayern hin; überall habe sich dieses Institut außerordentlich bewährt und in keiner Weise zu einer Beeinträchtigung des Genossenschaftsgedankens geführt. Ter Ausschuß beantragt darnach einstimmig, in die Regierungsvorlage als Absatz 3 hinzuzufügen: „Weiterhin wird die Großh. Regierung ermächtigt, aus den Beständen der Großh. Staatskasse 1. einen unkündbaren Kredit in .Höhe von 500 000 Mark, 2. je nach Bedarf einen jederzeit kündbaren Kredit bis zum Gesamtbetrag von 1 500 000 Mark einzuräumen." (Aus dieser amtlichen Darstellung des Ausschußberichtcrstatters ergibt sich, daß die in verschiedenen Blättern enthaltene Darstellung, der Aus schuß der Ersten Kammer habe die Hingabe eines Dar^ Iahens von drei Millionen beschlossen, nicht den Tatsachen entsprach; auch davon, daß ein Antrag v. Heist aus Bewilligung von sechs Millionen für die Zentralkaffe wieder zurückgezogen wurde, ist in dem Ausschußbericht mit keinem Wort die Rede.) In den weiter vom Finanzausschuß der Ersten Kammer beschlossenen Zusätzen rcsp. Abänderungen zur Regierungsvorlage wird bestimmt, daß im Falle der Inanspruchnahme der Staatskasse durch die Zentralkasse eine anderweit erforderliche Verwendung der verfügbaren Bestände der Hauptstaatskaffe nicht möglich fein sollte, auch dieser Betrag durch Anleihe gedeckt werden soll und daß der ein zuraumcnde Kredit je'nach Lage des Geldmarktes für Staatsanleihen zu verzinsen ist. „Die Staatsbeihilfen sind bestimmt, die notleidenden Genossenschaften zu unterstützen und die Betriebsmittel der Zentralkasse zu stärken." Bemerkenswert ist die Verschärfung der Zusatzvorschrif ten für die Staatsaufsicht. Ein Zusatz zu Art. 4 lautet: Die Zentralkasse unterwirft sich der Aufsicht der Großh. Regierung. Diese Aufsicht erstreckt sich auf den ganzen Ge- schäftsbetrieb der Zentralkasse; sie wird durch einen von der Großh. Regierung zu bestellenden Kommissar ausgeübt." (Die Bestimmung der Regierungsvorlage, daß die Aufsicht „bis zur völligen Rückzahlung des Darlehens" fortdauert, fällt damit fort.) Im Art. 5 der Regierungsvorlage war gesagt: Der Staatskommissar ist befugt, alle Anordnungen zu treffen, die erforderlich find, um den Geschäftsbetrieb der Zentralkasse mit den Gesetzen, der Satzung und den sonst in verbindlicher Weise getroffenen Bestimmungen in Einklang zu bringen. Der Ausschuß beantragt: Der Staatskommissar hat alle Anordnungen zu treffen usw.Weitere Zusätze besagen, daß die Art der Verwendung des Darlehens und des zu gewährenden Staatskreüits der Einwilligung des Staatskommissars bedarf, daß die Zentralkasse verpflichtet ist, dem Staatskommifjär alsbald nach stattgehabter Revision die Revifionsberichte der einzelnen Genossenschaften vorzulegen usw. Da diese Ausschußanträge zweifellos die Zustimmung der Ersten Kammer finden werden, so darf man einigermaßen gespannt sein, wie sich die Mehrheit der Zweiten Kammer dazu stellen wird. Vie italienische Thronrede. Rom, 27. Rov. Tas Parlament wurde heute morgen durch den König eröffnet. In der Thronrede mit der der König das Parlament eröffnete, heißt es: Tic Tugenden unseres Volkes fanden ihren höchsten Ausdruck in unserer Armee und Marine, denen ich meinen Beifall spende, indem ich zugleich bewegten Herzens der Tapferen gedenke, die durch ihren Tod den Boden Lydiens für Italien heilig machten. zeitig verbesserte geistige, moralische und wirtschaftliche LebcnSbedingungen der Volksklassen bezweckt. Wir müssen die soziale EKsetzgebung zugunsten der Arbeiter vervollkommnen, die großen Interessen von Ackerbau und Industrie pstegen und der Handelsmarine, die ein mächtiger Faktor der Wohlfahrt für den Handel und die Kraft des Landes ist, eine zähe Pflege widmen. Ta man den Wert eines Volkes in der modernen Welt nach dem Grade seiner Kultur bemißt, müssen wir durch die wirksamsten Mittel dafür sorgen, daß der V o l k s u n te r r i ch l rasch auf alle Bürger ausgedehnt, immer mehr vervollständigt, der gewerbliche und landwirtschaftliche Unterricht ausgestaltei und die mittlere Schulbildung eine ernsthafte Erzieherin werde, angepaßt den Fähigkeiten der italienischen Jugend und der Notwendigkeit des Lebens, sowie daß auch ein mehr und mehr vertiefter H och s ch u l - unterricht den ruhnireick-en Traditionen der italienischen Universitäten entspreche. Auf dem Gebiete der Gesetzgebung wird man mit der Reform des Bürgerlichen G e s e p b u di e s beginnen müssen, um der Frau die Stellung zu geben, die ihr in der Familie zukommt. Die Hissung des italienischen Banners auf dem anderen Ufer des Mittclmccres bedeutet eine tätigere Teilnahme art der Lösung der Probleme der auswärtigen Politik. Tic neue italienische Erde erwartet dieses Werk der Zivilisation, in deren Namen wir sie besetzten. Gras Verchtold und seine Krittler. In ber österreichischen Delegation für auswärtige Angelegenheiten gab am gestrigen Donnerstag Graf Berchtvlb auf verschieb en e Em wen bangen recht interessante Erklärungen ab, bie sich auf bie letzten, von uns erwähnten Veröffentlichungen des „Matin" beziehen. Er sagte u. a.: Es ist ausgcführt worden, das vielleicht zu Beginn der Balkan- krise die Möglichkeit geboten war, durch Aussprache mit den Balkanstaaten inbetrefs Albaniens dasjenige zu sichern, was wir später beantragten. Ich bitte aber zu bedenken, daß Albanicu damals türkisches Territorium war und daß wir, um schon damals dessen Neutralität gegenüber den Balkan st a a t e n durchzusetzen, mit Rücksicht auf die nod) dort befindlichen türkischen Truppen zu einer effektiven Besetzung hätten sdfleiten müssen, welche einen Teil unserer Armee in dem Mo- ment großer nationaler Spannung gebunden hätte, was wir daher, nicht in Erwägung ziehen wollten. Gingen aber die Balkanstaaten aus unsere Forderungen nicht ein, so lvaren wir natürlich gezwungen, wider Willen in diesem Kampfe Partei zu ergreifen, und dadurch unsere künftige Politik den Battansiaalen gegenüber zu präjudizieren. Es muß übrigens in diesem Zusammenhang auch die damalige internationale Situation in Betracht gezogen werden. Es wurde heute schon vielfach von' E n t h ü l l u n g e n i m „Mali n" über einen Geheim- bunb gesprochen, der damals gesckstosscn worden sei. Wenn diese Informationen richtig sind, und sie stimmen mit man dien un seren damaligen Informationen .überein, jo würden sie einen weiteren Beweis bilden, daß die Balkanstaaten gewisse Hoffnungen aus eine Großmacht setzten. Die Eventualität einer Komplikation lag daher nahe. Wie dem auch sei, jedenfalls kann man einen Zusammenstoß der 'Monarchie mit den geeinigten Balkanvölkern keineswegs als ein erstrebenslvertes, der Rolle der Monarchie auf dem Balkan konformes Ziel bezeichnen. Dies ist eine Situation, die gegebenenfalls akzeptiert werden müßte und zu deren Herbeiführung wir aber nicht die Hand bieten dürfen und wollen. Ich mußte bedauernd konstatieren, daß die von uns aufgestellten Programmpunkte mannigfachen Widerspruch begegneten. Tics ist vielleicht in erster Linie darauf zurückzuführen, daß sie sich aui der Linie bewegen, wodurch sie ja nach der Auffassung den einen zu weit gehen, den anderen aber zu eng begrenzt erscheinen. 8chröSer-Stran;-Lxpedition nach Spitzbergen 1912-19(5. Gießen, 28. Nov. Einer der Teilnehmer jener Expedition, deren unglücklicher Verlauf noch allerwärts in trauriger Erinnerung steht, sprach gestern abend in der „Gesellsckstftt für Erd-- und Völkerkunde" über lerne Erlebnisse auf dieser schlimmen Fahrt. Dr. Hermann Rüdiger- Hamburg war einer der aus 10 Deutschen und 5 Norwegern bestehenden Mannschaft, die am 5. August 1912 Tromsoe verlieh, um auf dem „Herzog Ernst" das arktische Gebiet aufzusuchen. Führer war der Leutnant Schrödcr-Stranz . , ~ Rä war beabsichtigt, das N o r d o ,t l a n d von Spitzbergen am Mtfufben und dort Schrödcr-Stranz mit seinen Begleitern abzuictzen, die dann dieses unerforschte Gebiet mit Schlitten bereuen wollten. Zu diesem Z'vecke führte das Schift außer tun notwendigen Aus- Alftungsftücken eine Anzahl deutscst'r Hunde mit.sich Da die Ostküste Spitzbergens, ganz im Gegensatz Lur Westküste, die vom Goll- strom berührt'wird, stets von den Eisma,>en blockiert wird, die der Polarstrom heranführt, so zeigte sich bald ein Herankommen von Südosten her, durch den Sror-Fgord als undurchsuhrbar. Tas Sckiff fuhr deshalb um das «üdtap herum.nach Westen und er reichte am 12. August die Magdalenenbai. »ter traf es nut km größten deutschen Vergnügungsdamvwr, der Viktoria Luiie zusammen Trotz der schwierigen Fahrt wurde das Nordkap glücklich erreicht Am 15. August verließ Schrödcr-Stranz mit drei Begleitern iSandleben, Tr. Maur und Schmidt) das Schin und suchte über die Eisdecke hinweg die Küste zu erreichen. Ob er untenveg» ,chon ertrunken oder ob die vier Männer un >iMierii des Nordostlande? 'uarunde gegangen sind, weiß heute niemand. Die voftnung, daß s^noch am Leben sein könnten, glaubt auch der Vortragende, nun nach Eiichruch des zweiten Winters, als zerstört betrachten zu n,Uf Sie vielfach aufgeworfene Frage, warum Schrödcr-Stranz sein Schiff verließ beantwortet Tr. Rüdiger dahm: ^ie Teilung in eine Schlittenexpeditton war von vornherein vor ^ckm-ckend ausgerüstet worden. Die Ausrüstung der beiaf, Ar »Mei bis drr, Äonate Proviant und außerdem vorzügliche ^mßwaften mit genügend Mun tto i um sich als Iagdexpedition durchschlagen zu können, -ta jemutiort. um i ^ic Küste herankommen konnte, ÄeSÄ ä» feilem Eis halt mafcn mu6te io tpar ein Verlassen des ÄchW zur unbedingten ^“bem Wned'ihrer unglncklrch-n G-nassen. Mhr der Rest L b?'^mCob" ®a?£ “Site Ä S bann, falls diese bis zum 15. Dezember nicht zurückgckehrt sei, die Kreuzbai zu erreichen suchen. Allein die Soryebai sollte dem Schiff und seinen Bewohnern verhängnisvoll werden — sie haben die Kreuzbai nie erreicht! In diesen arftifefen Gebieten bedeutet der Juni den Frühling, der Juli den Sommer und der August den Herbst. Schon stand der arktische Winter mit seinen Schrecken vor der Türe, dem Sck)iff war ein Verlassen der Soryebai infolge des Treibeises unmöglich, und die Forscher waren auf der schmalen Halbinsel zwischen Hinlopen-Straße und Wijdebai zur Untätigkeit verdammt. Der Wunsch, der drohenden Ucbcrrointcrung mit ihren Gefahren zu entgehen, um nach Uebcrwindung der nickst allzu lang scheinenden Landsttecke von 200 Kilometern die Kreuz- vder die Ädvcntbai zu erreichen und damit die Möglichkeit zu gewinnen, noch im Herbst Europa zu erreichen, veranlaßte die Expe- dilion, das Schiff zu verlassen und den Landmarfch südwärts anzutreten. Äe Sorge, ob der mitgeführte Proviant so. beschaffen fei, daß er vor der gefürchteten Polarkrankheit, dem Skorbut schütze, sowie die Erwägung, daß ein Winleraufentlstilt an dieser Stelle zur Untätigkeit zwinge, für die Wissenschaft als vollständig ohne Nutzen sei, wirtten noch bestimmend zu dem verhängnisvollen Entschluß mit, der im übrigen keineswegs von zwingender^ Notwendigkeit diktiert war. Am 21. September begann die Schlittcnreise. Am ersten Tage wurde mit vieler Mühe das Platemi erstiegen, der zweite Tag brachte die Ueberraschung, daß die norwegischen Matrosen umkehrtcn, der dritte Tag brachte Tauwetter und verwandelte den Schneebelag in einen Schneebrei, am vierten Tag brauste ein Schneesturm über die Hochfläche, daß die Reisenden ihre Schlafsäcke nicht verlassen konnten. In fünf Tagen erreichten sie zwar die Wijdebai, hatten aber insgesamt nur 16 Kilometer zurückgelegl. Infolgedessen faßten sie den Entschluß, wieder nach dem Schiff zurückzukehren, um ihre Ausrüstung zu vervollständigen. Nur Tr. Tetmer und Dr. Moeser zogen allein weiter und fanden beim Ueberschreilen der Eisdecke der Wijdebai zweifellos ihren Tod, denn man har nie wreder ein Lebenszeichen von ihnen gefunden. Am 28. September bereits verließen die Zurückgekehrten zum zweitenmal das Schiff, um abermals zur Wijdebai zu ziehen, wo sie in einer alten Fanghüttc notdürftig» Unterkunft fanden. Hier stellte sich ein unübersteiglicksts Hindenüs in den Weg: Tr. Rüdiger erfror außer einigen Fingern die vordere Hälfte des rechten Fußes und konnte nicht weiter. In dieser verzweifelten Sage teilte sich die Expedition abermals: der Führer des Schiffes, Kapitän Ritscher, wandte sich zur Adventbai, um Hilfe zu holen, während der Maler Rave bei dem erkrankten Freund zurückblieb und diesem durch aufopferungsvollstes Ausharren buchstäblich das Leben rettete. Ritscher und fein Begleiter versicherten die Zurückbleibenden: „Sind wir in 4 Wochen nicht wieder zurück, so sind wir nicht mehr am Leben!" In der Ueberwinterungshütte fand sick) von den letzten Bewohnern, die vor 6 Jahren hier gehaust.hatten, etwas gesalzenes Renntierfleisch und ein Vorrat von verschimmeltem Reis. So hatten die zwei Verlassenen 5—6 Wochen zu leben. Holz führte der Polarstrom aus Nordsibirien an die Küste heran, sehr zum Glück; denn die Kälte erreichte auch in der Hütte 20 Grad. Am 20. September 1912 schien zum letztenmal die Sonne, und dann begann die furchtbare Polarnacht. Rave traf mittlerweile die Vorbereitungen zum Rückmarsch zum Schift, dessen Erreichung die einzige Retttingsmöglichkeit bot. (5r konstruierte seinem Freunde in genialer Weise einen Stiefel, mit dessen Hilfe sich dieser wieder tzu bewegen vermochte, und am 23. November verließen sie i*e Hütte. Acht und einen halben Tag brauchten sie, um die 65 Kilometer zurückzulegcn. Doch am 1. Dezember erreichten sie glücklich den „Herzog Ernst". Rave operierte dem.Vortragenden, ohne medizinische Vorkenntnisse zu besitzen, die erfrorenen Gliedmaßen und erreichte eine glückliche Heilung. Am ersten Weihnachtstag trafen zu ihrer Ueberraschung der Eislotse Stenerson und ein Matrose auf dem Schift ein und brachten die Unglücksbotschaft, daß ihnen unterwegs der deutsche Maschinist im Schneegestöber abhanden gekommen und ohne Zweifel nicht mehr am Leben sei. Auch der Koch war krank (tuberkulös) und starb am 24. Februar. Ter März ist in der Arktis der kälteste Monat, deshalb sahen sich die Eingeschlossenen veranlaßt, das Schiff zu verlassen und in das schwedische Stationshaus überzusiedeln. Nachdem Ende Januar die Hilfsexpedition des Leiters vom Observatorium in der Kreuzbai meteorologisch-serologische Station der deuftchcn Zeppelin- luftschift-Expedition), Dr. Kurt Wegner, nach Verlust der gesamten Ausrüstung in der Mosselbai gescheitert war, traf in der Nacht vom 20. zum 21. April die norwegische Hilsscxpe- dition unter Hauptmann Staxrud ein.' Acht Tage später folgte die deutsche Hilfsexpedition' unter Lerner, die die Glanzleistung vollbracht hatte, in 6 Tagen von Tromsoe bis zur Mosselbar vorzudringen und zwar zu Schift, während die Norweger von Süden aus zu Land eintrafen. Die Lernersche Expedition setzte ihre Fahrt fort, um im Nordostland nach Schrödcr-Stranz zu forschen und Dr. Rüdiger und Rave reiften im Gefolge der Norweger auf dem Landwege nach der Adventbai. Ter Engländer Mansfield brachte sie aur seinem Schiff nach Green Harbour, wo sie den „Herzog Ernst" vorfanden, der sie wieder mit dem zu ihnen gestoßenen Kapitän Riftchcr nach Tromsoe zurückbrachtc. Tr. Rüdiger gibt zu, daß man den Verlust von 8 Menschenleben für eine einzige Expedition vielleicht als zu großen Einsatz anleben könne. So lange aber sich Männer finden, die ideal genug denken, um auch ihr Leben an große Probleme der Wissenschaft zu wagen, werde auch derjenige ein Gefühl der Bewunderung nicht unterdrücken können, der die Bedeutung solcher Seiftungen für die gesamte Menschheit nicht einzusehcn vermöchte. — Ter Vorttag bot eine Musterleistung populär-wissenschaftlicher Tarstcllungsweise und wurde durch eine Reihe wunderbar schöne? Sichtbilder trefflich ergänzt. Gras Berchtolb fommt dann darauf ’,u sprechen, daß das Aufgeben Salonikis und des Sandschaks Novi Katars bemängelt werde. Was Saloniki anlange, so habt es sich um kein Aufgeben gehandelt, da keiner seiner Vor ganger an die Erwerbung dieses Handelsplatzes, unb des dorthin führenden Weges gedacht habe. Auch tat cs Andrafch nicht. Eine Erpanfion ^um Aegäischeu Meere hätte die groß ten Inkonvenienzen nach sich gezogen. Bezüglich des sand schaks Novibazar sei schon in der Delegation darauf hin gewiesen worden, daß durch den Verzicht des (Grafen Aehren. thal auf das Beseßungsrecht dieses Gebietes Oesterreich reicht mehr freie Sjaub hatte, auf denselben Anspruch zu machen. f^raf Berchtold erklärte dann, bezüglich Albaniens sei die Monarchie wieder einen beträchtlichen schritt weiter gekommen, indem bie Fürstenfrage nunmehr als ge- I ö ft betrachtet werden könne und schon jetzt gesagt wer den könne, .daß die ersten Fahrlichkeiten, von denen das junge Staatswesen bedroht wäre, nahezu als üb^wunden betrachtet werden tonnten. Tie von mehreren Seiten ausgesprochene Besorgnis wegen der Eventualität einer Auf tcilung in zwei Interessensphären, eine österreichische und eine italienische, kann ich als vollkommen unbegründet bezeichnen. _______________________ Veutscbes Reicv. Ter Kaiser ist am Donnerstag abend 10,50 Uhr nach Donaueschingen abgereist. Aus der badischen Thronrede. Am gelingen Donnerstag erfolgte in Baden die feierliche Eröffnung der Ständeversammlung: dobei hielt der Großherzog eine Thron rede, in der er sagte: ,,Die Finanzlage des Landes hat sich günstig gestaltet. Infolge wiederholter I-ehlherbste bc sindet sich der Winzerstand in schwieriger, teilweise bc drängter Lage. Meine Negierung wird Ihnen Vorschläge zur Linderung unterbreiten. Die Geltungsdauer des Gesetzes Über die Aufbesserung gering besoldeter Pfarrei aus Staatsmitteln soll verlängert werden, da die Kirchen zur genügenden Besoldung ihrer Geistlichen eines staatlichen Zu schusses noch nicht entbehren können. Die Frage der Einfüh nnig der Verhältniswahl für die Wahlen zur Zweiten Kam mcr der Ständeversammlung, die auf. dem letzten Landtag in beiden Kammern erörtert wurde, ist in der Zwischenzeit von meiner Regierung einer eingehenden Prüfung unterzogen worden. Das Ergebnis wird Ihnen in einer Denkschrift demnächst mitgeteilt werden. Tie Denkschrift über die Vereinfachung der Staatsverwaltung, welche im letzten Landtag nicht mehr zur Beratung gelangte, wird ihnen auf den heutigen Stand der Verwaltung und des Verfahrens ergänzt von neuem vorgelegt werden. Unter den Gesetzesvorlagen, die meine Regierung Ihnen auf verschiedenen Gebieten der Staatsverwaltung unterbreiten wird, sind von größerer Bedeutung Entwürfe über die Berufsvormundschaft und über die Neuregelung der Umzugskosten der Beamten. 2litslditö. König Ferdinand beim Kaiser Franz Josef. Kaiser Franz Josef empfing am Donnerstag mittag in Schoen- brunn den Besuch des Königs von Bulgarien. Der Besuch dauerte 40 Minuten, dann nahmen die Monarchen herzlichen Abschied. Die Einkommensteuer in Frankreich. Der Steuerausschuß des Senats wird im Plenum ben von ihm nach üjähriger Beratung ausgearbeiteten Einkommensteuer- gesetzentwurf vorlegen. Durch ihn wird die bisherige Personal-, lür- und Fenstersteuer aufgehoben und eine Einkommensteuer mit fakultativer Erklärung und behördlicher Schätzung auf den bestehenden aeschästlichen Grundlagen eingeführt. Jur Steuerleistung sollen fünf Millionen Steuerzahler herangezogen werden: der bäuerlichen Bevölkerung soll durch diese Einkommensteuer eine Entlastung von 50 Millionen zuteil werden. Eine Friedensrede des englischen Premierin iniftets. In einer Versammlung der nationalen liberalen Vereinigung in Leeds bildete den Hauptgegenstand der Beratung eine Entschließung bett, die Einschränkung der Rüstungen. Premierminister Asquith wandte sich an die Versammlung, inbem er mit Genugtuung auf die letzten Errungenscl-asten der Regierung Bezug nahm. In den letzten Jahren hätten füllt Großmächte ihre Ausgaben für militärikhe Zwecke um mindestens 60 Millionen erhöht. Die britische Regierung beklage diese in der ganzen Welt zu Tage getretene riesige Ablenkung von Nationalvermögen in unproduktive Kanäle. Asquith fuhr fort: Ich für meine Person glaube, daß die stältdig wachsende Belastung durch neue Steuern und die zunehmende Schuldenlast den Erfolg haben werden, das herbei zuführen, lvas die Philantropen und Idealisten vergeblich versucht haben zu erreichen. Wir werden begierig icbe Gelegenheit ergreifen, welche wir entdecken oder schaffen können, um die Lasten allgemein zu erleichtern, welche die besten Hoffnungen uub das beste Streben der Menschheit beschweren. 2Iu$ IHerito. M e x i ko E i t i), 27. Nov. Gestern hat in der Nähe von Santa Eruz zwischen Monieret) Victoria und Tamaulipas ein Gefecht stattgefunden. Die Rebellen zogen sich zurück Sie hatten 70 Tote. Die Bundestruppeu verloren 20 Mann Nach einer Depesche aus Tampico drohten die Aufständischen, die Oelrefcrvoire von Tampico, die oberhalb der Stadt gelegen sind, zu zerstören, wenn das Kanonenboot ..Bravo", das die Bundestruppeu unterstützt, sich nicht ent ferne. Die Aufständischen tollen wenig Aussicht auf die Ein nähme Tampicos haben, solange der „Bravo" den Verteidigern Hilie leistet. Die von beit Europäern in der Hauptstadt eingerichtete Organisation ist eifrig an der Arbeit. Die fremden Einwohner hoffen, sich über eine Lcrtlichkeit zu verständigen, wo sie sich sammeln können und welche als neutral betrachtet werden würde. Es sind Schritte getan für den Ankauf von tausend Rindern, hundert Milchkühen. 1500 Hammeln und anderen Lebensmitteln für die Dauer mehrerer Wochen. Au» Statt und Land. Gieße n, 28. November 1913. Die angefochtene Stadtratswahl. Dio Stadtverordnetemvahl ist von zwei Seiten als ungültig angefoälen ivorbcn und ibn- vollständige Aushebung beantragt In beiden Fällen ist das Verlangen gestellt worden, nochmals Neuwahlen vorzunchmcn. Ter erste Protest ist von dem Packer Marl thrnipi, .Kreuzplatz 1, erhoben und in der vauptiache da mit begründet, daß zwei Wähler an der Abstimmung teilgenommen hoben, die znwr in der Liste flehen, aber von Gießen lang«, wenn auch nicht abgemeldet, verzogen sind. Writer wird behauptet, taß der Schneider Heinrich Loos, der gar nicht in der Liste fleht, ebenfalls gewählt hat, wogegen sein Vater, der Schneidermeister Heinrich Loos, von der Abstimmung zurückgewiccn tour De. Einen weiteren Protest bat der Maurernieifter Johann tzK-vrg Piatt ein gereicht. Er behauptet, daß den für ibn gezählten 715 Stimm, weitere 29, für ungittig erklärte, Stimmen hätten hinzugeiaiilt werden müssen. Weiter wird in der Anfechtung gerügt, bap. in 2 Bezirken je ein Stimmittel mehr abgegeben wurde, als Wählei von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht haben Ter Oberbürgermeister ist verpflickuct, sämtliche Wahlakten mit einer gutachtlichen Aeußerung dem Kreisamt vorzulegen. Tei Krrisrar ist bei erheblichen Gesetzwidrigkeiten, oder bei ge Üblicher Unfähigkeit eines Gewählten zur Beanstandung Der Wad' von Amts wegen verpflichtet. Außerdem ist er berechtigt, du Wahl zu beanstanden, wenn ihm Vorgänge bekannt werden, die geeignet waren, das Wahlergebnis in unlauterer Weise zu beeinslussen. Tiefe Fälle werden im Protest der beiden Antrag steiler nicht behauptet und scheiden daher aus. Der Termin vor dem Kreisausschuß wird wahrscheinlich auf den 10. Tezember an gesetzt werden, wo diese Körperschaft sowicfo tagt. * ** Tageskalender für Freitag, den 28. Nov.: Stadttheater: .Kammermusik" Abends 8 Ubr. Alldeutscher Verband: ,1813—1815*; Neander. Steins Garten. AdendS H Uhr. Akademischer Wartburgverein: .Schleiermacher und das Vaterland von 1800—1813*. Prolessor D. Eck. Stein- Garten. Abends '/,9 Uhr. ♦ ** Ter Vorstand des Hessischen Richtervereins ist am Mittwoch in Darrn st adt zu einer Sitzung zu fannnengcmlen, zu der auch Vertrauensmänner aus der Zahl der Vereinsmiksilieder zugezogen mann Es wurde einstimmig seft- gcstellt, daß die schlechte Behandlung, die die Justiz bei der Veralung der Besoldungsvorlage im Finanzausschuß der Zweiten Kammer unverdientermaßen erfährt, überall im hessischen Richlerstande starken Unwillen und lebhafte Ent- r ü ft ii n g hervorgerufen hat. Es wurde beschlossen, f o i o r t beim Justizministerium und beim Finanzausschuß energische Borstel lungen zu erheben, bannt nicht wieder wie im Jahre 1898 die Besoldungsreform auf Kosten der Richter vollzogen wird. ’* T a 5 Stadttheater schreibt uns: Wie hoch die Künftlerschatt Friedrich Kanßlers und Helene FehdinerS, die am Mittwoch, den 3. Dezember, hier in .Rosmersholm* gastieren, in Berlin einqeschäm wird, erhellt ans beilolgender Notiz eines Berliner Blattes: .Beilins interessantestes und qeistii höchft* stehendes Schauspieterpaar, äriedrich Kavßter nnd Helene Fehdiner, ließen in erareiienber Darstellung die prächtigsten Erinneruiigen des Kleinen Theaters und an Reinhardt wieder wach werden, der diese beiden erften Schmuckstücke seines Kainmerspiele-EnsembleS hergeliehen hatte," " Ein studentisches Totcngeleite bewegte sich am Donnerstag mittag durch die Straßen von der Klinik nach dem Bahnhof. Ter feierliche Zug- war in üblicher Weise zusammengesetzt, sämtliche Korporationen waren durch ihre Chargierten mit Fahnen vertreten. Der Verstorbene, ein junger Mediziner, hatte vor klirzem sein Examen bestanden. _ ** Das Flugzeug, das am Donnerstag morgen unsere Stadt überflog, hat, wie wir bereits durch Anschlag meldeten, in Der Nähe von Ober-Ohmen um 11 Uhr eine Notlandung vornehmen müssen. Durch den herrschenden starken Nebel hatten die Insassen, zwei Offiziersflieger, die Orientierung vollständig verloren. Das Flugzeug, eine Rumvlertaube, ging aut einem Acker nieder. Tie Flieger waren in Köln aufgeftiegen. Im Nu ver sammelte sich um das Flugzeug eine große Zahl Zuschauer. Nach einem Aufenthalt von P Stunde stieg die Taube von einer Anhöhe in die Luft, beschrieb einen Bogen über Ruppertenrod und schlug die Richtung nach Hersfeld ein, von wo sie angeblich nach Berlin weiter wollte. " 2 5 j ä h r i q e S D i e n ft j u b i l ä u m. TaS Tienftfubiloum des Briefträgers Hermann Mickel gestaltete sich, wie man un« schreibt, in recht schöner Weise. 91(5 der Jubilar d«S morgens um 1,6 Uhr an seiner Arbeitsstätte erschien, war sein Platz mit Girlanden und Blumenstöcken geschmückt und der Jubilar selbst wurde gebührend gefeiert. Im Namen seiner Kollegen brachte ihm Briefträger L. B e d die herzlichsten Glück- unb SegenSwünsche dar und überreichte ihm ein Geschenk mit den Worten, daß es, wenn die Briefträger allein auch nur eine kleine Freude Damit bereiten könnten, unüomehr von Herzen komme. Er schloß mit einem Hoch aus den Jubilar, welcher bauvlsächlich auch vou feiten des Publikums als stets eutgegenkommender und liebenswürdiger Beamter bezeichnet wird. ** Unfall. Gestern abend verunalückte ein Junge, der mit einem kleinen Leiterwagen den Berg, Der sich von her 9Inatomie bis zur Wiescck-Brücke hinzieht, hinunter fuhr. Ter Junge würbe bewußtlos aufgefunden und nach der elterlichen Wohnung gebracht. ** 3 00 0 Mark spurlos verschwunden. Ein eigenartiger Vorfall ereignete sich am Donnerstag morgen zwischen 10 und 11 Uhr in der Zigarrenfabrik I. B Noll zu Gießen. Ein Kaufmannslehrling der genannten Firma hatte von der hiesigen Reichsbanknebenstclle 3500 Mark abgeholt und sie zu Rade nach seinem Geschäfte befördert. Er war auf der Fahrt von einem Lehrling eines anderen Geschäftes begleitet und benutzte mit diesem zusammen einen Weg, auf dem er sonst nicht fuhr. In Demi Privatkontor seines ChesS legte er das Geld: 2900 Mark in Papier, 500 Mark in Gold und 100 Mark in Silber auf einen hinter dem Rücken des Geschäftsinhabers stehenden Tisch Dieser war an seinem Schreibtisch beschäftigt und zählte daher das Geld nicht gleich nach. Nach einiger Zeit gewahrte der Buchhalter, der das Geld einschließen wollte, daß das Papiergeld, die 29 00 Mark, von dem Betrage fehlte. Der herbeigerufene Lehrling heft ritt jede Schuld, ihm selbst sei das plötzliche Abhandenkommen des Geldes, das er vor kurzer Zeit auf den Tisch gelegt habe, rätselhaft, erklärte er. Nach seinem bisherigen Verhalten ist ihm, wie man uns mitteilt, auch kaum eine solche Tat zuzutrauen. Tic Angelegenheit wird dadurch nur umso seltsamer, zumal während dcr fraglichen Zeit kein Fremder im Privatkontor war. Polizeiliche Nachforschungen sind bereits ins Werk gesetzt worden. ** Zu der Verhaftung des Leiters der Gewerbebank Lollar teilt uns der Vorsitzende des Kriege r v e r c i n s Lollar mit, daß der Kriegerverein bei der Gewcrbebank Lollar nur eine Forderung, cinschl. Fah- uensonds, von etwa 700 Mark habe. Die Anschasfung einer neuen Fahne, deren Einweihung zum 70. Stiftungsfeste 1914 erfolgen sollte, sei nicht geplant gewesen. Damit ist also die von vielen Seiten geäußerte Meinung hinfällig, der Verein sei durch die unerwartete Verhaftung des Gewcrbebank-Lei- tcrs in große Verlcgenlieit gebracht. 3um Spiel mit der Schußwaffe schreibt uns der Landwirt Ludwig Schaum II. aus Klein-Linden, Wetzlarer Straße 32: Das Spielen mit der Schußwaffe zu Klein-Luiden^ war nicht in meiner Hosreite, sondern da4 Unglück trug iid) in der Hofrcite be5 Bahnarbeiters Friedrich llicc i frankfurter Straße) zu, in dessen Holzschuppen die UnglüctSwaffe geladen an der Wand hing. Ter Junge zielte u-cht auf feinen Bruder, sondern schoß aufs Geratewohl zur offenen Tur hinaus. Dem älteren der Brüder ging die Kugel dicht am Kopf vorbei. Den jüngeren traf sie, der ahnungslos ui vof verweilte. Für solche Unvorsichtigkeit Tann man I das Kind nicht gleich verantwortlich machen, bem eine Mord- idttfie doch ganz fremd war. (In unserem Sldifcl machten wir auch nicht das Kind, sondern bie Eltern üerantroorfh*, die eS nicht mit den Gefahren der Waffe bekannt gemacht haben. T. RedI. ** T ie Jagd nach Dem Ueberzieber. Die Gießener Bevölkerung, besonders Die liebe Jugend, mürbe am Donnerstag morgen kurz nach 10 Ubr in eine gelinde Aufregung versetzt durch eine wilde Jagd, bie von her Neuen &üie ausging. Es war aber auch gefährlich anzuiehen, wie eine nxlbe 5d»r Die Neuen-Bäue bcruiuer eilte und Ausrufe, wie „Haltet den Dieb!", „Nehmt ihn fest'" laut werben ließ. So aufgeregt waren Mann und Weib, baß man erst nach vieler Mühe Licht in bas bunfle Geheimnis bringen onnte, um selbst Die nötig: Wirrheit m gewinnen. Ein unbekannter Mann von annäbemD 10 Jahren, mit einem braunen Anzug bekleidet, hatte sich in bösartiger Weife an einem Ueberzicher bet? Firma- P W Schneider vergriffen unb filcnbs mit seinem Raube ?as Weite gesucht. Der erste Gavg nur nach hem Pranhhause beS Herrn Ctt Ter Dieb wollte sich io ben Gewinn seines Raubes wenigstens sickern Dock mit beS Geickickes Mächten . .! Er hatte nickt nm der Schlauheit des bestohlenen Geschästsinbahers gerechnet. Ter batte sofort einen jungen Mann beordert: „Gehen Sic nach bem Pfandhaus Dort finden wir ihn zuerst." Ein junges Mädchen rief enden en bi: Polizei ju Hälfe. Der Cdci hcs HauseS batte sich nick t getäuscht Man erwischte ben Dieb richtig im Hause des AlthändlerS, her ein sehr erstauntes Gesicht mad-v, als er erfuhr, mit wem er soeben verhandelt hatte. Doch für den Gesuchten yad's nur ein kur^s Besinnen, bann lief er baoon. so schnell ihn leine Beine trugen. Der junge Mann hinterdrein. Biele schlossen sich an. Aus dem Wochenmarkte^ kam ein Radfahrer vom städtifchen Tiesbauamte hinzu, in her Senckenbergftraße Herr ll m b a ch von her Wetzlarer Wach- unb Schließgesellschait. Doch bie Jagd ging weiter bis zur Brücke und hinüber quer durch ben Botanischen OZarten Ein Heer von Verfolgern hinterher. Hier glückte cs endlich Herrn llmbad), des Ausreißers habhaft zu werben. Schutzleute kamen hinzu, führten ihn im Triumph ab, unb bas Straßenbild erhielt allmählich wieder das gewohnte Aussehen. Auf der Polizeiwache stellte man fest, baß man einen guten Fang gemacht hat. Ter Festgenommene ist der st e ck b r i e s - l i ch von Saarbrücken aus gesuchte Kellner Johannes Herbst aus Posen, ein alter OtalqenDogcl, der auch anderwärts gesucht wird Man fand bei ihm 10 Einlaqebücher österreichischer Banken und sonstige für ben Staatsanwalt interessante Papiere. Einen Teil dieser Papiere, die gefälscht sind, bat her Flüchtling ennveber im Bvtanifckien Garten verloren oder von sich gemonm, wo sie der Radler gefunden hat. Der Ueberzieber wurde von dem Althandler nach der Polizei geholt. Landkreis Gießen. ? L i ch, 27. Nov. Tie Kosten für die Wieherhcrstellung der Crgcl in der Marienkirche sind durch Spenden und Konzerte schon teilweise aufgebracht worden. Kreis Büdingen. e. Echzell, 27 Nov. Tie Kaiserliche £? b c r p o ft» dircktion trägt sich mit bem Gedanken, das hiesige Postamt in eine Agentur umzuwanbeln. Das Amt ist in einem Privathause untergebracht und der Besitzer fordert einen höheren Mietzins. Tie 17 Teilnehmer des Telephonnetzes sind beim Postamt Reichelsheim >Wetterau> angeschlossen. = Ortenberg, 27. Nov. T-er langjährige Rechner unseres Vorschuß- und SVrcbitDerein-5 Aktiengesellschaft) F. Kämmerer hat die Rechnerstelle der Bezirkssparkasse in Reinheim übernommen. Zu seinem Nachfolger wurde Heinrich Wehner bestimmt. i. Wallernhauscn, 37. Nov. In den Gemeinderat wurden gewählt: Karl Eeum mit 116, Otto Bach mit 99 unb Adolf Be cker mit 88 Stimmen. Kreis Friedberg. L. Friedberg, 27. Nov. Man glaubt jetzt den Gauner im Zigavrenladcn, von bem wir berichteten, ertappt zu haben Tie schutzrnannsckaft bat heute einen jungen Maurer fcftgnwmnicn, der dringend verdächtig erscheint. Er leugnet zwar, im Laden gewesen zu sein. Zeugen können aber das Gegenteil beweisen. Auch am fraglichen Abend glaubten sie den Durchbrenner zu erkennen. Heute finden wettere Bemehmungen statt L. Ober-RoSbach, 27, Nov. Born 1 Dezember an werden die beiden Mangangrubcn in gemeinfamen Betrieb der Firma Bartling u. Comp. übergehen. st. Kirch-GünS, 27. Nov. Bet der heutigen Beigeordnetenwahl erhielten Wilhelm Müller III. 67, Jobs. Röhrig II. 52, Karl Heinr. Hanack 17 und 911fr. Müller 3 Stimmen. Es wählten etwa 80 Prozent der Stimmberechtigten. Zwischen W. Müller III. und I. Röhrig II. ist Stichwahl erforderlich. Starkenburg und Rheinheffen. m. Offenbach a. M., 28. Nov. Die .50jahrigc Witwe Anna Riesling, bie in einer Privatbeleidiaungsklage als Zengin vernommen werden sollte, erlitt gestern vor dem Offenbacher Schöffengericht vor Aufregung einen, Schlaganfall, an dessen Folgen sie bald nach ihrer Einlieferung ins städtische Krankenhaus verstorben ist. — Ein Einbruch wurde in dem Hause Geleitsstraße 47 verübt. Diebe drangen dort in den Laden des Möbelhändlers Jakob Pohonjsles ein und entwendeten Gegenstände im Werte von über 300 Mark. Tie Täter konnten bisher noch nicht ermittelt werden. h. Langen, 27. Nov. Ter Rechnungsabschluß der Bezirk s s p a r k a s s e für 1912 ergibt einen Reingewinn von 28 605 Mark. Das Vermögen beträgt nach Abzug der Sckmlden 554 648 Mark. — Mainz, 27. Nov. Im Bahnhof Mainz-Süd geriet heute vormittag eine etwa 32 Jahre alte Frau unter einen nach WormS abgehenden Perfonenziig und wurde auf der Stelle getötet. Ob ein Unglücksfall oder Selbstmord vorliegt, ist noch nicht aufgeklärt ivorden. Die Persönlichkeit der getöteten Frau konnte bis jetzt noch nicht festgestellt werden. Kreis Wetzlar. w. Hohensolms, 27. Nov. Bei den Arbeiten für die Wasserleitung G ro ß- A l te n st ä d t e n ist man in einem Stollen bei einigen Metern Tiefe auf ein Lager von Kupfererzen gestoßen. — Tas Kaiserin Augusta- Viktoria-HauS in Ehringshausen wird am l. Dez. von einem Diakonissen-Mutterhaus übernommen und mit fünf Schwestern besetzt. Heften Nassau. < w. Rodheim a. d. Bieber, 27. Nov. Die elcktr Versorgung ist hier zur großen Zusriedenheik ausgefallen, es werden fortgesetzt immer mehr Häuser angeschlosscn. Bis zum Weihnachtsfest wird auch Fellingshausen im neuen Licht erstrahlen unb selbst in Crumbach, Frankenbach unb Vetzberg ist man nickt abgeneigt für ben Anschluß. — Marburg, 27. Nov Tie Herren Karl Albert und Huco Strauß in Marburg unb Frankfurt a. M., Inhaber der Bonk- nrma Baruch Strauß, Marburg a. d. L, haben bet Deutsche nGcsell schalt für flaufman n«-6r h o l n n gehe i m e eine 5 i in m e t - 6 t i 11 u ii g zuteil werden lassen, bie den Namen ihre« Vaters Baruch Strauß, des Begründers dec Iirnia, tragen soll. }( Franken berg, 27 Nov. In ben Wäldern der Um- gegenb scheinen sich weiße Füchse auszuhalten. Kürzlich würbe ein solcher im Burgwald unb jetzt ein anderer bei Louisendorf erlegt )< Aus bem Siegerland, 27 Nov. Auf der Grube „Brüdcrbunb" bei Eiserfeld kam der Bergmann Emil Kaiser aus Liebenscheid auf gräßliche Weise ü m s Le h e n. C«/1. 7692] tauid’ erbeten. [09128 [7699 Preisen statt. hv27/11 inrt a. Main. ES Vermietungen /Kaiifgesiiche Verschiedenes Mietgesuche Ein vernachlässigter Schnupfen rächt tociülcr, Gerichtsvollzieher, Bahubofttraße 60 l Schirm vertauscht mit Namen gezeichnet. Aus- Der 24 Jahre alte Mann stürzte aus der 'Fcchrrolle etwa :acf)t Meter t'if mit dem Rürken in einen unten aufrecht stehenden langen Bohrer, der ihm zuvor entfallen war. Der Mann war sofort tot. als Büchcrsackverstänbiaer der Verlagsbuckhünbler Wertet 'Bcr ün> vernommen. Er bekund«, daß die Geschäfte, nnc sie hier er örtert wurden, im deutschen Buchhandel einzig daNünden, lie könnten nidtt nach den Bestimmungen des Börsenvereins Tür den deutschen Buchhandel beurteilt werden. v - Nach der Pause verkündet der Bonitzende den Befckuun des Gerichtshofes, daß die Vernehmung des Zeugen Stöß abgelehnt worden sei, da die in die Wissenschaft des Zeugen fallenden Angaben als wahr unterstellt würden. Msdann gelangt der rvall de« Leutnant« siorlocficr zur Erörterung, bei dem es sich um 500 Mt Provision handeln soll. Leutnant dorischer sagt aus, daß er sich 1911 in Geldverlegenheit befand, da seine Aktien stark im Kurs zurülkgegangen waren. Die Angeklagte habe von ihm keine Provision verlangt, sondern ihn sofort an Tomarus verwiegen, der ihn dann mit Pariser bekannt machte. -rOO Mk. habe er aw Dornarus gezahlt. Dieser habe nichts geforbert, er habe die Provision freiwillig gegeben. Auf Betragen durch den Vctteibcr Julius Meyer I. erklärt der Zeuge, daß er den Abzug von 1500 Mk. nicht als Wucher betrachtet habe und auch heute nicht betrachte. Er sei damals froh gewesen, unter so günstigen Bedingungen das Geld zu bekommen — Darauf wurden die Wetter- Verhandlungen auf morgen vertagt Städtischer Arbeits-Nachweis Astcrwcg 9. können eingestellt werden: a. bei hiesigen Arbeitgebern 6anti»uurFrcitag,28.Nov. slul'lt-i.Hotel zumEiuborn alte Zahn-Wisse. Zablc pro Stück 1 Mk. an. Naufzett 2—7 Uhr, Zim. 9. !7,w Dose ZOPsg vermischter. — Eine Nativnalspende für die Beschaffung von Radium. Geh. Rat Will-elm dis, der Direktor der Berliner ersten medizinischen Charit^klinik und des Radiums-Jnstt-' tutes, ist zurzeit bestrebt, eine Nationalspende zur Beichanung von Radium tns Leben zu rufen. . . * Wilderer. Aus dain bürg, 27. Nov., meldet em Privattelegramm : In dem Großborsteler Gehölz in der Nähe der ^sbieß- stände überraschte der Jagdaufseher Sorgenfrei nachts zwei Wilderer, die Fasanen schossen. Der Zimmermann Wentbon Ottens en wurde durch den Beamten im dandgemenge erschossen, der Gärtnereiarbeiter Rehbock wurde verhaftet. * Deutsche Schwindler in Genua. In Genua wurden zwei Deutsche in dem Augenblick v e r h a f t e t, als sie an einem Schalter einer Bank auf einen gefälschten Kreditbrief über 15 000 Lire 3000 Lire abheben wollten. In ihrem Koffer wurden sechs weitere gefälschte .Kreditbriefe gefunden. * Ervlosion. In den Sprengstolswerken der WestsaUich Anhaltimschen Sprengstofs-Aktiengeselllchaft bei Reinsdorf ereignete sich heute nachmittag eine Explosion, durch die zwei Trockenhäuser in die Luft gesprengt wurden. Die Ursache ist noch nicht sestgestellt. Zwei Arbeiter sind tot; ob unter den Trümmerhaufen noch mehr Opfer liegen, ist noch nickst festgepellt. * Jugendliche Morde r. In Abbeville (Departement Somme, wurde ein 12jähriger Schulknabe namens Magnez verhaftet, der beschuldigt ist, am 12. d. Mts. in Cayieux im Verein mit seiner Schivester einen Mordversuch an einer 70jährigen Rentnerin verübt zu haben. * 11 Tage lebendig begraben. Aus London wird gemeldet: Als der englische Dampfer „Tiger" in den Docks von K apstadt löschte, ragte plötzlich aus einem Kohlenhaufen eine menschliche Hand empor. Beim Nachforsck>en entdeckte man einen vortugiesischen Neger, der 11 Tage unter den Kohlen begraben gelegen hatte. Der Neger konnte sich unter der .Hand des Arztes bald erholen. Kleine Tageschronik. In Barcelona beschlossen die Studenten mit einer Mehrheit von 600 Stimmen den Ausstand. Amtlich wird der Ausbruch der Maul-- und Klauen leuche aus dem Magerviehhofe in Berlin Friedrichs Telbe gemeldet. ___________■ 7tnh»nt erteilt Schülern vlUUilU höh. Lehranstalten Unterricht und Nachhilfe. Schristl. Angebote unt. 09247 a. b. Gießener Anzeiger erb. GewiffciiX Beaufsichtigung der Schularbeiten eines Unt - Sekund. «Neal-Gunin.» nei. Schristl. Angeb. unt. 09418 a. d. Gießener Anzeiger erb. Landwirtschaft. 11 Marburg, 27. Nov. Wie in der gestern nachmittag unler dem Vorsitze des Direktors der Landwirtschaftlichen Winterschnle. Herr» Schlicht, abgehaltenen Versanmilnnq des Kreis - Obstbau Vereins mitgeteilt wurde, sind diesmal bei der hiesigen Obstverkanis-Vermittlungsstelle nur 23t. ?lbschlüsse mit 141 Zentnern Obst im Werte von 2361 Mk. vermittelt worden. Als auffällig wurde es bezeichnet, das; in Kastel lernt Obstmarkt für einzelne Sorten wesentlich höhere Preise als hier erzielt werden konnten. Am Schlüsse der anregenden Versammlung hielt Garteninspektor H über aus Oberzwehren einen interessanten Lichtbilder-Vortrag über „Obstbaumdüngung". • Bezirks-Oberbeamte • mit umfangreicher Rciic- täligkeit werden von alter, hochangesehener Gesellschaft ,L.: U.; Cx; B. B l per 1. Ian. 1914 gesucht. — Gewahrt wird gutes Gebalt, reicht. Spesen, Provision u- Bonifikation a. d. Gesamtresultat. — Direk- nonSvertraglDa nötigenfalls Einarbeitung durch versierte Kräfte erfolgt, so bietet sich auch tüchtig.Nichtfachleuten. die über nute Beziehungen privat und in d. Geschäfts weit ucrtüncit Gelegenheit zur Erlangung einer von vornherein gntbezabltcn, iclbständigcn Lebeusttcllg. Ch‘. unt. S.9052 anHaaieu- ttcinLvoglcrA.'to.,Frank Alles je 100 Kilo. kj, Frankfurt a. M., 28. Nov. peu- und St rohmar.t. Anaesabren waren 9 Wagen Heu, 1 Wagen Stroh. Alan notierte: ven 2,hi)—3,20 Pik, Stroh (Kornlangsiroh) 2.40 - 0.00 Mk., Wirr- stroh 0,00-0,00 Mk. Alles »c 60 Kilo. Geschäft flau. Die Zufuhren waren aus den Kreisen Friedberg, Hanau und ^tcbnra. ßiuiad) niöölicrt. Statt evtl, mit Pension in der Nähe des SchlachthoieS gesucht. Offerten abzugeb. 5d)utien- straßc IS. U<02 Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. iVetteraussichlen in Dessen tue Samstag, den 29. Nov. 1913: Meist tuii>, Regeniäsie, westliche Wmde. Der Boman einer gräflichen Grisette. Ü Berlin, 27. November. Nach eintägiger Pause wurden heute die Verhandlungen in 'bem Prozeß gegen die Gräfin Fischler von Treuberg fort gesetzt. Zu Beginn der Sitzung teilte der Vorsitzende mit, daß das Gericht beschlossen habe, zur Aufklärung der Automobilgeschäste der Angeklagten die von dem Verteidiger R.-A. Bahn benannten Automobilhändler Fleischer und Melchior sowie den Buchhalter Peter als Zeugen zu laben. Es wird bann bcr Fall bes Leutnaitts v. Motz behandelt Dieser hat, wie bcr Vorsitzende vorträgt, sehr verschwenderisch gelebt und ist schließlich wegen Verschwendung entmündigt wor den. Zum Vormund wurde ihm fein Schwager, .Herr v. Kotze be stellt. Im Sommer 1907 habe sich v. Motz wieder Geld zu leichtsinnigen Ausgaben verschaffen wollen und sich deshalb an die Angeklagte gewandt. Diese sagte ihm, sie hätte zwar kein bares Geld, wolle aber versuchen, ihm anderweitig zu helfen. Sie fuhr nach Baden-Baden und v. Motz kam nach. Er hat dort von dem Juwelier Koch, dessen Hauptgeschäft sich in Frankfurt befindet, durch Vermittlung der Angeklagten für 50 000 Mk. Schmuck fachen auf Wechsel entnommen. Die Angeklagte soll diese Sckch.n versetzt und für das Geschäft eine Provision von 2000 Mk. bekommen haben. Die Angeklagte erklärt hierzu, daß v. Motz ihr sagte, er fei mit Fräulein Weinberg in Frankfurt verlobt und wollte Schmucksachen kaufen. Er habe daher in Baden- Baden bei der Firma Koch, die er schon kannte, Goldsachen gekauft. In Berlin habe ihr ibxinn Herr v. Motz ein Armband zum Versetzen gegeben, was sie auch getan habe, eine Provision habe sie nicht erhalten. Vors.: Schließlich HM sich Herr v. Motz nicht mehr halten können und hat sich im September 1911 im Bodensee ertränkt. Der Mitinhaber der Firma Koch, Netter, gibt an, daß v. Motz 1910 in seinem Zweiggeschäft in Baden- 1 fabelt für 50000 Mk. Schmucksachen kaufte und sich außerbem eine Auswahlsenbung nach Berlin habe sckstcken lassen. Diese Auswahl hat bcr Zeuge nicht mehr zurückbekommen können, er hat später erfahren, baß v. Motz sie an verschiedene Damen seiner Bekanntschaft verschenkt hat. Von ihm habe die Angeklagte für das Geschäft keine Provision bekommen. Es wird sodann zu den Bücher-Wucherfällen der Prinzessin Luise von Coburg, des Leutnants Hagenow u. a. Miidck., Laufs, u. Burschen i. St. Sophie Tülfer, Gewerbsmäßige Stellenvermittlerin, Neustadt 50. 109439 Freundliche ÄhNW, 3-Mnm, Küche und Zubehör, Selters weg, an ruhige Leute zum L Avril zu vermieten. Re- ■ flektanteu wollen unter 09438 । an bett Gieß. Anz. schreiben. Tie Fletschverdiugung für den Standort Gießen für die Zeit vom 1. Januar bis Ende Juni 1914 findet am 3. Dez. 1913, 9 Ubr vormittags im Geschäftszimmer der Gar- nifonverwaltung Kaserne! statt. Die Lieferungsbedingungen liegen im Geschäftszimmer der Garnisonverwaltuug aus, können auch gegen Bezahlung der Selbstkosten bezogen werden. Versiegelte Angebote mit der Aufschrift „Angebot auf Fletschlieferung" find im Geschäftszimmer der Garnison Verwaltung vor Beginn des Termins abzugeben. Id20/11 Sarnisonverwalttmg, Gießen. Stellenangebote Aale stets frisch 17030 Heb. Driesch Seltersweff 70. 1 Wagner, 1 Schlosser, 1 Buchbinder, 1 Schuhmacher, 1 Dienstmädchen. Lehrlinge: 1 Buchbinder, 1 Bäcker, 1 Kaufmann, 1 Steindrucker, 1 Schuhmacher, 1 Schreiner. / b. bei auswärtigen Arbeitgebern 1 Buchbinder, 2 Schuhmacher, 1 Müller, 1 Schneider, 3 Svengler, 2 Dienstmädchen. Lehrlinge: 3 Schreiner. Es suchen Arbeit: .. 1 Metzger, 1 Eisendreher, 1 Armaturcmchlouer, zwei Svengler, 1 Schuhmacher, 1 Küfer/»3 Schmiede, 1 Sattler, 1 Kesselschmied, 2 Bäcker, 2 Anstreicher, 3 Maurer, 6 Schreiner. 1 Chauffeur, 2 Heizer, 1 Luchbinder, landwirtschaftliche Knechte und Arbeiter, Erdarbeiter, Tag- loimer, Haus- und Fahrburschen, Putz-, Wasch- und Lausfrauen, 1 Handlungsgehilfe. Gatt und Sckankwirtickaftsgewerbe: Kellner, Aushilfskellner, Zäpfer. (B*/“ Leihgettcrner Weg 131. Visitkarten billigst Brüh reelle DruckcreL liniere RtdaktionsstkMunden finden bis aus weiteres Montags IV. 8-10 libr Donnerstags, abends SainStagö J statt. *'W „FrAjling" 09423 Frankfurter Str. 29. Letzte Nachrichten. Ein Tiger durchgegangen. Paris, 28. Nov. Bei Epernon (Dep. Eure-ct-Loire) sollte aut einem Hügel eine kinernatographischc Ausnahme ftattfinben, die eine Tigerjagb darstellen sollte. Tret Tiger waren tn zwei > Käsigen in ein umfriedetes Gelände qebrackst worden. Als ein Käfig geöffnet wurde, sprang eins der Tiere über das Gitter des Geländes und verschwand, von den Kugeln der Jager verfolgt, in einen nahen Wald. Tie sofort veranstaltete Ireibiagb blieb erfolglos. Unter der Bevölkerung herrscht großer Schrecken, vo- gleich bet Tiger, bcr wahrscheinlich verwunbet ist, bisher keinen Schaben angerichtet hat. Ger. Lade» großem Nebenzimm. billigst, z. verm. 71851 Neuen Bane 171. Kleineres Hans inmitten der Stadt für den billigen Preis von SIH.6000.— bei nur Mk. 1000.- Anzahl. aii verkaufen. Schriftliche Angebote nnter 09437 an den Gießener Anzeiger erbeten. Handwagen zu verkaufen. L iudenvlalr 1 p._____(09433 Günttig abgebbar gebrauchte Holzschwellen z. Gleis, Piost., Belag, Brand. Schriftliche Angeb. mit. 7620 a. d. Gießener Anzeiger erb. 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Als »weite Veranstaltung des Bilbuugsvereins findet am Samstag abend im Sprudel-Hotel ei» Erverimentaloortrag von Architekt Sack-Bingen •über „Geheimnisse der •enfonmaaie* statt. $ B a d - N auheiNi, 28. Nov. Ter bisherige Mannergesangverein „Konkordi a" hat sich in einen „Gemischten Chor" •untgenxinbclt. Dirigent ist Musiklehrer Marguth. 8 Büdingen, 27. Nov Schon mehrere Jahre verteilt der Verschönerungsverein im Spütherbstc Preise für Blumenschmuck an Häusern und Baikonen. Dieses gemeinnützige Streben genannten Vereins bat die Verschönerung der Gebäude durch Blu menschmuck ungemein gefördert. Samstag, den 6 Dezember, findet die diesjährige Preisverteilung im „Fürstenhofsaale" statt, wobei Kreisobstbautechniker Metternich einen Vortrag mit Lichtbilder- vorfühntngen tritt, dem ein geselliges Zusammensein folgen wird. vf2dC^/ "i bekannter * Güte billigst bei Gerich^saal. Revision im O hm pro z eß. w. Dortmund, 27. Nov. Der zu 7 Jahren verurteilte Bankier Ohm hat gegen das an ihn ergangene Urteil Revision eingelegt, insbesondere insoweit er wegen Untreue verurteilte wurde. Auch die Staatsanwaltschaft hat gegen das Gcsamturteil Revision eingelegt. Lrrftscbrffahrk. w Paris, 27. Nov. Die bei Epen,atz verunglückten Militär slieger sind der Artillericlcutnant Briault und bcr Chauffeur Broiii11art Tie beiden waren gestern vormittag vvm Flngfeldc Mont-St Eyr aufgeftiegen, um nach dem Lager Moaillt) zu fliegen. K onstantinopel, 27. Nov. Der Flieger Tancourt wurde bei einem Fluge über das Taurusgebirge von einem Sturm überrascht und ist abgestürzt. Das Flugzeug wurde zertrümmert. Dan- court und fein Begleiter blieben unverletzt. Lia .„vor Weib»achten ’mfr durch d. Verkauf großart. Gefch.- Art. Mk. 2-300 verdienen will, schreibe eine Postkarie an Hat ag-Ges., Buchfchlag i. Hessen. lid* 11 Markte. th. Stehen, 27 Nov. Der dieswöcftcnttiche Rindviehma,rkt hatte emen Dorrar von etitta 800 Stück ^oßvicb und 4.>0 etuef Znngvieh und Kälbern. Trotz des nrieter ruhigen Dormarttcs war doch der Hauvtmarkr ni Anl'etracbt der rorgvrücten xmhrt^eir besser, als man erwartet hatte. Gesucht war gute Ware m fühen, für die ficb die Preise gegenüber denen am lctzteii Markt gv^ bessert hatten. Ebenso waren gute Rinder mtb icfriuerc Kalber nach Frankfurt a.M. und Wiesbaden schlank mnerzubringen. schlecht zu venvmen waren jedoch am 'DtnrFt Jungtiere und fette Kühe: diele wurden zu sehr billigen Preisen angeboten Bezahlt wurden: tragende und frischmelkende KMe l.CuaL 600 /OO dNt., 2. Oual. 500—575 Mk, 3. Qual 375—450 Mk. Juiige Stiere »nd Rinder für Mastzwecke, 7—9 Monate alt, 160—200 Mk , ^—14 Monate alt 200-250 Mk. Gehandelt wurde der Zentner Schlacken,v,äst. Tratte Rinder 1 Qual. 90-92 Mk., 2. Qual. 87-89 Mk., fette Kühe 2 Qual. 80-8.5 Mk., 3 Qual. 70-71 Mk., Mlber l Oual. 93—96 Mk. 2.Qnat. 87—90 Mk., 3. Qual, fehlte am Markt. Nächster Markt am 16. und 17. De^mber d. I . ■ II Marburg, 27. Nov. teilte wurde hier der letzte oics- jährige S ch wei u e m a r kt abgehalten, der im VolkSmunde als ' og. Fetter M arkt' bezeichnet ivird. Die Verkäufer, die mit ihren fetten Schwemeii auf eiu gutes Geschäft rechneten, waren etwas enttäuscht, denn bei regem Angebot blleben die Preise hinter denen der letzien Wochen etwas zurück, wurde» doch |d)o» ga»z mmclimbnrc Schiveme, die »ur »och kurzer Mästung bcbudlcn, für 80-90 Mk. für das Stuck verkamt. Kleine Ferkel und Läufer behauptete» i» Anbetracht der Me« Kartoffelernte 'bre Preift. Ferkel wurden das Paar mit 28-43 Mk., Läufer mit 60-/0 TIL, je nach Grüße und Güte bezahlt. Der Pandel bewegte sich in mittelmäßige» Grenzen. Tie Gefamtzustchr an Emlegschiveinen, Läufern und Ferkeln belief sich aul 1484 Stuck. le. Wiesbaden, 27 Nov. Heu - v”br ® ^of) ' Angefahren waren 24 Wagen mit Heu mtb Stroh. Man notierte H e ii 6,40-7,20 Mk. 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November 1913, nachm. 5 Uhr pünktlich, in der neuen Universitäts-Aula: Dirigent: Herr Albert Kasten. Sophie Schmidt-Illing, Darmstadt (Sopran) Ida Kahl-Dahlmann, Köln (Alt) Cllre Hammachcr-Oslag, Düsseldorf (Mezzo - Sopran) Paul Tödtcn, Duisburg (Tenor) Martin Okerdörflor, Leipzig (Baß) Adam Hahi, Wiesbaden (Harfe) Mit wirkende: Frau Frau Frau Herr Herr Herr Cbor: Der gemischte Chor des Sängerkranxes Orchester: Die Kapelle des Inf.-Regts. „Kaiser Wilhelm" Nr. 116 aus Gießen Bei Beginn des Konzertes werden die-Saaltüren geschlossen Der Eintritt ist nur Mitgliedern und eingeladenen Gästen gestattet Das FESTESSEN findet im Anschluß an das Konzert um 7' .. Uhr in Steins Saalbau statt. DAS PARADIES UND DIE PERI Dichtung aus „Laila Kookh“ von Th. Moore (Deutsch von E. 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