Kr. 255 Sweitez Blatt 163. Jahrgang Eichener Anzeiger Erscheint lß-fich mit Ausnahme des Sonntags. General-Anzeiger für Oberheffen Die „Eietzener Zamtlienblätter" werden dem «Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Krtisblatt ffir den Kreis Siehrn" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal. Donnerstag, 30. Oktober 1915 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schea Universitäts»Brich- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^e)5L Redaktion: 113. Tel.-AdruAnzeigerGreßen. Die Aussichten aus Anstellung im Gberlehrerberus im Grobherzogtum hesien. Man schreibt uns: Im letzten Jahrzehnt waren, in Hessen die Aussichten auf Anstellung für die Lehramtsassessoren mehrere Jahre hindurch günstig. Beständiges Anwachsen der Schülerzahl der höheren Lehranstalten machte die Neugründung von Anstalten, die Teilung großer Schulen und Klassen erforderlich und bedingte eine beträchtliche Vermehrung der Oberlehrerstellen. Dazu kam für die hessischen Anwärter des höheren Lehramts ein weiterer günstiger Umstand, nämlich die Möglichkeit zahlreicher Abwanderung nach anderen Bundesstaaten, insbesondere nach Preußen, wo zeitweilig m»ster Mangel an akademisch gebildeten Lehrkräften herrschte. Jnsolge dieser guten Anstellungsverhältnisse entstand ein großer Andrang zum Studium der Schulwissenschasten, der in Hessen schon feit vier Jahren, in Preußen seit einem Jahre zu einer U e b e r f ü l l u n g im Oberlehrerberuf geführt hat, die lawinenartig a n w ä ch st und zu schlimmen Zuständen führen muß. In Preußen wird daher in den Tagesblättern airdauernd vor dem Andrang zur Oberlehrerlausbahn gewarnt, und selbst von der Tribüne des Abgeordnetenhauses sind durch mehrere Abgeordnete und den Jöerm Minister von Trott zu Solz Warnungen ergangen. Dre fcitlyerigc Abwanderung hessischer Anwärter des höheren Lehramts nach Preußen kommt somit zum Stillstand, und in kleineren Mrndesstaaten, wo Hessen Anstellung gefunden haben, treten jetzt schon Tausende preußischer Kandidaten in Wettbewerb. Zu diesen gesellen sich sogar noch Anwärter des Oberlehrerberufs aus Baden, da ui diesem Lande die Anstellungsverhältnisse ebenfalls äußerst raeyunittqe sind. In Zukunft werden daher unsere hessischen Lehramtsassessoren und -Referendare mit wenigen Ausnahmen aus das Inland allein angewiesen sein. Die Zahl der Direktoren- und Oberlehrerstellen beträgt in ^eswn 554 einschließlich derjenigen an Scminarien und höheren Tochterschulen), und wird im Hinblick aus die hessischen Finanzen und den in den letzten Jahren eingetretenen andauernden Rück- g a n g der S ch ü l e r z a h l der höheren Lehranstalten, der bereits hur Streichung von 13 Assessorenstellen geführt hat, in absehbarer Zeit eine wesentliche Vermehrung nicht erfahren. Die Inhaber von 50 dieser Stellen Haban Theologie, Architektur, Musik und Landwirtschaft studiert, also nicht die eigentlichen Schulwissen- schasten, und es bleiben folglich für die Lehramtsassessoren und -Referendare nur 504 Stellen übrig, für die jetzt schon 440 (!) harter vorhanden sind. Die 31 ältesten Assessoren haben Ostern und Herbst 1906 die Staatsprüfung bestanden und werden voraussichtlich 8—9 Jahre nach dem Bestehen dieser Prüfung zur An- stellung kommen, also in einem Durchschnittsalter von 32 bis 33 3a5ren, da in Hesisen die Fakultätsprüfung durchschnittlich nach dem 24. Jahre abgelegt ivird. Diese Wartezeit verschlechtert sich von jetzt ab sehr rasch und kann bei den jüngsten Referendaren vom Herbste 1913 auf 17—20 (!) Jahre ansteigen, wie die folgende Untersuchung zeigt. In den letzten fünf Jahren erfolgten jährlich durchschnittlich 12 Neuanstellungen, in beit letzten 6 Jalwcn 15, und in den nächsten 6 Jahren wird sich diese Durchschnittszahl 15 voraussichtlich nicht vergrößern. Für einen längeren Zeitraum wollen wir jedoch die absichtlich hochgegriffene Bedarfszahl 22 als geltend vnnehmen. Somit hat Heften bereits einen Vorrat von Awwärtern der Oberkehrerlaufbahn, der für 20 (!) Fahre aus- reicht. (440:22 = 20.) Da wir bei der Annahme der Zahl 22 geringe Ausscheidungen von Kandidaten mit berücksichtigt haben, fo kann sich die Wartezeit von 20 Fahren nur verringern, wenn viele neue 'Steilen geschaffen werden und ganz ^erheblichen Ausscheidungen von Anwärtern eintreten, die eine Folge größerer Abwanderung, zahlreicher Berufswechsel und schlechter wirisckzastlicher Verhältnisse sein lönnten. Hier sind aber die früher schon angeführten Umstände zu berücksichtigen, die einer wesentlichen Stellenver- mehrung ünd Abwanderung entgegenstehen. Es muß ferner beachtet werden, daß ungünsttge Anstellungsverhälttnsse in anderen Laufbahnen eine Aenderung des Berufs in vorgerücktem Alter erschweren. Man bedenke auch, daß erst 22 neue Stellen die Wartezeit um ein Fahr kürzen und daß erst je 22 verschwindende Vordermänner ein Vorrücken um ein Jahr bewirken, wobei nicht übersehen werden darf, daß die meisten Ausscheidungen von Anwärtern bei den beiden jüngsten Jahrgängen erfolgen, die als Vordermänner wenig in Betracht kommen. Sollten wider Erwarten sehr Einstige Umstände für die Anstellungszeit eintreten, so könnte sich vermutlich die errechnete Zahl von 20 Jahren höchstens um 3—4 Jahre vermindern. Mithin werden die jüngsten Referendare vom Herbst 1913 erst 1929 bis 1933 im Alter von 40 bis 44 Jahren mit einiger Sicherheit auf Anstellung rechnen können. Zu den vorhandenen 440 Anwärtern des höheren Lehramts kommen in 4—5 Jahren noch diejenigen Hessen, die sich gegenwärtig auf der Universität Gießen und aus anderen Hochschulen dem Sttünum der Schulwissenschasten widmen. Die Zahl dieser Studierenden betrug in Gießen im letzten Sommerhalbjahr nach Abzug derjenigen, die im Herbst die Fakultätsprüfung bestanden haben, rund 270. Nehmen wir an, daß von diesen 270 Studenten nach fünf Jahren ebensoviele zu keinem Prüfungsergebnis gekommen sind, als die unbekannte Zahl der auswärts studierenden Hessen beträgt, so ergibt sich die Gesamtzahl der Anwärter des Oberlehrerberufs nach fünf Jahren aus-440 jetzigen Anwärtern, vermehrt um 270 Kandidaten, aber vermindert um die Neu- ansteUungen der nächsten fünf Jahre, etwa 5 X 22 = 110 (in Wirklichkeit vielleicht kaum 70). Somit werden wir in Hessen im Jahre 1918 rund 600 Lehramtsassessoren und -Referendare haben, 96 über die Zahl der ihnen zugänglichen 504 Oberlehrerstellen hinaus, und der Bedarf Hessens an Nachwuchs für das höhere Lehramt wird alsdann für 27 (!) Jahre gedeckt fein (600 : 22 = 27). Wenn Verhältnisse eintreten sollten, die die Sachlage günstig beeinflussen, so könnten - licher Pflichttreue die Geschicke des Landes leitete, ist es doch die Pflicht eines jeden Staatsministers, Schritte zu tun im Interesse der Zukunft des Landes, wv uns) so oft sich Gelegenheit bietet. Auch der Landtag gab wiederholt dieser Auffassung Ausdruck. Der Minister gab hierauf einen Ueberblick über die Entwicklung der Thronfolgefrage. Er schilderte-die einzelnen Phasen und fügte hinzu, daß die Preßkampagne und d i e mißlichen Uebertreib ungen der hannoverschen Welfen gewisse Schwierigkeiten hervorgerufen hüt- Lm unbetannter Brief Mozarts. Ein Götterkind, wie in seiner Musik, ist Mozart auch in feinen Briefen. Das sprüht von Leben, von Laune, von Uebcrmut, aber auch manch schwärmerischer Aon der Wehmut mischt sich in die rauschenden WÄsen des vollen Lebens. Wohl verdienten Mozarts Briese endlich einmal eine vollständige und klassische Ausgabe, wie sie ihnen Ludwig Schiedermair nunmehr zutcll werden läßt. In dieser prächtigen, soeben bei Gporg Müller in München erscheinenden, man darf sagen: endgiltigen Sammlung der Briese Mozarts und seiner Familie finden sich auch einige, bisher noch gänzlich unbekannte Stücke. Das interessanteste davon ist ein Brief'iaus des Meisters letztem Lebensjahre, wenige Monate vor seinem Ableben, am 7. und 8. Oktober des Jahres 1791, geschrieben, und zwar an seine Frau, die in Baden bei Wien zur .Kur weilte. Dieser Brief, ein echter Mozart in dem Presto des Wechsels her Empfindungen und Gedanken, in ferner Schelmerei, in feinem strömenden Reichtum, zeigt ihn zu der Zeit, wo er mit feiner Lantz erflöte eben einen vollen Erfolg errungen hatte, und wo er am Requiem, seinem eigenen Sterbegesange, arbeitete. Das höchst an- ziebende Schreiben lautet folgendermaßen: Freytag um halb 11 Uhr Nacht Liebstes, bestes Weibchen! Cben komme ich von der Oper (der „Zauberflöte"/. — Sie war eben so voll wie allezeit. — Das Duetto Mann und Weib usw.: und das Glöckchen Spiel im ersten Ackt wurde wie gewöhnlich w.e-- derhollet — auch im 2. Ackt das fnaben Terzett — was mich aber am meisten freuet, ist, der Stille beifalk! — man sieht recht Wie sehr und immer mehr diese Oper steigt. Nun meinen Lebcns- [auf. __ gleich nach Deiner Abseeglung Spielte ich mit Hr. von Mozart (der die Oper beim Schickaneder geschrieben hat:) 2 Par- thien Billard. — Dann verkaufffte ich um 14 Duckaten meinen Neper — Dann ließ ich mir durch Joseph den Primus rufen und schwarzen koste Hollen, wobei) ich eine herrliche Pfeiffe toback schmauchte- dann Jnstrumentirte ich fast das ganze Rondo vom Stadtler In dieser Zwischenzeit kämm ein Brief von Prag vom Stadler ' Sie wissen schon alle dse herrliche ausnahme meiner trutschen Oper — Das sonderbarste dabei ist, das den abend als meine neue Oper mit so vielen beifall zum erstenmale aufgeführt wurde am nemlichen abend in Prag der Tito zum letztenmale auch mit außerordentlichen bei fall aufgeftchrt worden. — Der Bedini sang besser als allezeit. — Das Duettchen ex A von ine 2 Mädchens wurde wiederholtet — und gerne — hatte man nicht die Marchetti geschonet — hätte man auch das Rondo repittrt. — Dem Stodla (Klarinettist im Prager Orchester) wurde (O böhmisches Wunder! — schreibt er) aus dem Parterre und so gar aus dem Orchestre bravo zugerufen. Ich hab mich aber auch recht angesetzt, schreibt er; — auch schrieb er (der stodla:) daß (Süfc mayr?) nun einsehe daß er ein Essel iS • m • versteht sich, nicht der stodla — — 'bitte ist nur ein bissel eile Esel, nicht viel — aber der . . .— Ja der, der ist ein rdchirer Esel. — um halb 6 uhr gieng ich beim Stubenthor hinaus — und machte meinen savorit Spaziergang über die Glacis ins Theater — was sehe ich? — was rieche ich? ----Don Primus ist es mit den Carbo- nadeln! — che gufto! — izt esse ich Deine Gesundheit — eben schlägt es 11 uhr; — vielleicht schläfst Du schon? — St! St! St! — ich will Dich nicht aufwecken! Samstags den 8t. — Du hattest mich gestern beim Nachtessen sehen sollen! — Das alte Tischgeräth habe ich nicht gefunden, folglich habe ich ein schneblümerlweißes hergegeben — und den Doppelten leuchter mit Wachs vor meiner! — ... Nun wirst du wohl im besten Schwimmen seyn, R>a ich dieses schreibe. — — Ter friseur ist accurat um 6 Uhr gekommen — und Primus hat schon um halb 6 uhr eingefeutet, und mich um 3/4 geweckt. - warum muß es izt schon xegnlen? — ich hoffte daß Du ein! schönes Wetter haben solltest! — halte Dich nur hübsch warm, damit Du Dich nicht erkältest; ich hoffe daß Dir das Baad einen guten Winter machen wird — denn nur dieser Wunsch, daß Du gesund bleiben möchtest, hieß mich Dich antreiben nach Baaden zu gehen. — mir wird izt schon die zeit lang um Dich .— das sah ich alles vor. — hätte ich nichts zu tijun, so würde ich gleich auf die 8 Tage mit Dir hinausgegangen seyn; — ich habe aber daraus gar feine bequernlichkeit zum arbeiten; — und ich möchte gerne, so viel möglich, aller Verlegenheft ausweichen; nichts angenehmeres als wenn man etwas ruhig leben kann, deswegen muß man fleißig seyn, und ich bin es gerne. — Dem (Süßmayer- gieb in meinem Namen ein paar tüchtige Ohrfeigen, und lasse ich die (Sophie) A. (welche ich lOOOmat küsse) bitten, ihm ein paar zu geben — laßt ihm nur um gottes willen keinen Mangel leiden! — ich möchte ivn alles tu, der '.Welt heut oder morgen von ihm den Vorwurf nicht haben als hättet ihr ihn nicht gehörig bedienet und verpfleget — — gebt ihm lieber mehr schlüge als zu wenig — gut wäre es, wenn ihr ihm einen krebschr an die Nase zwiktet, ein Aug ausschlüget, oder sonst eine sichtbare Wunde verursachtet, damit der kerl nicht einmal das, was er von euch empfangen, ableugnen kann- — adieu liebes Weibchen! — der Wagen will abfahren. — ich hoffe heut gewis etwas von Dir zu lesen, und in dieser süßen Hoffnung küsse ich dich lOOOmal und bin Ewig Dein Dich liebender Mann W. A. Mozart. * — Eine neue Zwergenrasse. In London hat ein englischer Kapitän nach der „Hyg" populärmed. Monatsschrift ganz erstaunliche Angaben gemacht über eine neue Zwergenrasse, die er entdeckt hat. An der Südwestküste von Holländisch-Neu-Guinea fand er Menschen, von denen die Männer nicht größer wie 1,40 Meter waren. Sie sind sehr regelmäßig gebaut, schokoladefarbig und von lebhafter Geistestätigkeit. Frauen und Kinder bekam er nicht zu sehen, weil die Männer eifersüchtig diese kostbaren Objekte vor den Blicken der Weißen verbargen. Die Entdeckung dieser neuen Zwer- genrasse regt wieder den alten Streit an, wie man sich die Existenz und das Entstehen solcher Variationen erklären soll, denn man muß doch zweifellos annehmen, daß entwicklungsgeschichtlich die Menschen von einem gemeinsamen Aste des 'großen Weltstammbaumes abgehen. Die ersten Menschen also werden so ziemlich gleich gewesen sein, auch in der Größe einander ziemlich ähnlich, „rein entwicklungsgeschichtlich" Wenn also plötzlich irgendwo Rassen auftauchen, die viel Heiner als die normalen Menschen sind, so muß man annehmen, daß einmal irgendwelche, evtl, jahrhundertelang dauernde ungünstige- Umstände, durch Nahrungsverminderung, schlechtes Klima usw. eine Verringerung des Körpergewichtes bei Menschen ausbildeten, die sich bann verbreiteten und einen festen Typus herauskristallisierten. Diese Annahme nun widerspricht aber der Tl>eorie des Professors Weißmann, der nicht zugeben will, daß solche erworbene Typusverschiedenheften sich weiter vererben. Man wird aber wohl nicht umhin können, doch die Anschauung Weißmanns abzulehnen, besonders, wo in letzter 3eit die Untersuchungen von Kammerer (Wien,, von Loeb (New- york) und anderen Forschern ergeben haben, daß sehr wohl erworbene Eigenschaften sich wefter vererben, z. B. daß man Schmetterlinge von bestimmter Farbe durch eine ausgewählte Ernährung, durch Halten in bestimmten Temperaturen usw. umfärben kann und daß sie tatsächlich die erworbene Farbe mit auf die Welt bringen und sie beibehalten, wenn sie auch wieder in die normalen Lebensverhältnisse ihrer Urahnen kommen. ff. W i e Berlioz „Fausts Verdammung" schrieb. Von den seltsamen Umständen, unter denen Berlioz eines seiner bekanntesten Werke, Fausts Verdammung schrieb, weiß die „Mondo Arttstico" nach Aufzeichnungen allerlei Interessantes von Berlioz zu erzählen. ,Lch habe die Komposition geschrieben, wo und wie ich konnte: im Wagen, im Zuge, auf dem Dampfer, in den Städten, wo ich Konzerte gab." Tatsächlich hat Berlioz die Jntroduktton niedergeschrieben, während er in Passau in einer Konditorei saß; eine Szene hat er am Ufer von Elba abgefaßt, die Mephistopheles- arie und den Tanz der Sylphen in Wien. In Budapest verlief er sich eines Abends in den Straßen und stellte sich auf offener Straße beim Schein einer Schaufensterbeleuchtung hin,' um das Bauernritomell niederzuschreiben. In Breslau ist die lateinische Studentenkanzone, und zwar der Text wie die Musik, abgefaßt, und im Hause eines Freundes in Rouen hat Berlioz das große Trio „Ange abore dont la cleste image" niedergeschrieben. Der Rest des Werkes ist in Paris verfaßt oder eigentlich improvisiert, und zwar zum Teft in der eigenen Wohnung Berlioz, zum Teil im Cafe und in den Tuilerien. ten, deren Beseitigung die Ergreifung von Maßregeln für die Zukunft nötig machte. Es bestanden Zweifel darüber, ob der formelle Antrag von feiten der Regierung des Herzogtums Braunschweig oder der Preußens auszugehen habe. Ter Reichskanzler und das preußische Staatsministerium erkannten schließlich an, daß Braunschweig die Anregung geben müsse: der Reichskanzler erwarte darüber ein Schreiben unserer Regierung, das am 4. Oktober erfolgt sei. Das Schreiben wird in den nächsten Tagen in der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" in vollem Umfange veröffentlicht. Es schließt mit dem Ersuchen an den Reichskanzler, er wolle zur Beseitigung der .Hindernisse, die der Thronbesteigung des Herzogs Ernst August entgegenständen, die nötigen Schritte tun. Die offizielle Anregung ging von uns aus. Das preußische Staatsministerium richtete dann einen formellen Antrag an den Bundesrat. Ter Staatsminister gab hieraus die Verzichturkunde des Herzogs von Cumberland bekannt und fuhr fort: Wir hatten in Rathenow gestern Gelegenheit, dem Prinzen (Er n ft August über eine ganze Reihe von Angelegenheiten Vortrag zu halten. Wir gewannen von 2r Kgl Hoheit die ^lebcrzcugung der absoluten Zuverlässigkeit, daß jedes Dort, was er gesagt, von ihm getreulich gehalten wird. Weitere Erklärungen von 2r. Kgl. Hoheit zu erwarten ist nicht hinlich Wir haben die Sicherheit, daß Se. Kgl. Hoheit völlig loyal seinen Verpflichtungen Nachkommen wird und nicht oie geringsten swcifel bestehen, daß er den Wünschen und Hoffnungen der Landes- Versammlung entsprechen tverdc. Unter völliger Wahrung der Interessen Preußens und des Reiches dürfen wir einer gesegneten glüeklichen Zukunft entgegenfchen Wir können mit größt r Zuversicht der Zukunft entgegensehen und brauchen keinen Zweifel an derBündnlstreuc 3 r. Hoheit z u hegen. Er wird alles tun, um das Herzogtum zu fördern. Worte helfen dabei nichts, Taten müssen es beweisen, lLebhaftes Bravo., Hierauf trat eine Pause ein. Nach Wiedereröffnung der Sitzung schlug der Präsident die gemeldete Erklärung dem Landtage vor, die einstimmig angenommen wurde. R a t h e n o w , 29. Okt. Heule abend gegen 7 Uhr treffen hier zur B e g l ü ck w ü n s ch u n g des Herzogspaares E r n st August im Automobil von Potsdam kommend hier ein: Das Kaiserpaar und die Königin von Griechenland, die Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, Prinzessin Irene und Prinz Christoph von Griechenland. Um 7 Uhr findet Diner bei dem Herzogspaar statt, an dem die hohen Gäste teilnehmen. Die Rückkehr nach Potsdam erfolgt gegen 10 Uhr. d tngnung beantragt hat, muß sie auch die ■ft cntitrittnbm folgen (Zahlung brr vollen ionne bie Fest, ^srauchen Dckanatsaus und Altbür von Bilderiälschungen dienen kann, (Nanz unfehlbar scheint rS iedock nicht. Zn einem bestimmten Falle, wo eS sich um die Identifizierung eines bestimmten, früher einmal photographierten Gemäldes handelt, könnte es dagegen unbedingt sicher fern, falls man von einer Ausnahme, die zum Zwecke der Bervielfälti- gung gemacht worden ist, scharfe Vergrößerungen Herstellen könnte, dte den Aufbau der Farbobers lache deutlich erkennen lassen. Aui diese Weise könnte man etwa die verschwundene Monna Lisa identifiLteren, falls sie jetzt ober nach Jahrzehnten wieder n’Loudxn sollte. GSericfoufaaL Widerklage im EnteignungSprozeß. Sport* Hk. Eine Automobil fahrt quer durch Afrika hat der englische Leutnant Kelseh von Kapstadt angetreten. Nach „Petcrm. Mitt." banbclt es sich um die Durchquerung des Kontinents in seiner größten Längenausdehnung von S. nach N., vorn Kap bis Alerandnen, wodurch die Leistung von Leutn. Graetz, der die Durchfahrt von Teutsch-Ostairika nach Deutsch-Südwestafrika bis zum Atlantischen Ozean bewerkstelligte, bedeutend übertrumpft werden wird. Auf einen wesentlichen Gewinn für untere Kenntnisse von Afrika ist natürlich nicht zu rechnen bei dieser Fahrt, die nur eine Sportleistung sein soll, aber die (ErfaIrrungen, die mit dem modernen Fortbeivegungsmittel in Wald, Steppe und Sumpf gemacht werden, dürften auch geographische Kreise interessieren Selten hofft die Fahrt in 120 Tagen ausführen zu können. Kirdjc un- Schule. B Dekanats synode Die diesjährige Tekanatssynode wurde heute vormittag 10 Uhr unter dem Vorsitz des Dekans Gußmann mit einer von Psr. Böckner-Treis gehalte' nen Andacht eröffnet. Darauf begrüßte der Vorsitzende die Anwesenden und gedenkt in der üblichen Weise der im letzten Jahre verstorbenen Mitglieder. Die zur Prüfung vorliegenden Wahlen werden sämtlich genehmigt. Aus dem gedruckt vorliegenden Bericht des Dekanats-Ausschusses ist folgendes hervorzuheben: Im Personalbestand der Geistlichen ist nur in Klein-Linden eine Aen derung eingetreten, indem an Stelle des versetzten Psarrverwal- ters Rieder Pfarrassistent Bröckelmann kam. Kirchenrat Strack trat von seinem Amt als Dekan zurück, an seine Stelle trat durch Wahl der vorjährigen Synode Psr. Gußmann-Kirchberg, ftn Rödgen und Hausen sanden Kirchenvisitationen statt. Kirchliche Feste der äußeren und inneren Mission und des Gustav-Adols- Vereins, Familienabende des Evang. Bundes, Vortragsabende von Missionaren wurden in vielen Gemeinden abgehalten, fast durchweg bet zunehmendem Besuch seitens der Gemeindeglieder. In Allendors a. d. Lda. wurde der Jnnenraum der Kirche neu hergestellt. An Watzenborn hat sich ein Kollekte Verein für die Baseler Mission gebildet. Die Seelettzahl des Dekanats beträgt 61 549 Evangeltsche. Von ihnen sind 282 von der Landeskirche getrennt und den Sekten zugehörig. Von 28 Eheschließungen zwischen Evangelischen und Andersgläubigen sind nur 11 Paare evangelisch getraut worden, ein sehr bedauerliches Zeichen für den evangelischen Teil der Eheschließenden. Der Kirchenbesuch weist eine Zunahme von 689 Erwachsenen und 976 Kindern auf. Die Prozentzahl der Kirchenbesucher der einzelnen Gemeinden schwankt Zwischen 9,6 in Wieseck und 67,8 in Beuern, die der Abendmablsgäste zwischen 22,7 in Gießen und 217 in Annerod. Zn Großen-Linden ist das 1. Pfarrhaus um gebaut worden, in Garbetiteich bat man Kirchenheizttng angelegt, in Klein Linden elektrische Beleuchtung in der sirrfte eingesührt, in Treis a. d. L. die Wege um die Kirche neu chauffiert, in Gießen an Johannes- kirche und Stadtkirche bas Aeußere der Türme einer gründlichen (Erneuerung unterzogen. Für Werke der Wohltätigkeit gingen ein 43 140 Mk. gegen 5000 Mk mehr als im Vorjahre, an Kirckenkollekten 3524 Mk, für die Armen 21175 Mk. (Haupt sächlich aus Gießen), für sonstige kirchl. Zwecke 7157 Mk. Auf den Kopf der Bevölkerung kommen 1,22 Mk. Zu dem Bericht weist Pfarrer Sommerlad-Watzenborn aus die schweren Schädigungen hin, die durch die Feldbereinigung den kirchlichen Grundstücken zuacfügt werden. Ein von ihm gestellter Antrag, die Bonitierungen und Zuweisungen von Gelände durch einen vom Dekanat aus an- gestellten Geometer 1. Klasse nachprüfen zu lassen, ivird einstimmig genehmigt. Auf Antrag des Vorsitzenden werden lünftighiu die Berichte über äußere und innere Mission, den Gustav-Adolf Ver- Mit einer Frage des EnteiynungsrechtS hatte sich vor kurzem das Reichsgericht zu besaßen. Es war zu entscheiden, ob eine Stadtgemeinde, nachdem sie die Enteignung eines Grundstücks und Festsetzung der Enteignung senk- schadigung beantragt hat, in dem späteren Prozeß über die Höhe der Entschädigung durch Widerklage bie unent- k c - ^Überlassung des Grundstücks und Rückzahlung der Ennchödigung mit der Begründung verlangen kann, daß ihr ein pr tvatr echtl icher Anspruch auf kostenlose lieber* tTagung der enteigneten Fläche zustehe Die Zulässigkeit etnerjokhen Widerklage ist verneint worden. Denn nachdem bte -stabt einmal tnc Enteignung beantraat hot. mufc fi«- .^«n^^geieft attürittnbnt Folgen (Zahlung der vollen Enttchadigung Tur die enteignete Fläche) tragen. Der zur Entschei- Ebarl orten bürg hatte im > nuar 1910 bei dem Regierungspra,identen zu Potsdam die Enteio- nung einer zu ^IraBcnbauten benötigten, der Frau 9iittrrautÄh#. Über G. gehörigen Grundfläche am Rollvidorsp^tv, iorokbu Fest- Vic Aurfichtcn des ärztlichen Studiums. Der ärztliche Beruf fordert in höchstem Maße große Opfer der Selbstverleugnung, an Zeit, Wcmnbirit und Lebensfreude von Männern mit dienten Nerven und fester Gesundheit Bor allem aber fordert schon das Studium bedeutende Opfer an Zeit für den jungen Mann und an (Mb non Seiten der Eltern Dem zehnfemestri.nm Studium folgt ein halbe? 3ahr des Examens und zum Schluß noch das praktische Jahr an irgend einem Krankenhaus ohne Bezahlung, wvbd Die Dienstzeit im Heere noch nicht mit eingerechnet ist. Das sind 6Vj Jahre, in der der Medizinstu- dierende nickt nur nichts verdient, sondern fortdauernd unterhalten werden muß. Der Zdtdauer entsprechen die (Mbopicr, die, zumal in den ausserordentlich teuren großen UnivenitätsstLdten. mft 1000 Mark für das Semester noch nickt dnrnal hock veranschlagt sind. Da- mackt also für die Dauer des Studiums und der Ausbildung die Summe von 13 000 Rdark aus, wobei sich der Student noch sehr rinschränken und in |einen Anspnlcken bescheiden muß, wenn er von dieser Summe nock» die zahlreichen BorlesungShonvrare, Stu- dienmittel und Bücker bezahlen muß. 2. Gesuch des P. E. zu Gießen um Erteilung er Erlaubnis zur Führung eines Kraftwagens. Der Kreisausschuß des Kreises Gießen hatte den nachgesuchten Führerschein versagt, weil E. nach seinen Vorstrafen nicht die für einen Chauffeur erforderliche Zuverlässigkeit bc- itze. E. legte gegen diesen Bescheid Be.usung ein. Tie began- cin und den Evana. Bund der Shnodc im Jahresbericht gedruckt vorgelegt werden. Diese- Jahr werden sie noch von den einzelnen Vertrauensmännern mündlich erstattet. Bezüglich der Dekanatskrankenpflege ist hervorzuheben, daß jetzt sieben Schwestern- stationen in den Landgemeinden des Dekanates vorhanden sind: diese Einrichtung bat mich die Unterstützung des Kreisausschusses Gießen und der Landesversicherungsanstalt Großh. Hessen gefunden. Der Voranschlag der Dekanatskasse für 1914 16 wird einstimmig genehmigt. Ms Stellvertreter des Dekans wird Pfarrer Glück Heuchelheim, zu Mitgliedern des sckmfses Landgerichtsrctt R e u e n h a g e n Gießen gcrmcifter Kramer- Steinback, zum Mitglied des Dekanats- auSschufses Bürgermeister V o l k - Allendors a. d. Lahn, zu Ersatzmännern Pfarrer H e p d i n g - Hausen und Bürgermeister Kreiling- Heuchelheim wiederaewählt. Ter in Aussicht genommene Vortrag von Pfarrer Wagner-Beuern wird wegen der vorgeschrittenen Zeit für die nächstjährige Synode zurückgestellt. Mit einem vom Vorsitzenden gesprochenen Gebet wird die Synode gegen 2 Uhr geschloffen. II *11 ar bürg, 29. Oct. In Anwesenheit von mehreren hundert Geistlichen, Lehrern und sonstigen Misnonsirennden au5 allen -teilen Riirhelfen» (and heute mittag im großen Saale de« PhilivvS- haiüe« die diesjährige M , s s i o n 4 k o n i e r e n z für denKon- > Ut ° r i a l d e z i r k K a s s e l statt. Ter Ahsston-abend, der gleich- >allS cm Philipv«han|e stattland, war ebenfalls gut besucht. Dermifdyttt* * Kaufmanns-Erholungsheime. Die Anmelbuw- gen von Mitgliedern und die Zuweisungen twn Stiftungen für bte Deutsche Gesellschaft für Kaufmanns-Erholungsheime sind in der letzten Zeit in ganz außerordentlich großem Maße erfolgt. Insbesondere ist eine Reihe von größeren Stiftungen von solchen Firmen eingegangen, deren Angestellte die Heime der Gesellschaft bercfts besucht und die Bortrefflichkeil und Zweckmäßigkeit dieser Emrich- tung aus eigenen Anschauungen kennen gelernt haben. U. a. haben gestiftet: Bleistiftfabrik vorm. Joh. Faber A.-G., Nürnberg, 5000 Mark: Hannoversche Bank, Hannover, 5000 Mark: Niederlansctzer Kohlenwerke A. G., Berlin N. W., 5000 Mark: Ungenannt, Mün-- chen, 10000 Mk ; Vaterländische FeuerverficherungS-A.-G., Elberfeld, 5000 Mark: Ma^Wilke, Guben, 10 000 Mark: Wurzencr Kunsttnühlenwerke Dornt. Fr. Krietsch, Wurzen i. S. 5000 Mark. ff. Der letzte Offizier vom Todesritt von Ba - laelava. In London ist soeben, wie die „Pall Mall Otajctte" berichtet, Sir George Wombwell gestorben. Mit ihm ist der letzte überlebende englische Offizier des berühmten Angriffs von Ba- laelava, einer der ruhmvollsten Einzel heften des ^trimkrieges, ba- hingegangen. Wombwell hat diesen Feldzug als Leutnant der berühmten Light-Brigade mitgemacht, die sich zuerst auf den Kampfplatz geworfen und den Angriff eröffnet hat. Ihre Verluste waren entsetzlich. Wombwell, der mit dem frechen Wagemut des Jünglings auf die Feinde los stürmte, nnirbe das Pferd unter dem Leibe weggeschossen. Er sprang auf das eines toten Kameraden, das aber das glcidjc Schicksal hatte. Durch einen Sckttß schwer verletzt sank er nieder. Er hatte sich gern der drohenden Gefangennehmung entzogen und bet günstiger Gelegenheit bad Schlachtfeld verlassen. Zu diesem Zwecke verkroch er sich unter einen Haufen Leichen, wo er bie Nackt abwarten wollte. Er wurde aber von russischen Ambulanzen entbedt unb hervor gezogen unb mußte einige Monate in der Kriegsgefangenschaft in Rußland zubringen. Nach feiner Rückkehr erhielt er für sein heldenmütiges Verhalten durch die besondere Fürsprache von Lord (Serbingan eine bcsonbere Auszeichnung. Wombwell bat später noch bie englischen Feldzüge der folgenden Jahre mitgemacht. Er war ein leidenschaftlicher Svortmensch, der in vielen englischen Sportklubs präsidierte und in der Organisation der großen englischen Sportereignisse tätig war. (kfi Ein neuer Weg, Bilderfalschungen »u entlarven. Prof. Lauris von der Universität Edinburg glaubt, in der Mikrophotographie das Mittel gefunden zu haben, durch das Bildersälschungen mit Sicherheit entlarvt werden können. Er gebt von der Annahme aus, jeder Maler habe feine panz eindeutige, individuelle Art, bie Farben aufzutragen, die so individuell, wie die geschriebene Untcritbrift ist: der Betracktuna mit dem bloßen Auge entgehen diese Unterschiede, aber durch die Mikrophotographie sind sie nachzuweisen. So bat er einen ,,alten, grauen Jäger" in der Londoner Nattonalgalerie, den einige für einen Paulus Potter, anders für ein Werk Verdeckes halten, mit seiner Methode untersucht und durch Vergleich mit anderen Werken dieser beiden Künstler berausgefunden, daß bet Hauvtteil des Gemäldes von Berbecke, das übrige von einem Nachahmer Potters stammt. Ebenso hat er ein „Fete ckampetre" untersucht, das angeblich von Watteau herrübn, und das Er- gebnis ist, daß bie Pinselfübrung wenn man mit einem Worts die in Rebe stehenden Eigentümlichkeiten jufamnwnfafi'en nrilP nicht die Wattoaus ist. Man Tann der „Pall Mall Gazette" wohl darin beünlitbten, daß dies $ erfahren nnrflid) ;ur Entlarvung Ist bann die lange Ausbildungszeit glücklich übentanbat, fo bedarf der junge Arzt, wenn er einigermaßen auf der Höhe neben will, einer Einrichtung, die mit 4000 Mark eher zu meöng als zu hock veranschlagt ist. Unb dann wartet er aui bie iSatrenten. Die bemittelten Stände haben aber ihren festen Skrtrauenaarjt, uno auf die Kassenpattenten kann der junge Arzt melsach nickt rechnen, da an den meisten Orten eine Karenz^tt lns zwei Jahren besteht, ehe dem sich neu nieoerlassenden Arzte bte Zulassung zur Kassenpraris gewährt wirb. Ta nun ^nack der neuen Reick-soersicherungsordnung fast - der Bewohner Deut,cklands in die ÄranfenDerficfKrung emgeschloisen sind, so muß der junge Arzt seine Patienten zunächst unter dem letzten Drittel suchen, bte aber im Bedarfsfälle lieber zu ihrem alten Arzte als zu dem jungen Anfänger gehen werden. Als Drotstudium darf daher der junge Mediziner feinen von vornherein nicht auff offen, um so weniger, wenn er beben ft, wie der Zudrang zum Medizinischen Studium ganz ungeheuer ilt unb dadurch bie Aussichten des zukünftigen Arztes natürlich noch mehr verringert werben. Die Zahl der Medizmstubierenden ist seft Sommersemestcr 1905 bis zum Sommeriemester 1913 von 6300 auf 14 000 gestiegen. Danach wollen also im Semester etwa 1400, jährlich etwa 2800 junge Medcriner bie ärztliche Approbation erwerben. Dem jährlichen Bcwölkcrungszuwacks im Deut'chen Reiche von etwa 860000 würde aber nur eine Zahl von etwa 430 Aerz- ten entsprechen auf 2000 Einwohner ein Arzt - Rechnet man dazu noch den Todesabgang an Aerzten von etwa jährlich 450, so ergäbe sich ein jährlicher Reubccharf von 880 Aerzten, dem ein Zugang von 2800 geqenübersteht, mithin zu viel etwa 2000. Diese 2000 Aerzte wollen natürlich auck leben unb werden das Einkommen der Aerzte im allgemeinen schmälern. Es ist aber allgemein bekannt, daß die Hälfte aller Aerzte in Deutschland es noch nicht zu einem Einkommen von 6000 Mark im Jahre bringt, daß in den Großstädten viele Aerzte noch nickt einmal eine Ein« kominensteuer zahlen, so in Berlin, Leipzig, Köln, München und vielen anderen Großstädten. Die Tatsachen dieses Artikels sind auf Grund einwandfreien Materials zusammengestellt. Wen nun aber trotzdem gelüsten sollte, Arzt zu werden, der lasse,lick zuvor von seiner Buchhandlung die belttrzigenswertc Schrift des Marburger Sanitätsrates Dr. Sardemann kommen „Wer soll und darf Arzt werden?" — lieber alle Studien-Angelegenheiten gibt Rat und Auskunft der Verband Deutscher Klinikerschaften Left^ig, Mediz. Klinik, Liebig- straße 22.)___________________________ * • Provinzial-Ausschuß der Provinz Obcrhesfcn. Gießen, 29. Okt. Anwesend: Provinzialdirektor Geheimeral Dr. Ufinger als Vorsitzender und 5 Mitglieder. Beginn 9, Ende 12Vr Uhr. 1. Die Verhandlungen i. S. Klage des EliaS Hofmann zu Friedberg gegen den Bürgermeister der Stadt Friedberg wegen Aufhebung eines Potizeibesehls und Klage des £)rt£_ar= mcnverbands Gießen gegen den Landarmcnverband Gießen wegen Ersatz von Pck gekosten für A. W. fallen auf Antrag der Parteien aus. setzung der EmeignuNgseMschäbigung hierfür beantragt Durch Beschluß des BezirksauSfckuises vom 21. Juni 1910 wurde bte Entschädigung aut 6 Mark je Ouadratmeter, im ganzen auf ettva: über 24 000 Mark '-stgesetzt. Diese Summe ist von der Stadt hinterlegt unb das Grundstück darauf enteignet worden, nrau G. beschritt hiergegen den Rechtsweg: sie verlangt 100000 Mk mehr, weil es sich ntckt um Gartenland, sondern um Bauland handle. Die Stadt CHarlottenburg bat nun mckt während der secksmona- ttgen Alagefrist nach Zustellung des Entsckädigungsieststellungs beschlusses, wobl aber im Lause des Rechtsstreites nach l1. Jahren Widerklage erhoben, mit der sie Rück-ahlung der hinterlegten 24 000 Mark verlangt. Zur Begründung der Widerllage macht sie geltend: sckon lange tor der Enteignung habe die Beklagte einen Anspruch gegen den Rechtsvorgänger der Klägerin mit u n * entgeltliche Uefrertragung des Eigentums an den streittgen Parzellen erlangt: wenn sie trotzdem das (rnteignungvperfabren unb Festsetzung der Entschädigung beantragt Habe, so sei das geschehen, weil sie ein bringendes Interesse an der lieber lau ung ber Parzellen gehabt habe unb dies am schnellsten birrdi die Enteignung zu erreichen hoffte, und ferner, weil sie einen Teil der Urkunden aui die sie den Anspruch auf unentgeltliche Uebcrlassung stützt, erst nach Erledigung des Enteignungsverfahrens aufgefunden habe. Tie Klägerin hat dagegen die Zuftifsigkeit der Widerklage beimrttn. Vom Landgericht Berlin ist die Widerllage für zulästiH und auch für begründet erklärt, die Klage abgewiesen unb ber Widerklage stattgegeben worben. Im Gegenteil hierzu bat das Sammer* gericht die Widerklage abgewiesen , indem es zur Begründung aussührt: Tre Widerklage beruht zwar auf demselben Rrckts- verl^ltnis, auf dem ber Anspruch der Klage beruht, nämlich aui C-rr beschlossenen Enteignung. Nack § 33 ber ZiiTilprozeßordimng kann eine Widerllage erhoben werden, weim ber öfegenanipruch mit Dem in der Klage geltend gemachten Anspruch ober mit den gegen ihn vorgebrachten Berteibigungsmitteln in Zusammenhang licht. Hier I anbelt eS sich aber um ein unzulässiges SBcrtcibigungfr- mittel. Nack § 1 des Enteianungsgesetzes kann die Enteignung nur gegen Zahlung der vollen Entschädigung verlangt werden. Hatte die Bellagte einen privatrechtlicken Anspruch auf unentgeltliche liebereignung der Parzellen, so bedurfte es keiner Enteignung, sondern die Bellagte tonnte auf Ueberlassimg des Eigentums an ten Parzellen flogen. Seid)ritt bie Bellagte diesen Weg nickt, beantragte sie vielmehr die Enteignung, so übernahm sic damit auch alle aus dem Enteignungsgesetz Zerrührenden Veroflickttingen, insbesondere die Pflicht zur (^blung ber vollen Entschädigung. Tie nadyrrä gliche Prüfung ber Frage, ob ein pr wat recht! icher Anspruch der Beklagten auf unentgeltliche Uebcrlassung der Parzelle bestanden "hat, ist nicht angängig. Die Widerllage ist hiernach unzulässig. Die Stadt CHarlottenburg legte gegen diese Entscheidung R r - Vision ein, indessen ohne Erfolg: Das R e i ch s g e r i ck t hat das Urteil des Kammergertchts bestätigt und die Revision zurückgewiesen. Büdingen, 27. Okt. (Schöffengericht.) Der Schriftsctzcr O. N. aus Greußen, z. Zt. hier in Untersuchungshaft, nmrbc wegen Bettelns zu 10 Tagen Hast verurteilt unter Anreclmung ber erlittenen Untersuchungshaft. — Ter Ticnstknecht G M. von Alt- wiebermus wurde wegen Sachbeschädigung zu 3 Mark ober 1 Tag Gefängnis verurteilt. Er hatte anfangs August l. Js. an einem dem Landwirt ,Ph. Schneider zu Altwiedermus gehörigen Gartenzaun Latten abgerissen, um damit Birnen von einem Baurn zu werfen. — Der Taglöhner I. P. B von - 31 hur in Untersuckningshaft, wurde wegen Bettelns zu drei Wochen Hast verurteilt. Die erlittene Untersuchungshaft wurde angerechnet. — Der Taglöhner E. M. von Nieder-Roßbach, z. Zt. hier in Unter- fuchungshaft, wurde wegen Bettelns zu drei Wochen Haft unter Anrechnung der Untersuchutrgshaft verurteilt. — Der _A. St. aus Norwerkart (Russisch-Polen > wurde wegen Landstreicherei zu 10 Tagen Haft unb wegen Ruhestörung zu 3 Mark ober 1 Tog Haft verurteilt. Drei Tage ber erlittenen Untcrfu • chungshaft werden aus bie erkannte Strafe angerechnet. Nach ver • büßter Strafe wirb ber Angellagte ber Lanbespolizeibehörde überwiesen. leiten Straftaten lägen 3 Jahre zurück. Wahrend der letzten Jahre habe er sich einwandfrei geführt. Der Provinzialaus- ckmß gab der Berufung statt und entschied, daß der Führer- 'chein zu erteilen sei. 3. Klage des E. Nagel zu Bönstadt gegen d te Gemeinde Orleshausen wegen Verweige- rungdesOrtsbürgernutzcns. Nagel besitzt eine Hof- reite zu Orleshausen und zahlt auch dort seine Steuern. Er wohnt jedoch den größten Teil des Jahres bei seiner Tochter in Bönstadt und kommt nur auf kurze Zeit nach Orles- laufen, um dort den Ortsbürgernutzen nicht zu verlieren. Die Bürgermeisterei Orleshausen vertrat den Standpunkt, >aß Nagel in Orleshausen nicht wohne und deshalb keinen Anspruch auf Losholz erheben könne. Deshalb wurde ihm auch kein solches verabfolgt. Nus seine Beschwerde hin wies ihn der Äreisausschuß des Kreises Büdingen ab. Auch die Berufung an den Provinzialausschuß war nicht von Erfolg begleitet, denn sie wurde kostenfallig verworfen. vkrUvsnachrichttn. "Alla. T. lyrnuen verein, O r t S g r u p p e G i e b e n. Wie auS dem gestrigen Anzeigenteil erstchftick ist, findet die diesjährige Wenergloi-rlantmümq der biestgen Ortsgruppe deS Allg. Teuticheii FrauenvereinS am 1. November, a» eiidS 8‘-4 Uhr, im ,-roßen Söul des Lotei Schütz statt. Gewiß bringen die grauen Gießens dieser Veriammlung besonderes Znteresse entgegen: stehen wir doch alle noch unter dem Eindruck der Tagung des großen K)ing. Deutschen Franenvereius, welche den Teilnehmerinnen so viele wertvolle ))lnregu»gen gebracht hat. Wer den Verhandlungen am 6., 7. und 8. Oktober gefolgt ist, wer gehöit hat, welche hoben ozialen Aufgaben der Verein anstrebt, dem wirb es bewußt sein, daß sich diese Arbeiten die warmen Sympathien der Frauen aller Beruf flalien erringen müssen. Was ber Allg. Deutsche Fr uen- verein bezweckt, leien wir in knavvster Form in solgeudeu Sätzen, er erstrebt: „Tic Erziehung der Frau zu verständnisvoller ‘Zeitnahme am öffentlichen Leben. Förderung der Bestrebungen der ,'rau in beruflicher unb sozialer Arbeit. Eintreten für gesetzliche Reformen". Möchten dock recht viele Frauen ihre Teilnahme an diesen Arbeiten durch ihre tätige Mithilfe beweisen unb Mitglieder des Allg. Deutschen FrauenvereinS werden Färberei Oebr. Rover Gie^»tel8 chSSÄ Chemische« Reinigen u. Flrben von D&men-, Herren- u. Kindergarderobe, Vorhängen, Decken, Teppichen, Portieren, Fellen, Spitzen, Federn, Reihern, KlndenuUtzen, Handschuhen etc. _____Zirka 1000 Anccntellte. D9/io Einrichtung und Organisation unserer Werke sind in der gesamten Fachwelt als mustergültig anerkannt. Eingesandt. .ffür Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel «vernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Gießen, 29. Okt. "Ich sei. gewährt mir die Bitte, in eurem Bunde der Dritte!" Nach den Ausführungen der beiden Fach-Kollegen halte ich es W ^LZbbracht, aus meiner Reserve hrrvorrutreten und dem Wun- 1., neu berncricbtef, mit Küche und Zubehör billigst au vermieten. Näheres F. 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Insoweit Rechte zur Zeit der Eintragung des , Dersteigerungsvermerks aus dem Grundbuche nicht ersichtlich waren, sind sie spätestens im Versteigerung« termin vor der Aufforderung zur Abgabe von Geboten bei dem unterzeichneten Gericht anzumelven und, wenn der Gläubiger widerspricht, glaubhaft zu machen, widrigenfalls sie bei der Feststellung des geringsten Gebots nicht berücksichtigt und bei der Verteilung des Versteigerungserlöses dem Ansprüche dcS Gläubigers und den übrigen Rechten nachgesetzt werden. Diejenigen, welche ein der Versteigerung ent» gegenstehendes Recht haben, werden aufgefordert, vor der Erteilung dcS Zuschlags die Aufhebung oder einstweilige Einstellung des Verfahrens herbeizuführen, widrigenfalls für daS Recht der Der- steigerungserlös an die Stelle des versteigerten Gegenstandes tritt. Gießen, den 25. September 1913. Großherzogliches Amtsgericht. 8'/,. Bezeichnung der Grundstücke. Grundbuch für Gießen, Band 49, Blatt 2445: Reform- Trikot, Farben, Beinkleider --für Kinder 1.75, 1,°° Bergmann Metalldraht- Lampen mit gezogenem Leuchtdraht sind W“ unverwüstlich. C"/. Kissen-Bezüge To.U?-.rA 1.50, 1.75, L— usw. Ueberschlagtücher XS festonierten Bogen, Stück M. 4.—, 4.75, :: :: :: 5.50, 7.-, 8- :: :: :: :: Stoff’ 5 ich rn --- 7"5 “““ G^iepegie^eliesto jedZ^dZe^,tnet & gFll^yl61 I - G^ Erhältlich in den Kohlenhandlungen! Kein Ruß! Kein Rauch! Keine Schlacken! Große Hitze! Langdauemde Glut! [BSU/• wirbringenZhnendarbiMgsteu.beste Heizmaterial!