Nr. 78 Der Giehener Anzeiger erscheint tätlich, nutzer Sonntags. - Beilagen: viermal ivöchcntlto) Sietzcner^amilienblatter: zweimal wöcheml.Üreis- blatlsürdenUrnrGietzen (Dienstag und Freitag); zweimal inonntL Land- wirtschaftttchc öestfragen Fcrnsprech - Anschlüsse: iiir die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse iür Depeschen: Anzeiger Gieße«. Genehme von Anzeigen sür die Tagesnmnmer bis vormittags 9 Uhr. Erstes tzlstt 163. Zahrgang Zreitag, 4. April MZ General-Anzelger für Gderhefsen SM M i I X' i L Bezugspreis: monatlich75Vs., vierteljährlich Alk. 2.20; durch Abhole' it. Zivcigstellen monatlich 65 Pf.; durch dicPost Alk.2.— viertel- jä'hrl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pf., auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: 11. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; sür „Feuilleton", „Vermischtes" und „Gerichtssaal": K. Neu» Rotationsörutf und Verlag der Vrühl'schen Univ.-vuch- und Zteindruckerei H. Lang'. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstratze 7. .^.Heß^ür ben Büdingen: Fernsprecher Hr. 269 Geschäftsstelle Vahnhofstratze (6a. Anzeigenteil: H. Beck. Die heutige Nummer umsatzt 12 Seiten. Zur Revision der lau-ständischen Geschästrorbnung hi Hessen. . Ans Darmstadt wird uns geschrieben: Einen wesentlichen Tiffcrcnzpunkt bei der Hess, land- ständischen Geschäftsordnung, die jetzt endlich eine zeitgE'- rnäße Revision erfahren soll, bildet neben den schon kürzlich näher erwähnten Momenten die Frage: Wem soll im Dtändehaus das Haus recht zustehen und wer hat in diesem die Polizeigewalt auszuüben? Die Frage sollte eigentlich ohne weiteres ganz klar dahin zu beantworte:: sein, daß dieses Recht doch nur dem Inhaber oder Hans- herrn, also im vorliegenden Falle die beiden Ständeiäm- mern resp. deren Präsidenten (die beiden Kammern haben völlig getrennte Flügel des Gebättdcs im Besitz, nur die dazwischen liegenden Regierungszimmer unb die Arbeitsräume für die Stenographen sind gemeinsam, da es sich ja anch stets um dieselben Per'onen handelt) zustehen kann. Aber die Regierung denkt anders darüber. Sie meint, daß nur sie das .Hausrecht, die Polizeigewalt und die Aufsicht überhaupt im Ständehause ausüben dürfe, und sie kann sich habet auch auf die hessische Verfassung vom Jahre 1820 stützen. 1 Es erscheint nun aber wohl zum mindesten etwas eigentümlich, !daß bei einer solchen Frage, die doch angesichts des in unserer Zeit ganz selbstverständlichen Bestrebens der Stände, in jeder Beziehung ihre volle Unabhängigkeit zu bewahren, die Regierung wieder einen lühl ablehnenden Standpunkt entnimmt, was lebhaft an die unerquicklichen Verhandlungen des Vorjahres bezüglich der Stellung der Karnmerbcarnten erinnert, eine Frage, die bekanntlich auch noch nicht ihre endgültige Erledigung gefunden hat. Die Sachlage ist folgende: Das Ständehaus ist Staats ei^enturn und in ihm sind nach seiner Zweckbestimmung nur Räumlichkeiten untergebracht, die unmittelbar oder mitt-elbar den ständischen Zwecken dienen. Sind auch zurzeit noch zwei oder drei Räume mit Akten des Staatseigentums und des Archivs vollgepfropft, so ist dies ein unerwünschter und vorübergehender Zustand, der nur den Charakter eines Notbehelfs hüben kann. Während nun in alten anderen Staaten die Stände selbst das Recht der Verwaltung ihrer Gebäude haben und ihnen auch der zur laufendett Uirterhaltung der Gebäude notwendige Betrag direkt zur Verfügung steht, glaubt man in Hessen ihnen dieses Recht nicht zugestehen zu sollen und sie der vormundschaftlichen Aufsicht eines Ministeriums unterstellen zu müssen. Aber noch mehr: Tie Kammern wollen das Recht für sich in Anspruch nehmen, über die.Plätze der Galerie, also der Journalistentribüne, der reservierten und der all- gemeinen Zuhörertribüne zu verfügen; dagegen aber hält die Regierung an der Auffassung fest, daß i h r die Verteilung der Galerieplätze zustehe. Es soll also hiernach der Präsident der Kammer nicht das Recht haben, dem einen oder anderen den Zutritt zur reservierten Galerie zu gestatten oder zu verwehren, vielmehr nimmt zurzeit dieses Recht das Staatsministerium als Vertreter des Fiskus in Anspruch. An der jetzt bestehenden Hebung, daß es dem Präsidenten gestattet sein soll, einzeln Karten auszugeben, soll ja gnädigerweise nicht gerüttelt werden. Aber dies kann dem Präsidenten der Volksvertretung nicht genügen: Es handelt sich hier um ein Recht, das ihm bestritten wird, und an diesem muß fest gehalten werden. Auch die H a n>d h a b u n g der Polizei im Sxmfe durch 'den Präsidenten soll nur für die Zeit der Sitzungen LvWcttZchast rrnd Leben. — Die elektrische Gefahr. Die größte Gefahr ist das Vcrtrautsein mit der Gefahr. Dieser alte Ersahrnngssatz bewahrheitet fiel? immer wieder, sobald man einmal die Ursachen der elektrischen Unfälle näher betrachtet. Im überwiegenden Maße sind die Leitungsberührmtgen, die den Tod oder zunr mindesten schwere Verletzungen von Personen zur Folge haben, aus Unvorsichtigkeiten der Betreffenden zurückzusühren, ja stellenweise auf direkten MuNoillen. Denn nur als Mutwillen kann man es be- zeichnen, wenn beispielsweise ein Monteur, der doch mir ddr Gefährlichkeit des hochgespannten Wechselstromes genau vertraut ist, mit der Hand einen blanken Pol berührt, „um mal zu sehen, wie stark der Strom ist". Der Erfolg dieses Experimentes bestand darin, daß der Unvorsiänige noch zu sagen! vermochte, „der Strom ist stark" und dann tot zusammensank. In der Tat find denn auch die Unfälle, die wirklich durch Elektrizität, verursachst werden, verschwindend gering gegenüber jenen, oie aus andere Gründe, beispielsweise aus Absturz, Verlegung durch Wcrkzeugmaschiuen, durch Slichslamnrcn unb dcrgl. entfallen. Immerhin ist eine geringe Steigerung zu konstatieren. Die zu erhöhter Vorsicht mahnt.So zählt die Statistik der Berliner Berufsgenossenschaft für Feinmechanik und Elekiroteclmik im Jähre 1907. im ganzen 14 800 Unfälle aus, von denen 43, das heißt 0,3 Prozent, aus die Elektrizität entfallen. Dagegen registriert die Statistik des'Jahres 1912 int ganzen 15 100 Unfälle, von denen 82, d. h. 0,5 Prozent, auf die Elektrizität entfallen. Dies Anwachsen der Unfallziffer kann einerseits auf die starke Vermehrung der elekirischen Anlagen und Leitungen geschoben lvcrden. Es mahnt andererseits alle, die mit derartigen Anlagen zu tun haben, zu erhöhter Vorsicht und zur unbedingten Vermeidung jeder Mutwilligkeit, schliesslich aber besagt die Ziffer wiederum, daß die absolute Gefahr elektrischer Anlagen minimal ist, unendlich viel geringer als diejenigen Gefahren, die durch andere Betriebsmittel der modernen Industrie entstehen. — D i e Naturtheater kommen immer mehr in M ode, aber man kann nicht behaupten, daß dadurch der Kunst irn geringsten gedicm tvürde. Im Gegenteil, die meist von völlig unerfahreium Liebhabern hwausgebrachten Ausführungen entsprechen gewöhnlich in keiner Hinsicht auch nur den bescheidensten Au sprächen. Schon der gute Geschmack sollte die Einzelnen vor solchen Ausschreitungen bewahren, denn es bedarf , nicht nur des völligen Einklangs von Natur uno Dichtwerk, sondern auch einer vorzüglich durchgelnkd'e.en Regie und der in die Landschaft passenden Darstellung — und da sieht mmr dann selbst an beit von namhaften zugestand en w erden. Wie ist es nun in der sitzungsfreien Zeit? Ein Vertreter des Staatsministerinms hat in Zeiten, in denen keine Sitzungen stattfinden, gar nichts im Ständehaus zu tun; die Regierung ist deshalb wohl oder übel auf die Mithilfe der Karnmerbcarnten angewiesen. In wessen Auftrag diese nun in Fällen, in denen .Haus- rechte auszuüben sind, Selbsthilfe anwendcn oder polizeiliche .Hilfe erbitten, ist Wohl einerlei. Wollte man sogar der Regierungsansicht bcipflichten, so müßte in einem solchen Fall der Beamte der Kammer erst bei der Regierung anfragen, in welcher Weise er sich oder das fiskalische Gebäude schützen soll. Nach d'er ganzen Lage der Sache wird man den Stände-^ kammern nitr beistimmen können, zumal bei ollen übrigen staatlichen Gebäuden ein in diesem Gebäude dienstlich tätiger Beamter die Verwaltung des Gebäudes unter sich hat und für Notfälle den Fiskus zu vertreten befugt ist. Die Auffassung des Ministeriums von der Bevormundung der Stände Paßt in das Jahr 1820, in dem die Verfassung gegeben wurde, aber nicht für die jetzige Zeit, in der das parlamentarische Leben lebendig pulsiert. In allen anderen Staaten gesteht inan den Ständen dgs Recht der eigenen Verwaltung nicht nur ihrer Angelegenheiten, sondern auch ihrer Gebäulichkeiten zu. und wir wollen hoffen, daß auch den hessischen Ständen jetzt dieses Recht gesichert wird. Es haben daran loohl beide Kammern das gleiche Interesse. Die Aottendemonstratisn. Das Scheitern der russischen Pläne. O f e n p e st, 3. April. In Erörterung der auswärtigen Lage schreibt der „Pester Lloyd": Die Zustimmung des Petersburger Kabinetts zu Zwangsmaßregeln gegen Montenegro ist das förmliche Eingeständnis der Aussichtslosigkeit der russischen N e b e n p o l i t i k, welche Montenegro und Serbien dahin lenkte, daß diese Maßregeln notwendig wurden. Die über jeden Zweifel er habe ne Friedensliebe des Zaren hinderte nicht das Entstehen ernster Spannungen, nicht die Formulierung von Forderungen, die Oesterreich-Ungarn niemals erfüllen konnte und nicht die unter Berufung auf die russische Gutheißung gewagten Provotationen Serbiens und Montenegros. Seit Jahren werden die russischen Staatsmänner von der chauvinistischen Pete r s b u r g e r u n d A! o s k a u e r P r e s s e b e s ch i m p f t, weil sie das unmögliche, ihnen von den Panslavisten vorgezeichnete Programm nicht durchführen können. Das den Umsturz Europas heischende p a n s l a v i st i s ch e Programm könnte jedoch nicht versucht werden, ohne daß Rußland in einen Konflikt mit deut Dreibund, England und dem neuen Groß-Bulgarien geriete. Kann sich die russische Diplomatie von den panslavistischen Einflüssen nicht gänzlich losringen, so werden ihre Prologes auf dem Balkan noch schmerzlichere Enttäuschungen erleiden. Gilt „Geschenk" Rußlands an Montenegro und Serbien. Die Wiener „Reichspost" erhält aus Cattaro folgende Nachricht: In Begleitung der Transport flotte, die eben in San Giovanni di Med na mit serbischen Truppen und Geschützen eingetrofsen ist, befindet sich auch ein russisches Schiff, welches in Antivari sieben Geschütze, 11 Millionen Patronen und 40 000 Militärmäntel ausladet. Die Ladung ist. ein Geschenk R u ß l a n d s an die kriegführenden Staaten Montenegro und Serbien. Künstlern geleiteten ^caturbühnen die merkwürdigsten Dinge, ganz davon abgesehen, daß, nun erst die zahlreichen Liebhab er auffüh rimgen gar nicht in der Lage sind, .irgendwie künstlerisch wertvolles zu bieten. Nun ist diese Verirrung schon so weit gediehen, in der Grünewald-Rennbahn Schillers Wallenstein- Trilogie aufzuführen. Um die im Hause spielenden Szenen herausbringen zu können, müssen also die Säle in die Natur hineingezimmert werden. Man sieht hier, wie eine schöne und glückliche Idee durch unverständige Dilettantenarbeit und^ windschiefe Begeisterung buchstäblich zu Tode gemartert wird.' Daß bei diesen, für den Anfang Mai geplanten Aufführungen bedeutende Künstler wie Bassermann (Wallenstein), Moissi 'Max), Wagner (Jsolani), Ticgelmann lWackstmeister', und Lucie Höflich (Tekla i, unter der Regie von Felix Holländer teil- nelymen, wird die Aufführung schauspielerisch wohl zu einem Ereignis machen, aber der inncrlick>en Zwirlerhaftigkeit kann das keinen Abbruch tun. Schließlich sehen wir auch noch Tell in einem märkischen Naturtheater und der mangelnde Hintergrund wirD durch bettexte Leinwand „wirkungsvoll dargestellt". C. K. Di e französische Parfüm-Industrie. Ein lehrreiches Bild von der gewaltigen Entwicklung der französischen Blumenzucht und von der französischen Parfüm-Industrie gewährt eine umfangreiche Arbeit, Die Henri Pozzi veröffentlicht und aus der im „Ternps" einige Angaben unedergegebeu werden. Trotz der Verheerungen der Phhlloxera bat sich die Blumenzucht von der französischen Riviera und den südlichen Departements anch in die Weinländer des Rhonetals und der Provence ausgebreitet. Die gewaltigen Mengen gezüchteter Blüten gehen in besonderen Züge nach Grasse, dem Mittelpunkt der französischen Parfüm-Industrie, um dort destilliert zu werden. In dpn letzten Jahren wurden von den Parfüm-Destillationen in Grasse im Durchschnitt jährlich verbraucht: 2 Millionen Kilo Orangenblüten, 1' ■> Millionen Kilo Rosen, 1 200 000 Kilo Jasminblüten, 400 000 Kilo Veilchen, 300 000 Tuberosen, 150 000 Nelken, 100 000 Kassienblüten, 80000 Mimosen, 60 000 Reseda und 50 000 Kilo Jonguillen. In ähnlichem Maßstabe hat sich dank der verbesserten Eisenbahnverbindungen nach Paris nni) besonders nach Deutschland auch der Versand von Riviera-Obst und frischen Riviera-Blumen gewaltig gesteigert und erreicht heute bereits »ineu Jahresdurchschnitt von zusammen rund 250 Millionen Franks. Bei Fortdauer des Aufschwunges würde sich diese Zahl in etwa 10 Jahren verdoppelt haben. Ein n e u e s S t a d 11 h e a t e r i n B o n n. Der Theater bauvereiu in Bonn hat in den drei Jahren seines Bestehens bereits 400000 Mk. gesammelt. Dazu kommen noch 300 000 Mk. Die Teilnahme Frankreichs an der Flottendemonstration. Paris, 4. April. Tie Ageuee Havas veröffentlicht folgende Note: Nachdem die russische Regierung mitgeteilt hat, daß sie Frankreich und England an der Flottendemonstration beteiligt zu sehen wünscht, hat die Regierung der Republik beschlossen, an dieser feierlichen Bestätigung des europäischen Willens teilzunehmen. Der Kommandant des „Edgar Quinet", der nach Korfu entsandt worden war, hat infolgedessen Befehl erhalten, sich mit dem Kommandanten des englischen Schiffes ins Einvernehmen zu setzen und sich gemeinsam mit ihm nach Antivari zu begeben. Oesterreichs Entschlossenheit. Aus Wien wird gemeldet: Ter Kommandant der österreichischen D e mvn st r a t i o n s fl o 11 e erhielt Vollmacht, selbständig vorzu sehen und den von der Diplomatie gezogenen Rahmen zu überschreiten, falls unvorhergesehene Z w i s ch e n f ä l l e , wie die Beschießung der Schiffe von der Küste aus, eintreten. Die Laae Skutaris. Wien, 4. April. Nach den letzten, den hiesigen unterrichteten Stellen zugekommenen Nachrichten über die Lage in Skutari sind die Belagerungstruppen mit der Heranschaffung schwerer Geschütze von San Giovanni di Medua beschäftigt. Da die Geschütze nicht vor Ende der Woche in Stellung gebracht werden können, so ist es wenig wahrscheinlich, daß vor Samstag ein neuer Sturm stattfindet. Die „Wiener 9ieue Freie Presse" aus Cattoro meldet, wurden die Kriegsoperationen um Sckutari und am Tarabosch vorläufig unterbrochen, weit die Verluste in den letzten Gefechten überaus! groß sind. Die Truppen sind damit beschäftigt, die Toten zu begraben und die^Verwundeten wegzuschaffen. Die serbische Sknpschtina ist am Donnerstag zusammengetreten. Der Ministerpräsident dankte in einer längeren Rede den serbischen Offizieren und Soldaten für die Beweise der Aufopferung und Tapferkeit und erklärte, daß die serbische Regierung den gefallenen Helden aus dem Amselfelde bei K o s s o w o eine G e d ä ch tn i s k i r ch e errichten werde. Die serbische Regierung werde auch für die Angehörigen Wie die „Wiener Nene Fr. Presse" aus Cattorv ureldet, brach in stürmische Jubelrufe auf die Armee aus. Nächste Setzung am 8. April. Das Äöttigspaar voy Bulgarien in Adrianopel. Sofia, 3. ülpril. König Ferdinand mtb Königin Eleonore sind gestern nach Adrianopel abgereist, wohnten dort dem in der griechischen Kirche abgchaltenen Trauergottesdienst für den König der Hellener: bei und besichtigten später die Selim-Moschee und die Ostforts. DKe fremdländischen Militärattachees irafjmen die Verteidigungswerke von Adrianopel in Augenschein und kehrten hierauf nach Sofia zurück. Line Notlandung des 3. \ in Frankreich. Wir erhielten gestern abend folgende Meldung, die mir sogleich durch Aushang bekannt machten: Paris, 3. April Die „Agence HavaS" meldet: Bei Lnneville, Departement Meurthe et Moselle, ist heule mittag das Zeppelin-Luftschiff 4 wegen Motorschadens ge- landet. Sechs Offiziere in Uniform waren an Bord. Das Luftschiff, das heute früh in Friedrichshafen aufgestiegen war, hatte sich im Nebel verirrt. Soldaten bewachen das Luftschiff. Die Motore sollen abgerüstet werden. Zahlreiche Menschen strömen nach der Landestelle. Lnneville ist ein kleines Städtchen von etwa 200^0 Einwohnern, an der Meurthe in der Nähe von Nancy, und etwa 15 .Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. und der Banplatz, beides von der Stadl Bonn zur Verfügung gestellt, so daß der Verein insgesamt 700000>Mk. nni) den Bauplatz besitzt. Im nächsten Frühjahr soll der Grundstein für das neue Theater gelegt werden und int Jahre 1915 die Einweihung erkolgen. _— E i n originelles Preisausschreiben in der Gesamt höhe von 100 000 Mk. veranstaltet die bekannte itlu-- ftrierte Wochenschrift „Zeit im Bild". In der Nummer vom 2. April, die auch die Einzelheiten über das Preisausschreiben enthält, beginnt die Zeitschrift mit der Veröffentlichung eines Kriminalromans aus der Feder von Otto Sopka „Das Glück der Edith Hilge". Der Schluß dieses Romans wird im Juli erscheinen. Der Roman gibt die Schilderung einer Mordtat, der Mörder wirb aber vom Verfasser nicht genannt. Der Schuldige bleibt unerkannt und verschiedene Personen geraten in den Verdacht, den Mord begangen zu haben. Die Leser sollen nach den im Roman gegebenen Indizien selbst entscheiden und Den Nachweis erbringen, wer als dec wirtliche Mörder anzusehen ist. Weder der Verfasser noch das Preisrichterkollegium haben eine vorgefaßte Meirnrug über die Person des Täters. Nicirmnd kennt also den Mörder. Der Leser cnag nach seinem Ermessen eine Person, auf die sein Verdacht fällt, verurteilen. Er muß sein Urteil aber auch möglichst! fck>arssinnig begründen. Die ersten sechs Preise betragen der Reihe nach 50 000, 20 000, 10 000, 5000, 3000 unb 2000 Mk. in bar. Außerdem gibts uoch zehn Trostpreise zu je 1000 Mk. Ter Betrag von 100000 Mk. ist bei ber Deutschen Bank, Filiale München, hinrerlegr. Schluß ber Einsenbefnsl. 15. Oktober bieses Jahres. Manchem liegt ja bas Sherloä Holmes Spi 4.m int Blute, ohue baß er kaun, wie er möchte. Tas Preisausschreibeu von >,Zeit int Bilb" gibt solchen Liebhab er K rimi n al er n zwar nicht Gelegenheit, sich „ber menschlichen Gesellschaft nützlich zu erweisen" unb einen rohen Mürber ober eine schöne Mörderin dem Räckiecarm der Justiz zu überliefert!, aber 50 000 Mk. kamt sich solch ein Jünger der Kunst, Mensck>ctt zu fangen, verdienen, und zwar ohne jede Gefahr, erschossen oder erdolcht zu werden. Tie Frage, die viele bewegt: „Wie schaffe ich mir einen Nebenverdienst?" wird dadurch auf recht angenehme Art gelöst. — Kurze Nachrichten a u s Kunst und Wissenschaft. Der 4. internationale Kongreß für Schulhygiene wird vom 25.—30. August d. F. in Buffalo, New Pork, 11. S. A„ unter dem Ehrenvorsitz des Präsidenten der Vereinigten Staaten Herrn Wilson abgehalten werden. ®c. schästsführec des deutschen HauptansschusseS ist Pros. Tr. Selter, B o tt n. Heute sind zahlreich c weitere Meldungen eingelaufen, die bcn Vorfall im wesentlichen bestätigen, nur waren nicht 6, fonbcnt nur 3 Offiziere an Bord, und es ist auch noch nicht zlveifclSfrei festgestellt, ob Motordefekt und die Witterung das Mtommeu des Luftschiffes aus seiner Achtung verursacht hab-en. Den Meldungen zufolge würden beide Umstände bei dem Zwischenfall mitgewirkt haben. Z. 4 war Non der Militärbehörde noch nicht übernommen worden. Wir haben bekanntlich schon die Meldung gebracht, daß das Luftschiff nach seinen ersten Probeflügen weitere Fahrten von Baden-Los unternehmen sollte, bevor es übernommen würde. Gestern früh hatte es nun tatsächlich die Fahrt von Friedrichshafen nach Oos angetreten. Als cs bereits über dem Schwarzwald schwebte, mürbe -es mit großer Schnelligkeit nach Südwesten abg> trieden. Nach den französischen Angaben hat die Untersuchung -ergeben, daß die Insassen, da das Luftschiff über den Wolken flog, die Orientierung verloren. Jedenfalls steht es fest, daß lediglich äußere Mächte den Z. 4 auf französisches Gebiet geführt haben. Ein merkwürdiger Zufall wollte cs, daß das Luftschiff bei Lunöville" auf einem Exerzierfelde landete, wo eine Jügerbrigadc Uebungen abhielt. Der »Führer hat die Landung doch' wohl mit Absicht dort ausgeführt, denn damit sicherte er sich militärische Hilfe beim Festhalten des Ballons und steuerte sofort in die doch unabwendbare französische Untersuchung hinein. Die Herren Franzosen haben sich bis jetzt sehr korrekt benommen. Daß sic nach dem Woher und Wohin fragten, ja auch eine nähere Nachforschung sitch «erlaubten, ist ihr gutes Recht. Im übrigen können sie nur bei Spionagev erd acht die beteiligten Personen festnehmen. In einer französischen Verordnung vom 21. November 1911 heißt es: „Niilitärischen Luftfahrzeugen fremder Staaten ist der Verkehr innerhalb Frankreichs verboten". Selbstverständlich gilt das „Verbot" nicht für solche durch Witterungsunbill oder Motordefekte verursachte Besuche. Hier kann lediglich eine Untersuchung stattfinden. Das Verhalten der französischen Behörden, soweit es bis setzt bekannt geworden ist, zeugt von großem, anerkennenswertem Takte, und wenn die Zivilbevölkerung auch einige feindselige Annäherungsversuche machte, so braucht man das nicht ernst zu nehmen. Polizei und Militär gewährten den deutschen Luftschifferu und ihrem Eigentum wirksamen Schutz. Hoffentlich .gelingt cs, den Ballon alsbald wieder zu füllen und, ohne weitere politische Schwierigkeiten, die Rückfahrt nach Deutschland zu bewerkstelligen. Wir haben folgende Meldungen erhalten: Lüneville, 3. April. Gegen 1/21 Uhr sähen heute hiesige Einwohner zu ihrem Erstaunen in der nebligen Luft über der Stadt ein großes gelbbraunes Luftschiff, das aus der Richtung von Nancy zu kommen schien. Es war ein starres lenkbares Luftschiff. Es flog in großer Höhe, verschwand dann wieder, kam um 1 Uhr 20 Min. zurück, umkreiste mehrmals die Kirche von St. Jacques und landete schließlich auf dem Manöverfelde, wo Jäger zu Pferde exerzierten. Die Offiziere ließen sofort eine Abspcrruugs- kette um das Luftschiff bitben, das leicht und unverletzt landete. Es war ein Zeppclinluftschisf neuen Modells. Dolmetscher befragten die Offiziere, einen preußischen Hauptmann, einen preußischen Leutnant und ziwei württembergische Leutnants und sechs ander Passagiere. Die Offiziere er Aorten, sie hätten im Großhcrzogtum Baden landen sollcn, seien aber infolge starken Ostwindes abgetrieben worden. Sie hätten mehrere Forts passiert. Als sie schließlich über dem Fort Mannonvillers gewesen seien und Reiterei gesehen hätten, hätten sie geglaubt, in der Gegend von Saarburg zu sein und wären gelandet. Uebrigens wäre der Benzinvorrat erschöpft. Das Luftschiff wäre auf einer seiner drei Probefahrten und von der Militärbehörde noch nicht abgenommen. Die an Bord befindlichen Offiziere hätten die Ausgabe, die Probefahrt abzunchmen. Tas Luftschiff tonrbc durch Wegnehmen der Magnete bewegungslos gemacht und an eisernen Pikettpfählen verankert. Die Zivil- und Militärbehörden sind zur Steille. Ter S 0 u s - präsekt leitet die Untersuchung. Luneville, 3. April. Hervorzuheben ist, daß der Wind von Osten kommt, daß also das Luftschiff, wenn cs nahe der Grenze oberhalb des Waldes von Parroy eine Motorpanne erlitt, vor Luneville keinen zur Landung geeigneten Boden finden lonnke. Nachmittags um 3 Ühr begann man, das Luftschiff zu entleeren. Zu der Landung des,Zeppelinluftschiffes wird noch aus Nancy gemeldet: Tas Luftschift war gegen 1 Uhr in der Gegend non Nancy und landete gegen 2 Uhr in Luneville, wo es von den Soldaten des gerade dort manövrierenden zweiten Jägerbataillons in Empfang genommen wurde. Die an Bord befindlichen drei Offiziere gaben an, sie hätten nicht gewußt, daß sic sich über französischem Boden befanden. Sie seien durch den starken Ostwind abgetrieben worden und hätten außerdem mit Mvtordefckt zu tun gehabt. Die Volksmenge habe das Luftschiff zuerst offenbar für ein französisches gehalten, die Lufffchiffer selbst hätten aber aus den Zurufen bald geschlossen, daß sie sich in Frankreich befanden. Die Offiziere begaben sich in ein Hotel, vor dessen Tür mehrere militärische Posten Aufstellung nahmen. Wie weiter gemeldet wird, haben die Luftschiffer nach Paris um Wasserstoffgas gedrahtet, woraus man entnehmen will, daß sic hoffen, morgen die Rückfahrt nach Deutschland antreten zu können. Bei der Landung ans dem Manövcrfelde hielt gerade eine berittene Jägerbrigade Uebungen ab. Ge n er al L es - cot verhörte die Offiziere. Sic erklärten, heute früh 6 Uhr in Friedrichshafen aufgestiegen zu fein: sie wollten einen größeren Flug ausführen, waren,aber durch die Wolken über ihre Richtung getäuscht worden und feien so nach Luneville gelangt. Luneville, 4. April. Die Insassen beS L. Z.4 find einer DurchFurchung unterworfen worden. Da-s Luftschiff wurde 'b e s ch ä d i g t. Es wird die Weiterreise nicht vor der Ankunft neuer Gasvorräte antreten können. Die Insassen wurden nach verschiedenen Berneh- mungen im Auto des Maire von Luneville in ihr Hotel gebracht. Der Maire und 60 Arbeiter, die von den 'Insaffen je 5 Fr. für ihre Dienstleistung erhalten haben, halten toäljrent) der Nacht die Wache bei dem Lufffckftff. Nancy, 3. April. Die Nachricht von der Landung des Zeppelinluftschiffes wurde im Lause des Nachmittags in der Stadt bekannt und gab zu zahlreichen Erörterungen Anlaß. Ein m -e r kw ü r d i g e S Z u s a m m e n t r e f f e n ist es, daß gerade in der letzten Nacht interessante'Manöver vorgenommen Worden sind, um mit Scheinwerfern, die sich auf An t 0 m 0 b ilen befanden, nach Ballons zu suchen. Gleichzeitig waren mitten in der Nacht Landungsübungen borgenommen worden. So konnte z. B. das Luftschiff „Adjutant Vincenot", welches in der Dunkelheit in großer Höhe über Toul kreuzte, schnell cnl- de einer Höhe von 2000 Metern über den Schwarzwald geflogen. Es sei in Nebel und in einen starken Ostwind geraten. Gegen 1 Uhr habe man geschen, daß man fich über Frankreich befinde und habe den Uebungsplatz bei Lun^ville als sehr geeignet für die Landung ausgewählt. Wenn die zur Füllung des Ballons erforderlichen 1000 Kubikmeter Wasserstoffgas aus Augsburg eintreffen, werde man noch heute die Rückfahrt antreten. Friedrichshafen, 4. April. Die von hier aus verbreitete Meldung, daß ein Extrazug mit Gasflaschen nach Lnneville abgegangen sei, ist falsch. Es wurde vielmehr an den kursmüßigen Zug 6.55 Uhr gestern abend ein einziger Waggon mit Gasflaschen an- gchängt, der, wenn er ohne Aufenthalt weiterbefördert wird, heute vormittag 10 Uhr in Lun^ville eintreffen dürfte. Direktor Colsmann, der gestern in Frankfurt weilte, hat sich von dort gleichfalls nach Limeville begeben. \ Eine Qualitätsmarke ersten Ranges! Altbewährt, überall beliebt und unübertroffen! £ •> Man achte ausdrücklich auf den '■ - Nflmen Henkel und weise minderwertige Nachahmungen zurück! 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Ai können, rb nn Etats vorgenonnnen des SeniorenloMn wird der m den Pfingstferimvoi Mcheiind durch mei EraäkizunMtals (irt staltung erfahren wei darauf, daß der Eta Verabschiedung der gesonderte Vmtnng gar im Herbst dürft« uuh tzre Mir dafür s mit tenfefficii Mel>r5 dahin tkvinmen, dar i int Ausschuß zur Ler ech nach Pfingsten b über die Lteuergesetz fallen sein. Man 1 Pfingsten noch Mi Wie die „Täglic nationallidera stacke Strömung qe< Einführung der Er ßtröimg Liegen, s oder die öozialdeinl Sas prei setzte die deratunn an und Unterricht gemein regte die Mennig be ftultiisminiftcr t>. in ^erjabren des Cbertin ii'icn, die KusÄhrnnam Mtuichr ')lb9. Tt. etliche Mcmcen jd Mmat und idn „mi E ankerten ,ich ü ^onV) Brered Ge4 Mt lebhaft ging Bücher Kultus" W. mimitct um eine nS9, 99n? 9lci*. hobelt toirb ober M ^Lultusmin? einmal ?*rb- eine Antwort dazu veranlag bic < &K.™b ™ grt ^r Weiten KB» Wett qu T-asserm r° BB Jür m .. MO zMK